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9. Uebe'l' altS Ge.'Jet~


ae'1~ Energieve1·teil~tng im Normalspect't'u1nj
von Max Plafl ck.
(In anderer Form mitgeteilt in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft,
Sitzung vom 19. October und vom 14. December 1900, Verhandlungen
2. p. 202 und p. 237. 1900.)

Einleitung.
Die neueren Spectrallnessungell von O. Lu m m e 1- Ulld
E. P r i n g s h e i m 1) und noch auffälliger diejenigen VOll
H. Rubens und F. Kurlbaum 2), welche zugleich ein früher
von H. Beckmann 3) erhaltelles Resultat bestätigten, haben
gezeigt, dass das zuerst von W. Wien aus molecularkinetischen
Betrachtungen und später von mir aus der Theorie del~ elektro..
magnetischen Strahlung abgeleitete Gesetz der Energieverteilullg
im Normalspectrum keine allgemeine Gültigkeit besitzt.
Die Theorie bedarf also in jedem Falle einer Vel~besserullg,
und ich ,viII im Folgenden den Versuch machen, eille solche
auf der Grundlage der VOll mir entwicl{elten 'l'heorie der
elektromagnetischen Strahlung durchzuführelI. Dazu wird es
vor allem nötig sein, in der Reille der Schlussfolgerungen,
welche zum Wie n 'schen Energieverteilungsgesetz führten, das-
jenige Glied ausfindig zu machen, welches einer Abänderung
fähig ist; sodann aber wird es sich darum handeln, dieses
Glied aus der Reihe zu entfern~n und eillen geeigneten Ersatz
dafür zu schaffen.
Dass die physikalischen Grundlagel} der elektl"omagnetischen
Strahlungstheorie , einschliesslich der Hypothese der "natür-
lichen Strahlung", auch einer geschärften Kritik gegenüber
Stand halten, habe ich ill Ineinem letzten Aufsatz 4) über diesen

1) O. Lummer u. E. Pringsheim, Verhandle der Deutsch. Physikal.


Gesellsch. 2. p. 168. 1900.
2) H. Rubens und F. Kurlbaum, Sitzungsber. d. k. Aknd. d.
Wissenseh. Zlt Berlin vom 25. October 1900, p. 929.
3) H. Beckmann, Il13ug.-Dissertation, Tübingen 1898. Vgl. auell
H. Rubens, Wied. Ann. 69. p.582. 1899.
4) ~I. Planck, Ann. d. Phys. 1. p.719. 1900.
Annalon der Physik. IV. Folge. 4. 96
554 jJf. Planck.

Gegenstand dal~geleg:t; und da allell die Rechl1ullgen meilles


Wissens l{einen Fehler enthalten, so bleibt auell deI- Satz be-
stehen, dass das G'esetz der Energieverteilung im Nol~mal­
spectrum vollkommen bestimmt ist, wellll es gelingt, die
EntI'opie S eilles bef;trahlten, monochromatisch schwingendeIl
Resonators als Function seiner Sch,vingungsenergie U zu be-
rechnen. Denn dann erhält man aus der Beziehung d S/ d U 1/-8-
die Abhängigkeit der El1ergie U VOll del~ Temperatur {}, Ulld
da andererseits die Enel"gie U durch eine einfache Beziehung 1)
mit der Strahlungsdi(~hte del~ entsprechenelen Scll,vingungszahl
verknüpft ist, auch die Abhängigkeit dieser Strahlungsdichte
,ron der Tempel"atul~. Die normale Energieverteilung ist dall11
diejenige, bei welcher die Stl~ahlungsdichten aller verschiedelIen
Schwingungszahlen die nämliche ~'empel<tatul· besitzen.
Somit l~educirt sich das gallze Problem auf die eille Auf-
gabe, 8 als Function von U zu bestinlmen, und der Lösung
dieser Aufgabe ist allch der wesentlichste Teil eier· folgendell
UntersuChtlng gewidn1et. In meiner el~sten Abhandlung iiber
diesen Gegenstand h2Jtte ich 8 direct durch Defillition, ohne
,veitere Begl'ülldllllg, als eillen einfachen ..~usdrucl{ von U hin-
gestellt, lInd mich damit begllügt nachzu,veisell, dass diese
Form der Entl'opie allen AllforderungeIl, ,velche die Thermo-
d~Tnamik an sie stellt, Genüge leistet. Ich glaubte damals,
dass sie au.eh die eillzige ihrer Art sei, und dass somit das
Wien 'sehe Gesetz, ,velches tlUS ihr folgt, not,vel1dig allgemeil1e
Gültigkeit besitze. Bei einer späteren nähereIl Untersucllung 2)
zeigte sich mir indess'~ll, dass es auell lloch andere Ausdl'üc]re
geben muss, welche dasselbe leistell , und dass es desllalb
jedenfalls noch einel<t weiteren Bedingullg bedal·f, um 8 ein-
cleutig hel~echllen Zll könllell. ~~ine solelle Bedillgung glallbte
ich gefllnden zu llaben in dem mit- damals Ullmittelbar plau-
sibel schei!lelldell Sal;z, dass bei einel~ unendlich kleinen
irrc\tersibeln Aenderung eilles nahezu im thermischen Gleich..
ge\vicht befindlichell Systems 'POIl 1\7 gleichbeschaffenen, im
näullichen statiollären Strahlrlngsfeld befilldlichen Resonatoren
die damit vel"bundene Vern1ehl'ung ihrer Gesamtentl~opie8~T = N 8

1) Vgl. untell Gleichllng (8).


2) nf. PI tLDCk, I. c. p. 730 ff.
Gesetz der Energieverteilung im Normalspectrum. 555

nur abhängt von ihrer Gesamtenergie UN = :AT U


und deren
~t\enderungen, nicht aber von der Energie U der einzeillen
Resonatol·en. Dieser Satz führt wiederum mit Notwendigkeit
zum Wien'schen Energievel"teilungsgesetz. Da nun aber
letzteres durch die Erfahrung nicht bestätigt wird, so ist man
zu dem Schlusse gezwungen, dass auch jener Satz in seiller
Allgemeinheit nicht richtig sein kann und daher aus der Theorie
zu entfernen ist. 1)
Es muss also nun eine andere Bedingung eingeführt
werden, welche die Berechnung von 8 gestattet, und um dies
zu bewerkstelligen, ist ein näheres Eingehen auf die Bedeutung
des Entropiebegriffes notwendig. Für die RichtUllg des dabei
einzuschlagenden Gedankenganges giebt deI' Hinblick auf die
Unhaltbal~keit del" früher gemaeIlten Voraussetzung einen Finger-
zeig. Im Folgenden wird nun ein Weg beschrieben, auf dem sich
ein neuer einfacher Ausdruck der Entropie und damit allch eine
neue Strahlungsformel ergiebt, welche mit keiner der bisher
festgestellteIl Thatsachen in Widerspruch zu stehen scheint.

I. Berechnung der Entropie eines Resonators als Function


seiner Energie.
§ 1. Entropie bedingt Unorclnung, und diese Unol"dllung
beruht llach deI-- elektromaglletischen Strahlungstheorie bei den
monochromatischell Schwingungen eines ResonatoI's, auch ,venn
er sich in einem dauernd stationären Strahlungsfelde befindet,
in der Ullregelmässigkeit, mit der er beständig seine Amplitude
und seine Phase wechselt, sof·ern man Zeitepochen betrachtet,
welche gross sind gegen clie Zeit einel~ Schwingung, aber klein
gegen die Zeit einer Messung. Wäre Amplitude und Phase
absolut constant, also die Schwil1gullgen vollkommen homogen,
so könnte keine Entropie existil"en und die Schwingungsenergie
müsste vollkommen frei in Arbeit verwandelbal~ sein. Die
constante Energie U eines einzelnen stationär schwingenden
Resonators ist danach nur als ein zeitlicher Mittelwert auf-
zufassen, oder, was ganz auf dasselbe hinauskommt, als del~
gleichzeitige Mittel wert der Ellergien einer grossen Anzahl N
1) Man vergleiche hierzu die Kritiken, die dieser Satz bereits ge-
funden hat: von W. Wien (Rapport für den Pariser Congress 2. p. 40.
1900) und von O. Lummer (1. c. 2. p.92, 1900).
36*
556 M. Plane!.
von gleichbeschaffenE~n Resonatoren, die sich in dem nämlichen
stationären StrahluD.gsfelde befinden, weit genug voneinander
entfernt, um sich ni(~ht gegenseitig direct zu beeinflussen. 111
diesem Sinne wollen wir künftig von der mittleren Energie U
eines einzelnen Reson.ators sprechen. Dann entspricht der ge-
samten Energie
(1) UN=NU
eines solchen Systenls von N Resonatoren eIne geWIsse Ge-
samtentropie
(2) 8N = NB
desselben Systems, wobei l~ die mittlet e Entropie eines eillzelnen
g

Resonators darstellt, und diese Entropie SN beruht auf der


Unordnung, mit der sich die gesamte Energie UN auf die
einzelnen Resonator~en. verteilt.
§ 2. Wir setzen nun die Entropie SN des Systems, bis
auf eine willkürlich bleibende additive Constante, proportional
dem Logarithmus deI· ·Wahl·scheinlichkeit Hi' dafür, dass die
N Resonatoren insges::l.mt die Energie UN besitzen, also:
(3) 81r = k log 1fT + const.
Diese Festsetzung kommt nach meiner Meinung im Grunde
auf eine Definition der genannten Wahrscheinlichkeit 1IT hillaus;
denn wir besitzen in d.en Voraussetzungen, welche der elektro-
magnetischen Theol'ie der Strahlung zu Grunde liegen, gar
keinen Anhaltspunkt, U.ID von einer solchen Wahrscheinlichkeit
in einem bestimmten Sinne zu reden. Für clie Zweckmässig-
keit der so getroffeneIl Festsetzung lässt sich von vornhereill
ihre Einfachheit und ihre nahe Vel·wandtschaft mit einenl
Satze der kinetischen (j-astheorie 1) anführen.
§ 3. Es kommt nun darauf an, die Wahrscheinlichkeit 1Jt--
dafür zu finden, dass die N Resonatoren insgesamt die Schwin-
gungsenergie UN besitzE~n. Hierzu ist es notwendig, UN nicht
als eine stetige, unbeschränkt teilbare, sondern als eine dis-
crete, aus einer ganzen Zahl von endlichen gleichen Teilen
zusammengesetzte Grösse aufzufassen. Nennen wir einen solchen
Teil ein Energieelement. 8, so ist mithin zu setzen:
(4) UN = P. 8,
1) L. Boltzmann, Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wissenseh. zu Wien
(Il) 76. p. 428. 1877.
Gesetz der Energieverteilttng im A7ormalspect1·1lm. 557

,vobei P eille ganze, im allgemeinen grosse Zahl bedeutet,


während wir den Wert von 8 noch dahingestellt seill lassen.
NUll ist einleuchtend, dass die Verteilung deI- P Energie-
elemellte auf die N Resonatoren nur auf eine elldliche ganz
bestimmte Anzahl von ArteIl erfolgen kann. Jede solche Art
deI" Verteilung nennen \vir nach einem von L. Boltzmann für
einen ähnlichen Begriff gebrauchten Ausdruck eine "Complexion".
Bezeichnet man die Resonatoren mit den Ziffern 1, 2, 3 · · · N,
schreibt diese der Reihe nach nebeneinander und setzt unter
jeden Resonator die Anzahl der bei irgend einer willkürlich
vorgenommenen Verteilung auf ihn entfallenden Energie-
elemente, so erhält man für jede Complexion ein Symbol ,ron
folgender Form:
1 2 S 4 5 6 7 8 9 10
7 38 11
... --~-

o 9 2 20 4
- - -
4
- -- -
5

Hier ist .LV = 10, P= 100 angellommen. Die Anzahl 91 aller


möglichen Complexionell ist offenbar gleich der Anzahl aller
möglichen Ziffel·nbilder, die man auf diese Weise, bei be-
stimmtem N und P, für die untere Reihe erhalten kann. Der
Deutlichkeit halber sei noch bemerkt, dass zwei Complexionen
als verschieden anzusehen sind, wenn die entsprechenden
Ziffernbilder dieselben Ziffern, aber in verschiedener All-
ordnung, enthalten.
Aus der Combinationslehre ergiebt sich so die Anzahl
aller möglichen Complexiollen zu
m= _~.{N + 1). (N + 2) •.. i~_7 J! - 1) = _(!f.+ P -
I)! .
1 .. 2 • S ..• P (N - 1)! P !
Nun ist nach dem Stirling'schen Satze in erster An-
näherung:
NI = J.'TN,

folglich in eIltsprechender AllDäherung


(N+ p)N+P
ffi= - ---.
NN.pP

§ 4. Die Hypothese, welche Wil" jetzt der weitel en Rech- 1t

nung zu Grunde legen wollen, lautet folgendermaassen: Die


Wahrscheinlichkeit fIT dafür, dass die N ResonatoreIl insgesamt
die SchwingungseneI'gie UN besitzen, ist proportiol1al der An-
558 M. Planck.

zahl »1 aller bei der Verteilung der Energie UN auf die 1\7 Re-
sonatoren möglichen Complexionen; oder mit anderen Wortell :
irgend eine bestimmte Complexion ist ebenso wahrscheinlich,
wie irgend eine andere bestimmte Complexion. Ob diese Hypo-
these in der Natur wirklich zutrifft, kann in letzter Linie nur
durch die Erfahrung geprüft werden. Dafür wird es aber
umgekehrt möglich sein, falls die Erfahrung einmal zu ihren
Gunsten entschieden haben sollte, aus der~ Gültigkeit dieser
Hypothese weitere Schlüsse zu ziehen auf die speciellere Natur
der Resonatorschwingu~ngen,nämlich auf den Charakter der dabei
auftretenden "indifferE~nten und ihrer Grösse nach vergleich-
baren ursprünglichen f3pielräume", in der Ausdrucksweise von
J. v. Kries. I ) Bei <lem jetzigen Stande der Frage dürfte
allerdings ein weiteres Beschreiten dieses Gedankellganges noch
verfrüht erscheinen.
§ 5. Nach der eingeführten Hypothese in Verbindung
mit Gleichung (3) ist die Entropie des betrachteten Systems
von Resonatoren bei passender Bestimmung der additivell
Constanten:
(5) { SN = klogm
= k{(N + P) log(N + P) - Nlog N - Plog P}
und mit Berücksichtigu:og von (4) und (1):

1
SN = k 117 {( 1- ~) log (1 + ~) - ~ log ~} .
Also nach (2) die Entropie S eines Resonators als F1IDction
seiner Energie U:

(6) S = k {( 1+ ~) log (1 + -~) - ~ log ~} ·

11. Einführung des VVien 'sehen Verschiebungsgesetzes.


§ 6. Nächst dem :Kirchhoff'schen Satz von der Pro..
portionalität des Emissit)Ds- und des AbsOI'ptionsvermögel18
bildet das von W. ·Wien 2) entdeckte und nach ihm benannte

1) Job. v. Kries, Die Principien der Wahl13cheinlichkeitsrechnung


p. 86. Freiburg 1886.
2) W. Wien, SitzungsbE~r. d. k. Akad. d. Wissenseh. zu Berlin vom
9. Febr. 1898. p. 55.
Gesetz (ler E7zergieverteilung 'im NormaZspectrum. 559

sogellannte Verschiebungsgesetz, welches das Stefan-Bol tz ..


m allD 'sehe Gesetz der Abhängigkeit der Gesamtstrahlung von
der Temperatur als specielle Anwendung mit umfasst, in clem
fest begründeten Fundament der Theorie der Wärmestrahlullg
den wertvollsten Bestandteil. Es lautet in der ihm von
M. Thiesen 1) gegebenen Fassung:
E • d j., = tCf51/J (Ä {}) • d l ,
wo 1 die Wellenlänge , .E d A die räumliche Dichte der dem
Spectralbez-irk Abis l + cl Ä. ange-hörenden "schwarzen" Strah..
lung 2), {} die Temperatur, und 1/1 (3:) eine gewisse Function des
einzigen Arguments x bezeichnet.
§ 7. Wir wollen nun untersuchen, was das Wien'sche
Verschiebungsgesetz über die Abhängigkeit der Entropie 8
unseres Resonators von seiner Energie U und seiner Eigen-
periode aussagt, und zwar gleich in dem allgemeinen Falle,
dass der Resonator sich in einem beliebigen diathermanetl
Medium befindet. Zu diesem Zwecke verallgemeinern wir zu-
nächst die Thiesen'sclle Form des Gesetzes auf die Strahlung
in einem beliebigen diathermanen Medium mit der Lichtfort.
pflanzungsgeschwindigkeit c. Da wir nicht die Gesamtstl"ahlung,
sondern monochromatische Strahlung zu betrachten haben, so
wird es beim Vergleich verschiedener diathermaner Mediell
nötig, statt der Wellenlänge )" clie Schwingungszahl '11 ein~
zuführell.
Bezeichnen ,vir also die l'äumliche Dichte der (lern Spectl~al­
bezirk 'V bis. 'JJ + d'IJ angehörenden strahlenden Energie mit 11 d IV,
so ist zn schreiben: tt d v statt E d A, c/ 'V statt l, und c d 'V /11 2
statt d A. Dadurch ergiebt sicb:

\t =
-0.5
·U· •
0
7·1/J (0P.f}) ·
Nun ist nach dem bekannten Kirchhoff-ClatlSius'schell
Gesetz die von einer schwarzen Fläche pro Zeiteinheit in ein
diathermanes Medium emittirte Energie von bestimmtel· Tem-
peratur {} uncl bestimmter Schwingungszahl 'V umgekehl't pl·O-

1) M. Tbiesen, Verhand). d. Deutsch. Phys. Gesellsch. 2. p. 66.1900.


2) ~lan könnte vielleicht noch passender von einer "weissen"
Strahlung sprecllen, in eac.hgemässer Verallgemeinerung dessen, was man
schon jetzt unter vollkommell weissem Licht versteht.
560 .111. Planck.

portional dem Quadl'::Lte c 2 del~ FOl~tpflanzungsgesch,vindigkeit;


also ist die l"äumlich(} Energiedichte Il umgekehrt pl1loportional
eS, und wir erhalten:
1t = 2S t _( -{t) ,
i}-6
11 C "JI

,,'obei die Constanten der FUllction t' von


c unabhängig sind.
Statt dessen können wir auch schreiben, wenn t' jedesmal,
auch im Folgenden, cin.e neue Function eines eillzigen Arguments
bezeichnet:
8
(7) 11 =. 11S-f ( -{t )
C p

lInd ersehen unter al1clerem daraus, wie bekannt, dass die ill
dem CUhUB einer Wellenlänge enthaltene stralllende Enel~gie
von bestimmter Tempe:ratur und Schwingungszahl: 11 Iv S fÜl" alle
diathermanen Medien (lieseIbe ist.
§ 8. Um l1un von del~ räumlichen Stl~ahlungsdichte 11 zur
Enel gie U eines in denl Strahlullgsfelde befindlichen, stationär
1t

mitschwingenden Resonators mit dei" nämlichen Schwingungs-


zahl v überzugehen, bel1utzen WiI' die in Gleichullg (34) meiner
Abhandlung übel' irreversible Strahlungsvorgänge 1) ausgedrückte
Beziehung:

(~ ist die Intensität eines lnonochromatischen, geradlinig


polarisil~te)l Strahles), \'relche Zllsammen mit deI' bekannten
GleichuIlg:
tl=-
8~n sr
C
die Beziehung liefert:
Snp!
(8) 11= - 8 -
C
u.
HieltaUS unel aus (7~ folgt:
u= vt({-) ,
'\\1'0 c überhaupt nicht mehl 'TorkODlnlt.
nUll w
Statt dessen
köll11en wir auch schreib(~11:

1) ~f. Planck, Ann. (1. Phys. 1. p.99. 1900.


Gesetz dC7· E,zcrgieve7-teillL1zg im }lo1'malspectrlI71l. 561

§ 9.
Endlich führe)} wir auch 110cl1 die Elltropie S des
Resonators ein, indem ,vir setzeIl :
1 (1 S
(9) U:="dU·
Dalln ergiebt sich:
dS
d U
1,(U)
= -;- t --;;
und illtegrirt:
(10) S= t'(-?-) ,
d. h. die Entlflopie des in einem beliebigen diathermallen Medium
sehwingenden Resonators ist von der einzigen Variabeln UI 'IJ
abhängig Ulld enthält ausserdem llur ulliverselle Constante.
Dies ist die einfachste IniI' bekannte Fassung des Wien 'schen
Verschiebullgsgesetzes.
§ 10. Wenden ,,,ir (las Wien'sclle Verschiebungsgesetz
ill cler letzten Fassung auf dell Ausdruck (6) der Entropie 8
an, so erkellllen wir, (lass das Ellergieelenlent l propol.. tional
deI' Scll\vingungszahl v sein mtlSS, also:
E = Il. V
Ulld somit:
S= k {(1 + _U)
J"J'
(1 + .U) -
100'
0 /1 )I
_f!...loa!2}
I~ v C hJJ
.
Hierbei Silld h unel k tlniverselle Constante.
Dtl1~ch Sllbstitlltioll in (9) erhält 111al1:

~ = _~ log (1 + h )I.) ,
& hl' U

(11) U= h: 11J

e k" - 1
Ulld aus (8) folgt dann (las gesuchte Ellergieverteilungsgesetz:
(12) H = S'1lh
p
3 1
CS h"
e k{) - 1
oder auch, "Tenn mall mit delI in § 7 angegebenen Substitu-
tiollell statt der Sch,villgullgszahl v \viedel- die Wellelllänge A
einfühl-t:
(13) E = S'1lch 1
",5 cl~

e'k)·{) - 1
562 JY. Planche

Die Ausdrücke für die Intensität und für die Elltro.pie


der im diathermanen 1\fedium fortschreitenden Strahlung, so,vie
den Satz der Vermehrung der gesamten Entropie bei nicht-
stationären StrahlungsvorgäIlgen (lenke ich an anclerer Stelle
abzuleiten.

111. Zahlenwerte.
§ 11. Die Werte der heiden NatureOllstanten hund k
lassen sich mit Hülfe der vorliegenelen lVIesStlngen ziemlich
genau berechnen. F. ~Ku11Ibauml) hat gefuDclen, dass, ,venn
man mit 8, die gesamte Energie bezeichnet, die von 1 qcm
eines auf tO C. befindli(~hen sch,val~zen Körpel-s in 1 sec in (lie
Luft gestrahlt wird:
8100 - 80 -- 0,0731 -
Watt _
-I - 7,31.10
5 erg
--,-.
cm cm sec
Daraus ergiebt sich (lie räumliche Dichte der gesamtell
Strahlungsenergie in der Luft bei der absoluten Temperatul" 1:
__4 7,31 : 10& _~ __ 7 061 10- 15 erg
S _10 10 • (873 4 - 273 01 ) - , . cm 3 grad 4
Andererseits ist na(~ll (12) die räumliche Dichte der ge-
samten strahlenden Ellergie für {). = 1:
CI'J

J CIJ
cl JI

J dv =8-1f }l, JlS


U = II
eS - h"
e 1, - 1
o 0

oo (h
-)-
' hv
-'2 - Rh" )

J
8 h -_ .
= ;8 va c J; +e k +e k +... dv

o
und dUl"ch glied\veise Int(3g1~atiol1:

'l/, =
81th
es· (k')4( 1 + 241 + 341 +~1 + ... )
6 h
48 Tl k-l 1 08")3
= e3 h S • , ~~ •

Setzt man dies = 7,061. 10- 15, so ergiebt sich, da c = 3.10 1°,
k4
(14) 7iJf = 1,1682 . 1015 •
1) F. Kurlbaum, \Vied. Ann. 65. p.759. 1898.
Gesetz der Ener.qieverteilu'Jlg im Normalspectrum. 563

§ 12. O. Lummer und E. Pringsheim 1) haben das


Product Am {}, wo 1m die Wellenlänge des Maximums von E
in Luft bei der Temperatur {)- bedeutet, zu 2940 p . grad be-
stimmt. Also in absolutem Maass:
Am {f = 0,294 cm . grad.
Andererseits folgt aus (13), wenn man den Diffel~ential·
quotienten von E nach 1 gleich Null setzt, wodurch l = lm wird:
eh
1_ (J h ). klm {} = 1
( 5 k 1m .ft e
und aus dieser transcendenten Gleichung:
eh
1m (J- = 4,9651 • k •
Folglich:
!!.... = 4,9651 · 0,294 = 4 866 10-11
k B • 10 10 J ' •

Hieraus und aus (14) ergeben sich die Werte dei" Natul·.
constanten:
(15) h = 6,55 . 10- 27 erg. sec,
(16) k erg •
= 1,346. 10-16 gra d
Das sind dieselben Zahlen, welche ich in meiller früheren
Mitteilung angegeben habe.

1) O. Lummer und E. Pringsbeim, Verbandl. der Deutschen


Physikal. Gesellscb. 2. p. 176. 1900.
(Eingegangen 'i ~ Januar 1901.)