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4 Titelthema

Was, du stillst noch?!


Das Stillen von Kleinkindern
Dr. med. Nicole Ritsch

Obwohl die positiven Auswirkungen


der Muttermilch auf Entwicklung
und Gesundheit von Säuglingen
inzwischen allgemein anerkannt sind,
bleibt das Stillen von Kleinkindern
in der westlichen Welt nach wie vor
ein Tabu. Zu Unrecht, proitieren
doch Mutter und Kind gleicher-
maßen von einer langen Stillzeit.

Ä
ltere Stillkinder sind in der westli-
chen Gesellschaft ein eher seltener
Anblick. Spätestens, wenn ein Kind
laufen lernt, Anzeichen zeigt, selber an die
Brust gelangen zu wollen oder aktiv nach
Muttermilch fragt, wird der kulturell ak-
zeptierte Stillrahmen gesprengt. Das spie-
gelt sich auch in der Sprache wieder: Die
gefühlte Grenze allgemein akzeptierten
Stillens entspricht im deutschsprachigen
Raum meist dem Ende der „Säug“lingszeit
mit 12 Monaten.
Foto: Kerri Frischknecht
Wie lange kann/soll/
darf man stillen? Wer stillt wie lange? Zur weltweiten Stilldauer existieren keine
Mütter, die ihr Kind über die gesellschaft- Zahlen. Aufgrund des großen Unterschieds
Dass Empfehlungen und Realität zwei Paar
lich akzeptierte Grenze von einem Jahr in Stillrate und Stilldauer zwischen tradi-
Schuhe sind, zeigt ein Blick auf aktuelle
hinaus stillen möchten, sehen sich neben tionellen und westlichen Kulturen wäre ein
Statistiken: In Deutschland liegt die durch-
einer Vielzahl von Vorurteilen auch wider- schnittliche Stilldauer, erhoben im Rahmen Durchschnittswert auch nicht wirklich aus-
sprüchlichen Expertenmeinungen gegenüber. des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys sagekräftig. Der oft kolportierte Wert von
Während sich die in Deutschland gültigen (KiGGS) 2007, bei 6,9 Monaten. Im Alter 4 Jahren ist sicher utopisch; selbst eine
Empfehlungen zur Stilldauer aus dem Jahr von zwölf Monaten wurden 8%, mit 24 Untersuchung, der ethnologische Studien
2004 auf die Aussage: „Die Stillkommis- Monaten weniger als 1% aller Kinder noch aus 64 traditionellen Kulturen zugrunde
sion gibt keine ausdrückliche Empfehlung, gestillt (4). Damit liegt Deutschland in etwa liegen, kommt „nur“ auf einen Wert von
wann endgültig abgestillt werden sollte, im mitteleuropäischen Durchschnitt. Er- 2,8 Jahren (7).
weil sich für Deutschland hierzu keine wis- staunliche Ergebnisse brachte eine ähn-
senschaftlich begründete Basis finden liche Untersuchung aus dem Jahr 2008 in
lässt“ (1) beschränken, empfiehlt die WHO Italien: Die durchschnittliche Stilldauer Die „physiologische“ Stilldauer
explizit „mit geeigneter Beikost weiter bis war dort mit 7,7% deutlich höher als in
Menschen teilen als Angehörige der Ord-
zum zweiten Geburtstag und darüber hin- Deutschland, die Stillrate mit zwölf Mo-
aus, so lange Mutter und Kind dies wün- nung Primaten deren grundlegende Still-
naten lag immerhin bei 24% (5). Vor allem
schen“ zu stillen (2). Die American Acade- im zentralen und nördlichen Italien lag die muster. Es liegt daher nahe, die „physio-
my of Pediatrics (AAP) rät immerhin zu Stilldauer hoch; Frauen, die arbeiteten, logische“ Stilldauer des Menschen in
einer „mindestens einjährigen Stillzeit für eine höhere Schulbildung genossen hat- Bezug zu jener anderer Primatenarten zu
alle Kinder“ und betont, dass es „keine ten und in Städten lebten, stillten am setzen. Allgemein kann das ungefähre
Obergrenze für die Stilldauer“gibt (3). längsten (6). Abstillalter bei Menschenaffen anhand von
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verschiedenen physiologischen Konstan- „Impfung“ Muttermilch länger gestillt wurden, hatten ein um 19%
ten abgeschätzt werden. Primaten stillen: niedrigeres Risiko, an Mittelohrentzündun-
„Kinder, die vor dem ersten Lebensjahr gen zu erkranken; traten trotzdem Infek-
abgestillt werden, haben ein erhöhtes tionen auf, waren diese im Durchschnitt
• für die sechsfache Tragedauer (entspricht
Krankheitsrisiko“, stellte die amerikanische um 3 Tage schneller überstanden (18). In
etwa 4,5 Jahre beim Menschen)
Gesellschaft der Hausärzte (AAFP) in ihren derselben Studie zeigte sich für spastische
• bis die bleibenden Backenzähne Empfehlungen zum Stillen schon 2001 fest Bronchitis eine ähnlich protektive Wirkung;
durchgebrochen sind (umgerechnet (13). Tatsächlich besteht zwischen Stillen überdies verkürzt längeres Stillen das Ri-
etwa 5,5 Jahre) und kindlicher Morbidität eine inverse siko invasiver Pneumokokkenerkrankun-
Relation. Diese ist besonders ausgeprägt gen (19). Die Schutzwirkung von Muttermilch
• bis zum Vervierfachen des Geburtsge- im ersten Lebensjahr, lässt sich aber bis vor anderen infektiösen Erkrankungen wie
wichtes (2,5-3,5 Jahre) zum dritten Lebensjahr und darüber hinaus Durchfall (20), Infektionen des oberen
feststellen (14). Zwischen dem 16. und 30. Respirationstraktes (21) und Haemophilus-
• für die Hälfte der Zeit bis zur Geschlechts-
Lebensmonat reduziert Stillen sowohl die Influenzae-Typ-B-Infektionen (22) ist gut
reife (5-7 Jahre) (8)
Frequenz als auch die Dauer interventions- belegt; es mehren sich die Hinweise, dass
Damit kann aus anthropologischer Sicht bedürftiger Krankheitsepisoden bei Klein- dieser Schutz um so effektiver ausfällt, je
das wahrscheinlich „physiologische“ Ab- kindern (15). Analog dazu steigt der Gehalt länger gestillt wurde. Und: Die protektive
stillalter beim Menschen zwischen 2,5 und an immunologisch aktiven Substanzen wie Wirkung bleibt auch nach dem Abstillen
7 Jahren angesiedelt werden (9). IgA-Antikörpern, Lactoferrin und Lysozym bestehen (23).
in der Muttermilch nach dem 12. Lebens-
monat wieder an(siehe Tabelle 3) (16). Stillen als physiologische Form der Klein-
Muttermilch – ist gut, bleibt gut kindernährung trägt neben einer optima-
Dies wirkt sich vor allem auf die Inzidenz len orofazialen Stimulation (24) zur Prä-
Eines der am häufigsten geäußerten Vor- und den Schweregrad infektiöser Erkran- vention von chronischen Erkrankungen wie
urteile gegen das längere Stillen betrifft kungen aus. Für die Prävention akuter insulinabhängigem Diabetes (25), chronisch
den angeblich fehlenden „Nährwert“ der Mittelohrentzündungen – eine der häufig- infektiösen Darmerkrankungen (26) und
Muttermilch für ältere Kinder. Tatsächlich sten behandlungsbedürftigen Infektionen koronarer Herzkrankheit bei. Ein wichtiger
decken 500ml Muttermilch im zweiten im Kleinkindalter - ist nicht nur die Dauer Faktor ist dabei die dauerhaft positive
Lebensjahr 30% des Energiebedarfs, 54% des ausschließlichen Stillens ausschlag- Beeinflussung der Stoffwechsellage. In
des Proteinbedarfs und 60-75% des Fett- gebend (17), sondern auch die Stilldauer einer deutschen Studie aus dem Jahr 1999
bedarfs eines Kleinkindes (10) (siehe Ta- insgesamt: Kinder, die 12 Monate oder hatten Kinder ein um 72% reduziertes Ri-
belle 1). Der Gehalt an Proteinen und Fett
ist dabei in der Milch von Müttern, die
länger als 12 Monate stillen, deutlich hö-
Energy required by age and the amount from breastmilk
her als jener der Milch von Müttern, die
weniger als ein Jahr gestillt hatten (11). 1200
Energy from breastmilk Energy gap
Auch der Beitrag der Muttermilch zur Vit-
1000
aminversorgung ist beachtlich: Mit 500ml
Energy (Kcal/day)

Muttermilch deckt ein Kind im zweiten


800
Lebensjahr 94% seines Vitamin-B12-Bedarfs,
80% seines Vitamin-A-Bedarfs, 76% seines
Folsäurebedarfs und 60% seines Vitamin- 600
C-Bedarfs; auch bis zu 40% des nötigen
Kalziums kann ein Kleinkind aus der Mut- 400
termilch beziehen (12). Die in der Mutter-
milch enthaltenen Nährstoffe sind dabei 200
besonders gut verwertbar: der im Vergleich
zur üblicherweise fettarmen Beikost hohe 0
Fettgehalt (3,5g/100ml) fördert zum Bei- 0-2m 3-5m 6-8m 9 - 12 m 12 - 23 m
spiel die Aufnahme von fettlöslichen Vit-
Age (months)
aminen wie Vitamin A, der hohe Vitamin-
C-Gehalt der Muttermilch die Eisenresorption.
Tabelle 1:
Muttermilch stellt so einen wertvollen (aus http://whqlibdoc.who.int/publications/2009/9789241597494_eng.pdf)
Baustein in der Ernährung von Kleinkindern Energiebedarf eines Kindes abhängig vom Lebensalter (inklusive Verhältnis von
dar (vergleiche Tabelle 2). durch Muttermilch und durch Beikost gedeckter Energie))
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siko adipös zu werden, wenn sie mehr als kindlichen Immunsystems hat, der mittels
12 Monate gestillt worden waren (27). „Priming“ durch T- und B-Lymphozyten
Ähnlich positive Auswirkungen zeigen sich sowie anti-idotypische Antikörper und die
auch auf den Cholesterin/Lipoproteinhaus- Stimulation durch mütterliche Zytokine
halt. Neben ausschließlichem Stillen (28) und Wachstumsfaktoren zustande kommt
ist gerade längeres Stillen mit einer ver- (40). Dies wird als grundlegender Schutz-
mechanismus bei Zoeliakie (41), Autoim-
ringerten Inzidenz und Mortalität an koro-
munerkrankungen, kindlichen Tumoren
narer Herzkrankheit im höheren Lebens-
und möglicherweise allergischen Erkran-
alter assoziiert (29).
kungen angenommen.

Wie bei stillenden Müttern reduziert Mut- Polemiken haben auch Studien zu psycho-
termilch auch bei Kindern das Risiko, an motorischer Entwicklung und Sozialver-
Krebs zu erkranken. In einer russischen halten von gestillten Kleinkindern hervor-
Fall-Kontroll-Studie war eine kürzere Still- gerufen. Frühes Abstillen wurde unter
dauer mit einem Trend zu höherer Inzidenz anderem als Risikofaktor für niedrigere
an Krebserkrankungen vor dem 14. Lebens- Scores bei Intelligenz (42)- und Entwick-
jahr assoziiert (30), eine vergleichbare lungstests (43) im Kindergarten- und Schul-
Risikoreduktion fanden Gajalakshmi et al alter sowie verzögerte motorische und
2009 für Indien (31). Zu einem ähnlichen Foto: Michaela Dewes sprachliche Entwicklung (44) identifiziert.
Schluss kam auch eine Studie von Davis Länger gestillte Kinder zeigten darüber
Schwieriger vor allem wegen der Vielzahl hinaus bessere soziale Anpassung (45)
et al: Kinder, die mit künstlicher Säuglings-
widersprüchlicher Daten ist die Wirkung und ein höheres Level an Verbundenheit
nahrung gefüttert wurden, hatten ein 1-8
auf die Entwicklung von Allergien zu be- zu den Eltern (46). Tatsächlich ist es schwie-
x höheres Risiko, vor dem 15. Lebensjahr
werten. Manche Studien zeigen einen rig, den Einfluss einer einzigen Interven-
an Krebs zu erkranken; das Risiko war für tion auf polyfaktorielle Endpunkte wie
die am längsten gestillten Kinder am ge- positiven Effekt gerade längeren Stillens
auf die Inzidenz von Asthma und Allergien, Intelligenz oder psychomotorische Ent-
ringsten (32). Besonders gute Evidenz wicklung nachzuweisen. In ihrer Gesamt-
insbesondere auch für ehemalige Frühge-
existiert dabei momentan für die Risiko- heit deuten aber auch diese Ergebnisse
borene und Kinder, die Passivrauchen
reduktion bei Morbus Hodgkin (33), Leuk- ausgesetzt sind (37). Je nach Datenauswahl darauf hin, dass Muttermilch Stoffwechsel,
ämien (34) und Lymphomen (35). Längeres und –bewertung fällt das Ergebnis von Immunsystem und Hormonhaushalt von
Stillen reduzierte außerdem das Risiko, an Metaanalysen und Reviews allerdings po- Kindern positiv beeinflusst und zu einer
juveniler rheumatoider Arthritis zu erkran- sitiv (38) oder negativ (39) aus. Bewiesen optimalen Entwicklung beiträgt.
ken (36). Auch hier steigt die protektive ist, dass Stillen einen dosisabhängigen
Wirkung mit der Stilldauer. positiven Effekt auf die Entwicklung des Und die Mutter?
Stillen haftet oft das Vorurteil der Aufop-
Gaps to be filled by complementary foods for a ferung von Seiten der Mutter an. Tatsäch-
breastfed child between12 - 23 months lich ist gerade längeres Stillen eine aus-
gezeichnete Investition in die Gesundheit
von Müttern.
100
Percentage of daily needs (%)

Gap
Generell scheint sich Stillen auch auf den
Provides
75 by 150 ml Stoffwechsel der Mutter positiv auszuwir-
breast milk ken. Dieser Effekt ist bis über die Wech-
seljahre hinaus nachzuweisen: Frauen, die
50
gestillt hatten, hatten postmenopausal ein
niedrigeres Risiko für Bluthochdruck, Dia-
25 betes, erhöhte Blutfettwerte sowie Erkran-
kungen des Herzens und der Herzkranz-
0 gefäße; der Effekt war umso deutlicher, je
Energy Protein Iron Vitamin A länger die Frauen gestillt hatten (47).

Nutrient Besonders eindrücklich ist die Auswirkung


auf Tumoren der weiblichen Geschlechts-
Tabelle 2: organe. Jedes Jahr Stillen reduziert das
(aus http://whqlibdoc.who.int/publications/2009/9789241597494_eng.pdf) Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, um
Muttermilch und Beikost ergänzen sich im zweiten Lebensjahr: 4,3%. 24 Monate Stilldauer senkten in
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einer epidemiologischen Studie das Risi- den Bedarf. Und: Auch gestillte Kinder
ko um 54%; den höchsten Benefit hatten haben ein niedrigeres Osteoporoserisiko
Frauen mit einer Gesamtstilldauer von mehr als nicht-gestillte (57). Darüber hinaus
als 72 Monaten (48). Stillen scheint dabei schützt Stillen, möglicherweise ebenfalls
unabhängig von der Anzahl der gestillten durch eine Beeinflussung des Hormonsy-
Kinder und dem Alter bei der Menarche stems, vor rheumatoider Arthritis. Eine
oder ersten Geburt einen protektiven Effekt Schutzwirkung zeigt sich hier ab 12 Mo-
zu haben (49). Insgesamt besteht eine naten Stilldauer (58).
inverse Relation zwischen der kumulativen
„Lebensstillzeit“ und dem Brustkrebsrisi- Längeres Stillen hat noch eine Reihe an-
ko (50). derer Vorteile: Eine reduzierte Inzidenz von
Migräne (59), eine verlängerte Laktations-
Frauen, die ihr Kind ein Jahr oder länger amenorrhoe (60) mit positiven Auswirkun-
stillen, haben darüber hinaus ein im Durch- gen auf den Verlauf von Multipler Sklero-
schnitt um ein Viertel reduziertes Risiko, se (61), verringerter Insulinbedarf bei
an Gebärmutterkrebs zu erkranken (51). manifestem Diabetes (62) und verminder-
Für Eierstockkrebs sinkt das Risiko für je- tes Gewicht (63) sind nachgewiesen.
den Stillmonat(!) um 1%. Hier zeigt sich
die Schutzwirkung gerade bei älteren Müt- Stillen ist ein Teamsport
tern: Eine Mutter, die mit 35 Jahren ihr
erstes Kind bekommt und es 15 Monate Keine Frage: Kleinkinder müssen nicht
lang stillt, reduziert ihr Risiko, an dieser gestillt werden. Dennoch ist Muttermilch
zweithäufigsten aller weiblichen Krebsfor- auch nach der Säuglingszeit ein wertvolles
men zu erkranken, um 55% (52). Darüber Nahrungsmittel und ein wirkungsvoller
hinaus scheint längeres Stillen eine ge- Schutz vor Erkrankungen. Stillen bis zur
wisse Schutzwirkung vor „nicht-hormonel- Kleinkinderzeit stellt die „physiologische
Norm“ (64) dar; Mutter und Kind profitie- 5 SIP-ISPO. La Cultura dell’ allattamento al seno
len“ Tumorarten wie Schilddrüsen (53)- und
ren gleichermaßen davon. Die Entscheidung tra le mamme in Italia. Daten veröffentlicht
Oseophagus-Karzinom (54) zu haben.
auf dem nazionalen Congress der SIP (Societá
über die Dauer der Stillbeziehung muss
Italiana di Pediatria), 16.10.2008
Stillen „schwächt“ auch nicht die Knochen, jedes Mutter-Kind-Paar für sich allein tref-
fen. Mitarbeiter des Gesundheitswesens, 6 SIP-ISPO. La Cultura dell’ allattamento al seno
wie vom Volksmund gerne zitiert. Genau
die mit stillenden Müttern zu tun haben, tra le mamme in Italia. Daten veröffentlicht
das Gegenteil ist der Fall: Nicht-Stillen
sollten das Thema kennen und Mütter in auf dem nazionalen Congress der SIP (Societá
konnte in einer niederländischen Unter- Italiana di Pediatria), 16.10.2008
suchung als Risikofaktor für spätere Osteo- ihrer Entscheidung für oder gegen das
porose identifiziert werden (55). Frauen, Stillen von Kleinkindern respektieren und 7 in: Dettwyler KA. A natural age of weaning.
unterstützen. http://www.kathydettwyler.org/detwean.html
die länger als acht Monate stillten, hatten
im höheren Lebensalter eine höhere Kno- 8 Dettwyler KA. A time to wean. Breastfeeding
Quellenverzeichnis:
chendichte und ein geringeres Risiko für Abstracts, August 1994, Volume 14, Number 1, 3ff
1 http://www.bfr.bund.de/cm/207/stilldauer.pdf
Schenkelhalsfrakturen (56). Erklärt wird 9 Dettwyler KA: When to Wean: Biological Versus
dies mit einem erhöhten Kalzium-Turnover 2 Infant and Young Child Feeding. Model Cultural Perspectives. Clinical Obstetrics and
Chapter for Textbooks for Medical Students Gynecology, 2004. 47(3), 712ff
im Knochen stillender Mütter: Diese resor-
and Allied Health Personals, WHO 2009, S3-4
bieren zwar während der Stillzeit mehr http://www.who.int/nutrition/publications/ 10 Dewey KG. Nutrition, growth, and comple-
Kalzium aus ihren Knochen, füllen diese infantfeeding/9789241597494/en/index.html mentary feeding of the breastfed infant. Pediatr
Vorräte aber nach dem Abstillen wieder 3 American Academy of Pediatrics, Section on Clin North Am. 2001 Feb;48(1):87ff
besser auf. Supplementierung von Kalzium Breastfeeding. Breastfeeding and the use of 11 Mandel D et al. Fat and energy contents of
ist auch bei langem Stillen nicht notwen- human milk. Pediatrics, 2005, 115(2):495ff
expressed human breast milk in prolonged
dig; eine ausgewogene Ernährung deckt 4 http://www.kiggs.de lactation. Pediatrics. 2005 Sep;116(3):e432-5.

Konzentration immunologisch aktiver Substanzen in Muttermilch Tabelle 3:


(mg/ml, Durchschnitt) (65)
Alter 2-3 Tage 1 Monat 6 Monate 12 Monate 13-15 Monate 16-24 Monate

Laktoferrin 5,3 1,9 1,4 1,0 1,1 1,2


Sekretorisches IgA 2,0 1,0 0,5 0,8 1,1 1,1

Lysozym 0,09 0,02 0,25 0,196 0,244 0,187

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