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Mauro Taddeo

BVerfG

Bundesverfassungsgericht

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Inhaltsverzeichnis

1 Die Frankfurter Reichsverfassung 1849

2 Die Verfassung des Deutschen Reichs 1919

3 ErkUirung in Anbetracht der Niederlage Deutschlands und der Übernahme der


obersten Regierungsgewalt hinsichtlich Deutschlands durch die Regierungen des
Vereinigten Konigreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der
Sozialistischen Sowjet-Republiken und durch die Provisorische Regierung der
Franzosischen Republik 1945

4 Frankfurter Dokumente 1948

5 Beschlüsse der Koblenzer Ministerprasidentenkonferenz 1948

6 Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland 1949

7 Gesetz über das Bundesverfassungsgericht 1951

7.1 Verfassung und Zustandigkeit des Bundesverfassungsgerichts

7.2 Verfassungsgerichtliches Verfahren Erster Abschnitt AlIgemeine


Verfahrensvorschriften

7.3 Einzelne Verfahrensarten Erster Abschnitt

7.4 Verzogerungsbeschwerde

7.5 SchluBvorschriften

8 Geschäftsordnung des Bundesverfassungsgerichts 2014

9 Verhaltensleitlinien für Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts 2017

10 Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts

10.1 Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts 2015

10.2 Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts 2016

10.3 Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts 2017

10.4 Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts 2018


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10.5 Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts 2019

11 2 BvQ 1/51

12 Vertrag über die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Drei
Machten 1952

13 Entscheindungstyp

(URTEIL)

13.1 Feststellung der Verfassungswidrigkeit bei Parteien 2 BvB 1/13

13.2 Wahlprüfungsbeschwerden 2 BvC 1/07

13.3 Organstreitverfahren 2 BvE 1/83

13.4 Abstrakte Normenkontrolle 1 BvF 1/90

13.5 Bund-Uinder-Streitigkeiten 2 BvG 1/96

13.6 Andere Streitigkeiten zw. Bund und l.andern 2 BvH 3/91

13.7 Landesverfassungsstreitigkeiten 2 BvK 1/07

13.8 Konkrete Normenkontrolle 1 BvL 30/88

13.9 Einstweilige Anordnungen 1 BvQ 5/77

13.10 Verfassungsbeschwerden 1BvR 253/56

(BESHLUSS)

13.11 Überprüfung von Vtilkerrecht als Bundesrecht 2 BvM 1/98

13.12 Auslegung des Grundgesetzes nach landesverfassungsgerichtlicher Vorlage 2 BvN


1/95

13.13 anderweitig zugewiesene Verfahren durch Bundesgesetz 2 BvP 1/94

13.14 Plenarentscheidung 1 PbvU 1/02

13.15 Verztigerungsbeschwerde Vz 11/14

14 Vertrag über die abschlieBende Regelung in bezug auf Deutschland 1990


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1 Die Frankfurter Reichsverfassung 1849

Die deutsche verfassunggebende Nationalversammlung hat beschlossen und verkündigt


als Reichsverfassung:

VERFASSUNG DES DEUTSCHEN REICHES

ABSCHNITT V DAS REICHSGERICHT

§ 125 - Die dem Reiche zustehende Gerichtsbarkeit wird durch ein Reichsgericht
ausgeübt. § 126 - Zur Zuständigkeit des Reichsgerichts gehören:

a. Klagen eines Einzelstaates gegen die Reichsgewalt wegen Verletzung der


Reichsverfassung durch Erlassung von Reichsgesetzen und durch Maaßregeln der
Reichsregierung, sowie Klagen der Reichsgewalt gegen einen Einzelstaat wegen
Verletzung der Reichsverfassung.

b. Streitigkeiten zwischen dem Staatenhause und dem Volkshause unter sich und
zwischen jedem von ihnen und der Reichsregierung, welche die Auslegung der
Reichsverfassung betreffen, wenn die streitenden Theile sich vereinigen, die Entscheidung
des Reichsgerichts einzuholen.

c. Politische und privatrechtliche Streitigkeiten aller Art zwischen den einzelnen


deutschen Staaten.

d. Streitigkeiten über Thronfolge, Regierungsfähigkeit und Regentschaft in den


Einzelstaaten.

e. Streitigkeiten zwischen der Regierung eines Einzelstaates und dessen


Volksvertretung über die Gültigkeit oder Auslegung der Landesverfassung.

f. Klagen der Angehörigen eines Einzelstaates gegen die Regierung desselben


wegen Aufhebung oder verfassungswidriger Aenderung der Landesverfassung.
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Klagen der Angehörigen eines Einzelstaates gegen die Regierung wegen Verletzung der
Landesverfassung können bei dem Reichsgericht nur angebracht werden, wenn die in der
Landesverfassung gegebenen Mittel der Abhülfe nicht zur Anwendung gebracht werden
können.

g. Klagen deutscher Staatsbürger wegen Verletzung der durch die Reichsverfassung


ihnen gewährten Rechte. Die näheren Bestimmungen über den Umfang dieses
Klagerechts und die Art und Weise, dasselbe geltend zu machen, bleiben der
Reichsgesetzgebung vorbehalten.

h. Beschwerden wegen verweigerter oder gehemmter Rechtspflege, wenn die


landesgesetzlichen Mittel der Abhülfe erschöpft sind.

1. Strafgerichtsbarkeit über die Anklagen gegen die Reichsminister, insofern SIe deren
ministerielle Verantwortlichkeit betreffen.

J. Strafgerichtsbarkeit über die Anklagen gegen die Minister der Einzelstaaten,


insofern sie deren ministerielle Verantwortlichkeit betreffen.

k. Strafgerichtsbarkeit in den Fällen des Hoch- und Landesverraths gegen das Reich.

Ob noch andere Verbrechen gegen das Reich der Strafgerichtsbarkeit des Reichsgerichts
zu überweisen sind, wird späteren Reichsgesetzen vorbehalten.

1. Klagen gegen den Reichsfiscus.

m. Klagen gegen deutsche Staaten, wenn die Verpflichtung, dem Anspruche Genüge
zu leisten, zwischen mehreren Staaten zweifelhaft oder bestritten ist, so wie wenn die
gemeinschaftliche Verpflichtung gegen mehrere Staaten in einer Klage geltend gemacht
wird.

§ 127 - Ueber die Frage, ob ein Fall zur Entscheidung des Reichsgerichts geeignet sei,
erkennt einzig und allein das Reichsgericht selbst.

§ 128 - Ueber die Einsetzung und Organisation des Reichsgerichts, über das Verfahren
und die Vollziehung der reichsgerichtliehen Entscheidungen und Verfügungen wird ein
besonderes Gesetz ergehen.

Diesem Gesetze wird auch die Bestimmung, ob und in welchen Fällen bei dem
Reichsgericht die Urtheilsfällung durch Geschworene erfolgen soll, vorbehalten.
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Ebenso bleibt vorbehalten: ob und wie weit dieses Gesetz als organisches Verfassungs
gesetz zu betrachten ist.

§ 129 - Der Reichsgesetzgebung bleibt es vorbehalten, Admiralitäts- und Seegerichte zu


errichten, so wie Bestimmungen über die Gerichtsbarkeit der Gesandten und Consuln des
Reiches zu treffen.

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2 Die Verfassung des Deutschen Reichs 1919

Das Deutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in
Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und zu festigen, dem inneren und dem äußeren
Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern, hat sich diese
Verfassung gegeben.

Erster Hauptteil

Aufbau und Aufgaben des Reichs

Erster Abschnitt: Reich und Länder

13.die Vergesellschaftung von Naturschätzen und wirtschaftlichen Unternehmungen sowie


die Erzeugung, Herstellung, Verteilung und Preisgestaltung wirtschaftlicher Güter für die
Gemeinwirtschaft;

Art. 13. Reichsrecht bricht Landrecht.

Bestehen Zweifel oder Meinungsverschiedenheiten darüber, ob eine landesrechtliche


Vorschrift mit dem Reichsrecht vereinbar ist, so kann die zuständige Reichs- oder
Landeszentralbehörde nach näherer Vorschrift eines Reichsgesetzes die Entscheidung
eines obersten Gerichtshofs des Reichs anrufen.

Art. 15. Die Reichsregierung übt die Aufsicht in den Angelegenheiten aus, in denen dem
Reiche das Recht der Gesetzgebung zusteht.

Soweit die Reichsgesetze von den Landesbehörden auszuführen sind, kann die
Reichsregierung allgemeine Anweisungen erlassen. Sie ist ermächtigt, zur oberwachung
der Ausführung der Reichsgesetze zu den Landeszentralbehörden und mit ihrer
Zustimmung zu den unteren Behörden Beauftragte zu entsenden.

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Die Landesregierungen sind verpflichtet, auf Ersuchen der Reichsregierung Mängel, die
bei der Ausführung der Reichsgesetze hervorgetreten sind, zu beseitigen. Bei
Meinungsverschiedenheiten kann sowohl die Reichsregierung als die Landesregierung die
Entscheidung des Staatsgerichtshofs anrufen, falls nicht durch Reichsgesetz ein anderes
Gericht bestimmt ist.

Art. 18. Die Gliederung des Reichs in Länder soll unter möglichster Berücksichtigung des
Willens der beteiligten Bevölkerung der wirtschaftlichen und kulturellen Höchstleistung des
Volkes dienen. Die Änderung des Gebiets von Ländern und die Neubildung von Ländern
innerhalb des Reichs erfolgen durch verfassungsänderndes Reichsgesetz.

Stimmen die unmittelbar teteiligten Länder zu, so bedarf es nur eines einfachen
Reichsgesetzes.

Ein einfaches Reichsgesetz genügt ferner, wenn eines der beteiligten Länder nicht
zustimmt, die Gebietsänderung oder Neubildung aber durch den Willen der Bevölkerung
gefordert wird und ein überwiegendes Reichsinteresse sie erheischt.

Der Wille der Bevölkerung ist durch Abstimmung festzustellen. Die Reichsregierung ordnet
die Abstimmung an, wenn ein Drittel der zum Reichstag wahlberechtigten Einwohner des
abzutrennenden Gebiets es verlangt.

Zum Beschluß einer Gebietsänderung oder Neubildung sind drei Fünftel der abgegebenen
Stimmen, mindestens aber die Stimmenmehrheit der Wahlberechtigten erforderlich. Auch
wenn es sich nur um Abtrennung eines Teiles eines preußischen Regierungsbezirkes,
eines bayerischen Kreises oder in anderen Ländern eines entsprechenden
Verwaltungsbezirkes handelt, ist der Wille der Bevölkerung des ganzen in Betracht
kommenden Bezirkes festzustellen. Wenn ein räumlicher Zusammenhang des
abzutrennenden Gebiets mit dem Gesamtbezirke nicht besteht, kann auf Grund eines
besonderen Reichsgesetzes der Wille der Bevölkerung des abzutrennenden Gebiets als
ausreichend erklärt werden.

Nach Feststellung der Zustimmung der Bevölkerung hat die Reichsregierung dem
Reichstag ein entsprechendes Gesetz zur Beschlußfassung vorzulegen.

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Entsteht bei der Vereinigung oder Abtrennung Streit über die Vermögensauseina
ndersetzung, so entscheidet hierüber auf Antrag einer Partei der Staatsgerichtshof für das
Deutsche Reich.

Art. 19. ober Verfassungsstreitigkeiten innerhalb eines Landes, in dem kein Gericht zu
ihrer Erledigung besteht, sowie über Streitigkeiten nichtprivatrechtlicher Art zwischen
verschiedenen Ländern oder zwischen dem Reiche und einem Lande entscheidet auf
Antrag eines der streitenden Teile der Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich, soweit
nicht ein anderer Gerichtshof des Reichs zuständig ist.

Der Reichspräsident vollstreckt das Urteil des Staatsgerichtshofs.

Art. 31. Bei dem Reichstag wird ein Wahlprüfungsgericht gebildet. Es entscheidet auch
über die Frage, ob ein Abgeordneter die Mitgliedschaft verloren hat.

Das Wahlprüfungsgericht besteht aus Mitgliedern des Reichstags, die dieser für die
Wahlperiode wählt, und aus Mitgliedern des Reichsverwaltungsgerichts, die der
Reichspräsident auf Vorschlag des Präsidiums dieses Gerichts bestellt.

Das Wahlprüfungsgericht erkennt auf Grund öffentlicher mündlicher Verhandlung durch


drei Mitglieder des Reichstags und zwei richterliche Mitglieder.

Außerhalb der Verhandlungen vor dem Wahlprüfungsgerichte wird das Verfahren von
einem Reichsbeauftragten geführt, den der Reichspräsident ernennt. Im übrigen wird das
Verfahren von dem Wahlprüfungsgerichte geregelt.

Art. 59. Der Reichstag ist berechtigt, den Reichspräsidenten, den Reichskanzler und die
Reichsminister vor dem Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich anzuklagen,

daß sie schuldhafterweise die Reichsverfassung oder ein Reichsgesetz verletzt raben. Der
Antrag auf Erhebung der Anklage muß von mindestens hundert Mitgliedern des
Reichstags unterzeichnet sein und bedarf der Zustimmung der für
Verfassungsänderungen vorgeschriebenen Mehrheit. Das Nähere regelt das Reichsgesetz
über den Staatsgerichtshof

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Art. 90. Mit dem obergang der Eisenbahnen übernimmt das Reich die
Enteignungsbefugnis und die staatlichen Hoheitsrechte, die sich auf das Eisenbahnwesen
beziehen. ober den Umfang dieser Rechte entscheidet im Streitfall der Staatsgerichtshof.

Art. 108. Nach Maßgabe eines Reichsgesetzes wird ein Staatsgerichtshof für das
Deutsche Reich errichtet.

Art. 170. Die Post- und Telegraphenverwaltungen Bayerns und Württembergs gehen
spätestens am 1. April 1921 auf das Reich über.

Soweit bis zum 1. Oktober 1920 noch keine Verständigung über die Bedingungen der 0
bernahme erzielt ist, entscheidet der Staatsgerichtshof.

Bis zur obernahme bleiben die bisherigen Rechte und Pflichten Bayerns und
Württembergs in Kraft. Der Post- und Telegraphenverkehr mit den Nachbarstaaten des
Auslandes wird jedoch ausschließlich vom Reiche geregelt.

Art. 171. Die Staatseisenbahnen, Wasserstraßen und Seezeichen gehen spätestens am 1.


April 1921 auf das Reich über.

Soweit bis zum 1. Oktober 1920 noch keine Verständigung über die Bedingungen der
obernahme erzielt ist, entscheidet der Staatsgerichtshof.

Art. 172. Bis zum hkrafttreten des Reichsgesetzes über den Staatsgerichtshof übt seine
Befugnisse ein Senat von sieben Mitgliedern aus, wovon der Reichstag vier und das
Reichsgericht aus seiner Mitte drei wählt. Sein Verfahren regelt er selbst.

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3 ErkUirung in Anbetracht der Niederlage Deutschlands und der Übernahme der
obersten Regierungsgewalt hinsichtlich Deutschlands durch die Regierungen des
Vereinigten Konigreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der
Sozialistischen Sowjet-Republiken und durch die Provisorische Regierung der
Franzosischen Republik 1945

Die deutschen Streitkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft sind vollständig
geschlagen und haben bedingungslos kapituliert, und Deutschland, das für den Krieg
verantwortlich ist, ist nicht mehr fähig, sich dem Willen der siegreichen Mächte zu
widersetzen. Dadurch ist die bedingungslose Kapitulation Deutschlands erfolgt, und
Deutschland unterwirft sich allen Forderungen, die ihm jetzt oder später auferlegt werden.

Es gibt in Deutschland keine zentrale Regierung oder Behörde, die fähig wäre, die
Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung, für die Verwaltung des Landes und
für die Ausführung der Forderungen der siegreichen Mächte zu übernehmen.

Unter diesen Umständen ist es notwendig, unbeschadet späterer Beschlüsse, die


hinsichtlich Deutschlands getroffen werden mögen, Vorkehrungen für die Einstellung
weiterer Feindseligkeiten seitens der deutschen Streitkräfte, für die Aufrechterhaltung der
Ordnung in Deutschland und für die Verwaltung des Landes zu treffen und die sofortigen
Forderungen zu verkünden, denen Deutschland nachzukommen verpflichtet ist.

Die Vertreter der obersten Kommandobehörden des Vereinigten Königreichs, der


Vereinigten Staaten von Amerika, der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken und
der Französischen Republik, im folgenden "Alliierte Vertreter" genannt, die mit der
Vollmacht ihrer betreffenden Regierungen und im Interesse der Vereinten Nationen
handeln, geben dementsprechend die folgende Erklärung ab:

Die Regierungen des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika, der
Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken und die Provisorische Regierung der
Französischen Republik übernehmen hiermit die oberste Regierungsgewalt in
Deutschland, einschließlich aller Befugnisse der deutschen Regierung, des
Oberkommandos der Wehrmacht und der Regierungen, Verwaltungen oder Behörden der
Länder, Städte und Gemeinden. Die Übernahme zu den vorstehend genannten Zwecken
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der besagten Regierungsgewalt und Befugnisse bewirkt nicht die Annektierung
Deutschlands.

Die Regierungen des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika der
Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken und die Provisorische Regierung der
Französischen Republik werden später die Grenzen Deutschlands oder irgendeines Teiles
Deutschlands und die rechtliche Stellung Deutschlands oder irgendeines Gebietes, das
gegenwärtig einen Teil deutschen Gebietes bildet, festlegen.

Kraft der obersten Regierungsgewalt und Befugnisse, die die vier Regierungen auf die
Weise übernommen haben, verkünden die Alliierten Vertreter die folgenden Forderungen,
die sich aus der vollständigen Niederlage und der bedingungslosen Kapitulation
Deutschlands ergeben und denen Deutschland nachzukommen verpflichtet ist:

Artikell

Deutschland und alle deutschen Behörden des Heeres, der Kriegsmarine und der
Luftwaffe und alle Streitkräfte unter deutschem Befehl stellen sofort auf allen
Kriegsschauplätzen die Feindseligkeiten gegen die Streitkräfte der Vereinten Nationen zu
Lande, zu Wasser und in der Luft ein.

Artike 2

a) Sämtliche deutschen oder von Deutschland kontrollierten Streitkräfte, einschließlich


Land-, Luft-, Flugabwehr- und Seestreitkräfte, die Schutzstaffeln, die Sturmabteilungen,
die Geheime Staatspolizei und alle sonstigen mit Waffen ausgerüsteten Verbände und
Hilfsorganisationen, wo sie sich auch immer befinden mögen, werden restlos entwaffnet,
indem sie Waffen und Gerät an die örtlichen Alliierten Befehlshaber bzw. an die von den
Alliierten Vertretern namhaft zu machenden Offiziere abliefern.

b) Nach dem Ermessen des Obersten Befehlshabers der Streitkräfte des betreffenden
Alliierten Staates wird, bis weitere Entscheidungen getroffen werden, das Personal der
Verbände und Einheiten sämtlicher im Absatz a) bezeichneten Streitkräfte für
Kriegsgefangene erklärt und unterliegt den von den betreffenden Alliierten Vertretern
festzulegenden Bestimmungen und Weisungen.

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c) Sämtliche im Absatz a) bezeichneten Streitkräfte, wo sie sich auch immer befinden
mögen, verbleiben bis zur Erteilung von Anweisungen der Alliierten Vertreter an ihren
jeweiligen Stellen.

d) Gemäß den von den Alliierten Vertretern zu erteilenden Anweisungen räumen die
genannten Streitkräfte sämtliche außerhalb der deutschen Grenzen (nach dem Stande
vom 31. Dezember 1937) liegenden Gebiete.

t) Zivile Polizeiabteilungen, die zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung
und der Leistung des Wachdienstes nur mit Handwaffen auszurüsten. sind, werden von
den Alliierten Vertretern bestimmt.

Art i k el 3

a) Alle Militär-, Marine- und Zivilflugzeuge jeder Art und jeder Nationalität. die sich in
Deutschland und in von Deutschland besetzten oder beherrschten Gebieten und
Gewässern befinden, verbleiben bis zur Erteilung von weiteren Anweisungen auf dem
Boden bzw. auf dem Wasser oder an Bord Schiff. Ausgenommen sind die in Alliierten
Diensten stehenden Flugzeuge.

b) Alle deutschen oder von Deutschland beherrschten Flugzeuge, die sich auf oder über
Gebieten und Gewässern außerhalb des deutschen Machtgebietes befinden, haben sich
sofort nach Deutschland oder an irgendeinen anderen von den Alliierten Vertretern zu
bestimmenden Ort zu begeben.

Artikel4

a) Alle deutschen und von Deutschland beherrschten Über- und Unterwasserkriegsschiffe,


Marinehilfsfahrzeuge, Handelsschiffe und sonstigen Wasserfahrzeuge, wo sie sich zur Zeit
der Abgabe dieser Erklärung auch immer befinden mögen, sowie alle anderen in
deutschen Häfen befindlichen Handelsschiffe jeder Nationalität haben in den von den
Alliierten Vertretern zu bestimmenden Häfen oder Stützpunkten zu verbleiben bzw. sich
sofort dorthin zu begeben. Die Besatzungen der genannten Fahrzeuge bleiben bis zur
Erteilung weiterer Anweisungen an Bord.

b) Alle Schiffe und sonstigen Wasserfahrzeuge der Vereinten Nationen, die zur Zeit der
Abgabe dieser Erklärung zur Verfügung Deutschlands stehen oder von Deutschland
beherrscht sind, begeben sich an die von den Alliierten Vertretern zu bestimmenden Häfen

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oder Stützpunkte, und zwar zu den Zeiten, die ebenfalls von den Alliierten Vertretern
bestimmt werden. Es ist unerheblich, ob der Rechtstitel nach prisengerichtlichen oder
sonstigen Verfahren übertragen worden ist.

Artikel5

a) Alle oder jeder einzelne der folgenden Gegenstände im Besitz der deutschen
Streitkräfte oder unter deutschem Befehl oder zur deutschen Verfügung sind unversehrt
und in gutem Zustand zur Verfügung der Alliierten Vertreter zu halten für die Zwecke, zu
den Zeiten und an den Orten, die von letzteren bestimmt werden:

I. alle Waffen, Munition, Sprengstoffe, Kriegsgerät, Kriegsvorräte und alle anderen


Kriegsmittel sowie sonstiges Kriegsmaterial jeder Art;

11. alle Über- und Unterwasserkriegsschiffe jeder Kategorie, Marinehilfsfahrzeuge und


Handelsschiffe, ob schwimmend, zur Reparatur aufgelegt oder im Bau befindlich;

111. alle Flugzeuge jeder Art sowie alle Geräte und Vorrichtungen, die der Luftfahrt und
der Flugabwehr dienen;

IV. alle Einrichtungen und Gegenstände des Verkehrs und des Nachrichtenwesens, zu
Lande, zu Wasser und in der Luft;

V. alle militärischen Einrichtungen und Anlagen, einschließlich Flugplätze,


Wasserflugzeughäfen, See- und Kriegshäfen, Lagerplätze, ständige und vorläufige Land-
und Küstenbefestigungen, Festungen und sonstige befestigte Gebiete sowie Pläne und
Zeichnungen aller derartigen Befestigungen, Einrichtungen und Anlagen;

VI. alle Fabriken, Industrieanlagen, Betriebe, Forschungsinstitute, Laboratorien,


Prüfstellen, technischen Unterlagen, Patente, Pläne, Zeichnungen und Erfindungen, die
bestimmt oder geeignet sind, die unter 1., 11., 111., IV. und V. oben bezeichneten
Gegenstände und Einrichtungen zu erzeugen bzw. deren Erzeugung oder Gebrauch zu
fördern oder überhaupt die Kriegsführung zu unterstützen.

b) Auf Verlangen sind den Alliierten Vertretern zur Verfügung zu stellen:

I. die Arbeitskräfte, Versorgungsmittel und Betriebsanlagen, die zur Erhaltung oder zum
Betrieb jeder der sechs unter a) oben bezeichneten Kategorien erforderlich sind; und

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11. alle Auskünfte und Unterlagen, die in diesem Zusammenhang von den Alliierten
Vertretern verlangt werden können.

c) Auf Verlangen der Alliierten Vertreter sind alle Mittel und Einrichtungen für die
Beförderung alliierter Truppen und Dienststellen mit deren Ausrüstung und Vorräten, auf
Eisenbahnen, Straßen und sonstigen Landverkehrswegen oder zur See, auf
Wasserstraßen und in der Luft zur Verfügung zu stellen. Sämtliche Verkehrsmittel sind in
gutem Zustand zu erhalten und die hierzu notwendigen Arbeitskräfte, Versorgungsmittel
und Betriebsanlagen müssen zur Verfügung gestellt werden.

Artikel6

a) Die deutschen Behörden übergeben den Alliierten Vertretern nach einem von letzteren
vorzuschreibenden Verfahren sämtliche zur Zeit in ihrer Gewalt befindlichen
kriegsgefangenen Angehörigen der Streitkräfte der Vereinten Nationen und liefern
vollständige Namenslisten dieser Personen unter Angabe der Orte ihrer Gefangenhaltung
in Deutschland bzw. in von Deutschland besetzten Gebieten. Bis zur Freilassung solcher
Kriegsgefangenen haben die deutschen Behörden und das deutsche Volk ihre Person und
ihren Besitz zu schützen und sie ausreichend mit Lebensmitteln, Bekleidung, Unterkunft,
ärztlicher Betreuung und Geld gemäß ihrem Dienstrang oder ihrer amtlichen Stellung zu
versorgen.

b) Die deutschen Behörden und das deutsche Volk haben auf gleiche Weise alle anderen
Angehörigen der Vereinten Nationen zu versorgen und freizulassen, die eingesperrt,
interniert oder irgendwelchen anderen Einschränkungen ausgesetzt sind, sowie alle
sonstigen Personen, die aus politischen Gründen oder infolge nationalsozialistischer
Handlungen, Gesetze oder Anordnungen, die hinsichtlich der Rasse, der Farbe, des
Glaubensbekenntnisses oder der politischen Einstellung diskriminiert, eingesperrt,
interniert oder irgendwelchen anderen Einschränkungen ausgesetzt sind.

c) Die deutschen Behörden haben auf Verlangen der Alliierten Vertreter die Befehlsgewalt
über Orte der Gefangenhaltung den von den Alliierten Vertretern zu diesem Zweck
namhaft zu machenden Offizieren zu übergeben.

Artikel7

Die zuständigen deutschen Behörden geben den Alliierten Vertretern:

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a) alle Auskünfte über die im Artikel 2, Absatz a), bezeichneten Streitkräfte, insbesondere
liefern sie sofort sämtliche von den Alliierten Vertretern verlangten Informationen über die
Anzahl, Stellung und Disposition dieser Streitkräfte sowohl innerhalb wie auch außerhalb
Deutschlands;

b) vollständige und ausführliche Auskünfte über Minen, Minenfelder und sonstige


Hindernisse gegen Bewegungen zu Lande, zu Wasser und in der Luft sowie über die
damit verbundenen sicheren Durchlässe Alle solche Durchlässe werden offengehalten und
deutlich gekennzeichnet; alle Minen, Minenfelder und sonstigen gefährlichen Hindernisse
werden soweit wie möglich unschädlich gemacht und alle Hilfsmittel für die Navigation
werden wieder in Betrieb genommen. Unbewaffnetes deutsches Militär- und Zivilpersonal
mit der notwendigen Ausrüstung wird zur Verfügung gestellt und zu obigen Zwecken
sowie zum Entfernen von Minen, Minenfeldern und sonstigen Hindernissen nach den
Weisungen der Alliierten Vertreter eingesetzt.

Artikel8

Die Vernichtung, Entfernung, Verbergung, Übertragung, Versenkung oder Beschädigung


von Militär-, Marine-, Luftfahrt-, Schiffs-, Hafen-, Industrie- und ähnlichem Eigentum und
Einrichtungen aller Art sowie von allen Akten und Archiven, wo sie sich auch immer
befinden mögen, ist verboten; Ausnahmen können nur von den Alliierten Vertretern
angeordnet werden.

Artikel9

Bis zur Herbeiführung einer Aufsicht über alle Nachrichtenverkehrsmittel durch die
Alliierten Vertreter hören alle von Deutschland beherrschten Funk- und
Fernnachrichtenverkehrseinrichtungen und sonstigen Draht- und drahtlosen
Nachrichtenmittel auf dem Lande oder auf dem Wasser zu senden auf; Ausnahmen
können nur von den Alliierten Vertretern angeordnet werden.

Art i k e I 10

Die in Deutschland befindlichen, von Deutschland beherrschten und in deutschem Dienst


oder zu deutscher Verfügung stehenden Streitkräfte, Angehörigen, Schiffe und Flugzeuge
sowie das Militärgerät und sonstige Eigentum eines jeden anderen mit irgendeinem der
Alliierten im Kriegszustand befindlichen Staates unterliegen den Bestimmungen dieser

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Erklärung und aller etwaigen kraft derselben erlassenen Proklamationen, Befehle,
Anordnungen oder Anweisungen.

Artikel11

a) Die hauptsächlichen Naziführer, die von den Alliierten Vertretern namhaft gemacht
werden, und alle Personen, die von Zeit zu Zeit von den Alliierten Vertretern genannt oder
nach Dienstgrad Amt oder Stellung beschrieben werden weil sie im Verdacht stehen,
Kriegs- oder ähnliche Verbrechen begangen, befohlen oder ihnen Vorschub geleistet zu
haben, sind festzunehmen und den Alliierten Vertretern zu übergeben.

b) Dasselbe trifft zu für alle die Angehörigen irgendeiner der Vereinten Nationen von
denen behauptet wird, daß sie sich gegen die Gesetze ihres Landes vergangen haben,
und die jederzeit von den Alliierten Vertretern namhaft gemacht oder nach Dienstgrad,
Amt oder Stellung beschrieben werden können.

c) Allen Anweisungen der Alliierten Vertreter, die zur Ergreifung und Übergabe solcher
Personen zweckdienlich sind, ist von den deutschen Behörden und dem deutschen Volke
nachzukommen.

Art i k e I 12

Die Alliierten Vertreter werden nach eigenem Ermessen Streitkräfte und zivile
Dienststellen in jedem beliebigen Teil oder auch in allen Teilen Deutschlands stationieren.

Art i k e I 13

a) In Ausübung der obersten Regierungsgewalt in Deutschland, die von den Regierungen


des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der
Sozialistischen Sowjet-Republiken sowie der Provisorischen Regierung der Französischen
Republik übernommen wird, werden die vier Alliierten Regierungen diejenigen
Maßnahmen treffen, die sie zum künftigen Frieden und zur künftigen Sicherheit für
erforderlich halten, darunter auch die vollständige Abrüstung und Entmilitarisierung
Deutschlands.

b) Die Alliierten Vertreter werden Deutschland zusätzliche politische, verwaltungsmäßige,


wirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Forderungen auferlegen, die sich aus
der vollständigen Niederlage Deutschlands ergeben. Die Alliierten Vertreter bzw. die
ordnungsmäßig dazu ermächtigten Personen oder Dienststellen werden Proklamationen,
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Befehle, Verordnungen und Anweisungen ergehen lassen, um solche zusätzlichen
Forderungen festzulegen und die übrigen Bestimmungen dieser Erklärung auszuführen.
Alle deutschen Behörden und das deutsche Volk haben den Forderungen der Alliierten
Vertreter bedingungslos nachzukommen und alle solche Proklamationen, Befehle,
Anordnungen und Anweisungen uneingeschränkt zu befolgen.

Art i k e I 14

Diese Erklärung tritt in Kraft und Wirkung an dem Tage und zu der Stunde, die
nachstehend angegeben werden. Im Fall einer Versäumnis seitens der deutschen
Behörden oder des deutschen Volkes, ihre hierdurch oder hiernach auferlegten
Verpflichtungen pünktlich und vollständig zu erfüllen, werden die Alliierten Vertreter die
Maßnahmen treffen, die sie unter den Umständen für zweckmäßig halten.

Art i k e I 15

Diese Erklärung ist in englischer, russischer, französischer und deutscher Sprache


ausgefertigt.

Die englischen, russischen und französischen Fassungen sind allein maßgebend.

Berlin, den 5. Juni 1945

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4 Frankfurter Dokumente 1948

Dokument Nr. I

(Grundlinien für die Verfassung)

In Übereinstimmung mit den Beschlüssen ihrer Regierungen autorisieren die


Militärgouverneure der Amerikanischen, Britischen und Französischen Besatzungszone in
Deutschland die Ministerpräsidenten der Länder ihrer Zonen, eine Verfassunggebende
Versammlung einzuberufen, die spätestens am 1. September 1948 zusammentreten
sollte. Die Abgeordneten zu dieser Versammlung werden in jedem der bestehenden
Länder nach dem Verfahren und Richtlinien ausgewählt, die durch die gesetzgebende
Körperschaft in jedem dieser Länder angenommen werden. Die Gesamtzahl der
Abgeordneten zur Verfassunggebenden Versammlung wird bestimmt, indem die
Gesamtzahl der Bevölkerung nach der letzten Volkszählung durch 750000 oder eine
ähnliche von den Ministerpräsidenten vorgeschlagene und von den Militärgouverneuren
gebilligte Zahl geteilt wird. Die Anzahl der Abgeordneten von jedem Land wird im sei ben
Verhältnis zur Gesamtzahl der Mitglieder der Verfassunggebenden Versammlung stehen,
wie seine Bevölkerung zur Gesamtbevölkerung der beteiligten Länder.

Die Verfassunggebende Versammlung wird eine demokratische Verfassung ausarbeiten,


die für die beteiligten Länder eine Regierungsform des föderalistischen Typs schafft, die
am besten geeignet ist, die gegenwärtig zerrissene deutsche Einheit schließlich wieder
herzustellen, und die Rechte der beteiligten Länder schützt, eine angemessene Zentral-
Instanz schafft und die Garantien der individuellen Rechte und Freiheiten enthält.

Wenn die Verfassung in der von der Verfassunggebenden Versammlung ausgearbeiteten


Form mit diesen allgemeinen Grundsätzen nicht in Widerspruch steht, werden die
Militärgouverneure ihre Vorlage zur Ratifizierung genehmigen. Die Verfassunggebende
Versammlung wird daraufhin aufgelöst. Die Ratifizierung in jedem beteiligten Land erfolgt
durch ein Referendum, das eine einfache Mehrheit der Abstimmenden in jedem Land
erfordert, nach von jedem Land jeweils anzunehmenden Regeln und Verfahren. Sobald
die Verfassung von zwei Dritteln der Länder ratifiziert ist, tritt sie in Kraft und ist für alle
Länder bindend. Jede Abänderung der Verfassung muß künftig von einer gleichen

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Mehrheit der Länder ratifiziert werden. Innerhalb von 30 Tagen nach dem Inkrafttreten der
Verfassung sollen die darin vorgesehenen Einrichtungen geschaffen sein.

Dokument Nr. II

(Aufforderung zur Überprüfung der Ländergrenzen)

Die Ministerpräsidenten sind ersucht, die Grenzen der einzelnen Länder zu überprüfen,
um zu bestimmen, welche Änderungen sie etwa vorzuschlagen wünschen. Solche
Änderungen sollten den überlieferten Formen Rechnung tragen und möglichst die
Schaffung von Ländern vermeiden, die im Vergleich mit anderen Ländern zu groß oder zu
klein sind.

Wenn diese Empfehlungen von den Militärgouverneuren nicht mißbilligt werden, sollten sie
zur Aufnahme durch die Bevölkerung der betroffenen Gebiete spätestens zur Zeit der
Auswahl der Mitglieder der Verfassunggebenden Versammlung vorgelegt werden.

Bevor die Verfassunggebende Versammlung ihre Arbeiten beendet, werden die


Ministerpräsidenten die notwendigen Schritte für die Wahl der Landtage derjenigen Länder
unternehmen, deren Grenzen geändert worden sind, so daß diese Landtage sowie die
Landtage der Länder, deren Grenzen nicht geändert worden sind, in der Lage sind, die
Wahlverfahren und Bestimmungen für die Ratifizierung der Verfassung festzusetzen.

Dokument Nr. III

(Grundsätze eines Besatzungsstatuts)

Die Schaffung einer verfassungsmäßigen deutschen Regierung macht eine sorgfältige


Definition der Beziehungen zwischen dieser Regierung und den Alliierten Behörden
notwendig.

Nach Ansicht der Militärgouverneure sollten diese Beziehungen auf den folgenden
Grundsätzen beruhen:

A. Die Militärgouverneure werden den deutschen Regierungen Befugnisse der


Gesetzgebung, der Verwaltung und der Rechtsprechung gewähren und sich solche
Zuständigkeiten vorbehalten, die nötig sind, um die Erfüllung des grundsätzlichen Zwecks

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der Besatzung sicherzustellen. Solche Zuständigkeiten sind diejenigen, welche nötig sind,
um die Militärgouverneure in die Lage zu setzen:

a) Deutschlands auswärtige Beziehungen vorläufig wahrzunehmen und zu leiten.

b) Das Mindestmaß der notwendigen Kontrollen über den deutschen Außenhandel und
über innenpolitische Richtlinien und Maßnahmen, die den Außenhandel nachteilige
beeinflussen könnten, auszuüben, um zu gewährleisten, daß die Verpflichtungen, welche
die Besatzungsmächte in bezug auf Deutschland eingegangen sind, geachtet werden und
daß die für Deutschland verfügbar gemachten Mittel zweckmäßig verwendet werden.

c) Vereinbarte oder noch zu vereinbarende Kontrollen, wie zum Beispiel in bezug auf die
Internationale Ruhrbehörde, Reparationen, Stand der Industrie, Dekartellisierung,
Abrüstung und Entmilitarisierung und gewisse Formen wissenschaftlicher Forschung
auszuüben.

d) Das Ansehen der Besatzungsstreitkräfte zu schützen und sowohl ihre Sicherheit als
auch die Befriedigung ihrer Bedürfnisse innerhalb bestimmter zwischen den
Militärgouverneuren vereinbarten Grenzen zu gewährleisten.

e) Die Beachtung der von ihnen gebilligten Verfassungen zu sichern.

B. Die Militärgouverneure werden die Ausübung ihrer vollen Machtbefugnisse wieder


aufnehmen, falls ein Notstand für die Sicherheit bedroht, und um nötigenfalls die
Beachtung der Verfassungen und des Besatzungsstatutes zu sichern.

C. Die Militärgouverneure werden die oben erwähnten Kontrollen nach folgendem


Verfahren ausüben:

a) Jede Verfassungsänderung ist den Militärgouverneuren zur Genehmigung vorzulegen.

b) Auf den in Absätzen a) und e) zu Paragraph A oben erwähnten Gebieten werden die
deutschen Behörden den Beschlüssen oder Anweisungen der Militärgouverneure Folge
leisten.

c) Sofern nicht anders bestimmt, insbesondere bezüglich der Anwendung des


vorhergehenden Paragraphen b), treten alle Gesetze und Bestimmungen der föderativen

21
Regierung ohne weiteres innerhalb von 21 Tagen in Kraft, wenn sie nicht von den
Militärgouverneuren verworfen werden.

Die Beobachtung, Beratung und Unterstützung der föderativen Regierung und der
Länderregierungen bezüglich der Demokratisierung des politischen Lebens, der sozialen
Beziehungen und der Erziehung werden eine besondere Verantwortlichkeit der
Militärgouverneure sein. Dies soll jedoch keine Beschränkungen der diesen Regierungen
zugestandenen Vollmachten auf den Gebieten der Gesetzgebung, Verwaltung und
Rechtsprechung bedeuten.

Die Militärgouverneure ersuchen die Ministerpräsidenten, sich zu den vorstehenden


Grundsätzen zu äußern. Die Militärgouverneure werden daraufhin diese allgemeinen
Grundsätze mit von ihnen etwa genehmigten Abänderungen der Verfassunggebenden
Versammlung als Richtlinien für deren Vorbereitung der Verfassung übermitteln und
werden die von ihr etwa dazu vorgebrachten Äußerungen entgegennehmen. Wenn die
Militärgouverneure Ihre Zustimmung zur Unterbreitung der Verfassung an die Länder
ankündigen, werden sie gleichzeitig ein diese Grundsätze in ihrer endgültig abgeänderten
Form enthaltendes Besatzungsstatut veröffentlichen, damit sich die Bevölkerung der
Länder darüber im klaren ist, daß sie die Verfassung im Rahmen dieses
Besatzungsstatutes annimmt.

Beilage zu Dokument Nr. III

Beauftragte der Militärgouverneure werden bereit sein, die Ministerpräsidenten und die
Verfassunggebende Versammlung in allen Angelegenheiten, die diese vorzubringen
wünschen, zu beraten und zu unterstützen.

22
5 Beschlüsse der Koblenzer Ministerprasidentenkonferenz 1948

Stellungnahme der Ministerpräsidenten zu dem Dokument Nr. 1

1. Die Ministerpräsidenten werden die ihnen am 1. Juli 1948 durch die Militärgouverneure
der amerikanischen, britischen und französischen Besatzungszone übertragenen
Vollmachten wahrnehmen.

2. Die Einberufung einer deutschen Nationalversammlung und die Ausarbeitung einer


deutschen Verfassung sollen zurückgestellt werden, bis die Voraussetzungen für eine
gesamtdeutsche Regelung gegeben sind und die deutsche Souveränität in ausreichendem
Maße wieder hergestellt ist.

3. Die Ministerpräsidenten werden den Landtagen der drei Zonen empfehlen, eine
Vertretung (Parlamentarischer Rat) zu wählen, die die Aufgabe hat,

a) ein Grundgesetz für die einheitliche Verwaltung des Besatzungsgebietes der


Westmächte auszuarbeiten,

b) ein Wahlgesetz für eine auf allgemeinen und direkten Wahlen beruhende
Volksvertretung zu erlassen.

Die Beteiligung der Länderregierungen an den Beratungen des Parlamentarischen Rates


ist sicherzustellen.

Die Vertretung soll nach den ziffernmäßigen Vorschlägen des Dokumentes Nr. I gebildet
werden und spätestens bis zum 1. September 1948 zusammentreten. Jedes Land stellt

mindestens einen Vertreter; für mindestens 200 000 überschießende Stimmen wird ein
weiterer Vertreter bestellt.

4. Die Wahlen zur Volksvertretung sollen noch im Laufe des Jahres 1948 durchgeführt
werden.

5. Das Grundgesetz muß außer der aus allgemeinen Wahlen hervorgehenden


Volksvertretung eine bei der Gesetzgebung mitwirkende Vertretung der Länder vorsehen.

23
6. Hat die aus den Landtagen gewählte Vertretung (Ziffer 2) ihre Aufgabe erfüllt, so
werden die Ministerpräsidenten nach Anhörung der Landtage das Grundgesetz mit ihrer
Stellungnahme den Militärgouverneuren zuleiten, die gebeten werden, die
Ministerpräsidenten zur Verkündung dieses Gesetzes zu ermächtigen.

7. Die Volksvertretung soll alle Funktionen erfüllen, die einem demokratisch gewählten
Parlament zukommen.

8. Das für das Besatzungsgebiet der Westmächte vorgesehene gemeinsame


Exekutivorgan wird nach Maßgabe des Grundgesetzes bestellt.

Stellungnahme der Ministerpräsidenten zu dem Dokument Nr. 11

Die Ministerpräsidenten stimmen mit den Militärgouverneuren überein, daß eine


Oberprüfung der Grenzen der deutschen Länder zweckmäßig ist.

Sie sind jedoch der Ansicht, daß diese Frage einer sorgfältigen Untersuchung bedarf, die
innerhalb kurzer Frist nicht durchzuführen ist.

Unter diesen Umständen können die Ministerpräsidenten von sich aus im Augenblick
keine Gesamtlösung unterbreiten. Sie sind aber der Ansicht, daß die Grenzen der Länder
im Südwesten dringend einer Änderung bedürfen. Ober diese Änderung soll der
Parlamentarische Rat beraten und den Ministerpräsidenten Vorschläge unterbreiten.

Das Recht der beteiligten Länder, selbständig eine Regelung zu treffen, bleibt unberührt.

Stellungnahme der Ministerpräsidenten zu dem Dokument Nr. 111:

Leitsätze für ein Besatzungsstatut

1. Zur Verwirklichung der wirtschaftlichen und administrativen Einheit aller der


Besatzungshoheit Großbritanniens, Frankreichs und der USA unterstehenden deutschen

Gebietsteile werden diese zu einem einheitlichen Gebiet zusammengeschlossen, mit


dessen Organisation die Besatzungsmächte dessen Bevölkerung beauftragen.

2. Die deutschen Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und Rechtsprechungsbefugnisse sind


nur durch die sich aus dem Text des Besatzungsstatutes selbst ergebenden Befugnisse
der Besatzungsmächte beschränkt. Die Vermutung spricht für die Zuständigkeit der
deutschen Organe.

24
3. Die Besatzungsmächte behalten sich Maßnahmen nur insoweit vor, als diese zur
Sicherheit der Verwirklichung der Besatzungszwecke notwendig sind.

4. Diese Maßnahme können bestehen in:

a) eigener unmittelbarer Verwaltung durch Besatzungsorgane,

b) Kontrolle,

c) Dberwachung,

d) Beobachtung, Beratung und Unterstützung.

5. Die Besatzungszwecke sind:

a) Gewährleistung der Sicherheit der Besatzungstruppen,

b) Gewährleistung des Bestandes einer demokratischen Ordnung in Deutschland,

c) Entmilitarisierung Deutschlands,

d) Gewährleistung der Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen Deutschlands.

6. Unmittelbare Verwaltung wird durch die Besatzungsmächte ausgeübt zur vorläufigen


Wahrnehmung der auswärtigen Angelegenheiten; jedoch sind deutsche Vertretungen zur
Wahrung der wirtschaftlichen und Handelsinteressen im Ausland zuzulassen, deren Leiter
die einem Konsul entsprechende Rechtsstellung haben soll.

7. Die Maßnahmen der Besatzungsmächte beschränken sich grundsätzlich auf allgemeine


Dberwachung der Tätigkeit der deutschen Organe. Dem deutschen Außenhandel
gegenüber kann das Recht der Kontrolle ausgeübt werden, jedoch nur insoweit, als zu
befürchten ist, daß die Verpflichtungen, welche die Besatzungsmächte in bezug auf
Deutschland eingegangen sind, nicht beachtet oder die für Deutschland verfügbar
gemachten Mittel nicht zweckmäßig verwendet werden. Die Kontrolle soll sich nicht darauf
erstrecken, ob die deutschen Maßnahmen technisch richtig und zweckmäßig sind.

Die Kontrolle wird sich weiterhin beziehen können auf die Sicherstellung der noch fälligen
deutschen Reparationsverpflichtungen, die Einhaltung der den Stand der deutschen
Industrie festlegenden Bestimmungen, die Durchführung der Dekartellisierung, der
Abrüstung und Entmilitarisierung, sowie auf solche wissenschaftlichen
Forschungsunternehmen, die der deutschen Kriegswirtschaft gedient haben.
25
Die Befugnisse einer Internationalen Ruhrbehörde sind nicht Gegenstand dieses Statutes.

8. Anweisungen im Rahmen obiger Bestimmungen werden nur durch die obersten Organe
der Besatzungsmächte an die oberste deutsche Gebietsbehörde erteilt.

9. Einem ordnungsgemäß erlassenen deutschen Gesetz gegenüber soll von dem Rechte
des Einspruchs nur Gebrauch gemacht werden, wenn es geeignet ist, die Verwirklichung
der Besatzungszwecke zu gefährden. Wenn nicht binnen 21 Tagen nach Erlaß dieses
Gesetzes von den Militärgouverneuren gemeinsam Einspruch eingelegt wird, tritt das
Gesetz in Kraft.

10. Auf dem Gebiete der Demokratisierung des politischen und sozialen Lebens sowie der
Erziehung werden sich die Besatzungsmächte auf Beobachtung, Beratung und
Unterstützung beschränken.

11. Die Unabhängigkeit und territoriale und sachliche Universalität der deutschen
Rechtspflege wird anerkannt.

12. Die Gerichtsbarkeit der Besatzungsgerichte wird beschränkt auf:

a) die nichtdeutschen Mitglieder der Besatzungstruppen und der Besatzungsverwaltung


sowie deren Familienangehörige

b) Verbrechen und Vergehen gegen die Sicherheit oder Eigentum der Besatzungsmächte
oder die Person ihrer Angehörigen.

13. Für Rechtsstreitigkeiten zwischen Deutschen und Angehörigen der Besatzungsmächte


werden gemischte Gerichte gebildet.

II Der deutschen Bevölkerung werden die allgemeinen Menschenrechte sowie die


bürgerlichen Rechte und Freiheiten auch den Organen der Besatzungsmächte gegenüber
gewährleistet.

III 1. Natural- und Dienstleistungen können nur in dem Umfange gefordert werden, der
notwendig ist, um die Bedürfnisse der Besatzungstruppen und der Besatzungsverwaltung
zu befriedigen. Sie müssen im Verhältnis zu den Hilfsquellen des Landes stehen.

26
2. Art und Umfang der aufzubringenden Natural- und Dienstleistungen sowie die Form
ihrer Vergütung werden durch die Militärgouverneure gemeinsam bestimmt. Es ist für
Anforderung und Aufbringung ein besonderes Verfahren zu schaffen, bei dem deutsche
Stellen zu beteiligen sind.

3. Die Besatzungskosten sind für ein Jahr im voraus festzusetzen. Hierauf sind sämtliche
deutschen Leistungen nach Ziffer III 1 bis 2 in Anrechnung zu bringen.

Die Kosten müssen in einer festen Summe festgesetzt werden und dürfen einen
bestimmten Prozentsatz der fortdauernden Ausgaben des ordentlichen Haushalts nicht
überschreiten. Die Festsetzung wird im Benehmen mit den zuständigen deutschen Stellen
erfolgen.

IV

Für die Durchführung der Sicherstellung der Reparationsleistung und der Vorgriffe auf die
noch festzusetzenden deutschen Reparationsverpflichtungen sowie für die Durchführung
der Restitutionen wird ein besonderes Verfahren geschaffen werden, das eine
gemeinsame Beteiligung deutscher Organe vorsehen wird.

Für die Beilegung von Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung und Anwendung
des Besatzungstatutes werden Schieds- und Vergleichsstellen geschaffen werden.

VI

Falls die Militärgouverneure die Wiederaufnahme der Ausübung ihrer Machtbefugnisse für
notwendig erachten, werden sie dies nur als Notmaßnahme und in gemeinsamer
Entschließung tun, sowie nur für den Fall, daß ein Notstand die Sicherheit bedroht oder es
erforderlich erscheint, um die Beachtung der Verfassungen und des Besatzungsstatuts zu
erzwingen.

27
6 Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland 1949

Eingangsformel

Der Parlamentarische Rat hat am 23. Mai 1949 in Bonn am Rhein in öffentlicher Sitzung
festgestellt, daß das am 8. Mai des Jahres 1949 vom Parlamentarischen Rat
beschlossene G run d g e set z für die

B und e s re pub I i k D e u t sc h I an d in der Woche vom 16. bis 22. Mai 1949 durch die
Volksvertretungen von mehr als Zweidrittein der beteiligten deutschen Länder
angenommen worden ist.

Auf Grund dieser Feststellung hat der Parlamentarische Rat, vertreten durch seine
Präsidenten, das Grundgesetz ausgefertigt und verkündet.

Das Grundgesetz wird hiermit gemäß Artikel 145 Abs. 3 im Bundesgesetzblatt


veröffentlicht:

Präambel

Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,

von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem
Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden
Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.

Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg,


Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-
Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und
Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands
vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.

Art 18

Wer die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit (Artikel 5 Abs. I),
die Lehrfreiheit (Artikel 5 Abs. 3), die Versammlungsfreiheit (Artikel 8), die
Vereinigungsfreiheit (Artikel 9), das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis (Artikel 10), das
Eigentum (Artikel 14) oder das Asylrecht (Artikel 16a) zum Kampfe gegen die freiheitliche

28
demokratische Grundordnung mißbraucht, verwirkt diese Grundrechte. Die Verwirkung
und ihr Ausmaß werden durch das Bundesverfassungsgericht ausgesprochen.

Art 21

(1) Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. Ihre Gründung
ist frei. Ihre innere Ordnung muß demokratischen Grundsätzen entsprechen. Sie müssen
über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel sowie über ihr Vermögen öffentlich
Rechenschaft geben.

(2) Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf
ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu
beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind
verfassungswidrig.

(3) Parteien, die nach ihren Zielen oder dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgerichtet
sind, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen
oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind von staatlicher
Finanzierung ausgeschlossen. Wird der Ausschluss festgestellt, so entfällt auch eine
steuerliche Begünstigung dieser Parteien und von Zuwendungen an diese Parteien.

(4) Über die Frage der Verfassungswidrigkeit nach Absatz 2 sowie über den Ausschluss
von staatlicher Finanzierung nach Absatz 3 entscheidet das Bundesverfassungsgericht.

(5) Das Nähere regeln Bundesgesetze. Art 22

Art 41

(1) Die Wahl prüfung ist Sache des Bundestages. Er entscheidet auch, ob ein
Abgeordneter des Bundestages die Mitgliedschaft verloren hat.

(2) Gegen die Entscheidung des Bundestages ist die Beschwerde an das
Bundesverfassungsgericht zulässig.

(3) Das Nähere regelt ein Bundesgesetz. Art 42

Art 61

(1) Der Bundestag oder der Bundesrat können den Bundespräsidenten wegen
vorsätzlicher Verletzung des Grundgesetzes oder eines anderen Bundesgesetzes vor dem

29
Bundesverfassungsgericht anklagen. Der Antrag auf Erhebung der Anklage muß von
mindestens einem Viertel der Mitglieder des Bundestages oder einem Viertel der Stimmen
des Bundesrates gestellt werden. Der Beschluß auf Erhebung der Anklage bedarf der
Mehrheit von zwei Dritteln der Mitglieder des Bundestages oder von zwei Dritteln der
Stimmen des Bundesrates. Die Anklage wird von einem Beauftragten der anklagenden
Körperschaft vertreten.

(2) Stellt das Bundesverfassungsgericht fest, daß der Bundespräsident einer vorsätzlichen
Verletzung des Grundgesetzes oder eines anderen Bundesgesetzes schuldig ist, so kann
es ihn des Amtes für verlustig erklären. Durch einstweilige Anordnung kann es nach der
Erhebung der Anklage bestimmen, daß er an der Ausübung seines Amtes verhindert ist.

Art 84

(1) Führen die Länder die Bundesgesetze als eigene Angelegenheit aus, so regeln sie die
Einrichtung der Behörden und das Verwaltungsverfahren. Wenn Bundesgesetze etwas
anderes bestimmen, können die Länder davon abweichende Regelungen treffen. Hat ein
Land eine abweichende Regelung nach Satz 2 getroffen, treten in diesem Land hierauf
bezogene spätere bundesgesetzliehe Regelungen der Einrichtung der Behörden und des
Verwaltungsverfahrens frühestens sechs Monate nach ihrer Verkündung in Kraft, soweit
nicht mit Zustimmung des Bundesrates anderes bestimmt ist. Artikel 72 Abs. 3 Satz 3 gilt
entsprechend. In Ausnahmefällen kann der Bund wegen eines besonderen Bedürfnisses
nach bundeseinheitlicher Regelung das Verwaltungsverfahren ohne
Abweichungsmöglichkeit für die Länder regeln. Diese Gesetze bedürfen der Zustimmung
des Bundesrates. Durch Bundesgesetz dürfen Gemeinden und Gemeindeverbänden
Aufgaben nicht übertragen werden.

(2) Die Bundesregierung kann mit Zustimmung des Bundesrates allgemeine


Verwaltungsvorschriften erlassen.

(3) Die Bundesregierung übt die Aufsicht darüber aus, daß die Länder die Bundesgesetze
dem geltenden Rechte gemäß ausführen. Die Bundesregierung kann zu diesem Zwecke
Beauftragte zu den obersten Landesbehörden entsenden, mit deren Zustimmung und, falls
diese Zustimmung versagt wird, mit Zustimmung des Bundesrates auch zu den
nachgeordneten Behörden.

30
(4) Werden Mängel, die die Bundesregierung bei der Ausführung der Bundesgesetze in
den Ländern festgestellt hat, nicht beseitigt, so beschließt auf Antrag der Bundesregierung
oder des Landes der Bundesrat, ob das Land das Recht verletzt hat. Gegen den Beschluß
des Bundesrates kann das Bundesverfassungsgericht angerufen werden.

(5) Der Bundesregierung kann durch Bundesgesetz, das der Zustimmung des
Bundesrates bedarf, zur Ausführung von Bundesgesetzen die Befugnis verliehen werden,
für besondere Fälle Einzelweisungen zu erteilen. Sie sind, außer wenn die
Bundesregierung den Fall für dringlich erachtet, an die obersten Landesbehörden zu
richten.

IX.

Die Rechtsprechung

Art 92

Die rechtsprechende Gewalt ist den Richtern anvertraut; sie wird durch das
Bundesverfassungsgericht, durch die in diesem Grundgesetze vorgesehenen
Bundesgerichte und durch die Gerichte der Länder ausgeübt.

Art 93

(1) Das Bu ndesverfassu ngsgericht entscheidet:

1. über die Auslegung dieses Grundgesetzes aus Anlaß von Streitigkeiten über den
Umfang der Rechte und Pflichten eines obersten Bundesorgans oder anderer Beteiligter,
die durch dieses Grundgesetz oder in der Geschäftsordnung eines obersten
Bundesorgans mit eigenen Rechten ausgestattet sind;

2. bei Meinungsverschiedenheiten oder Zweifeln über die förmliche und sachliche


Vereinbarkeit von Bundesrecht oder Landesrecht mit diesem Grundgesetze oder die
Vereinbarkeit von Landesrecht mit sonstigem Bundesrechte auf Antrag der
Bundesregierung, einer Landesregierung oder eines Viertels der Mitglieder des
Bundestages;

31
2a. bei Meinungsverschiedenheiten, ob ein Gesetz den Voraussetzungen des Artikels 72
Abs. 2 entspricht, auf Antrag des Bundesrates, einer Landesregierung oder der
Volksvertretung eines Landes;

3. bei Meinungsverschiedenheiten über Rechte und Pflichten des Bundes und der
Länder, insbesondere bei der Ausführung von Bundesrecht durch die Länder und bei der
Ausübung der Bundesaufsicht;

4. in anderen öffentlich-rechtlichen Streitigkeiten zwischen dem Bunde und den


Ländern, zwischen verschiedenen Ländern oder innerhalb eines Landes, soweit nicht ein
anderer Rechtsweg gegeben ist;

4a. über Verfassungsbeschwerden, die von jedermann mit der Behauptung erhoben
werden können, durch die öffentliche Gewalt in einem seiner Grundrechte oder in einem
seiner in Artikel 20 Abs. 4, 33, 38, 101, 103 und 104 enthaltenen Rechte verletzt zu sein;

4b. über Verfassungsbeschwerden von Gemeinden und Gemeindeverbänden wegen


Verletzung des Rechts auf Selbstverwaltung nach Artikel 28 durch ein Gesetz, bei
Landesgesetzen jedoch nur, soweit nicht Beschwerde beim Landesverfassungsgericht
erhoben werden kann;

4c. über Beschwerden von Vereinigungen gegen ihre Nichtanerkennung als Partei für die
Wahl zum Bundestag; 5. in den übrigen in diesem Grundgesetze vorgesehenen Fällen.

(2) Das Bundesverfassungsgericht entscheidet außerdem auf Antrag des Bundesrates,


einer Landesregierung oder der Volksvertretung eines Landes, ob im Falle des Artikels 72
Abs. 4 die Erforderlichkeit für eine bundesgesetzliche Regelung nach Artikel 72 Abs. 2
nicht mehr besteht oder Bundesrecht in den Fällen des Artikels 125a Abs. 2 Satz 1 nicht
mehr erlassen werden könnte. Die Feststellung, dass die Erforderlichkeit entfallen ist oder
Bundesrecht nicht mehr erlassen werden könnte, ersetzt ein Bundesgesetz nach Artikel 72

Abs. 4 oder nach Artikel 125a Abs. 2 Satz 2. Der Antrag nach Satz 1 ist nur zulässig, wenn
eine Gesetzesvorlage nach Artikel 72 Abs. 4 oder nach Artikel 125a Abs. 2 Satz 2 im
Bundestag abgelehnt oder über sie nicht innerhalb eines Jahres beraten und Beschluss
gefasst oder wenn eine entsprechende Gesetzesvorlage im Bundesrat abgelehnt worden
ist.

32
(3) Das Bundesverfassungsgericht wird ferner in den ihm sonst durch Bundesgesetz
zugewiesenen Fällen tätig. Art 94

Art 95

(1) Für die Gebiete der ordentlichen, der Verwaltungs-, der Finanz-, der Arbeits- und der
Sozialgerichtsbarkeit errichtet der Bund als oberste Gerichtshöfe den Bundesgerichtshof,
das Bundesverwaltungsgericht, den

Bu ndesfi na nzhof, das Bu ndesa rbeitsgericht und das Bu ndessozia Igericht.

(2) Über die Berufung der Richter dieser Gerichte entscheidet der für das jeweilige
Sachgebiet zuständige Bundesminister gemeinsam mit einem Richterwahlausschuß, der
aus den für das jeweilige Sachgebiet zuständigen Ministern der Länder und einer gleichen
Anzahl von Mitgliedern besteht, die vom Bundestage gewählt werden.

(3) Zur Wahrung der Einheitlichkeit der Rechtsprechung ist ein Gemeinsamer Senat der in
Absatz 1 genannten Gerichte zu bilden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.

Art 96

(1) Der Bund kann für Angelegenheiten des gewerblichen Rechtsschutzes ein
Bundesgericht errichten.

(2) Der Bund kann Wehrstrafgerichte für die Streitkräfte als Bundesgerichte errichten. Sie
können die Strafgerichtsbarkeit nur im Verteidigungsfalle sowie über Angehörige der
Streitkräfte ausüben, die in das Ausland entsandt oder an Bord von Kriegsschiffen
eingeschifft sind. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz. Diese Gerichte

gehören zum Geschäftsbereich des Bundesjustizministers. Ihre hauptamtlichen Richter


müssen die Befähigung zum Richteramt haben.

(3) Oberster Gerichtshof für die in Absatz 1 und 2 genannten Gerichte ist der
Bundesgerichtshof.

(4) Der Bund kann für Personen, die zu ihm in einem öffentlich-rechtlichen
Dienstverhältnis stehen, Bundesgerichte zur Entscheidung in Disziplinarverfahren und
Beschwerdeverfahren errichten.

33
(5) Für Strafverfahren auf den folgenden Gebieten kann ein Bundesgesetz mit
Zustimmung des Bundesrates vorsehen, dass Gerichte der Länder Gerichtsbarkeit des
Bundes ausüben:

1. Völkermord;

2. völkerstrafrechtliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit;

3. Kriegsverbrechen;

4. andere Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden,
das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören (Artikel 26 Abs. 1);

5. Staatsschutz.

Art 97

(1) Die Richter sind unabhängig und nur dem Gesetze unterworfen.

(2) Die hauptamtlich und planmäßig endgültig angestellten Richter können wider ihren
Willen nur kraft richterlicher Entscheidung und nur aus Gründen und unter den Formen,
welche die Gesetze bestimmen, vor Ablauf ihrer Amtszeit entlassen oder dauernd oder
zeitweise ihres Amtes enthoben oder an eine andere Stelle oder in den Ruhestand
versetzt werden. Die Gesetzgebung kann Altersgrenzen festsetzen, bei deren Erreichung
auf Lebenszeit angestellte Richter in den Ruhestand treten. Bei Veränderung der
Einrichtung der Gerichte oder ihrer Bezirke können Richter an ein anderes Gericht versetzt
oder aus dem Amte entfernt werden, jedoch nur unter Belassung des vollen Gehaltes.

Art 98

(1) Die Rechtsstellung der Bundesrichter ist durch besonderes Bundesgesetz zu regeln.

(2) Wenn ein Bundesrichter im Amte oder außerhalb des Amtes gegen die Grundsätze
des Grundgesetzes oder gegen die verfassungsmäßige Ordnung eines Landes verstößt,
so kann das Bundesverfassungsgericht mit Zweidrittelmehrheit auf Antrag des
Bundestages anordnen, daß der Richter in ein anderes Amt oder in den Ruhestand zu
versetzen ist. Im Falle eines vorsätzlichen Verstoßes kann auf Entlassung erkannt werden.

(3) Die Rechtsstellung der Richter in den Ländern ist durch besondere Landesgesetze zu
regeln, soweit Artikel 74 Abs. 1 Nr. 27 nichts anderes bestimmt.

34
(4) Die Länder können bestimmen, daß über die Anstellung der Richter in den Ländern der
Landesjustizminister gemeinsam mit einem Richterwahlausschuß entscheidet.

(5) Die Länder können für Landesrichter eine Absatz 2 entsprechende Regelung treffen.
Geltendes Landesverfassungsrecht bleibt unberührt. Die Entscheidung über eine
Richteranklage steht dem Bundesverfassungsgericht zu.

Art 99

Dem Bundesverfassungsgerichte kann durch Landesgesetz die Entscheidung von


Verfassungsstreitigkeiten innerhalb eines Landes, den in Artikel 95 Abs. 1 genannten
obersten Gerichtshöfen für den letzten Rechtszug die Entscheidung in solchen Sachen
zugewiesen werden, bei denen es sich um die Anwendung von Landesrecht handelt.

Art 100

(1) Hält ein Gericht ein Gesetz, auf dessen Gültigkeit es bei der Entscheidung ankommt,
für verfassungswidrig, so ist das Verfahren auszusetzen und, wenn es sich um die
Verletzung der Verfassung eines Landes handelt, die Entscheidung des für
Verfassungsstreitigkeiten zuständigen Gerichtes des Landes, wenn es sich um die
Verletzung dieses Grundgesetzes handelt, die Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichtes einzuholen. Dies gilt auch, wenn es sich um die Verletzung
dieses Grundgesetzes durch Landesrecht oder um die Unvereinbarkeit eines
Landesgesetzes mit einem Bundesgesetze handelt.

(2) Ist in einem Rechtsstreite zweifelhaft, ob eine Regel des Völkerrechtes Bestandteil des
Bundesrechtes ist und ob sie unmittelbar Rechte und Pflichten für den Einzelnen erzeugt
(Artikel 25), so hat das Gericht die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes
einzuholen.

(3) Will das Verfassungsgericht eines Landes bei der Auslegung des Grundgesetzes von
einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes oder des Verfassungsgerichtes
eines anderen Landes abweichen, so hat das Verfassungsgericht die Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichtes einzuholen.

Art 115g

Die verfassungsmäßige Stellung und die Erfüllung der verfassungsmäßigen Aufgaben des
Bundesverfassungsgerichtes und seiner Richter dürfen nicht beeinträchtigt werden. Das
35
Gesetz über das Bundesverfassungsgericht darf durch ein Gesetz des Gemeinsamen
Ausschusses nur insoweit geändert werden, als dies auch nach Auffassung des
Bundesverfassungsgerichtes zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit

des Gerichtes erforderlich ist. Bis zum Erlaß eines solchen Gesetzes kann das
Bundesverfassungsgericht die zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit des Gerichtes
erforderlichen Maßnahmen treffen. Beschlüsse nach Satz 2 und Satz 3 faßt das
Bundesverfassungsgericht mit der Mehrheit der anwesenden Richter.

Art 115h

(1) Während des Verteidigungsfalles ablaufende Wahlperioden des Bundestages oder der
Volksvertretungen der Länder enden sechs Monate nach Beendigung des
Verteidigungsfalles. Die im Verteidigungsfalle ablaufende Amtszeit des
Bundespräsidenten sowie bei vorzeitiger Erledigung seines Amtes die Wahrnehmung
seiner Befugnisse durch den Präsidenten des Bundesrates enden neun Monate nach
Beendigung des Verteidigungsfalles. Die im Verteidigungsfalle ablaufende Amtszeit eines
Mitgliedes des Bundesverfassungsgerichtes endet sechs Monate nach Beendigung des
Verteidigungsfalles.

(2) Wird eine Neuwahl des Bundeskanzlers durch den Gemeinsamen Ausschuß
erforderlich, so wählt dieser einen neuen Bundeskanzler mit der Mehrheit seiner
Mitglieder; der Bundespräsident macht dem Gemeinsamen Ausschuß einen Vorschlag.
Der Gemeinsame Ausschuß kann dem Bundeskanzler das Mißtrauen nur dadurch
aussprechen, daß er mit der Mehrheit von zwei Dritteln seiner Mitglieder einen Nachfolger
wählt.

(3) Für die Dauer des Verteidigungsfalles ist die Auflösung des Bundestages
ausgeschlossen. Art 115i

36
7 Gesetz über das Bundesverfassungsgericht 1951

7.1 Verfassung und Zustandigkeit des Bundesverfassungsgerichts

§1

(1) Das Bundesverfassungsgericht ist ein allen übrigen Verfassungsorganen gegenüber


selbständiger und unabhängiger Gerichtshof des Bundes.

(2) Der Sitz des Bundesverfassungsgerichts ist Karlsruhe.

(3) Das Bundesverfassungsgericht gibt sich eine Geschäftsordnung, die das Plenum
beschließt.

§2

(1) Das Bundesverfassungsgericht besteht aus zwei Senaten.

(2) In jedem Senat werden acht Richter gewählt.

(3) Drei Richter jedes Senats werden aus der Zahl der Richter an den obersten
Gerichtshöfen des Bundes gewählt. Gewählt werden sollen nur Richter, die wenigstens
drei Jahre an einem obersten Gerichtshof des Bundes tätig gewesen sind.

§3

(1) Die Richter müssen das 40. Lebensjahr vollendet haben, zum Bundestag wählbar sein
und sich schriftlich bereit erklärt haben, Mitglied des Bundesverfassungsgerichts zu
werden.

(2) Sie müssen die Befähigung zum Richteramt nach dem Deutschen Richtergesetz
besitzen oder bis zum 3. Oktober 1990 in dem in Artikel 3 des Einigungsvertrages
genannten Gebiet die Befähigung als Diplomjurist erworben haben und nach Maßgabe
des Einigungsvertrages einen gesetzlich geregelten juristischen Beruf aufnehmen dürfen.

37
Ein Service des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz sowie des
Bundesamts für Justiz - www.gesetze-im-internet.de

(3) Sie können weder dem Bundestag, dem Bundesrat, der Bundesregierung noch den
entsprechenden Organen eines Landes angehören. Mit ihrer Ernennung scheiden sie aus
solchen Organen aus.

(4) Mit der richterlichen Tätigkeit ist eine andere berufliche Tätigkeit als die eines Lehrers
des Rechts an einer deutschen Hochschule unvereinbar. Die Tätigkeit als Richter des
Bundesverfassungsgerichts geht der Tätigkeit als Hochschullehrer vor.

§4

(1) Die Amtszeit der Richter dauert zwölf Jahre, längstens bis zur Altersgrenze.

(2) Eine anschließende oder spätere Wiederwahl der Richter ist ausgeschlossen.

(3) Altersgrenze ist das Ende des Monats, in dem der Richter das 68. Lebensjahr
vollendet.

(4) Nach Ablauf der Amtszeit führen die Richter ihre Amtsgeschäfte bis zur Ernennung des
Nachfolgers fort.

§s

(1) Die Richter jedes Senats werden je zur Hälfte vom Bundestag und vom Bundesrat
gewählt. Von den aus

der Zahl der Richter an den obersten Gerichtshöfen des Bundes zu berufenden Richtern
werden einer von dem einen, zwei von dem anderen Wahlorgan, von den übrigen Richtern
drei von dem einen, zwei von dem anderen Wahlorgan in die Senate gewählt.

(2) Die Richter werden frühestens drei Monate vor Ablauf der Amtszeit ihrer Vorgänger
oder, wenn der Bundestag in dieser Zeit aufgelöst ist, innerhalb eines Monats nach dem
ersten Zusammentritt des Bundestages gewählt.

38
(3) Scheidet ein Richter vorzeitig aus, so wird der Nachfolger innerhalb eines Monats von
demselben Bundesorgan gewählt, das den ausgeschiedenen Richter gewählt hat.

§6

(1) Die vom Bundestag zu berufenden Richter werden auf Vorschlag des
Wahlausschusses nach Absatz 2 ohne Aussprache mit verdeckten Stimmzetteln gewählt.
Zum Richter ist gewählt, wer eine Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen,
mindestens die Mehrheit der Stimmen der Mitglieder des Bundestages auf sich vereinigt.

(2) Der Bundestag wählt nach den Regeln der Verhältniswahl einen Wahlausschuß für die
Richter des Bundesverfassungsgerichts, der aus zwölf Mitgliedern des Bundestages
besteht. Jede Fraktion kann einen Vorschlag einbringen. Aus den Summen der für jeden
Vorschlag abgegebenen Stimmen wird nach dem Höchstzahlverfahren (d'Hondt) die Zahl
der auf jeden Vorschlag gewählten Mitglieder errechnet. Gewählt

sind die Mitglieder in der Reihenfolge, in der ihr Name auf dem Vorschlag erscheint.
Scheidet ein Mitglied des Wahlausschusses aus oder ist es verhindert, so wird es durch
das nächste auf der gleichen Liste vorgeschlagene Mitglied ersetzt.

(3) Das älteste Mitglied des Wahlausschusses beruft die Mitglieder des Wahlausschusses
unverzüglich unter Einhaltung einer Ladungsfrist von einer Woche ein und leitet die
Sitzung, die fortgesetzt wird, bis Vorschläge über alle zu wählenden Richter beschlossen
sind.

(4) Die Mitglieder des Wahlausschusses sind zur Verschwiegenheit über die ihnen durch
ihre Tätigkeit im Wahlausschuß bekanntgewordenen persönlichen Verhältnisse der
Bewerber sowie über die hierzu im Wahlausschuß gepflogenen Erörterungen und über die
Abstimmung verpflichtet.

(5) Ein Wahlvorschlag wird mit mindestens acht Stimmen der Mitglieder des
Wahlausschusses beschlossen.

§7

Die vom Bundesrat zu berufenden Richter werden mit zwei Dritteln der Stimmen des
Bundesrates gewählt.

§ 7a

39
Ein Service des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz sowie des
Bundesamts für Justiz - www.gesetze-im-internet.de

(1) Kommt innerhalb von zwei Monaten nach dem Ablauf der Amtszeit oder dem
vorzeitigen Ausscheiden eines Richters die Wahl eines Nachfolgers auf Grund der
Vorschriften des § 6 nicht zustande, so hat das älteste Mitglied des Wahlausschusses
unverzüglich das Bundesverfassungsgericht aufzufordern, Vorschläge für die Wahl zu
machen.

(2) Das Plenum des Bundesverfassungsgerichts beschließt mit einfacher Mehrheit, wer
zur Wahl als Richter vorgeschlagen wird. Ist nur ein Richter zu wählen, so hat das
Bundesverfassungsgericht drei Personen vorzuschlagen; sind gleichzeitig mehrere Richter
zu wählen, so hat das Bundesverfassungsgericht doppelt so viele Personen
vorzuschlagen, als Richter zu wählen sind. § 16 Abs. 2 gilt entsprechend.

(3) Ist der Richter vom Bundesrat zu wählen, so gelten die Absätze 1 und 2 mit der
Maßgabe, daß an die Stelle des ältesten Mitglieds des Wahlausschusses der Präsident
des Bundesrates oder sein Stellvertreter tritt.

(4) Das Recht des Wahlorgans, einen nicht vom Bundesverfassungsgericht


Vorgeschlagenen zu wählen, bleibt unberührt.

§8

(1) Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz stellt eine Liste aller
Bundesrichter auf, die die Voraussetzungen des § 3 Abs. 1 und 2 erfüllen.

(2) Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz führt eine weitere Liste,
in die alle Personen aufzunehmen sind, die von einer Fraktion des Bundestages, der
Bundesregierung oder einer Landesregierung für das Amt eines Richters am
Bundesverfassungsgericht vorgeschlagen werden und die die Voraussetzungen des § 3
Abs. 1 und 2 erfüllen.

40
(3) Die Listen sind laufend zu ergänzen und spätestens eine Woche vor einer Wahl den
Präsidenten des Bundestages und des Bundesrates zuzuleiten.

§9

(1) Bundestag und Bundesrat wählen im Wechsel den Präsidenten des


Bundesverfassungsgerichts und den Vizepräsidenten. Der Vizepräsident ist aus dem
Senat zu wählen, dem der Präsident nicht angehört.

(2) Bei der ersten Wahl wählt der Bundestag den Präsidenten, der Bundesrat den
Vizepräsidenten.

(3) Die Vorschriften der §§ 6 und 7 gelten entsprechend. § 10

Der Bundespräsident ernennt die Gewählten.

§ 11

(1) Die Richter des Bundesverfassungsgerichts leisten bei Antritt ihres Amtes vor dem
Bundespräsidenten folgenden Eid:

"Ich schwöre, daß ich als gerechter Richter allezeit das Grundgesetz der Bundesrepublik
Deutschland getreulich wahren und meine richterlichen Pflichten gegenüber jedermann
gewissenhaft erfüllen werde. So wahr mir Gott helfe."

Wird der Eid durch eine Richterin geleistet, so treten an die Stelle der Worte "als gerechter
Richter" die Worte "als gerechte Richterin".

(2) Bekennt sich der Richter zu einer Religionsgemeinschaft, deren Angehörigen das
Gesetz die Verwendung einer anderen Beteuerungsformel gestattet, so kann er diese
gebrauchen.

(3) Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerungsformel geleistet werden.

§ 12

Die Richter des Bundesverfassungsgerichts können jederzeit ihre Entlassung aus dem
Amt beantragen. Der Bundespräsident hat die Entlassung auszusprechen.

41
§ 13

Das Bu ndesverfassu ngsgericht entscheidet

1. über die Verwirkung von Grundrechten (Artikel 18 des Grundgesetzes),

2. über die Verfassungswidrigkeit von Parteien (Artikel 21 Abs. 2 des Grundgesetzes),

2a. über den Ausschluss von Parteien von staatlicher Finanzierung (Artikel 21 Absatz 3
des Grundgesetzes),

3. über Beschwerden gegen Entscheidungen des Bundestages, die die Gültigkeit


einer Wahl oder den Erwerb oder Verlust der Mitgliedschaft eines Abgeordneten beim
Bundestag betreffen (Artikel 41 Abs. 2 des Grundgesetzes),

3a. über Beschwerden von Vereinigungen gegen ihre Nichtanerkennung als Partei für
die Wahl zum Bundestag (Artikel 93 Absatz 1 Nummer 4c des Grundgesetzes),

4. über Anklagen des Bundestages oder des Bundesrates gegen den


Bundespräsidenten (Artikel 61 des Grundgesetzes),

5. über die Auslegung des Grundgesetzes aus Anlaß von Streitigkeiten über den
Umfang der Rechte und Pflichten eines obersten Bundesorgans oder anderer Beteiligter,
die durch das Grundgesetz oder in der Geschäftsordnung eines obersten Bundesorgans
mit eigenen Rechten ausgestattet sind (Artikel 93 Abs. 1 Nr. 1 des Grundgesetzes),

6. bei Meinungsverschiedenheiten oder Zweifeln über die förmliche oder sachliche


Vereinbarkeit von Bundesrecht oder Landesrecht mit dem Grundgesetz oder die
Vereinbarkeit von Landesrecht mit sonstigem Bundesrecht auf Antrag der
Bundesregierung, einer Landesregierung oder eines Viertels der Mitglieder des
Bundestages (Artikel 93 Abs. 1 Nr. 2 des Grundgesetzes),

6a. bei Meinungsverschiedenheiten, ob ein Gesetz den Voraussetzungen des Artikels


72 Abs. 2 des Grundgesetzes entspricht, auf Antrag des Bundesrates, einer
Landesregierung oder der Volksvertretung eines Landes (Artikel 93 Abs. 1 Nr. 2a des
Grundgesetzes),

42
6b. darüber, ob im Falle des Artikels 72 Abs. 4 die Erforderlichkeit für eine
bundesgesetzliche Regelung nach Artikel 72 Abs. 2 nicht mehr besteht oder Bundesrecht
in den Fällen des Artikels 125a Abs. 2 Satz 1 nicht mehr erlassen werden könnte, auf
Antrag des Bundesrates, einer Landesregierung oder der Volksvertretung eines Landes
(Artikel 93 Abs. 2 des Grundgesetzes),

7. bei Meinungsverschiedenheiten über Rechte und Pflichten des Bundes und der
Länder, insbesondere bei der Ausführung von Bundesrecht durch die Länder und bei der
Ausübung der Bundesaufsicht (Artikel 93 Abs. 1 Nr. 3 und Artikel 84 Abs. 4 Satz 2 des
Grundgesetzes),

8. in anderen öffentlich-rechtlichen Streitigkeiten zwischen dem Bund und den


Ländern, zwischen verschiedenen Ländern oder innerhalb eines Landes, soweit nicht ein
anderer Rechtsweg gegeben ist (Artikel 93 Abs. 1 Nr. 4 des Grundgesetzes),

8a. über Verfassungsbeschwerden (Artikel 93 Abs. 1 Nr. 4a und 4b des


Grundgesetzes),

9. über Richteranklagen gegen Bundesrichter und Landesrichter (Artikel 98 Abs. 2 und


5 des Grundgesetzes),

10. über Verfassungsstreitigkeiten innerhalb eines Landes, wenn diese Entscheidung


durch Landesgesetz dem Bundesverfassungsgericht zugewiesen ist (Artikel 99 des
Grundgesetzes),

11. über die Vereinbarkeit eines Bundesgesetzes oder eines Landesgesetzes mit dem
Grundgesetz oder die Vereinbarkeit eines Landesgesetzes oder sonstigen Landesrechts
mit einem Bundesgesetz auf Antrag eines Gerichts (Artikel 100 Abs. 1 des
Grundgesetzes),

11a. über die Vereinbarkeit eines Beschlusses des Deutschen Bundestages zur
Einsetzung eines Untersuchungsausschusses mit dem Grundgesetz auf Vorlage nach §
36 Abs. 2 des U ntersuchu ngsa ussch ussgesetzes,

12. bei Zweifeln darüber, ob eine Regel des Völkerrechts Bestandteil des Bundesrechts
ist und ob sie unmittelbar Rechte und Pflichten für den einzelnen erzeugt, auf Antrag des
Gerichts (Artikel 100 Abs. 2 des Grundgesetzes),

43
13. wenn das Verfassungsgericht eines Landes bei der Auslegung des Grundgesetzes
von einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts oder des Verfassungsgerichts
eines anderen Landes abweichen will, auf Antrag dieses Verfassungsgerichts (Artikel 100
Abs. 3 des Grundgesetzes),

14. bei Meinungsverschiedenheiten über das Fortgelten von Recht als Bundesrecht
(Artikel 126 des Grundgesetzes),

15. in den ihm sonst durch Bundesgesetz zugewiesenen Fällen (Artikel 93 Abs. 3 des
Grundgesetzes).

§ 14

(1) Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts ist zuständig für


Normenkontrollverfahren (§ 13 Nr. 6

und 11), in denen überwiegend die Unvereinbarkeit einer Vorschrift mit Grundrechten oder
Rechten aus den Artikeln 33, 101, 103 und 104 des Grundgesetzes geltend gemacht wird,
sowie für Verfassungsbeschwerden mit Ausnahme der Verfassungsbeschwerden nach §
91 und der Verfassungsbeschwerden aus dem Bereich des Wahlrechts. Das Gleiche gilt,
wenn eine Landesregierung zusammen mit einem Normenkontrollantrag (§ 13 Nr. 6) nach
Satz 1 einen Antrag nach § 13 Nr. 6a oder 6b stellt.

(2) Der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts ist zuständig in den Fällen des § 13
Nr. 1 bis 5, 6a bis 9, 11a, 12 und 14, ferner für Normenkontrollverfahren und
Verfassungsbeschwerden, die nicht dem Ersten Senat zugewiesen sind.

(3) In den Fällen des § 13 Nr. 10 und 13 bestimmt sich die Zuständigkeit der Senate nach
der Regel der Absätze 1 und 2.

(4) Das Plenum des Bundesverfassungsgerichts kann mit Wirkung vom Beginn des
nächsten Geschäftsjahres

die Zuständigkeit der Senate abweichend von den Absätzen 1 bis 3 regeln, wenn dies
infolge einer nicht nur vorübergehenden Überlastung eines Senats unabweislich geworden
ist. Die Regelung gilt auch für anhängige Verfahren, bei denen noch keine mündliche
Verhandlung oder Beratung der Entscheidung stattgefunden hat. Der Beschluß wird im
Bundesgesetzblatt bekanntgemacht.

44
(5) Wenn zweifelhaft ist, welcher Senat für ein Verfahren zuständig ist, so entscheidet
darüber ein Ausschuß, der aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und vier Richtern
besteht, von denen je zwei von jedem Senat für die Dauer des Geschäftsjahres berufen
werden. Bei Stimmengleichheit gibt die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag.

§ 15

(1) Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts und der Vizepräsident führen den
Vorsitz in ihrem Senat. Sie werden von dem dienstältesten, bei gleichem Dienstalter von
dem lebensältesten anwesenden Richter des Senats vertreten.

(2) Jeder Senat ist beschlußfähig, wenn mindestens sechs Richter anwesend sind. Ist ein
Senat in einem Verfahren von besonderer Dringlichkeit nicht beschlußfähig, ordnet der
Vorsitzende ein Losverfahren an, durch das so lange Richter des anderen Senats als
Vertreter bestimmt werden, bis die Mindestzahl erreicht ist. Die Vorsitzenden der Senate
können nicht als Vertreter bestimmt werden. Das Nähere regelt die Geschäftsordnung.

(3) Nach Beginn der Beratung einer Sache können weitere Richter nicht hinzutreten. Wird
der Senat beschlußunfähig, muß die Beratung nach seiner Ergänzung neu begonnen
werden.

(4) Im Verfahren gemäß § 13 Nummer 1, 2, 2a, 4 und 9 bedarf es zu einer dem


Antragsgegner nachteiligen Entscheidung in jedem Fall einer Mehrheit von zwei Dritteln
der Mitglieder des Senats. Im übrigen entscheidet die Mehrheit der an der Entscheidung
mitwirkenden Mitglieder des Senats, soweit nicht das Gesetz etwas anderes bestimmt. Bei
Stimmengleichheit kann ein Verstoß gegen das Grundgesetz oder sonstiges Bundesrecht
nicht festgestellt werden.

§ 15a

(1) Die Senate berufen für die Dauer eines Geschäftsjahres mehrere Kammern. Jede
Kammer besteht aus drei Richtern. Die Zusammensetzung einer Kammer soll nicht länger
als drei Jahre unverändert bleiben.

(2) Der Senat beschließt vor Beginn eines Geschäftsjahres für dessen Dauer die
Verteilung der Anträge nach § 80 und der Verfassungsbeschwerden nach den §§ 90 und
91 auf die Berichterstatter, die Zahl und Zusammensetzung der Kammern sowie die
Vertretung ihrer Mitglieder.

45
§ 16

(1) Will ein Senat in einer Rechtsfrage von der in einer Entscheidung des anderen Senats
enthaltenen Rechtsauffassung abweichen, so entscheidet darüber das Plenum des
Bundesverfassungsgerichts.

(2) Es ist beschlußfähig, wenn von jedem Senat zwei Drittel seiner Richter anwesend sind.

7.2 Verfassungsgerichtliches Verfahren

Erster Abschnitt

Allgemeine Verfahrensvorschriften

§ 17

Soweit in diesem Gesetz nichts anderes bestimmt ist, sind hinsichtlich der Öffentlichkeit,
der Sitzungspolizei, der Gerichtssprache, der Beratung und Abstimmung die Vorschriften
der Titel 14 bis 16 des Gerichtsverfassungsgesetzes entsprechend anzuwenden.

§ 17a

(1) Die Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht einschließlich der Verkündung


von Entscheidungen ist öffentlich. Ton- und Fernseh-Rundfunkaufnahmen sowie Ton- und
Filmaufnahmen zum Zwecke der öffentlichen Vorführung oder der Veröffentlichung ihres
Inhalts sind nur zulässig

1. in der mündlichen Verhandlung, bis das Gericht die Anwesenheit der Beteiligten
festgestellt hat,

2. bei der öffentlichen Verkündung von Entscheidungen.

Die Tonübertragung in einen Arbeitsraum für Personen, die für Presse, Hörfunk,
Fernsehen oder für andere Medien berichten, kann durch Anordnung des oder der
Vorsitzenden zugelassen werden.

(2) Zur Wahrung schutzwürdiger Interessen der Beteiligten oder Dritter sowie eines
ordnungsgemäßen Ablaufs des Verfahrens kann der oder die Vorsitzende die Aufnahmen
nach Absatz 1 Satz 2 oder deren Übertragung sowie die Übertragung nach Absatz 1 Satz

46
3 ganz oder teilweise untersagen oder von der Einhaltung von Auflagen abhängig
machen.

(3) Tonaufnahmen der Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht einschließlich der


Verkündung

von Entscheidungen können zu wissenschaftlichen und historischen Zwecken durch


Senatsbeschluss

zugelassen werden, wenn es sich um ein Verfahren von herausragender


zeitgeschichtlicher Bedeutung für die Bundesrepublik Deutschland handelt. Zur Wahrung
schutzwürdiger Interessen der Beteiligten oder Dritter oder zur Wahrung eines
ordnungsgemäßen Ablaufs des Verfahrens können die Aufnahmen durch den
Vorsitzenden oder die Vorsitzende teilweise untersagt werden. Die Aufnahmen sind nicht
zu den Akten zu nehmen und dürfen weder herausgegeben noch für Zwecke des
aufgenommenen oder eines anderen Verfahrens genutzt oder verwertet werden. Die
Aufnahmen sind vom Gericht nach Abschluss des Verfahrens dem Bundesarchiv zur
Übernahme anzubieten, das nach dem Bundesarchivgesetz festzustellen hat, ob den
Aufnahmen ein bleibender Wert zukommt. Nimmt das Bundesarchiv die Aufnahmen nicht
an, sind die Aufnahmen durch das Gericht zu löschen. § 25a Satz 2 bleibt unberührt.

(4) Gegen die Anordnungen des oder der Vorsitzenden kann der Senat angerufen werden.

§ 18

(1) Ein Richter des Bundesverfassungsgerichts ist von der Ausübung seines Richteramtes
ausgeschlossen, wenn er

1. an der Sache beteiligt oder mit einem Beteiligten verheiratet ist oder war, eine
Lebenspartnerschaft führt oder führte, in gerader Linie verwandt oder verschwägert oder in
der Seitenlinie bis zum dritten Grade verwandt oder bis zum zweiten Grade verschwägert
ist oder

2. in derselben Sache bereits von Amts oder Berufs wegen tätig gewesen ist.

(2) Beteiligt ist nicht, wer auf Grund seines Familienstandes, seines Berufs, seiner
Abstammung, seiner Zugehörigkeit zu einer politischen Partei oder aus einem ähnlich
allgemeinen Gesichtspunkt am Ausgang des Verfahrens interessiert ist.

47
(3) Als Tätigkeit im Sinne des Absatzes 1 Nr. 2 gilt nicht

1. die Mitwirkung im Gesetzgebungsverfahren,

2. die Äußerung einer wissenschaftlichen Meinung zu einer Rechtsfrage, die für das
Verfahren bedeutsam sein kann.

§ 19

(1) Wird ein Richter des Bundesverfassungsgerichts wegen Besorgnis der Befangenheit
abgelehnt, so entscheidet das Gericht unter Ausschluß des Abgelehnten; bei
Stimmengleichheit gibt die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag.

(2) Die Ablehnung ist zu begründen. Der Abgelehnte hat sich dazu zu äußern. Die
Ablehnung ist unbeachtlich, wenn sie nicht spätestens zu Beginn der mündlichen
Verhandlung erklärt wird.

(3) Erklärt sich ein Richter, der nicht abgelehnt ist, selbst für befangen, so gilt Absatz 1
entsprechend.

(4) Hat das Bundesverfassungsgericht die Ablehnung oder Selbstablehnung eines


Richters für begründet erklärt, wird durch Los ein Richter des anderen Senats als Vertreter
bestimmt. Die Vorsitzenden der Senate können nicht als Vertreter bestimmt werden. Das
Nähere regelt die Geschäftsordnung.

§ 20

Die Beteiligten haben das Recht der Akteneinsicht.

§ 21

Wenn das Verfahren von einer Personengruppe oder gegen eine Personengruppe
beantragt wird, kann das Bundesverfassungsgericht anordnen, daß sie ihre Rechte,
insbesondere das Recht auf Anwesenheit im Termin, durch einen oder mehrere
Beauftragte wahrnehmen läßt.

§ 22

(1) Die Beteiligten können sich in jeder Lage des Verfahrens durch einen Rechtsanwalt
oder einen Rechtslehrer an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule eines
Mitgliedstaates der Europäischen Union, eines anderen Vertragsstaates des Abkommens
48
über den Europäischen Wirtschaftsraum oder der Schweiz, der die Befähigung zum
Richteramt besitzt, als Bevollmächtigten vertreten lassen; in der mündlichen Verhandlung
vor dem Bundesverfassungsgericht müssen sie sich in dieser Weise vertreten lassen.
Gesetzgebende Körperschaften und Teile von ihnen, die in der Verfassung oder in der
Geschäftsordnung mit eigenen Rechten ausgestattet

sind, können sich auch durch ihre Mitglieder vertreten lassen. Der Bund, die Länder und
ihre Verfassungsorgane können sich außerdem durch ihre Beamten vertreten lassen,
soweit sie die Befähigung zum Richteramt besitzen oder auf Grund der vorgeschriebenen
Staatsprüfungen die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst erworben haben. Das
Bundesverfassungsgericht kann auch eine andere Person als Beistand eines Beteiligten
zulassen.

(2) Die Vollmacht ist schriftlich zu erteilen. Sie muß sich ausdrücklich auf das Verfahren
beziehen.

(3) Ist ein Bevollmächtigter bestellt, so sind alle Mitteilungen des Gerichts an ihn zu
richten.

§ 23

(1) Anträge, die das Verfahren einleiten, sind schriftlich beim Bundesverfassungsgericht
einzureichen. Sie sind zu begründen; die erforderlichen Beweismittel sind anzugeben.

(2) Der Vorsitzende oder, wenn eine Entscheidung nach § 93c in Betracht kommt, der
Berichterstatter stellt den Antrag dem Antragsgegner, den übrigen Beteiligten sowie den
Dritten, denen nach § 27a Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben wird, unverzüglich mit
der Aufforderung zu, sich binnen einer zu bestimmenden Frist dazu zu äußern.

(3) Der Vorsitzende oder der Berichterstatter kann jedem Beteiligten aufgeben, binnen
einer zu bestimmenden Frist die erforderliche Zahl von Abschriften seiner Schriftsätze und
der angegriffenen Entscheidungen für das Gericht und für die übrigen Beteiligten
nachzureichen.

§ 24

Unzulässige oder offensichtlich unbegründete Anträge können durch einstimmigen


Beschluß des Gerichts verworfen werden. Der Beschluß bedarf keiner weiteren

49
Begründung, wenn der Antragsteller vorher auf die Bedenken gegen die Zulässigkeit oder
Begründetheit seines Antrags hingewiesen worden ist.

§ 25

(1) Das Bundesverfassungsgericht entscheidet, soweit nichts anderes bestimmt ist, auf
Grund mündlicher Verhandlung, es sei denn, daß alle Beteiligten ausdrücklich auf sie
verzichten.

(2) Die Entscheidung auf Grund mündlicher Verhandlung ergeht als Urteil, die
Entscheidung ohne mündliche Verhandlung als Beschluß.

(3) Teil- und Zwischenentscheidungen sind zulässig.

(4) Die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts ergehen "im Namen des Volkes".
§ 25a

Über die mündliche Verhandlung wird ein Protokoll geführt. Darüber hinaus wird sie in
einer Tonbandaufnahme festgehalten; das Nähere regelt die Geschäftsordnung.

§ 26

(1) Das Bundesverfassungsgericht erhebt den zur Erforschung der Wahrheit erforderlichen
Beweis. Es kann damit außerhalb der mündlichen Verhandlung ein Mitglied des Gerichts
beauftragen oder mit Begrenzung auf bestimmte Tatsachen und Personen ein anderes
Gericht darum ersuchen.

(2) Auf Grund eines Beschlusses mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen des
Gerichts kann die Beiziehung einzelner Urkunden unterbleiben, wenn ihre Verwendung mit
der Staatssicherheit unvereinbar ist.

§ 27

Alle Gerichte und Verwaltungsbehörden leisten dem Bundesverfassungsgericht Rechts-


und Amtshilfe. Fordert das Bundesverfassungsgericht Akten eines Ausgangsverfahrens
an, werden ihm diese unmittelbar vorgelegt.

§ 27a

Das Bundesverfassungsgericht kann sachkundigen Dritten Gelegenheit zur


Stellungnahme geben.
50
§ 28

(1) Für die Vernehmung von Zeugen und Sachverständigen gelten in den Fällen des § 13
Nummer 1, 2, 2a, 4 und 9 die Vorschriften der Strafprozeßordnung, in den übrigen Fällen
die Vorschriften der Zivilprozeßordnung entsprechend.

(2) Soweit ein Zeuge oder Sachverständiger nur mit Genehmigung einer vorgesetzten
Stelle vernommen werden darf, kann diese Genehmigung nur verweigert werden, wenn es
das Wohl des Bundes oder eines Landes erfordert. Der Zeuge oder Sachverständige kann
sich nicht auf seine Schweigepflicht berufen, wenn das Bundesverfassungsgericht mit
einer Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen die Verweigerung der Aussagegenehmigung
für unbegründet erklärt.

§ 29

Die Beteiligten werden von allen Beweisterminen benachrichtigt und können der
Beweisaufnahme beiwohnen. Sie können an Zeugen und Sachverständige Fragen richten.
Wird eine Frage beanstandet, so entscheidet das Gericht.

§ 30

(1) Das Bundesverfassungsgericht entscheidet in geheimer Beratung nach seiner freien,


aus dem Inhalt der Verhandlung und dem Ergebnis der Beweisaufnahme geschöpften
Überzeugung. Die Entscheidung ist schriftlich abzufassen, zu begründen und von den
Richtern, die bei ihr mitgewirkt haben, zu unterzeichnen.

Sie ist sodann, wenn eine mündliche Verhandlung stattgefunden hat, unter Mitteilung der
wesentlichen Entscheidungsgründe öffentlich zu verkünden. Der Termin zur Verkündung
einer Entscheidung kann in der mündlichen Verhandlung bekanntgegeben oder nach
Abschluß der Beratungen festgelegt werden; in diesem Fall ist er den Beteiligten
unverzüglich mitzuteilen. Zwischen dem Abschluß der mündlichen Verhandlung und der
Verkündung der Entscheidung sollen nicht mehr als drei Monate liegen. Der Termin kann
durch Beschluß des Bundesverfassungsgerichts verlegt werden.

(2) Ein Richter kann seine in der Beratung vertretene abweichende Meinung zu der
Entscheidung oder zu deren Begründung in einem Sondervotum niederlegen; das
Sondervotum ist der Entscheidung anzuschließen. Die Senate können in ihren

51
Entscheidungen das Stimmenverhältnis mitteilen. Das Nähere regelt die
Geschäftsordnung.

(3) Alle Entscheidungen sind den Beteiligten bekanntzugeben.

§ 31

(1) Die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts binden die Verfassungsorgane


des Bundes und der Länder sowie alle Gerichte und Behörden.

(2) In den Fällen des § 13 Nr. 6, 6a, 11, 12 und 14 hat die Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts Gesetzeskraft. Das gilt auch in den Fällen des § 13 Nr. Ba,
wenn das Bundesverfassungsgericht ein Gesetz

als mit dem Grundgesetz vereinbar oder unvereinbar oder für nichtig erklärt. Soweit ein
Gesetz als mit dem Grundgesetz oder sonstigem Bundesrecht vereinbar oder unvereinbar
oder für nichtig erklärt wird, ist die Entscheidungsformel durch das Bundesministerium der
Justiz und für Verbraucherschutz im Bundesgesetzblatt zu veröffentlichen.
Entsprechendes gilt für die Entscheidungsformel in den Fällen des § 13 Nr. 12 und 14.

§ 32

(1) Das Bundesverfassungsgericht kann im Streitfall einen Zustand durch einstweilige


Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur Abwehr schwerer Nachteile, zur Verhinderung
drohender Gewalt oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend
geboten ist.

(2) Die einstweilige Anordnung kann ohne mündliche Verhandlung ergehen. Bei
besonderer Dringlichkeit kann das Bundesverfassungsgericht davon absehen, den am
Verfahren zur Hauptsache Beteiligten, zum Beitritt Berechtigten oder
Äußerungsberechtigten Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.

(3) Wird die einstweilige Anordnung durch Beschluß erlassen oder abgelehnt, so kann
Widerspruch erhoben werden. Das gilt nicht für den Beschwerdeführer im Verfahren der
Verfassungsbeschwerde. Über den Widerspruch entscheidet das
Bundesverfassungsgericht nach mündlicher Verhandlung. Diese muß binnen zwei
Wochen nach dem Eingang der Begründung des Widerspruchs stattfinden.

52
(4) Der Widerspruch gegen die einstweilige Anordnung hat keine aufschiebende Wirkung.
Das Bundesverfassungsgericht kann die Vollziehung der einstweiligen Anordnung
aussetzen.

(5) Das Bundesverfassungsgericht kann die Entscheidung über die einstweilige


Anordnung oder über den Widerspruch ohne Begründung bekanntgeben. In diesem Fall
ist die Begründung den Beteiligten gesondert zu übermitteln.

(6) Die einstweilige Anordnung tritt nach sechs Monaten außer Kraft. Sie kann mit einer
Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen wiederholt werden.

(7) Ist ein Senat nicht beschlußfähig, so kann die einstweilige Anordnung bei besonderer
Dringlichkeit erlassen werden, wenn mindestens drei Richter anwesend sind und der
Beschluß einstimmig gefaßt wird. Sie tritt nach einem Monat außer Kraft. Wird sie durch
den Senat bestätigt, so tritt sie sechs Monate nach ihrem Erlaß außer Kraft.

§ 33

(1) Das Bundesverfassungsgericht kann sein Verfahren bis zur Erledigung eines bei einem
anderen Gericht anhängigen Verfahrens aussetzen, wenn für seine Entscheidung die
Feststellungen oder die Entscheidung dieses anderen Gerichts von Bedeutung sein
können.

(2) Das Bundesverfassungsgericht kann seiner Entscheidung die tatsächlichen


Feststellungen eines rechtskräftigen Urteils zugrunde legen, das in einem Verfahren
ergangen ist, in dem die Wahrheit von Amts wegen zu erforschen ist.

§ 34

(1) Das Verfahren des Bundesverfassungsgerichts ist kostenfrei.

(2) Das Bundesverfassungsgericht kann eine Gebühr bis zu 2.600 Euro auferlegen, wenn
die Einlegung der Verfassungsbeschwerde oder der Beschwerde nach Artikel 41 Abs. 2
des Grundgesetzes einen Mißbrauch darstellt oder wenn ein Antrag auf Erlaß einer
einstweiligen Anordnung (§ 32) mißbräuchlich gestellt ist.

(3) Für die Einziehung der Gebühr gilt § 59 Abs. 1 der Bundeshaushaltsordnung
entsprechend.

§ 34a
53
(1) Erweist sich der Antrag auf Verwirkung der Grundrechte (§ 13 Nr. I), die Anklage
gegen den Bundespräsidenten (§ 13 Nr. 4) oder einen Richter (§ 13 Nr. 9) als
unbegründet, so sind dem Antragsgegner oder dem Angeklagten die notwendigen
Auslagen einschließlich der Kosten der Verteidigung zu ersetzen.

(2) Erweist sich eine Verfassungsbeschwerde als begründet, so sind dem


Beschwerdeführer die notwendigen Auslagen ganz oder teilweise zu erstatten.

(3) In den übrigen Fällen kann das Bundesverfassungsgericht volle oder teilweise
Erstattung der Auslagen anordnen.

§ 35

Das Bundesverfassungsgericht kann in seiner Entscheidung bestimmen, wer sie


vollstreckt; es kann auch im Einzelfall die Art und Weise der Vollstreckung regeln.

Zweiter Abschnitt

Akteneinsicht außerhalb des Verfahrens

§ 35a

Betreffen außerhalb des Verfahrens gestellte Anträge auf Auskunft aus oder Einsicht in
Akten des Bundesverfassungsgerichts personen bezogene Daten, so gelten die
allgemeinen datenschutzrechtlichen Vorschriften, soweit die nachfolgenden
Bestimmungen keine abweichende Regelung treffen.Übermittelt

das Bundesverfassungsgericht einer öffentlichen Stelle auf deren Ersuchen


personenbezogenen Daten, so

trägt die öffentliche Stelle die Verantwortung für die Zulässigkeit der Übermittlung. In
diesem Fall prüft das Bundesverfassungsgericht nur, ob das Übermittlungsersuchen im
Rahmen der Aufgaben der ersuchenden Stelle liegt, es sei denn, dass besonderer Anlass
zur Prüfung der Zulässigkeit der Übermittlung besteht.

§ 35b

Auskunft aus oder Einsicht in Akten des Bundesverfassungsgerichts kann gewährt werden

1. öffentlichen Stellen, soweit dies für Zwecke der Rechtspflege erforderlich ist oder
die in § 23 Absatz 1 Nummer 2 bis 5 des Bundesdatenschutzgesetzes genannten
54
Voraussetzungen vorliegen oder soweit dies zur Durchführung wissenschaftlicher
Forschung erforderlich ist, das wissenschaftliche Interesse

an der Durchführung des Forschungsvorhabens das Interesse des Betroffenen an dem


Ausschluss der Zweckänderung erheblich überwiegt und der Zweck der Forschung auf
andere Weise nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand erreicht werden kann,

2. Privatpersonen und anderen nichtöffentlichen Stellen einschließlich früherer


Beteiligter nach Abschluss ihres Verfahrens, soweit sie ein berechtigtes Interesse
darlegen und die datenschutzrechtlichen Belange Dritter gewahrt bleiben.

Einer Unterrichtung des Betroffenen von der Übermittlung seiner Daten bedarf es nicht;
die Erteilung der Auskunft und die Gewährung der Akteneinsicht sind in der Akte zu
vermerken. Auskunft oder Akteneinsicht kann auch gewährt werden, soweit der Betroffene
eingewilligt hat.

(2) Akteneinsicht kann nur gewährt werden, wenn unter Angabe von Gründen dargelegt
wird, daß die Erteilung einer Auskunft zur Erfüllung der Aufgaben der die Akteneinsicht
begehrenden öffentlichen Stelle (Absatz 1 Satz 1 Nummer 1) oder zur Wahrnehmung des
berechtigten Interesses der die Akteneinsicht begehenden Privatperson oder anderen
nicht-öffentlichen Stelle (Absatz 1 Satz 1 Nummer 2) nicht ausreichen würde oder die
Erteilung einer Auskunft einen unverhältnismäßigen Aufwand erfordern würde.

(3) Aus beigezogenen Akten, die nicht Aktenbestandteil sind, dürfen Auskünfte nur erteilt
werden, wenn

der Antragsteller die Zustimmung der Stelle nachweist, um deren Akten es sich handelt;
gleiches gilt für die Akteneinsicht.

(4) Die Akten des Bundesverfassungsgerichts werden nicht übersandt. An öffentliche


Stellen können sie übersandt werden, wenn diesen gemäß Absatz 2 Akteneinsicht
gewährt werden kann oder wenn einer Privatperson auf Grund besonderer Umstände dort
Akteneinsicht gewährt werden soll.

(5) Für die Einsicht in die Akten des Bundesverfassungsgerichts, die beim Bundesarchiv
oder durch das Bundesarchiv als Zwischenarchivgut aufbewahrt werden, gelten nach
Ablauf von 30 Jahren seit Abschluss

55
des Verfahrens die archivgesetzlichen Regelungen. Für Entwürfe von Urteilen,
Beschlüssen und Verfügungen, Arbeiten zu ihrer Vorbereitung und Dokumente, die
Abstimmungen betreffen, gilt dies nach Ablauf von 60 Jahren. Das
Bundesverfassungsgericht behält für das abgegebene Schriftgut, das beim Bundesarchiv
aufbewahrt wird,

zu gerichtsinternen und prozessualen Zwecken das jederzeitige und vorrangige


Rückgriffsrecht. Zu diesem Zweck ist es ihm auf Anforderung umgehend zu übersenden.

(6) Die Akten zu Kammerentscheidungen, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt sind,
einschließlich der Entwürfe von Beschlüssen und Verfügungen, Arbeiten zu ihrer
Vorbereitung und Dokumente, die Abstimmungen betreffen, können mit Einverständnis
des Bundesarchivs nach Ablauf von 30 Jahren vernichtet werden.

(7) Die Akten zu den im Allgemeinen Register eingetragenen Vorgängen, die nicht in das
Verfahrensregister übertragen worden sind, können mit Einverständnis des Bundesarchivs
fünf Jahre nach der letzten die Sache betreffenden Verfügung vernichtet werden.

§ 3Sc

Das Bundesverfassungsgericht darf in einem verfassungsgerichtlichen Verfahren zu den


Akten gelangte personenbezogene Daten für ein anderes verfassungsgerichtliches
Verfahren verarbeiten.

7.3 Einzelne Verfahrensarten

Erster Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 1

§ 36

Der Antrag auf Entscheidung gemäß Artikel 18 Satz 2 des Grundgesetzes kann vom
Bundestag, von der Bundesregierung oder von einer Landesregierung gestellt werden.

§ 37

Das Bundesverfassungsgericht gibt dem Antragsgegner Gelegenheit zur Äußerung binnen


einer zu bestimmenden Frist und beschließt dann, ob der Antrag als unzulässig oder als
nicht hinreichend begründet zurückzuweisen oder ob die Verhandlung durchzuführen ist.

56
§ 38

(1) Nach Eingang des Antrags kann das Bundesverfassungsgericht eine Beschlagnahme
oder Durchsuchung nach den Vorschriften der Strafprozeßordnung anordnen.

(2) Das Bundesverfassungsgericht kann zur Vorbereitung der mündlichen Verhandlung


eine Voruntersuchung anordnen. Die Durchführung der Voruntersuchung ist einem Richter
des nicht zur Entscheidung in der Hauptsache zuständigen Senats zu übertragen.

§ 39

(1) Erweist sich der Antrag als begründet, so stellt das Bundesverfassungsgericht fest,
welche Grundrechte der Antragsgegner verwirkt hat. Es kann die Verwirkung auf einen
bestimmten Zeitraum, mindestens auf ein Jahr, befristen. Es kann dem Antragsgegner
auch nach Art und Dauer genau bezeichnete Beschränkungen auferlegen, soweit sie nicht
andere als die verwirkten Grundrechte beeinträchtigen. Insoweit bedürfen die
Verwaltungsbehörden zum Einschreiten gegen den Antragsgegner keiner weiteren
gesetzlichen Grundlage.

(2) Das Bundesverfassungsgericht kann dem Antragsgegner auf die Dauer der Verwirkung
der Grundrechte das Wahlrecht, die Wählbarkeit und die Fähigkeit zur Bekleidung
öffentlicher Ämter aberkennen und bei juristischen Personen ihre Auflösung anordnen.

§ 40

Ist die Verwirkung zeitlich nicht befristet oder für einen längeren Zeitraum als ein Jahr
ausgesprochen, so

kann das Bundesverfassungsgericht, wenn seit dem Ausspruch der Verwirkung zwei
Jahre verflossen sind, auf Antrag des früheren Antragstellers oder Antragsgegners die
Verwirkung ganz oder teilweise aufheben oder die Dauer der Verwirkung abkürzen. Der
Antrag kann wiederholt werden, wenn seit der letzten Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts ein Jahr verstrichen ist.

§ 41

Hat das Bundesverfassungsgericht über einen Antrag sachlich entschieden, so kann er


gegen denselben Antragsgegner nur wiederholt werden, wenn er auf neue Tatsachen
gestützt wird.

57
§ 42 (weggefallen) Zweiter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nummer 2 und 2a

§ 43

(1) Der Antrag auf Entscheidung, ob eine Partei verfassungswidrig (Artikel 21 Absatz 2
des Grundgesetzes) oder von staatlicher Finanzierung ausgeschlossen ist (Artikel 21
Absatz 3 des Grundgesetzes), kann von dem Bundestag, dem Bundesrat oder von der
Bundesregierung gestellt werden. Der Antrag auf Entscheidung über den Ausschluss von
staatlicher Finanzierung kann hilfsweise zu einem Antrag auf Entscheidung, ob eine Partei
verfassungswidrig ist, gestellt werden.

(2) Eine Landesregierung kann den Antrag nur gegen eine Partei stellen, deren
Organisation sich auf das Gebiet ihres La ndes besch rä n kt.

§ 44

Die Vertretung der Partei bestimmt sich nach den gesetzlichen Vorschriften, hilfsweise
nach ihrer Satzung. Sind die Vertretungsberechtigten nicht feststellbar oder nicht
vorhanden oder haben sie nach Eingang des Antrags beim Bundesverfassungsgericht
gewechselt, so gelten als vertretungsberechtigt diejenigen Personen, die die Geschäfte
der Partei während der Tätigkeit, die den Antrag veranlaßt hat, zuletzt tatsächlich geführt
haben.

§ 45

Das Bundesverfassungsgericht gibt dem Vertretungsberechtigten (§ 44) Gelegenheit zur


Äußerung binnen einer zu bestimmenden Frist und beschließt dann, ob der Antrag als
unzulässig oder als nicht hinreichend begründet zurückzuweisen oder ob die Verhandlung
durchzuführen ist.

§ 46

(1) Erweist sich der Antrag auf Entscheidung gemäß Artikel 21 Absatz 2 des
Grundgesetzes als begründet, so stellt das Bundesverfassungsgericht fest, daß die
politische Partei verfassungswidrig ist.

(2) Die Feststellung kann auf einen rechtlich oder organisatorisch selbständigen Teil einer
Partei beschränkt werden.
58
(3) Mit der Feststellung ist die Auflösung der Partei oder des selbständigen Teiles der
Partei und das Verbot, eine Ersatzorganisation zu schaffen, zu verbinden. Das
Bundesverfassungsgericht kann in diesem Fall außerdem die Einziehung des Vermögens
der Partei oder des selbständigen Teiles der Partei zugunsten des Bundes oder des
Landes zu gemeinnützigen Zwecken aussprechen.

§ 46a

(1) Erweist sich der Antrag auf Entscheidung gemäß Artikel 21 Absatz 3 des
Grundgesetzes als begründet,

so stellt das Bundesverfassungsgericht fest, dass die Partei für sechs Jahre von der
staatlichen Finanzierung nach § 18 des Parteiengesetzes ausgeschlossen ist. Die
Feststellung ist auf Ersatzparteien zu erstrecken. Dass eine Partei die Bestrebungen einer
nach Satz 1 von der staatlichen Finanzierung ausgeschlossenen Partei als Ersatzpartei an
deren Stelle weiter verfolgt oder fortführt, stellt das Bundesverfassungsgericht
entsprechend Satz 1 fest. Die Feststellung erfolgt auf Antrag eines Berechtigten nach § 43
Absatz 1 Satz 1; § 45 ist auf das Verfahren nicht anzuwenden.

(2) Beantragt einer der Antragsberechtigten spätestens sechs Monate vor Ablauf der Frist
nach Absatz

1 Satz 1 ihre Verlängerung, bleibt die Partei bis zur Entscheidung über diesen Antrag von
staatlicher Finanzierung ausgeschlossen. § 45 ist auf das Verfahren nicht anzuwenden.
Das Bundesverfassungsgericht kann ohne mündliche Verhandlung entscheiden. Für die
Entscheidung gilt Absatz 1 entsprechend. Erneute Verlä ngeru ngsa nträge sind statthaft.

§ 47

Die Vorschriften der §§ 38 und 41 gelten entsprechend.

Dritter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 3

§ 48

(1) Die Beschwerde gegen den Beschluß des Bundestages über die Gültigkeit einer Wahl,
die Verletzung von Rechten bei der Vorbereitung oder Durchführung der Wahl, soweit sie
der Wahlprüfung nach Artikel 41 des Grundgesetzes unterliegen, oder den Verlust der
59
Mitgliedschaft im Bundestag kann der Abgeordnete, dessen Mitgliedschaft bestritten ist,
eine wahlberechtigte Person oder eine Gruppe von wahlberechtigten Personen, deren
Einspruch vom Bundestag verworfen worden ist, eine Fraktion oder eine Minderheit des
Bundestages, die wenigstens ein Zehntel der gesetzlichen Mitgliederzahl umfaßt, binnen
einer Frist von zwei Monaten seit der Beschlußfassung des Bundestages beim
Bundesverfassungsgericht erheben; die Beschwerde ist innerhalb dieser Frist zu
begründen.

(2) Das Bundesverfassungsgericht kann von einer mündlichen Verhandlung absehen,


wenn von ihr keine weitere Förderung des Verfahrens zu erwarten ist.

(3) Erweist sich bei Prüfung der Beschwerde einer wahlberechtigten Person oder einer
Gruppe von wahlberechtigten Personen, dass deren Rechte verletzt wurden, stellt das
Bundesverfassungsgericht diese Verletzung fest, wenn es nicht die Wahl für ungültig
erklärt.

Vierter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 4

§ 49

(1) Die Anklage gegen den Bundespräsidenten wegen vorsätzlicher Verletzung des
Grundgesetzes oder eines anderen Bundesgesetzes wird durch Einreichung einer
Anklageschrift beim Bundesverfassungsgericht erhoben.

(2) Auf Grund des Beschlusses einer der beiden gesetzgebenden Körperschaften (Artikel
61 Abs. 1 des Grundgesetzes) fertigt deren Präsident die Anklageschrift und übersendet
sie binnen eines Monats dem Bundesverfassungsgericht.

(3) Die Anklageschrift muß die Handlung oder Unterlassung, wegen der die Anklage
erhoben wird, die Beweismittel und die Bestimmung der Verfassung oder des Gesetzes,
die verletzt sein soll, bezeichnen. Sie muß die Feststellung enthalten, daß der Beschluß
auf Erhebung der Anklage mit der Mehrheit von zwei Dritteln der gesetzlichen
Mitgliederzahl des Bundestages oder von zwei Dritteln der Stimmen des Bundesrates
gefaßt worden ist.

§ 50

60
Die Anklage kann nur binnen drei Monaten, nachdem der ihr zugrunde liegende
Sachverhalt der antragsberechtigten Körperschaft beka n nt geworden ist, erhoben
werden.

§ 51

Die Einleitung und Durchführung des Verfahrens wird durch den Rücktritt des
Bundespräsidenten, durch sein Ausscheiden aus dem Amt oder durch Auflösung des
Bundestages oder den Ablauf seiner Wahlperiode nicht berührt.

§ 52

(1) Die Anklage kann bis zur Verkündung des Urteils auf Grund eines Beschlusses der
antragsteilenden Körperschaft zurückgenommen werden. Der Beschluß bedarf der
Zustimmung der Mehrheit der gesetzlichen Mitgliederzahl des Bundestages oder der
Mehrheit der Stimmen des Bundesrates.

(2) Die Anklage wird vom Präsidenten der antragsteilenden Körperschaft durch
Übersendung einer Ausfertigung des Beschlusses an das Bundesverfassungsgericht
zurückgenommen.

(3) Die Zurücknahme der Anklage wird unwirksam, wenn ihr der Bundespräsident binnen
eines Monats widerspricht.

§ 53

Das Bundesverfassungsgericht kann nach Erhebung der Anklage durch einstweilige


Anordnung bestimmen, daß der Bundespräsident an der Ausübung seines Amtes
verhindert ist.

§ 54

(1) Das Bundesverfassungsgericht kann zur Vorbereitung der mündlichen Verhandlung


eine Voruntersuchung anordnen; es muß sie anordnen, wenn der Vertreter der Anklage
oder der Bundespräsident sie beantragt.

(2) Die Durchführung der Voruntersuchung ist einem Richter des nicht zur Entscheidung in
der Hauptsache zuständigen Senats zu übertragen.

§ 55

61
(1) Das Bundesverfassungsgericht entscheidet auf Grund mündlicher Verhandlung.

(2) Zur Verhandlung ist der Bundespräsident zu laden. Dabei ist er darauf hinzuweisen,
daß ohne ihn verhandelt wird, wenn er unentschuldigt ausbleibt oder ohne ausreichenden
Grund sich vorzeitig entfernt.

(3) In der Verhandlung trägt der Beauftragte der antragsteilenden Körperschaft zunächst
die Anklage vor.

(4) Sodann erhält der Bundespräsident Gelegenheit, sich zur Anklage zu erklären.

(5) Hierauf findet die Beweiserhebung statt.

(6) Zum Schluß wird der Vertreter der Anklage mit seinem Antrag und der
Bundespräsident mit seiner Verteidigung gehört. Er hat das letzte Wort.

§ 56

(1) Das Bundesverfassungsgericht stellt im Urteil fest, ob der Bundespräsident einer


vorsätzlichen Verletzung des Grundgesetzes oder eines genau zu bezeichnenden
Bundesgesetzes schuldig ist.

(2) Im Falle der Verurteilung kann das Bundesverfassungsgericht den Bundespräsidenten


seines Amtes für verlustig erklären. Mit der Verkündung des Urteils tritt der Amtsverlust
ein.

§ 57

Eine Ausfertigung des Urteils samt Gründen ist dem Bundestag, dem Bundesrat und der
Bundesregierung zu übersenden.

Fünfter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 9

§ 58

(1) Stellt der Bundestag gegen einen Bundesrichter den Antrag nach Artikel 98 Abs. 2 des
Grundgesetzes, so sind die Vorschriften der §§ 49 bis 55 mit Ausnahme des § 49 Abs. 3
Satz 2, der §§ 50 und 52 Abs. 1 Satz 2 entsprechend anzuwenden.

62
(2) Wird dem Bundesrichter ein Verstoß im Amt vorgeworfen, so beschließt der Bundestag
nicht vor rechtskräftiger Beendigung des gerichtlichen Verfahrens oder, wenn vorher
wegen desselben Verstoßes ein förmliches Disziplinarverfahren eingeleitet worden ist,
nicht vor der Eröffnung dieses Verfahrens. Nach Ablauf von sechs Monaten seit der
rechtskräftigen Beendigung des gerichtlichen Verfahrens, in dem der Bundesrichter sich
des Verstoßes schuldig gemacht haben soll, ist der Antrag nicht mehr zulässig.

(3) Abgesehen von den Fällen des Absatzes 2 ist ein Antrag gemäß Absatz 1 nicht mehr
zulässig, wenn seit dem Verstoß zwei Jahre verflossen sind.

(4) Der Antrag wird vor dem Bundesverfassungsgericht von einem Beauftragten des
Bundestages vertreten.

§ 59

(1) Das Bundesverfassungsgericht erkennt auf eine der im Artikel 98 Abs. 2 des
Grundgesetzes vorgesehenen Maßnahmen oder auf Freispruch.

(2) Erkennt das Bundesverfassungsgericht auf Entlassung, so tritt der Amtsverlust mit der
Verkündung des Urteils ein.

(3) Wird auf Versetzung in ein anderes Amt oder in den Ruhestand erkannt, so obliegt der
Vollzug der für die Entlassung des Bundesrichters zuständigen Stelle.

(4) Eine Ausfertigung des Urteils mit Gründen ist dem Bundespräsidenten, dem Bundestag
und der Bundesregierung zu übersenden.

§ 60

Solange ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht anhängig ist, wird das wegen
desselben Sachverhalts bei einem Disziplinargericht anhängige Verfahren ausgesetzt.
Erkennt das Bundesverfassungsgericht auf Entlassung aus dem Amt oder auf Anordnung
der Versetzung in ein anderes Amt oder in den Ruhestand, so wird das
Disziplinarverfahren eingestellt; im anderen Falle wird es fortgesetzt.

§ 61

(1) Die Wiederaufnahme des Verfahrens findet nur zugunsten des Verurteilten und nur auf
seinen Antrag oder nach seinem Tode auf Antrag seines Ehegatten, Lebenspartners oder
eines seiner Abkömmlinge unter den Voraussetzungen der §§ 359 und 364 der
63
Strafprozeßordnung statt. In dem Antrag müssen der gesetzliche Grund der
Wiederaufnahme sowie die Beweismittel angegeben werden. Durch den Antrag auf
Wiederaufnahme wird die Wirksamkeit des Urteils nicht gehemmt.

(2) Über die Zulassung des Antrages entscheidet das Bundesverfassungsgericht ohne
mündliche Verhandlung. Die Vorschriften der §§ 368, 369 Abs. 1, 2 und 4 und der §§ 370
und 371 Abs. 1 bis 3 der Strafprozeßordnung gelten entsprechend.

(3) In der erneuten Hauptverhandlung ist entweder das frühere Urteil aufrechtzuerhalten
oder auf eine mildere Maßnahme oder auf Freispruch zu erkennen.

§ 62

Soweit gemäß Artikel 98 Abs. 5 Satz 2 des Grundgesetzes fortgeltendes


Landesverfassungsrecht nichts Abweichendes bestimmt, gelten die Vorschriften dieses
Abschnitts auch, wenn das Gesetz eines Landes für Landesrichter eine dem Artikel 98
Abs. 2 des Grundgesetzes entsprechende Regelung trifft.

Sechster Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 5

§ 63

Antragsteller und Antragsgegner können nur sein: der Bundespräsident, der Bundestag,
der Bundesrat, die Bundesregierung und die im Grundgesetz oder in den
Geschäftsordnungen des Bundestages und des Bundesrates mit eigenen Rechten
ausgestatteten Teile dieser Organe.

§ 64

(1) Der Antrag ist nur zulässig, wenn der Antragsteller geltend macht, daß er oder das
Organ, dem er angehört, durch eine Maßnahme oder Unterlassung des Antragsgegners in
seinen ihm durch das Grundgesetz übertragenen Rechten und Pflichten verletzt oder
unmittelbar gefährdet ist.

(2) Im Antrag ist die Bestimmung des Grundgesetzes zu bezeichnen, gegen die durch die
beanstandete Maßnahme oder Unterlassung des Antragsgegners verstoßen wird.

64
(3) Der Antrag muß binnen sechs Monaten, nachdem die beanstandete Maßnahme oder
Unterlassung dem Antragsteller bekannt geworden ist, gestellt werden.

(4) Soweit die Frist bei Inkrafttreten dieses Gesetzes verstrichen ist, kann der Antrag noch
binnen drei Monaten nach Inkrafttreten gestellt werden.

§ 65

(1) Dem Antragsteller und dem Antragsgegner können in jeder Lage des Verfahrens
andere in § 63 genannte Antragsberechtigte beitreten, wenn die Entscheidung auch für die
Abgrenzung ihrer Zuständigkeiten von Bedeutung ist.

(2) Das Bundesverfassungsgericht gibt von der Einleitung des Verfahrens dem
Bundespräsidenten, dem Bundestag, dem Bundesrat und der Bundesregierung Kenntnis.

§ 66

Das Bundesverfassungsgericht kann anhängige Verfahren verbinden und verbundene


trennen.

§ 66a

In Verfahren nach § 13 Nr. 5 in Verbindung mit § 2 Abs. 3 des


Untersuchungsausschussgesetzes sowie in Verfahren nach § 18 Abs. 3 des
Untersuchungsausschussgesetzes, auch in Verbindung mit den §§ 19 und 23 Abs. 2 des
Untersuchungsausschussgesetzes, kann das Bundesverfassungsgericht ohne mündliche
Verhandlung entscheiden. Gleiches gilt bei Anträgen gemäß § 14 des Gesetzes über die
parlamentarische Kontrolle nachrichtendienstlicher Tätigkeit des Bundes in Verbindung mit
§ 63.

§ 67

Das Bundesverfassungsgericht stellt in seiner Entscheidung fest, ob die beanstandete


Maßnahme oder Unterlassung des Antragsgegners gegen eine Bestimmung des
Grundgesetzes verstößt. Die Bestimmung ist zu bezeichnen. Das
Bundesverfassungsgericht kann in der Entscheidungsformel zugleich eine für die
Auslegung der Bestimmung des Grundgesetzes erhebliche Rechtsfrage entscheiden, von
der die Feststellung gemäß Satz 1 abhängt.

Siebenter Abschnitt
65
Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 7

§ 68

Antragsteller und Antragsgegner können nur sein:

für den Bund die Bundesregierung, für ein Land die Landesregierung.

§ 69

Die Vorschriften der §§ 64 bis 67 gelten entsprechend.

§ 70

Der Beschluß des Bundesrates nach Artikel 84 Abs. 4 Satz 1 des Grundgesetzes kann nur
binnen eines Monats nach der Beschlußfassung angefochten werden.

Achter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 8

§ 71

(1) Antragsteller und Antragsgegner können nur sein

1. bei öffentlich-rechtlichen Streitigkeiten gemäß Artikel 93 Abs. 1 Nr. 4 des


Grundgesetzes zwischen dem Bund und den Ländern:

die Bundesregierung und die Landesregierungen;

2. bei öffentlich-rechtlichen Streitigkeiten gemäß Artikel 93 Abs. 1 Nr. 4 des


Grundgesetzes zwischen den Ländern:

die Landesregierungen;

3. bei öffentlich-rechtlichen Streitigkeiten gemäß Artikel 93 Abs. 1 Nr. 4 des


Grundgesetzes innerhalb eines Landes:

die obersten Organe des Landes und die in der Landesverfassung oder in der
Geschäftsordnung eines obersten Organs des Landes mit eigenen Rechten
ausgestatteten Teile dieser Organe, wenn sie durch den Streitgegenstand in ihren
Rechten oder Zuständigkeiten unmittelbar berührt sind.

66
(2) Die Vorschrift des § 64 Abs. 3 gilt entsprechend.

§ 72

(1) Das Bundesverfassungsgericht kann in seiner Entscheidung erkennen auf

1. die Zulässigkeit oder Unzulässigkeit einer Maßnahme,

2. die Verpflichtung des Antragsgegners, eine Maßnahme zu unterlassen, rückgängig


zu machen, durchzuführen oder zu dulden,

3. die Verpflichtung, eine Leistung zu erbringen.

(2) In dem Verfahren nach § 71 Abs. 1 Nr. 3 stellt das Bundesverfassungsgericht fest, ob
die beanstandete Maßnahme oder Unterlassung des Antragsgegners gegen eine
Bestimmung der Landesverfassung verstößt. Die Vorschriften des § 67 Satz 2 und 3
gelten entsprechend.

Neunter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 10

§ 73

(1) An einer Verfassungsstreitigkeit innerhalb eines Landes können nur die obersten
Organe dieses Landes und die in der Landesverfassung oder in der Geschäftsordnung
eines obersten Organs des Landes mit eigenen Rechten ausgestatteten Teile dieser
Organe beteiligt sein.

(2) Die Vorschrift des § 64 Abs. 3 gilt entsprechend, sofern das Landesrecht nichts
anderes bestimmt.

§ 74

Bestimmt das Landesrecht nicht, welchen Inhalt und welche Wirkung die Entscheidung
des Bundesverfassungsgerichts haben kann, so gilt § 72 Abs. 2 entsprechend.

§ 75

Für das Verfahren gelten die allgemeinen Vorschriften des 11. Teiles dieses Gesetzes
entsprechend.

67
Zehnter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 6 und 6a

§ 76

(1) Der Antrag der Bundesregierung, einer Landesregierung oder eines Viertels der
Mitglieder des Bundestages gemäß Artikel 93 Abs. 1 Nr. 2 des Grundgesetzes ist nur
zulässig, wenn der Antragsteller Bundes- oder

La ndesrecht

1. wegen seiner förmlichen oder sachlichen Unvereinbarkeit mit dem Grundgesetz


oder dem sonstigen Bundesrecht für nichtig hält oder

2. für gültig hält, nachdem ein Gericht, eine Verwaltungsbehörde oder ein Organ des
Bundes oder eines Landes das Recht als unvereinbar mit dem Grundgesetz oder
sonstigem Bundesrecht nicht angewendet hat.

(2) Der Antrag des Bundesrates, einer Landesregierung oder der Volksvertretung eines
Landes gemäß Artikel 93 Abs. 1 Nr. 2a des Grundgesetzes ist nur zulässig, wenn der
Antragsteller ein Bundesgesetz wegen Nichterfüllung der Voraussetzungen des Artikels 72
Abs. 2 des Grundgesetzes für nichtig hält; der Antrag kann auch darauf gestützt werden,
daß der Antragsteller das Bundesgesetz wegen Nichterfüllung der Voraussetzungen des
Artikels 75 Abs. 2 des Grundgesetzes für nichtig hält.

§ 77

Das Bundesverfassungsgericht gibt

1. in den Fällen des § 76 Abs. 1 dem Bundestag, dem Bundesrat, der


Bundesregierung, bei Meinungsverschiedenheiten über die Gültigkeit von Bundesrecht
auch den Landesregierungen und bei Meinungsverschiedenheiten über die Gültigkeit einer
landesrechtlichen Norm der Volksvertretung und der Regierung des Landes, in dem die
Norm verkündet wurde,

2. in den Fällen des § 76 Abs. 2 dem Bundestag, dem Bundesrat, der


Bundesregierung sowie den Volksvertretungen und Regierungen der Länder

binnen einer zu bestimmenden Frist Gelegenheit zur Äußerung.

68
§ 78

Kommt das Bundesverfassungsgericht zu der Überzeugung, daß Bundesrecht mit dem


Grundgesetz oder Landesrecht mit dem Grundgesetz oder dem sonstigen Bundesrecht
unvereinbar ist, so erklärt es das Gesetz für nichtig. Sind weitere Bestimmungen des
gleichen Gesetzes aus denselben Gründen mit dem Grundgesetz oder sonstigem
Bundesrecht unvereinbar, so kann sie das Bundesverfassungsgericht gleichfalls für nichtig
erklären.

§ 79

(1) Gegen ein rechtskräftiges Strafurteil, das auf einer mit dem Grundgesetz für
unvereinbar oder nach § 78 für nichtig erklärten Norm oder auf der Auslegung einer Norm
beruht, die vom Bundesverfassungsgericht für unvereinbar mit dem Grundgesetz erklärt
worden ist, ist die Wiederaufnahme des Verfahrens nach den Vorschriften der
Strafprozeßordnung zulässig.

(2) Im übrigen bleiben vorbehaltlich der Vorschrift des § 95 Abs. 2 oder einer besonderen
gesetzlichen

Regelung die nicht mehr anfechtbaren Entscheidungen, die auf einer gemäß § 78 für
nichtig erklärten

Norm beruhen, unberührt. Die Vollstreckung aus einer solchen Entscheidung ist
unzulässig. Soweit die Zwangsvollstreckung nach den Vorschriften der Zivilprozeßordnung
durchzuführen ist, gilt die Vorschrift des § 767 der Zivilprozeßordnung entsprechend.
Ansprüche aus ungerechtfertigter Bereicherung sind ausgeschlossen.

Elfter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 11 und 11a

§ 80

(1) Sind die Voraussetzungen des Artikels 100 Abs. 1 des Grundgesetzes gegeben, so
holen die Gerichte unmittelbar die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ein.

(2) Die Begründung muß angeben, inwiefern von der Gültigkeit der Rechtsvorschrift die
Entscheidung des Gerichts abhängig ist und mit welcher übergeordneten Rechtsnorm sie
unvereinbar ist. Die Akten sind beizufügen.
69
(3) Der Antrag des Gerichts ist unabhängig von der Rüge der Nichtigkeit der
Rechtsvorschrift durch einen Prozeßbetei ligten.

§ 81

Das Bundesverfassungsgericht entscheidet nur über die Rechtsfrage.

§ 81a

Die Kammer kann durch einstimmigen Beschluß die Unzulässigkeit eines Antrages nach §
80 feststellen. Die Entscheidung bleibt dem Senat vorbehalten, wenn der Antrag von
einem Landesverfassungsgericht oder von einem obersten Gerichtshof des Bundes
gestellt wird.

§ 82

(1) Die Vorschriften der §§ 77 bis 79 gelten entsprechend.

(2) Die in § 77 genannten Verfassungsorgane können in jeder Lage des Verfahrens


beitreten.

(3) Das Bundesverfassungsgericht gibt auch den Beteiligten des Verfahrens vor dem
Gericht, das den Antrag gestellt hat, Gelegenheit zur Äußerung; es lädt sie zur mündlichen
Verhandlung und erteilt den anwesenden Prozeßbevollmächtigten das Wort.

(4) Das Bundesverfassungsgericht kann oberste Gerichtshöfe des Bundes oder oberste
Landesgerichte um

die Mitteilung ersuchen, wie und auf Grund welcher Erwägungen sie das Grundgesetz in
der streitigen Frage bisher ausgelegt haben, ob und wie sie die in ihrer Gültigkeit streitige
Rechtsvorschrift in ihrer Rechtsprechung angewandt haben und welche damit
zusammenhängenden Rechtsfragen zur Entscheidung anstehen. Es kann sie ferner
ersuchen, ihre Erwägungen zu einer für die Entscheidung erheblichen Rechtsfrage
darzulegen. Das Bundesverfassungsgericht gibt den Äußerungsberechtigten Kenntnis von
der Stellungnahme.

§ 82a

(1) Die §§ 80 bis 82 gelten vorbehaltlich der Absätze 2 und 3 sinngemäß für die
Überprüfung der Vereinbarkeit eines Beschlusses des Deutschen Bundestages zur

70
Einsetzung eines Untersuchungsausschusses mit dem Grundgesetz auf Vorlage nach §
36 Abs. 2 des Untersuchungsausschussgesetzes.

(2) Äußerungsberechtigt sind der Bundestag und die qualifizierte Minderheit nach Artikel
44 Abs. 1 des Grundgesetzes, auf deren Antrag der Einsetzungsbeschluss beruht. Ferner
kann das Bundesverfassungsgericht der Bundesregierung, dem Bundesrat,
Landesregierungen, der qualifizierten Minderheit nach § 18 Abs. 3

des Untersuchungsausschussgesetzes und Personen Gelegenheit zur Äußerung geben,


soweit sie von dem Einsetzungsbeschluss berührt sind.

(3) Das Bundesverfassungsgericht kann ohne mündliche Verhandlung entscheiden.

Zwölfter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 12

§ 83

(1) Das Bundesverfassungsgericht stellt in den Fällen des Artikels 100 Abs. 2 des
Grundgesetzes in seiner Entscheidung fest, ob die Regel des Völkerrechts Bestandteil des
Bundesrechts ist und ob sie unmittelbar Rechte und Pflichten für den einzelnen erzeugt.

(2) Das Bundesverfassungsgericht hat vorher dem Bundestag, dem Bundesrat und der
Bundesregierung Gelegenheit zur Äußerung binnen einer zu bestimmenden Frist zu
geben. Sie können in jeder Lage des Verfahrens beitreten.

§ 84

Die Vorschriften der §§ 80 und 82 Abs. 3 gelten entsprechend.

Dreizehnter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 13

§ 85

(1) Ist die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts gemäß Artikel 100 Abs. 3 Satz 1
des Grundgesetzes einzuholen, so legt das Verfassungsgericht des Landes unter
Darlegung seiner Rechtsauffassung die Akten vor.

71
(2) Das Bundesverfassungsgericht gibt dem Bundesrat, der Bundesregierung und, wenn
es von einer Entscheidung des Verfassungsgerichts eines Landes abweichen will, diesem
Gericht Gelegenheit zur Äußerung binnen einer zu bestimmenden Frist.

(3) Das Bundesverfassungsgericht entscheidet nur über die Rechtsfrage.

Vierzehnter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 14

§ 86

(1) Antragsberechtigt sind der Bundestag, der Bundesrat, die Bundesregierung und die
Landesregierungen.

(2) Wenn in einem gerichtlichen Verfahren streitig und erheblich ist, ob ein Gesetz als
Bundesrecht fortgilt, so hat das Gericht in sinngemäßer Anwendung des § 80 die
Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts einzuholen.

§ 87

(1) Der Antrag des Bundesrates, der Bundesregierung oder einer Landesregierung ist nur
zulässig, wenn von der Entscheidung die Zulässigkeit einer bereits vollzogenen oder
unmittelbar bevorstehenden Maßnahme eines Bundesorgans, einer Bundesbehörde oder
des Organs oder der Behörde eines Landes abhängig ist.

(2) Aus der Begründung des Antrags muß sich das Vorliegen der in Absatz 1
bezeichneten Voraussetzung ergeben.

§ 88

Die Vorschrift des § 82 gilt entsprechend.

§ 89

Das Bundesverfassungsgericht spricht aus, ob das Gesetz ganz oder teilweise in dem
gesamten Bundesgebiet oder einem bestimmten Teil des Bundesgebiets als Bundesrecht
fortgilt.

Fünfzehnter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 8a


72
§ 90

(1) Jedermann kann mit der Behauptung, durch die öffentliche Gewalt in einem seiner
Grundrechte oder in einem seiner in Artikel 20 Abs. 4, Artikel 33, 38, 101, 103 und 104 des
Grundgesetzes enthaltenen Rechte verletzt zu sein, die Verfassungsbeschwerde zum
Bundesverfassungsgericht erheben.

(2) Ist gegen die Verletzung der Rechtsweg zulässig, so kann die Verfassungsbeschwerde
erst nach Erschöpfung des Rechtswegs erhoben werden. Das Bundesverfassungsgericht
kann jedoch über eine vor Erschöpfung des Rechtswegs eingelegte
Verfassungsbeschwerde sofort entscheiden, wenn sie von allgemeiner Bedeutung ist oder
wenn dem Beschwerdeführer ein schwerer und unabwendbarer Nachteil entstünde, falls
er zunächst auf den Rechtsweg verwiesen würde.

(3) Das Recht, eine Verfassungsbeschwerde an das Landesverfassungsgericht nach dem


Recht der Landesverfassung zu erheben, bleibt unberührt.

§ 91

Gemeinden und Gemeindeverbände können die Verfassungsbeschwerde mit der


Behauptung erheben,

daß ein Gesetz des Bundes oder des Landes die Vorschrift des Artikels 28 des
Grundgesetzes verletzt. Die Verfassungsbeschwerde zum Bundesverfassungsgericht ist
ausgeschlossen, soweit eine Beschwerde wegen Verletzung des Rechtes auf
Selbstverwaltung nach dem Rechte des Landes beim Landesverfassungsgericht erhoben
werden kann.

§ 91a (weggefallen) § 92

In der Begründung der Beschwerde sind das Recht, das verletzt sein soll, und die
Handlung oder Unterlassung des Organs oder der Behörde, durch die der
Beschwerdeführer sich verletzt fühlt, zu bezeichnen.

§ 93

(1) Die Verfassungsbeschwerde ist binnen eines Monats zu erheben und zu begründen.
Die Frist beginnt mit der Zustellung oder formlosen Mitteilung der in vollständiger Form
abgefaßten Entscheidung, wenn diese nach den maßgebenden verfahrensrechtlichen

73
Vorschriften von Amts wegen vorzunehmen ist. In anderen Fällen beginnt die Frist mit der
Verkündung der Entscheidung oder, wenn diese nicht zu verkünden ist, mit ihrer sonstigen
Bekanntgabe an den Beschwerdeführer; wird dabei dem Beschwerdeführer eine Abschrift
der Entscheidung in vollständiger Form nicht erteilt, so wird die Frist des Satzes 1 dadurch
unterbrochen, daß der Beschwerdeführer schriftlich oder zu Protokoll der Geschäftsstelle
die Erteilung einer in vollständiger Form abgefaßten Entscheidung beantragt. Die
Unterbrechung dauert fort, bis die Entscheidung in vollständiger Form dem
Beschwerdeführer von dem Gericht erteilt oder von Amts wegen oder von einem an dem
Verfahren Beteiligten zugestellt wird.

(2) War ein Beschwerdeführer ohne Verschulden verhindert, diese Frist einzuhalten, ist
ihm auf Antrag Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren. Der Antrag ist
binnen zwei Wochen nach Wegfall des Hindernisses zu stellen. Die Tatsachen zur
Begründung des Antrags sind bei der Antragsteilung oder im Verfahren über den Antrag
glaubhaft zu machen. Innerhalb der Antragsfrist ist die versäumte Rechtshandlung
nachzuholen; ist dies geschehen, kann die Wiedereinsetzung auch ohne Antrag gewährt
werden. Nach einem Jahr seit dem Ende der versäumten Frist ist der Antrag unzulässig.
Das Verschulden des Bevollmächtigten steht dem Verschulden eines Beschwerdeführers
gleich.

(3) Richtet sich die Verfassungsbeschwerde gegen ein Gesetz oder gegen einen
sonstigen Hoheitsakt, gegen den ein Rechtsweg nicht offensteht, so kann die
Verfassungsbeschwerde nur binnen eines Jahres seit dem Inkrafttreten des Gesetzes
oder dem Erlaß des Hoheitsaktes erhoben werden.

(4) Ist ein Gesetz vor dem 1. April 1951 in Kraft getreten, so kann die
Verfassungsbeschwerde bis zum 1. April 1952 erhoben werden.

§ 93a

(1) Die Verfassungsbeschwerde bedarf der Annahme zur Entscheidung.

(2) Sie ist zur Entscheidung anzunehmen,

a) soweit ihr grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung zukommt,

74
b) wenn es zur Durchsetzung der in § 90 Abs. 1 genannten Rechte angezeigt ist; dies
kann auch der Fall sein, wenn dem Beschwerdeführer durch die Versagung der
Entscheidung zur Sache ein besonders schwerer Nachteil entsteht.

§ 93b

Die Kammer kann die Annahme der Verfassungsbeschwerde ablehnen oder die
Verfassungsbeschwerde im Falle des § 93c zur Entscheidung annehmen. Im übrigen
entscheidet der Senat über die Annahme.

§ 93c

(1) Liegen die Voraussetzungen des § 93a Abs. 2 Buchstabe b vor und ist die für die
Beurteilung der Verfassungsbeschwerde ma ßgebl iche verfassu ngsrechtl iche Frage du
rch das Bu ndesverfassu ngsgericht bereits entschieden, kann die Kammer der
Verfassungsbeschwerde stattgeben, wenn sie offensichtlich begründet ist. Der Beschluß
steht einer Entscheidung des Senats gleich. Eine Entscheidung, die mit der Wirkung des §
31 Abs. 2 ausspricht, daß ein Gesetz mit dem Grundgesetz oder sonstigem Bundesrecht
unvereinbar oder nichtig ist, bleibt dem Senat vorbehalten.

(2) Auf das Verfahren finden § 94 Abs. 2 und 3 und § 95 Abs. 1 und 2 Anwendung. § 93d

(1) Die Entscheidung nach § 93b und § 93c ergeht ohne mündliche Verhandlung. Sie ist
unanfechtbar. Die Ablehnung der Annahme der Verfassungsbeschwerde bedarf keiner
Begründung.

(2) Solange und soweit der Senat nicht über die Annahme der Verfassungsbeschwerde
entschieden hat, kann die Kammer alle das Verfassungsbeschwerdeverfahren
betreffenden Entscheidungen erlassen. Eine einstweilige Anordnung, mit der die
Anwendung eines Gesetzes ganz oder teilweise ausgesetzt wird, kann nur der Senat
treffen; § 32 Abs. 7 bleibt unberührt. Der Senat entscheidet auch in den Fällen des § 32
Abs. 3.

(3) Die Entscheidungen der Kammer ergehen durch einstimmigen Beschluß. Die
Annahme durch den Senat ist beschlossen, wenn mindestens drei Richter ihr zustimmen.

§ 94

75
(1) Das Bundesverfassungsgericht gibt dem Verfassungsorgan des Bundes oder des
Landes, dessen Handlung oder Unterlassung in der Verfassungsbeschwerde beanstandet
wird, Gelegenheit, sich binnen einer zu bestimmenden Frist zu äußern.

(2) Ging die Handlung oder Unterlassung von einem Minister oder einer Behörde des
Bundes oder des Landes aus, so ist dem zuständigen Minister Gelegenheit zur Äußerung
zu geben.

(3) Richtet sich die Verfassungsbeschwerde gegen eine gerichtliche Entscheidung, so gibt
das Bundesverfassungsgericht auch dem durch die Entscheidung Begünstigten
Gelegenheit zur Äußerung.

(4) Richtet sich die Verfassungsbeschwerde unmittelbar oder mittelbar gegen ein Gesetz,
so ist § 77 entsprechend anzuwenden.

(5) Die in den Absätzen 1, 2 und 4 genannten Verfassungsorgane können dem Verfahren
beitreten. Das Bundesverfassungsgericht kann von mündlicher Verhandlung absehen,
wenn von ihr keine weitere Förderung des Verfahrens zu erwarten ist und die zur
Äußerung berechtigten Verfassungsorgane, die dem Verfahren beigetreten sind, auf
mündliche Verhandlung verzichten.

§ 95

(1) Wird der Verfassungsbeschwerde stattgegeben, so ist in der Entscheidung


festzustellen, welche Vorschrift des Grundgesetzes und durch welche Handlung oder
Unterlassung sie verletzt wurde. Das Bundesverfassungsgericht kann zugleich
aussprechen, daß auch jede Wiederholung der beanstandeten Maßnahme das
Grundgesetz verletzt.

(2) Wird der Verfassungsbeschwerde gegen eine Entscheidung stattgegeben, so hebt das
Bundesverfassungsgericht die Entscheidung auf, in den Fällen des § 90 Abs. 2 Satz 1
verweist es die Sache an ein zuständiges Gericht zurück.

(3) Wird der Verfassungsbeschwerde gegen ein Gesetz stattgegeben, so ist das Gesetz
für nichtig zu erklären. Das gleiche gilt, wenn der Verfassungsbeschwerde gemäß Absatz
2 stattgegeben wird, weil die aufgehobene Entscheidung auf einem verfassungswidrigen
Gesetz beruht. Die Vorschrift des § 79 gilt entsprechend.

§ 95a (weggefallen)
76
Sechzehnter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 6b

§ 96

(1) Aus der Begründung eines Antrags nach Artikel 93 Abs. 2 Satz 1 des Grundgesetzes
muss sich das Vorliegen der in Artikel 93 Abs. 2 Satz 3 des Grundgesetzes bezeichneten
Voraussetzung ergeben.

(2) Das Bundesverfassungsgericht gibt den anderen Antragsberechtigten sowie dem


Bundestag und der Bundesregierung binnen einer zu bestimmenden Frist Gelegenheit zur
Äußerung.

(3) Ein Äußerungsberechtigter nach Absatz 2 kann in jeder Lage des Verfahrens beitreten.

Siebzehnter Abschnitt

Verfahren in den Fällen des § 13 Nummer 3a

§ 96a

(1) Beschwerdeberechtigt sind Vereinigungen und Parteien, denen die Anerkennung als
wahlvorschlagsberechtigte Partei nach § 18 Absatz 4 des Bundeswahlgesetzes versagt
wurde.

(2) Die Beschwerde ist binnen einer Frist von vier Tagen nach Bekanntgabe der
Entscheidung in der Sitzung des Bundeswahlausschusses nach § 18 Absatz 4 Satz 2 des
Bundeswahlgesetzes zu erheben und zu begründen.

(3) § 32 findet keine Anwendung. § 96b

Dem Bundeswahlausschuss ist Gelegenheit zur Äußerung zu geben.

§ 96c

Das Bundesverfassungsgericht kann ohne Durchführung einer mündlichen Verhandlung


entscheiden.

§ 96d

77
Das Bundesverfassungsgericht kann seine Entscheidung ohne Begründung
bekanntgeben. In diesem Fall ist die Begründung der Beschwerdeführerin und dem
Bundeswahlausschuss gesondert zu übermitteln.

78
7.4 Verzögerungsbeschwerde

§ 97a

(1) Wer infolge unangemessener Dauer eines Verfahrens vor dem


Bundesverfassungsgericht

als Verfahrensbeteiligter oder als Beteiligter in einem zur Herbeiführung einer


Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ausgesetzten Verfahren einen Nachteil
erleidet, wird angemessen entschädigt. Die Angemessenheit der Verfahrensdauer richtet
sich nach den Umständen des Einzelfalles unter Berücksichtigung der Aufgaben und der
Stellung des Bundesverfassungsgerichts.

(2) Ein Nachteil, der nicht Vermögensnachteil ist, wird vermutet, wenn ein Verfahren vor
dem Bundesverfassungsgericht unangemessen lange gedauert hat. Hierfür kann
Entschädigung nur beansprucht werden, soweit nicht nach den Umständen des
Einzelfalles Wiedergutmachung auf andere Weise, insbesondere durch die Feststellung
der Unangemessenheit der Verfahrensdauer, ausreichend ist. Die Entschädigung gemäß
Satz 2 beträgt 1 200 Euro für jedes Jahr der Verzögerung. Ist der Betrag gemäß Satz 3
nach den Umständen des Einzelfalles unbillig, kann das Bundesverfassungsgericht einen
höheren oder niedrigeren Betrag festsetzen.

§ 97b

(1) Über Entschädigung und Wiedergutmachung wird auf Grund einer Beschwerde zum
Bundesverfassungsgericht entschieden (Verzögerungsbeschwerde). Die
Verzögerungsbeschwerde ist nur zulässig, wenn der Beschwerdeführer beim
Bundesverfassungsgericht die Dauer des Verfahrens gerügt

hat (Verzögerungsrüge). Die Verzögerungsrüge ist schriftlich und unter Darlegung der
Umstände, die die Unangemessenheit der Verfahrensdauer begründen, einzulegen. Sie ist
frühestens zwölf Monate nach Eingang des Verfahrens beim Bundesverfassungsgericht
zulässig. Einer Bescheidung der Verzögerungsrüge bedarf es nicht.

79
(2) Die Verzögerungsbeschwerde kann frühestens sechs Monate nach Erheben einer
Verzögerungsrüge erhoben werden; ist eine Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts ergangen oder das Verfahren anderweitig erledigt worden, ist
die Verzögerungsbeschwerde binnen drei Monaten zu erheben. Sie ist schriftlich
einzulegen und gleichzeitig zu begründen. Bis zur rechtskräftigen Entscheidung über die
Verzögerungsbeschwerde ist der Anspruch nicht übertrag ba r.

§ 97c

(1) Über die Verzögerungsbeschwerde entscheidet die Beschwerdekammer, in die das


Plenum zwei Richter aus jedem Senat beruft. Die regelmäßige Amtszeit beträgt zwei
Jahre.

(2) Für den Fall, dass der Berichterstatter des beanstandeten Verfahrens Mitglied der
Beschwerdekammer ist, ist er von der Mitwirkung am Beschwerdeverfahren
ausgeschlossen.

(3) Das Nähere, insbesondere die Bestimmung des Vorsitzes und die Gewährleistung
eines kontinuierlichen Nachrückens für ausscheidende Kammermitglieder sowie die
Vertretung in der Kammer, regelt die Geschäftsordnung.

§ 97d

(1) Der Berichterstatter des beanstandeten Verfahrens soll binnen eines Monats nach
Eingang der Begründung der Verzögerungsbeschwerde eine Stellungnahme vorlegen.

(2) Die Beschwerdekammer entscheidet mit Mehr-heit. Bei Stimmengleichheit gilt die
Verzögerungsbeschwerde als zurückgewiesen. Die Beschwerdekammer entscheidet ohne
mündliche Verhandlung. Der Beschluss über die Verzögerungsbeschwerde bedarf keiner
Begründung.

(3) Die Entscheidung ist unanfechtbar. § 97e

Die §§ 97a bis 97d gelten auch für Verfahren, die am 3. Dezember 2011 bereits anhängig
waren, sowie

für abgeschlossene Verfahren, deren Dauer am 3. Dezember 2011 Gegenstand einer


Beschwerde

80
beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ist oder noch werden kann. Für
abgeschlossene

Verfahren nach Satz 1 gilt § 97b Absatz 1 Satz 2 bis 5 nicht; § 97b Absatz 2 gilt mit der
Maßgabe, dass die Verzögerungsbeschwerde sofort erhoben werden kann und
spätestens am 3. März 2012 erhoben werden muss.

81
7.5 Schlußvorschriften

§ 98

(1) Ein Richter des Bundesverfassungsgerichts tritt mit Ablauf der Amtszeit (§ 4 Abs. 1, 3
und 4) in den Ruhestand.

(2) Ein Richter des Bundesverfassungsgerichts ist bei dauernder Dienstunfähigkeit in den
Ruhestand zu versetzen.

(3) Ein Richter des Bundesverfassungsgerichts ist auf Antrag ohne Nachweis der
Dienstunfähigkeit in den Ruhestand zu versetzen, wenn er sein Amt als Richter des
Bundesverfassungsgerichts wenigstens sechs Jahre bekleidet hat und wenn er

1. das 65. Lebensjahr vollendet hat oder

2. schwerbehinderter Mensch im Sinne des § 2 des Neunten Buches


Sozialgesetzbuch ist und das 60. Lebensjahr vollendet hat.

(4) In den Fällen des Absatzes 3 gilt § 4 Abs. 4 sinngemäß.

(5) Ein Richter im Ruhestand erhält Ruhegehalt. Das Ruhegehalt wird auf der Grundlage
der Bezüge berechnet, die dem Richter nach dem Gesetz über das Amtsgehalt der
Mitglieder des Bundesverfassungsgerichts zuletzt zugestanden haben. Entsprechendes
gilt für die Hinterbliebenenversorgung.

(6) § 70 des Beamtenversorgungsgesetzes gilt entsprechend. § 99 (weggefallen)

§ 100

(1) Endet das Amt eines Richters des Bundesverfassungsgerichts nach § 12, so erhält er,
wenn er sein Amts wenigstens zwei Jahre bekleidet hat, für die Dauer eines Jahres ein
Übergangsgeld in Höhe seiner Bezüge nach Maßgabe des Gesetzes über das Amtsgehalt
der Mitglieder des Bundesverfassungsgerichts. Dies gilt nicht für den Fall des Eintritts in
den Ruhestand nach § 98.

(2) Die Hinterbliebenen eines früheren Richters des Bundesverfassungsgerichts, der zur
Zeit seines Todes Übergangsgeld bezog, erhalten Sterbegeld sowie für den Rest der

82
Bezugsdauer des Übergangsgeldes Witwenund Waisengeld; Sterbegeld, Witwen- und
Waisengeld werden aus dem Übergangsgeld berechnet.

§ 101

(1) Ein zum Richter des Bundesverfassungsgerichts gewählter Beamter oder Richter
scheidet vorbehaltlich der Vorschrift des § 70 des Deutschen Richtergesetzes mit der
Ernennung aus seinem bisherigen Amt aus. Für die Dauer des Amtes als Richter des
Bundesverfassungsgerichts ruhen die in dem Dienstverhältnis als Beamter oder Richter
begründeten Rechte und Pflichten. Bei unfallverletzten Beamten oder Richtern bleibt der
Anspruch auf das Heilverfahren unberührt.

(2) Endet das Amt als Richter des Bundesverfassungsgerichts, so tritt der Beamte oder
Richter, wenn ihm kein anderes Amt übertragen wird, aus seinem Dienstverhältnis als
Beamter oder Richter in den Ruhestand und erhält das Ruhegehalt, das er in seinem
früheren Amt unter Hinzurechnung der Dienstzeit als Richter des
Bundesverfassungsgerichts erhalten hätte. Soweit es sich um Beamte oder Richter
handelt, die nicht Bundesbeamte oder Bundesrichter sind, erstattet der Bund dem
Dienstherrn das Ruhegehalt sowie die Hinterbliebenen bezüge.

(3) Die Absätze 1 und 2 gelten nicht für beamtete Lehrer des Rechts an einer deutschen
Hochschule. Für

die Dauer ihres Amtes als Richter am Bundesverfassungsgericht ruhen grundsätzlich ihre
Pflichten aus dem Dienstverhältnis als Hochschullehrer. Von den Dienstbezügen aus dem
Dienstverhältnis als Hochschullehrer werden zwei Drittel auf die ihnen als Richter des
Bundesverfassungsgerichts zustehenden Bezüge angerechnet. Der Bund erstattet dem
Dienstherrn des Hochschullehrers die durch seine Vertretung erwachsenden tatsächlichen
Ausgaben bis zur Höhe der angerechneten Beträge.

§ 102

(1) Steht einem früheren Richter des Bundesverfassungsgerichts ein Anspruch auf
Ruhegehalt nach § 101 zu, so ruht dieser Anspruch für den Zeitraum, für den ihm
Ruhegehalt oder Übergangsgeld nach § 98 oder § 100 zu zahlen ist, bis zur Höhe des
Betrages dieser Bezüge.

83
(2) Wird ein früherer Richter des Bundesverfassungsgerichts, der Übergangsgeld nach §
100 bezieht, im öffentlichen Dienst wiederverwendet, so wird das Einkommen aus dieser
Verwendung auf das Übergangsgeld a ngerech net.

(3) Bezieht ein früherer Richter des Bundesverfassungsgerichts Dienstbezüge,


Emeritenbezüge oder Ruhegehalt aus einem vor oder während seiner Amtszeit als
Bundesverfassungsrichter begründeten Dienstverhältnis als Hochschullehrer, so ruhen
neben den Dienstbezügen das Ruhegeld oder das Übergangsgeld aus dem Richteramt
insoweit, als sie zusammen das um den nach § 101 Abs. 3 Satz 3 anrechnungsfreien
Betrag erhöhte Amtsgehalt übersteigen; neben den Emeritenbezügen oder dem
Ruhegehalt aus dem Dienstverhältnis als Hochschullehrer werden das Ruhegehalt oder
das Übergangsgeld aus dem Richteramt bis zur Erreichung des Ruhegehalts gewährt, das
sich unter Zugrundelegung der gesamten ruhegehaltfähigen Dienstzeit und des
Amtsgehalts zuzüglich des anrechnungsfreien Betrages nach § 101 Abs. 3 Satz 3 ergibt.

(4) Die Absätze 1 bis 3 gelten entsprechend für die Hinterbliebenen. § 54 Abs. 3 und Abs.
4 Satz 2 des Bea mtenversorgu ngsgesetzes gilt sin ngemä ß.

§ 103

Soweit in den §§ 98 bis 102 nichts anderes bestimmt ist, finden auf die Richter des
Bundesverfassungsgerichts die für Bundesrichter geltenden versorgungsrechtlichen und
beihilferechtlichen Vorschriften Anwendung; Zeiten einer Tätigkeit, die für die
Wahrnehmung des Amts des Richters des Bundesverfassungsgerichts dienlich ist, sind
Zeiten im Sinne des § 11 Abs. 1 Nr. 3 Buchstabe ades Beamtenversorgungsgesetzes. Die
versorgungsrechtlichen Entscheidungen trifft der Präsident des
Bundesverfassungsgerichts.

§ 104

(1) Wird ein Rechtsanwalt zum Richter am Bundesverfassungsgericht ernannt, so ruhen


seine Rechte aus der Zulassung für die Dauer seines Amtes.

(2) Wird ein Notar zum Richter am Bundesverfassungsgericht ernannt, so gilt § 101 Abs. 1
Satz 2 entsprechend.

§ 105

(1) Das Bundesverfassungsgericht kann den Bundespräsidenten ermächtigen,


84
1. wegen dauernder Dienstunfähigkeit einen Richter des Bundesverfassungsgerichts
in den Ruhestand zu versetzen;

2. einen Richter des Bundesverfassungsgerichts zu entlassen, wenn er wegen einer


entehrenden Handlung oder zu einer Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten
rechtskräftig verurteilt worden ist oder wenn er sich einer so groben Pflichtverletzung
schuldig gemacht hat, daß sein Verbleiben im Amt ausgeschlossen ist.

(2) Über die Einleitung des Verfahrens nach Absatz 1 entscheidet das Plenum des
Bundesverfassungsgerichts.

(3) Die allgemeinen Verfahrensvorschriften sowie die Vorschriften des § 54 Abs. 1 und §
55 Abs. 1,2,4 bis 6 gelten entsprechend.

(4) Die Ermächtigung nach Absatz 1 bedarf der Zustimmung von zwei Dritteln der
Mitglieder des Gerichts.

(5) Nach Einleitung des Verfahrens gemäß Absatz 2 kann das Plenum des
Bundesverfassungsgerichts den Richter vorläufig seines Amtes entheben. Das gleiche gilt,
wenn gegen den Richter wegen einer Straftat das Hauptverfahren eröffnet worden ist. Die
vorläufige Enthebung vom Amt bedarf der Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder des
Gerichts.

(6) Mit der Entlassung nach Absatz 1 Nr. 2 verliert der Richter alle Ansprüche aus seinem
Amt. § 106 (weggefallen)

§ 107 (weggefallen)

85
8 Geschäftsordnung des Bundesverfassungsgerichts 2014

Vorschriften zur Organisation und Verwaltung des Bundesverfassungsgerichts §1

(1) Plenum und Präsident arbeiten zur Erfüllung der Aufgaben des Gerichts zusammen.

(2) Das Plenum berät und beschließt über die Aufstellung des Haushaltsplanes des
Gerichts, über alle die Mitglieder des Gerichts, ihren Status und ihre Arbeitsbedingungen
unmittelbar betreffenden Fragen sowie erforderlichenfalls über allgemeine Grundsätze für
die Verwaltung des Gerichts.

(3) Der Präsident nimmt die ihm nach den Gesetzen zustehenden Befugnisse wahr und
führt die Beschlüsse des Plenums in dessen Auftrag aus. Er leitet die Verwaltung des
Gerichts; Fragen von grundsätzlicher Bedeutung wird er mit dem Plenum beraten.

§2

(1) Das Plenum wird vom Präsidenten nach Bedarf, mindestens jedoch einmal im
Frühjahr und im Herbst einberufen.

(2) Das Plenum wird unverzüglich einberufen, wenn es der Vizepräsident, ein Ausschuss
oder mindestens drei Richterinnen und Richter unter Angabe des Beratungsgegenstandes
beantragen.

(3) Zwischen Einladung und Sitzung sollen wenigstens vier Tage liegen.

(4) Das Plenum ist beschlussfähig, wenn zwei Drittel der Mitglieder anwesend sind.

(5) Der Einladung sind die Tagesordnung und, soweit nötig, die zur Beratung
erforderlichen Unterlagen beizufügen.

(6) Der Präsident setzt jeden von einem Mitglied des Gerichts spätestens am dritten Tag
vor der Sitzung angemeldeten Beratungsgegenstand auf die Tagesordnung. Das Plenum
kann, wenn niemand widerspricht, weitere Beratungsgegenstände auf die Tagesordnung
setzen. Ein Beratungsgegenstand, den der Präsident, der Vizepräsident, ein Ausschuss

86
oder mindestens drei Richterinnen und Richter eingebracht haben, darf von der
Tagesordnung nicht abgesetzt werden. Im Übrigen beschließt das Plenum zu Beginn
seiner Sitzung über die Tagesord nu ng.

(7) Der Präsident leitet die Sitzung. Über ihren Verlauf wird ein Protokoll erstellt, das den
Mitgliedern des Gerichts unverzüglich zugeleitet wird.

§3

(1) Das Plenum bildet folgende ständige Ausschüsse:

a) einen Geschäftsordnungsausschuss,

b) einen Protokollausschuss,

c) einen Haushalts- und Personalausschuss,

d) einen Bibliotheksausschuss.

Nach Bedarf können weitere Ausschüsse gebildet werden.

(2) Den ständigen Ausschüssen gehören zwei Richterinnen und Richter aus jedem Senat
an, den Ausschüssen nach Absatz 1 Buchstabe abis c außerdem der Präsident und der
Vizepräsident.

(3) Das Plenum bestellt für zwei Geschäftsjahre die Mitglieder der Ausschüsse und ihre
Stellvertretung.

(4) Der Präsident führt bei Mitwirkung in einem Ausschuss den Vorsitz. Die übrigen
Ausschüsse wählen Vorsitzende aus ihrer Mitte.

(5) Jedes Mitglied des Ausschusses kann dessen Einberufung unter Angabe des
Beratungsgegenstandes beantragen. Die Vorsitzenden müssen den Ausschuss
unverzüglich einberufen.

(6) Der Ausschuss ist beschlussfähig, wenn mehr als die Hälfte seiner Mitglieder
anwesend ist.

(7) Die ständigen Ausschüsse erledigen ihre Angelegenheiten an Stelle des Plenums,
soweit nicht das Plenum im Einzelfall die Entscheidung an sich zieht oder der Ausschuss
die Entscheidung des Plenums für erforderlich hält. Das Plenum kann einen Ausschuss für

87
die Behandlung einer Angelegenheit an seine Beschlüsse binden. Es kann einem
ständigen Ausschuss eine Angelegenheit zur Vorbereitung der Beratung und
Beschlussfassung im Plenum zuweisen.

(8) Die Vorsitzenden berichten mindestens einmal im Jahr dem Plenum über die Arbeit der
Ausschüsse.

§4

Innerhalb des Gerichts wird der Präsident vom Vizepräsidenten und dieser von dem
dienstältesten, bei gleichem Dienstalter von dem lebensältesten anwesenden Mitglied des
Gerichts vertreten.

§5

(1) Der Präsident vertritt das Gericht nach außen. Die Vertretung übernimmt im Fall der
Verhinderung der Vizepräsident und bei dessen Verhinderung das dienstälteste, bei
gleichem Dienstalter das lebensälteste anwesende Mitglied des Gerichts.

(2) Die Darlegung von Auffassungen des Gerichts und die Wahrnehmung seiner
Interessen gegenüber dem Bundespräsidenten, dem Bundestag, dem Bundesrat, der
Bundesregierung sowie deren Ausschüssen obliegt dem Präsidenten im Benehmen mit
dem Vizepräsidenten. Sie können von anderen Richterinnen und Richtern vertreten oder
unterstützt werden.

§6

Der Präsident übt das Hausrecht aus. Es kann durch Verfügung delegiert werden.

§7

(1) Die Mitglieder des Gerichts werden über alle wichtigen, das Gericht berührenden
Vorgänge unterrichtet.

(2) Bei Einladungen an das Gericht entscheidet in der Regel der Protokollausschuss, ob
und durch wen sie wahrgenommen werden. Soweit der Präsident an seiner Stelle
entscheidet, ist der Protokollausschuss zu unterrichten.

(3) Für Besuche beim Gericht gilt Entsprechendes.

§8
88
Das Dienstalter eines Mitglieds des Gerichts bestimmt sich vom Tage der Vereidigung als
Richterin oder Richter des Bundesverfassungsgerichts an. Bei gleichem Dienstalter
entscheidet das Lebensalter.

§9

Soweit in Gesetzen, die auf die Mitglieder des Gerichts entsprechend anzuwenden sind,
Verwaltungsentscheidungen den Vorgesetzten, den Dienstvorgesetzten oder der
Behördenleitung zugewiesen sind, trifft sie der Präsident.

§ 10

Dienstreisen von Richterinnen und Richtern sind dem Präsidenten anzuzeigen. Die
Gegenzeichnung macht kenntlich, dass gegen die Behandlung der Reise als Dienstreise
keine Einwendungen bestehen. Die Teilnahme an Fachtagungen im Inland gilt immer als
Dienstreise.

§ 11

Urlaub der Richterinnen und Richter ist ebenso wie Krankheit und Ortsabwesenheit von
längerer Dauer als einer Woche rechtzeitig vorher dem Präsidenten und dem oder der
Vorsitzenden ihres Senats anzuzeigen. Es ist eine Anschrift zu hinterlassen oder sonst die
Erreichbarkeit zu sichern.

§ 12

(1) Der Direktor und die Abteilungsleitung .justlzverwaltunq" unterstützen insbesondere die
Vorsitzenden der Senate bei der Erledigung der Senatsgeschäfte.

(2) Sie müssen die Befähigung zum Richteramt haben und sind in Senatsangelegenheiten
ausschließlich an die Weisung der Vorsitzenden gebunden.

§ 13

(1) Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen das Mitglied des
Gerichts, dem sie zugewiesen sind, bei dessen dienstlicher Tätigkeit. Sie sind dabei an
dessen Weisungen gebunden.

89
(2) Die Richterinnen und Richter sind berechtigt, ihre wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter selbst auszuwählen. Ihnen obliegt die dienstliche Beurteilung; die
Vorsitzenden der Senate können eine eigene Beurteilung beifügen.

§ 14

(1) Die Verteilung der Verwaltungsgeschäfte regelt der Präsident. Bestimmte Geschäfte
können dem Direktor allgemein zur selbständigen Erledigung übertragen werden.

(2) Die Mitglieder des Gerichts betreffende Verwaltungsentscheidungen, die nicht einfache
Geschäfte der laufenden Verwaltung sind, trifft der Präsident selbst.

§ 15

(1) Der Direktor handelt als Verwaltungsleitung im Auftrag des Präsidenten. Das Nähere
regelt eine Verfügung des Präsidenten.

(2) Vorbereitende Gespräche oder Verhandlungen, die Angehörige der Verwaltung mit
gesetzgebenden Körperschaften oder Ministerien führen, haben sich im Rahmen der
vorher im Plenum oder in einem seiner Ausschüsse festgelegten Richtlinien zu halten oder
sind, soweit solche nicht bestehen, nach Weisung des Präsidenten zu führen.

§ 16

Der Posteinlauf wird dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten vorgelegt, soweit diese
nichts anderes bestimmen. Wer von ihnen zur Auszeichnung von Verfahrenspost und von
im Allgemeinen Register zu erfassenden Vorgängen berufen wird, muss die Befähigung
zum Richteramt haben.

§ 17

(1) Amtliche Informationen des Gerichts werden von der Pressestelle veröffentlicht.

(2) Amtliche Informationen an die Medien aus dem Bereich eines Senates bedürfen der
Zustimmung des oder der Vorsitzenden.

(3) Die Medienarbeit des Gerichts wird durch die Pressestelle koordiniert.

§ 18

90
Bei der Bibliothek des Gerichts wird ein Archiv eingerichtet, in dem alle das Gericht
berührenden Materialien gesammelt werden.

§ 19

Soweit sich aus der Stellung des Gerichts als eines obersten kollegialen
Verfassungsorgans,

dem Bundesverfassungsgerichtsgesetz und dem Gesetz über das Amtsgehalt der


Mitglieder des Bundesverfassungsgerichts, aus dieser Geschäftsordnung oder den vom
Gericht erlassenen besonderen Verwaltungsvorschriften nichts anderes ergibt, gelten die
allgemeinen Verwaltungsvorschriften für die obersten Bundesbehörden.

Verfahrensergänzende Vorschriften

Titel 1

Zum Verfahren im Allgemeinen

§ 20

(1) Der Senat beschließt vor Beginn eines Geschäftsjahres mit Wirkung vom Beginn
dieses Geschäftsjahres an, nach welchen Grundsätzen die verfahrenseinleitenden
Anträge auf die Mitglieder des Gerichts einschließlich der Vorsitzenden zur
Berichterstattung zu verteilen sind. Von diesen Grundsätzen kann während des
Geschäftsjahres nur abgewichen werden, wenn dies wegen Überlastung oder längerer
Verhinderung eines Mitglieds des Gerichts nötig wird.

(2) Der oder die Vorsitzende stellt fest, wer für die Berichterstattung zuständig ist. In
Zweifelsfällen werden die betroffenen Mitglieder des Senats vor der Zuweisung angehört.
Bei Meinungsverschiedenheiten entscheidet grundsätzlich der Senat. Der oder die
Vorsitzende kann wegen der besonderen Bedeutung der Sache im Einvernehmen mit dem
Senat ein Mitglied zur Mitberichterstattung bestimmen.

§ 21

91
(1) Die Senate bestimmen, an welchen Wochentagen sie regelmäßig zur Beratung
zusammentreten. Außerordentliche Sitzungen bedürfen eines Senatsbeschlusses; in
Eilfällen kann der oder die Vorsitzende eine außerordentliche Sitzung einberufen.

(2) Der oder die Vorsitzende setzt im Benehmen mit dem Senat die Tagesordnung fest.
Sie soll den Mitgliedern des Senats mindestens zehn Tage vorher zugehen.

§ 22

(1) Entscheidungen nach §§ 24 und 81a BVerfGG können ohne Zustellung des Antrags
getroffen werden. Ebenso bedarf es keiner Zustellung, wenn die Annahme der
Verfassungsbeschwerde abgelehnt wird (§§ 93a, 93b BVerfGG).

(2) Die Zustellung durch den Vorsitzenden oder die Vorsitzende (§ 23 Absatz 2 BVerfGG)
erfolgt auf Vorschlag des berichterstattenden Mitglieds des Senats.

(3) Die weitere Förderung des Verfahrens, insbesondere durch sachleitende Verfügungen,
obliegt dem berichterstattenden Mitglied des Senats, soweit veranlasst im Benehmen mit
dem oder der Vorsitzenden.

(4) Ersuchen an oberste Gerichtshöfe des Bundes oder oberste Landesgerichte (§ 82


Absatz 4 BVerfGG) werden von dem oder der Vorsitzenden des Senats auf Vorschlag des
berichterstattenden Mitglieds des Senats oder des Senats verfügt. Entsprechende
Ersuchen können auch in anderen Fällen als in denen der konkreten Normenkontrolle (§
13 Nummer 11 BVerfGG) verfügt werden.

(5) Auf Vorschlag des berichterstattenden Mitglieds des Senats oder auf Beschluss des
Senats ersucht der oder die Vorsitzende Persönlichkeiten, die auf einem Gebiet über
besondere Kenntnisse verfügen, sich zu einer für die Entscheidung erheblichen Frage
gutachtlich zu äußern.

(6) Alle das Verfahren betreffenden Maßnahmen werden aktenkundig gemacht. § 23

(1) In jeder Sache, die vom Senat zu entscheiden ist, legt das berichterstattende Mitglied
des Senats ein schriftliches Votum vor. Gleichzeitig gehen den Mitgliedern des Senats die
Handakten zu, die alle verfahrensund entscheidungserheblichen Schriftstücke enthalten.
In einfachen Fällen kann an Stelle eines Votums ein begründeter Entscheidungsentwurf
vorgelegt werden.

92
(2) Zwischen der Verteilung des Votums und der Beratung oder der mündlichen
Verhandlung sollen mindestens zehn Tage liegen.

§ 24

(1) Der Senat beschließt, ob eine mündliche Verhandlung stattfindet. Er kann zu § 17a
BVerfGG ergänzende Regelungen für die mündliche Verhandlung und die
Urteilsverkündung erlassen.

(2) Der mündlichen Verhandlung liegt in der Regel eine vom Senat gebilligte Gliederung
des Verhandlungsablaufes zugrunde, die den Verfahrensbeteiligten rechtzeitig vor der
mündlichen Verhandlung zugeht.

(3) Die Tonaufzeichnung, in der die mündliche Verhandlung festgehalten wird (§ 25a Satz
2 BVerfGG), steht nur den Mitgliedern des Gerichts und den Verfahrensbeteiligten zum
Abhören im Gericht zur Verfügung. Überspielungen und private Übertragungen sind
unzulässig.

(4) Wenn und soweit Abschriften für den Gebrauch des Gerichts angefertigt werden,
können die Verfahrensbeteiligten davon Abdrucke erhalten.

(5) Zur Veröffentlichung oder Auswertung in einer wissenschaftlichen Publikation oder


einer Verfahrensdokumentation können Abschriften von Äußerungen freigegeben werden,
wenn dies auf Grund einer Abwägung des öffentlichen Interesses an der Publikation mit
den Belangen der Verfahrensbeteiligten und der Erklärenden gerechtfertigt ist. Sind in den
Abschriften personen bezogene Daten enthalten, finden die Vorschriften des
Bundesdatenschutzgesetzes für die Übermittlung zu Forschungszwecken Anwendung.

(6) Ehe Einsicht in eine in der Abschrift enthaltene Äußerung gewährt wird, erhalten die
Erklärenden Gelegenheit, zur Richtigkeit der Abschrift Stellung zu nehmen; sie können
auch stilistische Korrekturen anregen, die den Sinn nicht verändern. Die Entscheidung trifft
jeweils die oder der Vorsitzende des Senats. Einwendungen, denen nicht entsprochen
wird, sind zu den Akten zu nehmen. Von der Anhörung der Erklärenden kann abgesehen
werden, wenn dies unverhältnismäßig aufwändig wäre.

(7) Auf § 25a BVerfGG ist zu Beginn der mündlichen Verhandlung hinzuweisen.

§ 25

93
Bei den Beratungen dürfen nur die an der Entscheidung mitwirkenden Richterinnen und
Richter anwesend sein.

§ 26

(1) Die Richterinnen und Richter, die an der Entscheidung mitgewirkt haben, können bis
zu deren Verkündung oder bis zu deren Ausfertigung zum Zwecke der Zustellung die
Fortsetzung der Beratung verlangen, wenn sie ihre Stimmabgabe ändern wollen; sie
können die Fortsetzung der Beratung beantragen, um bisher nicht erörterte
Gesichtspunkte vorzutragen oder wenn ein Sondervotum dazu Anlass gibt.

(2) Entscheidungen, die nicht auf Grund einer mündlichen Verhandlung ergangen sind,
erhalten das Datum des Tages, an dem sie endgültig beschlossen worden sind.

§ 27

Über den Gang der Beratung entscheidet der Senat. Wirft die Sache mehrere
Rechtsfragen auf, so wird über sie in der Regel nacheinander abgestimmt, bevor über den
Tenor entschieden wird.

§ 28

(1) Die Richterinnen und Richter, die an einer Entscheidung mitgewirkt haben, sind im
Rubrum mit ihrem Namen in der Reihenfolge ihres Dienstalters nach den Vorsitzenden
aufzuführen.

(2) Sind an einer Entscheidung mitwirkende Richterinnen oder Richter an der Unterschrift
verhindert, so beurkunden dies die Vorsitzenden.

§ 29

Entscheidungen, die im Bundesgesetzblatt zu veröffentlichen sind, übersendet der


Direktor dem zuständigen Ministerium. Ist die Entscheidung drei Monate nach der
Verkündung oder Zustellung noch nicht im Bundesgesetzblatt veröffentlicht, so unterrichtet
er den Vorsitzenden oder die Vorsitzende und das berichterstattende Mitglied des Senats.

§ 30

94
Soweit die Entscheidung den Verfahrensbevollmächtigten eines Verfassungsorgans
bekanntgegeben wird, ist sie gleichzeitig dem Verfassungsorgan unmittelbar zu
übersenden.

§ 31

(1) Die Entscheidungen des Plenums gemäß § 16 Absatz 1 BVerfGG und der Senate
werden in einer vom Gericht autorisierten Sammlung der Entscheidungen des
Bundesverfassungsgerichts veröffentlicht, die von den Mitgliedern des Gerichts in eigener
Verantwortung herausgegeben wird.

(2) Das Plenum oder der Senat können die Veröffentlichung einer Entscheidung in der
Sammlung ausschließen. Dieser Beschluss ist aktenkundig zu machen.

(3) Wenn ein Beschluss der Kammer nach §§ 81a, 93b oder § 93c BVerfGG im Einzelfall
von besonderem Interesse ist, kann der Senat auf ihren Vorschlag die Veröffentlichung in
der Sammlung veranlassen.

(4) Die Namen der Richterinnen und Richter, die an der Entscheidung beteiligt sind,
werden in der Sammlung mit a bged ruckt.

(5) Die Namen von Personen, Personenvereinigungen und Orten werden beim Abdruck
grundsätzlich mit den Anfa ngsbuchsta ben abgekürzt.

(6) Soweit aus der Veröffentlichung der vom Gericht autorisierten Sammlung der
Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts Überschüsse zur Verfügung stehen, sind
diese für die Aufgaben eines richterlichen Berufsverbandes der Mitglieder des
Bundesverfassungsgerichts oder für gemeinnützige Zwecke zu verwenden.

§ 32

(1) Amtliche Informationen über ergangene Entscheidungen bedürfen der Billigung des
berichterstattenden Mitglieds des Senats und des oder der Vorsitzenden und dürfen erst
veröffentlicht werden, wenn anzunehmen ist, dass die Entscheidung den
Prozessbeteiligten zugegangen ist.

(2) Entsprechendes gilt für Beschlüsse der Kammern.

§ 33

95
Beim Bundesverfassungsgericht besteht eine Dokumentationsstelle. Sie erfasst und
dokumentiert verfassungsgerichtliche Entscheidungen und wesentliche sonstige
Materialien. Die Mitglieder des Gerichts wirken bei der Auswahl und Auswertung von
Dokumenten mit. Die Dokumente werden in einer gerichtsübergreifenden, allgemein
zugänglichen Datenbank gespeichert. Die Dokumentationsstelle ist auch für die
Archivierung sowie für das Bereitstellen von Entscheidungen des
Bundesverfassungsgerichts im Internet zuständig.

§ 34

Entwürfe von Urteilen, Beschlüssen und Verfügungen, Arbeiten zu ihrer Vorbereitung und
Dokumente, die Abstimmungen betreffen, sind nicht Bestandteil der Verfahrensakten. Sie
sind in besonderem Umschlag zusammen mit den Akten aufzubewahren. Unbeschadet
des § 35b Absatz 5 Satz 2 BVerfGG unterliegen sie nicht der Akteneinsicht.

§ 35

(1) Über die Akteneinsicht entscheidet der oder die Vorsitzende im Benehmen mit dem
berichterstattenden Mitglied des Senats. Im Fall des § 63 Absatz 2 Buchstabe c
entscheidet der Präsident. Über die Akteneinsicht bei Verfahren im Allgemeinen Register
nach § 63 Absatz 1 entscheiden die gemäß § 65 Zuständigen.

(2) Nach Abschluss des Verfahrens kann Beteiligten (§ 20 BVerfGG) entsprechend § 35b
Absatz 1 Satz 1 und 2 BVerfGG Akteneinsicht gewährt werden.

(3) Die Vorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes über die Übermittlung


personenbezogener Daten finden Anwendung.

§ 36

Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts sind vor der Übermittlung an Behörden,


Gerichte oder private Dritte zu anonymisieren. Das Nähere regelt eine Anweisung des
Präsidenten.

§ 37

(1) Die Verfahrensakten des Gerichts zu Senatsentscheidungen einschließlich der in § 34


genannten Schriftstücke können nach zehn Jahren an das Bundesarchiv abgegeben
werden.

96
(2) Die Vernichtung von Verfahrensakten und von Schriftstücken nach § 34 ist nach 30
Jahren zulässig. Hiervon ausgeschlossen sind Verfahrensakten und Schriftstücke nach §
34 zu Entscheidungen, die seitens des Gerichts zur Veröffentlichung bestimmt wurden.

Titel 2

Zum Verfahren im Vertretungsfalle gemäß § 15 Absatz 2 Satz 2, § 19 Absatz 4 BVerfGG

§ 38

(1) In den Fällen des § 15 Absatz 2 Satz 2 und des § 19 Absatz 4 Satz 1 BVerfGG ordnet
der oder die Vorsitzende des Senats, in dem der Vertretungsfall eingetreten ist, das
Losverfahren an.

(2) Der oder die Vorsitzende des anderen Senats führt das Losverfahren durch. Die
Mitglieder beider Senate werden von dem Lostermin unterrichtet, zu dem ein
Urkundsbeamter oder eine Urkundsbeamtin zugezogen wird. Eine Niederschrift über das
Losverfahren wird zu den Akten des Verfahrens genommen. Das Ergebnis des
Losverfahrens ist allen Mitgliedern des Gerichts mitzuteilen.

(3) Für die Anordnung und Durchführung des Losverfahrens gilt § 15 Absatz 1 Satz 2
BVerfGG entsprechend.

Titel 3

Zum Verfahren in den Kammern gemäß § 81a und §§ 93b bis 93d BVerfGG

§ 39

In den Kammern führen, soweit sie ihnen angehören, der Präsident und der Vizepräsident,
im Übrigen das jeweils dienstälteste, bei gleichem Dienstalter das lebensälteste
anwesende Mitglied den Vorsitz.

§ 40

(1) Im Rahmen ihrer Befugnisse entscheiden die Kammern - in der Regel auf Grund eines
schriftlichen Votums - in den Verfahren, die einem ihrer Mitglieder als berichterstattendes
Mitglied zugeteilt sind. Gehört ein Mitglied mehreren Kammern an, regelt der Senat in dem
Beschluss nach § ISa Absatz 2 BVerfGG, wie sich die Zuständigkeit für die diesem
zugeteilten Verfahren auf die Kammern verteilt.

97
(2) Kommt ein einstimmiger Beschluss der Kammer nicht zustande, entscheidet auch in
den Fällen des § 93d Absatz 2 BVerfGG der Senat.

(3) Lehnt die Kammer die Annahme einer Verfassungsbeschwerde ab, werden die in
dieser Sache gestellten Anträge auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegenstandslos.

§ 41

Das berichterstattende Mitglied kann bereits vor der Entscheidung der Kammer, ob ein
Normenkontrollantrag unzulässig ist oder eine Verfassungsbeschwerde nicht
angenommen wird (§§ 81a, 93b BVerfGG), Stellungnahmen der Äußerungsberechtigten (§
82 in Verbindung mit §§ 77, 94 BVerfGG) oder Dritter einholen und sich mit Ersuchen an
die in § 82 Absatz 4 BVerfGG genannten Gerichte wenden.

§ 42

Sind in einem Verfassungsbeschwerdeverfahren, das mit einem Nichtannahmebeschluss


geendet hat, Akten des Gerichts, gegen dessen Entscheidung sich die
Verfassungsbeschwerde gerichtet hat, beigezogen worden, so ist diesem Gericht bei der
Rückgabe der Akten eine Abschrift des Beschlusses zu übersenden. Das gleiche gilt,
wenn ein Verfassungsorgan oder eine Behörde auf ein entsprechendes Ersuchen um
Äußerung zur Verfassungsbeschwerde eine Stellungnahme abgegeben hat oder wenn
sich die Verfassungsbeschwerde gegen eine Entscheidung eines obersten
Bundesgerichts gerichtet hat.

Titel 4

Zum Verfahren im Ausschuss gemäß § 14 Absatz 5 BVerfGG

§ 43

In den nach § 14 Absatz 5 BVerfGG zu bildenden Ausschuss wählt jeder Senat für die
Dauer eines Geschäftsjahres zwei Mitglieder des Gerichts und deren Stellvertretung. Der
Präsident wird im Vorsitz vom Vizepräsidenten vertreten, bei dessen Verhinderung vom
dienstältesten, bei gleichem Dienstalter von dem lebensältesten Mitglied des
Ausschusses.

§ 44

98
(1) Die Vorsitzenden werden über alle verfahrenseinleitenden Anträge für ihren Senat
unterrichtet. Dabei werden sie auf Zweifel, die Senatszuständigkeiten betreffen,
hingewiesen. Sie führen gegebenenfalls eine Erörterung in ihrem Senat herbei.

(2) Eine Sache kann an den anderen Senat abgegeben werden, wenn die Vorsitzenden
und berichterstattenden Mitglieder beider Senate darüber einig sind.

(3) Jedes Mitglied des Gerichts kann die Einberufung des Ausschusses beantragen. Der
Ausschuss wird unverzüglich - in der Regel mit einer Ladungsfrist von vierzehn Tagen -
einberufen. Dies gilt nicht, wenn der Senat die Beratung in der Sache begonnen hat.

§ 45

Der Präsident bestellt aus den Mitgliedern des Ausschusses je ein berichterstattendes
Mitglied aus jedem Senat. Diese können gemeinsam oder getrennt vor der Sitzung ein
schriftliches Votum zur Zuständigkeitsfrage abgeben.

§ 46

Die Beschlüsse des Ausschusses werden von dem oder der Vorsitzenden in einem
Aktenvermerk festgehalten. Sie werden nicht begründet. Sie werden allen Mitgliedern des
Gerichts mitgeteilt und zu den Akten des Verfahrens gebracht.

TitelS

Zum Verfahren im Plenum gemäß § 16 BVerfGG

§ 47

(1) Der Senat, der in einer Rechtsfrage von der in einer Entscheidung des anderen Senats
oder des Plenums enthaltenen Rechtsauffassung abweichen will, ruft das Plenum durch
Senatsbeschluss an.

(2) Die Anrufung des Plenums entfällt, wenn der Senat, von dessen Entscheidung
abgewichen werden will, auf Anfrage erklärt, dass er an seiner Rechtsauffassung nicht
festhalte.

§ 48

99
(1) Zur Vorbereitung der Entscheidung des Plenums benennen die Vorsitzenden der
Senate jeweils ein berichterstattendes Mitglied. Diese legen spätestens zehn Tage vor der
Plenarsitzung ein Votum vor.

(2) Der Beschluss des Plenums ist zu begründen. Er ist ebenso wie Entscheidungen der
Senate zu behandeln.

Titel 6

Zum Verfahren im Plenum gemäß § 105 BVerfGG

§ 49

(1) Der Antrag auf Einleitung des Verfahrens gemäß § 105 Absatz 1 BVerfGG kann
gestellt werden von mindestens sechs Mitgliedern des Gerichts, im Falle des § 105 Absatz
1 Nummer 1 BVerfGG auch vom Präsidenten und vom Vizepräsidenten gemeinsam.

(2) Der Antrag samt Begründung wird allen Mitgliedern des Gerichts in vertraulicher Form
gegen Empfangsbestätigung mitgeteilt.

§ 50

Dem Mitglied des Gerichts, gegen das sich der Antrag richtet, ist Gelegenheit zu geben,
sich zum Antrag schriftlich und mündlich vor dem Plenum zu äußern.

§ 51

Der Beschluss auf Einleitung des Verfahrens bedarf der Zustimmung von mindestens acht
Mitgliedern des Gerichts. Das Plenum berät und beschließt in Abwesenheit des oder der
Betroffenen. Der Beschluss wird nicht begründet; er wird von den mitwirkenden
Richterinnen und Richtern unterschrieben und anschließend dem oder der Betroffenen
eröffnet.

§ 52

Nach Einleitung des Verfahrens bestellt das Plenum ein Mitglied zur Führung der
Untersuchung aus seiner Mitte. Dieses hört den oder die Betroffene und führt die
erforderlichen Ermittlungen durch; zu Beweiserhebungen

sind Betroffene zu laden. Über das Ergebnis der Untersuchung berichtet es dem Plenum
schriftlich und in der mündlichen Verhandlung; der Bericht schließt mit einem Vorschlag für
100
die Entscheidung. Von der Beratung und Beschlussfassung ist dieses Mitglied des
Gerichts ausgeschlossen.

§ 53

Die mündliche Verhandlung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auf Antrag des
oder der Betroffenen kann die Öffentlichkeit zugelassen werden.

§ 54

(1) Das Verfahren auf einen Antrag nach § 105 Absatz 1 BVerfGG ist einzustellen, wenn
das Mitglied des Gerichts, gegen das sich der Antrag richtet, gemäß § 12 BVerfGG aus
dem Amt entlassen ist oder wegen Ablaufs der Amtszeit oder auf Antrag (§ 98 Absatz 1,
Absatz 2 Nummer 2 BVerfGG) in den Ruhestand tritt.

(2) Das Verfahren ist auch einzustellen, wenn der Antrag vor einem Beschluss nach § 105
Absatz 4 BVerfGG zurückgenommen wird, es sei denn, dass das Plenum beschließt, es
einzuleiten oder fortzusetzen.

Titel 7

Zum Verfahren bei Abgabe eines Sondervotums gemäß § 30 Absatz 2 BVerfGG

§ 55

(1) Das Sondervotum, in dem ein Mitglied des Senats eine in der Beratung vertretene
abweichende Meinung zu der Entscheidung oder deren Begründung niederlegt, muss
binnen drei Wochen nach Fertigstellung der Entscheidung dem oder der Vorsitzenden des
Senats vorliegen. Der Senat kann diese Frist verlängern.

(2) Wer beabsichtigt, ein Sondervotum abzugeben, hat dies dem Senat mitzuteilen, sobald
es der Stand der Beratungen ermöglicht.

(3) Wird das Sondervotum zu einem Urteil abgegeben, so geben dies die Vorsitzenden bei
der Verkündung bekannt. Im Anschluss daran kann die Richterin oder der Richter den
wesentlichen Inhalt des Sondervotums mitteilen.

(4) Das Sondervotum wird zusammen mit der Entscheidung bekanntgemacht.

101
(5) Das Sondervotum ist in der Sammlung der Entscheidungen des
Bundesverfassungsgerichts im Anschluss an die Entscheidung namentlich
gekennzeichnet zu veröffentlichen.

(6) Für Sondervoten zu Entscheidungen des Plenums gelten die vorstehenden


Bestimmungen entsprechend.

TitelS

Zum Verfahren im Plenum gemäß § 7a BVerfGG

§ 56

Jedes Mitglied des Gerichts kann Vorschläge für die Entschließung des Plenums gemäß §
7a BVerfGG machen. Sie sind spätestens eine Woche vor der Sitzung des Plenums
einzureichen und zu begründen; dabei ist mitzuteilen, ob die Vorgeschlagenen mit der
Nominierung im Plenum einverstanden sind. Von der Einhaltung der Vorschlagsfrist kann
im Einverständnis aller anwesenden Mitglieder des Gerichts abgesehen werden.

§ 57

(1) Über die Wahlvorschläge wird nach Abschluss der Aussprache geheim abgestimmt.
Die Beschlussfähigkeit richtet sich nach § 7a Absatz 2 Satz 3 in Verbindung mit § 16
Absatz 2 BVerfGG.

(2) Im ersten Wahlgang wird unter Verwendung von Stimmzetteln abgestimmt, auf denen
die Vorschläge in alphabetischer Folge aufgeführt sind. Jedes Mitglied des Gerichts hat so
viele Stimmen, wie Vorschläge zu machen sind. Gewählt ist, wer mindestens die Mehrheit
der abgegebenen Stimmen erhalten hat, und zwar in der Reihenfolge, die sich aus der
Stimmenzahl ergibt.

(3) Bleibt der erste Wahlgang ganz oder teilweise erfolglos, so wird einzeln in gesonderten
Wahlgängen mit Stimmzetteln gewählt, auf die die Wahlberechtigten nur einen Namen
setzen. Der Wahlakt wird so lange wiederholt, bis eine Mehrheit der abgegebenen
Stimmen für einen Vorschlag vorliegt; bei jeder Wiederholung scheidet aus, wer im
vorangegangenen Wahlgang die wenigsten Stimmen erhalten hat.

§ 58
102
(1) Führt die Wahl nach § 57 nicht zu einer genügenden Zahl von Vorschlägen, so werden
die weiteren Vorschläge in einer neuen Wahl ermittelt. Diese soll in der zweiten
Kalenderwoche nach Abschluss des früheren Wahltermins stattfinden. Dazu können neue
Personen benannt oder bisher Benannte erneut vorgeschlagen werden; die Frist des § 56
Satz 2 verkürzt sich auf drei Tage. Das Plenum kann beschließen, dass in der neuen Wahl
nur nach Maßgabe des § 57 Absatz 3 abgestimmt wird.

(2) Werden im Fall des Absatzes 1 Satz 1 noch in der Sitzung Vorschläge für die neue
Wahl gemacht, so kann mit den Stimmen aller anwesenden Mitglieder des Gerichts
beschlossen werden, dass die neue Wahl sofort durchgeführt wird. Werden lediglich
Personen vorgeschlagen, die bereits früher benannt waren, so kann der Beschluss mit
einer Mehrheit von zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder des Gerichts gefasst werden.

Titel 9

Zum Verfahren in der Beschwerdekammer gemäß § 97c BVerfGG

§ 59

(1) Das Plenum beruft jedes Jahr je ein Mitglied des Gerichts aus jedem Senat und für
dieses jeweils eine Vertretung für die Dauer von zwei Jahren in die Beschwerdekammer.
Eine unmittelbar anschließende Wiederwahl ist unzulässig. Präsident oder Vizepräsident
können in der Beschwerdekammer nicht mitwirken.

(2) Für die erste im Jahre 2012 beginnende Amtsperiode bestimmt das Plenum aus jedem
Senat je ein Mitglied des Gerichts, dessen Amtsdauer in der Beschwerdekammer drei
Jahre beträgt; das gilt auch für die als deren Vertretung vorgesehenen beiden Mitglieder
des Gerichts.

§ 60

Ist ein Kammermitglied nach § 97c Absatz 2 BVerfGG von der Mitwirkung ausgeschlossen
oder aus sonstigen Gründen verhindert, tritt an seine Stelle das vom Plenum zur
Vertretung dieses Kammermitglieds bestimmte Mitglied des Gerichts. Ist auch dieses
verhindert, erfolgt die Vertretung durch das dienstälteste Mitglied aus dem Senat, dem das
Kammermitglied angehört. Das gilt für die verbleibende Amtszeit auch, falls ein Mitglied
der Beschwerdekammer aus dem Gericht ausscheidet.

§ 61
103
Den Vorsitz in der Beschwerdekammer führt deren dienstältestes Mitglied.

§ 62

(1) Eine Stellungnahme nach § 97d Absatz 1 BVerfGG ist in der Regel erst nach
Aufforderung durch das berichterstattende Mitglied der Beschwerdekammer vorzulegen.
Es kann die Akten des Ausgangsverfahrens beiziehen, soweit die Akteneinsicht nicht nach
§ 34 ausgeschlossen ist.

(2) Über die Akteneinsicht der Beteiligten entscheidet der oder die Vorsitzende der
Beschwerdekammer im Einvernehmen mit dem berichterstattenden Mitglied.

Titel 10

Über das Allgemeine Register (AR) des Bundesverfassungsgerichts

§ 63

(1) Eingaben an das Bundesverfassungsgericht, die weder eine


Verwaltungsangelegenheit des Gerichts betreffen noch nach den Vorschriften des
Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht statthaft sind, werden im Allgemeinen
Register (AR) erfasst und als Justizverwaltungsangelegenheit bearbeitet. Hierzu rechnen
insbesondere:

a) Anfragen zur Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts sowie zu


anhängigen oder abgeschlossenen Verfahren,

b) Eingaben, mit denen weder ein bestimmter Antrag verfolgt noch ein Anliegen
geltend gemacht wird, für das ei ne Zustä nd ig keit des Bu ndesverfassu ngsgerichts
besteht.

(2) Im Allgemeinen Register können auch registriert werden:

a) Verfassungsbeschwerden, bei denen eine Annahme zur Entscheidung (§ 93a


BVerfGG) nicht in Betracht kommt, weil sie offensichtlich unzulässig sind oder unter
Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts offensichtlich
keinen Erfolg haben können,

b) sonstige offensichtlich unzulässige Verfahrensanträge,

c) Verfahren, bei denen sich die Senatszuständigkeit nicht alsbald klären lässt.
104
§ 64

(1) Die Entscheidung darüber, ob ein Vorgang in das Allgemeine Register einzutragen ist,
treffen die Vorsitzenden des jeweiligen Senats. Sie können die Entscheidungsbefugnis
allgemein auf die gemäß § 16 zur Postauszeichnung berufenen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter übertragen.

(2) Ein gemäß § 63 Absatz 2 Buchstabe a im Allgemeinen Register eingetragener


Vorgang ist in das Verfahrensregister zu übertragen, wenn nach Unterrichtung über die
Rechtslage eine richterliche Entscheidung begehrt wird.

(3) Soll ein Vorgang aus dem Allgemeinen Register in das Verfahrensregister übertragen
werden, so ist er der Referentin oder dem Referenten für das Allgemeine Register
zuzuleiten.

(4) Die Akten zu den im Allgemeinen Register eingetragenen Verfahren, die nicht in ein
Verfahrensregister übertragen worden sind, werden nach Maßgabe des § 35b Absatz 7
BVerfGG fünf jahre nach der letzten die Sache betreffenden Verfügung vernichtet. Die
Vorgänge, die vor Inkrafttreten dieser Regelung eingegangen sind, werden grundsätzlich
zehn jahre nach Eingang vernichtet.

§ 65

Für das Allgemeine Register handelt die Abteilungsleitung .justlzverwaltunq" im Auftrag


des Gerichts. Sie wird durch zeichnungsbefugte Referentinnen und Referenten für das
Allgemeine Register unterstützt, die die Befähigung zum Richteramt haben müssen.

Titel 11 Schlussvorschriften

§ 66

Mitglieder des Gerichts im Sinne dieser Geschäftsordnung sind auch Richterinnen und
Richter, die nach Ablauf ihrer Amtszeit ihre Amtsgeschäfte fortführen (§ 4 Absatz 4
BVerfGG).

§ 67

Die Richterinnen und Richter tragen in der mündlichen Verhandlung eine Robe mit Barett.

§ 68

105
Das Geschäftsjahr des Bundesverfassungsgerichts ist das Kalenderjahr.

§ 69

(1) Die Arbeit des Bundesverfassungsgerichts wird statistisch erfasst.

(2) Die Geschäftslast des Gerichts wird monatlich in einer Statistik und am Ende des
Geschäftsjahres in einer Gesamtstatistik dargestellt.

§ 70

Unbeschadet des § 19 ist das Gerichtsgebäude während einer mündlichen Verhandlung


und einer Urteilsverkündung sowie auf besondere Anordnung des Präsidenten zu
beflaggen.

§ 71

(1) Der Antrag auf Änderung der Geschäftsordnung kann von jedem Mitglied des Gerichts
gestellt werden. Der Antrag ist schriftlich zu stellen. Er muss die formulierte Textänderung
und eine Begründung enthalten.

(2) Zwischen Antrag und Beschlussfassung im Plenum soll mindestens eine Frist von
einem Monat liegen.

(3) Im Verteidigungsfall (Artikel115a Absatz 1, Artikel115g GG) kann die


Geschäftsordnung mit der Mehrheit der anwesenden Richterinnen und Richter geändert
werden, wenn dies zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit des Gerichts erforderlich ist.

(4) Tritt eine Präsidentin, eine Vizepräsidentin oder eine Direktorin ihr Amt an, wird die
Geschäftsordnung sprachlich entsprechend neu gefasst.

§ 72

Die Geschäftsordnung ist im Bundesgesetzblatt zu veröffentlichen.

§ 73

Diese Geschäftsordnung tritt am Tag nach der Bekanntmachung in Kraft; gleichzeitig tritt
die Geschäftsordnung des Bundesverfassungsgerichts vom 15. Dezember 1986 (BGBI.
15.2529), zuletzt geändert durch Artikel 1 der Bekanntmachung von Änderungen der

106
Geschäftsordnung des Bundesverfassungsgerichts vom 7. Januar 2002 (BGBI. 15. 1171),
außer Kraft.

Schlussformel

Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts

107
9 Verhaltensleitlinien für Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts 2017

Verhaltensleitlinien für Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts

Präambel

Die Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts erklären, sich in ihrem


Verhalten während und nach dem Ende ihrer Amtszeit von den nachfolgenden
Grundsätzen leiten zu lassen, die sich aus der besonderen Funktion des
Bundesverfassungsgerichts als Verfassungsorgan des Bundes ergeben.

I. Allgemeine Grundsätze

1. Die Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts verhalten sich innerhalb


und außerhalb ihres Amtes so, dass das Ansehen des Gerichts, die Würde des Amtes und
das Vertrauen in ihre Unabhängigkeit, Unparteilichkeit, Neutralität und Integrität nicht
beeinträchtigt werden.

2. Aufgrund der Stellung des Bundesverfassungsgerichts als Verfassungsorgan und der


gesellschaftlichen und politischen Bedeutung seiner Entscheidungen wirken die Mitglieder
des Gerichts über die vorrangige Erfüllung ihres Rechtsprechungsauftrages hinaus bei der
Darstellung und Vermittlung seiner Stellung, Funktionsweise und seiner Rechtsprechung
auf nationaler und internationaler Ebene mit.

3. Die Mitglieder des Gerichts üben ihr Amt in Unabhängigkeit und Unparteilichkeit aus,
ohne Voreingenommenheit im Hinblick auf persönliche, gesellschaftliche oder politische
Interessen oder Beziehungen. Sie achten in ihrem gesamten Verhalten darauf, dass kein
Zweifel an der Neutralität ihrer Amtsführung gegenüber gesellschaftlichen, politischen,
religiösen oder weltanschaulichen Gruppierungen entsteht. Dies schließt die Zugehörigkeit
zu solchen Gruppierungen und bei angemessener Zurückhaltung ein Engagement in ihnen
sowie die sonstige Mitwirkung am gesamtgesellschaftlichen Diskurs nicht aus.

108
4. Die Richterinnen und Richter des Gerichts wahren unbeschadet des
Beratungsgeheimnisses Diskretion in Bezug auf die Arbeit am Bundesverfassungsgericht.

5. Die Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts stellen ihre durchgängige


Erreichbarkeit und eine persönliche Präsenz am Gericht sicher, welche die zügige
Erledigung der richterlichen Aufgaben gewährleisten.

6. Kritik an anderen Meinungen und rechtlichen Standpunkten äußern die Richterinnen


und Richter des Bundesverfassungsgerichts mit der ihrem Amt angemessenen
Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere in Bezug auf Entscheidungen des eigenen Gerichts,
aber auch gegenüber anderen nationalen, ausländischen oder internationalen Gerichten.

7. Die Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts nehmen Geschenke und


Zuwendungen jeglicher Art nur in sozialen Zusammenhängen und in einem Umfang
entgegen, die keine Zweifel an ihrer persönlichen Integrität und Unabhängigkeit entstehen
lassen können.

11. Nichtspruchrichterliche Tätigkeit

8. Die Wahrnehmung der nichtspruchrichterlichen Tätigkeit darf die Erledigung der


spruchrichterlichen Tätigkeit nicht beeinträchtigen. Das gilt insbesondere für
wissenschaftliche Veröffentlichungen, Vorträge, Reden sowie die sonstige Teilnahme an
Veranstaltungen und die damit verbundenen Reisen.

9. Die Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts können für Vorträge, für
die Mitwirkung an Veranstaltungen und für Publikationen eine Vergütung nur und nur
insoweit entgegennehmen, als dies das Ansehen des Gerichts nicht beeinträchtigen und
keine Zweifel an der Unabhängigkeit, Unparteilichkeit, Neutralität und Integrität seiner
Mitglieder begründen kann. Dadurch erzielte Einkünfte legen sie offen. Die Übernahme
der Kosten für Anreise, Unterkunft und Verpflegung durch den Veranstalter in
angemessenem Umfang ist unbedenklich.

Die erzielten Einkünfte 2018 finden Sie hier.

109
10. Die Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts nehmen bei jeder Form
der Beteiligung an einer Veranstaltung darauf Bedacht, dass sich die Art der Veranstaltung
mit der Würde des Amtes und den Allgemeinen Grundsätzen seiner Wahrnehmung sowie
dem Ansehen des Gerichts verträgt.

11. Gutachten zu verfassungsrechtlichen Fragen werden von den Richterinnen und


Richtern ebenso wenig abgegeben wie Prognosen zum Ausgang bei Gericht anhängiger
oder absehbar zu entscheidender Verfahren.

12. Beim Umgang mit den Medien achten die Richterinnen und Richter des
Bundesverfassungsgerichts darauf, dass die Art ihrer Äußerung und das jeweilige Format
mit ihren Aufgaben, dem Ansehen des Gerichts und der Würde des Amtes vereinbar sind.

111. Verhalten nach dem Ende der Amtszeit

13. Die Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts wahren auch nach dem
Ende der Amtszeit in ihren Äußerungen und ihrem Verhalten in Angelegenheiten des
Gerichts Zurückhaltung und Diskretion.

14. Die Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts werden nach dem Ende
ihrer Amtszeit nicht in Rechtssachen tätig, die während ihrer Amtszeit beim
Bundesverfassungsgericht anhängig waren oder die in unmittelbarem Zusammenhang mit
solchen stehen. In diesen Rechtssachen erstatten sie keine Gutachten, übernehmen keine
Anwalts- oder Beistandsverpflichtungen und treten nicht vor Gericht auf.

15. Die Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts übernehmen in


Sachgebieten ihres Dezernats in dem ersten Jahr nach ihrem Ausscheiden keine
Beratungstätigkeit, erstatten keine Gutachten und treten nicht vor Gericht auf. Auch
danach vertreten sie nicht vor dem Bundesverfassungsgericht. Sie vermeiden den
Eindruck einer unangemessenen Verwertung internen Wissens.

IV. Fortentwicklung der Verhaltensleitlinien

16. Die Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts widmen sich regelmäßig
im Rahmen eines Plenums den Fragen eines amtsangemessenen Verhaltens, der

110
Bewährung der Verhaltensleitlinien und ihrer etwaigen Fortentwicklung. Jedes Mitglied des
Gerichts hat das Recht, die Einhaltung und Anwendung der Verhaltensleitlinien zur
Sprache zu bringen.

111
10 Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts

10.1 Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts 2015

Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts vom 24. November 2015

gemäß § 14 Abs. 4 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht

Das Plenum des Bundesverfassungsgerichts hat am 24. November 2015 gemäß § 14


Abs. 4 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht in der Fassung der
Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBI. I S. 1473), zuletzt geändert durch Artikel 8
der Verordnung vom

31. August 2015 (BGBI. I S. 1474), beschlossen:

Der Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts vom 15. November 1993
(BGBI. I S. 2492), zuletzt geändert durch Beschluss des Plenums vom 19. November
2014, wird wie folgt neu gefasst:

A.

Mit Wirkung vom 1. Januar 2016 ist abweichend von § 14 Abs. 1 bis 3 des Gesetzes über
das Bundesverfassungsgericht der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts auch
zuständig:

I. Für Normenkontroliverfahren (§ 13 Nr. 6 und Nr. 11 BVerfGG) und Verfassungsbe-


schwerden aus den Rechtsbereichen

1. des Asylrechts;

2. des Aufenthaltsrechts und der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen;

3. des Staatsangehörigkeitsrechts;

112
4. des öffentlichen Dienstes und der Dienstverhältnisse zu Religionsgesellschaften,
deren Recht dem Recht des öffentlichen Dienstes nachgebildet ist, einschließlich des
jeweiligen Disziplinarrechts;

5. des Wehr- und Ersatzdienstes einschließlich des diesen Bereich betreffenden Dis-
ziplinarrechts;

6. des Strafrechts und des Strafverfahrensrechts mit Ausnahme von Verfahren, in


denen Fragen der Auslegung und Anwendung des Artikels 5 oder des Artikels 8 GG
überwiegen;

7. des Vollzugs von Untersuchungs- und Strafhaft und von freiheitsentziehenden


Maßregeln der Sicherung und Besserung sowie der Anordnung und des Vollzugs anderer
Freiheitsentziehungen;

8. des Bußgeldverfahrens;

9. des Einkommensteuerrechts einschließlich des Kirchensteuerrechts.

11. Für Normenkontroliverfahren und Verfassungsbeschwerden, die in dem

Geschäftsjahr 2016 eingehen, aus den Rechtsbereichen

1. des Vertriebenenrechts;

2. des Körperschaftsteuerrechts und des Umwandlungssteuerrechts;

3. des Waffenrechts;

4. des Petitionsrechts;

5. des Rechts der Zwangsversteigerung und Zwangsvollstreckung (soweit es sich


nicht um Erkenntnisverfahren handelt);

6. des Insolvenzrechts (ausgenommen Verfahren, in denen eine Verletzung von Art.


12 GG gerügt wird);

7. des Wohnungseigentumsrechts;

113
8. des Dienst- und Werkvertragsrechts mit Ausnahme des Anwaltsvertragsrechts.

111. Für Verfassungsbeschwerden, die ab dem Geschäftsjahr 2016 eingehen, aus dem
Bereich der Zivilgerichtsbarkeit

mit Ausnahme der Rechtsbereiche (einschließlich der dazugehörigen Amtshaftungs-,


Kostenrechts-, Prozesskostenhilfe-, Beratungshilfe- und Verzögerungsverfahren):

1. allgemeines Persönlichkeitsrecht;

2. Recht der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit (Art. 4 Abs.1 und 2 GG);

3. Recht der freien Meinungsäußerung, Informations-, Rundfunk- und Pressefreiheit


(Art. 5 GG);

4. Familienrecht (einschließlich Betreuungs-, Namens-, Personenstands-

und Transsexuellenrecht);

5. Recht des geistigen Eigentums;

6. Recht des Datenschutzes;

7. Kunst- und Wissenschaftsfreiheit (Art. 5 Abs. 3 GG);

8. Versammlungsfreiheit (Art. 8 GG);

9. Vereinigungsfreiheit (Art. 9 GG);

10. Recht der selbständig und vorwiegend persönlich ausgeübten Berufe (einschließ-

lich Recht der berufsständischen Versorgungseinrichtungen);

11. Erbrecht;

12. Mietrecht;

13. Wettbewerbsrecht;

14. Grundstücks- und unternehmensbezogene Vermögensfragen im

114
Zusammenhang mit der Herstellung der Deutschen Einheit;

15. Bau- und Bodenrecht einschließlich Erschließungs- und Enteignungsrecht;

16. Gesellschaftsrecht einschließlich Genossenschaftsrecht;

17. Recht des Versicherungswesens;

18. Bank-, Börsen- und Wertpapierrecht;

19. Kreditrecht einschließlich des Rechts der Sicherungen;

20. Recht der Finanzmarktstabilisierung einschließlich Enteignungen;

21. Regulierungsrecht;

22. Anwaltsvertragsrecht;

23. sonstiges Deliktsrecht;

24. Wirtschaftsrechtliche Fragen der gesetzlichen Krankenversicherung.

IV. Im Dbrigen für Normenkontroliverfahren und Verfassungsbeschwerden

1. bei denen die Auslegung und Anwendung von Völkerrecht

oder der Art. 23, 24 und 59 GG, mit Ausnahme der einzelnen menschenrechtlichen
Gewährleistungen, überwiegen;

2. bei denen andere Fragen als solche der Auslegung und Anwendung der Artikel 1
bis 17, 19, 101 und 103 Abs. 1 GG (auch in Verbindung mit dem Rechtsstaatsprinzip)
überwiegen.

B.

Für bis zum 31. Dezember 2015 anhängig werdende Verfahren bleibt es bei der
bisherigen Senatszuständ ig keit.

Karlsruhe, den 24. November 2015

Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts

Prof. Dr. Andreas Voßkuhl

115
10.2 Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts 2016

Beschluss

des Plenums des Bundesverfassungsgerichts

vom 22. November 2016 zur Änderung des Beschlusses vom 24. November 2015

Das Plenum des Bundesverfassungsgerichts hat am 22. November 2016 gemäß § 14


Absatz 4 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht in der Fassung der
Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBI. I S. 1473), das zuletzt durch Artikel 8 der
Verordnung vom

31. August 2015 (BGBI. I S. 1474) geändert worden ist, beschlossen:

I.

Der Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts vom 24. November 2015
(BGBI. 2016 I S. 118) wird wie folgt geändert:

Die Abschnitte A. 11. und 111. erhalten folgende Fassung:

,,11. Für Normenkontroliverfahren und Verfassungsbeschwerden, die in den


Geschäftsjahren 2016 bis 2017 eingehen, aus den Rechtsbereichen

1. des Vertriebenenrechts;

2. des Körperschaftsteuerrechts und des Umwandlungssteuerrechts;

3. des Waffenrechts;

4. des Petitionsrechts;

5. des Rechts der Zwangsversteigerung und Zwangsvollstreckung (soweit es sich


nicht um Erkenntnisverfahren handelt);

116
6. des Insolvenzrechts (ausgenommen Verfahren, in denen eine Verletzung von
Artikel 12 GG gerügt wird);

7. des Wohnungseigentumsrechts;

8. des Dienst- und Werkvertragsrechts mit Ausnahme des Anwaltsvertragsrechts.

111. Für Verfassungsbeschwerden, die ab dem Geschäftsjahr 2016 eingehen, aus dem
Bereich der Zivilgerichtsbarkeit

mit Ausnahme der Rechtsbereiche (einschließlich der dazugehörigen Amtshaftungs-,


Kostenrechts-, Prozesskostenhilfe-, Beratungshilfe- und Verzögerungsverfahren sowie
Verfahren zu Befangenheitsanträgen):

1. allgemeines Persönlichkeitsrecht;

2. Recht der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit (Artikel 4 Absatz 1 und 2 GG);

3. Recht der freien Meinungsäußerung, Informations-, Rundfunk- und Pressefreiheit


(Artikel 5 GG);

4. Familienrecht (einschließlich Betreuungs-, Namens-, Personenstands-

und Transsexuellenrecht);

5. Recht des geistigen Eigentums;

6. Recht des Datenschutzes;

7. Kunst- und Wissenschaftsfreiheit (Artikel 5 Absatz 3 GG);

8. Versammlungsfreiheit (Artikel 8 GG);

9. Vereinigungsfreiheit (Artikel 9 GG);

10. Recht der selbständig und vorwiegend persönlich ausgeübten Berufe (einschließ-

lich Recht der berufsständischen Versorgungseinrichtungen);

11. Erbrecht;
117
12. Mietrecht;

13. Wettbewerbsrecht;

14. Grundstücks- und unternehmensbezogene Vermögensfragen im

Zusammenhang mit der Herstellung der Deutschen Einheit;

15. Bau- und Bodenrecht einschließlich Erschließungs- und Enteignungsrecht;

16. Gesellschaftsrecht einschließlich Genossenschaftsrecht;

17. Recht des Versicherungswesens;

18. Bank-, Börsen- und Wertpapierrecht;

19. Kreditrecht einschließlich des Rechts der Sicherungen;

20. Recht der Finanzmarktstabilisierung einschließlich Enteignungen;

21. Regulierungsrecht;

22. Anwaltsvertragsrecht;

23. sonstiges Deliktsrecht;

24. wirtschaftsrechtliche Fragen der gesetzlichen Krankenversicherung;

25. Vollstreckung öffentlich-rechtlicher Forderungen."

11.

Dieser Beschluss tritt am 1. Januar 2017 in Kraft.

Karlsruhe, den 22. November 2016

Der Präsident

des Bundesverfassungsgerichts

Prof. Dr. Andreas Voßkuhle

118
10.3 Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts 2017

Beschluss

des Plenums des Bundesverfassungsgerichts

vom 21. November 2017 zur Änderung des Beschlusses vom 24. November 2015 gemäß
§ 14 Absatz 4 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgerichts in der Fassung vom 22.
November 2016

Das Plenum des Bundesverfassungsgerichts hat am 21. November 2017 gemäß § 14


Absatz 4 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht in der Fassung der
Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBI I S. 1473), das zuletzt durch Artikel 8 der
Verordnung vom

31. August 2015 (BGBII S. 1474) geändert worden ist, beschlossen:

I.

Der Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts vom 24. November 2015
(BGBI 2016 I S. 118), zuletzt geändert durch Beschluss des Plenums vom 22. November
2016 (BGBI I S. 2929) wird wie folgt geändert:

Die Abschnitte A. 11. und 111. erhalten folgende Fassung:

,,11. Für Normenkontroliverfahren und Verfassungsbeschwerden, die in den


Geschäftsjahren 2016 bis 2018 eingehen, aus den Rechtsbereichen

1. des Vertriebenenrechts;

2. des Körperschaftsteuerrechts und des Umwandlungssteuerrechts;

3. des Waffenrechts;
119
4. des Petitionsrechts;

5. des Rechts der Zwangsversteigerung und Zwangsvollstreckung (soweit es sich


nicht um Erkenntnisverfahren handelt);

6. des Insolvenzrechts (ausgenommen Verfahren, in denen eine Verletzung von


Artikel 12 GG gerügt wird).

111. Für Verfassungsbeschwerden, die ab dem Geschäftsjahr 2018 eingehen, aus dem
Bereich der Zivilgerichtsbarkeit

mit Ausnahme der Rechtsbereiche (einschließlich der dazugehörigen Amtshaftungs-,


Kostenrechts-, Prozesskostenhilfe-, Beratungshilfe- und Verzögerungsverfahren sowie
Verfahren zu Befangenheitsanträgen):

1. allgemeines Persönlichkeitsrecht;

2. Recht der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit (Artikel 4 Absatz 1 und 2 GG);

3. Recht der freien Meinungsäußerung, Informations-, Rundfunk- und Pressefreiheit


(Artikel 5 GG);

4. Familienrecht (einschließlich Betreuungs-, Namens-, Personenstands-

und Transsexuellenrecht);

5. Recht des geistigen Eigentums;

6. Recht des Datenschutzes;

7. Kunst- und Wissenschaftsfreiheit (Artikel 5 Absatz 3 GG);

8. Versammlungsfreiheit (Artikel 8 GG);

9. Vereinigungsfreiheit (Artikel 9 GG);

10. Recht der selbständig und vorwiegend persönlich ausgeübten Berufe (einschließ-

lich Recht der berufsständischen Versorgungseinrichtungen);

120
11. Erbrecht;

12. Mietrecht;

13. Wettbewerbsrecht;

14. Grundstücks- und unternehmensbezogene Vermögensfragen im

Zusammenhang mit der Herstellung der Deutschen Einheit;

15. Bau- und Bodenrecht einschließlich Erschließungs- und Enteignungsrecht;

16. Gesellschaftsrecht einschließlich Genossenschaftsrecht;

17. Recht des Versicherungswesens;

18. Bank-, Börsen- und Wertpapierrecht;

19. Kreditrecht einschließlich des Rechts der Sicherungen;

20. Recht der Finanzmarktstabilisierung einschließlich Enteignungen;

21. Regulierungsrecht;

22. Dienst- und Werkvertragsrecht einschließlich Anwaltsvertrags- und Arztvertrags-

recht;

23. sonstiges Deliktsrecht;

24. Wirtschaftsrechtliche Fragen der gesetzlichen Krankenversicherung;

25. Vollstreckung öffentlich-rechtlicher Forderungen;

26. Wohnungseigentumsrecht;

27. Kaufrecht. "

11.

Dieser Beschluss tritt am 1. Januar 2018 in Kraft.

121
Karlsruhe, den 21. November 2017

Der Präsident

des Bundesverfassungsgerichts

Prof. Dr. Andreas Voßkuhle

122
10.4 Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts 2018

Beschluss

des Plenums des Bundesverfassungsgerichts

vom 20. November 2018 zur Änderung des Beschlusses vom 24. November 2015 gemäß
§ 14 Absatz 4 des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes in der Fassung vom 21.
November 2017

Das Plenum des Bundesverfassungsgerichts hat am 20. November 2018 gemäß § 14


Absatz 4 des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung
vom

11. August 1993 (BGBI I S. 1473), das zuletzt durch Artikel 2 des Gesetzes vom 8.
Oktober 2017 (BGBI I S. 3546) geändert worden ist, beschlossen:

I.

Der Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts vom 24. November 2015
(BGBI 2016 I S. 118), zuletzt geändert durch Beschluss des Plenums vom 21. November
2017 (BGBI I 2018 S. 115) wird wie folgt geändert:

Die Abschnitte A. 11. und 111. erhalten folgende Fassung:

[]1. Für Normenkontrollverfahren und Verfassungsbeschwerden, die in den


Geschäftsjahren 2016 bis 2019 eingehen, aus den Rechtsbereichen

1. des Vertriebenenrechts;

2. des Körperschaftsteuerrechts und des Umwandlungssteuerrechts;

3. des Waffenrechts;

4. des Petitionsrechts;
123
5. des Rechts der Zwangsversteigerung und Zwangsvollstreckung (soweit es sich
nicht um Erkenntnisverfahren handelt);

6. des Insolvenzrechts (ausgenommen Verfahren, in denen eine Verletzung von


Artikel 12 GG gerügt wird).

111. Für Verfassungsbeschwerden, die ab dem Geschäftsjahr 2018 eingehen, aus dem
Bereich der Zivilgerichtsbarkeit

mit Ausnahme der Rechtsbereiche (einschließlich der dazugehörigen Amtshaftungs-,


Kostenrechts-, Prozesskostenhilfe-, Beratungshilfe- und Verzögerungsverfahren sowie
Verfahren zu Befangenheitsanträgen):

1. allgemeines Persönlichkeitsrecht;

2. Recht der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit (Artikel 4 Absatz 1 und 2 GG);

3. Recht der freien Meinungsäußerung, Informations-, Rundfunk- und Pressefreiheit


(Artikel 5 GG);

4. Familienrecht (einschließlich Betreuungs-, Namens-, Personenstands-

und Transsexuellenrecht);

5. Recht des geistigen Eigentums;

6. Recht des Datenschutzes;

7. Kunst- und Wissenschaftsfreiheit (Artikel 5 Absatz 3 GG);

8. Versammlungsfreiheit (Artikel 8 GG);

9. Vereinigungsfreiheit (Artikel 9 GG);

10. Recht der selbständig und vorwiegend persönlich ausgeübten Berufe (einschließ-

lich Recht der berufsständischen Versorgungseinrichtungen);

11. Erbrecht;

124
12. Mietrecht;

13. Wettbewerbsrecht;

14. grundstücks- und unternehmensbezogene Vermögensfragen im

Zusammenhang mit der Herstellung der Deutschen Einheit;

15. Bau- und Bodenrecht einschließlich Erschließungs- und Enteignungsrecht;

16. Gesellschaftsrecht einschließlich Genossenschaftsrecht;

17. Recht des Versicherungswesens;

18. Bank-, Börsen- und Wertpapierrecht;

19. Kreditrecht einschließlich des Rechts der Sicherungen;

20. Recht der Finanzmarktstabilisierung einschließlich Enteignungen;

21. Regulierungsrecht;

22. Dienst- und Werkvertragsrecht einschließlich Anwaltsvertrags- und Arztvertrags-

recht;

23. sonstiges Deliktsrecht;

24. Wirtschaftsrechtliche Fragen der gesetzlichen Krankenversicherung;

25. Vollstreckung öffentlich-rechtlicher Forderungen;

26. Wohnungseigentumsrecht;

27. Kaufrecht.D

11.

Dieser Beschluss tritt am 1. Januar 2019 in Kraft.

Karlsruhe, den 20. November 2018

125
Der Präsident

des Bundesverfassungsgerichts

Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Voßkuhle

126
10.5 Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts 2019

Beschluss

des Plenums des Bundesverfassungsgerichts

vom 3. Dezember 2019 zur Änderung des Beschlusses vom 24. November 2015 gemäß §
14 Absatz 4 des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes in der Fassung

vom 20. November 2018

Das Plenum des Bundesverfassungsgerichts hat am 3. Dezember 2019 gemäß § 14


Absatz 4 des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung
vom

11. August 1993 (BGBI I S. 1473), das zuletzt durch Artikel 4 des Gesetzes zur
Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016/680 im Strafverfahren sowie zur Anpassung
datenschutzrechtlicher Bestimmungen an die Verordnung (EU) 2016/679 vom 20.
November 2019 (BGBI I S. 1731) geändert worden ist, beschlossen:

I.

Der Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts vom 24. November 2015
(BGBI 2016 I S. 118), zuletzt geändert durch Beschluss des Plenums vom 20. November
2018 (BGBI I 2019 S. 44) wird wie folgt geändert:

Die Abschnitte A. 11. und 111. erhalten folgende Fassung:

,,11. Für Normenkontroliverfahren und Verfassungsbeschwerden, die in dem


Geschäftsjahr 2020 eingehen, aus den Rechtsbereichen

1. des Vertriebenenrechts;

2. des Körperschaftsteuerrechts und des Umwandlungssteuerrechts;

3. des Waffenrechts;

127
4. des Petitionsrechts;

5. des Rechts der Zwangsversteigerung und Zwangsvollstreckung (soweit es sich


nicht um Erkenntnisverfahren handelt);

6. des Insolvenzrechts (ausgenommen Verfahren, in denen eine Verletzung von


Artikel 12 GG gerügt wird);

7. des Wohnungseigentumsrechts;

8. des Kaufrechts;

9. des Dienst- und Werkvertragsrechts mit Ausnahme des Anwaltsvertrags- und


Arztvertragsrechts .

111. Für Verfassungsbeschwerden, die ab dem Geschäftsjahr 2020 eingehen, aus dem
Bereich der Zivilgerichtsbarkeit

mit Ausnahme der Rechtsbereiche (einschließlich der dazugehörigen Amtshaftungs-,


Kostenrechts-, Prozesskostenhilfe-, Beratungshilfe- und Verzögerungsverfahren sowie
Verfahren zu Befangenheitsanträgen):

1. allgemeines Persönlichkeitsrecht;

2. Recht der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit (Artikel 4 Absatz 1 und 2 GG);

3. Recht der freien Meinungsäußerung, Informations-, Rundfunk- und Pressefreiheit


(Artikel 5 GG);

4. Familienrecht (einschließlich Betreuungs-, Namens-, Personenstands-

und Transsexuellenrecht);

5. Recht des geistigen Eigentums;

6. Recht des Datenschutzes;

7. Kunst- und Wissenschaftsfreiheit (Artikel 5 Absatz 3 GG);

128
8. Versammlungsfreiheit (Artikel 8 GG);

9. Vereinigungsfreiheit (Artikel 9 GG);

10. Recht der selbständig und vorwiegend persönlich ausgeübten Berufe (einschließ-

lich Recht der berufsständischen Versorgungseinrichtungen);

11. Erbrecht;

12. Mietrecht;

13. Wettbewerbsrecht;

14. grundstücks- und unternehmensbezogene Vermögensfragen im

Zusammenhang mit der Herstellung der Deutschen Einheit;

15. Bau- und Bodenrecht einschließlich Erschließungs- und Enteignungsrecht;

16. Gesellschaftsrecht einschließlich Genossenschaftsrecht;

17. Recht des Versicherungswesens;

18. Bank-, Börsen- und Wertpapierrecht;

19. Kreditrecht einschließlich des Rechts der Sicherungen;

20. Recht der Finanzmarktstabilisierung einschließlich Enteignungen;

21. Regulierungsrecht;

22. Anwaltsvertrags- und Arztvertragsrecht;

23. sonstiges Deliktsrecht;

24. Wirtschaftsrechtliche Fragen der gesetzlichen Krankenversicherung;

25. Vollstreckung öffentlich-rechtlicher Forderungen."

11.

129
Dieser Beschluss tritt am 1. Januar 2020 in Kraft.

Karlsruhe, den 3. Dezember 2019

Der Präsident

des Bundesverfassungsgerichts

Prof. Dr. Dres. h. c. Andreas Voßkuhle

130
11 2 BvQ 1/51

BUNDESVERFASSUNGSGERICHT - 2 BvQ 1/51 -

IM NAMEN DES VOLKES

In dem Verfassungs rechtsstreit betreffend das Zweite Gesetz über die Neugliederung in
den Ländern Baden, Württemberg -Baden und Württemberg-Hohenzollern vom

4. Mai 1951 (BGBI. I S. 284)

- Antragsteller: Die Badische Landesregierung -

Die Regierung des Landes Württemberg-Baden,

die Regierung des Landes Württemberg-Hohenzollern -

erläßt

das Bundesverfassungsgericht durch den Zweiten Senat unter Mitwirkung

des Stellvertreters des Präsidenten Dr. Katz, als Vorsitzenden,

der Richter Dr. Fröhlich,

Wolff,

Dr. Roediger, Dr. Klaas,

Henneka,

Dr. Friesenhahn

Dr. Rupp

131
Dr. Geiger Leuser

Dr. Federer

von Amts wegen durch Beschluß vom 9. September 1951 folgende

Einstweilige Anordnung:

1/4

1. Die Ausführung des § 2 Satz 2 des Zweiten Gesetzes über die Neu-gliederung in den
Ländern Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern vom 4. Mai 1951
(BGBI. 15.284) und der Bekanntmachung des Bundesministers des Innern vom 29. Mai
1951 (BAnz. 1951 Nr. 102) wird bis zur Entscheidung in der Hauptsache ausgesetzt.

2. Die Entscheidung über eine Festsetzung eines neuen Tages der Ab-stimmung bleibt
dem Urteil in der Hauptsache vorbehalten.

Gründe:

Der Streit über die Gültigkeit des Zweiten Neugliederungsgesetzes betrifft Grundfra-
1

gen der verfassungsmäßigen Ordnung der Bundesrepublik. Er erfordert eine einge-

hende Prüfung der Rechtslage. Das Gesetz über das Bundesverfassungsgericht ent-

hält ferner bindende Bestimmungen über Förmlichkeiten des Verfahrens, deren Beachtung
eine gewisse Zeit beansprucht. Das Bundesverfassungsgericht kann des-

halb die Entscheidung in der Hauptsache nicht rechtzeitig vor dem vom Bundesminis-

ter des Innern auf den 16. September 1951 festgesetzten Abstimmungstag treffen.

Das Bundesverfassungsgericht ist durch Gesetz vom 12. März 1951 - in Kraft getre-
2

ten am 17. April 1951 - geschaffen worden. Die Richter wurden jedoch so spät ge-

132
wählt, daß das Gericht erst am 8. September 1951 seine Tätigkeit aufnehmen konn-

te.

Das Zweite Neugliederungsgesetz wurde vom Bundestag am 25. April 1951 verab-
3

schiedet. Der Bundesrat beschloß am 27. April 1951, Einspruch nicht zu erheben. In

den Beratungen beider gesetzgebenden Körperschaften ist die Rechtsgültigkeit des


Gesetzes lebhaft bestritten worden. Dabei kam wiederholt zum Ausdruck, daß das
Bundesverfassungsgericht darüber zu entscheiden haben würde. So erklärt sich die
Festsetzung des 16. September 1951 als des spätesten Abstimmungstermins. Hätte

der Gesetzgeber voraussehen können, daß das Bundesverfassungsgericht erst acht

Tage vor diesem Termin zusammentreten konnte, so hätte er die dem Bundesminis-

ter des Innern gesetzte Frist anders bemessen. Der Gesetzgeber wollte den Beteilig-

ten die Möglichkeit lassen, rechtzeitig vor dem Abstimmungstag eine Entscheidung

des Bundesverfassungsgerichts herbeizuführen.

Eine Abstimmung auf Grund eines Gesetzes, dessen Rechtsgültigkeit in der Öffent-
4

lichkeit hart umstritten und dessen Verfassungsmäßigkeit Gegenstand eines beim


Bundesverfassungsgericht anhängigen Verfahrens ist, würde die Stimmberechtigten
verwirren und damit möglicherweise das Ergebnis verfälschen. Auch darf es im Ab-
stimmungskampf nur um die Sache, nicht aber um die Rechtsgrundlage der Abstim-

mung gehen. Schließlich steht bis zur Entscheidung in der Hauptsache nicht fest, ob

sich die Abstimmung nicht etwa als gegenstandslos herausstellt.

Zur Abwendung dieser schweren Nachteile ist eine Einstweilige Anordnung gemäß
5

§ 32 Abs. 1 BVerfGG dringend geboten; die Ausführung des § 2 Satz 2 des Zweiten

2/4

133
Neugliederungsgesetzes mußte ausgesetzt werden, damit das Bundesverfassungsgericht
vor einer Abstimmung entscheiden kann. Demgegenüber fallen Schwierigkeiten in der
technischen Durchführung der Abstimmung, die sich aus dieser Anordnung ergeben, nicht
entscheidend ins Gewicht.

Von einer mündlichen Verhandlung hat das Bundesverfassungsgericht wegen der


6

Notwendigkeit einer sofortigen vorläufigen Regelung abgesehen (§ 32 Abs. 2 BVerfGG),


zumal ausführliche Erklärungen der unmittelbar beteiligten Länder vorlie-

gen.

Das Bundesverfassungsgericht hat die Sache selbst noch nicht prüfen können. Die-
7

se Einstweilige Anordnung läßt keinerlei Schluß zu auf die Auffassung des Bundes-
verfassungsgerichts über die Gültigkeit oder Ungültigkeit des angegriffenen Geset-

zes.

Dr. Katz

Dr. Fröhlich

Wolff

Dr. Roediger Dr. Friesenhahn

Dr. Klaas

Henneka

Dr. Rupp

Dr. Geiger Dr. Federer

Leuser

134
3/4

Bundesverfassungsgericht, Beschluss des Zweiten Senats vom 9. September 1951 - 2


BvQ 1/51

Zitiervorschlag BVerfG, Beschluss des Zweiten Senats vom 9. September 1951 - 2 BvQ
1/51 - Rn. (1 - 7), http://www.bverfg.de/e/ qs19510909_2bvq000151.html

ECLI

ECLI:DE:BVerfG:1951 :qs1951 0909.2bvq000151

4/4

135
12 Vertrag über die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Drei
Machten 1952

Vertrag über die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Drei
Mächten

[" Deutsch landvertrag"]

vom 26. Mai 1952

in der Fassung vom 23. Oktober 1954

Die Bundesrepublik Deutschland,

Die Vereinigten Staaten von Amerika,

Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland

und

Die Französische Republik

haben zur Festlegung der Grundlagen ihres neuen Verhältnisses den folgenden Vertrag
geschlossen:

Artikel 1

(1) Mit dem Inkrafttreten dieses Vertrags werden die Vereinigten Staaten von Amerika, das
Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland und die Französische Republik
(in diesem Vertrag und in den Zusatzverträgen auch als "Drei Mächte" bezeichnet) das
Besatzungsregime in der Bundesrepublik beenden, das Besatzungsstatut aufheben und
die Alliierte Hohe Kommission sowie die Dienststellen der Landeskommissare in der
Bundesrepublik auflösen.

(2) Die Bundesrepublik wird demgemäß die volle Macht eines souveränen Staates über
ihre inneren und äußeren Angelegenheiten haben.

136
Artikel 2

Im Hinblick auf die internationale Lage, die bisher die Wiedervereinigung Deutschlands
und den Abschluß eines Friedensvertrags verhindert hat, behalten die Drei Mächte die
bisher von ihnen ausgeübten oder innegehabten Rechte und Verantwortlichkeiten in
bezug auf Berlin und auf Deutschland als Ganzes einschließlich der Wiedervereinigung
Deutschlands und einer friedensvertraglichen Regelung. Die von den Drei Mächten
beibehaltenen Rechte und Verantwortlichkeiten in bezug auf die Stationierung von

Streitkräften in Deutschland und der Schutz der Sicherheit dieser Streitkräfte bestimmen
sich nach den Artikeln 4 und 5 dieses Vertrags.

Artikel 3

(1) Die Bundesrepublik wird ihre Politik in Einklang mit den Prinzipien der Satzung der
Vereinten Nationen und mit den im Statut des Europarates aufgestellten Zielen halten.

(2) Die Bundesrepublik bekräftigt ihre Absicht, sich durch ihre Mitgliedschaft in
internationalen Organisationen, die zur Erreichung der gemeinsamen Ziele der freien Welt
beitragen, mit der Gemeinschaft der freien Nationen völlig zu verbinden. Die Drei Mächte
werden zu gegebener Zeit Anträge der Bundesrepublik unterstützen, die Mitgliedschaft in
solchen Organisationen zu erlangen.

(3) Bei Verhandlungen mit Staaten, mit denen die Bundesrepublik keine Beziehungen
unterhält, werden die Drei Mächte die Bundesrepublik in Fragen konsultieren, die deren
politische Interessen unmittelbar berühren.

(4) Auf Ersuchen der Bundesregierung werden die Drei Mächte die erforderlichen
Vorkehrungen treffen, die Interessen der Bundesrepublik in ihren Beziehungen zu anderen
Staaten und in gewissen internationalen Organisationen oder Konferenzen zu vertreten,
soweit die Bundesrepublik dazu nicht selbst in der Lage ist.

Artikel 4

(1) Bis zum Inkrafttreten der Abmachungen über den deutschen Verteidigungsbeitrag
behalten die Drei Mächte weiterhin ihre bisher ausgeübten oder innegehabten Rechte in
137
bezug auf die Stationierung von Streitkräften in der Bundesrepublik. Die Aufgabe dieser
Streitkräfte wird die Verteidigung der freien Welt sein, zu der die Bundesrepublik und
Berlin gehören. Vorbehaltlich der Bestimmungen des Artikels 5 Absatz (2) dieses Vertrags
bestimmen sich die Rechte und Pflichten dieser Streitkräfte nach dem Vertrag über die
Rechte und Pflichten ausländischer Streitkräfte und ihrer Mitglieder in der Bundesrepublik
Deutschland (im folgenden als "Truppenvertrag" bezeichnet), auf den in Artikel 8 Absatz
(1) dieses Vertrags Bezug genommen ist.

(2) Die von den Drei Mächten bisher ausgeübten oder innegehabten und weiterhin
beizubehaltenden Rechte in bezug auf die Stationierung von Streitkräften in Deutschland
werden von den Bestimmungen dieses Artikels nicht berührt, soweit sie für die Ausübung
der im ersten Satz des Artikels 2 dieses Vertrags genannten Rechte erforderlich sind. Die
Bundesrepublik ist damit einverstanden, daß vom Inkrafttreten der Abmachungen über
den deutschen Verteidigungsbeitrag an Streitkräfte der gleichen Nationalität und
Effektivstärke wie zur Zeit dieses Inkrafttretens in der Bundesrepublik stationiert werden
dürfen. Im Hinblick auf die in Artikel 1 Absatz (2) dieses Vertrags umschriebene
Rechtsstellung der Bundesrepublik und im Hinblick darauf, daß die Drei Mächte gewillt
sind, ihre Rechte betreffend die Stationierung von

Streitkräften in der Bundesrepublik, soweit diese betroffen ist, nur in vollem Einvernehmen
mit der Bundesrepublik auszuüben, wird diese Frage in einem besonderen Vertrag
geregelt.

Artikel 5

(1) Für die in der Bundesrepublik stationierten Streitkräfte gelten bis zum Inkrafttreten der
Abmachungen über den deutschen Verteidigungsbeitrag die folgenden Bestimmungen:

a) Die Drei Mächte werden die Bundesregierung in allen die Stationierung dieser
Streitkräfte betreffenden Fragen konsultieren, soweit es die militärische Lage erlaubt. Die
Bundesrepublik wird nach Maßgabe dieses Vertrags und der Zusatzverträge im Rahmen
ihres Grundgesetzes mitwirken, um diesen Streitkräften ihre Aufgabe zu erleichtern.

138
b) Die Drei Mächte werden nur nach vorheriger Einwilligung der Bundesrepublik Truppen
eines Staates, der zur Zeit keine Kontingente stellt, als Teil ihrer Streitkräfte im
Bundesgebiet stationieren. Jedoch dürfen solche Kontingente im Falle eines Angriffs oder
unmittelbar drohenden Angriffs ohne Einwilligung der Bundesrepublik in das Bundesgebiet
gebracht werden, dürfen dagegen nach Beseitigung der Gefahr nur mit Einwilligung der
Bundesrepublik dort verbleiben.

(2) Die von den Drei Mächten bisher innegehabten oder ausgeübten Rechte in bezug auf
den Schutz der Sicherheit von in der Bundesrepublik stationierten Streitkräften, die
zeitweilig von den Drei Mächten beibehalten werden, erlöschen, sobald die zuständigen
deutschen Behörden entsprechende Vollmachten durch die deutsche Gesetzgebung
erhalten haben und dadurch in Stand gesetzt sind, wirksame Maßnahmen zum Schutz der
Sicherheit dieser Streitkräfte zu treffen, einschließlich der Fähigkeit, einer ernstlichen
Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu begegnen. Soweit diese Rechte
weiterhin ausgeübt werden können, werden sie nur nach Konsultation mit der
Bundesregierung ausgeübt werden, soweit die militärische Lage eine solche Konsultation
nicht ausschließt, und wenn die Bundesregierung darin übereinstimmt, daß die Umstände
die Ausübung derartiger Rechte erfordern. Im übrigen bestimmt sich der Schutz der
Sicherheit dieser Streitkräfte nach den Vorschriften des Truppenvertrags oder den
Vorschriften des Vertrags, welcher den Truppenvertrag ersetzt, und nach deutschem
Recht, soweit nicht in einem anwendbaren Vertrag etwas anderes bestimmt ist.

Artikel 6

(1) Die Drei Mächte werden die Bundesrepublik hinsichtlich der Ausübung ihrer Rechte in
bezug auf Berlin konsultieren.

(2) Die Bundesrepublik ihrerseits wird mit den Drei Mächten zusammenwirken, um es
ihnen zu erleichtern, ihren Verantwortlichkeiten in bezug auf Berlin zu genügen.

Artikel 7

(1) Die Unterzeichnerstaaten sind darüber einig, daß ein wesentliches Ziel ihrer
gemeinsamen Politik eine zwischen Deutschland und seinen ehemaligen Gegnern frei

139
vereinbarte friedensvertragliche Regelung für ganz Deutschland ist, welche die Grundlage
für einen dauerhaften Frieden bilden soll. Sie sind weiterhin darüber einig, daß die
endgültige Festlegung der Grenzen Deutschlands bis zu dieser Regelung aufgeschoben
werden muß.

(2) Bis zum Abschluß der friedensvertraglichen Regelung werden die


Unterzeichnerstaaten zusammenwirken, um mit friedlichen Mitteln ihr gemeinsames Ziel
zu verwirklichen: Ein wiedervereinigtes Deutschland, das eine freiheitlich-demokratische
Verfassung, ähnlich wie die Bundesrepublik, besitzt und das in die europäische
Gemeinschaft integriert ist.

(3) (gestrichen)

(4) Die Drei Mächte werden die Bundesrepublik in allen Angelegenheiten konsultieren,
welche die Ausübung ihrer Rechte in bezug auf Deutschland als Ganzes berühren.

Artikel 8

(1) a) Die Unterzeichnerstaaten haben die folgenden Zusatzverträge


geschlossen:

Vertrag über die Rechte und Pflichten ausländischer Streitkräfte und ihrer Mitglieder in der
Bundesrepublik Deutschland;

Finanzvertrag;

Vertrag zur Regelung aus Krieg und Besatzung entstandener Fragen.

b) Der Vertrag über die Rechte und Pflichten ausländischer Streitkräfte und ihrer Mitglieder
in der Bundesrepublik Deutschland und das am 26. Mai 1952 in Bonn unterzeichnete
Abkommen über die steuerliche Behandlung der Streitkräfte und ihrer Mitglieder in der
durch das Protokoll vom 26. Juli 1952 abgeänderten Fassung bleiben bis zum Inkrafttreten
neuer Vereinbarungen über die Rechte und Pflichten der Streitkräfte der Drei Mächte und
sonstiger Staaten, die Truppen auf dem Gebiet der Bundesrepublik unterhalten, in Kraft.
Die neuen Vereinbarungen werden auf der Grundlage des in London am 19. Juni 1951
zwischen den Parteien des Nordatlantikpakts über den Status ihrer Streitkräfte
unterzeichneten Abkommens getroffen, ergänzt durch diejenigen Bestimmungen, die im
Hinblick auf die besonderen Verhältnisse in bezug auf die in der Bundesrepublik
stationierten Streitkräfte erforderlich sind.
140
c) Der Finanzvertrag bleibt bis zum Inkrafttreten neuer Vereinbarungen in Kraft, über die
gemäß Artikel 4 Absatz (4) jenes Vertrags mit anderen Mitgliedstaaten der
Nordatlantikpakt-Organisation verhandelt wird, die Truppen im Bundesgebiet stationiert
haben.

(2) Während der in Artikel 6 Absatz (4) des Ersten Teils des Vertrags zur Regelung aus
Krieg und Besatzung entstandener Fragen vorgesehenen Übergangszeit bleiben die in
jenem Absatz erwähnten Rechte der drei Unterzeichnerstaaten erhalten.

Artikel 9

(1) Es wird ein Schiedsgericht errichtet werden, das gemäß den Bestimmungen der
beigefügten Satzung tätig werden wird.

(2) Das Schiedsgericht ist ausschließlich zuständig für alle Streitigkeiten, die sich
zwischen der Bundesrepublik und den Drei Mächten aus den Bestimmungen dieses
Vertrags oder der beigefügten Satzung oder eines der Zusatzverträge ergeben und welche
die Parteien nicht durch Verhandlungen oder auf eine andere zwischen allen
Unterzeichnerstaaten vereinbarte Weise beizulegen vermögen, soweit sich nicht aus
Absatz (3) dieses Artikels oder aus der beigefügten Satzung oder aus den
Zusatzverträgen etwas anderes ergibt.

(3) Streitigkeiten, welche die in Artikel 2, den ersten beiden Sätzen des Absatzes (1) des
Artikels 4, dem ersten Satz des Absatzes (2) des Artikels 4 und den ersten beiden Sätzen
des Absatzes (2) des Artikels 5 angeführten Rechte der Drei Mächte oder Maßnahmen auf
Grund der Rechte berühren, unterliegen nicht der Gerichtsbarkeit des Schiedsgerichtes
oder eines anderen Gerichtes.

Artikel 10

Die Unterzeichnerstaaten überprüfen die Bestimmungen dieses Vertrags und der


Zusatzverträge:

a) auf Ersuchen eines von ihnen im Falle der Wiedervereinigung Deutschlands oder einer
unter Beteiligung oder mit Zustimmung der Staaten, die Mitglieder dieses Vertrags sind,

141
erzielten internationalen Verständigung über Maßnahmen zur Herbeiführung der
Wiedervereinigung Deutschlands oder der Bildung einer europäischen Föderation, oder

b) in jeder Lage, die nach Auffassung aller Unterzeichnerstaaten aus einer Änderung
grundlegenden Charakters in den zur Zeit des Inkrafttretens des Vertrags bestehenden
Verhältnissen entstanden ist.

In beiden Fällen werden sie in gegenseitigem Einvernehmen diesen Vertrag und die
Zusatzverträge in dem Umfang ändern, der durch die grundlegende Änderung der Lage
erforderlich oder ratsam geworden ist.

Artikel 11

(1) (gestrichen)

(2) (gestrichen)

(3) Dieser Vertrag und die Zusatzverträge werden in den Archiven der Regierung der
Bundesrepublik Deutschland hinterlegt; diese wird jedem Unterzeichnerstaat beglaubigte
Ausfertigungen übermitteln und jeden Unterzeichnerstaat vom Zeitpunkt des Inkrafttretens
dieses Vertrags und der Zusatzverträge in Kenntnis setzen.

142
13 Entscheindungstyp

(URTEIL)

13.1 Feststellung der Verfassungswidrigkeit bei Parteien 2 BvB 1/13

Le i t s atz

zum Urteil des Zweiten Senats vom 3. Juli 2008

- 2 BvC 1/07, 2 BvC 7/07 -

§ 7 Absatz 3 Satz 2 in Verbindung mit § 6 Absätze 4 und 5 des Bundeswahlgesetzes


verletzt die Grundsätze der Gleichheit und der Unmittelbarkeit der Wahl, soweit hierdurch
ermöglicht wird, dass ein Zuwachs an Zweitstimmen zu einem Verlust an Sitzen der
Landeslisten oder ein Verlust an Zweitstimmen zu einem Zuwachs an Sitzen der
Landeslisten führen kann.

143
13.2 Wahlprüfungsbeschwerden 2 BvC 1/07

Le i t s atz

zum Urteil des Zweiten Senats vom 3. Juli 2008

- 2 BvC 1/07, 2 BvC 7/07 -

§ 7 Absatz 3 Satz 2 in Verbindung mit § 6 Absätze 4 und 5 des Bundeswahlgesetzes


verletzt die Grundsätze der Gleichheit und der Unmittelbarkeit der Wahl, soweit hierdurch
ermöglicht wird, dass ein Zuwachs an Zweitstimmen zu einem Verlust an Sitzen der
Landeslisten oder ein Verlust an Zweitstimmen zu einem Zuwachs an Sitzen der
Landeslisten führen kann.

144
13.3 Organstreitverfahren 2 BvE 1/83

Leitsatz

zum Urteil des Zweiten Senats vom 16. Februar 1983

- 2 BvE 1/83-

- 2 BvE 2/83-

- 2 BvE 3/83-

- 2 BvE 4/83-

1. Im Organstreit kann der einzelne Bundestagsabgeordnete die behauptete Verletzung


jedes Rechts, das mit seinem Status als Abgeordneter verfassungsrechtlich verbunden ist,
im eigenen Namen geltend machen. An der Gewährleistung der in GG Art 39 Abs 1 S 1
festgelegten Dauer der Wahlperiode hat der Status des Abgeordneten Anteil.

2. Die Anordnung der Auflösung des Bundestages oder ihre Ablehnung gem GG Art 68 ist
eine politische Leitentscheidung, die dem pflichtgemäßen Ermessen des
Bundespräsidenten obliegt. Ein Ermessen im Rahmen des GG Art 68 Abs 1 S 1 ist dem
Bundespräsidenten freilich nur dann eröffnet, wenn im Zeitpunkt seiner Entscheidung die
verfassungsrechtlichen Voraussetzungen hierfür vorliegen.

3. GG Art 68 normiert einen zeitlich gestreckten Tatbestand. Verfassungswidrigkeiten, die


auf den zeitlich vorangehenden Stufen eingetreten sind, wirken auf die Entscheidungslage
fort, vor die der Bundespräsident nach dem Auflösungsvorschlag des Bundeskanzlers
gestellt ist.

4.1 GG Art 68 Abs 1 S 1 ist eine offene Verfassungsnorm, die der Konkretisierung
zugänglich und bedürftig ist.

4.2 Die Befugnis zur Konkretisierung von Bundesverfassungsrecht kommt nicht allein dem
Bundesverfassungsgericht, sondern auch anderen obersten Verfassungsorganen zu.
Dabei sind die bereits vorgegebenen Wertungen, Grundentscheidungen, Grundsätze und
Normen der Verfassung zu wahren.

4.3 Bei der Konkretisierung der Verfassung als rechtlicher Grundordnung ist zumal ein
hohes Maß an Übereinstimmung in der verfassungsrechtlichen wie verfassungspolitischen

145
Beurteilung und Bewertung der in Rede stehenden Sachverhalte zwischen den möglichen
betroffenen obersten Verfassungsorganen unabdingbar und eine auf Dauer angelegte,
stetige Handhabung unerläßlich. Eine politisch umkämpfte und rechtlich umstrittene Praxis
von Parlamentsmehrheiten und Regierungsmehrheiten reicht als solche hierfür nicht aus.

5. Vertrauen im Sinne des GG Art 68 meint gem der deutschen


verfassungsgeschichtlichen Tradition die im Akt der Stimmabgabe förmlich bekundete
gegenwärtige Zustimmung der Abgeordneten zu Person und Sachprogramm des
Bundeskanzlers.

6. Der Bundeskanzler, der die Auflösung des Bundestages auf dem Wege des GG Art 68
anstrebt, soll dieses Verfahren nur anstrengen dürfen, wenn es politisch für

ihn nicht mehr gewährleistet ist, mit den im Bundestag bestehenden Kräfteverhältnissen
weiterzuregieren. Die politischen Kräfteverhältnisse im Bundestag müssen seine
Handlungsfähigkeit so beeinträchtigen oder lähmen, daß er eine vom stetigen Vertrauen
der Mehrheit getragene Politik nicht sinnvoll zu verfolgen vermag. Dies ist
ungeschriebenes sachliches Tatbestandsmerkmal des GG Art 68 Abs 1 S 1.

7. Eine Auslegung dahin, daß GG Art 68 einem Bundeskanzler, dessen ausreichende


Mehrheit im Bundestag außer Zweifel steht, gestattete, sich zum geeignet erscheinenden
Zeitpunkt die Vertrauensfrage negativ beantworten zu lassen mit dem Ziel, die Auflösung
des Bundestages zu betreiben, würde dem Sinn des GG Art 68 nicht gerecht. Desgleichen
rechtfertigen besondere Schwierigkeiten der in der laufenden Wahlperiode sich stellenden
Aufgaben die Auflösung nicht.

8.1 Ob eine Lage vorliegt, die eine vom stetigen Vertrauen der Mehrheit getragene Politik
nicht mehr sinnvoll ermöglicht, hat der Bundeskanzler zu prüfen, wenn er beabsichtigt,
einen Antrag mit dem Ziel zu stellen, darüber die Auflösung des Bundestages
anzustreben.

8.2 Der Bundespräsident hat bei der Prüfung, ob der Antrag und der Vorschlag des
Bundeskanzlers nach GG Art 68 mit der Verfassung vereinbar sind, andere Maßstäbe
nicht anzulegen; er hat insoweit die Einschätzungskompetenz und Beurteilungskompetenz

146
des Bundeskanzlers zu beachten, wenn nicht eine andere, die Auflösung verwehrende
Einschätzung der politischen Lage der Einschätzung des Bundeskanzlers eindeutig
vorzuziehen ist.

8.3 Die Einmütigkeit der im Bundestag vertretenen Parteien, zu Neuwahlen zu gelangen,


vermag den Ermessensspielraum des Bundespräsidenten nicht einzuschränken; er kann
hierin jedoch einen zusätzlichen Hinweis sehen, daß eine Auflösung des Bundestages zu
einem Ergebnis führen werde, das dem Anliegen des GG Art 68 näher kommt als eine
ablehnende Entscheidung.

9. In GG Art 68 hat das Grundgesetz selbst durch die Einräumung von Einschät-
zungsspielräumen und Beurteilungsspielräumen sowie von Ermessen zu politischen
Leitentscheidungen an drei oberste Verfassungsorgane die verfassungsgerichtlichen
Überprüfungsmöglichkeiten weiter zurückgenommen als in den Bereichen von
Rechtsetzung und Normvollzug; das Grundgesetz vertraut insoweit in erster Linie auf das
in GG Art 68 selbst angelegte System der gegenseitigen politischen Kontrolle und des
politischen Ausgleichs zwischen den beteiligten obersten Verfassungsorganen. Allein dort,
wo verfassungsrechtliche Maßstäbe für politisches Verhalten normiert sind, kann das
Bundesverfassungsgericht ihrer Verletzung entgegentreten.

147
13.4 Abstrakte Normenkontrolle 1 BvF 1/90

Leitsätze

zum Urteil des Ersten Senats vom 10. Januar 1995

- 1 BvF 1/90 -

- 1 BvR 342/90 -

- 1 BvR 348/90 -

1. Berührt die Ausübung der Koalitionsfreiheit (Art. 9 Abs. 3 GG) zwangsläufig die
Rechtsordnungen anderer Staaten und werden widerstreitende Interessen von Trägern
dieses Grundrechts in einem Raum ausgetragen, der von der deutschen Rechtsordnung
nicht mit alleinigem Gültigkeitsanspruch beherrscht wird, ist die Gestaltungsbefugnis des
Gesetzgebers größer als bei Regelungen von Rechtsbeziehungen mit inländischem
Schwerpunkt. Auch dann bleibt er aber verpflichtet, dem Grundrecht die unter den
obwaltenden und von ihm nicht beeinflußbaren Bedingungen größtmögliche Anwendung
zu sichern.

2. Die Berufsfreiheit der deutschen Seeleute wird nicht dadurch verletzt, daß der
Gesetzgeber auf deutschen Handelsschiffen, die in das Internationale
Seeschiffahrtsregister eingetragen sind, den Abschluß von arbeitsrechtlichen
Vereinbarungen nach Maßgabe ausländischen Rechts erleichtert zuläßt.

3. Es verstößt nicht gegen den allgemeinen Gleichheitssatz, daß nach

§ 21 Abs. 4 des Flaggenrechtsgesetzes (FIRG) ausländische Seeleute auf deutschen


Handelsschiffen zu Heimatheuern beschäftigt werden können.

148
13.5 Bund-Uinder-Streitigkeiten 2 BvG 1/96

Leitsatz

zum Urteil des Zweiten Senats vom 3. Juli 2000

- 2 BvG 1/96 -

Die Verwaltungszuständigkeit für "Bundesautobahnen und sonstige Bundesstraßen des


Fernverkehrs" im Sinne von Art. 90 Abs. 2 GG reicht jedenfalls nicht weiter als die damit
korrespondierende Gesetzgebungskompetenz des Bundes für "den Bau und die
Unterhaltung von Landstraßen für den Fernverkehr" nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 22 GG. Dies
begrenzt zugleich die Weisungsbefugnis im Rahmen der Bundesauftragsverwaltung .

149
13.6 Andere Streitigkeiten zw. Bund und l.andern 2 BvH 3/91

Leitsätze

zu dem Urteil des Zweiten Senats vom 21. Juli 2000

- 2 BvH 3/91 -

1. Die gesetzliche Gewährung von zusätzlichen Entschädigungen mit


Einkommenscharakter für Abgeordnete mit besonderen Funktionen ist eine Maßnahme im
Rahmen der Parlamentsautonomie, die der landtag grundsätzlich in eigener
Verantwortung trifft.

2. Die Regelungsmacht des Parlaments in eigenen Angelegenheiten wird - soweit


Funktionszulagen in Rede stehen - durch Art. 38 Abs. 1 GG eingeschränkt. Das auf Art. 38
Abs. 1 Satz 1 GG fußende Freiheitsgebot des Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG verlangt, die
Abgeordneten in Statusfragen formal gleich zu behandeln, damit keine Abhängigkeiten
oder Hierarchien über das für die Arbeitsfähigkeit des Parlaments unabdingbare Maß
hinaus entstehen.

3. Um eine der Freiheit des Mandats und der Statusgleichheit der Abgeordneten
entsprechende, von sachfremden Einflüssen freie politische Willensbildung zu
gewährleisten, ist die Zahl der mit Zulagen bedachten Funktionsstellen auf wenige
politisch besonders herausgehobene parlamentarische Funktionen zu beschränken.

150
13.7

Nur die mit einiger Wahrscheinlichkeit zu erwartende Beeinträchtigung der


Funktionsfähigkeit der kommunalen Vertretungsorgane kann die Fünf-Prozent-
Sperrklausel rechtfertigen.
Landesverfassungsstreitigkeiten 2 BvK 1/07

Leitsatz

zum Urteil des Zweiten Senats vom 13. Februar 2008

-2BvK1/07-

Nur die mit einiger Wahrscheinlichkeit zu erwartende Beeinträchtigung der Funkti-


onsfähigkeit der kommunalen Vertretungsorgane kann die Fünf-ProzentSperrklausel
rechtfertigen.

151
13.8 Konkrete Normenkontrolle 1 BvL 30/88

Leitsätze

zum Urteil des Ersten Senats vom 22. Februar 1994

1 BvL 30/88

1. Die Rundfunkfreiheit erfordert nicht die Gebührenfestsetzung durch die


Rundfunkanstalten selbst. Eine Festsetzung der Rundfunkgebühr durch Staatsvertrag der
Länder und anschließende Umsetzung in Landesrecht ist mit dem Grundgesetz vereinbar.

2. Art 5 Abs 1 Satz 2 GG verlangt für die Festsetzung der Rundfunkgebühr ein
Verfahren, das dem öffentlichrechtlichen Rundfunk die zur Erfüllung seiner Aufgabe im
dualen System erforderlichen Mittel gewährleistet und ihn vor Einflußnahmen auf das
Programm wirksam sichert.

3. Für die Gebührenfinanzierung gilt der Grundsatz der Programmneutralität. Im


Verfahren der Gebührenfestsetzung ist von den Programmentscheidungen der
Rundfunkanstalten auszugehen. Die Gebühr darf nicht zu Zwecken der Programmlenkung
oder der Medienpolitik eingesetzt werden.

4. Die Überprüfung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten darf sich nur darauf
beziehen, ob sich ihre Programmentscheidungen im Rahmen des rechtlich umgrenzten
Rundfunkaustrags halten und ob der aus ihnen abgeleitete Finanzbedarf zutreffend und im
Einklang mit den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit ermittelt worden ist.

5. Der so überprüfte Bedarf der Rundfunkanstalten darf bei der Gebüh-renfestsetzung


nur aus Gründen unterschritten werden, die vor der Rundfunkfreiheit Bestand haben. Dazu
gehören namentlich die Interessen der Gebührenzahler. Abweichungen sind zu
begründen.

152
13.9 Einstweilige Anordnungen 1 BvQ 5/77

Leitsatz

zum Urteil des Ersten Senats vom 16. Oktober 1977

- 1 BvQ 5/77-

Grenzen verfassungsrechtlicher Kontrolle bei der Bekämpfung lebensbedrohender


terroristischer Erpressungen

153
13.10 Verfassungsbeschwerden 1 BvR 253/56

Leitsätze

zum Urteil des Ersten Senats vom 16.01.1957

- 1 BvR 253/56 -

1. Art. 11 GG betrifft nicht die Ausreisefreiheit.

2. Die Ausreisefreiheit ist als Ausfluß der allgemeinen Handlungsfreiheit durch Art. 2
Abs. 1 GG innerhalb der Schranken der verfassungsmäßigen Ordnung gewährleistet.

3. Verfassungsmäßige Ordnung im Sinne des Art. 2 Abs. 1 GG ist die ver-


fassungsmäßige Rechtsordnung, d. h. die Gesamtheit der Normen, die formell und
materiell der Verfassung gemäß sind.

4. Jedermann kann im Wege der Verfassungsbeschwerde geltend machen, eine seine


Handlungsfreiheit beschränkende Rechtsnorm gehöre nicht zur verfassungsmäßigen
Ordnung.

154
(BESHLUSS)

13.11 Überprüfung von Vtilkerrecht als Bundesrecht 2 BvM 1/98

Leitsatz

zum Beschlu des Zweiten Senats vom 2. Februar 1999 - 2 BvM 1/98 -

Zur Zulssigkeit von Vorlagen nach Art. 100 Abs. 2 GG.

1/7

Bundesverfassungsgericht - 2 BVM 1/98 -

Im Namen des Volkes

In dem Verfahren

zur verfassungsrechtlichen Prfung der Frage,

ob - die Politik der atomaren Abschreckung,

- die Entwicklung und Produktion von Kernwaffen,

- die Drohung mit und der Einsatz von Nuklearwaffen,

- die Lagerung und Stationierung von Atomwaffen auf dem Gebiet der Bundes-

republik,

155
- die NATO-Strategie des nuklearen Ersteinsatzes,

- die Mitwirkung der Bundesregierung beim Einsatz und der Einsatzplanung von

Atomwaffen

mit den Regeln des Vlkerrechts, insbesondere

a) dem Verbot, im Krieg unntige Leiden zuzufgen,

b) dem Prinzip der Verhltnismigkeit und dem Grundsatz der Proportionalitt,

c) dem Gebot der Unterscheidung zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten

und der notwendigen Differenzierung zwischen zivilen und militrischen Zielen,

d) dem Verbot des Vlkermordes und von Verbrechen gegen die Menschlichkeit,

e) dem Verbot, der Umwelt dauernde und schwere Schden zuzufgen,

f) dem Gebot, die Menschenrechte zu achten,

g) dem Verbot des Einsatzes von Gift und giftigen Waffen,

h) dem Verbot, unbeteiligte und neutrale Staaten bei einem Waffeneinsatz in Mit-
leidenschaft zu ziehen

zu vereinbaren sind.

- Aussetzungs- und Vorlagebeschlu des Amtsgerichts Stuttgart

2/7

vom 5. Mai 1998 (B 8 es 5 Js 70009/97) -

hat das Bundesverfassungsgericht - Zweiter Senat - unter Mitwirkung der Richterinnen


und Richter

Prsidentin Limbach, Kirchhof,

Winter,
156
Sommer,

Jentsch,

Hassemer,

Bro,

Osterloh

am 2. Februar 1999 gem 24 BVerfGG beschlossen:

Die Vorlage ist unzulssig.

157
13.12 Auslegung des Grundgesetzes nach landesverfassungsgerichtlicher Vorlage 2 BvN
1/95

Bundesverfassungsgericht -2 BVN 1/95-

Im Namen des Volkes

In dem Verfahren

betreffend die verfassungsrechtliche Frage, ob Artikel 31 des Grundgesetzes den


Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen daran hindert, die Anwendung von
Bundesrecht des gerichtlichen Verfahrens am Mastab der Schsischen Verfassung zu
berprfen,

vorlegendes Gericht: Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen

- Aussetzungs- und Vorlagebeschlu vom 21. September 1995 - Vf. 1-IV-95 -

hat das Bundesverfassungsgericht - Zweiter Senat - unter Mitwirkung der Richterinnen


und Richter

Prsidentin Limbach, Grahof,

Kruis,

Kirchhof,

Winter,

Sommer,

Jentsch

am 15. Oktober 1997 beschlossen:

Das Grundgesetz hindert den Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen nicht


daran, die Anwendung von Bundesrecht des gerichtlichen Verfahrens durch Gerichte des

158
Freistaates Sachsen an den Grundrechten und grundrechtsgleichen Gewhrleistungen der
Schsischen Verfassung zu messen, soweit sie den gleichen Inhalt wie entsprechende
Rechte des Grundgesetzes haben.

159
13.13 anderweitig zugewiesene Verfahren durch Bundesgesetz 2 BvP 1/94

BUNDESVERFASSUNGSGERICHT - 2 BvP 1/94-

IM NAMEN DES VOLKES

In dem Verfahren

über

die Beschwerden gegen die Nichtzulassung eines Volksbegehrens auf Herstellung eines
Landes Franken (Bescheid des Bundesministeriums des Innern vom 16. März 1994 - V11-
110 920/15-)

Beschwerdefü h rer:

1. Fränkischer Bund eV., vertreten durch den ersten Vorsitzenden Georg Dieter
Ludwig, Frommannstraße 9, Nürnberg,

2. Georg Dieter Ludwig als Vertrauensmann der Antragsteller für die Durchführung
eines Volksbegehrens, ebenda

- Bevollmächtigte:

Rechtsanwälte Dr. Christian Bissei und Partner, Nürnberger Straße 71, Erlangen -

Beteiligte:

1. Der Bundesminister des Innern,

2. Die Bayerische Staatsregierung,

3. Die Landesregierung von Baden-Württemberg,

4. Die Thüringer Landesregierung

160
hat das Bundesverfassungsgericht - Zweiter Senat - unter Mitwirkung der Richterinnen
und Richter

Präsidentin Limbach,

Graßhof,

Kruis,

1/12

Kirchhof,

Winter,

Sommer,

Jentsch,

Hassemer

am 24. Juni 1997 gemäß § 24 BVerfGG einstimmig beschlossen:

Die Beschwerden werden verworfen.

161
13.14 Plenarentscheidung 1 PBvU 1/02

Leitsatz

zum Beschluss des Plenums des Bundesverfassungsgerichts vom 30. April 2003

- 1 PBvU 1/02 -

Zur verfassungsrechtlichen Gewährleistung fachgerichtlichen Rechtsschutzes bei


Verstößen gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG).

1/19

BU N DESVERFASSU NGSGERICHT - 1 PBVU 1/02 -

Im Namen des Volkes

In dem Verfahren über

die Vorlage des Ersten Senats vom 16. Januar 2002 - 1 BvR 10/99 -

hat das Plenum des Bundesverfassungsgerichts gemäß § 16 Abs. 1 BVerfGG unter


Mitwirkung der Richterinnen und Richter

Präsident Papier als Vorsitzender, Vizepräsident Hassemer, Sommer,

Jaeger,

Haas,

Hömig,

Steiner,
162
Jentsch,

Broß,

Osterloh,

Hohmann-Dennhardt, Hoffmann-Riem,

Di Fabio,

Bryde,

Mellinghoff,

Lübbe-Wolff

am 30. April 2003 beschlossen:

Es verstößt gegen das Rechtsstaatsprinzip in Verbindung mit Artikel 103 Absatz 1 des
Grundgesetzes, wenn eine Verfahrensordnung keine fachgerichtliche Abhilfemöglichkeit
für den Fall vorsieht, dass ein Gericht in entscheidungserheblicher Weise den Anspruch
auf rechtliches Gehör verletzt.

163
13.15 Verztigerungsbeschwerde Vz 11/14

BU N DESVERFASSU NGSGERICHT - 1 BvR 2781/13 - Vz 11/14 -

In dem Verfahren über

die Verzögerungsbeschwerde

der Frau K ... ,

- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Hans-Georg Kluge in Sozietät Rechtsanwälte Röttgen &


Kluge PartG mbB, Littenstraße 108, 10179 Berlin -

gegen

die Dauer des Verfahrens der Verfassungsbeschwerde 1 BvR 2781/13

hat die Beschwerdekammer des Bundesverfassungsgerichts durch die Richter Landau,

Schluckebier,

Paulus, Maidowski

am 20. August 2015 beschlossen:

Die Beschwerdeführerin wird wegen der unangemessenen Dauer des


Verfassungsbeschwerdeverfahrens in der Sache 1 BvR 2781/13 mit 3.000 € (in Worten:
dreitausend Euro) entschädigt.

Im Übrigen wird die Beschwerde zurückgewiesen.

Die Bundesrepublik Deutschland hat der Beschwerdeführerin die not-wendigen Auslagen


für das Verzögerungsbeschwerdeverfahren zu erstatten.

Der Gegenstandswert für das Verzögerungsbeschwerdeverfahren wird auf 10.000 € (in


Worten: zehntausend Euro) festgesetzt.

164
14 Vertrag über die abschlieBende Regelung in bezug auf Deutschland 1990

Die Bundesrepublik Deutschland, die Deutsche Demokratische Republik, die Französische


Republik, das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland, die Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken und die Vereinigten Staaten von Amerika -

IN DEM BEWUSSTSEIN, daß ihre Völker seit 1945 miteinander in Frieden leben,

EINGEDENK der jüngsten historischen Veränderungen in Europa, die es ermöglichen, die


Spaltung des Kontinents zu überwinden,

UNTER BERÜCKSICHTIGUNG der Rechte und Verantwortlichkeiten der Vier Mächte in


bezug auf Berlin und Deutschland als Ganzes und der entsprechenden Vereinbarungen
und Beschlüsse der Vier Mächte aus der Kriegs- und Nachkriegszeit,

ENTSCHLOSSEN, in Übereinstimmung mit ihren Verpflichtungen aus der Charta der


Vereinten Nationen freundschaftliche, auf der Achtung vor dem Grundsatz der
Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker beruhende Beziehungen zwischen
den Nationen zu entwickeln und andere geeignete Maßnahmen zur Festigung des
Weltfriedens zu treffen,

EINGEDENK der Prinzipien der in Helsinki unterzeichneten Schlußakte der Konferenz


über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa,

IN ANERKENNUNG, daß diese Prinzipien feste Grundlagen für den Aufbau einer
gerechten und dauerhaften Friedensordnung in Europa geschaffen haben,

ENTSCHLOSSEN, die Sicherheitsinteressen eines jeden zu berücksichtigen,

ÜBERZEUGT von der Notwendigkeit, Gegensätze endgültig zu überwinden und die


Zusammenarbeit in Europa fortzuentwickeln,

165
IN BEKRÄFTIGUNG ihrer Bereitschaft, die Sicherheit zu stärken, insbesondere durch
wirksame Maßnahmen zur Rüstungskontrolle, Abrüstung und Vertrauens bildung; ihrer
Bereitschaft, sich gegenseitig nicht als Gegner zu betrachten, sondern auf ein Verhältnis
des Vertrauens und der Zusammenarbeit hinzuarbeiten sowie dementsprechend ihrer
Bereitschaft, die Schaffung geeigneter institutioneller Vorkehrungen im Rahmen der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa positiv in Betracht zu ziehen,

IN WÜRDIGUNG DESSEN, daß das deutsche Volk in freier Ausübung des


Selbstbestimmungsrechts seinen Willen bekundet hat, die staatliche Einheit Deutschlands
herzustellen, um als gleichberechtigtes und souveränes Glied in einem vereinten Europa
dem Frieden der Welt zu dienen,

IN DER ÜBERZEUGUNG, daß die Vereinigung Deutschlands als Staat endgültigen


Grenzen ein bedeutsamer Beitrag zu Frieden und Stabilität in Europa ist,

MIT DEM ZIEL, die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland zu vereinbaren,

IN ANERKENNUNG DESSEN, daß dadurch und mit der Vereinigung Deutschlands als
einem demokratischen und friedlichen Staat die Rechte und Verantwortlichkeiten der Vier
Mächte in bezug auf Berlin und Deutschland als Ganzes ihre Bedeutung verlieren,

VERTRETEN durch ihre Außenminister, die entsprechend der Erklärung von Ottawa vom
13. Februar 1990 am 5. Mai 1990 in Bonn, am 22. Juni 1990 in Berlin, am 17. Juli 1990 in
Paris unter Beteiligung des Außenministers der Republik Polen und am 12. September
1990 in Moskau zusammengetroffen sind -

SIND wie folgt ÜBEREINGEKOMMEN:

Artikel 1

(1) Das vereinte Deutschland wird die Gebiete der Bundesrepublik Deutschland, der
Deutschen Demokratischen Republik und ganz Berlins umfassen. Seine Außengrenzen
werden die Grenzen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik
Deutschland sein und werden am Tage des

166
Inkrafttretens dieses Vertrags endgültig sein. Die Bestätigung des endgültigen Charakters
der Grenzen des vereinten Deutschland ist ein wesentlicher Bestandteil der
Friedensordnung in Europa.

(2) Das vereinte Deutschland und die Republik Polen bestätigen die zwischen ihnen
bestehende Grenze in einem völkerrechtlich verbindlichen Vertrag.

(3) Das vereinte Deutschland hat keinerlei Gebietsansprüche gegen andere Staaten und
wird solche auch nicht in Zukunft erheben.

(4) Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen
Republik werden sicherstellen, daß die Verfassung des vereinten Deutschland keinerlei
Bestimmungen enthalten wird, die mit diesen Prinzipien unvereinbar sind. Dies gilt
dementsprechend für die Bestimmungen, die in der Präambel und in den Artikeln 23 Satz
2 und 146 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland niedergelegt sind.

(5) Die Regierungen der Französischen Republik, des Vereinigten Königreichs


Großbritannien und Nordirland, der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und der
Vereinigten Staaten von Amerika nehmen die entsprechenden Verpflichtungen und
Erklärungen der Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen
Demokratischen Republik förmlich entgegen und erklären, daß mit deren Verwirklichung
der endgültige Charakter der Grenzen des vereinten Deutschland bestätigt wird.

Artikel 2

Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen


Republik bekräftigen ihre Erklärungen, daß von deutschem Boden nur Frieden ausgehen
wird. Nach der Verfassung des vereinten Deutschland sind Handlungen, die geeignet sind
und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu
stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, verfassungswidrig
und strafbar. Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen
Demokratischen Republik erklären, daß das vereinte Deutschland keine seiner Waffen
jemals einsetzen wird, es sei denn in Übereinstimmung mit seiner Verfassung und der
Charta der Vereinten Nationen.

Artikel 3

167
(1) Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen
Republik bekräftigen ihren Verzicht auf Herstellung und Besitz von und auf
Verfügungsgewalt über atomare, biologische und chemische Waffen. Sie erklären, daß
auch das vereinte Deutschland sich an diese Verpflichtungen halten wird. Insbesondere
gelten die Rechte und Verpflichtungen aus dem Vertrag über die Nichtverbreitung von
Kernwaffen vom 1. Juli 1968 für das vereinte Deutschland fort.

(2) Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat in vollem Einvernehmen mit der
Regierung der Deutschen Demokratischen Republik am 30. August 1990 in Wien bei den
Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa folgende Erklärung abgegeben:

"Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland verpflichtet sich, die Streitkräfte des
vereinten Deutschland innerhalb von drei bis vier Jahren auf eine Personalstärke von
370000 Mann (Land-, Luft- und Seestreitkräfte) zu reduzieren. Diese Reduzierung soll mit
dem Inkrafttreten des ersten KSE-Vertrags beginnen. Im Rahmen dieser
Gesamtobergrenze werden nicht mehr als 345000 Mann den Land- und Luftstreitkräften
angehören, die gemäß vereinbartem Mandat allein Gegenstand der Verhandlungen über
konventionelle Streitkräfte in Europa sind. Die Bundesregierung sieht in ihrer Verpflichtung
zur Reduzierung von Land- und Luftstreitkräften einen bedeutsamen deutschen Beitrag
zur Reduzierung der

konventionellen Streitkräfte in Europa. Sie geht davon aus, daß in Folgeverhandlungen


auch die anderen Verhandlungsteilnehmer ihren Beitrag zur Festigung von Sicherheit und
Stabilität in Europa, einschließlich Maßnahmen zur Begrenzung der Personalstärken,
leisten werden."

Die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik hat sich dieser Erklärung
ausdrücklich angeschlossen.

(3) Die Regierungen der Französischen Republik, des Vereinigten Königreichs


Großbritannien und Nordirland, der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und der
Vereinigten Staaten von Amerika nehmen diese Erklärungen der Regierungen der
Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik zur Kenntnis.

168
Artikel 4

(1) Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen


Republik und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken erklären, daß das vereinte
Deutschland und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken in vertraglicher Form die
Bedingungen und die Dauer des Aufenthalts der sowjetischen Streitkräfte auf dem Gebiet
der heutigen Deutschen Demokratischen Republik und Berlins sowie die Abwicklung des
Abzugs dieser Streitkräfte regeln werden, der bis zum Ende des Jahres 1994 im
Zusammenhang mit der Verwirklichung der Verpflichtungen der Regierungen der
Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, auf die sich
Absatz 2 des Artikels 3 dieses Vertrags bezieht, vollzogen sein wird.

(2) Die Regierungen der Französischen Republik, des Vereinigten Königreichs


Großbritannien und Nordirland und der Vereinigten Staaten von Amerika nehmen diese
Erklärung zur Kenntnis.

Artikel 5

(1) Bis zum Abschluß des Abzugs der sowjetischen Streitkräfte vom Gebiet der heutigen
Deutschen Demokratischen Republik und Berlins in Übereinstimmung mit Artikel 4 dieses
Vertrags werden auf diesem Gebiet als Streitkräfte des vereinten Deutschland
ausschließlich deutsche Verbände der Territorialverteidigung stationiert sein, die nicht in
die Bündnisstrukturen integriert sind, denen deutsche Streitkräfte auf dem übrigen
deutschen Territorium zugeordnet sind. Unbeschadet der Regelung in Absatz 2 dieses
Artikels werden während dieses Zeitraums Streitkräfte anderer Staaten auf diesem Gebiet
nicht stationiert oder irgendwelche andere militärische Tätigkeiten dort ausüben.

(2) Für die Dauer des Aufenthalts sowjetischer Streitkräfte auf dem Gebiet der heutigen
Deutschen Demokratischen Republik und Berlins werden auf deutschen Wunsch
Streitkräfte der Französischen Republik, des Vereinigten Königreichs Großbritannien und
Nordirland und der Vereinigten Staaten von Amerika auf der Grundlage entsprechender
vertraglicher Vereinbarung zwischen der Regierung des vereinten Deutschland und den
Regierungen der betreffenden Staaten in Berlin stationiert bleiben. Die Zahl aller
nichtdeutschen in Berlin stationierten Streitkräfte und deren Ausrüstungsumfang werden
169
nicht stärker sein als zum Zeitpunkt der Unterzeichnung dieses Vertrags. Neue
Waffenkategorien werden von nichtdeutschen Streitkräften dort nicht eingeführt. Die
Regierung des vereinten Deutschland wird mit den Regierungen der Staaten, die
Streitkräfte in Berlin stationiert haben, Verträge zu gerechten Bedingungen unter
Berücksichtigung der zu den betreffenden Staaten bestehenden Beziehungen
abschließen.

(3) Nach dem Abschluß des Abzugs der sowjetischen Streitkräfte vom Gebiet der heutigen
Deutschen Demokratischen Republik und Berlins können in diesem Teil Deutschlands
auch deutsche Streitkräfteverbände stationiert werden, die in gleicher Weise militärischen
Bündnisstrukturen zugeordnet sind wie diejenigen auf dem übrigen deutschen
Hoheitsgebiet, allerdings ohne Kernwaffenträger. Darunter fallen nicht konventionelle
Waffensysteme, die neben konventioneller andere Einsatzfähigkeiten haben können, die
jedoch in diesem Teil Deutschlands für eine konventionelle Rolle ausgerüstet und nur
dafür vorgesehen sind. Ausländische Streitkräfte und Atomwaffen oder deren Träger
werden in diesem Teil Deutschlands weder stationiert noch dorthin verlegt.

Artikel 6

Das Recht des vereinten Deutschland, Bündnissen mit allen sich daraus ergebenden
Rechten und Pflichten anzugehören, wird von diesem Vertrag nicht berührt.

Artikel 7

(1) Die Französische Republik, das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland,
die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und die Vereinigten Staaten von Amerika
beenden hiermit ihre Rechte und Verantwortlichkeiten in bezug auf Berlin und Deutschland
als Ganzes. Als Ergebnis werden die entsprechenden, damit zusammenhängenden
vierseitigen Vereinbarungen, Beschlüsse und Praktiken beendet und alle entsprechenden
Einrichtungen der Vier Mächte aufgelöst.

(2) Das vereinte Deutschland hat demgemäß volle Souveränität über seine inneren und
äußeren Angelegenheiten.

Artikel 8
170
(1) Dieser Vertrag bedarf der Ratifikation oder Annahme, die so bald wie möglich
herbeigeführt werden soll. Die Ratifikation erfolgt auf deutscher Seite durch das vereinte
Deutschland. Dieser Vertrag gilt daher für das vereinte Deutschland.

(2) Die Ratifikations- oder Annahmeurkunden werden bei der Regierung des vereinten
Deutschland hinterlegt. Diese unterrichtet die Regierungen der anderen
Vertragschließenden Seiten von der Hinterlegung jeder Ratifikations- oder
Annahmeurkunde.

Artikel 9

Dieser Vertrag tritt für das vereinte Deutschland, die Französische Republik, das
Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland, die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken und die Vereinigten Staaten von Amerika am Tag der Hinterlegung der
letzten Ratifikations- oder Annahmeurkunde durch diese Staaten in Kraft.

Artikel 10

Die Urschrift dieses Vertrages, dessen deutscher, englischer, französischer und russischer
Wortlaut gleichermaßen verbindlich ist, wird bei der Regierung der Bundesrepublik
Deutschland hinterlegt, die den Regierungen der anderen vertragschließenden Seiten
beglaubigte Ausfertigungen übermittelt.

ZU URKUND DESSEN haben die unterzeichneten, hierzu gehörig Bevollmächtigten


diesen Vertrag unterschrieben.

GESCHEHEN zu Moskau am 12. September 1990

Für die Bundesrepublik Deutschland

Hans-Dietrich Genscher

Für die Deutsche Demokratische Republik Lothar de Maiziere

Für die Französische Republik Roland Dumas

Für das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland Douglas Hurd

Für die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken Eduard Schewardnadse

Für die Vereinigten Staaten von Amerika James A. Baker III

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