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Professor Dr. Martin Franzen Wintersemester 2019/20

Vorlesung Europäisches Privatrecht/Unionsprivatrecht

Zeit und Ort: Dienstag, 8 - 10 h, Ludwigstr. 28 Rgb., Raum 24.


Sprechstunde: Montag, 11 - 12 h, Juristisches Seminargebäude, Professor-Huber-Platz 2, Raum
TZ 114 oder nach der Vorlesung.

Literatur:
Lehrbücher: Heiderhoff, Gemeinschaftsprivatrecht, 3. Aufl. 2011; Langenbucher (Hrsg.),
Europäisches Privat- und Wirtschaftsrecht, 4. Aufl. 2017; Riesenhuber, EU-Vertragsrecht, 1. Aufl.
2013; Riesenhuber (Hrsg.), Europäische Methodenlehre, 3. Aufl. 2015.
Fallsammlung: Franck/Möslein, Fälle zum Europäischen Privat- und Wirtschaftsrecht, 2005.
Einführende Aufsätze: Basedow, JuS 2004, 89; ders., AcP 2010, 157; Grundmann, JuS 2002, 768;
Hommelhoff, AcP 1992, 71; Honsell, ZIP 2008, 621.
Monographische Darstellungen (zur Vertiefung): Gebauer/Wiedmann (Hrsg.), Zivilrecht unter
europäischem Einfluss, 2. Aufl. 2010; Grundmann, Europäisches Schuldvertragsrecht, 1999 (2.
Aufl. 2019 als eBook erschienen); Franzen, Privatrechtsangleichung durch die Europäische
Gemeinschaft, 1999.
Gesetzessammlungen: Europarecht (dtv-Sammlung), 27. Aufl. 2017; Grundmann/Riesenhuber
(Hrsg.), Textsammlung Europäisches Privatrecht, 2. Aufl. 2012; Schulze/Zimmermann (Hrsg.),
Europäisches Privatrecht, Basistexte, 5. Aufl. 2016.

Gliederungsübersicht

§ 1 Einleitung

Erster Teil: Europarechtliche Grundlagen

§ 2 Grundfreiheiten und Privatrecht

§ 3 Privatrechtsangleichung durch sekundäres Unionsrecht

§ 4 Die Wirkungen von EU-Richtlinien

§ 5 Das Gebot richtlinienkonformer Auslegung und Rechtsfortbildung

§ 6 Das verfahrensrechtliche Bindeglied: Vorabentscheidungsverfahren nach Art. 267 AEUV


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§ 7 Das Problem der „überschießenden“ Umsetzung von EU-Richtlinien

Zweiter Teil: Vertragsrecht

§ 8 Der Schutz vor Benachteiligungen im Zivilrecht

§ 9 Strukturprinzipien des europäischen Verbrauchervertragsrechts

§ 10 Die Verbraucherrechterichtlinie (RL 2011/83/EU)

§ 11 Kontrolle missbräuchlicher Klauseln in Verbraucherverträgen (RL 93/13/EWG)

§ 12 Verbraucherschutz im elektronischen Geschäftsverkehr (RL 2000/31/EG)

§ 13 Verbraucherschutz beim Kauf beweglicher Sachen (RL 1999/44/EG)

§ 14 Verbraucherschutz im Bereich des Tourismus (Reisevertragsrecht, Teilzeitnutzungsverträge)

§ 15 Verbraucherschutz bei Darlehen und im Überweisungsverkehr

§ 16 Die Richtlinie 2000/35/EG zur Bekämpfung des Zahlungsverzugs (abgelöst durch RL


2011/7/EU)

3. Teil: Deliktsrecht

§ 17 Die Produkthaftungsrichtlinie 85/374/EWG

Gliederung

§ 1 Einleitung

I. Begriffliches: Europäisches Privatrecht – Gemeinschafts-/Unionsprivatrecht –


Gemeineuropäisches Privatrecht

II. Bemühungen der Institutionen der EU um ein europäisches Privatrecht

- Zwei Entschließungen des Europäischen Parlaments aus den Jahren 1989 und 1994.

III. Der Gemeinsame Referenzrahmen (Common frame of reference)


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Literatur: Eidenmüller/Faust/Grigoleit/Jansen/Wagner/Zimmermann, JZ 2008, 529; Hirsch, ZIP
2007, 937; Jansen/Zimmermann, NJW 2009, 3401; Schulte-Nölke, NJW 2009, 2161;
Zimmermann, EuZW 2009, 319; Beiträge zum Gemeinsamen Referenzrahmen in ZEuP 2007, Heft
1.

- Aktionsplan der EU-Kommission für ein kohärenteres europäisches Vertragsrecht, KOM


(2003) 68 endgültig ABl. EU 2003 C 63/1); Grünbuch der Kommission: Optionen für die
Einführung eines Europäischen Vertragsrechts für Verbraucher und Unternehmen KOM
(2010) 348/3.

- Inhalt des Gemeinsamen Referenzrahmens: Eine Art europäisches Zivilgesetzbuch für das
bürgerliche Vermögensrecht, allerdings nur als „optionales Instrument“.

IV. Der Vorschlag der EU-Kommission für eine Verordnung zum Gemeinsamen
Europäischen Kaufrecht, KOM (2011) 635 endg. vom 11. 10. 2011 (CESL)
Literatur: Ayad/Schnell, BB 2012, 1487; Balthasar, RIW 2012, 361;
Eidenmüller/Jansen/Kieninger/Wagner/Zimmermann, JZ 2012, 269; Ludwigs, EuZW 2012, 608;
Mansel, WM 2012, 1252, 1309; Staudenmayer, NJW 2011, 3491; Remien/Herrler/Limmer
(Hrsg.), Gemeinsames Europäisches Kaufrecht für die EU?, 2012.

- Optionales Instrument, welches an Stelle des Kaufrechts der Mitgliedstaaten im


grenzüberschreitenden Verkehr vereinbart werden können sollte.
- Ende 2014 zurückgezogen.

V. Überblick über den gegenwärtigen Bestand des Europäischen


Privatrechts/Gemeinschaftsprivatrechts

1. Sekundäres Unionsrecht in Form von Richtlinien

a) Allgemeines Zivilrecht

- Produkthaftungsrichtlinie 85/374/EWG
- Haustürgeschäftewiderrufsrichtlinie 85/577/EWG (abgelöst durch die
Verbraucherrechterichtlinie 2011/83/EU)
- Verbraucherkreditrichtlinie 87/102/EWG (abgelöst durch RL 2008/48/EG)
- Pauschalreiserichtlinie 90/314/EWG (abgelöst durch RL [EU] 2015/2302 über Pauschalreisen
und verbundene Reiseleistungen)
- Richtlinie 93/13/EWG über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen
- Timesharing-Richtlinie 94/47/EG (abgelöst durch RL 2008/122/EG)
- Fernabsatzrichtlinie 97/7/EG (abgelöst durch RL 2011/83/EU)
- Richtlinie 98/27/EG über Unterlassungsklagen zum Schutz der Verbraucherinteressen
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(abgelöst durch RL 2009/22/EG)
- Verbrauchsgüterkaufrichtlinie 1999/44/EG (ab 01.01.2022: abgelöst durch RL [EU]
2019/771)
- Richtlinie 2000/31/EG über den elektronischen Geschäftsverkehr
- Richtlinie 2000/35/EG zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr (abgelöst
durch RL 2011/7/EU)
- Richtlinie 2000/43/EG zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied
der Rasse oder der ethnischen Herkunft
- Richtlinie 2002/65/EG über den Fernabsatz von Finanzdienstleistungen an Verbraucher
(abgelöst durch RL 2011/83/EU)
- Richtlinie 2004/113/EG zur Gleichbehandlung von Männern und Frauen beim Zugang zu und
bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen
- Richtlinie 2011/83/EU über die Rechte der Verbraucher
- Richtlinie 2014/17/EU über Wohnimmobilienkreditverträge für Verbraucher
- Richtlinie (EU) 2015/2302 über Pauschalreisen und verbundene Reiseleistungen
- Richtlinie (EU) 2015/2366 über Zahlungsdienste im Binnenmarkt
- Richtlinie (EU) 2019/770 über bestimmte vertragliche Aspekte der Bereitstellung digitaler
Inhalte und digitaler Dienstleistungen
- Richtlinie (EU) 2019/771 über bestimmte vertragsrechtliche Aspekte des Warenkaufs

b) Sonstige Nebengebiete des Privatrechts

2. Sekundäres Unionsrecht in Form von Verordnungen

3. Primäres Unionsrecht

1. Teil: Europarechtliche Grundlagen

Literatur: Steindorff, EG-Vertrag und Privatrecht, 1996; Franzen, Privatrechtsangleichung durch


die Europäische Gemeinschaft, 1999.

§ 2 Grundfreiheiten und Privatrecht

Literatur: Remien, Zwingendes Vertragsrecht und Grundfreiheiten des EG-Vertrags, 2003.


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I. Regelungsgehalt der Grundfreiheiten

- Wirkung: Unmittelbare Anwendbarkeit gegenüber den Mitgliedstaaten.

- Inhalt: Gewährleistung des freien Verkehrs von Waren, Dienstleistungen, Personen und
Kapital.

II. Grundfreiheiten und Vertragsrecht

Fall 1: CMC-Motorradcenter

Auf Vorlage des LG Augsburg hatte der EuGH zu entscheiden, ob eine aufgrund cic
schadensersatzbewehrte Aufklärungspflicht eines Händlers mit Art. 30 EGV (Art. 34 AEUV) in
Einklang steht. Der Fall betraf den Verkauf eines parallel aus Frankreich importierten Motorrads
durch einen freien Händler. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen sahen vor, dass der Käufer
seine Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Verkäufer oder den vom Hersteller oder
Importeur anerkannten Betrieben geltend machen konnte. Vielfach weigern sich jedoch die
Vertragshändler, die Gewährleistungsrechte kostenlos zu erfüllen. Dies war bei Vertragsschluss
dem Verkäufer, nicht aber dem Käufer bekannt. EuGH 13. 10. 1993 – Rs. C-93/92 – Slg. 1993, I-
5009 (CMC-Motorradcenter).

Siehe auch EuGH 16. 12. 2008 – C-205/07, NJW 2009, 1579: Beeinträchtigung der Ausfuhr
inländischer Waren durch Anzahlungsverbot während der Widerrufsfrist im Rahmen der
Fernabsatz-Richtlinie 97/7/EG?

- Dassonville-Formel (EuGH 11.07.1974 – Rs. 8/74, „Scotch Whisky“):

- Maßnahmen gleicher Wirkung im Sinne von Art. 34 AEUV sind solche Handelsregelungen
der Mitgliedstaaten, die geeignet sind, den innergemeinschaftlichen Handel unmittelbar
oder mittelbar, tatsächlich oder potentiell zu behindern.

- Cassis de Dijon-Formel (EuGH 20.02.1979 – Rs. 120/78, „Cassis de Dijon“):


Herkunftslandprinzip.

- Grundsätzlich dürfen alle Produkte, die in einem Mitgliedsstaat rechtmäßig hergestellt und
in den Verkehr gebracht wurden, auch in allen anderen Mitgliedsstaaten verkauft werden.

- Einschränkungen sind nur zulässig, um zwingenden Erfordernissen gerecht zu werden (zB


dem Schutz der öffentlichen Gesundheit).

- EuGH 24. 11. 1993 – Rs. C-267, 268/91 – Slg. 1993, I-6097, „Keck“):

- Präzisierung der Dassonville-Formel.

- Unterschiedslos anwendbare Regelungen sind nicht handelsbehindernd im Sinne der


Dassonville-Formel, wenn sie nur Verkaufsmodalitäten betreffen und nicht diskriminieren.
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§ 3 Privatrechtsangleichung durch sekundäres Unionsrecht

I. Rechtssetzungsgrundlagen des AEUV

- Art. 81 AEUV: Justizielle Zusammenarbeit in Zivilsachen.

- Art. 169 AEUV: Verbraucherschutz.

- Art. 114/115 AEUV: Allgemeine Kompetenzgrundlage für die Verwirklichung des


gemeinsamen Marktes/Binnenmarkts.

- Art. 18, 19 AEUV: Schutz vor Benachteiligungen.

- Art. 153 AEUV: Arbeitsrecht.

- Art. 50 Abs. 2 lit. g AEUV: Gesellschaftsrecht.

II. Regelungskonzepte

- Mindest-/Vollharmonisierung

Literatur: Arnold, RIW 2009, 679; Reich, ZEuP 2010, 7; Riehm, Grenzen der
Vollharmonisierung, in Jahrbuch Junger Zivilrechtswissenschaftler 2009, 2010, S. 160.

- Eröffnung von mitgliedstaatlichen Regelungsspielräumen/Abschließende Regelung.

§ 4 Die Wirkungen von EU-Richtlinien (Art. 288 Abs. 3 AEUV)

Literatur: von Danwitz, JZ 2007, 697; Herrmann/Michl, JuS 2009, 1065.

I. Grundsatz: Nur Wirkung gegenüber den Mitgliedstaaten

- Art. 288 Abs. 3 AEUV: Verbindlichkeit hinsichtlich des Ziels.

- Spielraum für die Mitgliedstaaten hinsichtlich Form und Mittel der Umsetzung.

II. Ausnahme: Unmittelbare Wirkung

- EuGH: Unmittelbare Wirkung als Sanktion für die verspätete oder fehlerhafte Umsetzung
einer EU-Richtlinie durch den Mitgliedstaat.

- Voraussetzungen der unmittelbaren Wirkung (EuGH, 19.01.1982 – Rs. 8/81, „Becker“):


- Mitgliedstaat hat Richtlinie nicht fristgemäß und/oder korrekt umgesetzt und
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- Richtlinie ist unbedingt und hinreichend genau, sodass hieraus unmittelbar, insbesondere
ohne Vermittlung durch den innerstaatlichen Regelgeber, Rechte für einzelnen
Marktbürger abgeleitet werden können.

- Keine unmittelbare Wirkung einer Richtlinie im Verhältnis zwischen zwei Privatpersonen.

III. Exkurs: Staatshaftung

 EuGH 19.11.1991, Rs. C-6/90, C-9/90, „Francovich“:

Unionsrechtlicher Anspruch des Einzelnen gegen den Mitgliedsstaat wegen fehlender oder
mangelhafter Richtlinienumsetzung, Voraussetzungen:

1. Das in der Richtlinie vorgeschriebene Ziel ist die Verleihung von Rechten an Einzelne.

2. Der Inhalt dieser Rechte muss auf Grundlage der Richtlinie bestimmt werden können.

3. Es muss ein Kausalzusammenhang zwischen dem Verstoß gegen die dem Staat
auferlegte Verpflichtung und dem dem Geschädigten entstandenen Schaden bestehen.

 EuGH 05.03.1996, Rs. C-46/93, C-48/93, „Brasserie du pêcheur“:

Erweiterung des unionsrechtlichen Staatshaftungsanspruchs auf Verstöße gegen


Gemeinschaftsrecht generell, Voraussetzungen:

1. Verletzte gemeinschaftsrechtliche Vorschrift bezweckt, dem Einzelnen Rechte zu


verleihen.

2. Der Verstoß ist hinreichend qualifiziert.

3. Zwischen dem Verstoß und dem dem Einzelnen entstandenen Schaden besteht ein
unmittelbarer Kausalzusammenhang.

 EuGH 30.09.2003, Rs. C.-224/01, „Köbler“: Unionsrechtlicher Staatshaftungsanspruch unter


obigen Voraussetzungen auch bei Verstoß gegen Gemeinschaftsrecht durch ein Gericht.

IV. Umsetzungsbedürftigkeit der EU-Richtlinie

- Zweistufiges Rechtsetzungsverfahren.

V. Exkurs: Grundsätze der Auslegung von EU-Richtlinien

Literatur: Lutter, JZ 1992, 593; Remien, RabelsZ 60 (1996), 1; Franzen, Privatrechtsangleichung


durch die Europäische Gemeinschaft, 1999, S. 445 ff.
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 Wortlaut: Alle Sprachfassungen sind zu berücksichtigen.

 Rechtsbegriffe des Unionsrechts werden grundsätzlich autonom ausgelegt (Ausnahme:


ausdrücklicher oder stillschweigender Verweis auf innerstaatliches Recht).

 Systematik und Ziel der Richtlinie: Ziel der Richtlinie ist häufig einseitig, Schutz der anderen
Seite ist dann Aufgabe des nationalen Rechts.

 Entstehungsgeschichte: Ratsverhandlungen zur Richtlinie sind nicht öffentlich zugänglich.

 „Effet utile“: Unionsrecht muss so ausgelegt und angewendet werden, dass das Ziel der
Richtlinie am besten und einfachsten erreicht wird.

§ 5 Das Gebot richtlinienkonformer Auslegung und Rechtsfortbildung

Literatur: Canaris, Festschrift Bydlinski, 2002, S. 47; Ehricke, RabelsZ 59 (1995), 598;
Hergenröder, Festschrift Zöllner, 1998, S. 1139; Herresthal, Rechtsfortbildung im
europarechtlichen Bezugsrahmen, 2006; Höpfner/Rüthers, AcP 2009, 1; Leenen, JURA 2012, 753;
Lutter, JZ 1992, 593; Nettesheim, AöR 1994, 261; Schürnbrand, JZ 2007, 910; Franzen,
Privatrechtsangleichung durch die Europäische Gemeinschaft, 1999, S. 292 ff.

Fall 2: Nutzungsersatz
K bestellt bei dem Versandhandel V einen Küchenherd für den privaten Gebrauch zum Preis von
524,90 €. Eineinhalb Jahre nach Übergabe löst sich die Emailleschicht an der Innenseite des
Backofens. V untersucht den Herd und stellt fest, dass ein Verarbeitungsfehler vorliegt. V tauscht
den Backofen aus und nimmt das ursprünglich gelieferte Gerät zurück. Für dessen Nutzung
verlangt V von K eine Vergütung in Höhe von 69,97 €. Zu Recht?
BGH NJW 2006, 3200; EuGH vom 17. 4. 2008 - Rs. C-404/06, NJW 2008, 1433 (Quelle); BGH
NJW 2009, 427; dazu Pfeiffer, NJW 2009, 412.

Siehe auch die aus diesem Anlass erlassene Vorschrift des § 475 Abs. 3 S. 1 BGB.

I. Begründung des Gebots richtlinienkonformer Auslegung

- EuGH, 13.11.1990 – Rs. C-106/89, „Marleasing“:

Art. 288 Abs. 3 AEUV: Fortsetzung der Umsetzungsverpflichtung des Mitgliedstaats auf
judikativer Ebene.

II. Beginn des Gebots richtlinienkonformer Auslegung

- Grundsätzlich: Mit Ablauf der Umsetzungsfrist der Richtlinie.

- Aber EuGH, 18.12.1997, Rs. C-129/96: Mitgliedsstaaten sind „vor Ablauf der Umsetzungsfrist
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an die Ziele der verabschiedeten Richtlinie gebunden“.

- Art. 288 Abs. 3 AEUV gebietet, dass Mitgliedsstaaten während Umsetzungsfrist „den Erlass
von Vorschriften unterlassen müssen, die geeignet sind, das in der Richtlinie vorgeschriebene
Ziel ernstlich in Frage zu stellen.“

III. Durchführung richtlinienkonformer Auslegung

- Nationales Recht muss unionrechtskonform ausgelegt werden.

- Bei mehreren Auslegungsmöglichkeiten kommt richtlinienkonformer Auslegung Vorrang zu.

IV. Grenzen richtlinienkonformer Auslegung

- Vorrang der richtlinienkonformen Auslegung im Rahmen des methodisch Möglichen und


verfassungsrechtlich Zulässigen.

§ 6 Das verfahrensrechtliche Bindeglied: Vorabentscheidungsverfahren nach Art. 267


AEUV

I. Überblick über das Vorabentscheidungsverfahren nach Art. 267 AEUV

- Zweck: Wahrung der einheitlichen Anwendung des Unionsrechts.

II. Aufgabenverteilung zwischen EuGH und vorlegendem Gericht

- Kooperationsverhältnis.

III. Wirkungen des Vorabentscheidungsurteils des EuGH

 Gerichte des Ausgangsverfahrens sind stets an das Urteil des EuGH gebunden.

 Ungültigkeitsurteile: Rechtliche Bindungswirkung darüber hinaus für alle innerstaatlichen


Gerichte.

 Auslegungsurteile: Keine rechtliche Bindungswirkung der innerstaatlichen Gerichte, aber


Präjudiz-Wirkung.

IV. Umfang der Vorlagepflicht


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- Art. 267 Abs. 2 AEUV: Vorlagemöglichkeit für Gerichte, gegen deren Entscheidung noch ein
Rechtsmittel nach innerstaatlichem Recht zulässig.

- Art. 267 Abs. 3 AEUV: Vorlagepflicht für letztinstanzliche Gerichte.

Nochmals Fall 2 Nutzungsersatz: Bestand eine Vorlagepflicht des BGH?

- Einschränkung der Vorlagepflicht: Die Vorlagepflicht ist entbehrlich, wenn die gestellte Frage
bereits in einem gleich gelagerten Fall Gegenstand einer Vorabentscheidung des EuGH
gewesen ist, eine gesicherte Rechtsprechung des EuGH auch bei nicht völliger Identität der
Fragen besteht und wenn die richtige Antwort des Unionsrechts derart offenkundig ist, dass
für vernünftige Zweifel kein Raum bleibt (EuGH 6. 12. 1982 – Rs. 283/81 – Slg. 1982, 3415 -
CILFIT).

V. Exkurs: Absicherung der Vorlagepflicht durch Gebot des gesetzlichen Richters nach Art.
101 Abs. 1 S. 2 GG

Literatur: Höpfner, EuZA 4 (2011), 97.

- Nach BVerfG drei Fallgruppen, bei denen eine Verletzung des gesetzlichen Richters in
Betracht kommt:
- Grundsätzliches Verkennen der Vorlagepflicht (letztinstanzliches Gericht zieht Vorlage
überhaupt nicht in Betracht, obwohl es Zweifel an der richtigen Beantwortung der
unionsrechtlichen Frage hat).
- Bewusstes Abweichen von der Rechtsprechung des EuGH ohne Vorlagebereitschaft.
- Bei Unvollständigkeit der Rechtsprechung des EuGH wird Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG
verletzt, wenn das letztinstanzliche Gericht den ihm in solchen Fällen notwendig
zukommenden Beurteilungsspielraum in unvertretbarer Weise überschritten hat.

- Verschärfung durch BVerfG, 25.02.2010 – 1 BvR 230/09:


- Gebot des gesetzlichen Richters bereits dann verletzt, wenn Vorlage unterbleibt, obwohl
weder acte clair noch acte éclairé.

§ 7 Das Problem der „überschießenden“ Umsetzung von EU-Richtlinien

Literatur: Drexl, Festschrift Heldrich, 2005, S. 81; Habersack/Mayer, JZ 1999, 913; Riehm, JZ
2006, 1035; Kuhn, EuR 2015, 216.

Nochmals Fall 2 Nutzungsersatz: Wie wäre der Fall zu beurteilen, wenn es sich bei K um einen
gewerblichen Käufer gehandelt hätte? Siehe jetzt auch §§ 439 Abs. 5, 474 Abs. 2 S. 1, 475 Abs. 3
S. 1 BGB.
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I. Begriffsklärung

- Zwei unterschiedliche Tatbestände:

- Erweiterung des Anwendungsbereichs einer Richtlinie: Nationaler Gesetzgeber erstreckt


Richtlinie auf Bereiche, für die sie sachlich, persönlich oder örtlich nicht gilt.

-Erweiterung des Anwendungsbereichs einer Richtlinie ist immer zulässig

- „Übererfüllung“ einer Richtlinie: Gesetzgeber geht über den von der Richtlinie vorgegebenen
Regelungsauftrag hinaus, ohne dabei Anwendungsbereich des nationalen Rechts gegenüber
der Richtlinie zu erweitern (strengere nationale Rechtsfolge im Anwendungsbereich der
Richtlinie).

(legiuitorul național transpune o directivă mai restrictiv-exemplu, mai multe


condiții- în dreptul intern)

-mindestharmonisierende Regelung: zulässig

-vollständig harmonisierende Regelung: nicht zulässig

II. Unionsrechtliche Zulässigkeit „überschießender“ Richtlinienumsetzung

- Erweiterung des Anwendungsbereichs einer Richtlinie ist stets zulässig:

- Eine Richtlinie stellt keine Vorgaben außerhalb ihres Anwendungsbereichs auf.

- Ob die „Übererfüllung“ einer Richtlinie zulässig ist, richtet sich nach der Richtlinie selbst:

- Gebietet diese das Prinzip der Mindestharmonisierung, ist eine Übererfüllung zulässig.

- Gebietet die Richtlinie dagegen das Prinzip der Vollharmonisierung, ist eine Übererfüllung
unzulässig.

III. Richtlinienkonforme Auslegung des innerstaatlichen Rechts

(problema se pune numai în cazul Überfüllung der Richtlinie-pentru că nu intră domeniul


de aplicare al directivei-, decât în situațiile în care există riscul ca norma internă, care deși
nu se află în domeniul de aplicare al directivei, să fie greșit interpretată și să afecteze
domeniul de aplicare al directivei)

1. Gebot des Unionsrechts?

- Wird Anwendungsbereich einer Richtlinie erweitert, so besteht bzgl. des erweiterten Teils
keine unmittelbare Pflicht zu richtlinienkonformer Auslegung.

- Ausnahmsweise mittelbare Pflicht zu richtlinienkonformer Auslegung, wenn andernfalls


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Gefahr bestünde, dass nationale Norm im Anwendungsbereich der Richtlinie falsch ausgelegt
würde.

2. Gebot des innerstaatlichen Rechts?

- Im Geltungsbereich der Richtlinie hat richtlinienkonforme Auslegung Vorrang.

- Bei überschießender Umsetzung gilt Vorrangregel nicht: lediglich richtlinienorientierte


Auslegung; gespaltene Auslegung ist zulässig.

IV. Zuständigkeit des EuGH nach Art. 267 AEUV

-legat de întrebările preliminare adresate CJUE

Zweiter Teil: Vertragsrecht

§ 8 Der Schutz vor Benachteiligungen im Zivilrecht

Literatur: Coester, Festschrift Canaris, 2007, S. 115; Franzen, Juristische Studiengesellschaft


Karlsruhe 2004, 2005, S. 49; Gaier, Juristische Studiengesellschaft Karlsruhe 2004, 2005, S. 33;
Looschelders, JZ 2012, 105; Riesenhuber, EWS 2005, 245; Kommentare zum AGG.
Rechtsprechung: EuGH 1. 3. 2011 – C-236/09, NJW 2011, 907 (Association belge des
Consommateurs Test-Achats) zu Unisex-Tarifen; OLG Stuttgart 12. 12. 2011 – NJW 2012, 1085:
Geldentschädigung nach verweigertem Diskothekenbesuch wegen der Hautfarbe.

Richtlinie 2000/43/EG zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der


Rasse oder der ethnischen Herkunft.

Richtlinie 2004/113/EG zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern
und Frauen beim Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen.

-art 2 directivă-definiția discriminării directe și a discriminării indirecte

Fall 3: Wohnungsvermietung

V besitzt mehrere Wohnhäuser mit insgesamt 20 Wohnungen in München. Eine 4-Zimmer-


Wohnung in München-Schwabing bietet V in einer regionalen Tageszeitung für einen Mietzins
von 1500.- € an. Es melden sich zehn Interessenten. V vermietet die Wohnung schließlich an M1.
Mehrere andere Interessenten fühlen sich zu Unrecht übergangen. Stehen ihnen ggf. Ansprüche
gegen V zu?

-man muss sich fragen, ob der Anwendungsbereich dieser Richtlinien eröffnet ist

-art 3 din ambele directive descriu domeniul de aplicare; se foloseste notiunea de „zur
Öffentlichkeit zur Verfügung“, care inseamna ca persoana care decide sa opteze pentru
produsul sau serviciul respectiv nu poate fi refuzata
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-ex. banca, supermarchet

-în primul rând, cel care se crede discriminat trebuie să arate criteriul de discriminare (ex.
Herkunft, Geschlecht etc)

-apoi, cel care se consideră neîndreptățit trebuie să arate că, dacă nu ar fi fost
discriminat, proprietarul ar fi încheiat cu el contractul de închiriere; că el este cel
mai potrivit potențial chiriaș

-transpunerea directivei în legislația germană permite repararea prejudiciului


suferit prin Benachteilung în natură, deci inclusiv prin obligarea proprietarului la
încheierea contractului

-Beweisleistumkehr: art 8 RL 2000/43/EG/ art 9 RL 2004/113/EG (întoarcerea


sarcinii probei), de îndată ce reclamantul arată starea de fapt, îi revine pârâtului
sarcina de a dovedi că nu a acționat prin discriminare

-art 3 RL 2004/113/EG folosește noțiunea de „ohne Ansehen der Person”; la contracte de


închiriere nu se aplică; proprietarul este interesat direct de persoana cu care vrea să
contracteze

-art 5 RL 2004/113/EG-Ausnahmeregelung

-art 6 RL 2004/113/EG positive Massnahmen- adoptarea unor măsuri diferențiate în funcție


de sex (ex Frauenparkplatze) poate fi justificată prin încercarea de a preveni sau compensa
dezavantajele legate de sex

I. Anwendungsbereich

- RL 2000/43/EG: Insbesondere Arbeitsleben.

- RL 2004/113/EG: Keine Anwendung im Arbeitsleben; alle „Personen, die Güter und


Dienstleistungen bereitstellen, die der Öffentlichkeit ohne Ansehen der Person zur Verfügung
stehen (Art. 3 Abs. 1 RL 2004/113/EG)“.

- C457/17 EuGH

II. Gewährleistungsgehalt: Verbot der unmittelbaren oder mittelbaren Ungleichbehandlung


wegen des genannten Merkmals (ethnische Herkunft oder Geschlecht)

- Begriffsbestimmungen der Ungleichbehandlung in Art. 2 RL 2004/113/EG; Art. 2 Abs. 2 RL


2000/43/EG.

- Rechtfertigung bei mittelbarer Ungleichbehandlung: Art. 2 Buchstabe b RL 2004/113/EG, Art.


2 Abs. 2 Buchstabe b RL 2000/43/EG: Sachliche Gründe.
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§ 9 Strukturprinzipien des europäischen Verbrauchervertragsrechts

I. Verbraucher- und Unternehmerbegriff

Literatur: Dreher, JZ 1997, 167; Faber, ZEuP 1998, 854; Loacker, JZ 2013, 234; Medicus, JuS
1996, 761; Rösler, RabelsZ 71 (2007), 495; Ultsch, Der einheitliche Verbraucherbegriff, 2006.

- Verbraucher: Natürliche Person, die bei den betroffenen Verträgen zu einem Zweck handelt,
der nicht ihrer beruflichen oder gewerblichen Tätigkeit zugerechnet werden kann (etwa Art. 1
Abs. 2 lit. a RL 1999/44/EG).

-Umsetzung durch art 13 BGB; weiteres Sinn (umfasst unselbststandige beruliche


Tatigkeiten)

- Unternehmer: Natürliche oder juristische Person, die im Rahmen ihrer beruflichen oder
gewerblichen Tätigkeit handelt (etwa Art. 1 Abs. 2 lit. c RL 1999/44/EG).

-motiv pentru protejarea Verbraucher: poziția dezavantajată a acestuia, motivată de faptul


că profesionistul are experiență în domeniul respectiv

II. Halbzwingendes Recht

- Abweichungen zugunsten des Verbrauchers aufgrund von Vereinbarungen mit dem


Unternehmer zulässig.

-art 7(1) RL 1999/44/EG

III. Informationspflichten des Unternehmers

Beispiele: Art. 4 Timesharing-RL 2008/122/EG iVm dem Anhang; Art. 4 ff. VerbraucherkreditRL
2008/48/EG; Art. 5 PauschalreiseRL (EU) 2015/2302; Art. 5 und 6 VerbraucherrechteRL
2011/83/EU.

IV. Formerfordernisse (ebenso ein Schutzinstrument)

- Unterscheide Formgebote für den Vertrag vom Nachweisgebot für bestimmte Informationen.

- Formgebote für den Vertrag = Vertrag selbst unterliegt bestimmten Formerfordernissen.

- Zweck der Schriftform: Transparenz, Übereilungsschutz, Beweiserleichterung.

- Nachweisgebot für bestimmte Informationen = Pflicht des Unternehmers, dem Verbraucher


Nachweis über die Vertragsbedingungen zu überlassen.

- Zweck des Nachweisgebotes: Transparenz.


15
V. Postkontraktuelle Bedenkzeit aufgrund Widerrufsrechts

Art. 6 TimesharingRL 2008/122/EG; Art. 14 VerbraucherkreditRL 2008/48/EG; Art. 9


VerbraucherrechteRL 2011/83/EU.

Regelungsprobleme:

- Dauer der Widerrufsfrist früher oft nicht einheitlich: 7 Tage Art. 5 RL 85/577/EWG; 7 Tage
Art. 6 RL 97/7/EG; 14 Tage Art. 6 RL 2008/122/EG; 14 Tage Art. 14 RL 2008/48/EG; jetzt
vereinheitlicht durch Art. 9 RL 2011/83/EU: 14 Tage.

- Beginn der Widerrufsfrist: Regelmäßig Vertragsschluss wie in Art. 6 RL 2008/122/EG; aber


auch Zeitpunkt der Belehrung über das Widerrufsrecht wie in Art. 5 RL 85/577/EWG; oder
nach Art. 6 Abs. 1 UAbs. 2, 1. Spiegelstrich RL 97/7/EG mit Eingang der Ware beim
Verbraucher (bei Dienstleistungen mit Vertragsschluss); jetzt Art. 9, 10 RL 2011/83/EU.

- Beginn der Widerrufsfrist bei fehlender Belehrung über das Widerrufsrecht: EuGH 13. 12.
2001 – Rs. C-481/99, NJW 2002, 281 (Heininger); EuGH 25. 10. 2005 – Rs. C-350/03, NJW
2005, 3551 (Schulte); EuGH 25. 10. 2005 – Rs. C-229/04, NJW 2005, 3555 (Crailsheimer
Volksbank); etwa Art. 10 RL 2011/83/EU.

- Form der Widerrufserklärung: Regelmäßig keine Regelung in den Richtlinien und damit
Verweis auf das innerstaatliche Recht. Etwa Art. 11 RL 2011/83/EU.

- Rechtsfolge der Ausübung des Widerrufsrechts; etwa Art. 12 - 15 RL 2011/83/EU.

VI. Sanktionen

- Etwa Art. 24 RL 2011/83/EU.

- Fehlen Sanktionsregelungen, gelten folgende unionsrechtliche Grundsätze:

1. Effektivitätsgrundsatz = Verstoß gegen Vorgabe der Richtlinie ist so zu sanktionieren, dass


Verpflichteter von Verstößen gegen Richtlinie abgeschreckt wird.

 Die Sanktion muss hinreichend wirksam und abschreckend sein.

2. Gleichbehandlungsgrundsatz = Mitgliedsstaat muss Verstöße gegen Vorgabe der Richtlinie


nach gleichen Grundsätzen behandeln wie vergleichbare rein innerstaatliche Sachverhalte.

§ 10 Die Verbraucherrechterichtlinie (RL 2011/83/EU)

I. Einführung

- Ziel der Richtlinie: Art. 1 RL 2011/83/EU.

- Wesentlicher Regelungsgehalt der RL: Widerrufsrecht gem. Art. 9 RL 2011/83/EU und


16
Informationspflichten gem. Art. 5 und 6 RL 2011/83/EU.

- Beachte: Vollharmonisierungsprinzip gem. Art. 4 RL 2011/83/EU.

- Rechtsetzungskompetenz der EU: Art. 169 I, II lit. a) AEUV, Art. 114 AEUV
(Erwägungsgrund 3 RL 2011/83/EU).

II. Anwendungsbereich der Verbraucherrechterichtlinie

1. Persönlich: B2C-Verträge, Art. 3 Abs. 1 RL 2011/83/EU.

- Verbraucherbegriff: Art. 2 Nr. 1 RL 2011/83/EU.

- Problem: dual-use-Verträge (Erwägungsgrund 17 RL 2011/83/EU).

Fall 4: Der Verbraucherbegriff

Der leidenschaftliche Hobbyfotograf RA R im Rentenalter kann von seinem Beruf nicht lassen. Er
hat die Kanzlei inzwischen seinem Sohn übergeben, geht aber dennoch einmal in der Woche in
die Kanzlei, um nach dem Rechten zu sehen und kleinere Mandate zu bearbeiten. Er bestellt
telefonisch beim Computerhändler U einen Laptop. In dem Gespräch fragt R den U, ob der Laptop
sich besonders für die Bearbeitung von Fotos eigne, da er diesen zwar auch für ab und an
anfallende Korrespondenz mit Mandanten benötige, aber vor allem für die Bearbeitung seiner
Landschafts- und Tieraufnahmen sowie zur Bildarchivierung. Dies bejaht U. Als R seine neue
Errungenschaft zu Hause vorführt, ist seine Frau gegen die Anschaffung.

Steht R ein Widerrufsrecht zu?

2. Sachlich: Art. 3 Abs. 1 RL 2011/83/EU.

- Problem: Bürgschaft (EuGH 17.03.1998 – Rs. C-45/96, NJW 1998, 1295 ff., „Dietzinger“ [im
Rahmen der RL 85/577/EWG]).
Fall 5: Bürgschaft:

D nimmt einen Kredit bei der Hausbank B auf, um seinen Betrieb erweitern zu können. Dingliche
Sicherungen sind bereits ausgeschöpft. Daher verlangt die Bank eine Bürgschaft, die der Vater
von D, V, erbringt. Die Bürgschaftserklärung hatte V in seiner Wohnung unterzeichnet. Über ein
etwa bestehendes Widerrufsrecht war V nicht belehrt worden. Nach einigen Jahren laufen die
Geschäfte des D so schlecht, dass D Insolvenz anmelden muss und das Darlehen nicht mehr
bedienen kann. B hält sich an V. Kann V den Vertrag widerrufen? (Widerrufsrecht nach §§ 312b
Abs. 1, 312g Abs. 1, 355 BGB/Art. 9 Abs. 1 VerbrRRL?)

Bereichsausnahmen: Art. 3 Abs. 3 RL 2011/83/EU.


17
III. Außerhalb von Geschäftsräumen geschlossene Verträge, Art. 2 Nr. 8 RL 2011/83/EU

- Schutzgrund: Erwägungsgrund 21 RL 2011/83/EU.

- Definition des außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Vertrages: Art. 2 Nr. 8 RL


2011/83/EU (alternative Kriterien):
 Vertrag, der bei gleichzeitiger Anwesenheit des Unternehmers und Verbrauchers an einem
Ort geschlossen wird, der nicht zu den Geschäftsräumen des Unternehmers gehört.
 Bindendes Angebot durch den Verbraucher an einem Ort, der nicht zu den
Geschäftsräumen des Unternehmers gehört.
 Vertragsschluss in den Geschäftsräumen des Unternehmers unmittelbar nachdem der
Verbraucher außerhalb von Geschäftsräumen persönlich und individuell angesprochen
wurde.
- Erwägungsgrund 21 RL 2011/83/EU „unmittelbar“: Handwerkerverträge sind
ausgenommen.
 Erfasst die sog. Kaffeefahrten (art 3 nr 8 lit d RL 2011/83/EU)

- Definition „Geschäftsräume“: Art. 2 Nr. 9 RL 2011/83/EU; zu einem Messestand EuGH


07.08.2018 – C-485/17, EuZW 2018, 742 (Verbraucherzentrale Berlin).

IV. Fernabsatzverträge, Art. 2 Nr. 7 RL 2011/83/EU

- Definition des Fernabsatzvertrages: Art. 2 Nr. 7 RL 2011/83/EU.

- Sachlicher Anwendungsbereich: 3 Komponenten

- Einsatz von Fernkommunikationsmitteln.

- Ausschließlich.

- Für den Fernabsatz organisiertes Vertriebs-/Dienstleistungssystem (nicht nur gelegentlich)

BGH 17.10.2018 – VIII ZR 94/17, NJW 2019, 303: auch bei individualisierter postalischer
Korrespondenz möglich

Erwägungsgrund 20

V. Informationspflichten bei Fernabsatz- und außerhalb von Geschäftsräumen


geschlossenen Verträgen

- Inhalt der Informationspflichten: Art. 6 Abs. 1, 6 und Art. 8 Abs. 1, 5 RL 2011/83/EU.

Zu Art. 6 Abs. 1 lit. c EuGH 10.07.2019 – C-649/17, ZIP 2019, 1431 (Amazon EU).

-art 246(1) EGBGB


18
-art 8(3) RL, informațiile importante trebuie în întregime trecute în prospectul de
publicitate; nu este suficient ca prospectul să conțină doar informații cadru cu Hinweis-ul
că restul informațiilor se găsesc pe pagina de interment a profesionistului (consumatorul
trebuie să fie informat la momentul încheierii contractului)

VI. Widerrufsrecht, Art. 9 RL 2011/83/EU

- Einräumung des Widerrufsrechts, Art. 9 RL 2011/83/EU, für außerhalb von Geschäftsräumen


geschlossene Verträge und Fernabsatzverträge.

- Zweck: Schutz vor übereilten Vertragsabschlüssen wegen der Situation des Vertragsschlusses
oder wegen der schwierig zu durchschauenden Vertragsgestaltung.

- Ausnahmen vom Widerrufsrecht, Art. 16 RL 2011/83/EU.

Zu Art. 16 lit. e im Hinblick auf die Entfernung einer Schutzfolie von einer Matratze EuGH
27.03.2019 – C-681/17, NJW 2019, 1507 (slewo).

- Widerrufserklärung: Art. 11 Abs. 1 RL 2011/83/EU.

- Widerrufsfrist: Art. 9 und 10 RL 2011/83/EU (beachte Art. 11 Abs. 2 RL 2011/83/EU).

- Rechtsfolgen des Widerrufs: Art. 12, 13 und 14 RL 2011/83/EU.

- Kosten der Rücksendung hat nunmehr grundsätzlich Verbraucher nach Maßgabe von Art.
14 Abs. 1 UAbs. 2 RL 2011/83/EU zu tragen.

- Wertersatzpflicht des Verbrauchers bei übermäßiger Nutzung nach Maßgabe von Art. 14
Abs. 2 RL 2011/83/EU.

- EuGH 03.09.2009 – C-489/07, NJW 2009, 3015 f. („Messner“; im Rahmen RL 97/7/EG).

Fall 6: Ausübung und Rechtsfolgen des Widerrufs

Die passionierte Hobbyfußballerin und Studentin S kauft bei dem großen Online-Versandhändler
Z am 01.07.2014 ein Paar Fußballschuhe. Die Schuhe werden am 07.07.2014 geliefert. S öffnet
den Schuhkarton im Wohnzimmer, zieht die Schuhe an und geht damit einige Schritte im
Wohnzimmer hin und her. Die Farbe gefällt ihr gut. Allerdings ist sie unsicher, ob die Schuhe
ihren hohen sportlichen Anforderungen entsprechen. Deshalb geht sie in den Garten, dessen Boden
vom Regen noch matschig ist, und kickt einige Bälle. Trotz objektiver Mangelfreiheit können sie
die Schuhe nicht überzeugen. Sie liest noch einmal in der ihr vor Vertragsschluss zugesandten
Informationsbroschüre nach, die den Anforderungen nach Art. 246a § 1 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EGBGB
entspricht. Dann wischt sie den Matsch von den Schuhen und schickt diese im Schuhkarton am
21.07.2014 zurück. Noch am 21.07.2014 ruft sie bei Z an und erklärt ohne Angabe von Gründen,
dass sie die Schuhe nicht behalten möchte. Das Paket wird erst am 24.07.2014 zugestellt.

Kurze Zeit später erhält sie einen Brief von Z, in dem dieser schreibt, durch das bloße Auspacken
und Anprobieren der Schuhe sei ein Wertverlust iHv € 10 entstanden. Zudem seien durch Balltritte
Schäden am Leder iHv € 40 festgestellt worden. Im Übrigen sei das Paket nicht frankiert gewesen.
19
Kann Z von S Zahlung von € 50 Wertersatz und Zahlung der Rücksendekosten verlangen?

VII. Informationspflichten bei anderen Verbraucherverträgen, Art. 5 RL 2011/83/EU

- Inhalt der Informationspflichten: Art. 5 Abs. 1 RL 2011/83/EU.

- Öffnungsklausel in Art. 5 Abs. 3 RL 2011/83/EU für nationale Regelungen zur Abbedingung


von Informationspflichten bei sofort erfüllbaren Geschäften des täglichen Lebens.

- Öffnungsklausel in Art. 5 Abs. 4 RL 2011/83/EU für weitere Informationspflichten durch


nationale Gesetzgebung.

VIII. Weitere verbraucherschützende Regelungen für alle Verbraucherverträge

- Voraussetzungen für die Vereinbarung zusätzlicher Zahlungen, Art. 22 RL 2011/83/EU.

Fall 7: Rückabwicklung bei Verstoß gegen Art. 22 VerbrRRL

Der leidenschaftliche Fußballfan V möchte zum Championsleague-Finale nach Berlin reisen. Um


sich günstige Konditionen zu sichern, will er rechtzeitig buchen. Er ruft daher eine
Flugbuchungswebsite auf und findet gleich einen günstigen Flug. Nachdem er den passenden Flug
ausgewählt hat, erscheint über dem Button „Jetzt kostenpflichtig buchen“ ein kleiner Text, der
schon mit einem Kreuzchen auf der Schaltfläche versehen ist. In diesem Text heißt es: „Ja, ich
wünsche auf dem Flug das Deluxe-Finale-Menü des Sternekochs A. Schuhbeck zPv je € 50 auf
Hin- und Rückflug“. V hatte nicht aufmerksam gelesen und einfach auf den Buchen-Button für
den Flug geklickt, mit dem er die Weisung an die Fluggesellschaft erteilte, den Betrag von seiner
Kreditkarte abzubuchen. Als V die Buchungsbestätigung erhält, bemerkt er sein Versehen. Er
unternimmt jedoch nichts. Stattdessen nimmt er Hin- und Rückflug wahr und verspeist mit großem
Genuss das Essen. Nun wendet sich V an einen befreundeten Juristen mit der Frage, ob er von der
Fluggesellschaft € 100 für die beiden Menüs zurückverlangen könne.

- Art. 19 RL 2011/83/EU: Unternehmen dürfen von Verbrauchern für die Nutzung von
Zahlungsmitteln keine Entgelte verlangen, die über die Kosten hinausgehen, die dem
Unternehmer für die Nutzung solcher Zahlungsmittel entstehen.

-problemă: transpunerea directivei în BGB conține o reglemenatre suplimentară;


problematic pentru că directive este vollharmonisierend (deci, argumentul că prevederea
din BGB este gunstiger pentru Verbraucher nu poate fii acceptată-aceasta argumentare ar
fi posibil doar dacă ar fi fost vorba de o directiva mindestharmonisierend)

- Art. 21 Abs. 1 RL 2011/83/EU: Verbot kostenpflichtiger Hotlines für die Vertragsabwicklung.

- Art. 21 Abs. 2 RL 2011/83/EU: Entgelte von Telekommunikationsdienstleistern sind vom


Verbot nicht erfasst.
20
- Siehe aber § 312a Abs. 5 S. 2 und 3 BGB!

- Risikoübergang, Art. 20 S. 1, 2 RL 2011/83/EU.

- Umsetzung in § 475 Abs. 2 BGB.

§ 11 Kontrolle missbräuchlicher Klauseln in Verbraucherverträgen (RL 93/13/EWG)

Literatur: Graf von Westphalen, NJW 2013, 961; ders., EuZW 2019, 121;
Habersack/Kleindieck/Wiedenmann, ZIP 1993, 1670; Heinrichs, NJW 1993, 1817; Jansen, ZEuP
2010, 69; Pfeiffer, in Grabitz/Hilf/Nettesheim, Das Recht der Europäischen Union, Bd. IV, A 5,
Stand: Mai 1999; Remien, ZEuP 1994, 34; Roth, in Festschrift Drobnig, 1998, S. 135; Röthel,
ZEuP 2005, 418; Kommentare zu §§ 305 ff. BGB.

I. Kompetenzgrundlage: Art. 100a EWGV (jetzt Art. 114 AEUV).

II. Inhalt der Richtlinie

- Inhaltskontrolle von missbräuchlichen „Standardvertragsklauseln“ in Verbraucherverträgen


nach Maßgabe von Art. 3, 4 RL 93/13/EWG.

-pruft den Vertrag dpdv al Angemessenheit

-s-ar purtea spune că aceasta afectează libertatea contractuală; în acest domeniu nu


funcționează libertatea contractuală, se pune mai mult accentul pe concurență și
protecția consumatorului

-art 4(2) RL, nu se controlează prețul și obiectul contractului; îm schimb, poate face
obiectul controlului judiciar felul în care sunt exprimate clauzele care cuprind
aceste aspect

-clauzele din contract trebuie să fie klar und verstandlich

- Transparenzkontrolle für andere Vertragsklauseln in Verbraucherverträgen nach Maßgabe von


Art. 5 RL 93/13/EWG.

- Art 6 RL 93/13/EWG

-clauza abuzivă nu va produce efecte, fără să afecteze însă întregul contract

-în cazul în care clauzele sunt declarate abuzive, și deci nu mai produc efecte, nu pot fi
înlocuite cu prevederile dreptului comun (dispozitiv), dacă acestea ar aduce la un rezultat
mai defavorabil (sau la fel de defavorabil) pentru consumator
21
-în aceste situații se ajunge la declararea ca inefficient al întregului contract (effect-
utile)

Rechtsfolge: Unverbindlichkeit der missbräuchlichen Vertragsklausel nach Maßgabe von Art. 6


RL 93/13/EWG, dazu EuGH 4. 6. 2009 – C-243/08, NJW 2009, 2367 (Pannon); EuGH 26. 4. 2012
– C-472/10, EuZW 2012, 786 (Invitel); EuGH 21. 2. 2013 – C-472/11, NJW 2013, 987 (Banif);
EuGH 30. 5. 2012 – C-488/11, NJW 2013, 2579 (Brusse); EuGH 30.04.2014 – C-26/13, NJW
2014, 2335 (Kásler u.a.); EuGH 21.12.2016 – C-154/15, C-307/15 und C-308/15, EuZW 2017,
148 (Gutiérrez Naranjo u.a.); EuGH 07.08.2018 – C-96/16 und C-94/17, NZM 2018, 1029 (Demba
u.a.).

III. Spezielle Rechtsfragen in Zusammenhang mit der RL 93/13/EWG

- Bedeutung des Anhangs der Richtlinie (Art. 3 Abs. 3 RL 93/13/EWG); dazu EuGH 7. 5. 2003
– Rs. C-478/99, EuZW 2002, 465 (Kommission/Schweden).

-EuGH spune ca anexa este o Informationsquelle; nu este obligatorie pentru statele


membre

-chiar dacă această lista nu este obligatorie pentru statele membre, acestea nu o pot
ignora cu desăvârșire

- Reichweite der Zuständigkeit des EuGH bei der Inhaltskontrolle gemäß Art. 3 Abs. 1 RL
93/13/EWG; dazu EuGH 1. 4. 2004 – Rs. C-237/02, NJW 2004, 1647 (Hofstetter); EuGH 4. 6.
2009 – C-243/08, NJW 2009, 2367 (Pannon); EuGH 20.09.2017 – C-186/16, RiW 2018, 73
(Andriciuc u.a.); EuGH 20.09.2018 – C-51/17, NJW 2019, 207 (OTP Bank).

§ 12 Verbraucherschutz im elektronischen Geschäftsverkehr (RL 2000/31/EG; RL


2002/65/EG)

Literatur: Marly, in Grabitz/Hilf/Nettesheim, Das Recht der Europäischen Union, Bd. IV, A 4,
Stand: Mai 2001.

- Zweck der E-Commerce-Richtlinie 2000/31/EG: Binnenmarkt für die Dienste der


Informationsgesellschaft.

- Inhalt der RL 2000/31/EG:


- Art. 4: Grundsatz der Zulassungsfreiheit.
- Art. 5: Informationspflichten.
- Art. 6: Vorgaben für Werbung.
- Art. 12 ff.: Vorgaben für die Verantwortlichkeit der Vermittler von Diensten der
Informationsgesellschaft.
- Art. 9–11: Vorschriften über den Abschluss von Verträgen auf elektronischem Weg.
22

§ 13 Verbraucherschutz beim Kauf beweglicher Sachen (RL 1999/44/EG)

Literatur: Büdenbender, ZEuP 2004, 36; Ehmann/Rust, JZ 1999, 853; Glöckner, JZ 2007, 652;
Magnus, in Grabitz/Hilf/Nettesheim, Das Recht der Europäischen Union, Bd. IV, A 15, Stand:
April 2007; Mansel, AcP 204 (2004), 396; Staudenmeyer, NJW 1999, 2393; Unberath, ZEuP
2005, 5.

I. Regelungsgehalt und Zweck der Richtlinie

- Grundprinzip: Gewährleistungshaftung tritt stets ein, wenn das Gut, welches der Verbraucher
gekauft hat, bei Lieferung nicht dem entspricht, was der Vertrag verlangt.

- Keine vollständige Regelung der Käuferrechte und auch keine vollständige Harmonisierung
(Art. 8 RL 1999/44/EG; anders Art. 4 RL [EU] 2019/771) der geregelten Rechte.

- Orientierung am Regelungsmodell des UN-Kaufrechts.

II. Rechtsgrundlage

- Art. 95 EGV (jetzt Art. 114 AEUV): Allgemeine Rechtsgrundlage für die
Binnenmarktharmonisierung.

III. Anwendungsbereich: Vertrag zwischen Verbraucher und Unternehmer über den Kauf von
„Verbrauchsgütern“ (Art. 1 Abs. 1, Abs. 2 lit. a-c).

IV. Zentralbegriff: Vertragsmäßigkeit der verkauften Sache (Art. 2 RL 1999/44/EG)

- Begriff der Vertragsmäßigkeit ist weit zu verstehen wie auch im UN-Kaufrecht: Alle Elemente
der Sachbeschaffenheit sind einbezogen.

- Regelungstechnik: Vermutungstatbestände nach Art. 2 Abs. 2 RL 1999/44/EG.

- Maßgeblicher Zeitpunkt gemäß Art. 3 Abs. 1 RL 1999/44/EG: Lieferung.

V. Rechte des Verbrauchers bei Vertragswidrigkeit (Art. 3 - 5 RL 1999/44/EG)

- Nochmals: Fall 2 Nutzungsersatz (EuGH 17. 4. 2008 – C-404/06, NJW 2008, 1433, „Quelle“).
- Primäres Mängelrecht: Nacherfüllung in Form von Nachbesserung oder Ersatzlieferung (Art. 3
23
Abs. 3 RL 1999/44/EG).
- Ausschluss der Nacherfüllung bei Unmöglichkeit oder Unverhältnismäßigkeit, Art. 3 Abs. 3
RL 1999/44/EG).
- Problem, dass Art. 3 Abs. 3 RL 1999/44/EG nur relative Unverhältnismäßigkeit erfasst, § 439
Abs. 4 Satz 3 Halbs. 2 BGB dagegen auch absolute Unverhältnismäßigkeit (vgl. EuGH
16.06.2011 – C-65/09, C-87/09, NJW 2011, 2269 ff. „Wittmer/Putz“), nunmehr wegen § 475
Abs. 4 BGB erledigt (beachte Art. 13 Abs. 3 RL [EU] 2019/771).
- Problem, dass die Ersatzlieferung nach Art. 3 Abs. 2, Abs. 3 RL 1999/44/EG auch die
Ausbaukosten der mangelhaften und die Einbaukosten der neuen Sache bzw. Kostenerstattung
hierfür umfasst, wenn der Verbraucher die Sache gutgläubig gemäß ihrem Verwendungszweck
eingebaut hat, und zwar unabhängig von einer Pflicht des Verkäufers zum Einbau der Sache
(EuGH 16.06.2011 – C-65/09, C-87/09, NJW 2011, 2269 ff. „Wittmer/Putz“), nunmehr in §
439 Abs. 3 BGB zugunsten eines Aufwendungsersatzanspruchs gelöst (beachte § 475 Abs. 4
S. 2 BGB).

Zum Ganzen: EuGH 16. 6. 2011 – C-65, 87/09, NJW 2011, 2269; dazu Lorenz, NJW 2011, 2241;
ders., NJW 2013, 207; Faust, JuS 2011, 744; Kaiser, JZ 2011, 978; dies., JZ 2013, 346; BGH 21.
12. 2011 – VIII ZR 70/08, NJW 2012, 1073; BGH 17. 10. 2012 – VIII ZR 226/11, JZ 2013, 169
mit Anm. Mörsdorf.

- EuGH 23.05.2019 – C-52/18, NJW 2019, 2007 (Fülla) hält Vorschussanspruch (§ 475 Abs. 6
BGB; zuvor bereits BGH 19.07.2017 – VIII ZR 278/16, NJW 2017, 2758) grundsätzlich nicht
aufgrund von Art. 3 Abs. 2 und 4 RL 1999/44/EG für erforderlich.

- Zum Erfüllungsort der Nacherfüllung EuGH 23.05.2019 – C-52/18, NJW 2019, 2007 (Fülla):
Art. 3 Abs. 3 RL 1999/44/EG überlässt diese Frage den Mitgliedstaaten, sofern dessen
Bestimmung aufgrund der Umstände des Einzelfalls dazu geeignet ist, die
Nachbesserung/Ersatzlieferung unentgeltlich, innerhalb einer angemessenen Frist und ohne
erhebliche Unannehmlichkeiten für den Verbraucher zu gewährleisten;
BGH 13.04.2011, NJW 2011, 2278: differenzierte Betrachtung, Bestimmung nach § 269 Abs.
1 BGB, im Zweifel Sitz des Verkäufers

- Sekundäre Mängelrechte:

- Minderung (Art. 3 Abs. 5 RL 1999/44/EG).

- Vertragsauflösung (Art. 3 Abs. 5 RL 1999/44/EG).

- Rückgriffsrechte für den Letztverkäufer (Art. 4 RL 1999/44/EG).

- Dauer der Haftung des Verkäufers nach Art. 5 Abs. 1 RL 1999/44/EG: zwei Jahre ab
Lieferung.

- Art. 5 Abs. 3 RL 1999/44/EG: Beweislastumkehr für Vorliegen eines Mangels.


24
- Umsetzung ins deutsche Recht: § 477 BGB.

- Inhalt: zeitliche und materielle Vermutung (im Anschluss an EuGH, Urteil vom
04.06.2015, NJW 2015, 2237 ff. (Faber) nunmehr auch der BGH, Urteil vom 12.10.2016
– VIII ZR 103/15, NJW 2017, 1093 unter Aufgabe seiner vorherigen Rechtsprechung
[BGH, Urteil vom 02.06.2004, NJW 2004, 2299 ff. (Zahnriemen- Fall)])

VI. Anforderungen an Garantien (Art. 1 Abs. 2 lit. e, Art. 6 RL 1999/44/EG)

- Begriff (Art. 1 Abs. 2 lit. e RL 1999/44/EG).

- Inhaltliche Vorgaben für die Garantie (Art. 6 Abs. 2 RL 1999/44/EG).

VII. Exkurs: Die vollharmonisierenden Richtlinien (EU) 2019/770 und (EU) 2019/771

1. Richtlinie (EU) 2019/770 über bestimmte vertragsrechtliche Aspekte der Bereitstellung digitaler
Inhalte und digitaler Dienstleistungen

Literatur: Bach, NJW 2019, 1705; Metzger, JZ 2019, 577; Spindler/Sein, MMR 2019, 415;
Staudenmayer, NJW 2019, 2497.

- Anwendung der Umsetzungsvorschriften ab 01.01.2022 (Art. 24 Abs. 1).

- Vollharmonisierung (Art. 4): einheitlich hohes Verbraucherschutzniveau (Art. 1).

- Anwendungsbereich:

- sachlich: weites Verständnis, sämtliche digitale Inhalte sowie digitale Dienstleistungen


(Art. 2 Nr. 1 und 2, Art. 3 Abs. 1 - 3); auch personenbezogene Daten als mögliches
„Entgelt“ (Art. 3 Abs. 1 UAbs. 2).

- persönlich: Verträge (unabhängig vom Vertragstyp) zwischen Unternehmer und


Verbraucher (Art. 3 Abs. 1, Art. 2 Nr. 5 und 6).

-nicht nur Kaufverträge, sondern auch, zB Dienstleistungsverträge, Mietverträge


etc.

- Ausgenommen: Art. 3 Abs. 5; Waren mit digitalen Inhalten (Art. 2 Nr. 3, Art. 3 Abs. 4),
insoweit alleinige Anwendbarkeit der RL (EU) 2019/771.

- Anforderungen an die Bereitstellung durch den Unternehmer (Art. 5) und die Vertragsmäßigkeit
(Art. 6 ff.).

- Haftung des Unternehmers (Art. 11).

- Gewährleistungsrechte bei nicht erfolgter Bereitstellung (Art. 13) und Vertragswidrigkeit (Art.
14).
25
2. Richtlinie (EU) 2019/771 über bestimmte vertragsrechtliche Aspekte des Warenkaufs

Literatur: Bach, NJW 2019, 1705; Zinner, VuR 2019, 241; Zöchling-Jud, GPR 2019, 115.

- löst die Verbrauchsgüterkauf-RL 1999/44/EG zum 1.1.2022 ab (Art. 23).

- Vollharmonisierung (Art. 4): einheitlich hohes Verbraucherschutzniveau (Art. 1).

- Anwendungsbereich:

- Kaufverträge (Art. 3 Abs. 1, 2, Art. 2 Nr. 1) zwischen Verbraucher und Unternehmer


(Art. 3 Abs. 1, Art. 2 Nr. 2 und 3); sowohl Online-Handel als auch stationärer Handel.

- Ausgenommen: Anwendungsbereich der RL (EU) 2019/770 (Art. 3 Abs. 3, Abs. 4 lit. a).

- Anforderungen an die Vertragsmäßigkeit (Art. 5 ff.) zum Zeitpunkt der Lieferung (Art. 10 Abs.
1; beachte auch Art. 7 Abs. 1 lit. d zur Haltbarkeit)

- Aktualisierung bei Waren mit digitalen Inhalten (Art. 6 lit. d, 7 Abs. 3).

- Beweislastumkehr innerhalb Jahres-, optional Zwei-Jahres-Frist (Art. 11 Abs. 1, 2)


(Auswirkungen auf § 477 BGB).

- Anforderungen an Haftungsausschluss (Art. 7 Abs. 5) (Auswirkungen auf § 442 BGB).

- Gewährleistungsrechte, Art. 13 ff.

- Einwand der absoluten Unverhältnismäßigkeit (Art. 13 Abs. 3) (entgegen EuGH


16.06.2011 – C-65/09, C-87/09, NJW 2011, 2269 ff. „Wittmer/Putz“ und § 475 Abs. 4
BGB).

- Pflicht, jedenfalls die Ein- und Ausbaukosten zu tragen (Art. 14 Abs. 3).

- Keine Pflicht zum Nutzungsersatz (Art. 14 Abs. 4).

- Keine Regelung zum Erfüllungsort der Nacherfüllung (Erwägungsgrund 56).

§ 14 Verbraucherschutz im Bereich des Tourismus (Reisevertragsrecht,


Teilzeitnutzungsrechte)

Literatur: Tonner, in Grabitz/Hilf/Nettesheim, Das Recht der Europäischen Union, Bd. IV, A 12,
Stand: Mai 1999; Martinek, in Grabitz/Hilf/Nettesheim, Das Recht der Europäischen Union, Bd.
IV, A 13, Stand: Mai 1998; Kommentare zu §§ 651a ff. BGB und zu §§ 481 ff. BGB.

I. Die neue Pauschalreiserichtlinie (RL [EU] 2015/2302)


Literatur: Bergmann, VuR 2016, 43 ff.; Führich, NJW 2016, 1204 ff.; Kressel, RRa 2015, 176 ff.;
Richter, RRa 2015, 214 ff.; Scheuer, RRa 2015, 227 ff.; Tonner, EuZW 2016, 95; zur Umsetzung
26
in §§ 651a ff. BGB n.F. Führich, VuR 2018 2018, 399; Paulus, JuS 2018, 647; Redenius-
Hövermann, Jura 2019, 462; Staudinger/Ruks, RRa 2018, 2.

1. Gründe für den Erlass der neuen Pauschalreiserichtlinie

- Stärkung des Tourismus in der EU durch Anpassung der Regelungen zu Pauschalreisen an das
Internetzeitalter.

- Vereinheitlichung der Regelungen zu Pauschalreisen:

- Ablösung des Prinzips der Mindestharmonisierung (Art. 8 RL 90/314/EWG) durch das


Prinzip der Vollharmonisierung (Art. 4 RL [EU] 2015/2302).

2. Anwendungsbereich der neuen Pauschalreiserichtlinie

a) Persönlicher Anwendungsbereich

- Die neue Pauschalreiserichtlinie gilt nach Art. 2 Abs. 1 RL (EU) 2015/2302 für Reisende und
Unternehmer (Art. 3 Nr. 6 und 7 RL [EU] 2015/2302).

-Begriff ”Reisende” ist weiter als den Begriff ”Verbraucher”; umfasst auch Unternehmen,
die zB eine Pauschalreise für seine Mitarbeiter bucht

b) Sachlicher Anwendungsbereich

aa) Geltung für Pauschalreisen = Kombination aus mindestens zwei verschiedenen Arten von
Reiseleistungen für den Zweck derselben Reise.

(eine Gesamtheit von Reiseleistungen im Rahmen demselben Reisevertrag oder in mehreren


Reiseverträge wenn diese für dieselbe Reise dienen)

Beide Leistungen müssen ein bestimmtes Gewicht haben; Hauptleistungen sein.

zB. Transport und Übernachtung

(1) Vorliegen einer Pauschalreise beim Abschluss eines einzigen Vertrages über sämtliche
Leistungen, Art. 3 Nr. 2 lit. a) RL (EU) 2015/2302.

(2) Vorliegen einer Pauschalreise auch beim Abschluss separater Verträge mit den
jeweiligen Leistungserbringern unter den Voraussetzungen des Art. 3 Nr. 2 lit. b) RL (EU)
2015/2302.

(3) Kein Vorliegen einer Pauschalreise


(a) Bei Kombination einer Leistung mit einer Nebenleistung, Art. 3 Nr. 2 UAbs. 2 lit.
a) RL (EU) 2015/2302.
27
-Erwägungsgrund 18: um eine Hauptleistung zu sein, muss diese wenigstens 25%
des Gesamtpreises sein
(b) Bei Auswahl einer weiteren Reiseleistung erst nach Beginn der Reise, Art. 3 Nr. 2
UAbs. 2 lit. b) RL (EU) 2015/2302.
bb) Geltung auch für sog. verbundene Reiseleistungen, Art. 2 Abs. 1 RL (EU) 2015/2302
(„linked travel arrangement“).
cc) Ausschlusstatbestände nach Art. 2 Abs. 2 RL (EU) 2015/2302.

3. Wesentliche Regelungen der RL (EU) 2015/2302

a) Vorvertragliche Informationen, Art. 5.


b) Änderung des Preises sowie anderer Bedingungen, Art. 10, 11.
c) Vertragsübertragung, Art. 9.
d) Abhilfe, Art. 13 Abs. 3 und 4.
e) Minderung, Art. 14 Abs. 1.
f) Beendigung des Pauschalreisevertrages durch den Reisenden.
aa) Durch Rücktritt vor Reisebeginn, Art. 12 Abs. 1.
bb) Durch Rücktritt wegen eines Mangels, Art. 13 Abs. 6 - 8.
cc) Durch Rücktritt wegen unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände, Art. 12 Abs. 2.
-berechtigt auch den Reiseveranstalter zurückzutreten
g) Schadensersatz, Art. 14 Abs. 2 - 4.
aa) Ersatz von Mangel- und Mangelfolgeschäden, Art. 14 Abs. 2 - 4.

bb) Ersatz entgangener Urlaubsfreuden, Art. 14 Abs. 2 iVm Erwägungsgrund 34 S. 6.

-se pune întrebarea ce despăgubire se poate cere pentru o mangelhafte Reise

-varianta 1: se despăgubește câștigul pierdut din cauza absenței de la locul de


muncă; are dezavantajul că persoanele care nu au o activitate de muncă nu ar primi
despăgubire (entgangene Urlaubsfreude, nutzlos angewandte Reisezeit)

-varianta 2: despăgubire și pentru immateriele Schaden (pe lângă materiele


Schaden, ex. alt bilet de avion mai repede către casă, cheltuieli medicale)

-Widerrufsrecht nicht vorgesehen

-situația în care Reiseveranstalter devine insolvent-art 17 ff

-se urmărește vollstandiger Schutz der Verbraucher (exemplu: legislația austriacă prevede
asigurare obligatorie a Reiseveranstalter de min 5% din Umsatzul anului trecut, decizie
EuGH: prag prea mic pentru atingerea scopului-vollstandiger Schutz der Verbraucher-al
28
directivei)

-în situația în care transpunerea directivei în dreptul național nu asigură o protecție


completă a consumatorului, se poate argumenta că statul membru nu și-a îndeplinit
corespunzător obligația de a transpune directiva, astfel încât consumatorul ar avea dreptul
să ceară despăgubiri de la stat (Qualifizierter Verstoß gegen Unionsrecht; se verifică în
Einzelfall)

-transpunerea în dreptul german: art 651n BGB

II. Regelungen zum Timesharing, RL 2008/122/EG (früher: RL 94/47/EG)

-bezieht sich nur auf Immobilien; se poate folosi si pe alte obiecte (ex. bărci, yachturi etc)

- Erweiterter Anwendungsbereich (Art. 1, 2 Abs. 1 RL 2008/122/EG): neben


„Teilnutzungsverträgen“ mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr (Art. 2 Abs. 1 lit. a) auch
Verträge über „ein langfristiges Urlaubsprodukt“, „Wiederverkaufsverträge“ und
„Tauschverträge“ einbezogen (Art. 2 Abs. 1 lit. b - d).

- Regelungen über Werbung und vorvertragliche Informationen (Art. 3 - 5 RL 2008/122/EG).

- Regelungen zum Widerrufsrecht (Art. 6 ff. RL 2008/122/EG).


-diese Richtlinie gilt neben und versrangt die Verbraucherrichtlinie
Fall 8: Travel Vac
Erwerber E wurde am 14. 9. 1996 in Denia (Spanien) auf der Straße angesprochen und begab sich
in ein Büro des V. Dort unterzeichnete er einen Vertrag, wonach der Veräußerer V dem Erwerber
1/51 Miteigentumsanteil an einer möblierten Wohnung in der „Urbanización“ Parque Denia
übertrug. Hierdurch wurde E berechtigt, die Wohnung in der neunzehnten Kalenderwoche eines
jeden Jahres ausschließlich zu nutzen. Nach dem Vertrag war V außerdem verpflichtet, dem
Erwerber bestimmte Dienstleistungen zu erbringen wie etwa die Instandhaltung des Gebäudes, die
mit dem Timesharing verbundene Verwaltung, den Zugang zu den gemeinsamen Dienstleistungen
der Siedlung und zu der internationalen Organisation „Resort Condominium International“, einem
internationalen Verein, der es dem Erwerber ermöglicht, seine Ferienrechte nach den Regeln des
Vereins zu tauschen. E musste 50.000 € zahlen, wobei 12.500 € auf den Grundstückswert des
Miteigentumsanteils, der Rest des Preises auf Mehrwertsteuer, das Miteigentum an dem Mobiliar
gemäß dem Inventar, die vorgenannten Dienstleistungen und den Beitritt zum „Resort Dominium
International“ entfielen. E erschien drei Tage später auf der Geschäftsstelle von V und erklärte
mündlich, dass alles wirkungslos sei. V verklagt E auf Bezahlung von 50.000.- €.
Nach EuGH 22. 4. 1999 – Rs. C-423/97 – Slg. 1999, I-2195 (Travel Vac/Sanchis).
-directiva pentru timesharing nu era transpusă încă în dreptul spaniol
-EuGH: se aplică regulile prevăzute în directive pentru Hausturverkaufe

§ 15 Verbraucherschutz bei Darlehen und im Überweisungsverkehr

I. Die Verbraucherkreditrichtlinie 2008/48/EG (früher: RL 87/102/EWG)


29
Literatur: Gsell/Schellhaas, JZ 2009, 20; Siems, EuZW 2008, 454; Wendehorst, ZEuP 2011, 263.

-Kompetenzgrundlage: art 114 AEUV

- Anwendungsbereich (Art. 1, 2): Verbraucherkreditverträge mit umfassendem Katalog von


Ausnahmetatbeständen in Art. 2 Abs. 2 RL 2008/48/EG.

- Nochmals Fall 5 Bürgschaft: Fällt dieser Fall unter die Richtlinie 2008/48/EG? Vgl. EuGH 23.
3. 2000 – Rs. C-208/98 – ZIP 2000, 574 (Berliner Kindl/Siepert).

-nein, weil Burgschaft e mai mult Sicherungsvertrag, nu Kreditvertrag

- Grundsatz der Vollharmonisierung (Art. 22).

- Vorgaben zur Werbung (Art. 4 Abs. 1 - 3).

- Vorvertragliche Informationen (Art. 5): EU-weit einheitliches Formular („Europäische


Standardinformationen für Verbraucherkredite“).

- Schriftform des Kreditvertrags (Art. 10 Abs. 1).

- Zwingende Pflichtangaben im Kreditvertrag (Art. 10 Abs. 2).

-art 10 II p- auch uber das Widerrufsrecht zu informieren; termenul de 14 zile pentur


Widerruf începe să curgă de la momentul acestei informări

- 14-tägiges Widerrufsrecht (Art. 14).

- Regelungen über verbundene Geschäfte (Art. 15; Definition: Art. 3 lit. n).

-die Geschafte mussen eine wirtschaftliche Einheit bilden

- Recht auf vorzeitige Vertragserfüllung (Art. 16): Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung wird
begrenzt.

-Kreditkosten: enumerate în art. 3lit. g RL

-există costuri care nu depind de durata creditului (de exemplu, comisionul Vermittler-
ului); laufzeitunabhangige Kosten; ex. Provisionen

-în cazul acestor laufzeitunabhangige Kosten, nu se poate cere restituirea lor dacă
se plătește mai repede creditul

-EuGH urmărește Zweck der Richtline, care e Verbraucherschutz, deci


hotărăște că și laufzeitunabhangige Kosten ar trebui diminuate în cazul plății
anticipate

-părere prof: ar trebuyi să se poată cere doar restituirea costurilor calculate în


funcție de durata creditului (art 16 I-”Kosten fur di verbleibene Laufzeit des
Vertrags”)
30
- Einwendungsdurchgriff bei Abtretung der Darlehensforderung (Art. 17).

- Vorgaben für die einheitliche Berechnung des effektiven Jahreszinses (Art. 19).

II. Die Immobiliarkreditrichtlinie 2014/17/EU


Literatur: Rott, BKR 2015, 8 ff.; Buck-Heeb, NJW 2016, 2065 ff.; Zapf, ZEuP 2016, 656; zur
Umsetzung Kraatz/Klevenhagen, BKR 2017, 45; Omlor, ZIP 2017, 112.
-Schließt eine Lücke in Verpraucherschutzrecht
-verbraucherschützende Richtlinie; e anwendbar doar pentru contractele încheiate între un
consumator și un Unternehmen

1. Regelungsgegenstand und Regelungskonzept

- Inhalt: Verbraucherschützende Regelungen für Immobiliarkredite.

- Es gilt das Prinzip der targeted harmonisation: Nur bestimmte Fragen des
Immobiliarkreditrechts werden normiert.

-deci, domeniile nereglementate expres rămân în afara domeniului de aplicare

- Art. 2 Abs. 1 RL 2014/17/EU: Es gilt das Prinzip der Mindestharmonisierung (Ausnahmen:


Art. 2 Abs. 2 RL 2014/17/EU).

-prevederile legate de vorvertragliche Informationen sunt vollständig Harmonisierend;


restul prevederilor sunt Mindestharmonisierung

-Kompetenzgrundlage: art 114 AEUV

2. Anwendungsbereich der RL 2014/17/EU

- Sachlich, Art. 3 Abs. 1:

- lit. a: Für grundpfandrechtlich gesicherte Darlehensverträge; der Finanzierungsgegenstand


ist dabei irrelevant.

- lit. b: Für Darlehensverträge, deren Zweck der Erwerb eines Grundstückes ist; der
Sicherungsgegenstand ist dabei irrelevant.

- Art. 3 Abs. 2 und Abs. 3 enthalten Ausnahmen für bestimmte Arten von Kreditverträgen.

- Persönlich, Art. 1, 4 Nr. 1 und 2: Verträge zwischen einem Unternehmer und einem
Verbraucher.

-nu se cere expres ca imobilul să fie destinat pentru a fi locuit


31
3. Das Schutzinstrumentarium der Immobiliarkreditrichtlinie 2014/17/EU

a) Die Informations- und Erläuterungspflichten

- Allgemeine Informationen, Art. 13

- Vorvertragliche Informationen, Art. 14

- Erläuterungspflicht, Art. 16

- Beratungsdienstleistungen, Art. 22

b) Die Kreditwürdigkeitsprüfung, Art. 18 ff.

-obligația de a verifica bonitatea consumatorului

-vezi art 18(3)-verificarea bonității nu se poate baza exclusiv pe faptul că valoarea imo-
bilului cu care se garantează este mai mare decât valoarea creditului (motiv: la fel ca în
perioada crizei financiare, prețurile imobilelor pot varia foarte mult)

-în cazul în care nu se procedează conform art 18 (deci, în czul în care nu se evaluează sau
se evaluează în mod greșit bonitatea consumatorului) există penalități și sancțiuni conform
art 38 (în dreptul german-art 505 d BGB)

-de exemplu, în cauzl persoanelor tinere, eventual proaspăt căsătorite, nu se ia în


considereare venitul actual (de la momentul încheierii contractului de credit), ci se
ia în considereare venitul pe care aceștia l-ar avea daca ar avea copii

-la personae vârstnice nu e ia în considerare venitul din momentul încheierii con-


tractului, se are în vedere venitul pe care aceștia l-ar avea la pensie

-”man muss in die Zukunft hinein denken”

-stabilirea sancțiunilor cade în competența statelor membre (art 38); exemple de sancțiuni:
imposibilitatea băncii de a cere dobânzi penalizatoare sau de a rezilia contractul

c) Bedenkzeit oder Widerrufsrecht, Art. 14 Abs. 6

d) Vorzeitige Rückzahlung, Art. 25-aceeași problemă ca la Verbraucherkreditrichtlinie

-erw. Grund 66-berechtigte Interesse pentru plata anticipată; nu se consideră motiv


întemeiat dorința de a înlocui creditul curent cu un credit cu dobânzi mai mici

e) Fremdwährungskredite, Art. 23

f) Verantwortungsvolles Schuldenmanagement, Art. 28.


32
III. Die Zweite Zahlungsdiensterichtlinie (EU) 2015/2366 (früher: RL 2007/64/EG)-discutată
în linii mari (nu în detaliu)

-Terminologie der Richtlinie: Zahler=Verbraucher; Zahlungsempfänger=Unternehmer

-nicht nu an Verbraucher adressiert


Literatur: Bauer/Glos, DB 2016, 456 ff.; Conreder/Schild, BB 2016, 1162 ff.; Omlor, ZIP 2016,
558 ff.; zur Umsetzung Spitzer, MDR 2018, 561; Werner, WM 2018, Heft 10, 449.
- Inhalt: Umfassende Neuregelung des Zahlungsverkehrsrechts in der EU durch
aufsichtsrechtliche und zivilrechtliche Regelungen für bestehende und neue Zahlungsdienste.

1. Regelungsgrund und Regelungsprinzip

- Ziel: Schaffung eines Binnenmarktes für bargeldlose Zahlungen.

- Rechtsgrundlage: Art. 114 AEUV.

- Es gilt das Prinzip der Vollharmonisierung mit Ausnahme der in Art. 107 Abs. 1 RL (EU)
2015/2366 abschließend aufgezählten Öffnungsklauseln.

2. Der Anwendungsbereich der RL 2015/2366/EU

a) Sachlich:

- Art. 2 Abs. 1 RL (EU) 2015/2366: Geltung für Zahlungsdienste, die innerhalb der Union
erbracht werden.

- Art. 2 Abs. 2, 3 und 4 RL (EU) 2015/2366: Überwiegende Geltung der zivilrechtlichen Titel III
und IV auch für Zahlungsvorgänge, bei denen nur einer der beteiligten Zahlungsdienstleister
in der Union ansässig ist (sog. one-leg-transactions), allerdings nur für die in der Union
getätigten Teile des Zahlungsvorgangs.

- Art. 3 lit. a) - o) RL (EU) 2015/2366: Katalog von Bereichsausnahmen für bestimmte


Zahlungsvorgänge.

b) Persönlich gilt die Richtlinie für Zahlungsdienstleister (Kreditinstitute, Zahlungsinstitute, E-


Geld-Institute), Zahlungsauslöse- und Kontoinformationsdienstleister (Begriffsbestimmungen in
Art. 4 RL [EU] 2015/2366).

3. Die wesentlichen Regelungen der RL (EU) 2015/2366

a) Informationspflichten, Art. 38 ff.

b) Weitgehendes Entgeltverbot im Valutaverhältnis, Art. 62.

c) Regelung von Zahlungsauslösediensten, Art. 4 Nr. 15.


33
d) Regelung von Kontoinformationsdiensten, Art. 4 Nr. 16.

e) Regelung von Drittkarten-Emittenten, Art. 65.

§ 16 Die Richtlinie 2011/7/EU zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr


(früher: RL 2000/35/EG)

-mindestharmonisierend

-preotejează Unternehmen, în special societățiile mici care ar fi în pericol dacă nu ar fi plătiți la


timp de către consumatori

-KMU=kleine und mittlere Unternehmen-art 1(1)

-Zuständigkeitsgrundlage-art 114 AEUV

Literatur: Graf von Westphalen, BB 2013, 515; Weller/Harms, WM 2012, 2305; Oelsner, NJW
2013, 2469; Kommentare zu § 286 BGB; zur Umsetzung Verse, ZIP 2014, 1809.
Fall 9 Verzug bei Geldüberweisungen
S schuldet G 5000.- € wegen einer Reparaturarbeit, die G am Haus des S ausgeführt hat. G hat
dem S eine Rechnung über diesen Betrag zugesandt, die bei S am 4. 11. 2008 eingegangen war. S
weist seine Bank B 1 am 4. 12. 2008 an, den Betrag dem G gutzuschreiben. Der
Überweisungsbetrag geht bei der Hausbank des G, B 2, am 5. 12. 2008 ein und wird dem G am 8.
12. 2008 gutgeschrieben. Befindet sich S in Schuldnerverzug?
Nach EuGH 3. 4. 2008 – Rs. C-306/06, NJW 2008, 1935 (im Rahmen der RL 2000/35/EG); dazu
Schulte-Nölke, ZGS 2007, 441; Heyers, JZ 2012, 398.
-nach deutsches Recht, este suficient ca debitorul să facă plata în termen, fără să conteze
momentul în care plata ajunge la debitor
-Schuldner nu e responsabil pentru operațiunle interne ale băncii; este suficient dacă a făcut
plata cu un termen rezonabil înainte de scadență, astfel încât plata să ajungă la timp la
creditor
-în speță, plata s-a făcut exact în ultima zi de Frist; zu knapp

- Zweck der Richtlinie: Schutz der Erbringer von Sach- oder Dienstleistungen, insbesondere
kleinere oder mittlere Unternehmen (KMU), Art. 1 Abs. 1 RL 2011/7/EU.

-se urmărește Schutz der Glaubigen (protejarea creditorului); în special kleine und mittlere
Unternehmen

- „Automatischer“ Eintritt des Verzugs mit Geldforderungen spätestens 30 Tage nach Zugang
einer Rechnung (Art. 3 Abs. l, Abs. 3 lit. b i RL 2011/7/EU).

-automat; fără să fie nevoie de încă o Mahnung sau ceva

- Pflicht zur Verzinsung ab Verzugseintritt (Art. 3 Abs. 3 lit. a RL 2011/7/EU).


34
- Höhe der Verzinsung (Art. 3 Abs. 2, Art. 2 Nr. 5 - 7 RL 2011/7/EU).

- Sonderregelungen für den Geschäftsverkehr mit öffentlichen Stellen (Art. 4 RL 2011/7/EU).

- Entschädigung für Beitreibungskosten (Art. 6 RL 2011/7/EU).

-suma de 40 EUR reprezintă Betreibungskosten (de exemplu, costuri pentru avocat)

-deci, ăștia 40 EUR se plătesc orice ar fi, chiar fără să fac dovada de Beitreibungskosten

-dar, dacă am cheltuieli de mai mult de 40 EUR, se plătește suma întreagă (de exemplu,
dacă am costuri de avocat de 100 EUR, primesc doar ăștia 100 EUR, considerându-se că
cei 40 EUR sunt incluși)

Zu dessen Reichweite EuGH 13.09.2018 – C-287/17, RiW 2019, 78 (Ceská pojist´ovna);


EuGH 11.04.2019 – C-131/18, NJW 2019, 1933 (Gambietz).

3. Teil: Deliktsrecht

§ 17 Die Produkthaftungsrichtlinie 85/374/EWG

Literatur: Riehm, EuZW 2010, 567; Kommentare zum Produkthaftungsgesetz; Grünbuch der EU-
Kommission vom 28. 7. 1999 über die Haftung für fehlerhafte Produkte, KOM (1999), 396, endg.

-este vorba de înlocuirea pagubelor creade de produsul neconform altor produse (nu este vorba de
despăgubiri datorate proprietarului pentru un produs defect, deci pentru executarea neconformă a
contractului de vânzare a produsului)

-gilt nicht zwischen Unternehmen

-wightig: NICHT gewerbliche Tatigkeiten

- Bedeutung: Erste EU-Richtlinie im Bereich des bürgerlichen Rechts.

- Zweck: Vereinheitlichung der Wettbewerbsbedingungen der Unternehmen,


Verbraucherschutz (Erwägungsgrund 1 RL 85/372/EWG).

- Regelungsgehalt: Einführung einer verschuldensunabhängigen Haftung des Herstellers


fehlerhafter Produkte (Art. 1 RL 85/374/EWG).

- Produkt (Art. 2 RL 85/374/EWG): nur bewegliche Sachen.

-se pune problema ce se întâmplă dacă o parte a produsului e mangelhaft și beschadigt tot
produsul (același produs); art 9 lit b spune clar că directiva acopă pagube care se produc la
ALTE produse; deci nu acoperă pagube cauzate de o parte a produsului aceluiași produs

- Hersteller (Art. 3 RL 85/374/EWG).


35
-se urmărește ca în orice situație persoana care răspunde să fie ansassig in UE

- Fehler (Art. 6 RL 85/374/EWG).

-important: relevantă este Sicherheit; deci un produs care nu funcționează deloc nu ar fi,
de regulă, acoperit de directivă pentru că nu crează niciun pericol

-excepție: de exemplu, un produs care are scopul de a da impulsuri inimii în caz că


nu bate normal; dacă nu funcționează crează un pericol pentru utilizator

-EuGH: ”și potentielle Fehler gilt als Fehler, atâta timp cât scopul produsului este acela de
a preveni un pericol”

- Beweislast des Geschädigten in Bezug auf Schaden, Fehler und Kausalität (Art. 4 RL
85/374/EWG).

-caz Franța: vaccin contra hepatita B; pacient se îmbolnăvește după vaccine de scleroză
multiplă. Cum se dpvedește zusammenhang? Se verifică succesiunea evenimentelor în
timp, se verifică dacă pacientul avusese alte probleme medicale înainte de vaccine etc.

- Entlastung des Herstellers durch Beweis in Art. 7 RL 85/374/EWG aufgeführter Umstände.

-atenție art 7 lit e-importante sunt cunoștiințele tehnice în momentul inverkehrbringen

- Schaden (Art. 9 RL 85/374/EWG).

-umfasst nicht immaterielle Schaden

Fall 10: Nierenspende


Kläger K verklagt B, die Betreiberin mehrerer Krankenhäuser in Dänemark, auf Schadensersatz.
Das von B betriebene Krankenhaus sollte dem K die Niere seines Bruders einpflanzen. Zur
Vorbereitung der Transplantation sollte die dem Bruder des K bereits entnommene Niere mit einer
Perfusionsflüssigkeit durchgespült werden. Diese war im Labor eines anderen, ebenfalls von B
betriebenen Krankenhauses hergestellt worden. Diese Flüssigkeit war verunreinigt mit der Folge,
dass die Niere verstopft wurde und nicht mehr für eine Transplantation verwendet werden konnte.
EuGH 10. 5. 2001 – Rs. C-203/99 – Slg. 2001, I-3569 (Veedfald); s. a. BGHZ 101, 215.

-argument Danemarca: produsul nu a fost niciodată pus în Verkehr; argument respins de


EuGH, termenul de ”inverkehrbringen” trebuie weit ausgelegt

-argumet doi Damenarca: nu cade sub domeniul de aplicare al directive pentru că spitalele
nu practică wirtschaftliche Tatigkeit; argument respins de EuGH, pentru că Begriff-ul
trebuie im unionalen Sinne ausgelegt

-se pune problema de cum se estimează paguba; nu e Korperverletzung, weil noch nicht
eingepflanzt wurde; hier Niere muss als Sache beachtet werden; greu, pentru că nu există
o piață pentru rinichi, astfel încât să se poată determina costul unui rinichi
36
- Rechtssetzungsgrundlage: Art. 100 EWGV (entspricht Art. 115 AEUV).

- Richtlinie folgt nach EuGH dem Konzept der Vollharmonisierung (EuGH 25. 4. 2002 – C-
154/00 – Slg. 2002, I-3879 – Kommission/Griechenland; EuGH 25. 4. 2002 – C-52/00 – Slg.
2002, I-3827 - Kommission/Frankreich; EuGH 25. 4. 2002 – C-183/00 – Slg. 2002, I-3901 –
Sanchez; bestätigt von EuGH 10. 1. 2006 – C-402/03 – NJW 2006, 1409 – Skov/Bilka).

-argument EuGH: în directivă nu scrie că ar fi admise prevederi mai gunstig din partea
statelor membre

- Verschuldensabhängige vertragliche oder außervertragliche Haftung bleibt unberührt (Art.


13 RL 85/374/EWG).