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BUND FAKTEN, ANALYSEN,

AKTIONEN UND TIPPS


FÜR UMWELTBEWUSSTE
03
19

MAGAZIN
ZUR ZEIT GRÜNES BAND
Grüne Geldanlage 30 Jahre Lebenslinie
Klimaschutz jetzt! BUND-Sommerabend

WAS LEBT
DENN DA?
Artenkenntnis und Naturschutz
© salvia77 / photocase.de

Was bleibt,
wenn wir gehen?

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BUNDmagazin 3 | 19 ›  INHALT 3

INHALT
10 20

LIEBE LESERINNEN
UND LESER,

seit Mitte Juni sind in Deutschland


­ -Tretroller erlaubt. Als Spielwiese hat
E
man ihnen die Radwege zugeteilt. Keine
gute Idee: Gerade in den Städten benötigt
der Radverkehr nicht weniger, sondern
T. Stephan deutlich mehr Platz als bisher. Die meist
28 ohnehin zu schmalen Radwege nun auch
für Roller mit fragwürdiger Ökobilanz frei-
zugeben, weist in die falsche Richtung.

AKTUELLES ZUR ZEIT


Zu einem anderen, ungleich schädlicheren
4 Kurznachrichten 26 »Lass brummen« – ein Fazit
Verkehrsmittel: Neun von zehn Menschen
7 Gerettete Landschaft 27 15 Jahre Rettungsnetz Wildkatze
weltweit haben noch nie ein Flugzeug von
8 Kommentar 28 Grüne Geldanlage
innen gesehen. In Deutschland aber
30 Klimaschutz jetzt!
boomt das Fliegen, selbst innerdeutsch
SONDERTHEMA 31 Gas statt Kohle?
wird immer mehr geflogen. Wie sehr
10 30 Jahre Grünes Band
­müssen die Temperaturen steigen, bevor
12 Grünes Band Europa NATUR IM PORTRÄT
dieser Trend gestoppt wird? Auf Seite 25
13 BUND-Sommerabend 32 Bedroht: Meerneunauge
finden Sie Tipps zum Thema Fliegen.
34 Grüne Insel in Gefahr
TITELTHEMA
Ein weiterer Trend macht dem BUND
14 Was lebt denn da? AKTIV
­Sorgen: Immer weniger Menschen
16 Rettet die Artenkenner! 36 Klaus Milde im Gespräch
­verfügen zumindest über ein Grundwissen
18 BUND aktiv 38 Neues aus dem BUND
der heimischen Tiere, Pflanzen und Pilze.
20 Citizen Science 40 Internationales
Und die, die sich gut auskennen, werden
42 Die junge Seite
immer älter. Warum das ein Problem ist?
GUT LEBEN
Weil wir Arten umso besser schützen
24 Virtuelles Wasser SERVICE
können, je mehr wir über sie wissen.
25 Tipps zum Fliegen 44 Leserbriefe
Lesen Sie dazu unser Titelthema ab S.14.
46 Marktplatz
48 Medien: Neu erschienen
50 Kontakte und Impressum

Das BUNDmagazin ist die


Severin Zillich
Mitgliederzeitschrift des BUND. Redaktion
4 BUNDmagazin 3 | 19 ›  AKTUELLES

AKTUELLES
DIE ZAHL: CHEMIE-
GIFT MAL ZWEI?

Giftige Laborchemikalien sind heu-


te überall zu finden: in der Arktis,
in Tiefseegräben – und auch in
unserem Körper. Bald dürfte sich
die chemische Belastung deutlich
MEHR NATUR IN DER STADT erhöhen: Chemiefirmen haben von
zu bewahren. Auch will man das »Bundes- 2000 bis 2017 ihre Produktions-
programm biologische Vielfalt« erweitern. kapazität und ihren Umsatz welt-
In der Praxis bleibt jedoch viel zu tun: weit um hundert Prozent gesteigert.
So genügt das Baugesetzbuch noch lang Bis 2030 wird sich ihr Umsatz wohl
nicht dem Anspruch, Eingriffe in Natur erneut verdoppeln.
und Landschaft zu minimieren. Kontrol- Dies schreibt das Umweltprogramm
len des BUND Schleswig-­Holstein zeigen der UN in seinem »Global Chemical
zudem, wie schlecht vor Ort meist darauf Outlook«. Zum Umgang mit den
M. Wessel

geachtet wird, dass solche Eingriffe mög- Chemikalien zitiert es die Welt-
lichst gering ausfallen und ausgeglichen gesundheitsorganisation. Demnach
werden, wie es das Gesetz vorschreibt. starben 2016 mindestens 1,6 Millio-
Natur in der Stadt ist wichtig nicht nur für Viele Kommunen kommen ihren Aufga- nen Menschen durch Chemikalien.
die Gesundheit und Lebensqualität derer, ben beim ­Natur- und Umweltschutz in der Sind es bald doppelt so viele und
die in Ballungsräumen wohnen. Gerade Bauleitplanung nicht (ausreichend) nach. mehr? Folgen der Klimakrise und
Kindern kommt es zugute, wenn sie die Wohl auch, weil sie fachlich und personell dem Verlust der biologischen Viel-
Natur direkt erleben. Aufgrund der Arbeit teilweise überfordert sind. falt bald die Konsequenzen der
des BUND und vieler Verbündeter hat die Höchste Zeit, die »grüne Infrastruktur« steigenden Chemikalienflut? Mit
Bundesregierung jüngst einen »Master- der Kommunen aufzuwerten – für eine mehr Krebserkrankungen und Stoff-
plan Stadtnatur« beschlossen. zukunftsfähige Entwicklung unserer Städ- wechselstörungen oder geringerer
Seine Eckpunkte begrüßen wir: So soll der te und Dörfer ist sie unverzichtbar. Der Fruchtbarkeit? Das muss nicht sein!
Artenschutz an Gebäuden gestärkt werden, BUND wird sich in den nächsten zwei Jah- Auf gefährliche Chemikalien im All-
besonders bei der drängenden Gebäude- ren fit für mehr Stadtnatur machen – ge- tag lässt sich gut verzichten. Siehe:
sanierung. Eine kommunale Landschafts- fördert vom Bundesamt für Naturschutz www.bund.net/chemie
planung soll dafür sorgen, die Stadtnatur aus Mitteln des Umweltministeriums.

NEUE HEIMAT bei, welche Pflanzen für Bienen gut sind«,


erinnert sie sich an ihre Jugend. Müll ver-
Die Wiedervereinigung war eine emotio-
nale Erfahrung für die einstige »Flüchtlings-
Die Bochumer Literaturwissenschaftlerin meiden, Ressourcen scho­nen, die Natur familie«. »Diesen menschenverachtenden
Karin Yeşilada wünschte sich zu ihrem schützen, das wurde zu wichtigen Lebens- Grenzstreifen in eine Lebensoase für die
Geburtstag Spenden statt Geschenke. prinzipien. Regelmäßig spendet sie für Natur zu verwandeln, ist genial«, begeis-
Natur kann Heimat sein, besonders wenn Naturschutzprojekte des BUND. tert sich Karin. »Aus dem Fluch wurde ein
die gesamte Familie woanders geboren Segen!« Den ersten Anteilschein für das
ist als man selbst. Vielleicht ist es das, Grüne Band schenkte sie sich selbst zum
was sie am Grünen Band so fasziniert. 50. Geburtstag. Die Idee zum »Spenden
Karin Yeşilada – Mutter aus Schlesien, wünschen« übernahm sie dann von einem
Vater aus der Türkei – lernte den Natur- engagierten Freund. Nun sammelt sie all-
schutz von ihren schlesischen Großeltern, jährlich mit ihren Geburtstagsgästen für
die in Nordhessen ansässig wurden. »Im weitere Anteilscheine.
Frühjahr sammelten wir regelmäßig Kräu-
ter. Und meine Großmutter brachte mir www.bund.net/spenden-statt-geschenke
BUNDmagazin 3 | 19 ›  AKTUELLES 5

KURZ & GUT


»Only bad news
is good news« Im Thüringer Wildkatzendorf Hüt-
scheroda am Hainich hat der BUND
heißt es, vor allem ein Luchsgehege eröffnet. Unter
schlechte Nachrichten den Gästen waren der Leiter des
Nationalparks Hainich, Manfred
erregen also unsere UMWELTPREIS Großmann, und unser Vorsitzender
Aufmerksamkeit. Für eine digitale Rad- und Infokarte
Hubert Weiger. Die neue Schauanla-
ge mit zwei Tieren soll dazu anregen,
Doch positive Neuig- entlang seines Projektgebietes
die Tiere besser kennenzulernen
»Hohe Garbe« erhielt der BUND
keiten aus unserem den Umweltpreis 2019 des Landes
und sich über ihre Schutzwürdigkeit
zu informieren. Wie die Wildkatze –
Verband und aus dem Sachsen-Anhalt. Die Tour unter dem
von der im Dorf derzeit vier Tiere zu
Motto »Natur entdecken auf vielen
Umwelt- und Natur- Wegen« umfasst 26 Stationen zur
sehen sind – firmiert der Luchs als
ein Botschafter für die Wiederver-
schutz tun einfach gut. Natur sowie zu geschichtlichen und
netzung artenreicher Wälder. Sein
kulturellen Aspekten. Entstanden ist
Einige aus jüngster Zeit sie im Rahmen des Projekts »Leben-
Fortbestand in Deutschland gilt als
stark gefährdet.
haben wir wie immer dige Auen für die Elbe« und in enger
www.wildkatzendorf.de
Zusammenarbeit mit den Anwohne-
für Sie ausgewählt. r*innen des Gebietes.
www.bund.net/auentour

DEUTSCHE
UMWELTHILFE
Erstmals konnte der BUND in Nord­ost- Noch ein Erfolg vor Gericht: Die Deutsche
deutschland eine Wildkatze nach­weisen. Die EU darf das Hormongift Bisphe- Umwelthilfe – einst mitgegründet vom
Im Fläming, nur 25 Kilometer südlich von nol A (BPA) als besonders gefähr­ BUND – kann als Verbraucherschutz-
Berlin, ließ sich ein – leider überfahrenes – lichen Stoff einordnen, gemäß der verband weiter Unternehmen abmahnen
Weibchen eindeutig dieser Art zuordnen. Chemikalienverordnung REACH. und gegen sie klagen. Sie bewege sich
Dazu Carsten Preuss, Vorsitzender des Mit diesem Sieg für Umwelt und Ge- im gesetzlichen Rahmen, beschied der
BUND Brandenburg: »Viele Jahre haben sundheit ist am 11. Juli eine Klage Bundesgerichtshof einem Autohändler.
wir auf die Rückkehr der Wildkatze gewar- der Plastikindustrie gescheitert. Das Die DUH hatte sich auch in der Politik
tet. Nun hoffen wir hier weitere der Tiere Gericht der Europäischen Union Feinde gemacht, weil ihre Klagen auf sau-
aufzuspüren.« So geeignet der waldreiche machte somit deutlich: Der Schutz bere Luft zu etlichen Diesel-Fahrverboten
Höhenzug als Lebensraum wirkt: Erneut von Umwelt und Gesundheit geht führten. Bundesgeschäftsführer Jürgen
erweist sich der Straßenverkehr als lebens- vor Konzerninteressen – ein klares Resch betonte: »Wir kontrollieren nicht
bedrohlich für die Katzen. Deshalb fordert Bekenntnis zum Vorsorgeprinzip. Geringfügigkeiten, sondern nur schwer-
der BUND Wälder besser zu vernetzen BPA findet sich unter anderem in wiegende Verstöße gegen den Umwelt-
und mehr Grünbrücken über große Stra- Konserven und Kassenzetteln. und Klimaschutz.« Für die eigentlich der
ßen zu bauen. Staat Verantwortung zeigen sollte …
6 BUNDmagazin 3 | 19 ›  AKTUELLES

Rolf Vennenbernd/dpa
RISKANTER
RECHTSVERSTOSS
Viele Chemikalien sind potenziell gefähr-
lich für Mensch und Umwelt. Trotzdem
werden sie massenhaft für Alltagspro-
dukte verwendet. Der Grund: Etliche Kon-
zerne haben gegen die Auskunftspflicht
verstoßen, die das EU-Chemikalienrecht
REACH bei der Registrierung ihrer Stoffe
fordert. Dies hat der BUND aufwendig Schadstofftest beim TÜV Rheinland.
recherchiert und die säumigen Firmen
beim Namen genannt. Doch das Prinzip »Keine Daten, kein stoffmix ist mitverantwortlich für Krebs,
Unsere Recherche beruht auf Angaben Markt« funktioniert nicht: Rund 60 Pro- Unfruchtbarkeit, Immunschwäche, Diabe-
des Bundesinstituts für Risikoforschung. zent der registrierten Stoffe werden trotz tes oder Übergewicht. Der BUND fordert
Die Behörde übermittelte eine Liste mit der fehlenden Sicherheitsdaten für den die Europäische Chemikalienagentur auf,
941 Stoffen, für die keine vollständigen Handel freigegeben. So bleibt unklar, wel- alle unvollständig registrierten Stoffe und
Daten eingereicht wurden. Damit ermittel- che Produkte wirklich sicher sind. Die von ihre Hersteller bekanntzugeben. Sie muss
ten wir die Namen der Stoffe und der re- uns identifizierten Chemikalien werden in auch für die gesetzlich vorgesehenen
gistrierenden Firmen. Zu ihnen zählen Mengen von jährlich 12 bis 121 Millionen Sanktionen sorgen und erteilte Freigaben
BASF, Dow Chemicals, ExxonMobil, Merck, Tonnen gehandelt. Sie finden sich überall zurückziehen.
Bayer, KiK-Textilien, RWE und Vattenfall. – im Essen, im Wasser, in Spielzeug und
Sie alle müssen eigentlich nachweisen, Kosmetik, in Wohnungen und in Büros,

i
dass ihre Stoffe Mensch und Umwelt selbst im Amazonas oder in der Arktis. MEHR ZUM THEMA
www.bund.net/reach-verstoss
nicht bedrohen. Die tägliche Belastung mit diesem Schad-

Neu ist, dass interne Angebote auch


auf öffentlichen bund.net-Seiten präsen-
tiert werden und direkt nach dem Login
genutzt werden können. Neu ist auch der
Warenkorb: Stoßen Sie auf einer Seite von
bund.net auf interessante Publikationen
oder Materialien, können Sie diese in den
Warenkorb legen, weitersurfen und Ihre

JETZT gen Zugangsdaten unserer Gruppen und


Aktiven konnten nicht übertragen werden.
Bestellung zu einem späteren Zeitpunkt
anpassen und abschicken.
REGISTRIEREN Bitte registrieren Sie sich deshalb neu. Mit der Registrierung für www.bund-­
Viele bewährte Angebote haben wir intern.net erhalten Sie zudem unseren
Der neue zugangsbeschränkte Bereich übernommen: Sie finden aktuelle, verbands- ­Aktiven-Newsletter, der Sie regelmäßig
für BUND-Gruppen und Aktive ist seit interne Informationen zu BUND-­Aktionen über verbands­interne Neuigkeiten und
­Anfang August freigeschaltet. Damit ist und zum Verbandsleben. Und Sie erhalten Angebote informiert.
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Sicherheitsstandard, nutzerfreundlicher Auch können Sie kostenlose Aktionspakete
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Mit dem Neustart mussten wir auch die Materialien des BUND. Und Sie finden hier Kontakt: stefan.euen@bund.net
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GERETTETE
LANDSCHAFT
Um der Natur bei Bitterfeld eine zweite Chance zu geben,
erwarb der BUND 1300 Hektar einstige Tagebauflächen, die
heute im Besitz der BUNDstiftung sind. Seit knapp 20 Jahren
erobern viele Arten das Mosaik neuer Lebensräume in der
»Goitzsche«-Wildnis zurück. Ein besonderes Kleinod ist der
Zöckeritzer See. Die Kreisgruppe Anhalt-Bitterfeld unter-
stützt die Stiftung hier dabei, Amphibien, Schmetterlinge
und Pflanzen zu dokumentieren. In und um den See lassen
sich Moorfrosch, Eisvogel, Fisch- und Seeadler, Kranich und
Schwarzstorch sowie Biber und Fischotter beobachten.
Frank Koch
8 BUNDmagazin 3 | 19 ›  AKTUELLES

KOMMENTAR

NATUR VERBINDET
Ein Todesstreifen wird zur
Lebens­linie. 30 Jahre nach dem Fall
der Mauer trägt das vom BUND ini-
tiierte »Grüne Band« reiche Früchte HUBERT WEIGER

– in doppelter Hinsicht. ist der Vorsitzende des BUND.

A uf 50 bis 200 Meter Breite schlängelt sich ein grünes Band


durch Deutschland. Es verläuft dort, wo einst eine todbrin-
gende Grenze Deutschland in zwei Teile schnitt. Vom Ostsee-
Hoffnung gibt da das Beispiel Südkorea. Hier ergreift eine de-
mokratische Regierung wieder verstärkt Anstrengungen, um die
Teilung zu überwinden. Der BUND hilft Institutionen und Verbän-
strand bei Lübeck über Schaalsee, Elbe, Drömling, Harz, Werra- den dort bereits seit Jahren, ein Grünes Bandes im Grenzbereich
tal und Rhön bis zum Thüringer und Frankenwald erstreckt sich zu schaffen.
dieses Band, fast 1400 Kilometer lang. Europa ist nicht gefeit vor jenen Kräften, die mit Vorliebe Gräben
Im Schatten von Stacheldraht, Wachtürmen und Grenzpatrouil- vertiefen. Mit der EU-Wahl haben die Fliehkräfte erfreulicherweise
len entstand und überdauerte hier eine Kette natürlicher Lebens- an Einfluss verloren. Mehr noch gibt das Wahlergebnis selbst An-
räume. Ihren Wert erkannten ehrenamtliche Naturschützer früh lass zur Freude: Die hohe Wahlbeteiligung hat gezeigt, dass ein
– der heutige Sprecher unseres Arbeitskreises Naturschutz, Kai vereintes Europa nach wie vor einer großen Mehrheit der Deut-
Frobel, schon als Schüler. Seit Mitte der 1970er Jahre erforschte schen am Herzen liegt. Und wer hätte gedacht, dass der Klima-
er mit Freunden der BUND-Kreisgruppe Coburg die Tier- und und Umweltschutz so rasch einmal Wahlen mitentscheidet?
Pflanzenwelt im Grenzgebiet. Gemeinsam dann organisierten Grenzen trennen – Natur verbindet. Wie notwendig das Grüne
wir 1989 – direkt nach dem Mauerfall – in Hof ein Treffen von Band als Denkmal der Einheit ist, werden wohl schon in Kürze die
Naturschützern aus Ost und West. Bei dieser Veranstaltung wurde Wahlen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen zeigen.
der Begriff »Grünes Band« geprägt: Das erste gesamtdeutsche
Naturschutzprojekt war damit geboren. ZUM ABSCHIED
30 Jahre ist das jetzt her. Seitdem engagiert sich der BUND Dieser Kommentar, liebe Mitglieder des BUND, ist übrigens
dafür, diese Lebenslinie zu bewahren. Mit Erfolg: Über 5000 ver- mein letzter als Bundesvorsitzender. Anfang November werde
schiedene Tiere und Pflanzen leben heute hier. Zum Rückzugsort ich mich nach zwölf Jahren nicht mehr zur Wahl stellen. Ich bin
wurde das Grüne Band unter anderem für mindestens 1200 Arten, dankbar für die Zeit, in der ich als Ihr Vorsitzender den BUND ver-
die bei uns gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht sind. treten durfte, um mitzuwirken am endgültigen Ausstieg aus der
Atomenergie und am überfälligen Einstieg in den Ausstieg aus
EINEN STATT TRENNEN der Kohleenergie. Auch ist es uns in diesem Zeitraum gelungen,
Erfolgreich war unser Einsatz nicht nur für die Natur. Das Grüne Europas Landwirtschaft weitgehend frei von der Agrogentechnik
Band wurde nämlich auch zum Symbol der deutschen Einheit, zu halten.
zu einer Erinnerungslandschaft an die jüngere deutsche und Große Aufgaben liegen aber vor uns, wie die, den Verlust der
europäische Zeitgeschichte. Was die Menschen einst trennte, Biodiversität zu stoppen und gegen die Klimakrise zu kämpfen.
verbindet sie heute. Die größte Aufgabe wird sein, unsere Industriegesellschaft zu
Gerade dafür sollten wir das Grüne Band besonders schätzen. wandeln in eine der Nachhaltigkeit verpflichtete Gesellschaft.
Schließlich erleben wir in vielen Weltregionen, wie das Trennende Der BUND ist dafür gut gerüstet, dank dem großen Einsatz unse-
wieder Raum gewinnt. Länder wie die USA schotten sich heute rer Mitglieder und Förderer. Auch weiterhin wird sich der BUND
nach außen ab wie kaum zuvor. Auch in Europa werden erneut sicherlich beispielgebend für das Gemeinwohl und damit für die
Grenzen errichtet: in Ungarn, wo einst der Eiserne Vorhang verlief, Interessen künftiger Generationen engagieren.
den wir als Grünes Band Europa zu schützen fordern.
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Das Grüne Band zwischen
Mitwitz und Neustadt.

MONUMENTAL
GESCHÜTZT
30. Geburtstag feiert das Grüne Band zum Ende
dieses Jahres. Die Jubiläumsbilanz kann sich
sehen lassen. Der BUND hat daran großen Anteil.

Otmar Fugmann
LIANA GEIDEZIS KAI FROBEL

leitet den BUND-Fachbereich Grünes Band. Vater des Grünen Bands.

V ogelgezwitscher, Bienensummen, Bachgesprudel, dazu


der Geruch von frischem Gras. Andernorts schon ver-
schwundene oder bedrohte Tiere und Pflanzen tummeln sich
ten Reflex der Nachwende-Zeit, die Grenze auszuradieren, brach-
te vor allem der BUND eine bessere Idee auf den Weg: Aus dem
Todesstreifen sollte eine Lebenslinie der Erinnerung werden. Ein
in blühenden Wiesen, glitzernden Fließen und vielfältigen modellhafter Verbund von Lebensräumen. Und ein Denkmal für
Wäldern. Ein ganzer Fächer seltener Lebensräume entfaltet die Einheit Europas, das überdies Perspektiven für einen natur-
sich zu einem hochkarätigen Naturerbe, dem Grünen Band an nahen Tourismus schafft.
der ehemals innerdeutschen Grenze. Heute gilt diese Idee als anerkannt. Das Grüne Band präsentiert
Den 30. Geburtstag feiert das Grüne Band in guter Verfassung: sich als eines der bedeutendsten und komplexesten Naturschutz-
politisch akzeptiert, administrativ getragen, institutionell veran- projekte Deutschlands.
kert und ökologisch weitgehend in Schuss. Gegen den verbreite-
BUNDmagazin 3 | 19 ›  SONDERTHEMA 11

Mit Banner am Grenzdenkmal in Wanderung mit Eseln am Grünen Band, vom Denkstein der Deutschen Einheit
Kleintettau (Thüringen-Bayern). bei Wenigentaft zur historischen Buchenmühle im Biosphärenreservat Rhön.

LÜCKEN SCHLIESSEN Anteil aller Anrainer – 343 Kilometer – will diesem Beispiel noch
Doch nur gut zwei Drittel des 177 Quadratkilometer großen Grü- im Jubiläumsjahr 2019 folgen. Besonders erfreulich: Erstmals
nen Bandes stehen bisher unter effektivem Schutz. Rund ein entwickeln westlich angrenzende Bundesländer wie Hessen und
Achtel wird derzeit noch intensiv beackert. Dies schränkt die Bayern ebenfalls Pläne für ein räumlich abgegrenztes Grünes
Funktion des knapp 1400 Kilometer langen Biotopverbundes Band. Denn auch hier existieren wertvolle Lebensräume und kul-
deutlich ein. Wer geht schon gerne über eine Holzbrücke, bei der turhistorische Anlagen. Hessen plant gar die Ausweisung als
so manche Bohle fehlt – oder auch mal zwei oder drei hinterein- Nationales Naturmonument.
ander? Noch zählen wir 26 markante Lücken, insgesamt etwa
170 Kilometer lang. … UND WELTERBE?
Diese Lücken zu schließen, darum bemüht sich der BUND mit Dass diese Schutzkategorie in Deutschland umgesetzt wird, ist
viel Einsatz, Geld und Geduld (und gefördert vom Bundesprogramm auch ein starkes Signal für das Grüne Band Europa. Die Motive
Biologische Vielfalt). Wir überzeugen Menschen, ihr Grundeigen- und Gründe gelten nämlich genauso im größeren europäischen
tum naturverträglich zu nutzen, zum Beispiel auf großer Fläche Maßstab. Sie beflügeln die Nominierung des Grünen Bandes als
von robusten Rindern beweiden zu lassen. Oder wir bewegen sie UNESCO-Welterbe – in den Kategorien Natur und Kultur.
zum Verkauf oder Flächentausch. Seit dem Jahr 2000 konnte Der Dauereinsatz des BUND darf nicht nachlassen: Wir müs-
der BUND mit eigenen Ankäufen und dank vieler Spender*innen sen die Lücken schließen, die Defizite bei der Pflege der Lebens-
über tausend Hektar erwerben. So tragen wir erfolgreich dazu bei, räume angehen und dafür sorgen, dass jegliche Nutzung endet,
die Lebensräume besser zu verbinden. die dem Naturschutz zuwiderläuft. Die Ausweisung als Natur-
monument muss auch in den übrigen Bundesländern erfolgen.
NATURMONUMENT … Zudem wollen wir in die Breite gehen und das Grüne Band künf-
Immer ist sich der BUND aber auch seiner Verantwortung für tig mit angrenzenden Lebensräumen in West und Ost verbinden.
einen sensiblen Umgang mit der Geschichte bewusst. Dies bele-
gen unsere vielen Projekte und Kooperationen mit den Grenz-

i
landmuseen. Ohne das Grüne Band wäre so manches Relikt MEHR ZUM THEMA
www.bund.net/gruenes-band
längst verschwunden. Unser Angebot von Führungen und Grenz-
wanderungen und die physische Unmittelbarkeit des Grünen
Bandes haben unzählige – gerade junge – Menschen für die his-
torische Dimension der deutschen Teilung und die Tragik der NATURSCHUTZTAGE AN DER ELBE 2019
Grenzopfer sensibilisiert. Das Grüne Band ist damit kein Gleich-
nis für Trennung, sondern Ausdruck einer Symbiose von Natur- 27. – 29. September
schutz und Erinnerungskultur. 30 Jahre Grünes Band Deutschland: Verbindende
Die Dimensionen Ökologie und Geschichte verleihen dem Landschaften – Spürbare Geschichte
Biotopverbund Grünes Band das, was man im Marketing ein Infos und Anmeldung unter:
»Alleinstellungsmerkmal« nennt. Im November 2018 wies Thü- www.bund.net/naturschutztage
ringen als erstes Bundesland seine gesamten 763 Kilometer
am Grünen Band als Nationales Naturmonument aus. Diese
neue Schutzkategorie bezieht auch kulturhistorisch-landeskund- Eine von vielen bedrohten Arten
liche Aspekte mit ein. Sachsen-Anhalt mit dem zweitlängsten im Grünen Band: der Fischotter.
12 BUNDmagazin 3 | 19 ›  SONDERTHEMA

GRÜNES BAND EUROPA


MELANIE KREUTZ

ÖKOLOGISCHES BUND-Fachbereich Grünes Band.

RÜCKGRAT BEDEUTUNG BESTÄTIGT


Über 150 zivilgesellschaftliche und staatliche Organisatio-
nen in 24 Ländern arbeiten in der Initiative Grünes Band
Europa zusammen. Der BUND hat die »European Green Belt
Association« 2014 mitgegründet – ein wichtiger Schritt da-
Auch europaweit geht es mit mals, um dieses paneuro­päische Netzwerk sichtbarer zu
dem Grünen Band vorwärts. machen, zu koordinieren und voranzubringen.
Das Herzstück dieser Initiative sind grenzübergreifende
Und wieder ist der BUND und transnationale Projekte. Solche zu starten ist eine der
entscheidend beteiligt. Aufgaben des BUND-Fachbereichs Grünes Band, der den
zentraleuropäischen Abschnitt betreut. Aktuelle Analysen
zeigen: Mit zunehmender Nähe zum ehemaligen Eisernen
Vorhang steigt der Anteil an Schutzgebieten, und ihre Ver-

F ast 40 Jahre lang teilte der Eiserne Vorhang ganz


Europa. In seinem Schatten entstand ein 12 500 Kilo-
meter langer Verbund von Lebensräumen, vom Eismeer
netzung wird enger. Bemerkenswert ist, dass dieser Effekt
auf der Ostseite wie auf der Westseite messbar ist. Damit
ist das Grüne Band als wichtiger Bestandteil von Europas
im hohen Norden bis zur Adria und dem Schwarzen Meer
grüner Infrastruktur bestätigt. Als ökologisches Rückgrat
im mediterranen Süden. Dieses Grüne Band dient heute als
des Kontinents erfüllt es eine wichtige Aufgabe.
Refugium für viele bedrohte Arten. Und als Landschaft
der Erinnerung daran, dass der Kalte Krieg überwunden ist.
ZWEI NEUE VORHABEN
Im EU-geförderten Projekt »DaRe to Connect« (Wage es,
zu verbinden, 2018 bis 2021) übernahm der BUND als
»Lead-Partner« die Hauptverantwortung. Mittels hoch-
auflösender Satellitendaten werden in zehn europäi-
schen Ländern grenzübergreifende Biotopverbünde
ermittelt. Vor Ort erfassen die Partner detailliert, wo
Barrieren wie etwa Zäune bestehen. Diese Informa-
tionen sind eine wichtige Planungshilfe. Wir wollen das
Netz der Lebensräume und Schutzgebiete ökologisch
Ru durchgängiger gestalten. Tieren soll es besser möglich
do
lf Ritt werden, sich auszubreiten und zu wandern.
Ein weiteres EU-Projekt trägt den Titel »LIFE for MIRES«
(Leben für Moore, 2018 bis 2024). Verortet ist es am Grü-
nen Band Bayern-­Tschechien, wo die Nationalparks Bayeri-
scher Wald und Šumava sowie die artenreiche Kulturland-
ha
Ri

schaft der Bischofsreuter Waldhufen aneinandergrenzen.


c

rd
K raf
t
Hier arbeiten wir bereits daran, die europäischen Schutz-
gebiete besser zu verknüpfen. Der BUND kauft Flächen an
und kooperiert dabei grenzübergreifend mit dem National-
Zwei von vielen: Waldbirkenmaus und Hochmoorgelbling –
beide gefährdet – profitieren davon, dass der BUND am park Šumava. Damit können wir Moore und Feuchtgebiete
Grünen Band Bayern-Tschechien diverse Moore wiederbelebt. renaturieren und wiedervernässen, die Lebensräume von
seltenen Arten wie Hochmoorgelbling, Waldbirkenmaus
oder Kreuzotter.

i
MEHR ZUM THEMA
www.bund.net/gruenes-band-europa
BUNDmagazin 3 | 19 ›  SONDERTHEMA 13

BUND-SOMMERABEND

GRÜNES BAND:
GESTERN – HEUTE – MORGEN
30 Jahre Grünes Band – unter diesem Motto feierte der BUND am 5. Juni sein
politisches Sommerfest mit 350 Gästen. Und das direkt am Berliner Spreeufer,
wo vor 30 Jahren noch die Grenze des geteilten Berlins verlief.

W as für ein Ausblick! Von der Terrasse reicht der Blick nach
Westen bis zur Oberbaumbrücke, wo einst ein Grenzüber-
gang die innerdeutsche Grenze markierte. Im Osten glänzt die
monumentale Skulptur des »Molecul Man« am Treptower Park.
Je später der Abend, desto mehr Gäste drängen sich an den Ti-
schen entlang der Spree. Eine leichte Brise sorgt hier für etwas
Abkühlung – am bis dato heißesten Tag des Jahres.
Weniger hitzig war die Atmosphäre zuvor drinnen auf dem Po-
dium gewesen. Umweltministerin Svenja Schulze und Annegret
Kramp-­Karrenbauer bestätigten beide die Bedeutung des Grü- Bei 35 Grad waren Sonnenschirme und
nen Bandes: für den Naturschutz wie auch als Mahnmal der Kaltgetränke überlebensnotwendig.
deutschen Teilung. Die Ministerin sagte zu, den Lückenschluss an
der fast 1400 Kilometer langen Lebenslinie weiter mitzufinanzieren
und sich in Brüssel für das Grüne Band Europa starkzumachen.
Die CDU-Chefin mahnte Konflikte derer, die das Land nutzen und
die die Natur schützen, so zu lösen, dass das Grüne Band nicht
erneut die Menschen trenne.
Ein Heimspiel hatte Thüringens Umweltministerin Anja Sieges­
mund mit ihrem »Herzensprojekt«. Hat sie doch großen Anteil
Ausgezeichnet mit dem Forschungs-
daran, dass der längste Abschnitt des innerdeutschen Grünen preis des BUND: Lou Böhm, Fabian Das Maskottchen des
Bands heute als Nationales Naturmonument geschützt ist. Ge- Wirth und Sarah Redlich (von links). Grünen Bands mit Fans.

meinsam mit dem BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger forderte


sie, die Vision des Grünen Bands europaweit stärker zu fördern
– etwas wenn die Bundesregierung 2020 die EU-Ratspräsident-
schaft übernimmt.
Auch durch den dritten Sommerabend des BUND führte als
Moderator wieder der souveräne Max Moor. Das Podium verließ
er nur, als die Slamerin Jessy James LaFleur bissig mit den Ver-
säumnissen der Regierung beim Klimaschutz abrechnete.
Vor Beginn des Sommerabends überreichte Hubert Weiger
den diesjährigen Forschungspreis des BUND. Geehrt wurden
J. Farys (4)

drei junge Wissenschaftler*innen: Sarah Redlich für ihre Disser- Moderator Max Moor, Annegret Kramp-Karrenbauer,
tation zu »Chancen und Hürden ökologischer Intensivierung«; Svenja Schulze, Anja Siegesmund und Hubert Weiger.
Fabian Wirth für seine Masterarbeit zur Zukunft des deutschen
Schienengüterverkehrs; und Lou Böhm für ihre Bachelorarbeit

i
»Beteiligungsstrukturen in der nationalen Umsetzung des Welt­ WWW.BUND.NET/SOMMERABEND
aktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung«. WWW.BUND.NET/FORSCHUNGSPREIS
WAS LEBT
DENN DA?
Mal ehrlich: Wissen Sie, welches der häufigste
heimische Vogel ist? Nicht mal jede*r zehnte
Deutsche dürfte ihn erkennen. Es ist der Buchfink.
Nun ist Ihnen – als BUND-Mitglied – wohl diese
Weisheit vertraut: Nur was man kennt, kann man
schützen. Das lässt sich weiterführen: Nur was
man kennt, nimmt man zumeist überhaupt wahr.
Erst mit etwas Artenkenntnis entpuppen sich die
Meisen im Garten als Kohl- und Blau-, Hauben-
oder Weidenmeise. Nur wer ein wenig geübt hat,
filtert aus dem vielstimmigen Konzert der Vögel
mehr als den Kuckuck heraus. Nur wer botanisch
belesen ist, bemerkt, wo rare Pflanzen besonderen
Schutz verdienen. An Flechten, Pilze oder den
Mikrokosmos der Insekten gar nicht zu denken ...

Um die Fülle unserer biologischen Vielfalt


zu schützen, brauchen wir Leute, die sich
auskennen: Naturkundige, die registrieren,
wenn die Vielfalt bedroht ist. Und die uns
sagen, was wir unternehmen können.
Um sie geht es auf den nächsten Seiten.
South_agency/iStock.com
16 BUNDmagazin 3 | 19 ›  TITELTHEMA

NATURSCHUTZ

RETTET DIE ARTENKENNER!


KAI FROBEL W ie geht es dem Kiebitz im Land-
kreis? Hat der Laubfrosch die neu
angelegten Tümpel besiedelt? Wird die
Doch wie sollen wir wissen, wie es un-
serer natürlichen Umwelt geht, wenn nie-
mand mehr erkennt, was da kreucht und
lehrt Biogeographie an der
Uni Bayreuth und ist Sprecher
Speer­azur­jungfer wegen der Klimakrise fleucht, und Alarm schlägt, wenn Arten ver-
des BUND-Arbeitskreises seltener? Typische Fragen im Naturschutz schwinden oder keinen Nachwuchs mehr
Naturschutz. vor Ort. Wer sie beantworten will, braucht haben? Ohne ehren- und hauptamtliche
Daten: Wo kommen welche Arten warum Artenkenner ist Naturschutz schlicht un-
Nicht nur viele Tier- bei uns vor? Halten sie sich, nehmen sie zu möglich. Ihr Wissen und ihre langjährige
oder ab? Ohne dieses Wissen bleibt unser Erfahrung bilden dafür erst die Grundlage.
und Pflanzenarten BUND-Engagement orientierungslos.
werden immer seltener. Hier sind wir auf Artenkundige angewie- BLEIBENDE LÜCKE
sen: Menschen, die sich privat, ehrenamt- Artenkenntnis – ein Leben lang erweitert
­Gleiches gilt auch für lich oder beruflich mit bestimmten Tier- – ist eine oft unterschätzte Qualifikation.
die Menschen, die sie und Pflanzengruppen befassen, diese be- Wir brauchen Menschen, die Tiere und
stimmen und draußen in der Landschaft Pflanzen erkennen und beobachten und
erkennen können: kartieren. Was sie beobachten, zeigt die aus eigener Anschauung die biologische
Ihre Zahl schwindet. Verbreitung und – oft dramatische – Ent- Vielfalt »messen« können. Sie wirken wie
wicklung bestimmter Arten. So waren es ein Frühwarnsystem. Nehmen sie doch
Für den N­ aturschutz ist Krefelder Ehrenamtliche, die den langfristi- Veränderungen im Gelände oft viel eher
das ein großes ­Problem. gen Niedergang der Insekten nachwiesen. wahr als die, die im Labor sitzen.
Melanka Helms/GEO

Käferexperte bei einem Tag der Arten-


vielfalt, veranstaltet von GEO und BUND.
BUNDmagazin 3 | 19 ›  TITELTHEMA 17

Seit etlichen Jahren beschäftigt sich


der BUND mit einer Entwicklung, die wir
2016 mit einer Studie erstmals belegen
konnten: der Erosion der Artenkenner. In
den letzten 20 Jahren ging ihre Zahl bun-

Thomas Stephan
desweit um 21 Prozent zurück. Viele von
ihnen sind schon über 60. Und es mangelt
an qualifiziertem Nachwuchs. So ist ab-
sehbar: Viele Expert*innen werden uns in
zehn, zwanzig Jahren verloren gehen. Und Lernen im Gelände: Jugendliche mit K
­ eschern bei Wertvolles Wissen: Botanisch versierter
einer BUND-Exkursion. Ehrenamtlicher des BUND.
werden Lücken hinterlassen, weil Schulen
und Universitäten kaum Nachwuchs lie-
fern. Da fehlt eine ganze Generation von KAUM ANGEBOTE Profundes Artenwissen entsteht nicht
Menschen mit Artenkenntnis. Hier müssen Ein Großteil der Artenkundigen erfuhr die von heute auf morgen. Der Nachwuchs
wir schleunigst gegensteuern. Natur als Kind in der nächsten Umgebung: muss langfristig und gesamtgesellschaft-
in heckenreicher Kulturlandschaft, viel- lich gefördert werden. Gefragt sind Um-
VIELE URSACHEN fältigen Wäldern, geheimnisvollen Auen. weltbehörden, Naturschutzzentren, Schu-
Es ist kurios: Die Unterstützung für den Dort erlebten sie Tiere und Pflanzen, ihre len, Universitäten – und wir alle.
Schutz der Biodiversität steigt sprunghaft Schönheit und Faszination. Heute wach- Viele der heutigen Artenkenner sagen,
– siehe das erfolgreiche Volksbegehren sen Kinder oft inmitten von Fichtenforsten, ihre Eltern hätten den Grundstein für ihre
»Artenvielfalt in Bayern«. Gleichzeitig aber Maisäckern und Güllewiesen auf. Was gibt Naturbegeisterung gelegt. Dabei kam es
schwindet die Artenkenntnis. Ohne genug es da noch zu entdecken? nicht darauf an, ob die Eltern Spezialisten
Expertise droht uns ein regelrechter Blind- Daran ändert auch die Schule wenig. waren. Wichtiger war, dass sie Neugierde
flug durch diese Zukunftsfrage. Wem selbst jede Artenkenntnis fehlt, und Interesse für die Natur weckten.
Der eklatante Mangel ist ein weltweiter. kann sie auch nicht vermitteln. Und ver-
So warnt US-Ökologe E. O. Wilson vor ei- meidet wohl eher, gemeinsam ins Grüne FÜR DIE ZUKUNFT
nem »schwarzen Loch der Unwissenheit«. zu gehen, aus Angst vor peinlichen Fragen. Nötig sind auch Lehrer*innen, die draußen
Er fordert angesichts des Artensterbens Die Universitäten wiederum versagen, da zumindest einen Teil der Artenfülle ver-
mehr Wertschätzung für Feldbiologen – die Drittmittel der Industrie oder des Staates mitteln können. Ihre Ausbildung braucht
einst an der Spitze ihrer Disziplin standen. andere Prioritäten setzen. So wurden Be- in der Didaktik der Biologie also andere
Die Gründe für den Negativtrend sind stimmungskurse und freilandorientierte Schwerpunkte. Und die Universitäten
vielfältig: Kinder erleben heute zu wenig Lehrstühle massiv gestrichen, die Stellen müssen wieder Leute mit Artenkenntnis
Natur in ihrem Umfeld. Lange hat man die von Artenkennern nicht neu besetzt. Im ausbilden, das ist schlicht ihre gesell-
Artenkenntnis gesellschaftlich kaum wert- Studium ist das Interesse an Arten und schaftliche Aufgabe.
geschätzt. Viele Lehrer*innen sind zudem Geländekartierungen unverändert groß. Im BUND sollten wir unser reiches An-
selbst ohne Artenkenntnis. Kein Wunder: Nur fehlen oft Angebote und die Wert- gebot an Naturerfahrung für Kinder erwei-
An den Universitäten wurde die freiland- schätzung für entsprechende Abschluss- tern – um zusätzliche Möglichkeiten für
biologische Ausbildung stark dezimiert, arbeiten. Deshalb suchen Planungsbüros angehende Artenkenner. Bewährt haben
verdrängt von hoch geförderten Disziplinen und Behörden heute händeringend Nach- sich Artenkundige, die in kleinen Gruppen
wie der Gentechnik. wuchs mit guter Artenkenntnis. im Gelände ihr Wissen an Interessierte
weitergeben. Gerade Berufsanfänger so-
WER IST GEFRAGT? wie Frauen mittleren Alters nehmen diese

WAS LEBT
Die BUND-Studie war ein Weckruf. So Angebote gerne an. Eine gute Ergänzung
nahm das Bundesumweltministerium un- zur manchmal sperrigen Bestimmungs-

DENN DA?
ser Anliegen in die »Naturschutzoffensive literatur sind auch digitale, bildbasierte
2020« auf. Der Deutsche Naturschutztag Wege der Arterkennung über Apps.
entwickelte ein eigenes Forum für Ju- Welche Konzepte versprechen heute
gendliche mit diesem Schwerpunkt. Und besonderen Erfolg, um die Artenkenntnis
neue Initiativen entstanden, um die zu fördern? Um das herauszufinden, for-
Artenkenntnis zu fördern. Viele kleine dert der BUND Modellprojekte staatlich zu
Anstöße vereinen sich gerade zu einer unterstützen. Damit die Vielfalt der Arten
schwungvollen Bewegung. (-kenner) eine Zukunft hat!
18 BUNDmagazin 3 | 19 ›  TITELTHEMA

BUND AKTIV

VIELFÄLTIGE
ANGEBOTE
Die Umweltbildung gehört zu den wichtigsten
Säulen des BUND-Engagements. Getragen

Bernd Quellmalz
von vielen ehren- und hauptamtlich Aktiven,
dient sie zumeist auch (und teilweise ganz
gezielt) dazu, Artenkenntnis zu vermitteln.
»Aktion Wasser«: Bestimmung von Wasserorganismen
an der Umweltstation Iffens/Niedersachsen.

K lar: Bei jeder kleinen BUND-Tour ins Grüne fallen ein paar
Tier- und Pflanzennamen. Und jede Broschüre über ein
Schutzgebiet führt exemplarisch einige seiner Bewohner mit auf.
noch mehr Streuobst-Pädagogen: Über 70 können ihr Wissen zu
diesem artenreichen Lebensraum bereits landesweit teilen.
Last, but not least hat der BUND überall dort, wo Wildkatzen
So fördert unser öffentlicher Einsatz für die Natur immer auch leben, auch für diese seltene Art Botschafter*innen ausgebildet.
das Allgemeinwissen zur Artenvielfalt. Doch damit allein ist
dem Schwund der Artenkenner nicht beizukommen. Der BUND ANGEBOTE FÜR KINDER
hat deshalb spezifische Angebote entwickelt. Eine Investition in die Zukunft ist die Arbeit mit Kindern. Die
»Artenkenntnis erhalten – Entdecke Dein NaturTalent« lautet meisten BUND-Kindergruppen eint das Anliegen, Umweltver-
eine Kampagne des BUND in Bayern. Von Oberbayern bis Unter- ständnis und Artenkenntnis zu fördern. Das ist vielleicht nicht
franken bieten etliche Kreisgruppen und Naturschutzzentren seit immer spektakulär, kann als dauerhaftes Angebot aber prägend
Jahren Bestimmungskurse für Jugendliche und Erwachsene. sein. Wie auch die Aktion »Naturtagebuch« der BUNDjugend:
Das inhaltliche Spektrum ist groß und reicht von Pilzen und Pflan- Jahr für Jahr regt sie Kinder zwischen 8 und 12 dazu an, einmal
zen über diverse Insekten bis zu Vögeln und Fledermäusen. eingehender bestimmte Tiere oder einen Lebensraum zu erfor-
Im Saarland leistet der BUND Überzeugungsarbeit für eine schen – und ihre Erlebnisse in einem Naturtagebuch festzuhalten.
»Akademie für Artenkenner«. Sie soll Fachleute für Vier Bundesländer richten hierzu
verschiedenste Artengruppen ausbilden. Die Landes- Wettbewerbe aus. Wer weiß, wie
regierung hat sich das Projekt zu eigen gemacht viele Kinder das schon zum Anlass
und erarbeitet derzeit ein Konzept. nahmen, sich in die Bestimmungs-
literatur zu vertiefen?
BOTSCHAFTER DER NATUR
Damit sich Artenkenntnis verbreitet, bildet der BUND
Zeichenkurs im Haus der BUNDten Natur,
gerne Multiplikator*innen aus, die ihr Wissen an Hamburg: Ob aus dieser Künstlerin mal
andere weitergeben. So etwa in Baden-Württemberg: eine große Artenkennerin wird?

40 »Schmetterlingsguides« bieten hier inzwischen


Exkursionen, Schulausflüge oder Erlebnistage an.
Sehr gefragt ist eine Fortbildung des BUND Rheinland-Pfalz. Im AKTIV AN SCHULEN
Mittelpunkt seiner Kurse für Wildbienenbotschafter*innen stehen Diverse BUND-Angebote sind darauf gemünzt, Schulkinder für
Artenkenntnis und Naturschutz. »Die Leute rennen uns die Bude den Artenschutz zu gewinnen. So können Klassen etwa Paten-
ein«, heißt es dazu aus dem Landesverband. Der BUND Nieder- schaften für Bäche abschließen und deren Lebenswelt erkunden.
sachsen qualifiziert ebenfalls »Wildbienenkennerinnen« – und Herauszuheben ist das fahrende Klassenzimmer des BUND Saar:
BUNDmagazin 3 | 19 ›  TITELTHEMA 19

WAS LEBT
DENN DA?

Axel Schreiner
Andre Maslo

Was sitzt denn da? Naturkundliche Führungen Insektenkurs im Bildungszentrum


zählen zum Standardprogramm vieler BUND-Gruppen. Wartaweil am Ammersee.

Im KunterBUNDmobil können über 2500 Schüler*innen pro Jahr unterscheiden? Artenkundige Ehrenamtliche geben bei solchen
wirbellose Tiere unter der Lupe betrachten. Aktivitäten gerne Auskunft.
Einer wichtigen Zielgruppe nimmt sich der BUND Bremen an: Wer weitab der Natur in Ballungsräumen wohnt, kann in Städten
Kinder mit Migrationshintergrund und aus sozial schwachen wie Herten, Hamburg oder Bremen zudem Erlebnisgärten des
Stadtteilen. Neugierde und Forscherdrang will er fördern bei de- BUND aufsuchen – und dort die heimische Natur kennenlernen.
nen, die oft sehr wenig über die Natur vor ihrer Haustür wissen.
Um Schüler*innen ganz allgemein Spinnen, Wildbienen, Wasser- SPEZIALISTEN AM WERK
insekten oder Amphibien nahezubringen, bietet der Landesver- Hier und da hat sich in Gruppen und Arbeitskreisen besonderes
band Materialkisten zu »Bremens Vielfalt unter der Lupe« an. Knowhow versammelt. Zwei Beispiele vom Bodensee: Die
Projekttage und -wochen für Schulklassen vermitteln Wissen BUND-Gruppen aus Gottmadingen (Fokus: Fledermäuse) und
speziell über Insekten. Radolfzell (Orchideen) gewinnen mittels vielfältiger Aktivitäten
Die Schule meist schon beendet hat, wer bei der Kreisgruppe Verbündete und kundigen Nachwuchs.
Köln Studienpraktika in Biologie und Geographie absolviert – Oder der Arbeitskreis »Feldherpetologie« in Sachsen-Anhalt:
und dabei Grundkenntnisse in der Artenbestimmung erlangt. Er hat sich ganz der Erforschung und dem Schutz der Amphibien
und Reptilien verschrieben. Dazu treibt er viel Öffentlichkeits-
FÜR JEDEFRAU UND JEDERMANN arbeit: In Aschersleben betreut er einen Lehrgarten mit Schau-
Zahllose BUND-Gruppen führen naturkundliche Exkursionen in gehegen. Außerdem organisiert er Camps für Kinder und Jugend-
ihrem Programm. Je nach Jahreszeit stehen hier verschiedene liche sowie Exkursionen zu Frosch, Eidechse und Co.
Tiere oder Pflanzen im Fokus. Um dauerhaft auf die Flora und Oder der Berliner Arbeitskreis »Pilzkunde & Ökologie«. Er wirbt
Fauna eines Schutzgebietes hinzuweisen, haben viele Gruppen mit Vorträgen und Seminaren dafür, das so bunte – und doch
Naturlehrpfade eingerichtet oder Infotafeln aufgestellt. Was ge- vielen ganz unbekannte – Reich der Pilze zu entdecken.
nau wächst und gedeiht hier? Und was unternimmt der BUND vor Wer also seinen Blick für die Artenvielfalt öffnen und seinen
Ort, um die Vielfalt zu bewahren? Horizont erweitern möchte, ist beim BUND vielerorts bestens
Ein klassischer Anlass, um Artenkenntnisse zu vermitteln, ist aufgehoben. Kontaktieren Sie Ihre Kreisgruppe oder Ihren Landes-
der GEO-Tag der Natur. Gruppen wie der BUND Neubrandenburg verband, wenn Sie sich schlauer machen wollen! sz
nutzen ihn alljährlich, um mit Fachleuten bestimmte Flächen ge-
nauer unter die Lupe zu nehmen. Dazu laden sie regelmäßig auch
die Öffentlichkeit ein. Für Laien lässt sich da viel lernen! Wie bei
i
MEHR INFORMATIONEN
so vielen Einsätzen draußen: Welche Molche und Frösche sind zum Bildungsangebot des BUND finden Sie unter
diesmal am Krötenschutzzaun gestrandet? Und wie sind sie zu www.bund.net/umweltbildung
WAS LEBT
DENN DA?
Thomas Stephan

Hat hier eine Wildkatze Haare gelassen? BUND-


Aktive kontrollieren einen Lockstock in Sachsen.

BÜRGERWISSENSCHAFT

PATENT AUS PASSION


MARTINA LÖW

leitet die Abteilung


Freiwilligenmanagement.

Ehrenamtliche Artenkundige liefern wert-


MAGNUS WESSEL
volle Daten für Wissenschaft und Naturschutz.
leitet die Naturschutzpolitik
Und verdienen dafür alle Unterstützung. des BUND.

C itizen Science hat in den vergangenen


Jahren erheblich an Popularität ge-
wonnen. Auch ist sie aus der Diskussion
LANGE TRADITION
Grundsätzlich ist das nichts Neues: Men-
schen mit Interesse an der Natur erfas-
WAS LAIEN LEISTEN
Wie wichtig – und immer wichtiger – der
bürgerwissenschaftliche Einsatz ist,
um die Zukunft der Forschung nicht mehr sen ehrenamtlich Arten, sammeln Daten zeigt das Beispiel der Roten Listen ge-
wegzudenken. Citizen Science – oft als oder ergründen Zusammenhänge und die fährdeter Arten: Ihr Fundament bilden
»Bürger­wissenschaft« übersetzt – meint Ursachen von Veränderungen in Natur ganz überwiegend Daten und Schlussfol-
vor allem zweierlei: die Beteiligung von und Umwelt. Das haben schon Goethe, gerungen, die außerhalb der universitä-
Laien an wissenschaftlichen Projekten. Charles Darwin oder Jane Godall getan – ren Forschungswelt entwickelt wurden.
Und die eigenständige Forschungsarbeit große Namen, lange bevor über Citizen So stammt der wichtigste Nachweis da-
von Menschen jenseits der universitären Science gesprochen wurde. Schon seit für, dass unsere Insektenfauna nun seit
Wissen­schaft (oder nur lose verknüpft Jahrhunderten erforschen »Laien« Jahrzehnten verarmt, von pri-
damit). Ihr Einsatz erfolgt dabei freiwillig Themen, die der institutionellen vat tätigen Insektenkundlern.
und nicht im Rahmen einer beruflichen Wissenschaft oft abwegig erschie- Auch zentrale Artenschutz-
Tätigkeit. nen. Sie entwickelten eigene Hy- projekte des BUND fußen auf
pothesen und Theorien, zuweilen Citizen Science (> Kasten).
sehr erfolgreich, wie Darwins Welche Herausforderungen
Evolutionstheorie bezeugt. Oder zeichnen sich dafür ab?
sie bleiben einer Passion wie Unsere Gesellschaft steht
der Pflanzen-Taxonomie treu, vor der Jahrhundertauf-
obwohl sie an vielen Unis gabe, schnell zu einer
längst aufs Abstellgleis ran- wirklich nachhaltigen
giert wurde. Lebensweise zu finden.
BUNDmagazin 3 | 19 ›  TITELTHEMA 21

Die biologische Vielfalt zu schützen ist


eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, ge-
nauso wie viele Aspekte des Umweltschut-
zes. Die Bürgerwissenschaft spielt dabei
eine starke Rolle. Doch dauerhaft können
Natur- und Umweltschutz nur erfolgreich
sein, wenn der Staat seine Verantwortung
hierbei angemessen wahrnimmt.
Jutta Schreiner

Ehrenamtliche befestigen in Rheinland-Pfalz einen


­Spurentunnel, um Gartenschläfer nachzuweisen.

Der dafür nötige Wandel wird nur glücken, kritisch im Blick zu behalten. Das schützt
wenn Zivilgesellschaft und Wissenschaft vor Missbrauch und »Greenwashing« und
WILDKATZEN UND
eng kooperieren. Kundige Freizeitforsche- bietet Chancen für beide Seiten.
r*innen haben den Raum, über die Fach- Damit Citizen-Science-Projekte gelin-
SCHLAFMÄUSE
disziplinen hinaus den Blick zu öffnen, ihr gen und die Freiwilligen gut eingebunden
Fachgebiet breiter zu denken und zu werden, müssen sie begleitet und koordi- »Als wir Handschuhe bekamen,
überschauen. Wer ehrenamtlich forscht, niert werden. Wer ein solches Projekt wurde mir klar: Jetzt wird es wis-
hat die Freiheit, seinen Blick auf größere plant, sollte deshalb immer einen Förder­ senschaftlich. Die Proben sollten
Zusammenhänge zu werfen. Und das, anteil für das Management der Freiwilligen ja nicht verunreinigt werden.«
ohne überlegen zu müssen, welche The- beantragen. Auch der nicht-universitäre
men und Hypothesen sich wohl für die Partner sollte die Federführung und die
Wissenschaftsjournale eigneten. Antragsrechte innehaben können. Ehren-
Wer nicht hauptberuflich forscht, kann amtlich Aktiven darf es zudem nicht zu So ­berichtet ein ehrenamtlicher Hel-
auch mal eine Außenseitermeinung ver- schwer gemacht werden: Kurze Fristen fer von seiner Teilnahme am Citizen-­
treten – faktenbasiert, versteht sich. Oder für die Antragstellung, zu wenig Anerken- Science-Projekt »Wildkatzensprung«
sich in vernachlässigte Bereiche vertiefen. nung ehrenamtlicher Zeit und Ressourcen des BUND. Freiwillige sammelten
Oder sein Wirken mit einem praktischen (für den Eigenanteil) sowie hohe formale jahrelang Haare von Wildkatzen,
Naturschutzprojekt verbinden. akademische Hürden haben der Citizen begleitet von einem Forschungs-
Science in der Vergangenheit oft Steine in institut. In sechs aufeinanderfol-
WAS BRAUCHT CITIZEN SCIENCE? den Weg gelegt. genden Wintern kontrollierten sie
Fruchtbar könnte sich ein engeres Mitein- regelmäßig über 3500 Lockstöcke.
ander von Wissenschaft und Bürgerwis- STAAT IN DER PFLICHT Damit lieferten eine beachtliche
senschaft auswirken. Und mehr Mut sei- Schließlich sollten wir nicht vergessen: Bei Datenbasis, um die Verbreitung der
tens der Institutionen, auf Augenhöhe mit bestimmten Aufgaben steht primär der seltenen Art zu erforschen.
den Laien zusammenzuarbeiten. Gemein- Staat in der Verantwortung – zum Beispiel Wie erfolgreich Citizen Science
same Standards und Methoden, techni- bei der kontinuierlichen Überwachung und beim BUND zum Einsatz kommt,
sche Unterstützung und Möglichkeiten Kontrolle europäischer Schutzgebiete. zeigt auch unser aktuelles Projekt
der Veröffentlichung schaffen die Basis Wenn Behörden dieser Pflicht nicht ausrei- »Spurensuche Gartenschläfer«.­
der Kooperation – und sichern gleichzeitig chend nachkommen, können und sollten Viele freiwillige Helfer*innen wei-
die Qualität der Ergebnisse. Ehrenamtliche diese Lücke nicht füllen. sen die Schlafmaus hier mithilfe
Für die Eigenständigkeit von Citizen-­ Politisch bewegt sich sonst noch weniger. von »Spurentunneln« nach, die den
Science-­Projekten ist es wichtig, die Rech- Auch darf zum Beispiel, wer bei einem Ein- Pfotenabdruck der Tiere dokumen-
te an Datengrundlagen und Ergebnissen griff Natur und Umwelt schädigt, nicht aus tieren. Außerdem kontrollieren sie
zu wahren; sich intensiv auszutauschen; der Pflicht entlassen werden, selber nach- Nistkästen und bringen Wildtier-
die Forschungsergebnisse transparent zu zuweisen, dass er diesen Schaden ausge- kameras in Aktion.
verwenden; und politische Einflussnahme glichen hat (wie vom Gesetz gefordert).
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24 BUNDmagazin 3 | 19 ›  GUT LEBEN

VIRTUELLES WASSER

WASSER SPAREN
… dürfte für die meisten
von uns selbstverständlich
sein. Doch am allermeisten
Wasser beanspruchen
die Dinge, die wir kaufen.
Und da stünde uns

Ann-Kathrin Hahn/Das Illustrat


mehr Sparsamkeit gut an.

I m Vergleich zu anderen Industriestaaten sind wir in Deutsch-


land geradezu Meister im Wassersparen: Nur etwa 120 Liter
braucht jede*r von uns pro Tag. Ganz anders stellt sich die Was-
TIPPS
Um den virtuellen Wasserverbrauch ihrer Produkte zu senken,
stehen Unternehmen in der Pflicht, nachhaltig und fair zu handeln.
sermenge dar, die sich in unserem Alltagskonsum verbirgt. Mit Wir alle können zudem die Nachfrage steuern:
täglich fast 4000 Litern »virtuellem Wasser« ist sie viel zu hoch. •• Setzen Sie möglichst auf regionale und saisonale Produkte.
Kaum zu glauben, wie viel Wasser bei der Herstellung unserer So bieten heimische Walnüsse eine gute Alternative zu Man-
Nahrungsmittel, Kleider etc. verdunstet, verbraucht oder ver- deln (die vor allem aus Kalifornien kommen, wo extreme Dürre
schmutzt wird. Andernorts wird deshalb das Wasser knapp. Oft herrscht). Hilfreich: ein Saisonkalender am Kühlschrank.
stammen unsere Alltagsdinge aus Regionen, die arm an Trink- •• Bio statt konventionell: Produkte mit Bio-Siegel – ohne
wasser sind. In Brasilien verschmutzt vor allem die Kaffeepro- synthetischen Dünger und Pestizide hergestellt – senken den
duktion das Wasser. In Zentralasien entzogen Baumwollfelder Wasserverbrauch erheblich. Sie verschmutzen das Wasser
dem Aralsee fast alles Wasser. Und in Spanien lässt der Anbau weniger, ihre Böden sind humusreicher und speichern besser
von Obst und Gemüse den Grundwasserspiegel fallen. das Wasser.
•• Kleidung: Nutzen Sie Textilien länger, achten Sie auf gute
ÄPFEL STATT ORANGEN Qualität, kaufen Sie secondhand, verschenken oder verkaufen
Unser tatsächlicher Wasserverbrauch ist also die Summe von Sie abgelegte Kleidung oder tauschen Sie diese gegen ein
direkt genutztem und virtuellem Wasser. Zu knapp 70 Prozent neues Lieblingsstück.
beanspruchen wir dafür Wasserressourcen außerhalb Deutsch- •• Essen Sie wenig Fleisch – wegen der Futtermittel zehrt es
lands. Allein unser Essen: Für eine Tasse Kaffee sind 140 Liter sehr viel Wasser. Wenn Fleisch, dann am besten Wild oder
Wasser notwendig, für ein Kilo Tomaten 180 Liter, für ein Kilo (regionales) Biofleisch.
Orangen 460 Liter. Ein Kilo Äpfel braucht knapp 700 Liter, ein •• Kaufen Sie Zitrusfrüchte möglichst von Dezember bis April
Liter Milch 1000 Liter, jedes Kilo Rindfleisch sogar 15 500 Liter (außer ganzjährig verfügbare Zitronen). Sonst stammen sie
Wasser. Oder die Kleidung: Ein Baumwoll-T-Shirt kostet 2700 oft aus wasserintensivem Anbau etwa in Südafrika.
Liter, eine Jeans satte 11 000 Liter. •• Wer Leitungswasser trinkt, spart das virtuelle Wasser, das
Heimische Äpfel aus einer wasserreichen Gegend müssen bei Mineralwasser für die Produktion, den Transport und die
uns kein schlechtes Gewissen machen. Problematisch ist dage- Reinigung der Flaschen anfällt.
gen die künstlich bewässerte Orange aus einer Wüstenregion. •• Kaufen Sie Recyclingpapier, es kostet nur halb so viel Wasser
Ihr Anbau und Export verknappt das Wasser vor Ort und kann (und Energie und Rohstoffe).
sich ökologisch und sozial nachteilig auswirken. Lilian Neuer
BUNDmagazin 3 | 19 ›  GUT LEBEN 25

FLIEGEN: JA ODER NEIN?


Wie gelangen Sie an Ihr Urlaubsziel? Die erreichen. Zieht es Sie dennoch in ferne sechs Anbieter eines CO2-Ausgleichs
Antwort entscheidet ganz wesentlich über Gefilde, wo das Flugzeug ohne echte Alter- bewertet – drei mit »sehr gut«.) Das
Ihre persönliche Klimabilanz: Schon ein native ist? Dann könnten Sie sich zwei beruhigt auch das Gewissen – und ist
einfacher Fernflug Berlin–New York ver- Fragen stellen: allemal besser, als nicht zu spenden.
ursacht mehr CO2 als ein Jahr Autofahren. •• Steht die Urlaubsdauer in einem Klar: Noch besser ist es, wenn Sie auf
Nun sind viele Fernziele kaum anders als vernünftigen Verhältnis zum Energie­ den Flug verzichten.
per Flugzeug zu erreichen. Sollten wir verbrauch der An- und Abreise?
darauf verzichten, Orte in Fernost oder Eine einwöchige Flugreise nach Costa
i
Alle Ökotipps des BUND finden
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Immerhin hängt die Zukunft vieler Schutz- die Zeit zwischen Hin- und Rückflug in
gebiete weltweit auch davon ab, ob die
Menschen vor Ort vom ­Naturtourismus
einem Naturreservat verbringen.
•• Lassen Sie zudem den CO2-Ausstoß i BESSER REISEN
Wie vielseitig und interessant nach-
haltige Reisen sein können, zeigt zum
leben können. Was also tun? Ihres Fluges berechnen, von einer
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Mehr Infos: BUND-Reisen,
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26 BUNDmagazin 3 | 19 ›  ZUR ZEIT

KAMPAGNE

LASST ES
ENDLICH
BRUMMEN!

Jörg Farys
Bundesgeschäftsführer Olaf Bandt (rechts) und eine H
­ ummel weisen Svenja Schulze auf die Dringlichkeit eines
­Aktionsprogramms zum Insektenschutz hin.

programms von Bundesumweltministerin Und wir wollen bis 2021 ein Verbot des
Es ist Sommer. Svenja Schulze (SPD). »Unkraut«-Vernichters Glyphosat!
Die meisten haben Die Bundesregierung verspricht weiter,
WAS WIR FORDERN noch in diesem Sommer ein Aktionspro-
sich ihren Urlaub Im Rahmen unserer Kampagne »Lass gramm zum Schutz der Insekten auf die
redlich verdient. Nicht brummen! Eine Zukunft für Insekten« ha- Beine zu stellen. Bis das endlich gesche-
ben inzwischen über 125 000 Menschen hen ist, machen wir weiter Druck. Sollten
so die Bundes­regierung. für den Insektenschutz unterschrieben. sich die Ministerinnen nicht einigen kön-
Die hatte versprochen, All ihre Stimmen haben wir dem Umwelt- nen, ist die Bundeskanzlerin in
und Landwirtschaftsministerium über- der Pflicht, den Schutz der
ein Aktionsprogramm geben. Dabei haben Insekten zur Chefsache zu
zum Insektenschutz zu wir noch einmal machen.
unsere Forderun-
­verabschieden. Doch gen unterstrichen.
darauf warten wir noch. Der BUND fordert zehn
Prozent der Agrarflächen
für Insekten. Keine Pestizide

S eit der Krefelder Studie, den warnen-


den Worten des Weltbiodiversitätsrats
mehr in Schutzgebieten! Außer-
dem fordern wir, wenn Pestizide auf dem
i
SCHICKEN SIE JETZT EINEN
(siehe Seite 40) und einer aktuellen Stu- Prüfstand stehen, ihre Auswirkungen für EILAPPELL AN DIE KANZLERIN:
die zum Schwund der Schmetterlinge in die Umwelt stärker zu berücksichtigen. www.bund.net/insektensterben-stoppen
den USA dürfte allen klar sein: Es gibt ein
massives Insekten- und Artensterben.
Und es muss rasch gehandelt werden.
Alle Fachleute erkennen die Klimakrise
und die industrielle Landwirtschaft als
größte Bedrohung der Insekten. Etwa die
Hälfte Deutschlands wird landwirtschaft-
lich genutzt. Doch gerade das Schlüssel-
ressort – das Agrarministerium unter Ju-
lia Klöckner (CDU) – blockiert bislang den
großenteils guten Entwurf eines Aktions-
BUNDmagazin 3 | 19 ›  ZUR ZEIT 27

RETTUNGSNETZ WILDKATZE

15 JAHRE FÜR DIE KATZ’


… die doch alles andere als umsonst waren: In Deutschland gibt es Millio-
nen von Katzenfans. Doch über die wilde Verwandte unserer Hauskatze
war lange kaum etwas bekannt. Erst ein BUND-Projekt hat das geändert.

E in bundesweiter Waldverbund für die


Europäische Wildkatze – Thomas
Mölich vom BUND Thüringen hatte als
einer der ersten diese Vision. Gemein­
sam mit begeisterungsfähigen Natur-
schützer*innen im Bundesverband und
auf der Landesebene entstand daraus ein
Erfolgsmodell für den Artenschutz.
Seit 2004 hat der BUND in sechs Bundes-
ländern über 25 beispielhafte Waldverbin-
dungen gepflanzt, zusammen mit Hun-
derten von Ehrenamtlichen. Gleichzeitig
begann der BUND die Wildkatze in zehn
Bundesländern systematisch zu untersu-
chen, um mehr über ihre Verbreitung und
mögliche Hindernisse für ihre Ausbreitung
zu erfahren.
So wuchs nicht nur ein Netzwerk aus

Michael Radloff
Wäldern, sondern auch ein Netzwerk der
Unterstützung: mit Ehren-
amtlichen aus dem ganzen
T Z W I L D K AT Z E
Bundesgebiet sowie Verbün- DAS RETTUNGSNE
Lockstock-Moni
toring

nschen!
dern auch Me
deten in der Politik, in den Be- nicht nur Wälder, son
tzung

Verbindet
erne
Waldv

hörden und in der Wissen-


schaft. Auch viele Landwirte,
Jägerinnen oder Förster ha-
ben zum Erfolg des Rettungs-
netzes Wildkatze beigetragen.
So konnte die Wildkatze in den L

letzten Jahren große Teile ihres


ursprüng­lichen Verbreitungs-
gebietes wieder zurückerobern.
Ihre Rückkehr macht uns Mut.
Der BUND sagt DANKE!

MEHR ZUM THEMA

i Informationen und Höhe-


punkte aus 15 Jahren
»Rettungsnetz Wildkatze«:
www.bund.net/wildkatze
28 BUNDmagazin 3 | 19 ›  ZUR ZEIT

GUT FÜRS KLIMA?

GRÜNE GELDANLAGE
Viele BUND-Mitglieder achten darauf, im Alltag Natur und Umwelt
zu schonen. Auch die Frage, wie man sein Geld anlegt,
ist hierbei von Bedeutung. Denn allzu oft finanzieren wir unwissentlich
den Raubbau natürlicher Ressourcen.

JOACHIM SPANGENBERG lich ist wie die Kohleverbrennung. Insgesamt 200 Milliarden
Dollar will der Konzern ausgeben, um fossile Energien zu fördern
ist Sprecher des BUND-Arbeitskreises
»Wirtschaft und Finanzen«. und seinen Gewinn bis 2025 zu verdreifachen.
Grüne Investoren und Umweltschützerinnen, Kommunen und
Staatsanwälte versuchen ihn von diesem Höllenkurs abzubrin-

S eit einigen Jahren drängen Umweltverbände Anleger dazu,


ihr Geld nicht länger in fossile Unternehmen zu
stecken. Mit Recht. Es ist moralisch verwerflich,
gen. Bisher vergeblich. Dazu kommt die gezielte Falschinforma-
tion der Öffentlichkeit, die ExxonMobil seit Jahrzehnten
selbst betreibt und sponsert.
an der Klimazerstörung zu verdienen – als Total, BP und Chevron planen ihre Produk-
Anleger wie als Firma. Nur: Was bewegen tion ebenfalls zu erhöhen, wenngleich
grüne Geldanlagen wirklich? nicht ganz so skrupellos. Shell kündig-
te an, seinen Netto-Gesamtausstoß
DAS SCHWÄRZESTE SCHAF von CO2 (inklusive der Emissionen,
Der Weltklimarat fordert, den glo- die beim Verbrennen von Öl entste-
balen Verbrauch von Erdöl bis hen) bis 2050 halbieren zu wollen
2030 um 20 Prozent zu senken, bis und Emissionsminderungen bei
2050 um 55 Prozent. Stattdessen der Festlegung ihrer Managerge-
steigt die globale Nachfrage weiter hälter zu berücksichtigen. Dies ist
jedes Jahr um 1 bis 2 Prozent. Die auch auf Druck kritischer Aktionäre
globale Energiewirtschaft plant viele geschehen, etwa des Erzbischofs
Billionen Euro zu investieren, um diese von Canterbury, der die Pensionsfonds
Nachfrage zu befriedigen und als Chan- der anglikanischen Kirche repräsentiert.
ce für Profite zu nutzen – von Fracking in »Milieudefensie«, unser niederländischer
Texas bis zu neuen Tiefseebohrungen. Partnerverband, will jedoch mehr von Shell. Er
Allen voran ExxonMobil: Der größte börsennotierte fordert Shell auf, die eigenen Emissionen im Einklang
Ölkonzern der Welt plant seine Öl- und Gasförderung von 2017 mit dem Pariser Klimaschutzabkommen bis zur Mitte des Jahr-
bis 2025 um ein Viertel zu erhöhen. Da die Reserven stetig hunderts auf Null zurückzufahren. Das wäre nur möglich, wenn
schrumpfen, investiert er stark in die Suche nach neuen Öl- und Shell sich gänzlich von der Ölförderung abwendet und weiterhin
Gasvorkommen (mit deren Hilfe sich die Erdtemperatur auch um in Wind- und Solarenergie investiert.
5 bis 6 Grad erhöhen ließe …). Dazu zählen Gasfunde in der Tief-
see vor Zypern und neue Ölfelder vor der Küste Guayanas. Exxon- RENDITE STATT VERANTWORTUNG
Mobil hält zudem große Anteile von Ölsanden – eine der CO2- Ölfirmen sind verlässliche Geldlieferanten; sie zahlen dauerhaft
intensivsten Möglichkeiten, Öl zu fördern. Und ist im Fracking hohe Dividenden. Das können sie, weil die Gewinnspannen im
aktiv, das mit seinem Methan-Ausstoß mindestens so klimaschäd- Ölgeschäft deutlich höher sind als bei erneuerbaren Energien.
BUNDmagazin 3 | 19 ›  ZUR ZEIT 29

3 FRAGEN
AN DEN
EXPERTEN

Maximilian Gege, Vorsitzender


des Bundesdeutschen Arbeits­
J. Spangenberg

kreises für Umweltbewusstes


Die Erdölförderung von Shell hat das
Nigerdelta auf großer Fläche verseucht.
­Management (B.A.U.M.)

Deshalb investieren große institutionelle Anleger heute vermehrt Herr Gege, wir kennen Sie geschlossen. Liegt die Wert-
in Ölfirmen: Der Aktienanteil der 20 größten stieg 2014 bis 2017 als Vorkämpfer für umwelt- entwicklung über 6 Prozent,
von 24 auf 27 Prozent. In Erneuerbare wird weltweit nur ein bewusstes Management. kommt eine »Performance
Bruchteil investiert. Jetzt haben Sie einen neuen Fee« zum Tragen, mit der
Solange die satten Renditen der fossilen Firmen das große In- Fonds initiiert. Warum? weltweit Kinder- und Umwelt-
vestmentkapital anziehen, bleibt die Hoffnung wohl illusorisch, Die Kapitalmärkte müssen projekte unterstützt werden.
die fossile Industrie ließe sich beeinflussen, indem wir unsere Er- endlich grüner, ehrlicher und
sparnisse gezielt in umweltschonendere Unternehmen anlegen. nachhaltiger werden. Immer Was erhoffen Sie sich damit?
Die Rendite, nicht die Verantwortung bestimmt, wie die allermeis- noch werden Milliarden in Ich hoffe sehr, dass der Fonds
ten Ölfirmen agieren. Insofern sind grüne Geldanlagen weniger Nestlé, Coca-Cola, McDo- bei vielen Menschen langfris-
ein Instrument politischer Veränderung. Sie bieten uns vielmehr nalds, Google, Facebook, tig Anklang findet. Leider gibt
die Möglichkeit, auch bei der Geldanlage sicherzustellen, dass ­Alibaba oder Rheinmetall es immer noch Vorbehalte
wir gemäß unseren Wertvorstellungen handeln. investiert. Und das oft un- gegen Aktienanlagen. Daher
bewusst, da der Anleger gar liegen über 2000 Milliarden
GUT ANGELEGT nicht weiß, wie sein Geld in- Euro unverzinst auf Spar-
Aktien oder Fonds sind prinzipiell spekulative Anlagen – also vestiert wird. Damit werden büchern etc. und bringen dem
nichts für Verbände und Stiftungen, und ungeeignet für die Al- Konzerne unterstützt, die Anleger keine Erträge. Das er-
tersvorsorge. Wer aber darüber hinaus Geld anzulegen hat, kann ein keinesfalls nachhaltiges höht die Gefahr einer Alters-
dies in Fonds tun, wie sie verschiedene ethische Banken anbieten. Geschäftsmodell verfolgen. armut, die Vermögensbildung
Dazu Rolf Buschmann, der für den BUND im Anlageausschuss unterbleibt. So werden jedes
der GLS-Bank sitzt: »Nachhaltige Geldanlagen sind heute mehr Was ist das Besondere an Jahr 40–60 Milliarden Euro
als ein Lippenbekenntnis einzelner Banken. Es gibt eine Vielzahl Ihrem Fonds? an Erträgen verschenkt.
von Fonds, die mit strengen Auswahlkriterien überprüfen, in wel- Der Fonds konzentriert sich Weiter hoffe ich, dass die
che Unternehmen sie investieren. Und das zahlt sich aus: Die primär auf nachhaltig erfolg- Anleger ihre bisherigen An-
Erträge vieler Ökofonds lagen in den letzten fünf Jahren über dem reich wirtschaftende, kleine lagen kritisch prüfen: Wo ist
Marktdurchschnitt – zum Beispiel der GLS Aktienfonds und der und mittelständische Unter- das Geld angelegt? Hier hilft
Ökoworld Ökovision Classic Fonds.« nehmen. Diese durchlaufen gezieltes Nachfragen. Und
Der Marktanteil nachhaltiger Geldanlagen liegt in Deutschland einen sozial-ökologischen dass sie wissen: Es gibt her-
derzeit bei lediglich drei Prozent. Doch immerhin ist verantwort- Prüfprozess und werden von vorragende Alternativen.
liches Investieren als Thema inzwischen auch auf europäischer einem Nachhaltigkeitsbeirat
Ebene angekommen. Mit einem Aktionsplan zur »Finanzierung diskutiert und freigegeben. Mehr zum Fonds GGF
nachhaltigen Wachstums« will die EU neue Standards für nach- Branchen wie die Rüstung unter: kontakt@
haltige Geldanlagen schaffen und diesen damit mehr Bedeutung sind hundertprozentig aus- greengrowthfutura.de
zuweisen.
30 BUNDmagazin 3 | 19 ›  ZUR ZEIT

KLIMASCHUTZ

AN DIE
ARBEIT!
J. Farys

22. Juni: Klimademo im rheinischen Kohlerevier.

Das »Klimakabinett« – mit den wichtigs- chen. Eigentlich ist eine CO2-orientierte
Die Temperaturen ten Ressortminister*innen unter der Ägide Steuerreform ein effektives Mittel, um im
­steigen. Doch die der Kanzlerin – hat noch kaum etwas auf Verkehr oder Wärmesektor umzusteuern.
den Weg gebracht. Angekündigt sind nur Doch muss der Preiseffekt deutlich sein,
Bundes­regierung Klimabeschlüsse der Bundesregierung um Wirkung zu entfalten. Zudem kann ein
spielt mehrheitlich bis Jahresende. Allein beim Kohleaus- CO2-Preis Maßnahmen an anderer Stelle
stieg soll es eventuell schneller gehen: nicht ersetzen, sondern nur begleiten.
auf Zeit. Der BUND ein Gesetz bis Ende 2019, hoffentlich.
drängt auf kurzfristige Fünf Monate nach dem Kompromiss der WAS NUN NÖTIG IST
Kohlekommission hat nun ein Beamten­ Die deutsche Klimapolitik präsentiert sich
Fortschritte beim stab die Arbeit aufgenommen. Ob die also weiterhin als Brache. Die Leerstellen
Schutz des Klimas. ­Verhandlungen mit den Kohlekonzernen sind so offensichtlich und der Entschei-
recht­zeitig abgeschlossen sind? Da will dungsstau ist so massiv, dass jetzt ein
man wohl erst die Wahlen in Brandenburg ganzes Gesetzespaket notwendig ist. Bis
und Sachsen abwarten, bevor man den Maßnahmen und damit CO2-Reduktionen
Menschen Klimaschutz zumutet. wirksam werden, dauert es in den meis-
ten Bereichen sowieso mehrere Jahre –
TINA LÖFFELSEND ALLHEILMITTEL CO2-PREIS? anders als das kurzfristig wirksame Aus
Die SPD fordert ein Klimaschutzgesetz der Kohlekraftwerke. Der Klimaschutz hat
leitet die Energie- und
noch 2019. Zugleich sollen die Minister*in- viele Stellschrauben. An denen muss die
­Klimapolitik des BUND.
nen Maßnahmen vorlegen, um die Klima- Regierung nun drehen, damit Deutschland
ziele für 2030 in Landwirtschaft etc. zu nicht länger das Weltklima schädigt.
schaffen. Noch hat niemand Brauchbares Der BUND hat 30 zentrale Forderungen

S o unerträglich heiß dieser Sommer


an vielen Tagen war, so unerträglich
ist auch der Stillstand der deutschen
geliefert. Speziell Verkehrsminister Scheu-
er blieb sich treu und beließ es bei Luft-
nummern und Absichtserklärungen.
in einem Papier zusammengefasst. Am
dringlichsten sind bis zum Jahresende
ein wirksames Klima­schutzgesetz sowie
Klimapolitik. Während die – deutlich ver- Nur die Umweltministerin entwarf schon Gesetze für den Braun- und Steinkohle-
jüngte – Klimabewegung nicht nachlässt vor Wochen ein Klima-Rahmen­ gesetz, ausstieg und die erneuerbaren Energien.
und Protest für Protest auf die Beine das tatsächlich dem Klimaschutz helfen Außerdem endlich wirkungsvolle Schritte
stellt, bleibt die Regierung weiter bewe- könnte. Prompt bremste das Kanzleramt im Verkehr und die Einführung einer CO2-
gungslos. Zwar wird viel über Klima- und unterband die Ressort­abstimmung. Abgabe. Es ist Zeit zu handeln – jetzt.
schutz gesprochen und über richtige Teile der Union wollen lieber einen CO2-
Maßnahmen gestritten. Der Klimaschutz Preis einführen – am besten irgendwie

i
entscheidet sogar Wahlen. Doch bislang europäisch, um Zeit zu gewinnen – und MEHR ZUM THEMA
entscheidet niemand über Klimaschutz. dafür die verbindlichen Klimaziele strei- www.bund.net/dringliche30
BUNDmagazin 3 | 19 ›  ZUR ZEIT 31

zum Bau von Terminals in Brunsbüttel,


Stade, Wilhelms­hafen und Rostock. Sie
sollen importiertes Gas annehmen können
– auch Fracking-Gas aus den USA.
In Brunsbüttel war vor Jahren – als Ro-
bert Habeck noch schleswig-holsteini-
scher Umweltminister war – der Bau ei-
nes Kohlekraftwerks verhindert worden,
zum Schutz des Klimas. Doch bei Gas soll
der Klimaschutz plötzlich keine Rolle
mehr spielen.
IgorSPb/iStock.com

UNNÖTIG
UND KLIMASCHÄDLICH
Frachtschiff mit Flüssiggas-Tanks – bald wohl Dabei schadet verflüssigtes Gas, welches
häufiger in der Nord- und Ostsee zu sehen.
per Schiff zu uns gelangt, durchaus dem
Klima: durch die Gewinnung des Gases
ENERGIEWENDE am Ursprungsort; durch seine Verflüssi-
gung; durch den Transport hierher; und

BUNDESREGIERUNG
schließlich durch die Umwandlung des
flüssigen Gases. Flüssiggas ist damit
deutlich klimaschädlicher als Gas aus der
Pipeline.

GIBT GAS Werden alle Emissionen berücksichtigt,


kann Erdgas tatsächlich noch schädlicher
sein als Kohle, warnen Klimaforscher.
Statt also von einem dreckigen Energie-
träger auf den anderen umzusteigen,
müssen wir unsere Energieversorgung
Statt alle Weichen in eine Zukunft mit möglichst bald auf erneuerbare Energie
erneuerbarer Energie zu stellen, öffnet die Große umstellen – bis hin zur Null-Emission.
Während Industrie und Landwirtschaft
­Koa­lition dem umweltschädlichen Flüssiggas tatsächlich vor großen Herausforderun-
die Türen. Auch gefracktes US-Gas wird dann gen stehen, um klimaneutral zu werden,
müssen Strom und Wärme nun wirklich
die deutsche Energiebilanz verhageln. nicht aus fossiler Energie gespeist werden.
Das Gebot der Stunde lautet, unseren
Bedarf an Erdgas in den kommenden Jah-
ANN-KATHRIN ­ limaziele und sich – bis hinauf zur
K ren stark zu senken. Viel sparen lässt sich
SCHNEIDER Kanzlerin – dazu bekannt, ab 2050 keine durch eine bessere Sanierung von Altbau-
klimaschädlichen Gase (netto) mehr aus­ ten. Und durch hohe Energiestandards für
leitet die internationale
­Klimapolitik des BUND. zustoßen. Was bekanntlich nur dann zu Neubauten. Was dann noch
schaffen ist, wenn wir uns ganz von Kohle, an Gas benötigt wird, sollte

W er den Eindruck hat, unsere Regie-


rung habe die Herausforderung
des Klimaschutzes noch nicht verinner-
Öl und Gas verabschieden.
Im Juni stimmte der Bun-
desrat trotzdem einer Ver-
mit erneuerbarem Gas ge-
deckt werden können.
Die Position des BUND
KangeStudio/gettyimages.de

licht, kann sich bestätigt fühlen. Jetzt, da ordnung des Wirtschafts- ist klar: Neue deutsche
der Kohleausstieg beschlossen ist, plant ministeriums zu, welche Häfen für Flüssiggas sind
sie stattdessen mehr klimaschädliches Unternehmen unterstüt- unnötig und laufen dem
Erdgas einzuführen. So wird ein schmut- zen soll, Flüssiggas- Klimaschutz zuwider. Auf
ziger Energieträger durch einen anderen terminals zu finanzieren. ihren Bau sollte verzichtet
­ersetzt. Dabei hat Deutschland klare Zur Zeit gibt es Pläne werden.
Bedroht
Die aalförmigen Meerneunaugen leben in Küstennähe und schwimmen
zum Laichen die Flüsse hinauf – wie diese beiden Tiere im Rhein.
Nach sechs bis acht Jahren als Larve wandert der ausge­wachsene
Nachwuchs ins Meer ab und saugt sich als Schmarotzer an F ­ ischen fest.
­Früher waren Neunaugen gängige Speise»fische« (­ eigentlich zählen sie
zu den urtümlichen Rundmäulern). Heute g ­ elten sie bundesweit als
stark gefährdet. Die Gründe: Wasserverschmutzung, Gewässerausbau,
Querbauten und Wasserkraftwerke.
blickwinkel/A. Hartl
34 BUNDmagazin 3 | 19 ›  NATUR IM PORTRÄT

Umweltbildung: Regelmäßig informieren sich Gäste Jedes Jahr pflanzt der BUND
über die Naturschutzarbeit – wie diese Kitagruppe. 10 bis 15 neue Obstbäume.

EUROPÄISCHES SCHUTZGEBIET

GRÜNE INSEL GEFÄHRDET


Im Süden Frankfurts
engagieren sich
N atur im Ballungsraum: Es zwitschert
und flötet aus jedem zweiten Baum.
Nachtigall und Gartenrotschwanz geben
rotes Rad, grüne Kappe, so kennen viele
der Anwohner ringsum den 73-Jährigen.
Wenig später ist er auf einen kleinen Trak-
ein Konzert. Ein Neuntöter geht auf Heu- tor umgestiegen, im Anhänger ein Wasser-
BUND-Aktive seit schreckenjagd, Turmfalken rütteln, kurz tank. Es ist heiß, die Obstbäume leiden
­vielen Jahren für ein fliegt sogar ein Steinkauz vorbei. Die unter Trockenheit. Besonders das Dutzend
vom BUND betreuten Streuobstwiesen der jüngsten Bäume – angepflanzt im ver-
Schutzgebiet. Nun zwischen Mörfelden und Walldorf sind ein gangenen November – braucht Wasser.
bangen sie um seine Idyll – umtost vom Verkehr. Es sind traditionelle Sorten wie »Bohn-
apfel« oder »Gellerts Butterbirne«.
Zukunft. WASSER FÜR DIE OASE
Die Nähe zur Großstadt ist unüberhörbar. STÄNDIG AUF ACHSE
Ein Geräuschteppich lastet dauerhaft Die »Sandtrockenrasen zwischen Mörfel-
über den zarten Klängen der Natur. Nur den und Walldorf« – so der Titel des
wenige Kilometer entfernt macht sich im Fauna-Flora-Habitat-Gebietes – benötigen
Norden und Westen der größte deutsche dauerhafte Pflege. Mit einer Handvoll von
Flughafen breit. Im Osten begrenzt eine Helfern ist Dirk Kieselstein darum das
viel befahrene Bahntrasse das Gebiet, da- ganze Jahr über auf Achse. Im Sommer
hinter liegen eine Bundesstraße und – bei müssen viele Obstbäume gegossen und
Ostwind als Rauschen vernehmbar – die die blumenreichen Magerrasen beweidet
Autobahn A5. Von Nord und Süd rahmen werden. Was die Schafe nicht abfressen,
Wohngebiete die Kulturlandschaft ein. müssen die ehrenamtlich Aktiven im Win-
Wie an jedem Sommertag steuert Dirk ter beschneiden. Vor allem den invasiven
Dieses Gelege eines Gartenrotschwanzes legte
2017 den BUND-Traktor für Wochen lahm. Kieselstein den Bauwagen des BUND an: Robinien und Traubenkirschen rücken sie
BUNDmagazin 3 | 19 ›  NATUR IM PORTRÄT 35

FFH-GEBIET

BERTHA-VON-
SUTTNER-SCHULE

Im Sommer muss Dirk Kieselstein die jungen Obstbäume täglich gießen.

zu Leibe, damit die Landschaft ihren halb- derzeit auf ein geschütztes Gelände öst- ren in SPD-Hand – erstmals ein Bürger-
offenen Charakter behält und nicht ver- lich des FFH-Gebiets und der Bahnstrecke. meister der Grünen ins Rathaus ein. Sein
buscht. Anstrengend ist das, zumal alle Die Freien Wähler, zweitstärkste Fraktion Slogan lautete: »Die Mitte bleibt grün.«
Beteiligten schon im Rentenalter sind. im Stadtparlament, wollen sogar mitten Severin Zillich
Immerhin: Die Umweltbehörden liefern im Schutzgebiet bauen – dort, wo eine
die nötige Unterstützung. Zur Pflege der Gesamtschule aus dem Gebiet ausge-
strukturreichen Obstwiesen kann der klammert ist. Doch ihr Gelände bietet lang KÄTE UND
BUND auf ein festes Budget zurückgreifen, nicht genug Platz für den beabsichtigten
WALTER RAISS
um das notwendige Gerät anzuschaffen. Neubau von zwei Rathäusern sowie Bau-
Außerdem konnte der BUND einen Groß- höfen, Geschäften oder Gastronomie.
teil des 100 Hektar umfassenden Gebiets Im Koalitionsvertrag der drei Parteien Die Basis für das heutige FFH-Ge-
pachten. Das gibt den Aktiven viele Mög- heißt es dazu vielsagend: »Bei Bedarf« biet legten Walter und Käte Raiss
lichkeiten, im Sinne der Natur zu entschei- werde man prüfen, ob schutzwürdige aus Walldorf in den 1980er Jahren.
den. Erst jüngst gelang es Dirk Kieselstein Freiflächen nicht »umgewidmet« werden Das Ehepaar stand nicht nur jahr-
einem Landwirt, der Flächen am Rand des können. zehntelang mit an der Spitze der
Schutzgebiets beackert, einen besonders Protestbewegung gegen die Um-
breiten Blühstreifen abzuringen. POLITISCHE WENDE? weltbelastung und den Ausbau des
Egal, wo gebaut würde: Der dann an- Frankfurter Flughafens. Die Grün-
DRUCK DER GROSSSTADT schwellende Publikumsverkehr würde die dungsmitglieder des BUND-Ortsver-
Sorgen bereitet dem Kreisgeschäftsführer Streuobstwiesen auf jeden Fall in Mitlei- bandes gewannen auch Hunderte
des BUND, Herbert Debus, eine andere denschaft ziehen. »Viele seltene Pflanzen Eigentümer von Streuobstwiesen
Entwicklung. Wie in so vielen Großstädten und Tiere wären auf Dauer kaum zu halten, dafür, den Verbund ihrer meist win-
wird auch im nahen Frankfurt der Platz wenn ihr Lebensraum derart verstädtert«, zigen Parzellen als Ganzes unter
verknappt – durch Spekulation, Gentrifi- so Debus. Zum Zielkonflikt zwischen Schutz zu stellen. Der größte Teil
zierung oder Büros für Banken … Deshalb Wohnungsbau und Flächenschutz verweist des 1989 ausgewiesenen »Ge-
dränge die Stadt und zudem der (grüne!) er auf ein Konzept des Arbeitskreises schützten Landschaftsbestand-
Wirtschaftsminister Al Wazir die umlie- »Landesplanung und Raumordnung« im teils« genießt nun seit 2005 den
genden Gemeinden, mehr Bauland auszu- BUND Hessen. Und bekräftigt, der BUND Schutz der EU. Für ihren Einsatz
weisen. In Mörfelden-Walldorf stieß dieser erwäge das Schutzgebiet notfalls auch pro Umwelt und Natur erhielt das
Wunsch bereits auf interessierte Ohren. vor Gericht zu verteidigen. mittlerweile verstorbene Paar
So richten sich die Begehrlichkeiten der Doch vielleicht wird es so weit gar nicht 2009 das Bundesverdienstkreuz.
Rathauskoalition (SPD, Freie Wähler, FDP) kommen: Am 19. Juni zog – nach 70 Jah-
36 BUNDmagazin 3 | 19 ›  AKTIV

IM GESPRÄCH MIT Ihr Interesse scheint ja weit zu reichen,


von der Hühnerhaltung bis zur Verkehrs-

KLAUS
politik …
Tatsächlich halten wir hier seit einem Jahr
ein Dutzend Hühner. Anfangs schnappte
sich der Habicht zwei, nun ist das Gehege

MILDE
sicher. An jedem ersten Sonntag biete ich
eine Familienführung an, zu Hahn Gustav
und seinen Hühnern.
Außerdem beteilige ich mich für den
BUND an zwei Bündnissen zur Verkehrs-
wende. Da trommeln wir hauptsächlich
… hat sich seit seinem für eine flächendeckende Bewirtschaftung
des Parkraums – für uns der Schlüssel zu
Einstieg beim BUND einem lebenswerten Bremen. Um den
Bremen vor zwei Fuß- und Radverkehr sowie Bus und Bahn
besser zu fördern, planen wir Aktionen,
­Jahren fast unent- sammeln Unterschriften für einen Bürger-
behrlich gemacht. antrag, bilden uns fort oder organisieren
Fachtage.
Beinahe täglich setzt
er sich ehrenamtlich Angeblich sind Sie auch sehr hilfreich,
wann immer es etwas zu bauen und zu
für Umwelt und Natur reparieren gilt. Woher dieses handwerk­
ein. Wie kam es dazu? Klaus Milde in der Kinderwildnis. liche Geschick?
Das könnte mit meinem beruflichen Hin-
Wurde Ihnen der Wiedereinstieg leicht tergrund zu tun haben. Ich habe Maschi-
gemacht? nenbau gelernt und Armaturen für Schiffe
Ja. Im Frühjahr 2017 ließ ich mich an ei- konstruiert. 40 Stunden im Monat bin ich
nem Infostand des BUND ansprechen und da noch tätig, die ich mir zum Glück frei
Herr Milde, warum sind Sie beim BUND sagte mir: Jetzt geht es los! Per E-Mail einteilen kann.
aktiv geworden? erfuhr ich, dass Ehrenamtliche für die
Solange ich voll berufstätig war, kam ich »Kinderwildnis« gesucht werden. Ich bin Sehen Sie sich eher als Einzelkämpfer
kaum dazu, mich zu engagieren. Ich habe dann sofort hingelaufen – und gleich oder Team­player?
mich immer möglichst umweltgerecht dabeigeblieben. Im Beruf war ich eindeutig Einzelkämpfer.
verhalten, das war mir schon wichtig. Mit Heute versuche ich zum Teamplayer zu
60 aber ging ich vorzeitig in Rente und Auf dem Naturerlebnisgelände des BUND werden. Für mich ist das lehrreich. Früher
wollte wieder mehr tun. Auch um die lange sind Sie seitdem vorrangig aktiv? habe ich angesagt: »So wird’s gemacht.«
Zeit gutzumachen, als anderes im Vorder- Richtig, dort gefällt es mir, es liegt auch Jetzt frage ich: »Habt Ihr ’ne Idee?« Auch
grund stand. nah an meinem Wohnort. Anfangs waren wenn viele einfach anpacken wollen und
wir nur wenige. Ich sprach dann bei Ver- auf eine Ansage warten, entwickeln sich
Waren Sie immer schon ein politischer anstaltungen oder an Infoständen Leute so mehr Anregungen, das ist damit nicht
Mensch? an – meist mit Erfolg, so dass inzwischen so einseitig.
Auf jeden Fall. Mit zwölf Jahren kam ich ein gutes Dutzend regelmäßig mitmacht.
von einer sehr strengen Schule in Flens- Die versuche ich zusammenzuhalten, Ihre Erwartungen an ein sinnvolles Ehren-
burg nach Bremen. Die Stadt kam mir wie auch dadurch, dass wir mal privat etwas amt haben sich also bestätigt?
ein Paradies vor: Alles war völlig frei und unternehmen. Neben dem bisherigen Ter- Absolut. Mich erfüllt es, ein bisschen was
demokratisch, da konnte man über alles min am Vormittag habe ich zwei Nachmit- zurückzugeben an die Gesellschaft. Auch
diskutieren. Ich war in der Anti-Atomkraft-­ tagstermine eingeführt. So können auch die Arbeit mit den Kindern gibt mir sehr
Bewegung aktiv, oder als es darum ging, die kommen, die berufstägig sind oder viel – den Kindern macht’s Spaß, und mir
eine Autobahntrasse durch Bremen zu studieren. Damit geht nun alles besser auch!
verhindern. von der Hand. sz
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greifbar. Ihre Aktionen und Veranstaltungen verbinden BUND-Gruppen 2019. 
aktive Mitglieder mit Menschen, die sich für den Umwelt-
und Naturschutz begeistern.
So profitieren Sie von Ihrem Engagement:
Nutzen Sie dieses Potenzial und machen Sie aus Interes-
1 50 €-BUNDladen-Gutschein für jede BUND-Gruppe,
senten neue BUND-Mitglieder. Sprechen Sie Menschen
die mindestens zehn zahlende Neu-Mitglieder gewinnt
auf Ihren Veranstaltungen, Festen und Infoständen aktiv
an und begeistern Sie sie mit Ihren eigenen Erfahrungen. 2 Attraktive Sachpreise für die ersten fünf BUND-Gruppen
Beteiligen Sie sich am Jahreswettbewerb »Gruppen
3 Der erste Jahresbeitrag jedes neu gewonnenen
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BUND für Umwelt und Naturschutz


Deutschland e.V.
Mitgliederservice
Kaiserin-Augusta-Allee 5
10553 Berlin
38 BUNDmagazin 3 | 19 ›  AKTIV

die Strahlenexposition verringern lassen


könnte. Dazu – und um weitere Fragen
dieses technischen Umbruchs genauer zu
betrachten – richtete der Wissenschaft-
liche Beirat eine thematische Arbeits-
gruppe »Digitalisierung« ein.
Diese ist bereits intensiv tätig. Seit
März werden die ersten Frequenzen für
5G versteigert. Der BUND erwartet einen
deutlichen Zubau neuer Sendeantennen
im direkten Wohnumfeld. Deshalb richte-
te der Vorstand des BUND einige zentrale
Mohamed Hassan, pixabay

Forderungen an die Bundesregierung.


So müsse der Grenzwert für die Stand-
orte der Antennen vorsorglich um das
Zehnfache verschärft werden. Und mit
Blick auf die gesundheitlichen Folgen
müsse der Ausbau von unabhängigen
Wissenschaftler*innen begleitet werden.
Dies gelte auch für die geplanten Fre-

5G: EIN BUND-THEMA quenzen im Bereich 20–80 GHz – bevor


diese versteigert werden! Die Wirkung der
hier genutzten Millimeter­wellen ist bisher
noch kaum erforscht.
Wilfried Kühling

S eit dem vergangenen Jahr nimmt im


BUND die Diskussion über die fünfte
Generation von Mobilfunksystemen an
Denn damit würden bald vielfältige und
große Datenströme noch stärker vernetzt,
sprich: weit mehr hochfrequente Strahlen
Fahrt auf. Unsere Arbeitsgruppe »Elektro- gesendet.
magnetische Felder« rief die Bundes- Die Delegierten einigten sich darauf, zu-
delegierten im November auf, ein Morato-
rium für den Ausbau von »5G« zu fordern.
nächst prüfen zu lassen, wie sich dieses
Plus an Strahlung auswirkt. Und wie sich
i WWW.BUND.NET/5G

ICH WURDE GEWORBEN Wenn Sie sich für eine Familienmitgliedschaft entschieden haben, tragen Sie bitte die Namen
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Ja, ich mache mich für den Natur- und Umweltschutz stark
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tro­nischen Newsletter VO im Rahmen der satzungsgemäßen Vereinszwecke für die Betreuung Ihrer Mitgliedschaft. Unter der o.g. Anschrift
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Jörg Farys
AKTIONSTAG

KLIMA UND DÖRFER RETTEN


Fahrraddemo zum Aktionstag im Kohlerevier.

D as rheinische Kohlerevier stand am


22. Juni im Mittelpunkt der ­Klima-
proteste. Tausende machten sich auf zur
re nach Keyenberg. Der Ort soll ab 2023
im Tagebau Garzweiler verschwinden,
wenn die Politik die Kohlebagger nicht
8000 Menschen kamen zur Kundge-
bung nach Keyenberg, um die Betroffenen
zu unterstützen und raschen Klimaschutz
größten CO2-Schleuder ­Europas, um für endlich stoppt. zu fordern. Sie kamen mit der Raddemo
mehr Klimaschutz zu ­demonstrieren, den Neben Keyenberg sind im Rheinland des BUND, per Shuttle und vor allem zu Fuß,
schnellen Kohleausstieg und die Erhaltung sechs weitere Orte und der Hambacher dem Ruf der Fridays-for-Future-Bewegung
vom Tagebau bedrohter Dörfer. Wald akut bedroht, im Osten Deutsch- folgend. Das gelbe Kreuz ist das Zeichen
Der internationale Protesttag der ­Fridays lands sind es vier Dörfer. Während die des Widerstandes in den Dörfern. Daher
for Future eröffnete das Demowochen- Bundesregierung den Kohleausstieg ver- bildeten abschließend Tausende gemein-
ende mit 40 000 Teilnehmer*innen in Aa- schleppt, schaffen die Kohlekonzerne sam eine »gelbe Linie« als symbolischen
chen. Mit Aktionen zivilen Ungehorsams weiter Fakten. Menschen müssen um ihre Schutz zwischen Keyen­berg und dem na-
besetzte das Bündnis »Ende Gelände« Heimat bangen, obwohl die Kohle unter hen Tagebau Garzweiler. Die Botschaft
erfolgreich Kohlebahnen und Tagebaue. ihren Häusern nicht mehr gebraucht wird war unüberhörbar: Klimaschutz heißt
Am Tag darauf riefen der BUND und ande- – und Gift ist für das Klima. Kohleausstieg, alle Dörfer bleiben!

WÄLDER STATT FORSTE

JETZT UMBAUEN
D ie Folgen der Klimakrise zeigen sich
auch in unserem Wald: Großflächig
sind in den letzten Jahren Fichten- und
Kiefernforste kollabiert. Die Monokultu-
ren sind sehr anfällig für Windbruch und Ortstermin im Stadtwald Treuenbrietzen mit
BUND-Fachleuten und Förster Dietrich Henke (mitte).
Waldbrände. Zudem bieten sie einen idea-
len Nährboden für die Massenvermehrung Dringender denn je ist darum ein umfas- jungen Laubbäumen gelangt. Beim Auf-
von Borkenkäfern oder Nonnen­faltern. sender Umbau unserer Wälder: von den bau naturnaher Mischwälder sollten Wald-
Vielfältige Laubmischwälder sind dagegen Nadelholzplantagen zum Laubmischwald. besitzer und Kommunen daher finanziell
weit widerstandsfähiger. Wie er gestaltet werden und selbst auf unterstützt werden. Nadelbäume wie Kie-
Von Natur aus wüchsen in Deutschland einstigen Brandflächen ein Neuanfang ge- fer und Fichte dürfen nur noch einzeln oder
zum allergrößten Teil Laubmischwälder. lingen kann, zeigte der BUND kürzlich bei gruppenweise beigemischt werden.
Nadelwälder mit Kiefer, Fichte und Tanne einem Pressetermin im Stadtwald Treuen- Nur ein zügiger großflächiger Umbau
kämen nur auf etwa drei Prozent der Flä- brietzen (Brandenburg). wappnet unsere Wälder gegen die Klima­
che vor – bedecken heute aber über die Zwei Faktoren sind wesentlich: Das krise – und wird Deutschlands Verantwor-
Hälfte der Waldfläche: das Ergebnis einer Wild muss so weit dezimiert werden, dass tung zum Schutz der heimischen Laub-
nicht-nachhaltigen Forstwirtschaft. Reine sich die Laubbäume ohne Zaun verjüngen und speziell Buchenwälder gerecht.
Nadelholzbestände sind besonders krisen- können. Und die Wald­eigentümer müssen
anfällig, auch weil sie sich als stark ver- bereit sein, einige Nadelholzstämme zu
MEHR ZU DEN
armte Lebensräume kaum natürlich
selbstregulieren können.
fällen, bevor sie den maximalen Verkaufs-
wert erreichen – damit genug Licht zu den
i BUND-FORDERUNGEN:
www.bund.net/waldkrise
40 BUNDmagazin 3 | 19 ›  AKTIV ›  Internationales

Ausgestorben: Vermutlich ausgestorben:


Goldkröte, Costa Rica – zuletzt 1989 gefunden. Jangtse-Delfin, China – letztmalig gesichtet im Jahr 2002.
© U.S. Fish and Wildlife Service

© X. Wang, Institute of Hydrobiology, China


Naturalis Biodiversity Center

Vermutlich ausgestorben: Dünnschnabel-Brachvogel,


Westsibirien, überwinterte im Mittelmeerraum – ALARMIEREND
seit 2005 verschollen.

BEDROHTE VIELFALT
Der jüngste Bericht
des Weltbiodiversitäts-
D er weltweite Verlust der biologi-
schen Vielfalt untergräbt unsere
­Lebensgrundlagen. Durch menschliches
KOLLAPS ABWENDEN
Dem Bericht zufolge haben der weltweite
Handel und Konsum den Druck auf die
Handeln gilt heute über ein Viertel der Natur in den vergangenen Jahrzehnten
rates ist eindeutig: untersuchten Tier- und Pflanzengruppen vervielfacht. Speziell die intensive Land-
Die Menschheit muss als gefährdet – mehr als je zuvor. Bis zu wirtschaft, die Abholzung der Wälder, die
eine Million Arten sind mittelfristig vom Überfischung der Meere und der Abbau
radikal umsteuern, Aussterben bedroht, wertvolle Ökosyste- von Rohstoffen verursachten die Natur-
will sie einen ökologi- me stark geschädigt. Die Krise der Natur zerstörung. Auch für die Zukunft der
wirkt ebenso verhängnisvoll wie die Krise Menschheit sei der anhaltende Raubbau
schen Kollaps der Erde des Klimas, die diesen Trend noch ver- an ihren natürlichen Lebensgrundlagen
verhindern. Besonders schärft. Als Ausweg bleibt nur, unsere verheerend. Darum fordert der BUND die
Lebens- und Wirtschaftsweise gründlich Bundesregierung auf, rasch umzusteuern:
gefordert sind reiche zu verändern. hin zu echter Nachhaltigkeit, weg vom
Industrieländer wie Zu diesem Fazit kommt der jüngste Be- Raubbau und vom Mantra des ständigen
richt des Weltbiodiversitätsrates. Im Mit- Wirtschaftswachstums.
Deutschland. telpunkt steht dabei die Entwicklung der Mit dem neuesten Bericht gibt es keine
Artenvielfalt und der Ökosysteme in den Ausreden mehr: Der Motor des Artenster-
letzten 50 Jahren. Zudem fragte der Rat: bens ist unser immenser ökologischer
NICOLA UHDE
Wie werden internationale Verpflichtungen Fußabdruck, in Deutschland wie Europa.
ist die BUND-Expertin für inter­- umgesetzt? Und was wird aus der biologi- Es ist unser Konsum von Energie, Fleisch,
nationale Biodiversitätspolitik. schen Vielfalt und den Ökosystemen bis Palm­öl und Papier, Metallen oder seltenen
2050? Abschließend erläutern die Wissen- Erden, der zum Beispiel die Tropenwälder
schaftler*innen der Politik, wie der Verlust mehr und mehr vernichtet.
zu stoppen ist – und mahnen dringend zur Sind wir aber bereit, unseren Hunger
Kehrtwende. nach Ressourcen zu verringern und unsere
BUNDmagazin 3 | 19 ›  AKTIV ›  Internationales 41

VEREINT
Ausgestorben: St. Helena-Olivenbaum,
Süd-Atlantik – der letzte Baum ging 1994 ein.
© Rebecca Cairns-Wicks

IM KAMPF
Eine Autobahn soll eine der schöns- Auf der Delegiertenversammlung
ten Schluchten Bulgariens zerstören, der FoE, die sich der Aktion für die
die Kresna-Schlucht. »Za Zamiata«, Rettung der Schlucht anschloss,
unser bulgarischer Partner von tauschte sich der BUND speziell mit
­»Friends of the Earth« (FoE), kämpft den Partnern a ­ us Tschechien aus.
seit Langem gegen den Bau dieser Denn die gehören nun – wie schon
Straße. Und dafür, w ­ ertvolle Wälder der BUND – einer n ­ ationalen Kohle-
und Flüsse der Region zu bewahren, kommission an. Das bestimmende
unterstützt von vielen a ­ nderen im Thema waren jedoch die A ­ ngriffe auf
Netzwerk. Die Straße soll mehr Autos Umwelt-, Klima- und Naturschutz-
und Gütern den Weg von S ­ üd- nach organisationen, die unseren Partnern
Nordeuropa bahnen. ­in Russland und im übrigen Osteuropa
Lebensweise drastisch zu verändern? Wir
Anfang Juni dieses Jahres standen derzeit die Arbeit i­mmer schwerer
alle sollten uns das fragen. Doch den poli-
wir, Vertreter*innen von 25 europäi- machen. Unser FoE-Büro in Brüssel
tischen Rahmen muss die Bundesregie-
schen FoE-Gruppen, Seite an Seite wird diese Gruppen künftig stärker
rung ziehen – indem sie schädliche Sub-
auf einer alten Steinbrücke über dem als bisher unterstützen – als Zeichen
ventionen stoppt, ob für die Landwirt-
Fluss Struma und skandierten »Rettet gelebter Solidarität in der internatio-
schaft, die Fischerei oder den Verkehr.
die Kresna-Schlucht«. Neben mir nalen Umweltbewegung.
­Kolleginnen aus d­er Schweiz und Ann-Kathrin Schneider
DEUTSCHLAND GEFORDERT
­Georgien, hielten wir den Kamera-
Europa- und weltweit muss die Bundes-
teams ein großes Banner entgegen.
regierung sich nun für ambitionierte Fort-
schritte beim Schutz der biologischen
Vielfalt einsetzen. Immerhin hat
Deutschland die EU-Ratspräsident-
schaft inne, wenn es 2020 auf der
UN-Biodiversitätskonferenz in Chi-
na ein neues Regelwerk zu verab-
schieden gilt.
Deutschland als reiche Export-
nation muss zudem sein Budget für
den globalen Schutz und die Wieder­
herstellung von Ökosystemen erhö-
hen: von 500 Millionen auf 1,5 Milliar-
den Euro pro Jahr. Da alle Industrie-
länder das Artensterben entscheidend
mitverantworten, sind sie verpflichtet,
den armen Ländern im Süden finanzi-
ell zur Seite zu stehen – beim Schutz
der gemeinsamen Lebensgrundlagen.

i WWW.BUND.NET/IPBES
JUNGE SEITE sich viele die Frage: Wie soll es mit der
Bewegung im nächsten Schuljahr eigent-

MIT NEUER ENERGIE


lich weitergehen?

POWER ON
Ein großes Echo in Medien und Politik,
aber auch hitzige Diskussionen zu Hause
am Küchentisch: »Die über soziale Netz-
Hunderttausende Schüler*innen streikten werke organisierten Proteste haben dafür
gesorgt, dass junge Menschen in der Kli-
­bereits bei den Fridays for Future. Wie können mapolitik plötzlich gehört werden«, meint
sie sich langfristig für mehr Klimaschutz­ Jonas Asal von der Bundesgeschäftsstelle
der BUNDjugend. Der 24-Jährige kümmert
engagieren? Darum ging es bei den sommer- sich seit April darum, die Aktiven von Fri-
lichen »Power On«-Treffen der BUNDjugend. days for Future zu vernetzen. Die nämlich
kannten sich ursprünglich meist nicht

M it der Ruhe ist es vorbei: Schwerin


ist keine Riesenstadt, da erzeugen
schon hundert Leute große Aufmerk-
beginn, eigentlich in der Schule sein.
Doch der Elftklässlerin ist der Kampf ge-
gen die Erderwärmung wichtiger. Deshalb
persönlich, sondern standen nur online
miteinander in Kontakt.
Das hat sich nun geändert. Los
samkeit. »Hop, hop, hop – Kohle stopp!« streikt die Schwerinerin bei den Fridays ging es mit einem großen Auftakt-
skandieren die Kinder und Jugendlichen. for Future, wie so viele andere Schüle- treffen in Berlin. Dann organisierte
Sie fordern, endlich Ernst zu machen mit r*innen im ganzen Land. die BUNDjugend sechs regionale
dem Klimaschutz. Schließlich steht ihre »Wir werden mit den Klimastreiks »Power On«-Konferenzen im Osten
Zukunft auf dem Spiel. Da darf man schon erst aufhören, wenn unsere Forde- und Westen, Norden und Süden
einmal laut werden. »System change, not rungen erfüllt sind«, meint There- Deutschlands. Die Premiere fand
climate change« rufen sie und machen ih- sia Crone. Die 16-Jährige war im Frühsommer in Schwerin statt,
rem Ärger über die untätige Politik Luft. schon im Landtag von Schwerin dann folgten Wochenenden in Köln,
Trommler sorgen dafür, dass sich Autos und hat den Abgeordneten er- Hamburg, Nürnberg, Hannover und
stauen und Menschen stehen bleiben oder klärt, was vor Ort passieren soll: Karlsruhe. »Das Ziel ist, sich auch
aus dem Fenster schauen. das Kohlekraftwerk in Rostock ab- mal offline zu begegnen, entspannt
schalten, mehr in Radwege investie- zu diskutieren und Kontakte zu an-
GROSSER ZULAUF ren, ein kostenloses Schülerticket deren ­Aktiven zu knüpfen«, erklärt
»Es sind wieder viele Leute da, echt cool«, für Bus und Bahn einführen. Jonas. So können die Schüler*innen
meint Lulu Schäpe. Die 17-Jährige müss- Noch hat Fridays for Future großen Zu- auch von den Erfahrungen der Älteren
te heute, an einem Freitag kurz vor Ferien- lauf. Doch nicht nur in Schwerin stellen profitieren.
BUNDmagazin 3 | 19 ›  AKTIV 43

LOCALS UNITED
Schon immer haben Menschen aus
verschiedensten Gründen ihren Wohnort
gewechselt und einen neuen Ort zu ihrem
Zuhause gemacht. Egal, ob du seit zwei
Wochen oder 20 Jahren in deiner Stadt
lebst: Du bist ein wichtiger Teil von ihr.
Hier triffst du neue Leute, entwickelst
Ideen, kannst dich einbringen und Dinge
ändern. Mit dem Projekt »Locals United«
wollen wir junge Menschen zusammen-
bringen und uns gemeinsam für eine
H. Bendl (3)

gleichberechtigte und vielfältige Stadt


einsetzen. Von Filmabenden, Sprach-
Cafés, Demos, Konzerten, Diskussions-
runden oder Flashmobs bis zu Straßen-
theater – deinen Ideen sind keine
WIE AKTIV WERDEN? VIELE INITIATIVEN
Grenzen gesetzt! Im Herbst starten wir
Lulu Schäpe – am Vormittag noch bei der »Die Dynamik der Fridays for Future wird
»Locals United«-Gruppen in Berlin, Pots-
Demo – bringt zum Auftakt in Schwerin sich wohl nicht ewig aufrechterhalten las-
dam, Leipzig, Dresden, Kassel, M ­ arburg,
ihre Schwester Emma mit. Die 19-Jährige sen«, meint Jonas Asal. »Es ist deshalb
Schwerin und Wismar. Du bist herzlich
sagt: »Es ist ein tolles Gefühl, wenn man wichtig, von den vielen anderen Initiativen
eingeladen!
merkt, dass so viele Gleichgesinnte für zu wissen, wo man sich ebenfalls enga-
ein gemeinsames Ziel kämpfen.« Die bei- gieren kann.« Er erzählt von den Klima- www.bundjugend.de/locals-united
den sind zwar schon recht vertraut mit camps, die im Sommer und Herbst anste-
dem Thema Erderwärmung. Doch sie wol- hen: »Hier kann man als Neuling einfach Perry Grone/Unsplash

len mehr lernen – und besuchen einen mal reinschnuppern.« Und erwähnt eine
Workshop zum Thema »Klimagerechtig- ganze Reihe von weiteren Möglichkeiten:
keit«. Hier erfahren sie: Trotz der Hitze- So steht im Rheinland eine Massenaktion
rekorde in Deutschland sind die wahren zivilen Ungehorsams gegen die Kunst-
Leid­tragenden der Klimakrise die Men- düngerindustrie an. In Brandenburg tref-
schen im globalen Süden. fen sich bald Fahrradinitiativen aus ganz
Ein anderer Workshop widmet sich dem Deutschland zu einem Do-It-Yourself-
FFF: GENERALSTREIK
überzeugenden Sprechen. Gute Argumen- Camp. Und am 20. September ist während
te allein reichen bei Diskussionen oft nicht einer Klima-Aktionswoche ein globaler Die von der Schwedin Greta Thunberg
– man muss auch die Stimme, die Gestik Streiktag geplant. gestartete Bewegung »Fridays for Future«
und Mimik richtig einsetzen. Helge Bendl wächst stetig. An jedem Freitag gehen
»Seit den Fridays for Future rede ich so- Schüler*innen für eine bessere Klima-
gar mit meiner Oma über den Klimawan- politik auf die Straße. Am 20. September
del. Ich würde mich gerne auch nach der rufen sie weltweit alle Menschen dazu
Schule engagieren. Doch ehrlich gesagt auf, mitzustreiken. Also: Überredet eure
MITMACHEN
weiß ich noch nicht genau, wie«, meint die Auf ins Rheinland: Bis zum 27. August
Eltern, Großeltern, Onkels und Tanten, die
16-jährige Annika Graf. Weil das vielen so gibt’s dort noch ein großes Klimacamp Arbeit an diesem Freitag ruhen zu lassen.
(www.klimacamp-im-rheinland.de). Lasst uns ein lautes und deutliches Signal
geht, hält Nicole Gernhard ein Referat, die In Brandenburg läuft vom 22. bis zum
Bildungsreferentin der BUNDjugend in senden!
25. August das »Freilauf DIY Bike Camp«
Mecklenburg-Vorpommern. Sie stellt das (www.mitradgelegenheit.org). Im Sep- www.bundjugend.de/­klimastreik
tember soll die Automesse IAA in Frank-
Freiwillige Ökologische Jahr vor, aber
furt blockiert werden (www.sand-im-­
auch Initiativen wie das Global Ecovillage getriebe.org). In Brunsbüttel steht ein
Network und das Work & Travel-Projekt Camp für Agrarwandel und Klimagerech-
tigkeit an (www.freethesoil.org). Und am
WWOOF, das weltweit Menschen zusam-
20. S
­ eptember steht ein globaler Bildungs- instagram.com/bundjugend
menbringt, die auf Biohöfen mit anpacken und Arbeitsstreik an (siehe Umschlag). twitter.com/BUNDjugend
wollen. › www.bundjugend.de/protest-termine facebook.com/BUNDjugend.Bundesverband
44 BUNDmagazin 3 | 19 ›  SERVICE

LESERBRIEFE
EUROPAWAHL: ÖDP UND AFD? Mit Erstaunen habe ich gesehen, dass Sie bei der Befragung der
Einerseits feiern Sie das erfolgreiche bay- größten demokratischen Parteien die derzeit größte Opposi­
erische Volksbegehren zur Artenvielfalt. tionspartei im Bundestag – die AfD – nicht aufgeführt haben.
Doch dann stellen Sie nur die fünf gän- Dies verwundert mich stark. Auch wenn die AfD in einigen wich-
gigen Parteien vor, deretwegen das tigen Umweltfragen (leider) wenig Übereinstimmung mit den
Volksbegehren nötig wurde. Mal ehr- Forderungen des BUND hat, zeugt es für mich von mangelndem
lich: Wer die selbsternannte Alternati- demokratischem Verständnis, die AfD nicht zu befragen.
ve AfD schwächen oder verhindern Dierk Wagenschein, Müden/Aller
möchte, sollte mutig genug sein, echte Alterna-
tiven und den stärksten Partner dieses Volksbegehrens Die AfD in unserem Parteienvergleich nicht zu berücksichtigen,
beim Namen zu nennen – die ÖDP. war ein Beschluss von BUND-Bundesvorstand und Verbandsrat.
Diana Neudeck, Ruhstorf Diese Gremien entschieden, dass
1. der BUND öffentlich Stellung bezieht gegen die AfD als rechts-
Erst einmal vorweg: Ihr macht tolle Arbeit, und das aktuelle Heft populistische Partei. Unsere Vorstellung einer freien, gerechten,
2/19 ist wieder sehr gelungen. Aber was ist im Schwerpunkt zur weltanschaulich und religiös toleranten Gesellschaft ist mit ras-
Europawahl mit der Position der AfD geschehen? Ihr schreibt, sistischen, fremdenfeindlichen und menschenrechtswidrigen
die Positionen der größten demokratischen deutschen Parteien Tendenzen in der AfD unvereinbar.
würden einander gegenübergestellt. Die AfD wird hier totge- 2. der BUND sich inhaltlich mit AfD-Forderungen zu Klimaschutz
schwiegen. Wird sie, so lese ich das, als »undemokratisch« ein- oder Atomausstieg auseinandersetzt. Politiker*innen der Partei
gestuft? Für eine überparteiliche Organisation wie den BUND fin- werden jedoch nicht bei der BUND-Lobbyarbeit etc. berücksichtigt
de ich diese Bevormundung der Mitglieder schon erstaunlich (Beispiel: Wahlprüfsteine oder Podiumsdiskussionen), um rechts-
und Euer Verhalten sehr ängstlich. Als mündiges Mitglied hätte populistischen Parolen keinen zusätzlichen Raum zu bieten.
mich die (Nicht-)Position der AfD zu diesen Themen sehr inter- Unsere detaillierte Analyse der AfD-Umweltprogrammatik ­finden
essiert und ich hätte selbst entscheiden wollen, wie ich die Ant- Sie hier: www.bund.net/bewertung-afd-grundsatzprogramm
wort der AfD dann bewerte. Anscheinend ist der politische Dis- Wie der BUND künftig mit der AfD umgeht, wird verbandsintern
kurs mit der AfD nicht gewollt. Genau deshalb ist die AfD mittler- weiter diskutiert. Die obige Kritik fließt in diesen Prozess mit ein.
weile in allen Landesparlamenten und im Bundestag: als das
»Opfer«, mit dem man sich inhaltlich nicht auseinandersetzt. VOR ORT INSEKTEN SCHÜTZEN
Ein anderer Aspekt ist, wer sich das Recht herausnimmt zu ur- Was kann eine kleine Kreisstadt zum Schutz der Insekten beitra-
teilen, was (un-)demokratisch ist. Dafür ist das Bundesverfas- gen? Dank einer Kooperation mit dem Bauhof gelang es mir, die
sungsgericht die einzige legitime Instanz. Gerade dem gemein- biologische Vielfalt in Künzelsau zu fördern. Auf einer Exkursion
nützigen, überparteilichen BUND steht es nicht zu, eine demo- sensibilisierte ich deren Mitarbeiter, wie etwa die Art und Häufig-
kratisch gewählte Partei auszuschließen, auch wenn uns viel- keit der Mahd dem Blütenreichtum zugutekommt. Der Pflege-
leicht deren politische Überzeugungen nicht passen. So macht trupp des Bauhofs wird diese Grundsätze künftig beherzigen, ein
man es sich sehr leicht, wird aber die AfD inhaltlich nicht stellen Angestellter der Stadt koordiniert den Prozess.
können. Machen wir es uns nicht zu einfach mit der Demokratie! Die Bauhöfe der Städte und Gemeinden haben einen meist ge-
Ulf-D. Schwarz, Tauberbischofsheim waltig unterschätzten Einfluss auf den Schutz und die Vielfalt
der Natur vor Ort. Man stelle sich vor, deren Mitarbeiter hätten
überall freie Hand, das Grün im Sinne der natürlichen Vielfalt zu
pflegen. Ich würde mich freuen, wenn das Künzelsauer Beispiel
SCHREIBEN SIE UNS! bundesweit Schule macht!
Helmut Schwab, Künzelsau
redaktion@bund.net
Die Redaktion freut sich über jede Zuschrift (Betreff FISCHGENUSS BEDENKENLOS?
bitte: »Leserbrief«), behält sich aber Kürzungen vor. Wieder einmal eine gelungene Ausgabe! Beim Ökotipp zum The-
Eine erweiterte Auswahl von Leserbriefen finden Sie unter ma »Fisch genießen« bin ich allerdings stutzig geworden. Unter
www.bund.net/bundmagazin – etwa vier Wochen nach anderem heißt es dort zum Karpfen, er sei »eine der wenigen
Erscheinen jeder neuen Ausgabe. Fischarten, die man bedenkenlos essen kann«. Die Hinweise ver-
dichten sich, dass Fische schmerzempfindliche Lebewesen sind.
BUNDmagazin 3 | 19 ›  SERVICE 45

Daher stieß mir das Wort »bedenkenlos« hier etwas sauer auf.
Als sei – abgesehen von den schlimmen ökologischen Folgen IN EIGENER SACHE
der Überfischung – beim Fischverzehr alles in bester Ordnung.
Gerade wir Naturliebhaber sollten uns darin nicht gegenseitig i Liebe Freund*innen der Erde,
bestärken, zumindest sind starke Zweifel angebracht. Bitte kom-
munizieren Sie hier doch künftig die wissenschaftliche Faktenlage. wie Sie vielleicht bemerkt haben, fehlt die ursprünglich
Gregor Mitsch, Heppenheim für diese Ausgabe vorgesehene Vorstellung der Kandi-
dat*innen für den Bundesvorsitz des BUND.
GEMEINNÜTZIGKEIT GUT PRÜFEN
Zum Hintergrund: Laut unserer Satzung gibt es keinen
Ihren Artikel über die Gemeinnützigkeit von politischen Organi-
Ausschlusstermin für die Kandidatur. Um nicht diejenigen
sationen finde ich sehr interessant. Ich verstehe grundsätzlich
zu benachteiligen, die sich erst nach Redaktionsschluss
auch Ihren Standpunkt zur Anerkennung der Gemeinnützigkeit
zu einer Kandidatur entschließen, hat der Bundesvorstand
demokratisch politischen Engagements. Er birgt aber erhebliche
deshalb entschieden, auf eine Vorstellung in diesem Heft
Risiken! Stellen Sie sich vor, ein Chemiekonzern unterstützt eine
zu verzichten.
»gemeinnützige« Organisation, die »transparent« machen will,
wie gut Pflanzenschutzmittel für die Sicherung kostengünstiger Auf der Bundesdelegiertenversammlung im November
Ernährung sind. Diese fordert dazu auf, Petitionen zu unterschrei- wird ausreichend Zeit sichergestellt für einen Austausch
ben, organisiert Demonstrationen und hat ein mediales Echo. zwischen den Kandidat*innen und Delegierten.
Macht sie politische Bildung und wäre somit gemeinnützig?
Oder ist sie ein Lobbyist, der gezielt Einfluss auf die Politik nimmt? Ihr Hubert Weiger
Ich glaube, der kritischen Prüfung des Bundesrechnungshofes
kann man auch Gutes abgewinnen.
Alexander Staffel, Erfurt

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46 BUNDmagazin 3 | 19 ›  SERVICE

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48 BUNDmagazin 3 | 19 ›  MEDIEN

MEDIEN
Hochaktuell Deutlich
Die Klimatologin und Leiterin des Immer größer und schwerer sind
»Environmental Change Institute« die Autos auf unseren Straßen.
(Oxford) erklärt in ihrem Buch, wie Mit immer stärkeren Motoren
sich die Klimakrise auf extreme machen sie immer mehr Strecke.
Wetterereignisse auswirkt. Die Klaus Gietinger – Sozialwissen-
junge Disziplin der Zuordnungs- schaftler, Drehbuchautor und
wissenschaft berechnet den An- Regisseur – zählt sie alle auf,
teil der Klimakrise an solchen Er- die schädlichen Folgen des Auto-
eignissen. Und sie untersucht, ob verkehrs für unsere Gesundheit,
und wo Dürren oder sintflutartige die Umwelt und das Klima. Und
Regenfälle künftig häufiger oder er zeigt, aus welcher Motivation
auch seltener auftreten werden. heraus Kreise der Wirtschaft und
Für uns Laien gut verständlich Politik diese unheilvolle Entwick-
WÜTENDES WETTER erläutert sie Methoden und auch VOLLBREMSUNG lung weiter vorantreiben.
Friederike Otto Grenzen ihrer Disziplin. Sie stellt Warum das Auto Mit einiger Polemik spricht
Bezüge zur aktuellen Politik dar, keine Zukunft hat … Gietinger von (uns) autofahrenden
2019, 240 Seiten, 16,99 €, etwa welche Möglichkeiten sich »Junkies« und den Autokonzernen
Klaus Gietinger
Ullstein mit Klagen auf Schadensersatz als Drogenkartell, das der Staat
gegen die Verursacher ergeben. stütze, statt es in die Schranken
2019, 160 Seiten, 16 €
Das Buch ist durchweg packend zu verweisen. Sein Traum ist die
Westend
geschrieben. Wer nicht gerade vom Auto befreite Gesellschaft.
Klimaexpertin ist, wird die um- Doch dafür sei eine Verkehrsrevo-
fassend erhellten Hintergründe lution nötig – mit radikal weniger
sehr spannend finden, etwa zu Auto-, Flug- und Schiffsverkehr.
den vielen Angriffen gegen die Nur damit lasse sich die Klima-
Klimaforschung. Hochaktuell katastrophe noch rechtzeitig
und absolut lesenswert! abwenden.

Sympathisch Verdienstvoll
Vom Glück des Anfangs handelt Die Mondlandung: eine Inszenie-
das letzte Kapitel, das Arnulf Con- rung. Kondensstreifen am Him-
radi der Kunst widmet, Vögel zu mel: versprühte Chemikalien, die
beobachten. Sein Buch richtet uns vergiften. Der 11. September:
sich vor allem an jene, die dem ein Komplott der US-Regierung.
Zauber der Vögel noch nicht Verschwörungsmythen haben
lange erlegen sind – weniger Konjunktur – zum Teil auch unter
wohl an erfahrene Vogelkucker. Umweltschützer*innen. Deshalb
Gedanken zur meditativen Qua- ist es lobenswert, dass sich der
lität der Vogelbeobachtung und Physiker Holm Gero Hümmler in
zum Kern des Zen-Buddhismus diesem aufklärerischen Buch ei-
mischt er mit eigenen Erlebnissen ner Reihe weitverbreiteter Mythen
und Momenten des Glücks. widmet. Selbst die skurrilsten Be-
ZEN UND DIE KUNST DER In der Antarktis begeistern den VERSCHWÖRUNGSMYTHEN hauptungen nimmt er dabei erst
VOGELBEOBACHTUNG passionierten Vogelfreund und Wie wir mit verdrehten Fakten einmal ernst, solange sie für sich
früheren Verleger Sturmvögel und für dumm verkauft werden ­reklamieren, naturwissenschaft-
Arnulf Conradi
Albatrosse, auf Helgoland die lich fundiert zu sein. Von Nazi­
Holm Gero Hümmler
Lummen und Basstölpel. In der kolonien am Südpol bis zur fla-
2019, 240 Seiten, 20 €,
Uckermark und im Grunewald chen Erde: Hümmler entlarvt gän-
Kunstmann 2019, 223 Seiten, 19,80 €
­dagegen sind es die kleinen gige Verschwörungsideen durch
Hirzel
Entdeckungen zu Fuß, die ihn zur streng wissenschaftliche Beweis-
täglichen, immer gleichen Runde führung überzeugend als Märchen.
bewegen. Sein sympathisches Auch wenn die Lektüre des Buchs
Plädoyer: Zeit nehmen, sich der eine recht trockene Angelegen-
zufälligen Begegnung mit den heit ist: Vielleicht gelingt es ja so,
­Vögeln überlassen – und nie das einige der Betroffenen von ihrem
Fernglas vergessen! Irrglauben zu heilen.
BUNDmagazin 3 | 19 › MEDIEN 49

MEDIEN AKTIV AUF FACEBOOK


PLASTIKATLAS
Der BUND tauscht sich auf
Unser Planet versinkt im Plastik: Kunststoffe finden sich heute
Facebook täglich mit seiner
weltweit im Boden, im Wasser, in der Luft. Doch Müllstrudel im
Community über Umwelt-
Meer und gigantische Abfallhalden sind nur die sichtbarsten
und Verbraucherthemen
Folgen der Plastikkrise. Wir essen Plastik, tragen Plastik als
aus. Wir freuen uns über
Kleidung am Körper und cremen uns mit Mikroplastik (in der
Unterstützung von Umwelt-
Hautcreme) das Gesicht.
und ­Naturschützer*innen
Hinzu kommen die gesundheitlichen Folgen für uns Menschen
mit Lust am Dialog!
durch diverse Schadstoffe im Plastik. Neben der Klimakrise und
dem Artensterben ist die Bewältigung der Plastikkrise die dritte
große ökologische Herausforderung dieses Jahrhunderts.
Der neue Plastikatlas von BUND und Heinrich-Böll-Stiftung

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WERDEN SIE BUND-FREUND*IN
umreißt das Ausmaß der Plastikkrise. Und er verdeutlicht, dass
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die wahren Gründe für die Verschmutzung unserer Umwelt mit
Plastik weniger Probleme der Entsorgung oder Versäumnisse
der Verbraucher*innen sind. Vielmehr kommen
vor allem international agierende
Unternehmen ihrer Verantwortung AKTIV AUF TWITTER
zu selten nach.

MEHR ZUM THEMA


i Plastikatlas – Daten und Fakten über eine
Welt voller Kunststoff, ­Juni 2019. Bezug von
Einzelexemplaren gratis (Spenden willkommen):
bundladen@bund.net, Tel. 0 30/2 75 86 -4 80. Zum Herunterladen
­unter: www.bund.net/plastikatlas; BUND-Gruppen und Aktive ­
können das Aktionspaket »Plastikfrei – ich bin dabei!« bestellen,
das den Plastik­atlas enthält; Bezug: bundaktion@bund.net, Tel. -545.

ACHTUNG HORMONGIFTE!
Im Alltag sind wir Hormongiften – wie Weichmachern und Bis-
phenol A – regelmäßig ausgesetzt. Wir nehmen sie über das
Essen und die Haut auf oder atmen sie ein: eine unsichtbare
Gefahr für unsere Gesundheit und die Umwelt.
Zahlreiche Krankheitsbilder werden mit Hormongiften in Verbin-
dung gebracht, darunter Brust- und Hodenkrebs, Diabetes und
Unfruchtbarkeit, Immunschwäche sowie Lern- und Verhaltens-
störungen. Eine BUND-Broschüre bietet
auf 16 Seiten kompakte Infos zu hor-
monellen Schadstoffen sowie Tipps,
Der BUND kommentiert täglich das
wie wir uns davor schützen können.
umweltpolitische Geschehen auf Twitter.

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WERDEN SIE BUND-FOLLOWER
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Die Broschüre erhalten Sie gratis unter: bundladen@bund.net, Tel.
www.twitter.com/bund_net

0 30 / 2 75 86-480. Download: www.bund.net/achtung-hormongifte


50 BUNDmagazin 3 | 19 ›  SERVICE

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Severin Zillich
Tel. 030 /27586-457
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Welche Erfolge konnten wir 2018 erzielen?
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Ihnen der neue Jahresbericht.

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www.bund.net/jahresbericht
Tel. 030 /27586-429
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Tel. 030/27586-480
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Tel. 030 /27586-461
nicole.anton@bund.net

IMPRESSUM

Das BUNDmagazin ist die Mitgliederzeitschrift des BUND und Bezugspreis: für Mitglieder im Beitrag enthalten Das BUNDmagazin 4/2019 erscheint am 16. November
erscheint viermal im Jahr. Druck: Brühlsche Universitätsdruckerei, Gießen mit einem Titelthema zur Mobilität der Zukunft.
Papier: 100% Recycling, matt gestrichen
Herausgeber: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) Spenden: Der BUND benötigt für seine Arbeit über die Mitgliedsbeiträge
– Friends of the Earth Germany, Kaiserin-Augusta-Allee 5, 10553 Berlin ­hinaus Unterstützung. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Bitte
Redaktion: Severin Zillich, Tel. 0 30/2 75 86 - 4 57, Fax -440, redaktion@ überweisen Sie Ihre Spende auf das Konto der Bank für Sozialwirtschaft:
bund.net, www.bund.net/bundmagazin IBAN: DE24 3702 0500 0008 2802 02, BIC: BFSWDE33. Danke!
V.i.S.d.P.: Yvonne Weber (siehe hierzu: www.bund.net/spenden)
Gestaltung und Produktion: JANDA+ROSCHER, Regensburg Copyright: Alle Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt.
Titelbild 3/19 (23. Jahrgang): blickwinkel/F. Hecker Nachdruck oder sonstige Verwertung nur mit schriftlicher Einwilligung des
Verlag: Natur&Umwelt Verlags-GmbH, Kaiserin-Augusta-Allee 5, Verlags.
10553 Berlin Druckauflage: 205 832 Exemplare (IVW 2/2019);
Anzeigenverwaltung: Ruth Hansmann, Runze & Casper Werbeagentur in der Natur+Umwelt: 147 000 Exemplare (IVW 2/2019) LE2
GmbH, Tel. 030/2 8018-145, Fax: -400, hansmann@runze-casper.de. Beilagen: Diese Ausgabe enthält eine Beilage von Waschbär. Dieses Druckerzeugnis ist mit dem Blauen Engel ausgezeichnet.
Es gilt der Anzeigentarif Nr. 27.
BUNDmagazin 1 | 17 18

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Wildnis schaffen, NAtur bewahren

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20. SEPTEMBER 2019
BUNDESWEITE KLIMADEMOS UND AKTIONEN
Am 20. September 2019 ruft »Fridays for Future« zu einem Nehmt an den Aktivitäten bei Euch vor Ort teil!
großen internationalen Aktionstag für den Klimaschutz auf. Ladet Eure Freund*innen und Eure Familie mit ein!
Der BUND und die BUNDjugend unterstützen diesen Aufruf.
Setzen wir gemeinsam – über alle Altersgrenzen hinweg – ein Zeigen wir, dass die Jugendbewegung mit ihren Forderungen
weltweites Zeichen für starken Klimaschutz! Kein Vertrösten nicht alleinsteht. Der BUND und die BUNDjugend sind starke
und Verschieben mehr: Wir brauchen sofort eine konsequente Verbündete für den Klimaschutz.
Klimapolitik.

Weitere Infos zu allen geplanten Aktionen: www.bund.net/klima-demos