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ektonik der Hellenen

Zweiter Band.

Zweites, Drittes und Viertes Buch.

Jonika, Korinthiaka und der Hellenische Tempel.


Lkktontt kcr Hellenen.
Von

Karl Vötticher.

Zweiter Band.

Ziveites Vuch. Jonika mit Einschluß der Attisch-Jonischen Weise.

Drittes Buch. Korinthiaka.


^iertes Vuch. Der Hellenische Tempel in seiner Raumanlage für Zwecke
des Kultus.

Mit 24 Kupfertafcln.

Potsdam 1852.

Verlag Non Ferdinand Riegel.


Zweites Vuch.

Bonika
mit Einschluß

der Attisch-Jonischen Weise.


-8 o n t k a
mit Einschluß

der A t t i s ch - I o n L s ch e n W e i s e.

2onika :c. rc. 1


1. Schema des Planes.

-^bie für die Dorifche Weife die Form rv 5r«^>«k7r«<7tv, oder wie dies Bitruv
wiedergiebt lemplum m »ntis, so ist für die Jonische Weise in ihrer vollen Entfal-
tung die Form PeripteroS oder Dipteros-Peripteros die bezeichnende');
eine Form bei welcher der gesäulte Raum um die Cella, sowohl in der Anordnung
wie in der Kunstform der Säulen, von einem Bezuge auf die Wand und Ante, mit-
hin auch auf die Cella wie im Dorischen, völlig entbunden und zu einem für stch beste-
henden Pteroma gemacht ist^).
Am meisien in die Augen springend ist dieser Gedanke von dem Abtrennen
des Pteroma von der Cella bei solchen Monumenten, bei welchen das Peripteron um
bie Cella in einer ganz andern Weise gebildet ist als die Portiken i n der Cella. So
nnter andern beim Apollotempel zu Phigalia, wo das Peripteron Dorisch ist, die Pseudo-
portiken in der Cella aber in Jonischer Weise gebildet sind; oder noch augenfälliger
beim Tempel der Athena Alea zu Tegea, bei welchem nach Pausanias Angabe daö
Peripteron zu außen Jonisch, von den zwei gesäulten Stokkwerken innerhalb der Cella
«ber die untere Portikuö Dorisch, die obere Korinthisch angelegt war^). Ia eö existiren
Teinpel«) bei welchen sich daö Peripteron Jonisch zeigt, während Pronaoö und Po-
sticum nebst den Kunstformen der äußern Cellenwand in Korinthischer Weise durch-
geführt sind, wo also jene Abscheidung deö UmbaueS der Cella von der letzteren wohl
"icht fühlbarer gemacht werden kann.
Eö ist diese Form PeripteroS dem alt Dorischen schon deöhalb fremd, weil bei
ietzterem die ursprüngliche Erleuchtung der Cella durch Metopen^) und die Bildung der
Metopen mittelsi Triglyphen, nur ohne Pteroma möglich ist, durch den Umbau mit
einer solchen untersäulten Dekke aber daö Metopenlicht sogleich abgeschnitteu und
uninöglich gemacht wird; wodurch sich denn natürlich der eigentliche Zwekk der -L.rigly-
phen als Open oder Lichtöffnungen bildende Glieder aufhebt. Deöhalb bestehen auch
bei allen umsäulten Cellen Dorischer Kunstform die in den Monumenten noch über-
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kommm smd, die Triglyphen wie Mekopen nur als ein traditionell fortgeführteS Schema
ohne urfprüngliche Nothwendigkeit nnd construktiven Zwekk; und wie vollständig die Hel-
lenischen Baumeister späterer Zeit selbst hiervon überzeugt waren, beweisen Tarchesiuö,Py-
theus, HermogeneS und Andre O), weil sie eö verwarfen daß Jemand zu ihrer Zeit noch
Tempel in Dorischer Weise baue, HermogeneS sogar auö dem für einen Tempel dieser
Weise bereitö vorgerichteten Materiale, einen Bau in Jonischen Formen herstellte. Frei-
lich liegt der Widerwille gegen die alte Weise in dem schon Eingangs deö ersten Buchs
hervorgehobenen Wesen deö Gebundenen und Unbeweglichen der Struktur und der Kunst-
formen, die einen so unlööbaren gegenseitigen Bezug bedingen daß sie keine freie
Bewegung und Auordnung der Säule unter dem Gebälke, noch irgend ein Auöschließen
oder HinzuseHen der geringsten Kunstform erlauben, ohne nicht daö ganze System der
Glieder und Formen einer entsprechenden Veranderung zu unterwerfen um die bezeich-
nende Eigenthümlichkeit der Weise zu erhalten. Aus einem so unbedingten Auöschließeu
der Dorischen Weise durch einen vielgerühmten Mann wie Hermogenes, ersieht man übri-
genö wie weit schon daö Bewusisein der hieratischen Normen zur Zeit desselben verloren
gegangen war, indem eö nach der strengen älteren SaHung schwerlich erlaubt gewesen sein
möchte z. B. einen zerstörten Tempel Dorischer Weise in Jonischen Formen wieder
erbauen zu dürfen.
Eö würde eine irrige Annahme sein die Form Peripteros alö eine ursprünglich
Dorische zu fassen und als Argument dafür etwa die Beispiele dieser Form anzuziehen
welche sich noch in Dorischer Weise vorfinden. Denn folgerecht dem müsten sonst alle
Tempel von der Form in antis die ältesten sein, ohnerachtet neuere Entdekkungen in Jonien
dergleichen in Jonischer Kunstweise und in ganz später Zeit der Kunst erbaut, bekundet
haben. Mit Sicherheit allein läßt sich bloö sagen daß die Dorier nur Dorisch, die Jonier
ursprünglich nur Jonisch bauten, die gemischte Anwendung beider Weisen neben einander
aber erst in späterer Zeit statt haben konnte.
Wie in der Form so zeigt sich auch dieser GegensaH beider Weisen in den realen
Maaßen ihrer Bauwerke. Denn wie dem alten Dorischen Baue das Beschränkte in
der Auödehnung eigen ist, so tritt der Jonische in Kleinasien gleich mit kolossalen Dimen-
sionen auf; dieö beweisen die überlieferten Maaße deö Artemision zu Ephesuö, die Ruiueu
deö Apollotempelö zu Milet und andre, welche die hypäthrische Anlage der Cella schon
alö eine unerläßliche Nothwendigkeit vorauöseHen; und wenn auch Vitruv in seiner Clas-
sifikation der Tempel den Hypäthroö erst mit dem Dipteroö seHt, so ist doch diese Einrich-
tung schon eine nothwendige Folge deö Peripteros bei einigermaßen bedeutenden Di-
mensionen.
Alö in der Mitte stehend zwischen beiden ist schon früher die Attische Weise
bezeichnet, und wohl kann man von dieser behaupten daß sie zuerst auch beide Wei-
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sm neben einander gebraucht habe. Zwar ist Actika daö Mutterland der Jonischen Weise
und eö nimmt diese von hier ihren Auögangöpunkt, jedoch tritt sie in der neuen Heimath
welchersieihren Stammnamen aufpragt,sehr bald freier und selbstandiger im Gedankendeö
Gegensaheö vom Dorischen oder alc Hellenischen auf. Wie die Attisch-Jonische Weise
m der ganzen maßigen Auödehnung ihrer Werke noch althellenisch, so zeigt sie diesen
Sinn auch in den einzelnen Kunstsormen, welche gehalten und strenge sind, und man kann
wit Recht den Auöspruch eineö alten SchriftstellerS über die Altionische Musik auch auf
bie Attischen Formen im Vergleiche zu den der Ionischen Werke in Ionien anwenden;
denn von dieser Harmonie sagt Athenaus"): sie sei nicht blühend und fröhlich, sondern
sbst und herbe, aber eö liege in ihr eine gewiste edle Würde deren wegen sie von der
Tragödie gcliebt werde; zu seinen Zeiten dagegen seien die Jonischen Weisen üppig und
hätten sich weit von jener ursprünglichen Harmonie entsernt. Würde daher schon der
Vorauösehung nach zwischen der Form in antis und Peripteroö die Form ProstyloS eine
Mittelform sein, so findet sich diese in der That auch als solche in den Werken derAthe-
uer welche hiersür entscheiden können. So am altesten und heiligsten Tempel Attikas,
dem Tempel der Athena Polias mit seinen Prostylien, zu welchen auch die Jungfrauen-
challe und der westliche Fensterraum (alö Pseudoprostyl) zu rechnen sind; eben so bei dem
jeht verschwundenen Tempel am IlistuS und dem Tempel der Iüke Apteros. Selbst der
Parthenon und daö sogenannte Theseion zeigen unter dem Peripteron diese Form der pro-
stylen Cella, obgleich beide Werke in Dorischen Formen gebildet sind.

N o t e n.
1) Peripteros; Diptcros. Dic ganze Darstellung derJonischenWeise bci Vitruv HI.,5,4
^eweist das stbcr Periplcros als Aonische Erundsorm Gcsagte; denn Vitruv hat dabei eincn Periptcros
Augcn und geht von dieser Form, nicht aber von der Form in unlis aus.
2) Was dcn Ausdruck Pteroma, Pcripteros, anbetrifft, so ist cs schon l B. 4 Exc. crwicscn
W>e Plcron, Ptcroma, in dcr Baukunst dic Bedcutung eincr Dckkc habe welche entweder durch die
rigene statische Krast, oder durch Unterstühung von Säulcn, steistehenden Pfcilern, Mutuli u. s. w.
den Wänden odcr Auflagern vorspringend in dcr Schwebe gchalten wcrde; sogar das stark
^^ilpringende rings um den Dau gehendc Gcison des Dachcs wurde dcshalb Peripteron gcnannt.
D-r Grund dicser Vcjeichnung cntspringt aus dcm statischen Wcscn eincr so angclcgten Dckkc; indcm
be eben durch ihre besondcre Anordnung im HLchsten Gradc vom Boden isolirt, auf ein Minimum
fcstcm Auflagcr gebracht und so in dcn Zustand dcs sich selbst Tragcnden odcr über dcm Naume
^chwcbcnden vcrscht ist. Es hieß dahcr die rings um dic Cclla oder dcn cigentlichen Naos gcführtc
bvpostylc Dekke Ptcron, Ptcroma; dcr ganze Tcmpcl Naos Periptcros, Dipteros, und abgeleitet
biervon Monoptcros, Pscudodiptcros u. s. w. Dcnn Name und Eigcnschafc dcr Dekke uberträgt sich
nnf den bedckkten Naum. Ohngcachtct so übcrzcugender Bcwcise ist diesc Ansichl Manchcm dcnnoch
befremdcnd gcwescn, cs habcn sich sclbst Archäologen skcptisch dagegen verhalten, man hat sie aber
stets vergeblich und mit entschicdcncm Unglück zu cntkräftcn versucht. Ohne die ganze Sachc noch
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einmal im Einzelnen durchklauben zu mögcn, soll hier nur für diejenigen welche im Stande waren
die Sache in ihrer einfachen Wahrheit und ohne gelehrtes Daraufhcruntersehen zu begreifen, einiges
nachträglich zur Bekräftigung beigcbracht werden.
Sieht man sich genau das an was im vierten Excurse dcs ersien Bandes übcr Pteron
gesagt isi, so war es klar daß Vitruv überall da wo cr sich des Wortes Ptcroma oder Pteron und
dessen Composita bediente, mic Plinius, Strabon und Plutarch übereinsiimmte; es bedeutcte Pleron die
hypostyle Dekke nebst dem Naume den sie dekkte. Daß die Alten den Namen nicht auf Näume am
wandten bloß wenn sie zu den Seiten lagen (also ooi-nua), wie wir hcut zu Tage das Wort Flügel
gebrauchen, zeigte die entscheidcnde Stelle Vitruv IV, 4, 1, wo der vor dem Pronaos liegende Naum
des Peripteron xtei-olna genannt wird; cs würde ja sonst auch naos xsi-iptei-os eine Absur<
dität sein und man hätte eincn ausgespannten Schirm odcr einen kleincn viersäuligen runden Tholos
oder Baldachin sonsi nicht Ptcron nennen können. Daß in der Dekke oder irgend einem änlich kom
struirten Theilc, wenn er statisch entweder durch die Krast der relativen Festigkeit des Materiales
selbst in den Zustand dcs vorspringcnd Schwebenden gebracht ist, oder durch ein Minimum von Unter-
stützung schwcbend in dcr Höhe gehalten wird, dcr Begriff Pteron ruhe, bewics die Erklärung dcs
Hesychios: rrk(>l7rrxoou' rr«vro"S-xi> orrx)/oooc>-i> x^o/,/r>. Der Scholiast zu ^ri-
8topli. 1113 sagt deutlich r-cör> lkossr' orx/«g rrrxo« «xrovg x«?.0Er>, cag
LI> ^/««xiti-oi'i, was also eine der ältesten Qucllen hierfür ist. Suidas 8. V. «xra-,««
bestätigt daß dic c-rk^cc<7,««rtt dcr Hiera rrr-6(iu/Ls und «xr-or seien. Es ist ferncr nachgewieseU
daß dieser Name von der Dekke auf den ganzen gesäulten Raum übergehe, daß er aber ursprünglich
hieratisch sei, also nur bcim Tempel vorkomme, wie die oben erwähnten Stellen bezeugtcn; daher
1l68> cl>. crrro« rrr-kou^Lg, ss olxoöo.«!/,««?-« ixossi' xx Ferner I. o. OoitoTrr-koog- «k/«'
itoug chuoug (or-Ottlg?) ^/ouo-«' rrr-LO« /«o r-« Lig r>y,og «i>L/ovr-«, 1/ «L/«?.«g- L^oucr« crkOi-
oro og orrcosso/rttg. Auch Photios: OortocrrLooi'- Q'oc/>ox?.,/g ^/r-ssroyrri'. r« /«o rrg rHog
«iik^oirrtt rrr-x^« k?.k/oir rc«i rrxocc-r-o«, was also ganz mit Vitruv, Plinius und den Andern
stimmt und im Profanbaue Peristylium, Peristoon oder auch Porticus ist. Noch einen intcressam
ten Anknüpfungspunkt giebt kesz oli. rrrx^oi-' orci/io/, indem von den Alten ab bis in das Mitteb
alter hinein orci-io) cben so viel bedeutet wie -rr-k^oir, also Peristylium, und cinen gesäultcn Naum im
wcitcrn Sinne. Die Glosscn bci OueanFe erklären seeng, orci/i-i), xoi-tieus, und 8vens «8t esmoi-a
(also gekrümmte Dekkc) <juae obumdi-gt locum in tlieuti-o: item ui-boi-um iu so eolisoi-eulium
<zur>8i eoncamoi-gta >1on8stio, also ein Laubcndach; was noch die Ableikung des Wortes 8oeur>, tvie
Ptcron, von der Dckke cnthält. An demselben Orte wird weiter von Zcmand gesagt: reee88it r>d
eo, et in 8cens i^urio snto eubieulum viu8 8itr> e8t, eoii80<Iit. Noch spätere Qucllen des Mittelr
alters crklären 8eeua, ill o8t portieu8.
Mit demselbcn Nechte werden cin Geison, Balkon, einc Gallcrie, wenn sie sich cntwedcr sclbst
fceitragen odcr vermittclst Mutuli und Geisipodcs in schwebendcm Vorsprunge gchaltcn sind, Pteron
genannt. Hesychios erklärte vorhin rrk^tcrr-xooi' als cine rings herum vorspringende Dekke; dahcr
music vor allcm das srei vorspringende Geison dcs Dachcs in dicse Kalegorie gchörcn, und es bczcich<
net wirklich Lt^m. N. 229, 32 /Lig«' ro ^«?.oo«Li'oi> i-öi> rrko<rrrxoo v, rö «xooi' rsss
ö(>o</>ssg, was vornchmlich vom Dorischen Geison galt welches durch die hängcndcn xuttso als schwebem
der Dachvorsprung erjcheint. Dem völlig cntsprechcnd hießen dic aufMutuli herausgebauten Gallericn
am zehnstökkigen Thurme dcs Diadcs I Bd. 4 Exc. S. 59, die zu 7rL^>-A/>o.tt0t. dienen, rr-rk^«,
und jedcs rings um ein Stokkwerk des Thurmes gcführte Pteron hieß -rxotrri-L^og (^ei^«). Dicselbcn
hölzernen Gallerien oder Laufgänge die bei dcn alken Fesiungsmauern auf Streben und Bal<
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ken herausgckragt warcn und von welchcn aus man dle Mauern vertheidigte, erklarcn die Venet.
8ekol. «. 258 rroc)<-<7«§, rr7kou/« -rov -xx<)/or-s, orxoöoxesss, womit
Tzehes 8el,ol. r»ä Lveoplil-. ^loxsiKli'. 290 //rxor-^-tt xcrrr rov 7x/-cous n-v 7r»(>«c7r«c7cv 71,>
olxoöo.M-s übereinkömmt. Es ist gleichfalls in dcm angezogenen 4len Exc. behauptct worden daß
das alt Jtalische als, in vcrwandtem Sinne wie Pteron zu nchmen sei, und die slss des Tusku
schen Atrium d. h. des cavum acnliuni l'usoiiiiieum, bei Vitruv VI, 3, 3, si,;. (nach Strabo
5, 40 schr richtig Trko-ctrcoov der Tuskischen Atrien) nicht zwei Seitcnplatze links und rechts
se>n können, wie man bisher stets behauptck hat, sondern die schwebend getragenen Dächcr
und Dekken rings um das Zmpluvium; dies geht schon daraus hervor daß Vitruv sonst die
Anvrdnung dicscr Portiken, ihre HLHe und Vreite wie ihr Verhältniß zum Jmpluvium vergeft
Hn hätte. Daher bcdingt er ganz natürlich die Zunahme odcr Abnahme dicscr Portiken in
Hinsicht jhrer Tiefe mit der Ausdehnung dcs Atrium in entsprechendcm Verhältnisse, so daß bei
eincm Atrium von 30 bis 40 Fuß Länge ohngefähr 10 bis 12; von 40 bis 50 Fuß 12 bis 14;
"°n 50 bis 60 Fuß 13 bis 15: von 60 bis 80 Fuß 14 bis 18; von 80 bis 100 Fuß 16 bis
20 Fuß dcn Alä zur Breite gegebcn werden, die HLHe derselben bis untcr dcn Trägcrbalken
aber so hoch sei wie dicse Breite. Er warnt deshalb auch dicse Anvrdnung so zu gcbrauchen
daß man die für die klcinern Atrien bestimmten Verhältnisse der 2llä und Toblina auf die größern
übertrage, und umgekchrt. Wenn nun selbst die imgFinos mriiorum, die sich doch ringsum unter
diesen Näumen an den Wänden befinden, in ihrer Höhenausstcllung nach der Brcite der Alä bcstimmt
werden sollen, so stimmt das mit dem cben Angcnommencn völlig überein. Vei dcm Tuskischcn Tem-
p°l IV, 7, 2 erschcint aus dieser Ursache der Namc rilu statt xteron für die gesäulten Räume wclche
an dio Stelle der klcinern Ccllcn nebcn die Mittelcella treten sollen. Endlich crklärcn auch 6Io«8.
^abli. x^xssx«, c7/o/.i-, Trrxxov, Trrxou^ und eKkssx«' Irioliiius, ulr,. Da aber im alten Nömic
schen Hause weder von cinem Triclinium noch ciner Exedra die Nede sein kann, so bleibt der Name
sür die bedekkten Gänge und das Zmpluvium übrig. Würde dieses dcnnoch ncgirt, so müste zu.-
Llcich nachgewiesen wcrden was sür cinen Namen alsdann diese Gänge im alten lateinischen Wohn-
hause bci Vitruv odcr sonst cincm Schriftstcller gehabt hätten. Zuleht cndlich möge cine mcrkens-
Wcrthe Erklärung in kliotiu8 tzusokt. ^mxliiloeli. XXIV, 8 bei 21»! 8criptt. Vstie. 6oII.
uvv. I, hj^. Piah und Erörterung findcn. Sie heißt: ^o ös 7rrxou/tov ocg xex-.xe
/-.cvrr,-s oc cck,c clxror, oc ök «krcvtcce x«-.ou<7t, rcccc c7rx/ccc7cccc c^ttOcv xcrcet rossro
tkxwv o^c.,7- ('), rco c7-/,-cc«rc r,sr 7rrssc7cv rov s'asor- cctuooccxror(^). ö ö,) xcrc rrrxoöv ercot
^«-.ou<7tv, oc öx öcttc>r«-.-.ouc7t ro rrrxoör rcccc rö rrrxoö/tor roc- «xroü r« rcac roo «xrcöxcttros (°).
V«<7t ^cro xcr-ttc rö ö,--.öuxtkro,' r-rr «urc>,^ ro rroo rc-cv cxxcor -»c</ou rrxos rci)>os «r«-
^kcroccx^o^ ^c«-.-.ov x«rx<7xxu«<7,cxroi> oc-coöo>,-.tc« (H. Aus (') gchr also hcrvoe daß „einige Atticisten
bas Pterygion Actos, anderc Zlctoma nennen, und sagcn daß es cine Dekke dcr Tcmpel sei." Ab.-
Lesehen vvn Ptcrygion, so ist qerade von mir sowohl im I Bde. als auch in dcm Programm „An<
beutungen übcr das Heilige und Prcfane u. s. w." S. 13 und Noten, zucrst gegen alle bisherigen
Ännahmen bchauptct und nachgewiescn worden daß eben Aetos, Actoina das Dach dcs Tempels lci;
w«s ich später an scinem Orte alles zum Ucbcrsluß noch einmal ncbeneinander stellen werde. (H be.-
barf keincr Auseinandersehung; wichtiger ist 0) „Einige aber ncnnen dies (nämlich orx/ttoxt«) auch
^teron; andrc unterscheiden das Ptcron und das Plerygion vom Aetos und 2letoma", d. h. sie
Unterscheidcn die untersäulte Naumdekkc und dcn bloßen Dachvorsprung (um das drcickkige Tym.-
vanum hcrum) vom ganzcn Dache, was ganz richtig, da Pterygion nur ein Theil dcs Actos odcr
^etoma ist. (Z„Dcnn sie sagen das hicrmit (mit Pteron) Bczeichncte sei vielmehr das zur HLHe sich
"'strekkcnde vor den Tempeln aus Stein wohl angclegte Bauwerk;" daß dics sich in die Höhe
^i'strekkende Bauwerk aus Stein das Pteron, Pteroma, Peristoon ist, wiesen mit ganz änlichen
Jonika,c. rc.
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Worten Hesychws und Photios unter dem Worte nach. F. G. Welckcr, Alte De»k>
mäler I Th. Einlelt. streitet gegen dicse Annahmcn und zwar in der eigenthümlichcn Art daß er,
um die Sache nach seiner eigenen Ansichl hin wenden zu können, alle direkt erklärenden Zeugnisse
welche für dieselben beigebrachc sind, aus der Untersuchung hcraus escamotirt und nur die zwei>
selhaften, welche erst durch jene versiändlich werdcn, stehen läßt. So wenig Mühe es indcsse»
bedurfte um hier das Neh in wclchcs sich der treffliche Forscher unbegreiflicher Wcise verwikkelt hak
zuziehcn zu können, eben so wenig gehört dazu um seinc entgegengeschte Ansicht über Actos und
Aetoma des Tempels in ihrer Unrichtigkeit herauszustellen, wie dies späterhin am betrcffenden Orle
geschehcn wird. Wcnn aber rr7L(>ou >» stinem ursprünglichen Sinne als Name der hypostyle»
Dekke und des ganzcn Naumes den sie nebst dcn Säulcn bildet, unantastbar gesichert ist, so könnte
man leicht in Vcrsuchung gerathen von der Welckcrschen Ansicht der „Natur und Wahrheit welche
in der ganzen Gricchischcn Sprache herrschen" und in Folge deren „cr^ou für eine horizontale
Naumdekke einzig sein würde", in der That auch cine ganz schiefe Ansicht zu gcwinnen, wenn
man nicht anzunchmen genöthigt wäre daß der berühmte Gelehrte die so klar ausgebreitetcn Beweise
wie sie dafür gegebcn sind, in der unbcdingten Ucberzeugung seines besscrn Wissens nicht der gehörn
gcn Aufmerksamkcit gewürdigt habc. Die Hellenische gcstirnte Tempeldekke ist auch nicht gekrümmt,
sondern horizontal, obwohl sie doch Uraniskos genannt wird, und wenn Lehteres nicht erwiesc»
wäre, so würde man hier und dort eine solche Behauptung vielleicht auch einzig zu ncnnen sich be-
lieben laßen.
Ueber das Schema des Planes der verschiedenen Tempelformen oder Gatlungen redet
Vitruv kein erklärendes Wort; nur die Anzahl Säulcn in der Fronte und der Seite ist alles was
er hierübcr beibringt. Es entspricht abcr ganz der HLchst oberflächlichen Art in welcher cr sein^
Aufgabe behandelt daß er nur äußerlich, das heißt dem blvßen Schema der Kunstformen nach,
dic verschiedenen Wcisen des Hellenischen Baucs unterscheidct, stch aber weder auf cinc Untersuchung
des Plancs vom Tcmpel mit Rükksicht auf die besondern Weisen, nvch auf cin statischcs und struk>
tives Kriterion einläßt. Er ist bloß Schematiker und glaubt genug zu thun wenn er die rclativen
Maaße aller darstellenden Glieder und Formen aus den ihm vorliegenden Schriflen Hellcnischcr Bau>
meister cxcerpirt, also cin Kunstformenrecept giebt welches jeden der nur die Formen nach ihi»
aufzureißen versteht, zum wissendcn Baumeistcr machen müste. Wcnn es ausgemacht ist daß die Am
ordnungen die er als Norm feststcllt, mit keinem einzigen noch als Nuine erhaltencn Bauwerkc über-
ein kommen, so mag höchstcns das durchschnittliche Verhältniß in wclchcm er die Proportionen je
nach dcn verschiedenen Ansichten seiner Autoren darüber feststellt, das Werk seiner cigenen Vergleh
chung sein; auf das bauliche Matcrial, besonders in Hinsicht statisch nothwendiger Höhcnmaße
der dckkebildenden Gliedcr im Verhältniß zur tragfähigen Länge, also der Epistylia und Balken, die
doch bei Matcrialien von verschiedcncr rclativer Festigkeit gan; und gar verschiedene Proportioncn
ergebcn mnssen, wie dics auch die Attischcn Bauwerke im Vergleich zu den Sicilischen handgreiflich
erwciscn, nimmk er gar keine Nükksicht, weil ihm das eigentlich Technische des Daues gänzlich unbee
kannt ist. Ueber den Zwekk der Cclla wie des Pronaos, des Adyton und andercr Näunie, also über
den eigentlichcn Kcrn dcr ganzen Sache läßt er sich gar nicht aus; dahcr auch sein gänzliches Still«
schwcigen über die innere Einrichtung dcs heiligen Hauscs, dcrcn Mittheilung gcrade von weit größcc
rer Wichtigkeit fnr dic Erkenntniß der antiken Baukunst ist als alle Formenrecepte für die Aufzeich>
nung der sogcnannten Säulenordnungen. Wie in Allem, bloß handwerksmäßig schematisirend, ver^
fährr er auch bei Eintheilung der Tcmpel in verschicdene Gattungen, die bloß nach dcr äußcrn ForM
bestimmt wcrden. Er beginnt mit der Form wclche die wcnigsten Säulcn zcigk, und läßt nur die
Häufung der Säulen als Stufenleitcr der zunehmenden Veränderung dienen, ohne für den veränder>
ten und vergrößcrten Planraum irgend eine Nothwendigkeit aus Gründen des Kultgebrauches vom
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Tcmpcl im Ganzcn, wie sür die hinzugcfüglcn und erweiterten Näume im Einzelncn, ein inncres
Ms anderwcitigcn Zwekkcn hcrvorgehcndes Gesctz dieser Veränderung angcbcn zu kvnncn. Eben
so wcnig wciß er übcr die Unterschicde der Kunsrformen jcder Wcise irgend etwas beizubringen. Dem
uoch ist es ein Glükk zu nenncn daß er hin und wicder doch manchc Andeutung aus scinen vorliegen-
den Qucllcn aufgenommen hat in wclchcn noch wichtige Winke über Ursprünglichcs cingeschlossen liegcn,
wenn sie auch ganz vcrlorcn mittcn inne stehen und gewöhnlich eincr weitläufigen Emendation bcdür-
sen um sie dcr Corruplion cntkleidcn zu könncn. Dies ist auch der Grund weshalb bei Entwikkclung
der Tektonik in vorliegendcm Werke auf Vitruv nur da Nükksicht genommen ist, wo er Anhaltpunkte
und Aufschlüsse gcwähren kann dic anderweitig zu begründcn waren.
3) Um ein ganz bekanntcs und wohlerhaltencs Beispiel anzuführen, so zeigt der Parthcnon,
welcher so oft vvn dcn Ncuern als Zeuge für allcrlci ihm untergelegte Zdealformcn angczogen wird,
vbwohl zu Jnnen und Außcn in Dorischer Kunstformenweise gebildct, dicse Ablösung dcs Pcriptercn
von dcr Cclla in zwei charaktcristischen Erscheinungcn. Cclla, Pronaos, Opisthodomos und Posticum sind
einerscits durch bcsondcrcn Stufcnunterbau andrcrscits durch dcn Neliefzug übcr dem Epistylion
welcher dcn inncrn Bau umfaßt, gänzlich vom Peripteron abgeschlossen und für sich gültig gcmacht.
Noch schärfer rritt dics bcim Poscidontempel zu Päsium hervor, bci wclchcm die Cella gcgen 6 Fuß
höher liegt als das Pcriptcron. Vgl. d. Zcichnungen.
4) r«?xiov, l'^Vsie mineur I>I. 28 zu Aizani.
5) Vitruv IV, 2, 4 berichtet zwar laut der in scinen Quellcn ihm noch überkommenen Tra-
d'tion: es bilden die Triglpphcn nach der Ansicht Einiger Fenster, k.moslrarum im.igino« esso Iri-
allein bei seincr Unkenntniß vom Wescn dcr Hcllenischen Baukunst und seincr Entfcrnung
v°m Ursprünglichen, erklärt cr dics für einen Zrrthum und kann sich nicht dcnken daß dies auf bei-
des, auf Triglyphen und Metopcn, zugleich deshalb gehen müsse wcil cine Mctope nur mit zwci Tri
SlyPhen zur Seite möglich ist, weshalb sie auch bei Spätern ro gcnannt wird;
eben so jst die Ope der Thüre oder des Fensters überall nur mittels und zwischen Parastaden zu be-
)eich»cn, scien dics nun ausgcsprochene Pfeilcr odcr bloße Antepagmcnte. Die Bczcichnung Ä.ctope
dwm sich abcr nur von zekr« und orrr), was zwischen und mit Zlndcrm eine Ope bildet, hcrleiten.
6) Vitruv. IV, 3, 1 8.z. und hier hebt cr auch dic Gründe heraus welche sicher in seincn
Quellen für die Verwerfung dcr Dorischen Weise angeführt werden: «luo.1 imimllitu «st üi^Iiiliutio vt >u-
voinmollu in oporo trij;l^ lil>orum ot laounariorum eto. wo sich la. nnariorum nicht, wie viele Neucre
Mchlich annehmcn, auf die viao unter dcr Corona oder dem Geison, sondern auf das bezichen was
Vitruv überall unter dicsem Wortc begreift, auf dic Dekkc, Balkc» und Kalymmatien des gesäultcn
diaumes; denn gcradc die ursprüngliche Anlage der Dekken wic sie im l Vuchc gegebcn ist, vcrlangte
hintcr jedcr Triglyphe cinen Valkcn, wobci mit den Abständen der Triglyphcn die Balkcn cngcr vder
weitcr gclcgt werden mustcn. Lacunarien freilich wie sie bcim Parlhenon und andern Monumen-
w» so großen Maßstabcs vorkommcn, musten dcshalb vom Epistylion cnlfernt und über das Trigly-
phon gclcgt werdcn, weil man praktischer Weise keine Balkcn von dec Höhe dcs Triglyphon arbeiten,
öennoch aber das Dorische Schema des Baues äußerlich festhalten wollre.
7) Atlie». XV, 20.

2. Krepidoma.
Was für daS Krepidomal) oder den gesamten Stufenunterbau hinsichts
seiner teä^nischen Verhaltnisse beim Dorischen Baue gesagt ist, gilt auch hier. Jn deko-
p'ativer Hinsicht verliert jedoch die oberste Stufe den Begriff der einzigen und gemein-
3onika >c. rc. 2
10

samen Basis oder des Stylobateö für alle aufihm beginnenden Theile, durch eine weitere
Bezeichnung derfelben mit befondern Basen oder Stylobaten für einen jeden dieser
Theile, wie es sogleich dargelegt werden wird.

N o t e n.
1) Anstatt Fraclus sür das Krepidoma des Tcmpels bei Vitruv III, 4, 4 sagen die Lateiner
auch eiepitlines und su^Festus. 8ei v. rut VirF. ^eii. X, 65-3 vlexillinos «liam tonixlorum 6iei
ip808 8UFF08tl>8 in lp»ibii8 ue>Ie8 8unt oonlociitse. Es ist also als terminu8 t6vlinieu8
in das Lateinische aufgenommcn. Vitruv III, 3, 7 hat auch: xrkleter erspiiline8 et xroieetura«
8pirr»runi. Pollux VII, 85 nennt p^n Suggest des Bauwerkes. Ferner möchte als
Erganzung dcs Frühercn noch nachzutragen sein daß Vitruv III, 4, 4 deshalb cine ungerade Zahl
dcr Slufcn des Krepidoma vorschreibt weil cjuuni «lextro pe«Ie iiriuicm grinl>i8 a«l8eoncli»lur, itew
in 8UMM0 pri»uu8 erit pone,illu8. Auch ist schon crlvahnt wie cs glcichfalls rcligiöse Vorschrift bei
dcn Alten war, allcs mit dcr rcchten Hand zu geben was man den Göttern brachte: «li, liuoil
llebe8 cle miiiiu «lextri», wie Servius zu Virg. ^en. VIII, 106 crinnert; daher mag das Austrcten
auf die unterste und somit auf die oberste Stufe zum Pronaos mit dem rechtcn Fuße, »velches nur
bei einer ungeraden Zahl Stufen möglich ist, jene Vorschrift begründet habcn. Glaubte doch Augw
stus daß ihm beim Ausgehcn aus seinem Hause das Antrcten der Stufen mit dcm linken Fuße Um
glükk brächte, und kchrte jedesmal wieder um, wcnn er aus Vergcssenhcit einmal links angetretcn
hatte, um rechts abzugehen.

3. S ä u l e.

Wie fchon im Eingange erwähnt ist beseitigt die Jonische Kunst jenen unlösbaren
Zufammenhang und formellen Bezug aller einzelnen Glieder im Ganzen, wie er ein
Kriterion der Dorifchen Weife war und sirebt vielmehr umgekehrt jedeö der Glieder in
seiner Kunstform selbsiandig und für sich gültig darzustellen. War daher daS Vorhan-
denfein einer Junkturform zwischen je zwei Gliedern ein eigenthümliches Kennzeichen im
Dorischen, so sind die Abwefenheit von Junkturen und die trennenden Kymatia an ihrem
Orte für die Jonische Weife bezeichnend; es finden sich nur zwei Junkturen in ihrem
ganzen Formenkreife, namlich am Kapitelle und an der Spira der Saule. DaS offen-
barste Zeugniß von diesem Streben nach Jfolirung jedeö Gliedeö vom Ganzen, bieten alle
raumbildenden Glieder, Säule, Pfeiler, Ante und Wand, gleich bei ihrem Urfprunge auf
dem Krepidoma. Hakte nämlich dieö Krepidoma im Dorifchen den Begriff eines gemein-
famen StylobateöH oder einer alleinigen für jene Glieder gemeinfamen und des-
halb gleichgeformten Basiö auf welcher sie ohne weitereö begannen, so erklärte sich
hierauö der nothwendige Mangel an befondern Basen, welche alö Vorform dienend,
jedeö Glied in seinem Wefen unterfcheidend vorbereiteten. Es trat auch dieses Verhält-
niß vornehmlich bei der Säule so scharf darin hervor, daß deren Stamm ohne Beendung
11

oder Ablauf, weder nach unten noch oben zu, für sich gültig bezeichnet wurde, vielmehr
sprang derfelbe in seiner Rhabdosis unmittelbar und ohne Beginn auS dem Stylobate
heraus, ging ohne Beendung der Furchen in daö Kapitell hinauf und wurde durch die-
ses mit dem gefammten Dekkenbaue verknüpft. Wollte aber die Jonifche Weife grade das
Gegeuthei! von diesem erzielen,so muste sie dasselbe auch gegensäHlich in derForm so aus-
sprechen daß daö Krepidoma nicht mehr als alleinige und gemeinsame Basis bezeichnet,
sondern jedem Gliede eine eigne seinem Wesen entfprechende Basis, ei>t eigner Stylo-
bat beigegeben wurde. Eö muste ferner der Säulenstamm in feiner Körperlichkeu durch
Ablauf oben unter dem Kapitelle und unten über der Basiö abgeschloßen, auch die
^rhabdosis dem folgend in ihren einzelnen Furchen hier beendet fein. DaS Kapitell end-
Üch durfte die Säule nicht mit der gesammten Dekkung sondern nur mit einem Theile der-
selben verknüpfen; daher daö gegen den Dorischen Echinuö geringe Kyma, so wie die
involutirte Fascia desselben welche nur für den Anfchluß deö Epistylion allein geformt ist.
Dies sind die leitenden Gedanken aus welchen alle einzelnen Formen der Jonischen Säule
^ntfprungen und nach welchen dieselben zu kritisiren sind.
Spira Jonika. Einen solchen befondern Stylobat bildet die Jonische
Spira, m ihren einzelnen Formen. Diefe Spira bereitet^ur die >säule
Nor, weil sie aus deren Begrisse allein hervorgegangen ist; sie trennt die ^Läule vom Kre-
pidoma wie von dem Gefammtbezuge zu den übrigen Gliedern, weil sie ihren Slamm als
ouf selbständige Basis gefeHt zeigt welche kein andreö Glied mit ihr theilt. 9>ur diesen
eben erklärten dekorativen Zwekk hat einzig und allein die Spira jeder Hellenifchen
^äule überhaupt; von irgend einer statifchen Beihülfe welche die >Ltabilitat deö
^Mnnnes vermehren follte enthält sie nicht die mindeste Spur, und eö wurden in diefem
^ozuge alle Säulen ohne Spira und bloß in der fortgefeHten Ausbreitung deö unteren
Durchmessers, ihrer statischen Bedingung eben so vollkommen entfprechen als mit der
^pira, wie dieö schon die Scamillen erfahrungsmäßig auöweisen.
PlinthuS. Jn Bezug auf die formelle Darstellung der Spira für jenen Be-
Snff, findet sich zunächst auf dem Krepidoma ein befonderer Stylobat?), ein guadratisch
uu Plane gezeichneter Plinthus^) oder Abakuö. Mit diesem nur für die Säule ge-
srhaffenen Stylobate ist das Krepidoma als gemeinsamer Stylobat aufgegeben, die Tren-
"ung von ihm so wie der Anfang und die Vorbereitung zu einem neuen Gliede auS-
llesprochen.
Trochilus. Die guadrate Planform diefeS PlinthuS ist indessen noch nicht
hcharfgenug für den Gedanken bezeichnend daß er einem stehenden Cylinder wie die
Säule als Sohle dienen solle, denn eö könnte eben so gut auch ein vierseitiger Pfeiler auf
'hm Urfprung gewinnen. Den nähern Bezug hierauf empfängt derfelbe erst dnrch Hin-
^ufügung eineö kleinen stehenden Cylinders oder TrochilusH, und mit der Bezeich-
12

nung des Plinthtts durch diesen Trochilus ist die Spira sofort nur als Basis öer
Saule bezeichnet; sie weist jetzt ausschließlich aus Las Schema des Stammes hin, denn eö
kann ihm keine andere als eine stehende cylindrische Stütze aufgesetzt werden. Fehlt also
einer Spira dieser Trochilus, so fehlc ihr grade die Form welche sie als eine vorbereitende
Basis der Säule bezeichnet. Uni diesen Gedanken iu der Form zweisellos hervorzuheben
ist der TrochiluS gleich dem Säulenstamme nicht allein nach oben verjüngt gezeichnet, son-
dern empfängt auch nach unten zu einen weiter, nach oben hin einen geringer vorspringen-
den Ablauf oder herauötretenden Rand, wodurch er in mitten eingezogen erscheint. Die
höchste Schärfe des AuSdrukkeS gewinnt diese Form aber durch ihre Scheidung in
zweiTrochili; in einen untern Trochilus, ti-ockiüu^ insoiioi-, welcher für sich abgeschlosten,
von oben nach unten zu breit auölaufend entwikkelt ist, und einen obern TrochiluS, trocki-
!u8 5upciioi', welcher sich in umgekehrter Weise nach oben hin, aber geringer auöiadend
und überfallend (mit 5UsicrciIiuiu) auöbreitet und beendet.
Astragale. Um ferner diese eben genannten Trochili so unter sich wie mit dem
Plinthus zu einer Formeneinheit verknüpft darzustellen, werden dieselben durch Astra-
gale^) die nach dem Vorbilde von Perlenschnüren, gedrehten oder zart geflochtenen
Schnüren gebildet sind, als verbunden bezeichnet.
Torus. Endlich wird der auf diesem Stylobate aufsetzende mächtige Säulen-
stamm durch einen proportional entsprechenden starken ToruS mit dem TrochiluS und
Plinthus ;u einer Formeneinheit verbunden. Ob dieser ToruS, welcher die eigent-
liche Spira, ciTrero« bildet, dem Vorbilde eines gedrehten mächtigen Taueö, eineö runden
RiemgeflechteS, eineS mit Blättern umwundenen Stranges, oder einem zum Knäuel und
Knoten (1106115) auf einander gewikkelten Riemensysteme nachgebildet ist, bleibt sich für
seinen Begriff als Bundknoten ganz gleich; e§ zeigen die Varietäten dieser Spira im Ver-
ein mit ihrer plastischen Mächtigkeit, nur verschiedene Abstufungen ihreö Verhältnisseö
zu der größern oder geringeren Mächtigkeit des SäulenbaueS in änlicher Weise an, wie
dieö ein größereö oder geringeres Kymation für seinen ihm inliegenden Begriff anzeigteP-
Spira Atcikurgeö. Die Attische Kunst drükkt den Gedanken dieser Spira,
5siira ^tiicurge^), in ihrer Weise so aus, daß sie zwar die Säule als ein neues unter-
schiedeneS Glied duräz eine besonders für sie geschaffene und sie vorauS verkündigende
Form anzeigt, jedoch den Gedanken des großen Stylobateö alö einer gleichgeformten Ba-
siö mit Ante und Wand noch festhalten will. Sie trennt deshalb die Säule nicht durch
einen PlinthuS ab, sondern setzt einen einfachen Trochilus mit tiefer Einziehung
(^coiig) sogleich auf dem großen Stylobate auf, und verknüpst diesen Trochilus durch eine
bedeutende Torenspira, ioru^ iukerior, mit demselben. In gleicher Weise verbindec
sie den, nach unten zu mittelst Ablaufeö gleichfalls für sich beendeten Säulenstamm durch
einen ioru5 5ii^crior dem Trochiluö. Wenn Vitruv ohnerachtet dem der Attischen Spira
13

dennoch einen Plinthus beigiebt, so sireiten dagegen alle Beispiele in den Attischen Mo-
«umenten selbst; dennBeispiele in welchen sichAttische Spiren mit Plinthus finden, kön-
nen nicht rein Attische genannt werden, sondern gehören lchon der gennschten Gattung an.
Scamillen. Eben so isi Vitruv wegen ber Scamilli 8) die er für den Auf-
sah der Spira im Allgemeinen vorschreibt, im Jrrthume, da er sie nur an dem grofien
Stylsbate haftend annimmt; sie befinden sich in den Mönumenten mcht nur hier, und zwar
an der untern Fläche der Spira, wie bei der Dorischen Saule am untersien Cylmder,
sondern bei Spiren von bedemendem Durchmesser welche auS mehreren horizontal ge-
schichteten Stükken zusammengesetzt sind, besitzt oft ein jedes dieser Stükke sein c.genes
Scaniillum, wie die Zeichnungen cS zeigen. Abgeschmakkt aber ist seine Annahme es
-gehen die Scamilli auS optischen Gründen hervor, da sie erwiesener Maßen nur eme uner-
'äßliche rein technische Vorrichtung sind um bei gegenseitiger Berührung der Fugenflächen
zarten Vorsprünge der Spirenformen vor dem Abdrükken zu bewahren. DieseS -^or-
handensein eines oder mehrer Scamilli an allen Spiren, so wie die geringe Auöbreitung
derselben welche sich stetS in der Ausdehnung des untern Durchmessers dcr Saule halt,
'egt übrigens daö starkste Zeugniß ab wie die Spira keinen statischen, auf Vermehrung
v°n Stabilität der Säule gehenden Zwekk haben sollte unb konnte, sondern nur auö dem
bekorativen Gedanken floß der dafür angegeben worden ist.
Dem Trochilus, weil er ganz dem Habituö deö SäulenstammeS entlehnt ist, kann
'rie gesagt nur ein cylindrischer, nicht aber dreiseitiger oder vierjeitiger Pfeiler aufgelehc
werden. Er ist die eigentliche Junktur in ber Spira welche die begriffliche Verbmdung der
sü° sich abgescklossenen Säule mit ihrer besondern Sohle, oder wie im Atti,chen, mic dem gro-
s-'» Stylobate anzeigt. Zu bemerken ist baß der Tuökischen Säule diese wesentliche Form
der Vollendung ihrer Basis mangelt. Daß übrigens der AuSdrukk BasiS im allgemeinen
^r Bezeichnung Spira hat weichen müssen, mag daher gekommen sein daß die Loren-
spircn sichtljch der überwiegende Theil der Formenmasse sind. Sonst kommen auch wohl
Nanien Spylones und Pygeia vor.^).

Dekoratives.
Erwägt man scharf den Gedankengang der Jonischen Weise, so wird man finden
o eö unmöglich ist die Säule als selbständiges und von den übrigen Gliedern unabhängi-
Glied anders zu bezeichnen wie dadurch, daß die oberste Stufe deö Krepidoma, über-
^°Upt dieser ganze Theil, als allgemein gültiger Stylobat aufgegeben wird. Jndem man nun
rr Säule eine besondere Basiö oder einen kleinen Stylobat unterlegt der nur für sie und ihren
röriss allein gilt, wird eben daö Krepidoma nicht mehr die sür Säule, Wand und Ante in
^ Forni gleiche BasiS sein könneu, da jetzt besondere in der Form ganz verschiedene
14

Basen, je diesen Gliedem entsprechend, an seine Stelle getreten sind. Eben so wird eö un-
möglich sein eine andre Form zu finden welche den Gedanken eineö Stylobateö, einer Säu-
lensohle, so erfüllend darstellte als die Form des Trochilus in der Spira es bewirkt; denn
nur daö Schema eines stehenden kleinen Cylinderö wie der Trochiluö, ist im Stande alö
Vorform es zu bezeichnen daß hier ein stehender cylindrischer Stamm aufgeseht werden solle,
und je machtiger derselbe im Verhältniß zu dem Torus hervortritt,desto klarer erscheint seine
Bestimmung ausgeprägt. War also dieser TrochiluS eine vorbereitende Form welcher nur
ein cylindrischer Säulenstamm folgen konnte und sollte, so war die Form seines PlinthuS das
einzige Mittel um die Säule für fich selbstandig machen zu können; denn durch LeHteren
wurde fie dem Bezuge auf den großen Stylobat entrükkt und auf einen Stylobat gestellt
welcher allein nur für ihren Begriff geformt erschien. Hierfür giebt die Attifche Spira.
einen sehr einleuchtenden Beweiö; denn bei diefer wird der Trochiluö, und dem folgend die
ganze Säule, nicht vom großen Stylobat durch einen PlinthuS gefondert, alfo nicht aus
eine für sie eigends vorbereitete Basis aufgestellt, sondern umgekehrt durch einen ToruS
ihm verbunden; deswegen, und weil dieö auch bei Ante und Wand der Fall ist, erscheiut
derselbe noch immer alö großer gemeinsamer PlinthuS oder Stylobat. Vgl. Taf. 26
Fig. 9 a und I).

Zu d e n Zelchnungen.
Zoni'sche Spira. Taf. 26 Fig. 1 vom Temp. dcs Apollon bei Milet. Die Glättung des
Stammcs und in Folge desscn auch der Torus unvollcndet; Letzterer aus cincm besondern nur 13ZȊ
hohen Stükk gearbeitct- Diese Säule bei ihrem cnormcn Durchmcsser von 6s Fuß, zeigt dcutlich
dic Unmöglichkeit daß ihre Spira den geringstcn Nutzen hinsichtlich einer Vcrmehrung dcr Stabilitat
leisten könne; dcnn der Durchmcsser der Trochili ist glcich dem Durchmesser des Stammes, cine
Vergrößcrung der Standfläche mithin nicht gewonnen.
Fig. 2. Spira aus tkexiev l'Asis winvur. Torus und Zlblauf des Stammes aus eincM
Stükk gearbeitet.
Fig. 3 vom Tempelhause der Athena Polias zu Priene. Der Torus aus einem 8 Zsli
hohen Stükk geschnittcn, am obcrn Theilc noch nicht vollcndet.
Fig. -i- Einc der Spiren des Hcraion (?) zu Samos. Der Torus aus einem bcsondcrn
Stükke gearbeitet; dlfs Scamillum desselben kleiner, das Scamillum dcs Trochilius nur um ein
Geringcs größer als dcr Durchmcsser des Stammes; also hat auch hicr die Spira nicht dcn mindc-
stcn siatischen Zwekk. Fig. 5, g Poofile welche Varietäten in dcr Bearbeitung der einzclncn Umwin-
dungen des Torus bci andern Spiren desselben Monumentes zcigen.
Die Zonische Spira ist in der Zcit des Sinkens dcr Kunst die belicbtc, von der Nömisch-Ko-
rinthischcn Weisc vor Allem fcstgehaltcne Form, und erscheint hicr in allen cinzelncn Formen durch SculP-
rur vollendet. Dahcr dic Beispielc aus dicser Zcit sehr lchrreiche Nükkschlüffc auf die frühere Voll-
cndung dicscr Formen durch Malerci zulaßen. Fig. 11, 12, 13 gehörcn hierher und sind den
zahlreichen Vruchstükkcn entlehnt welche Piranesi gesammelk hat.
Vergl. zu Lehterem die Sviren Taf. 7 und 10.
15

Fig. 1ü Spira von den Propylaen zu Priene; Säulcn wie Pfeiler zeigen gleiche Form.
^ ist dic geringeAusdehnung des Scamillum unter dem unternTorus zu bcmerkcn; letzteres gilt
"Uch für Fig. 7,vom Tcmp. d.Augustus zu Pola und Fig. 8 aus Slaroi^ Ruin. üos I»omp. IIl,I'I.20.
Fig- 9 von einem Tempel auf Teos, zcigt nebst 10 schon die Attische Form dcs Trochilus.

Attisch-Zonische Spira.
Fig. 14 vom Tempel der Athena Polias zu Athcn; -> Spira einer der Säulcn, d Spira
^ Ante und Wand. Der trooliilus suporior ist hier einer Umwikkelung cinzclner Bänder zu cinem
näul oder Knoten nachgcbildel; an den Spiren der östlichen Prostasis desselben Tempcls zeigt sich
"'stlbe bckanntlich als geflochtener Torus; die Profile Fig. 16, 17 gebcn die Spiren der Halbsäulen
^ der westlichen Wand in ihrem Wechsel der Torcnbildungen. Bei Fig. 14 ist die Gleichhcit der
Uira zwischen a und b zu bemerken; der geringere torus inkerior bci I» ändert im Allgcmcincn dcs
^dankens nichts. Hierzu vergleichc: Taf. 7, Fig. 11 bis 14.
Fig. 12. Astragal zweier Trochili, eincr Schnur aus zusammcngcdrehtcn Bändern nachgebildct.
^ Fig. 13. Der obcre Torus einem mit Bändern umwundenen Laubstrange, der untere ciner
^ )»ur nachgebildet welche aus dünnen und brciten Bändern zusammcngedrchl ist.
^ Fig. 15. Spira der Säulen am rundcn Tempcl bei Tivoli, dem Wcrke des Vallaüior,
^^olta elollo xiu insibni kabriclio ili Rowa giitieba entnommen. Der Mangcl eines Trochilus
^ die gcringe Zlusdchnung des Scamillum ist zu bemerkcn.
Fig. 18; durch Sculptur gänzlich vollendete Spira. Aus. korbon. IV. r. 25.

N o t e n.

^ I) Stylobat. Sehr richtig nennt Pollux V1H, 121 ror) ^/wptxoo


(wo Stylobates das Krepidoma, namcntlich die obcrste Stufe bezeichnct), dagegen
e>L ,) ro5 '/Ecxost, und wenn Hesychius ross xioros ,) erklärt, so
dei„ " dasselbe; daher konnte dcr Komödiendichter Platon in jener Stelle bei Pollux auch von
dcs ganzen Hauscs oru-.oMr,;,- ö'err oixicr rcden. Vgl. 1 Bd., S. 127, N. 2.
gror ^ deswcgen wichtig, weil damit meinc Ansicht von dcm bcstätigt wird was im Dorischcn dcr
° Stylobat sci, im Zonischen dagcgcn die Spira mit ihrem Plinthus dcr Säule sür eine cnt-
Ugesehte Bcdcutung verleihe. Ob bei Hcsychius die Glosse LPessoce' rr/oi'o^ /«eoo^ auf den
YUs der Spira gcht? Photios hat e^rss^ou' ssr^ov 70tt7relsox«)7)§.
2) Spira. Siiir.-,, spirula, oeiero«. Hierüber ist zu vcrglcichcn I Bd., S. 65 fg. Vu
truv iil 5, 8. 1-4 wie sonst übcrall, begreist untcr spira die Toren mil dcm Trochilus und
^ÜNthus. Der Grund warum die Altcn licbcr spira anstatt dasis sagen, scheint in dem oben angc-
^Ulcten Untcrschiede bei Pollux zu bcruhen, nach welchcm sowohl die Dorische wie Zonische Säule
^°stn haben, die Basis dcr Dorischcn aber der Stylobat ist, die der Zonischen dagegcn «i'iia hcißt.

^ie Attis, ^^"'Ng 8i>iru üieitur ot basis eolumimo um'u8 tori (die Zonische) uut üuoruw
^Utljch naulieus iu orbom convolutu8, ab oallew omno8 8imilituiliiio, licgt schon
^Und "^^U^thcn daß die ^.orcn dcr ^pn-a dcn Taucn oder Strängcn nachgebildet sind, cinen
Nvch 8: ^uoten bildcn, mithin den Begrist der Verbindung versinnlichcn sollen. Schr gut wissen dies
Virgils bei 8erv. ml Vir§. ^on. IV, 115 8piri8. Noüi8. Vnelo et bn808
->rum 8i>irulao üicuntui-. lVam proprio 8i>irsv 8unt volubililt>8 tuuium. Nach Suidas
16
sind ebenfalls -§7ret0«t, rcccc <-u<7vp0Pttt 7:00 <7^otUtov, und ivenn nach Hcsychios s^77Ltp«t^gleicl)
<7k/ott<, so sind auch tliioecl. Laalim. 1.362 <7Lto«7s' 7r-.Lxro<s </<cr<7tV, also auch Ricmcn von^eflocl)-
tcne Spiren. Klos«. I-abb. 5r?.Lxr«vi/, sxii-ss. Gcflochtene Zöpfe bei I'oll. II, 31 und IV 119 <77iLt(>«>
7oi)/<--i'. Auch Plinius nennt schlechthin scets spii'Sö statt b:,808 bei deo Säule; so bci der Geschichle
mit Frosch und Eidcchse welche als Namenszcichen des Batrachos und Sauros II. XXXVI, 1, II
in ooliimugriini spiiis iii8ealpla. Daß seine Bchauptung I. v. 56 io Dlpliogm Oiaimo !>o>ie
primmii columni8 8pirao 8iiI>,Iitgo vt copituls oililita cine irrthümliche, lcidct keinen Ztveifel. Aus
Ls8i>. I'otric. Xaumadi. p. 139 -§7rx<o«, rrccp« ^uLV üp/irLr<ro<7<. rwn ror^wn oi rrpos t'i/
/?«<7Lr ^.ti-or flicßt der Bewcis meiner Annahme I Bd. S. 70 fg. daß auch dcr Torus bci Pseu
lern, Antcn und Wandcn die Basis dicser Theilc zur Spira machc, womit schon Vitruv III, 4, § ^
vollkommen übereinstimmt. Vgl. Taf. 27 Fig. 14, I> und Taf. 35.
3) Plinthus. Die decorative Bedeutung des Plinthus ist in den Doricis erörtert; Db
lruv giebt auch plintliu8 für die Spira als bczeichnend und im Verhältnisse zu den übrigcn Formen »»-
Daß sich bis jctzt nicht bei allen Spircn Zonischcr Säulcn Plinthen gesunden haben, beweist »icl)^
gegcn das Gültigmachcn als bczcichnciidcn Thcil für die Zonische Spira; wer aber dcn Text dcr
Ion. Antiq. aufmcrksam verfolgt, wird sich überzeugen wie flüchtig und ungenau vft die Beobacss
tung, Messung und Verzeichnung dcr Gebäude<Trümmcr geschehen ist, und wie manches dcn später»
Ncvisionen noch zu bcrichtigen und zu crgänzen übrig blcibt. Es ist genug daß sich Beispiele vo»
Ionischen Spircn erhalten habcn wclche Gcdanken und Form derselben in der erfülltcn und vollsce»
Entwikkclung zeigen. Vgl. die Beispiele auf Taf. 26. An den Monumenten Attisch Jonischcr Wcise
in Athcn findct sich troh dcr Vorschrift Vitruvs kein Plinthus; dagegen kommen 8pirao
8/e8 anderwärts mit solchcm vor, wie am Tempel zu Teos, an den Propyläen zu Priene u.
Taf. 26 Fig. 7, 8.
4) Trochilus. Vitruv III, 5, 2 sagt ausdrükklich: die Form bei dcr 2lttischen Spira z>»»
schen dem obern und untcrn Torus werdc von dcn Griechen Trochilus gcnannt, Oraoei T'po/rt^»
Oiount; bci der Jonischcn Spira nennt er zwei Trochili, einen 8uporior und cincn inkorior. Es
ist ebcn das Vorbedingtc dieser Form daß sie ein Cylinder sei um dic Säule zu indicircn, u»b
es verräth schon ihr ursprünglichcr Namc den Begriff und die Form. ilneo,!. Laolim. III, 380, 30
rpo^os- 770 -ts).tVÜooi', also ein Eylinder, überhaupt cin rundcr schcibcnänlicher Körper, wie l. o. I, 3öl
ro -mx/ovLtrs-', daher auch die Töpferscheibc, die Nolle, Walzc, T-oo/t/.t«, und bci Hesychiu»
sind r-ü/ti/Fpot' /t'Aot <7vpo//r//ot. Soll nun diescr Cylindcr noch schärfer als Andeutung bcs
Säulensrammes crscheinen, so muß er nicht nur untcn breit, oben vcrjüngt scin, sondern an jcde>»
Ende auch gleich dcm Säulenstanime Abläufe haben, und dadurch crgiebt sich die obcn und untc»
vorspringend cndcnde Form, proiooturs, mit Rändern, <iuaürao, wodurch cr in Mitten gehölt u»ö
wie Vitruv sagt als 8ootia crscheint; so wird cr zu d c r Kunsrform auf welchcr nur cin ihm entsprcchc»ö
gedachtes und gcformtes Bauglied Ursprung gcwinncn kann. Es bcgreift sich leicht daß cs unmöglich
wäre den Dorischen Säulensramm, welcher wedcr untcn noch obcn cinen Ablauf also cinc solche Bee»c
dung habcn kann, auf cincn gleichcn Körper zu schcn ohne nicht einen Widerspruch zu bcgchen. Mi'
8eotis ist übrigcns nur cin schattenwerfcnder Vorsprung bezeichnct, wie schon I Bd., S. 168 N-2
und S. 180, N. 4 erwähnt wurde; jedoch bin ich der Ansicht daß <7-:ovt« jn jcner Glosse kein Theii
dcr Triglyphc sondcrn dcs ganzcn Triglyphon, ncmlich überhaupt das vorspringende Dach, also d»s
Dorische Geison mit den Tropfen sei. Hierauf schcint auch 8e!iol. Hioon. a<I /trsti I1io8ow-
v. 239 zu gehen, wo /Lt<7<7« niit r« ?.x/'OttLi-« ctxottt« (lox. <7rror<«) also für das Geison erklär'
werden. Die Nändcr des Trochilus ncnnt Vitruv <iu:>6rgo: cin nicht bezeichncnder Name dessen E>^
klärung dahin gesrcllt scin mag. Bei der Zonischen Spira nennt cr den vorspringcnden obcrn Na»d
des oberen Trochilus Ueberfall, 8upovcilinm. Da der Trvchilus die entscheidendste Form dcr Spi>'"
17
A, so scheint cu diejenige an welcher der Bcgriff desselben als solcher in der Form am schärfsten aus,
Seprägt ist, auch fstr die Wahrnehmunq am verständlichsten und vollendetsten; dies ist im HLchsten
^ärade bei der Zonischcn Spira Taf. 26 Fig. I, 2, 3, 11 der Aall.
5) Zlstragale des Trochilus. Wie bei den Toren und den Trochili, so ist auch b-i
^stragalen dic Vollendung durch Malerci da anzunehmen wo sie nur in dcr Hauptmasse, also glatt
und unvvllendet angelegt sind. Taf. 26, Fig. 1V, 11, Taf. 12, Fig. 2, 4 zeigcn mehrere Beispiele von
Vollendung durch Sculpmr.
6) Note 2. Vergl. dic Taf. 7 nebst dcn dazu gchörenden Textstellen.
7) Spira Attikurges. Mit dcm Ausdrukke Atlische Form oder Attisch-Jonische
W-ise jst dk Bildung bczeichnct wie sie im Texte deutlich angegeben. Die Ausdrükke
bei Pollux 1, 149. Anocll. vekk. p. 461, und sp"-» bei Vitruv III, 5, 2 so wie
nnalog tzem x«?.u7rr>)(> rco(>tt'>Atov(>/>)s bei Pollux rccbtfcrtigcn dicse Bczeichnung.
Was Plinius «. lV. XXXVI, 56: praeter bas sunt ci>,ao voeanlur A ttieav eolumnae,
llnalerni« -.«^1.8, pari laterum inlervnllo mit Altischen Säulen meint, ist nicht zu verstehen;
schwcrlich mLchten dic Alten cincn solchcn vierseitigcn Pfciler Attische Säule genannt haben; Zsidorus
O'ill. XIX, Iv Oenern rvlun.I-.rum (cvlumui>rum) ciur>tuor.... cpuntum Fenu« ost earum
voeantur Atlicao: quaternis nnsulis ->ut nmplius (also vielseitigc) p->ril>u8 laterum iu-
'«'v->IIi8 jst eben s° unverständlich und schcint aus Plinius abgeschriebcn; vielleicht ist ntticae aus
"»tae entstanden; Nonius: Anle8 8u»t li»->6i->lurr>e; unllo et ->,»r>e llielao .lunclrae eolumnae.
E'Ne andere Neuigkeit dcs Plinius I. e. XXXVI, 56: i„ Kpl>e8ir>e vi->»->o ->o»e primum eolum-
«Pirae 8ukllil->e et e->pit»I-> ->llllil-> ist cbenfalls absurde wcnn daraus hervorgehen sollte daß
überhaupt dic Säulc hier zucrst Kapitclle cmpfangen habe. Unrichtig in chronologijcher Hinsicht ist
b'esc Nachricht wcnn sie sagen wollte es habe sich die Jonische Säule als solche hier zum ersten
Maie kund gegcbcn; dcnn dawider streitct das unumstLßliche Zeugniß bei Pausanias nachdcm schvn
0>ymp. 33 jm großen Thesaurus dcs Sikyonier Myron zu Olympia dcr eine Thalamos m Joinschcr,
ber andre in Dorischer Weise vorhanden war, mithin schon eine Anwcndung bcider Loeisen nebcn
°'»ander ;u einem und demselbcn Dauwerke statt fand. Das Artemision zu Ephcsos sallt zwijchcn
^lymp. 45 u„d 5V, also gcgen 12 Olympiadcn später als jener Thcsauros; KrLsus schenkte nach He<
r°dot die mcistcn, man sagt monolithen Säulcn dazu; vergl. I B. S. 98. Das Unrichtige dieser
^nchricht bei Plinius lcuchtet also ein. Zn glcicher Weise verfehlt ist dic Ansicht Vitruvs, als hät-
be» die Jonicr ansangs Dorisch gcbaut und, bei ihrer Uebersiedelung nach Zonicn crst die Zonische
^"se crbildet. Das Falschc liegt schon einfach darin daß mit der Erschcinung dicscs Stammcs als
2°nier auch erst von Doricrn die Nede sein kann, mithin beide Slämme vom Ursprunge an in der
'hncn cigenthümlichen Weise bauen musten durch wclche sic sich eben als solche unterscheidcn, wenn
bch auch die Jonischc Bauweise erst allmählig in dem vollen Gegensahe erfiillen konnte. Vgl. I B.
S. 104. Daß die Zonische Weise aber im Muttcrlande Hellas cntstand und nach Jonicn hinüber
"-rpflanzt wurde, dafür liefcrt dcr Tcmpcl der Athena Polias zu Athen wclchcr, ohncrachtct scincr
d'c'Maligen Wiederhcrstcllung, doch wcnigstens im Allqcmeincn gckreu in der ursprünglich erstc» Kunstfor-
'"enwcise aufgebaut werden muste, den zeugendstcn Dewcis. Dic Gründung dcsselbcn ist abcr glc.ch-
r°'tig init d-r Slifiung des Athenakultes am Srte. Es bl-ibt auch in der That kcine andre Am
""hme übrig als daß dic Zonier schon Zonier seicn, ihrcn Zonischen Dialekt und ihre bcsondere
^vlitie habcn musten, bevor ein großer Theil von ihncn Hcllas vcrlicß, Jonicn kolonisirtc und dicscm
^»dstriche seinen Namcn gab. Und wcnn dic Zonicr dcs Panionium später cin Abbild von dem
"lten Tcmpel ihrcs Stammgvttes Poscidon aus Hclikc in Hcllas verlangten, um die Aphidrysis dcs-
selben in Zonicn ausführcn zu kLnncn, so muste nichk allein der alte Poscidontcmpcl bci Hclikc, son-
auch das zu vcrlassende Hciligthum bei Mykale in Zonischer Wcise gebauk scin; es ist aber sicher
3o»ika >c. rc.
18
daß diese Heiligthl'imer weit über den Bau dcs Myronischcn Thesauros hinaufreichen und dem des
alten Poliastempel zu Athen nahe liegen. Vgl. II B. S. 143.
Am sabelhastcsten ist cine vielbeliebte Mcinung nach wclcher dic Ionischen Kunstformen von
dcr Alt-Astatischen Kunst vorgcbildct und aus dieser von den eingewandcrten Zoniern cntlehnt sein
sollen; denn nach den vorhin gegebenen Hinweisungcn über die Ursprünglichkeit der Attisch-Zonischcn
Formen in Hcllas müste alsdann vorausgescht werden, es haben entweder die alten Hellenischcn Jo-
nier lange vor ihrer Auswanderung aus dem Mutterlande künstlerische Streifzüge zu Studien in das
Znnere von Asien gemacht, odcr irgend ein Archcgete, so ein Heros wie Kckrops, Danaos, Kadmos
als Zuträger der vcrschiedenen Hellenischen Bauweisen, habe auch die Zonische Weise in Attika eim
gcführt. Es ist zu wohlfeil sich durch solche Hypothesen der Schwierigkeit der Erklarung unfaßbarer
Vildungen zu entziehen, abcr auch zu seicht um eine künstlerische Beachtung und Widerlcgung zu ver-
dienen. Uebrigens werdcn die Ausgrabungen in Khorsabad und die veröffentlichten Denkmale bci
Layard, Manchem schon dic Augen übcr das vermeintlich hohe Alter der Assyrischen Kunst-
werke öffnen.
Durchaus muß fcstgehalten werdcn daß die Dorier die Heiligthümer ihres Stammcs
risch, dic Jonier die ihrer Stammgotthciten Zonisch bauten; cine gcmischte Anwendung beider Weu
sen konnte nur in spatern Epochen dcr Hellenischen Entwikkelung überhaupt, und erst dann eintretcir
wenn bcide Kunstweisen in stch unterscheidend aufgetreten waren. Wie lange vor jenem Olymp- 33
gestifteten Myronischcn Bauwerke dies aber schon statt gefunden habe, ist vor der Hand nicht
zu ermitteln.
8) Scamilli. Am deutlichsten erklaren Scamillum die 61os8. liicbb. ü-roTroAE, ^eawil-
lum, seabellum, subpositoiium.
9) Spylones; Pygaia. Auch diese Zlusdrükke für Spira findcn fich. Photios
(ein wunderliches Wort) rc<§ 05re^«s rwr- xrorwi- und Hesychios hat ^rü/lwres' or 7r(,ös rr/
/^«oer ^e'öor; eben so ^neoil. Laebm. I, 354, 31.
Wo die Form dcr Spira durch Sculptur vollendet worden ist, zeigen fich die Torcn der
Spira einzelnen, geflochtcnen odcr gcdrehtcn Strangen odcr Ricmcn nachgebildet ganz handgreiflich;
wo aber die Ausführung nur durch Malerci allein bewirkt wurde, sind die glatt vorgelegten Toren
durch lehkere zu rcstauriren.

8. Säulenstamm.
Das Unterschiedliche des Jonischen Säulenstammes vom Dorischen in statischer
Hinsicht, liegt in dem größern Verhaltniß der Axenhöhe zum untern und obern Durch-
messer, also in einer größern Schlankheit bei weniger Verjüngung; hierdurch verliert er
gegen lehtern nicht sowohl an stühsähiger Resistenz oder am Momente der rükkwirkendett
Festigkeit, alö vielmehr an Stabilität und Eigenständigkeit, indem die schwächere Ver-
jüngung bei der größern Höhe den Schwerpunkt deö CylinderS weiter nach der Mitte
hinaufrükkt als beim Dorischen. Dagegen ist seine struktive Herstellung auö einzelnen Cy-
lindern von lehterem nicht verschieden, auch wird die dekorative Vollendung durch Skulptur
gleichfalls nach dem Richten der Dekke erst begonnen. Abgesehen von Rükksichten der
Statik spricht sich daö Gegensähliche zum Dorischen Stamme darin aus daß er alö ein
für sich beendeter Theil der Säule gedacht und in der Form ausgeprägt ist; denn wie er
19

sür sich oben und unten mit einem auslaufend vorspringenden Rande oder Ablaufe been-
det ist, so wird auch seine Rhabdosis von der Mitte aus nach diesen beiden Richtun-
gen hin gleichfallö in sich beendet und abgeschlossen. Es weicht auch diese Rhabdosis
von der Dorischen in sofern ab, als sie einige Furchen mehr erhält, die einzelnen Furchen
einander nicht unmittelbar berühren sondern vereinzelter stehen und anstatt der scharfen
Rippe oder Kante einen breiten Steg zwischen sich laßen, in der Regel auch nach dem
Schema eines HalbkreiseS auögehölt sind. Die dekorative Bedeutung der Rhabdosis ist
wesentlich dieselbe wie im Dorischen, sie dient ebenfalls nur zur Darstellung der Undurch-
ütegbarkeit deö Stammeö: eine Eigenschaft welche neben der rükkwirkenden Hestigkeit
und der alleinstandigen Stabilität das dritte nothwenbige Erforderniß der Säule ist. Da
nun eine Röhre bekanntlich derjenige Körper ist welcher bei verhältnißmäßiger Wandstärke
iin Bergleiche zu einem vollen Cylinder von gleicher Durchschnittöstäche, jeder Durchbie-
gung oder Einbiegung ein weit größereö Moment des Widerstandeö, allgemein genommen
das höchste, entgegenseht, an allen röhrenartigen und hohlen Stängelbildungen in der
Pflanzenwelt aber diese Eigenschaft daran wahrgenommen wird daß sie äußerlich durch
eine scharf ausgesprochene Rhabdosis charakterisirt sind, wie unter andern daö Silphium
und Herakleum, so hat die Tektonik auch diese Wahrnehmung benuhend die Rhabdosiö als
Kunstform auf den Säulenstamm übertragen, um so durch daS Abbild an Vorhandenem,
Analoges an dem erst Gebildeten auözudrükken. War mithin durch die cylindrische
Form und den nothwendigen Durchmesser der Säule dem Widerstande gegen Uebernei-
gung nach irgend einer Seite hin genugt, so wird derWiderstand gegen Einbiegung,
welchex schon materiell in einem entjprechenden Durchmesser jedeö einzelnen ihrer Cylinder
"ledigt ist, durch die Kunstform der Rhabdosiö dekorativ versinnlicht; zugleich werden
ulle einzelnen Cylinderstükke beö StammeS von der Spira biS zum Kapitelle, durch diese
Furchung alö Formeneinheitliches vereinigt, eö bildet die Rhabdosiö, wie sich Aristoteles
sbhr bezeichnend auödrükkt, die Synthesiö aller einzelnen Steine der Säule.

6. K a p i t e l l.
Kymation. Das Zusammentreffen der Säule mit der abzustützenden Lastung
wird in diesem Kapitelle'^) eben so wie im Dorischen durch ein Kymation^) versinn-
Ücht, jedoch zeigt schon das bedeutend geringere Verhältniß dieseö Kymation wie man hier
^lue mindere Belastung, cine leichtere Dekkung alö im Dorischen mit der Säule in ^.on-
slikt gerathend und ihr verbunden, habe darstellen wollen; eine Erscheinung welche vollkom-
U>en in dem Streben begründet ist die Säule nur auf das Epistylion bezüglich zu machen«
Astragal. Diesem leichtern Kymation entspricht daher auch daö Hestband welches
dasselbe mit dem Stamme verknüpft, und in der Regel alö zarter, einer Perlenschnur nach-
3*
20
gebildeter Astragal erscheint, wahrend am Dorischen Echinus-Kyma die mehrmalige Um-
wikkelung eines Bandes hier statt stndet.
Beide Formen, Kymation und Astragal, erscheinen an den ältesten jetzt bekannten
Kapitellen Attisch-Jonischer Weise nur durch Malerei als solche vollendet; es sind die
Schemata der einzelnen Blatter des Kymation wie die Perlen und Scheibchen des
Astragal, auf der glatt vorgelegten Prostlmasse vorgerissen und ihre Flächen in den ent-
sprechenden Farben kolorirt, ganz so wie die Dorische Weise grundsätzlich darstellte; im
Allgemeinen tritt dagegen die Bildung dieser Schemata durch Sculptur mit hinzugefügter
Färbung in der Jonischen Weise vorwiegend auf.
Alö nothwendige Folge deö einseitigen Bezuges der Säule auf das Epistylion,
haben stch nun an Stelle deö allgemein geformten Dorischen Kapitelleö solgende Varietä-
ten deö Jonischen Kapitelleö aus den besondern Modificationen deö Epistylion ergeben-
Kapitcll für Mittelsäulcn. Zwar ist ein guadrater mit Scamillum zu oberst
versehener Abakuö über dem Kymation auch hier die Kunstform welche alö vorbereiten-
deö Auflager für ein Folgendeö erscheint, ansiatt aber wie im Dorischen Kapitelle die Junk-
tur der Säule mit der gesammten Dekkung dadurch zu bewirken daß man der Dekke
ihr bezeichnendeö Mäanderband entlehnte und auf den Abakuö übertrug, jungirt man iM
Jonischen die Säule einseitig nur mit dem Epistylion, indem man diejenige Kunst'
formuntec welcher daö statische Wesen, die relative Festigkeit dieseö Gliedeö versinn-
licht ist, dem Abakuö beigiebt. Diese Kunstform ist das breite Band, die Fascia'b)
welche alö Epikranon oder Kredemnon vom Epistylion auf daö Kapitell über-
tragen wird, wodurch nicht nur der Abakuö alö Vorform des Epistylion, sondern die ganze
Säule als nur auf dieseö Glied bezüglich charakterisirt wird.
Um diesen Begriff jedoch in mögliä^ster Schärfe auözuprägen und den Bezug der
Fascia auf daö Epistylion zweifellos zu machen, wird dieselbe auch nach einem Schema ge-
zeichnet welcheö ganz und gar von der Entwikkelung deö Epistylion vorbedingt ist, sich ihr auf
Laö innigste anschließt, mithin umgekehrt sie vorbereitet. Diesem zu entsprechen ord-
net man die Fascia unter dem Abakuö so, daß sie mit ihrer breiten Seite quer über das
Kymation hinwegliegend, wie die Epistylia von der Säulenape auö nach beiden Seiten
hin abspringt und über daö Kymakion vorhängt, hier aber nach dem einzig denkbaren und
möglichen Schema der Endigung, nämlich volutenförmig oder involutirt (invo-
lutum) in sich auölausend, beendigt wird. Daö Ende diescr Volutensorm, volutn^),
wird daher im Centrum liegen und hier durch eine Knospe, Rosette oder Auge,
oculus, bestimmt markirt; der Winkel aber welchen die Voluten in dec
Fronte bei ihrer Zusammenwindung vor dem Kymation offen laffeu, ist stetö durch eitt
Anthemion gedekkt welches sich auö dem Auge der Volute entwikkelt. Die Stärke
oder Dikke der involutirten Fascia wird durch eine sanfte Aushölung, canalis, und
21

aufgeworfene Ränder oder Säume welche nebenber auch noch durch verfchiedene Far-
ben bemerkbar gemacht smd, plasiifch ganz besiimmt gezeichnet; jedoch kömmt ansiatt der
Aushölung öster auch eine Ausbiegung dieser Flache zwifchen den Rändern vor.
Jn demfelben Gedankengange alfo in welchem die Spira der Säule unten durch
kinen dem Plinthuö beigegebenen Trochilus nur als Saule aufnehmend angedcutet wurde,
bezeichnet man den AbakuS deö KapitelleS oben, und mit ihm die ganze Säule, durch Vei-
gabe der involutirten Fafcia nur als Episiyl aufnehmend; man schneidet somit jeden wei-
kern Bezug auf die noch folgenden Glieder der Dekkung ab. Wie ferner der Plinthuö
ln der Spira die Säule vom großen Stylobat ablöste und einen bloß für die Säule gül-
k'gen Stylobat begann, so vollendet auch im AbakuS deö Kapitelleö cin Kymation über
bkn Voluten den unten begonnenen Charakter der Selbständigkeit und der Unabhängig-
beit diefes Gliedeö von der gesammten Dekke.
Wie der Gedanke dieö erfordert fo prägt sich auä) in der Formenentwikkelung der
uwolutirten Fascia noch weiter der GegensaH zum Dorifchen Kapitelle in schärfster Art
NUS; kg bildet diefeö involutirte Band in der Vorderansicht eine Form welche von der
^kitenansicht gänzlich verschieden isi. Wenn in der Frontansicht der Voluten die Rich-
kung des Epistylion alö nach beiden Seiten hin vom Kapitelle abfpringend bezeichnet isi,
zeigt die Seitenansicht hierfür nur die Endform, Polster, jiulvinos^i), welche sich stetö
bildet fobald man eineFafcia volutenförmig gestaltet, ihre beiden Enden alfo um eine Axe,
axi8 22) ^ windend beendet, oder sie nach einer circiimtio rotunclii ex cciiiro zeichnet, wie
Vitruv sich auödrükkt. War eö alfo möglich dem Dorifchen Kapitelle, deöwegen weil eö nach
nllen vier Seiten der Dekke hin von gleicher Form gezeichnet war, auch zunächst ein Epistylion
^nfzulegen welcheö nach diesen Seiten hin von ihm abfpringen konnte, so erlaubt daö Jo-
Nifche Kapitell, der Entwikkelung gemäß welche bie Voluten anzeigen, nur ein Epistylion
^klches nach zwei Seiken hin abfpringt; im entgegengefehten Falle wird die ganze Anord-
""Ng unh Zeichnung der Voluten sonst ein Widerfpruch welcher nur durch eine ent-
^kechende Veränderung ihreö Schema gelöst werden kann- Mit andern Worten auöge-
brükkt fo jst das Dorische Kapitell für jeden Stand seiner Säule unter dem Epistylion,
sowohl für Mittelfäulen alö für Ekksäulen gültig, weil seine Kunstformen eben nicht auf
baö Epjstylion allein fondern auf die gesammte Dekke gerichtet sind, das Jonische Kapi-
tkll dagegeu, weil eö eben einseitig in seinen Kunstformen nur alö dem Epistylion zugehörig
charakterisirt ist, verlangt für jede veränderte Richtung deö Epistylion, alfo für jeden andern
^tand der Säule, eine dem entfprechend veränderte Kapitellform. Hierauö ergiebt
bch wie das in Rede stehende Kapitell ausschließlich nur für Mittelsäulen gültig
sein könne.

Was daS eben erwähnte Polster anbetristt so erscheint dieö bei allen rein Jo-
^fchen Kapitellen deöhalb aus zwei neben einander liegenden Polstern bestehend,
22
weil eben die Fascia auch als eine doppelt neben einander liegende gedacht ist; eine Bil-
dung die wiederum nur vom Gedanken des Epistylion abhängt, welches gleichfallö in dec
Kunstform unter zwei neben einander gelegten Fascien erscheint, wie die§ weitec unten
klar werden wird. Diese beiden involutirten Fascien sind in der Polsteransicht mitten
durch einen starken G urt, bglteus, verbunden welcher gewöhnlich als eine mit Lorbeer
änlichen Blättern bezeichnete Binde, seltener als ein geflochtenes Band erscheint. Erst
neben diesem Gurte liegen zu beiden Seiten die Astragale^) welche eben so den innern
Rand oder Saum der Fascia bezeichnen wie die Astragale an den äußern Rändern, den
äußern Saum, in der Realität gedacht aber zum Festhalten deS involutirten KörperS dienen-
Eben so wenig alö die Spira hat übrigens die Form deS KapitelleS irgend einen
statischen Nuhen; sie ist aus keiner dem Statischen zugewandten Nothwendigkeit her-
vorgegangen und man kann alle Eptremitäten der Form einwärtö bis auf daö ScamilluM
ablösen, ohne der Statik irgend wie nahe zu treten. Die struktive Nothwendigkeit der
vierseicigen Form deö Scamillum ist dagegen schon beim Dorischen Kapitelle nachge-
wiesen und gilt dasselbe auch hier.

Zu den Ze ichnungen.
Als Ncprasentanten des Zonische» Kapitelles erscheinen Taf. 27, Fig. I, 2 wozu die unvoll^
endete Spira Taf. 26, Fig. I vom Tempe! des 2lpollo bei Milct, und Taf. 28, Fig. 1 — 4 voM
Tcmpel dcr Athena Polias zu Priene, wozu die im Torus cbenfalls »och »icht vollendcte Spir"
Taf. I, Fig. 3 gehört.
Taf. 28, F>g. 4 zeigt cin Viertel des Grundrisses mit dcm Durchschnitte des Säulenstammes,
Fig. 3 den lothrcchten Durchschnitt dcr Polsterscite, Fig. 2 die Seitcnansicht des involutirten Vandes
also des Polsters von Fig. 1.
Wie entsprechcnd und bezüglich die Verbindung der zwei neben cinander gelegten und durch
den Baltcus in Mitten vcrbundcncn Fascien, dem Einschnitte auf der untern Seite des Epist'?
lion ist welcher desscn Fascicn scheidct, zeigen deutlich Taf. 32, Fig. 4, Taf. 33, Fig. 3.

Ekksäulenkapitcll für ausspringende Ekken. Da inzwischen der vorhin erwählüe


Fall wo zwei auf der Säule zusammentreffende Epistylia eine auöspringende Ekke bilde«,
stetö bei der Form Prostyloö und Peripteroö vorkömmt, so muß nothwendiger Weise daS
Schema deö involutirten Bandeö dieser Anlage und Bewegung der Epistylia folgen und
ihr entsprechend gemodelt sein. Jn Folge dieser Veränderung entsteht das EkksäuleN-
kapitell für ausspringend e Ekken deö Epistylion, welches zwei zusammenstoßende
Vorderfronten, zwei dem entgegengeseHte aber in der Form nicht voll entwikkelte Hinter-
fronten und zwei Polsier hat. Für die plastische Darstellung ist zu bemerken daß die
Voluten der auöspringenden Ekke bei ihrem Zusammentreffen deöhalb stark herausgedreht
werden müssen, damit sie daö Gleichmaaß mit der correspondirenden Volute deö andern
Endeö behalten; der Abakuö folgt in seinem Kymation dieser Bewegung vollständig.
23

Zu den Zeichnungcn.
Tas. 29. Die Feontc des Ekksäulenkapitclles vom Niketempel zu Athen Fig. 4, die Ansicht
dee beiden Volutcn untce der herausspringenden Ekke des Episiylion nach der Diagonale gesehen Fig. 5.
Grundriß desselben Kapitelles vom Tempel am Zlissus Fig. I, dcssen Seite Fig. 2; in bei-
Figuren die herausspringende Ekke wie die Malerei des Kymation restaurirt. Ansicht des innern
28inkels überekk, Fig. 3; die ungclbsie Form der zusammenstoßenden Volutcn ist deutlich dargelcgt.
von neucrn Architekten zur Lösung der Form hier vorgeschlagene Weg, die innern Voluten dcn
äußern gleich groß zu zeichnen damit dic Volute in der Windung vollendet crscheine, würde cin
gänzlich schjef gezogcncs Polster ergeben und wird von allen Monumenten negirt- Fig. 6 Volutcn--
"nsicht des Kapitelles Fig. 4; Untcranstcht des Kapitelles vom Tcmpcl der Fortuna Virilis in Nom
8>g- 7, nebst dcssen Aufriß Fig. 8.
Taf. 40 Fig. 1, Ekksäulcnkapitell vom Tempel der Athena Polias zu Athen; Fig. 2, Unteransichr
der Voluten im Zusammenstoße untcr dcr äußern Ekkc; Fig. 2, Durchschnitte dicses Kapitclles; Fig. 3
Nalbe Seitenansicht desselbcn. Dem Werke „Vorbilder für Fabrikanten u. Handwerker" cntnommen.

Ekksäulenkapitell für einspringende Ekken. Ganz dasselbe Schema würde auch


Kapitell einer Ekksäule empfangen welche unter einem einspringenden Winkel deö
Epistylion steht, wie eö bei peristylen hypäthrischen Höfen und Atrien der Fall ist; da
ledoch hierbei die innere, in der Form unentwikkelte Ekke die inö Auge fallende sein würde,
^ahrend dieselbe im vorigen Beispiele unter dem Pteroma lag, so wird, um der Ansicht
im Schema vollendeteö Kapitell darzubieten, von vorn herein eine Umbildung deö
Säulenstammeö in der Weise bewirkt, daß man einem quadraten Pfeiler nach den
Zwei Seiten hin welche die Epistylia entlaßen zwei Halbsäulen anfeht; für diefe
Planform der Ekkstühe kann alsdann daö involutirte Band in voller frei gewordener
8orm entwikkelt werden. Dies ist die einzig mögliche und im Gedanken conseguente Lö-
sung des Constikteö der Formen hier; eö wäre nur noch eine weitere Auödehnung
des Gedankens möglich, nämlich die Entwikkelung deö BandeS zu auöspringenden Volu-
ken über der Ekke deö PfeilerS.

Zu dcn Zeichnungen.
T-if. 30. Giundnß einei- solchen Stütze (bei rexiei- I'^sie mineui-) Fig. 1; 2lnsicht ciner
huitern Seite, wobei s d dcm r» b in Fig. 1 cntspricht, Fig. 2; Ansicht der äußern Seite in vollcr
^Ntwikkelung der Voluten, wobci zugleich der ganze Winkel dcr Dekke und dcs Dachcs gezeigt ist, Fig- 3-

Kapitcll mit drci Fionlcn. Diese Conseguenzen welche auö derAbhängigkeit deS
involutirten BandeS von der Lage und Richtung deö Epistylion stießen, haben noch zu
einer vierten Form deö Kapicelles mit drei Fronten und einem Pslster geführt; und zwar
*n den, Fallc wo auf ein guer ü ber gelegteö Epistylion noch ein andreö normal auf diese
^ichtung zu stößt, welcheö von einer Wand herkommend stch auf daS Kapitell auflegt, wie
kö bei den zu Dreiviertel frei stehenden Säulen des Pseudopteron in der Cella deö Apollo-
3onika rc. rc.
24

tempels zu Phigalia statt findet. Gleich wie am Kapitelle der Saulen bei ausspringenden
Ekken zwei Fronten und zwei Voluten zusammentreffen, so hat man hier, um dem von
der Wand her auftreffenden Epistylion zu entsprechen, drei Fronten und drei Seiten zu-
sammentreffend verzeichnet, es ist nur eine Seite für das Polster übrig geblieben.
Jedoch ist diese Consequenz in dem eben genanncen Beispiele auch nur eine
scheinbar richtige und gehört schon der Zeit des Perikles an, in welcher ein ursprünglicheö
Verständniß und eine aus diesem entspringende Erfindung von architektonischen Kunstfor-
men nicht mehr erwartet werden durfte. Denn nothwendiger Weise müste folgerecht ein
Kapitell von welchem vier Epistylia abgingen oder auf welchem sich, normal schneidend,
zwei Epistylia in der Richtung kreuzten, vier Fronten gewinnen und es könnte von
einem Polster nicht die Rede sein; wogegen doch grade umgekehrt vier Polster in voller
Form, die Voluten dagegen in der verschnittenen Form wie am innern Winkel des Ekk-
saulenkapitelles, erscheinen müsten. Wenn übrigens in der Cella deö eben erwahntett
Tempels, dessen architektonische Kunstformen überhaupt schon viel Abnormitäten zeigen,
von den Zeichnern des Monumentes ein gleiches nur schief aufgesehtes Kapitell auf die
Ekkfäulen geseht ist, so leuchtet das Unrichtige dieser Vermuthung ein; ein Kapitell Jo-
nischer Weise ist in diesem Falle nicht möglich zu bilden und nur das an demselben Orte
aufgefundene Korinchische oder Kalathoskapitell kann den Ekksäulen zugehört haben.
Zu den Zeichnungen.
Taf. 3L Es wird hicrbei auf den früher gcgebencn Plan der Cella dcs Apollotcmpels bei
Phigalia hingewicsen, um die Formation des Kapikellcs der Mittelsäulen wie dcr Ekksäulcn begreistn
zu können.
Fronte des Kapitclles Fig. I, Grundriß Fig. 2. Ein Abakus ist nicht vorhanden; die Male-
rei des Kymation und Astragal, so wie die Anthemien nach Fig. 4 rcstaurirt; die Ape zeigt ein eim
gcsetztcs Stükk als Auge. Sowohl die Rhabdosis wic die Form dcr Spira Fig. 3, zeigen Abnormität
und völliges Unverständniß der Kunstformen. Es liegt auf dcr Hand daß dieses Kapitcll bci richtiget
Consequcnz und nach Analogie aller Normen drei Polster und eine Fronte hätte empfangen müffen,
wie cs Fig. 11 zeigt. Dcnn wcnn man sich die Säule als srcistchende cinsache Mittelsäulc dcnkt,
so werden nach » und hin von dcr Säulenaxc aus die Epistylbalken abspringcn, mithin hier hin^
wärts Polster licgcn; ginge ferner auch nach dcr Wand >1 hinüber noch ein freics Epistylion o, fo
würdc von diesen Polstern nvch das dritte nach c hin abgczweigt wcrdcn. Und Letztercs bleibt gültig auch
wenn wie hicr o kein frci liegendes Epistylion ist sondern cine dünne Verbindungswand der Säule
mit «I untcr sich hat, wie aus dem Grundriße des Tempcls bekannt ist. Nach demselben Gcund-
satze würde das Kapitcll 4 Polstcr und gar keine Fronte empfangen, wenn cin Epistilion e verlängert
» b schnilte und über die Fronte dcs Kapitellcs hinausginge.
Fig. 4 ein nach dcn Consequenzen dicscs Kapitclles geformtes Kapitell mit vier Frontcn aus
der Basilika von Pompcji; lllaxois kuin. w. 111, UI. IX.
Fig. 5 eigcnthümlich aufgefaßtcs Halbsäulen-Kapitcll aus Pompeji.
Fig. 9, 10 ein mit Fig. 1 und 2 stimmendes und noch viel abnormcres Kapitell bei welchew
die Voluten des Vandcs schon in Heiiccs mit Blattauswüchsen verwandclt sind; aus derselbcn Ba-
silika I. e. r. III, ?I. XX.
25

Doppcl-Kapitelle. Ganz entsprechend dem richtig erfundenen Ekksäulenkapitell


für einspringende Ekken, findet sich auch für den Grundriß einer freistehenden Stühe
die nicht quadrat oder kreisrund sondern auS einem vierseitigen Pfeiler mit zwei ange-
seßten Halbsäulen erbildet ist, ein dem entsprechendes JonischeS Kapitell. Und zwar
'st dies ein Kapitell welches dadurä) ein doppelteö wird daß zwei Polster, also zwei
involutirte Bänder, neben einander gelegt scheinen um eben die bedingte Grundrißform
^er Stühe dekken zu können.

Zu den Bildtafeln.
Taf. 27. Ein solchcs Kapitell theilt Stuarl in einer sehr flüchtigcn Skizze mit, und es giebt
Fig.6 die perspektivische Ansicht so weit sie sich nach der Mittheilung fest zeichnen läßt-, Fig. 7 geometr.
Anstcht des Doppelpolstcrs. Fig. 3, 4 Grundrisse solcher Stntzen wclchc nur Doppelkapitelle haben
können-, Fjg. 5 Stamm der Stütze zu Fig. 4; Tas. 28 Fig. 5 Stamm mit Doppelkapitell Dorischcr
Weise. Wciter unten wird ein Mehreres von solchcn Stühen gcsagt wcrden.

Attisch-Jonisches Kapitcll. Gleich wie in der Spira ist auch m der Form
deö Kapitelles dieser Kunstweise das dem Dorischen hingewandte Streben auögedrükkt;
em Charakterzug der namentlich in dem bedeutendsten, vielleicht lehten selbständigen Werke
Attisch-Jonischer Weise, dem Tempel der Athena PoliaS auf der Akropolis wahrzuneh-
'Uen ist; wenn jedoch die Attisch-Jonischen Denkmale beweisen wie in keiner andern Art
möglich war die Mitte zwischen beiden Kunstweisen zu halten alö durch Verschmelzung
gewisser Gedanken beider und durch Anordnung von Kunstformen die eine solche Ver-
fchnielzung sinnlich wahrnehmbar machcn konnten, so ging hieraus folgerechter Weise eine
Verniehrung der Kunstsormen im Allgemeinen hervor, wie man sie auch beim Kapitelle
der Säule wahrnimmt; jedoch ist diese Neugestaltung von schon Vorhandenem nur ein
Äeußerljxhxg^ diese Vermehrung der Kunstsormen mehr ein scheinbarer Reichthum als
eine Vermehrung von ursprünglich neu Gedachtem, die wie gesagt ihren Ursprung nur dem
Streben zu danken hat: mit der Dorischen oder alt Hellenischen Allgemeinheit und Ein-
heit aller Elemente des SystemeS im Ganzen, auch noch die Besonderheit und Selbstän-
^igkeit jedes Elementeö zu entsalten und wo möglich zu vereinigen.
Betrachtet man hierfür daS eben genannte Monument an welchem dieser Ge-
^nke zum vollsten Ausdrukke gebracht wurde, so ist daö erste Kennzeichen desselben
d«ö Anthemionband oder ein durch Anthemion bezeichneter Hals der Säule unter
de>n Kymation deö KapitelleS. Denn diese Form ist im Begriffe der Säule für sich
üllein gar nicht begründet, sondern eine Form welche ihr von dem Halse der Wand und
^knte übertragen ist und nur die Absicht ausdrükkt: dadurch eben die Säule auch im Kapi-
kelle als ein mit Wand und Ante für den gesammten Raumbau gemeinsam gülcigeö Glied
öu bezeichnen. Indem man also der Säule diejenige Form mittheilte wclche der Ante
nnd Wand im Kapitelle eigenthümlich ist, leHtern Theilen dagegen die einzelnen
3vnika ic. rc. ^
26

Formen der Säulenspira übertrug, vereinigte man äußerlich alle drei verschiedenen
Glieder zu einer Gemeinsamkeit im raumbildenden Systeme.
Daß ein solches Auskunftsmittel zur Gewinnung des Zwekkes, obwohl von aller
schematischen Spekulation fern und nur aus dem ethischen Jnstinkte deö werkbildenden
GeisteS fließend, dennoch blos eine äußerliche und formelle Vermittlung, innerlich aber ein
Widerspruch war, bedarf keines weitern ErweiseS.
Dieseö Anthemionband wird dem Säulenstamme durch einen zarten Astragal
verknüpft. Sodann folgt wie gewöhnlich das Kymation mit seinem Astragal. Beide
Formen zeigen sich an Beispielen von Kapitellen des ältesten Styles welche in neuerer
Zeit unter Athenischen Trümmern gefunden sind, ganz und gar in Weise der Dorischen
Formen gehalten, indem beim Kymation die einzelnen Blätter, beim Astragale die Perlen
und Scheiben nur durch Malerei dargestellt sind; eine alterthümliche Weise von der an
Monumenten in Jonien kein Beispiel eristirt. Die involutirte Fascia mit ihrern
Abakuö trägt ebenfalls den unterscheidenden Charakter der Attischen Joniciömus; denn
nicht nur erscheint diese wichtige Junktur in einem weit mächtigern und vorragendern
Formenverhältniße als im Jonischen und verleiht so der Säule eine alterthümliche Gra-
vität, sondern es ist auch der allgemeinere Bezug auf die Dekke wie im Dorischen da-
durch angeklungen daß noch ein Element, ein geflochtener Toruö unter ihr abge-
zweigt ist, welcher nicht der Entwikkelung der Fascia oder den zwei Seiten deö Epistyliott
nachgehend gezeichnet ist, sondern gleich einer Spira dem Kymation folgt und dieseö um-
kreist, mithiu sich der Entwikkelung des Mäanderbandeö an dem (quadraten) Abakus
des Dorischen Kapitelleö annähert; hierbei zeigt dieser geflochtene Toruö übrigenö wie-
der daß die Voluten und Polster eben nichtö andres sein konnten als eine breite uttd
involutirte Fascia. Die größere Dikke dieser Fascia, welche als doppelt über ein-
ander liegend gedacht demgemäß auch in zwei Canäle getrennt ist, so wie die Mächtigkeit
Ler tief über das Kymation herabhängenden Voluten, vollenden den Unterschied dieser von
Ler Jonischen Form. An andern Werken der Attischen Weise, wie z. B. beim kleinen
Tempel am Jlissus und bei dem der Nike Apteros, zeigt sich auch vielfach die dem Dori-
schen eigne Darstellungöart der Kunstsormen in ihren Elemenken nur durch Malerei.
Was schließlich die Verzeichnuug der Voluten anbetrifft so giebt Vitruv zwar in
seinem dunklen und verdorbenen Texte, welcher sich noch dazu auf eine nicht mehr überkom-
mene Verbilvlichung bezieht, ein Schema für die graphische Darstellung derselben mit deM
Zirkel, auch haben sich Jtalienische und Französische Baumeister vielfach bemüht einen sol-
chen Canon dafür zu ermitteln, allein die Hellenischen Monumente widersprechen durchaus
einer solchen durch dieseö Jnstrument zu bewirkenden Verzeichnung welche niemalö eine
Scetigkeit der sich zusammenwindenden Umrisse erzielen kann.
27

Endlich aber enthält die involutirte Fascia des Attisch-Jonischen Kapitelles auch
dasjenige Merkzeichen nicht, welches grade für diese Form beim Jonischen so charakteristisch
und gleichfallö antidorisch ist; sie ist nämlich nicht so dargestellt als sei sie aus zwei neben
einander unter dem Epistylion hinliegenden Fascien gebildet welche in Mitten des Polsters
durch einen Balteus verbunden sind; denn weder ist ein Balteus vorhanden, noch durch
eme dem Jonischen eigene Scheidung deö Polsters in Mitten, der Gedanke zweier neben-
einander gelegter Fascien verwirklicht, sondern eö wird entweder die ganze Fläche des Pol-
sters oder wenigstens der größeste Theil derselben durch die Astragale bedekkt, welche
die Form als eine in sich zusammen gewundene Fascia festzuhalten scheinen. L>omit ist
der Gedanke einer einzigen Fascia versinnlicht wie er dem ihr folgenden Epistylion ent-
spricht, welches ohne Theilung auf seiner untern Seite auch nur als eine einzige Fascia
don der Tiese deS ganzen Kapitelleö erscheint, sich also ganz und gar dem Dorischen Ge-
danken anschließt.

Zu dcn Zeichnungcn.

Taf. 4s> Fig. Kapitell vom Tempcl der Athena Polias zu Athcn; Fig. 3, Scile dessel,
bt». Die der altcrn Bildung angchörenden Kapitcllc des Nike.'Tempcls Taf. 29, Fig. 4 und 9, eben
so die vom Tempcl am Zlissus Fig. I, 2, 3 haben keinen durch Anthcmion ausgcsprochcncn Hals,
dagegen die mächtige Volute als Kennzeichen ihrcr Zlttisch-Zonischen Abstammung.

Abartcn des Kapitcllcs. Die Varietäten und Abarten welche aus den angegebe-
"en Formen hervorgehen und nach und nach in jene gemischten Formen hinüber leiten in
denen der Begriff deö involutirten BandeS nicht mehr zu erkennen ist, deren Voluten sich
w vegetabile Formen, Ranken, Helices, Akanthusblätter u. s. w. auflösen, sind zu zahlreich
als daß sie im Einzelnen angeführt werden könnten; die interessantesten derselben sind jedoch
hier herausgehoben und zwar biö zu der Grenze geführt wo diejenigen Formen beginnen
welche sich m einem gänzlich mißverstandenen Schematiömuö verlieren und Kapitelle
ergeben denen selbst Vitruv schon keine feste Terminologie zu geben vermochte, indem er
sie 6X <Üorintk>Ü5 et ^ulvinatis et Doricis zusannnengezeichnete nennt.

Zu den Zeichnungen.
Die Bcispicle der Klasse welchc Taf. 3V, Fig. 6 7 9 und Taf. 3t Fig. 1 2 3 4 5 gcben, gchö-
ren mit Ausnahme von Fig. 9 Taf. 30 noch den bcssern Hellenischen Varietäten an; letztcrcs Vei-
spicl eröffnct indcs dic Ncihc dcr völlig ins Bewustlose übergehcndcn Schemata, die in dcn Kapitcllcn
»>n Bogen des Titus, Septimius Severus zu Rom und Andcrn ihre Nepräscntantcn finden und
von welchen das Werk Pirancfis eine große Anzahl mittheilt.

^*
28
Von dco Nebenform Fig. 1 mit Seitcnansicht Fig. 8 (bci Znwood) dcm auch das eincm mo-
nolithcn Grabgcbäude bci Texier entnommcnc Beispicl Fig. 6 cntspricht, findet sich noch ein Bcispiel
in der Zlusgabe dcs Inwood'schcn Werkcs von F. v. Quast. Bcispiel dieser Nebenform, so wie das
Taf. 31, Fig. 1 mit Seite Fig. 2 und restaurirtem Grundrisse Fig. 3, mLgen aber schwerlich bei
Monumenten großer Art, sondern an Werken kleinen Maaßstabcs zu finden scin. Bei Fig. 4 (aus
Texier) zcigt s dic Theilung des Epistylion auf dcr untern Seite in Bczug auf den Baltcus dcs Posi
sters. Diese so wie Fig. 5 (aus dcm Werkc von O.uast) sind als Varietaten dcr Polster gegcbcn.

Technisches und Dekoratives zur Saule.

Zu den statischen nnd struktiven Verhältnißen der Säule die in den DoriciS zur
Genüge besprochen stnd ist im Wesentlichen nur GeringeS hier hinzuzutragen. Bei der
Tempelform Dipteros scheint man in Hinsicht auf die Fügung der einzelnen Cylinder in
der häufigern Verdübelung sorgsamer versahren zu sein alö bei dem stabilern Dorischen
Säulenstamme, weil die äußerste Säulenreihe so ganz isolirt von der inneren steht. Die
Verdübelung deS KapitelleS mit dem Epistylion wie der einzelnen Cylinder unter sich, ist
so stark daß sich in den Cylindern der Ekksäulen am Apollotempel bei Milet (Vgl. Alterth.
v. Jonien, III. K. S. 136) außer dem gewöhnlichen Dübel im Centrum, dessen Loch
18 Zoll im Durchmesser hat, noch 12 kleinere Löcher für erzene Dübel finden. Bei der
mächtigen Höhe und der proportional bedeutenden Schlankheit solcher Säulen ist diese
Vorsicht durchauö nöthig um jeder Einbiegung deö Stammeö vorzubeugen; da nun
eine solche nicht anderö möglich ist alö wenn die einzelnen Cylinder in ihren BerührungS-
flächen aufkanten und abgleiten, fo müssen die Dübel diefem ein Hinderniß entgegenfeHen;
der Durchmesser an sich felbst ist bei den schlanksten Säulen stark genug um jeder Einbie-
gung zu widerstehen welche etwa aus einer unverhälcnißmäßigen Dünne deö StammeS
zur Höhe und Belastung entspringen könnte. Ie größer die Anzahl Cylinder aber ist
auö welcher eine Säule hergestellt wird, je dünner d. h. niedriger dabei diese sind, eine desto
sorgfältigere und häusigere Verdübelung wird erforderlich um das Hinausweichen beson-
Lers in Mitte deö Stammeö zu verhindern, weil der Drukk der Dekke, wenn er nicht
genau in die Apenrichtung trifft fondern sich auf irgend einen Punkt in der Peripherie
wirft, sogleich die Mitte deö Stammes nach der entgegengesehten Seite hinauödrängt,
Laö Aufkanten der Cylinder und die Einbiegung bewirken müste. Eine Säule auS eiuer
so großen Zahl Cylindec hergestellt daß ein jeder Cylinder in der Höhe noch nicht ein
Viertel deS Halbmessers erreichte, würde ohne festen Mörtelverband schwerlich der Aus-
biegung widerstreben können. Was überhaupt den Durchmesser der Hellenis6)en Säulen
betrifft, so ist er in der bedeutenden Stärke nicht bloß zur Sicherung gegen solche Einbie-
gung sondern auch gegen Umsinken der Säule überhaupt angelegt; zur Verstärkung der
rükkwirkenden Festigkeit oder Verhütung des Zerpressenö durä) die eigne wie die Lasiung
der Dekke, hat er nicht zu dienen und man kann dreist behaupten daß alle bekannten Sätt-
29

len Lei der Hälfte ihreö Durchmessers dem Zerpressen vollkommen Widerstand entgegen-
ftHen würden. Denn abgesehen von dem hinlanglichen Momente des Materialeö in Hin-
s'cht auf rükkwirkende Festigkeit, welches sich voraus versteht, ist die erste Bedingung der
Säule die Stabilität, indem sie ohne alle weitere Beihülfe durch Verankerung in der
Dekke so alleinständig und unwankbar auf ihrer Sohle beharren soll daß keine
^ewegung und Erfchütkerung der aufzulegenden Lastung nach irgend einer Seite hin,
weder beim Richten noch bei Vollendung der Dekke, sie auö dem ihr bedingten Stande
ausweichen mache. Diefer Anforderung wird nur durch eine entsprechende Breitenflache
der Sohle wie jedes einzelnen der Cylinder aus welchen die Continuität der Säule
gebildet ist, endlich aber durch eine gewisse Verjüngung genügt welche den Schwerpunkt
aus der Mitte möglichst wcit nach der Sohle hinunter zieht. Beides ist im vollsten
Maaße der Dorischen Säule eigen, daher die enorme Stabilität derselben; aber auch selbsi
bei der schlanksten Jonischen Säule ist der Durchmesser so stark angelegt worden daß
ieder einzelne Cylinder dem folgenden noch hinlängliche Standfläche bietet um ihn nicht
öleiten oder auskanten zu laßen, wobei der Dubel im Centrum jedes Cylinders zur bessern
Sicherung dient. Daß es hicrbei wesentlich darauf ankömmt die Verührungsflächen
tingförmig dicht an den Umkreiö des Cylinders zu verlegen und nur um den Dübel im
^entro herum wieder eine dichte Fügung zu gewinnen, zwischen Beiden aber die Berüh-
^ung deshalb möglichst zu isoliren weil der Schluß zweier so bedeutender Flächen bei einem
starken Durchmesser trotz alles gegenseitigen Aufschleifens der Cylinder auf einander kaum
wü Siäzerheit zu gewinnen ist, davon giebt die schon in den Doricis crwähnte Fügung
Säulen am Parthenon den besten AuSweiS; auch sieht man bei diesen Saulen die
^ahrheic deö oben auögesprochenen Satzeö, daß die Hälfte des Durchmessers hinlänglich
ware dem Zerpressen der Säulencylinder völlig zu widerstehen, indem die BerührungS-
stachen aller Cylinder an diesen Säulen kaum über die Hälste deö KreiöinhalteS vom ganzen
Durchiuesser hinauögehen. Wenn es praktisch möglich wäre die Cylinder hohl zu arbei-
^u und nur die sich berührenden Ringflächen gegenseitig zu verdübeln, so würde eine solche
^öhre ganz und gar den Dienst leisten als die volle Säule.
Daß jeder einzelne Cylinder ein gewisseö Höhenmaaß erhalten müsse um der Zer-
^assung zu widersiehen ist nicht zu läugnen, daß aber selbst die niedrigsten Cylinder an
Hellenischen Säulen weit über dieseö Maaß hinauögehen, haben schon die Cylinder oder
Scheiben gezeigt auö welchen die einzelnen Formen der Spira gearbeitet sind; denn wie
öewaltig das Moment der rükkwirkenden Fesiigkeit in dem alten Baumatcriale sei, zeigten
die körperlichen Verhältnissc dieser Theile. So ist die Scheibe auö welcher bei den Säu-
^^U dcs AthenatempelS zu Priene dcr Torus gearbeitet ist, Taf. 26 Fig. 3, nur 8 Zoll bei
F. Durchmesser hoch, die unter ihr liegenden Formen des PlinthuS und TrochiluS sind
stkoß 1 F. 10 Z. hoch; dennoch haben diese dünnen Scheiben der Zerpresiung durch die
30

ungeheure Lastung die auf ihnen ruht widersianden. Jn gleicher Weise mißt derselbe
Torusstein in der Saulenspira am Heraion zu SamoS (Fig. bei 6 F. Durch-
messer nur 9^ Z. der unter ihr liegende TrochiluSstein F. Höhe; der Stein in
den Säulenspiren des Apollotempels bei Milet (Fig. 1) auö welchem Plinthus und
TrochiluS gearbeitet ist hat nur 2 F. 10 Z. Höhe bei 6.j F. Durchmesser.
Es ist übrigens sehr wohl zu bemerken wie im Hellenischen Baue nicht bloß
den Saulen sondern auch jedem andern der statischen Glieder in seinem stereome-
trischen Volumen, ein bedeutender Ueberschuß an Leistungsfähigkeit über
das statische Moment hinaus gegeben worden ist, daß man sich also nicht be-
gnügt hat bloß dieses Moment zu erreichen sondern vorsorglicher Weise in allen
Fällen stetö über dasselbe weit hinauö zu gehen, damit eben jeder zufälligen Ein-
wirkung die von irgend einer Seite her störend auf das Gleichgewicht und die ein-
mal angenommene Lage und Stellung der Glieder des Systemeö auftreten könne, vor-
gebeugt werde; eine Wahrnehmung welche auch an den meisten und vorzüglichsten
Monumenten deö Bogenbaues im deutschen Mittelalter gemacht werden kann.
Jene Bedingung der freistehenden Stütze: gegen alle Seiten hin dem UM-
fallen einen gleichen und vollkommenen Widerstand entgegen zu setzen, konnte auch »m'
durch ein kreiörundeö Planprofil am vollkommensien erledigt werden; und wenn das
Kreisprofil das erfüllende ist, werden fich alle andern Profile, sowohl ovale alö recht-
ekkige von gleichem Jnhalte als das erstere, um so weiter von dem Zwekkmäßige»
entfernen müssen je länger fie im Verhältniß zu ihrer Breite gedehnt sind. Der ganz
einfache Vergleich zwischen einem langen Rechtekke oder Ovale, einem O.uadrate und
einem Kreise, alle von gleichem Flächeninhalte, ergiebt daß der Kreis nach allen Sei-
ten hin dem Umfallen wie der Einbiegung, LaS Quadrat bloß nach den vier Ekken,
das Rechtekk aber nur nach zwei Seiten hin, jenen Widerstand leistet. Nur aus
einer technischen guten Quelle konnte die Behauptung deö sonst in diesen Dingen
höchst unwissenden Plinius IX. 8. XXXVI, 5 fließen daß man nicht des Prunkes
sondern der Festigkeit wegen die Säulenform angewendet habe: columnis clemuw
ulebgnlui- in tem^Iis uec lautitiao causa (nonclum cnim ists intellic-ebcmtur)
c^uia kirmiorcs aliler slritui non pioterant. Es finden fich mehrere Beispiele voN
ovalen Säulen (wie sie in unsern Zeichnungen z. B. von dem bekannten Grabinale
bei Mylasa und von anderwärtö her gegeben find), jedoch find fie überall so gebil-
det daß einem rechtekkigen oder guadraten Pfeiler zwei Halbsäulen angefügt wurden,
wodurch der Grundriß oval erscheint; der Theil des PfeilerS zwischen den Halbsän-
len ist alsdann nicht gestreift, wenngleich der Säulenstamm so dekorirt ist. Diest
Form entsiand da wo ein übermäßig breiteö Epistylion abgestützt werden muste welches
3l
eigentlich einen oblongen Pftiler unter sich bedingte, wie dieö weiter unten näher
besprochen werden soll.
Bei monolithen Saulen liegt es auf der Hand daß dieft, mit schwacherm Durch-
Messer bei gleicher Höhe, der Einbiegung dennoch stärkern Widerstand entgegensetzen
lnüssen als die auö vielen einzelnen Cylindern gefügten Säulen, weil die vollkommene
Continuität deö Stammeö vorhanden ist; indeö wird der Widerstand gegen eine Nei-
Sung nach der Seite, gleichenfallö einen nicht viel unterschiedenen Durchmesser bei ihnen
hervorrufen, wenn auch durch Verdübelung in ihrer Sohle schon auf die Stabilität deö
Sanzen Monolithon eingewirkt werden kann. Wegen dieser Anforderung einer genü-
Zenden Stabilität an ihnen selbst, empfangen auch freistehende Säulen die nur geringe
-asten, wie Statuen, Dreifüße und dergleichen zu tragen haben, immer noch die der
^ebälktragenden Säule sich fthr annähernden körperlichen Verhältniße.
Zu den Beweisen daß die Arbeit der Rhabdosiö am Säulenstamme erst
nach Vollendung der Sculptur an Dekke und Geison vorgegangen sei, ist der Apollo-
tempel bei Milet beispielsweise hinzuzufügen; e§ sind hier nur die Stämme der innern
^änlenreihe vom Dipteron gesurcht, die Stämme der äußern Reihe haben noch die
cohe Schutzrinde, mit Auönahme der Ansätze unter dem Kapitelle und über der Spira
"'elche schon zur Aufnahme der Rhabdosiö abgeglättet sind; daher erklärte sich hier
«uch der unvollendete Toruö der Spira. Die Kapitelle selbst wurden nur im Schema
uugelegt, aufgesetzt und nach Lagerung der Dekke erst vollendet; Pausamaö sahe
übrigens diesen Tempel unvollendet, und unvollendet mag er wohl geblieben sein.
Auch die dekorative Bedeutung der Rhabdosis (sirlatura) deö Säulenstammes ist in
Doriciö schon besprochen so daß nur wenige Erinnerungen hier hmzuzufügen
Üud. Daß der schon erwähnte Widerstand gegen Einbiegung, also die unbiegbare
^teifigkeit der zwischen Dekke und Spira gleichsam eingespannten Säule, eme uner-
'Aßliche Bedingung sei versteht sich wie gesagt von selbst; eö muste mithin eben so
^ese Eigenschaft der Unbiegbarkeit und Steifheit zum Ausdrukke in der Kunstsorm
»ebracht werden wie die rükkwirkende Festigkeit im Konflikte durch das Kymation deö
Kapitelles versinnlicht erscheint; dies konnte nur durch die Rhabdosis geschehen, durch
welche die Säule einem hohlen unbiegbaren Cylinder oder einer Röhre bildlich verglichen
"'ü'd. Jst eö nämlich nicht nur in der Erfahrung begründet sondern auch mathema-
Usch erwiesen daß eine cylindrische Röhre, ein hohler Cylinder, im Vergleiche zu einem
vollen Cylinder dessen Profilfiäche gleichen Inhalt hat mit der Ringfläche der Röhre,
Einbiegung ein weit höhereö Moment deö Widerstandeö entgegensetzt als letzte-
so kann überhaupt und allgemein gesagt werden: eine Röhre von sprödem ?)ka-
^riale sti unbiegbar, sei ein Jdeal von Unbiegbarkeit und Steifigkeit. Nun fin-
bet es sich jm Reiche der Vegetation bestätigt daß jene unbiegbaren mächtigen Stengel
32

der Dolden, deö Silphion, Herakleum u. s. w., nicht allein hohl und röhrenför-
mig, sondern auf der Mantelfläche sietö in der scharfsien Weife gefurcht oder mit
Rhabdosis verfehen erfcheinen. Diefeö Kennzeichen wodurch sich an solchen Bil-
dungen die Unbiegbarkeit äußerlich macht, entlehnte daher die Kunsi und übertrug es
auf die Säule zur sinnbildlichen Darstellung gleichen WesenS an diefer. Durch die
Rhabdosis wird der Säulenstamm selbsi bildlich zum zur Stüße gemacht,
weshalb auch nie für eine einzelne der Furchen der Name Rhabdos vorkommen kann.
Aristoteles weist in der Nikomachifchen Ethik X, 3 darauf hin wie durch diese Rhab-
dosis alle einzelnen Cylinder der Säule begrifflich zu einer Einheit verfchmolzen würden,
eine Zusammenfügung welche sehr von der bloßen mechanischen Vereinigung der
Steine unterschieden sei. Wurde nun schon bei Erklärung der einzelnen Kunstformen im
ersten Buche erwähnt daß auS änlichem Grunde wie der Säulenstamm, auch jene fchlanken
hohen Füße und Unterfähe die gewöhnlich größere Bekken, Schaalen und Krateren tra-
gen nebst den Stämmen der Candelaber, durch Rhabdosis alö stützende Stämme
charakterisirt seien so muß durch alleö dieses einleuchtend geworden sein wie es der Ver-
sinnlichung des statischen Wefens der Unbiegbarkeit und Stützfähigkeit in der Säule
grade entgegengefetzt sei, wenn der Stamm, entweder durch Sculptur oder Malerei, statt
nach der Analogie eineö geröhrten Stengels, nach dem Vorbilde eines Systemes von
geflochtenen aufrecht gestellten Bändern oder Strängen dekorirt wird, mithin wie ein
zwischen Dekke und Spira aufgehangeneS Bandgeflecht erfcheint dem doch einzig nur
die absolute und die aus dieser folgende relative Festigkeit, keineöwegs aber rükkwir-
kende und abstützende Kraft innwohnc; doch findet sich in zahlreichen Beifpielen an
Säulen aus Lem Mittelalter eine solche begrifföwidrige Dekoration.
Eine jedes GrundeS entbehrende Behauptung die gewöhnlich auö dem Munde
neuerer Aesthetiker fließt, läßt die Rhabdosis aus der bloßen Mechanik des Stein-
metzen hervorgehen und hält dafür daß die cylindrifche Säule aus dem vierseitigen
Pfeiler in der Weife nach und nach geworden sei, daß erst der Pfeiler in einen acht--
seitigen, letzterer fodann in einen fechszehnfeitigen Stamm verwandelt worden, die
Rhabdosiö dann auö dem Ueberrest der polygonalen Seitenflächen entstanden stl
welche man der ästhetischern Schatten- und Lichtwirkung halber nur ausgehölt habe.
Von Jntresse ist die Jonifche, wahrfcheinlich erst einer spätern Zeit ange-
hörende Sitte nach welcher versästedene Perfonen Säulen zum Tempelbaue weihten
und daö Gefchenk durch Jnschrift an den Säulen beurkundeten. Die Herausgeber
der Jonifchen Alterthümer (Deutfch. Auög. Text S. 144) theilen solche Auffchriften an
den Säulen deö Zeuötempels zn Labranda (?) mit. So finden sich unter diefen gewiffe
Säulen welche nach der Inschrift von Menekrates, als er Oberarzt der Stadt und Ste-
phanephoros war, mit Spira und Kapitell — KLIO>l/<^ KXl K^P^XbU-
33

geweiht habe. Die Jnschrift ist auf einer Tafel deS SaulenstammeS verzeichnet
welche durch Absetzen der Rhabdosis gebildet wird und es erinnert diese Weihung leb-
haft an die Sitte deö Mittelalterö wo einzelne Personen und Gewerke beim Baue
der Kirche einen Pfeiler oder eine Ueberdekkungsweite de§ Kreuzgewölbeö weihten
sodann ihren Namen nebst Wappen in den Schlußstein deö Gewölbes seßten.
Ueber die Färbung oder weitere Behandlung deö Saulenstammes durch Ma-
lerei liegt in den Monumenten, abgerechnet den gänzlichen oder theilweisen Ansirich
Poinpejanischer Beispiele, nichtö vor; die mit bunter Mosaik umkleideten Säulen in
Pompeji welche nur der Römischen Zeit angehören können, weichen bereitS vom Ge-
danken der Rhabdosis ab. Auch die dekorativen Formen mit welchen die Stämme der
tathftlhaften Säulenfragmente beim Schatzhause des Atreuö überzogen sind, gehören
schon in die Kategorie der Corruption antiker Vorbilder und sind mit weit mehr
Sicherheit einer gedankenlosen Nachahmung solcher von barbarischem Machwerk zu-
zuschreiben, als in eine Zeit deö UrsprungeS Hellenischer Kunsi zu setzen; denn wer
auch jene Säulenspiren so widersinnig geformt und dekorirt haben mag, er muste
schon richtig entwikkelte vor sich haben die nur unverstanden imitirt wurden; eö gehört in
der That ein eben so beschränktes Urtheilsvermögen dazu in diesen Beispielen das Proto-
t>)p für die Spira der Jonischen Säule zu erblikken als es eingefleischte Aegyptomanie ver-
täth die „protodorische Säule" in Aegyptischen Felsenkammern erkennen zu wollen. Daö
ist eben der wesentliche Verlauf der Hellenischen Kunst daß sie ursprünglich gleich bewust
und richtig gebiert, und ersi nach völliger Erfüllung ihrer Gedanken und Formen abwärtö
yoin Vewusten in das Unbewuste und Falsche über geht, nicht aber umgekehrten Weg
uinnnt. Wer überhaupt den Proceß der Entstehung und Entwikkelung der Helleni-
schen Tektonik als einen bloßen geistvollen Eklekticiömus betrachtet welcher die Hellenen
anr Ursprunge ihrer Kunstgeburten getrieben habe die baulichen Glieder und Kunstsormen
ans Aegyptischen, Asiatischen oder auö sonst irgend wo vorhandenen Vorbildern schema-
^isch zusammenzutragen und bei der Reproduktion nur geistvoll, oder modern ge-
spwchen „ästhetischer auögebildet" wiederzugeben, für den isi freilich jeder Be-
weis des Gegentheileö nicht vorhanden, man wird ihn durch den ErweiS nicht zu
widerlegen im Stande sein daß die Hellenen hinlänglich mit Schöpferkraft und ersin-
^endem Kunstverstande auögerüstet waren um die begrifföentsprechenden Analogien und
Vorbilder für ihre tektonischen Kunstformen bei sich und in ihrem eignen Lebenskreise
zu suchen und aufsinden zu können. Von Allen aber die einem solchen EklekticiSmuS
das Wort reden, wird indes eine einzige und zwar die tiefgreifendste Fcage siecö
unbeantwortet gelaßcn werden die den Ausschlag giebc und die Hellenische Kunsiweise
an der Wurzel berührt: ob außer den Hellenen ein Volk gewesen welches in seinen tek-
tonischen Werken daS Princip zur Wahrheit gemacht habe, so wohl daö statische We-
3»nika rc. ,c. "
34
sen jedes der verschiedenen Glieder für sich wie auch die begriffliche Verknüpfung aller
Glieder zu einem raumbildenden Systeme in den Kunstformen sinnbildlich auö-
zusprechen, uud dies zur Bedingung des Vorhandenseins jeder selbst der kleinsten
Kunstform zu machen? So lange nicht positiv ein nach diefem Principe den
Hellenen vorbildendes Volk nachzuweifen ist, wird man unö niemals überzeugen kön-
nen daß die Hellenen bloß geistvolle Eklekciker nicht aber urfprüngliche Schöpfer ihrer
tektonischen Kunstformen gewesen feien.
Die Spiren sind bei großen Dimensionen auS mehreren Lagen aufgefchich-
tet, seltener aus einem einzigen Blokke gearbeitet, wie schon vorhin an den Spi-
ren Taf. 25, Fig. 1, 3, 4 gezeigt ist. Die Nothwendigkeit der Scamillen unter
und über der Saule ist ebenfallö schon beim Dorischen Baue befprochen, sie tritt in
demselben Maaße auch hier auf. Grade die Scamillen beweisen wie trüglich eö sein
würde die Spira als eine statische Hülfe für die Stabilitat der Säule zu halten, da
sie in keinem einzigen Falle eine Vergrößerung der Standfläche des Stammeö bewirkt
weil sich die Scamilli nur in der Auödehnung deö untern Durchmesserö bewegen; eS
kann mithin die Spira, deren vorfpringende Formen durch den Scamillus verhitt-
dert werden den Boden berühren, auch nicht auö der Absicht hervorgegangen sein die
Standfläche zu vergrößern. Bei der Unterfuchung über diefeö Verhältniß muß man Bei-
spiele ins Auge fassen die im größesten baulichen Maaßstabe gegeben sind, wie z. B.
die vorhin erwähnten Spiren am Heraion zu Samoö, am Tempel zu Milet odec
Priene, weil sich bei ihnen die Nothwendigkeit der Scamillen: um eben der Last des
Gebälkeö und der ungeheuren Last der Säule felbst wegen die auöladenden Formen
der Spira vor jeder zerstörenden Berührung mit ihrem Auflager zu schützen, anr
augenscheinlichsten begründen läßt. Die Jon. Alterth. Kap. 5, T. 5, Fig. 1, 2, 4 gebett
drei Beifpiele von Spiren eineö Säulendurchmesserö von 6 F., also dem gröste»
bekannten Maaßstabe, in allen diesen Beifpielen erreicht der Scamillus zwifchen
Toruö und TrochiluS noch nicht das Maaß dieseö Durchmesserö, es ist mithin
die Standfläche unter der Spira kaum so groß als die Standfläche
des Säulenstammes. Die Zeichnungen auf Taf. 26 nebst deren Befchreibung
sind hierüber zu vergleichcn. Alle änlichen Beispiele die in einem fo gewaltigen Maaß-
stabe vorhanden sind beweifen die Nichtigkeit einer statifchen Hülfe der Spira für
die Stabilität auf das Entfchiedenste, und man würde alle vorspringenden For-
men der Spira biö auf die Stärke deö untern Durchmesserö, sogar biö auf die
Stärke der Scamillen, abfchälen können ohne die Stabilität der Säule im Gering-
sten zu beeiuträchtigen. Selbst wenn kein Scamilluö von dem eben Gesagten Zeug-
niß gäbe, würde fchwerlich durch eine viel breitere Basiö mit der geringen Höhe vott
2 bis 2^ F., einer Säule zwischen 50 bis 60 F. Höhe mehr Stabilität gegeben alö
35

der reine untere Durchmesser deö Stammes ihr verleiht, indem die Verkürzung
des Stammes durch ein so geringeS Maaß der Basenhöhe bei so bedeutender
Stammhöhe, zur Stabilitat des StammeS noch gar nichtö beiträgt, obwohl in dieser
proportionalen Verkürzung desselben wesentlich die größere Stabilität beruht, wie eS
die Dorische Säule genugsam zeigt; nur eine gewaltig auöladende, viel höher als
breit gezeichnete Spira würde diesem Zwekke entsprechen können. Anders würde sich
das Verhältniß bei monolithen Säulen von geringer Höhe stellen bei welchen die
Masse deö Stammeö und der Spira eine ungetrennte Koutinuität bildete, sobald man
ihacn in der Spira eiu so mächtigeö Gewicht verleihen konnte daß dasselbe den
Schwerpunkt des StammeS ganz nach unten hin in die Gegend der Spira zöge, waö
Natürlich bei Säulen die auö einer größern Anzahl einzelner Cylinder construirt sind
nicht der Fall sein kann auch wenn die sorgfältigsie Verbindung aller einzelnen Cy-
linder durch Dübel angewendet würde. Wie schon bemerkt geben die große Anzahl
Dorischer Säulen welche noch stehen, im Verhältniß zu der geringen Anzahl Joni-
scher die sich aufrecht erhalten haben den besten Erweis hierbei; eö ist selbsi daö
ungleich schwerere Dorische Gebälk sehr günstig für die Stabilität der steinernen
Säule indem eö durch seinen Drukk der ersten Bedingung ihrer Anwendbarkeit,
baß sie ohne weitere technische Hülse unwankbar aus ihrer Sohle verharre, bedeutend zu
Hülfe kommt.
Schließlich möge noch ein Wort vom Scamillus über dem Kapitelle und den
^oluten hinzugesügt sein. Verlängert man (beim Jonischen wie beim Dorischen Kapitelle)
irn Gedanken die Seiten deö vierseitigen Scamilluö bis aus den obern Saum des
Säulenstammes und löst beim Jonischen Kapitelle die Polster und Voluten nebst dem
^YMation und Astragal biö auf die vier Seitenfiächen dieseö ScamilluS ab, so bleibt
em Cubus übrig dessen vier Kanten über den Cylinder welchen der Saulenstamm
oben bildet deöhalb über stehen, weil der Durchmesser gleich der Seite dieseö Cubus
'st- Dieser Cubus alö die Endung des siüHenden CylinderS ist aber auö dem Grunde
die nothwendige struktive Form, weil die Epistylbalken kein kreisförmigeö sondern viersei-
tigeö Auflager hier gewinnen müssen. Der oben vom Epistylion berührte Scamilluö
'st also gleichsam der sichtbare Theil dieseö CubuS; keine einzige der um den Cubuö
herumliegenden Formen ist siruktiv oder siatisch nothwendig, sie könnten alle fehlen
°hne Einfluß auf diese Erforderniße zu haben wenn eben nicht von Kunstform dre
^ede sein sollte. Deöhalb ist auch jeder Scamillus unter dem Säulenstamme oder
nn den einzelnen Steinen aus welchen die Spira besteht kreisförmig, weil hier
der breite Stylobat sich anschließt. Was endlich noch die Form der Fascia anbe-
^ngt so wird diese nach zwei Seiten hin in Voluten beendete Form niemals eine
andre Erklärung zulassen können als die eineö involutirten Bandeö, einer Fajcia wie
5^
36
Vitruv sehr bezeichnend jede der einzelnen Bandlagen des Epistylion nennt. Jst eS
an den betreffenden Orten evident erwiesen daß die statische Eigenschaft des Episty-
lion, die relative Festigkeit, nur dadurch versinnlicht werden konnte daß man dieseS
tragende Glied als machtiges Band charakterisirte, so wird das Kapitell der Säule
über dem großen Kymation wo sie mit jenem als Band bildlich dargestellten Gliede jungirt
werden muß, eine Vorform empfangen welche dem Epistylbande entlehnt ist und die
aufdaS Kapitell übertragen dasselbe als das Epistylion vorbereitend bezeichnet und hier-
aus allein erklärt werden kann. Der Unterschied deö Jonischen vom Dorischen Kapitelle ist
mithin nur der, daß daö involutirte Band auf daö Epistyliou geht, während am Dori-
schen Abacus das Maanderband auf die gesammte Dekke hinweist. Bei den Mo-
numenten wie bei Vitruv sind also die Voluten nicht ein für sich Bestehendeö son-
dern nur die Vorderfronten der involutirten Fascia deren Seiten pulvini bilden; die
baltei pulvinoi-um sind vielleicht die gürtenden Toren und Astragale welche die spi-
ralisch zusammengerollte Fascia gleichsam aufnehmen und als Volute festhalten. Die
Bedeutung und Entstehung dieseö Kapitelleö bei Vitruv HI, 1 so wie die Ableitung
der Spira und der Rhabdosis aus der Schuhsohle und den Falten deö Gewandes
Ler Frauen, ist ein eben solcheS kindlicheö Mährchen alö die Geschichte vom Kalli-
machos und der Erstndung des Korinthischen Kapitelles dessen Form doch weit über
Kallimachoö hinaufgeht; für die Kunstform der Dorischen Säule hat Vitruv kein
solcheö Paradopon beibringen können, und cs geht auö seinen Aeußerungen hervor daß
die Alten auch in den Bauweisen die Dorische für die männliche, die Jonische für
die weibliche, die Korinthische für die jüngste Kunstweise gehalten haben.
Ueber die graphische Darstellung der Volutenumrisse ist schon bemerkbar ge-
macht daß sie nur nach dem Auge und au§ freier Hand, nicht aber mittelst deö Zirkels
aus O.uadranten verzeichnet sein könnten, auch Vitruvs Canon nur als ein hand-
werksmäßiger Vorschlag zu fassen sei um einer der Form nicht mächtigen Hand die
Möglichkeit ihrer Darstellung zu bieten. Darin liegt aber eben daö Verwerfliche;
denn eine solche Hand soll lieber niemals Hellenische Formen produciren wenn es ihr
bloß mit der Kunst deö Zirkelschlageö möglich ist. Die auf uns gekommenen Joni-
schen Kapitelle sind unter einander gänzlich verschieden im Gange der Volutenlinien,
auch ist eö nicht möglich eine Zirkelverzeichnung zu finden welche ganz congru-
ente Linien ergäbe; dieö sind Thatsachen welche für eine völlig freie Verzeichnung
nach dem Auge und eine meisterhaft sichere Hand spreä^en. Für die Seiten odec
Polster macht stch die Bemerkung geltend daß je fester sie in Mitten zusammenge-
schnürt und nach oben aufgenommen erscheinen, je weniger also das Kymation unter
ihnen verdekkt wird, um desto fteier das Kapitell ringö herum in seiner Ganz-
heit dasteht.
37

No t e n.

15) Kapitell. Es isr das Wort Kapitell nur gegen Kapital deshalb umgetausä)t, weil
ks dic Lateinische Bezeichnung sesrer halt. Vairo I,. I-. > H, 10.?. 123 caxut, csxitulum, capitol-
lum und Isiü. OriF. XIX, 10 capitella äicta iiuoä siat columnarum caxita und exishlii,
8unt c^uav super eapitella columnarum xonuntur. klin. 36, 26 eolumnis capitella atlOita.
Olv88. I,abb. caxitellum r-kP«?.«tov.
16) Knmation. 6z-matium bei Vitruv III, 5, 7. Wäre das Kymation odcr der Ech.nus
des Dvrischen Kapiteiles nicht schon durch Voraussehung und Analogie als Kymation deutlich, so
würde er es durch den als Kymalion handgreiflich ausgeprägtcn Echinus des Zonischen scin.
Ganz und gar in gleichcr Bchandlungsweise, die Blattschcmata nur in Malerei dargestclll wie im
Dvrischen, zeigen das Kymation mehrere Attisch-Zonische Kapitclle von sehr alterthümlichcm Typus
welchc auf dcr Akropolis von Athen gefundcn und im Museum dort aufbcwahrt werdcn; sie geben
dcn Echinus wie im Dorischcn Kapitelle, eben so auch den Astragal durch Malerci vollcndet.
Fragmentarisch ist eines derselben mitgcthcilt in Poppe Sammlung von Ornam. und Fragm. Bcrlin
1845, Bl. 18, Fig. 5; Zcichnungcn anderer gleicher im Besitze von Schaubert, Hansen und Roß
envarten noch ihre Publikation. Ein Dorischcs Kapitell, dcn Echinus als Kymation ganz durch Scub
ptur vollendct, zeigcn dic Kapitelle auf den KSpfen der Zungfraucn unter der Dekke der südlichcn
Pevsiasis am Tcmpel der Athena Polias zu Athen, und es geht auch dcr Echinus als Kymation tra-
d'tionell in der Nömischen Kunsi weiter; so an der Säule des Trajan zu Rom, an dcin bekannten
Monumente in Albano bei Xorwanä karall. r»d. II, in Pompeji bei Alaroi« II r. 37 und 49 1>I.
^ergl. Tcktonik I B. Einlcit. Der Ausdrukk c^watium ist so ftühc in die Altitalische Kunst und
'n das Lateinische aufgenommen daß Vitruv keine Uebcrsehung davon hat, und schon m der Tuskischen
^eise kennt diescr Schriftsteller überhaupt nur die Hellenische Tcrminologie z. B. i>In>tbu8, toru8,
EN!H>UU8, r>diieu8. Zn der Znschrist bei Schneider Oomment. i»I Vitruv. IV, 6. 1 eumatium-
Me inponito terrolluo i>Irino Lgito kommt auch 8iwi>8 xietr>8 vor. Tertulian «!o »lolatr. 8
^watia Üi8teiitlere et multa alia ornamenta xarietibu8 incru8taro. Spätere nennen alle vor>
springend sich überncigenden Formcn überhaupt Kymatia z. B. ^nvell. «oblr. 285
7r«o« rkxroc-t sxai) ?.tAo7roto<§. Vgl. «xoll. XXV, II.
18) Fascia. Vgl. weiter unten Epistylion.
Epikranon. Kredemnon. Zu den Beweisen die hierfür schon I B. S. 142 gegebcn
kommt vor allcm noch «U8tatb. ail. Iliall. VIII, 84 >-«I ^-'--(>«^i> 07rr(> Lorr
^'ovo§ -rc-t r-«r L«t7r-S,-i> --(»)Sk«i>or> ktTrorr«, L7r--ro«r'oi> --LP«-.,)s. Vergl. Fascia in
^pistylivn. Auch auf dcn Kranz der Maucrn ist --oijöx^vor, als das Oberste vielfach übertragcn:
6uü. --->,,Z'kOt-ov -.x/ooot T-o x«rk->--ki>«t>^ir>or> --«- 7rk.-rot,/t-ir-oi, k-s --kP«-.,>. -»---«-VL-
^ --«t r« r--rkt,«r>t-> r--ör> r-Ot/cor-, o-or> r« -rkot,,4-.?,-««?-«.
19) Voluten. Der Ausdrukk volutav bei Vitruv III, 5, 5 ist ein abstrakter, welcher
"'cht der Sache, der Fascia selbst gilt, sondern nur dem Schema in welchem sie spiralisch »ach
öeiden Seitcn hin becndct und in eincn Knoten, oeub>8, in sich zusammengerollt ist; denn cr ncnnt
^iv pflanzenartigen übcreinstimmend gezeichneten Nanken untcr dcn Ekkcn des Abakus bcim Korinlhi.'
Ichen Kapitelle ebcnfalls IV, 1, 2 volutao, währcnd die in Mitten desselben belico8 heißcn und doch
Zieichwvhl derselben Analogie entlehnt sind. Die hellcnische Terminologie für diese Formen nachzu-
38
weiscn hat große Schwiengkeiten. Nach Hesychios ist^.iK'n«(>« «^t^^roOt,
änlich den Weinranken nach Xuecil. Laoinu. I, 426, 5 6 /Nttsrös 71/s tt/t-rxXor>. Daß das ht'
lixartige Schema aber nicht bloß auf die Volutcn des Kapitellcs bezogcn werden kann,wie Uos^cli. in
'^vAk,tteov ^tttttttt,/ 77tg L/.l^okt-)^s Lt> rot^ xl'ol7t schließen lassen würde, bcwcist sein Vorkommen
mitAnthemion aufStirnziegeln und andcrwärts; auch wasHesychios unter 2tt/^'xex(>os Xtor'os
meint ist nicht ganz klar, daß aber in seiner Erklärung rr^eos' -r«o« roks «Mr^rrrrooe /ee^os ^
2-oü ^o^tvAtov xtovos, dicses r-^l6§ nicht aus dic eben erwähntcn uolutenförmigen Nanken des
Kapitelles bezogen werden darf, indem von cinem Widdcrhorn nicht im entferntesten die Rede scin
kann, möchte einleuchten und es ist dieses Wort mit vicl mehr Wahrschcinlichkcit auf die vorragcndcn
Sparrenfüße des HLlzcrnen Korinthischen Gcison zu bezichen. Vgl. wciter untcn Geison.
20) Oeuius. Dies Wort halte Virruv III, 5, 6 als 6<xi9«/lxt6§ in scinen Qucllen; denn in
einer der lehten Znschriften über die Vollcndung des Erechthcion kommen zwei Vlätter Gold zur Der
legung dcs Auges der Säule: ^/uooF' Trertt/w 66o LcE/ssr? Muow LO 7co ölxs/tt/.uch 7oft rlt'orws.
21) Polster. Nähcr trisst Vitruvs Ausdrukk puiviuus und puivinatum vapitiiiuw füt'
dicse Form die Analogie einer aufgcrollten und zusammcngeschnürtcn Fascia, welche stets eincn pul'
viuus bilden muß. Aus den Worten cspituloi'uw vati» si pulviuata crunt geht hervor daß er auch
Zonische Kapitelle vor sich hatte, oder Kapitelle für Zonische hielt wclche »icht pulvinatii warcn, so>u
dern bloß volutao hatten änlich den Korinthischcn, wie dics Beispicle von der Form Taf. 30 Fig- ^
gcben wclche schr srühzcitig in dcr Ztalischen Kunsi aufgetretcn sein mag.
Die Fiktion einer in dcn Polstern darzustellcnden Belastung die wegcn dcs Ausdrukkcs pul-
vinus von Manchcm wohl aufgestellt werdcn möchte, muß deswegen abgewiesen werdcn wcil in dcr
Hellenischen Kunst dem Kymation die Darstellung cincs solchcn zugewiescn ist. Merkenswerth >st
daß die Lateiner den Ort am Baumstamme Icctiea nennen wo die Aestc abspringcn, kH"'
II. XVII, 14, 22.
Es ist zu bedaucrn daß Vitruv nicht die Hellenischcn torwini für volutao, nxvs, zgulvilu
erhalten hat, weil somit die ursprünglichen Vezeichnungen welche ein hellereS Licht über die AnalogiM
dieser Formen verbreiten würden, verloren gegangen sind.
22) Axos volutiu-uw. Hier kann unter uxis nur die Axe gemeint sein welche dcm Gc-
danken nach durch das Ccntrum odcr Auge der Volure geht, und um welche die Faseia in sich »uft
gerollt erscheint. Die Worte Vitruvs III, 5, § 7 nxo8 volutaruw noe eiassioios siut c^uaw oeu>>
wgFuituilo ote. sind mir hicr ebcn so wie allcs Andre von § 1 an völlig unverständlich.
Lalteim; ist als Gürtcl in Mitten dcr Polster nach dcm angegcbenen Begriffe ohnc Zwei-
fel; dahcr auch das Attisch-Zonische Kapitell keines solchen Baltcus bedurfte.
23) ^sti-iiFali. Sic sind in dcn Zeichnungen sowohl bei den Zonischen als Attisch.'Zonische"
Kapitellcn in dcr angcführten Bedcutung deutlich gcnug zu crkcnnen. Vitruv erwähnt diescr Fo>'w
bcim Polster gar nicht, eben so wenig kennt er cin Attisch.-Zonischcs Kapitcll als solches.

4. Freistchender Pfciler.

AlS eine dem Dorischen gleichfallö fremde Stühenform muß der vierfeitige
öfter verjüngte Pfeiler angenommen werden den die Jonifche Kunst an Stelle
der Saule verwendet. Zwar wird diese Stühenart schon von manchem Alten nüt
Unrecht als eine neue fünfte Säulengattung bildend unter dem fraglichen Namen
^.Itica columiw aufgezahlt, jedoch scheint diefelbe weder alö freistehende Stühe noch
39

in der Anwendung als Wandpfeiler eine ursprüngliche zu sein, vielmehr den


Bildungen anzugehören welche sich erst nach den Perserkriegen und mit dem Sinken
der Kunst in Jonien einfinden; wenigstenö ist daö Alter der Propyläen zu Priene,
bei welchen die Anwendung derselben schon als System auftritt, durch Jnschrift alö
don Alerander dem Makedonier geweiht beurkundet, der Tempel des Apollo bei Mi-
let mit Halbpfeilern dieser Art im Jnnern aber war bekanntlich selbst zu Pausaniaö
3eit noch unvollendet.
Da diese Stühenform, statisch betrachtet, weniger Stabilitat in sich trägt als
blue cylindrische von gleicher Grundstäche, deöhalb auch mehr im Innern der Bau-
lichkeiten und neben Säulenreihen als im Aeußern angewandt erscheint wie in dem
eben genannten Propyläenbaue, so kann ein technischer Grnnd snr ihre Gin-
führung nicht wohl erkannt, sondern dieselbe nur aus dem Hange der Jonier zu Ab-
wechstlndem und Neuem abgeleitet werden; eine Annahme welche in der That durch die
w't großer Vorliebe gepflegte Production neuer wechselnder Kunstformen in der Kapitell-
bildung welche nothwendig aus der Pfeilerform folgen musten, allerseitö bestätigt wird.
Denn nicht nur bedingte die Pfeilersiühe einen neuen Schematismuö der Kapitelle, son-
b"n es ließen auch diese Kapitelle die Entwikkelung einer Menge Varietäten innerhalb
chrer allgemeinen Hauptform in der Weise zu, daß das Kapitell eineö jeden andern
Pfeilers einer und derselben Reihe, mit andern ganz abweichenden Einzelnheiten ausge-
stattet sein konnte; dieö beweisen die vielen Pfeilerkapitelle unter den Trümmern von
Priene nebst den Kapitellen der Wandpfeiler oder Halbpseiler im Innern deö Apollo-
tenipels bei Milet. Schon ein solcher Wechsel in der Bildung ist aber eine Freiheit,
welche die Strenge und das Gleichmaaß der ältern Hellenischen Kunst niemals würde
bestattet haben, er gehört der spacern Kunst überhaupt an und es siehen manche
b'efer Forme/deöwegen als unerklärt da, weil die Mittelglieder verloren gegangen
st^b mittelst welcher eö möglich wäre an die ursprüngliche Form anzuknüpfen. Der
Stamm der Pfeiler in Priene zeigt sich glatt ohne Rhabdosis und nach oben zu verjüngt.

Kapitcll. Unter den verschiednen Pfeilerkapitellen treten besonders zwei


^uuptsormen hervor; nämlich eine nach zwei Seiten, und eine nach vier ^seiten
bntwikkelte Form.
Für die nach zwei Seiten analog dem Kapitell der Mittelsäulen (als Vor-
beransicht und Seitenansicht) cntwikkelte Form, geben jene Pfeiler der Propyläen zu
^eiene die Norm an. Sie ist ohnerachtet ihrer Corruption, doch ein Anklang an die
Mdolutirte Fascia des Säulenkapitelles im Schema und dem Zuge deö Epistylion
enksprechx^h gcbildet; jedoch fehlt ihr schon diejenige Hauptform welche in jedem Ka-
pitelle den statischen Conflikt, daö Abstühende für die Dekke versinnlichen muß, das
40

Kymation, ohne daß irgend eine andre Form welche diesen Begriff versinnlichte an
dessen Stelle eingeführt ware. Da eö wider die Natur der Sache streitet eine involutirte
Fascia in ein solcheS Schema gebracht zu denken, so muß von einer weitern Er-
klärung dieser Form, bevor sich nicht ein Mittelglied findet rvelches an ihre Ableitung
von einer nicht mehr vorhandenen ursprünglichen Form anknüpfen kann, auch gänz-
lich abgesehen und vor einer unbewusten und gedankenlosen Nachahmung derselben
gewarnt werden. Hinsichtlich deö bloßen Schematiömuö zeigt sie dieselbe Einsei-
tigkeit wie daö Säulenkapitell, indem sie für jeden Ekkpfeiler, stehe er unter einem
Epistylion welcheö einen ausspringenden oder einspringenden Winkel bildek, stets einer
besondern Umformung bedarf.

Spira. Gleich dem Kapitell ist auch die Spira der Pseiler zu Priene sche-
matisch der Säulenspira nachgebildet; natürlich ist statt deö cylindrischen Trochilus
ein als Scotia gezeichneter Cubus eingelegt, dem rechtekkigen Profile des Stammes
entsprechend.

Zu den Zeichnungen.
Taf. 39. Die Figuren geben unter 1 und 2, 3 und 4 je eine Fronte und Seite dieser Pfei-
ferkapitclle an den Propyläcn zu Priene, aus dem Werke von Moses und Vulliamy. Die in A»-
ordnung und Erfindung trefflichen Pflanzenformen und Bildwerke vermögen es nicht die Mängcl der
Hauptform zu verdekken, welcher alles Verständniß abgeht. Es liegt hier schon eine Corruption vor,
wenn sie auch durch Hellenische Bildnerhand begangen ist, und schwerlich wird die ganze Form ci»e
Erklärung gewinnen können da ihr wie gesagt die Hauptformen eines Kapitelles, das Kymation
Confliktsymbol, wie der Astragal zwischen Stamm und Kapitell fehlen. Die einzige Uebereinstimmung
mit dem Säulenkapitelle liegt in der Anlage einer Fronte und eincr Scitcnansicht; aber ein Kapilcii
für einen Ekkpfciler wird mit diescm Schema nicht zu gcwinnen sein.
Die Spira der Pfeilcr wie der Halbpfeiler ist an diesem Monumente aus den Formen dcr
mit ihnen correspondirenden Säulenspira Taf. 26 Fig. 10 gebildct.

5. Gesaulter Pfeiler.
Eine freistehende Stützenform welche viel häufigere Anwendung gesunden jtl
haben scheint als der reine Pfeiler, ist die im Grundrisse oblonge, auö eineM
Pfeilec mit zwei angehängten Halbsäulen erbildete Form. Wie schon beim Säuleu-
kapitelle erwähnt ist wird diese Form in mancherlei Fällen namentlich aber da
bedingt wo eine Säule nicht hinlänglicheö Auflager für ein sehr breiteö Epistylion
bietet, zwei Säulen dicht neben einander gesetzt aber weder eine so sichere Abstützung
als eine zusammenhängende Masse ergeben noch eine günstige Entwikkelung der Kapn
tellform zulaßen würden, oder aber dann so dicht neben einander zu stehen konmien
müsten daß ihre Stämme ebenfalls in einander griffen, mithin beide doch auö einer Masst
41

gearbeitet werden musten. Der Pfeiler, sei er nun quadratisch oder oblong, bildet
hierbei den eigentlichen Kern der Stühe, die Halbsäulen durch welche der Pfeiler Lie
"öthjge Standflache empfängt, treten in daö Verhältniß von Seitenstühen, jwra-
«taticae, jedoch ist von ihnen daö Maaßverhältniß der Pfeilerform im Grundriße
abhängig. Als noch vollständig erhalteneö Monument mit solchen Stüßen, abgefehen
von der Korinthischen Formenweise derselben, zeigt sich daö bekannte Grabmonument
bei Mylasa; in Ionischer Weise ist nur daö Doppelkapitell einer solchen Stühe
einzigeö Beispiel erhalten, wogegen sich in Bruchstükken Dorischer Form ebenfallö
vielfache Beispiele derselben finden, bei welchen stetö daö Kapitell deö Pfeilerö dem
Kapitelle der Ante nachgebildet ist. Schon im Zeuötempel zu Olympia findet die An-
wendung einer solchen Form statt welche auö einem guadraten Pfeiler mit einer vor-
gesehten Halbsäule besteht, jedoch wohl auö Phidiaö Zeit herrühren mag.
Ein andrer hierher gehörender Fall bedingt auö gleichen Gründen einen herzför-
Migen Grundriß für Stühen die ansiatt der Ekksäulen unter der Ekke eineö Epistylion
stehen sollen welcheö einen einspringenden Winkel bildet, wie dieö stetö bei Perisiylien
vorkömmt welche im Jnnern eineö Baueö einen hypäthrischen Raum umgeben und
oin Atrium bilden. Eine solche Stühe besteht auö einem guadraten Pfeiler, dem an
ben beiden Seiten, welche die äußere Kante bilden und daö Epistylion entlassen, Halb-
säulen vorgeseht sind; eine Formation welche den einzigen Auöweg bietet ein Kapitell
Jonischer Weise im vollendeten Schema der Voluten zu entwikkeln, waö bei dem
früher erwähnten gewöhnlichen Kapitell der Ekksäulen nicht möglich war.

Zu dcn Zeichiiungen.
Taf. 27. Die Fig. 3, zu lehtercr dcr Aufriß 5, zcigcn solchc gesaultcn Mittcl-Psci-
Fig. 3 jst von dem cnvähntcn in Korinthischcr Form gchaltencn Monumcnte bei Mnlasa Zon.
^terth. Kap. 7, Taf 29. Einen quadratcn Pfciler mil zwci Halbsäulen Dorischer Form giebt
Tcfl- 28, Fig. 5, aus dcms. Werke Kap. 7, Taf. 35.
Taf. 33 Fig. 1 Grundriß, Fig. 2 inncrc, Fig. 3 nach dcm hypäthrischcn Raumc gcwandte
äußere Seitc eincs gcsäulten Ekkpscilers. Einen quadraten Pfcilcr mit einer angcschten Halb-
läule Dorischcr Form im Tempel des Zcus zu Olympia, theilt Zlbcl Vlouet im Werkc dcr fran-
^sischcn Expedilion in Morea mit.
Taf. 27 Fig. 6, 7 giebt das crwähnre Doppelkapitcll Zonischcr Form auf cinen Pfcilcr nach
dem Grundrisse wic Taf. 27, Fig. 3.

N o t e n.

Pfeiler. Die alten Namen für Pfeiler, Halbpfeiler, Ante, Thürgewand, sind sehr schwan-
de"d und gchcn so in einander übcr daß ohne ausdrükkliche Bezcichnung ofi nicht zu unterscheidcn ist

3onika ic. u. 6
42
was gemeint sei, die spätem Altcn selbst scheincn die Unterschicde dieser Theile in der architektonischen
Bedeutung, nicht mehr gekannt zu haben, wie die folgenden Erklärungcn zeigen.
Wie fri'iher bemerkt ist der Ausdrukk ^lttica oolnmna für den freistehenden Pfeiler nicht
sicher, jedoch konnte Plinius und nach ihm Zsidorus, nur dicse Pfeiler meincn wenn er von einer
ncuen Säulcngattung redet. Uila, xostis ist sowohl ein freistehender wie cin Wandpfeiler. kaulus.
kila, ljuas paristem sustentat, ab vppononilo (?) llieta est. — IVonius: /1nto8 sunt lzumlra-
turae: uncio ot antse lüctao liurnlrso oolumnso. Sind antao auch die Thürpfosten, bei Uaul.
^ntipg^menta, valvarum ornamonta, lzuao sntl8 gppingiuntur, ill ost gktlnFuntur, so lst ««li-
xa^monta von sntao als Pfeiler hergeleitet eine schlcchte Etymologie, wcil antoxaAmonta Vttl
kleidungen odcr Vekleidungen sind wclche sich cben so gut auch unlcr dem Stillicidium bcfinden
könncn, wie in Vitruvs Tuskischem Baue.— 8orv. Vi'rF. Koorg II, 417 propriv sunt antos owi-
nentioros lapiilos, vol columnao ultimso, ljuilius kakrica «ustinotur: ot .appellantur antcs
«5rö roü «rrLcrri/xklr'. — kaul. /Intos sunt extrom! orllinos vinoarum: un<Io otiam nomon trs-
buiit antao, ljuao sunt Istora ostiorum.— 6I088. listil,. Vila, 7r«pttl7r«<7ls, rl«r -rceporor'ttS.—
Phlia schcint nur der Thüre anzugehören. 2onarr>8 I,oxc. p. 1814 Az /l7re- rö 7r/«/,o^ rr/S
i'-öosc. i) Trttpttorlch ö-rov rrc iclrttrttr x«r r5rL0Llöxr«r. — Ilosvcli. 7roo,7roor, ,)rr«p«<7rtt§ rrjS
^öptt^. — 6I088.1-alib. P?.rtt. posti^ , limen. Dassclbe ist Stathm os; Ltz'm. AlaN». ortt^/cös' ?ÄS
f/öp«§ — ^noc«I. kgcbm. 1,369, 21 ^r«A«äiv: rwch 7r«pttl7rttSwr rssg ^öp«§, und so änlich
andre Grammatiker. Vgl. übcrhaupt I Bd. S. 148. Viellcicht die deutlichste Erklärung von Wandsäulen
gicbt Ilosveb. //ttOKlirttöL^. oi npös ro/s ro/^olK rxrottollxrol Xl0VL§, wogegen 'Opi/oc7r«r«r
bei Lurip. lon. 1148 die freistehenden hölzernen Pseiler sind welche das Dckkcngerüst des Zcltes tra<
gen. Vgl. O. Müller Hdbch. d. Archäol. § 278. I'arrwtgtieso bei Vitr. V, 1, 6 sind dcn Säulen
angesehte Halbpfeiler welche den Fußboden des obern Geschosses aufnehmcn sollen (wie die Halbpfei-
ler in Milet): 6olumna8... babonto8 po8t 80 para^taticas... «juso 8U8tinont trabos in ljui-
bv8 i'nvobuntur porticunm cvulignationos: 8upra<iuv ei>8 aliao pgrastatioao... ljugs excipiunt
itom trgbv8 8U8tinonto8 cgntborium vt portious ljuso 8unt 8ubmi88g inkrg tostiillinom tecta-
Roliljug 8pgtia inter parastatiearnm vt eolumnarum trabos ete. Solche Anordnung zeigcN
die Schiffkirchcn des Mittelaltcrs an den Dicnsten oder Drciviertcl-Säulen welchc den Pfeilern
zwischcn Mittclschiff und Scitcnschiff nach vier Seiten ausgcbend, angesctzt sind und nach dcm höhern
Mittelschiffe zu die Gcwölberippen dicses Naumcs, nach dem Seitenschiffe zu die Nippen für den
Aufjah der Fcnsterwand des Mittclschiffes, sodann die Rippcn für die Gewölbcdckke des Seitenschiff^
aufnchmcn. Eincr eisernen bogcnförmi'gen Dekkenkonstruktion auf solchen Halbpfeilcrn crwähnt die
Jnschrift kabrett. p. 688, n. 100 Imp. 6ge8. Uorvao 'l'raiani ^lu^. imgj;iiie8 ar§ont. parasta'
ticas eum 8»i8 oriiameiitis, et robulis, ot basibu^, vt eoneamoratioiio korrva 6. chulius
^^mpbiu8 8ua poeunia posuit, llonumljue «lollit oto. Vgl. ?Iiu. II. lV. XXXIII, 3, 15.
Uot. llir. p. 163 wird 6olumna, parastatica erklärt.

6. Wandsäule und Wandpfeiler.

Wandsäule. Eben so wenig ursprünglich, gleichwohl älter als der frei-


stehende Pfeiler, ist die zur Bildung der Wand hinzugezogene und in deren Seite
eingebundene Säule, die Wandsäule, Parastade oder Parastatica^); denn
weil die Anwendung der Säule in dieser Art schon ihr Vorhandensein alö frei stehende
43
Stühe vorauöseht, kann sie dann nur noch alö Schema wirken sobald dieses an ihr haf-
tende Wesen auö welchem allein ihre statische und künstlerische Form hervorging,
durch Construktion mit der Wand wieder vernichtet, vornemlich aber die Bestimmung
alö raumöffnendes Glied völlig aufgehoben und in das Gegentheil verkehrt wird.
Jnzwischen liegt die Absicht der Wandsaule ganz unverdekkt in dem Bestreben der
Alten ausgesprochen: jedem hieratischen Bauwerke als ursprüngliches Merkzeichen eines
gvttgeweihten HauseS die untersäulte Dekke oder daö Pteron, wenigstens dem An-
scheine nach selbst in dem Falle zu verleihen wo die Bedingungen deS Raumbaues
ein solches Pteron nicht gestatteten, sondern an Stelle dessen eine geschlossene Wand
erforderten; so entstand die mit Säulen verblendete Wand alö eine Scheinarchi-
tektur, wie der Name Pseudoperipteros und Pseudodipteroö bezeugt welchen die
Alten einem heiligen Hause beilegten dessen Wände in solcher Weise aufgefaßt waren.
Beispiele hiervon bieten der Tempel deö Olympischen ZeuS zu Agrigent, die westliche
Fronte des Erechtheion, der kleine Tholus des LysikrateS zu Athen und andere; selbst die
Wandsäulen welche in der Cella deS Apollon bei Phigalia an Stelle von Anten
vor die Stirn jeder vorspringenden Wand geseht stnd, können ihrer Bestimmung nach
nur hierauö erklärt werden.
Die Absicht einer Materialersparung beim Bau der Wand, welche man sür die
Eyistenz der Wandsäulen wohl geltend machen möchte, würde ein völlig unpraktischer
Grund dafür sein; denn wenn man die Wand auch auf die Hälfce der nothwendigen
Stärke beschränkte, als Ersah der ersparten Hälfte und zur nothwendigen Verstär-
kung dagegen die Wandsäulen so weit auöladen ließ alö daö Epistylion der Dekke in
seiner nothwendigen Breite Aufiager finden muß, läßt es sich doch leicht durch Rech-
"ung darlegen wie die viel größern Arbeicökosten für Versehung der Wandsäulen,
Sculptur der Kapitelle, Stämme und Spiren, die Mehrkosten des MaterialeS für
kine volle schlichte Wand ungleich überwiegen möchten, zumal bei dem Ueberflusse
uu trefflichem Baumateriale eine Oekonomie dieser Art nie bei den Alten wahrgenom-
'Uen wird und ihr ganzeö Dekkensystem auch gar nicht darauf hinweist, auch würde,
wenn sich dies nicht so verhielte, der Bau aller Tempelwände mit Wandsäulen oder
Verstärkungöpfeilern von Ursprung an als Princip aufgetreten sein. Die
geringe Stärke der Wand zwischen den Halbsäulen am Erechtheion ist zwar That-
suche, und am Zeustempel zu Agrigent mochte sie im gleichen Verhältniße stehen ob-
wohl jhre Construktion hier besonderS wegen des Epistylion (welcheö nach den
^ittheilungen acht Fuß vor der Wand hätte überragen müssen ) praktisch viel
cäthselhaftes hat, kann demungeachtet die andre ausgestellte Ansicht keineswegeS da-
durch entkräftet werden; nicht sind auö einer beabsichtigten Verdünnung der Wand die
Wandsäulen, sondern umgekehrt ist auö den beabsichtigten Wandsäulen die Verdünnung der

6*
44

Wand hervorgegangen und erst nach denr Gedanken der Wandsaulen konnte die dünne
Wand zwischen ihnen auökömmlich erscheinen. Die Wandsäulen zeigen sich am Erech-
theion auf der Fläche der innern Wand als schwach vortretende Wandpfeiler be-
endet, wie es auch wohl in AkragaS mit den Dorischen Wandsäulen der Fall gewesen
sein mag; ihre Kapitelle sind nicht im mindesten von einem zur Hälfte getheilten
Kapitelle der Säulen unterschieden, waö ebenfalls von ihrem Stamme wie von
ihren Spiren Gültigkeit hat.

Wandpfciler. Auf den in die Wand eingebundenen Wandpfeiler ist im


Allgemeinen daö eben Gesagte gleichfallö anwendbar, er ist in derselben Art als die
Wandsäule an der Wand hingeführt, wie beispielsweise die Pfeiler an den Wänden des
Propylaion zu Priene. Die Römische Kunst welche die Anwendung dieser Form sehr
liebt, verstärkt den Schein einer freistehenden Stühe an ihr außer der RhabdosiS
welche sie dem Stamnie hinzugefügt, noch durch die Kapitelle und Spiren die den
entsprechenden Formen der runden Säule entlehnt und auf die rechtwinklichten Wand-
pfeiler übertragen sind; so am Tempel deö Augustuö zu Pola, dem Tempel der Fo»
tuna zu Pompeji und Andern.
Noch eine Anwendung der Halbpfeiler ist übrigenö zu betrachten welche im
Jnnern der Räume vorkömmt, hinsichtlich ihreö Verhältnisseö zur Dekke aber als
eine struktive Nothwendigkeit auftritt; ein Fall der sich in der Cella deö Apollo-
tempels bei Milet erhalten hat. Tritt nemlich die Aufgabe hervor im Jnnern der
Cella ein doppelteö Geschoß mit seinem Fußboden der Wand vorzulegen und hierzu für
das Epistylion mit seinen Balken ein breites Austager vor der Wand zu bereiten, ohne
gleichwohl leHtere durch AbseHen zu schwächen, so konnten dieser Anforderung nur Wand-
säulen oder Wandpfeiler genügen welche im Maaße der untern Breite deö Episty"
lion vor der Wand vorsprangen. Auö diesem Gesichtöpunkte sind die Halbpfeiler in
dem ebengenannten Werke zu betrachten und eS folgt auch aus dem Umstande eine Bestä-
tigung dieser Annahme, daß die Wand zwisZ^en den Pseilern nicht schwächer ist sondern
dieselbe Stärke besiHt welche sie im Pronaoö und dem diesem folgenden Raume hat;
sie mußte also schon stark genug an sich sein und nur jene Anforderung deö AuflagerS für
eine mittlere Dekke konnte die Wandpfeiler vor ihr entstehen laßen. Ein zweiteö historisch
beglaubigtes Beispiel wo solche Pfeiler als pgrgsiaiicZc; einen gleichen Dienst leisteten,
bietet bekanntlich die Basilica des Vitruv. Die Kapitelle der Wandpfeiler in Mi-
let stimmen mit den Pfeilerkapitellen innerhalb der Propyläen zu Priene im Schema
überein, und obgleich sie etwas länger gestrekkt also in geringerem Höhenverhältniße
gehalten sind alö jene, ist dennoch eben so der Raum zwischen den hörnerartig auf-
gerichteten Voluten in der Vorderseite wie auch die Ansicht ihrer Nebenseite, bei jedem
45

andern Wandpfeiler durch anderes Bildwerk gefüllt. Diese Sculpturen welche mehrfach
den Greif als Apollinisches Symbol in Verbindung mit Pflanzenzügen darstellen, sind
ini Ganzen immer noch mit Geist und Leben erfunden, auch der Raum der Bildfläche,
der einen weit freiern Spielraum zu Varietäten darbietet als die feste strenge Form
^orischer oder Attifch-Jonifcher Antenkapitelle, ist für daS Schema derselben trefflich be-
"uht worden; indeö fehlt diesen Kapitellen gleichfalls das Kymation als nothwendige
Hauptform. Spiren sind nicht aufgefunden worden.

Zu den Zeichnungen.

Nach den Zeichnungen der Hcrausgeber in dcn Zon. Alkerth. haben die Kapitelle der Wand-
Vfüler bei den Propyläcn zu Priene, gleichc Form mit den Kapitcllen dcr freistehenden Pfeiler im
^unern diescs Naumes, Taf. 39 Fig. 1 bis 4. Znzwischen sind die Mittheilungcn übcr diescs gänzlich
^asirte Monumcnt wegcn der Abnormitäten die ste zeigen, mit großer Vvrsicht aufzunehmen. Taf. 39
5 nebst Seite 6 giebt ein Wandpfeilcrkapitell aus Pompeji, welches mit den gleichen Kapitcllen
dem Apollotempel zu Milet auf Taf. 37 (bei welchen Fig. 2. die Scite von Fig. 1), in der
?aupkauffass„ng sehr übercinstimmt. Taf. 31 Fig. 6 nebst Scite Fig. 7 nach eincm Fragmente bei
Uanesi, gicht eine Korinthistrende Nebenform.

N o t e n.
I) Parastadc. Ueber den schwankendcn Ausdrukk rr«^tt<77-«s ist zu vergleichen was in
^ Note Pfciler zum vorigcn Kapitel beigebracht wurde. Wie in dem Worte 7r«(-ttcrrtt§ sters der
^buff xjnxg Seite oder an dcn Sciten stchenden liegt, so mag dies bci -mtuv auch wohl
Fall sein.

7. A n t e.

Den Ort an der Wand wo daö Epistylion zur Bildung eineö geöffneten Rau-
abfpringt und freitragend zur Säule hinübergefpannt wird, oder umgekehrt, wo
^ freitragendeö Epistylion von der Säule herkommend durch die Wand aufgenommen
und fein Auflager gewinnt, bezeichnet die Jonische Kunst gleich der Dorischen
eine Ante. Jst auch die Ante stets eine vorbereitende Form der Wand zum
^o^ginn eines geöffneten Raumes und deöwegen stetö mit einem freitragend von ihr
^gehenden Epistylion als demjenigen Gliede verknüpft, burch welcheö allein der geöffnete
6uin möglich und die Dekkung zur Bildung eines solchen fchwebend über dem Boden
^^ulten wird, so ist sie gleichwohl doch nur eine Kunstform und eö kann weder eine
46
statische noch konstruktive Nothwendigkeit für ihr Vorhandensein aufgewiesen werden. I»
dieser Bedeutung einer nothwendigen Kunstform welche die Verbindung deö freitragen-
den Epistylion zwischen Saule und Wand vermittelt und nur den Ort an der Wand
einnimmt wo eine solche Vermittlung statt haben kann, unterscheidet sie stch we-
niger in der Form als in der Oertlichkeit und Verwendung sehr scharf von
dem Wandpfeiler, indem dieser nie unter einem freitragenden Epistylion zu denken ist,
sondern stetS ein Epistylion über sich vorausseht welcheS auf der Wand voll auftuht,
mithin nur alö bloßeö Gliederschema besteht. Hätte die Ante diesen ihr beigeleg-
ten Begriff nicht sondern dieselbe Bedeutung als der Wandpfeiler, würde sie auch
vom Ursprunge an in den Hellenischen Werken gleich Letzterem gebraucht und iu
gewissen Abständen regelmäßig wiederkehrend an der Cellenwand hingeführt sein, wo-
gegen jedoch alle ächt Hellenischen Bauwerke streiten. Sie ist mithin in demselben
Maße eine nothwendige Kunstform, als der Wandpfeiler eine beliebige war, sie ftßl
stetö den Beginn eineö geöffneten Raumeö neben sich vorauö, während der Wandpftiler
nur bei einer geschlossenen Wand neben sich möglich war.
Diese ursprüngliche Bedeutung der Ante welche sich selbst noch in späteu
Werken Hellenischer Weise unverwischt erhalten hat, erklärt auch ihre Anwendung alö
Pfoste bei der Bildung von kleinern Oeffnungen deö Raumeö, oder da wo die Wand
zu einer Thür oder einem Fenster geöffnet ist, ein Fall welcher folgerecht auch die
Anordnung eineö Epistylion im Hyperthyrion über ihr, zur Bildung der Oeffnung
nach sich zieht; obwohl es hierbei nicht übersehen werden darf wie durch eine solche un-
streitig spätere Formenauffassung dieser Oeffnung, der scharfe Unterschied aufgehoben wird
welcher zwischen der Ante und zwischen den Antepagmenten oder Umgränzungen des
Fensters und der Thüre besteh^, indem erstere eine Form ist welche mittelst deö EpisE
lion derRaumdekke eine Oeffnung bildet, die Antepamenta aber ganz abgewaudt
von der Raumdekke eine Oeffnung der Wand für sich versinnlichen.
Außer dieser allgemeinen giebt eö aber noch eine besondere charakterische Vee-
wendung der Ante, welche alö festeö Gesetz in den Hellenischen Kunstsormen erschei>ü
und nicht minder scharf für ihren Begriff wie für den Unterschied vom Wandpftiltt
zeugt. Dieö ist jhre Anwcndung zum Verkleiden der Stirn jeder vorspringendeu
Wand, im Gedanken deö Abschlußeö oder umgekehrt deö Beginneö da, wo die Wa»d
alö begränzt dargestellt werden muß; und zwar ist dieö stctö der Fall auch wenn keiu
freitragendeö Epistylion grade nach der Richtung deö Wandvorsprunges sondern nach ie"
gend einer Seite rechtö oder linkö von hier abgeleitet wird. Die Ante bildet iu
allen solchen Fällen immer die Stirnform der Wand zum Beginn oder Schlusl
ihre vordere Breite wird deshalb nur um so viel die Dikke der Wand überschreiteu
müssen, als grade nöthig ist sie als Wand begränzende Form körperlich abzuheben, wäheeu^
47

daö Maaß der einen Seite von welcher kein Epistylion abgeht ganz schinal und nur als
Endung hjer dargesiellt, das Maaß der andern Seite von welcher das Epistylion frei-
tragend abgeht, natürlich aber der Breite des Gliedeö entsprechend und gleich dem
Maaße der Stirnbreite ist. Eine solche Anwendung stndet die Ante gesetzlich bei jeder
^aumsorm welche durch zwei vorspringende Wände gebildet wird zwischen deren Enden
^aulen stehen; so bei der Tempelform in aniis oder ^ mag diese rein als
solche für ^ch bestehen*) oder mag sie von einem Pteroma umgeben sein, wie die
Pläne der Tempel Dorischer Weise in den angesügten Zeichnungen zeigen. Auch in
Falle zeigt sich der erklarte Begriff der Ante wo einer Tempelwand in der ganzen
^reite eine Prostasiö vorgesetzt ist, so bei der östlichen Prostasis des Erechtheion; wo die
^tspringende Ante daö fteitragende Epistylion mit ihrer ganzen Breite aufnimmt, wah-
teud jhre Seite ganz schmal alö Beendung um die Ekke geht.
Steht daher die Ante so daß nur von der einen Seite ein fteitragendes Epistylion
^geht, mird sie mit Einschluß der Stirnseite zwei breite und eine schmale Seite haben; ge-
^en aber nach beiden Seiten hin Epistylia von ihr ab, wie beim PronaoS der Nemesis zu
Oehamnus und deö sogenannten Theseion zu Athen, wird sie auch drei gleich breite Seiten
dMpfangen müssen.
Von dieser Oertlichkeit wie von der oben gezeigten Verbindung mit dem Episty-
hangt also die Form deö StammeS der Ante ab, welcher sich natürlich auch Kapitell
^lid Spira unterfügen.
Diese Deduction der Form beruht auf den Erweisen wie sie die Attisch-Jonischen
Dorischen Werke ergeben und wird auch schwerlich angefochten werden können; eö
^bt inzwischen doch der Erweis mittelst acht Jonischer Hinterlässe deöhalb zweifelhaft,
sich bis jetzt weder vom Tempel beö Apollon bei Milet noch vom Poliaötempel zu
^>ene, Spiren von Anten geschweige benn Stämme und Kapitelle haben auffinden
in den mitgetheilten Grundrißen dieser Gebäude aber die Anten ohne Maaße nur
Verinuthung angegeben sind; der Grundriß der Propyläen zu Priene selbst zeigt daS
chwankende in der Bildung, da die gleichseitig gezeichneten Anten auf der östlichen
üroute im Vergleich zu den auf der westlichen Fronte, für die aufgestellte Ansicht fprechen.
dieftm Dilemma bleibt kein andereö Mittel übrig als der Antenbildung in den Attisch-
^vnischen Werken zu folgen, wie sie beim Tempel am Jlissos, beim Niketempel und
^ ^ella der Athena Poliaö zu Athen, dem Begriffe folgerecht gebildet erscheint.
Spira und Scamm. Wie bemerkt haben sich in den ächt Ionischen Monu-
^bvten bis jetzt weder Spiren noch Stämme von Anten auffinden laßen, obwohl nicht

v ^ ') Vemerkung. Hiernach ist unser Grundriß dcs Tempels auf Taf. 23 so wie die Erklärung
* ^lntc l. B. S. 147 zu berlchligen.
48

zu bezweifeln ist daß neuere Untersuchungen der Trümmerhaufen Bruchstükke davon zu


Tage fördern würden, da die Wände der Räume hier und da biö zu einer gewissen Höhe
erhalten sind.
Kapitell. Ein Gleiches muß leider von dem Kapitelle der Ante gefagt wer-
den; eö ist keineS aufgefunden welcheö für die Betrachtung normale Erweife geben
könnte. Mag man aber auch fchließen und folgern wie man will, so ist gewiß daß es
nicht möglich sein kann einKapitell für die Ante zu formen welcheö nach dem Schema
der im vorigen Abfchnitte erwähnten Pfeiler und Wandpfeilerkapitelle auö Priene und
Milet gebildet ist, weil eö weder für eine Ante gelten kann welche drei gleiche, oder zwei
gleiche und eine schmale Seite hat noch eine Ante die (in Mitten einer Wand stehend)
nur eine breite Seite hat. Es ist nur ein Kapitell denkbac welcheö nach allen Seiten
hin eine gleiche Formation erlaubt, wie daö Kapitell der Dorifchen und Attisch-Jonischen
oder der Korinthifchen Ante; man darf sicher nicht Anstand nehmen daS geistvoll an-
gelegte Kapitell auö den Trümmern von Eleusiö, von dem man mit Vitruv sagea
muß es feien bei ihm Ilores et acrrntlioz elcAaoler scastitos, alö Beifpiel hierfm
zu sehen.
Von Spiren der Ante ist wie gesagt ebenfallö kein Ueberrest in den Trüm-
mern von Priene und Milet aufgefunden.
Entfprechend dem geltend gemachten Grundsatze, jedoch ganz und gar nach der
Dorifchen Weise hingeneigt, ist die Attisch-Jonifche Ante aufgefaßt, wie sie das
Erechtheion, der Niketempel und der Tempel am Jlissoö zeigen. Jndem sie hier eine Mit-
telform sein soll welche durch Aufnahme deö freitragenden Epistylion den ganzen RauM
der Prostasiö mit der Wand zu verbinden, umgekehrt alfo die Gemeinsamkeit derWand und
deö wandumschlossenen Raumeö mit der Prostasis herzustellen hat, so wird dies durch eine
Correspondenz der Kunstformen und zwar in der Weife erwirkt, daß die Ante von dee
Säule im Allgemeinen daö Schema der Spira, von der Wand aber den Athemion-Ha^
empfängt welchen sie auch der Säule mittheilt. Ihr Kapitell besteht wesentlich
änlich dem Dorischen auö AbakuS, Kymation mit Astragal; im befondern aber et-
scheint das Kymation doppelt über einander, da eö wegen der Verhältniße aller TheÜt
metrifch nicht möglich war einen starken Konflikt durch ei n Leöbifcheö Kymation von deM
Maaße deö Dorifchen Kymation auözudrükken; hierbei ist daö untere Kymation st^
in Echinuöform, das obere bewegtere alö Leöbischeö gezeichnet. Für das Fkb'
halten der Attifchen Kunst an alter Hellenischer Strenge spricht daö Vollenden diest^'
Form durch Malerei, wie eö der Tempel am Jlissos und der Nike Apteros zeige^'
beim Erechtheion hat jedoch fchon die gefärbte Sculptur daö größere Gewicht erlang^
Betrachtet man was im Vorhergehenden über die Säulen und Pfeiler nebst
ihren Pfeudoformen bemerkt isi, so zeigt sich deutlich zu welchen Bewegungen des
49
^'inzelnen in der Forni, zu welchen Vielheiten namentlich in den Formen der Kapitelle das
^onische Prinzip führt: diese stühenden Glieder nicht allgemein auf die Dekkung hin-
deutend zu bezeichnen wie im Dorifchen, fondern einfeitig diefelben nur auf das ihncn zu-
"ächst folgende Glied, auf daö Epistylion bezüglich zu charakterisiren. Vergleicht man die
^orifche Bildung dagegen, so war die Form des Säulenkapitelles nur eine, für jeden
Standort dieselbe, für jedeö System der Dekke gleich gültige; eben dies gilt für die Ante,
und es war möglich deren Kapitell felbst für jede Pfeilerart alö gültigeS zu gebrauchen. Man
uürd in der That unwillkürlich an den bekannten Gegensatz erinnert welcher in dec
^^ilosophie und Literatur beider Hellenischen National-Stämme so scharf unterfcheidend
hervortritt; denn wie die Dorifche Philofopie auf dem Grundfahe beruht: es giebt keine
^ewegung, keine Veränderung es ist alleö Eins und eine Einheit, so bewegt sich die
-oonischx in dem Gegenfahe: alleö ist im Fluß und in der Veränderung begriffen, jedeö ist
hür sich uiid» für sich selbst gülcig. Auf der einen Seite läßt eö sich nun nicht läugnen daß
hierdurch, indem für jeden befondern Fall eine befondere Löfung durch eine entfprechende
8orm verlangt, auch die Erfindung außerordentlich angeregt und eine Fülle von neuen
8orinen hervorgerufen wird; auf der andern Seite ist dagegen Thatsache daß eS nicht im-
'Hor möglich war die Konflikte und Widerfprüche die auö diefem Prinzipe floßen in der
^unstform genügend zu lösen, wie vor allem die Kapitelle der Ekksäulen füc ausfprin-
Zonde, und einspringende Ekken zeigen; indeß setzte sich der Jonifche leichtere Sinn übec
fflche Dinge hinweg an welchen der ernst erwägende und tiefer denkende Dorifche Geist
ho Anstoß nahm daß er sie zu umgehen strebte.
Wenn also die Dorische Kunst keine besondere, vielmehr eine für jeden Standort
gultige Säule d. h. für jede Säule eine Kapitellform hat so Innen wie Außen, hat die
Äonische Kunst für jede befondere Säule wie für jeden besondern Pfeiler ein besondereS
^opitell, weil dasselbe eben auf daö Epistylion und nicht auf die ganze Dekke geht.

Zu den Zeichnungen.
Taf. 38 Fig. 1, wobei die Gorgomaske nebst ihrcm Ansahe rcstaurirt ist, giebt das erwähnte
"pitcst aus Eleusts; diese Form ist auch des Abschlußcs in der Mittc fahig, wie ein andres gleich-
"is in Alterthümern von Attika mitgethciltcs Excmplar beweist. Dieses in Milte eincs Vaues
Jvnisch.'Attischen Kunstformcn bestehende Bcispiel zeigt wie vorsichtig man cs, eben wegcn der
^/uuhusblätter, mit dcr Vcnennung Korinthische Form zu nchmen habe. Fig. 2, nebst Grundriß
E'S-3, aus dem Wcrkc von Texicr giebt cine gleich organisirte Form spätcrcr Kunstzcit; ein andercs
^tuchstn^ cdlen Skylcs, in Fig. 4 restaurirt, theilt Stuart mit. Diese Beispiele, mit Bczug auf
^"l-3t F,g. g welchcs stch auch vierscitig organisiren läßt, und 8, wovon lehtcres dcm Znnern dcs Ko-
^U"l)i>chen Panthcon entlehnt, gcbcn so zlcmlich die Normcn sür alle Varietäten dicser Gattung an
dcnen cine Menge bekannt sind.
Taf. 34 Fig. 13 zcigt cinc Ante mit Kapitell und Spira, aus dcm Wcrke dcs Tcxicr, von
^Ncm Monumcnte derForm Lv zu wclchcm die Säulenspira Taf. 26 Fig- 2 gehört; schon
3°»ika rc. ,c. 7
50
die Abnonmtät dieser Grundrißform für ein Monument Jonischer Weise dcutct auf eine spätere
Zeit hin, die völlig charakterlose ohne Kymation gebildcte Form dcs Kapitellcs bestätigt auch diescs;
der Stamm der Anle verjüngt sich und zeigt einen mit Nosen belegten Hals; allcin nur von In,
tercsse ist die Form der Spira, indem sie sich von der Säulenspira Taf. 26 Fig 2 scharf unterscheidet.
Taf. 36 giebt in Fig. 1 die schmale Seite des Antenkapitclles vom Tcmpcl am Zlissus (die Ma-
lerei restaurirt) in Verbindung mit der Wand; Fig.3 das Gleiche vom Niketcmpel mit den unzweifeb
haftcn Nesten der Malerei; Fig. 5 nebst Spira Fig. 6 (Malerei theilweise restaurirt) die schon gänzlich
Ionisirte und deshalb Aufschluß gewährende Dorische Ante nebst Wand aus Eleusis. Fig. 7 ncbst
Spira Fig. 8, eine der Anten vom Tempel der Athena Polias zu Athen, wobei schon vollständig >n
Sculptur ausgesührt ist was bei den Fig. 1 und 3 nur in Malerci bestand.

8. W a n d.

Da die Monumente IonienS auch für diesen Theil des Baues wegen der
bedeutenden Zerstörung theils versagen theils noch nicht in der gewünschten Weise
untersucht sind, so hac eö vielleicht noch größere Schwierigkeiten als bei dem Pfeiler
und der Ante für die Formen der Kapitelle und Spiren feste Bedingungen zu g^
winnen; hierzu kommt noch daß sich in vielen zerstreut überkommenen Fragmentett
schon jener bloße Schematismuö zeigt welcher ein längst geschwundeneö Bewußtsein
des BegriffeS der Formen kund giebt und bereitö jenseitS der Grenze ihres GeseHeS liegt-
Vitruv schweigt bekannter Maaßen über die Ornamente der Ante und Wand gänzlich,
seine Andeutungen über Wandmalerei gehen nur auf die Wände der Privathäuser wie
sie sich in den Ruinen von Rom, Pompeji und Herkulanum erhalten haben; glükk-
licherweise aber sind in den Attisch-Jonischen Werken diese Formen so unversehrt erhalten
daß eS möglich wird auS ihnen und ihrem Vergleiche mit der Dorischen AuffassuNg
die Kapitelle und Spiren der Wand annäherungsweise zu gewinnen.
Die technische Herstellung der Wand ist in den Doricis schon erörtert und es muß
für den Begriff derselben auch im Jonischen, übereinstimmend mit den Monumenten, fest^
gehalten werden daß ein jedeS Hervorheben der einzelnen Steine oder Plinthen durch
welcheS der sogenannte Fugenschnitt zu Tage kömmt, sei es durch Brechen und Ver-
schneiden der Kanten jedes Plinthus oder durch irgend eine Bearbeitung seiner ganze»
Fläche, eine begriffswidrige und dem Gedanken entgegengeseHte Bezeichnung ist die nie-
malö in Werken ächt Hellenischer Kunst statt gesunden hat; die Alten sind stetS dem Grund-
saHe^ treu geblieben daß alle einzelnen Plinthen der Wand nur die Bestimmung haben itt
absolut dichtem Schluße sich zu einem einzigen ungetrennten Wandkörper und zu einer
einzigen Außenfläche zu vereinigen, mithin ebenso eine Einheit zu bilden wie die eitt-
zelnen Cylinder deö Säulenstammes oder die einzelnen Balkenstükke deö Epistylion. Äus
Liesem Grunde durfte kein sondernder Fugenschnitt eintreten weil er grade daS
Gegentheil bewirkt, indem er nicht nur die Fuge öffnet anstatt dicht verschließt,
51
sondern auch jede Plinthe für sich bestehend macht, mikhin den innigen Zusammenhang
aller Plinchen in der Darstellung aufhebt. Jene vereinzelt stehende und zweifelhafte Be-
werkung des PliniuS über einen Tempel in Kyzikoö an welchem alle Steine durch goldene
Fäden verbunden seien, waS man vielleicht für die Andeutung des Fugenfchnittes halten
wöchte, kann hierfür keinen Gegenbeweis liefern da die Zeit dieseö Baues nicht angegeben
und es aucb bekannt ist wie vorsichtig Plinius verdorbener Tept gebraucht werden müsse;
"st die Zeit deö SinkenS der Hellenischen Kunst führt den Fugenschnitt auch in
Äonischen Werken ein den bereitö Vitrnv als eine Augen ergötzende Graphik an-
preist. Wenn freilich die Nachahmung geschnittener Plinthen, also eineö edlern Mate-
p'ales, beim Gebrauche deö Mörtelputzeö noch eine Entschuldigung sein könnte, trieb man
doch bei den Römern die Liebhaberei dafür so weit daß die in Putz geschnittenen Plinthen
sogar noch durch verschiedene in der siärksten Jntensität ausgesprochene Farben von ein-
ander unterschieden wurden, wie dieö Pompejanische Bauwerke zeigen.
Jm Dorischen konnte die Wand keine besondere Spira empfangen weil sie mit
Säule und Ante den großen Stylobat als gemeinsame und deshalb gleichgeformte Unter-
lage besaß. AenlicheS zeigt die Wand der Attisch-Jonischen Weise; wenigstenö ist hier die
Fornr der Unterlage für jene drei verfchiedenen Theile diefelbe, der große Stylobat allen
genieinsam ein besonderer PlinthuS für irgend einen Theil nicht vorhanden. Die
^orische Wand hatte auch kein Kapitell, weil sie als ein Theil gefaßt war welcher da§
Epistylion mit dem Stylobat, die eine Ante mit der andern in gleichem Verhälknisse raum-
schließend verband; im Attisch-Jonischen dagegen erscheint ein Kapitell deöwegen, weil die
Wand nach oben wie nach unten zu als ein für sich Gül tige S und mit der Dekkung
lpt Konstikte StehendeS dargestellc werden muste, und dieser letztere Gedanke wird in der
^onischen Weise die sich zur Dorischen so entschieden gegensätzlich ausspricht, ebenfalls
pad noch schärfer hervorgehoben worden fein; wenigstenö bezeugen dieS alle Fragmente
ble niit Sicherheit als Spiren der 28and zu restituiren sind. Soll namlich die Äöand
"lö ein für sich Gültiges erscheinen welcheS zwischen Epistylion und Krepidoma eingesetzt
'st, muß sie in der Form nach unten zu beendet sein, einen besondern PlinthuS
^wpfangen und mit diesem durch Spira verknüpft werden; da diesen drei Voraussetzun-
gen nacürlich auch mindestens durch drei darstellende Formen zu entsprechen ist, werden sich
iu jeder Spira wenigstens ein PlinthuS zu unterst, eine Torenspira und ein dem
^öulenstamme änlicherRand oder beendender Ablauf sinden müssen. Den stärksten AuS-
deukk des Absonderns und der Beendigung in der Spira empfängt die Wand durch Ein-
sügung einxg umgekehrten Kymation zunächst dem Ablaufe; eine Anwendung deS
^yMation welche daher auch bei kleinen allein stehenden Altären und Pfeilern beinahe
pbgelinäßjg in der Spira wiederkehrt. Es liegt aber in der weiten Grenze welche die
oben gestellten Bedingungen ergeben, daß die größere oder geringere Schärfe mit welcher
7*
52
s,'e formell dargestellt werden oder mit welcher irgend einer dieser Begriffe in der Form
vorwiegender oder unbedeutender im Verhältniße zu den übrigen hervorgehoben wird,
eine Menge Varietäten hervorruft mithin eine größere oder geringere Anzahl ent-
sprechender Formen bildet, welche wohl eine vielfache Bewegung erzeugen aber auch leicht
über die gesehlichen Grenzen hinausfließen.
Die Attisch-Jonische Weise nähert sich wie schon erwähnt in ihrer Auffassung von
Ante und Wand sehr der Dorischen, obwohl sie dem Jonischen Gedanken der Sonde-
rung und Unterscheidung dieser Theile innerhalb des Gemeinsamen mit der Säule fest
hält. Daß hierin ein unlösbarer innerer Widerspruch liege bedarf nicht deS Erweiseö,
weil eö nicht möglich ist zwei sich im innern Principe so entgegenstehende Weise»
durch einen äußern Complep von Formen auözugleichen oder zu vereinigen ohne Eigen-
thümlichkeit und Charakter von beiden zu verwischen, mithin hierbei stetS mehr oder minder
vom Wesen der einen oder der andern auSgeschlossen werden muß; indessen darf zugestanden
werden daß eine solche Vermittlung so weit sie äußerlich möglich ist, auf eine geistvollere
Weise nicht hätte erwirkt werden können als dieö von der Attischen Weise geschehen ist.
Die Bedingung ihreö selbständigen Wesenö ist an der Attischen Wand folgendec
Weise auögesprochen. Nach oben hin alö Kapitell wird der raumschließende Theil der
Wand durch einen breiten Saum, Halö oder Ablauf beendet, welcher durch ein aus-
gerichteteö Anthemion als solcher charakterisirt ist; diesem folgt ein Echinus-
kymation mit Asiragal und ein LeöbischeS Kymation mit Astragal; ein ver-
knüpfender Abakuö mit zartem Kymation vollenden das Kapitell. Zuweilen wird
die Wand von der Ante dadurch unterschieden daß sie ein Kymation weniger empfängt
als die letztere, wie dieö am Tempel der Nike Apteros und an einer Seite deö Erechtheion
der Fall ist. Nach unten zu alö Spira wird die Wand gleich der Ante durch die For-
men der Säulenspira beendet; sie erhält einen obern Toruö, eine Scotia und einen
unternTorus. Dieö gilt für die Fälle wo die Wand mit Säule und Ante im Bezuge
steht, also für die äußere Seite derselben; alö Kapitell der innern Wandseite dagegen,
wo man der hölzernen Dekke wegen das Epistylion alö außer Verbindung mit der Säule
stehend nicht mehr alö solcheö anerkennen konnte und dasselbe zur Fläche der Wand hin-
zuzog, zeigt sich in den erwähnten Monumenten bloß der Anthemionsaum und
ein Kymation. Von einer Spira der Wand im Jnnern hat sich kein Beispiel erhal-
ten, mit Auönahme der westlichen Wand deö Erechtheion wo die Spiren der Halbpfeiler
welche den Rükken der äußern Halbsäulen bilden, auf dem hohen Podium aufsetzen dessen
tragender Kranz auö einem Kymation mit Astragal und Abakuö besteht. Die Monumente
geben die Formen dieser Kapitelle theilö ganz durch Sculptur, theilö durch Malerei vollendet-
Bereits eben so abnorm als die Kapitelle der ihr zugehörigen Pfeiler muß schließ-
lich daö Kapitell der Wand auö dem Jnnern des Apollotempels bei Milet angeführt wer-
zz
dm; d-,,n -bqlnch durch die R-lh- Gr-if-n -in H->- d-r W-nd -ng-d-ut-k ,st, f-hl- d°ch
-b°„ s° »>i- b-i d-n Ps-ii-rn d-- «-r„°hmst° S,),„b°> d-s K-°i--,l--, d-- K,)M--i°„,
«->ch-- hi-r -I« -°nz unsch--»b-r- F°rm -uf d-n Ab-ku- jmülkg-j°g.n ist, jud-„, nmd
-»ch n,i- di-s-„ rhi-rg-st-»--' "°h> -i"- sbmb°>isch- Anspi.lung °uf d-n T-mp-,g«--, nich-
°b°r °i„. D-rst-llung »-- t.kt°n,sch-n B.griff.S °°r W-nd in B-zug -uf ihr- B--nd!gung
unter dem Epistylion auögesprochen.

Dekoratives.
Den beigebrachten Gründen zur Abmeisung des sogenannten Fugenschnittes für
Hellenische Tempelwand wird man schwerlich eine Entkraftung entgegenseHen können,
Zumal die Monumente selbst am überzeugendsten dasür sprechen. Wenn eS schon struk-
t>v die Bedingung aller einzelnen Plinthen ist, eine ungetrennte Masse und Einheit,
b^eichsam ein Monolithon herzustellen an welchem keine Fuge offen gelaßen ist, wenn also
"'cht das Offenlegen sondern das Schließen und Verdekken der Fuge als Grundsah da-
^ht, so l„uß jede Dekoration diesem nachkommen und ein graphisches Hervorheben allec
8ugen eben so begriffswidrig bei der Wand alö bei den Fugen der Säulencylinder und
^pistylbalken sein. Wie und wodurch man nach und nach auf diesen Fugenschnitt gekommen
läßt sich wohl erklären; er entstand auS der nicht vollendeten Glättung
scho„ versehten Plinthen; denn die Plinthen, vornehmlich aus Sandstein und grö-
^rrn Kalk, wurden zum VerseHen nur an den Kanten regelmäßig geglättet und erst bei
^vllendung des Baues bis zur Tiefe dieser Kanten abgeglättet; nur Eile in der Vollen-
^ung ließ sehr oft die Plinthen in dem unpolirten Zustande; dies beweisen eine große
^chl Bauwerke deS spätern Alterthumeö, namentlich das Colisäum zu Rom, bei welchem
Uur die Wandsäulen mit ihrem Gebälke geglättet, die Wände zwischen ihnen aber unvoll-
^udet in der Arbeit sind.
Eine andre Weise der Wanddekoration durch Wandpfeiler oder Wandsäulen nebst
^°^ändigem ZophoruS und Geison, mit welchen der Wand der Anschein einer Halle, eines
^teron verliehen werden soll, hat bereitö oben ihre Besprechung gefunden; indeS möchte
kö wohl kej„o Thatsache geben die so geeignet wäre den Widerspruch welchen der markirte
oUgensch„itt j„ sich trägt so offen heraus zustellen alö grade diese; denn während
lene ScheinstüHcn der Wandfläche zwischen sich den Anschein geöffneter Jntercolumm'en
beben jollen, bewirken die durch Fugenzeichnung stark markirten Plinthen grade umge-
khvt den Eindrukk der mit starken Plinthen zugeseHten Jnterkolumnien. Daß jedoch eine
«olche dekorative AuSstattung der Cellenwand bei der AedeS Peripteroö Vitruvs zu Grunde
^bge, anderwärtS dieselbe aber eine wirklich struktive Anordnung sein könne wie im Apollo-
^Mpel bei Milet, ist an den betreffenden Orten bereitS erwähnt.
54

Zu den Zeichnungen.
Die angedeuteten Begnffe in ihren wechselndcn Verschiedenheiten zeigt Taf. 35 in einigen
Beispielen.
Fig. 1. Der Gedanke dcs nach unten zu Beendeten in der Spira der Wand, ist seht'
scharf in einem hohen Saume oder Ablaufe mit cinem nach unten zu gerichteten Anthemion vere
sinnlicht welches dem kleinern 2lblaufe mittelst Astragal verknüpft ist; dicsem folgt der verknüpfende
Torus ncbst dem Plinthus. Von großcm Interesse ist in dicscm Beispicle daß die Spira dcr
Wand u bedeutsam von der Spira der mit ihr verbundenen Ante K unterschieden ist, obgleich beide
dieselbe Höhe, den kleinen Ablauf, Astragal, Torus und Plinthus gemein haben; cs möchte diescs
Beispiel wegen des feinen und doch dabei scharfen Unterschiedes zwischen der Spira, der Wand, Ante
und Saule, eines derjcnigen sein in welchen das Darstcllungsprinzip der Zonischen Wcise in se>»"'
ganzen Vollendung aufbewahrt ist.
Fig. 2. Auch hier crscheint dem kleinen Ablaufe der Wand ein bedcutenderer Ablauf nnt
verknüpfendem Zlstragal hinzugefügt; Torus und Plinthus wie gewöhnlich.
Fig. 3 und 4 zeigen cinen großen Ablauf in gleichcr Weise mehr oder minder vorwiegend;
eben so Fig. 5 und 6, wo zum Ueberfluße dem obern noch cin kleiner Ablauf beigegeben ist.
Fig. 7, 8, 9, 10. Zn diesen macht sich der berührte Gedanke bcsonders bemerkbar daß die
Wand als beendet und zugleich im Konflikte mit dem Krcpidoma stehend gedacht ist; dahcr das
umgekehrte Kymation. Dieses Kymation welches in Fig. 8 und 10 wie sonst noch in unzähligen
Beispielen, durch Sculptur in seinen einzelnen Vlattern vollcndet ist, giebt das treffendste Zeugniß füt'
die Nestitution derselben Form als Kymation da, wo sie wie in Fig. 7 und 9 jeht unvollendet
erscheint ursprünglich aber durch Malcrci der Blatter vollcndct war, und crklärt mithin die lehtere
an sich sonst nicht verständliche Form. Ein Gleiches gilt für die Beispiele in welchen die andcrn
namente der Spira unvollcndet vorkommcn; so crklärt a in Fig. 2, 3, 4 die gleiche Form »
Fig. 5, 6; e in Fig. 1, die Form o in Fig. 5, 6; u. s. w.
Fig. 1. Aus ^iie^rri; bci lkexier I'^sie mineur, I?I. 69. — Fig. 2, 4, 5, 6 bei kirrinesi.
Fig.3,8, bei Stuart.— Fig. 7,9, Alterth. v. Attika.— Fig. 10, Roma^iiosi, Ornem. «Iv 8eulpt.
Taf. 36 Fig. I. Kapitell der Ante und Wand dcs Tcmpcls am Zlissus, bei Stuart mitgethcilt-
Ein Vergleich mit der erhaltenen Malerei des Wandkapitellcs im Jnncrn, in Fig. 3, giebt ohne Web
teres bie Berechligung zur Herftellung dcrselben hier im Aeußcrn wo sie von Stuart nicht wahrgcnonu
mcn ist; man darf aber nur bedenken daß Stuart dassclbe Antenkapitcll in Fig. 3 schon fand und genau >n
den Maaßen und Formen als Kapitell eines vermeintlichen Pandrosostempels mittheilte, dennoch abcr d>e
eingerissenen Konture der Malerci übersah während sie Schaubert und Hanscn erst vor acht Jahrcn »n
denselben Kapitcllen nock wahrnahmen; indcs bemcrkt schon die Stuart'sche Textstellc zu diesem KapiteÜ
sehr richtig daß dasselbe wahrscheinlich dem ehemaligen Tcmpel dcr Nike Apleros angehören möchke-
Fig. 5. Dasselbe Kapitell der Wand außerhalb vom Tcmpel der Nike Apteros, von Noß,
Schaubert und Hansen mitgetheilt; die Umrisse der Malerei habcn sich sehr dcutlich erhalten.
Fig. 6. Auf Grund dcr vorigcn Beispiele und der für dic Säulcnspira gegcbcnen Hinwei^
sungen ist die Malerci des Halses und dcr Spira hier rcstituirt, die Malerci dcs Kymation vom K»-
pitelle ist erhaltcn; wenn hier aber als Beispicl Anle und Wand Dorischer Form aus Eleusis
angezogcn wird, so ist dics nur geschehen um den Beweis zu verstärken daß die Altischc Kunst ihee"
Werken Dorischer Wcise Zonische Gedanken cinverleibte; in dcr That konntcn eine besondcre Dasis
und ein besonderes Kapitell der Wand und Ante, wenn auch in gemeinsamen gleichen Formcn,
Attisch-Jonischer Gcdanke sein. Hättcn sich an diescm Beispicle die Fvrmen nicht s° bcstimmt und
Malerci vorbereitet erhalten, würdc man von manchcr Scite Zweifcl hicrgegen erhobcn haben.
Fig. 7 giebt die obigcn Formcn als am Erechtheion ganz in Sculptur vollendet; Fig. 8 die
Spira dcr Ante und Wand, bei der jedoch bemerkt werdcn muß daß am Tempel der Nike und dcm
Tenipel am Zlissus der unlere Torus stcts geringer ist als der obere.
Fig. 9 mit Profil Fig. 1» zeigt den Hals und das Kapitell der Wand vom Theater zu
Laodicäa, Zon. Alterth. Kap. 7, Taf. 51. Die Auffassung ist ganz Attisch.
Fig. 2.' Kapitell der innern Seite der Wand, Fig. 3 Profil, in der Cclla dcs ^.empels am
2lissus; das Anthcmion ist noch bci Stuart erhaltcn, das Kymation in seinen Blattelementen restaurirt.
Fig. 4. Durchschnitt durch das Epistylion und das Kapitell dcr Wand in dcr Cella dcs
^ikctempels. Die Umrisse zur Malerei des Anthemiensaumes und dcs Kymation sind crhaltcn.
Taf. 37, Fig. 3 zeigt die Kapitelle der Wandpfeiler aus der Cclla dcs Zlpollotcmpels bci
Milct in Vcrbindung mit dem Kapitelle dcr Wand in ihrcm schon ganz abnormcn Habitus.

N o t e n.
Wand. Die Altcn unterscheiden Alosclioxul. r-i/s
^ r« T-cur- ot'xtor», r-ttt ä r-0t/o§ «ooLr/tr-tüs. Ebenso ^nee<I. Laelnn. I, 38V. Das Versetzcn
Steine zur Wand bezeichnet Pollux VII, 119 sehr schön ^rsti'rAous «i'tt^tt-.-.xtV 5r§o§
d.as Versehen nach Waage und Loth ist Goniasmos, Ilesz'eli. /a-vrttoxtos' rot-
<7^0-.,/ ^a-ritos; vgl. riiue)<I. I, 93. Eine jede der Schichtcn ist nach Herodot I, 179,
, "^b. X, 22, Oioiloi-, III, 20 <5otto§, bci Vitruv II, 8, elioi-us; dahcr von ^oxios auch die verx
'chicdenen Arteni zu schichten, isoilomuni wo alle Schichtcn gleiche Hbhe, xseullisovomum wo sie
^»glcich. Diatonos ist cin Bindcr; vcrgl. Vite. I. e. und Llin. II. I^. XXXVI, 51. Aus der
^^lstelle des Letztern I. e. XXXVI, 22 wo er von eincm Tempel zu Kyzikos sagt llelubruw, iu
llUo lilum sureum commissuris omiiilius politi litpivis subieeit -rrtitox, wie sie hicr steht, ist
nichts zu machcn; will man ja an cine Vergoldung der Steinkanten an den Fugen dabei denken
° würde dics bereits in die Zeit kurz vor Alexandcr fallen wo sich immerhin schon das Herausheben der
, "gen durch Veclicfcn oder Brechcn der Stcinkanten als Unzicrde dcr Wand zcigcn mag; ursprüng-
. ^ kann davon nicht die Nede scin. Vitruv IV, 4, 4 sieht freilich schon cine lleleetatio darin und
>>eit ;>om circum eoogmeiits et eubilia emii>eiito8 exjirossioiios grgpliieotoriim elüeieiit iu
^llvctu üeleetationom, wonach also mitlclst der hervorragenden Kanten um die Stoß- und Lagcr-
^gcn hxui Anblikke Ergötzung am Graphischen gcboten wird Beim Putze durch Stukk und Mörtel,
die Nachahmung rhychmisch geschnittcncr Steine oder schöngefärbtcr Marmvrkrusten, als Schein
cdlern Materialcs, besonders von den Nömern geliebt wurdc, heißen Quadern und Feldcr Aba-
^ Und Spiegel; so bei Vilr. VII, 3, 10 ipssque teetoria abaeorum et sxeeulorum llivisioni-
oiicii 8o prominoiito8 Iiabent expie88ioue8. Plinius nennt mrirgiuatiiv tabulsv.

9. E p i st y l i o n.
Jn der Oertlichkeit und Konstruktiou wie in der statischcn Funktion stimmt das
pistylion im Ionischen völlig mit dem Epistylion im Dorischen Baue überein, es
'eiit eben so zur Bildung deS Pteroma mittelst der Saule und seder einzelne seiner
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Balken spannt sich in gleicher Weise von einem Säulenkapitell zum andern über die Jn-
terkolumnien freitragend hinüber; indem gleichfalls nur das statische Moment der rela-
tiven Festigkeit auöschließlich in ihm wirkt, ist auch der bildliche Vergleich mit der
Fascia die einzig mögliche Kunstform unter welcher diese relative Tragsähigkeit versinn-
licht werden konnte, wie dies an den betreffenden Stellen früher schon seinen Nachweis
gefunden hat. Ungeachtet dieser Uebereinstimmung im Allgemeinen tritt das Jonische
Epistylion in Bezug auf Dekke und Dach in den vollkommensten Gegensah zum Dori-
schen, und wie schon in der involutirten Fascia deS SäulenkapitelleS auögesprochen wurde
daß die Säule nicht auf den gesammten Oberbau sondern nur auf das ihr angeschloffene
nächste Glied zu beziehen sei, vollenden die Kunstformen am Epistylion diesen Gedanken
indem sie dasselbe als nur der Säule angehörend von den ihm folgenden Theilen des Dach-
baueö geschieden darstellen und hiermit den ganzen gesäulten Unterbau zu einem vom
Oberbaue getrennten selbständigen Ganzen machen.
Jm Dorischen war nämlich das Episiylion nicht ein für sich Gültigeö sondertt
als ein Glied aufgefaßt welcheö nach Außen hin dem Triglyphon und mittelst diesem wie-
der dem Geison Existenz geben sollte; auö diesem Grunde wurde eö mit beiden Theilen
zugleich dadurch unlööbar verknüpft daß man die eigenthümlichen Formen von ihnen ent-
lehnte und sie ihm übertrug, worauö die Regula mit ihren Tropsen an seinem obern
Saume jedeömal da entstand wo je eine der geisonstützenden Triglyphen aufgesetzt und
an seiner Standfläche vorbereitend bezeichnet werden muste; ein Kymation an dieseM
Orte wäre deöhalb eine Unmöglichkeit gewesen weil dieses Symbol des Konfliktes und
der Scheidung ja eine Trennung bewirkt, mithin den beabsichtigten Zusammenhang
gleich aufgehoben hätte; grade nach diesem letzteren Sinne aber faßt die Jomsche
Kunst daö Epistylion in der Bedeutung und den Kunstformen auf, sie umgeht nichk
allein jede Anspielung auf daö waö dem Epistylion weiterhin folgk und vermeidet deöhalb
an seinem obern Saume alle Formen welche zur Vorbereitung und Ankündigung des
Dachbaues dienen könnten, sondern trennt absichtlich daö Epistylion von lehterem. Da-
her zeigt sich daö Kymation auf dem obern Saume deö Epistylion als eine charakteri-
stische Form, durch welche zwar ein folgender auflastender Theil angedeutet aber nicht allciu
< jede Anspielung auf daö Wesen desselben umgangen, sondern auch jeder rükkwirkende
Bezug desselben auf die Stellung der Säulenaxe, wie ihn doch die Dorische Tropfenregnla
festhielt, durchauö beseitigt und aufgehoben wird. Hierdurch ist denn ein ganz freier
Spielraum zur Anlage eineö jeden beliebig gegliederten Oberbaues gewonnen worden,
eö kann dem Epistylion ein Zophoruö oder Thrinkoö folgen wie gewöhnlich, eö kann aber
auch gleich ein Geison an dessen Skelle treten, wie bei der südlichen Prostasiö deö Erech-
theion. Um diesen Gedanken der Abscheidung deö UnterbaueS alö ein dem Oberbaue
ganz entgegengesetzteö Gliedersystem im Epistylion unzweifelhast und vollkommen z^
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«

machen, begnügt man sich indes hiermit nicht, sondern krönt das Kymation noch mit
einem kleinen Anthemionkranze, änlich der Sima alö oberste Beendung; diese Anthe-
wienkrone, auch Lysiö, ist die zweite charakteristische Kunstform des Zonischen Epistylion
welche sich überall an diesem Gliede zeigt sobald ihm nicht unmittelbar ein Geison sondern
em Zophorus folgt, wie eö doch gewöhnlich und als Norm erscheint. Solche Freiheit
und Unabhängigkeit in der Gliederung vom Dachbaue welche auö dieser Auffassung
der Kunstformen folgt, im Gegensatze zu den unveränderlichen starr an Triglyphon
und Geison gebundenen Kunstformen deö Dorischen Epistylion, ist einer der Fort-
schritte welche auö der Jonischen DarsiellungSweise entspringen und im vollsten
^staße dem Dorischen gegenüber zeigen welcher weitern und sreiern Entwikke-
lung ein und dasselbe bauliche System bei Verwendung der nationalen Kunst-
sonnen nach solchen Gedanken, unter der Hand der Jonischen Tektonen fähig war.
Eö kann nicht genug hervorgehoben werden welchen entscheidenden Einfluß grabe die
dekorative Auffassung deö Epistylion in dieser Weise auf die Möglichkeit auöübt die
gebundene Stellung welche die Säulen unter demselben im Dorischen einnehmen zu
lösen, sie in Hinsicht ihrer Jnterkolumnienweiten frei und unabhängig vom Oberbaue
se nach Ersordern einer andern Ausgabe anders zu ordnen und zu stellen. Einen
gleichen Einfluß hat dieS nach der andern Seite nach dem Oberbaue zu hinsichtlich
der Höhenverhältniße, zunächst wenigstenS auf den Zophoruö oder ThrinkoS;
denn wenn bei den erhaltenen Dorischen Monumenten die Hohe der Triglyphen mit
der Breite der Metopen stetS in einem gewissen Verhältnisse stehend erk'annt werden
Wuß, jst jm Zonischen die Höhe deö ZophoruS eine vollig unbestimmte und schwan-
Eende, sie hängt nur von der durchschnittlichen Hohe ab welche die Naumdekke ein-
nilnmt. Diese eine Thatsache allein würde übrigenS schon hinreichend sein um es
klar zu machen mit welchem Rechte bereitS die Hellenischen Baumeister auö deren
Schriften Vitruv seine Mittheilungen schöpft, die Dorische Weise mit ihren Kunst-
formen als völlig unbrauchbar für zeitige Anforderungen abweisen und nur die Jo-
nische alö praktische und erfüllende gestatten zu wollen.
Ferner zeigt daS Jonische Lpistylion auch in Auffassung der Formen welche
dloß auf sein Wesen an sich und auf den AuSdrukk der relativen Festigkeit gehen,
eine dekorative Spaltung in Vielheiten welche seiner Darstellung alö eine Einheit im
Dorischen entgegengesetzt ist, und während sich daö letztere nach seiner Höhe und
^reite nur als ein einziges mächtiges Trageband darstellt, ist an dcm Jonischen
^pistylion der Gedanke einer Mehrheit von Fascien über und ncben ein-
onder auögeprägt. Jm allgemeinen wird eö zuerst der Höhe nach durch zwei oder
örei Lagen von Fascien gebildet die mit der breiten Seite auf einander liegend gedacht
ßnd, wobei siä^ jede obere Fascia von der unter ihr liegenden durch einen geringen
3vnika rc. ». ^
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Vorsprung absondert und so als besondere Fascia in ihrer Höhe oder Stärke deutlich
hervortritt. Realer versinnlichen diesen Gedanken diejenigen Beispiele in welchen jede
obere Lage rnit der untern durch einen Astragal verknüpft erscheint; denn eben
durch diese zwei Formen verknüpfende Schnur, will man deutlich vor Augen legen
wie jede der Fascien als einzelne und für sich bestehende anzusehen sei, welche mit der
auf ihr liegenden deöhalb besonders zu verknüpfen ist weil alle zu einer Einheit ge-
bracht werden sollen. Die höchste Stufe scheinbarer Realität nach diesem Gedanken
erreicht man freilich dadurch daß anstatt des bloßen Astragal, an dem obern Saume
jeder Fascia unter dem Vorsprunge der auf ihr ruhenden ein kleineS Kymation
angelegt wird; denn hierdurch scheint eine jede Fascia der andern belastend aufgelegk
und von ihr getragen zu werden und e§ ist der zu Grunde liegende Gedanke wohl
auf die realste Weise versinnlicht deren die bildende Kunst nur fähig ist, auch wird der
Name und die Erscheinung der kasciae bei Vitruv und an den Monumenten völlig klar.
Mit diesem Gedankengange war denn auch die Möglichkeit gewonnen eine Stufen-
folge und einen Unterschied in dem Grade der relativen Festigkeit und Trag-
fähigkeit der dekketragenden Glieder auözusprechen für welchen die Dorische Weist
ebenfalls keinen Auödrukk hat, und e§ ist in den Monumenten, wenn nicht im Ein-
zelnen so doch im Ganzen, dieseö TragfähigkeitSverhältniß nach folgender Konsequenz
versinnlicht. An dem Epistylion, als demjenigen Gliede der Dekke welches die meiste
Tragfähigkeit entwikkeln muß indem eö die Balken, Kreuzbalken und Kalymmatia
trägt, ist diese Tragfähigkeit dadurch versinnlicht daß eö auö drei Lagen Fascien
gebildet erscheint; der ihm folgende Balken dagegen, welcher bloö die Lastung von
Kreuzbalken und Kalymmatien auf sich hat, besteht nur auö zwei Fascienlag en; die
Kreuzbalken endlich, welche bloß die Kalymmatia zu tragen haben, sind als einfache,
seltener als doppelte Fascien gezeichnet.
Was für ein freieö Feld zur Charakteristik solcher statischen Verhältniße die-
ser letztere Gedanke bietet zeigt sich schon am Epistylion selbst, wo er auch die Erklärung
gewährt weöhalb oft die äußere Seite dieseö Gliedeö auö drei, die innere Seite dagegen
nur auö zwei Fascien oder umgekehrt gebildet erscheint. Der Grund hiervon ist
nämlich die schon im Dorischen erläuterte zweifache Funktion deö Epistylion, mit der
Hälfte seiner Breite nach Außen den Zophoruö nebst dem Geison, mit der andern Hälfte
nach Jnnen die Raumdekkung zu tragen; je nachdem man nun einer oder der
andern Hälfte eine größere Traglast zuwieö, je nachdem stellte man sie aus mehc
oder weniger Fascien gebildet dar. Diese nach zwei Seiten gehende verschiedene Be-
stimmung deö Epistylion wurde schon im Dorischen durch eine verschiedene jeder
Seite entsprechende Kunstform an seinem obern Saume angedeutet, da eö in der
nach Außen gewandten Hälfte mittelst der Tropfenregula auf daö Dach, in der nach
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Jnnen gekehrten mittelst deö geflochtenen Bandeö am Abakus auf die Balkendekke
bezogen wurde; prägt nun auch die Jonische Kunst eine gleiche Verschiedenheit der
Bestimmung nicht wie die Dorische durch direkte Anspielung auf die Ursache der
Verschiedenheit, sondern nur alö für daö Glied an sich geltend auö und zeigt dessen
getheilte Funktion schon dadurch in der Form an, daß sie die nach Außen fungirende
Hälfte von der innern durch eine verschiedene Anzahl auf einander liegender
Fascien unterscheidet und abtrennt, so folgt doch nothwendig hierauö daß dicse Tren-
nung auch der Breite nach bildnerisch vollkommen gemacht werden müsse, daß also auf
der untern sichtbaren Breite deö Epistylion ganz deutlich hervortrete wie dasselbe nicht
nur auö verschiedenen Fascien der Höhe nach über einander, sondern auch auö zwei
Fascien erbildet gedacht sei welche neben einander liegend von Saule zu Säule
gespannt sind, von welchen die äußere dem Dachbaue die innere dem Dekkenbaue an-
gehöre. Diese folgerechte Scheidung ist denn auch durch jene schmale Vertiefung
bewirkt welche von einer Säule zur andern die untere Vreitenfläche deö Epistylion
w zwei neben einander liegende Fascien theilt, von welchen jede ohne Zweifel durch
em Bandgeflecht oder Mäanderband, sei eö bloß in Malerei oder außerdem noch in
Relief auögeprägt, alö Fascia bezeichnet wurde wie eö sich in manchem intressanten
Deispiele erhalten hat; um hierbei der Fascienbildung die möglichste Realität und
Sinnenscheinlichkeit zu verleihen und keinen Zweifel über daö Verständniß jener Ver-
tiefung bestehen zu laßen, ist innerhalb der lehtern jede Fascienlage durch ein Ky-
U'ation mit Astragal gesäumt. So hat sich dieser Gedanke, welcher gar nicht
anders alö nur durch solche Formation versinnlicht werden konnte, unter andern am
Epistylion deö Athenatempels zu Priene in aller Ursprünglichkeit und rein im Formenaus-
brukke erhalten; Varietäten sind anderwärts in Fülle vorhanden. Ueberträgt sich nun der-
selbe Begriff des getheilten Epistylion auch auf die Balken und sind selbst diese nach
be>n Analogon einer doppelt neben einander gespannten Fascia gezeichnet, so sieht man
schon hierauö wieder wie konseguent und grundsählich daö GeseH der Vielheitenbildung
den baulichen Gliedern durchwirkt und sich als GegensaH der Zusammenziehung
uller Theile zu Einheiten wie eö im Dorischen war, so recht offenbar macht; in den
dorhandenen Bautrümmer und Fragmenten müssen indeö für die eben berührte
Forination sehr wohl diejenigen Beispiele unterschieden werden, in welchen daö Epi-
stylion in Mitten seiner untern Breite durch eine geflochtene Fascia in änlicher Ver-
liefung alö eine einzige Fascia der Breite nach charakterisirt ist, denn in diesem Falle
die Vertiefung nur auö der Nothwendigkeit hervorgegangen die Fascia in Relief
orbeiten zu können ohne die Tragfähigkeit deö Epistylion zu schwächen.
Wie in Allem so auch in diesem Falle hält die Attische Weise wieder die
^itte zwischen der Dorischen und Jonischen; wohl bildet sie die Epistylia und
8*
60

Balken nach Jonischein Gedanken durch mehrere Fascien über einander, eine Schei-
dung derselben in zwei Lagen neben einander läßt sie jedoch nicht eintreten, ja der
kleine Tempel am Jlissos, sicher das älteste in der Aufzeichnung übrig gebliebene
Werk Attisch-Jonischer Weise, zeigt selbst das Epistylion der gesäulten Vorhallen noch
in Dorischer Weise nicht nur als eine einzige mächtige Fascia in der Höhe dargestellt,
auch nicht bloß ohne Anthemienkrone am äußern Saume und siatt deren mit einem
Abakus versehen, sondern auch im Kymation und Astragale durch Malerei der einzel-
nen Blätter und Perlen vollendet.
Wie oben bemerkt stellte sich die äußere Seite des Epistylion in seinem Ky-
mation zwar als belastet, in seiner Anthemienkrone aber alö abgeschloßen dar, weshalb
ein beliebig fungirendeö Glied auf ihm beginnen konnte. Eine gleiche Säumung
wäre für die innere Seite auö dem Grunde nicht wohl möglich, indem hier schon
die engere Bestimmung vortritt daß stets nur eine Gliederreihe folge in welcher ein
Lem Epistylion ganz gleicheö statischeö Kraftmoment, die relative Festigkeit, wirkend
ist, mögen nun unmittelbar die Kreuzbalken mit Kalymmatien dem Epistylion auflie-
gen wie bei der südlichen Prostasis des Erechtheion, oder mögen diesen erst Balken
untergelegt sein wie gewöhnlich: daher findet sich am obern Saume des Epistylion
nach Jnnen weder eine Junktur wie im Dorischen noch eine Anthemienkrone wie
Außen, sondern nur ein Kymation mit seinem Astragal; es findet fich keine
Anthemienkrone, weil hier das Epistylion wegen deö ihm bestimmt folgenden Dekken-
systemes alö daö erste Glied einer gleichartigen Gliederreihe nicht für sich abge-
schlossen werden kann; es sindet sich keine Junktur, weil Gleichartigeö als von selbst
verständlich zusammengehört und einer Junktur nicht bedarf indem diese doch stets nur
ein Verschiedenartigeö als Folge vorauösetzt.
Auch auf dieser Stelle geben sich am Attisch-Jonischen Epistylion noch Do-
rische Anklänge kund, indem sich öfterö ein Abakuö über dem Kymation einfindet wie
am Erechtheion, auch das Kymation durch Malerei vollendet ist wie beim Tempel
am Jlissos.
Endlich muß noch das Verhältniß des Epistylion der Attisch-Jonischen Weise
hinsichtö seiner Auffassung da erwähnt werden wo seine innere Seite auf der Wand
innerhalb der Cella zum Vorschein kommt*). Daö biöher Gesagte bezog sich auf
das Epistylion in seiner Verbindung mit den Säulen deö Pteroma oder deö Prost»?
lon und der Wand in ihrer äußern Seite; abweichend hiervon erscheint daö Epistylion
da gefaßt wo eö auf der Wand in der Cella aufliegend nach seiner innern Seite
mit keiner Säule im Bezuge steht, also auch mit keinem von der Säule zur Wand
*) Zm Kap. 8 bci der Wand obcn S. 52 ist es verabsäumt auf diesen Satz, welcher erst hier seine reW
Stellung finden konnte, als für die Bctrachtung der Wand erläuternd, hinzuweisen.
61

abgehenden Epistylion in formelle Verbindung geseht werden kann, also in dem Falle
wo keine Saulen mit Epistylion als Träger der innern Raumdekke vorhanden stnd,
""e sich dies bei Cellen von so geringen Spannweiten findet als fie der Niketempel
und der Tempel am Jlissus zeigen. Jndem namlich die Ante als diejenige Form
össeht ist welche die Wand beendete um gleichzeitig das von der Säule her kommende
^pistylion aufzunehmen, muste nothwendiger Weise dieses lehtere Glied als solcheS
"Uf der äußern Seite der Cellenwand von einer Anke zur andern in seiner vollen
8orni stecig fortgeführt werden, obgleich es nicht mehr freitragend sondern voll auf-
^rgend diente; wurde hierbei die Dekke in der Cella ebenfalls durch Säulen mit
^pistylien abgestüht, so war auch die Herumführung der Epistylform auf der innern
^>eite der Wand eine nothwendige Folge, eS erschien alsdann hier eben so wie unter
deni Pteroma außen. Anders verhält es sich sobald innerhalb der Cella keine Säule
^vchanden war; weil in diesem Falle nach der gesunden Schlußfolge auch kein Epi-
stylion hjer der Wand erscheinen konnte, ist dieseö Glied als solcheö deöhalb nicht
>u der Kunstform festgehalten und ausgesprochen sondern übereinsiimmend mit den
""ter jhnt liegenden Plinthen der Wand nur als wandbildend, jedoch als Endung
, Kapitell derselben, änlich wie die Wand unter dem Epistylion außerhalb auf-
stbsaßt und durch Anthemienhals mit Kymation unter der Balkendekke abge-
säuint worden; so zeigt es sich in der Cella des Niketempels und wird den Resten
^ch in der Cella des Tempelö am Jlissus eben nicht anderö gewesen sein*). Man
wie auch diese Auffassung sich ganz in dem Principe bewegt nach welchem schon
^ außere Seite deö freitragenden Epistylion anders und auö andern Fascienlagen
^stehend gebildet wurde, weil jene den Thrinkos mit Geison, diese aber die Balken-
k ke deö Pteroma aufnahm. Ob eine Uebereinstimmung hiermit auch für daö Jnnere
einer Cellen Jonischer Weise anzunehmen sei, ist bei dem Mangel an Mittheilun-
hierüber auö Jonischen Monumenten schwer zu bestimmen.

Technisches-
Mit dem Epistylion nach Außen zu ist der Unterbau abgeschlossen, es begin-
^ hier auf ihm die Glieder des Dacheö; seine dem Jnnern zugewandte halbe
, ^eite bietet daö Auflager für die Glieder der Raumdekke, deö Pteroma oder der
^^ßern gesäulten Räume der Cella. Vom Epistylion bis zu Len dekkenden Kalym-
^kien jst xs, mathematisch und technisch ausgedrükkt, nur daö Momenc der rela-
*pen Festigkeit allein welches statisch wirkend ist und demnach allein zur Dar-

Wie die Fig. 4 und 2 Tcif. 36, welche schon oben S. 52 ihre Erklärung gesunden hnben, es beweisen.
62

stellung in der Kunstform jedeö Dekkengliedes an sich kommen kann; von rükkwir-
kender Fesiigkeit ist keine Spur in der Hellenischen Dekke vorhanden, denn diese ist
mit den Stühen und Wänden unter dem Epistylion beendet. Eine solche Bewand-
niß hat es überhaupt mit jeder Balkendekke, sei sie auö Stein oder Metall oder
Holz hergesiellt, und es liegt hierin daö unterscheidende Kriterion zwischen ihr und
der gewölbten Dekke, indem bei lehterer, mag sie auch gegliedert sein wie sie will, von
Ler Sohle des siühenden Pfeilers biö zum Scheitel des Gewölbeö doch nur daö Mo-
ment der rükkwirkenden Festigkeit daö auöschließlich und allein herrschende ist, wie dies
schon im ersien Exkurse auöführlich dargelegt wurde; wenn daher die Hellenische Bau-
weise zwei statische Momente, im Unterbaue die rükkwirkende, im Dekkenbaue die
relative Festigkeit alö zusammenwickende vereinigt, ist in der Bauweise deö Gewölbes
daö lehtere Moment allein daö wirkende; eine Verbindung der rükkwirkenden mit
dem dritten statischen Momente, mit der absoluten Festigkeit, ist erst in jüngster Zeit
mit den eisernen Spann- oder Ankerbändern als Basen deö gewölbten Dekken-
systemeö bei unö begonnen worden. Kein Wunder wenn auö diesem Grunde das
Band oder die Fascia in jeder Varietät alö erklärende Kunstsorm bei den tragew
den Gliedern der Balkendekke allein vorherrschte. Jst bei den Balken übrigenö vott
relativer Festigkeit die Rede, versteht eö sich von selbst daß die absolute Festigkeit itt
derselben einbegriffen sein müße, da erstere ja nur eine Folge der lehtern und oh»e
dieselbe nicht denkbar ist; die absolute Festigkeit deö Materialeö ist durch den Aus-
schluß der Elasiicität und Dehnbarkeit durch welchen der Zustand unbiegbarer Statt'-
heit und Steifigkeit herbeigeführt wird, zur relativen Festigkeit verkchrt und hat
so daö bauliche Material tragfähig gemacht.
Denkt man sich also ein dikkeö mächtigeö Band auö einem sonst wohl elastb
schen dabei aber unzerreißbaren Materiale geschnitten und auf alle Weise die Bieg'
samkeit wie Dehnbarkeit auö demselben entfcrnt, so wird nur die absolute Festigke't
ohne Weitereö zurükkbleiben und auö diesem Zustande der undurchbiegbaren Starrheit
die freitragende Kraft in horizontaler Lage, also die relative Festigkeit Ztl
Tage treten. Eö würde kurz gesagt daffelbe sein wenn man auö der absoluten Festi^
keic die Eigenschaft der Durchbiegbarkeit und Dehnbarkeit herausscheidet; bekanntlieh
sind aber auch Biegsamkeit und Dehnbarkeit der Materie auö dem baulicheu Glie^
dersysteme, alö der Bedingung deö nothwendigen Gleichgewichteö und des Verharretts
in der einmal eigenommenen Form entgegenstehend, auögeschieden. Jndem eö olso
hierbei nur auf Erwirkung der Undurchbiegbarkeit ankommt, kann man sagen daß eitt
Band auö einem Materiale von höchster absoluter Festigkeit zwischen zwei Austageett
so stark auögespannt um jeder Einbiegung von Seite einer aufgelegten Belastttttg
zu widerstehen, ein tragender Balken sei; hierbei kommt daö Material in gar keinen
63
Betrache und es ist ganz gleichgültig für den Begriff ob das Band aus Stein, Me-
kall oder Holz geschnitten ist, ob eö also einen Balken aus Stein, Metall oder Holz
öüden soll. Bei jedem Balken ist eS demnach die absolute Festigkeit des Materiales
Zustande völliger Unbiegbarkeit welche die Tragfähigkeit erwirkt; ist er aber nur
tragendes Band so kann seine Aeußerlichkeit auch nur durch Ausprägung in
diesem Analogon in ihrem vorherrschenden statischen Wesen charakterisirt werden.
Kymation seineö obern Saumeö zeigt alsdann daß er belastet und wirklich
tragend sti.
Vitruv HI, 5, 8 giebt nach seiner bekannten Art die Höhe deS Epistylion
von der Höhe der Säule abhängend an, indem er optische Gründe hierfür
b^tend macht. Aus diesem Jrrthume läßt sich nur das Wahre herauserkennen daß
der Höhe der Säule auch die Höhe deS Epistylion deswegen wachsen muß, weil
der Höhe derselben auch der Durchmesser, mit dem Durchmesser gewöhnlich auch
^ Abstandsweite der Säulen oder die Jnterkolumnienweite zunimmc mithin die
^angx der Epistylbalken wächst mit welcher stetö eine Zunahme der tragfähigen
nothwendig verbunden ist. Denn es ist empirisch wie mathematisch bewiesen
die relative Festigkeit oder die Tragfähigkeit des Balken mit dem Quadrate
l^Ner Höhe wächst und fällt, die Breite seineö Querschnittes kommt hierbei
^ nicht m Betracht, sondern bezieht sich nur auf den Widerstand gegen Ausbiegung
den Seiten; da nun daö in der Höhe sich auösprechende Moment der Trag-
^higkeit bei gleich festem Materiale mit der Spannweite oder dem Abstande der
uflager stets in einem bestimmken Verhältniße stehen muß, wird natürlich ein größe-
^ Abstand der Säulen ein höhereö Epistylion bedingen ohne daß eö nöthig wäre da-
eine höhere Säule vorauözusehen; eö wird bei gleich hohen Säulen die weitsäu-
^ Anordnung ein höhereö Epistylion verlangen als die dichtsäulige sobald man das
vnrent der relativen Festigkeit im Epistylbalken alö daS entscheidende hierbei fest-
selbst die anwendbar kürzeste Säule bedingt, rein statisch genommen, im Ver-
^Eniß zur anwendbar höchsten bei gleicher Dekkenlast und gleichen Abstandöweicen
^stlbe Höhe Epistylbalken als die leHtere. Natürlich können hierbei nur Mate-
^ule von gleicher relativer Festigkeit verglichen werden, da ein Material welches z. B.
8estjgkeit deö Penthelischen MarmorS hat, im Verhältniß zu der weit geringern
^lativen Festjgkeit deö Tuffkalkes oder SandsteineS bei weit geringerer Epistylhöhe
, leiches leistet; daher der Unterschied zwisä^en den Höhen der Epistylia und Dekken-
^ ^n in manchen Attischen Monumenten und denselben Gliedern in Sicilischen Bau-
^^n, welcher wesentlich im Materiale, weniger im verschiedenen Kunstalter zu
lUchen jst.

Statisch betrachtet erreicht also die Interkolumnienweite ihre Grenze in der


64

tragfähigen Spcmnweite der Epistylia, indes sind von hier ab, rükkivärtö bis zur
geringsten Spannweite gegangen, eine große Anzahl Verhältniße für die Säulenstel-
lung zu denken welche alsdann nur dem Willen des Baumeisterö oder dem befondern
Zwekke des Pteroma anheim gestellt werden können.
Wie im Dorischen finden sich auch in den Jonischen Monumenten die Epistylia
bei großen Breiten durch zwei neben einander gelegte Balken hergestellt, niemals
aber können zwei oder gar drei Balken so übereinander gelegt werden wie fie die
Kunstform nur wegen deS einzig möglichen Analogon als Fasciä darstellen musie,
indem bekanntlich mehrere so gelegte Balken kein höhereö Moment relativer Festigkeit
erwirken alö ein einziger derselben; Holzbalken machen hiervon natürlich eine AuS-
nahme, da fich dieselben wegen der Elasticität des Holzeö durch Verzahnung oder
Verdübelung zu einec materiellen Einheit verbinden laßen.
Was die Absähe betrifft welche eben das Epistylion oder den Balken aus
mehreren Fascien gebildet darstellen und rein nur dekorativer Natur sein konnten uM
eben Fasciä darzusiellen, so ist statischer oder sirukciver Seitö nicht der mindeste Grund
dafür vorhanden. Hierfür bieten die Monumeute selbst den Beweiö; denn die Vorder-
fiäche deö Zophoruö oder Thrinkoö auf dem Epistylion liegt stetö flüchtig mit der
Vorderfläche der untersten oder wenigstenS der zweiten Fascia und eö springt die Maist
der obern Fascia mit ihren Kunstformen ganz frei ohue vom Zophoruö berührt zu werde»
über sie hinauö. Eine nach oben zunehmende Auöbreitung deö Epistylion um deM
ZophoruS wie den Balken ein breitereö Auflager zu gewähren, ist also weder Bedin-
gung noch Absicht; eö würde für einen solchen Zwekk viel praktischer gewesen st'"
dem Steinbalken die ganze Breite welche er oben mit seinem Kymation hat zu laßeu
und die beschwerliche Arbeit deö Abnehmenö der Masse hier zu umgehen, wenn man niclfl
die Kunstformen, also die Fasciä, das Kymation mit dem Astragal und der KrömMg
hätte auösprechen wollen. Jn der That hat man auch der beguemen Steinarbeit wegeu
die Fasciä öfterö nicht lothrecht sondern nach oben zu einwärtö geneigt angelegt und da'
durch das Herausnehmen der Masse möglichst eingeschränkt. Den rechtekkigen Durchschu'^
anbelangend, so hat freilich ein Balken dessen Profil ein Dreiekk bildet welches mit deM
Scheicel nach unten gekehrt ist, dieselbe Tragfähigkeit wie ein rechtwinklicht geschnittenee
von gleicher Höhe, jedoch würde eine solche Formakion deS Steinbalkenö völlig unprak'
tisch sein; die nach einem solchen Profil gearbeiteten Holzbalken in Dekken deS M't'
telalterö, deren Auflager-Enden natürlich daö rechtekkige Profil behalten nmsten, zeige"
auch daß nicht der Zwekk einer Erleichterung der Dekkenlast bei ungeschwächter Tragfäh'ss
keit deö Balken, sondern nur die Caprice jener Kunst die fich im Brechen aller Kante",
als dem dürftigen Surrogate einer wirklichen Kunstform erging, diese Formatiou
hervorgerufen hat fur welche das weiche Holzmaterial einen gewünschten SpielrauM
65

öot. Für eiserne Balken, deren Form durch walzen oder durch gießen erwirkt wird,
treten natürlich ganz andre Profilformen auf wie für Stein.

Dekoratives.

Jst es nur die relative Festigkeit welche als statischeS Moment in der Helle-
nischen Balkendekke überhaupt und allein wirkt, so kann die nothwendige Folge hier-
von nur sein daß daö tragende Band, die Fascia, Tania, der breit geflochtene
^oruö, alö vorherrschende Kunstform in derselben erscheint; eö kann die relative Festig-
keit in den Epistylien, Balken und Kreuzbalken oder Stroteren, nur durch solche
Analogien versinnlicht, es können alle diese Glieder nur stärkeren oder zartern Fascien
der Kunstform verglichen und durch diese im Grade ihrer tragfähigen Leistung
charakterisirt werden; daher die bekannte Erklärung bei Hesychios nicht oft genug an-
Zezogen werden kann: eö sei die als Mäander bezeichnete Fascia eine charakteristische
Kunstform für die Dekke, rts daß hierbei daö Mäander-
band sich mehr für die zartern Kreuzbalken, daö stärkere geflochtene Band, der Toruö,
wehr für die Epistylia und Balken eigne, zeigten auch die Monumente. Zum
^rechtx tzxx Bandsorm kommt noch der schon beruhrte Umstand hinzu daß die relative
8estigkejt ^ur auö der absoluten hervorgeht; wenn also die erstere Festigkeit nur
ttNter der Analogie gedrehter oder geflochtener Stränge und Bänder in der Aeußer-
bchkeit eines baulichen Gliedeö versinnlicht werden kann, so wird dies mit der rela-
kwen Festigkeit ebenfallö nur geschehen können; eö ist ganz unmöglich diese lehtere
onders darzustellen alö unter der Form eineö Bandeö und die Thatsache daß
bieselben geflochtenen oder gedrehten Toren alö mächtige Hestbänder an den Spiren
der Säulen und auch auf der Unterfläche der Balken erscheinen, giebt den Beweiö
hierfür; für den Gedanken eineö zwei Gegenstände zusammenbindenden oder ver-
knüpftnden Bandes konnte eben so nur ein wirklicheö Band, in welchem also
absolute Festigkeit auöschließlich vorhanden war, zur versinnlichenden Kunstform gewählt
v^erden alö zur Versinnlichung der relativen Festigkeit im Balken.
Daß die meisten Balken und Kreuzbalken in den Monumenten jeht glatt und
uakkt vhne diese dekorative Form erscheinen, kann keinen Zweifel für unsere Annahme
"regen; denn diese Formen auf der Unterfläche der Glieder waren großentheilö ge-
'Ualt, nur in spätern Zeiten sinden sie sich durch Sculptur bewirkt wie die schon in
ber Einleitung gegebenen Beispiele eö nachweisen. Daß sie gemalt wirklich vorhan-
den waren und bei einer genauern Untersuä)ung in den Resten noch erkennbar sein
uiüssen, zeigte die intresiante Entdekkung Jnwood's aus den Kreuzbalken der Vor-
hallen deö Erechtheion, wo daö Mäanderband vollständig vorhanden ist ohnerachtet
3vnika rc. ,c. 9
66

frühere Untersucher dies nicht wahrgenommen hatten. Auf Grund dieser Thatsache
ist auch in den Zeichnungen zum ersten Buche die Dorische Dekke restaurirt worden,
auf die hier verwiesen wird.
Von Gewicht für die aufgestellte Ansicht ist es daß Vitruv noch den Namen
für die Bänder aus denen ein Epistylbalken alö zusammengeseht erscheinen soll, in dein
Worte kasciae erhalten hat, woraus nothwendiger Weise als Zeugniß für die Volu-
ten und Polster deö Kapitelles folgte daß sie den Gedanken einer daö Epistylion anzei-
genden involutirten Fascia in der Form darstellen musten; waö nun hierbei für eine
Fascia gilt muß auch für die Gesammtheit derselben gelten und eö kann das ganze Epi-
stylion nur alö eine einzige machtige Fascia dann gedacht sein, wenn es nicht als aus
zwei oder drei solcher Bänder zusammengesetzt dargestellt ist.
Die unterscheidende Abstufung zur Bezeichnung größerer oder geringerer Trag-
fähigkeit der Epistylia, Balken und Kreuzbalken, ist also wie gesagt unter dem Bilde ver-
schiedener Fasciä versinnlicht auö welchen ein Balken scheinbar zusammengesetzt war;
je augenscheinlichec und realer man dieö nun darstellte, desto verständiger muste der Ge-
danke werden. Daher war das Vorspringen der obern Fascien über die unteren der
erste mögliche Auödrukk hierfür; alö Bänder welche zu einer Einheit unter sich verbun-
den scheinen sollen, dienten zweitens verknüpfende Astragale zwischen den Fascien;
wird drittens jede Fascia mit einem Kymation gesäumt, wie dies in Römischen Mo-
numenten und Bruchstükken häufig der Fall, so ist der höchste Grad von sinnlicheM
Auödrukke dieseS Gedankenö erreicht, indem auf diese Weise scheinbar die untere
Fascia stets als die obere tragend oder von ihr gelinde belastet dargestellt wird und
beide ganz isolirte Körper zu sein scheinen die einander aufgelegt sind. Die Zeichnun-
gen geben Beispiele hiervon. Kann aber das statische Wesen deö Epistylion wie die
relative Festigkeit eineö jeden freitragenden GliedeS der Dekke überhaupt durch nichts
anders versinnlicht werden alö durch den bildnerischen Vergleich mit einer tragenden
Fascia, so gab eö auch kein andereö Mittel eine Stufenfolge in der Tragfähigkeit
solcher Glieder auözudrükken alö den Vergleich derselben mit einer einfachen oder
mehrfach aufeinander gefügten, also schwächern oder stärkern Fascia; hieraus erkläreN
stch die mehreren Fasciä bei Vitruv auö welchen zusammen die Höhe deS Epistyliott
gebildet scheint. Zur Veranschaulichung dieseS Gedankenö dient daö Epistylion Fig. 1
Taf. 30 von gleicher Höhe der äußern und innern Hälfte, wo r>, b, c drei Fascien
im Prostle zeigen welche so aufeinander gelegt sind daß die obere stetö über die untere
vorspringt. In den Fällen wo beide Hälften des Epistylion ungleiche Höhe habett,
wie in Fig. 4 und 2 Taf. 32, und beide durch die erwähnte Scheidung auf der untern
Seite als zwei neben einander hingespannte Fascien a und b gespalten sind, oder wie
a und cl auf Taf. 30 Fig. 2 ist die geringere Tragfähigkeit welche man an der einen
67
Hälste I Taf. 30 auösprechen will, durch z m ei auf einander liegende Fafcien b und c ver-
sinnlicht während die andere höhere Halfte >l durch drei solcher e, s, ^ bezeichnet
wird; die Scheidung bei 2 sondert beide Epistylhalften zu zwei neben einander lie-
genden Fascienlagen. Eben so besteht die innere Hälfte d deö getrennten Epistylion in
Fig. 4 und 2 Taf. 32 (erstere vom Propylaion, letztere vom Tempel der Athena zu Priene)
aus zwei, die äußere auö drei Fascien. Die Scheidung Fig. 3 Taf. 30 würde die
Form verstnnlichen wie sie in der Realität gedacht ist von welcher der ganze Gedanke
ubstrahirt wird. Am überzeugendsten und sinnlichsten tritt fowohl der Gedanke zweier
Ueben einander hingestrekkten Fafcienlagen, mithin der volle Sinn jenes EinfchnitteS
uuf der untern Seite der untersten Fafcia, bei Beispielen wie an dem eben berührten Epi-
stylion Taf. 32 Fig. 2 hervor, wo die äußere Hälste 3 wirklich auö einem befondern,
hohern, daher alö dreifache Fascia gebildeten Balken besteht während die innere b
ulö die niedrigere, nur alö eine zweifache gezeichnet worden ist; der Lheiljchnitt mit
stinen Kymatien vollendet die reale Anfchauung, indem diefe Kymatien ihrem Ge-
danken nach nur alö Säumung der obern sich in der Höhe endlich berührenden Kan-
wn beider Fascienlagen erscheinen; Fig. 8 zeigt hierbei dieselbe Formation deö Bal-
bens L Fig. 2 über diefem innern Epistylion und L»ig. / daö eben fo geformte
^eifpiel eineö Balken, auö ^exier I'^sie mineur. Taf. 30 Fig. 4, vom Epistylion im
Jnnern deö Pantheon, zeigt die Verknüpfung der drei Fafcien durch Astragale;
F'g- 5, vom Tempel des Jupiter Tonanö in Rom, giebt den Gedanken in der mög-
iichsi faßbarsten Form durch die Säumung jeder Fascia mit einem Kymatwn, wo-
durch jedx untere Fafcia alö mit der auf ihr liegenden im statischen Konflikte und
uls belastet erscheint.
Taf. 32 Fig. 9 mit Profil 10 giebt die durchgehendö gültige Form des Kyma-
iwn mit seiner Anthemienkrone oder Lysiö zugleich für den Konflikt und die Abfchei-
dung des Epistylion vom Oberbaue.
Wie übrigenö dieser Gedanke daö Epistylion aus zwei neben einander liegenden
Fnfcien bestehend aufzufasten, deren eine für die innere Dekkung, die andre aber für
den Oberbau außerhalb gilt, schon die hierauf anspielende Gürtung in Mitten deö
Polsters am Kapitelle hervorgerufen habe, ist bereitö erwähnt worden; alö Gegensatz
ift das Attisch-Jonische Kapitell deöhalb genannt weil hier daö Epistylion alö eine einzige
Fascia in der vollen untern Breite aufgefaßt ist, weöhalb keine Trennung oder um-
gekehrt Zufammengürtung deö Polsters in der Mitte statt finden konnte und Auö-
^ahmen wie sie daö Kapitell innerhalb der Burgpropyläen zu Athen zeigt, nicht alö
grundsätzlich gültige Formen anerkannt werden können.

9*
68

N o t e n.
Epistylion. Schon früheo ist darauf hingewiesen daß Architrav ein niodcrncr und gän^
lich unbezeichnender Ausdrukk für Epistylion sei und deshalb aus der baulichen Terminologie aus-"
geschlossen sein müsse; Epistylion könnte verdeutscht nur Säulenbalken heißen, zum Unterschicde von
einem Trägerbalkcn ohne Untersäulung. Isiü. Oii^. XIX, 10 Lxisl^liii sunt («e. tralies) yuae
suzier espitoUs oolumnarum xonuntur, et «st Kraeeum. Die Aufnahme des Wortes in das La-
teinische und seine ausschließliche Anwendung in diescm, bezcugen nur daß man ursprünglich hicr keincn
entsprechenden Ausdrukk dafür hatte und das Wort Umen zu nnbezeichnend dasür war.
Fascia. Wenn man also nur ein Band und dem Gleiches als 2lnalogon für den sm"'
bildlichen Verglcich der rclativen Krastdarstcllung im Epistylbalkcn auffinden kann, so ist es von gro-
ßcm Zntercsse daß auch Vitruv III, 5, 10 noch diescs bestätigt indcm cr jede einzelne Bandlaga
k»8eis nennt. Bekannt sind als tragende Gurtbandcr die tsseiss leeti eubieulsri^ bei 6ie.
vin. II, 65. Vergl. Nsrtml. V, 62 und XIV, 195, wie die lederncn Bänder 0,1^88. XXII, 20l.
Von Belang möchte noch die Glosse bei Hespchios sein Lrrix^ttVtt' 7i(>o<7X6Ptt>l«tce xce^uzc^tttrcH
L7reoru-.k« und xxPtt-.ossLcr^toii; dcnn wenn in dcn Doricis erwiesen ist daß Epikra-'
non das Kopfband der Säulc ist, hicr aber cbensalls für das Epistylion crklärt wird so scheint auch
dies auf die Fascia als dem dekorativen Analogon dcs Epistylion entlehnt und demselben gleich,
hinzuweisen.

9. Thrinkos vder Zophorus.


Die dekorative Scheidung des Epistylion in zwei neben einander hingespannte
Fascienlagen tritt wie schon gesagt in ihren Ursachen und Gründen bei den Theilen
so recht zn Tage welche von ihm Existenz empsangen; eö zeigen dieselben wie jene
Formenauffassung nur in dem Gedanken beruhe: die getheilte, nach Außen und 2»"
nen verschiedene Bestimmung deö Epistylion anzudeuten. Während dieseö Glied namlich
mit der nach Jnnen gewandten Hälfte seiner obertt Breite, also mit den innern
Fascienlagen die Köpfe der Dekkenbalken nebst deren Zwischenbalken aufnahm, dienten
die nach Außen gekehrten Fascienlagen dazu einen hiervon ganz verschiedenen Thei^
aufzunehmen, nämlich den Thrinkos oder Zophoruö. Dieser Thrinkoö, in der
modernen Sprache unbezeichnend genug Frieö (franz. krise) genannt, ist gleich dem
Triglyphon im Dorischen bestimmt daö Geison zu tragen, vornemlich aber hierbei
auch die Anlage der Raumdekke nach Jnnen zu verschließen; seiner Körperlichkeit
nach bildet er deöhalb eine dünne niedrige Wand welche in ihrer Stärke die Breite
der äußern Fascienlage einnimmt und stetig vor den Lagern der Balken und Kreuz-
balken ringö um den ganzen Bau geht.
Ein Vergleich dieseö stetig in der Form entwikkelten Thrinkoö mit dem nach
Axenbezügen getheilten, auö Stützen und Zwischentafeln geordneten Triglyphon, zeigt
einen weitern Sieg der Ionischen Kunstweise über die Dorische in technischer rvie
69

konstruktiver Hinsicht. Denn nach der ursprünglichen Bestimmung deö Triglyphon waren
die Metopen theilö wirkliche Open oder Fenster zur Erleuchtung der Cella, theils waren
s'e Aussüllungen zwischen den stühenden Triglyphen welche mit lehteren vereint daffelbe
bewirkten wie der Ionische Thrinkoö. Wenn nun in allen noch überkommenen Mo-
nuinenten Dorischer Weise, besonderö von der Form Peripteroö, diese lehtere Bestim-
Mung allein dem Triglyphon noch übrig blieb, mithin Triglyphen wie Metopen ihren
Nrsprünglichen Zwekk verloren und nur noch alö traditionelleö Schema bestanden, so
hielten sie nichtö desto weniger doch noch alö dekorative Schemata den Nachtheil
des Gebundenen in den Axenbezügen zur Saule unten wie zu den Viä deö Geison
°ben ftst und ließen so den Oberbau in beständiger Abhängigkeit vom Unterbaue
bestehen; in gleicher Weise übte daö Triglyphon seine hemmende Einwirkung auf die
d<wstellenden Bildwerke auö welche die Bestimmung des heiligen Hauseö zu crklären
haben, mdem die Metopentafeln stetö nur episodische Darstellungen und einzelne Mo-
Mente der Sage zulassen, nicht aber epische Bildungen welche chorartig entfaltet wer-
drn müffen wie der Gestaltenreigen am Tempel der Nike Apteroö oder deö Athena-Poliaö-
tempels zu Athen; von Seite der Struktur behielc endlich der künstliche Schnitt der
^iglyphen in der Falzung und Einsehung der Metopentafeln nebst der Auögleichung
dieser Struktur durch die Zwischenbalken nach Jnnen, stetS etwaö UnpraktijcheS im
^ergleiche gegen die continuirliche Wand deö ThrinkoS mit welcher alle diese Hemm-
Mße beseitigt sind.
Entsprechend dieser angegebenen Bestimmung nach welcher der Thrinkoö nicht
allein das Geison tragen sondern auch die Anlage der Raumdekke nach Außen zu
derschließen soll, steht derselbe natürlicher Weise mit der Raumdekke nicht bloß in
stetiger Wechselwirkung hinsichtlich seiner Höhe, welche von der durchschnittlichen
Höhe der Dekkenglieder bestimmt wird die sich hinter ihm bergen, sondern eö lst über-
haupt seilix ganze Existenz von diesen in der Weise abhängig daß da wo keine Bal-
und fteiliegende Kreuzbalken sondern nur Kalymmatia vorhanden sind welche un-
Mittelbar aus dem Epistylion ausliegen, auch kein ThrinkoS moglich ist, indem alsdann
nuch dag Geison unmittelbar aus dem Epistylion liegt und mit seiner Hinterhohe die
Kalymmatia verdekkt. Ein Beispiel hierfür giebt die südliche Prostasis (Korenhalle)
Erechtheion welche keinen Thrinkoö besiht, wenn auch hierbei das sehr wenig
vmspringende Geison aus einem Stükke mit den Kalymmatien gearbeitet ist. Im
^ugefähren wird die Höhe deö ThrinkoS nach der Höhe der Balken bestimmt, indem
^ die Blökke deö Geison doch wenigstenö so hoch heben muß daß deren Unterkante
die Oberkante der Balken erreicht; die hinkere Dikke deö Geison wird sich dann mit
durchschnittliä^en Höhe der Kreuzbalken und Kalymmatia auSgleichen. Die
btärke oder Dikke deS Thrinkoö ift wie bemerkt durch daö Maaß bestimmt welches
70

von der Vorderfläche der Balkenköpfe bis zur Vorderkante deö Epistylion reicht, aus-
schließlich der Kunstformen hier. Nach Jnnen zu sind die Lager der Balken mit Zwifchen-
balken von der Höhe der Balken auögefetzt, weöhalb man von diefer Seite oder voM
Pteroma auö keinen Theil deö Thrinkoö wahrnehmen kann; jedoch ist diefeö Auflager der
Balken oder die Lange der Balkenköpfe so weit sie auf dem Epistylion aufliegen, durch-
gängig eine sehr geringe, welche kaum die Hälfte der Epistylbreite erreicht und mithin ganz
dem allgemeinen praktifchen Grundfatze entfpricht daß ein Steinbalken desto sicherer aufliegt
je kürzer sein Auflager ist.
Die Kunstformen deö Thrinkoö betreffend so sind sie völlig seinem eben dargeleg-
ten Begriffe entfprechend. Gleich wie am Epistylion zeigt sich auch an ihm keine Kunstfoeni
die auf einen folgenden Theil hindeutete oder auf einen vorhergehenden zurükkwiese, er
verhält sich in diefer Hinsicht völlig neutral nach beiden Seiten hin und nur der Konflikt
mit einem ihm aufliegenden Theile, dem Geifon, ist durch ein Kymation nebst Astra-
gal an seinem obern Saume ausgefprochen; seine sietige Außenfläche bietet jedoch der
hieratischen Bildnerei eine erwünschte Oertlichkeit zur Darstellung der mythologifch^
Vorgänge und Gedanken welche für die befondere Bestimmung des Tempelhaufeö und der
sacralen Eigenthümlichkeiten desselben erklärend sind. Solche grandiofe Bildersprache an
deren Stelle wenigstens noch die Darstellung von heiligen Thieren, Opfergeräthen, PflaN'
zengeschlingen, Weihegaben oder von festlichschmükkenden Laubgewinden und KraN-
zungen mit reichen Bandschleifen welche von leicht bewegten Gestalten getragen werden ""
ist selbst in Zeiten der sinkenden Kunst noch festgehalten; sicher ist der von Vitruv über-
lieferte Auödrukk Zophoruö von diefer Benutzung deö Thrinkoö hergeleitet, während
Thrinkoö alö der technische Name von andern Quellen überliefert wird. Jn vielen
Fällen ist die Bildnerei auf befondere Tafeln sculpirt mit welchen die Fläche des
Thrinkoö verkleidet erfcheint.

T e ch n i s ch e s.

An den beiden vornehmsten Monumenten der Jonifchen Weife, am Apollotempe!


bei Milet und am Athenatempel zu Priene, hat sich kein Thrinkoö erhalten, wenigstenö ist
er biö jetzt nicht unter den Trümmern aufgefunden. Ueberhaupt ist eö noch fraglich
daö letztere Monument einen Thrinkoö gehabt und nicht vielmehr daö Geifon gleich auß
dem Epistylion aufgeruht habe, wie eö die Taf. 32 Fig. 2 gegebenen Maaße und koN-
struktiven Verhältniße vermuthen laßen; denn die Kunstformen des äußern Epistyüau
sind nicht aufgefunden weil sie nicht auö einem monolithen Stükk mit ihm gearbeitet
waren, und da die innere Epistyllage bedeutend niedriger ist alö die äußere, die Balken ^
und Zwischenbalken aber eine geringe Höhe haben, so liegt die Vermuthung nahe daß
71

das große Kymation mit seinem Astragal zu Außen ein besonderes zwischen daö Geison
und das Epistyl eingeschobenes Stükk bildeten. Jn der Zeichnung sind diese Formen
nebst dem Thrinkos zwar angegeben um die Unmöglichkeit ihrer Existenz zu zeigen, jedoch
<>nd sie aus einem Versehen des Kupferstecherö schraffirt worden, was zu dem Jrrthume
Anlaß geben könnte alö seien sie vorhanden, auch daö Kalymmation der Balken ist nur
Vermuthung. Vielleicht lag auf L eine Holzdekke.
Unversehrt ist die Anlage des Thrinkos und der Dekke hinter ihm zur Zeit deö
^tuart und Jnwood am Erechtheion erhalten gewesen und von diesen Zeichnern mitgetheilc
worden; dasselbe gilt für den Niketempel für welchen die Zeichnung Taf.37Fig. 4 zu ver-
gleichen ist. Beide Monumente stellen die angegebene Bestimmung des Thrinkos als
unzweifelhaft fest, und eö ist von großem Gewicht daß solche unverletzt erhaltenen Struk-
turen als Zeugniße dienen können wie völlig ohne Rechtfertigung statischer und struktiver
Seits eine Anordnung der Dekke sei als sie am Peripteron deö Parthenon und anlichen
Dionumenten erscheint bei denen daö Triglyphon, welches den Dienst deö Thrinkoö hier
verrichtet, bereitö ein ganz müßiger The.l ist indem die Dekkenbalken nicht mehr auf
^n Epistylion und hinter dem Thrinkoö liegen, sondern emporgehoben und auf den
lehkern gerükkt sind. Die Absicht einer solchen Veranderung ist indeö wohl zu erkennen,
'Ndem es auf der Hand liegt daß sie durch drei Gründe hervorgerufen wurde: durch die Be-
^ingung daö Dorische Formenschema festzuhalten, dieö Schema bei dem für die ursprüng-
l'che Strukcur nicht auöreichendem Materiale dennoch zu gewinnen, und endlich den bekann-
ten Pompenzug deö Phidiaö unter dem Pteroma über dem Epistylion anlegen zu können.
^as Dorische Schema in den Dimensionen in welchen das Bauwerk gehalten werden sollte,
war aber nicht zu gewinnen wenn man die Balken nebst Kreuzbalken und Kalymmatien
auf das Epistylion hätte legen wollen, wcil ihre durchschnittliche Höhe viel geringer ist und
baum die Hälfte der Höhe erreicht welche daö Triglyphon empsing um die Dorischen Ver-
^altniße zu gewinnen; um nun lehtereö dennoch erwirken zu können muste man sich
^chvn zu der Abnormität entschließen die lo niedrige Dekke auf daS Triglyphon hinter
^as Geison zu legen, weil hierdurch daö Mittel gewonnen war die herkömmlichen hohen
^brhültnisse der Triglyphen und sculpirten Metopenauösüllungen zu behalten. Natürlich
war hierbei der Penthelische Marmor eine zwingende Nothwendigkeit; denn eineö Theilö
bricht derselbe seinem Geschiebe nach nicht in vier Fuß hohen und zugleich breiten Blök-
welche die Höhe des Triglyphon hätten einnehmen müssen, weöhalb man schon ge-
Nöthigt war das Epistylion aus drei neben einander auf die hohe Kante gestellten Stein-
bkettern zu fügen, andern Theils wäre eine solche Mächtigkeit für die Dekkenbalken auch
3anz überfiüssig und zwekkloö gewesen; die dritte Rükksicht endlich welche hierzu drängte,
war die beabsichtigte Anlage der Pompenzüge über dem Epistylion unter dem Pteroma,
Nkittelst deren Gedanke und Jnhalt des Bauwerkeö versinnlicht werden sollte; die ganze
72

Composition und Darstellung derselben war aber unmöglich wenn man die Dekke auf dem
Epistylion beibehielt, weil alsdann kein Raum für diefelbe vorhanden war. Hierbei tritt
dem unbefangenen Auge auch sogleich der Widerfpruch entgegen in welchen diefer stetig
rings um die Cella gehende Bilderzug des Thrinkos mit den dekorativen Formen des
Epistylion gerath; denn diese Formen, die Tänia mit der Tropfenregula, sind nur an
einem triglyphon- und geifontragenden Epistylion zu Außen möglich und kündigen stetS
ein Triglyphon mit Geison an nicht aber einen Thrinkos ohne Triglyphen, Metopen und
Geifon; sie weisen also am Epistylion der Cellenwand beim Parthenon auf ein Kom-
mendes hin welches nicht nur nicht da fondern von dem grade daö Gegentheil vorhanden
ist. Freilich wird diese schon in den Doricis geltend gemachte Wahrheit die unbedingten
Bewunderer deö Parthenon die in diesem Monumente daö Jdeal des „vollkommen ent-
wikkelten Dorifchen Styles" sehen unangenehm berühren, gleichwohl ist die Thatfache
nicht hinweg zu läugnen. Eben so wenig ist die Behauptung zu widerlegen daß schon
die ganze Konstruktion deö äußern Epistylion an diefem Monumente weit über die prak-
tifche Grenze des zu ihm verwendeten MaterialeS hinaus gehe und nur auö der Absicht
entfprungen sei das Schema der Dorifchen Formen zu gewinnen und festzuhalten; de>M
die d r ei auf die hohe Kante neben einander gelegten Steinbretter auS welchen der Kör-
per deö äußern Epistylion hergestellt ist, würden statifch genommen jedeö soliden LagecS
entbehren wenn sie nicht auf den obern Seiten wie im Jnnern ihrer hohlen Abstände
durch unzählige Erzklammern unter sich verbunden und mit solchen erst lagerfähig ge-
macht worden wären, waö doch ganz und gar der bessern Struktur und dem statifcheU
Gefehe der Balkendekke wie sie an andern Monumenten ausgefprochen ist widerstreitet»
Eben diefe erkünstelte Struktur aber giebt den Beweis daß der Penthelifche Marmor füe
die Dimensionen eineö Gliedeö wie das Epistylion, solider Weife nicht mehr zureichte und
man anstatt zweier neben einander liegender Steinbalken welche an sich schon ohne Ä)ti-
teres Lagerfähigkeit hatten, die Zuflucht zu drei Balken nehmen muste die aber ohne
äußerst künstlicheö Verklammern nicht auf der hohen Kante liegen geblieben sondern umgt-
kantet sein würden, indem die Lagerbreite eineö jeden diefer Balken im Durchfchnittt
nur 16 Zoll bei einer Höhe von 48 Zollen beträgt. Da man ferner keine Dekkenbalken
von der Höhe des Triglyphon (beinahe 48 Zoll) ohne änliche ZufammenseHung gewiuueu
konnte, fo blieb nichtö andereö übrig alö Balken von geringer Höhe anzuwenden die daS
Material willig hergab diefelben und auf das Triglyphon statt auf daö Epistylion ZU
legen, wodurch Ersteres niä^t mehr der urfprünglich vor den Valken stehende Theil blieb,
sondern ein diefe tragender Theil wurde. Eö leidet wohl keiuen Zweifel daß, wenn irgend
ein Bauwerk diefer Alten, der in allen nothwendigen Theilen hierfür völlig erhaltene Par'
thenon alö BeweiS dient, wie die Dorifche Weife in Struktur und Kunstform nur für feh^
mäßige Dimeusionen mögljch und auch nur für solche erfunden war, mithin die fpateru
73

Hellenischen Baumeisier ganz im Rechte waren diese Weise für unzeitig und nicht mehr
praktikabel zu erklären.

Zu den Zeichnungen.
Taf. 32, Fig. 4. Durchschnilt und Verbindung dcs Thrinkos auf dem Epi'styli'on mit dem
^eison an den Propvläcn des Athenatempels zu Priene; die Balken der Dckke sind nicht aufgcfun-
Fig. 5, Vorderansicht hierzu.
Bei Fig. 2 vom Tempel diescr Propyläen ist der Saum des Epistylion nebst dem Thrin-
und den Kalymmatien übcr den Balken L nicht aufgcfunden, dagegen sind die Balken L selbst
v°l'handen; das Gcison Fig. 1 gehört hierzu.
Taf. 33, Fig. 13, aus dem Werke von ^exior, l'^sio min. zeigt einen gleichen Durchschnitt;
so Fig. z, wobei zu bcmerkcn daß hier die Dckke einer peristylen Portikus gegeben ist in deren
Milte der Tempel liegt.
Taf. 37, Fig. 4. Durchschnitt durch die vordere Prostasis des Niketcmpels, um das Ver-
v ltniß dos Thrinkos zum Gcison wie zur Balkendekke zu zeigcn; aus dcm Werke übcr dicses Mo-
"Uinent von Noß, Hansen und Schaubert. Fig. 5 zeigt den Grundriß der Dekke dicser Prostasis.

N o t e n.
Thrinkos Thrinkos, ^-/--ös auch scheint der technisch übliche Name sür die-
Theil zu sein wclchen Vitruv V, 1, 5 und a. a. O. wohl des figürlichen Bildwerkes halber
^oplivius nennt. Das frühcr in der Einleilung für Thrinkos substituirte Wort Diazoma ist des-
^lb fallen gclassen weii es sich als zu vage für die Bezcichnung crwiesen hat, weshalb das Wort
Thrinkos nach genaucrn Erklärungen dcr Grammatikcr als technischer Tcrmmus an desscn Stelle
b°seht ist. Mit Thrinkos ist im Allgemeincn dcr Begriff eines umfasscnden eiiffchließenden Theilcs ver-
d"üpft, genauer auf die Theilc des Baues angewandt hat es den Begriff emcs Gliedcs uber oder
UNter de,n Geison. Unter allcn Erklärungcn die sich bei den Grammatikern finden odcr aus Schrift-
slellern cntnehmen laßcn, mögcn nur folgende als die lehrreichsten angeführt sein. Iinmvu« 8o-
Lvxo I'ktc-tt. -.-Soe kis Aoe/r-i« --cri ro//wv -rciü<77roS«s eine Er-
kläru^
ng dercn Sinn nur isi, daß' Geisa die Steine seien welche in die Thrinkien und zu den
^°tsprüngcn vor dcn Wänden zugerichtet seien. Lt/m. Ala§n. A^,/--ös our- ro «r/chx«-
7-g^ov oir-ossoiti-oLws, r-«i ürrö röv r--.,vö-ross« roö roc^ou rörros, welche lehtere
^ lörung, daß Thrinkos dcr Thcil unter den vorspringendenKlinopodes(Geisipvdes)sei, auch vonHesychios
, utigt und noch deutlicher bczcichnct wird durch >)oi/r-os. -rko«/oa,'u« ws 7,koi/?o-.os. ö/ouv rö
ro/s rkc)/ois, oir-osso/n), oo xae ,/ or//,/ r-kir«i. r-«i ä ürrö rou re-.trörroö« rov
rörros, wo also dcutlich die Bcstimmung dcs Thrinkos angegeben ist als eine rings umgehende
Uifriedjgung in Weisc eincs Pcribolos, odcr das oberste der Mauer des Hauses auf wclcher die Dekkc
und der Ort der Wand unter dcn Geisipodcs. Eben so klt/pm. 6ull. 264, 56 i9(>c/r-/o^.
o ^t--ö<7«,M« roü roi/oo rö -rko/rox/or --ör--.o,, wo deutlich ein Zophorus gcmeint schcint.
"her wird auch außcrgewöhnlich als Thcil für das Ganze, Thrinkos für Epistylion mit gebraucht,
ö' D. Lurip. Iplii/;. T'sur. 74 wo am Thrinkos (der V. 47 vergoldet ist) die gewcihten Waffen hän-
Ztii die bckanntlich am Epistylion ihre Stelle fanden, und I. o. 128 wo vom Bersten des Thrinkos
bp Hauses die Rcde ist; auch bei ^zioll. Rlioi!. ^rgon. III, 217, wo erst dic wciten Thorc, die
äulen um die Wände und über diesen dcr steinernc Thrinkos erwähnt wird der auf /«-.r-x,/c7tv
öo,so» gcfügt ist; hier erklärt Llvm. AIi>bn. s. v. /-.o-//s, letzteres Wort für das
2°nika rc. -c. 10
74
Kapitcll dec Säule, mithli, den Thn'nkos für das über dcr Säule Liegcnde; vgl. Lurip. Orost. 156^ und
Scholicn. 2luf die andere Bcdcutung als über dcm Geison liegend, möchten folgende Stellen zu bczichen
sein die uns hier indessen wenigcr berührcn. Ilosvcli. 6(rc/xos. 1) orkc^cc'r-r/ rors ro-'^oe^. Lt^m.
/c,'/o/)-xc-ic-x. -rxorxoxkTrcrok, 5rk(r-krk/^tc-k. ä/ -/ <-rkP«i-r/, rrkA' i/v oüökr> /orrv. Dasfclbc
Oot/xco. ö erxotrok^cor- xux/loAki? o-vr- orkt/>«r-o§. Hv8) c>,. '/s^(,//xco<-k, /Trx/kc'c-coc-k. /"kcc-c-os
ök Lc-rt rcör? 0t-coüocc,/c««rcor' ^ «rccorcrrr/ <-rk^«r--'§, wo also Thrinkos cine Brüstung dcs Dachcs
sein kann. Deshalb wird es auch als 5rx(,t^o-(>«xc.rzt« oder als dornige Kränzung von Hofmauern
erklärt, vgl. vü^ss. XVII, 266, überhaupt aber als Einfricdigung, vgl. kau^. I, 42, 8; Vlutareli.
illarius 21.

10. G eiso n.

Obwohl die bauliche Besiimmung des Geison als Dachvorsprung und Trager der
Sima im Jonischen dieselbe bleibt wie im Dorischen und dasselbe ebenfalls an den Seiten
wie den Fronten des Baueö waagrecht herumgeht, unterscheidet slch doch das Jonische Gei-
son vom Dorischen einmal dadurch daß seine untere Flää^e nicht in dem Ncigungswinkel
der Ziegeldekke sondern horizontal vom Auflager ab vorspringt und erst vorn in einer
herabwartö gebogenen Traufkante endet, zweitenS aber führt ein verhältnißmaßig größe-
rer Vorsprung desselben bei einem geringeren Auflager auf dem ThrinkoS, einen ganz
abweichenden und eigenthümlichen Formenschnitt herbei, welcher in seinem vollstäm
dig entwikkelten Zustande das intressante statische Problem löst: den Blökken deS Gei-
son einen größeren Vorsprung zn gewähren alö sie Auflager haben und dennoch hierbei
ihre Lagersähigkeit vollkommen sicher zu siellen. Jeder plattenförmige im Grundrisse
rechtekkige Steinblokk welcher zur Bildung des Geison verwendet werden soll, kann be-
kanntlich nur dann noch stchereS Lager halten so lange das Maaß oder die Schwere des
Vorsprungeö nicht daö Maaß oder daö Gewiä^t deS Auflagers übersteigt, so lange alsa
der Schwerpunkt nicht über die Kante seineö AuflagerS hinausrükkt; je weiter der Schwe^
punkt in daö Auflager hinein verlegt wird desto slcherer liegt der Stein, und wenn der
Schwerpunkt bis zur hintern Kante deö AuflagerS gedrängt wird ist das höchste Maaß
der Lagerfähigkeit erreicht; treten aber Fälle ein wie beim Jonischen Geison, in welchea
der Vorsprung nicht allein gleich dem Auflager sondern noch größer ist alö dasselbe, und
dabei noch überdies durch eine Sima auf der vorderen Kante belastet werden muß, st
würde kein Geisonblokk ohne künstliche und der alten Strukturweise widersprechende Vet-
ankerung mit dem Auflager lagersähig sein, indem alsobald ein Aufkanten und Heruntet-
neigen desselben einträte. Daö einzige Mittel um in solchem Falle dennoch ein slchere^
Lager zu erwirken ist die Erleichterung deS vorspringenden Theiles an
Massengewicht ohne die Tragfahigkeit desselben zu schwächen; diestS
erreicht man aber wenn dem Vorsprunge so viel körperliche Masse und Gewicht entzogen
75

wird, als nothwendig isi um dem aufliegenden Theile noch einen bedeutenden Ueberschuß
an Schwere zu laßen auch wenn dem Vorsprunge noch die Sima ausliegt, weil man
hierdurch den Schwerpunkt ganzlich in das Auflager hinein drangt und lehteres grade so
viel an Gewicht mehr behalt als ersierem entnommen wird. Die Aussührung dieses Ge-
dankens ergiebt die Theilung der Höhe des monolithen Vorsprungeö horizontal in zwei
abakusförmige Theile, in das obere oder eigentliche Geison, und in ein weniger ausladen-
bes untereö Geison in welchem man durch tiefe Auöschnitte die von vorn biö hinten an das
Auflager hineinreichen, eine Reihe Körper erzeugt welche dasselbe untersiühen und auf sich
halten scheinen z dieö alsdann sind die Geisonfüße oder Geisontrager welche deö-
halb den technischen Namen GeisipodeS führen, bei Vitruv aber seltsam genug D en-
ticuli genannt sind; da dieselben nun bloö durch Herauönehmen der Masse zwi-
schen jhnen gebildet werden, das Auöschneiden dieser Masse ihrem Vorsprunge aber an
Gewicht ungefahr die Hälfte entzieht, so ist ihce Bildung die Ursache welche dem Auflager
die nöthjge Lagerfähigkeit gewährt und sie heißen deöhalb auch Lagerfüße oder Klino-
podes. Hinsichtlich der principiellen Anwendung erreichen diese Geisipodeö in der
Korinthischen Form die höchste Stufe statischer Leistung, indem eö mit ihnen möglich ge-
worden ist einen Vorsprung deS Geison zu gewinnen welcher sich zum Auflager in ein
Verhältniß von füns zu vier stellt; besonderö ist hierbei die Anwendung von Geisipodes
^jonischee Form unter einer Reihe von Geisipodes Korinthischer Form bemerkenöwerth,
obwohl zwischen beiden Formen nur der Unterschied besteht daß die Jonischen kaum über
Hälfte der Auöladung deö Geison vorspringen, während die Korinthsschen bis zur
Traufkante vorgehen und in weitern Abständen auseinander liegen.
Die Geisipodes sind wie gesagt aus der monolithen Masse deö ganzen Geisonblok-
kcs gearbeitet und alö starke Rippen zum Tragen deö dünnen Geison bestimmt, welcheö
^bein und ohne sie zu dünn sein und nicht tragfähige Höhe genug besiHen würde um die
^ima aus sich zu halten, mit ihnen aber aus ein Minimum der tragsähigen Hohe und
bes körperlichen GewichteS eingeschränkt wird; indem sie nun an der Kante des Auflagerö
^cginnen und nach vorn zu vorspringend tragen, wirken sie gleich dem Geison nur durch
dw relative Festigkeit deö Materialeö, und so wie dieser siatischen Funktion ihre körper-
iiche Form im allgemeinen entspricht, wird auch dekorativ der Begriss deö geisontragen-
dm oder deö scheinbaren Konflikteö mit dem Geison, durch ein mittelst Astragal ver-
lnüpftxg Kymation an ihrem obern Saume verjinnliäst. Die Auöschnitte zwischen
'hnen (intei-secuonos) werden aber nicht bloß waagerecht von vorn nach hinten einge-
^cochen, sondern man hebt ihnen auch nach oben eingrabend, noch eine so bedeutende Masse
bes Materialeö der Erleichterung wegen auö alö eö Bohrer und Meißel praktisch mög-
^ch Machen. Jndem nun solcher Gestalt daö sehr dünne Geison von den dicht neben
kinander stebenden GeisipodeS nicht aber durch seine eigne relative Festigkeit im Vor-
10"
76

sprunge schwebend gehalten wird, konnte natürlich der Begriff deö sich selbst schwebend
Haltens nicht an ihm zur Darstellung kommen wie es doch beim Dorischen Geison durch
die Tropfen auSgedrükkt wurde, sondern vielmehr nur der Gedanke des Vorspringew
den der bereitö durch die Geisipodeö versinnlicht wird da zum Vorschein gelangen wo die
Unterfläche des Geison Raum hierfür bot, was denn auch stetö unter den Ekken deS
Geifon da gefchehen ist wo die Geisipodes der Fronte und Trauffeite in ihrem rechc-
winklichen Zusammenstoße eine große quadratische Raumfläche darbieten, welche hier
stets durch ein Anthemion bezeichnet wird daö sich diagonal vom Auflager nach vorn
abspringend entfaltet. Diese Darstellung deö bloß Vorspringenden, wodurch sich daö Id'
nische Geison vom Dorischen wie von seiner Korinthischen Formenauffassung unterscheidet,
ist in Beispielen Attisch-Jonischer Kunst noch durch andre Mittel an Stelle der Geisipodes
versinnlicht, und zwar entweder durch eine einfache oder mehrfache Reihe Blättcr, auch
wohl durch Anthemien welche vom Auflager nach der Traufkante vorfpringend die untere
Fläche des Geison dekken; dagegen sind alle Beifpiele von Geifa an welchen sich Geiff
podeö in Jonischer Form aber mit Rofetten zeigen, die in ihren Zwifchenräumen unter
der Fläche deö Geifon herabhängend erfcheinen, der Korinthifch en mithin urfprüngüch
Dorifchen Auödrukköweise zugehörend, indem daö Korinthische die Formen deS Schwe-
benden von denen deö Vorspringenden trennt, aber beide vereint neben einander anwendet.
Wenn endlich die geneigt vorspringenden Viä deö Dorischen Geison mit ihren schwe-
benden Tropfen und wegen ihrer der Ziegeldekke gleichen Neigung zeigten daß sie selbst
wie ihr Geison nur als Anfpielung auf dieselbe geschaffen waren, bekunden die GeisipodeS
in ihrem horizontalen Vorfprunge wie in dem trennenden Kymation daß sie einzig und
allein nur für daö ihnen anhaftende Glied, für das Geison gefchaffen waren.
Die obere Kante deö Geison selbst auf welcher die Sima ruhen soll, ist durch
ein Kymation dem zuweilen noch ein Abakuö beigegeben wird gefäumt.
Obwohl diese Geisipodes nur aus den eben angeführten statifchen Gründen hervor-
gingen, theilen sie doch späterhin daö Schikksal der Triglyphen im Dorifchen Baue und
werden nur als Schemata ohne allen statifchen Nutzen im Kunstbrauche traditionell ver-
wandt, was besonderö in kleinem Maaßstabe vornemlich aber unter dem Geifon dec Thü-
ren so offen in das Auge fpringt.
Sind schließlich die Geisipodeö niemals ifolirte und einzelne unter daö Geison ge-
setzte Träger, wie die Mutuli der Balken oder Sparren im Holzbaue, sondern in allen
Fällen nur auö der monolithen Masse deö Geifon gefchnitten wie eö der statische Dienst
gebietet den sie im Steinbaue erfüllen sollen, sind sie mithin einzig und allein nur auS der
Statik deö Steinbaueö und dem befondern konstrukciven Verhältniße deö AuflagerS der
Geisonblökke hervorgegangen, so haben sie gleichwohl verwandte Funktion und daher auch
ganz verwandte Form mit jenen Mutuli, wenn auch dieö weniger an ben Jonischen so dicht
zusamnienliegenden als an den Korinchischen weit auseinanderstehenden Geisipodeö deutlich
erschien, und eö ist wohl keine Frage daß nur auS dieser Aenlichkeit Vitruv'S Hypothese von
der Nachahmung deS hölzernen Geison im Steinbaue hervorgegangen sei; eine Hypothese
welche moderne Aesthetiker nicht nur versucht haben bis zur Absurdität zu erweisen, son-
dern auch sogar auf die Raumdekke und den Säulenbau auszudehnen, obwohl Vitruv selbst
bS nicht räthlich gefunden hat auch die lehtern Theile der Nachahmung des Holzbaues zu
unterwerfen; abgefehen von allen statischen und sonstigen Gründen welche in der Natur
drr frei gegliederten Steinkonstruktion ruhen und gegen dieseS Paradopon zeugen, könnte
Ichon ein Blikk auf die (namenclich von Tepier mitgetheilten) den Holzbauten strikte nach-
ökahmten Ionischen monolithen Steingräber allein zeigen wie dasselbe ohne alle Vegrün-
dung stj, Ixhoch wird über dieses Verhältniß an einem andern 2rte die Rede sein.

Technisches.
Nur auS dem angeführten Grunde sind die Geisipodes als ein Meisterstükk siruk-
üven Kalküls und statischer Formation für eine bedeutende Auöladung hervorgegangen.
^ie Urfache der großen AuSladung des Geison aber beruht in der nothwendigen Rükk-
^cht die zarten Formen der Säulenspiren wie die Stufen des Krepidoma bei einer mächti-
gen Höhe deö Bauwerkeö vor den Zerstörungen deö Traufwasserö zu sichern; denn eö liegt
^uf der Hand daß die von den AuSgüssen der Sima herabstürzenden Wasserstrahlen sich
^sto mehr zerstreuen und unten beim Aufschlag zersiörender auöbreiten je höher sie herab-
sallen, wenn sie besonderö bei heftigem Luftzuge nach den Säulen und dem Krepidoma hinge-
trieben werden und es konnte zum möglichsten Schuhe hiergegen nur ein entsprechend starker
^orsprung des Geison dienen; daher im Allgemeinen die Zunahme deö VorsprungeS
^t der größern Höhe im Jonischen, wogegen die spirenlose Säule im Donschen^elne
^che Rükksicht in einem mehr zurükkgezogenen Geison weniger hervortreten ließ. Wenn
öleich uun mit der Höhe der Säule die Starke des DurchmesserS und mit diesem auch
die Breite des Epistylion wächst, nimmt lehtere doch nicht in dem Maaße zu daß ein weit
"°rspringendeö Geison ein so tiefeö Auflager gewinnen könnte als eö nothwendiger Weise
^edurfte um den mit schwerer Sima vorn belasieten Vorfprung so zu sichern daß er mcht
^afkanten und herunterstürzen würde; zumal daö Maaß deS Auflagerö, alfo die Breice
Thrinkos welche dieses Auflager darbietet, durch die hinter ihm liegende Balkendekke
»lindestens auf ^ der Epistylbreite eingeschränkt wird. Eö kommt also in diesem Falle
darauf andenSchwerpunktdesGeisonblokkeS soweit alömöglifl)in das
hititere Ende seineö Auflagers hinein zu drängen, um zwischen der vorsprin-
öMden belasteten und zwischen der aufliegenden Masse daö Gleichgewicht unwankbar her-
^ustellen, mithin der lehtern noch einen bedeutenden Ueberschuß an Schwere zu verleihen.
78

Man sieht aber wohl ein wi'e dieseö hier nur durch eine Erleichterung deö Vorsprunges
allein erreicht werden könne, durch welche dem Auflager die nothwendige größere Schwere
übrig bleibt, während bei einem so vorspringenden Körper dessen Auflager mit einer gro-
ßen Laft beschwert isi, wie bei dem Geison unter dem Tympanum oder den in eine Wand
eingesenkten Balkonträgern, der materiell möglichste Vorsprung vollkommen gesichert ist.
Indem nun eine solche Erleichterung deö Vorsprungeö nicht in Verkürzung des-
selben, sondern innerhalb seiner Gränzen und dabei unbeschadet seiner tragfähigen Höhe
bewirkt werden muß, wird sie nur durch ein änliches Verfahren zu gewinnen sein alö eS
zur Erleichterung der Dekkenlast bei den Kreuzbalken und Kalymmatien statt fand, ohne
das relative Festigkeitsmoment deö Materiales zu vermindern; dieseö läßt sich nach folgen-
dem Stufengange der Arbeit anschaulich machen. Ist bei dem Durchschnitte eineS Gei-
sonblokkeö 3 b c cl Fig. 1, Tas. 34 daS Auslager e cl gleich dem Vorsprunge e c, so sälle
der Schwerpunkt bekanntlich in den Kreuzpunkt seiner Diagonalen, also in die Vorder-
kante e des Auslagerö und eö wird der kleinste Gewichtözusah zn dem Vorsprunge daS
Aufkanten herbeisühren, wogegen eine Auöschneidung deö Vorsprunges wie sie die schraf-
firte Masse andeutet (zu welcher noch die zwischen den Viä und Tropfen auösallende Masse
hinzukommt) den aufliegenden Theil um daö Gewicht dieser herauögeschnittenen Masse
welche ungesähr Z Gewicht deö Vorsprunges beträgt, schwerer bleiben laßen wird;
noch höherem Grade bewirkt dieö der Ausschnitt in Form von Fig. 2 unter denselben Be-
dingungen, und eö wird in beiden Veispielen der Schwerpunkt ziemlich schon in die Mitle
des Auslagerö zurükkweichen. Bei einem Auöschnitte nach dem Profilzuge a A f in
Fig. 3 würde sich zwar die Schwere deö Vorsprungeö zu der deö Auflagers vielleicht wie
1 zu 2z verhalten, waö einen mehr als nothwendigen GewichtS-Ueberschuß für daö Auf-
lager ergäbe, jedoch der Höhe st k zu wenig Tragfähigkeit in Hinsicht zur Last der aufjtt-
legenden Sima gewähren; zur UnterstüHung dieser Tragfähigkeit theilt man daher vott
vorn herein den Vorsprung a st st j» zwei Geisa nach den Höhen a g und in c, und
schneidet vom obern Geison nach dem Prosil von A cl c m herauö; das untere Geifs^
theilt man in Geisipodeö und schneidet zwischen diesen nur die Zwischenräume nach dr>"
Profile m c fherauö, wodurch die Tragfähigkeit des obern Geison gesichert und zugleich
die Erleichterung des Vorsprunges auf daS nothwendige Maaß zurükkgeführt wird. D»s
beachtenöwertheste Beispiel welcheö unö in Hellenischen Werken für solche Fälle erhalten
jst, bietet daö Geison des Athenatempels zu Priene Taf. 32, Fig. 1 und 2, dessen Vor-
sprung biö zur Vorderkante der Sima über drei Fuß beträgt und gleich dem Auflager ist»
ein änlicheS Beispiel giebt Tas. 34, Fig. 13 auö dem Werke von Texier.
Die Absicht dieses Formenschnitteö und seine weitere Entwikkelung für eine «och
höhere statische Dienstleistung führt noch zu andern überraschenden Ergebnißen. 2lus
Fig. 3, Taf. 32 und 34 ersah man wie die Erleichterung der Masse deö Geison durch ö>c
79

Ausschnitte (mtersecti'ones) der Zwischenräume zwischen den Geisipodeö, noch dadurch


gesteigert wurde daß man diese Auöschnitte nicht bloß normal von vorn nach hinten zu
embrach, sondern noch überdies aus der darüber liegenden Maffe so viel
durch Aushöhlung entnahm als nur die Werkzeuge der Arbeit es möglich machten;
Fig. 3 und 6 mit Profil 5 zeigen dies deutlich. Rükkt man nun aber die GeisipodeS
weiter auseinander, so daß das Verhaltniß der Zwischenräume 7. 7 7 in Fig. 3, Taf. 34
s'ch gestaltet wie es Fig. 4 giebt, dann verliert das Geison noch mehr an Masse und
Schwere auch wenn die GeisipodeS breiter und länger werden, indem eö hierbei möglich
'st das Geison selbst auf ein solcheö Minimum von Dikke einzuschränken als nur zur Ver-
b'ndung der ganzen Masse mit den GeisipodeS nöthig bleibt, außerdem aber durch Auö-
höhlung der Unterfläche deö Geison zwischen den GeisipodeS, in Form der der Lacunen der
^ulymtuatia, noch ein Gewichtöverlust an Masse erwirkt wird.
Mit leht/rer Formation ist die höchste Stufe materieller Leistung erreicht, denn eS
'st 'uöglich geworden ein Geison anzulegen welches bei einem Vorsprunge von fünf Fuß
"ur ein Auflager von vier Fuß und dennoch vollkommen sicheres Lager gewonnen hat,
wie das Geison Fig. 8 vom Tempel des Jupiter Stator in Rom zeigt, bei welchem so-
wohl die erstere wie die lehtere Formation der GeisipodeS, oder die Jonische und Korin-
'h'sche Form derselben vereint zur Anwendung gebracht ist; man sieht daß m Besspielen
bieser Art die GeisipodeS beinahe isolirte Körper geworden sind, welche gleich Kragstemen
frei neben einander gelegt scheinen. WaS die Kunstform dieser lehtern GeisipodeS anbe-
^istt, so wird später in den Korinthiaciö hiervon die Rede sein.
Die Attische Kunst hält im Geison wiederum die Mitte zwischen den beiden gro-
Hellenischen Kunstweisen. Sie bedarf bei dem sehr bescheidenen Maaßstabe lhrer
Werke keiner so mächtig vorspringenden Geisa, mithin auch nicht der siatrschen Hulfe
besonderer Geisoncräger, und begnügt sich daher mit der Erleichterung deS VorsprungeS
durch bedeutende Auöschneidung desselben, wie sie daS Dorische Geison im Aetoma schon
^Ste; genugsame Hindeutungen laßen dagegen schließen daß die vorspringende Ent-
w'kkelung des Geison durch gleiche und änliche Schemata auf seiner Unterflache angedeutet
""'rden ist, wie sie als Anthemien- oder Blätterreihen von hinten nach vorn vorspringend,
lch°n erwähnt sind und mithin der Symbolik der Viä im Dorischen sehr nahe kommen.
^iud solche Schemata in den vorhandenen Fragmenten von Geisen nicht bloß in Skulp-
sondern auch in Malerei überliefert, so möchte dieses darauf hindeuten daß dieselben
vielen wenn auch nicht allen Attischen Geisen wo sie jeht fehlen oder noch nicht
bb'Nerkt worden sind, durch Malerei hergestellt anzunehmen feien.
80

D e k o u a t i v e s,

Die Fiktion vom Ursprunge der Formen deö Dorischen Triglyphon wie deö Gei-
son mit seinen Geisipodeö im Steinbaue aus einer Uebertragung deö Geison im
Holzbaue, wird wie gesagt an einem andern Orte zur Sprache gebracht werden; es genugt
hier nur eine flüchtige Erwähnung dieseö VerhaltnißeS. Diese von Vitruv IV, 2 itt
gleicher Breite wie Unkunde baulicher Struktur und Statik vorgebrachte Ansicht vott
Nachahmung der hölzernen Korona im Steinbaue, ist nach dem Vorgange von Piranesi,
besonderö aber von Hirt in seiner „Baukunst nach den GrundsäHen der Alten" nicht nur
adoptirt, sondern bis zur Gränze deö Lächerlichen auf alle Theile und Glieder deö Baueö aus-
gedehnt; jedoch ist damit nur gezeigt waö die Alten für Grundsähe nicht hatten, auch bezeu--
gen die seit mehreren Jahren durch Fellowö und Tepier bekannten monolithen Steingräber
an welchen der Holzbau der Jonier treu nachgeahmt ist, zur Genüge wie in den frei geglie^
derten Werken deö Steinbaueö keine Spur von einer solchen Nachahmung zu Tage tritt.
Waö die Geisipodeö anbetrifft um welche eö sich an diesem Orte allein handelt, so ist ihre
Entstehung in statischer Hinsicht vorhin nachgewiesen; für ihre Kunstform, nament-
lich für daö Korinthische Schema derselben, müste aber, wenn man sie auö den M»-
tuli deö Holzbaueö übertragen annehmen will, erst nachgewiesen werden wie diese Kunfl'
form an die Vorsprünge der Sparren oder Balken deö Holzbaueö gekommen sei und waS
sie hier für einen Gedanken versinnliche. Auö der verworrenen Argumentation VitruvS,
die sich in vielen Stellen noch dazu strikte widerspricht, geht für daö Geison und deffeu
Trägec nur daö eine Wahre hervor, daß die Geisipodeö im Steinbaue ganz änliche Koe-
per sind und ganz denselben statischen Dienst leisten wie die Mutuli im Holzbaue, nänilich
das vorspringende Geison zu tragen und zu unterstüHen, deöhalb auch in der KunststrlU
einander ganz änlich sein musten; dabei bleibt die Ableitung der Geisipodeö von den Mw
tuli deö Holzbaueö ein wichtiger Wink für die Restitution der Kunstform deö antikeu
Holzbaues, indem darauö hervorgeht daß dieselbe noch zu Vitruvs Zeit der erstern ide»-
tisch war, weshalb er sie beide eben als gleich ansehen und verwechseln konnte.
Ueber die Färbung der Geisipodeö liegt, außer einigen Spuren in Trümmeru
Pompejiö, aus den Hellenischen Monumenten nichtö vor.
Von dem Attisch-Jonischen Geison wie eö sich am Ereä^theion, am Tempel bei>u
Jlissuö und am Niketempel zeigt, ist schon bemerkt worden daß dasselbe ohne Geisipvde^
sei weil sein tief unkerschnittener Vorsprung wegen der geringen Höhe dieser Bauweeke
theilö zu geringe im Verhältniß zum Auflager ist, wie Taf. 37 Fig. 4 vom Tempel der
Nike Apteroö und Taf. 36, Fjg. n vmn Tempel am Ilissuö zeigen, theils auch weil der
aufliegende Theil deö Blokkes aus welchem die Sima geschnitten ist so hoch hinten au-
steigt, daß er alö ausreichende Belastung deö Geisonlagerö dient.
81

Daö schräge Geison deö Daches über dem dreiekkigen Tympanum hat zwar den-
selben Vorsprung und dieselbe Höhe wie das horizontale ohne durch Geisipodeö unterstützt
D sein, jedoch tritt an Stelle dieser die schräge Lage der einzelnen Blökke, in welcher, der
Theorie der schiefen Ebene entsprechend, durch das Anstemmen der Blökke vom Akroterion-
blokke der Ekke bis zum Scheitel des DacheS, grade so viel rükkwirkende Festigkeit ent-
wikkelt wird als ihm die Geisipodes an relativer Tragfähigkeit zuführen würden; durch
diesen Hinzutritt rükkwirkender Festigkeit erklärt sich seine vollkommene Tragfähigkeit bei
gleicher Durchschnitthöhe mit dem horizontalen Geison, die genügende Schwere zur Lager-
haftigkeit aber empfängt eS dadurch daß ein viel bedeutenderes Kymation mit Astra-
gal, welches in kleinerem Verhältniß beim horizontalen Geison am ThrinkoS angearbeitek
war, bei ihm noch auö dem Theile geschnitten ist welcher das Auflager bildet und diesem
grade so viel Schwere verleiht alö zum sichern Lager hinreichend ist, zumal daö Gewicht
der Geisipodeö ebenfallö wegfällt, wie dies daö Profil in Taf. 40 Fig. 5 vom Geison deö
^khenatempels zu Priene zeigt.

Zu den Zeichnungen.
Zum Musterbeispici für den angcgebenen Zwekk und Nutzcn dcr Geisipodcs als verstärkcnde
und tragendc Nippen, dient das Geison dcs Athenatempels zu Priene Taf. 32, wo die Geisipodes
u°ch in uranfänglicher Bcstimmung und Form festgehalten erscheinen; Fig. I, Vorderansicht des Gei-
fvn mit dcr Sima und den Geistpodcs mit ihrem Kymation nebst Astragal untcr ihnen; Hig. 3
kÄrundriß der Geistpodes und zwar mit der Ekke dcs Geison, wobei das Anthemivn zwischen den
^t'stcn beiden wohl zu bcmerkcn ist welches ihrcr vorstrcbcnden Entwikkclung ebcn so cntspricht wie es
Dorischcn Geison unter der Ekke dcr Fall war. Dcr Durchschnitt dcr ganzen Dekkung Fig. 2,
v°n wclchcr nur die schrasfirtcn Thcile aufgefundcn sind*), licfert im Vergleiche mit dcr Formencnt.
wikkelung der Gcisipodes Taf. 34 Fig. 1 bis 4 den Beweis für das über die Enrstehung und Funk-
tion diescr Körpcr aufgcstcllte Princip. Noch isi zu bemerken daß die nach obcn hingerichtete Aus-
höhlung der Zwischenräumc zwischen den Geisipodes, in allen genau beobachtcten Beispielen so in dcn
Doden des Geison tief hineingreisend aufgefunden ist wie sie die Zeichnung und Taf. 34 Fig. 5 und 3
S°bcn, um eben dcm Vorsprunge cin möglichst hohes Maaß von Erleichterung zu gcwähren. Die
vvlle Anwendung der Gcisipodcn für ihren Zwekk giebt auch das Geison dcr Propyläen zu Priene
Taf. 32, Fig. 4, bei dem cbcnfalls der Vorsprung das Maaß des Zluslagers übcrsteigt; Fig. 5 zeigt
b'erbci die Vorderansicht des ganzen Dekkenbaues mit dcm bemerkcnswcrthen niedrigen Thrinkos,
wle Fig. 6 die Nntcransicht des Gcison; auch in dem von Terier mitgetheilten Beispiele Taf. 34
Fig. 13 wo Sima und Gcison aus cincr monvlithen Masse geschnitten sind, ist der Vorsprung
bes Gcison bis zur Vorderkantc der Sima gleich dem Auflager. Bei dcn Beispielen Taf. 33,
^ig. 4,5 u. 6 (aus dcn Altcrthümern von Attika) ist lcidcr das Maaß des Auflagers von den Zeich-
"ern nich^ mitgethcilt worden um cine statische Vergleichung anstcllen zu können; Fig. 6 ist deswegen

*) Bcmerk. Durch ein Verschen dcS Kupfcrstcchcrs ist auch der Thrinkos schrafstrt gezcichnct, obgleich djeser
"icht aufgcfunden ist und hier nur in Umrissen angegcbcn war, um zu zeigen wie eigentlich kei» Thrinkos bci dicscn
Maaßverhältnißen möglich sein könne.
Jonika rc. rc. II
82
von Znlressc weil sich eine doppelle Reihe Geisipodes zeigt, obgleich die untere nur als bloßes Schema
zu bctrachten ist, indem bei ihrem gcringcn Maaßverhältniße von cinem statischen Nuhen nicht viel die
Rede scin kann; dagegen sind dic obcrn Geisipodcs sowohl wegen ihrer bedcutenden Länge und wesi
ten Abstände als auch wegen des Kpmation bemerkbar mil dcm jeder einzelne Geisipus gesäumt ist
und wodurch sich seine Form der Korinthischen nähert; der Thrinkos mit seinem Kymation fehlt. Ein
Gleiches kann von dcm Beispiele Tas. 44, Fig. 4 gesagt werden.
Zn Fig. 4 mit dem Grundriße Fig. 3 ist das Epistylion nebst dem Thrinkos aus einem
einzigen Blokke gearbeitet; die Geisipodes haben die Form abgeschnittener aus doppelten Fascien
gezeichneter Balken, die Zwischcnräume sind schon durch vertiefte Felder mit hängenden Rosen unter
dem Bodcn des Geison ausgefüllt und der ganze Charakter schwankt zwischen Zonischer und Korim
thischcr Form. Fig. 3 ist dem Werke von Texier entlehnt und zeigt das Gebälk vom Peristylium
cines Tempelhofes.
Für das Attisch-Zonische Geison ist vorhin die Charakteristik von vorspringenden Anthemien
und änlichen Formen auf der Unterfläche bemcrkt. Taf. 34 Fig. 7, 9, 10, 12 geben solche Dcsi
spicle, wovon das erstere in mchreren Variantcn zu Athen vorkömmt; obgleich dicse Darstellung volst
kommcn dem Begriffe dcs Attisch/Zonischen Geison entspricht, so ist es doch nicht räthlich sie als
grundsätzlich geltend aufzustellen bevor nicht weitere Auffindungen in den Bauwerken dies bestärken;
Uebrigens wird von den eben angczogenen Figuren das Weitere in den Korinthiacis gesagt sein.

N o t e n.
Geison; Corona. Der Ausdrukk ist schon Dorika S. 170 flgg. crörtert, einige Zusätze
mögen zur Vervollständigung dienen. Vitruv IV, 3, 6 sagt in der Darstellung der Dorischen Weise
daß außer den Ornamenten dcr Corona die Simen eben so dargestellt würden wie er es im Zonsi
schen beschrieben habe. Auf alle Fälle ist also auch nach Vitruv im Dorischen eine Sima, und
zwar ohne Unterbrechung an dcn zwei Seiten des Dachcs entlang zu restituiren. Zlnstatt Geison setzt
er in allcn Fällcn eorona, wie schon I Dd. S- 179 bemerkt ist; zur Corona rechnet er niemals die
Sima, weil sie III, 5, 11 und flgg. auch sonst überall bei der Höhenangabe dcr Corona ausgcnom^
men und in § 12 deswegen ausdrükklich gesagt wird: eoronsv lziise «niiiki (l^nipunum sunt)
ueijusliter inii8 jiraeter 8imri8 odcr in^iiper eorong8 8imse... t'aoienäse 8unt oder § 15 i"
8IWI8 ljuss 8uprs eoronsm in Isterilni8 8iint sLllium. Corona ist nur die allgemeinc Uebertrai
gung von orkl^ccr^ was Vitruv in scinen Quellen auch gehabt haben mag, denn in clnecä
Lsclim. I, 184 flndet sich /Li<7cov, xcer /kc<7«, rkc^ca v cc-co«, orkc/: cc'rcaxccc o cxc»u
UNd 8ekol. lüiirip. Ore8t. 1565 /Lc<7c7« ?.k^onr«c rür x«c «c c-r^P«r«c rcl-r ocxcar, womit
auch Hesychios und Andre übereinstimmen, wic in 1 Bd. S. 177 gezcigt ist. Auch bei den Thüren
unterscheidet Vitruv IV, 4, 2 im Hyperthyrum corons von 8ims. Einen Ausdrukk xopca'r^ und
xoocarr's giebt es zwar auch ,'m Hcllcnischen und ^neccl. Lsclim. I, 282, 4 erklären -copcarcss
«xoor ross ^r^ou, und rcopcarc's' «rcpcapkt«' ro rL^.Lur«cor r?-s ocrcossoxc^§ ö-rc'ALxccc,
orkPvcror ro rcL<x«st«coc', was sich auch bei Hesychios findet, allein es ist nicht zu ermitteln ob hieri
mit eorons oder 8ims, oder »crvterion gcmcint sei.
Geisipodes und Mutuli des Holzbaues. Das bekannte Märchen von der Nach'
ahmung des Holzbaues bei Vitruv IV, 2 ist von Piranefl ab bis auf den heutigcn Tag nachgebetct;
Hirt und Nachfolger haben die Corruption systcmatisch gemacht und erweitcrt. Man hat aber nicmals
die Widersprüche beachtct die Vitruv gegen sich selbst begeht; so unter Anderm wenn cr a. a. O. §3
bchauptet slii in sIÜ8 operiliu^ sä perpenüiculum tribl^pliorum esntlierio8 prominente8 proio'
83
eerunt, eoiuwquv pioieotuiss simsverunt... its v csntlieiiorum xroiecturi« mutulorum 8uli
eoroniz rstio e8t invents, UNd § 5 ila uti snte iu Vorici8 tiigl/pboium et mutulorum v8t
'nvvutii rstio, dcnnoch aber in sciner Darstellung dcs Dorischcn Vaues IV, 3, 6, wie spater überall
wo er Dorische Kunstformcn anordnet, gar kcine mutuli kennt sondern nur viso mit den xuttse.
Ebcn so möchte seine Hcrleitung der Jonischcn Denticuli welche ox proioetuii^ o88erum Imtiont
lniitstiouow, und der Folgcschluß bei dcm die Latten, S88erv8, nothwendiger Weise in derselben Rich-
tung vorspringen als die Sparren, so wie die durch die Monumente Korinthischer Wcise hinlänglich
widerlegte Behauptung daß sich unter den Mutuli keine Denticuli bcfinden könnren, das Unverstanlx
»>ß Vitruvs von der cinfachsten Holzkonstruktion auf das Klarste herausstcllen. Denn scincr Behaup.-
*ung nach werdcn gradc dann nur unter den schrägen Gcisa dcs Daches, wo im Holzbaue die Latten
v°rspringen, sich im Stcinbaue Dcnticuli nachgcahmt findcn müsscn, wie z. B. am sogcnannlen
Ftvntispice des Nero zu Nom, was er durchaus doch in Abrede stellt. Daß Vitruv eine alte Sage
über diese Sache vor sich hatte, läßt sich cben so wenig bezwcifeln als die Thatsache daß er sie aus
^nvcrständniß corrumpirte; denn cs ist viel Rechtes und Ursprüngliches mit zu vicl Faljchcm in seir
ner Mittheilung gemischt, grade wie in seinen Geschichtcn von Entstehung der drei Säulenarten und
'hter Kunstformen. Aus seincr ganzcn Vergleichung des Holzbaucs mit dcm Steinbaue gcht nur die
Wahrheit hervor: cs haben die Mumli des Stcinbaucs cinen den Mutuli des Holzbaucs ganz ana-
>°gm Bcgriff. Dic statische Auseinandersehung hat dic Sachc so zur Genüge gezeigt daß cs über-
Üüssig wäre die Hypothesiö der Entstehung der Formen dcs Triglpphon und Geison aus dcm
^olzbaue von Ncuem durchzukncten. Daß mutuli und üontieuli ihrem Awekke nach ein und dasi
selbe seien bedarf kciner Frage; nur möchte der Ausdrukk mutulim wcniger für Steinmatcrial als
lür Holz gebraucht worden sein. Die schon I Bd. S. 179 angeführte Znschrift über das Prorhyron
eincs kleincn Tempels bewcist dcn Namcn mutulu8 als einen baulichen Terminus; eben jo deutlich
r°'gen dics Vsri-o R. k. III, 5 und volumell. V, 9 reoeptseuls turilorum non, tsnqusm eo-
lttmbix, loeulsmeuts, vel oollulso csvstse vtüciunlur, seil sil liuosm mutuli per psiiotem
üelixi, teAoticuIs8 csunsliins8 sccipiunt. Auch die Bencnnung proeeres findct sich 8erv. > ir^.
t^eii. I, 7^0 procere8 iileo, 8eeunüum Vsrronew, principo8 civitsti8 iliountur, cxuis vminont
'» es, 8icut iu goäil1eii8 mutuli iiuiilsm, Iioc e8t cspits trsliiuui, iiuso iirocerv8 iiomiusntur.
Eben sp Isi^. Ori§. IX krocoro8. Iluüo et espits trsbium, ciuge eminont extra psriote8 pro-
»erv8 ilicuntur, eo iiuoil primo proeeilunt. 6I088. I,sbk. 7rpo/?o->-/> i>roeoro8. Dcr Hcllenische
^ewe Trpö/ro/öoc sür mutuli findct sich 6orp. In8er. 6rsec. II, nr. 2297 wo die Thürcn UNd
P'omochtoi nebst dercn Brctter mit neucr Wachsfarbe angcstrichen wcrden sollen rör- xouiEv roö
^«<7ro^op/or- xcrr rr;v /p«^>i/r- rcov ro//c,-r- xcrc rr/§ ooo!/>i/s xcrc k/xcruc-cr' rwi- i)uoc,-r xcrr
^or-g 7roooo-/Sous roüs Lr ror§ ro-//o-s r«s Lr' crürocs 0«r/ü«s. Ob Ile8/oli. 5roocro//L0t'
eroo.'?L/'??>i/ukr'cr rcör roc/cvr dasselbe? Vgl. IIv8vcb. /-r'/./crcc' /oLcoucrrcr ^xcooi/ Uttd /u?>-
^os' xü/?os rxrpcr/cci-r'os /ü9os, wo I-t)n>. ülsgn. /ucri.os' xu/?os> rerocr/coros 7.c>9os Uttd
rcr cr-rocr xcrc rcr reocccrrcr, 5rrxoü/ccr, xr7>. haben. Hicehee gehöt't auch KlinopUs oder
Spattcnfuß bei IIe8)eb. x-.k-7rous (lox. x-.ci-oTrous). ^öouos rc§ rou xcr/.oricckrco!' /kci-ou
was sich ous demselben in -9oc/-ros.. - ö ü/rö röi- -r/.cr-o7roc>c« voss ro///oo ro/ros und Ltzcw.
^»8». ^pc/xcss crklärt; vgl. obcn S. 73 Notc Thrinkos. 6I088. I-abb. rs^tiL/ium, /r/rcrcros,
o?0P»/, üöroor, crcre-cc«, -r/./rc/ ö(ioc/>/§ und x-./i-,/, 1u8ti/;i»m, Ioetu8.
Geisonfuß statt Mutulus sehr dcutlich bei Ilai'iioei'st. /'xcs/Trous xcrc/eccttTroü-o/ccr xcrc
7kcot7roö/sxcr. rö /§//or ri/s üo-roü, oö rö /k-oor ic-rc, /x/c-tTrous /rcr-.k-r«c xcrc /xcctt-
^oüc<-/ccr, rrcr/ /xt<7t7ro<?/^6tr rö rossro Tro-kcr,- cben so bei I'oll. k, 81 die /xt-7-7-/7roö-occ«rcr, x«c
Pkj-or-r« «öror-s §u-.cr /kt<7<7i/rroA«s- Vgl. /Okei'ti sil IIv8) eI>. /kt<7«7roü-Skcu. Auch /ona-
^08. L,oxe. 429 kennt die Geisipodes als die aufliegenden Balkcn auf wclchen dic Geha.
11*.
84
Nach alle diesem bestimmt sich meine I Bd. S. 180 N. 3 z. E. gegebcnc Ansicht über die
Mutuli näher; dcnn als bloße Schcmata sind sic nur in den Fällcn vorhanden wo sie keinen statischen
Zwekk mehr haben, wo sie aber zur Gewinnung eines sichern Auflagers unerläßlich, treten sie in ihre
ursprüngliche Vedeutung ein.
Denticuli. Anstatt Geisipodes oder Mutuli hat Vitruv III, 5, 11 das seltsame Wort
üontieulus, sowohl für jeden einzelnen dieser Körper, als für die Gesammtheit derselben. So weit
meine Untersuchung reicht hat sich keine Erklärung für den Grund diescs Namens auffinden lassen,
welcher daher wohl eine der Nömischen Handwerksbcnennungen sein mag die eine unverstandenc Kunss'
form nach irgend einer zufälligen Aenlichkeit benannl hat, wie dies in unserm heutigcn Leben so vieb
fältig auch der Fall ist; es ist nur zu bedauern daß Vitruv den Hellenischen Namen dafür nichk mit
überliefert hat; sicher hatte er aber in seinen Quellen noch die Nachricht übcrkommcn daß diese Kör-
per stalisch nothwendig seien, denn er gesteht IV, 2 ganz offen die statische Gleichheit der Mutuli
und der Denticuli im Holzbaue mit ihrer Anwendung im Steinbaue zu, wenn er auch sälschlich die
Denticuli als vorragende Enden der Lattcn (asseres) erkennt. Die einzigc Andeutung welche vieb
lcicht ein Licht auf den Ausdrukk llentieuli werfen könnte ist die bci Hiouius Vl, z>. 313, kltwl.
Ilontos uon solum, izuidus cibu8 säteiiitur, 8vä 0MN6, liuibii8 aliczuiä sx8veari vvl
tonvri xoto8t. Der Zwischenraum zwischen je zwei Denticuli (intersvetio) versichert Vitruv heiße
griechisch zexroM-, und die HLlung derselben (eavu8 iiiter^eotioniH, womit nur die Höhe dcs Zwi'
schenraumcs von der Unterkante des Denticulus an gemcint sein kann, bctrage z der Frontbreite dcs
Dcnticulus; abgesehen von den hier gar nichts cintragenden Proportionen, so ist durchaus die
Lesart iuterseetio l^use Fl'geos äioitur eine falsche, die andere von Schneidcr ztl
dieser Stellc beigebrachte Variante metaton,o, /Lxr«ro/t^, aber die richtige, indcm es sicher niclst
zu erweisen ist daß /txrÖTr,/ für einen bloßen Einschnitt sondcrn stcts nur für eine durch und durch
gehende Oeffnung in eincm KLrper, für ein durchsichtigcs Loch gebraucht wird. Derselbe Fehler fand
sich I. IV, 2, 4, wo es hcist utrs<zue enim, vt inter äentioulo8 et intor triFl^pbo^, lzuao
«unt iotervalla metopae nominantur: enim kraooi tignorum oubilia et a88er»m
uppellant, uti N08tri ea oava columdaria; ita lzuoä intor äu»8 opa8 est intortiAnium, >ü
ruetopa «8t apuä eo8 nominatum.
Es mag einem andcrn Orte vorbehalten bleiben auf dicse Behauptungen Vitruvs überhaupt
einzugehcn, nur ein Wort über die Widcrsprüche grade dieser Sätze. Warum der Zwischcnraum zwb
schen den Triglyphen Metope hieß, ist bereits crschöpfend nachgewiesen und die Melopen sind ursprüng>
lich wirkliche Opcn gewcsen; anders verhielt es sich dagegen mit den Zwischenräumen der Denkiculi
welche nur nach der absurden Herleitung aus dcm Holzbaue, und blos in lehterem als einzeln gclegle
Hölzer, Zwischenöffnungen gehabt haben könnten. Das Falsche liegt schon in der Behauptung: es
hättcn die Griechen das Lager (oubile) dcs Balken und der Latte ebcn so örr,) genannr als die
Nömer dicse HLlung columbarium nennen, dahcr heiße der Zwischenbalken zwischen zwei Open
Metope, weil niemals wird nachgewiesen werden können daß Qpe cin Lager, oubilo, xiltv^ sei-
Ferner kann ein Gegenstand zwischen zwei Oeffnungen oder Open niemals /Eoer,/, Mittelloch
oder Zwischenloch heißcn, wenn cs nicht selbst wieder ein Loch ist; das Znlertignium ist aber grade
das Gegcntheil von einem Loche, und das alte Wort /rxroTr,/, als /rrr« 6,1,), kann nur verstanden
werdcn als Ope die mit andern Dingen, nämlich zwei Triglyphen oder Valkenköpfen, einc Ope bib
dct. Sodann werden die Nömer den Ort wo cin Valken mit scinem Kopfe aufliegt schwerlich ooluw-
bsrium genannt haben, sondern grade umgekehrt den hohlen Zwischenraum (oavu8) zwischen zwei
Dalkenköpfen oder Lattcn. Die Sache stcht auch anders wenn man seht cs haben die Griechen das
Lager solcher Hölzer das Lateinische eubile, oubieulum, genannt, den vorspringendcn Kop^
derselben, prooer, aber 5t0ܧ, denn dies geht aus dem Namen dcs Mutulus als /LtOtrrous und
xXtro7rou§ hervor.
85

12. S i m a.

Abweichend von der Dorischen in ihrer Form zeigc sich die Jonische Sima oder
cgngliz auf dem Geison c^ui excipit e teAuüs acjuam coelestem. Die Jonische Sima
"amljch richtet sich als wasserhaltender Rinnbord in auögebauchter Form nicht blos nach
°ben hjn auf, sondern beendet sich noch in einem stark auöwartö geneigten Vorsprunge;
^uch sistdet sich anstatt deö aufrecht stehenden unbelastet endenden Anthemienkranzes,
^cher dje Bedeutung dieseö Gliedeö als Kränzung und Schluß aller unter ihm liegenden
^ulichen Theile so scharf bezeichnet, zuweilen schon ein minder charakteristischeö Schema
"u^ spiralisch gewundenen Pflanzenranken ein; hierbei ist die Darstellung solcher Elemente
^ jedem Falle durch Sculptur bewirkt. Ein Gleicheö kann von der Form der Sima in
dke Attisch-Jonischen Kunst gesagt werden, obwohl dieselbe jeneö Anthemienschema aus-
^!ießllch ftsthält und dasselbe ganz noch auf Dorische Weise bloö in Malerei darstellt.
Daö andre Symbol jedoch welcheö die Sima als wasserführenden Rinnbord
^kichnet, die in Form von Löwenköpfen gebildeten Ausgüsse welche nach Vitruv
^egntui- emitterc vomeniig ructus gc^usrum ex ore und auödrükklich von ihm nur den
^illlen beigelegt werden c^uae su^ira coronam in Isteribus sunt geclium, jst seiner
kstintniung nach schon im Dorischen erörtert. Bei diesem Gegenstande möchte jedoch
, ^chuvs Ansicht daß bloß die Löwenköpfe ausgössen und hierfür durchbohrt wären welche
uber den Säulen lägen, diejenigen aber welche sich über den Jnterkolumnien befänden ohne
u^guß oder solicla seien, schwerlich auö irgend einem Monumente HellenischerKunst bestä-
werden können; denn der Grund welchen er dafür angiebt: damit nicht die in die Jnter-
U'unien von außen eingehenden Personen vom herabfallenden Wasser beschädigt wür-
^u, könnte sich vielleicht nur auf den Römischen Tempel beziehen, fällt aber beim Helle-
^chen deshalb weg weil hier ein Verkehr solcher Art nicht statt sand und auch nicht statt
find
bu konnte,indem die öfterö zwischen anderthalb und drei Fuß sich bewegende Höhe
leder
kinzelnen Stufe deö Krepidoma deutlich zeigt daß daö Pteroma nur von den Fron-
ten
aus betreten werden sollte, wo sich auch vor dem mittelsten Jntercolumnium die einge-
^obenen kleinen Zwischensiufen an vielen Tempeln noch erhalten haben.
Diese Löwenmaöken sind eigentlich nur AuSmündungen oder Speirohre welche
bchindern daß das aus der Sima aussirömende Wasser nicht am Geison herunterlaufe,
u ern nls Strahl zusammengedrängt vom Geison ab nach dem Boden geführt werde; sie
U inithjn eine technisch nothwendige Vorrichtung bei welcher es für die Form bloß an
stunz gleichgültig ist ob eö Löwenköpfe oder Köpfe anderer Thiere wären, sobald nur der
'^ust eines Speirohreö von ihnen erfüllt wird; daher finden sich in den Trümmern Pom-
häufig noch angesehte Ausgüße in dem Rachen deö Kopfes, oder eö ist daö ganze
86
Vordertheil deö ThiereS ein solcheö Rohr zwischen den Tahen haltend gebildet, auch kömmt
an Simen Attischer Fragmente wenigstenö ein Speirohr in dem Falle vor wenn keM
Thierkopf als Ausguß gesetzt ist. Daß wegen dieser Bestimmung an den schrägen Sime»
deö Aetos keine solche Auögüsse möglich waren bezeugen die Monumente.

N o t e n.
Sima. Ueber diesen Ausdrukk ist das Nähere schon bei der Dorischen Sima abgcha»deM
Daß der Name übrigcns nichl einen wasscrhaltendcn Bord sondcrn nur eine aufgebogcne kre'
nende Form bezeichncl, bedarf keiner Frage, dcnn sonst könntc dicse Form nicht auf dem Geison oder
der Corona der Thüre als Krönung erschcinen und auch Vitruvs Verbal/Gebrauch in IV' ^
cg»tl,orio8 pronrinontes proisrerunt oorun»iuo xroiocturas simavorunt, wo nur dic austvärtö
gcbogene Form der Geisipodes gemeint ist, beweist dieses. Uebcr die Zonische Sima, Vitruv III,
12 UNd 15.
Löwenköpfe. Vgl. Vitruv III, 5,15. Daß bci dcr im I. B. S- 201, N. 5 angeführtc» Ste ^
des Plinius unter iiersoniis teFularuin extremis imlirieilius imi,o8uit die eapita leonina Vitruvö
gcmeint sind bestätigen vi^est. XIX, I, 17, 8 9 item eonstat, sigilla, eolumni>8 «inoiiue et poi
8 0NS8 ex «zuarum ro8tri8 Si^ua 8iiliro 8olet ete.
Anthcmion. Allcs was über die Sima hinsichtlich ihres Anthemion sonst wohl gcsagt werde»
kann ist bereits früher in der Einleilung zu Taf. 9 u. 16 abgehandclt, worauf vcrwiesen wird. Die u°»
Poppe in dem Werkc „Sammlung von Ornamentcn und Fragmcnten u. s. w." mitgetheilten S>-
men aus Athen von gebrannter Erde und nur gcmalt, dcrcn Zlnzahl sich durch neuerc Auffindunge»
noch vermehrt hat, rühren größtentheils von profanen Gebauden her, doch ist auch an ihnen noch
Fcsthalten des alterthümlichen Charakters zu bemcrkcn was übrigcns auch mit der Thonmalerei »»
Zusammenhange steht; zu bcmerkcn ist jedvch die gradc stehende cinem Kasten anliche Fvrm, ost »'^
dcs
kaum bcmerklicher Ausbauchung, wcgen des Ausdrukkes iii-ca dcn Vitruv dcr Sima im AtriuM
Wohnhauses giebt, so wie die Ansähe von Speirohrcn hicr und da anstatt der Löwcnköpfe.

13. Balkcn nebst Awischenbalkcn.

Ueber den Balken ist in den Doriciö und den Epcursen das Wesentliche berest^
gegeben, es bleibt hier nur noch WenigeS über daö ganze Balkensystem bei der TeMpe^
sorm Peripteros und DipteroS zu sagen übrig.
Hinter dem Thrinkos auf dem Epistylion deö Pteroma und normal auf dasse^^
gerichtet smd die Steinbalken nebst deren Zwisch enbalken aufgelagert, und zw^
ohne Rükksicht auf die Ape der Säulen in regelmäßigen Abständen auf der Länge
Epistylion auögetheilt; es versteht sich von selbst daß diese Eintheilung auch für hölzer'st
Balken gelten muste sobald eine größere Tiese oder Spannweite des Pteroma eine
zerne Dekke nothwendig machte. Das Auflager der Balkenköpse aus dem Epistylion rst
der Natur deö Materialeö entsprechend möglichst kurz und nimmt wie schon früher bemer^
87

höchstenö die Hälfte der Epistylbreite ein; der Zwischenraum zwischen dem Auflager oder
dm Köpfen je zweier Balken an beiden Auflagersenen ist stetö mit einem Zwischenbal-
ken (mtertigninm) von der Höhe und Kunsiform deö Balken ausgefüllt, welcher also
v°ll auf dem Epistylion aufliegt, sich mit seiner Rükkseite an die innere Seite deö Thrin-
k°S anschließt und so diesen Theil verdekkt, womit zugleich daö vierseitige Balkenfeld alö
solches vollendet wird.
Hinsichtlich der Anordnung und Lage der Balken ergiebt sich nun bei der Form
Peripteros oder Dipteroö eine eigenthümliche Schwierigkeit über den Lkken deö Pteroma,
wdem die normal vom Epistylion der Frontsäulen abgehenden Balken welche uber die
Ante des Pronaos hinauö zu liegen kommen, mit dem hintern Kopfe kem Auflager gewin-
"en können weil sie den von den Seiten deö Pteroma herwärtö gelegten Balken normal
begegnen; wenn man aber die Balkenlage so ordnete daß jeder Balken welcher von der
Seite wie von der Fronte her über die Ante trifft die Balkenlage schlösse, dann bl.ebe em
so großes Feld in ber Ekke deö Pteroma übrig als nicht wohl durch die zarten Kreuzbalken
zu überdekken sein würde. Zur Beseitigung dieseS mißlichen Umstandeö sind daher zweier-
'ei Auskunftsmittel gewählt, welche sich beide noch in einem Beispiele, in der Dekke deö
s°genannten Theseustempels zu Athen. so erhalten haben wie eö in den Zeichnungen ange-
b°Utet jst und deöhalb hier in Betracht genommen werden müßen, weil es fur den m
^ede stehenden Fall ganz gleich ist ob eine solche struktive Gliederung Ionische oder Do-
'ische Kunstform trägt, eö wird auch nur die Modifikation abzurechnen sem daß die Balken
bei dieftm Monumente eben so wie beim Parthenon nicht mehr auf dem Epistyllon ,ondern
uuf dem Triqlyphon liegen. Um also für die erwähnten hintern Köpfe der Dekkenbalken
dem Pronaos und dem Postikum ein mit dem äußern Epistylion correspondirendeö
^uflager zu erhalten, legt man von der Schulterseite der Pronaos-Ante oder, wenn noch
Säulenreihe vor den Anten steht, von der Säule vor dieser Ante em verbmdendeö
Epistylion normal nach dem äußern Epistylion der Traufseite herüber, welcheö alödann die
Unterlage für jene normal auf dasselbe zutreffenden Balken der Dekke vor dem Pronaoö
und dem Postikum bildet. Jedoch hat diese Anordnung daö einzige Bedenken daß auf
b" Säule auf welche dieseö verbindende Epistylion trifft, drei Epistyl-Enden zusammen-
st°ßen, was immer einen schwachen Punkt in der Struktur bildet welcher mit großer
^vrsicht zu behandeln ist, besonderö wenn noch dazu jedeS Epistylion auS zwei neben em-
^der liegenden Balken besteht, in welchem Falle dann sechs solcher Balken-Enden hier m
°U'em Auflager zusammentreffen; diese Anordnung bedingt ferner daß jene Säule stetS
"ormal gegen die Ante geseht werden muß, was wiederum ein Bindendeö für die Aus-
choilung der übrigen Säulen in der ganzen Traufseite ist. Daö andre Mittel zur -o-
s"«g diefts VerhältnißeS besteht darin daß man statt jeneö verbindenden Epistylwn nur
Unterzug vielleicht in der Stärke eines Balken anordnet, dessen obere Kante bundig
88

mit der Unterkante der Balken abschneidet, daher kaum in die halbe Höhe des Epistylio»
von oben herab gerechnet eingreift, daö Kapitell der Ante mithin nicht berührt also mit
Lerselben außer allen Bezug gesetzt ist; diese Struktur hat aller Wahrscheinlichkeit nach
bei dem Jonischen Peripteros statt gefunden, weil auf diese Weise daö Kapitell der Säule
auf welche der Unterzug trifft nicht von ihm berührt wird, mithin formetter Seits nicht in
Bezug mit demselben gesetzt zu werden brauchte. Jn beiden Fallen aber werden die Dekken-
balken vor dem Pronaos und dem Postikum mittels dieser Unterlager von dem Epistylion einer
Traufseite bis zum Epistylion der andern auögetheilt. Bei dem in Rede stehenden Monu-
mente ist die erstere Weise der Anlage im Pteroma vor dem Pronaoö auögeführt; eö geht
hier von der Schulter oder Seite der Pronaoö-Ante ein VerbindungS-Epistylion normal
zur dritcen Säule der Traufseite hinüber, so daß hierdurch vor dem Pronaoö ein für sich
völlig abgeschlossener Dekkenraum erzeugt ist, welcher sich auch durch den Reliefzug auf
dem so gewonnenen Thrinkoö über dem Epistylion an allen vier Seiten rings herum alö
besonderer Vorraum auözeichnet; andrer Seits ist dieseö Verbindungö-Epistylion auch die
Ursache daß die Schulter der Ante hier in der Breite der Antenstirn gehalten ist, waö von
der Dorischen Regel abweicht. Der Raum vor dem Postikum auf der hintern Fronte
giebt die zweite Art solcher Anordnung; es ging hier zwar über der Schulter der Ante,
nicht aber vom Kapitell derselben sondern vom Thrinkos aus ein Unterzug nach der
innern Seite deS Triglyphon der Traufseite, auf welchem dann die normal austreffenden
Balken vor dem Postikum ihr Auflager fanden; daher auch die Schulterseite dieser Ante,
als ganz außer Bezug mit dem Unterzuge stehend, schmal gehalten ist wie gewöhnlich'
Behalt man im Auge daß bei der Jonischen Dekke die Balken auf dem Epistylion lagecu
wie bei der Attisch-Jonischen Dekke, so wird wie schon bemerkt mit Rükksicht hierauf die
Dekke des Jonischen Peripteroö und Dipteroö in solcher Weise anzuordnen sein, wenu
auch in Stelle deö steinernen Unterzugeö bei hölzernen Dekken ein Holzträger anzunehmeN
ist; ein Episty lion alö Unterzug, wie es der erstere Fall bot, wird deshalb auSzuschließ^
sein, weil sonst ja diejenige Säule der Traufseite auf welche sich dasselbe auflegte, beiM
Peripteros ein dreifrontiges Kapitell (wie in der Cella deö Tempels bei Phigaiin)
empfangen muste, beim Dipteros würde die von ihm getroffene Säule in der inuecn
Säulenreihe unter der Dekke, sogar ein vierfrontigeö Kapitell empfangen weil sich nnß
diesem dann zwei Epistylia kreuzten; von einer solchen Formendarstellung in diesen Fällrn
ist uns aber keine Spur in den Monumenten erhalten, vielmehr möchte auö der sch"^
erwähnten oft viel geringeren Höhe des Epistylion auf der innern Seite der Beweiö siießrn,
daß dieselbe struktiv aus der Absicht herzuleiten sei jene verbindenden Unterzüge hier anle-
gen zu können ohne die Form des Epistylion durch Einschneiden deS Unterzugeö zu stören,
ja es wäre sehr wohl noch die Möglichkeit zu setzen daß bei einer Holzdekke dieser steinerne
Unterzug in gewiffen größern Abständen unter der ganzen Länge der Dekke regelmäßig
89

wiederholt sei, um durch ihn, besonderö bei dem doppelten Peripteron, eine solidere Verbin-
bung und Verspannung der steinernen Epistylia zu gewinnen als sie die leichte Holzdekke
gewahren kann. Bei Tempeln freilich wo daS Peripteron eine so gewaltige Spannweite
als sie die Maaße mancher Werke auf Sicilien z. B. der eine Tempel iu Selinuö
zeigen (Taf. 22, Fig. 1), wo das Steinmaterial ganzlich versagk, kann natürlrch von kei-
nem steinernen Unterzuge geschweige denn von einem verbindenden Epistylion die Rede
Hin, sondern es treten hölzerne Trager an dessen Stelle; auch sind grade in dem eben ge-
uannten Monumente die Höhendimensionen der Epistylia wie die Last der zum Oberbaue
gchörigen Glieder überhaupt von einem so enormen Gewicht, dabei die dreizehn Sicilische
8uß starken kurzen und gedrungenen Säulen von einer solchen Stabilität, daß die Statik
Baues eine völlig unwankbare in sich ist und eine jede weitere Verspannung oder Ver-
^udung jn der Dekke ohne allen Zwekk und NuHen gewesen sein würde. Noch darf die
^einerkung nicht unterlaßen werden daß das Peripteron deö Parthenon eine Ausnahme
von dieser Dekkenstruktur bietet; es ist weder ein verbindendeö Epistylion noch ein Unter-
>^ug vorhanden weil die lichte Spannweite de§ Peripteron an den Seiten und Fronten
^u jo geringes Maaß hat, daß daö größere Balkenfeld der Dekke in jener Ekke (diagonal
uber der Säule vor der Ante) leicht durch die zarten Kreuzbalken überspannt wer-
bk» konnte.

So weit die Beobachtung reich»t sst^eint die Auötheilung der Steinbalken über
Raume vor dem Pronaoö und Posiikum so gethan zu sein, daß der erste Balken
buks und rechts an den Traufseiten jedesmal hart an den Thrinkos herangerükkt ist; eine
^uhrnehmung die selbst für die Dekken so kleiner Prostylia Geltung hat wie sie am Nike-
EbMpel vorkommen.

Hinsichtlich der Kunsiformen ist bereitö beim Epistylion erwähnt daß der Balken
w Bekrassit seiner relativen Festigkeit gewöhnlich als eine zweifach übcr einander gelegte Fa-
^ia dargestellt und mit Kymation nebst Astragal gesäumt sei, ein Abakuö außerdem
Itdoch ^ tz^n Ausnahmen gehöre und schwerlich seine Rechtsertigung gewinnen könne; auch
Theilung des Balken in zwei neben einander hingespannte Fascien durch den mit
^Muarion versehenen Theilschnikt in seiner untern Seite, ist ebenfalls bereics angemerkt
^urden. Wo sich der ToruS nicht durch Skulptur auf der Unterfiäche dargestellt zeigt,
^ er durch Malerei erseht worden. Der Balken der Attisch-Ionischen Weise dagegen
^bllt sich übereinstimmend mit seinem Epistylion als eine einzige Fascia bar und hat
beshalb weder eine Scheidung nach der Stärke noch nach der Breite.

2o»ika :c. ,c. 12


90

Zu den Zeichnungen.

Taf. 37, Fig. 6 zeigt die angeführte Dekke vom Theseustempel wie sie sich nach der Stuarv
schcn Mittheilung herstellcn läßt; A ist das Verbindungsepistylion zwischen der Ante und der dritten
Saule dcr Traufseite, wodurch dcr ganze Naum vor dem Pronaos als ein besonderer Dckkenraum
abgeschlosscn wird; L ist der Unterzug am Postikum; die Lage und Zahl der Balken ist deutlich-
Fig. 5, Dckkenplan der einen Prostasis vom Nikecempcl, nach Noß und Schaubert.

1p. Stroteren oder Kreuzbänder und Kalymmatia.

Auch für diese Glieder der Dekke kann nur auf daö verwiefen werden waö bereitS
früher in den Doricis und den Excurfen darüber gefagt ist, zumal eS bis jeHt noch nicht
hat gelingen wollen hinlängliche Reste zur Herstellung deö ganzen Systemeö einer JonischkN
Tempeldekke in den Trümmern der Monumente aufzufinden; inzwischen ist dieö auch nicht
von so großem Belange, weil die völlig erhaltene Gliederung der Attifch-Jonischen Stein-
dekke wie sie bereitS gegeben ist, zur Betrachtung derselben völlig genügend war.
Die Stroteren in Form von Rostbalken oder Kreuzbandern sind eine der Na-
tur des Holzbaueö durchauö widerstrebende Konstruktion; sie entfprangen einzig und allein
aus dem Steinbaue, waren ein entfcheidendeS Merkzeichen der Hellenischen Stein-
dekke auf der höchsten Stufe ihrer Gliederung und sind aus diefer erst alö schematischt
Nachahmung der Tempeldekke in die hölzerne Dekke der Privathäufer übertragen, wie
dieö wenigstens die fchriftlichen Andeutungen der Alten und die skenographifchen Wand-
malereien in den antiken Wohnhäufern bezeugen. Es ist früher auögeführt wie die Stro'
teren in Form von Kreuzbändern so entstanden, daß man auf jeder der monolithen Tastla
oder Kalymmatia mit welchen die Balkenfelder gefchlosten wurden, der Erleichterung
wegen rechtekkige oder quadratische Felder abtheilte und diefe von unten nach oben zu a»S-
höhlte. Hierdurch wurde die ganze Fläche wesentlich in zwei Formentheile zerlegt, in eine
Vielheit von zarten Rippen, Balken oder Kreuzbändern, tacjueai-ia, welchr
neHänlich oder rostartig gekreuzt sich über die Felder zwischen den Balken ausspannten
und dieselben dekkten, und in eine Vielheit von auögetieften Feldern, inourmi-ig, P«r^ttcer'«,
zwifchen jenen; die Kreuzbänder bilden hierbei die eigentlichen tragenden Theile während
für die Lacunaria die Bestimmung übrig bleibt die dekkende Ausfüllung zwifchen denstlben
zu bilden. Zeigte diese Formation beide Theile noch nicht alö materiell gefonderte Glie--
der auö der monolithen Masse hervortretend, so gewannen sie diefe Bedeutung doch in der
folgenden Stufe der Entwikkelung welche in statifcher Hinsicht daö höchste Moment rela-
tiver Festigkeit bei einem Minimum von Material erzielte; in diefer durchbrach ma»
die rechtekkigen gehöhlten Felder normal nach oben, bildete statt derfelben Oeffnunge"
91

oder Opaia und dekkte diese wieder mit besondem kleinen leichten Kalymmatia für welche,
wie schon in den Zeichnungen gezeigt ist, die Rander der Stroteren um ein jedeö Opaion
herum von oben her mrt einem Falze versehen sind in welchen die Kalymmatia eingelegt
wurden. Durch diese Veränderung behielten die Tafeln nicht mehr das frühere Wesen
der bloßen Kalymmatia, sondern schieden sich in ein Netz von freitragenden Gliedern
°der Kreuzbändern, und in dekkende Glieder oder die eben erwähnten Kalym ma tia,
welche ebenfalls von unten nach oben zu auögehöhlt in Form von kleinen Dekkeln bie
^paia schlossen. Diesem Begriffe beider Glieder entsprechend ist ihre Kunsiform; eö wurden
die Kreuzbänder als zarte Fascien oder Tänien durch den Mäander auf der Breite
ihrer blntersiäche bezeichnet, an ihrer obern Kante aber als Kalymmatia tragend mit
oitiem leichten Kymation gesäumt; hierbei ist eS natürlich gleich ob ste stacc mit Ä)cäan-
dertänien, mit zarten Torengeflechten oder gedrehten Strängen und Schnüren
"erglichen sind wie eS sich in spätern Phasen der alten Kunst findet. Jedoch rührt von dieser
^harakterisiik der Name lac^ueariu her, welcher für daS ganze netzförmig sich darstellende
Bandsystem der Stroteren alö Dekkenname nicht minder bezeichnend ist wie daö andre auf
die Dekke gehende Wort Iricunarig (Pccrrcocctt7tt) sur die ausgetiesten Felder, indem
oines das andre voraussetzt, muß jedeS als Theil sur daö Ganze gebraucht auch daö
Ganze in seinem Wesen erklären; daher finden sich beide Auödrükke abwechselnd für
dw Dekke angewandt. Da nun auf diese Weise die Breice eineö jeden Kreuzbandeö
Zwischen zwei Kalymmatia nach zwei Seiten hin diente, weil eö mit jeder Seite einem
^alymmation Austager bieten, mit allen vier Seiten eö aber umschließen muste, so
hob man dieö folgerecht in der Form dadurch hervor, daß die Scheidung solcher Entwikke-
lung mitten aus der untern Breite durch eine Theilung bezeichnet wurde welche zwar die
^cheidelinie markirte zugleich aber die so eutstandenen Felderstächen wieder unter einander
bbgenseitig als Einheit verknüpste, waö aus diesem Orte mitten unter jedem Kreuzbande den
^stragal hervorries welcher natürlich alödann auch am Austager der Kreuzbänder vor
bem Kymation der Balken herumgeführt werden muste. Wo dieser Astragal nicht durch
^culptur vollendet war wie am Erechtheion und andern Werken, ist er in Malerei darge-
stellt wie am Grabmale in XanthuS. Die gehöhlte Fläche der dekkenden Kalynnnatia
bezeichnece man mit dem Symbole der Himmelsdekke, mit einem hellen gewöhnlich vergol-
deten Sterne welcher seine Strahlen radial nach allen Seiten hin auf dunklem
blauem Grunde ausbreitek; durch die Gesammtheit dieser in der Form mächtig vor-
wiegenden Sterne wurde der Tempeldekke Bild und Name eineö Uraniökoö ver-
liehen, was später als Zeichen gottänlicher Würde auch auf die Dekken fürstlicher
uud adliger Gemächer als ein GewöhnlicheS und inö Leben GedrungeneS übertragen
boscheint, wie dieö schon in den Exkursen nachgewiesen ist. Faßt man so in ihrer
^ollendung den ganzen Eindrukk der auf den Säulenkapitellen durch die Kraft
12*
92

der relativen Festigkeit sich in der Schwebe tragend en Dekke, also daö Gliedersystem
deö ganzen Pteron oder Pteroma, und sieht wie Begriff und Wesen der Epistylia,
Balken und Stroteren, nur unter der Biidform auögespannt-tragender Bänder von
verschiedenen Starken-Abstufungen, die Kalymmatia in ihrer Gesammtheic aber alö ein
diesem untergespannten Bandsysteme übergedekkter Sternenteppich erscheinen, so wird der
srüher gemachte Vergleich deö gesäulten Raumes mit einer olympischen Skene sichee
nicht befremdend erscheinen; eö werden ferner nicht blos menschliche Gestalten welche
nach Vitruvs Ueberlieferung die vorragenden Balkenköpfe oder Mutuli und Geisa
tragen, sondern auch die Säulen als Träger dieseö gestirnten Pteron deöhalb mit Recht
Atlanten und Telamonen zu nennen sein, weil dieser Name für solche Uranis-
kosstühen in ihrer Baukunst nur auö der Beziehung zu diesem Uraniskoö allein
erklärt werden kann.

Technisches und Dekoratives.

Der Bildungsgang der Stroteren und Kalymmatia ist bereits in der Einlei-
tung und dem ersten Buche bei den Textstellen ausführlich erläutert worden die sich
auf die Zeichnungen der Tafeln 13, 15, 16 und 19 beziehen, worauf also hierbei
verwiesen werden muß.
Hinsichtlich des statischen Verhaltenö der Stroteren und Kalymmatia zu den
Balken und Epistylia möchte FolgendeS zu bemerken sein. Ie weniger Balken
zum Tragen der Stroteren auf der Länge deö ganzen Epistylion angeordnet werden,
je größer also wegen der Abstände der Balken die Balkenfelder sind, desto langer mithin
dikker und schwerer müssen die Stroteren sein, desto mehr Tragkraft oder Scärke
und Schwere wird auch für jeden einzelnen Balken bedingt. Umgekehrt muß diese
Schwere abnehmen je mehr Balken zur Tragung der Last auf dem Epistylion auö-
getheilt werden, wenngleich dies auch nur bis zu einer gewissen Grenze gehen kann, weil
sonst Balken an Balken gelegt die leichteste Dekke ergeben müste was doch nicht der FnH
ist- Je mehr Balken man also praktikabler Weise anordnet, desto schmaler werven
ihre Zwischenfelder, desto kleiner wird die Spannweite der Stroteren mithin die
Stärke und das Gewicht derselben, was natürlich rükkwirkend auf die Balken selbsi
sein und eine geringere Stärke und Schwere derselben hervorrufen muste. Je weni-
ger Balken auf der ganzen Länge auögetheilt sind, desto mehr wird der Drukk anf
einzelne Punkte deö freitragenden Epistyli'on geworfen, wodurch sich auch für dieses
Glied in solchen Fällen eine größere Stärke bedingt; je mehr Balken dagege»
vorhanden sind, desto gleichmäßiger wird die Lastung auf dem Epistylion vertheilt,
desto solider in statischer Hinsichc ist die ganze Struktur der untersäulten Dekke, dests
93

Ikringer endlich kann die Starke deS Epistylion sein. Unter allen bekannten Dekken
^gen die Balken der nördlichen ProstasiS deS Erechtheion (Taf. 15, Fig. 1 mit
Fjg. 2 wo das hierzu gehörige Kalymmation von Taf. 37 Fig. 7 noch ein-
^ragen ist) am engsten und die Stroteren enthalten auf der Breite nur ein
paion mit seinem Kalymmation; mit Hinzurechnung deS vortrefflichen Materialeö war
^ hierdurch möglich eine fo enorme Spannweite des RaumeS, die sich zwifchen 19 und
6uß bewegt, mit kaum 22 Zoll starken Balken zu überspannen. Zu bemerkeu ist noch
^ stden, Kalymmation dieser Dekke (Taf. 37, Fig. 7) daö Loch mit welchem dasselbe
pp Eentrum durchbohrt ist, durch welches sicher ein metallener Stachel oder Dorn
hindurchging an welchem unten ein vergoldeter erzener Stern schwebend
ffestjgt war. UnfchäHbar ist die Auffindung der Stroteren dieser wie der östlichen
^stasiödekke in ihrer völlig unverfehrten Kunstform durch Jnwood, wie sie in dem
erke desselben über das Erechtheion (Deutfche Ausgabe deö Znwood'fchen WerkeS
uech tz. §).uast I Abth. 13 Bl. Fig. 6, 7 und 9) mitgetheilt ist; mic Ausnahme
Farbentones hat sich die Zeichnung der Stroteren als Mäandertänien auf der untern
kite diefer Glieder vollkommen erhalten, und ist hiernach schon die ganze Dekke der
^5, Fjg. i tzon mir restaurirt worden. Ohne diefen überauö merkwürdigen Fund
^urde nieine Annahme über statifcheö Wefen und Kunstform diefer wichtigen Theile der
bbke, vor den Augen mancher geistreichen Kunsthistoriker und Aesthetiker in Bezug
^uf das was von ihnen unter der beliebten Bezeichnung ,,Polychromie" der Griechen
^t'iffen wird, sicher eben diefelbe Ungnade gefunden haben als der Echinuö deö Do-
^chen Säulenkapitelleö, den man ohnerachtet der handgreiflichen Erweife welche dafür
beigi'
gebrachr sind und trotz deö sculpirten Echinuskapitelleö auf den Köpfen der Jung-
feciu
e» an der südlichen Prostasiö deS Erechtheion, doch nicht als Kymation begrei-
bu kann, obwohl Vitruv selbst diese Form im Kapitelle der Jonifchen Säule Cyma-
stul'n auch mehrere sehr alte Attifch-Jonische Kapitelle diefen im Jonifchen
^ p'tten Echinuö ganz und gar wie den Dorifchen gemalt vollendet erhal-
^ ieigen; jst jndes seit Erfcheinung deS ersten Bucheö der Tektonik so Vieleö
us hjxx Formen Restitution war, nachträglich in den Bauresten als richtig
^^'gestellt erfunden, wird auch hoffentlich der EchinuS an irgend einem schönen Tage
^PMation inö Leben zurükkgeführt erfcheinen.
g. 2» Form gekreuzter oder überfiochtner Fafcien, stetö bündig in dcr Unter-
erscheinen die Stroteren nur an der Steindekke; bei der praktifch konstruirten
^^kke sind sie dagegen jene zarcen Balken welche auf den, weiter als bei unö heut
b^<age von einander geordneten, Balken (So^oSüxm) lagen, daher heißen auch die star-
gefchnjttenen Latten welche die großen fchweren Ziegeln deö antiken DacheS rra-
^ bbenfalls Stroteren. Ueber einem Cellaraume welcher der großen Spannweite
94

halber mit Holzbalken überdekkt ist, wie dieö durä) Schriftquellen bezeugt wird, k'ann
von Lacunaria oder Phatnomata nach Bildung der steinernen Dekke natürlich keine
Rede sein, da die Scroteren unter sich alle parallel laufen und keine Kreuzverbindung
haben, wohl aber war die Unterstäche der Bedielung zwischen den Stroteren in gnnz
änliche Felder abgetheilt und durch Fascien, Astragale und Sterne eben so zu einein
UraniökoS gemacht: und eben so wenig wie bei der Steindekke das Material als so>-
ches jemalö Zwekk der Darstellung war sondern in Form und Farbe der Analoga aufging,
eben so wenig konnte auch daö Material der Holzdekke Gegenstand der Darstellung ftin
und muste alö solcheö in der Kunstform aufgehen; selbst daö köstlichste Holz ging ft
in der Vergoldung und Färbung der Kunstform auf und wurde als Struktureleinent
auch nie anderö alö seiner Dauer wegen von den Alten verwendet; hierbei soll je-
doch nicht in Abrede gestellt werden daß der natürliche Ton des Marmorö, deö gebrann-
ten Thoneö oder Holzeö da genutzt wurde wo eö als Farbe und dem darzustellenden
Analogon entsprechend geschehen konnte. Daß eine spätere luxuriöse Zeit im PU'
vatbaue überall die steinernen Phatnomata deö Tempelö in Holz künstlich imitirte,
scheint nach den Wandmalereien in den Trümmern antiker Wohnhäuser sicher
zu sein.

N o t e n.
Slroteren. Den früher beigebrachtcn Noten über diesen Gegenstand sind noch folgM^
beizufügen. 8nrxoork»t. D,'roa,r,)o. r« äorcrät« r« ^«^01 ralr, äor'ooüorccu,,
orpwrijpccs wo Stroter dcutlich bezeichnet ist- Stroteren sind auch die g88oro8 dcr LatelM^
mögen sie bei dem Dache oder der Balkendekke vorkommen. KIv88. I,abd. S88ero8, ^
und S88ore8. äoxor, oder a88oreli. orpcurijpes, so wie ffoxös-
— kv8t. ^88or«8 üioti, >iuoä g88i<tvgnt pnriotl trabibu8<^uo.
Opaion. Die Znschrift welche oben(Hypäthrische Cella Note 96) angeführt isi, sicl)"^
Namen Opaion für die Oeffnungen der Stroterenfelder welche mit cinem besondcrn Kalynimat'
wieder geschlossen werden. .
Lacunaria, Lagucaria. Die Verschiedenheit beider ist klar, den spätern Erklärern ^
nicht mehr bewust; so l8i«t. OriF. XIX, 12 I/S<j>uvgrin 8uut <ius<! esmsrsm 8ubtoAunt et
ist ganz richtig, rzuao et lseunsrii» »lieuntur aber falsch und verwechselt eincs mit dem anbti''
beides abcr stcht richtig sobald es für die ganze lagueirtc und lacunirte Dekke gebraucht wird.
ter heist es hier: <iuo<l (se. Iseuimrii») lr»eu8 quo8<li»m czuri<!ri»to8 vel rotun<lo8 Ii§no vel §)L
vel eolorib»i8 boboat i>ieto8, eum 8igni8 intormieantibu8, »vas also auf dic strikte Nachahmj'^
der Steinkonstruktion durch Holz und Gipsputz geht; prineipslitor sutom Ir»eu8, ut
Re8ultsnt soile8cius Iaeu8<^ue, abcr inclo l»t slia »liwinutio laeunsrium et xer anti^tie ^
laciuoarium kaeit,ist nur dadurch gekommen daß man eben eines für das andrc zur Vezeichnung
Balkendekke in dcr Gesammthcil brauchte. Derselbe I. e. XIX, 18 sagt von änlich gczcichnetc»
dcrmustern laeunsta 08t, <i»ao Ir>eu8 <;u!»<Irsto8 <^uo8äam eum pieturs babot intoxto8 aut»
tu8 acu. — Auch 6Io88. 6abb. öpc>Pij, laounar, laciuoarium faffen die Gesammtheit der
95
- ^cunin-ium, ö(>oPwns. — I^iuesrium, öoöPwcits, ö(>ogc,? und selbst Soxös ist hier tiknus,
«Snuw, t.-ai>8, lueunsr. Auch das spatere Kalathosis kommt dafür vor, I. o. --tt-.ö^wots, laiuosr,
>»emum. — Plinius «. X. XXXlll, 18 und ^rnok. VI, 3 erwLhncn die Vergoldungcn in dcn
^aquearien; cbcn so I.ueion. veu 8^r. 3l>. Wegen der hvhlenssrmigen Gestalt der Lacunaria ist
"Uch der Name esmoruo dasür aufgckommcn; so llroxert. III, I, 5» Xoo cumera uursta8 mter
aburu» trulies. Vgl. Vitr. VII, 3 und andre Stcllen. , ,
Uraniskos. llloss. I^sbli. I-souniir. VcöPwutt oü(>oöö)ttor, ox>o^>/, --tt-.ttAwOtS,
^o^s, hjxx muß ohne Weiteres oü§«r>oöö)ttor' in der Bedcutung als oö^tti>t<7rros gelesen wcrc
d°n, was wieder cincn Beitrag zu der Dorika'S. 189 und im 6. Exkurse cntwikkelten Ansicht gicbt,
w-lche dadurch noch mehr bcstärkt wird daß es selbst bei den Römern zur Sitte geworden zu sem
scheint
e>ne mit Srernen bemalte Dekke Uraniskos oder Coelum zu nennen, wenn auch nur ganz verlorcne
^ubeutungen hierauf hinweisen. Servius zu Virb. L.on. II, 388 bcmerkt hier, wo der Dichter das
agegeschrin welches sich im Palaste des Priamos erhebt mit den Worten koomiuis ululant lorit r«1
u sigeru el.imor erwähnt: multi u,I Ia<tuoilriu rekorunt, ciuoil 8tultum vst, allcin hier>
'vöchte ein indirekter Bewcis liegen, indcm cine solche Verwechslung nicht staltfindcn konnte
^ ^ben dicse multi nicht gewust hätten daß auch die luhuoririu der Dekkengemächer das Bild des
,.^'"'len Himmcls wicdcrgäben, wie es im Tempel ja die Testudo über dem Göttcrbilde nach Var-
E>^b"^^^l>cher Annahme versinnlichen sollte; vgl. 4. Buch, oben IX, § 13, N. 55V über Testudo
bas Obcre der Iseuuiiriii oder der eigcntlichcn gehöhlten Kalymmatia ncnnt Vitr. VII, 3
°velu n> eamorao.
Zu Uraniskos und Pteron ist das hinzuzufügcn was in meinem Programm „Ueber das Hei-
kank"^ ^^ofane u. s. w." N. 67 gcgeben ist. Jm Wesentlichen wurde hier bewiescn daß dcr Ge-
jcde ^ ^ Uraniskos vom Heiligthume in den profanen Gcbrauch übertragcn ist, woher es kam daß
Naw?^^ ornirte Dekke cincs Naumes schlechthin Uraniskos genannt wurde; ein Brauch zu dem
lich die aus dcm Persischen entlehnte Sitte nach welcher man die Person dcs Herrschcrs gött-
^ ^^hcte, Gemach und Thronsitz dcsselben als heiiige Stätten charakterisicte, beigetragen habcn
ouch nach Hesichios (s. v- oöottvös) hießen bei dcn Persern die königlichen Zelte und Paläste
Zelr' ^ «ö-.tt«) Uranoi. Von Alexander dem Makedonicr wird gcsagt daß sein königlichcs
^.^'t schtz,, gcfärbten, reich durchwirkten Uranisken überdckkt gewesen sei, ^tken. XU, 55
A ° ^^korLi'i-o»rLs oöo«r-iO/-oi, öitt^ooooi und ^olisn. IX, 3 nennt diese Uraniskoi o(>o<xos-
ch Terxcs siht nach kliitarek. ^lex. 37 stets ssio rör- ^oosoö» oö/>tti'i<7--or> Lr> rco /?tt<7t-.ixw
oüott^ kiioo. 33 läßt Polysperchon für dcn jungen Alerander bei Pharygä cinen ^uoov»
bereiten. Entimos, der Vertraute des Themistokles, crhielt vom Großkönige die ganze
^"ung ciner königlichcn Wohnung wobei eine <7--,/r>r) oü(>ttr>ö/>0Pos «»S-ti»^ nicht ver>
war; II, 31.
i»n ^Hvch jst djs Anspielung bei llropert. III, I, 58 Xee 3ovi8 Llaei eoelum imitsta öo-
^ h>er beizufügcn.
welc, ^tlanten, Tclamonen. Vitruv VI, 7, 6 sagt daß die Griechcn männliche Gestalten
Sam^ .^iuli und Coronen auf sich trügen, Atlantes nannten, die Nömer aber Telamones, was beidcs
0>U8 ^!^lci ist wie aus 8erv. Virg. xlen. I, 741 ^ltlss llrsoeum 08t 8ieut et )ViIu8. IVam Ln-
i'cidc ^iilum Alelonon (ülolsinoii) voeari, rVllantom voro llelmiionom hervorgeht, obgleich
dekx^ Hellenisch sind. Zn der That konnte kein Name für solche Figurcn welche Tempel-
v°»i bezeichncndcr sein als diescr, und nur aus einer gestirnten Dekke läßt sich der Grund
ten ihres Trägers erklären.
96

14. A e t v m a.
Boten die Monumente Dorischer wie Attisch-Jonischer Weise noch die Mittcl
daö Aetoma herstellen zu können, so versagen dagegen die Werke welche alö Nor>"
der Jonischen Weise zu betrachten sind die Ausschlüße hierüber, eö sind biö jeht »uc
geringe Bruchstükke von diesem Theile deö Baueö überkommen; alle Bedingungcu
in welchen Struktur und Form deö Hellenischen Steinbaueö wurzeln nöthigen indeö
zu der Annahme, daß das Ionische Aetoma in allen seinen Theilen ganz und gut
der schon entwikkelten Struktur deö Dorischen Aetoma gleich geweseu sein uiüist/
mithin werden dafür nur wenige Bemerkungen PlaH gewinnen können indem für
Nahere auf die Dorika zurükkgewiesen wird.
Auö dem waö über daö Geison der Traufseite gesagt ist, geht klar hervor daß
eigentlich dieseö Geison da wo eö horizontal unter dem Tympanum, also an den beu
den Fronten deö Daches weggeht, keiner Geisipodeö zur Verstärkung seiner relativeu
Festigkeit oder Tragfähigkeit bedurfte sobald hier auf ihm keine statuarischen Bild^
werke wie im Tympanum des Dorischen Aetoma hätten Platz finden sollen; wareu
durch
aber solche hier aufgeseht so hätte sein Vorsprung doch keiner Erleichterung
die Auöschnitte der Geifipoden-Bildung bedurft, indem der aufliegende Theil durch
die Tympanum-Wand mehr denn alö zur Genüge schon belastet wurde. Die vdl'
Seite neuerer Alterthumöforscher aufgestellte Hypothese daß ein Jonischer Bau kei»e
statuarischen Bildwerke im Tympanum gehabt habe, ist jedoch durch jenen unläug
von FellowS entdekkten Grabtempel welcher sich in allen seinen Theilen und ^ild
werken jeht im Brittischen Museum befindet, völlig widerlegt und somit die Eyistel^
statuarischer Bildwerke auf dem Geison welcheö daö Tympanum trägt gefiefi^^
Standen mithin so schwere Körper auf diesem Geison, muste auch sein Vorspr^^
eine eben so große und noch viel größere relative Tragfähigkeit entwikkeln alö ßeü^
Fortsehung unter der Sima an den Traufseiten, daher find die Gesipodes ebeu
hier herumgeführt; zumal eö selbst ohne diesen Umstand nicht möglich war an ^
Ekke plößlich in eine andre fremde Form umzuspringen alö sie die Traufseite ze'ö^
wurde daö Glied eben so in nnversehrter Form an den Froncen hingesührt ^
das Episiylion von den untersäulten Fronten an der Wand der Cella hingeleü
ist. Hätte aber dies Geison nicht ein so mächtigeö Gegengewicht auf seinem hintern
gehabt alö die Wand des Tympanum ihm verleiht, würde eö schwerlich möglich g^'^
sen sein solche Lasten auf seinem Vorsprunge aufzusehen als sie daö Geison ani
thenon und an dem eben erwähnten Jonischen Grabtempel zu Tanchoö zeigt.
Linkö und rechtö aus den Ekken dieses Geison sehen nun die schrägen 6)e>
97
dkö Aetorna an, welche das drerekkige Tympanum des Daches einkranzen und
deren Verhältniß in den Doricis auöführlich besprochen ist.
Weder Vitruv noch die Monumente kennen unter diesem Gliede Geisipodeö;
denn das Auflager seiner Platten nimmt hier die ganze Dikke der Wand deö Tym-
pannni ein, waö mehr als hinlänglich zur Festlagerung deö Vorsprunges ist, sodann
raucht auch die tragfähige Höhe derselben nicht stärker zu sein als die deö horizontalen
^kison ohne Geisipodes, weil bei ihrer schrägen Lage so viel an rükkwirkender Festigkeit
^"zukritt alö an relativer abgeht, wie bereitö oben bemerkt ist; wo sich in spätern
^onunienten Geisipodeö sinden sind sie eine mißverstandene Zuthat ohne jede Rechtferti-
^"8- Durch die erwiesene Auöfüllung des Tympanum mit Statuengruppen, wird
Bedenken widerlegt welcheö die jeHige Abwesenheit solcher Bildwerke im Aetos
un deui Attisch-Jonischen Tempel erregen könnte.
Wie in den Doricis nachgewiesen, muste der Ansatz deö schrägen Geison
dem horizontalen an den Ekken, auö einem monolithen Blokke gearbeitet wer-
^N; bei Monumenten kleineren Maaßstabeö ist außerdem noch daö Ekkstükk der
>»ia nebst dem Blokke deö Akroterion auö diesem Steine geschnitten, wie beideö
ns- 40 Fjg. 5 und 6 zeigen, die auch daö Anthemion der schrägen Sima geben welche
ö"ni Unterschiede der Sima an den Traufseiten Epaietiö, Sima am Aetoö,
öenannt jst.

N o t e n.
Aetoma. Aetoma k-mn im ursprünglichen Sinne nur das Dach in s-incr Gesammtheit
bed-utc,,; AetoS, obgleich cin und daffelbc, wird später sür jedc der beidcn Frontcn, sowohl sur d,c vordere
"'s hintere gebraucht, weicht also zuleht ganz und gar auf das bloße Pterygion oder Akrotcrion
^U'ükk. Alles hicrübcr Zeugende ist schon an den betreffendcn Srten im crsten Vuche und dcn zuge-
^igen Erkurscn wie in dcm Programme „Ueber das Heilige und Profane u. s. w." vorgcbracht.
nckkischcn abcr wohlgcmeintcn 2lbwcisungen bei F. G. Welcker (Altc Dcnkm. Einleit. u. Not.)
S°Senüber, will ich indes einiges Wesentliche von dort hierher ziehcn um w° mögl.ch den Skepticismus
^hochverehrten Manncs ein wenig zu crweichen oder, wcnn dics ja nicht mögl.ch scm sollte, ihm doch
^ ^ige,, daß ich so srcundlichc Warnungen nicmals übersehe; damit aber hierbci „dem Vcrfasscr der
^ktonik" nicht wieder der unverschuldetc Vorwurf gcmacht werde wie es „zu bcdauern daß er cinigen
Scholicn zu Licbe die Wahrhcit aufopfern und eine so große Menge von unhaltbarcn Dculungen
s-incni Scharfsinn, künstlich in cinander flechlen mochte", will ich hier die gcrügten abcr »icht
'"°hl anzutastcndcn Ucberlieferungen cinsach nebcn cinander setzen, den Zdecngang und dic Litatc
^elckers jedvch keiner Kritik weiter unterwcrfen.
Daß Pteron die hvrizvntale Dckke bedeute, ist oben bcim Pcripteron in so nacktcr ^aht-
aufgedckkt daß man es wohl wird zugestehcn müssen; cbcn so richtig ist daß 2lctos, 2letoma blos
""f das Dach gcht und nur die Ziegeldekke odcr Dachdekke nebst Zlllcm was zu dicscr ge-
also auch die vcrschließende Wand, das t^wpauum kssliLÜ, in sich begrcift. Nicht aus die,
3°nika >c. >c.
98
lem Tympanum ist dce Aetos in Ursprung und Namcn abgcleitct, sondem umgekehrt ist der sogenaniitc
„Giebcl" erst aus dcm Dache hcrvorgcgangen; der Einfall eine lothrecht in die Höhe gerichtetc dreb
ckkigeWand Ädler zu nennen, ist in dcr That so scherzhaft und naiv, daß man es eigentlich riskirt
ncnnen könnte solche Ansichten auf das Tapet zu bringen.
Aetos, Aetoma, Actosis, ist eine Dekke, <77«/^, nie eine Wand, und zwar die
Dachdekke (kc>8ti§ium) übcr dcm Pteron; damit stimmen alleQucllen überein. 8o!iol. ^r>«tol>I>
Aves 1113: cLpco^ c-r-k/«s 777LP« rrcrc «ercoux rc«-.c-vc7crc. — 8uicl. 8. v. «crco/r«
bestätigt die <77L)-«<7^t«7« dcr Hiera als 777Lpu)-xs und «Lrcor. — Hgi-xoei-ilt. «erös rw»
oir-offo/c,)cc«'7a-r-70 x«r« r-or, ooo^orr, o rcr-es «erc,«« -.L/ouoc^. — -?onin-i>8 livxo. I>- 52'
/^L7c>-««7«: <77L/«<7xc«7«. — 6t)-m. Alag^u. «er-os' c-7L)-«<7^c« rc Ker, ocxcor>, und «ck70Y
T-o öooc/:c,,rc«. — Üo8)-eli. «ceros «eS-cvK. ö'(,OPO§, x«c 7-0 L-re -rw /Lc<7co xr,/c«rcor> lind
«Lros, r-u^c«7cor- rö ör- 7-oc§ /Lcoooes wo, wenn auch schon unklar, doch immer noch gesagt ist b»Ü
Aetos der Vorsprung (wie r-ucc«7co„ hicr allein zu fassen ist) dessen ist was dem Geison solgt, »lso
des Daches. Die von Welcher bcigebrachte Glosse üi-otmn. p. 90 «Lr-cocc«, ,) <77Lgr«r>,/ c-oü
öco/c«70s würde gar nichl zu verstchen sein wenn man nicht wüste daß <77LP«r-y hier so viel m>e
coi-ona, Gcison, Kymation in lehtcrem abweichcndcn Sinne, also der Dachvorsprung sei.
Wenn aber Dionysios IV, 6 von dem Kapitolinischen Tempel sagt es seicn in ihm die dre>
Ccllen des Zupiter, der Zuno und Mincrva von eincm Aetos und ciner Dekke gedekkt gcwcftn>
„P ^r-ös «L70u -c«c c««s <77k/i/§ r-«/o^7o'c«Lr-oc <-,/>-oc so kann wohl schwerlich Zemand zwe>>
feln daß «L7Ö§ hierbei das Dach, ka^tigium, und <77k/^ die horizontale Dekke sci. Bci 8orv. Virx-
^on. II, 296 und Maorob. 8aturn. Ill, 4 heist es vom Tarquinius daß er diese Gotthciten >»>o
«omxlo vt 8ul, ooilom toeto eoniunxit. Merkwürdig argumentirt Welcker S. 6, N. 9 wenn cr
behauptet: Zon haben in dem von dcm Scholiasten des Aristophanes zu rlvo8 1101 angeführten aber
ausgclassenen Verse, gewiß auch cben so wenig wie Aristophanes rr^xp« r-«c «zroi-s zugleich,
dern nur das eine Wort, vermuthlich «L7o's gebraucht; daS heist man doch Argumente aus der Lust
grcifcn. Es ist abcr vollkommen genug daß Zon in seinem Agamemnon sagte man nenne die
kcn dcr Tcmpel Ptera und Aetoi, oder nach Suidas Pteryges und Aetoi, denn mit dicsen Dei>
dcn siimmcn alle übrigcn Zeugniße; dennoch meint Welcker es sei jenc Stelle bci Aristophancs «tcch'
nisch cigcntlicl) gar nicht zu gcbrauchen."
Ferner wird man schwcrlich das Latcinische ki,8tiFium mit „Giebel" oder „Giebclwand" »'
moderncm Sinne übersehen können, abgesehen davon daß es gar keinen solchen Giebel in der antikcn
Daukunft giebt, sondern cs wird im baulichen Sinne ki,8tig;ium und tootum ein und dasselbe se>»'
fur die lvgenannte „Giebelwand" d. h. die dreiekkige Wand in dem Aetos, wclche das Aetoma >»
semen bciden Fronlen vorn und hinten verschließt, hat Virruv den Hellenischen Terminus u»tee
t^m/iiiiium glükklicherWeise aufbcwahrt, und zwar Ill,5, §12 als t^mp-mum im Dache oder >1»»^
«8t in lastigio, welches nur als Thcil des Fastigium daher auch § 13 in dcn Worten coiona»-
t)-mpiiiiki, kastigm, iioi-otoriii von diesem unrerschieden ist. Daß unter kaktigium nicht die drciekkige
Dachwand sondcrn die ganze Dachdckke verstanden sei, kann allein schon die Ciceronische Stelle voM
Dache des Kapit. Tempels <Io oi-.it. III, 46 bcweisen, wo bcsonders der Zwekk des Schuhes vor deM
Negen als Grund seiner Existenz hcrvorgehoben wird; von Andern bcweist es abcr bei Zustin 21, ^
die Erscheinung des Apvllo durch das offene Dach: por culmini^ apertr, ki>8tij;iii; dahcr auch tech>
nisch 6I088. I-abki. kastiFio, öpoPÖcv. Für dic Zdcntität von kaLtiFium mit «L7Ö§, «ö7co,c«
sprechen überhaupt die technische,, Glossen, unter wclchcn die Erklärungen 6I088.
«L7w/t«, ka8ti'Liuw. — Vi>8tigstum, 77L7«<70S, öoo</-,), c-r-001-, «L7wcc«, ---.cr-i) öoocp,/s die gcwich>
tigsten sind.
99
Zme neue mie bis dahin noch unbekannt gewesene Stelle aus riiotius tzuaeslk. ^mpliilooli.
, 8 i'n Algi Loni'ptl. Vslie. 6vII. novs I x.85, die schon oben (S. 7) bcnuht ist, fühit Welckeo
" schlagendes Zeugniß gegcn mcine Zlnsicht an, kehit aber damit nur scine Waffe gegen sich. Was
"kin auf Pteron gcht ist schon obcn besprochcn; das auf Aetoma, Aetos, Ptcrygion Bezügliche mag
für mich zum Argumcnt werden. Es hieß „einige Atticisten nennen das Pterygion Aetos
^drc Aetoma, und sagen es sei dics eine D e k k'e (t7rk/«<7^«) der Tcmpelhauser; cinige nennen dies
'aniljch <7rk/«c7^tttt) auch Pteron; andre unterscheidcn das Pteron und das Ptcrygion dcs Actos
"d Actoma" d. i. sie untcrscheiden das Ptcron von dcm Pterygion dcs AetoS und Aetoma, und auch
"Nt vollem Nechte „denn sic sagen das unter diesen Gemcinte" namlich unter Pteron „sci das vor
Tcinpeln aus Stein sich in die Höhe emporhebende mehr ausgearbcitcte Dauwerk"; man sieht
laus wie Photius selbst schwankend und unklar übcr cine Sache ist wclche auch nur durch am
^l^E^e Hülfen festgestellt werden konnte. Daß nun untcr Pteron, odcr Pteroma, dic horizon-
^ Dekke mit ihren sie cmporhebenden Säulcn, also das 7rk(>ic7rMo,-, gemcint sei, ist
" Igcwiescn, es bleibt mithin der Sinn der Worte Pterygion, Acros, Actoma als von selbst vcrständlich
hieraus folgt daß wcnn Pterygion auch Actos und Aetoma gcnannt und dahcr von Ptcron
^ blschieden ist, glcichwohl aber eine Dekke der Tcmpcl heist, dics ja cben dcn Beweis crgiebt für die
leiiem Piegrammc „Uebcr das Heilige und Profane u. s. w." S. Uj in gesperrter Schrift gedruckte
^ arung-. cs sei Pterygion, Akroterion, die äußcrste Endung, die Stirn dcr gesammlen
^ esdckke und begrcife das Tympanum mit den Geisen, Simen und Akroterienaufsähen in sich;
civahrhcjtet mithin diese willkommcnc Stelle dcs Photius, die ich wie gesagt crst durch Wclcker
^ ennen habe, Allcs von mir Angenommcne. Wcnn nun Wclcker sagt „das Wort <7rx/,^,
.^^<7/i« könnte nur für Actos stehcn, wenn man cs nicht im gewöhnlichen Sinne für Dach
Mie sondcrn nach sciner allgemeinsten Bedeutung (!?) für die dreickkige Wand (»ic!) wclche
dex ^eite das Sparrendach schließt, zudckkt," und „in diesem Sinnc <7rk/«<7^t« von Photius in
l' ebcn angeführten Slcllc gcbraucht" ncnnt, so weiß man in der That nicht wie cr dics aus dcr
"le, die cr wohlweislich auch nicht wcircr im Einzelnen bctrachtet hat, herauslesen will, nachdem er
> Meine Untersuchung übcr Pteron (die oben bei Peripteros auszüglich gegcben ist) vor sich hatte.
der Begriff und Name dcs Aetosdachcs zuletzt bloß auf dcn „Giebcl" eingeschränkt wordcn sei, habe
selbst Tcktonik IB. 5 Exk. S. 65 längst nachgewiesen und die Pindarische Stelle OI)-i„z>. zz, 29
vom Scholiasten mit DidymoS Worten auch so ausgelegt, ort Nrr-.« r« «xrch^ttr«, 07rt<7Ski>
^er^ooiAx^, üt« ro «tt<xorxx>a>v rci,» /cxotäv x«r«<7--kr>«Txc7A«t «r>r«; denn bas Aetoma
Zwei Enden (odcr Akroteria, Pterygia), cin vordcrcs und ein hinteres und Pausanias VTII, 45, 4
^hnt auch die Bildwerke in (6v) dcn Actois kttTr^ooöki- und in den Zlctois 07rt<7^kr>.
. Geisa dcs Aetoma. Dicse schrägen Geisa ncnnt Vitruv III, 5,12 coronrie ,zu.-io suzn-a
.^'lmiiuni) 8unt, und bestimnit actiuslitci- im>8 pi-aetor 8111108 8unt oolloeonlloc, also von glci-
Höhe wie die vorhcrgehcndcn Gcisa. Von Denticuli ist keine Rede, er wcist diesc auch IV, 2,5
seii Wortcn initihui Iion Iirobovorunt ne<iuo in8tilueruiit in ko8lixii8 <Ienti'culo8 lieri 80<I
^ >»8 eorono8 ab; daß purs corono übrigens kcin technischer bczcichncnder Ausdrukk, zcigt
^l»uo plono in IV, 6, 2, wcil cr sich sonst auch hier des Ausdrukkcs bedicnen würde. Zn der
Slelle
wo die 8imoe auf dicsen Geisa 61-oeei L7ra>r>tS«s ilicunt, ist wie schvn Dorika S. 202, N. 5
"'wiesen, L7ra>rtS«s in L-rtttkrtöks, also dic Simcn welchc am Aetos sind, umzuändcrn; weshalb auch
^itruvs 8imoe, tjuoo 8Ug>ro coronom in Iateribu8 8UNt oeilium, nur 7r«(>tttkrtffks sein köniicn.
Die vfk angcführtc Jnschrist über dic bauliche Vollendung dcs Erechthcion nennt auch Gcisa zum
^"°s (^<7« ^ «kror>s) ö» arbciten.

13*
100

15. T e m p e l f r o n t c.
Da sich von den Tempeln welche eigentlich die Norm für die Jonische Weise
angeben können nur dürftige Reste erhalten haben, so ist anstatt der Ansicht eineS
solchen die Ansicht eines Attisch-Jonischen Tempelhauses, des TempelS der Athenn
PoliaS, und zwar in der östlichen Fronte auf Taf. gegeben. Die hier restaM'N"
ten Fenster werden bei der über dieseö Monument später beizubringenden Mono-
graphie ihre Rechtfertigung erhalten.
Die unter dieser Ansicht verzeichneten Plane sind den antiken Marmortaftl"
entnommen auf welchen der Plan deS alten Rom dargestellt ist, und nur gegeben u>n
die Existenz der Aediculä der Kultbilder in der Cella auch hierdurch zu erweiftn.

B e r i ch t i g u n g e n.
S. 14 Z. 30 lics Trochilus.
» 16 « 2 l. also auch von Ricmei, geflochtcnc Spircn.
^'16 // 30 I. rrrix).07k^?/?.
" 22 » 14 l. Skamillus u. so übcrall.
" 26 » 14 l. des Attischen Jonicismus.
» 27 » 15 l. Taf. 40 Ng- 1 Kapitell vom Temp. d. Athena Poliaö u. s. w.
» 46 » 25 l. Antepagmcnta.
DrLttes Vnch.

K o r i n t h t a k a.
K o r i n t h i a k a.

stekö die Nachblüthe einer jeden großen völlig zur Reife gekonunenen und ent-
^kkelten Kunst die den Gedankenkreis in welchen sie sich bewegen konnte bereitö
^schöpft hae, weniger im Stande ist ursprünglich Neueö zu erzeugen alö vielmehr
^ Vorgefundene realistischer auözubreiten und in Form wie Stoff nach eklektischem
Sinne
zu verwenden, so konnte auch die Korinthische Weise nicht als eine
^öständiges erzeugende, Neueö oder Ursprüngliches erschaffende, sondern nur alö
Weise auftreten welche mit Ueberkommenem auf eklektischem Wege bildend ihre
erke schuf. Daö in vollem Maaße verloren gegangene Verstandniß von Be-
bUtung nnd Wesen der ihr überlieferten tektonischen Kunstformen aber bekun-
sie schon badurch, daß sie jenes anfangliche tief in der Ethik deö alten Helle-
^schen Sinneö wurzelnde Wesen einer bloö andeutendeu Symbolik, ganzlich auö
"selben verwischte und an deffen Stelle die jenen zu Grunde liegenden Analoga so
bnbildiich gemacht oder so real dargestellt sehte, alö eö nur einer durch die Erb-
^uft zahlloser Meisterschöpfungen gebildeten und nun zum leichtesten Spiel gewor-
Arbeitö- und Handfertigkeit möglich war auö dem Bildmateriale zu erwirken,
^ es jst „icht zu läugnen daß das lehtere für den Darstellungskreiö vollkommen
^chdrungen und besiegt worden ist; hierdurch aber, indem man daö bloße ethische
^ "Eel zn,n realen Zwekke verkehrte, gingen diese Formen dem Verfalle nur um
^ Uiehr entgegen, je stärker bei einer meisterhaften und graziösen Nachahmung deö
Uturlicho„ und Realen der Sinn auf daö zufällig wahrgenommene gelenkt, dieseö
^ und nach immer mehr blos seiner selbst wegen und ohne Zusammenhang mit
b'U vorbedingten Begriffe alö tektonisches Symbol an Stelle der ursprünglichen
^oga gesetzt, und so der bloß sinnenreizenden Wirklichkeit die bestimmende Noth-
^°Unthiaka.
104

wendigkeit des alten Gesetzes der Formen, dem leeren Schematiömus äußerlichec
Wirkung der volle Jnhalt des Gedankenö aufgeopfert wurde. Daher auch in dec
Korinthischen Weise die in jedem eklektischen BildungSprocesse begründete Erscheb
nung, daß mit ihm zugleich der unlööbare Widerspruch aller einzelnen in ganz neue
Anordnung zusammengebrachten Elemente unter sich einzieht; denn wo nicht nur die
Kunstformen, sondern wo ganze Gliedersysteme zweier Kunstweisen die als die
schroffsten Eptreme einauder so gegenüber stehen wie die Dorische und JonischeWeist,
in der Art auö ihrem ursprünglichen Zusammenhange herauögerissen und ohne Weiteres
neben einander gestellt werden wie ein Triglyphon auf Jouischem Epistylion, so heist
daö in Wahrheit Spruch und Widerspruch mit einander paaren und auö Bejahung
und Verneinung ein Werk zusammenfügen. Jedoch scheint dieseö innere Auflösen und
Abschließen in dem Kreise ihres eignen Lebens, zur Erfüllung der alten Kunst
gehören; auch ist eö keineswegö dabei zu übersehen daß eine solche vom übervollen
Drange deö Bildenö geschwängerte Kunstthätigkeit, die selbst in der Phase deö ga>V
lichen Absinkenö alle Gedanken welche auö dem Keime der Kunst nach und uach
plastisch verkörpert anö Licht getreten waren, zuletzt noch einmal erfaßte, sie im Ge'
wande der letzten Anschauung wie ein Spiegelbild der Vergangenheit vorführte
und ihnen alleö beigesellte was nur irgend auö dem Kreise deö sinnlichen Lebens noch
auözubeuten war, daß eine solche Kunstthätigkeit selbst mit verglimmenden Geistesfu^
ken noch geistvolle und bewundernöwürdige Werke schaffen muste. Ferner ist eö diest
Phase der Kunst welcher eö eben vermöge der bloö realistischen Neigung in ihre"
Darstellungen zu danken ist, daß sie durch Wiedergabe der schwieriger zu erkennendeu
alten Kunstformen in voller Realicät der Analoga, das völlige Verständniß der Kuust'
formen lcichter wiedergewinnen ließ, obwohl in den Ueberlieserungen hierbei sch^"
daö richtig Festgehaltene von dem bereitö alö Falsches Eingedrungenen vorsichtig z"
trennen ist.
Die Korinthische Weise ist zwar nach allen Zeugnißen erst zur festen Gest^'
tung und auögedehnten Anwendung oder Geltung gediehen, als die Dorische bereits
veraltet und zum bloßen Schema herabgesunken, die Jonische in ihrem Entwikkelungs'
processe schon beendet war, jedoch reichen die Anfänge derselben in eine weit frühr^
Zeit hiuauf als man gewöhnlich annimmt. Zwar ist nur von einem Moinu
mente in Hellas, von dem nach Pausaniaö in der 96 Olymp. erbauten Tempel der
Athena Alea zu Tegea, mit völliger Sicherheit bekundet daß an ihm diese Weise uüt
den andern Weisen gleichberechkigt verwendet worden sei, allein eben deöhalb uiuste
sie lange vorher schon Geltung gewonnen haben wenn sie an einem so mächüg^
Bauwerke in solcher Art schon den Platz einnahm, und eö ist sowohl ihre Verweu-
dung hier alö obereö Stokkwerk einer Dorischen Portikuö im Jnnern der Cella,
105

auch die Anordnung des Pteroma außerhalb der Cella in Jonischer, wahrscheinlich
Attisch-Jonischer Weise, deshalb so bemerkenSwerth weil auf diese Art alle drei Helle-
uischen Weisen schon eklektisch vereinigt erschienen. Giebt Vitruv daher erst den
Kallimachos, ein Künstler welcher doch schwerlich früher als nach dem zweiten Per-
serkriege zu sehen ist, für den ersten Erfinder des Säulen-KapitelleS und den Begrün-
der der Symmetrien der Korinthischen Weise an, so möchte dies nicht allein hiernach
sondern auch schon aus dem andern Grunde unhaltbar sein, daß daS Kapitell mehrere
Vorstufen seiner Bildung durchlaufen hat bevor eö zu dem Schema gedieh welches
Vitruv als daö Kallimachische beschreibt; indeS deutet selbst diese Erzählung immer
nur auf die Thatsache hin, daß die Weise am spätesten feste Form gewann und von
den Alten selbst für die jüngste und lehte der drei Hellenischen Weisen erklärt wurde.
Uebereinstimmend hiermit und wichtig für den Charakter dieser Kunstart ist
die weitere Erklärung VitruvS: daß sie kein eignes GenuS, also keine ursprünglich
eigne Einrichtung besihe sondern ihre der Säule aufliegenden Glieder und Ornamente
bald von der Dorischen bald von der Jonischen Weise entlehne; hiermit ist eineStheils
"Nögesprochen wie eine besondere Gliederung und Einrichtung bes Dach- und Dek-
kenbaues, in welchem doch daS Kriterion jeder Bauweise ruht, ihr nicht eigen sei,
anderntheils aber wird bezeugt daß diese beiden Weisen bereits zum inhaltlosen Schema
geworden sein musten wenn die charakteristischen Glieder und Kunstsormen ihnen ab-
bkjogen und in ganz anderer Beziehung wieder vereinigt angewendet werden konnten.
blkbrigens bedars eö keines Aweisels daß Vitruv bei solchem dlrtheile über diese Weise nicht
ausschließlich bloö den Angaben seiner Hellenischen Gcwährömänner folgte, sondern noch
^onumente genug vor Augen hatte welche eine solche Mischung darboten; auch noch heute
giebt ein noch völlig erhalteneö Beispiel dasür daö Monument deö §ysikrateö zu Athen,
un welchem Korinthische Säulen eine Jonische Korona mit GeisipodeS tragen; eben
zeigt daö durch Canina aufgefundene und in der Etruria Maritima mitgetheilte
Dauwerk zu Pästum, von welchem bereitö Mauch (Fortseh. Taf. 15) einige Kapi-
telle gab, ein Triglyphon über Korinthischen Säulen, und in dem Werke deS MazoiS
über Pompeji findet sich eine gleiche Mischung der Formen an einem Privathause.
Alle solche Dinge bewcisen nur wie die Korinthische Weise in jener Zeit blühte die
Man die eklektische Phase der alten Kunst nennen kann, in welcher die Mischung aller
Formen die einer jeden eigenthümlich sind vollkommen Brauch geworden war, und die
^ymmetrien bereitö so ins Allgemeine und Unbestimmte auögingen daß man nuc
uoch mit ganz allgemeinen Kategorien wie EustyloS, SystyloS, Pyknosiylos u. s- w.
derkehrte, ohne auf die ursprünglichen Genera Rükksicht zu nehmen.
Die Ansichten der Hellenischen Baumeister über daö eben berührte Ver-
^ältniß der Korinthischen Weise zur Dorischen und Jonischen wie sie Vitruv auf-
Kvrinthiaka.
106

bewahrt hat, sind zu charakteristisch und wahr als daß sie es nicht verdienten beson-
derö inS Auge gefaßt und wenigstens in aller Kürze hier erwogen zu werden. „Mit
AuSnahme der Kapitelle" berichtet Vitruv im ersten Kapitel deö vierten Buches
„haben die Korinthischen Säulen alle Maaßverhältniße (s^mmcirigc) mit den 2oni-
schen gemein; nur die verhältnißmäßig größere Höhe der Kapikelle machen sie
emporstrebender und anmuthiger." Hiermit gesteht er zu daß auch die Spira der
Säule keine neue und eigenthümliche sondern die bekannte Jonische oder Attisch-Io-
nische Form haben konnte; es kannten mithin seine Hellenischen Schriftquellen über
diese Bauweise keine alö Korinkhische besonderö sich kundgebende Säulenspira, wie
eine solche von Neueren doch beinahe durchgängig angenommen ist. „Die weitern Glieder
(membra) welche oberhalb der Säulen angeordnet werden, sind entweder nach Dori-
schen Symmetrien oder nach Jonischer Weise den Korinthischen Säulen aufgelegt;
weil nämlich daö Korinthische Genuö selbst keine eigenthümliche Einrichtung der Geisa
und weiteren Kunstformen (coronae et Oi-Iiamenla) gehabt hatte, so werden entweder
in Dorischer Weise nach der Anordnung (ralione) der Triglyphen Mutuli an den
Geisa und Tropfen an den Epistylia, oder nach Jonischer Weise sculpirte Zophon
mit Denticuli und Geisa hinzugefügt. So ist auö beiden Weisen mit zwischengefüg-
tem Kapitell die dritte Weise in den Werken gebildet worden." Jn dieser Bestini-
mung ist die oben gemachte Behauptung vollkommen bestätigt daß die GeisipodeS
oder Denticuli der Korinthischen Weise Jonischen Ursprunges sind; beftemdend
dagegen ist hier die Erwähnung der Mutuli alö der Dorischen Weise eigen, da Vi-
truv diese Mutuli doch bei der Entwikkelung deö Dorischen Genuö mit keinem Worte
erwähnt sondern auödrükklich nur vi-ie mit gultgk! an deren Stelle als Ornament des
Dorischen Geison setzt; erwägt man jedoch die Saä^e und den Sinn in welchem er
berichtet genau, so zeigt diese Stelle wiederum ganz klar daß die Dorischen Viä mit
Len Tropfen nicht als Mutuli gefaßt sind, indem er früher (IV, 2) wo die Mutuli
von Denticuli sehr genau unterschieden werden, mit Mutuli die Geisipodeö von Ko-
rinthischer Form meinte, welche er ganz bestimmt beim Holzbaue als vorspringendes
Ende der Sparren (mutuli, cgutliei-iorum ^i-oiecturge) bezeichnete und von hier itt
Len Steinbau übertragen erklärte. Sind also mit Mutuli die Korinthischeu
Geisipodeö unzweiftlhaft bezeichnet, so modificirt sich das Geison über demjenigeu
Triglyphon welcheö in Verbindung mit Korinthischen Säulen angewendet werden soll
hiernach, und eö bezeugt dies daß Vitruv an den Monnmenten die er als Beispiele
vor Augen hatte, Mutuli an Stelle der Viä mit den Tropfen kannte.
Nachdem Vitruv hierauf die Entstehung deö Säulenkapitelles erzählt hat,
erwähnt er dabei noch gewisser Abarten desselben welche unter keine feste Benennung
und Symmetrie gebracht werden könnten, indem sie auö einer Mischung der Formeu
107

deö Korinthischen, Jonischen und Dorischen Kapitelles mit neuen Sculpturen bereichert
zusanunengeseht seien. Jn dem folgenden bildlichen und metaphorischen Vergleiche
über die Entsiehung der drei Säulenarten, bemerkt er daß die Dorische dem Ver-
hältniße des männlichen, die Jonische dem des weiblichen Körpers, die Korinthische
endlich dem jungfräulichen Wuchse zu entsprechen besiimmt sei; hierin liegt als Grund-
wahrheit aber nur dieselbe Anschauung ausgesprochen welche überhaupt das Alterthum
von dem Wesen und Charakter dieser Kunsiweisen hatte, indem es nicht nur die
Säule sondern die ganze Weise deS Dorischen BaueS für einen Ausdrukk des männ-
lichen, die Jonische Weise für den Ausdrukk deS weichern weiblichen CharakterS hielt
und diese Gegensähe auch als unterscheidende Merkmale der Kulturweise überhaupt,
so der Musik wie Poesie, des staatlichen wie privaten Lebenö beider Nationalstämme
anerkannte. Eben so wahr ist dabei VitruvS Anführung der Dorischen als der eigent-
Üchen althellenischen Bauweise, der sich, wie wohl gleich selbständig ohne irgend
^öglichen Uebergang, die Jonische als nothwendigeS Hellenischeö Complement zur
Seite stellte; und wenn dies lehtere unbestreitbar schon in HellaS vor dem Weg-
gange der Jonischen Colonien nach Asien durch die Athenischen Jonier statt fand, ist
doch eben so wenig zu läugnen daß diese Trennung vom Hellenischen Mutterboden
s«r unabhängigen Entfaltung der Jonischen Bauweise ein ganz nothwendiges Er-
forderniß war und Vitruv in solchem Bezuge wohl sagen durfte: diese Jonier
hätten erst in Asien ihre Weise erfunden und fesigestellt. Nicht minder wahr ist end-
Üch die Bezeichnung der Korinthischen Weise als eineS auS beiden erst entsprossenen
Produkteö, wobei die Geschichte von der Entstehung ihreö Kapitelleö in so fern am
üedeutungsvollsten ist, als sie grade von der Thatsache daß alle Hellenischen Kunst-
sormen durch Entlehnung von Wahrgenommenem gebildet sind ein specielleS
^eispiel und in dem von Akanthoö umgebenen Kalathos einen ganz bekannten Gegen-
stand anführt, zugleich auch die Phase ber Korinthischen Kunst alö diejenige bezeich-
Uet in welcher die Darstellung deö Wahrgenommenen in höchster Stufe der Wirk-
Üchkeit erscheint.
Dies ist Alles waö Vitruv über die Korinthische Weise beibringen kann.
Bemerkenöwerth bleibt eö dabei sicher daß die Alten selbst nicht blos an eine be-
sti'nmte Stadt die Pflege und Entwikkelung, sondern auch an die Person eineS
öewissen ganz bekannten KünstlerS so später Zeit die Erfindung und den Kanon die-
str Kunstweise knüpften, was doch der Anschauung der ältern Zeit ganz entgegensteht
^st solche Erfindungen und Bestimmungen nur alö von einem ganzen Volkssiamme
ausgehend bezeichnet; eö mag dies wieder ein Zeugniß mehr für die späte Zeit der Kunst-
ptaxis dieser Weise und für den ungemeinen Einfluß sein welcher ber Kunstthätig-
keit Korinthö am Ende des Hellenischen Lebens überhaupt noch geblieben war.
14*
108
Jn der That musten von Korinth eine Menge baulicher Gedanken und Werk-
formen ausgehen, wenn schon die wenigen Andeutungen die sich darüber erhalten haben
hinreichend sind einen Begriff von der Fülle des baulich schaffenden LebenS dieser Stadt
abzugeben. Vitruv kennt nicht nur das Korinthische Cavumaedium alö beson-
dere gesäulte Art der alten Atrien oder Hypathra, sondern auch Korinthische
Oeci deren Dekke durch vier Saulen mit Epistylien untersiützt, sich besonderö dadurch
auözeichnete daß ihre Felder nach dem Schema flacher Gewölbe oder curvenartig
gekrümmt, mit Mörtel- oder Stukkputz ornirt und wahrscheinlich stark gefarbt waren;
ganz änliche Dekken zeigen noch die antiken Wandmalereien der Privathäuser, ins-
besondere aber die von Mengö und Butti bekannt gemachten Darstellungen auö den
Trümmern der Antoninischen Villa zu Rom, welche in ihrer künstlerischen Auffaffung,
Komposition und Färbung alleö daö weit überbieten waö seit dreißig Jahren auö
Pompeji bekannt gemacht worden ist. DieseS Kennzeichen hölzerner und mit Anwen-
dung von Putz künstlich gearbeiteter Dekken welches Vitruv giebt und auf einen
großen Privatlupuö hinweist, wird auch durch Erzählungen bezeugt wie sie unter
andern Plutarch von jenem Lakedämonier giebt, der auf die kunstvolle Zimmerdekke
hinweisend seinen Korinthischen Wirth frägt: Wachsen bei euch die Hölzer vier-
ekkig? Außer dem feinen Mörtelputze trug zur Möglichkeit leiä^ter und zierlicher Dek-
kenstrukturen mit ihren reichen Kunstformen im Privatbau der Korinther, vorzüglich
noch die Kultur der berühmten Fictilia, der Arbeiten auö jenem leichten und dennoch
festen Thone bei welchen das Alterthum in so unübertrefflicher Güte zu gewinnen ver-
stand und für dessen Verarbeitung schon von den frühesten Zeiten an Korinth so recht
eigentlich die heimathliche Werkstätte gewesen zu sein scheint. Bekanntlich läßt die
alte Tradition schon den Töpfer Dibutadeö füc den Bildner gelten von welchem die
Ausstattung deö Ziegeldacheö in seinen einzelnen Theilen und Kunstformen auöging',
dieser sollte zuerst die Simen mit den Löwenmasken, wie die First- und Stirnziegel
gebildet und hierbei die Kunst bes VervielfältigenS derselben mittelö Auödrükkenö iu
Hohlformen (act^pa?) erfunden haben welche er über Vorsormen (p>rot)-p>3?) gewann.
Daß sich hierzu auch die Verkleidung der GeisipodeS unter der Traufe wie der Bal-
ken im Jnnern mit leichten in Formen ausgedrükkten Tafeln und Kästen, die
stxa und aus gebranncer Erde gesellten, bedarf kaum einer Frage.
Wohl ist es möglich daß die Anordnung jener Antepagmente deö Tuökischen Tempei-
Lacheö bei Vitruv, einer der Kunstbräuche sind welche von den Kunstgenossenschafteu
deö EucheiroS und Eugrammos die der Targuinische Anherr Demarat auö Korinth
nach Etrurien übersiedelte, begründet wurden; und wenn auch bei Erzählung solcher
Korinthischen Uebersiedlung die Namen reine Fiktion sein sollten, mögte eö doch schwerlich
hinweg zu leugnen sein daß ihr irgend ein realeö, wenn auch märchenhaft auögespon-
109

rienes Faktum von einem Kunstkonnexe Etrurienö mit der Korinthischen Töpfer- und
Künstlerwerkstätte zu Grunde liege. Auch am Dachbaue über den langen Mauern
Athenö werden inschriftlich Korinthische Geisa erwähnt, und besonderö geformte Dekk-
i'egel kennt Pollux unter dem Namen Korinthische Kalyptereö; selbst die bekannte An-
spielung PindarS von Erfindung des doppelten Tempel-Aetos alö von Korinth ausgehend,
^knn sie auch so schwerlich genügende Erklärung findet, deutet wenigstens auf die Ent-
'vikkelung der Kunstformen deö DacheS hin, da sie unmöglich auf die Erfindung und
^nordnung deö ganzen Dacheö gehen kann indem daö Dach deS Dorischen Tempels
Mit den Bildergruppen im AetoS längst schon gebildet sein muste ehe eine Dorische
Kolonie Korinth vorhanden war.
Freilich reichen diese kurzen Andeutungen nicht hin um den weitgreifenden
^'influß darzulegen den die Korinthische Kunstchätigkeit auf die Hellenische Kunst aus-
"öte, geschweige denn die beinahe auöschließliche Herrschaft zu erweisen welche sie in
Nachblüthe derselben und vor allem in der Kunstwelt der Römer gewann, zu-
Mal die engere Forschung welche das Lokal und die Werkstätte dieser Kunstweise in
^uljcher Hiusicht angeht, mit der gänzlichen Zerstörung Korinlhs durch Mummiuö
Unmöglichkeit geworden ist, jedoch werden sie immerhin die Grundlagen sein müssen
welchen sich später einmal gründlichere Untersuchungen über Korinth als Kunst-
Metropole und Handelsstadt überhaupt anknüpfen ließen.
Jndem die vorliegende Untersuchung nur die Tektonik der Hellenen im engsten
^inne uinfassen soll, muß natürlich vou der Praxis der Korinthischen Weise bei
Römern eben so abgesehen werden als von der Römischen Anwendung der Do-
^ifchen und Jonischen Weise, die beide in einem gleichen Verhältniße der Auöartung
äu den Weisen sianden wie sie in der Ursprünglichkeit in HellaS geübt wurden; eö sind
deshalb nur in so weit Beispiele von Formen Korinthischer Weise aus Römischen
^erken zur Betrachtung gezogen alö sie noch ursprünglich Hellenische, in der Mut-
Eerkunst aber verloren gegangene Formen zeigen, um so den ursprünglichen Gedanken
^uch noch in der Entartung verfolgen, ihn restituirend gewinnen und als Erken-
Uungsnnttel nutzen zu können. Da sich in der Korinthischen Weise übrigenö kein
d'genes vom Jonischen abweichendeö System der Struktur nachweisen läßt, alle Glie-
aber welche zum Ausbaue dienen in ihrem statischen wie dekorativen Wesen
^reits abgehandelt sind, bleiben im Ganzen wenige und nur auf abweichende Forinen
^ügljche Bemerkungen für dieselbe zu erörtern übrig, wie dieö im Folgenden gesche-
heu soll.
110

I. Planform und Krepldoma.


War eö schon möglich mit der Jonischen Weise Planräume und Ptero-
mata in einer Freiheit anzuordnen für welche die Dorische Weise wegen deS Tri-
glyphon und dessen Kunstformen versagte, so ist die vollkommenste Unabhängigkeit
hierin mittelö der Korinthischen Weise dadurch gegeben daß daö Kapitell ihrer Säule
gleich dem Dorischen Kapitelle für jeden Standort derselben wie für jede AnordnungS-
weise des Epistylion Gültigkeit hat, und so für Ekksäulen jeder Art wie für Mittelsäu-
len auf welchen sich Epistylia kreuzen, die volle allseitig gleiche Entwikkelung der ForM
zuläßt für welche wiederum das Jonische Kapitell der einfachen cylindrischen Säule
versagte; daher finden sich alle möglichen Planformen, von der einfachen Form Pro-
siyloö biö zur Form Dipteroö ohne Schwierigkeit realisirt. Eine solche Bequem-
lichkeit in der Anordnung verbunden mit dem sinnlichen Prunke aller Glieder deö
Aufbaueö, ist allein die Ursache von der später vorherrschenden Liebe für Anwenduug
der Korinthischen Weise zur Bildung von Votivtempeln und Ehrenmonumenten, vou
Lurus-Gebäuden des öffentlichen Lebens und Treibenö wie deö privaten Prunkeö.
Der bunten Mannigfaltigkeit deö Planeö entspricht daher auch die Anordnung
deö Krepidoma; eö erscheint dasselbe sowohl alö abgestufte Unterlage des ganze»
Baueö, wie als bloßes Podium an einer, zwei oder drei Seiten, während beiden
Fronten oder nur einer Fronte Aufgangsstufen vorgelegt sind.

2. S ä u l e.
Spira. Jn dem vorhin geschilderten Wesen der Korinthischen Kunstweise
liegt die Ursache weöhalb selbst Vitruv für die Säule derselben keine eigenthüm-
liche Spira angeben konnte; denn weil mit der Jonischen und Attisch-Ionischett
Spira, j,n einfachen oder doppelten Trochilus, im Plinthuö oder Aba-
kuö, im Toruö und in den Astragalen, alle Formen gegeben sind welche deM
Gedanken nach in der Spira einer Säule überhaupt nur erscheinen können, bleibt
für die Korinthische Weise, die schon bei Anordnung deö Dach- und DekkenbaueS
völlig eklektisch z» Wege geht, nichtö übrig als eine eben so eklektische Mischung der
einzelnen Formen der Spira, welche zuleht auch darin mit der korrumpirteu Zusa>v'
mensehung der sogenannten kompositen Kapitellsorm für welche fchou Vitruv keine
fesie Terminologie mehr hatte, gleichen Schritt hält und zuletzt in einer begrifföwidrigea
Mifchung der einzelnen Formen der Spira auöläuft. In der That wird diese eklek-
tische Mischung der Formen an der Korinthischen Spira, welche gewöhnlich in eineM
Complepe des Ionischen und Attisch-Jonischen Schema besteht, der Mangel eineS
festen Kanon und daö Schwankende in ihrer Zusammensetzung, durch alle Ueberbleibs^
bekundet. Sehr unbestimmt in den einzelnen Formen gezeichnet ist schon die Säu-
111

lenspira von Attisch - Jonischem Schema am Tholus des LysikrateS zu Athen,


unstreitig dem altesten übrig gebliebenen Werke dieser Weise; in andern Werken Rö-
nnscher Kunstherrschaft in HellaS erscheint dieser Form noch ein Plinthus hinzuge-
f"gt, und in Rom mögte die Spira am häufigsten Anwendung gefunden haben welche
aus einem doppelten Trochilus und zwei Toren gebildet wird, wie fie am
Pantheon, am Tempel deö Jupiter Stator und Tonanö vorkömmt; auch gehören in
diese Gattung eine große Zahl von Piranesi gesammelter Spiren welche, bei vorsich-
t'ger Benutzung und HerauSscheiden dessen was sich schon FalfcheS in ihnen einge-
funden hat, deöhalb so große Wichtigkeit erhalten weil alle einzelnen Formen durch
Skulptur vollendet sind, mithin den Begriff einer jeden wie er in den Jonicis ent-
wikkelt wurde in möglichster Realität ihres Analogon versinnlichen oder fo zu sagen
handgreiflich vor die Sinne stellen; grade diese nur plastifche Vollendung der For-
wen bezeugt aber wie sich im Allgemeinen nicht nur der ursprüngliche Vegriff einer
jeden in dieser realistischen Ueberlieferung fortgetragen hat, sondern wie nothwendiger
Weise manche dieser plastisch wiedergegebenen Elemente nur auf Vorbildern beruhen
konnten welche im Hellenischen bloß gemalt vollendet waren.
Eö ist keine Frage daß die in Sculptur allein vollendeten Tori, Trochili u. s. w.
der Spira auf Taf. 7 Fig. 1, 2, Taf. 10 Fig. 3, Taf. 12 Fig. 2, 4, Taf. 26 Fig. 1k, 12,
18 der Korinthischen Phase der Kunst angehören.
Slamm. Ueber den Stamm der Säule läßt sich zu dem waö schon in den
Äonicis dafür beigebracht ist nichtö weiter bemerken, indem er ganz und gar derselben
^unstsormenbehandlung uuterliegt, eine öster vorkommende größere S>chlankheit aber hier-
üei ganz unwesentlich erscheint. Ä)o jich die Rhabdosis in den einzelnen Furchen schon
"ielfach gebrochen zeigt (z.B. Taf.12Fig.5) oder spiralisch den Stamm umwindet, wo
derselbe auö einem Blätterkelche oberhalb der Spira entspringt oder ueben der RhabdosiS
u°ch durch Blätterzweige und figürliche Skulpturen bedekkt ist, bekundet sich schon die
Zeit der völlig absinkenden Hellenischen Tradition bei den Römern, und wie bald der
ganze Charakter der Korinthischen Weise zu einem solchen Verlassen des strengen
gefetzlichen Kanon hindrängte, beweisi schon der Stamm an den Säulen des Lysikra-
kesniales dessen Rhabdosis oben bereits in einer Blattbildung beendet ist.
Kapitcll. Die ganze Formation des Korinthischen Kapitelles in seinen vier
öleich entwikkelten Fronten weist unverkennbar auf die Dorische Abstammung hin;
wie besremdend auch diese Behauptung im ersten Augenblikke erscheinen mag, wenn
Uian besonders den Auödrukk der höchsten Leichtigkeit hinsichtS der statischen Belastung
^trachtet, ist sie nichts desto weniger eine Wahrheit die sich durch Zurükkführung
letzten am reichsten entfalteten S6)ema auf die ursprüngliche einsache Typenform
äründet. Diese ursprüngliche Type ist aber keine andre als der schlichte KalathoS,
112

der einfache korbänliche Blätterkelch welcher auö den Blättern deö leichten Dori-
schen Kymation gebildet isi, wie ihn Taf. 42 Fig. 1 «nd Taf.4 Fig. 2 und in
vierfeitiger Form die Dorifchen Antenkapitelle zeigen, wozu noch die Kymatia Taf- k
und 2 zu vergleichen sind. Der geringe Ueberfall der Blätter durch welchen der
gelinde Grad der Belastung versinnlicht wird, verbunden mit einem zarten Asiragal
welcher Kalathos und Säulenstamm verknüpft, so wie der verhältnißmäßig dünnere
quadrate Abakus des Kalathoö, bilden eben so wie bei der Dorifchen Ante den
einzigen Unterschied vom Echinuskymation im Kapitelle der Dorifchen Säule; denn
wie eö früher erwiefen ist war das Echinuökyma weiter nichts alö ein Kelch auö zwei
Reihen hintereinander stehender Blätter gedacht, von welchen die vordere spitz, die hin-
tere oval in den Spitzen gezeichnet waren und durch Vorauöfetzung der stärksten
Belastung in diesen Spitzen biö zur Wurzel übergeneigt, mithin eben so ein Kyma-
tion nach echinusänlichem Schema bildend erfchienen alö die Blätter deö Korinthi-
schen Kapitelles zu einer kalathoöänlichen Form organisirt sind; ein solcher Blätter-
kelch in geringerer Belastung gedacht, ergab nun einen so gelinden Ueberfall wie ihn
daö Kymation des Antenkapitelles zeigte. Deswegen hat der Korinthifche Kalathos
auch das mit dem Echinuö-Kapitell gemein, daß er eine gleiche allgemein gültige
Form ergiebt, welche vom Bezuge bloß auf daö Epistylion ganz abgelenkt und auf
die Dekke im Allgemeinen gerichtet, mithin für jeden Standort der Säule, so fü^
Ekkfäulen wie Mittelsäulen gleich gültig ist; diefes aber bildete den Gegensatz zMU
Jonifchen Kapitelle. Wie endlich daö Dorifche Kymation, vom EchinuS biö z»M
leichtesten Ueberfalle der aufgerichteten Blätter, fähig war verfchiedene Abstufungen
der Belastung zu versinnlichen, verhält es sich änlich mit dem Taf. 42 Fig. 1 ange-
führten Blätterkalathoö.
So richtig alfo VitruvS Ansicht ist daß daö Kapitell die einzige Forin sti
wodurch die Korinthifche Weise als solche bezeichnet werde, so irrig würde eö ftia
wenn man dasjenige Schema welcheö er als Norm dieses Kapitelleö aufstellt, fü>-'
daS ursprüngliche halten wollte, im Gegentheile gehört diefes dem spätesten StadiuM
der Entwikkelung an. Schon die Angabe daß der Athener Kallimachoö, mit deM
Beinamen Katatechnos, der Ersinder fei und für dasselbe eine entsprechende SyM'
metrie zur Säule gegründet habe die zuerst von ihm in Korinth angewendet sti,
weist auf die Zeit nach dem zweiten Persischen Kriege hin; indem diefer Kallimachö^
wohl derfelbe ist welcher die goldene Lampe mit ihrem Erzfchlote im Poliaötempel za
Athen gearbeitet hatte, die Stiftung diefeö Werkeö aber erst nach diefem Kriege za
setzen ist. Sodann zeigt jene Angabe weiter: daß dem Künstler die zufällige
Wahrnehmung eineö mit Akanthus umwucherten Korbes auf den Gedanken des Ka-
pitelleö geführt habe und diefes eine Nachbildung jeneö GegenstandeS sei, wie hi^
113

«ur eine Künstleranekdote sehr später Zeit vorliege, welche auch blos von den Leuten
der spätern Zeit geglaubt und nacherzählt werden konnte. Was aber den Akanthus
anbetrifft so ist es bekannt daß diese Pflanze wohl Blätter der angewandten Art,
uicht aber HeliceS und Voluten treibt welche in jener Erzählung doch eine große
Rolle spielen; zweitenö ist unbestreitbar daß die ältesten Formen deö Kalathoskapitel-
ohne Helices und Voluten, jedoch auch ohne diese immer nur Korinthische Kapi-
telle stien.
Jm Allgemeinen läßt sich von der am reichsten entfalteten Form deö Kala-
thos sagen daß sie ihrem Begriffe so lange entspreche als in der Bewegung der Blät-
ter noch eine von ihnen abgestühte Belastung, ein Konflikt mit der Dekke zu erkennen
sei, wie es das eben angezogene Beispiel Taf. 42 Fig. 1 zeigt; charakterloö erscheint sie
^ugegen sogleich wenn dieser Gedanke nicht mehr darin erkennbar ist, wenn also die
ubstühenden und belasteten Blätter keinen Ueberfall mehr bilden sondern frei endend
k'Uporstehen, mag auch hierbei die bildnerische Darstellung aller Einzelnheiten an sich,
^ie sie z. B. Taf. 42 Fig.2, Taf. 43 Fig. I, 2, 4, Taf. 4 Fig. 4 zeigen, so zart
Uud trefflich gethan sein als sie wolle. Jn Betracht so mannigfacher Beispiele die-
s^ Form jedoch, welche als Fragmente und mit wenigen Auönahmen stetS ohne
dazu gehörigen Säulensiamm gefunden sind, ist es noch sehr fraglich ob dieselben
jenials alö Kapitelle von dekkestühenden Säulen und nicht vielmehr bloß gedient
haben, Statuen, Büsten, Thiere, Gefäße oder sonstige Weihwerke aufzunehmen; in
U'elchem Falle dann der Form schwerlich die volle Berechtigung für die Darstellung
des geringsten Grades der Belasiung die überhaupt im Bilde auögedrükkt werden,
abzusprechen sein möchte.
Abgesehen von den Nebenformen des Kalathos welche durch eine verschiedene
Form der Blätter erzeugt werden, gewinnt er die zweite Stufe der Entfaltung durch
Hinzufügen eines zweiten Kelcheö oder Kalathos von Blättern mit welchem die Wur-
^l des vorigen umgeben isi und deren besondere Form bedeutend von jenem absticht.
^le überlieserten Beispiele zeigen daß das dem Akanthoö entlehnte Vlatt sür diesen
Fall das beliebtesie gewesen sei; so Taf. 4 Fig. 4, Taf. 42 Fig. 2, Taf. 43 Fig. 1, 2, 4.
ÄNtressant ist es daß sich schon bei Dorifchen Säulenkapitellen dieser Gedanke vor-
gebildet findet, wie in Fig. 3 Taf. 4, wo der Blätterkelch welcher daö Echinuökyma
^nldet am Urfprunge mit einem solchen Kelche umgeben ist und gleichfallö auö ihm
entfpringen scheint. Denselben Gedanken giebt das Antenkapitell am Parthenon
^af 4 Fjg. 6 wieder, und wie weic derselbe ausgedehnt werden kann zeigt Taf. 43
Flg- 6, wo die Blätter welche in ihren überfallenden SpiHen ein Echinuskyma bil-
^n, aus dem untern Kelche von Anthemien hervorwachfend gedacht sind.
Jn einer andern hierher gehörenden Nebenform sind an Stette der schlanken

Korinthiaka. 15
114

Blatter deS obern oder innern Kalathos Anthemien oder fächerförmige Blumen
gefetzt welche auö dem untern Blätterkelche entfprießen, Taf. -13 Fig. 1. Auf die
Verwandtfchaft zwischen Fig. 6 und Taf. 4 Fig. 3 ist bereitö hingewiefen.
Eine zweite von der vorigen gänzlich verfchiedene aber eben so geistvoll erfun-
dene Gattung bildet sich durch Umgebung deö Kalathoö mit vier breiten Blättern,
welche einem untern Kelche akanthuöartiger Blätter in den Diagonalen entwachstnd
und unter den vier Ekken deö Abakuö überfallend, mit den Spitzen in offener Vo-
lutenform enden; der übrigbleibende Zwifchenraum am Kalathos wird durch andre
Formen ausgefüllt; Taf 43 Fig. 3. Eine Folge diefer Anlage ist die HerauS- oder
Vorbiegung der vier Ekken deö Abakuö ohne welche die involutirte Blattspitze nicht
in ihrer Form plastisch ausgedrükkt werden könnte; so bildet sich die in Mitten ein-
gezogene, in den vier abgesiumpften Ekken vorgestrekkte Form deö AbakuS hier und
bei verwandten Beispielen. Eine schon mit Heliceö anstatt dieser Blätter gebildete
Form verderbter Art zeigt Fig. 5.
Als dritte Gattung erscheint endlich die Form welche man nach Vitruv die
Kallimachische nennen könnte; eine Form welche die höchste Stufe der Entwikkelung
bezeichnet die der ursprüngliche Gedanke zuläßt und hinsichts der wundervollen Rea-
lität ihrer einzelnen Elemente wie der geistvollen Anordnung derselben für immer
unübertroffen bleiben wird. Alö Repräfentant diefer Gattung wird der KalathoS der
Säulen am Tholus deö LysikrateS zu Athen, Taf. 42 Fig. 3 gelten; außerdem möchte
Lieses Beispiel unter allen Ueberresten nicht bloß daö älteste sondern auch das einzige
sein bei welchem sich der alte Hellenifche Bildnersinn in Auffassung der vegetabilen Formen
noch in unverfehrter Reinheit kund giebt; denn ein andres bekannteö Beispiel, der Kala-
thos der Wandsäulen im Apollotempel bei Milet, obwohl nicht minder ächt Hellenischrr
Abkunft, zeigt fchon die späterhin übliche mehr manierirte Auffassung des PflanzeN-
wuchses. Jm Allgemeinen unterscheidet sich diese Form von der vorhergehenden
durch volutenförmige Ranken (lleüces) unter den vier Ekken deö Abakus,
welche auf Stengeln (cauüculi) mit Blätterkelchen entfprießen und durch den sanfl
ten Drukk der Lastung herauöwärtö gebogen erscheinen, also llexuras in exicemas
tes volutgrum fgcere 5unt coacti; von diesen spalten sich kleinere Heliceö nach ber
Mitte des Kalathos und tragen hier eine fächerartige Blume, Knoöpe oder Rofe.
Alö merkwürdiges und bisher zu wenig beachteteö Seitenstükk dieses Kapi^
telles am TholuS des Lysikrateö, ist auö der ältern Jtalifchen Kunst das KapiteH
vom Tholus (fogen. Tempel der Sybilla) in Tivoli Taf. 44 Fig. 8 zu rechnen, welches
ganz und gar im Hellenischen Geiste erfunden, nur in der eigenthümlichen Schwüi^
stigkeit der Akanthuöblätter von der Klarheit der Hellenischen Auffassung abweicht
und jene alte Jtalische Kunst zeigt der auch mehrere höchst intressante Kapitelle in
115

Pompeji angehören, wie sie die Taf. 39 Fig. 5, 6 und Taf. 43 Fig. 3 geben. Daß aber
die Vorbilder hierfür Hellenischen Ursprunges seien, beweist eben das letztere Schema von
^elchem ein Epemplar in HellaS selbst ausgesunden ist.
Mit der Kalathoöform in dieser letzten Stufe der Entwikkelung scheint die Erfin-
dung der alten Tektonik erschöpft; alle weitern und spatern Abarten derselben, welche nach
Vitruvs sehr wahrer Bemerkung aus einer Mischung der vornehmsten Formen des Ko-
rinthischen, Jonischen und Dorischen Kapitelles gebildet sind, zeigen die sinkende Kunst in
der bereitö unverständlichen Zusammensetzung der Schemata. Nur ein e Varietät des Ka-
^thoskapitelleö ist es noch welcher die volle Berechtigung nicht abgesprochen werden darf,
obgleich die meisten überkommenen Beispiele derselben auö dieser Zeit des Versalles herrüh-
ren; dies ist nämlich dasjenige Schema welches den Kalathos, außer den Formen die nur
den, statischen Ausdrukke angehören, mit Elementen charakterisirt zeigt die den Gedanken-
kreis des Allegorischen berühren und auf die Säule hinsichtlich der Bestimmung und
^edeutung des Raumes dem sie angehört, oder des Gegenstandes den sie ohne grade
Dekkenstütze zu sein trägt, gerichtet sind. Unter solchen allegorischen Elementen erscheinen
besonders menschliche namentlich geflügelte Figuren, in halber oder ganzer Form, Maö-
ken, Thiere, goctesdienstliche Attribute und Geräthe, Waffen und dergleichen, welche alö
erklärende Beiwerke oft in der geistvollsten Weise erfunden und dem Schema deö Kapi-
telles sür solchen Iwekk eingesügt sind. Die Sammlung der Ueberbleibsel auö diesem Be-
reiche welche Piranesi gegeben hat, bezeugt allein schon wie selbst die sinkende Kunst der
Röiner noch einen Schatz von treffenden Gedanken in dieser Form entwikkelte und unsrer
3rit als Hindeutungen hinterließ, welche eben so besruchtend aus die Erstndung und Bil-
dung neuer Gedanken einwirken müssen als die Darstellungen auf den geschnittenen
^anieen und Gemmen. Daß grade die Kalathosform hierfür beinahe auöschließlich
grnutzt worden ist um solche Nebenbegriffe am Kapitelle der Stützen darzustellen, beruht
"atürlich darin daß dieö Schema schon wegen seineö großen proportionalen Maaßstabeö
das günstigste dafür war und für Varietäten den weitesten Spielraum erlaubte; namentlich
tUuste dies da an der Stelle sein wo die Stütze nicht einer Dekke, sondern einer Statue,
^üste, einem Geräthe, Tropaion u. s. w. als Stütze und Träger dienen sollte; ein Zwekk
den, auch wohl die meisten dieser Kapitelle entsprechen möchten welche auö der Zeit der
^ömischen Kunstherrschaft auf unö gekommen sind.
Das Kalathos-Kapitell ist dem Säulenstamme durch einen Astragal verknüpft
tvelcher dem vorspringenden Ablaufe (gsintkiesis) des Stammes folgt. Der Abakuö des
Kcilathos ist ursprünglich quadrat im Grundrisse und ohne Kymation, zeigt sich jedoch dann
tvenn Helices oder helipartig gezeichnete Blätter unter seinen vier Ekken stehen, über diese
von seiner Mitte ab sanft vorgebogen und dann gewöhnlich abgestuinpst, stltner spitz
vuslaufend in den Ekken, an seinem obern Saume aber durch einen Ablauf mit Ky-
116
niation beendet. Der Scamilluö, oder daö Scamellum, auf dem Abakuö macht sich
hier auö dem natürlichen Grunde so sehr bemerkbar, weil man schon gleich beim Aufbrin-
gen und Richten der Epistylia die zarten Ertremitäten dieseö Kapitelleö weit mehr zu be-
rükk>ichtigen und vor dem Abdrükken zu sichern genöthigt war als eö bei den andern Ka-
pitellen erforderlich ist.
Wie schon behauptet läßt sich daö Kalathos-Kapitell in seinem Ursprunge nur aus
derVerbindung mit leichten Dekken und dem Bestreben hervorgehend erklären für diese
ein entsprechendeö StüHenkapitell zu gewinnen, auch möchte eö in der That unmöglich sei»
eine andre Kapitellform zu denken welche eine so geringe Belastung darzustellen im Stande
wäre und dabei nicht die Einseitigkeit der Jonischen sondern daö allgemein Gültige der Do-
rischen an sich truge. Wird dieö nun gleich durch diese Form erreicht, bietet dieselbe wegen
der Möglichkeit ihrer Verschiedenheiten dem Bildner unstreitig die größeste Freiheit deS Ge-
braucheö dar, so trägt sie in Bezug auf die folgenden Kunstformen an den Gliedern bes
äußern Oberbaues dennoch unlööbare Widersprüche in sich die weder daö ^onische noch
Dorische Kapitell hat; denn indem das Kapitell der StüHe weniger für si ch alö viel-
mehr sür den Bezug auf die Glieder und Kunstsormen der Dekkung geformt werden muste,
trat schon ein Widerspruch auf sobald man dasselbe unter ein DorischeS Triglyphon stellte,
weil in diesem Falle das Wesen deö Dorischen Kapitelleö, nämlich der Bezug aus die
ganze Dekke und deren Lastung in ihm verblieb, dieö aber dem Ausdrukke der gelin-
desten Belastung welcher an ihm auögeprägt ist durchauö widerstrebte; dabei ist klar wie
ein Triglyphon als Thrinkos eines Korinthischen Baueö, durch welcheö nothwendiger
Weise die Säulenaxe in daö metrisch streng gebundene Verhälmiß zu den Triglyphenaxen
zurükkgesührt wird, nur ein Rükkfall zum Gebundenen der Dorischen Weise sein konnte
welches die Jonische Weise bereitö überwunden hatte. Ein gleicher Widerspruch entstand
durch seine Verwendung unter einem Jonischen Dekkenbaue; denn weil bei diesem das
Epistylion in seinen hieraufbezüglichen Kunstformen vom Thrinkoö und Geison getrennt
und für die Säule allein geltend gemacht worden ist, fehlt dem Kalathos für solchen Aus-
drukk jede Form welche ihn auf daö Episiylion allein bezüglich charakterisirt. Ninnnt
man alleö dieses zusammen so führt eö zu der Annahme daß er seiner ursprünglichen Vet-
wendung nach Mehr zur StüHung von Dekken im Jnnern der Räumlichkeiten gedient
habe und erst allmälig zur Anwendung im Aeußern hervorgezogen worden sei; und hier-
für würde auch ein gewichtiger Beweiö in jenem Athenatempel zu Tegea zu erblikken se>"
bei welchem die Korinchische Säulenreihe über einer Dorischen nur die obere Porticus
innerhalb der Cella bildete.
117

Zu den Zeichnungcn.

Taf. 42. Di'e Zeichnung des Kalathos Fig. 3 vom Tholus des Lysikrales ist nach einem
^ber das Original geformtcn aber sehr verstümmelten Abguß in der Sammlung des Königl. Gcwerbe-
Znstitutes zu Berlin beinahe in der Hälfte der natürlichen Größe gcmacht; die Heliccs auf den
Ekken, das Anthemion in der Mittc, der obere Theil und die Uebcrfälle der Akanthusblätter sind
°>SNe Ergänzung. Es fchlt dem Kalathos schon der Astragal welcher ihn mit dem Stamme verknüpft.
Fig. 1 ist das bereits auf Taf. 4 Fig. 2 geometrisch verzeichnete Kapitell. Ohne Zweifcl ist
nni Abakus dcsselben eben so die Mäandertänie zu restituiren als sic sich bci dem Kapitclle Taf. 16
8ig. 2 fygl. dcn Text dazu) in der Eclla von Phigalia in schr deutlichen Spuren vorgcfum
ben h-,t.
Fig. 2 ein auf Melos gefundencs Vruchstükk.
Taf. 43 Fig. 2, 5, 6, nach Piranesis Mittheilungcn gezeichnct; Fig. 4 dcr Fortsehung
Stuartschen Werkes entlehnt; Fig. 1 nach einer kaum genießbarcn Skizze in dcm Wcrkc dcs
Ouast über das Erechtheion gezeichuct. Von Fig. 3 existirt ein Abguß in der Sammlung dcs
^önigf Gcwerbe.'Znstitutcs zu Bcrlin; mcrkwürdig daß der Architekt Poppc dasselbc Kapitcll auch
^ Athen gefunden hat und ein glcichcs schon in der 2lnsicht von Eleusis durch Stuart unter dcn
^l'ümmerhaufen gezeichnet ist.
Taf. 44 Fig. 7 ist von Mauch in der Fortsetzung von Normand's Parall. gegcbcn und
^gänzt das Beispiel welches Eanina in der Etruria Maritima von demselben Tcmpel in Pästum
Stgeben hat welcher eben einen Dorischen Oberbau hat. Fig. 8 ist dcm schon öftcr angef. Weike dcs
^»lladier entnommen.

N o t e n.
Als Hauptform des Kapitelles erscheint die korbänliche, der cslattius; cin Name und eine Form
^che wohl mit zur Entstehung jener Erzählung bei Vitruv IV, I bcigctragen habcn mögen, daß
^ch Eeblikkung eines mit Akanthus umwucherten Korbes die Bildung des Kapitelles veranlaßt sei; denn
die ältcsten Formen dieses Kapitelles noch keine Akanthusblätter zcigcn ist sicher, und hiernach ist
^ Vitruvische Angabe zu bemcssen. Vitruv nennt zwar nur das Vorbild nicht aber das Kapi-
^lbst csigtlius, der Name war aber wirklich bei dcn Hellencn sicher schon vor Kallimachos
gültig, wie selbst noch aus ^tlion. V, 39 erhellt, wo die Kapitelle der hölzernen Säulen
dm Wortcn beschrieben werdcn: 7r6j>t K 7r§o<7«/o(>6uo^6r>oi> -e«-.«Aov oü/
re«t Pr)-.?.« ro«/t« (Zlkanthus) 7rk(ux6tr-«t,- man sieht hieraus daß
^^,bcr Kalathos aus andern als dcn Blättcrn des Akanthus gebildet jcin konnte. Gewöhnlich heißt
öie Korinthische, wie cbenfalls bci ^tlion. I. e. 38 die aus Elfenbein und Gold gearbcite-
> Kapitelle X6ix«^«t ^o(>tr>Ator>(>/6ts genannt sind; Vitruv sagt 6orintliig cnziitulii.
Von dcn cinzelnen Theilcn ncnnt Vitruv dic involutirten Nanken Iivlievs, und wird dies
^ »»s Hesienischen Oucllcn anderwcitig bestätigt. Hcsychios nennt «r>«/?.uP») rr«(>« n>es
ond crklärt cs allgcmcin mil ru-.t/,u« (also involutum oder convolutum); cbcn so heist
auch dje Haarlokke, die jpiralisch gewundene Weinranke und (bei »lillioii. XIII, 599) die Spirasi
Athenäus V, 39 oben ncnnl gradc zu die Helikcs der Kalathos-Kapitelle. Daß dic Helle-
^ auch x^,to§ anstatt Iiolix gesagt haben, wie aus Ho8^el>. x(,tö§. rr«(>« re>t§ «^tr-xreroert
^ootKi^t'ou xtoi>o§ gedeutet werden könnte ist nicht rechl klar, da x(>tOs als Theil der
118
Säule und nicht des Kapitellcs genannt ist. Wenn am hölzemen Dache des Baues an den
langcn Maucrn in dee Znschrift bci O. NüIIei-, üo munim. Allion. ^ 72 vorkömmt, so möchte
es beffer auf Streben (oaprooli bei Vitr. IV, 2 und X, 15) untcr dcn weit vorspringcnden
Gcisipvdcs, als auf lehtere und deren Helix gchen; doch ist es möglich daß man handwerksmaßig
auch die Geistpodes nicht ihrer Form sondern ihrer statischcn Dienstleistung wegen genannt
hat, was denn mit Hesychios stimmen würdc weil unter xrxosy rou Lo^eitAt'oo reioros das der
Korinthischen Saule zugehörendc ganze Gebalk mit Geison und Geisipodes gemcint sein kann.
Daß die gewöhnliche Zlrt der Blätter aus welchen dcr Kclch besteht dem die Nanken entt
spricßen und welche oben ro«^x« Pu-.-,« hcißcn, dcm Akanthus angchöre, bewcist nicht nur Vitruv
sondern auch das Kapitell am Monumente des Lysikratcs, wo der Akanthus ganz und gar noch
dcr alten Form erschcint die man an den Pflanzenelementcn in hieratischen Bildwerken sieht; cine
Form welche für die Sculptur dieses Gewächses in Athen bis zur spätcsten Zcit festgehalten zu se>n
scheint, und am Kapitelle des eben erwähnten Denkmales eine wcit gctrcuere Uebcrtragung dcr N«'
tur zeigt wie an allcn außerdem bekannten Kapitcllen in welchen nach und nach die Manier die
Natur überwiegt. Daß mit Anwendung grade dieser Pflanze irgend eine weitere symbolische Anspie'
lung verbundcn worden, sei möchte sich schwcrlich erweisen laßen, da es wohl kaum cine Pflanzcnbil-'
dung auf Werken der Altcn gäbe in welcher sie nicht crschiene.

3. A n t e.

Alles was über die Ante in ihren verschiedenen Veziehungen nur gesagt werden
kann ist in den vorhergehenden Büchern erschöpfend abgehandelt; eö ist dies um so mehr
auch auf die Korinthische Ante anzuwenden als kein neuer Gedanke weiter hinzutreten
konnte welcher eine neue und eigene Formation hervorrief. Behalt man jedoch das nach
allen Seiten gleich entwikkelte und für jeden Standort der Saule gültige Kalathoskapitell
im Auge, so läßt sich daraus schließen daß die Ante, im Stamme, Kapitelle und i»
der Spira dem entsprechend, namentlich im Kapitelle so componirt sein muste daß dieses für
alle Grundrißformen der Ante, mithin für Anten von vier gleichen Seiten, für Anten
von einer breiten und zwei kurzen wie für Anten von zwei breiten und einer kurzen Seite
entwikkelt werden konnte. Für diese Bedingungen möchte aber keine Form genügendee
sein als die nach welcher der Kalathos der Säule selbsi geordnet war, jedoch mit der ßch
von selbst verstehenden Voraussehung daß alle Einzelnheiten auö welchen jene KalathoösorM
besteht, für eine rechtwinklich im Grundriße gezeichnete Form umgewandelt wurden; »nd
diese Formation die sich am besten beim Tempel der Roma und deö AugustuS zu Poln
(Alterth. v. Akhen, Lief. 16, Bl. 11) erhalten zeigt, scheint es auch zu sein welche zuleßt
feste Anwendung fand. Verwandte Formen sind auf Taf. 31 Fig. 8, Taf. 38 Fig. 1, 2, ö
gegeben; unter diesen besonderö giebt jeneö Attisch-Jonische Kapitell aus Eleusis Taf. 38
Fig. 1 einen deutlichen Beweis wie die Verwendung des Akanthus keineSwegs als
auöschließlicheö Kriterion der Korinthischen Kunstsormen angesehen werden dürse. Daß
endlich für dieses Kapitell eben solche Mischgattungen vorkommen musten wie für das
ohne festen Kanon zusammengesetzte Säulen-Kapitell für welches Vitruv schon keine Be-
119

zeichnung finden konnte, beweisen die bereitö in den Joniciö erwähnten Beispiele Taf. 31
Fig. 6, 7 und andre dergleichen. Dem entsprechend konnte auch die Spira der Ante
»ur eine eben so zu fassende Uebertragung der einzelnen Formen der Säulenspira sein,
und was den Stamm endlich betrifft so zeigt sich in vielen Beispielen, folgerecht dem
Kapitelle und der Spira, die Rhabdosiö deö Säulenstammes auf denselben über-
tragen, waö sogar in Fällen geschieht wo sich die mit der Ante in Bezug stehenden Sänlen
°hne Rhabdosiö finden, wie eö bei dem eben erwähnten Tempel zu Pola in Jstrien und
der Portikuö deö Pantheon statt hat; auch giebt daö erstere Monument an seiner hin-
tern ungesäulten Fronte eineö der vielen Beispiele wo die Ante gar nicht mehr mit Säu-
len im Bezuge sieht sondern nur alö Wandpfeiler auf den Ekken der Wände erscheint,
während die ganze Fläche der Wand zwischen je zwei Ekken ohne solche Pfeiler gehalten
'st- Diese Anwendung läßt noch weit weniger irgend eine Rechtfertigung zu alö diejenige
wie sie z. B. am Tempel der Fortuna zu Pompeji erscheint, bei welchem doch wenigstens
d'e Ante alö Wandpfeiler von der Eingangö-Portikuö ab in gleichen Abständen an den
drei Wänden der Cella herumgeführt ist, um dem Baue daö Ansehn eineö Pseudomonop-
^eos zu geben.

a n d.

Auö dem in Vorhergehendem Gesagten folgt daß auch die Auffassung der Wand
eine sehr schwankende und beliebig wechselnde sein konnte, welche bald in daö Dorische
in daö Attisch-Jonische hineinspielte. Gewöhnlich zeigt sich die Spira der Ante auch
^ Spjra der Wand, seltner hat lehtere eine von der erstern abweichende und der Attisch-
^°"ischm Weise eigne Formation gewonnen wie sie z. B. Taf. 35 Fig. 1 giebk, wo k die
^te, g hjx Spira der Wand ist, die sich auch noch durch daö schon erwähnte Anthemion
^ pon si abhebt; wo an Stelle der Wandpfeiler Wandsäulen stehen, versteht sich
^ Durchführung der Säulenspira von selbst, wie eö z. B. Taf. 7 Fig. 1 zeigt. Noch
' ^ zu erwähnen daß siä) auch östers nach Attisch-Jonischer Weise ein Halö der Wand so
^ürkirt findet, daß entweder die Elemente deö Antenkapitelleö oder ein mit Psianzenwerk
^ kkktes Vand in der Höhe dieseö Kapitelleö denselben bilden.

5. E p i st y l i o n.

im 6' Gedankengange der Korinthischen Weise folgte für daö Epistylion


^anzen die Annahme der Jonischen Kunstsorm; nicht blos daö einzige ächt Hel-
'lche Werk derselben, der Tholuö des Lysikrates bezeugt dieseö, eö siellt sich an den
120

übrigen erhaltenen Werken Römischer Kunstherrschaft ebenfallö als allgemein gültig her-
auö; und wenn auch auf die ausschweisenden und schon ganz unhellenischen Formen diestr
Werke, wie stch dieselben namentlich an Bauten in Palmyra und Heliopolis zeigen, stlbst-
verständlich keine Erklärung gebaut werden, so erkennt man doch in allem was erhalten ist
immer noch daß eben die Jonische Kunstform die bestimmende und überwiegende bei der
dekorativen Auöstattung deö Epistylion blieb. Daö Epistylion erscheint diesem nach in
seiner Stärke auö mehreren Fasciä aufgeschichtet, jede Fascia von der andern durch Ky-
mation getrennt oder mindestenö durch verknüpfende Astragale in den Scheidefugen bezeich-
net, durch Kymation mit Sima oder Lysis beendet und so vom Thrinkos geschieden- Gleich
schwankend ist die Fassung dieseö Gliedeö seiner Breite nach; zuweilen erscheint es als
eine einzige Fascia mit dem flachen Torenbande in Mitten, zuweilen als zwei neben ein-
ander gespannte Torenbänder gearbeitet, wie bereitö Taf. 15 in den Fig. 3,1, 5, 6, 8,
9, 10 und dem dazu gehörenden Texte bewiesen ist. Wie eö sich dann verhielt wenn deM
Epistylion nach Vitruvs Berichte ein Triglyphon folgte, ob unter den Triglyphen auch die
Regula mit Tropfen erschien, oder ob statt dieser eine stetige Tropfenreihe ohne Unter-
brechung angeordnet wurde wie z. B. am Monumente deö Thrasylloö zu Athen,ist schwer
zu bestimmen, wird aber wahrscheinlich eben so schwankend und wechselnd in der Praxis
gewesen sein wie alles Uebrige.
Konstruktiv ist nur noch zu bemerken daß sich öfter schon Epistylia finden welche
mit dem sehr niedrigen Thrinkoö auö einem einzigen Blokke gearbeitet sind; in Rom aber
zeigen sich bereits Beispiele der Struktur bei welchen sich diese Blökke nicht mit lothrech'
ten Stoßfugen in der Säulenaxe berühren, sondern gleich dem Ansahe eineö scheitrechte»
Bogenö zwischen die nach oben spitz zulaufendcnden Blökke welche auf den Kapitellen der
Säulen liegen, eingeseßt sind und sich so über die Jnterkolumnien hinspannen.

6. T h r i n k o s.

Eben so schwankend in Form und Beziehung ist der Thrinkoö wenn er bald
nach Dorischer bald Jonischer Weise gesaßt wurde; auö den Ueberresten ergiebt sich jedoch
daß er vorzugsweise ein Zoph orus sei, also mit erklärendem figürlichem Bildwerke oder
vegetabilischen Formen in Verbindung mit Thiergestalten bedekkt ist.

7. G er so n.
Wie schon bemerkt spricht Vitruv mit vollem Rechte der Korinthischen Weise ein
selbständig erfundeneö eigenthümliches Geison ab und legt ihr bald eine Jonische bald
eine Dorische Corona bei; die Reste welche sich in den Monumenten aufbewahrt hadr't
121

öestätigen vollkommen diese Angabe und der einzige entscheidende Anhalt zeigt an dem
ältesten übrig gebliebenen Werke Korinthischer Form, an dem mehrfach erwähnten Lysi-
kratesmale, noch heute eine Jonische Corona über Korinthischem Säulenbaue. Inzwi-
schen ergeben dennoch alle Baureste daß sich endlich eine Form festsehte welche man zum
klnterschiede von der reinen Jonischen wohl die Korinthische Form des Geison nen-
uen möchte, obgleich der Unterschied beider nur dadurch bezeichnet werden kann daß
Man dem Korinthischen Geison die nach involutirtem Schema gezeichneten und rea-
ler in der Form für ihren Begriff entwikkelten Geisipodes oder Mutuli zuerkennt, welche
m ihren weitern Abständen auögetiefte Felder mit hängenden Rosen und Blattkelchen
zeigen, während für die Jonische Corona die gerade vorspringenden ungebogenen Gei-
s'podes bezeichnend bleiben, wie dieö schon bei der Formation des Jonischen Geison
zur Genüge erörtert ist; diese Form zeigt in der That auch die eigenthümliche eklektische
Mischung Dorischer und Jonischer Gedanken darin, daß die Mutuli den Begriff deö
vorspringend Tragenden der Ionischen Geisipodes, jene hängenden Blumen zwischen ihnen
ober das herabhängend Schwebende der Tropfen unter den Viä deö Dori-
schen Geison festhalten. Ohnerachtet seiner abweisenden Erklärung berechtigt selbst Vi-
kruv hierzu; denn wenn er daö Eklektische deö Korinthischen Oberbaues damit bezeich-
»et daß dieser entweder eine Dorische oder Jonische Corona empfange, muß nothwendiger
Weift eine Corona welche das Wesen beider in sich zu vereinigen strebt, die festere und
bezeichnendere Form sein, wie sie dies auch endlich und vornemlich dadurch geworden ;u sein
scheint daß man den Korinthischen Mutuli, wenn auch nur als ^schema und in sehr
untergeordnetem Größenverhältniß, die Jonischen gerade vorspringenden Geisipodes
unterfügte. Uebereinstimmend mit dem Jonischen ist übrigenö noch der wohl zu bemer-
kende Umstand daß die Korinthischen Mutuli, die allein doch Ursache sind weöhalb sie
Vitruv für Schemata hält welche aus dem Holzbaue übertragen worden wären, niä)t
geneigt wie die Dorischen Viä und die Sparrenfüße des Holzbaues, sondern gleich den
Ionischen Geisipodes waagerecht vorspringen; ein Umstand den Vitruv bei seiner Hy-
pothese ganz und gar übersehen hat. Waö dieses involutirte Schema der Korinthischen
Mutuli anbetrifft, so kann eö wohl keinem Zweifel unterliegen daß eö nicht erst von den
s^öinern ersunden sondern nur von ihnen übernommen und eine ächt Hellenische
Form sei, wenngleich sich kein frühzeitigeö Beispiel davon im Hellenischen erhalten hat.
Beim Jonischen Geison ist eö schon auSgeführt und mit dem unter allen am merk-
kvürdigsten Geison vom Tempel deö Jupiter Stator zu Rom hinlanglich belegt, wie der
ganze Schnitt des Korinthischen Geison, seine Mutuli und deren Zwischenfelder, nur auS
statischen und struktiven Bedingungen beim Geison des Steinbaueö allein entsprangen
Und wie die einzige Wahrheit in jener Vitruvischen Hypothese nur die sein könne: daß die

Kvrinthiaka. ^ 0
122

Mutuli des Steinbaues dieselbe statische Funktion verrichten als die Mutuli des Holz-
baues, obwohl beide auf ganz entgegengesehtem Wege zur Erscheinung kamen; eine andre
Erklärung läßt Vitruvs Darstellung nicht zu.

Dekoratrves.

AuS welchen Anfängen die Form des Ganzen wie jedes Elementes am Korinthi-
schen Geison entstanden sei, jst in den Jonicis nachgewiesen. Es blieb dem lehten künst-
lerischen Hauche der alten Tektonik nichtS weiter übrig als die schon vorhandenen Formen
eklektisch zu verwenden und nach ihren Analogien zu dem höchsien Grade der smnli-
chen Realität hinzuführen welchen daö bauliche Material nur erlaubte; ein Strebett,
wodurch sich die ausschließliche sculpirte Darstellung aller der Elemente welche die ältere
Hellenische Kunst durch Hülfe der Malerei beendete, mit beinahe völligem Auöschluß der
Malerei erklärt. DieS ist auch die Ursache weöhalb die sinnlichen und materiellen Römer
die Korinthische Weise schon so frühe bei sich eingebürgert und vorwiegend in Anwendung
gebracht haben.
VitruvS Hypothesen beschäftigen sich in großer Vorliebe mit Herleitung der Ko-
rinthischen Mutuli auö der Corona des Holzbaueö in der Weise daß sie als ein striktes
Nachbild derselben erklärt werden, allein dieser Autor verwikkelt sich dabei in Widersprüche
welchen jeder unbesangene L-'ser die Unkenntniß mit der einfachsten Holzkonstruktion sogleich
abmerkt; unmöglich können diese Widersprüche bloß auö dem corrumpirten Tepte und
den fehlerhaften Abschristen entstanden sein, sie müssen schon im Originale gelegen haben;
doch möge eö einer spätern beabsichtigten Herausgabe dieses Schriftsiellerö aufbewahrt
bleiben diese Verhältniße als Jrrthümer nachzuweisen, hier nur schließlich eine wiederholte
Erinnerung. Vitruv redet IV, 2 plöhlich von Mutuli in der Dorischen Weise und
zwar an der Corona, welche auö der Nachahmung der Sparrenvorsprünge bei der höl-
zernen Corona hervorgegangen seien: erAo et triFl^^Iiorum et mutnlorum in Ooricir
o^oribu5 ratio ox ea imitatiouo iuventr, 65t, und dieS oa weist auf das Vorhergehende
wo behauptet ist o O3nlkioriorum ^roiecturix mutulorum 5ub coroni'5 ratio 65t inventa,
und zwar sollen diese Mutuli sicr^cn^iculum tri^ft'piliorum gelegen haben; nun ist es
aber Thatsache daß er in ftiner ganzen speciellen Darstellung der Dorica nichts von mu-
tuli weiß, auch diese Formen an der Corona hier gar nicht kennt, die vorspringenden und
mit guttrie besehten Abaken, welche Neuere für Mutuli angenommen haben, aber aus-
drükklich viae nennt. Hierin liegt der entscheidende Beweis daß die Hellenischen O.uellett
aus welchen er die Dorica epcerpirte auch von Mutuli nichtö enthielten und die ganze
Sache seine eigene Fiktion ist. Schlecht unterrichtet ist Vitruv ferner wenn er behauptet:
daß niemand Denticuli unter die Mutuli stellen könne, weil eben die Mutuli Abbilder
123

von Sparrenvorsprüngen, die Denticuli aber von Lattenvorsprüngen wären, unter den
Sparren aber doch unmöglich Latten sein könnteu, — ohnerachtet doch eine große Zahl
Beispiele und Fragmente beide Formen so zeigen. Wenn seiner Theorie nach aber die
Lattenvorsprünge grade unter den Geisa über dem Tympanum vorkommen musten, so ist
es ein greller Widerspruch daß er sie grade hier besonderö abweist: ctiam^ue aoti^ui non
peobaverunt nec^ue instituerunt, in ka8ti»üs cienticulos lieri, seü puras coronas; i6eo
guoc! nec cantüerü nec ssseres contra iastiAioruin srontes clistriliuuntur, nec piossunt
?i°oniinere, secl acl stilliciclia ^roclinati collocantur, und man muß nach solchen Worten
wirklich gerechte Zweifel hegen daß der Verfasser gewust habe waö Sparren und was
-atten eigentlich für Theile des Holzdacheö seien. Wer aber ohnerachtet alle dem die Be-
hauptung festhalten will daß die Form der Korinthischen Mutuli auö dem Holzbaue auf
den Steinbau übertragen sei, der hat dadurch noch gar nichtö für die Sache selbst gewon-
nen und damit ihr Schema an sich noch nicht erklärt; denn wenn man die rohe abge-
schnittene Form eines Sparrenfußeö betrachtet, so bleibt dann immer noch zu erklären:
nach welchem Gedanken und Analogon diese rohe Form im Holzbaue selbst noch in die
Kunstform umgestaltet sei. Schwerlich würde Jemand behaupten wollen die Form der
Mutuli welche in Wänden oder Säulenstämmen eingelaßen sind und Büsten, Statuen,
^rthbalken u. dergl. tragen, oder auch die rnicones der Thüren, seien ebenfallö eine
Nachahmung früherer hölzerner Mutuli. Solche Betrachtungen aber führen alle nur
zu der ursprünglichen Wahrheit daß jeder Körper welcher gleiche statische Funktion leistet
uud gleichen Begriss in sich trägc, auch nach gleichem Analogon in der Kunstsorm gebildet
snn müsse, bestehe er auö Stein, oder Metall, oder Holz, denn nur auf daö körperliche
^olumen nicht aber auf daö Schema kann daö Material Einfluß äußern.
Uebrigens sind auch noch Fragmente vorhanden welche dienen können unzweifel-
hafte Aufschlüße über die Struktur der hölzernen Geisa der Hellenen, namentlich soge-
«annker )'x,'§« zu geben, worauö die Ueberzeugung fließen wird daß die Alten
sodes Macerial selbständig für seine Verwendung zu nutzen und zu gliedern wußten ohne
a^ einem daö andre nachahmen zu dürsen. Es sind dieseö Fragmente auö gebraun-
kem Thone, an welchen Geison und Sima auö einer einzigen Ziegelform und zwar so
praktisch gebildet sind daß in der That keine zwekkmäßigere Form für ein steinerneö Gei-
son auf hölzernen Mutuli gefunden und besser zur Anwendung für nnsre heutigen Bedürf-
p'sse empfohlen werden kann. Solche Vruchstükke zeigen Taf. 34 Fig. 9, 10 und Taf. 44
8'ig- 5,6; man erkennt genau daß die Bestimmung und Oertlichkeit der Formen die
war, als Geison und Sima zugleich auf den vordersten Latten der Sparrenfüße oder Mu-
iuü zu dienen; daher auch die Traufkante und die Bezeichnung deö Geison an seiner
soeien vorspringenden Unterfläche durch die nach vorwärtö gerichteten Anthemien und
^lätter. Sicher gehören auch die Taf. 16 Fjg. 14 biö 17 gegebenen Ziegel an diesen Ort.
16*
124

Die Bildung der Kunstform deö Korinthischen Mutuluö möchte sich nach folgendem
Gedankengange versinnlichen laßen. Beim belasteten Holzbalken Taf. 44 Fig. 1, 2 wird in
dem uber das Auslager vorspringenden Theile oder Mutulus b, dieselbe statische Kraft wir-
ken welche in dem Theile a zwischen seinen beiden Auslagern thätig ist, nämlich die rela-
tive ^estigkeit. War nun diese sür den Theil a in Form einer Fascia, eines stachen Torus
auSgedrükkt, so muß dieselbe Bezeichnungsweise für daö Endstükk b> welcheö den Mutultts
bildet, gültig sein: da aber hier beim Mutuluö die Bedingung hinzutritt: daß er daö
Ende, den vorspringenden AuSlauf bildet, wird die Fascia gleichfallö als in sich been-
det und nach vorn zu auölausend gemodelt erscheinen müssen; dieö ist allein nur durch das
Jnvolutiren der Fascia zu bewirken, wodurch eine der involutirten Fascia des JonisclM
Kapitelles ganz änliche Form Fig. 2 entsteht. Jst der Mutuluö nicht Fortsetzung eines
Balkenö sondern ein für sich bestehendeö Stükk welcheö in einer Wand festsihend von
deren Vorderseite nach vorn abspringend endet, so ist gleichwohl auch in dem Vorsprunge
keine andre Hestigkeit alö die relative, mithin dieselbe Kraft unter derselben Form auszu-
sprechen wie vorher; nur modificirt sich die Form danach: daß sie bestimmt darstellen muß
der freitragende Theil sei nicht FortseHung eineö über daö Auflager in Weise von Fig- ^
hinauöragenden Schema a, sondern beginne erst vor dem Auslager oder mit Verlaßen
desselben als Kunstsorm und beende sich von diesem abspringend, wie dieö bei allen solchen
Körpern auö Stein der Fall ist. Diese Bedingung eineö solchen Mutuluö: vor dem Aus-
lager oder der Wand in freitragender Form erst zu beginnen, oder am Auflager anzusetzen
und nach vorn vorspringend beendet zu werden, wird nur durch daö auf die Weise von
Fig. 3 involutirte Schema allein erfüllt werden können; die Beigabe eineö starren tra-
genden Blatteö unter der involutirten Fascia, welcheö ebenfallö am Auflager anseht und
nach vorn vorspringend überfällt, ist ein Gedanke durch welchen die Form an Realitat u»d
sinnlichem Verständniß außerordentlich gewinnt. Alle denkbaren Varietäten dieser Mu-
tuli gehen auö diesen Normen hervor und laßen sich auf dieselben zurükkführen.
Die Form der Mutuli ist zu bekannt als daß es vieler Beispiele hier bedürfte;
sedoch zeigt Fig. 4 und 3 (vom Buhnengebäude zu Aizani, loxier I^sie m!n. I^I 46)
obwohl aus späterer Zeit (wie schon der Mutuluö vor der Ekke beweist) eine seltene und
ursprüngliche Reinheit deö Schema. Daö Korinthische Geison hier krönt einen Thrinkoö aus
Ionischen Säulen und Epistylien der durch kämpfende Löwen und Stiere charakterisirt iss
Alö Beispiel der höchsten Entwikkelung wie der Realitäc aller einzelnen Elemente
der Kunstsorm, ist Taf. 45 das bereitö früher hierfür zu Grunde gelegte Geison vom Tein-
pel deö Jupiter Stator zu Rom, in großem Maaßstabe mit Anführung aller Einzelnhei^
ten auö dem Werke deö Valladier gegeben; Fig. I Unteransicht, Fig. 2 Seitenansiclss
deö Mutuluö, Fig. 3 Fronte desselben, Fig. 4 Fronte und Ekke deö ganzen Geison; den
Durchschnitt im kleinern Maaßstabe gab Taf. 34, Fig.8.
125

N o t e n.
^ei'o« Lo^rrAe« oder irdene Geisa. Solche Geisa aus Zicgeln bildeten sicher das übcr
^Fronten der Mutuli gelegte Aeußerste des hölzernen Daches (das «xoo/6t'c>tov) der Jnschrift über
langen Mauern bci o. Nuellsr «le wuuim. Htlieu. S. 36 Z. 64 aus welcher auch S. 71 wcgen
crero^x«(75u<76t ^rr rost /xt'ootg Lo^tV^tOtg crr«^wr 7-ovg x^tor-s
^nc«rrorrc«§ hervorgeht daß die Form und Einrichtung Korinthischcs Gcison gcnannt wurdc. Er-
"bternd hierfür sind die elltepiiAmellta bci Vitruvs IV, 7, 5 Tuskischcm Dachc welche in tron-
i'dus (wutuloium) ÜFgntui- und im Oloss. Imbb. antepr>§menta, 7r^07r,//^«rc«, heißen;
l lAer die anteüxa bei Festus ixuas ex opero Lgulino teoti8 atliAuntur «uo 8tiIIioi<Iio, so wie die
lldenen xei8onao welche Dlbutades ?Iin. O. IV. XXXV, 43 togulaium oxtromi8 imbrioubu8
l'v8nit, ivo mit diesen xor8ona8 aus deren rv8tri8 in Vige8t. XtX, 1, 17 8 9 »1»« 8alire 8olet,
eine so geformte ganze Sima mit Traufkante gemeint ist. Auf die Befestigung dicser Ziegel geht
lutor. 207 tej;ula8 ^>rimoro8 omno8 iu sntozii>§niellto terro kigito und noch deutlicher ist I. c.
^108 inponito ill8uper iil et anta8 mutulo8 robu8to8... iimupor 8ima8 z,ieti»8 torro skli^ito.

End e deS Dritten Buches.


Schlußwort des Verfaffers.

Ä?it diesen vier ersten Büchern schließt die Untersuchung über das Princip der Kunch
formenbildung der Hellenischen Tektonik im Allgemeinen, über die Anlage des
Tempels und seiner einzelnen Raume, die Statik, Konstruktion und Knnstform der Glie^
der seines Raumbaueö im Besondern; der heilige Bau der Hellenen würde im ÄK'
sentlichen damit entwikkelt und vollendet sein. Zwei bedeutende Abschnitte jedoch,
Darstellung der Thür- und Fensterformen wiedie Recension der Monumente,
obwohl beide nothwendige Erganzungen des Vorhergehenden sinb, haben leider auö Rukk-
sicht auf daS starke vicrte Buch welcheS statt ihrer den PlaH eingenommen hat, vor dtt
Hand zurükkbleiben müssen, werden aber daö fünfte Buch bilden sobald dessen Herauögabs
zu ermöglichen ist. Wohl ist sich der Verfasser bewußt wie ungeachtet deö bedeutenden 9^a-
teriales welcheS er ausbreiten muste um dem Studium und der Erkenntniß der antiksu
Baukunst nur erst eine bis dahin fehlende wissenschaftliche Basis zu schaffen, dennoch
scharf sehendeö Auge manche Lükke in der Arbeit entdekken würde, waren nicht
Ergänzungen bestimmt sie auSzufüllen; denn wenn manches NuHbare zurükkgelassen
vieleö Intressante nur angedeutet werden konnte, so mag die Anführung dieseS l.l>U'
standeö dem geneigten Leser eine Bürgschaft geben wie der Stoff wohl erwogen so
theilt sei, daß alles das Uebergangene im fünften Buche, als an dem rechten
an welchem eS stehen muß und wohin es seiner Natur nach gehört, zum Vorsch^
kommen werde; bis dahin wird freilich der Leser daö Auögesallene nach eigner Ä"'
sicht selbst erganzen müssen. Die Ursache der verspäteten Erscheinung vorliegeud^
leHten Bücher ist nur in den Verhältnißen zu suchen welche überhaupt seit dem Iuhts
1848 so hindernd auf jeder wissmschastlichen Arbeitsthätigkeit ruhten, und die verbunbeu
127

mit der öftern und längern Abwesenheit deö Verfasserö von der Heimath, eine zeitigere
Herausgabe unmöglich machten. Diefe Verhältnisse haben auch zu dem Entfchluße
gedrängt von der Folgenreihe der verfchiedenen Materien wie sie im urfprünglichen Pro-
granune vor dem ersten Buche angezeigt ist, abzuweichen und eö vorzuziehen lieber einem
^hrile, dem hieratischen Baue, einen sichern Abfchluß, alö dem auögedehnten Programme
rwe zweifelhaste Erledigung zu geben; nur auö diefem Grunde ist ebenfalls die schwierige
^ntersuchung über die einzelnen Räumlichkeiten deö Tempelhausts in Bezug auf Kunst-
^usstattung, Kultuö und heilige Gebräuche schon hier als vierteö Buch gegeben, ohnge-
achtet sie nach jenem Programme erst am Ende deö ganzen Werkeö und hier auch nur
dlellejcht in Aussicht gestellt war, weil die Dunkelheit welche biö dahin wegen Mangel
an jeder exisiirenden Vorarbeit auch über diefer Sache schwebte, kaum hoffen ließ Licht
^arüber zu gewinnen. Doch wird man zugeben müssen daß durch diestlbe der Tempel in
seiner eigentlichen Bestimmung erst klar geworden ist und mit ihr diejenigen Aufschlüße
^Hbr stinen ethifchen Zwekk herbeigeführt sind, ohne die daö ganze Tempelgebäude im-
^er nur ein inhaltlosts Gehäufe blieb, welcheö zwar seiner grandiofen äußern Hülle
^cht aber stinem Kerne nach ergründet worden war.
Außer der erwähnten Recension der Monumente fallen zur Erfüllung des gefamm-
Kreifes noch der künftigen Betrachtung anheim: die übrigen öffentlichen Gebäude, alö
^ahhöustr, Theater, Prytaneen, Ehren- und Gedächtnißmale von der einfachen Ehren-
l"ule bis zum tempelförmigen Bauwerke, die Gräber in allen Formen und Weisen der
ulage, das private Wohnhauö wie endlich die Tektonik der Geräthe, Gefäße und Möbel.
^lt und Umstände werden ergeben ob eö möglich sein wird die bedeutende Arbeit
^buigste„g in der Recension der Monumente und dem Privatbaue fortzuführen, oder ob
sicj) g^j? g^e Monographien befchränken muß, von welchen übrigenö die über daö
techtheion biö zur Redaktion vollendet vorliegt.
Dem Verfasser ist keineöwegö unbekannt geblieben wie sich stit dem Erfcheinen deö
btsten Buches von Seite mancher Baumeister die Ansicht hat verlauten laßen, eö fei dem
^'^nfchaftlichen Apparate in der Arbeit eine fo große Bcdeutung eingeräumt daß dem jun-
Architekten ihr Studium hierdurch verleidet, ja fogar unmöglich gemacht werde. Hier-
^läßt sich unter vielem Andern nur Folgendeö entgegnen. Ohne diesen wissenfchafclichen
i-'parat, in welchem ja einzig nur die beweifenden Urkunden für die leitenden Gedanken
'^öalten sind, hätte auch von einer wissenschaftlichen Basiö für daS Studium der alten Tek-
E gax keine Rede sein können, ohne denstlben wäre die ganze Sache im Bereiche der
°ven Hypothese geblieben und es würde somit der Zwekk der ernsten Arbeit verfehlt
Was das gerügte Uebergewichc desselben anbetrifft, so geht eine solche Rüge nur
^ der Unkenntniß deö Materiales hervor was noch für den Gegenstand in der alten
^'^ratur vorhanden, auö der Arbeit aber deöhalb zurükkgezogen ist weil nur daö unerläß-
128

lich Nothwendige gegeben werden sollte; wäre nicht in der That bloß dieseö gegeben, so
würde jeder Abschnitt und Paragraph zu einer ausführlichen Monographie des Gegen-
standeö angewachsen sein welcher in ihm nur umrißweise angedeutet ist. Wem aber
dieses Mäßige was geboten ist schon über allen Genuß hinauö geht, oder wem, um einen
Gemeinplah anzuwenden, dieses schon „zu gelehrt" erscheint, dem kann nur der fceund-
liche Rath gegeben werden vom Studium der antiken Kunst abzustehen; denn wenn irgend
eine Kunst so verlangt gerade diese einen gewissen Grad wissenschaftlicher Bildung und
Vorbereitung ohne welchen sie weder empsangen noch verstanden werden kann, und wer sich
nicht zu der Anschauung des innern Wesenö der Antike zu erheben vermag, begnüge sich lie-
ber mit dem was in die Finger gebracht werden kann, mit der Darstellung der Schemata,
mit Recepten die für daö Verzeichnen sogenannter Säulenordnungen und ihrer einzelnen
Formen mit leichter Mühe auö den Verzeichnungen und Vermessungen der Monumente
auSgezogen werden können; man glaube dann sich hiermit die Kenntniß der Hellenischett
Baukunst gewonnen zu haben, während man in Wahrheit nur Steine statt deö Brodes,
nur den äußern Schemen statt deö innern Wesenö gewonnen hat. Die Zeit wird eö scho"
einmal lehren wie und mit welchen Mitteln allein die Erkenntniß und das Bewustsein der
Antike erworben und lebendig begründet werden kann; so viel sieht wenigstenö unzweiftl-
haft fest: bevor nicht eine unö fremde und von der Geschichte vergangener Zeiten als
Mysterium vor unö hingestellte Kunst wie die Hellenische, erst mittelö der alten LiteratM
selbst durchdrungen und zur Erkenntniß geführt worden ist, von einer populären allgemein
verständlichen Mittheilung derselben nicht die Rede sein kann; erst muß sie in der E
senschaft begründet sein, dann kann sie populär gegeben werden.

Dem Werke schon jeht ein Jnhaltöverzeichniß beizufügen, wurde deöhalb unter-
lassen weil eö Absicht ist lehtereö zugleich mit der Bearbeitung eineö eignen tektonische"
Wörterbucheö zu vereinigen in welchem neben der Eigenschaft als Register, zugleich alle
übrigen tektonischen Sach- und Worterklärungen aufgenommen werden sollen die noch
nicht in dem Werke vorkamen.

Hiermit scheidet der Verfasser vom Leser mit einer Arbeit welche nicht so wohl
durchlesen als durchdacht sein will wenn Jnhalt und Stoff den Mangel und die Hec^
in der Darstellung versühnen solleiu

Berlin im August 1851.


C. Bötticher.

Druck vvn I. Petsch in Berlin.


Viertes Buch.

Der Helleirische Lempel


in

seiiier Raumanlage für Zwekke des Knltus.


Der Hellemsche Tempel in Hmsicht auf Zwekk und Form.

Erste Abhandlung.

l. Mgemeines.

^evor mit der Darstellung der Jonischen Bauweise begonnen und die auöge-
dehnte und reich gegliederte Planform der Aedes dipteros erklärt werden kann,
wird eö nothwendig über die Form des Hellenischen Tempels im Allgemeinen zu reden
und dieselbe vom einfachsten Dorischen Parastadenschema wie es im vorigen Buche
gegeben wurde, bis zur auögedehntesten Raumform zu entwickeln. Es versteht sich
von selbst daß hierbei auf keine besondere Kunstweise, weder auf die Dorische noch
2onische noch Korinthische, Rücksicht genommen werden kann.
Jndem mich der Gang der Entwikkelung drängt über diesen Gegenstand zu reden,
öon jch hem ursprünglichen Plane nach an daö Ende deö WerkeS verlegt hatte,
so weiß ich doch recht gut daß ich mich an eine Anfgabe gewagt habe deren Lösung zwar
von der grösten Wichtigkeit für daö Verständniß und die Herstellung der Monumence ist,
iugleich aber wegen der Dürftigkeit der Schriftguellen und deö zerstörten ZustandeS
der Bauwerke außerordentliche Schwierigkeiten in sich trägt. Wie sehr ich auch beideö
wohl erkannt habe mögen allein schon die Materialien bezeugen die ich glaubte aufwen-
^en zu müssen um zuerst nur feste und gesicherte Anhaltöpunkce für die Untersuchung
iu gewinnen. Denn es handelte sich hierbei darum, den Gedanken des Tempels wie er
Üch im mythologischen Bewustsein der Hellenen bildete und auö diesem in eine bauliche
8orm übertrat, in seiner Ursprünglichkeit wieder zu gewinnen, so dann den einfachen
^rundgedanken in seiner weitesten Auöbreitung zu verfolgen und auf diesem Wege, auö
d" zwekklichen NuHung die Einrichtung deö Tempels im Allgemeinen, dieForm seiner ein-
jelnen Theile im Besonderen erklären und wiederherstellen zu können. Bis jeht hat
wan fteilich geglaubt schon im völligen Besihe deö Verständnisseö von Zweck und
Bcmcrk. Zn einer zwcitcn Abhandlung werden die Tempel belrachtet wcrden welchc keine
lywmetrische Plananlage habcn, deren Form aus mchren kleineren, zu einem cinzige» Hause ver-
kmigten Tcmpeln gebildct ist, wie z. B. das Erechtheion zu Arhcn und vcnvandte.
2

Form deö Hellenischen Tempels zu sein, wenn man die Verzeichnung der sogenannten
Säulenordnungen habe und etwa wisse daß der ganze Raum desselben zur Verehrung
der Götter bestimmt sei, daß ein Theil von ihm PronaoS, ein anderer OpisthodomoS,
wieder ein anderer Cella oder Naos heiße. Damit wissen wir freilich noch so viel
als gar nichtö und es ist die einfache aber vielbedeutende Frage: was denn eigentlich
ein Tempel und warum überhaupt ein solcher sei — weder aufgeworfen noch beant-
wortet worden; obgleich dies doch grade die Frage ist in welcher streng genommen daS
Wesen der Hellenischen Architektonik recht eigentlich an der Wurzel berührt wird von
der es seinen Auögang nimmt. Die Antwort liegt daher keineSwegö so offen auf der
Hand als eS oberflachlich betrachtet wohl scheint, es gehört diese Frage vielmehr noch
zu den Rathseln der Kunstgeschichte. DeSwegen ist man auch bis jeHt selbst über die we-
sentlichsten Dinge welche die Form deö Tempels betreffen noch völlig im Unklaren, man
hat noch nicht einmal entscheiden können wie eö sich mit dem Innern desselben ver-
halte, wie dieseö eingerichtet, überdckkt und wie es beleuchtet war. Daß man wirk-
lich entweder die große Bedeutung jener Frage nicht erkannt oder aber, wenn dicS
der Fall war, ihre Aufsassung und Beantwortung nicht gewagt habe, dasür giebt der
Umstand ein Zeugniß daß alle unsere Kunstforscher mit einer unglaublichen Leichtigkeit
über dieselbe hinweggegangen sind und über den Ursprung und Begriff des Hieron sich
in gar keine Untersuchung eingelassen haben. Auö diesem Grunde habe ich auch leider gar
keine Vorarbeiten vorgefunden an die ich anknüpfen und auf denen ich hätte weiter bauen
können. Es ist aber wohl einleuchtend daß nur erst dann wenn der religiöse Begriss
deö Tempelö im Ganzen erklärt, wenn die sachliche BenuHung, der kultgebräuchliche Zwekk
jedes einzelnen seiner Raumtheile nachgewiesen ist, die Gesammtanlage deö ganzen BaU-
werkeö sowie die räumliche Form jedeö Theileö ihr Verständniß und ihre Rechtferti-
gung gewinnen können, indem sie nur eine Folge von ersterem sind; daß man alsdann
auch erst sagen könne waö die Grundursachen deö hieratischen Baueö der Hellenen
seien. Die Schwierigkeit der Erklärung seiner baulichen Gestaltung beruht aber vor-
nehmlich mit darin daß, weil die Existenz eineöWerkeö wie das Heiligthum überhaupt keiner
materiellen vom physischen Bedürfnisse gebotenen Nothwendigkeit anheim fällt wie daS
Wohnhaus des Menschen, sondern nur in dem Kreise deö geistigen, des religiösen LebenS
seine Veranlassung und seinen Gedanken flndet, daß die Form in die dieser Gedanke
gefaßt und auögesprochen erscheint ebenfalls nur auö solchen Verhältnissen, auö der
Weise der Gottverehrung und Kultauöübung erklärt werden könne; da aber von diesen
Verhältnissen daö was den Kultricuö jedeö verschiedenen GotteS und seineS TeM-
pels angeht, im Allgemeinen noch ein leereö Blatt im Buche unserer Archäologie ist,
so ist der Gedanke welcher die Erklärung der Kultstätte allein leiten kann von Seite»
Ler wissenschaftlichen Forschung noch mit einem dichten Schleier bedekkt. Jn gleicher
3

Weise ist er es daher auch von Seiten der rein baukünstlerischen Forschung, indem die
Monumente wegen ihrer großen Zerstörung nicht so viel aufbewahren um ihre innere
bauliche Anlage ohne Hülfe der Schriftquellen herstellen zu können. Wenn deöwegen
dieser ganze Stoff soweic er die Wissenschaft angeht, als ein schon kritisch gesichteter vor-
begen müßte ehe man eö unternehmen könnte bie bauliche Einrichtung des Heilig-
chumö zu erklären, so kann die vorliegende Untersuchung keine Ansprüche darauf machen
ihren Gegenstand erschöpft zu haben, sie kann nicht alö ein Geschlosseneö betrach-
tet werden, sondern im Gegentheil nur alö der Anfang einer Untersuchung gelten die
vornemlich nur durch gründliche Auöbeutung der alten Schristquellen einst einmal völlig
zu Ende gesührt werden kann. Drangte mich nun hierbei die fstothwendigkeit über
bie Grenze eineö rein architektonischen Werkeö weiter hinauö zu gehen in das
Feld welcheö eigentlich nur der Archaologie angehört, so habe ich jedoch, obgleich ich
weder Archaolog noch Philolog sondern Architekt bin, ein solcheö Hinübergreifen
i» dieseö Gebiet um so weniger scheuen dürfen, als ich sonst die ganze Untersuchung
hätte bei Seite.ruhen lassen oder mich besten Falleö mit den Vermuthungen hatte be-
guügen müssen die hier und ba Andere über Einigeö wohl schon geaußert, aber ohne
die mindeste kritische Begrüudung hingesiellt haben. Jndem ich daher für die Unter-
suchung erst ein ganz neueö Material auö der Literatur beschaffen mußte, so hat mir
bies die Arbeit unendlich erschwert, und ist einzig die Ursache weshalb sich die Erschei-
Uung dieseö zweiten Theileö der Tektonik so lange verzogert hat. Bieö mag mir zur Ent-
schuldigung in den Augen derer dienen von deren Theilnahme an meinen Untersuchungen
ich versicliert bin. Jn welcherWeise ich aber daöMaterial genutzt und verarbeitet, und ob
es sich auch der Mühe wirklich lohnce dasselbe mit so vieler Auödauer zusammengebracht
zu haben, darüber mag der berufene Leser selbst entscheiden; man wird der Arbeit wenig-
stens zugestehen können daß sie die Erkenntniß deö Gegenstandeö über die biöher vor-
handenen Ansichten hinauö, dem endlichen Ziele entgegengeführt habe.
Ehe ich mich zur Sache wende muß ich im Vorauö bemerken daß hier nur von
einein solchen Tempel die Rede sein wird, der keine geheim gesonderte und nur mystischen
Bräuchen gewidmete Kultstatte war, sondern ein öffentlicheö, für Ieden, selbst einen
Fremden der Zutritt wünschce um sich umzuschauen oder seine Andacht zu verrichten, zu-
gangbares Heiligthum. Für das Erste sind auch hier solche Tempel inö Auge gefaßt,
wie der Parthenon zu Athen, daö Olympieion und Heraion zu Olympia, deö Poseidonion
bei Korinth, der Tempel des Apollo zu Amyklä und bergleichen. Diefe sind ganz
rigentlich nur Festheiligthümer welche zur Feier kyklifchec Feste dienten und außer-
bem bloß benutzt wurden die kostbaren Anathemata, auch wohl den beweglichen Staatö-
schatz aufzunehmen. Daher erscheinen sie in ihrer völligen Auörüstung und Würde
uur an den Tagen dieser Götterfeste, werden gotteödienstlich nur an ihnen gebraucht,
1*
4
stehen dagegen in der Zwischenzeit für solchen Zwekk gänzlich leer und für jeden Kultakt un-
benuht. So wurde der Parthenon nur an den großen Panathenaen, das Olympieion nur
jede Olympias gebraucht. Wenn ße nun auch an diesen Festtagen durch eiue glanz-
volle Ausstattung für den Besuch, für die Schau der festseiernden Menge befonderS
berechnet und hierfür ganz eigen zugerüstet waren, so sind sie doch räumlich nicht so
eingerichtet um einer großen Menge auf einmal Raum im Jnnern darzubieten, son-
dern nur so viel Menschen zu fassen wie an dem Feierakte Theil nehmen der in ihnen
vorgeht. Diese Anzahl aber ist im Verhältnisse eine sehr geringe und die übrige Menge
besucht nach und nach den heiligen Raum. Diejenigen Tempel dagegen welche eine die-
ser ganz entgegengesehte Bestimmung haben, nämlich einer möglichst großen Anzahl
Personen Raum zur Schau und Theilnahme an der Kultfeier zu gewähren, also die so-
genannten Megara oder Weihehäuser, sind von dieser Untersuchung fürs Erste ai»S-
geschlossen.
Betrachten wir zunächst im Allgemeinen das Jnnere deö TempelS, den eigent-
lichen Naos oder die Cella welche das Kultbild der Gottheit aufnimmt.
Naos oder Cella. Der Hellenische Tempel überhaupt ist ursprünglich nur
zum Sitze und zur Verehrung einer einzigen Gottheit bestimmt; nach dieser erhält er
seinen besondern Namen; seine Cella dient um daö geweihte Bild derselben nebst
seinem Altare in sich zu fassen').
Bei den Hellenen haben nun Kultbild und Cella den Begriff des Unschaubare»
und Unbetretbaren, deö Atheaton und Adyton, für Jeden welcher nicht die Reinigung und
Weihe, die Katharsis, vollzogen hat die durch den heiligen Brauch geboten ist, der sich
mithin nicht geistig wie leiblich zur Theilnahme am Gottesdienste und zur Anschauung
des Heiligen im Tempel vorbereitet hat^). DieS gilt ohne Ausnahme für einen
Jeden, sowohl für den prosanen Mann alö für den Priester selbst. Wer diese Ka-
tharsis vollzogen hat kann ohne Weiteres zur Schau des Kultbildes, zum Opser und
Gebete in daö Heiligthum eintreten; wer sie aber unterläßt und dennoch in daö heilige
Hauö eintritt, begeht ein Sacrilegium, mag er sonst auch ein reiner und unbeflekktee
Mensch sein. Nur in manchen Tempeln giebt eö einen einzelnen durch Wände oder
mindestens Teppjche abgesonderten und nicht schaubaren Raum, der ein Adyton im engsten
Sinne deö Wortes für jeden Prosanen ist auch wenn er sich geweiht hat, und nur
vom Priester allein betreten werden darss). Völlig verschlossen und unnahbar aber ist jedeS
Heiligthum für denjenigen der nicht reineö Gemüthes und Wandelö, mit Blutschuld odee
oder Unkeuschheit der Sitte beflekkt ist, auf dem überhaupt ein so großer össentlicher Makel
ruht daß er für einen Atimos erklärt ist. Denn ein solcher ehrloser Mensch entheiligt daS
Kultbild durch seinen Anblikk, er beflekkt den geweihten Voden durch seinen Fuß. Walst
er eö aber dennoch den heiligen Raum zu betreten und „zu schauen waö ihm unter-
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sagt ist", so folgt ihm nach denr Glauben der Alten die göttliche Strafe auf dem Fuße.
Mit großer Strenge überwachte der Staat selbst die Entweihung der heiligen Stätte
und die Solonifchen Gefetze verhängen harte Strafen über solchen Menschen wenn
er etwa das Heiligthum betreten follte. Jedem der einen Atimoö hier zufällig traf
war es erlaubt ihm die ärgste Mißhandlung und Beschimpfung „mit Ausnahme des
^odtschlags" anzuthun, ohne daß er den Schutz der Obrigkeit dagegen ansprechen
durste"). Jndem überhaupt der Atimos von allen heiligen und profanen Rechten
ausgeschlossen war, so war ihm auch die Theilnahme an jedem Gemeindefeste außer-
halb des Heiligthums untersagt, er durfte keinem Festzuge beiwohnen, indem eö ihm
uicht erlaubt war einen Kranz zu tragen.
Aus diefen Gründen nun, um das Knltbild vor jedem entweihenden Anblikke
)u bergen und dasselbe mit seiner ganzen Stätte in feierliche Stille und Abgeschlossenhcit
zurükkzuziehen, ist sein Wohnsitz mit geschlossenen Wänden so hoch umbaut alö
eö nöchjg ist dasselbe völlig zu verhüllen und dem Anblikke von außen zu entziehen.
Eö ist dieses Umbauen deö BildeS von den Alten nach Pollux I.i, 11 sehr treffend
Mit 70V Vk^v bezeichnet. Jnnerhalb dieses Raumeö wird
der unblutige Opferaltar errichtet, das Kultbild alödann hinter letzterem auf einer durch
Bildwerk bedeutfam charakterisirten BasiS, Bathron, erhaben aufgestellt. Der Ort
Uni das Bild herum wird mit Schranken oder Gittern als Kapelle umschlossen und
jum Adyton oder Abaton gemacht, so daß er nicht betreten werden kann, denn er ist der
ollerheiligste in der Cella, der eigentliche Sitz, deö Bildeö; jedoch wird HedoS auch
so wohl für das Götterbild als für sein Bathron, ja für daö ganze Heiligthum gebraucht.
Waö die AuSdehnung dieses RaumeS und dessen Gliederung in einzelne Ab-
theilungen angeht, fo ist hierbei eine Cella der in Rede stehenden Tempelgattung niemals
vo« einer solchen Bedeutung im Maßstabe und einer Anordnung im Räumlichen daß sie
viele Menschen fassen konnte und sollte. Denn wenn gleich eine Cella wie die deö Parthe-
non oder deö Olympieion zu Olympia, auch dem ganzen Volke an den großen Fesitagen so-
wie dem Einzelnen jederzeit zur Schau offen stand, so geschieht doch der Befuch der Menge
M' Zu- und Abgehen; eö giebt auch keinen Kultakt hier welcher für die Gegenwart und
^heilnahme einer bedeutenden Anzahl Perfonen berechnet wäre; da der Archonten,
der Priester, oder verjenigen Festgesandten die außerdem zur Verriä^tung eines beson-
dern Weiheopfers oder zur Aufstellung eines Anathema im Tempel außer der Festzeit
rinzeln Zutritt haben, nur wenige sind, und die großen Festopfer die den FestschmauS
bilden und an denen daö Volk gemeinsam Theil nimmt, nie im Tempel fondern
oußerhalb desselben, gewöhnlich im Tempelbezirke, verrichtet werden wie weiter unten
Lezeigt wird. Für solche sind die großen Brandopferaltäre bestimmt an denen die He-
katornben geschlachtet und verschmaust werden; von kleineren Brandopferaltären be-
6

findet sich jedes Mal einer vor dem Pronaoö; im Tempel selbst aber ist von einem blu-
tigen Opferakte nicht die Rede, hier geht nur ein Opfer vor bei dem man Opferfladen,
Früchte und Rauchwerk darbringt, daher hier nur die kleinen nach Art der Räucherge-
rathe gebildeten Altäre. Daß aber diefe Gattung Heiligthümer für eine Festfchau in obiger
Weife bestimmt war, beweist die glanzvolle Ausstattung derfelben. Denn eö ist der
Gedanke der Alten daß sich demjenigen welcher zur Schau deö Heiligsten eintrat, dasselbe
dann auch als das Höchste und der göttlichen Hoheit Würdigste darstellen solle waö nur
menschlichem Gedanken und werkthätiger Künstlerhand hervorzubringen verliehen wordeu
war. Und daher die erstaunenöwerthen Mittel welche die Kunst der Alten in diefem
Raume wie in eine Spihe zusammendrängte und entfaltete, sowohl die Mittel welche daS
rein Bauliche der Anlage betreffen, als auch die welche daö Kultbild und die nicht zur
Architektur im engern Sinne gehörige Auöstattung angehen°).
DieseAnsicht die überBegriff,Zwekk und kunstvolle Auöstattung deö Tempelö auf-
gestellt ist und imLaufe derUntersuchung weiter entwikkelt wird, leidet eine völligeAuönahme
von Seiten derjenigen Gattung geheiligter Bauwerke welche geradezu den GegenfaH der
in Rede stehenden bilden und eine bedeutende räumliche Ausdehnung deS Jnnern haben;
dieö sind die sogenannten Megara oder Weihehäufer; denn diefe sind zum Zwekke der
Feier von Mysterien und ähnlichen Kultbräuchen bestimmt, bei denen sich eine große Menge
Menschen zur Theilnahme und Mitwirkung an der gemeinsamen Feier zufammenfindet;
einer Feier die gewöhnlich den chthonischen Göttern gilt, theilweife eine nächtliche ist »nd
geheim, so zu sagen hinter verfchlossenen Thüren begangen wird. Es faßte z. B. daS
Megaron der Demeter zu Eleusiö nach Einigen 6000 Perfonen, nach Strabon aber
so viel Menschen als ein Theater. Doch findet es sich selbst bei diesen oft daß die
geheimsten Gebräuche der großen Menge nur mittelbar zu Theil werden, indem sie bloS
einer gewissen Anzahl Erwählter obliegen die dieselben im Jnnern deö HeiligthumS
im allerheiligsten Raume verrichten, welcher deöhalb den Begriff deö Adyton im engste»
Sinne hat da er nur den Priestern fchaubar ist. Die innere Ausstattung folcher Me-
gara oder auf den Geheimdienst bezüglicher Heiligthümer ist daher ein GeheimeS von
dem niemand reden darf, es fchweigen begreiflicher Weise auch die Quellen hierüber.
Wenn es aber bei solchen Gebäuden mehr auf bie Anschauung der Sacra als auf die
glänzende und kunstvolle Ausstattung der Cella mit kostbaren oft kolossalen Götterbilder
ankömmt, so läßt stch vermuthen daß eine solche Ausstattung eben deöhalb auch mehe
in den Hintergrund gedrängt und deren Stelle von ben Vorgängen der heiligen Feier eiu-
genommen worden ist. Wo alfo dort der Raum mit glänzenden Götterbildern und Ana-
thematen auögefüllc ist, wird er hier von ber verfammelten Menge eingenommen.
Agalmata. Was die Auöstattung des Tempelö durch Agalmata^) angeht, so
vorhin erwähnt daß oft nnr ein Kulcbild im Tempel sei. So befand sich im Parthenon
7

nur das Kultbild der ParthenoS; eben dies gilt vom Tempel des olympischen Zeus zu
^Mpia und andern gleichen. Zwei Bilder der Kultgottheit können sich der Natur der
^ache nach nicht in einer Cella beisammen finden. Jndeß ist das Kultbild nicht
rnimer allein, es werden in der Cella hier auch wohl die Bilder derjenigen Gottheiten
Nersainmelt welche theilö Ausflüsse seineS mythologischen WesenS und integrirende Theile
seinrr heiligen Sage sind, theilö in anderer Weise mit dieser in Verbindung stehen;
H befanden sich z. B im Heraion zu Olympia allein gegen 24 Bilder verschiedener Göt-
^er. Denn da der Tempel in seiner Auöstattung ein Jnbegriss von Allem sein soll
^as nur auf die Kultsage der Gottheit irgend Bezug hat, da in seinen Bildwerken
der Begriff und das Wesen derselben völlig vor Augen gestellt werden soll, so müssen
"be Gedanken welche diesem zugehören hier verbildlicht erscheinen und in seinem Raume
auszubreiten sein. Alle solche Bildwerke welche die Bedeutung deö KultbildeS erklä-
^'^u helsen, mögen eö nun Standbilder, Reliess, Gemalde oder Geräthe sein, sind über-
haupc Parerga, erklärende Beiwerke desselben, gehören zur Ausstattung seineö Tempels
und erstrekken sich vom Kultbilde ab über die übrigen Götterbilder hinweg bis in die
^andgemälde und Bildtafeln, ja biö auf die kleinsten Kultgeräthe und Weihewerke oder
^Uakhemata; denn auch das Geräth was in den Tempel aufgenommen wird ist in seinem
^ildwerke nur alö auf das Kultbild bezüglich und seiner Sage angehörig charakte-
^isirt. Ist daher nur ein Götterbild in der Cella, so findet sich der Mythoö desselben un-
UUttelbar an und um die Gestalt desselben zusammengedrängt; wie dieö z. V. in dem
^eiwerke des Bildes der Athena Parthenos und des olympischen Zeus, am Gewande, an
bkr Basis und am Throne der Fall war. Andern Theilö sind oft sowohl einzelne Götter-
^iber als auch ganze Gruppen als erklärende Beiwerke nicht allein unmittelbar um das
^ultbild und auf dessen Basis versammelt, sondern auch ringS um an den Wän-
^u entlang in den Portiken aufgestellt. Alle Götkerbilder welche in einem und demselben
^Mpel mit dem Kultbilde aufgenommen werden, sind überhaupt Mitbewohner, Syn-
Uaoi; diejenigen Gottheiten aber die mit dem Kultbild in einer solchen innigen Kult- und
^ugenverbindung stehn daß sie zur Ecklärung seineö besondern Wesenö als unerläßlich
^hui zunächst beigesellt werden müssen, deren Bilder sinden ihren Plah unmittelbar
Ueben demselben auf einem und demselben Standorte oder Sitze in einer und der-
^elben Kapelle, daher sie auch Beisitzer desselben oder Paredroi heißen; und zwar
die Basiö des Kultbildes jedes Mal an dem Orte der Cella eingerichtet welcher der
^Ugangsthür gegenüber liegt. Die übrigen Bilder welche nicht Paredroi sondern nur
^ynnaoi sind, sinden ihre Standorte in den Stoen oder Portiken welche links und rechtö
dom Eingange den Seitenwänden entlang hingehen; sie haben keine so ausgezeichne-
^u Basen als daö Kultbild und selten auä) Altäre.
Anathema. WaS die Weihewerke oder Anathemata betrifft, so ist über-
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haupt jeder Gegenstand der dem Gott geweiht, oder zu seiner Ehre gegründet
und im Heiligthume aufgestellt wird Anathema'). Daher sowohl das Kultbild als
dessen Beiwerke überhaupt, ja der ganze als Heiligthum umfriedete Ort mit allem was
er enthält Anathema ist. AristeideS sagt daher von der Akropolis zu Athen daß ste nieht
allein ein Anathema sondern vielmehr ein Agalma sei^).
Wenn es stch von selbst versteht daß jedes Anathema oder Weihewerk eineS beson-
dern Heiligthumes in einem bestimmten Bezuge zum Gott desselben stehen muß, so wer-
den doch aus der Masse derer die in daS Heiligchum gestistet werden vornehmlich nur
diejenigen zur Aufnahme in die Cella gewählt, welche theils durch die kunstvolle Ar-
beit und Kostbarkeit deö Materials die vorleuchtendsten sind, theils aber der leichc zer-
ftörbaren Materie wegen nicht in den Portiken außerhalb des Tempels, sondern in der
gegen jeden Einfluß der Witterung völlig gesicherten Cella ausgestellt werden können;
dieö gilt namentlich von den chryselephantinen Bildern und Geräthen; nur in dem
stetö sehr tiefen Pronaos finden sich noch solche Werke. Jst aber im Tempel kein RauM
mehr für diese vorhanden, so bleibt dem Weihenden weiter nichtö übrig als besondere
Schahhäuser, Thesauren°) im Tempelbezirke zu gründen in denen sie dieselben unter-
bringen. Werke die Schmukkgegenstände sind und bei ihrem zu kleinen Maßstabe
sich der monumentalen Architekturformen wegen weniger zu einer Aufstellung im Einzel-
nen eignen, werden in kostbaren Schreinen und Laden aufbewahrt oder in großen
Gruppen auf besondern Gestellen und Tischen zusammengestellt.
Hierauö ging hervor daß zur Anordnung und Aufnahme so verschiedener Gegen-
stände die Räumlichkeit der Cella entsprechend gegliedert werden und die Anlage einer An-
zahl Räume geschehen muste, welche von dem betretbaren Raume abgeschieden und als
nicht zugängliche Theile, als Kapellen, herauögebildet sind. Wir werden auf alleS diestS
so wie auf die Unterschiede der Götterbilder später wieder zurükkkommen.
. Ueberdekkung. Was die völlige oder nur theilweise Ueberdekkung deS Tempsls
so wie dessen Beleuchtung angeht, so wurde sie durch das Material bedingt auö dem voM
Ursprunge an und auch durch die ganze Dauer der Hellenischen Kunst hindurch die kost-
barsten und heiligsten Götterbilder gearbeitet wurden. Diese sind sämmtlich hölzerne Bil-
der, Toana, die man überdieö nicht allein noch bemalte, mit kostbarem Schmukk U»d
kunstvoll gewebten Stoffen kostümirte, sondern späterhin auch mit Gold und Elfenbeiu
plattirte. Daher konnten sie nicht unter freiem Himmel ausgestellt werden sondern mußisn
unter schühender Dekke stehen; das heißt die Cella konnte nicht bloß ein von hohen Wändeu
umhegter Ort sein sondern mußte mehrere überdekkte Raumtheile haben, wenn er anderS
nicht ganz uberdekkt war. Ein GleicheS gilt sur viele Weihewerke von denen weiter untdU
die Rede sein wird, für die ewigen Feuerheerde und die stets brennenden Lampen. Die dnrch-
auö bedekkte Cella erhält hierbei ihr Licht entweder durch die Metopen, wie im alt-dorischs"
9
Tnglyphon, oder auch durch größere Fensier in den Wänden. Nur Cellen sehr
kleiner Tempel, Kapellen, riecliculae, welä^e bloß zur Aufnahme eineö gehei-
l'gten Denk- oder SchaubildeS dienen, wie z. B. der kleine Tempel der Nike ApteroS
ouf der Akropoliö zu Athen, können auch wohl durch die Thüre mit Hülfe von Fen-
^ern unmittelbar neben dieser erleuchtet werden.
Völlig unwirksam ist indeß augenblicklich eine solche Beleuchtung, sobald die
^ella eine bedeutendere Raumauödehnung gewinnt und überdieß zu außen mit Portiken
ulö acclcz ^eichileros oder clichieros umbaut wird; denn durch den Vorsprung dieser
Portikendekken, wenn sie besonderS sehr tief smd, wird den Lichtöffnungen derWände
^lle hinlängliche Lichtempfängniß vom beleuchteten Aether her entzogen. An einen
Lichteinlaß durch die Thüre ist hierbei noch weniger zu denken, da schon bei den kleinsten
pkripteren Tempeln die Tiefe deö Pronaoö so wie deö vordern TheileS vom Peripteron
ein Maaß hat, nach welchem der Dekkenvorsprung dieser Vorräume vor der Thüre, lehte-
rer jede Lichtempfangniß zu einer Beleuchtung deö Jnnern die nur einigermaßen befriedigen
könnte, völlig verwehrt. Es wird daher die Beleuchtung auf dieselbe Weise bewirkt nach
der man sie beim Atrium oder Cavädium des Wohnhauseö durch ein pci-soralnin oder
I^rzeciuin tecturn gewinnt; man bedekkt nämlich die Cella nicht ganz, sondern stellt
iinks und rechts, entlang den Wänden vor welchen die SiHe für Götterbilder und Stände
sür Anathemata eingerichtet werden sollen, Säulenreihen auf, welche Portiken, Stoen,
bilden und es möglich machen daß ringöum von den Wänden ab schühende Dächer und
Dckken nach der Mitte zu vorspringend angeleget werden können; den Raum dagegen
welchen diese vorspringenden Dächer und Dekken so in Mitten erzeugen und um-
ÜHließen, läßt man der Beleuchtung wegen unbedekkt und als Lichtfenster, Opaion,
^umen, Transenna, Photagogos, offen. - So entsteht ein Jmpluvium oder Hypäthrum
in Mitten ber Cella, oder ein Ort üub clivo, 51'nc iecto, mit einem um daö-
selbe herumgeführten Peristylium wie beim Atrium, Hypäthrum, oder bei der Aule
beö Wohnhauseö; und es empfängt von diesem die Baulichkeit charakterisirenden Hypä-
chruin der ganze Tempel den Gattungsnamen aecles Ii^siaetliros. DieS ift der einzige
bauliche Grund für die Anlage des Hypäthrum, jeneS WunderS der Architektonik für alle
Zeiten. Nur mittelst eineS solchen Hypäthrum, durch welcheö man ein Zenithlicht in die
^ella einführt, ist es möglich allen in den Portiken aufgestellten Götterbildern und Ana-
cheinaten einschließlich der Wandgemälde, die nothwendige und allein genügende taghelle
Vorderbeleuchtung zu gewähren. Jedoch giebt eö auch Kultgründe welche die Anlage
kines Hypäthrum ursprünglich bedingen. Es ist nämlich Kultobservanz bei Hellenen und
^ömern gewisse Gottheiten nur in einem Hypathrum zu verehren und deren Altäre in
kinem subdialen Raume aufzustellen; dies findet z. B. statt bei den Malen deö Jupiter
8ulgur oder Zeuö KataibateS, bei den Cellen des Deus Fidius und TerminuS; woraus
n. 2
schon folgt daß eö irrig sein wnrde wenn man annähme daö Hypäthrum sei erst mit der
größesten Form deö Tempels, mit der Aedes Peripteroö oder Dipteroö entstanden. Ab-
gesehen von dergleichen KultgeseHen welche daö Hypathrum bedingen und die so alt seni
müssen als überhaupt die Verehrung solcher Götter, leuchtet es auch ein daß man um-
gekehrt die Umbauung der Cella zn außen mit dipteren oder peripteren Porciken erst
uncernehmen konnte wenn man schon im BesiHe jenes Mittels war das sonst dunkle Jn-
nere zu erleuchten; es veranlaßte also die bereitö vorhandene Form deö Hypäthrum, die aus-
gedehnte Räumlichkeit der Cella und führte zu derselben ganz eigentlich erst hin. DaS
Hypäthrum ist daher eine ganz ursprüngliche Eigenschaft der meisten Hellenischen Tem-
pel und so alt daß schon bei Homer die Götter, wenn sie im Olympischen Hause deS ZeuS
versammelt sind, stetö in den Aithusen, das heißt in den Portiken der Aule desselben
auf goldgefügtem Edaphos siHen; da aber das himmlische Haus deö Zeuö natürlich uicht
anderö gedacht werden konnte als in der Form seineö irdischen Hauses in welchem se>n
Bild thronte, so muste die Vorstellung deö Hypäthrum oder der Aule deö LeHteren,
auf ErstereS bildlich übertragen werden.
Wenn daö Hypäthrum in solchem Falle als das einzige Mittel der Rauiuer-
leuchtung angegeben ist, so geschieht dieö auf Grund der ausdrükklichen Zengnisse der
Alten und eö kann eine andere bauliche Einrichtung mittelst welcher eö möglich ist
die ganze Cella zu überdekken und dennoch ebenfalls eine Beleuchtung zn gewiunen,
ahnlich der Basilika oder der Oeci bei Vitruv, bei der man durch Erhe-
bung des innern Raumes über den äußern Umbau eine Fensterbeleuchtung erhielte, deö-
halb hier nicht geseHt werden, obgleich dieselbe bei profanen Bauwerken sehr osi
angewandt worden ist, wie es Münzen, Reliefö und andere Bildwerke bezeugen. Mit
dem Hypäthrum treten also sogleich die gesäulten Portiken in der Cella auf, si?
sind nur eine Folge desselben und gehen nur aus ihm hervor; wobei eö ganz gleich ist
ob man für diese Portiken eine Steindekke oder eine Holzdekke seHen will. Zeigt daher iu
den Monumenten eine mit äußern Portiken umbaute Cella von so geringer Breite die
bequem mit Holzbalken überdekkt werden konnte, dennoch solche Säulenreihen oder
Portiken im Jnnern, so kann daö ein untrüglicheö Zeichen sein daß sie einen subdialeu
Rauin in Mitten hatte. Dies ist z. B. der Fall beim Naos deö Apollon zu Phigalia,
dem NaoS auf Aegina und anderen. Selbst wenn man bei einer solchen Cella anstatt der
Holzdekke eine Steindekke seHen, und auö leßterer, wegen der Kürze der Steinbalken, die
Nothwendigkeit der SanlenunterstüHttng herleiten wollte, so ändert daö in Bezug auf
daö Vorhandensein des Hypäthrum gar nichtö, indem ohne LeHtereö der Ranm nicht
zu erleuchten ist. WaS diese Portiken nun angeht so ist es jedoch keineswegö der Fall
daß sie alle von gleicher Tiefe rings an den Wänden vorspringend gedacht werden kön-
nen, daß mithin die offene Mitte Hinsicht deö Maaßeö, oder metrisch gefaßt, in der
11

Mitte liege; denn bei Cellen wo die der Thüre gegenüberliegende Portikuö wegen Auf-
stellung eines kolossalen Kultbildeö oder einer ganzen Gruppe Bilder auch eine größere
Tiefe verlangte alö die übrigen Portiken in denen Kunstwerke Platz finden sollten die
emen weit geringeren Raum erforderten, war dieseö ungleiche Tiefenverhältniß Urfache
daß die offene Mitte oder daö Hypathrum, weiter nach vorn der Thüre zu gerükkt wurde.
In diesen die Mitte uingebenden Portiken werden die Götterbilder und Anathemata so
aufgestellt, daß man zum Siße derfelben die Jnterkolumnien unter einander leicht ab-
fcheidet, und so einzelne Kapellen, o-ro/.cto-r«, neeHcnIak!, herauöbildet. Das Kultbild er-
hält wie gesagt seine Kapelle der PronaoSthüre gegenüber gleich hinter dem Hypäthrum;
ür den Portiken zu beiden Seiten linkö und rechtö, fchließen stch diefem die übrigen
Bilder oder Weihewerke an. Dabei wird überhaupt jeder dieser Räume der die Basiö
eines Götterbildes aufnimmt, auch von vorn durch Gitter vor dem Zugange abge-
fchlossen, weil er als Sih des Bildeö ein UnbetretbareS, ein Abaton und Adyton ist.
Der Altar ist nur in Mitten deS hypäthralen Raumes anzunehmen. Befindet sich jedoch
m der Cella nur ein einzigeö kolossales Bild, ist dieseö ferner nicht vor der hintern Wand
'u der Querportikus sondern mehr nach vorn in der Mitte aufgestellt und somit die ganze
Mitte zwifchen den Portiken als Adyton abgesperrt, so bleiben die Seitenportiken um
^usselbe herum zu Durchgängen frei, sie dienen in solchem Falle als circuiiio wie beim
^arthenon und dem Iens-Tempel zu Qlympia. Finden sich umgekehrt in den ?atonumen-
^u die Seitenportiken als Kapellen abgefperrt, fo muß daS Kultoild feine Kapelle vor
Hinterwand gehabt haben, und die Mitte war für den Zugang frei.
Vei einem Tempel der durch Götterbilder und Weihewerke fo reich auSgesiattet
U)ird daß sie in obigen Räumen nicht mehr Plah finden können, erhalt diefe im Ganzen
einfache dem Atrium gleiche Form der Cella eine Vermehrung und Verdoppelung ihreö
^aumes in sich, durch Anlage von obern Portiken oder Hyperoen, ÜTrx^oc,
^ber untern, zu welchen von unten auf und weiter biö zum Dache, ^.reppen,
zcalac. führen, die sich entweder in einem kleinen Treppenhause befinden welches
durch xj„e doppelte Wand neben der EingangSthüre der Cella gebildet wird, wie beim
Teinpel deö Poseidon zu Pästum, oder aber in dem hintern Theile der Cella angelegt sind,
wie dies nach Paufaniaö Beschreibung belm Tempel des ZeuS zu Olympia der Fall war.
Die Hyperoen sind jedoch nicht sowohl zur Aufnahme von Götterbildern als vielmehr von
Anathematen, Schmukkgeräthen, gewebten Stoffen u. f. w. bestimmt, denn so bald sie
^ötterbilder enthalten hätten würden sie Adyta und nicht betretbar gewesen sein; ja eö
fcheint sicheren Andeutungen zufolge daß man auch Gelder deö öffentlichen SchaheS hier
uufbewahrte. DeSwegen konnten und musten sie eben so wie die untern Portiken, so bald
stch in lehtern auch nur Anathemata und keine Götterbilder befanden, zum Umgange, ast
^rcuitionem, frei gehalten werden; nur nach vorn zu sind sie der Sicherheit wegen iu den
12

Jnterkolumnien mit Schutzgittern oder Brüstungen, versehen. DieS


ist im Allgemeinen ber Gedanke und die innere Einrichtung der Tempelcella, deS eigent-
lichen Naoö oder deö Raumeö den das Kultbild bewohnt in der weitesten Auödehnung-
Die allgemeine Darstellung dieses Raumes muste vorangeschikkt werden ehe es möglich
war die demselben außerhalb seiner Wande angesügten Räume, wie Pronaos, Opisthobo-
mos, Peripteron in ihrer Nothwendigkeit, Form und Abhangigkeit von ihm gcnügend
erklaren zu können; dasselbe gilt auch von solchen Räumen welche nicht erst eine
Folge des Cellenbaueö sind, sondern vielmehr umgekehrt erst zur Gründung dieser neben
ihnen Anlaß gegeben haben und gewöhnlich die ältesten Zeichen deö Cultuö einschließen,
wie z. B. daö Adyton oder ber Orakelort zu Delphi mit dem mantischen Erdschlunde,
dem heiligen Lorbeerbaume, dem Grabe des Dionysos und der Stele mit dem
heiligen Bakchoö oder Phanoö.

Z u s ä tz e.

§ 1. Daß man eine Stätte die schon für sich sclbst cntweder dnrch eine altc Kultsage, Vor-
handenscin eines heilig gcachteten Naturmaleö, oder durch ein außerordentliches Naturereigniß als
von cincr Gottheit (numan, eingcnomnien bctrachtct wurde, durch Umgränzung allcn Be-
rührungen des profancn Lcbens entrükkte und als cin Heiliges absonderte, liegt in der Natur
der Sache; es scheint hierbei auch keinem Zweifel mehr zu unterliegen daß es cin Mal der
Forschung über dicsen Gegenstand gelingen wird nachzuweisen, wie die Gründung aller ältcren
Hellenischen Heiligthümer nur an solche Dinge geknüpft sei, zumal eS für den Hellenischen Si>m
charakteristisch ist daß er das Ursprüngliche, ihm übcrlieferte Ehrwürdige, wenn cs auch einem meh^
entwikkelten jpätern Bewust>ein ungenügend geworden ist, nicht vernichtct, sondern dassclbc mit Sche»
vor der Vergangenheit bestchen läßt und an dasselbe nur ein NeueS Erfüllenderes anknüpst-
Warum man sich abcr nicht mit ciner bloßcn Umgränzung begnügte und entweder ein ursprünglich
vorhandenes Gottesmal, oder auch cin gesetztes sinnlicheS Zcichen, ein Bild dcr verchrten Gottheih
nicht unter freiem Himmel oder unter cinem nach Außen ganz offenen Bauwerke, viellcicht bloß unter
einem untersäulten Dache aufstellte, sondern dasselbe mit verhüllcndcn Wänden ganz umbaute, dies gehl
einzig und allein aus dem Begriffe hervor daß das geweihte Kultbild als solcheS ein Unscham
bares, ist, welches nicht beliebig dem profancn Anblikke anheimgegeben werdcn darf,
sondern erft dann ein Schaubareö, ^-«ror-, Be«z«« ist, sobald man sich durch die Katharsis
zum Anblikke deffelben sowie zur Betretung seiner Stätte überhaupt, würdig vorbereitct hat; dies
i>t der einzige Grund für die Erbauung der Eella nebst ihrcm weitern Zubehor. Andere Gründc
wie z. B. dcr ijt, „daß mmi dem Gotte doch ebcn so gut ein Haus gcbcn müffe alö dcm Me»-
schen" vcrdicnen keincr Beachtung und sclbst Lukian in seiner Abhandlung von den Opfern führt
diesen Grund nur spottweift- hftrfür an. Jn solchcm Sinne ist also bcr Tcmpel als cin Adyton
und Abaton zu faffcn, kcincswegs aber in dcr orthodoren Bedeutung wie sic für das Abpton deö
Delphischen Tempels und andrcr dcsgleichen gilt, welches nüt AuSnahme der Pricster schlechlhin ei»
Adyton für jedcn war. Es ist, wie gesagt, hier nur die Rede von der Bedeutung des Tempelbildes
13

und seines Hauses für den Kultbrauch im Gegcusatze zur profanen Welt. Daß abcr der Tempel,
wenigstens die Cella, ein Adyton in diesem milden Sinne sei, darf um so weniger bezweifelt werden
nls eine ganz direkte Nachricht, die mit allen andern Ueberlieferungen zusammenstimmt, dies bestätigt;
^IioI. Uueian. sp. Ossnn. 87H. P-4ö und ^noeä. Laelnn. II, 330: ort ö ÖTrtc-Aoä'ottos lroon, rm
ömc-Ser- ron «Snron oöra-s L-.e/on, ör- co x«i r« A-/<co<7c« «TrexLc^o /oc/c,«r«, worin also
als ganz allgemcin gültig Adyton anstatt Naos (Cella) genannt wird, hinter dem der Opisthodomos
gelegen habc (vergl. Opisthodomos); es geht somit die Bedeutung Tempel und Adyton in Eins
rusammen. Würde aber diese Glosse auch nur aus den Parthenon bezogen so wäre sic dennoch
sür nüch zeugend, indcm dieser kein Adyton im orthodoren Sinne war. Wcil abcr jeder Tempel
Wie gesagt Adyton für den Nichtgeweihten und Unreinen («xc^S«(,ros) war, so ivurde cbcn
^eshalb eine Katharsis vor dessen Besuche angeordnet; und wenn durch den Peribolos schvn der
Tempel dcm gewöhnlichen Trciben des Lebens entrükkt, wenn diese Umzirkung schon in Hinsicht
'hrer Bcdeutung als Grcnze des Profanen mit Scheu betrcten wird, so erreicht dieser Gcdanke
sür das Kultbild in der geschlossenen Cella scine hvchste Spitze uud Erfüllung.
8 2. Bei diesen Verhältnisscn ist das Kultbild im Tempel sehr wohl von eincm Götterbilde
ru unterscheidcn welches nicht zur Vcrchrung bestimmt ist, keines Tempel- oder Priestcrkultcs genießt,
sondern nur als verherrlichendes Gedächtnißmal, als Weihewerk, Anathema, womit man den
Dank gcgen die Gotlheit öffentlich und schaubar vor der Welt bczeugen will, feierlich geweiht
und ausgestellt wird; ein solches bedarf dcshalb cben keines verbergcnden Raumes, sondern soll
untgekehrt einen Allen schaubaren offenstchenden Ort in den nach außen gekehrtcn Portiken um
^e Cella, oder unter freiem Himmel innerhalb des Tempelbezirkes einnehmen, wo cs cbcn recht
ein zur Schau Ausgcstellles erscheint; es sei denn daß man es seincr kunstvollcn Arbcit oder
^>er Materie wegen aus dcr es gcarbeilct ist, weder im freien und unbedekkten Raume noch auch
w dcn Portiken außerhalb der Cella aufstellen könne. Diejenigen Götterbildcr welche ohne Tem-
Ucl unter freiem Himmcl stehen und dennoch der Kultehre genießen, gehörcn natürlich nicht in
diese Betrachtung.
§ 3. Aus diesem gcht hervor daß die Cclla im Ganzcn genommen kciner bedcutcnden Plan-
raunigröße bedurfte um das Kultbild, die Göttcrbilder die außerdcm in ihr jcißn sollen, so wie
^ie allerheiligsten Anathcmata anfzunehmen. Denn wenn auch allerdings außer dcm Kultbilde
^ach andere Götterbildcr in die Cella gestellt wurden und demnach eine entiprrchrnde räumliche An-
vrdnung verlangten, so ist cs doch leicht einzusehcn daß dieö auf die Vergrößerung der Cella
einen bei Weitem geringeren Einfluß haben konnte, als wenn ihr Jnncrcs ncben diescm noch zur
Aufnahme einer zahlreichen Volksmenge hätte eingerichtet werden müssen, welches Lctztere aber nie-
Mals der Fall ist. Jndessen ist allerdings das Anhäufen von Götterbildern odcr Analhematen
^inerseitS, die hinbrängende Neigung zu kolossalen Dimcnsionen des Kultbildes andcrerseits, der
Grund für die Vcrgrößerung und bcdeutende Raumerhöhung der Cella im Plane und Ausbaue, so
ü'ie sür die Hinzufügung von Portiken um dic Cella nach Außen, und mit Letzteren soglcich für die
^rleuchtung der Cella durch ein von obcn cinfallendes Licht. Denn bcgreiflicher Weise kann eine
'^ella die mit Peripteron oder Dipterow^M außen umbaut ist, weder durch die Thüre noch durch
Fenster in den Wänden eine Beleuchtung gewinnen die sür ihren Jnhalr an solchcn Kimstwcrken, zu
öeiien insbesondcre noch die Wandgemälde hinzuzuziehen sind, gcnügcnd und kunstgerecht i>t; ja cs
kaiin schon eine Cella die bloß einen tiefen Pronaos mit Prostylon hat, nicht durch die Thüre
14

crlcuchtet wcrdcn. Dic Erleuchtungsweise burch Anlage von Lichtsenstern in Weise der Basilika
hat man, wie schon oben bemerkt ist und wie cs auch bic Monuinente zu dentlich vcrrathcn,
nicht angcwandt.

N o t e n.
1) Eella, Naos. -ä«ög bckanntlich von wohncn, das was bci Vitruv und dcn Ln'
tcincrn ae-Uas, ilomu« ist; coll.n von celgi-.;, bergcn, hchlcn. Die Bcdcutung dcr Namen Hicroii/
Naos, Tcmenos, Sekos ja sclbst Adyton, ist cbcn so schwankcnd im spätcrcn Gebrauche wie ümm",
.loluki-um, ,om,)Iun., ao.lo«, cs wird Eincs fnr das Andcrc gcscht. Zch will hicr ganz kurz die Er-'
klärung allcr dicscr vcrschicdcncn Ausdrükke bcrnhrcn. Naos ist sovicl wie Dvmos, Oikos, das Haus
in wclchcm dic Gottheit wohnt, im cngcrcn Sinnc also dic Cclla, SckoS, vdcr dcr inncrstc Rau»>
dcr das Kultbild aufnimmt, wic Varro sagt ulu soües voi suul; dahcr auch dic Vczeichnunb
Trovi'ccos odcr -rooöouos und ÜESoSoz.os für die Räumc wclche unmittclbar vor und h>»l"'
dcm Naos oder der Cclla liegen.
s) Hicron ist übcrhaupt jede gottgewcihtc Stättc, sei diesc nun cin Naos, odcr nur ein ui»'
schlosscncr Ort untcr frcicm Himmcl, odcr bcidcs zuglcich.
K) Tcmcnos. Tcmcnos ist cin abgcschlosscncr heiligcr Ort übcrhaupt, mag cr nur z»
cincr bloßcn Kult' und Opfcrstättc diencn odcr auch noch Göttcrbildcr und andrc Hciligthümcr auf'
nchmen. Zst dcr Ausdrukk beim Tcmpclhausc gcbraucht, so bcdcutct cr dic Cclla wo das Kultbilb
steht. 2lus dcm Gcbrauche dcr Wortc Naos, Hicron, Tcmcnos gcht hcrvor daß sic auch auf
bloßes Hcroon übertragcn sind; dcnn dicscs kann cine Kapcllc, cin Grab, cin Altar, cinc blos ge-'
wcihte umgrcnztc Stältc sein, und cs crhält am Ende dcr altcn Kunst das Grab jcdcr ausgczcichuctt»
Person das Schema cincr Tempelkapclle, da im Gegcnthcile ursprünglich dies nicht gcstattct isi-
Sclivl. III Oo.Iiji. 1) i-iiiii!. V. 16 crklärt: Naos und Hicron sci jcdc Bauanlagc UNI cincn?lltar;
Pronaos jei das Vorderc dcs Naos, Temcnos sci das wo das Agalma gcwciht sci; indcß sage nm»
auch Tcmcnos von cincm jedcn abgesondcrtcn und gewcihtcn Ortc: fV«o§ -cm /xoov Trre^ ro oixo '
üvuijzt«, öc/s oo -rLocx-/xr«c 6 /?co/to§. 5tooi'«oi' x/tcroooi9xo roo r'«oo. rc/txoos w
tt>(ioxr«t ro «;'«. -.x--x7-«c rk"c.'os cM/lcös xcc/ o cr-ro-cx-co/c/cxi'os -<«c tti'ttrx^kcctLi-os ro-tOS
rci-c. — koll. I. 1, 6 sagt cs sci jcdcr Ort wo dic Götter vcrchrt wcrdcn Hicron und Naos, dc»
Ort wo dicsclben (ihrc Agalmata) abcr gcwciht seicn, ncnne man Sckos, Tcmcnos;^lgcnaucr bczcicl)-'
nctcn die Poctcn abcr mit Sekos cin Hcroon: ro /txr/ /cooc'oi', iv co ^xocccrxooccxr roös
tL(/ov, -cccc vxc-s§. xi-öce ssx -c«,9tSoooctki', crss-coc, rxccxi'os. oc /<xic ccxocMoi'xooc Oi-rcör'
T-orc rcoi' r-ocococ- /.x/oooci'. oc äx croci/rac, rcccc ror- rc-ic- Axcör-, cö§ oc r(>tt/wssoc — «/r-ör-
xc§ c.i/Xor' rlkxorr. —
o) Sckos. Dics bcdeutct im Allgcmcincn cincn umfricdigten heiligcn Ort, wie Temcnos; osi
steht cs abcr cbcnfalls für die cigcntliche Cclla. irion. Antic,. IV, 6 wo cr von den drci Cellcn dcs
capitolinischcn Zupitcrtcmpcls sagt: dies scicn von cinem Actos und cincr Dckke xtt-m-rr-oc«kr-or oi/>coo
Livrri« IV. 29 gebraucht f»'n- Sckos hicr iio.lieuls. Auch dcr dclphischc Naos hcißt öfter bci k'i'il'-
-lan. Sckos. LH'» ^->8- 710, 53. O,/--o§ .... öSkr- --«< oc r-xasrxooc rcör' Trvti/rcHr- <-r---ö»'
-.x/Ot'Oc rvri r'ttör-, .-r«o« ro i<7r«0t-«c Li' «öror rö «)-«-.««. I.,;xi<:. Rlioloi-. L/ixös' «-.--o^
-<«c ro i)ooro,' xc-ri- oorttärc.//-, wo das Schcma dcs Tcmpels also auf Grab und Ehrenmai über-
kragen wird. Ho8)'ol>. s. v. Oi--<oxö(ios' oi---o-, oc r-«oc. Dcrs. O,,-<oH- oc-eos. 7-«'^os. i'»ös-
Lr-üorxoos xö-ios xoss ck^orr. so auch Ll^iu. Ouü. 499, 18. Ebcnso wenig wcrden im Latcinifthk»
15

die Bezeichnungen füe heilige Ärtee gcschicdcn. «loss. romplum, c'xpor-, v«o§, cr^xöx,
^k/cxr-ox, «r-«)eropor-. (Bei Varro I/. 1,. p. 118 wird es von eontomj,I:,ro abgcleitet). ksnum,
rxriov 7-0 «?.oxt, rxccer-oc, v«ö§, <7,/--ö§. volnbi-um, §ö«r-ov, «r-ttA,//c«,
ö<//Sooo«, -rx«x,-os. also ist vol„l,rum cbcn so schwcmkcnd crklärt und gebrnuchl vt'i'.
8erv. Vir^. ,Vo«. II. 225: voludrum clieilnr q<ioii nno looto plura eompleclilur nuining, izuici
u»o lgeto cliluilur: ul 6si,itoliu<», in czuo Hliuorva, 3upitor, Luno 8unt oörvrcot. bci Plinius
Anderen wird diese Bedeutung auf ae>1e8 angcwendct. Nur Cella schcint allein, im hiera.-
^ischcn Sinne, ausschließlich für das Jnncrc der Acdes gebraucht, Vsrro l,. I/. IV, 44. Hi/,.
^oinnz llisveum 08t; et iüeo in se<lil>u8 8:,eri8 sntv oollam, utii 801I08 Uoi 8>int, krsooi
üicunt 7rpösso,<cor- oto- Hierhcr ist noch das zu zichcn was N. 3 über Adyton u. s. w. gcsagt ist.
2) Ueber die Ncinigung und Vorbereitung für den Besuch dcs Tempcls siehc Katharsis
Uiiter Pronaos.
) ^) Adpton, ^ssoror-, «^«ror-, «r-«/cro(,or-. Adyton und Abaton im allgemcinstcn
^inne ist si'der Tempcl für dcn Menschcn der nicht die Katharsis vollzogcn hat; im cngsten Sinne
ist es der hciligste und für jcdcn, selbst den gcwcihtcn Profanen, unbetretbare Raum desselben.
^ ist i„ lehtcrcm Sinnc Lfters aber auch cin ganzer Tcmpcl so wie ein Temcnos Adylon; doch
l^hört das völlig Unschaubare und Unnahbare cines Ortcs, Tcmpels und Kultbildcs im orthodoxcn
^innc, mchr in die Gcdankcnwclt des ältcrcn hcllcmschcn Kultus, findct sicb indcß besonders
i>ei,n Dicnste dcr chthonischcn GLtter, weil dicsc cben Pelasgische sind, bis in spätc Zeit als Nomvs
^haltcn. Ilo8)-cli. ^ssoror-. ro «eröxpr-cxor- /ix(,o§ ross cx(,oss. — )-/ör-r«. «)Ä«r«, «-rxA«rr«.
^eliol. II. g, 448: 'xlööra, r-«css. ^ssr-r« /«o x«?.ossrr«r 0/ rörror rcssr cxocstr-, or-§ oöx
^rortv xic7rxr«t (oüöx xc<7c>'ör«t lUvm. lUagu.) 5r«c7cr-. Das L>vi», Alsgn. 19, 3 erklärt cs sür
Allerhciligste: )c/ssr)rw, rcss ^r-ssor«rw -c«c i^xtoröra, /cxoxe ross r-«oss. — «üor« oör- r«
x«e /css^c« rcsir- tLcrcor-, ocor- öpocp«c o'cxot, r-rrö/xcot <7xorrtr-oe,- lehteres und die r-7rö-
^kcot sind aber nicht allgemein gültig. Auch im Vestahciligthume zu Lavinium cin Adyton: r« Lr-
«ssfirotA roc§ /r- >/«or-cr-ew --x/ccxr-« cro«, untcr welchen die Friedcnsstäbe und irdcne Ge-
Ichirrc gemcint sind, vioi>)-8. IIuI. I, 67. Adyton ist bei den Latcinern pomi8. I?o8tu8 (p. 1ZY)
voealiii- Ioo»8 iiitiii,»8 in aoclo Vo8tso 8ogvlil,u8 8aopi»8 (IoAv>iIiu8 8soptii8 IU.) «jui
^oitiz ,IioI,u8 c-iies Vv8talis spoi-itui-; ü <1io8 leligio^i Iisbontur. — ksul. Diao. hat: ?omi8
^oesbstui- Ioei>8 iu so>Io Vo8>so iutimu8. Ders. ?ouoli-alia 8uut pouatium clooium 8aeiaiig.
Als Gcgensah cki-. I.Ivm. lUagu. 8. v. /?x^r??.c>s.
») Anaktoron. Der Raum im Tcmpel welcher von kcincm Profancn betreten wcrden darf
^ißt auch Anaktoron. koll. 1. 1, 8: Lc uxr-roc x«c rc ^copcor- «,A«ror- xc,/ ross cxooss,
^or-ro x«c «ssr-ror- LcTrots «r-, x«c «r/-«rr<7roi-x«c «^-x«ror- x«t «r-«xropor-. — 8oi-v. sil
^"'8. Aen. II. 404 wo von Cassandra die Rede: o8ton>Iit illam 8acoiclotom 0880, 11011 oiiim ao-
^eclunt ast ail)-ta iÜ8i i-oliyio^i 8aeoiciote8; VI. 71 erklärt cr: ponotialia — 8oeiola tomploi-um,
I,svtaiit. clo oi-i/x. üeoi-. II, 4: tompli 8oerota pouotialia.
Aus dcm Anaktoron in Dclphi crklang cin Lcicrton wenn cin Unglück hereinbrach; Ulut.
"H» 12: c/<9x//o«xr-,/g- rsss /r- roc§ «r-«xröpocs xt<9-«occg. Ebcnso crschallt dcr Ton dcr Tym-
^Ucn aus dcm Anaktoron zu Pcrgamus; 6ae8. boll. 4znti.--3: I'oi-Aami in occulli8 ae iomoti'8 5 ./c
^»'pli, czuo pisoloi- 8acer<Ioto8 acliro uou 08t ka8, yuao Oraoci «ssnr« appollaut, t^mpana
oiiuoruut. — Hesych. ^r-ttxrö^cor-' cxpör- und )</i-ttxrop<-,r-'vergl. ?slbcrtis Noten hierzu.
^ ^»»8. H. io, 4 darf man nur vor dem Eingangc des Navs stehend das chryselephantine Agalma
Aphrodite schauen und das Gebet verrichten. Ders. VIII. 30, 2 ist kein Eingang in das Hieron

/
16
des Zeus Lykaios; in dcn Peribolos kcinn man nichl cingehen sondem nue hineinsehen; darin Alcare
des Gottes, cin Agalma dcs Pan, zwci Altarteapcze und zwei Adlcr. Ganz ähnlich das Hieron dcs-
selben Gottcs auf dcm lykäischen Berge; auch hicrbei zwei Adler und ein Hieron dcs Pan; man
verlor den Schatten wenn man hincinging und starb in dcmselbcn Zahre; das. 38, 5.
4) Direkt und hinlängiich crklärend sprcchcn übcc diesc Verhältnisse Demosthcncs und Acschlnes-
Bci Vemo8tlienv8 e. lVeaor. heißt cs daß man einer solchen beflekkten Person welche yon dcr
Theilnahme am Hciligen durch die Solonischen Gcsehe ausgeschlossen sei, im Bctrctungsfalle allc
mögliche Beschimpfung und Mißhandlung mit Ausnahme des Todtschlagcs anlhun könne ohnc be-
straft wcrdcn zu dürfcn „das hat abcr dcr Gesetzgeber darum angeordnet damit kcine Entweihung
und Beflekkung der heiligcn Bräuche vorgehen kann." — Auch bei /losoiniies e. 'limared. wüd
das obige Gcseh angcsührt nach welchem cs weiter hcist: cin durch Sittenlosigkeit bcflekktcr Mcnscll
dürfc wcder Staatsbote wcrdcn, noch enr Gericht sprcchen, noch zu Gemcindeopfcrn kommcn, »och
wie die nbrigen Athcncr eincn Feftkranz tragcn, noch sich auf dcr Agora inncrhalb dcs Krcises seh^"
lassen dcn das Weihewasser bezcichnc.
5) Als Gcgensah zu dcm Eindrukke dcn cin hcllenischcr Tempel mit scincn hcrrlichcn "U-
thropomorphischen Göttcrbildcrn machcn muste, kann ein trcffcnbe Bcmcrkung Lukians (vo
über die Aegyptischcn Tcmpcl diencn. Von Personcn redend in dercn schöncm Körpcr cine unedlc
Secle wohnt, sagt er: „Solche kommen mir vor wie die Aegyptischen Tempel, die an sich ssibb
zwar ungcmein grvß und schön, mit kostbarcm Gcstein beklcidet, mil Gold und Malerei prächt'S
ausgestattct sind, bctritt man sic abcr und sicht sich nach dem Gottc eines so hcrrlichen Ortes um,
so crblikkt man nur eincn 2lffen oder Zbis, einen Bokk odcr eine Kahe, dcrglcichen Geschöpfe man
sonst genug zu sehen bckommt."
6) Agalma. '(^/«-.,u« ist im weitesten Sinne cigentlich jcdcr Gcgenstand dcr hcrrlich aus'
gerüstet dcr Gottheit als Zlnathcma gcwciht wird; sci es das Bild eines Gottes odcr cin sonM^
Kunsiwerk. ^necll. Laelim. I, 6: ch rc^- Xttt
x«t roffs «i-ö^c«r-r«s-.x^ooocr. fcrner I, 19: oc «/r-ci-s «-,«/«« /rcci> «i'cc f- --cc«
x«i9-cx^co/r«, §o«c-on, rc «/l/lo rocoffron ec?/. — Lv8^eli. '(-H-«/.o«' ^ö«r-or-, «c/)0/cocw"cc
rcssco^cor-, ecxoncor-, ?)' «c.-c>oc«c-rc-,i-. Desgleichcn oc-/ cö§ oc-c-c/i/ec«, rö §ö«r-on. Aus dicscn El
klärungen die sich noch um viele vermchrcn ließen geht hcrvor, daß, obwohl streng gcnommen nicht
jcdes Anathema cin Agalma ist, im Allgcmcinen doch die Bcgriffe Anathcma und Agalma zusainmeu-
fallen; dahcr ist allcs was der Peribolos cinschlicßt cin Anathcma, ja cin Agalma, wie dics dw
Worte dcs Aristcides Loiiiitli. XIII. p. 241 Oiinl. bezeugcn- Zu letzter Stcllc bemerken die Erklärtt-
«r«(>>,«« corc rö ^-«ocori/ococ-, «/«/.cc« öc, rö ^ö«r-or-. r« /arc- lxo« «xc tti-«^^«rc-n
xo0ccoör-r«c ... «c-«(/,/«« cccc- /«o xorc rö cc-/-«ocori/0cor-, roc§ c/kocg- «r-«rci9L,uxr-or-. «/«-chec
ffx, öovc- kcg /okc«r- r-.-rooo/Lc.
7) Siche 2lnathema unter Pcribolos.
8) Siche N. 6 und Anathema untcr Peribolos.
9) Siehe Thesauros unter Peribolos.

II. Tempelbezirk, Peribolos.


Um den Tempel aller Berührung des gewöhnlichen LebenS sowie der Nah^
profaner Wohnungen zu entrükken und schon örtlich einen Unterschied zwischen dei"
17

Heiligm und Profanen') zu bezeichnen, ist um denselben rings herunr ein weiter hypä-
khrischer Raum, Aule, Temenos, HerkoS, gelassen, der von einer Mauer oder
Schranke, PeriboloS') oder ThrinkoS umfriedigt wird. Jnnerhalb dieseö Bezirkes
darf sich nichtö AndereS befinden als was auf die Gottheit Bezug hat, es darf Niemand
darin wohnen als etwa Priester und Tempeldiener oder SchuHbefohlene der Gottheit^);
der ganze Bezirk ist endlich ein GottgeweihteS auf dem der Gotteöfriede ruht, daher
unverlehlich und ein AsylonH so gut als der Tempel felbst. Eine solche örtliche Son-
derung die das Gottgeweihte zum Separatum macht und in der wandumfchlossenen Cella
ihre höchste Erfüllung gewinnt, findet sich bei den Völkern der alten Welt in größester
Scharft herauögekehrt. Diefe Tempelbezirke dehnen sich oft zu einer so ungehenren
Größe aus daß sie ganze Wäldchen einschließen, wie die Altis zu Olympia, oder ganze
Berggipftl, wie die Akropolis zu Athen; die Urfachen ihrer Auöbreitung sind aber ganz
dieselben welche überhaupt die Gründung eineö Tempels auf irgend einer Stätte her-
dorrufen. Gleichwie ursprünglich bie Gründung des letztern nur durch Gotteszeichen
und Naturmale veranlaßt wird, so findet sich auch sein Bezirk nicht des heiligen HauseS
ullein fondern auch solcher Gottesmale wegen°) die ihn umgeben, angelegt; denn da bei-
"ahe auf jeder einzelnen Stelle, auf jedem Gegenstande feiner nächsten Umgebung, irgend
eine uralte oder bedeutfame, auf Kult, Mythologie und Geschichte deö Stammeö oder der
Stadt bezügliche Erinnerung haftet, durch welche derfelbe geheiligt und mit einem ent-
sprechenden Zeichen als Weihemal charakcerisirt wird, so müssen alle diefe Stätteu und
Gegenstände in den Umkreiö des Tempels und zum Heiligthume hinzugezogen werden.
Die Anzahl heiliger und denkwürdiger Gegenstände die im PeriboloS mancher Tempel,
aus allen Entwikkelungsphasen der Mythologie welche das Geschlecht durchlaufen hat,
^oreinigt sind, ist daher oft so bedeutend daß in ihnen allein fchon die Kulturgeschichte des
^tannueö enthalten und niedergelegt ist. Diefe Gegenstände bestehen uun außer urfprüng-
lichen örtlichen Naturmalen"), wie Steinen, Erdklüfcen, Quellen, einzelneu heiligen
Bauiuen, ganzen Hainen und Pflanzungen^), besonderö in Weihewerken') auö jedem
Seschichtlichen Ereignisse deS StammeS alö: Jnfchriftsäulen, Siegesmalen, Standbildern,
einzelnen Statuen so wie ganzen statuarisch gebildeten Chören und Gruppen, Altären und
Heldenmälern, Thesauren°), kleinern Tempeln und Theatern'"). Bei manchen Tempeln
stnden sich j,n Vezirke auch wohl vierfüßige Thiere, Geflügel, ja selbst Fifche in Fisch-
^ichen, unterhalcen") die in demfelben Zusammenhange mit der Kultfage des Tempel-
bildes stehen wie die heiligen Bäume, Pflanzen und Naturmale. Jn unmittelbareu Bezug
iur Gottheit deö Tempels und deren Kult treten befonderö die Opferaltäre''), welche sich
^oshalb hier unter freiem Himmel befinden, weil auf ihnen das blutige Brandopfer darge-
^U'acht wird, während im Tempel selbst, wo die kleineren Rauch- und Fruchtopferaltäre
skehen, nur blutlose Opferungen vor sich gehen. Der Blutopferaltar steht in der Regel
... 3
18

unmittelbar vor dem Pronaos auf der Opferstätte oder Thymele, fo daß man beim Opfer
das Götterbild im Tempel erblikken kann; in seltneren Fällen ist er auf die Seite deö
Tempels gerükkt. Ganz besondere Aufmerkfamkeit verdienen unter diesen Altären die-
jenigen an welchen man ganze Festhekatomben weihte und schlachtete; sie erhoben sich oft
thurmähnlich in mächtigen Terrassen die durch Treppenbauten zugänglich gemacht wurden
und sind ein Gegenstand kostbarer Auöstattung durch bezügliches Bildwerk gewefen.
Erwägt man daß bei Ausbreitung aller der mannigfaltigen Baulichkeiten und
Kunstwerke deren Zahl sich oft in die Tausende erstrekkte, derfelbe eurythmifche Sinn
hinsichts der örtlichen Vertheilung und Anordnung obwaltete welcher als ein besonde-
reö Eigenthum des künstlerischen Hellenenvolkes sich in Allem zeigt was seine Hand
schafft und ordnet, so ist eö kaum möglich ein Bild zu entwerfen welches den groß-
artigen und überraschenden Eindrukk hervorrufen könnte den der Anblikk und die
Auöstattung eineö BezirkeS wie die Altiö zu Olympia, der Peribolos zu Delphi oder
die Athenische Akropolis im Beschauer erregt haben muß. Hierzu kommt noch daß
in Fällen wo es für die Ortlichkeit bezeichnend und dem Zwekke entsprechend sein sollte,
sogar die umfangende Mauer noch genuht worden ist um großartigen und charakte-
ristischen Bildwerken in ausgedehnten Gruppen zur Basis zu dienen; eine Anordnuug
durch welche man schon in weiter Ferne die Bestimmung und den Jnhalt deö heiligen
Bezirkeö ankündigte^).
Endlich wird der Haupteingang deö Peribolos oft durch ein würdigeö Vorthor,
Propylaion, welcheö an sich selbst schon ein Wunderwerk der Architektur ist, eröffnet")-

Z u s ä H e.

§ I. Unter den bemerkenswerthesten Bauanlagen in manchcn Tempelbezirken sind die Thc-


sauren oder Schatzhäuser in dencn nicht Tempelgelder sondern bloß Weihewerke ausbewahrt wurden,
hcrvorzuheben. Bei hochberühmten Kultstätten wie z. B. Olympia und Delphi, wo außcr sännnt-
lichen Hellenischen Stämmen und Städten auch einzelne Personen, sogar Barbaren kostbare
Weihewerke oder Anathemata stifteten, häuste sich dic Anzahl der letztern so sehr daß sie nicht
den Tempelräumen untergebracht werden konnten; da nun im Peribolos unter freiem Himmcl n»r
Werke aus wctterfestem Matcriale aufgestellt wcrden können, so muste man für diejenigen die
nicht von solcher Beschaffenheit und ihrer Kostbarkeit wegen auch unter Verschluß zu nehmcn
waren, eigene Baulichkeiten errichten in denen sie untergcbracht und aufgestellt werden konnten-
Diese Bauwerke sind nun die cben genannten Thesauren^) dic eine Stadt oder cin Stamm i»i
Tempelbezirke auf eigene Kosten stiftete. Da cs hier noch nicht am Orte ist auf die bauliche
Construktion und Form dieser interessanten kleinen Bauwerke besonderö einzugehen, sondern n»e
auf ihrcn Zwekk uud Jnhalt aufmerksam zu machen, so mögen einige Andeutungcn ihrer B»»-
form vorläufig gcnügen. Jm Voraus muß die „Cisternenform" derselben die sich Ulrichö (Reistn
19

u»d Forschungei, in Gricchenland S. 61, N. 16) denkt als unstatlhast abgewiesen werdcn, da sie
eben so wenig mit den unterirdischen lsviüsaedes kapitolinischen Tempels als mit cinem Baue
uach Art vom Tholus des Atreus die mindeste Aehnlichkeit hatten, sondern überirdische freistehende
Bauwerke (ooS^oTrrxo«) warcn; der tliolus gui est volpliis bei Vitr. VII. prsok. war sicher kein
»ntcrirdischer Bau und ist auch schon von Müller (Handb. d. Arch. 8 191, 5) sür ein Prytaneion
odcr Buleuterion, also eben für cinen Bau der ein ,?o-.os, «-xtstöüon ist, gchalten; wie denn das
Prytaneion oder die Skias zu Sparta und Athen mit der Hestia, in glcicher Form angelcgt war;
kkllrichs entschcidet sich S. 261 für den runden Tcmpel der Athena Pronaia.) Da die Thesauren klein
und von geringen Maßen im Grundrisse sind, auch im Ganzcn wenige Gegenstände in sich faßten,
hat man ihren innern Raum ganz bedekkt und durch Fenster in den Wänden crlcuchtet anzu-
uehmen, deswcgcn findet sich auch der Tholus als eine sehr gebräuchliche Form für diesclbcn; war
eine Portikus nach Außen angesetzt, so mochten in dieser wohl die Bildwerke stehen die dauern-
ber von Arbeit warcn, wogegen im Jnnern, in den Gcmächern, ^«-.«rtOt, sich diejenigen be-
iunden welche sorgfältiger geschützt werden mußten. Wenn aho Pindar I'^tli. V. liv von dem
^ugen redct welcher an dem cypresscneri Balken dcs Tholus im Haine dcs Naoö als Anathema
uufgehängt wird, so darf Tholus nicht etwa für cinen untcrirdifchen Tholus genommen werdcn, und
bics läßt sich auch aus anderen Stellcn dcs Parstanias deutlich bcwesten (Tektonik I. Bd. 1. Erk.
S- 56). Pausanias crwähnt nämlich V. 20, 5 des sogenanntcn Philippeion in der Altis von
^iympia, welchcs wciter nichtö war als cin Thesauros den Philipp nach der Schlacht bei Ehä-
ronca baute und der zur Aufnahme seiner Familienbilder bestimmt war welche in den chrysele-
bhantinen Bilkcrn des Amyntas, Philippos, Alerander, der Euridike und Olympias bcstanden;
bvr Bau war ein umsäultcr Rundbau aus gebranntem Stcin, ol'xr-uo- -rxo-^xoxs oTrrsis 7r-.-n-
and die Dclkcnbalken gingen in cine Tachspitze zujammen wo sie von einem erzenen Mohn-
EvPse zusammcngehaltcn wurdcn, Lrrr xoou^is öe Lc>rr ooi-ükouos rcüz öoxocs,
U^oraus die ganze Eonstruktion des hölzernen Tholus deutlich erhellt; wahrjchcinlich war auch
bas Dach mit Erz gedekkt. Wie aber die Beleuchtung des völlig überdekkten Jnnern war, ist
uicht gesagt; entwedcr sind also sehr hohe Fenster anzunehmen um cin gehöriges (icht unter den
^vristoen hindurch zu gewinnen, oder aber es war ein Fensterbau über dcr Wand in die Höhe
äeführt und so ein Obcrlicht gewonnen. Daß auch im Jnnern dieser Thcsaurcn untersäulte Dekken
v^zunehmen sind, geht aus dem gleich zu erwähncnden Thesauros des Niyron hervor, denn wcnii
bvn den Thalamoi in seinem Jnnern, der eine sich als im dorischen, der andere als im jonischen Style
hvbaut zeigte, so könncn auch nur dorische und ivnische Säulen vorauszujetzen stin. Sowohl für
bie runde oder Tholusform des Planes, als auch für die rechtwinklichte mit Portikus und Aetos-
b«ch finden sich Beispicle. Die Thesauren in der Altis zu Olympia standen nach ?aus. VI. 19 flgg.
"uf einem Stufenuntcrbaue (r-o,-7i(s) an der Nordseite des Heratcmpels. Der eben erwähnte
^hesauros dcr Sikyonier wurde vom Tyrannen Myron sür einen Wagensieg in der 33 Olym-
pias gegründet. Es ist die Erwähnung dieses Baues dcshalb so merkwürdig weil er uns
bie älteste Nachricht von der Erscheinung der Jonischen Bauwcise giebt. Denn angenoiiinien daß
bvrsclbe sichcr noch bei Lebzeiten dieseS Fürsten gebaut ist, so bleibt dic Thatsache so wichlig sür
^ie Kunstgeschichte daß diese Bauweise zugleich ncben der dorischen an einem uiid de»i,clben
U
^ vnumente schon vereint angewandt crschcint. Dies geschicht also bcreits sieben Olym-
iuaden vor dem Baue des Artemision zu CphesuS, welches Monumcnt doch in den meisten Hand-
20
büchern dcr Kunftgcschichte auf das höchst unzuverläsftge Zeugniß des Plinius hin, iinmer a!s
der ältestc Bau dcr lonischcn Weisc crwähnt wird; es ist daher gar keine Frage daß lange vor
der 3-2 Olyinpias dic jonische Wcise sich als solche in ihrem Wesen vollendet manifestirt haben
muste und diese Nachricht nur das älteste Schriftzeugniß hiervon ist. Dieser Thesauros
hatte zwei Geniächer (A«-.«z<ot) aus Erz, das heißt wohl nur aus Erzbekleidung; in seincr
Aufschrift war angezeigt daß das Gewicht dcs Erzcs fünfhundert Talente betrage. Nber die
Form desselben wird zwar nichts gesagt, jedoch deutcn die beiden Thalamoi aus ein recht-
ekkiges Planschcma hin. Aufbewahrt wurden in ihm: Waffenbeute aus Erz, Schwcrdt des
Pelops mit goldcnem Griff, Horn der Amalthea aus Elfenbcin, Vild dcs Apollon aus
Burbaum. — Jm mcgarischcn ThesauruS bcfanden sich Bildwerke (gcöSt«!) aus Cedcrn-
holz und Gold; dcsgleichcn Heraklcs mit Achelous, Zeus, Deianira, Ares, alles von Cedern-
holz und sehr altc Arbeiten. Dieser Thesauros muste ein Prostylon haben, weil im Aetos
desfelben dcr -ritanenkamps gebildct und über demselben (r-Ma rou «eroll also wahrscheinlich
am mittlcren Akroterion) sich ein Schild («<M.ch) mit der Dedikation bcfand. — Den Thesanros
der Athener nennt Pausanias nur Stoa, worauö man aber wciter nichts Nähcres sür die
Einrichtung solgern kann; eS waren darin Siegesbcuten, Schilde und die Erzzierden der Schiff^
schnäbel aufgestellt. — Jn cinem andcrn Thesauros sieht PausaniaS: großes Standbild des Zcus
aus Holz, Panzer auö Leinwand; im Epidamnischen: Atlas dcn Himmel tragend, Herakles
und die Hesperiden mit dem Apfelbaume und dem Drachcn, alles aus Cedernholz; im
Kyrenäischcn: Bilder römischcr Cäsaren; im Sclinuntischen: Dionysos aus Holz und Elfen-
bein; im Metapontischen: Endymion aus Holz und Elscnbein. — Jm Thcsauros des Bra-
sidas und dcr Akanthier (am strymonischcn Busen) welcher von der athenischen Beute gestiftet
war, befand sich ein zwei Ellen langeö Ruderschiff aus Elsenbcin und Gold, welcheö durch
Cyrus dcm Lysander als Siegesgeschenk übersandt, von Letzterem aber nach Delphi gewciht wor-
den war; klut. I^srmcl. 18.
Die dclphischen Thesauren fand Pausanias leer; der phokische Raub und die Plüude-
rungcn dcr römischcn Cäsaren mögen sie wohl geleert haben. An einer Stelle (X. 13, 3)
abcr sagt derselbe daß in dcm korinthischcn Schatzhause das Gold aus Lydien gelegen habe, und
Herodot I. 50 flgg. kennt auch noch Wcihelverke in diesem und bemerkt daß allein die sechs gol'
denen Krateren des Gyges dreißig Talente wögcn; cr fügt hinzu daß diesen Bau nicht das
Korinthische Volk, sondern Kypselos allein gestiftet habe. Neben den lydischen Krateren stu»d
der königlichc Thron des Midas, sowie der goldcne Löwe dcö KrösoS von dem ein Thcil beim
Tempelbrande abgeschmolzen war. Eincn der goldenen Krateren deö Krösos fand Hcrodot u»
Schatzhausc der Klazomenicr, womit ?lutsroli. 6onv. sopt. ssp. 21 übcreinstimmt der auch uoch
einer erzenen Palme gcdenkt welche Kypselos weihte. Außcr solchcn Bildwerken wurdcn auch
noch prachtvolle Gewebe in dcn Thesauren aufbcwahrt; lluiig. .ton. 1141. Ob die i-«ic7xo: im
Peribolos des Heraion zu Samos bei Ltrabon XIV. 637 Thcsaurcn warcn?
Bedenkt man daß nur Bildwcrke in dcn Naoö aufgenommen wurden welchc sich uuk
das Jnnigste dcm Mythos des Kultbildes anschloßen oder aus irgend eincm Grunde für fth^
heilig geachtct waren, und sicht man auf den Jnhalt dcr Thesauren und auf daö zarte Material
der Anathemata in denselben, die nur ausnahmSweise von Erz sind, so zeigt es sich daß ebcn
von einer Aufstelluiig dcrsclben in dem Peripteron oder dcn Portikcn um dcn Tcmpel, so bald ste
21

Nlcht eine sehr bedeutende Tiefe haben nm solche Kunstwerke vor dcm Wetter zu schützen, nicht
dre Iiede sein konnte; da nun die Cella selbst zu klein war als daß man ihnen hier Platz
Mvcihren konnte, da endlich in dieser auch wie gesagt nur besonderS merkwürdige, heiliggeachtete
^erke aufgenommen wurden, so blieb den Donatoren zu ihrer Aufbewahrung kein andereS Mittel
als Thesauren zu gründen.
Schließlich sei hier eine Bemerkung erlaubt. Bei Erwähnung der Thesauren in Olym-
^a, sowie des Heratempels daselbst, deren Räume großentheils mit chryselephantinen und hölzer-
"cn Bildern angefüllt waren und auf einem und demselben sumpfigcn Boden der Altis standen,
lällt es auf daß Pausanias sagt es werde auf dem Bathron auf welchcm das chryselephantine
^ultbild des olympischen Zeus stand, deshalb Oel ausgegossen um das Elfenbein vor der cin-
dlingenden Feuchtigkeit aus dem Boden zu bewahren, während er doch von einer solchen Vor-
^chrung bei allen diesen andcren Werken die aus gleichem Materiale bestanden und dieselbe Rükk- p
^cht verlangten nichts bemerkt; daher zweifele ich noch an dem Grunde der sür das Ausgießen
des Oeles angegeben wird und möchte dasselbe aus andern Rükkfichtcn herleiten.
8 2. Eine andre bemerkenswerthe Bauanlage dcs Tempelbezirkcs ist das Propy-
laioii"), der Thorbau durch welchen der Eingang zu demselben gewonnen wird. Nicht des
^chutzes wegen, denn diesen fand das Heiligthum als solches schon in sich selbst, sondern der
^ürde hcilber ist das Propylaion angelegt. Es besteht in dcr Regel nur auS einer Wand
>velche mehrere nebcn cinander liegende große Flügelthüren (gewöhnlich fünf) oder Thore, »
^thält, vor wclchen nach Jnnen der Peribolos und nach Außen zu Stoen vorgesetzt sind.
äuweilen sügen stch auch noch links und rechts an diese Stoen Gemächer an, die theils zur
ufnahme von Denkwürdigkeiten, theils zur Wohnung der Wächter dcs Tempelbezirkes bestimmt
INid. Die Propyläen der Akropolis zu Athcn, die zu Elcusis, zu Priene sind bekannt; auch
^tadtlhore haben ganz ähnliche Propyläcn. Streng genommen sind nur die Stoen vor der
Trand (-T(,orL^xr'tc>^«r«) in welcher sich die eigentlichen durch Flügel verschlicßbaren Eingangs-
ü)üren zum Pcribolos befinden, also die außerhalb des Peribolos liegenden Theile, die
denn ist nur das Thor; jedoch wird gewöhnlich der ganze Bau unter diesem
^cinicn begriffen. Bei den Propyläen zu Athen und Eleusis sind 5 Thüren Oxurcrorcsictoc)
Ueben einander, die so gehalten sind daß die mittlere die größeste, die äußerste die kleinste ist.
Bon dcr Pracht der Ausstattung dicser Thore und überhaupt dcm feierlichen Eindrukke der mit
^u> Durchzuge dcr Prozcssionen durch sie verknüpft ist, giebt Aristophanes (Lguit. 1323) ein
^hr anschauliches Bild. Gcwöhnlich stand hier ebenso wie am Prothyron dcs HauseS dcr «/ut-us
uder (7r-(,o<xtos. ein thürbütendeö Agalma; bei den athenischen Propyläen war es nicht allein
Hernies Propylaios, sondern cs standcn die Chariten des Sokrates alö Thorhüterinnen ebenfalls
Üer, was allerdings eine merkwürdige cthische Symbolik in Bezug auf den Gedanken der ganzen
unt Weihewerken und Heiligthümern besetzten Akropolis ist.
22

N o t e n.
I) Über diese Verhaltniffe im Allgcmcinen isi zu vergleichen mcine Schrift: Andcut. üb-
d. Heilige u. Profane in d. V. K- d. Hcllenen. Bcrlin 1846.
Wenn kaus. IX. 22, 2 dcn Tanagraern deshalb dcn Vorzug in der Frömmigkeit untcr
allcn Hellenen giebt, weil sie die Hiera und Wohnhauscr ganz von einander absonderten und crsiere
auf cincm gcwcihten, gar nicht dcm Gebrauchc des gewöhnlichcn Lebcns crlaubtcn Plahe crbautcn,
so muß hicr cine ganz besonders cntfcrntc Lagc dcr Hicra stattgcfunden habcn, da cine Absonderung
durch wciten Peribolos bci jedcm Hicron Thatsache ist. Die allmählig erfolgtc Vergrößcrung cincr
Stadt mochte freilich nach und nach manchen früher außcrhalb ihr gclcgencn Kultort in die Ätaucrn
hineingezogen und zu cincm Orte in dcr Stadt gcmacht haben. — Noch in schr später Zeit erncucrt
man oft das Gcseh dcr Absonderung dcs Profancn vom Hieron; so läßt dcr Präfckt PrätcptatUv
alle Privatbaulichkeiten die zu nahc in Berührung mit dcm Hicron gckommen tnvae-n ohne WeitcrcS
abreißen; -Iininisn 27, 9: kraoksctus urlii fpravtextstus) ... iliserovit iik soüikus «aeris !»>'
vaturum pariete« iisüem iuveroeumlo eonnexos. — Dci Ezechicl 43, 24 8eili. hat Jehova dcs'
halb die Juden mit scincm Zornc vcrdcrbt, weil sie durch profane Annähcrung sein Heiligthum bl'
flckkt habcn: „die ihr Prothpron an mcin Prothyron und ihre Thürpfciler an mcine ThürpftÜtt
gescht habcn, so daß eine Wand mir und ihnen gcmcinsam war." 'Lv rtALE «üroüs ^
ir/>oAr>^oi> /tov 70es rrt>o(2ü(>ots «ürä-v, rccü P-.t«§ /rou ^/ottx>>«s rcö»
«ürcsir' rcccc Äcorc«v roc/or ccoo cöz oorc/occxror- Lccoö rrccc ccürcur' rcr?.. Daß übrigc»^
die Hellcncn nicht allcin dcn Tcmpel sondcrn allcs was der Peribolos dcsselben umschloß als c»>
Anathcma ja als cin Agalma angcsehcn habcn spricht sehr dcutlich aus Xii8t. kaimlk, D 1, pull'
250 vü. 6. tliuitoi-: Die Stadl 2lthen schmükkte die Akropolis mit dcn Erinnerungen der Grcsi'
thaten und fügte zur Schönhcit dcr Natur den Wetlkampf des Ncichthums und der Kunst/ so
sie ganz und gar statt cines Analhcma vdcr viclmehr statt cincs Agalma war: chor ecr«c
«rr' «r«Ai//c«ro§, cccc-./.or ü «rr' tt/«/ct«ro§. Ebcn so war dic ganze Jnsel Delos dcm Llpasi»»'
Olympia dcm Zeus gcwciht. — Diescn Pcribolos durfte auch kein unreincs Thier betrcten; in d»
2lkropolis zu Athcn z. B. kein Hund kommcn; I'ki>oelioi-u8 I. 9, p. 637, vion/8. Ilalic- >»
vimn-ok: cin Hund war hineingegangcn in das Haus dcr Polias und indcm er hineinschlich in d»s
Pandrosion, ging er hinauf zum Zlltare dcs Zcus Herkios der unter dem Oclbaum steht, und leg>^
sich hier niedcr; cs ist aber cin vätcrliches Herkommen bci den Athcnern daß kein Hund i»
Llkropoiis gehen darf: rrttrococ' üx Lorc rocs ^'^>-c-«>ocs rrüc'« /<>) «>'«,'?tt/r-L<c' xc§ «xoo7roü>-
woraus beiläufig mit Sicherhcit hervorgeht daß der Oelbaum (7rtt'/xr</os) »icht in dcr Jungfre»»»''
halle stand (wic man sonst will) sondcrn unter freicm Himmel, denn der Altar des Herkios ist si>-^
jn der 2lule odcr im Hcrkos, nie aber im überdckktcn Baue; Ilarpoei-at. p. 75. Daß dies nich» d>»
einzelncs Beispiel sondcrn übcrhaupt Kultgesch war bcdarf wohl keincr Frage. Vergl. vlu>»>'^
tzuae^t. kom. 90 wo vom Tempclbezirke dcs Heraklcs dics cbenfalls gcsagt wird. Seit dic g»»^
Znsel Dclos als hcilig erklärt war, durfte sie kein Hund betretcn; I. o. III.
2) Peribolos, 7rx§,'^o/lo§ gcwöhnlich für dic Umfriedung gebraucht, vgl. I. N. I,k.—' ^oll-
I, 1, 19 erklärt sehr dcutlich: Ol ü'«i-xt/txvor. ^LOtS rorrot, rx x«r rx«xr->- x«r x'o^>/-
ö Trror «ör« xüx-.o§ 7rxo,'/?o/o§. — 8vkol. iu I'Iat. Aot/xos' crxo/,/o«/««, orx</«to-, '
-rxo/^o-.os (vgl. Zonika in Thrinkos). Hicraus sicht man daß 5rL(>,'/So-.os eigentlich nur dic ll>»'
friedigung, ^t/xos, das g»")c Umfriedigte abcr rx/tLr-os, rx/«x>o- vder x(>x>- ist. Doch wird
23
Ausdrukk auch auf diesen ganzcn umfeiedigten um den Tempcl hcrumgehcndcn Naum übcrtragcn,
cbcnso wie dic Hofmauer und auch den Hof selbst bedeutet- Hai-pocrst. x. 76. röv
^ko-^o-.o» L(>xos r-.k/ov. 6lo88. t'Iülox. .-ixo/.-o-.os- r«ii'itoiium, niui-us, -untiitus, und MOt-
A-.or. moenis, sulse. — Ursprünglich ist Tcmcnos cin abgeschnittenes, eingegränztcs Stükk
Dodcn was zu bcsondcrem Eigcnthumc cines Hcrrschcrs oder Gottes geweiht ist; so bei Homer
18, 550; 6, 194; 20, 184; 17, 299; insbesondere jeder heilige cingeschlossene Ort gleichvicl ob
"üt vdcr ohne Naos z. B. U. 2, 696: evö« oe 7°k/tki>os /?a>/<os 7k Arii/ees- Das. 8, 48;
23, 148 u. A. Daher erklarcn auch ganz allgemcin Aiicecl. Usclim. II, 384, 7>k/tri»/- v«ot, tk(>ct.
^ Hesych. 7'iULi-os' 5r«s ö ttxttcotOttevos r-6-ros 7tr>t ecs rc,tt>)i> ,/ c'e(>ov -e«c /S^tto's, --
^ovkzo/Ssv /Stt<7t-.kt. — Das. 7x,ttxt'>/- r>ttOt, «/.(->/, 7« c«/)a>0t<7/tkr>« r-«t -r« 77t«>/i>
?«(>-«. Dies mag für I. N. 1.6 crgänzend sein. — Noszx-Ii. 7'e/txr>M(>oi>' rezte^ovs c/>6-.«x«,
was also einen Thorwart vorausseht; vgl. Lurip. Ixli. laur. 1127 wo -ooc c/ü/'.ttXks.
Auch 2lule ist dicscr Peribolos 6. Iv8er. 6rsoc. ?. VI, p. 807: ror r>«oi> ross '^7ro7.?.a>-
^os ross rri»7tor>, x«t r«>> «ö-.«i> xr-..
3) Wohncn durften im Peribolos nur die Pricster und Pflegerinncn des Heiligthums,
^av8. 1. 27, 4, und auch Maron wohnt 0«1^88. IX, 200 si> «-.oec öeiOoi/xrr-t dcs Apollon; bci
b°wissen Asklcpiosheiligthümern aber auch die Hülfesuchcndcn, wcil diese Heiligthümcr mil mildcn
Hnlanstaltcn verbundcn waren; bci k»aii8. X. 34, 2 sind im Pcribolos um das Heiligthum dcs
Asklepios zu Tithrone Wohnungcn sür die Pricster und Hülfesuchendcn (cr«xr«t),' X. 32, 8 bcim
Hieron der Athcna Kraneia bei Elathca Stocn in wclchen die Tempeldicner wohncn.
4) Asylon. I'oII. I. I, 10: 7lt Se -cc-t «<7r>-.oi> rt ec,/ roüro --«c -<o>/t7</.o/xror> ->e/e,
s//ü^^oi>. -t«t t'xoor-s öoor>s e</>' ö<7or> rocs cxer«ts «<7t/>tt->kt«; vcrgl. hierzu Hcmstcrhuis
^ioten. Ueber den Begriff des Asylon übcrhaupt der schöne Spruch dcs Dodonäischen Qrakels bei
I*au8. Vll, 25, 1: Schlage die nicht mit dcr Waffe, Lio wclche als Flchendc bitten, sie sind heilig
Wtd Unverletzlich: --«krttt ö'ck(>oc re --«c «/i>oc, und wie göttliche und menjchliche Strafen dcm
^chändcr des Asylrcchtcs folgcn bcwciscn allein die Fluchbeladcncn und Gcächtctcn bei riiuo^ch l, 126.
Die heiligste Wcise dcs Schutzflehcns war die wenn der Hikctcs dcn Altar oder das Agalma dcs
^tlnpcls faßte, cine Situation die sich so ost auf Vascnbildcrn findet; in Polygnots Bilde bei
X. 27, 1 hält Kaffandra das vom Altare heruntergerissene Palladium noch umsaßt, ein
Knade cinen Altar. Mcrkwürdig die Gcschichte bci klut. 8vlou. 12, wo die Schuhflehendcn ein lan-
Ser Faden, dcn sic am Thronc dcr Göttin befestigt habcn und an wclchem hingchend sie cntrinnen
Wollcn, so lange schüht bis er zcrrcißl. Berühmte Asyle warcn der Tempel dcs Poseidon auf Täna,
^'6 das Artemifion zu Ephcsus, dcr Tempel auf Kalauria, der Tcmpcl dcs Apollon zu Dclphi u. A.
abgcsehen vom Tcmpel und jedcm Alcare, schon cin jedcr dcr Gottheit gcwcihte Bczirk übcrhaupt
k'" Asylon war, bewcist allcin schon dic Gcschichtc mit Kleomcnes und den Argivcrn die sich in den
dcs Hermes bei Argos flüchtcn, ?su8. 11. 20, 9; daher war auch schon König Pausanias un-
""tastbar als er nur dcn Bczirk um dcn Tcmpcl dcr Athcna Chalkioikos bctreten hatte, Hiue^O. 1,134.
^ Zndeß sind gcwiffc Tcmpcl und Bezirke vorzugsweise zu Asylen bcstimmt und dcshalb fortwäh-
t'°Nd gcöffnct wogcgcn sonst Tcmpel und Pcribolos gewöhnlich verschloffen ist.
Ein schr hciliges Asylon war auch der Cyprcssenhain der Eanymcda odcr Hcbe auf der
Akrvpolis zu Phlius; dcm Vcrbrecher der ihn betrat wurden die Fcsseln sogleich abgenommen und
"" dcn Bäumen aufgehängt. ksu^. I. <-. 13, 3.
5) Wenigstens licgcn für die mcisten alten Kultstättcn und Tempel solche Gründe vor. So
W«r ,n Cellcnbau des delphischen Tcmpels der uraltc Lmphalos der Gäa aufgenommen und im
^dyton dcsselbcn bcfand sich die ursprüngliche Srakelkluft wclche seine Gründung veranlaßt hatte.
24
Mitten in dct- Cclla dcs olympischcn Zcus zu Olympia war ein Fulguritum, im Peribolos ein Erd-
schlund wo das alte Orakcl gcwcsen war. Eine der heiliMen Stättcn auf dcr Akropolis zu Athcn,
dcr Aceerwasserborn, war im Erechtheion, der von Athena hervorgebrachte Oelbaum in dcm Hcrkos
der Pandrosos eingeschlosscn; hier sollte auch das ältcste Bild dcr Athena Polias vom Himmcl ge-
fallen scin und so glcichsam sich sclbst seincn Sitz bczeichnet habcn. Der Tempel zu Dodona vcr-
dankte scincn Ursprung nur dcr Örtlichkeit, cben so der des klarischen Apollon und nicht minder die
Tcmpel des Poseidon zu Mantinca am Eichcnwaldc Pclagos; oU-. ?au8 III. 23, 4. Diese Ben
spicle licßen sich noch um viele vcrmchren. — Glciches gilt auch wohl vom kapitolinischcn Tempel
dessen Örtlichkeit wcnigstcns durch die Signa des Terminus, der Zuventas und durch das blutige
Haupt welchcs man bci seincr Gründung fand, bcstimmt wurde. Gründung dcs Tcmpels zu Präneste,
vio. üo vivi». 41. Doch war es bci dcn Nömern in der Zeit der Nepublik, wo jeder fiegendc Feldherr
cinen Tempcl gclobte und grnndete, freilich cine andcre Sache hiermit als bci den ältcren Hcllcnen-
6) Quellcn, Naturmale. Für Ö.uellen zcugt Pausanias in zahlreichen Stellen. Eine
bekannte hcilige Quelle war die Kassotis zu Delphi durch wclche, außer ihrem Gcbrauche im Tcmpcl
selbst, die Akyrten- und Lorbcerpflanzungen dcs Peribvlos bcwässert wurdcn. Auch Erdschlünde kom-
men vor, wie z. B. im Bczirke dcs olympischcn Zeustempcls zu Olympia und zu Athen. Heilige'
Steine sind nicht scltcn, wic z. B. dcr Stein des Kronos, dcr Sybillc in Delphi.
7) Hcilige Bäumc, Hain odcr Altis. Es ist kaum cin Heiligthum zu dcnkcn in desse»
Bczirke sich nicht eine Baumpflaiizung, wcnigstcns ein heiligcr Baum befand dcr durch die Sage
hvchberühmt gcwordcn war. Jn innigcm Bezuge zur Gottheit standcn der heilige Oelbaum (rr«>-
auf dcr Akropolis zu Athcn Ilo^di. und Lu8t.-iIIi. Oü/88 l- k-
1383; dcr alte Lorbccr zu Delphi, dic Palme auf Dclos, die Weide auf Samos, die dodonäischc
Eiche u. A. Ein Mchreres von dcn dcr Gotthcit geheiligten Bäumen und Pflanzen vgl. Pronaos
§. 5. Bci den Nömern warcn ebcnfalls einzclne Baume gcheiligt, z. B. ko^tus p. 87: IV-igut-iI
collum 4ovi8 in qno kuit ki>^ii8 rirlioi-, ciiiao ssovi8 8aei-ii Iiiiliotiiitui-. — Auch ganze Haine finde"
sich hier. Palmcnhain und Platanc dcs 2lgamemnon (II. II. 3Ü7, 310) iin Hieron de/Artcmis Z"
Aulis; I^au8. IX. 19, 5. — Zm Pcribolos des delphischcn Heiligthuins ein Myrtcn- und Lorbcei-
hain; daher tritt Zon (üui-i'p. 4vu 112) niit eincm Desen von Lorbeerrcisig aus dicscm H»""-
auf, die Thymclc des Tcmpcls zu rcinigen. Daß hicr nicht bloß von dcm cinzigen hciligen Baiu">-
im Adyton, sondcrn von cincm ganzcn Haine im Bczirke die Ncde ist, bcwcist auch Pindar
7, 65: «-.oos rrce-.ttt7-o-ror> und k^tli. 5, wo das Anathema an der Cypressendckke dcs Tholus ""
Haine dcs Gottcs hängt. — Cypressenhain im Peribolos dcs Asklepiostcmpcls zu Titane, r-m«-
11, 6 wo auch cin Hain aus Steineichcn um dcn Tcmpel dcr Eumcniden. — Das. 13, 3 TeMpel
dcr Ganymede im Cyprcsscnhaine auf dcr Akropolis von Phlius. — Vcim Hcraion zu Samos ci»
Hain, Voi-ro II. II. i. 3, 8- 6 — Tcmpel des Dionysos Saotcs im Platancnhaine bci Lcrna,
1',-IU8. II. 37, 1; und I. 30, 4 tt-.oos roü //ooeisschros. — Dcr Fichtcnhain bcim Tcmpel dcs isthnch
schcn Polcidon, die aus Platancn großentheils bcstehcnde Zlltis in Qlynipia u. a. sind bekannt- Äuch
Blumcn die dcr Gottheit hcilig, sind im Bezirkc; z. B. ?au8. II. w, 5 wv Paidcros.
8) Anathcnia, Weihewerk. Das Bcrcich dcr Dinge wclche Anathemata sind ifl so
gedchnt und der Begriff dcs Anathcma von so viclsagcndcr Bedeutung im rcligiöscn Lcben und d"'
Kunst dcr Alten, daß cinc erschöpfcnde Untersuchung diescs Gegenstandcs dic wichrigstcn ErgebnW
für die Erklärung dcr Mythologie und Kunst licfcrn würde, indem sic Verständnisse cröffncn "iuß
zu dcnen man auf andcrcin Wege gar nicht gclangt. Zch kann hier leidcr nur soviel davon
dcuten als bci dcr voilicgcnden Untcrsuchung durchaus nöthig ist, verwcise übrigens auf das
ich in dcr Schrist: Ucber das Hciligc und Profane, Vcrlin 1846, bercits hierüber gesagt h"bc-
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->) Anathema ist cin jedee Gcgcnstand überhaupt dcr cinein hicratischcn Zwckkc gewidmct, durch
Cvnsekralion ausschließüch zum Eigenthume eines Gottcs gcmacht, also dcr profancn Bcnutzung ent-
zogcn wird. Zm eigcntlichen Sinne ist daher schon der ganzc als Kulrstätte abgcgranzte Raum mit
dem Kultbilde und Tcmpelhause wcitcr nichts als cin Anathema; wobci cs glcich ist ob sich dem
Maubcn nach der Gokt scine Stättc durch ein Mal odcr Gotteszcichcn selbst als Sitz und als Ana-
thema erwählt, oder ob irgcnd cine anderc Ursache die Anathcsis derjclbcn veranlaßt habc. Daß
vbgesehen hiervon die Anathcmata im Allgemcinen ihren Ursprung in dcr Silte der Erstlingsopfcr
vder dcr Zchntenwcihe findcn und crst spätcr auch auf dic Schcnkung jcdcs beliebigen kostbarcn Gegcn-
standes ausgcdehnt wordcn sind, ist sicher. — Dahcr kann außer den Wcrken dcr Kunst und allcm
was im Hciligthume selbst und in seinem Peribolos aufgestellt vder dahin gestiftct wird, auch cine
scrn vvn hicr liegende Ocrtlichkeit ihm zugceignet werden und die Anathesis crhaltcn. Das Thria-
s'sche Feld zwischcn Megara und Athcn wurde zum Anathcma dcr Elcusinischcn Gotthciten und fnr cin
Drachfeld erklärt, um dasselbe neutral zu machcn und den forlwährcndcn Srrcit dcr zwischcn diescn
beidcn Städten um dasselbc stalt fand, zu schlichtcn; ?Iut. koriol. .ZO. Ebcn so wurdc die Krissai-
sche Ebcne bei Delphi dem Apollo gcwcihr und ein Fluch auf die Bcnutzung dcrselbcn gelegt;
^'scliin. o. Vvwoskli. §. 107; 0. ss. II. x. 1103. Obgleich nicht gesagt scin soll daß solche der Gott-
heil gewcihtc Feldcr zu Weideplätzcn der Tcmpclheerdcn gcnuhr wordcn scicn, so ist cs doch sichcr daß
bvr Tcmpcl auch Weidcn für scinc Hecrdcn hattc; vgl. Luslnlli. OiI)-88. X!I, 127: Horoü. IX, 95,
'vv cine dcm Hclios gcwcihte Hccrdc dcr Apolloniatcn, dic jedcs Mal vvn dem angcsehcnsten Bür-
3N' cin Zahr gchütct wurdc, crwähnt ist. — Auch Qucllcn, wic die Kalirrhoe und Kastalia, ganzc
E-achc und Secn wurdcn gcwciht und sind cbcn so nur zur ausschlicßlichcn Nutznicßung des Tem-
vcls oder zu heiligen Verrichtungen übcrhaupt bcstimml; so gab cs bci Pharai cin gcwcihtcs Wasscr
Hama, in dcm nicht gcfischt wcrden durste weil es dem Hcrmcs gcwciht war, Lfr-ccr ross
2-o.uiLo^xs. VII. 22. 2; cbcn so V-IU8. III. 21. -1: I. 38, I; vgl. noch Xouo,ili. rln-ili. V.
13; Lue. ^n-ieli. 9; l'-iu«. II. 28. 3. Ebenso wie die Kultstatte durch ein sinnliches Bildzcichen
bvr Gottheit bezcichnct wird, so zcigt an den Altärcn, Geräthcn und Gcwandcrn jedcs D-al cine Zn-
schrift die Dcdikalion an; 6. N nr. 2852, 2855 und 155; Aix. vewoslli. ^rist. I, p. 767; viiu«.
5, 3. Glcichcr Wcise wcrdcn Ocrtlichkeitcn durch Grcnzstcinc, o(>or, mit dcm Symbole dcs
^vktes, oder durch Znschriststcllcn abgcgränzt, 6. nr. ,870; sclbst cinzclnc Bäume durch Inschrif-
tv» gewciht, Hieoerit. 16. XVIII. 43. Olympia war dem Zeus gcweiht, vol)-t>. IV. 73, 8ti-->I,o VIII
l'' 514 u. 549; Delos dcm 2lpollon Ueroch VI. 97; riiue.vll. III, 104 u. V, 1. Als Krösos EphcsoS
b»rch Sturm gewann, hatrcn die Ephcser auf dcn Nath dcs Tyranncn Pindar von den Säulcn
bcs Arrcmision bis zu dcn Maucrn und Thorcn dcr Stadt Strikkc und Dändcr gczvgcn und so dic
Sanze Sladt zum Anathcma dcr Artcmis crklart; dadurch rcttctcn sie dicsclbe vor dcr Plünderung,
^oliau. V. II. III. 26. Es kommen auch Wcihungen von einzclncn Mcnschcn wic von ganzcn Släm-
"tt» vor; so crklärt sich dcr Chor der Jungfraucn in vurip. 1'Iiovn. 209 für cin dcm Gotlc
3°weihkes goldcncs Anathema. Vgl. I'Iut. (»u-iost. xr. 35; i'I. vi»i. oi->e. 16; vin,1oi-. XI. 65
""d XI. 3 mit Ilei-oll. VII. 132 und v-»i8. IV. 34, 6.
Wenn nun auch wic obcn bcmcrkt ist Anathcma und Agalma im wcilcren Sinne Eincs
so will ich doch dcr Untcrscheidung wcgcn die Statuen und Dildwerkc wclchc bios historischc
^eihcwerkc sind allcin untcr Anathema bczeichncn.
t>) Was die 2lufstellung dcr Anarhemata bcim Tcmpel angeht, so licgt cs sckon im Vcgriffc
bessen was nur zur Ehrc dcs Kultbildcs und zur öffcntlichcn Verhcrrlichung OoourM«) st>»er Stättc
3ewciht wird (tssouo'öttt), daß cs auch wcnigcr ein Unschaubarcs und Gcborgcncs, als viclmehr
öffcnrlich Ausgestclltes sci wclches von Aller Augen ohnc Wcitcrcs gcschcn wcrden sollc. Für
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den Ort iciner Aufstellung wied demnach also auch die umgckehrte Dedingung cintretcn als für das
Kulrbild; cs wird wcnigcr in dcr Cclla als im Pcribolos, oder wcnigstcns in den nach außen hi»
ostencn Stoen dcs Tcmpels seincn Standort findcn, dainit es cbcn recht ein und <-u«ro»'
sci. Namentlich gilt dies von den Wcrkcn wclche Sicges- und Bcutezehnten, Ehrcnmalc von
geehrccn Mcnschcn Und andcre derglcichen Gcdächtniß- und Dankcsstistungcn sind, zu welchcn
alle Statucn, Statuengruppen, Thicrmale und dergleichcn mchr gehörcn welche z. B. in Delphi und
Slympia im Peribolos stchcn. Es sind dahcr dicse Wcrke im Voraus für die Zlufstellung im Fccicn
berechnet und aus unvcrwüstlichcm Materialc, aus Erz odcr Stein gearbcitct. Eine Ausnahwc
hiervon machen jcdoch Gcgenstände vvn zartcr Arbeit und kostbarcm Stoffe, wie z. B. Elfenbcim
bildcr, goldene Ehrcnkränze, Gürtel, Halsbänder, Gewändcr, musikalische Znstrumcnte, Waffcn, Gc-
räthe u. s. w., diese wcrden in dcr Cclla und dcrcn Ncbcnräumcn odcr wenigstens in dcn schützendcn
äußeren Hallcn unter Dach und Vcrschluß gcborgen.
o) Abgcsehcn von Nükksichten auf das Matcrial solcher Werkc, so zeigt cs sich daß bei dcrcn
Aufstellung in Hinsicht ihrer Ocrtlichkcit cinc gewisse Rangordnung bcobachtct ist. Je näher cin
Anathema dcm Kultbilde gcrükkt wird desto heiliger ist cs geachtet, und die Wcrkc in dcn Hallen uw
dic Cella odcr gar im Pronaos vvr dcrcn Thüre, sind hvher gehaltcn als die im Peribolos.
Namentlich gilt dies von Standbildern; dahcr auch die GLtterbildcr im Peribolos, als bloßc Anathc-
mata, nie eines Qpferkultcs gcnießen. Empfängt übcrhaupt schon cine Pcrson dic hcroische Ehrc
sobald man sein Bild in den Tcmpelbczirk wciht, wic dies von dcn Bildern der Slympischcn Agoniken
gilt, so ist es cinc noch höhcrc Ehre wcnn dasselbe in einc Vorhallc des Tcmpels odcr gar in dic
Cella sclbst aufgcnommcn und so zum Hausgcnossen des Gottes gcmacht wird, wie z. B. die Vilder
dcs Thcmistoklcs und Heliodor, l. I, 2 und 37, I. Es heißt cndlich ciner Pcrson die 2lpo-
thcosc verleihen wcnn ihr Dild auf die Basis odcr in dic Kapclle dcs Kultbildcs gcseht und zuw
Parcdros desselbcn gcmacht wird. Solche wenn auch nur aus eklcr Schmeichclei hervorgegangene
Ehre wurde dcm Demctrios und Antigonos; dcm Dcmctrios wurdc dcr Spisthodomos dcs Parthe-
non zum Quartier cingcrichtct, dic Bilder bcider wurdcn in den panathcnäischcn Peplos ncben
Zeus und Athcna cingcstikkt klut. vomet,-. 10, 12, 23; dagegcn wird auch aus Pictät gcgcn wirkliches
Verdicnst die Portraitstatue eincs Mcnschen ncben das Kultbild gcsetzt, wic z. B. das Bild dcs
edlcn Arimncstos zu dcn Füßcn dcr Athena zu Plataia stand, ksus. IX. 4, 1. — Wurdc also dcn
Gegenständcn die man in die Cella brachte hierdurch die höchste Wcihc vcrlichcn, so verloren sie
dicsclbc natürlich wicder so bald man sie daraus cntfernte. Trat z. B. an die Stelle irgend eincs
lchon vorhandenen Götterbildcs der Cclla, und wcnn es sclbst das Kulkbild war, cin ncues, so vM
lor das ältcrc mst der Ehre zuglcich auch scincn Platz und wurde in die äußercn Hallen odcr
den Pronaos gescht; alsdann galt es nur noch als bloßcs Anathcma und war der Anschauung oh»c
Weitercs srcigegcbcn, währcnd das ncu konsekrirte Agalma scinen Platz und seine Ehre gewann. Als
Bewcis hierfür kann das chryselcphantine Kultbild dcs Poseidon mit Nebenfigurcn, wclches Her^
des Attikus in den Tempel diescs Gottcs zu Korinth wcihetc, angeführt wcrdcn; denn da dies ohne
Zwcifcl an die Stelle dcr frühcrcn crzcncn Gruppe trac, so wurdc lchtere aus dcr Cclla hcraus >»
den Pronaos gcfuhrc, wo bcrcits cin Poseidon stand; I^au8 II. i, 7. Ejn glcichcs Vcrhältniß bcwcist
auch der mit Erz belegcc Dreifuß in Olympia, welchcr deshalb, wcil er nicht mchr zum Auflcgcn ver
geweihten Kränzc bcnuht wurdc, im Pronaos seinen Plah fand, währcnd cine chrysclephantinc
Trapcza scinen Srt cinnahm; vnu«. V. 12, 3. Bci Oui tiuz Insv,-. ^ttie. p. 17 ist auch von cinew
Gemälde die Rede welchcs aus dcr Cclla wiedcr hcrausgcbracht und in cinc Vorhalle vcrsctzt wird-
cl) Aur Wcihung und Aufstcllung jedcs Anathema muste übrigcns die Goltheir crst ihre Zu^
stimmung gebcn; dahcr konnte Themistokles die persischc Bcutc nicht nach Dclphi weihcn weil ste
die Pythia nicht annehmen wollte, kau8. X. 14, 3; auch nus der spöttischen llnterhandlung des
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^esandten dcs Phalaris bci s.ueian. ?I>!»I. 13, gcht dies hcrvor. Dagegen fordert sich dcr Gott ofl
die Dankesspende selbsr, wenn sie zu wcihcn unterlasscn worden ist; so verlangt bci i!.:rv,I. VIII. 122
Apollon von dcn Aeginetcn dcn Aehnten ihrer Salaminischcn Siegcsbcute. Zm Untcrlassungsfallc
^olgen auch göttliche Strafen, wic bei kaus. X. II, I wo Apollon dcn Zchnten dcr Goldgruben
von dcn Siphniern vcrlangt und ihnen dic Bergwcrkc durch Ucbcrschwemmung verwüstet als sic dic
^ntrichtung untcrlasscn.
v) Außcr Göttcr- und Mcnschcngcstaltcn bilden cine andcrc Gatrung Anathcmata ausgczeichnctc
^tgenstände welchc zum Gcbrauchc im profancn Lebcn gedicnt habcn und entweder aus Dankbar-
Etit vder irgend eines Gclübdcs und sonstigcr Erinncrung wegcn dcr Gottheit gcweiht wcrdcn. Dics
sind Thcile der Bcklcidung und dcs körpcrlichcn Schmukkcs z. B. goldenc und silbcrne, mit Gcm-
'nen und Edclsteincn gczicrtc Kränzc, Gürtcl, Ninge, Halsbändcr, Kleidcr, Tcppichc, musikalische
Änsrrumcntc u. s. w-, wovon allein die Schahvcrzeichnisse dcs Parthcnon 6. 4. k. II. uo. 137 bis
"0-141 cinc ausführliche Uebersicht gebcn. Dckanntlich musicn auch allc Siegcspreise die in den Ago-
'"n gewonncn wurdcn, vom Siegec dcm Gottc wieder geweiht wcrden; I. e. ». 152 wo cin Kranz aus
Svldcnen Blättern im Parthcnon ssu Tro-.tg r-oss xtSa^wöoss,- »vmoslli. v.
^>u>i-ot.58. Nach der großen Zahl von Schmukkgegcnsrändcn welche in solchcn Vcrzcichnissen aufgeführc
Ünd (vergl. I. o. »o. 150) schcint cs als ob man bei jedem bcdcutcnden Lcbensereignissc der Gott-
h°'t das Kösclichsic zu wcihcn gclobtc was man bcsaß; wic z. B- Kröjos nach IIvi-o.1. I, 52 Gürtcl
""d Halsband seincr Gcmahlin wcihtc. Auch mochtcn durch tcstamenlarischc Vcrfügungen solchc
-^ostbarkcitcn in dcn Tcmpelschah gclangcn, wsbci indcß wohl die Eitelkcit manchcr Pcrjoncn, mit dcr
^abc zuglcich ihr Gcdächtniß noch nach dem Todc crhalten und bci allcn Festcn ihren Namcn gcnannt
^ wissc„, vicl zu Wcihungcn Anlaß gcgcbcn haben mag, da an den Fcsrcn bckanntlich die Schähe
b°s Heiligthums dcm Volkc gczeigt wurdcn; lUaut. Uaceli. IV. 7, 58: IIIu outo», iu !>i-l.-em r>I,i-
^>t aellon, visei-v üliuorvao. IVuue aperl!, est; i, v,8e, ostue il,i; vgl. Iiueirni. ,1. Uor, 8^-i-. 10
U»d A,-i8loteI. Hlii-. aime. 86, wo in lehter Srellc das prachtvolle Gcwand dcs Sybaritcn Alki-
"'tnes wclchcs 120 Talcnte kostetc das mcrkwürdigsic Stükk war was dcm Volkc an dcr Panegyris
der
Puno Lacinia gczcigt wurde; auch Nero wcihte in den Naos dcr Hcra zu Argos scincn gvldenen
Kr»nz
' und Purpurpcplos, kaus. II. 17, 6; Aspasias Taube aus Edclsccincn, Aeliaii. V. II. XII. I.
k) Einc drittc und zahlreiche Gattung Anathcmata bildcn die Gcgcnstände welche nicht blos
wie Gedächtniß- und Zehntenmalc zum bloßen Kosmos, jondern auch zum Gebiauchc bcim Kultc
^Nten; dics sind Tischc, Leuchtcr, tragbare Wcihewassergcfäßc, Näuchcrgeräthe, Tcppiche, Wein-
^üze und Kanncn, Kcsscl, Baldachinc odcr Skiadicn u. s. w. wovon dic Schahvcrzeichnisse des
^nvthenon voll sind und deren Anzahl sich um Vicle vcrmehrcn licße. Von solchcn Anathemalcn ist -
^ Nedc bci polvl«. IV, 62: Skopas crobcrt Dion in Maccdonicn, zcrsrörl die Maucrn, Häuscr,
Gymnasion und die Anathcmata, sowohl dic wclche blos zum Kosmos als auch die welche zum
^ebrauche dicntcn: sso 7oüro-s L^kTroi/OL ra§ oro«s r«§ 5rroi rö rL,tkvo§ xae ra
H-OtTr« rtör arc-S,/o«rMi-, öoa rroö; xöottoi- »/ /ok-«r ÜTri-o/k rois k-§ 7r«>-,^ö(,kt>?
onücrox>xuo^krot§, a^r^kchr ök xai r«§ kixör«§ rwr /I«<7t).kwr> «7r«o«§. Nur cinige merk-
tvürdige Beispicle von solchcn mögcn hier noch angemerkt scin. Krocsos mcihte nach Delphi cinen
S°Idenen und cincn silbcrncn Kratcr, woraus die schmauslicbcndcn Dclphicr am Fcstc dcr Thcophanie
bos Apollon dcn Fcsrwein mischten; der goldenc hatte übcr 8^ Talcntc an Gcwicht, dcr silbcrne faßtc
^OO Aniphvren. Hierzu kann noch die ciserne Angothck oder das Kratergcstcll des Glaukos von
Thivs gcrcchnct wcrdcn, wclches Alyattcs mit cincm silbcrncn Krater weihrc; 11ei-oü. I, 25. Ferncr
'vühtc Krocsos hierhin vicr silbcrne Fässer, cin goldcncs und silbcrnes Pcrirrhanterion nebst einer
St'°ßcn Anzahl silbcrncr Gießgefäße; Ueroö. I, 51. Der Bratspieße zum NLstcn dcr Fest-Hekatom-
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28
bcn wclchc dic Hctärc Nhodopis nach klnl. l'v»,. oivie. 14, weihte, ist schon obcn gedacht. Daß
auch die Tcppiü)c dic gcwciht wurdcn zum Gcboauchc bci Fcstcn dienten geht aus dco Anwendung
hcovor dic Euripidcs dcn Zon davon machen laßt; Tcktonik I. B., 6. Exk. S. 67. Eincs der kost-
barsten Anathcmata mochte wohl dcr aus Gold, Silber und edlen Gcstcinen gearbcitctc Psau, das
Snmbol der Hera, gewcscn scin den Trajan in das Heraion zu Argos wcihte und der sichcr cöc»
jo in der Festpompa der Göttinn getragcn wurdc wie die heiligen Gcrathe des Parthenon;
II. 17, 61. Zu den Anathcmatcn wclchc gebraucht wurdcn rcchne ich auch dcn mächtigen Pcplos
der großcn Panathcnäen, von dcm man ohne Frage behaupten muß daß er zur schntzcnden und
Staub abwchrcnden Umhüllung des chryselcphantinen Athcnabildes im Parthcnon gcdicnc hatz
wahrend dcr Pcplos dcr kleincn Panathcnäen dicntc das Xoanon der Athcna Polias zu kostüniircn-
Daß übrigens nicht alle Kleidungsstükke welchc sich im Schatze manchcr Hicra bcfandcn zu lctztcreM
Gebrauche dicnten, sondern cbcn so wie die Kränzc, Ringc und musikalischen Znstrumcnte im Schahc
dcs Parthenon, bloßc Gclübdeangedenkcn warcn, wie z. B. dic Haarlokken, Gürtel, Schleier dcr
Zungfrauen, bcwcist daß untcr der Gardcrobc der Artemis Brauronia zu Athcn, 6. X no. 15»
Z. 6 auch ein männliches Himation vorkömmt. Vgl. vorhin e) zu Endc.
3) Zntcressant für dic Kunst ist die Weise wic man den Zehntcn der Erstlingc von Dodcn-'
ertrag, Fischfang, Hccrdenscgen, auch Waffcn- und Siegesbeute u. s. w. den man dcm Stoffe »ach
nicht geben konnte, in ein daucrndcs wo möglich unvergänglichcs Kunstwerk verwandclte wclches anstalt
dessen gewciht wurde. Pausanias führt unter dcn Anathcmaten im delphischcn Peribolos cinigc
sehr interessante Vcispiele hiervon an. Dic Korcyräer weihcn z. B. einen erzcncn Sticr als Dankcsc
zehnten, weil ihnen cin Sticr cincn ungewöhnlich rcichcn Fischfang angezeigt hatte; der Paonischr
Fürst Dropron wciht dcn Kops cines päonischcn Sticrs als Zehnten des Zagdcrtrages diescr Thicrc;
die Karystier ein erzcncs Nind als Wcidczchnten; die Elyricr von ihrem Hecrdenertrage eine erzc»c
Ziege mit zwei säugcnden Kindcrn; auch dic goldcnen Ähren wclchc die Apolloniaten, Myrinäer-
Mctapontier jährlich nach Delphi schikkten sind Zlkkcrzchntcn. Für Letztcres ist zu bcmcrkcn daß stch/
nach eincr ncuercn mündlichcn Mitthcilung BLckh's im Schahc des Parthenon auch cin Fcld aus goldc-
ncn Ähren fand dcrcn Gcwicht cinzeln angegcbcn wird, und cs mögcn jcnc Apolloniatischcn A»m
thcmata in ähnlicher Form gefaßt wordcn sein. - Schlau ist der Auswcg den dic Limcatcn crgriffc"
um sich von dcr Ausführung cincr Pompa zu bcfreicn die sic gclobt hatten täglich in Delphi abzu-
halten; sie licßen nämlich dic ganze Pompa in Erz bilden und wcihten dicselbc dahin.
Ii) Sobald dic Gotthcit cinmal die Weihung cines solchcn Wcrkes angenommcn und Desth
davon ergriffen hat, ist es nach dcm Begriffc dcr Alten auch von ihr erfüllt. klutm-oli.
orse. 8 sagt hiervon „ich bchauptc jcdoch daß auch dic Anathemata hicr, wie des Gottcs Fürsorgr
cs will, i„ Bcwegung gcrathcn und durch Zeichen cs ;u verstehen gebcn daß kein Theil von ih»r"
lecr odcr gefühllos sondcrn daß allcs von dcr Gottheit crfüllt sci." Dahcr werdcn die Zlnathr^
mata auch ominii wcnn über den Stifter irgend cin Unglükk hereinbrcchen soll. Den Laccdanionier»
verkündete ein solches Zeichen ihre Nicdcrlagc bci Lcuktra vorher, indem die goldeiien Sterne dic
von ihnen nach dcm Flottcnsicgc Lysanders bci Aigospotamoi als Symbole dcs Kastor und Post^
deukes nach Delphi geweiht wordcn waren, von ihrem Orte heruntcrfielen und nicht wiedcr aufgr'
fundcn wciden konntcn; 6ie. ck. üiviimt 32. — Als die Gotlheit dcn Athcnern den unglükklichr»
Ausgang der jicilijchen Hecrfahrt vorher vcrkündigcn wollte, so fielcn von dcr crzcncn Sicgespab»r
wclche jie in Delphi gcweiht hattcn, dic goldcnen Früchtc ab, währcnd zugleich einc Schaar Koähr»
das Gold vom Bildc dcr Pallas abhakkte. Pythia sclbst hatle schon vorhcr den Athcnischr»
Thcoprvpen in Vetreff dicscs Feldzugs die Antwort gegcbcn: sie solltcn dic Priestcrin der Äthr»»
aus Erythrä zu gewinncn suchen, was abcr sovicl hieß als Ruhc zu halten, dcnn diese PricstM»
hieß Hesychia; ?lut. k^IK. oi-av. 19. - Als Hieron von Syrakus sterbcn sollte so stürzte dcssc»
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Dild von der Erzsäulc auf der cs aufgestellt war herab, !. o. 8; auf dcm Haupte vom Bilde dcs Ly-
sander wuchs plöklich cin Distclkran; als cr crschlagen wurde, 6io. c!o viv. 82, und vor dcr Schlachk
b« Aktium wurde das crzcnc Bild des Dionysos aus dcr Gruppe der Gigantomachie die auf der
Mauer dcr Akropolis von Athcn stand, vom Sturmwinde in das Theater herabgcschlcudert, und
badurch dem Antonius dcr sich für dcn Sohn diescs Goktes erklärcn licß, ein Schikksalszcichen gegeben.
Bei dicser Bcgebcnhcit wurdcn auch die Kvlosse des Attalos und Eumcnes an deren Basis An-
tvnius seincn Namen hatte schrciben lassen umgcworfen, während die übrigen Standbildcr rings-
herum stehen blieben; sein cigncs Bild, welches zu Alba stand, vergoß Schwciß; klut. Auton. 60.
>) Ursprnnglich war wic gesagt jedcs Anathema ein Dankopfer kindlichcr Pietät gegcn die
Gvttheit, cin Zchntopfcr dcr Erstlinge allcs verliehcnen Scgens das dcr pythische Gott sclbst gebo-
tm und angcordnct hatte; indcß sind auch Spcnden für andere Wohlthatcn dic man dcr Gottheit
Bank wuste mit cinbcgrisscn. So wcihte Kroesos das goldene Bild scincr Bäkkerin die ihn vor
B-rgiftung bchütct hatte nach Delphi, »oroO. I, 51; und wenn nach ?->i,8. X. 2, 1, dcr bcrühmte
H'ppokratcs cine erzene Anatomie (skclettirtcn KLrper) nach D-lphi wcihte, so geschahe cs ebcnfalls
aus dcm Bcweggrundc dic höchsten Ncsultate sciner ärzrlichen Wisscnschast dcm Gottc zu weihen; der-
selbc Grund dcr auch der Weihe der bekannten Apophthcgmcn dcr siebcn Wciscn unterlag. Spärerhin
^übt sich diescr rcinc der Anathcsis zu Grunde liegcndc Gcdanke und wie Einzclne aus Eitclkcit, so
iUeihen die hellcnischcn Städte nur aus Ruhmsucht um cinandcr durch glänzcndc Wcrkc und Dcnkmale
'brcr Thaten zu übcrtreffcn, solchc Anathcniala wic sic sich m dcn Thcsauren und dcm Peribolos zu
Dclphi und Llympia bcfandcn. Daß man im Altcrthume auch hierüber so dachtc licgk schon in dcn
Wortcn des Pausanias X. 11, 3, wo cr bci Gelegenhcit dcr dcm Apollon mißfälligen pcrsischcn Beule
bes Themistoklcs bcmerkt: daß cs übcrhaupt Apollon nicht würdc gestattet haben Bcutc von Feindcn zu
'leihen wenn man ihii nur stcts darum gcfragt hätte. Noch dcutlichcr bczeugt dics Plutarch 1'vtli.
15 und 16 wcnn er sich ausdrükkt: Herrscher solltcn großc Gaben dcr Gcrechtigkcit, Mäßigung
""d erhabener Gesinnung dcm Gotte weihc», nicht abcr Wcrke der Üppigkcit und Fülle von Goid,
'delche «uch dic besihcn die das schändlichste Lebcn geführt habcn; es sci des Apollon unwürdig
'venn die Hcllcncn sein rcines Hieron mit Gcschenken anfülltcn die als Zchntcn dcm Morde, dem
Kriego und der Städtcvcrwüstung cntnommen scicn welche Hellenen gcgcn Hcllcncn sclbst begangen
hättcn, alle diese Tropäcn seicn nur Dcnkmale cigner Schande und Fcigheit und man müsse die
Hellcnen bemitleidcn wcnn man z. B. läse: „Brasidas und die Akanthier von dcn Athcnern, die
^hencr von den Kvrinthern, die Amphiktioncn von den Phokenscrn, u. s. ft; wic anders und
^renwerth crschicnc dagcgen cine Dankesweihe für cmpfangene Gotteswohlthat wie unter andern
dic des Krösos, dcr zum Dankc daß sic ihm das Lebcn gercttct cin gvldcncs Bildniß seiner Bäkkerin
dein Gotte gcwciht habc; cbcn so die Handlung dcr Qpuntier wclche alle Münzcn die die phokischcn
^empclräubcr aus dcm Silber dcr Anathcmata hattcn prägen lassen, einsammcltcn und daraus cinc
Hpdria (Wcihewasscrbckkcn?) machcn licßcn wclche sic dcm Gotte wicdcr wcihtcn; dcsgleichcn lLb.-
i'el) seien dic Myrinäer und Apolloniaten welchc die goldcncn 2lhren als Ertrag der
'Bolnmcrfrucht, odcr dic Eretrier und Magnctcn wclche die Erstlingc der Atcnschen dcm väterlichcn
"Nd Mcnschcnliebcndcn, die Geburt schützendcn Gottc als Gcber allcs Segcns vcrehrten. — Diese
h°he ethische Ansicht aber findct sich nicht erst bci den Männern der späteren Zeit wie bei cinem
Bllltarch, sondcrn gchört dcm 2lpollokulte und dcsscn Satzungen ursprünglich an, sie ist vornehmlich
dcn dorischcn Spartiatcn bis auf spätestc Zeitcn in lebendiger Kraft gcwescn. Hiervon giebt
das Geseh dcs Lykurgus bci 1'lutai'oli. »poplitli. ligeoii. den Bewcis: daß dic crbeutetcn Waffen
Fcinde nicht dcn Göttcrn gcwciht werden sollcn, weil, wie KLnig Klcomcncs hier sagt, dicselben
Fciglingen seien und cs sich nicht geziemc dasjenigc was als cin Zeichen dcr Feigheit des Be-
s'hers erbeutet sei, dcn Zünglingcn zur Schau vor die 2lugen zu stellen oder gar dem Gottc zu
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wcihen. Zn deu Thac kommcn auch keinc gcwcihtcn Waffcn, Schiffsschnäbcl und dctglcichen vo»
den Laccdämonieni wcdco zu Olympia noch zu Delphi vor, sondcrn nur Göttcr,' und Fcldherrn-'
bilder, ja nicht cinmal cincn Thesauros sriften sic; cs scheint auch als wcnn sclbst dic Errichtung
von H'eldherrnbildcrn crst mit Lysander bci ihncn bcginnc, indcm dcr glcichzcltige Agcsilaos cs
noch strcng vcrbot, ihm nach scincm Todc irgcnd ein solches Bild zu schcn; Bilder eines olyw-
pischen Agonikcn dagcgcn scheinen von dcn Spartiaten nicht vcrwchrt worden zu scin. Vicllcicht
mag bei jcncm Nerbotc dcr Beuteaufstellung noch dcr sittliche Grund bci i'uus. IX. lcitcnd gc-
wescn sein, nach wclchem noch die ältcren Hcllencn und Maccdonier cs nicht gcstattctcn auf dciy
Schlachtfclde cin Waffentropaion zu crrichtcn, um dadurch keinc unversöhnlichc Fcindschaft mit den
Dcsiegtcn zu begrnndcn. Dic merkwnrdigsten clnathcmata von Zehntcn aus Sicgesbcute die wir
kenncn sind: die Zlthena Promachos des Phidias auf dcr Burg zu Athcn sowie der Tcmpel und
das 2lgalma dcr Alhena zu Plataiai, klul. Aii8>. 20, dcr Tempcl und das Kultbild dcs olympi-
schcn Zcus zu Olympia aus dcr Bcute der Elcer von dcn Pisatcn, kuii«. V. 10, I. — Vckanntlich
bildetcn auch dic prachtvollstcn Waffcn feindlicher Bcute cinen Hauptgegcnstand dcr Anathcsis und
wurdcn an dic Epistylia außcrhalb gehangcn, k.nis. V. 10; dcr Parthcnon bcsaß allcin 300 goldciw
Schilde und Nüstungcn von Alcxander dcm Maccdonier aus dcr Sicgcsbcute am Granikos, Arria»-
I, 12 8«ici., cben so hingcn am dclphischcn Tcmpcl vorn dic Schilde und Waffen dcr Marathonische",
auf zwcicn andern Scitcn die Waffen aus dcr Gallischcn Beutc, k.-ms. X. 19, 3; Pyrrhus dcr
Epiiote hing am <cmpcl dcr Athena Itonia bci Lariffa die crbcutctcn Schildc dcs Antigonos auff
und an dcn Säulcn dcs Dodonäischcn Zeustcmpcls dic dcr Maccdonicr, k.ni8. !. 13, 2.
k) Eine schr altc Form dcs Anathcma schcint cin heiligcr Dreisuß gewescn zu sein, indcm
mit demlclbcn, als dcm Symbolc dcs Hcerdes, zuglcich dcr Bcgriff dcs Fricdcns unkrcnnbar vci-
knüpft war; die Tempcl zu Dodona und Dclphi warcn voll solchcr Drcifüßc. Viclleicht wurdc der
Zchnte ofc untcr dic>er Form gegcbcn, wie z. B. dcr Zehntc dcr ungcheurcn Bcutc bei Platäai
jcncr crzcnc Drcifuß mit der Schlangc war, auf dcm die hcllcnischcn Städte angcschricbcn wurdc"
die an der Schlacht Thcil gcnommen hattcn und von wclchcm Philomclos spätcr das Gold abschälte;
Psu8. X. 13, 5. Endlich gicbt cs eine Gattung Gcgenständc die man auch unicr dic AnathcniaM
rechncn muß, obgleich sic mehr cincn mythischcn Bczug auf dcn Kultort odcr dessen Agalma habcn unv
ost nur lokale Mcrkwürdigkcitcn sind die für lpätcrc Geschlcchicr zu Euriosirätcn wcrden und in dcr
Thar auch aus dcn seltsamstcn Gcgenständcn bcstchen, wic das Ei der Lcda, die Haut dcs kalydonischcm
die Zähnc dcs erymantischcn Ebers u. s. w. Zu dcn würdigen Gegenständcn diescr Gattung gchörc»
aber dicjcnigen wclche uralkc Stiftungen von Heroen und Hclden sind und deshalb für chrwürdig u»d
hcilig gcachtct wcrdcn; so gab cs im Megaron dcs dclphischcn Tempcls Waffcn die so hcilig warc»
daß sic kcin Mcnsch ohne cinc Sünde zu begehen anrührcn durfte, llm-oO. VI>l. 37; dcrcngleichc»
ist das Skeplron dcs Agamcmnon zu Chaironeia, kuu«. IX. 30. Iedoch wcihte man auch cig»c
odcr bcsonders dazu gcarbeitctc Waffcn cinem Gotte odcr Hcros zur Ehre, Ai-i-i.ui I. 12;
I. 52 von der Lanze und dcm Schilde aus Gold wclchc Krösos dcm Helden Zlmphiaraos weiht.
l) Was dic Aufstellung der Anathcmata im Peribolos angcht so schcint man jedem StaM»w
oder jcdcr Stadt emen bcsondcrcn Plah angcwiescn zu habcn auf wclchem dcrcn 2lnathemata u»d
Thcsauren standcn. Dics, sowie die Art und Wcise der Anordnung mögcn einige Angabcn dcs
Pausanias, wclchc Anathcmata von Bcutczehnten bctrcffen und dic untcr die schönsten Erzmale z»
Delphi und Llympia gchörcn, dcurlich machen. Charakteristisch ist cs hierbei daß sich gewöhnlich dic
Landesheroen dcr Wcihcnden daruntcr bcfindcn und voran in dcr Gruppc stehcn. So stistcn bci
?SU8. X. 9, 3 die Tcgcaten von dcr Laccdämonischen Dcutc Zlpollon, Nike, die Landcshcrocn, Kallisw
Lykaons Tochtcr, Arkas und dcsscn Söhne Apheidas, Elatos und Azan, auch Triphylos und Erasts
u. s. w. Diesec Gruppe gegenüber wcihen dic Lacedämonicr von der Athcnischcn Vcute: die La»'
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desheroen, Kastor und Polydcukes, Zeus, Artemis, Zlpollon, Lysandco dcr vom Poseidon gekrönt
wird, Abas, Lysanders Wahrsager, und Hermon sein Stcuermann. Diese Bildcr sind sicher Stif-
tungen Lysandcrs nach dem Siegc bei Acgospotamoi; denn hinter ihnen standcn erstlich noch die
Lacedämonicr und dcren Bundcsgenossen welchc bci dicscm Sicge bethciligr gewcsen warcn 19 an
dcr Zahl, dann ncben dicscn noch 8 Statuen von den Bundesgenossen; zulcht cndlich noch 2 Lace-
dämonicr; im Ganzen cinc Gruppe von cj? Erzstatucn. — Die Athencr stisten vom Zehnten der
lathonischen Bcutc: Achcna, Zlpollon, Miltiadcs, die Landcsheroen Kckrvps, Crcchtheus, Pandion,
Kclcus, Antiochos, Aigcus, Akamas, Kodros, Theseus, Phileus, sämmtlich von Phidias Hand;
Äntigonos, Deinctrios und Ptolomaios schließcn diele Gruppe die cntfernlcr von der vorigen
ttcben dcm crzenen sogcnanntcn trojanischcn Pfcrde stand wclchcs dic Argvlier aus der fur die
Lacedämonicr unglükklichcn Schlacht bci Thyrea gewciht hattcn. — Auf der andcrn Seikc diescs
Dfcrdcs sind von dcn Argoliern gewciht: Adrastos, Tydcus, Kapancus, Etcoklcs, Polynikcs, H.ppo-
Medon, der Wagcn dcs Amphiaraos mit dcm Wagcnlenker Daton, Alitherses; sodann Sthenclov,
Alkmäon, Promachos, Thcrsandcr, Aigialcus, Diomedes, Euryalos; dicsen gegenüber Danaos, .
-ynkcus, Hypcrmncstra und alle deren Nachkommcn. - Alsdann folgcn dic Bcutczehnten dcr Ta-
^Ntiner von dcn Mcsapicrn, erzcne Pferde und gefangene Frauen. Eincn Apollon und einc Arte-
^nis ncbst den Hccrführcrn wcihcn auch dic Actolicr wcgcn dcs Sieges ubcr dic Akarnanier.
A>s cin schr intercssantcs Bildwcrk ist hier noch anzuführcn die Gruppe aus Erz untcr dcr alten
^latanc hinker dcm sogcnannten hciligcn Stcinc auf wclchen slch Lcto beim Angrisjc des Python
S°flüchtcl hattc und dcm Kampfc ihrer Kindcr mit diescm zusah; die Gruppc bcstand aus L-lo,
^temis, Apollon und Python, und stcllte so nach dcn ganzcn Kampf dar; A,I>oi>. XV. 701. —
Tcrnct- dje P^lmc ncbcn dcm vcrgoldctcn Athcnabildc, als Anathcma dcr Zlthcner übcr ihren
^eppelstcg am Eurymcdon, von welchcm schon obcn die Ncde gewescn ist; auch cinc dAengc Ncitcr.
Üntuen und Wagenführer kommen vor. Dcsonders aber ist dic Personifikation ganzcr Landcr und
Städte lehrrcich für Kunstdarstcllung, z. B. die Gruppc der Kyrenäcr, wo Battos auf dcm Wagcn,
Kyrcna lcnkt, von dcr Libya bckränzt wird; cin Tropaion und cine Aitolia die von den Attolicrn
Mm Gedachtnisse ihrcs Sicgcs über dic Gallicr gcweiht ist; desglcichcn cinc Sardo dcr Sardinier
»Us Erz. — Endlich ist noch cin schr bedcutsamcs Anathcma dcr erzcnc Wolf den die Delphicr ncbcn
Altar vor dcm Pronaos gclcgt hattcn; auf seincr Stirn hatten dic Laccdämomcr dcn Spruch ein-
btaben laffcn dcr ihncn das Nccht der Vorfragc (-roo/t«rrkt«) beim Orakcl bczeugte; jpätcrhin
Athcn zur Hcgemonic kam ließ Pcriklcs densclben Spruch, nur auf Athen bezvgen, in die
rechte Scite diescs Wolscs cingrabcn; I'lut. keriol. II. Ebcn so bemcrkcnswerth sind dic 20 Bil-
dcs Apolion wclche dic Liparäcr für cbcn so viel crobcrtc Schiffe errichtctcn, ?i,us. X. 16, 4.
^ Aus alle diescm und aus der großen sich mindcstcns auf SO belauscndcn Anzahl Apollobilder dcs
^eribvlos, sieht man zugleich dcn Unccrschied zwischcn einem Götrcrbildc wclchcs bloß ein 2lnathema,
""b zwischcn eincm wclches cin Kulcbild ist; cbcn dassclbe bcstätigt dic großc Anzahl Zcusbilder
Llympia; nur das Bild in dcr Cclla hatte dcn Kult und wurde cben dcswcgcn in cine Cclla cin-
Scschlossen, währcnd die übrigen Kolvssc im Peribolos bloß Anathcmata und Schauwcrke waren
""ter dcnen bcinahc in jcder Gruppe das Kultbild als bloßcs Zlnathcma vorkommt bei dcm von cincm
^pfer nicht dic Rcde ist, während sich in dcr Cclla ein Kultbild bcfindct wclchcm das Opfcr S'lt-
^lcich intercssant in Hinsicht auf die ebcn berührten Vcrhältniffc, so wic belehrcnd sür künstlcrischc
^Utstcllung sind cinigc dcr Gruppcn in dcr Altis zu Olympia bei ?uu8. V. 22 flg. Untcr dicscn
ücht die Gruppe dcr Apolloniatcn vom Zehntcn dcr Abantischcn Beute voran. Zn Mittcn eincs
halbkreisförmigcn Bathron bcfindet sich nämlich Zcus dcn Thctis und Hemcra für ihre Söhnc an-
^h-n, sore rrüx?.o§ i-Aioo^... r«ör« Lrrt ztLow rco /?«>?(>«, Htmera wahr
Ichemlich zur Linkcn des Zeus, Thetis rechts; um dicsc hcrum ini Hcilbkrcise troischc und hellcinsch>-'
Hclden, ch gcordnct dciß die Heldcn, ivie sic der Person nach in dcr Zlias cinandcr fcindlich gegcn-
über stehcn, auch hicr in solchcn gegenscitigen Bczug gesetzt sind. An bcidcn Hörncrn ,des HalbkrciseS
stehcn cinandcr gegcniibcr dic Söhnc jcncr Göttinnen, Achillcus und Mcinnon; dicscn folgen Ovysseus
gcgcn Helenos, Menelaos gcgen Alcxandros, Diomcdcs gcgen AinciaS, Aias gegcn Deiphobus. — Ferner
ist ineikensiverth dcr aus Erz gcbildete Chor von 35 flehend dic Hände crhcbcndcn Knaben mit ihrem
Padagogen und Flörenbläser, dcn die Mcffenicr als Ehrenmal wcihtcn, ivcil diescr Knabcnchor auf
einer Thcoric iiber dic Accerenge nach Nhcgion hinübcr, niit dein Festschiffe untcrgcgangen nnn-
Viellcicht ist dcr sogenannle Adorant dcs Berliner Muscum cincr aus dicser Gruppe. — Eine andrc
erzene Gruppc, ein Anarhema dcr Achäcr, stellte die ö hcllenischcn Führer dar wie fle um den
Kampf niit Hektor looscn; vor dcr Gruppc stand Nestor nüc dcm Looshclme. — Nero allcin f"h"c
nach X. >, 1 500 Erzbilder aus Delphi hinweg um seine Nömischen Bautcn zu jchmükken,
und doch kannle klin. X. ». XXXlV. 7, 7 nvch 3000 solchcr in dicsem Hieron als Rest aller Vc-
raubungen die außerdcm schon geschehen waren.
9) Daß der Tcmpcl selbst, odcr wcnigstcns cin Theil dcsselbcn zugleich Thcsauros war, w>c
z. B. der Parthenon, bcdarf kcincr Fragc. Hesychios crklärt: A,/<7ttii(io's. --S «/tt-.p«rwr
^uttrcoi' ikocch' «croALc-cv o?-cci§. Dcrs. /-ss«-.«' ü-,/c7«c.',,o-, --««-7«. — Dcr delphischc»
Thcsauren gcdcnkt Lurip. 3ou. 1141 und An.Ii-om. 1092. — OInss. ?I,iIox. Aei-m-ium.
ro^u-.ttxcoi', oircc-<9-offo,tto§, /«^oc/>v-.«-ccoi'. Dcr Spisthodvmos dcs Pat
lhenon war zuglcich cin aoi-ai-ium wic dcr Tempcl dcs Saturn zu Nom. - 8,;i-v. Vii-g-. Aon »r
Doncn-ia, in-opi-io loea sunt in <iuil,u8 Ovnu ioiioniiiilui- .looium. Aliu^ivo lompla.
itu et i>ulvinui-m pia tomiilo iionimu8, <iuum 8int pi-npiio lootuli, ciui 8toini i» tompliri
po,-venion>iliu8 ploi i8ciuo ooi>8uoi-unt; und dcrs. VII. 8aei:»ium pi opi io I«eu8 e>8t in toinp>"
iu «juo 8:iei-:> i-opnnuiitui-: 8ieut .loimi-ium 68t ulii eollo.-uuiui- olilut;,; 8ieut loeli^toini-i
euniui- ulii Iiomino8 in templo 801I010 eoii8uoi-unt. VI088. I-ubli. vonuiiu. ^«pcor,/'«»«,
ii«oi, rLttxioj, cko«, ttiitt.ffisrt«?-«. etr. 8li-»I,o IX. p. 611; 0. 3. 11. 1570.
u) Daß es auch untcrirdischc Thcsauren, tuvi^suo, gegebcn, wird nicht geläugnet, Pc>m
sanlas crwähnt abcr kciner, da solche unterirdischcn LLchcr wohl zur Aufbewahrung metallc»"'
Schätze und Gclder odcr auch zurükkgesetztcr Alterthümer, nicht aber zur Aufbewahrung so prackl''
"ollcr chrysclephantincr Schauwerke dicncn konntcn wic sic in allcn Thesauren vorkommcn die
Paujanias beschreibt, indcm dicse bald von dcr Feuchligkcit würdcn zcrstört worden scin. Dlcs be-
wcisen auch die folgendcn Erklärungen: 6I088. I,ut,b. I-'uvi88uo i-,/occupoc. — klueiilim P- ^62
Pavi88uo, ko88uo Ijuaoclum in 6apitolio, Ijuuo III moüo vi8loi-n»i-um cuvutuo oxeipiobunt tlo""
3ovi8, 81 Ijimo V0»U8«U oiant kominum u Ii-Ujje Ounilu. — Oviil. Alot X. 691 8tjlj. I/Uiiiim^
oxijjui fuei-at propo tomplu ioeo88U8 8polunouo 8imiÜ8 nulivo pumi'eo toelii8, Rolijjivno 8:-«""
pri8eu: kjuo multu 8aeoi<Io8 Iiignou eontuloi-ut vetei-um 8imuluei-a iloorum. — 60II. noot. ->»'
ll. 10 i-> (lavi88U8) 0880 eell:,8 IjUU8ÜUM ot ci8toi-NU8, Ijuao in ui ou 8ub toiru 088LNt, ubi i-opo>>>
8oloront 8i'j;nu votoru, ijuuo ox tomplo (Oupitolino) coll:,p8u 688ont ot uliu ijuaoüum rolijji«^» "
<!anurii8 coii8oeruti8 .... 8o«l Vulorium 8oranum 8olitum Oieoro uit, <juo,I lbo8uuro8 6rue""
nomino gppolluromii8, prisoo^ lbati'no8 1iavi88U8 ilixi88o 8<j«j. — 6e8>u8: iegvi88ao loeui» i» >1""
orat u«jiia inelimu cireu tomplu. 8unt autom «jui putant, 1uvi88U8 0880 in vapitolio «:o»^
ei8torni8«jiio 8imilo8, ulii repvni orunt 8olilu ou, «juuo in tomplo vvtu8luto erant luelu inutili"
Em solchcr Thcsauros war auch d»s Gcmach iu wclchcs m.m Philopömcn hinabscnkte, und b"S
mit eincm Steine von oben wicdcr bcdckkt wurde; Iffv. XXXIX, 50.
10) Klcincrc Tcmpel, Heroa und heilige Gräbcr fchlcn seltcn im Peribolos eincs Tcwpck"«
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ste sind östcrs letztercm sclbst unmittclbar angcfügt. Zn dcm vicr Stadicn unikreisenden Pcribolos
dcs olympischcn Zcustempels zu Athcn nennt kaus. I. 18, 6: Tempcl dcs Kronos und dcr Nhca;
cm Bezirk (r-x^xr/os) dcr Olympischcn geweiht, ivo sich cin Erdschlund bcfand in tvclchcn man
Hcnigkuchcn nls Opfer hineimvarf; Grab des Dcukalion. — Die vcrschicdcnen Tempel auf dcr
^lkropolis zu Athcn und in der Altis zu Olympia sind bckannt. — Zn dcn Delphischcn Peribolos
warcn untcr andercn cingcschlossen: das Theatcr, Lesche dcr Knidier, Stcin dcr Sibylle Hcrophyle,
Pchtancion odcr Bulcuterion der Dclphicr, Qucllc Kassotis, Grab des Ncoptolemos, Stcin deS
Kronos; vgl. Ulrichs (Neisen, u. s. w.) Kap. 5.
11) Dcr Bcispicle daß Thiere wclche in irgend eincm Kultbezuge zur Gotthcit stchcn im
Pkribolos ja'sogar im Tcmpcl sclbst gehcgt und unterhaltcn wurden sind zahlrciche. So bckanntlich
^ heilige Schlangc, cin Symbol der Athcna Polias, auf dcr Akropolis zu Athen dic mit Honig-
Euchcn gcfüttcrt wird, Heroä. Vlll. 41; ob auch nicht Eulcn hicr unterhalten wurden? hcilige
Schlangcn im Asklcpiostcmpcl, ?aus. II. II, 8; — Taubcn in Dclphi, vioü. XVl. 26 (vb auch
Schwanc?) ekr. vlut. Ib. oi-ao. 12. — Tauben beim Tcmpcl der Aphrodite Erycinia auf Si.-
^lien wclche mit der Göttinn kommcn und hinwcggchcn, ^elian. V. II. I. ig. — Sperlinge und
andercs Gcflügcl nistcn in dcm Tcmpel dcs Klarischen Apollon, Ileroü. I. 159. — Zm Peribolos
Tcnipels zu Hcliopolis bci I-ueian. ü. Oes 8^r. 41 läuft in eincr Aule (Lv r?) «?)?.,)) cinc
öahnic Hcerdc heiligcr Thicre, Bären, Löwen, Adler, Wölfe, Pfcrdc und Stiere hcrum; nicht
wcit davon ist der große tiefc Tcich mit den heiligen Fischcn untcr dcncn ciner mit goldencm Hals-
bandc bcklcidet war; vgl. noch Vliooei >t. bci ^llion. VII. 20. — Pferde von dcr Nage dcs Eurystheus,
^iollor. IV. 15. — Pfauenhecrde im Haine der Hera zu Argos, Varro II. II. III. 6. -— Gänse
b"d Hunde auf dcm Kapitole; vcrgl. die Gcschichte bei 8orv. Vii-F. Aou. VIII. 652, wo dieselbcn
""vo ot p>nri>uro oxornali iu loetieis Aostoliaiitur, I. x. gzg: iiam in 6apitolio iu Iiono-
lom onsoris, izui 6allornm iiiiiitiaverat -ntvontum, positus luorat ansor arFontou«, dic
auch nach dem Circus trug, vlin. II. X. X. 22, 26; vlut. üo l'ort. kom. 12. — Die Hirschc
wclche bei k->u8. VII. 18, 7 den Wagen dcr Artemispricstcrin zichcn (dic hicr als Artcmis sclbst
wurden sichcr beim Hciligthume gcpflegt. — Hähne beim Heiligthumc, ^ristot. bei ^llion.
46. ^ Mch Hundc kommcn als Wächter vor, klut. <to solort. onimat 13, und auf dem
^apitolc, 6ie. Roso. ^m. 20 und die cben angcführte Stelle bei klut. Oo I?ort. Ilom. 12. —
^nhmes Wild im Haine dcr Artemis, 8trr>b. V. 1.
12) Altäre im Pcribolos. Um diesclben ihrcm Gebrauche nach zu erklären müsscn wir
^Mcn Blikk auf die Opfcr sclbst wcrfcn.
->) Obglcich sich in manchen Tcmpclbezirken cine außcrordentliche 2lnzahl Altäre vcrschiedcner
^öttcr bcflndcn, so darf doch nicht immcr vorausgejeht wcrdcn daß sic dcswegen unter frcicm Him-'
"wl stchcn wcil nur blutige Lpfcr auf dcnsclben verbrannt wurden, denn dcr Gegenstand des Opfers
hangt cinzig und allein nur von dcm bcsondcrn Kulte des Gottcs ab. So wurde auf dcm Altare
Zeus Hypatos auf der Zlkropolis zu Athcn nichts Lcbcndcs sondern nur Kuchcn (nr^tc-r-cr) ge-
"pfcrt, Ugus. I. 26, 5, wogcgcn am Altarc des Zeus Policus nicht wcit davon cin Sticr gcschlachtet
'"ll'b; auch auf dcn Altärcn dcs Tcrminus die doch alle cntwcdcr ganz im Freien odcr wcnigstens
eincm hypäthralcn Naumc sichcn mustcn durfte nichts Lebcndcs gcopfcrt werden, weil cs »ach
^wnysios widcr dic Neligion war dcS Gränzgottcs Altärc mit Vlut zu bcfickkcn, klut. tzuaest.
15. ujvii)-8. 1Iu>. H. 74. Wcnn solche unblutigen Opfcraltärc nun ebcn so gut untcr frcicm
Himmcl als in dcr Eclla stchcn können, so ist dagegen das Vorhandenscin blutigcr Brandopfer-
"ltärc in letztcrcr nicht möglich, cs sci dcnn daß eine besondcre Opfcrküche dafür angclcgt war und
ö"ß dieser Ort, dcn man alsdann wohl nicht mchr Tempelcella nennen darf, sonach mit einem
3"nz besondern Zwekke auch cinc ganz bcsondcre vom Gcwöhnlichen abwcichende Einrichtung verband;
n. 5
34
solche Küchen wcrden von Ilioronz-m. gävors. chovin. II. 29: sunb ot ouliuav in tomplo, ange'
führt. Eine ähnliche Bcwandniß mag es auch mit dem cinzigen mir bekannten Falle bci kaus. H-
35, 4 habcn bei welchcm im Naos dcr Demeter (Lr»ro§ ror- v«oo) Kühe geschlachtct werden.
das Adyton der Jsis, kous. X. 32, 9, in welchcm dcr Schcitcrhaufcn zur Vcrbrennung der Ops"'
cntzündct wird cin Tcmpel sei, ist noch die Frage, und in anderen Stcllen wo Pausanias von solchen
Opferfeuern 77w /xocst rcdct, z. B. VIH. 38, 6 wo dcr Ebcr für Apollon auf dcr Agora gc^
schlachtet und sodann in das Hciligthum getragcn und dasclbst verzchrt wird, ist offcnbar nur der
Pcribolos dcs Parrhasischen Apollon gemcint. Gleichcs gilt sür das Opfer dcs Agcsilaos im H>e'
ron der Artcmis zu Aulis III. 9, 2 und das Mcgaron der Kuretcn IV. 31, 7 in wclchcm Sticre,
Ziegen und Vögel ganz verbrannt werden, kann deshalb schon gar kcin Tempel gewescn sein.
d) Auf keincn Fall aber kann cin blutigcs Lpfcr auf dcm Zlltare in der Cclla solchcr Tcmpcl
vorgenommen wcrdcn von dcnen hicr die Nede ist, und ganz abgcsehcn davon daß cs die Ausstad
tung und Einrichtung solcher Ccllen gar nicht zuließ, so wird sich auö folgcndcn Thatsachen die
Sicherhcit dicser Anslcht gcwinnen lassen.
Bci jedcm Opfer und Gebctc wird dic Gegcnwart dcr Gotthcit die das Opftr empfängt
nothwcndigcr Wcift vorausgesctzt, sie wird dcshalb auch im Gcbcle zum Opfcr eingeladen. D»
nun das Kultbild in dcr Cclla das sinnlichc, aber vom iiuweii dcrsclben crfüllte Zeichcn ist, ft
muß nicht allcin dieses das Opftr schaucn und hinnehmen, sondcrn es muß umgckehrt auch dcr
wclcher das Opfer darbringt auf das Bild hinblikken; woraus folgt es müsse der Opferaltar vor
dcm Tcmpcl so bclcgen scin daß dcr Anblikk dcs Kultbildcs möglich ist, cs müsse hierzu aber »oth<
wcndiger Wcise auch die Thürc der Cella während des Opftrs und Gcbctcs gcöffnct sein. Ä»s
diescm Allen folgt die Zlnordnung dcr Altäre und Opfcrstättcn unmittclbar vor den Stuftn dcs
Pronaos. Wo abcr der Kult ctwa cincn Opfcrbrauch vorschreibt dcr nicht unmittclbar vor dem
Tcmpcl sondcrn nur cntfcrnt von ihm vcrrichtet wcrdcn kann, so bringt man entwcdcr das Kultbild
aus dem Tcmpel dahin, oder cs nimmt dcr Pricster oder die Priesterinn im Kostüme dcr Gotthcit
und als erwähltcr Stcllvcrtrcter dcrselben das Opftr in Empfang. Zch will diescs im Einzclncn
belegen.
Für dic Gegcnwyrt dcr Gottheit bcim Lpftr und Gebcte spricht schon die Einladung der-
ftlben zum Opfcr im Gebetc, Aol. V. H. IX. 15 wo mit Apollon auch der vergöttcrte Homcr
zum Opfcr cingeladen wird; daher genießt dcr Gott dcn Lpfcrduft, I.ucign. ilo «gei-if 9, u»d
-lup. lri-ii^. 3ü; liiml. I. 301; cr hört auch das Gcbct, und erhört oder vcrwirft cs ost auf der Stclle
llesioü. L. X. 342 durch ein Zeichen, kaus. V. 11, 4 u. II. 62 wo auf das Gebet an Athenc
Ocl vor dcm Tcmpcl aufquillt.
Wcnn also dic Gottheit dcs Tempels oder das seine Stellc vcrtretende Kultbild in dcr
Cella das Gcbet und Opfcr empfangen soll, so muß natürlich dcr Opftrnde dassclbe schaucn und
crstcres umgckchrt in Gegenwart ftin, cs müssen alsdann, so bald das Opfcr nicht in der Cclla ftlbst
vorgchen kann sondcrn vor dcrsclbcn verrichtct wird, die Thürcn dcs Tcmpels geöffnct wcrden, wozu
wicdcrum dcr Opferaltar eine entsprechcnde Lagc vor dcm Tcmpcl crhaltcn muß. Am deutlichstcn
erhcllt dicses Vcrhältniß aus Vitruv da wo er übcr dic Stcllung dcr Göttcrbildcr und die Lage der
Altäre redct, so bald man nämlich die mcincr Anstcht nach sich widcrsprechcnden Bestimmungcn
über dic Lage dcr Altäre nach Morgen, dic Nichtung des Göttcrbildcs dagegcn nach Abend, »lft
das izisai^uo simulaora viüesutur exorioiitia ooutuori ^uzizilioiintos ot 8aorilleanto8 wclches cor
rumpirt ist, ohne Beachtung läßt. Abgcsehcn hiervon abcr gcht aus der ganzcn Bestimmung hcrvor
daß Vitruv dic Opfcraltäre vor dcm Pronaos meint, daß cr die Äffnung dcr Tempclthüre bcim
Opfcr nothwcndig voraussetzt, daß das Bild in dem wcstlichen Theilc dcr Cclla stchcn soll (de»n
nur so kann rul vo^xertinsw cooli rebionom ausgelegt wcrden) und nach Osten schaut. Es hcift
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kv. 5, 1 die Aedcs sell so gcrichtet wcrdcn daß das 8,'Fnum quoa erit in eolla collocgtuw, sxcc-
tet r>H vesxertinsw eoeli reAionom, uti yui ruliorint nll ornm immolontes out sgcriücin
kaeionto», speetent scl partem coeli oriontis vt simulscrum huoit erit in soäe, et ita
vots «useipientes eontuoantur aoäom et orientom cooli, ipssiiuv simulsors viäosntur exo-
rientis coutuori supplicsntos et ssoriliosntos; iiuoä oras vmnes äeorum nooesso est
^'äeantur -ul orientom speotsro; hicr ist also nur der Zlltar vor dem Tcmpel gemeint; I. c. 9
hcißt es srse «peotont rul oriontom et semxer inkorioros «int colloo-stso iiusm simulsors
1US0 kuorint in kioile, einc Lage welche cbcn dadurch gewonnen wird daß der Fußboden der
Cclla eine so vicl höherc Lage hat wic der Platz vor dcm Pronaos, als ihm die Stufen gcbcn auf
dcncn dcr Tcmpel stcht. Daß das Bild der Athena, wahrscheinlich dcr Pvlias, auf dcr Akropolis
Athcn nach Ostcn schautc ist aus der Wundcrgcschichte bci vio dsss. LlV. 7 wo cs sich cinst
plöhlich nach Wcstcn wandte, bckannt; der Parthenon selbst schaut mit dcm Pronaos nach Osten
u>'d kiut. ^unm 14 giebt diese Lage dcr Tcmpel, rrpös 8m ikocöch ^-.kMi-rwr-, als Norm an.
^ci Doppcltcmpeln muste natürlich eine Cella nach Westcn, dic andre nach Ostcn schcn; so bei
k->U8. VIII. 9, I, noch dcutlichcr II. 25, 1 das ixpöri N7r-.oün wo in dcr nach Abcnd sehenden
^lla das Toanon der Aphroditc, in der entgegengcsetzt licgenden das des Arcs stand. Vei I-uo. üo
^sorik. 12 geht auch das Spfcr an diescm Altare vor, die Lpfcmdcn schreitcn zu ihm hin, -rpcm-
^S>/<M rccec ^oi-köoui-ti- örc öc^!^«-.ccocg 70Ü Akoü, sie musscn also das Tempelc
b'ld schaucn; auch aus äup. riu§. 30 wo Zcus alle goldcncn, silberncn, chrysclcphantinen und höl-
Hcrneu Äultbildcr rust die bci dcn bckränztcn Altaren sitzcn und mit Wohlgcsallcn den Dust dcs
^pfcrbratcns einsaugcn, wird dics klar. Nun findcn sich abcr auch Bildwcrke wclche dicscs bc-
^cisen; bci vempstor Lntiiiuit. Rom. p. 359 zcigt die eine Munze das Opfcr vor dcm Tcmpcl,
ölp Thüre dcssclben ist ossen und man crblikkt das Kultbild in der Cclla in scincr Kapclle sitzcnd
ö«rgestellt; ebcn so zcigt dic andrc Münze cin Opfcr bei dcm man das Kultbild in dcr geöffnelen
^lla sicht. Auf dcm Capitolinischcn Marmor dcr den Grundriß von Nom cnthält (bci Piranesi
U"d Marini I. S. 213) bcfinden sich die Altare vor dem Naos.
Eincr solchcn Lage wcgcn hcißcn dahcr dicsc Altare schlechthin /?a>/<ot -rpöuc-ol, -lesolr^I.
^ULI'I. 191 /Sco/toös rrooi-öous und werdcn anderwärts immer ncbcn dcm Tem-
ptl bcsondcrs gcnannt; II^MII. iu vororcm 270 ro/ö» rk /tk/-«i> /?co«ör- öcr «örm' ilr. 298
^urjrkpr -r-or« vi-ou -roti/c7«r x«c /Sco/rör- Lrri -rpo^onrr -co-.wrm. Dcr Dclphische Altar mit
gan'zcn Opfcrstatt wo man vor Empfange dcs Orakcls ein Lammopfer brachte und auf der der
^or bci Lurip. ffon. 1280 vor dcm Pronaos steht, hcist v. 115 Thymele c^o-^ou rAu/rx-.« öcrö
^c-0t§. Ilo8^oli. Gu/lk-.r/' kö«Po§ -koör', ckr. Ouus. II. 11, i wo dcr Thicropfcialtar des Askler
p'°ö )u Titanc auch vor dcm Tcmpcl stcht, und VIII. 37, 1 wo sogar 3 Zlltäre ?r(>ö roö r-«oö.
Dcr Altar hat gewöhnlich die Form cincr Trapcza, Ltz-w. AI»Lir. 158, 30; 6uai(>ös ^«'rrk^«,
^l'snlreim gO OsIIim p. 273.
Für die Ansicht daß dic Gegenwart dcs Kultbildcs dcm das Opfer gebracht wird nothwen-
ö'3 sc>, und daß da wo das Opftr nicht vor dem Pronaos vorgchcn kann cntwcdcr das Bild odcr
stcllvertrctcnde Pricstcr an dcn Ort des Opftrs hingcbracht wird, spricht die mcrkwürdige Ge-
schichtc bci Pausanias VII. 18, 7 wo am Zahrcsftste der Zlrtemis Laphria dic Priestcrinn auf cincm
'p't Hirschen bcspanntcn Wagcn, also ganz in Gestalt der Artemis wic sie im Phigalischcn Relief
p°ckömint, i„ dcr Pvmpa zum Lpftraltare fährt und das Opftr sür die Göttin in Empftngnimmt.
Dics Bcispicl ist abcr um so gcwichtigcr wcil dics Opfcr, bei welchcm alle Opftrthicrc noch lebcnd
'p't dem ganzcn ungehcurcn Holzaltare zugleich vcrbrannt werdcn, kein Speiscopfcr war sonr
ge,,^ allcin dcr Göltin gcwciht und nach dcr Ansicht dcr Alten auch ganz allein von ihr
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gcnossen wurde. Von denjeni'gen Opfern welche bloß Spciseopfer sind scheint cs, ohncrachtet ße im
Pcribolos vorgehen könncn, gar nicht einmal bcdingt gewcscn zu sein daß sie im Angesichte des
Kultbildes verrichtet wurden, wenn gleich die den Göttcrn gcwcihtcn Opfcrstnkke dabci verbrannt
wcrdcn; liegt folglich bci dicsen nicht die Bcdingung unter daß sic vor dcm Pronaos vorgchcn müssen,
so konnte der Altar daher auf irgend eine Scite dcs Tcmpcls gerükkt scin oder von dcmsclben ent-'
fernt licgcn. Und fnr Letzteres bictet das großc Lpfcr an den Olympischcn Festcn auf dcm
Altare des Olympischcn Zeus in der Altis bei U.nus. V. 14, 5 cincn merkwnrdigen Bclcg, dcnn
hicr wird ausdrukklich gcsagt daß der Hochaltar zur Seitc dcs Zeustcmpels gcstandcn habe, von
wo aus also an ein Erblikkcn des Tcmpelbildcs nicht zu denken ist. Nun schcint abcr aus dcr ganzen
Opferhandlung auch hervorzugehcn daß dies Opfer nicht dcm Zeusbilde im Tcmpcl galt, sondern
nur das Speiseopfcr dcr Festversammlung war; denn daß es nicht dem Bilde gcbracht wurde geht
daraus hervor daß lchterem auf dem Altare in dcr Eella gcopfcrt wurdc, auf welchcm man zugleieh
dcr Hcstia und zwar dieser Göttin vor dcm Zcus opferte, was nur cin unblutigcs Opfet ^ln
konntc; zwei Mal abcr konnte dcm Gott nicht gcopfert werden (?). Wenn abcr diescr große Altar
ausdrükklich der Altar dcs Olympischen Zeus genannt wird, so glaube ich daß die Kostcn des Opf"'^
von dcr Tcmpelgemeinde hergegcbcn wurden und Zeus gleichsam, durch seinen Pricstcr reprascntirt,
dcr Iiosxos sciner Gäste war. Mag inzwischen dcr Grund für die abweichcnde Lage dieses Altares
scin wclchcr cr will, so ist schon klar daß cin Altar von solcher Höhe und Ausdchnung nicht v°r
dcm Pronaos licgcn konnte ohnc dic ganze Fronte dcs Gcbäudcs zu verdckken, auch muste cr ci'ncn
solchcn frcien Raum um sich habcn als nöthig war daß sich eine so großc Zahl Menschcn wie bci
dcn Olympischen Fcstcn vcrsammclt warcn, um ihn versammeln konnte um dem Opfcr zuzuschauen;
letztcrcs wäre abcr cbcnfalls nicht möglich gcwcsen wenn er vor dcm Pronaos lag.
Dafür daß Kultbildcr zu Opfcrn und Festcn aus dcm Tcmpcl gctragcn werdcn finden fieh
übrigens noch andcre Belcge 1>->u8. 1. 29, 2, 11. 7, 5; II. 11, 7 wo das Bild dcr Koronis aus dem
Tcmpcl dcs Asklcpios hinweg in dcn Tcmpcl dcr Athena getragen wird so bald man jcncm Gottc ciu
blutigcs Opfer brinat. Bci dcn Zudcn wird das blutige Opfer an dem erzcnen Hochaltare i'm TcM-
pclhofc verrichtct 2 0lu-on. IV. I, und nur als Symbol cinige Tropfen Blut auf dcn silbcriien
Alcar im Hciligen gesprcngt, ^08. Auli^. X. 3, 3.
6) 3u der Form am mcrkwürdigsten sind nun ebcn diese Hochaltäre zu den gemeinsamcn Speiss^
opfcrn an den großen Festcn; an ihncn werdcn die zum Schmause bcstimmtcn Festhekatomben g^
schlachict zu deren Nösten wahrschcinlich solche Bratspieße dienten, wie sie die Hetäre Nhodopis »ach
Dclphi weihtc, l^lut. üe ?^lk. oiao. 14; klurix. ^nüroiu 1134; auch die kolossalcn Krateren zun^
Miichcn des Festweines wie sie z. B. Krösos nach Dclphi weiht, gchörcn zum nothwendigen App»^
rate dieser Hckatombenschmäuse die oft nur im Peribolos abgehalrcn werdcn dürfen; kuu8. II..27,1-
Diese Zlltäre sind oft sehr hoch und dcswegcn auf mächtigcn Unterbautcn erhobcn damit die Öpf^
handlung von dcr vcrsammclten Menge wahrgcnommcn werden könnc. Das deuklichste Bild giebt die
Beschrcibung des Alkars zu Olympia bei ?->u8. V. 13, 5; dieser mißt 32 Fuß in dcr Länge (-)/
das Plateau scines Untcrbaues, Prothysis, 125 Fuß, beide zusammen habcn cine HLHe von 22 Fufil
auf dcr Prothysiv zu der von beiden Seiten Treppcn sühren werden die Opferthiere gcschlachtet, bio
Kculen al>o die oben auf der eigenklichcn Feuerstätte und zwar nur mit dcm Holzb
dcr wcißen Pappel verbrannk; die Asche dcs Verbrannten mit Wasser aus dem Alphcus gcmengt dieiü
dicsen Bomos zu umtünchen und zu erhöhcn. — Vom Dclphischcn Altarc haben wir keinc genauc
Beschrcibung cihaltcn, I*au8. X. 14, 4 ncnnt ihn /Äa^tö§ ö lüui'ip. 3ou V. 1280 ^t-iuos
, t/kov, er war cin Anathcma dcr Ehier nach Horosi. II. 135, und unwcit von ihm lag der erzcne
Wolf, ?m»8. X. 14, 4, in dessen Srirn .die Lacedämonier, iii dessen rechtcr Scitc die Athcncr untol
Perikles das Nccht dcr Promanteia hattcn cingrabcn lassen, klul. Uoriol. 11; nach üurip. 5ou 226
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brachten die Theopropen vor dem Besuche des Orakels hier stcts cin Lammopfer. — Der Altar
von Parion hielt ein Stadium im Quadrat, ebenso der in Sprakus; an dcm 4V Fuß hohen
Marmoraltare in Pergamos (sicher an der Prothysis) war die Gigantomachie gebildct, ^mpoliu8 8;
Dcr großc Altar des Artcmision zu Ephesus war nach 8traLon XIV. 1. eine Arbeit des Praxitcles;
der zu Hierapolis war von Erz, l,uci'r>n. va vea 8z-ria 39, wo s. 46 als merkwürdig und für
bie Asiarte charaktcristisch auch ein Nauchaltar in Mittcn des großcn Teiches, in welchem die
hciligcn Fische sind und zu dcm taglich eine Menge Menschen schwimmen um Weihrauch auf dem-
selbcn zu vcrbrennen, vorkömmt. — Den Hochaltar zu dcn gemeinsamen Opfern hat auch dcr
^orhof, «v-.,/, dcs Tcmpels auf Moriah, wo cr von Erz war; De Wette Hebr. Züd. Archäol.
S. 224. — Auch der opfcrnde Pcrserkönig stcht in dcn Bildwerkcn stets vor einem klcinen Bomos
b"' auf einer mächtigen Substruktion ruht die von Telamcnenbildcrn getragcn wird. Ganz oriciu
kalischer odcr wie cs heißt Persischcr Brauch, schcinen kolossale HLlzerne Hochaltare zu sein die mit
bostbaren Spezercien, Milch, Honig, Wein und Oel belegt und ganz verbrannt wcrden; so z. B.
dcr dcs Mithridates ^p;,iau. bell. Alilbria. VII. 66, dessen Feuer mehrere Tage brannte und rings
cinem Umkreise von 25 Mcilen geschcn wurde, vgl. Ileroü. I. 50; indeß kennt Pausanias IX.
3, 4 und VII. 18, 7 cbensalls bci den Hcllenen zwei ähnliche ungeheure Altäre aus Holz die mit
ben Opferthicrcn vcrbrannt wurdcn und dercn ich soglcich gedenkcn wist.
Das Schema des Festopfers war bci den NLmern wie bci den Hellcnen ganz cin und
basselbe, wenigstcns sagt dics vion^s. Ilolie. VII. in Un. ausdrükklich, wobci zu bemcrken ist daß
»isdann auch dcr ganzc Zlufzug mit dem dic Spicle eröffnct wcrdcn ein gctrcues Bild dcr Pompen
wclchcn die Hcllcncn ihre Festspicle cröffncten, geben muß. Vom Opfer welchcs diescr Pompa
s°lgt heist cs: nach Becndigung der Pompa vcrrichteten die Consuln, die Pricster und andre obrig-
keitliche Personcn die Opfer und zwar auf ebcn dic Weise wie bei den Hellencn. Nachdcm sie sich selbcr
b>e Händc gewaschen (d- h. die Katharsis aus den Perirrhanterien empfangcn) auch die Opfcrthiere
st'cc cxo«) mit reincm Wasscr gcweiht und die Früchte der Demetcr (Gersicnlchrot) auf ihre Häuptcr
bestrcut hatten, fiehtcn sic zu dcn Göttcrn und befahlen den Dienenden dieselben zu tödtcn. Von diesen
schlugen cinige die Schläfcn des noch stehendcn Opferthiercs mit Keulcn (um cs zu betäuben), die
andcrcn sehten die Siegel (c^(>«/(§«§) auf als es gcfallen war, zogen sodann die Haut ab, nahmcn
b>c Aparchai von den Eingeweidcn und dcn Schcnkeln und brachtcn sie nachdem diesclbcn mit Gerstcn-
>»chl bcstrcut warcn den Opferndcn auf KLrben; letztere legten sie auf den Altar, zündcten Feucr
barunter an und spcndctcn Wein darauf währcnd es brannte, u. s. w. — Zcne Sphragidcs (vielleicht
^achssicgel odcr Bleimarkcn) legen bcsondere Priestcr, Sphragidai, dcnjcnigen Opfcrthiercn auf,
welche keine Mängel haben, also für opfcrtauglich crklärt wcrden; riutarcli. üo 18,0. ot O^ir. 31;
sservil. II. 38. — Imoirm. üo 8->orik. 12 8<;c;. ist ergänzend hierfür, er sagt: vor der Handlung
werden Warnungstafcln mit dcr Aufschrifc aufgcstcllt daß Nicmand inncrhalb der Weihcgefäße ein-
Sehcn dürfe wer nicht rciner Hand sei. Wenn nun die Aktäre geschmükkt, die Profanen entfernt und
d'e Weihewassergefäße herumgeseht sind, so wcrdcn die Qpfcrthiere herbcigeführt; der Landmann
bringt einen Sricr, dcr Hirt cin Lamm, cine Zicge, cin Anderer Wcihrauch oder Hvnigkuchen, der
^lrme nur eincn Handkuß dcm Gotte; dabei ist das Opferthier mit Vindcn und Blumen bckränzt
(die HLrner vergoldct, I>v. XIV. 39), cs wird bci der Schlachtung sorgfältig untcrsucht ob cs
"pfertauglich sci; zu dem Opferakte wird sanft die Flöte gcblascn, die Pricstcr zerstükkcn das Thicr,
»ehmcn Eingewcide und Hcrz (?) hcraus und gicßen das Blut übcr den Altar. — Vcrgl. das üppige
Dpfer drs tollen Elagabalos bei Ileroüirin. IlgFob. V. 5 wobei ganze Bächc von Wcin und Blut
stießen. Aber auch von dem Dlute dcr Hckatombcn in Olympia färbtcn sich die Wogen des Alpheios
^'°ih, es führte also wahrscheinlich cin Kanal vom Altare nach dcm Flusse; dies gchl wenigstens
»us 8trsbon8 ;i. 270 Worten hervor daß sich die Arethusa trübe wann in Olympia die Fcststiere ge-
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schlachtet ivürdcn. — Eines eigenthümlichen Opfers und Altarcs der Paträer zu eincm Opfcr bci
dcm lebendige Thicre verbrannt werden erwähnt kaus. Vll. 18, 7 am Jahresfcste der Artcmis La-
phria. Dcr Altar, d. h. die eigentliche Brandstätte auf wclcher das trokkcne Vrennholz licgt, wird
mit ungeheurcn noch frischen 16 Ellcn hohcn Baumstämmen gleich cincm Käfig umbaut, und von
unten auf ein Aufgang von Erde angeschüttct von wclchem hcrab in dicsen so umzäunten Altarraum
lebendige Thicre, Vögel, wilde Schwcine, Hirsche, Hasen, Rehe, junge und alte Wölfc und Bären,
abcr auch Baumfrüchte geworfen werden, alsdann wird das Holz angczündct; wenn ja ctwa Thicre
durch dcn Umschluß ausbrechen so wcrdcn sie mit Gewalt zurükkgcbracht. — Vergl. den ga»; ähn-
lichen Altar dcr Platäcr, kaus. IX. 4, 4.
Wo sich in Bildwerken, wie dics doch so häufig vorkömmt, cin Baum neben einem Altare
befindet, so ist dics öfter wohl nur eine Andeulung der Lrtlichkcit als eines frcicn hypäthrischen
Naumes auf dcm der Altar steht; dcnn wcnn auch großentheils die Altäre des Zeus Herkios im
Hieron wie im Hause unter einem uraltcn heiligen Baumc standcn, so kann man cinen svlchen des-
halb noch nicht bei jcdem Altare voraussehcn. Altäre unter hochheiligcn Väumen vcrgl. U- Note 1
wo unter dem hciligen Oelbaumc dcr Altar; ebcnso bei der Akademie in Athen, ?aus. 1. 30, 2;
desglcichcn Oüz-ss. VI. 162 wo auch nebcn der Palme auf Delos der Altar des Zlpollon. Für dcn
Altar in der Aule des Hauscs vgl. Ilaixoerat. x. 75; k^tu^. IIoroou8 3ovi8. und Virx.
II. 512 wo : iux-c;n8 ara kuit, ^uxtaiiuo vetorriiua Iaurv8 Iueumbou8 arao, at<iuo uwdr»
cowplexa pouato8. . -
Bei dcn kleincrn Altären im Peribolos oder sonst einem gcweihtcn Dezirke, befindcn sich
außer hciligcn Väumcn östcr noch andrc charakterisirende Vciwcrke, Znschriststelen, Ehrcnmale u»d
dergleichcn. ^ppian. XII. 6oII. Alitlirill. 77) Altar des Philoktet auf der Znscl Chryse, bci dcM
cine crzcne Schlange (als Anspielung auf Philoktcts Schikksal) und eine mit Tänicn umwundcne
Nüstung. — kau8. IX. 16, I Hymnos Pindars auf ciner drcisciligcn Stcle neben dem Altarc
des Ammon. — Dic Altäre dercn Bestimmung nicht durch Bildwerke schon angedcutct war, wurdcn
durch Aufschriftcn dcm Gottc dcdicirt; Pausanias crwähnt dcrcn cinc ganze Zahl, z. B. VIII. 37, 7-
13) Am bckanntcstcn ist die großartige Composition der Gigantomachie aus Erzstatuc»
welchc auf dcr Maucr dcr Akropolis zu Athe» stand wo dicse nach dcm Thcatcr dcs Dionysos schaut,
da bckanntlich die Durg, wahrschcinlich schon nach Vcrtrcibung dcr Pcisistratiden, zum Anathcnia
dcr Athcna gcweiht war; das Kunstwerk war cine Stistung des Attalos und an dcr Maucr dar-
untcr hing cin kolossales Gorgoncion mit Aigis von gctriebenem Goldc, r-,u8. I. 21, 4 und 25, 2;
1'lut. Xuton. 60. Ein andrer Thcil dcr Akropolismaucr war durch Attalos mlt Darstcllungcn dcs
Siegcs dcr Athcncr über dic Amazonen, dcs Siegs bci Marathon und der Nicdcrlage dcr Gallicc
in Mysicn gcschmükkt; ich vcrmuthe daß zu letztcrcm die in Bruchstükken aufgcfundencn Nclicsi
Dildwcrke gehörcn wclche als Brustlchne der Kimonischcn Maucr dicntcn und beim Tcmpcl dcr
Nikc Aptcros ihrcn Anfang nahmen. — Äußcrst charakteristisch sür die Örtlichkcit ist cs auch daß
Heraklcs ein Mal als gymnisch kämpfender Knabe und das andre Mal als dcn Ncmeischcn Löwc»
erlcgend auf dcr Maucr dcr Altis zu Olympia stand, kau8. V. 24, 4; cbcn so standcn hicr auf dcr
Mauer wclche das Stadium cinfaßte und nebcn dcm Eingange, Zeusbildcr wclchc Dcnkzcichcn vo»
Strafgcldcrn warcn womlt die Kämpfcr gcstraft wurdcn dic widcr die Gesctzc dcs Agon gehandelt
hattcn; sic waren mlt Austcheistcn vcrschen wclchc vor solchcn Handlungcn warntcn und zur nia»n-
haften und siraflosen Ausübung dcs Kampfcs auffordcrtcn; kau8. V. 21, 2.
14) Xnoeil. Lolclv. 290. rc öctrc. Li-rrr' or rrv-.cör'ks ro-i-
tLpcör'' r-c-ccr- äe 7ro).r-rx-.Lcg r-) x«r«c-xkv,), woraus dcr Vcgriff dcr Hciligkcit hervorgcht dcr
sich gcmäß dcm Zwckke als heilige Pstrten auch auf sie überträgt. Ilal-poorat. p. 154 crwähnt
dcr untcr dcm Archonten Euthymenos von Mnesikles erbautcn Propyläcn der Athcnischen Akro-
39
polis, n«r/7-r z-ror,/<7«v, Sr' äv rr§ 7,)v «x(>oHtV x-<7<«c<tv. Daß meine Annahme
Propylaion sci nur der Vorbau vor dcn Thüren des Pcribolos, gcgründet sei, bewcisen Ilos^ed.
-^(><»ru-«coi>- -r^>or/r>por>, dics ist auch glcich vestibulum, also was noch vor, außerhalb dcr
Phüre; fcrncr I. o. //oore«xr--<7<<«r«. -roo-ru-.c«« r«<Hr, UNd klrot. //oorxuxvrouttr«. -roo-ro-
-.«<«. Die 8elrol. ru klaton. x. 55 kubnk. sagen: '/7r//0tt«,«« ro /r'<0-9t <7ktturor< z-rr roü
^c>o-rv-«/or> roü Lv </L-./o7s ckoorr ^x/p«.«^uii>or>, da nun diese Grammata im Pronaos des<
selbcn standcn (siche Pronaos) auch Euripides im Zon die Thüre dicses Naos stcts -r«-.,/ ncnnt,
s° bestätigt cs sich wieder daß auch dcr Pronaos ebcn so Propplaion genannt worden sci wie Vitruv
^estibuluru beim Hause und bcim Tcmpel zu Elcusis sagt; dahcr crklären kloss. Lakl,. /ho-
^-«cor-. vestibuluw. — Vestibulum. -r^>o-rr>-«cor>, 5r(>0!/r>c>oi>, -r^>or>«or-. — /il(>oi/r>(>or>. ve-
«tibulum. — Daß das Prothyron odcr Vcsiibulum dcs Hauscs auch Propylaion hicß bewcist eben-
salls Lui-i'i,. I'boeu. 413 wo zu den Worten i>r>^ r-r>, '^-)o«<7ror> ö'r/-Sor> k<S -r«o«<7r«c>«s
Scholiast r« -r(>o-rr>-«c« erklärt; die Parasiadenform aber hatte auch der dorische Pronaos.
Fcrner 4uliuu. orat. VI. 100 6. z-rc rourorr <x«<7i ror)§ /'--,-!>«§ /-rr/(>ttixkci> ro7§ -«r>r<»r-
olxocs --rc rwv -r(>o-rr>-«ta>r>' //<7oöog Lo«r>-rc «/«,/m S«c',cor-c. okr. Lxul. klor. IV. 22,
wo Erates des Philosophcn <1omu8 umi>Io ornata vostibulo. — Propylaion nennt auch Imoimi
'l« Veg 8^r. 16 und 28 den ganzen nördlichcn Vorhof vor dem Tcmpcl: x«c yo«--oc SL z<7rc-<7cr>
^ ro7c>c 5roo7rr>-«!oc<7c <5oo r>«or« ^ck/«-oc und unterscheidet davon seot. 41 die in ihm abge-
chcilte in welcher gczähmtes heiliges Wild hcrumläuft. Propylon ist nach Hcrodot bcim
^SYptischcn Hicron der ganze durch Baulichkeiten umkränzte Hof vor dcm Tcmpel z. B. II. 91:
^ -roo-rr--« ror) ckcrosi -.-Scr-« Lorc in wclchem zwei große Steinbilder stehcn; Propylaion
bagegen ist bci ihm die Halle vor dem Pylon des Tcmpels, I. o. 101: ror> //gr«cc7ror> r« -r(>os
^(»-r> «r>k/-or> rkro«u«xr« -roo7ro-«c«. - Auch dcn Thoren der Städte sind prächtige Propyläen
vvrgebaut; so gcdcnkt z. B. r->u8. II. 2, 7 des Propylaion zu Korinth vor dcm Thore welches
""ch dem Hafcn Lcchäum führle.

III. Pronaos.
Wendet man sich vom Peribolos zum Tempelhause, so ist uuter allen Räumen
die der Cella zu außen angefügt sind derjenige der bedeutsamste der ihrer Thüre un-
wittelbar vorliegt, durch welchen also der Zugang zu derselben gewonnen wird; er ist
deöhnlb Pronaos Prodomos oder Prothyron, Propylaion, Vestibulum. Jn allen
Fällen hat der PronaoS die Form eines nach außen frei geöffneten und gesäulten
^aumes, eineö Prostoon, Prostylon, oder auch, wenn die Säulen zwischen den Anten
dee vorspringenden Seitenwände der Cella stehen, die Form einer ParastaS wie im
^erischen.
Die durch eine Scheidewand getrennte Lage deö Pronaos so wie die nach
^aßen geöffnete und der Einsicht fteigegebene Raumform desselben, bezeugen schon
°hne Weiteres daß er mit seinem Inhalte nicht ein so Heiligeö sein solle alö die Cella,
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sondern grade die entgegengesehte Bestimmung, Lie eines Schauraumes, eines


erhalten habe, und dieser Begriff liegt natürlich auch allen übrigen gesaulten Räumen
zu Grunde welche der Cella neben dem Pronaos weiter angebaut und nach außen ge-
öffnet smd. Dem Gedanken eineö Vor- und Eingangsraumeö der Cella entsprechend
sind zur Auöstattung oder zum Koömos deö Pronaoö, kunstsymbolischer Seitö solche
Gegenstände und Bildwerke gewählt welche auf daö mythologische Wesen deö Tem-
pelbildes näher anspielen und auf den Kult in der Cella im Besondern hindeuten; da-
durch soll der Eintretende schon auf daö vorbereitet werden waö leiner im Innern wartet,
und es ist natürlich der Pronaoö eineö jeden andern Gottes durch Kunstwerke andern
Jnhalteö auögestattet und bezeichnet. Hierbei ist überhaupt zu bemerken daß sich
Hinsicht auf diese Charakteristik des ganzen Heiligthumes eine zunehmende Stufenfolge
ergiebt, welche entfernt mit den Bildwerken auf der Mauer deö Periboloö anhebt,
von hier in stetö wachsendem Bezuge durch die Anathemata deö Bezirkeö hindurch leitet
zu den Bildwerken am Tempelhause selbst, daö heist zu den Bildwerken in den AetoS-
tympanen, Metopen, auf den Akroterien und in den Seitenportiken, bis in den PronaoS
hinein wo sie endet. Zum Andern befinden sich im Pronaoö aber auch Gegenstände welche
die Kultdisciplin angehen, ohne deren Benuhung eö Niemand gestattet ist die Schwelle
der Cella zu betreten; eö gehen hier vorbereitende Gebräuche vor, deren Auöübung Ieden
crsi würdig machen den Anblikk deö Kultbildeö zu genießen. Und diese Gegenstände hat
begreiflicher Weise der Pronaos eineö jeden Tempelö ohne Auönahme mit dem andern
gemein. Was Lehtereö nämlich anbetrifft so ist eö Hellenische Sitte daß Jeder die hei'
lige Weihe oder Katharsiö durch Besprengen mit Weihewasser hier empfangen
muß der zum Gott eingehen will, zu welchem Behufe sich zur Seite vor der Cellcn-
thüre ein Weihwasserbekken oder Perirrhanterion in Form einer Phiale aufgestellt
sindet, mit dessen Wasser man sich besprengt; eine Handlung die entweder durch Eintauchea
der Hand, oder durch Zweige von der der Gottheit geweihten Pflanze welche zu diesew
Gebrauche in daö Weihebekken gelegt sind, vollzogen wird. Hochgeehrte Personen wurden
auch wohl vom Priester auf der Schwelle der Cella empfangen und mit solchen Zweige"
besprengt. Hatte schon vor dem Eintritte in den Peribolos ein Bad im lebendige"
Wasser oder auch im Seewasser die leibliche physische Reinigung deö ganzen Körpers
im Allgemeinen bewirkt, so wurde durch Besprengen mit dem Wasser deö Perirrhaw
terion im Pronaoö die symbolische Reinigung zum Besuche der Cella im Besow
dern vollzogen. Wenn aber daö Schema der Weihe für den Besuch jedeö Tempel^
Kultvorschrist ist, so steht dagegen daö Wasser im Weihebekken jedeö Mal wiedee
in besonderem Bezuge zur Kultgottheit und ist jhr vor jedem andern Wasser geweih^/
weöhalb man wo möglich von solchem Wasser welcheö eben der Gottheit geheiligt wae,
im Perirrhanterion zu haben trachtete. Da überhaupt nach der Ansicht der Alten niemals
41

Zestandenes sondem nur rinnendeS Wasser, vivu, auch wohl salziges Meer-
^^sser zu heiligen Weihen und Opfern überhaupt verwandt werden durfte, so finden
Mit wenigen Ausnahmen, die alten Heiligthümer stets in der Nähe von
^-uellen oder fließenden Wassern angelegt aus denen mittelst einer Röhrenleitung daS
^basser in dieselben geführt wurde; jedoch kommen vielsach im Tempel selbst schon
^bihequellen vor. Wo indeß die örtliche Lage des Heiligthumes dies nicht erlaubte,
^ß man von reinen geweihten und besonderS dazu verpflichteten Jungfrauen oder
Priesterinnen wenigstenS taglich frisch geschöpfteS Wasser in die Weihebekken tragen
und vermischce dasselbe mit Salz, eben so wie man daS Weihewasser beim Opser durch
^'intauchen eines Feuerbrandes der vom Opferaltare genommen wurde reinigte und heiligte.
^ußer diesem wird das Wasser auch gebraucht zur symbolischen KatharsiS aller Ana-
^hemata die in daS Heiligthum geweiht werden, so wie des Tempels ja deö Kultbildes
ßklbst; vornehmlich wurde die Opserstätte oder Thymele vor dem Pronaoö und auch der
8ußboden des Tempelö an den Tagen an welchen derselbe besucht wurde, mit Weihe-
wasser besprengt. Denn gleich wie man nur „weißen Fußes" sich dem Heiligen nahen
"lld den Boden des GotteShauseö betreten, nur im neuen und rein gewaschenen weißen
Kstide, bekränzt mit dem heiligen Zweige deS GotteS erscheinen durfte, so sollte den
Äntretenden auch Thür und Schwelle des TempelS rein und glänzend, bekränzt und
^stlich bereitet empfangen.
Bei den Tempeln welche so wohl der Gemeinde als auch jedem Fremden zum täg-
ßchen Gottesdienste, Opfer und Gebete geöffnet waren, in denen sich daher stets Priester
oder Priesterinnen aufhielten, stand der Pronaos natürlich immer offen und war unver-
ßchlossen; doch scheinen dies nur solche Tempel gewesen zu sein in denen, ähnlich wie
den Prytaneen, eine beständige Opserflamme oder Hestia oder eine ewige Lampe
l'oannte, wie z. B. im Tempel deS Apollon zu Delphi oder der Athena PoliaS zu
^then und der Jtonia zu Koronea. Für Tempel die zu Asylen geweiht waren versteht
Hch dieö im VorauS von selbst. Bei Tempeln dagegen welche nicht zum täglichen gotteö-
^enstljchen Gebrauche dienten sondern nur an gewissen Festtagen geöffnet waren, ist da-
^er auch der Pronaos nicht zugänglich sondern stetö verschlossen und nur an den Tagen
^or Panegyris geöffnet, wie dieS z. B. vom PronaoS deö Parthenon, des Olympischen
^kus zu Olympia, des Poseidonion bei Korinth und andern ähnlichen gilt. Vornemlich
'st dies nöthig wenn ein solcher Festtempel außerdem zur Schahkammer genuHt wird
der man nicht allein die Anathemata und das bewegliche Vermögen der Tempel-
Lvttheit sondern überhaupt der Landeögottheiten aufbewahrt; denn da in diesem Falle jeder
^gend dazu dienliche Raum desselben zum Tameion oder SchaHbehältniß genuHt und da-
^er auch der Pronaos mit Tempelgütern angefüllt wird, so ist leHterer deswegen, um die
SchäHe doch wenigstens gegen heimliche Entwendung so viel wie möglich sicher zu stellen,
11. 6
42
durch dichten Verschluß vor jedem unerlaubten Zugange gesichert; denn wenn gleich auf
dem Räuber göttlichen Eigenthumes die fürchterlichsten Strafen hafteten welche daS
Alterthum nur kannte, so war doch der Tempel, wenn eine folche That ein Mal ver-
nbt wurde, feines kostbaren Eigenthumeö verlustig. Dieser schühende Verfchluß des Pro-
naos wurde dadurch bewirkt daß man die Jnterkolumnien feiner Säulen vom Boden
bis zum Epistylion mit Erzgittern, in welchen sodann die Zugangöthüren befindlich
sind, auöfüllte; jedoch rechnete man in Abficht der Sicherheit weniger auf den
Verfchluß diefer Thüren durch daö Schloß, als vielmehr auf den Schutz den ihnen
die Versiegelung und die Scheu vor der Verletzung deö Siegelö gewahrte, auch
war die Unversehrtheit deö letzteren der einzige Auöweis daß kein Eingang statt ge-
funden hatte, während an dem leicht und unvermerkbar zu öffnenden und wieder zu
schließenden Schlosse dieö nicht wahrgenommen werden konnte. Daher versiegelten die
obrigkeitlichen Perfonen, die Tamiai, denen das ganze Jnventar deö Parthenon zu
Athen urkundlich übergeben wurde, überhaupt die Thüren diefeö HeiligthumeS.

Z u s ä tz e.

8. I. Ueber die charakteristische Bezeichnung und Ausstattung des Einganges zum Tem-
pelhause ist Folgendes zu bemerken, rvobei ich mich jcdoch leider wiederum nur auf Andcutung
des Hauptsächlichsten beschränken muß ohne die ticfer liegenden mythologischen und hiftorischeu
Bezüge in welchen alle solche Werke zum Kulte des TempelbildeS stehen berührcn zu können.
Noch ehe man die Stufcn deS Tempels zum Pronaos hinauf geht befinden sich aus
dem Vorplatze oder zunächst um denselben, außer der Thymele schon Bildwerke welche sich auf
das Kultbild beziehen und den Eingang zu seinem Hause bezcichnen, z. B. Darstellungen aus deM
Mythos dcs Kultbildes, Statuen von Priestern oder Priestcrinnen der Gottheit, Heroinen und
Hcldcn die sich um den Kult dersclben verdient gemacht haben und derglcichen. Jn ähnlichcr
Weise ist auch die Vorhalle odcr das Prostoon vor dem Pronaos zu beidcn Seiten deö Durch-'
ganges, und zwar in der Regel nur mit Götterbildern ausgeftattet welche in den Jnterkolumnien
ihre abgeschlofsenen Sitze und Kapellen finden, indcm man bei Tempeln die nicht eincn ga»z
gcräumigen Pronaos haben die vor diesem liegende Halle zur Aufstettung der Bilder benutzcu -
muftc; da sich Pausanias indeß durchweg ohne Kenntniß der baulichen und technischen Tcrmini
ausdrükkt, so mag ich nicht entscheiden ob er oft untcr Worten wie z. B. r-sis taö-
Sor- dcn Pronaos oder dessen Vorhalle versteht. Vor dem Tcmpcl der Demcter zu Hermione
befinden sich Bilder von Priesterinnen der Göttin, ?aus. II. 35, 4; vor dem Eingange zum
Tempcl der großen Göttinnen zu Mcgalopolis, VIII. 31, 1, linkS und rechtS (?) Artemis und
Asklepios mit Hygieia, in Nelief dargestcllt ^rrL^/«c-,nkr-c>^ Lnt r-üerwn. Vor dcm Eingange des
Aphroditetempels daselbft, 5. 3: Mg ^ Laollou, Toana von alter Arbcit, Hera, Apol-
lon, die Musen, aus Trapezus hierhergeführt; da hier von hölzerneu Bildern die Rede ist, f§
43
bedarf es keiner Frage daß dicselben in einer Prostas vor der Cella standen. — Eingangs deS
Heratempels zu Platäa, ?aus. IX. 2, 5 Rhca die den mit Windeln umwikkeltcn Stein dem
Kronos reicht. — Jn dcr Vorhalle vom Tempel des Apollon Lykioö zu Argoö, ?aus. II. 19, 6
(so verstehe ich die Stclle) sind die L'oana des Zeus und der Artemis. — Vor dem Eingange des
Heratempels bei Mykene Oaö 7-,/s LaoSou) Bilder von Priestcrinnen der Hera und Helvcn un-
ter denen besonders Orestes. Hier unterscheidet Pausanias II. 17, 3 Eingang von Pronaos,
indem er gleich weiter sagt daß sich rw Trpou«« die Bilder der Ehariten und einc Kline der
Hera befänden. — Jn dem Pronaoö deS sogenannten Tempels der Nemesis zu Rhamnuö be-
sinden sich zwci Marmorthrone zu beiden Seiten der Thüre, wovon laut Jnschrift der cinc dcr
Themis der andcre der Nemesiö geweiht war; Alterth. v. Attika Tcrt S. 82. Eine für die
Oertlichkcit hvchst charakteristische und mythologisch intercssante Darstellung erwähnt ?aus. II.
6 vor dem Tempel des Apollon Lykios in Argos welche die Ursache seiner Gründung auS-
sprach; nämlich die Darstellung dcs bckannten Kampfes zwischen dcm Wolfe und dcm Sticre der
"«4 der Argivischen Sage die Besitzesentscheidung deS Danaos über Argos hcrbeiführte; Artemis
ch hülfreich dabei und wirst cinen Stein auf den Stier. Jch bin hierfür dcr Ansicht daß unter
dem Symbolc dcs Wolses Danaos, unter dem des Stieres aber der Argivische Herrscher Gela-
"vr dargestellt ist; crstcrer aber erhielt den Sieg wcil Apollon als Lykios stetö Schützcr der
^chutzsuchendcn, mithin Schützcr dcs Danaos war, wic dies auch aus der vorhergehenden Erzäh-
siuig vxg Pausanias wclcher dcswegen von Danaos diescn Tempel deö helfenden Lykios gründcn
^äßt, hervorgeht. — Am Eingange in dcn Tempel der Eumcniden zu Kcryneia, laus. ^II.
2^, 3 Bilder von Priesterinncn der Eumeniden. — Vor den Thüren des Tcmpels der Treuc zu
^vm sind die Bildcr der Könige aufgestellt; Xppian. bell. civ. I. 20.
So vicl von dicsem Gegenstande. Ueber die Bildwerke welche sich am Äußcrn des Tcm-
pvlhauses selbst befinden und im Zusammenhange mit den architektonischen Gliedern stehen, also
siber die mythologischen Darstellungen in den Metopen oder im ThrinkoS (Friese), in den Aetos-
chnipanen und auf den Akrotericn, werde ich an einem andern Orte ausführlichcr rcden; im All-
ÜvMeincn will ich nur auf daS aufmcrksam machcn, was sich indeß schon von selbst vcrsteht, daß
^vselben in cben so innigem Bezuge zum Kulte in der Eella sichen wie alle dic oben crwähnten.
Ein Beispicl nur möge hicr herausgehoben sein. Jn dcn Aetostympancn des Delphischen Apollo-
ivmpels warcn nach ?au8. X. 19, 3 Apollon. ArtemiS, Lcto, die Musen, nach mciner Ansicht
v°rn, der untergehende Helios, Dionysoö nnd die Thyiadcn hinten dargcstellt; da sich nun nach-
weisen läßt daß in diesem Tcmpel 9 Monatc hindurch Apollon, 3 Monate hindurch DionysoS
verehrt wurde, daß daö Adyton beidcn gcmcinschastlich geweiht war, so zeigt sich wie scharf in
ienen Bildwcrken schon von außen der Kult in der Cella ausgesprochen erschien.
Daß nun der PronaoS') außer dem Weihwasserbekken, wclcheö glcich crwähnt wcrden
wird, für sci,ie Raumbedcutsamkcit alS Vorraum und Vcstibulum der Cella ebenfalls eine AuS-
sinttung durch solchc Kunstwerke erhielt welche auf den Jnhalt der lctztcrn hindeuteten, bcdarf
nicht der Fragc. Der schönen Charakteristik des Delphischen Pronaos durch die Grammata die
goldcnen Typcn in diescm Raume angeschrieben waren, gedenkt ?Iut. äu Oarrul. 17 wo er
sich hicrüber so äußert: daß der PronaoS des Delphischen Apollon nicht etwa auSgestattet worden
sii mit Werkcn welche die Siege und ruhmreichen Thaten sterblicher Menschcn bckundeten, wedcr durch
üe Jlias noch die Odyssee noch die Siegspaiane eines Pindar, sondern nur durch Denkmale
6*
44
die sich auf dics Apolloheiligthum bezögen; es hätten die Amphyktioncn hier in goldencn Typen
Sprüche dcr des Lorias würdigen Weisheit anschreiben lassen als „Erkenne Dich sclbst, Nichts
zu vicl, Bürgen bringt Schaden, u. s. w.;" vgl. ?aus. X. 24, 1. Borncmlich wird das dem
Thalcs odcr der Pythia selbst zugeschriebene untcr dicsen Sprüchen hervorge-'
hoben, daher eS auch lVIaerod. iu 8omu. 8eip. I. 9 an die Frontc des Tempels setzt: «eä
ipisius ü-onti tompli Iiaoo inseripta sontontia ost; allein da außen am Eplstylion Waffenbeiite
hing, so sind die Angaben dcö Plutarch, des Pausanias und des Scholiastcn zu Platon (vergl-
II. Note 14) die richtigcrn; an welchcm Orte im Pronaos sich indeß dic Jnschristcn befandcn,
ob auf dem Epistylion, oder über der Thüre, oder auf den Thürflügeln, ist leider nicht gc-
sagt. Hierzu koinmt noch das L, dcr fünste Buchstab deS Alphabctes; ?Iut. clo vokoot. Orso.
31 und 6o ?; tli. Orao. 29; ?1iu. I>l. ?I. 7. 33. Ferner bcfand sich hier, aus demselben Grunde
weswcgcn Pindars Sessel in dcr Cella stand, das Bild dcö Homer; die Krateren des Krösos in
dencn am Tage dcr Theophanie des Gottes der heilige Fest- und Opferwein gcmischt wurde,
8oro6. 1. 51; ncbcn den letzteren befanden sich die goldnen Sterne an eincm eheinen Mastc, cin
Anathcma der Aegincten bei Horocl. VIII. 122 was beiläufig bcmerkt nur zwei Sterne >ein
könncn die sich auf die Dioskuren beziehen, dcnn diese ncnnen sich sclbst Diener des lApollon,
nach Lurip. Llootr. 1233 und sind hicr wie andcrwärts, ?aus. II. 1, 8 Bcrnhiger der Sce, Hcl-
fer und Schützer der Schiffcr und Schiffc; weil nämlich dics Anathcma einc Anspielung auf den
Salaminischen Scesieg war, daher auch Lysander nach seincm Scesiege bci Aigispotamoi cben-
falls zwei goldene Sterne weihete, ?Iut. I^sancl. 18, vgl. II. Note 8, 1. — Für den Prouaos
dcs Zeustempels zu Olympia ist die Gruppe bedeutsam welche vor der erzenen Cellcnthüre stand:
Ekechciria, der personificirte Olympische Gottesfriede, Jphitos dcn Gründer der Spiele und erstcn
Sieger kränzend, ?aus. V. 10, 3 und 12, 3; daß sich diese Gruppe hier und nicht in dcr
Cella vor ciner Säule befand, geht aus Pausaniaö klar hcrvor. Ein GleicheS gilt von dcin
erzenen Drcistiße der daneben stand und auf dem früher die Siegeskränze lagcn ehe der Tisch
gemacht wnrde; da eben letzterer an die Stelle des Dreifußes trat so wurde dieser, wcil cr st
nun zum bloßcn Anathcma gcwordcn war, auch unter die Anathcmata außerhalb dcr Cella
gesetzt; jcdoch liegt immcr dcr Bezug auf den Agon darin, wie dies auch sein frühcrcr Gebrauch
besagte. Fcrncr steht hier alö Preisvorbild und als charakteristisch für den Tempel des Wagen-
sieg verleihenden Zeus, das crzene Pferdegespann der mannhaftcn Spartiatischcn Kyniska, des
erstcn Wcibcü welcheö den Wagensicg gcwann; die Standbildcr des Augustus, Trajan, Hadrian,
Nikomedes, waren nur aus Berehrung hierher gcsetzt. — Nach ?aus. II. 17, 3 besinden sich u"
Pronaos der Hera bei Mykene.- links alte Agalmata der Chariten, der Töchtcr dcr Göttin; rcelstd
eine Kline der Hcra; Schild des EuphorboS den Menelauö gewciht; dicse Chariten mögen sich
wohl frühcr nebcn dcm alten lkoanon dcr Hera in dcr Cclla, wclches nebcn dcm spätcrcn chn?
selephantinen Agalma auf einer Säulc stand und beiläufig bcmerkt das einzige Beispiel ist wo
2 Bilder der Kultgottheit in dcr Cella vorkommen, befunden habcn; die Kline die auch an-
derwärtö im Tempel der Athena vorkömmt, kann vielleicht dcn Zwckk der bci Hcsychied
s. v. habcn. ^.as. 10, 2. Jm Pronaos des Asklcpieion (dcnn andcrs kann ich ^
N rö klo-tOE rPs xicröSou nicht vcrstehcn) links cin Agalma deö
Pan, rechts das dcr Artemiö; im Jnnern erst das chryselephantine Agalma dcö Aöklepioö-
Bei ?aus. II. 11, 8 stehen ^ rff oro« im Außeren der Asklepioöcella, Dionysoö, Hekate,
45
Aphrodite, die Mutter dcr Götter, Tyche, alleö Holzbilder, nur Asklcpioö aus Stein; ob aber
hier mit Stoa der Pronaos oder cin Theil des Periptcron gemcint sei ist nicht ganz klar. —
kaus. II. I, 7 im Pronaos dcs Poseidonion zwei Bilder dcs Poseidon; Amphitrite, Thalassa,
alleö aus Erz. Vcrgleicht man hicrmit die Gruppe welche Herodes Attikus in die Cella geweiht
hatte, Poseidon, Amphitritc, Thalassa, also ganz densclben Gegenstand, so wird es zur Gewißheit
daß diescn kostbaren Bildern die erstercn älteren hatten weichcn müssen, und als man sie in der
Eella aufstellte wurden die alten von da hcraus in den Pronaos gcbracht; denn wenn ein Kult-
bild seinen Gebrauch und seine Ehre als solches verlor, so konnte es nur wieder zum Anathema
und zum Thcama werdcn. Daß sich aber nicht zwci Kultbilder ein und derselbcn Gottheit in
der Cclla befindcn konntcn ist sicher, und es ist auch nach der Römischen PontificaldiSciplin Kult-
gesetz, niemals zwei Kultbilder verschiedener Gotthciten in ein und derselben Cella auszustellen,
Wovon Valer. Llax. I. 8 den Grund angicbt. Ein ähnliches Verhältniß möchte für das Erzbild
der Athena Pronoia im Pronaos ihreS Tempels zu Delphi kaus. X. 8, 4 anzunehmen sein, ob-
Sleich dieses größcr war als das Kultbild der Göttin welches in der Cella stand. Auch der umge-
kehrtc Fall daß Agalmata die erst unter freiem Himmel standen später einen Tempel erhielten, findet
Iwh z. B. VII. 5, 4 wo die Charitcn und Horen aus weißem Marmor in die Cella der Athena
Polias zu Erythrä gebracht und Parcdroi des KultbildeS wurden. Daß cin Ausweihen aus
einem Heiltgthume so wie ein Einweihcn in dasselbe für Götterbildcr nnd Anathemata auch bci
den Römern stattsand, beweist die Geschichte mit dcm TerminuS und der Juventas bei lüv. I. 55;
^ion. ÜLl. III. 69.
Vlie man den Pronaos cben so bedeutsam aus den Kult des ^cmpcls auch mit Mand-
bildern schmükkte bezcugt Pausanias. Nach demselben warcn IX. 4, 1 die Bildcr an den Wänden
des PronaoS der Athena Areia zu Platäa, vom Polygnotos und Onasias. — Es ist zu bedauern
baß Pausanias so kärglich in der Beschreibung des Parthenon ist und gar Nichts von dem
Kosmos seines Pronaos mittheilt, zur Ergänzuug mögen daher die Angaben aus 6. llnsor. 6raec:.
H. diencn, wobei cs vor Allem von Belang ist daß hier das goldene phialensörmige Perir-
rhanterion ste'ts voransteht, 1. o. no. 138, I. v. 61, Anathcmata Lr, rm 7roov,7lo,: goldene
Phiale aus dcr man das Weihewasscr nahm, ungewogen, 7^"? ^ -ss
woraus hervorgcht daß sie kein tragbares Perirrhanterion war londern ihren un-
derrükklichen Stand hicr hatte; scrner eine Anzahl silberncr Schalcn (<^«/i«t) wenigstens 10,
vvn verschicdencm Gewichte; 4 silberne Trinkhörner (^«r«); silberne Näpfe (rrorffot«),. ein
sslbcrner Lcuchter (/ü^pos, ob dicser bloß alS Symbol dcr Athena hier stand oder in Gebrauch
War?); goldener Kran'z; goldencr chalkidischer Napf; silberne Kylir. Beinahe in dcrselben Folge
kehrt dies Jnventar vier Mal so wieder; eine Stelite ist mit dem schönen Jnitial: Srois iL'Trr-
versehen.
Jn welchcr Weise diese kleinern Anathemata im Pronaos so wie überhaupt im Tempel
"ufgestellt waren läßt sich auS viclen Analogien ermittcln. Kränze, heilige Schilde, Waffen und
dergleichcn, sind an dcn Wändcn miltelst kostbarer oft silberner und goldcner Nägel aufgehängt
m denken; die in den Jnvcntaren des Parthenon häufig vorkommenden würden dann ihre
^Alärung gefunden haben, wenn sie anders nicht Votivgaben waren wclche in Folge eines sich
w* sie anknüpfenden Ercignisses geweiht warcn. Von solchen Nägcln an dcr Parastadenwand
kn Delphi mochte wohl Neoptolemoö die Waffen nehmen, LurP. Xnärom. 1121. 7r«^«<-rttFos
46
X(iku«<7r-tt 5r«<7<7«-.a,,, x5<Att^7r«<7K§. — Kmidelaber, stehende Thymiateria, und derglei-
chen sind unmittelbar auf dem Fußboden stehend zu denkend. Grvßerc Bekken und Kratcren
hatten besondere ost sehr kostbare und von Holz, Erz, Eisen, Gold oder Silber gcarbeitete
Untergestelle oder (-7roS,stt«5« wie im 6. ll. k. II. no. 150, Ü7roxp,-7i,;ptSt«,
7>7ro<7r',/stLtt77«, r>rro^«<7xt§, ^tlion. V. 210 wo der ^coo^ir« und c/or«ot« gedacht tvird die aN
den Enghtheken gearbeitet waren; sie waren vierscitig und dreiseitig, in Mittcn hohl um das
Gefäß einsetzen zu kvnncn, wie cs bci Vtlion. I. o. heist: ch^oS,^ rx,t>coros ^orr, x«r« «icior
xot-.,/, äx^x<7,l>«t Lrrc,-x«xror ^xocstttor .... auch §u-.tr,;r, ^«-.x,>, «c,/ro«r.
Die Angothck dcs Glaukos aus Eisen welche AlyatteS nach Delphi gcweiht hatte, beschreibt
kaus. X. 16, 1; okr. Rarpooration p. 57. —
Lampcn, kleinere Schalen, Trinkhörner und dergleichen Geräthe stehen auf Rcpositoricn
und Tischen, die entweder als freistehende oder mit der Wand zusammenhängende Möbel anzu-
nehmen sind; auch kann man Koronen, das heist Tafeln die auf Trägcrn (mutuli, 7roo>o-cAoc1
ruhen welche auS der Wand vorgekragt sind, voraussetzen. Diese Repositorien oder Klinen, auf-
rechtstehenden Schränke (^c>o<7c„t<«roS?>,-) und Tische (akaoi), sind ebenfallS von kostbarem Ma-
teriale mit bezüglichen Bildwekken gearbeitet, und solche Tische dahcr ein besonders anziehendcr
Fang für mächtige Tcmpelräuber. tVtlion. V. 197 a. nennt den prächtigen Bankcttisch auf dcm
die goldenen und silbernen Schaugeräthe am Dionysischen Feste standen x/l<^, und so könnten vielleicht
die 77o<5ks «o/oc,or im Parthenon 6. ä. ?. II. no. 139 u. w. die Gestelle solcher Te»>-
peltische odcr Klinen sein auf welchen die cigentlichcn Tischplattcn (abaoi) ruhten. Die Tische
sind in der Regel mit Jnschriften versehen wclche die aufgestellten Gegcnstände dem Schutze ves
Gottes cmpfehlen; so der silbcrne Tisch den Dionysos aus dem Tempel des Apollo raubt >»>t
dem «/«Sw, bei L.ol. V. H. I. 20, wobci Val. Nax. I. 1, 3 oxtr. der dieselbe Gc-
schichte erzählt, überhaupt bemerkt: guoäguo in Iiis niors Oraooiao soriptuni orat konor»m
vooruin oas esso, vgl. 6. ch ?. II. nr. 138 wo das 6-oc§ iL'5r^onL,c'o<s wohl nur »»s
die verzeichneten Gegenstände anspielt. — Bci den Nömern heißcn sie abaoi, wo also vo»
der Tischplatte eben so das ganze Geräth benannt ist wie von der Cortina des Dreifußeö der
ganze Tripus oortina hcist. 6io. Vorr. II. 1, 16: ab Iioo abaoi vasa omnia ut oxposit»
luorant, abstulit; da>. 25 und Dusoul. V. 21 abaeos MAento auroguo oaolatos; olr. l->^-
XXXIX. 6; klin. X. 8. XXXIV. 5, 8. Die Tische auf wetche man gewisse Opfergaben, 6^
wcihte Kränze u. dergl. im Tempel vor dem Kultbilde nicdcrlegte sind von gleicher Form,
dcidc iyrer Bestimmung nach auf EincS hinauSgehen; solche erwähnen kostus. p. 157 DIons»o
in aoclrbus saoris ararnm vicom obtinont; auch Oinaroli. allv. kliilool. 2 o^xos ^xrcc^st roü
xSous -c«c 7-<,«-7xs,-s, wo also der Tisch vor dcr Schranke deS Kultbildeö in der Cella sieht;
vgl. kaus. IX. 40, 6. Die Nachbildung kleincr Wandtische die mit Weihegabcn und Geräthe»
besctzt, unter der Platte auch noch mit Thürcn und Schicbekästen vcrsehcn sind, geben Llrwois
kuin. 6o komp. und Stakkclberg Gräber der Hellenen. DcS sehr kostbaren Tischcs (^«-rkä«)
zum Auflegen dcr gcwcihtcn Siegökränze im Tcmpel der Hera zu Olympia gedenkt kaus. V. 20,1;
er war durch Kolotos von Gold und Elfcnbcin gearbeitct und hatte der Beschreibung nach kci» ftet
durchbrochenes Gestclle, sondcrn anstatt desscn vier volle Wände welchc den AbakuS aufnahmcn
und an welchen sich die Relicfs befanden die scine Bestimmung charakterisirten. Auf dcr Vorder-
seite warcn Zeus, Hera, die Mutter der Göttcr, Hcrmcs, Artemis, Apollon, gebildet; auf der
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hintcrn die Einrichtung des KampfspiclcS; auf den bciden Nebenseiten Asklcpios, Hygeia, Ares, der
personificirte Agon, und Pluto, Persephone, Dionysos, zwei Nymphen. Ein zu gleichem Zwekke
diencnder aber ohne weitere Bcschreibung angcführter Tisch dessen Stelle früher cin Drcisuß ein-
"ahin, stand im ZeuStempel daselbst, ?aus. V. 12, 3, und nach einer mündlichen Mittheilung
Döckh's läßr sich jetzt ein solcher auch im Parthenon nachweisen; Stuart II. 1. Mgn. — Kost-
bare Tische und Repositorien zu heiligen Schau- und Opfergcräthen beschreibt Kallirenos bei
-^tliaii. V. 196 sgg. z. B. Becherrepositorien, ^uooi^ttraw; eine silberne Trapeza von
12 Ellen, andere von 6 Ellcn; ein silbernes und mit cdlen Steincn besetztes Nepositorium sür gol-
dene Geräthe, ^(wc7c,,cc«roAssxiz öc«?.ci9c>§, mit reichem Bildwerke an dcn Stufen.
Ueber Schreine und Laden in denen Anathemata, ist ein Mehreres untcr Opisthodomos gesagt.
Pausanias IX. 10, 2 erwähnt der sogenannten F-oc ?7jior-«oc welche an dieser Stelle
Hermcs und Athena sind, deren Bilder vor dem Eingange des Jsmcnischcn Apollotempels in
2-heben stehen; andcrwärts ist oft von der Athena Pronaia die Rede. Diese Göttcr stehcn durch-
aus nicht in dcm Bezuge zum Tempel oder zum PronaoS wie die cben angeführten zum Kosmos
desselbcn gehörigen Anathcmata, sondern es ist ihr Epitheton nur ein Ausdrukk ihres Wesens als
Vvrdenkende und vorsehende Gottheiten. Für Hermes als solchen kenne ich nur diese einzige Stclle,
Ul Bczug auf Athcna abcr ist die Bezeichnung erwcisbar und wird aus dcn von Ulrichö (Rei>en
U- s. w. S. 52 und 53) gesammelten Stellen klar; ich füge hier nur noch hinzu daß wenn
Utvm. Llaxn. P. 634 crklärt /Ioor-«c« ^>7,/i'«- «/tt-,cc«rc>s orocc«' ,-roc Sc« rö rr.w ror)
"aoü Lv ^/x-.c/iocs eor«v«c (wo auch IlarpocrLtioii p. 154 rcciö roü r-«oll c^)sic-S«c hat) is orc
^oocc-ö,;oxic, örc rcrrcv i) ^i/rcö, so ist die erste Erklärung die sie vor dem Dclphischen Naos
stehen läßt, nach jenen Stellen dahin zu berichtigen daß sich ihr Tempel mit dcm Bilde vor dcin
^ingange zum Delphischcn Pcribolos besand; die zweite Erklärung aber, Athena habe vorgciorgt
giebt direkt die Erklärung diescr Göttin in ihrem Wesen als -r^ovoc«, proviäLNtia. Dazu stimmt
bie Angabe eineö Tempels dcr proviäontia oder -rooico-'«s >4So-i-«s r>«ös auf DeloS ber
^aoroli. Laturn. I. 17 und auch Xol. V. ll. V. 4 nach der Lcto deshalb leicht gebärcn konnte
Weil sie die Palme und den Oelbaum auf DeloS berührt hatte; beide sind aber der Athena ge-
Weihte Bäume; vgl. ?Iut. Uolop. 16. Weitere Bekräftigung gewinnt der Gedanke dadurch daß
Athena im Attischen Kulte die der Geburt und Kindcrpflege vorstehende Gottheit ist. Jn Athen
besilchte ihre Priesterin, und zwar im Kostüme und alö Stellvertrcterin dcrselben mit der schützen-
dcn und übclabwehrenden Aigis und dem Gorgoneion angethan, segnend das Hauö jedes neuver-
mähltcn Paares, ^onaras I-ox. p. 77; mit demselben Symbole und dcm Oelkranze schmükkte
>»an das erste Hemdchen und die Wiege des ncugebornen KindcS, Lurip. üon. 1395; dgsselbe
Ainulet ist bei dcn Römern die bulla, denn diese hatte nach?Iut. ()uaest. Ilom. 76 und 101 die
^estalt des vollen Mondeö (daher lunula), der Mond kömmt abcr anstatt dcs Gorgoncion öftcr
auf der Aigis dcr Athena vor, was mit dem Glaubcn dcr Alten zusammenhängt daß der Mond
eincn bedeutendcn Einfluß bei dcr Geburt ausübe. Athena wird cndlich um Kindersegen angcsleht,
^uri^. floii, 469, plioon. 1060, und giebt ihn, kaus. V. 3, 2, weshalb sie <»/r,/o,- auf ihr
Wesen alö Kurotrophos deutet die schöne Darstellung in dcr sie den kleinen Erichthonioö den
ihr Gäa (ich glaube abcr Attika) reicht, in die schützende Aigis aufnimmt; cbcn >o wie sie an-
dmvärts den Plutus trägt; O. Müller Archäol. §. 37 l.
Bei der tiefen und geschützten Lage die an peripteren Tempeln der Pronaoö im Ver-
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gleiche zu den übrigcn Hallcn hat, tvar eö sehr gut möglich so sein gcarbeitete Anathemata in
ihm auszustcllen wie die welche im Pronaos dcs Parthenon erwähnt sind, ohne daß sw vom ein-
dringenden Wetter und Winde beschadigt wurden. Zu solchen Anathcmatcn im Pronaos sind
noch zu zählen daö Bilv des Augustus aus Bernstein (wahrscheinlich übcr holzerncn Kern
plattirt) und des Bithynstchen Königs Nilomedes aus Elsenbein, im Pronaos des Zcristempels
zu Olympia, ?aus. V. 12, 5. Daß selbst schon in der Halle vor dem Pronaos ökoana völlig
geschützt stehen, da in der Regel der Pronaos östlich schaut, ist vorhin bemerkt.
§.2. Katharsis. Über den Begriff der Katharsis^), der reinigenden Wcihe übc»
haupt, so wic den daraus folgenden Gcbrauch der Perirrhantcria habe ich daö Wesentliche schon
in der Schrist übcr das Heilige und Profane bcigcbracht, waö denn zur Ergänzung deö Folgcn-
den dienen mvge.
Nur der an Leib und Secle reine Mensch darf sich dem Heiligen nahen, darf Gebet
und Opfer verrichtcn °), dem Beflckkten abcr ist Kultstätte und Agalma cin Unnahbarcs im
strengsten Sinne des Wortcs, weil seine Gegenwart sogleich die heilige Stätte verunrcinigt und cnt-
weiht.") Eines der bedeutsamcn Mittel derjenigen Katharsis deren sich jeder reine Mensch für den
Besuch des Tcmpcls unterziehen muste, war dcr Gebrauch deö lebendigen fließenden Wassers^)
oder auch des Wafferö welchcö durch cinen Zusatz von Salz gercinigt wurde, besonders also dcs
Mcerwassers, wcil eben die Alten dem Wasser eine reinigcnde, weihende und heiligende Krast bci-
legten und eö daher auch bei jedcm Opfer°) gebrauchten; cs war deShalb bei ihnen gcwiß dio
schrekklichste der Strafen wenn Jemandcn das Weihewasser verboten wurde, weil er ohne dicfts
nicht ein Mal beten konnte. Jndem nun im Allgemeinen jeder Quell und Strom gehciligt war,
so finden sich nur schr wcnige Wasser dercn man sich zu heiligen Bräuchen nicht bedicnen durstc;
daher licgen die Tcmpel stets in der Nähe von Qucllen odcr fließenden Wassern von dcnen auö leicht
Nöhrenleitungen in daS Heiligthum geführt wurden, oder eö sind in vielen Fällen die Weihcguellen
unmittelbar im Tcmpel^) selbst; endlich trctcn an deren Stelle wassertragende Jungfraueu, Lutro pho-
ren, Herscphorcn, welche täglich srisches Wasscr in das Heiligthum, alsö sichcr auch in dic
Weihebekken tragen'). Denn wenn schon außerhalb dcs Tempelö ehe man sich im Morgengebete z»
den Göttern deö Haujes wendct die Hand gereinigt sein soll, so darf nian noch weniger ohuc
das geweihte Wasser cmpfangen zu haben die Cella selbst bctreten"), ja eS ist sichcr daß nicM
in den Tempelbezirk nur erft dann einging wenn die leibliche Neinigung durch cin Bad ge-
wonnen war^°). Daher die doppelte Katharsis; ein Mal die des Badeö, zum anderen Male die
bloß symbolische Neinigung durch Besprengcn mit Wasser aus dem Weihebckken im Proimos
desten Wasser dem Kultc deS Gottes vornchmlich gcweiht ist"). DaS Schcma dieser Katharsis
im PronaoS ist indeß nicht sicher bekannt, jedoch kann man wohl annchinen daß daö Haupt, be-
sondcrs aber Hand und Lippe genetzt und gcweiht wurdcn, indem der Handkuß womit man das
Kultbild bcgrüßte dcn Beginn deS Gcbeteö machte, llliUvian. Oomostli. LiiLom. 19. So war auch
daS Beiprengcn mit Sprcngwcdeln und eingetauchtcn Zwcigen von dem dem Gotte geweihten h"'
ligcn Baume Gitte, bcjonderö wenn die Eintretenden vom Priestcr im Pronaoö cmpsangcn wu»
den ). Bei geineinjaiiicn großen Opsern am Hochaltare im Pcribolos zu dcnen Zedcrmanii Speudeu
herzubrachte, wurden tragbare Weihegefäße in weitem Kreise um den Altar herumgestellt und dabei
'Laseln mit der verwarnendcn ^nschrist crrichtet: daß Niemand in diesen Kreiö einlretcn dürfe ohuo
die Hand bcnctzt zu haben; Imeiau Laorik. 19; vergl. II. N. 12, o. Eö gab übrigei's
49
bei Hcllenen und Römcrn anch gewisse Quellcn und Wasser die zu keinem heiligen Brauche
genuht werden durslen'H, und dies scheinen, im Gegensatze zur agua viva, stehcnde Wasser
vder Qucllen die kcinen Abfluß hatten gewesen zu sein. DcShalb durften auch die Waffcrschalen
auö denen man der Hestia opferte nicht hingestellt werden wenn sie zur Libation gefüllt waren,
ohne ein jiinoulum zu begehen, weil man wahrscheinlich glaubte daß so das Wasser seine leben-
bige Kraft verlicre^H. — Es war aber eine Eniheilignng und schwere Vcrsündigung das Wasser
aus solchem Quell der die AnathcsiS erhaltcn und zur ausschließlichen Verwendung bci heiligen
^ebräuchcn bestimmt war, für profane Zwckke zu benutzen; daher fordert der Herold der Böoter
bei Dliuozä. IV. 97 von den Athenern welche das Heiligthum Delion besetzt hatten und es alö
Schutzfeste benutzten: sie solltcn den geweihten Bezirk räumcn welchen sie widcr altes Herkommen
bei den Hellencn befcstigt hätten und bewohnten, in welchem sie alleö verrichtcten was die Men-
schen sonst auf ungcweihter Stätte thäten, desscn Wasser, welches doch außer zum heiligen
Gebrauche bei Opfern, unantastbar sei, sie so gar zu ihrem Bedarf gebrauchten; worauf
benn die Athencr erwidern, daß sie sich an dem Wasser nur auö ciner Noth vergriffen hätten,
w welche sie die Böotcr durch ihren Angriff selbst versetzt hätten, weshalb wohl dcr Gott selbst in
biesem Falle ihnen Nachsicht angedeihen lassen werde. Von der Kalirrhoe in Athen sagt Thucy-
dides II. 15 daß sich die Athener ihreS Wasserö von Alters her zn den wichtigsten Zwekken und
heiligen Gebräuchcn bedienten; besonders schöpfte man auö ihr das Wasser zur Weihe deö
Hauses und ver jungen Bräute.
Zur Katharsiö gehört es auch, nur in neuem oder neugewaschenem Kleide") das Hei-
Hgthum zu besuchen oder am Opser Theil zu nehmen, wobei großcntheils weiße Kleider vorge-
schrieben sind. Und wie der Mensch und jedes Anathema welcheö man in das Hciligthum bringt
bie KatharsiS empsängt, so wird das Heiligthum und das Kultbild selbst, entwedcr wenn eS
inaugurirt ober zu gewisscn Zeiten neu geichmükkt wird, stets mit Waffer geweiht '); beionders
nber gjlt dieö wenn aus irgend cine Weise eine Entweihung des Geheiligten stattgesunden hatte^).
Muste also schon der reine schuldfreie Mensch die Weihe nehmcn ehe er sich dem Gotte
aahte, so bedurste noch viclmehr derselben wcr die Hand mit Mordblut bestekkt hatte, wobei indeß
chinier noch vorausgesetzt wurde daß entwedcr irgend ein natürliches Rccht zum Morde getrieben
hattc, oder daß der Mord unvorsätzlich geschehen war, wie cö z. B. bei Orestes oder jencm
Freunde bei ^elian. V. H. III. 11 der Fall war. Jedoch konnte ein solcher nur durch eigens
bazu bestellte Ssthnpriester, und nur nachdcm er crst eine gewisse Zeit als Büßender gelebt, in
kinem bcsonderen Sühnakte gercinigt und dann wieder gcwciht werdcn. Bei einer solchen Ceremonie
wird in Regcl die Hand deö zu Sühnendcn mit Thierblut bestrichen oder in dasselbe gctaucht
uud sodann mit Weihcwasscr wicder abgcwaschen, um so symbolisch die wirkliche Verunreinigung und
Tliedcrreinigung darzustellen; sodann werden die hierbei gebrauchten Reinigungsmittel in die Erde
bergrabcn oder in das Wasser geworfcn. Schon in der KatharsiS welche Avollon vollzog als
er dcn Python getödtet hatte und Kretische Männcr seinc Hände vom Blute reinigen milstcn'b)
war ein mythologisches Vorbild für cine solche Weise und ein Kultgesetz für dieselbe gcgcben. Wer
iedoch vorsätzlich schnödcn Mord, Schändung deö Asylon oder Tcmpelraub begangen hattc war un-
sühnbar und die Schuld blieb auf ihn hasten da cr nicht gcreinigt werden konnte"); er muste
alS Mordflüchtiger aus dcm Vaterlande wandern und erhielt kein Grab wcnn cr noch innerhalb
besien Grenze starb, während es sonst Sitte war daß Jeder einen Leichnam den er am Wege
n. 7
50
traf bcgrub, oder wenigstens einige Hände voll Erde auf ihn warf'"). — Bei einer Reinigung
letzterer Art wird außer dem Wasser und Opferblute, Schwefelrauch und dergleichen gebraucht").
Wie auf alles waö dem Gotte nahe gebracht wird so erstrekkte sich dic Weihung auch
auf die Thiere die als Opfer zum Altare gcsiihrt wurdcn; sie erhielten dieselbe durch Wasserüber-
gießen, Bcstreuen mit Gerstenschrot u. s. w. wobei sie gcschmükkt, bekränzt odcr mit Tänicn behängt
und ihre Hörner vergoldet wurden^), wic solche zum Opfer ausgcschinükkte Thiere, namentlich
Stiere, schr oft auf Bildwerken erscheinen. Vergl. VirZ. Ooor§. II. 138.
Einen andern Theil der Katharsis bilvete die Räuchcrung-°) mit Weihrauch, duften-
dem Holze, Pflanzcn welche dcm Gottc heilig waren, Schwefcl odcr Pech, sowohl die Näucherung
des Tempels, deS Opferplatzes und der Prozessionswege, als auch die Bcräucherung der zum
Tempel eingehcnden Personen; diefe Sitte mag ursprünglich wohl aus dem Gedanken hervorge-
gangen scin die Atmosphäre und alle heiligen oder zu wcihcnden Gegcnstände von jedem unreinen
ihnen anhaftcndcn Geruche zu reinigen. Zu dicscn Räucherungen dienten verschiedene, thcils sist-
stehende theils tragbare Räuchergcräthe, Thymiateria, die mit glühcnden Kohlcn auf denen die
Spezereicn und Rauchwerke verbrannten, gcfüllt wurden. Daß es aber die ursprüngliche Absicht
diejer Räuchcrungcn war die unrciue dikke und verdorbene Luft auszudehnen, sie zu verdünncn
und so zu rcinigen, gcht aus Plutarchs Abhandlung über Jsiö und OsiriS Kap. 80 hervor, wo
auSsührlich über den Gegcnstand gesprochen und außer dem Holzc der Cypresse, der Kiefer und
des WachholdcrS, auch das Recept sür die Anfertigung deö berühmtcn Acgyptischen Räucherungs-
mittels Kyphi angegeben wird; daher schreibt sich auch das Anzündcn großcr Fcuer in den
Städten um die Pcst zu vertrciben, wie cs unter Andern dcr Arzt Akron zu Athen that; vergl-
Hruo) (I. II. 17 flg. Auch in König OedipuS bei SophokleS 211flg. rufen dic Thebaner in der P^si
den Dionysos herbci: Komm und verbrcnne mit der Fichte Gluth dcn alles vcrderbenden
Gott (die Pest). — Bei ?Iutarc-ll. 6o Superstit. 7 läßt sich dcr furchtsame Abergläubische von
alten Weibern bcräuchcrn und reinigen um böse Vorzeichen unwirksam zu iiiachen und sich von
siinen Sünden zu befreien. Daß Fcuer und Nauch auch bei dcn Römern ein uraltes Mittel
der Entsündigung und Reinigung war, zcigt schon die Geschichte bci viou. Hal. I. 88 wo Ro-
mulus das ganze Volk über angezündete Feuer springen läßt.
Der rcale physifche Grund also daß eben Harz- nnd Schwefeldämpse die schädliche Lusi
so wie Gegenstände wclche mit unrcincm Gcruche und schädlichen Dünsten angefüllt sind reinigen,
war der Vcweggrund um die Näuchcrung spätcr als Elemcnt deö Kultes aufzunehmcn und sio
alö Symbol in Lctzterem wirken zu lassen; man sieht daß cs hiermit dieselbe Bewandniß hat
wie mit der Katharsis durch Wasser. Xrnob. XII. p. 232 sagt vom Weihrauche: morom oius
inoenöoiicli in Iionorom voorum oto. Daher empfängt und begleitet man die Götterbilder in
dcr Procession mit turibulis; z. B. I.iv. XXIX. II, bei dcr Procession welche das Bild der
Jdäischen Göttcrmutkcr iu Rom einführt: Turilmlis anto ianuas positis, atguo aooonso turo
prooantos oto., danüt die Göttin gcrn und gnädig in die Stadt einziehcn möchte. Eben so ent-
lassen die Segestaner nüt Traucr und Leid das Bild der Diana welches VerreS hinwcgsühlt,
lalben dassclbe mit Nardcn, bekränzcn cs und bcglciten cs unter Weihrauchdämpsin bis zur Gränze
ihres Gcbictes; 6io. Verr. II. i, 35, nw auch sub 21 das turibulum untcr die drci Geräthe
gcrechnet wird die bei keincm häuslichcn Gotteödienste fehlen dürfen.
Außer dem Feuer und Wasser wcrden auch Lust und Erde zu Milteln der Katharsis
51

genutzt. Wenn nämlich schon die Stelle aus Lurip. Ipllig. Isur. 1177 (s. N. 33) von der
Katharsis durch die freie Lust zeugt, so nennt Servius neben Wasser und Fcuer gradc zu die
Luftoscillation als die dritte der drei Purgationsweisen dcr Alten. Zu Vir§. ^on. VI. 740
«aHae pauäuutur inauos Suspeusas aä vantos." Vriplox est omuis purZatio. lXain aut taoäa
pur^uutur ot sulpliure, aut uqua adluuutur, ruit aöre veutilantur, cjuoä erat in
saeris vibori. Hoe est euim czuoä clioit iu II. 6eorZio. Nidigue Osoilla ex rilt-i susponäunt
wolllri xiuu. IVam geuus orat purZ-itionis: ot iu ipsis xurAationibus bouum meritorum
«aoutus est orclinem, ut rinte rieririm, inclo aguao, post i^nis äioeret pur^ritionom; hicrzu
vergl. dens. zu Lolox. II. 379 wo die ganze Geschichte darauf hinauSläuft daß die Bcwegung des
Körpers in frischem Luftzuge zur Dionysischen Katharsis gehöre, die saorri I^ibori patris abcr riä
purgationom riuimao gehören und dreierlci Purgalionen seien: primum riczuao ost, seounäum
ast i^uis, tertium aeris. Daher mag wohl kommen daß es nach I'Iut. Ouriest. IIom. i Bor-
^christ »Vur alle Reinigungcn übcrhaupt im Freien vorzunehmcn.
Die Katharsis durch Bestreichen und Wiederabwischen des Körpers mit Lehm oder thoni-
8/r Erde und Kleie gchört uamentlich zum Ritus der Dionysischen Weihen. vemostli. äe 6oron. 259
r« >;/.cä, rocg 5itrr.'aocs, rc«r «rro roll rcttr7'«ouor> rck?.eucait /.x^ecu
öcpu^oi' rcttrcor', eüjioi' «ztLiuor'. ekr. Harpoorat. p>. 24, s. v. ^Trozcttrror' also auch hier die
^rrunreinigung und Wicderreinigung des Körpers, durch einc wirkliche Rcinigung und Läutcrung
spmbolisch dargestellt. Bei allen Lustrationen sind endlich Sühngesänge eine vornehmliche Beigabe.
8. 3. Perirrhanterion. DaS phialenförmige Weihcwassergefäß im Pronaos ist ein
Hstsiehendes unbewegliches Bekken aus Stein oder Erz, ost auch aus Gold odcr Silbcr. Daß
Mnnittelbar vor jcder Eella im Pronaos ein Pcrirrhanterion crsordcrlich war um die spmbolische
Kmharsiö zu vollziehen, müßte nach dem Vorhergehendcn schon vorausgesetzt werdcn. Pollur^)
^agt daß vor dem Hieron Perirrhanteria seien, woraus hervorgeht daß sie nicht vor dem
Veribolos sein können; wie Ulrichö (Reisen und Forschungcn S. 49) von dem goldenen
"berirrhantcrion deS Krösos glaubt daß eS an der Kastalia gestandcn habe. Sodann crklärt er
^eini Naos den Ort für den hciligstcn der nach dem Perirrhanterion komme^); der heiligste Ort
H aber nicht der Periboloö, auch uicht der ProuaoS sondern nur die Cella, und eö bezeugt das
Unten unter N. 12 Angcführtc deutlich daß unmittelbar vor der Schwelle dcr Cella die KatharsiS
^Üzogen werde. Dies für jeden Tempel allgemein Gültige beweist nun für den Parthenon im
^Mzelnen die Jnschrist 6. ä. ?. II, nr. 138, v. 6 zu Troov,;-«' <xc«-.>- -zauoss ,)§ «Tro/.-
«or-cri-ztos' so beginnen die Rubriken III-. 138, I, II, III und ur. 142, I, II; da
Phiale «c7r«S/<os, so ist klar daß sie kein tragbareS sondern ein fcststehendes Gefäß war.
^ Wcitcres Licht hierüber gewinnt man durch Herodot und Jsidorus. Herodot^) spricht von
iwej Perirrhantericn die Krösos in den Delphischen Tempcl gcwciht habe, eineS von Silber,
andere von Gold. Daß sich diesc eben so wie jedes andere Anathcma nur inncrhalb dcs
Peribolos und zwar im Tempel nicht aber an dcr Kastalia befanden, schließe ich aus HcrodotS
^orhergxhxndem Berichte wo gesagt wird daß der cine der beiden Mischkrüge deö Krösos hicr
stand^); indem nun Herodot läugnet daß das goldene Perirrhantcrion trotz scincr Aufschrift den-
'Mch mcht von den Lacedämoniern hcrrühre, setzt er hinzu: daß nur der erzenc Knabe durch desien
Hand daS Wasser sich ergösse von den Lacedämoniern sei, von dcn Perirrhantcricu aber eincs so
Meiiig als das andere. Aus dieser unmittelbaren Verbindung deS wasscrausgicßcnden Knaben
7*
52
mit dem goldenen Penrrhanterion geht hervor, der Knabe habe neben dem Gefäße gcstanden
und das lebendige Wasser sei durch seine Hand in dasselbe gestromt. Daß sich außerdcm ein
Wasserausguß im Tempel befand ergiebt sich aus ?nus. X. 24, 5, wonach daS Wasser der
Kasiotis unter der Erde hin ins Adyton geleitet war und von der Pythia bei Vollziehung der
Weissagungen gebraucht wurdc; da nun aber die Kassotis die einzige Quelle war die im Peri-
bolos eingeschlossen ist, da sie so viel höher licgt als dcr Tempcl daß sie nicht allein in das
Adyton geführt werden sondcrn ihr Drukkwasser auch wicder bis zur Haud deS wassergießenden
Knaben aufsteigcn konnte, so ist es klar daß nur die Kassotis und nicht die vicl tieser als der
Boden des Pcribolos liegende Kastalia das Perirrhanterion im Pronaos durch deS Knaben Hand
gespeist haben könne. Die Lage der Kassotis ist bereitS von Ulrichs nachgewiesen und es sik-
kert dieselbe nach dcm mündlichen Berichte cines sehr glaubwürdigen Augcnzeugen, des Professor
Or. E. Curtius, noch heute unter dem Fundamente des TempclS hervor. Eine andere Stelle
die zur Bestätigung meiner Annahme dient ist die bei Jsidorus^) welcher sagt: von den Alten
seien diejcnigcn Tempel äelubra genannt, welche Qucllen gehabt hättcn auö denen man sich vor
dem Eintritte wrsiche; worauS, abgesehen von dieser Erklärung des Wortes clelubruin, doch dcr
Gebrauch des Wasiernehmcns vor dcm Eintritte hervor gcht.
8. 4. Wasserleitung. Daß dieser Gebrauch und nvthwendige Bedarf dcS Wassers
bei allen heiligen Handlungen, die Anlage der Heiligthümcr wo möglich in der Nähe von Ouel-
len, Bächen und Flüssen hervorrief, ist schon gcsagt; uud weun es schon in dem Begriffe des
Weihewassers liegt daß man wo möglich ein lebendigcs stetS lautercS Wasser dafür zu erhalten
suchte, so ist cS nicht auffallenb wenn man da, wo sich kein Qucll im odcr bcim Tempel §e-
fand, odcr eine Wasierleitung°°) in denselben der örtlichen Lage wcgen unmöglich war, das
Wasser zum heiligen Gebrauche täglich in die Gefäße tragen ließ°°). Der Sitte daß man als-
dann dapelbe mit cc>alz mischte oder Holzbrände vom Opseraltare hineintauchte, um jeden unrcineu
Bcstandtheil aus ihm abzuscheidcn wird öftcr gedacht°'). Poseidonteinpcl, bci denen man sich dcs
Meerwasscrs bediente, sind daher immer in dcr Nähe des Meereö, oder wo kcin Meerwasser, so
ist wenigstenS eine salzige odcr mineralische Quelle vorauszusetzen, indcm cS sich sonst nicht erklä-
rcn licße wie z. B. die Arkadier nach ?aus. VIII. II eincn Hain Pelagos hätten nennen >uid
wie die Sage vom Mecrwasscrbruniien im Poseidoutempel bei der biiineiiländischcn Mantinea
1- e. 10 hätte entstehen köiinen.
8. 5. Bekränzung. Mit der Katharsis zur Vorbercitung beim Tempelbesuche und
beim Opfer ja >ogar bei jedcm häuölichen Festschmause, hängt auch die Sittc dcr Bekränzung
des Hauptcs zusammen; und zwar wird zum Kranze jedes Mal daöjenige GewächS gewählt
welchcs der Gottheit dercn Tempel man bcsucht, gcheiligt ist°°).
8-6. Schmükkung, Reinigung des Naos. Man kann schon vorauSsetzen daß
auch der Tempel mit Blumengcwindcn, Laubkränzen, Zweigcn u. s. w. an feftlichen Tagen aus-
gcrüstet wurde. Schon dcr Apollodieucr Chryscs erwähnt bci Homer Iliaä. VI. 269 daß or
den Naos dcs Gottcs mit Kräuzcn geziert habe, und Jon schmükkt an dcn Orakcltagcn dcn Pro-
naos deS Apollon mit frsichen Lorbeerkränzen und Zweigen°°). Das Reinigen des FußbodenS
und dcr Thymele duich hciliges Wager gehört hierzu, und cö ist bedeutsam daß man im Naos dcs
Dclphsichen Apollon daö Lorbecrrcisig zum Abfcgen des Fußbodens gcbrauchte. Denn mit dein
Lorbeerbeicn tritt Jon beim Ausgange der Morgensonne im Pronaos aus, fegt ben Boden und
53
besprengt ihn sodann mit Kastalischem Waffcr^); der Bcsen war aber auö Lorbeerzweigen von
den Baumcn dcs Lorbeerhaincs im Pcribolos der von dcr Kassvtis bewässert wurde, gemacht.
8. 7. Verschluß des Pronaos. Ueber die eigentlichen Unterschiede der Tempel in Ab-
stcht auf ihre Benutzung, ein Umstand der von gröster Wichtigkeit für ihre Ausstattung ist, möge
vorläufig im Allgemeincn Folgendes bcmerkt sein. Tempel welche Festtempel sind, das hcist welche
Mr gottesdienstlichen Bcnutzung nur an dem in einem gcwissen Zcitraume wicdcrkehrenden Feste oder
PanegyriS einer Gotthcit genutzt werden, waren außer dieser Zeit sür jeden gottcsdienstlichen Akt
der Gemcinde unzugänglich^); man konntc in dieselben nur durch bcsondere Erlaubniß der Tem-
pelvvrsteher oder obrigkeitlicher Personen Cinlaß erhaltcn, wenn überhaupt der Eintritt außer der
Panegyris gcstattet war. Von solchen Tempeln bictet der Parthencn ein Beispiel- Der Parthe-
uon, so scltsam das auch wohl scheinen mag, war eigentlich nur ein Ncbentcmpel der Athena
Polias, der Stadt- und Landesgottheit Attikas; er war nur ein Schatzhauö dieser Göttin wclches
deren Anathemata und Gelder so wie auch noch das bewegliche Vermögcn anderer Landesgötter
aufnahm, zugleich mit dcr wciteren Bestimmung: derjenige Raum zu sein in welchem dic Siegcr
w den dcr Göttin geweihten und ihren Ruhm verherrlichendcn panathcnäischen Festspielen ihre
Weihe erhielten, wie LetztereS I^. ^mpolius. 8 von dem gleich bedeutenden Tempel des Olympi-
ichen Zeus in Olympia crklärt. Er war daher auch nur an den Tagcn dieser Panathenäen für
den Feierakt geöffnet und Einheimische und Fremde hattcn Zutritt; in der Zwischenzeit war er aber
berschlossen, indem cs sonst den Tamiai gar nicht möglich gewesen wäre irgend cine Vcrpflichtung
über das außerordentlich kostbare und reichhaltige Jnventar dessclbcn zu übcrnchmcn°°). Daß cr
aber nur jene Bcstimmung als Fest- und Weihetempcl der Panathcnäen habe, bczeugt ganz klar
bas Bildwerk welches diese seine Bestimmung insbesondcre andeutet, nämlich die Panathenäische
Ponipa über dem Epistylion an den Außenseiten dcr Ccllenwände; sodann aber auch das Agalma
bcr Athena selbst, welche hier nur als die Sieggebendc, Nikephoros, dargcstellt war. Endlich
aber hatte nur die Polias in ihrem Hause den Gemcindekult, im Parthcnon dagegen kommt sie
nur nach eincr Scite ihrcs WesenS, alö den fricdlichen Sieg Gebende und den Sieger Krän-
zende zur Darstellung und Verehrung. Eben dies gilt auch vom Weihebilde und Tempel der
Polias alS Nike Apteros; denn da es sich erweisen läßt daß Nike Athena und Parthenos nur
Epitheta der Polias sind, so konnte sie als Lctztere unmöglich in 3 Tempeln zugleich verehrt
Werdcn^). Ein Andercs ist cö daher mit der eigentlichen AedeS dcr Göttin, die bekanntlich klein
aber die ursprünglichen Heiligthümer der Athencr in seiner Baulichkeit vereinigte; diese war
*ccht eigentlich Gemeindetempel, Si-uore/lis, zu jcder Zeit dcr Gemeinde oder auch jedcm
Stainmverwandtcn zur Verrichtung dcs GebcteS und Opfer gcöffnet; daher ist auch stets die
Pnesterin in dcmselben gegcnwärtig, cs brcnnt in seiner Cella eine cwigc Flamme von der man
Pauchopfer enkzündcn kann, sein Pronaos ist mithin stets geöffnet und cs finden sich nur sehr
Wenige ,md bloß historisch interessante Anathemata in ihm^). Ein Ausführlicheres über diese
Perhältnisse ist im letztcn Kapitel dieser Abhandlung beigebracht, in welchcm ich noch cin Mal
^uf das hicr Gesagte zurükksehen werde.
54

N o t e n.

1) Pl'onaos, 5roov«os, 5r»or/,/'t'os, -rpööo/cos, auch rroo7ru).«<or' uud rrooAuoou, k>ci


Vitruv iironaos (pionaon ?) und voslibuluin. Vorro I.. I,. IV. Uonius 6iaoouin ost, ot nloo
iu aoilibus saciis onto oollani ubi soäos voi 8unt, 6iaeei 6ieunt -rpööo^roi-: iiuoil posst
05rt<7r9-6Ao.«ou. Zn Rükkficht auf dieso Namcn isi zu vergleichen was darübcr in Propylaio»
Note 13 unter I. gesagt wordcn ist. Ho^eli. Tr^oöo^ro' r--- noo r-osi orxou oro« und
//(ioäouos' 5r/ioor«s, rrooorchoit; da nun oro« so gut auf eine Scitc cincs Peristylium als auf
das ganze Peristylium sclbst gcht, so kann auch die ganzc umsäulte Aule Prodomos sein wic dics
vom Vcstibulum ebenfalls gilt. 6Io88. /adk. //oo<9u(>or>' Vo^tibuluni, und //(,07r6?.«ror>' Vosti-
Irulum. 2luch im hcllenischen Wohnhause finden wir analog dem cinen Prodomos dcr gewöhnlich
Prostas heißt. Schon bei Homcr heißt die Stoa vor dcm Hause (inncrhalb dcr Aulc) odcr dic Aithusa,
Trooäouos- llioll. 9, 473 krst Trooäouo,, -roöoOL» (>«/««oro wo >/«-.««v§ die hintcr
diesem licgcnde Wohnung. clr. Lh'iu. lUiiAii. 688, 34 und 444, 18: icrrror, orr o>«/.«uos
Lorrr> 6 roor rqg «ö-.r/s ^ti-coog, ro ör rroö «üroü rrooä'o.ttos. Was ,)«/.ctttos hier, ^
auch bcim Tcmpel, namlich dic Stoa dcr Thür gegenüber in der das Kultbild steht. Vgl. Hyp"'
thraltcmpcl N. 76. — Seliol. iu Oeil^p. r^i-ann. v. 16 r«og -ccch tkoör 5rc?r- rö 0t-coöo/-r.'U«
öi/>'oö -rk(>tk^krctr ö /Itoctös- -rirör-ttor- ctt-r(>ooi9Lr- roö r>ttou. — koll. I. 1 vom Naos redcnd
rö ör -roo «öroü -r(>ööo,ttog, -t«t rö --«rö-rtv, ö-rto0ööouo g- -e«t r) Lt'ooöos, -ro o -rö«t
Vitruv erwähnt dcs Pronaos cinigc Male; jcdoch schcint dcrsclbe nicht bloß die Stoa un-'
mittclbar vor dcr Cclla sondcrn in manchcn Fällcn auch noch den vor jcncr licgcndcn Thcil dcs
Peripccron odcr dcs Peristylium, untcr Pronaos zu bcgrcifcn, und cs ist wohl möglich daß dM
selbe oft zum Pronaos hinzugczogcn wurde wcnn letztcrer nicht Näumlichkcit gcnug zur Aufstcllung
der Anathcmata bot. Zn dcr Stclle IV. 4, 1 wo offcnbar von eincm Pronaos die Nedc ist wclchc»
dic Form der Dorischcn Parastas haltc, d. h. aus vorspringendcn Wändcn dcr Cclla zwischcn dcrcn
Anten Säulcn stchcn gcbildct wurdc, 'sagt Vitruv ausdrükklich was Pronaos sci und wie wcit er gchc-
Zucrst giebt cr die Raumgröße dcs Pronaos im Vcrhälcniß zur Cclla an, cine Negel die jcdocl)
als mit dcn Monumenten nicht übereinstimmcnd, kcine allgemcin gülrigc scin kann; so dann hc>!c
cs daß zwischcn dcn Antcn zwci Säulcn stchcn sollcn die dcn Naum dcs Pronaos von dcm dcs
Pteroma (vor ihm) trcnncn: iliiao oolnmiiiio iiiioi' <Ina8 aiila^ iiitvipoiüiiitiii' ijiiao ili^iuiiguist
xtoromst08 et proiuii 8puliiim; die Zntcrkolumnicn dicser Säulen sollcn nun durch Schranken,
plutoi, so vcrschlosscn scin uli t'oro8 Iiabeaiit por iiuu8 iliiiLri, pronai 6rmt, daß sie also ThüccN
habcn durch welche die Zugängc zum Pronaos gcwonncn würdcn.
An cincr andcrn Stclle jcdoch III. 2, 7 u. 8 wo cr von der innlos iliptoro8 und Ii/jiub'
tliro8 rcdct schcint cr dcn Pronaos bis zu dcn Säulcn dcr Fronte auszudehncn; dcnn indem ct
sagt die rioilos iliploro^ sei octa8tz4o8 iu piouao et po^lioo, dic Ii^ piielliros abcr <Ieeii8t)'Io^-
so würdc crstcrc Gattung vicrsäulig, lchtcrc scchssäulig iu prou.io scin müffcn, wenn Pronaos »M'
der Naum vor dcr Cclla wärc wie cr ihn vorher in IV. 4, 1 angab; oder abcr wcnn er jctzt wirk-
lich dcn Pronaos nur zu dcn Säulcn ausdchnte cju,io ili^iuiiAunt pleromiilo8 et pronai 8patinM,
so würde die aeiles poriptero8 zwölssäulig und dic Iiz/paettiro^ vicrzchnsäulig scin müssen.
Hierbci ist nämlich zu bcmerkcn daß Vitruv an allcn Stcllcn in III. 2 unter t'rons dic
vorderc Scite dcr Säulcnhalle mit ihrcm Dekkcn- und Dachbaue, unter po8tieum abcr die hintcrc
55
versteht; von cincm Opisthodomos als cinem bcsondern gcschlosscnem Gcmache hinter der Cella, rcdet
er nic; wenn dahcr §. 5 die nolles Honoris et Virtutis 8IN0 xo8tico gemachk ist, so wird dieselbe
als eine Zlusnahme von dcr Ncgel erwähnt bei wclchcr die aiubulutio eirea collam seiti8 hier
"icht an der hintcrn Fronte herumgehcn konnte. Bei dcr aelle^ xeiipteio^ §. 5 stcht aber gerade
zu in pronao dcm i» iio^lieo cntgcgcn, woraus sich schlicßen läßt daß cr unter Postikum cinen
dcm Pronaos ganz gleich gcbildetcn Naum gcmeint habc, und wenn cr tz. 8 dcr Ii^paolliro8 Thü-
ccn (ex utriniiie psrle in pronao et po^tioo) gicbt, so muß die Thure von lehtcrcm Naume in
den Ovisthodomos führcn wcnn cin solcher vorhanden, sie muß in dic Cella führcn wenn kein Opistho-
d°m da ist. Bcstimmtcr untcrschcidct Pausanias die hintcr dcr Cclla gclegcnen Näume entwcder
durch °dcr bloß durch ro Ö-rtoArv wic im Folgendcn bcmcrkt wcrdcn wird, indcm
^'stercs dcr Opisthodomos, Lchtcres nur die hintcrc Hallc, iio^lica i,ai-8 templi ist. t'o8tu8. x. I.
ausdrükklich daß die Altcn die Thüre dcs Hauscs, also die Frontc wo das Vcstibulum, anti-
oiim gcnannt hättcn. 6I088. I,aI,Ii. Autv teini>Iuin. rrpöpttor,, und ^uta. ö rroo rcoi, rruöäii,
rÖTrog. Bci kliilo8tr. Vit. ^xoll. II. 10, p. 59 ist dcr rrpoöoxios roö ihfttpAevaii'Os nur der
dcs 0. ss. obcn. Vitruv ncnnt dcn Pronaos dcs Mcgaron zu Elcusis Vll. xi'aek'. §. 17
"°8til,ulu,u und i,i-o8tz lon; cbcn so drükkt sich für cincn andcrn Fall Chrysostomos ilo Lad^lii c.
^ulisu. c. 17: pio8t)Ia 8ive piopz-Iaori uliimiue allilitii aus.
Zst dcr Pronaos schr tief, so ist scinc Dckkc noch durch Säulcn untcrstützt. Von svlchem
Pronaos ist die Rcde bei Vitruv IV. 4, 1 flgg-, wo dcr Pronaos die Form in ai>ti8 hat und 30 F.
"ef ist; vgl. Hppäthraltcmpcl N. 42 und Tcxt dazu*); diesc Form dcr Dorischen Parastas hat dcr
^tonaos des sogcnanntcn Thcscion, dcr Pronaos des Parthcnon dagegcn hat die Form cincs Pro-
liylon oder Prostoon. Hat dic Cclla kcin Pcriptcron, so stcigt man unmittclbar auf den Stufen
Krcpidoma (vcrgl. T-ktonik I. B. Dorika, S. 123flgg.) zu ihm auf, wie z. B. beim Tcmpel
dcr Artemis Propylaia zu Eleusis; ist ein Pcriptcron vorhandcn, so ist dassclbe oft um cine oder
"ichrerc Stufcn nicdrigcr gclegcn als dic Cella mic Pronaos und Postikum, wie dies beim Par-
ihcnon dcr Fall ist. Daß t'i-oi>8 im Hcllenischcn Trpöocorror,, darübcr vgl. Tcktonik I. B. S. 200;
üb-c dic vcrschicdcnen Bczcichnungen von dcr Frontc und dcm Prothyrvn dcs Daucs habe ich das
^csammte in Hypäthraltcmpcl Note 59 beigebracht; noch Einiges übcr diescn Gcgcnstand sichc
^Ntcr Opisthodomos.
2) Katharsis, Xttöttoors, Iu8tialio, 8uklimeiitum, expiiitio, purgalio. Übcr dic De-
dciitung dcr Kaiharsis Ilippocrat. Oe morli. 8acr. 2: Wir weisen dcshalb dcn Gvttcrn die Grenzcn
dcr Hicra und Wcihcbezirkc an, damit fle Nicmand übcrschreite wcnn cr sich nicht gewcihct hat,
Und bcim Eingchen waschcn wir uns, nicht als ob wir eine Blutschuld auf uns hättcn, sondern
wenn auch von früherhcr irgend ein Makel auf uns haftcte, wir uns von dcmselben befreicn."
Diese Stelle gcht auf Bcidcs, sowohl auf das völlige Bad dcs ganzcn Körpers als auch auf dic
sylNbolische Kalharsis unmittelbar vor dcr Cella, die sich bcide nachweisen lasscn. Sie bcstätigt
b°n Umstand taß man zum Besuchc des Tempcls auch den Pcribolos ungebadet nicht betreten darf,
°bwohl hicrvon vcrfolgtc Schutzflehcnde cine Ausnahmc machen müsscn; daß man abcr ohnc in dcn
^°>upel gchen zu wollcn dcn Peribolos nicht hättc ohnc Dad bctrcten dürfcn, jft kaum anzunchmcn,

H Zlnmcrkung. Da mir in dicscm Augenblikkc als vorlicgcndcr Bogen schon im Drukkc


ist, L. Noß Schrift „Kcine Hypäthraltcmpcl mchr" zu Gcsicht kommt und ich sogleich
zur Widcrlegung dicscr Schrist schrcitc, so will ich der Kürze wcgen glcich auf diese
mcine Arbcit die ich cbcn zum Drukke ausarbcitc citircnd hinwciscn, indcm sie hoffcnt-
lich schon in dcr Hand dcr Lcser scin wird bevor diese Zcilcn im Drukkc crscheincn; ich
wcrdc durch das Wort Hypäthraltempcl die Hinwcisung geben.
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indem sicher wohl kein Bad vorhcrgchcn durfte wenn die Delphier nach ihrcr Lceche gingen doch dic
im Peribolos des Heiligthumcs lag. Ein dcr Pythia zugeschricbenes Epigramm lautet:
Rcin vom Hcrzen erschcin im Tempcl dcs lautcrcn Gottcs,
Wenn jungfräulicher Qucll eben dic Gliedcr bcncht.
Guten genügt ein Tropfen, o Pilgrim, aber dcm Böscn
Wüsche das Welcmcer sclbsi nimmcr die Sünden hinweg.
^ntliol. Kraoc. XIV. 71 ekr. ik. 47 UNd IIioF. Iisört. VI. 6, 42. — Dem Schuldbestekten, ivewt
er nicht durch einen heiligen Akt gercinigt wird hilft auch keine Waschung, er blcibt unrcin und
kann die Hand nicht zum Gott crhcbcn; daher sagt auch das Epigramm Anlko!. chac. IV. 16/?
iir. 239.
Tcmpel der Götter sind dem Gutcn immer gcöffnet,
Ncinigung isi ihm nicht noth, da ihn kcin Laster bcflekkt;
Nur der Bösewicht flieh; wird auch sein Körper gcrcinigt,
Wäscht sein bcflckktes Gemüth, doch auch das Wasser nicht rein.
Jcdcm Gebcte und Opfer muß dahcr die Kalharsis vorangchcn. Ilosioil. re.
Gieße in der Frühe nic den röthlichcn Wein für Zeus odcr irgeno eincn der Götter mit ungc-
waschenen Händen, sonsi erhörcn sie nicht und vcrwerfcn die Gcbctc; hicr ist wahrschcinlich
Herkios gcmcint. Ein Scholion deö Plutarch (Oommoiil. iu Ilosiocl. I?i'r,j;m. 42) sagt hierzu:
ist überhaupt cine Auffordcrung zur Reinlichkcit; denn dic Händc vcrriä)ten vicl, was abcr noch-
wcndig unrein isi, dcshalb sic der Ncinigung bcdürfcn wcil das Göttliche rcin ist. Man muß nb"
dcn Göttern ihncn selbst cntsprcchcnd (also rcin) dicncn und spendcn, indcni man sich vorhcr öie
Hände rcinigt oder viclmchr auch dcn ganzcn Lcib . . . denn wcnn man sie mit beflekktcn Händc«
chrcn will so vcrwcrfcn sie unsere Gebctc bci solchcm Thun. — Daher auch das Waschcn dcr Hände
vor jedcr Mahlzeit, wcil dicse mit dcm Paian bcgann. Dcn Pythagoräcrn war cs sogar vcrbotcn
das Vild cincs Gottcs im Ningc an dcr Hand zu tragcn, weil die Hand allcrlci Unrcines bcrnhrc?
^smdlioli. Vil. D/tIiaj;or. o. XVIII. 84. — Vergl. Liv. I. 45 wo dcr Opfernde vcrgcsscn hat
vorher im Flusse zu baden; Dcrs. V. 22. — I>iiu8. VII. 20, 1, wo sich die Knabcn im Bachc
Mcilichios badcn ehc sie zum Tcmpcl dcs Aisynmctcs (Dionysos) cingehcn.
3) Daher auch dcr Ausdrukk „zu dcm Gotte cingchcn" soviel bcdcutet als sich rcinigcn,
mit Wasscr weihen; koll. I. I, 25. 7 o rr/tös ror-s r-tt<7?/oc(ccxr-o?-,
</tttöoot-tt«L?-or-, 5rrocööttr?ccccki/on <<7roöcr?.-?/-ttcck??ot-, tt5roncc/r«c<Lr-orc . . . r-ttö rco'Ö
ft.-ro Vkou^/css oro/?) ftrrö rLOTr/oncc ^oAc/rc. Trooockc'ac c/eocs- — Uurip. Lloctr. 799;
N. 7, wo Euchidas crst das Weihewasser nimmt ehe er in den Tempel geht: )7;-nc<7tt§
<)x ro ocsscctt, r-c-c 7rkocöö«l-ttc,Lc-os, Lc-rxc/rccvcocrccro c>«</r?/ rc«c ?.«/Icör- «rro roü /7ca/cON ^
Trflo rc. r. vgl. N. 27. — Domoslli. Aiuliut. 873: rö ocsscc« Lr«co?/rcöro§ oörc ^cäc-cr oc
xc§ r« cko« LcocLrccc. — IIv8)-c:ti. ftc>^?)r«<7ol«t- /lou<7«<7^«c, 7rx^c()(ittt-«<7oi«t, UNd
r-tt/crc-i/' ?.ou<7ttctkt-?), Trxocöottokt-?), ,/ öö«rc 7rxoc)/ko/<it--). Dcrs. c/r-c>oöt-x<7,7ccc' 7rk(?^
^ttlrtt<7>^«t, «7ro-.oöx<7r9«t. — Sclbst die Pricstcr und Hciligthumsdiencr müssen sich dcr Katha'h^
untcrziehen und bci ihrem beständige» Vcrkchre mit der rcinen Gottheit sich sclbst stcts rein erhalccn-
cin Gedanke den Plutarch (luaost. Ilom. III vom Flamen Dialis ausspricht indcm cr dicsen cin^'
lebcndigen Tcmpcl und cin Agalma nennt, chorrko xcci/?r>/or rc«c ckoör- rc«c
wcshalb cr auch manchc Dingc nicht berührcn durfte und sich gcwisscr Speiscn stcts cnthalt^"
musie. — Eine schr wichtige Stcllc für die nothwcndige Ncinigkcit dcsscn der ein Opftr verrichkt
oder gar zum Vorstcher dcs Gottcsdicnstes crwählt ist, findct sich bci Domostli. e. Au,Irot. iu
wo gegen Androtion gesagt wird: wcr in das Heiligthum gchen, am Weihewasser Theil nchntt"
57
und die Gefäßc mit anfasscn will in dcnen das Salz und Schrot licgt womit das Opfeithier ge-
wciht wird, ja wcr so gar Vorstcher dcs Goktcsdienstes sein will, dcr soll sich nicht nur, wic cs
'hm bckannt isi, wahrcnd der Daucr bcstimmter der Feicrlichkcit vorangchendcr Tage aller sinnlichcn
Dcflckkung cnthalten, sondern scin ganzcr Wandcl muß von jc hcr schon in stetcr Ncinhcit und Ent-
haltsamkcit und grade von ciner solchcn Lcbcnswcisc fcrn gewescn scin welchcr Androtion stets ge--
pstcgt hak. Es straften auch dic Athcncr den Hicrophantcn Archias am Lebcn als cr am Altarc zu
Eleusis ein Lpfer vcrrichtet hattc zu welchem ihn die Buhlerinn Sinope vcrleitet hatte, vomostk.
Dahcr in dcn mcisten Fällcn außcr ciner besondern Diat die Vcdingung dcs täglichen
^adcs der leiblichcn Rcinheit wegcn zur Disciplin dcrsclbcn gehörte. Zn Lurip. 3on v. 94 fordert
Jon dic Tcmpcldiencr zum Badcn auf che sic an ihr Tagcwcrk gehen: Auf ihr Diener des Phoibos
^llt zu dcn Silberstrudcln dcr Kastalia, und wcnn ihr euch in heiligem Thaue gcbadet
habt gehk zum Naos; er sclbst hat sich nach V. 150 schon gereinigt. Auch klioon. 220 heist cs
dcr Antistrophc dcs Zungfraucnchorcs: Jch wurde goldglänzenden Bildcrn gleich
Phoibos bestimmt, aber noch wartet meiner Kastalias Wasser mir das Haar
ru nchcn zu des Phoibos Dicnste; eine Stcllc zu wclcher daher der Scholiast sehr richtig bemcrkt,
b«ß hier (also in der Kastalia) das cinzigc Vad der heiligen Zungfrauen sci, was natürlich cben
dicscn dem Gottc zur Zlnathcsis gcgcbenen Zungfrauen nicht abcr von der Pythia gemcint ist,
"dgleich man vorausschen muß daß auch dic Lctztere che sie den Drcifuß bcsticg das Bad nahm.
Ebcn so bci Hvraz VO. 111. 4, 61: der mit rcinem Thauc der Kastalia das gclöste Haar badc.
Die Besuchcr des Delphischcn Naos baden crst in dcr Kastalia ehe sie hinauf zum Peribolos des
^cmpels gchcn; Ilolio.I. /4eHi. II. 26: nachdcm ich die Dromcn und Märktc dcr Stadt (Delphi)
öcpticsen und dic Kastalia die ich mir zum Pcrirrhanterion machte, cilte ich zum Naos; auch schcint
I schon für cin Bad zu sprechcn, und in Lur. 4r>n 221 fragt dcr Chor: ob er -.xuxm iroN
l» dcn Tcmpcl cingehen dürfc. Für das Bad dcr Pricster spricht Pausanias X. 34, 4 wo der Prie-
ßer dcr Athcna für scinen Dicnst sich täglich in cincr Wanne («o«zttr>6-os) badct.
Auch rcine Fußbeklcidung wird verlangt so wie die wiedcrkchrende Neinigung des Opscr-
öeräthes; I'oi-pIiAi-. gbslin. II 46; Oil^s«. IX. 750; Ilinil. XVI. 228.
4) Dicjenigcn wclchc mit Blutschuld, odcr Atimic odcr überhaupt dcr öffentlichcn Verachtung
beladcn sind, dürfen wcdcr zum Tempcl noch zum Opfer kommcn auch kcinen Thcil an dcr Fest>
p°wpa nehmcn, sic sind also mit cincm Wortc von allen heiligcn und wcltlichen Gemcinrechten aus-
Scschlvsscn, weshalb auch Nicmand mit ihncn vcrkchren und nach einem alten Ausdrukke Fcucr und
^cisscr mit ihnen theilcn will; nach venioslli. I'I>ilij,p. III. 121 wird dcr Name des Atimos an
elnc Schandsäule gcschricbcm Nach dcm Drakonischcn Gesche bei Noiiiostli. e. I,oi>t. §. ,58 darf
bcr Todtschlager das Wcihcwasser gar nicht nchmen, also auch nicht bctcn; cr dars dcn Göttcrn nicht
llbiren, aus dcn Kratercn mit dcm hciligcn Opferwein nicht schöpfcn, ja ihncn nicht cinmal nahe konu
ebcn so wcnig sich den Tcmpcln und allen heiligen Handlungen nähcrn. Ae^eliine^ in 'lim-n-eli.
sagt: du bist also ein solchcr Schurk als du dich sclbcr zcigst, und begehst gleichwohl dic Frechhcit
bich auf die Agora, an dcn Vcrsammlungsplatz redlichcr Mcnschen zu drängen, mit cinem Kranze
"uf dcm Hauptc in die Tcmpcl zu gchcn und dcr Göttcr Altäre mit deinen bcflekkten Han>
ben und deinem unrcincn Athcm zu cntwcihcn? du thust Dinge dic nicht dir sondern nur uns
crlaubt sind und maßcst dir gleiche Rcchtc mit uns an? Nach vomnzlli. §. 3! war der
Ätimos von den Spiclcn ausgcschlosscn, konnte §. 66 von Zedem dcr ihn im Tempcl odcr auf dcr
Agvra sc,he in dcn Kcrker gcführt wcrden. So auch I>)8. e. AForal. p. 500: Vü /«(> ffksv
^LOPor-ov ccüroi- or'rtt or'ttrrLtt.icrr- 7-,/r- Trottrrrji- rss — Dic Krcter schlosscn Ehe.-
brecher von allcn solchen Vorrechtcn aus, äelisn. V. II. XII. 12. Prostituirte, Vcrführcr und
il. 8
58
Kuppler cbenfalls, ^onoliin. e. Hm. §. 13 und 15 und flgg. wo des strcngen Solonischen Gesetzes
hierüber gedocht wlrd, wclchcs sogt: das im Ehebruche crfundcne Weib darf es nicht wagen sich gc-
schmükkt sehen zu lasscn, noch dic Tempcl bctreten wo gcmcinsame Opfer von dcm Volke vcrrichtet
werdcn, stc darf >ich nicht cinmal untcr dic Fraucn wagen damit dic Ncincn nicht durch ihre
Gcgcnwart bcflekkt wcrdcn; wird sie dcnnoch in solchcn Fällcn und im Fcstschmukke bcrroffcn,
steht es cincm Zedcn frci ihr dcn Schmukk abzureißcn und sic zu mißhandcln ohne sic jcdoch zu
verwunden. — So hcist es auch bei Isaous äs Iioi-cl. ?liiloot.: die Muttcr dicser Frau dic siets
cin schlcchtes Leben gcfnhrt hat, dic nicht cinmal dcn Tempcl bctretcn noch irgcnd ctwas von den
Dingen darin hätte crblikkcn dürfen, dicse wagte es sich bei dcm Opferfcstc an dic Pompa der
Göttinncn anzuschlicßcn, in dcn Naos zu gchcn und zu sehcn was sie nicht schcn durftc (vergl. I.
N. 1). Wcnn doch cin Solcher es wagt in dcn Tcmpcl zu gehcn, so crschcinen ihm so schrckklichc
Dinge daß sich seinc Sinne verwirrcn; auch sonst unbcscholtcnc Menschen, die abcr unerlaubter
Weise odcr in arger Absicht nach dcm Hciligthumc gchcn wollcn, werdcn von Schrekkcn und Strafc
überfallcn, wie es z. B. Miltiadcs bei »oroll. VI. 134 ging als cr hcimlichcr Weisc in den Tcm-
pel der Demetcr zu Paros eingehen wolltc.
5) Zu Vii-F. /Ivn. II. 619 mo llumino vivo abluoio) bcmcrkt Scrvius: 8omiior üu-
enli, 1. 0. iiiiturali. keronni c;uia guAi'Ior aczua tluoim viva vocalur; dcrs. zu VII. 83: 8aero
konlv^ I>iuIIii8 ouim I0118 noii 8Ü00I-; und das Brunnen- und Quellenfcst (konliinglia) ist bckannt,
> grro I,. I,. V. 3 und ke8lu8. — »lul. tzuae8t. Rom. 1: Das Feuer reinigt, das Wasser heiligt-
Es ist deshalb Sünde ein strömendes Wasscr zu verunrcinigcn, Ilosiorl. z. 682. Vergl- dic
vor. Not. nebst N. 30.
6) Siehe N. 30.
7) Vgl. Wasserleitung §. 4.
8) §. 4, N. 30.
9) N. 3.
10) N. 3.
11) Das Wasser dcr Dclphischen Kassotis war dem Apollon bcsondcrs heilig und diente dcr
Phytia zur Mantlk, ?ai,8. X. 24, et'r. IX. 2 und ?Iin. 11. X. II. 17, 2, daher es so wohl im
Pronaos (§ 4. N. 1) als auch im Adyton sprudclte. Bci »lut. clo p^tli. orao. 18 schöpft nia"
aus diesem D.uell beim Dclphischcn Hciligthumc rr(io§ rr rccg «^r-or- uücoo' in dicscr Stcllc
sind auch die Musen als Bcisitzcrinncn dcr Mantik und Wächterinncn dcrsclbcn ncbcn dic Qucllc
(l-«/ctt) und das Heiligthum dcr Gäa gesctzt. Vcrgl. N. 2. Das Wasscr dcs Eleuthcrios zu Argos
war dcr Hcra gehciligt, ?sii8. II 17, 2; das Wasser der Egcria der Vesta, »lut. Xum. 13, und
seine Weikcrlcitung hieß die der Zungfraucn, »lin. II. X. XXXVI. 24, 9, dagegcn war dieftr
Göttin das Wasser des Xumiou8 verhaßt, 8orv. Vir§. /lon. VII. 150, wcil cs cine nicht mchr
flicßende D.uelle war. Das Wasser dcs Mcilichios war dcm Dionysos Aisymnctes gcweiht,
VII. 20, I; das dcs Alphcios dcm Llympischcn Zeus in Olympia; so wic das dcr Arcthusa zu
Syrakus dcr Ai-temis, und die Halirrhotia dem Asklcpios, »au8. I. 21, 7; Mecrwasscr und Mccr-
wasscrbrunncn, Salzguellcn gchören dcm Poscidon, »au8. VIII. 50; IX. 2, u. A. Vgl. N. 30.
12) 8020IIIVN08 Iljzt. Lecl.: Als er übcr dic Schwellc dcs Naos gchen wollte rciistglc
dcr Priestcr dcn Eingehcndcn nach hcllcnischcm NomoS, in Wasscr gctauchtc Zweige hinhaltcnd
(wahrjcheinlich dicntcn sie als Sprcngwedel), st/rx/»ttttx/,?xtt- rost ^«or- ron c-üssui-
f/«//.ou;- ri -'ttg Ntt/Ä'(>o^or-g x«rx//o-r- o -L/-xr.-g --0-//,) x?./.-/,-ix/o /rk/--t/-/-«/r-L ror-s rro'rok'rKs-
Die Schwclle dcs Naos bcdcutet aber nur dic Thüre im Pronaos; also geht hicrnach wiedcr dic
symbolilchc Katharsis erst im, nicht abcr schon vor dcm Pronaos vor- Bcim Opfer besprcngtc
man sich auch mit Fcuerbränden die man vom Altare nahm und in das Weihcwasser tauchte, Albe".
59
76. Scrvius cnvähnt Slivcn- und Lorbcerzwcige als Sprengwcdel; zu Vir§. Aen. VI. 229:
I6em ter «ovios xuig cireumlulit unilg Sporgoos rorv levi et rsmo kelieis olivse, L.U8trg-
villius viros, bcmcrkl dersclbc: teliei8 olivse, srbori8 ke8tso; 8eü wori8 kuerst, ut <Ie
iiiuro Leret; ob aber dcr Dichter, wie wcitcr gesagt wird, in Nükksicht auf Augustus anstatt
-orbeer Olive gcsetzt habe, daran möchte billig zu zwcifeln sein; ekr. Lmpeiloel. L'rgFm. x. IV2
8turr — ketrou. 8st)r. 102: IXso glzuse g^iierFinom impo^iturgm gliitugm eorxori mgeulsm;
uuch bei »luvongl. 8atz-r. II. 157: 8ulpliuis eum tseüi^ und Iiumiüs Isuru8 bei der Lustration.
13) Wie dcr Brunncn bci dem Naos dcs Amphiaraos, dcr wedcr bei Opfcrn noch sonst
Katharsis gcbrauchk wcrden durftc, ?g»8. I. 34, 3; auch hicr finde ich deullich auf das
Händcwaschen als Nomos hingewicscn, indem von diesem Wasscr gesagt wird: ossrL lA'i-or-r-xx
ovüxr- «firi/r-, ovss i/ ^o-s<-A«i als Ursach wird ange-
Zeben daß Amphiaraos hineingefahrcn sei, ?su8. IX. 30. — 8orv. Vii-A. rlen. VII. 150 sagt daß
bas Wgsfor aus dem Numicischcn Quell zu hciligcn Gcbrauchen nicht vcrwandt wcrden durfre weil
ee ein Sumpf gcworden war nachdcm man den Lcichnam des Acncas darin gefunden hatte, nsm
^Umieu8 inFvn8 anto kluviim kuit . . . po8t paullstim rlecre8eon8 in lontom reüaotu8 e8t izui
ip8o 8ioeatu8 08t 8seri8 iulereopti8. Ve8tao liliari non nisü «lo Iioo kluvio lieodgt.
14) Dcshalb war die Wasserschale der Vcstalinncn, va8 kutilo, so gcformt daß der Fuß
degelförniig cndigte und das Gefäß daher umficl und ausgoß wcnn cs auf dcn Boden gcscht wurdc.
^ei'V. Virj^. ^on. XI. 339 zu nou kutili8 autor) bcmcrkl: uon ina»i8. IXam kutilo VS8 ljuoil-
ilsm 08t luto oro, kurulo gNjjii8to, Ijuo gngu8lo utedgntur in 8aeri8 Vv8tao, ljiiia Sljua ail
^aerg Vo8tgo dau8ta in torra iion jionitur: ijuoil 8i kiat jiiaeulum 68t. llnilo oxeoAitalum 08t
^08 quoil 8taro non p»88it, 8eil jio8itum 8tatim olkunilorolur. ?e8tu8. p. 89. Vg8a kutilia
e* kunilonilo vocata.
15) Vgl. N. 3. Weiße Klcidcr I-iv. V. 22; eben so auch die Pricster und Pricstcrinnen;
liSFF. XII. p, 956 A. Not. 3. Nur bei Todtenkult, Heroenopfern und derglcichen, rothc Ge,
Wänder; ?Iut. Ari^t. 21; 1^8. o. Aniloo. §. 51; Ao^oti^I. Lum. IVIO.
16) Vgl. §. 5. Göttcrbildcr und Kapcllcn im Tempcl wcrden ebcn so aus- und cingcweiht
wic der Tcmpel sclbst; so bci liv. 1. 55 wo dic GLttcr und Zlltärc cin- und ausgcweiht werdcn.
Auch bci Lueian. ktialar. 12 ist dcr erzcnc Sticr der als Anathcma in dcn Tempel gestifter wer-
soll, mit gcwissen Cercmonien vorher geweiht. Bcsprcngcn des Bildes und Tempels N. 34.
Das Schcma dcr Tempclweihc wclche bci dcn Römern der Consul, odcr Diktator, odcr der
ü^ldhcor dcr den Tcmpcl gclobt hattc vollzog, war, wcnn man dic Skcllcn liv. II. 8, klulgreli.
^otilivol. 14, vion^'8. Ilal. V. 35 zusammcnfaßt, folgcndcs: dcr Weihcnde legt die Hand an die
^fostc der Tcmpclthüre und spricht untcr Anrufung dcr Tcmpclgotthcit die Weiheformcl; sodann
wurdc wahrscheinlich dic Tafcl mit dcr Dcdikation und dem Namen des Wcihcnden, und zwar
ubcr der Thüre am Hyperthyrium, bcfestigt; für Lehteres ist die D-dikation dcs Herkulcstempcls
ö" Kora welche sich über dcr Thürc bcfindct, ein noch crhaltcncs Zcugniß. Zndcsscn wurde die
^dikation auch oft an dcn Antcn angcschricben und außerdcm einc Dcdikationstafel in dcr Cella,
"-'"hrscheinlich in dcr Kapclle dcs Kultbildcs, an dcr Wand bcfestigt; so bei Voll. ?g,oi-i:. >!. 25
Sulla dic Heilqucllen zu Tifata bci Kapua der Diana weiht, dic Schenkung an dic Pfostc deö
^°wpe,s und noch cin Mal auf cinc crzcnc Tafcl in dcr Cclla schrcibcn läßt. Auch in dcn Grund-
s°°m dcs Baucs wurde die Dcdikation schon eingeschriebcn, viou. Ilal. VI. I; desscn Auffindung
wurdc also dcn sichcrstcn Auswcis übcr Bestimmung und Alter dcs Baues gebcn. Daß außcrdcm
°>Uch das Epistylion diese Znschrift aufnahm ist bekannt. — Die Wcihe geschah natüriich nachdem
Tempel scine ganzc Ausrüstung (xo<-/«os bci pliitai'cll. I. e.) crhalten hattc und außerdcm mir
'^änzen geschmükkt war. Vcsprcngung mit Weihewaffer und Beräucherung folgte dem sicher, da
8*
60
übc^'haupt Weihcgcfäß und Näuchergcfäß bci kcinep Weihe odec Hidpysis icgcnd cincs Gegenstnndes
fchlcn ducftc, 11>;8^el>. kiri ri/ /ä/iukiLt ^6ro«i/.
17) Vgl. K. 5. Einzclne Tcmpel wie ganzc hcilige Bezickc und Städte wcrdcn gcrcinigt
und lustrict I>iv. HI. 18 6r>pitvlium pu>-z;.->t>»» r>,</»o Iu8kl->I»>». A,,pir>». Lolt. 6>v. I. 26. —
6ie. 61>>lipp. II. 23: tzuue K»nt eius pel-i>§rr>t>u ><>»>;>>»»? I»8ti-r>t>o »luuieipil»»/ Ders
lr»8e»i. V. 27: 6»l-8»8 et Iu8tlutio»08 t'el-ru-unl. Die Wcihegesängc dabci sind bckannc; 1'oU-
l. 26: «r7<7«t, y-<7«r. — Epimenides der Krctcr rcinigt und sühnt Athcn u»d
weiht dabei Götterbilder, klut. 8olo» 12. Scltsam auch dic Katharsis dcr Straßcn durch Be-
sprcngen mit Wein, I>ueir>». ä»r>eI>r>,-8. et 'loxr»-. I. Vcrgl. No. 31.
18) I>-,»8. II. 7, 7 und 30, 3; X. 7, 2 und 16, 5. Auch nach Aelir»,. V. II. M. I war
Apollon nach »jährigcr Bußc bcim lorbecrbeschatteten Altare am Pcncios in Tempe gcreinigt. kuu8.
II/ 31 crwähnt dcs Steincs vor dem Tcmpcl der Artcmis Lykia auf dcm dic ncun Tröccnische»
Männcr saßen wclche dic Ecrcmonie der Ncinigung dcs Orcstcs ausnbtcn; er sahe auch noch das
Häuschen worin dicser Heros währcnd seincr Bußezcit einsam wohncn mustc und gespcist wurde,
weshalb noch die Nachkommcn jcner Männcr alle Zahrc an bestimmtcn Tagcn cin Gcdächtnißmahl
hiei hii.ltcli; zu sciner Katharsis haitc man Waycr aus dcr Tröccnischcn Hippokrcnc gcbrauelst/
und an dcm Orcc wo man dic Ncinigungsmittcln vcrgrabcn hattc war cin Lorbccrbaum cntsproßen-
ok>-. 1'IuI. tz. «l-r>oe. 37. Selbst dcr wcichcr aus Zufall gctödtcl hattc muste nach dcm Gcsctze bci
1)>;u,o8tl>. e. Al-i8toc-r>t. §. 61 das Land so lange mcidcn bis cr Jcmand aus dcr Familic des
Getödtctcn fand welcher ihm die Schuld vcrzieh; alsdann durfte cr zurükkkehrcn, cin Sühnops"'
bringen, sich von der Blutschuld reinigen und wiedcr wcihen lasscn.
Vei diescn Siihnungcn sind Beräuchcrungcn mit Schwcfcl nblich. 'HI)i,II. I. 2, 61:
»10 Iu8travit taeili^; idi>I 5, II, 8uIpI»»->- p,»-o. — Ovi>I. Slotru». 7, 261: 'l'oi-k,,»; 8o»ow
Hr>w»ii>, tor ruzuri, ter 8ulpliurv Iu8trr>t. — retron. 8r>t^r. 137: 6u,n rlixito^ pruiter exlo»'
808 porri8 r>,,ioquv Iu8trr>88et. Die Katharsis mit Schwcfel schcint indeß nicht bloß bci Mord'
sühncn im Brauche gcwcsen zu sein; freilich räuchert Odysscus nach dcm Morde dcr Frcicr dc»
Saal mit Schwefcl, allein bei Theokrit. XXIV. i)i und ?Ii». 0. IV. XXXV. 50 ist von solchcn Süh-
nen nichl die Ncdc, und Achillcus Ili-ul. XVI. 228 bedicnt sich des Schwcfcls zur NcinigM'g
der Schalc wcnn er dem Zeus libirt; cbcn so kann bci 6i»-i,>. I,,I>. 1'-»»-. ,217 wo Thoas dc"
-r.cmpcl mit Fcucr rcinigcn soll, «/r/t<7<ir/ rruoo/si, nur Schwcfel gcmcint scin, und I. e. 1331 wo
Ophigcnia <)g- «77o/'/o/,ror- ^i/<7ou<7« rr«r xttc/«o«6i/ um dic Gcfangcnen zu weiheN/
ebenfalls. Bci klutrireli. >Ie 8upe,-8l. 9 läßt sich der Abcrgläubige durch Wcihrauch rcinigcn.
19) Es fand sich nämlich Nicmand dcr ihn rcinigen und sühncn mochtc. Dahcr barg selbst
dcr Bach Hcttkon scin Wasscr unter der Erde um cs nicht zur Kakharsis hcrzugeben als dic rasew
den Weibcr jhrc dcm Blute dcs gemordcten Orphcus beflckktcn Händc in ihm waschcn wolltcn-
kr>u8. IX. 30, 4
20) Aotiru,. V. II. IV. 7; Ilorat. 06. 1.28; I-Z'cur,/. e. Ae^eli. Auch Mord an SclM
flüchligcn wuidc so bestrafr; sogar dic Gcbeinc dcs Sündcrs wcrdcn ausgegrabcn und über dic Lw»
desgrenze gebracht, l'iut. 8olo». 12.
21) S. Note 12.
22) Wie auch die Gcschichte mit dcm frcmdcn Thcopropcn bci 1'Iut. <1e >Iek. orr>e. 19 t»w
51 bcwcist. Bcgoß man nu» j» dicscm Fallc bcim Opfer das dcm Orakclspruchc vorhcrging sos
Opfcrthier mik Wasscr aus dcr Kastalia odcr dcr Kassotis? Zch glaube beinahe das Letztcre, bs
dcren Wasscr unmittclbar bcim Altarc zu habcn war. Hier wird das Opscrthier von dcn Hosi"'"
gcprüfr ob cs rcin an Lcib und Leben, unverletzt und unvcrdorben sci, sodann wird cs gckränzt
mit Trankopfcr iibcrgossen und geschlachtet. Besonders wurde die Zunge bcschaut riutru'el'- üe
61
^upLl-st,, I. — Opfttsticre mik Kk'änzcn und Tänien bchnngcn, dic Hörnek' vergoldct ?Iulni-or>.

23) Dic Näuchcrung im Tempcl, auf der Opftrstätte und dem Proccsstonswege ist bekannt;
sür die Bcräuchcrung dcr in dcn Tcmpel einzuführcnden Anathemata spricht die Tradition in der
altern christlichen Kirche. — I'oll. l. I, 25 ^t/Itti-c-nör- x«!^«//SLci- Sr-^ttti-, -.ftxcv Lv
^uo/. et>. kilU8. V. 15, 6 u. A. Die Darstcllung dcr Räucherung findet sich auf vielen Bildwer-
ftn, namcntlich aber auf den gcmaltcn Vasen. Daher weiht man auch Thymiateria in den Tempel,
klvroch IV. 162. — Nach Luriz,. 3uu 88 wird Weihrauch im Delphischen Naos vcrbrannt: „von
der starren Myrrhc stcigt dcr Duft zu Apollons Dekkc (ö^o^or>s),'" jedoch räuchert die Pythia
sclbst dcm Apollon nicht mit weichlichcn Wohlgerüchcn, Weihrauch, Kasfia, Laudanum oder Myrrhen,
ftndern mit hcrbcm Lorbccr und Gcrstenmchl, klul. «lo v^tli. orav. 6, was ganz dem Weftn des
^cischen Gottes cntsprach. Die römischen Tempel dampfen bci Fcstcn von Weihrauch, sind mit
Kl'änzcn gcschmükkt, das Volk gcht in wcißen Kleidcrn, Liv. 15, 39; klutai-oli. Aein. kuul. 32.
Auch bei liueiau. t!o voa 8^1'. 3« ist das Znncre dcs Tcmpcls so von Weihrauchduft erfüllt daß
cc sich in dcn Kleidern dcr Bcsuchcr fcstsetzt. Zu dcn Naucherungen bedicnte man sich wie gcsagt
ftfibarcr Räuchergefäße, Thymiateria, turibulo, wclche oft aus Silber und Gold warcn; wie
l' D. das erwähnte Thymiatcrion im Pronaos dcs Parlhenon. Dic fcststehcndcn Thymiateria sind
Form kurzer Kandclabcr gebildct, oben auf stcht das Kohlcnbckken; bei Thcorien und Pompcn
ftuchcrt man mit tragbaren Nauchkcsseln, dic wohl ebenso an dcn Kctten geschwcnkt wurden wie
^ in der christlichcn Kirche noch hcute gcschieht. Es vcrordncte cin ausdrükklichcr Pythischcr Be-
schl die Wege (Proccssionswcge) zu räuchern, ?oll. I. 28.
24) koll. 1. 1, 32. lk'ft cruo rcöi- ftoäiv -rri>ti>ötti-ri/i>t« rcct^«(>zt0t, x. r. — Kloss.
I-alch. Krot(>tittt-n/otoi-' Aspoigillum, oiuuluni. ' Ltiuinuinilv. — vos^oli. Xxoi-t-
Aoi-- 17h cH-c-cci-)>/>-«/ <)( ssüttros 6)/oi-ros x«t «-.«§. cli-. Ari8t. kax. 956, wo Koi-c/b'oi-.
^ Die Pcrirrhantcria heißen auch )«!--«/. Uosz-oli. '^oö«i-/«t... r«H« üe 5r^>ö «ü-.x/oo
ir/i-LOtti- oüttros rr/.?/o>/, iü«, örrorL res i'L-.Li-r'i/<7LtLr-, o/ -ri>ös /,ut//ai-«7t<ö>- ^töv-
?rrot^öccor-i'«t.
25) 1°oII. l. I, 8. 8. Lt',/ ssar- ö u/r- Ltt-co rcssr- 7rxocöö«r-rr/c>/cor- r-örros, rr-öor- croös,
^Stkocoz<rr-os, X«öa>c7tc--UL1-0S, «M,Si/-.os. Doch kann man dics, wic auch Note 27 es bcweist,
"'cht ft dcuten daß am Eingange in den Pcribolos schon cin Perirrhantcrion gestandcn haben solle.
26) veioll. I. 51: ö zrer- -r«t§ öt' oö ^Lt(>ös ^LLt rö r>öa>(> ^«xLö«t-
.nor-/o-t, /orc oö u/r-rot rc-rr- /L /rLOtöoar'r>/o/c->r- oöö/rxoor-. Einc Anwcndung an solcher Stelle
könntc der schönc Erzknabe im Borbonischen Museo gcfunden haben, durch dessen Hand sich mittclst
eincs kleincn Delphins (cincs ursprünglich Poftidonischen, spätcr Apollinischen Symbols) das Wasser
^gießt. Zu ftlchen Gefäßträgern gchört cbcnfalls jener Knabe von Erz auf dcr Akropolis zu Athen
ö"- das Perirrhantcrion hält, cinc Arbeit dcs Lykios bci v->u8. l. 13, 8; daß dies Bild alsv im
^ebrauche war ist sichcr, wo cs aber stand ist nicht gcsagt, vicllcicht war scin Ort neben einem
^pftraltare untcr srciem Himmcl. Das Bild cines gcflügelten Knabcn in Form ciner Hcrmc der
eine Sccmuschcl als Pcrirrhanterion hält, befindet sich in der Sammlung dcr Abgüsse des König-
lichcn Gcwcrbe-Instituts in Derlin.
Daß die Pcrirrhantcria oft durch Znschriftcn ihrem Gebrauche enlsprcchciid bezeichnct warcn
^üßt sich ,uohl annchmcn, wenigstcns findet cs sich in dcr altchristliäzen Tradition, welche doch die
^uthaosis aus dcm Weihcbckkcn fcsthiclt, im Brauchc. Zch erinncre hicrbci an jencs mcrkwürdige
^lrogradc Epigramm (bci vu vaiiAe 6oii8ti,iiiii,vi>., es findct sich, wenn ich nicht irre, auch in
62

dcu Anthologie) das auf cine Phiale gcscheicben wae die als Pcnn'hantenon eince alten christliche>t
Kit'chc dicntc und im Atrium derselbcn stand: „Wasche dic Snnden ab, nicht das Gesicht allein."

Bcdcutungsvoll war auch in St. Sophia zu Constantinopcl das Quellwastcr welchcs das
Pclirihanterion dcr Klcriker und fülltc inncrhalb dcr östlichen Pforte dieser Kirche stand wo dic Gcisl-
lichcn ihren Eingang hatten; cs war als das Wasser dcs ewigen Lebens bczcichnct, indem sich ?l»e
Darstellung Christi mit der Samaritcrin über seinem Ausguße befand. Die Phiale aus Zaspis
im wcstlichen Atrium dicscr Kirche, aus der das Volk sich wusch, hatte springcndes Wasscr, war
umsäult c<7ro« und in jedem Znterkolumnium spie ein Löwcnkopf das Wasscr, daher
hieß auch das GanzeSolche umsäulten Phialcn hattcn oft cin crzencs Tholosdach. Dci
Erwähnung dicscr christlichen Wcihcbckkcn noch eine Bcmerkung über dic Form, die ebenfalls einc
phialenförmige war wie die dcs Perirrhanterion im Parthcnon. Nach Bunsen (Rom) stand eine
jolche Phiale mit cinem Pinicnzapfcn aus dem das Wasser sprang, unter einem Tholus im Atriuni
des alten iLt. Petcr in Rom. Zur Erklärung hier könnte der Pinienzapfen dienen wclchcr auf
dcr rcchten Scitc dcs Eingangcs zum Domc von Aachen stcht, und ncbst dem erzcnen Wolfe der
hier linkv ausgcstcllt ist, stcher aus Karl dcs Großen Zcit herrührt; ste ist kolossal, mindcstens 3 Fu^
hoch, hohl gcgossen, und jcdes dcr schuppcnähnlichcn Blättcr hat an dcr Spihc cin klcincs Vohrloch
odcr Röhrchcn zum Auslapcn cincs seincn Wasserstrahlcs. Man kann wohl annehnicn daß sto )N
cinem glcichen Dicnste wie jene Nömische gedicnt, und mitten im altcn Atrium des Domcs in eincM
Pcrirrhanterion gcstandcn habc. Dicsc Wcrkc führen auch zu der Vermuthung daß dic silbernen
oder goldenen Sprengwcdel wclchc hcut noch dic Form ciner hohlen durchlöchertcn Nuß von schlieh'
tcr Arbeit haben, bei dcn Altcn im Schema cincr solchcn kunstvoller geformten Zirbelnuß
arbeitct gewcsen sein mögen, so daß man durch sie auf die Form jener feststehcndcn Spreng-
knöpfe kam.
27) Za man möchte schlicßen daß das goldene im Pronaos, das silbcrne abcr ncbcn d-">
Altare im Naos (zum Gebrauch bcim Lpfer) gcstandcn habe, da dicses im Parthcnon so war;
denn 6. ss. k. I. no. 138 wird im Pronaos das goldcne, no. 110 aber sv 7-«,
crbStz, cin «7,000«,<r,/0,ov «o/oooor-, «o,«Auov angcgcbcn; letztcrcs ist also cbcnfalls cin örtlich
unverrükkbares und kann meiner Ansicht nach nur ncbcn dcm Altare dcr Zlthcna hicr gestandcn habcn-
28) Isitloi-. Oii§. XV. e. 1: volui, ra volei68 tlieolmiit tompla koii>68 Iiabenlia, >1"''
d»8 anto in8i-o88um üiluvliantui-, ot apimllai-i iloluliia a Oiluon.Io. Oh'nc daß W"'
uns an die noch unsichcre Etymologic von äoluln-um halten, geht wcnigstens die Existenz und dcc
Gebrauch des Wcihwassers vor dcm Eingange des Tcmpels daraus hervor; cbenso aus der vcrsuch-
tcn Etinnologie bci 801-v. ail > i i-§. 7^011. IV. 56: <Iolut»i-uin üielum zn-ojiloi- laeum in >!""
mauu8 aliluuiitui- ote. wo Iae»8 nur Perirrhantcrion; auch die Stcllc bci dcmselben II. 225 wo
iloluliium nach Cincius crklärt wird als dcr Ort anlo iomzilum ulii a<jua eui-i-it a ililuoi-o, gehö^
hicrhcr. Sehr selyam A^con. in Oie. vivinat. voluln-a iu <iui>iii8 8imt laln-a eoi-inn-ui»
luouiloi-um »>01 tnvi-un, (?), ut voilouaoi 3ovi8 aut AjioIIiui^ volziliiei, in ijuoi-um ,lolu>"'^
Iol,eto8 ti-!i,0tlo8<iuo vi8uutui-.
2V) Von dcn Bcispielcn dic sich für die Lcitung eincs Wasscrs in dcn Tcmpcl dicscs Zwck-
kcs wegen findcn, will >ch „ur cinigc anführcn, wobci N. II zu vcrglcichcn ist. Bci vai,8. v- 17, ^
wird das Waffcv dcs Asterivn, welchcs abcr in dicseni Fallc schr bcdcutsam Elcuthcrion
gcnannt ist, untcrirdijch in das Hcraion gcführt; II. 20, 5 flicßt eben so dcr Bach untcr dcw
Tempel hindurch; Dcrj. I. 21, 7 jst der Qucll Halirrhotia im Tcmpcl des Asklcpios sclbst.
Kassotissprudcls im Dclphijchcn Tempel ist bercits gcdacht; ihm glcich ist dcr mantische Qucll 'M
63

Tcmpcl dcs Apollon zu Hysiä, ?au«. I. 21, 7, so wic dco dcs Klanschcn Apollon, ekr. ?Ii». H.
N. Iv6. — di« Aedcs dcr Vcsta zu Rom sührt einc Wasscrleitung von dcr Quclle Egcria ?>>».
li. X. XXX 9 und II. 95; ?>ut. Kuma. 13. Ebcn so führt cine Wasserlcitung in dcn Tempcl
d-s Kapitolinischnr Zupitcr, Api>ia». I-e». eiv. 1,32. - ?o.^ucvi»c (vo^c »a»8 1a 6-eee) fand
n°cl, untcr dcn kyklopischcn Trümmern dcs Dodonäischen Naos dcn lcbcnd.gcn Quell dcs Heiligthums
v°n wclchcm ?Ii». K- N- N- 106 crzählt daß er s-hr kalt sci, dabci abcr doch cinc Fakkcl cntzünde
wenn man sic dcm Wasscr nahc bringc; man nanntc ihn «i-«^«uo«ki-oi- wcil cr Mittags ver.-
schwand, so dann wicdcr wuchs, um Mitternachl überfloß und nach und nach wiedcr abnahm.
Lchtercs ist wegcn dcr vulkanischen Natur dcs Epirotischcn Vodens wohl glaubhast. Auch emes
Sccs bcim Orakcl dcs Zcus Ammon gcdcnkt cr hicr, s° wic dcs Orakclwasscrs im klarischcn Apollo-
h-iligthumc und dcr Qucllc ^ios SkoSo--« auf Andros, dic an gcwisscn Tagcn im ^ahre cmcn
W-ingcschmakk annahm. Dcr Mccr- odcr Salzbrunncn in Poseidontcmpeln findcn sich v'-!c und
bckannlestc ist dcr Salzbrunncn auf der Akropolis zu Athen im Lcmpcl dcs Postidon rc ).
th°us, ncbcn dcm sich auch dic Triäna und cin Altar dcs Poscidon bcfandcn; s° dann dcr im
'doscidontcmpcl auf dcr Akropolis zu Milasa ?a»8. VM. 50, und im Poscidonion bc. Mant.nca bc.
d°n> Eichcnwaldc dcr Pelagos hicß, w° dcm Aigyptos bcim Eintrittc cinc M-crcswclle cntgegcn-
sp'ang und ihn blind schlug, wcil der Tempcl -in Adyton war; mcrkwürdig daß dicscn Tcmpel cbcn-
s«»s wic dcn altcn Dclphischcn dcsscn Stattc frühcr glcichfalls dcm Poscidon gehörtc, dcr Apollo-
s°hn Trophonios crbaut hattc; mir schcint dahcr dic Dclphischc Kassotis cin mincralsalzigcs kohlcn-
saurcs Wasscr gcwcscn zu scin, da cs allcn altcn Zcugnisscn nach °'-r°g°>'d w-rktc Auf cmcn
^ucll im Tcmpcl dcr Hcra, wcnn auch kcin Blutqucll, dcutct auch wohl d.c Gcsch.chtc b°. All.eu.

^'Von Qucllcn im P-ribolos dcs T-mp-ls, vgl. H. N. 6; Pausanias führt bcinahc bci dcr
Hälftc dcr Hciligthümcr die er crwähnt, Qucllcn -m Pcribolos odcr... unnu tt-barcr Na^ am
3V) ?NU8 IV 33, 2 Aus der Klcpsydra zu Mcsscnc w.rd tägl.ch stlschcs —asscr m das
Hi°'°n dcs Zcüs Zthomatas gctraqcn; vcrgl. dcrst II. 10, 4 wo dic Pricstcrin -.ou^oPopos 'st.
Di- 3N Lnkiadcn zu Sparta müflcn cbcnfalls solchc Wasscrträgcrinncn g-wcscn scin wclchc abwcch-
s°>nd (vicllcicht j-dcn Tag im Monatc cine) dics Amt verrichtctcn; cbcn s° d.e Hcrscpho.cn zu Athen.
Auch dic Vcsialinncn schLpfcn täglich fris-hcs Waffcr aus dcr Muscngucllc um dcn T-mpc zu rc.-
nigcn und zu bcsprcngcn; ?Iu.ar°I.. 13. - Daß daS Wasscr zur Katharsis vcrsch.cdcn war
b-stätigt auch ?>.ilo 6e Sacrist P- 848 6- oi «-Ko. o/kssoi- «Erk§ «st./k- rrkp.ö-
p«/vovr«i- ,-kU oi rro-.-.o-, Sk -ror«,.o7s, oä ök -.«-.Trk^ L-c rr^ro^ «Loo-
Lui-ix. Ipl.i^. 'l'anv. 1192: 5r>-)«-orv st§«rcoi- S«-.«oo/« SpoOM.
Es ist obcn N. 27 cin goldcncs Perirrhantcrion im Pronaos und ein silberncs in der
Tella des Parthcnon angesührt. Von dicsen gilt natürlich nicht dic Fordcrung daß täglich frischcs
^asser in ihncn sci, sondcrn nur an dcn Tagcn an wclchcn diescr Tcmpcl gottcsdicnstlich gebraucht
wurdc, nämlich an dcn Panathcnäcn, was auch süc alle dcm ähnlichc T-mpcl wclche cbcn nur Fest-
h°iligthümcr sind anzunchmen ist; Tempel dagcgcn wie z. B. dcr dcr Polias dasclbst odcr dcr des
Apvllo» zu Dclphi, die täglich g-Lffnct warcn, mustcn bcständig frischcs Weihcwasscr im Pronaos habcn.
31?Dic Hciligkcit dcs Salzcs bci den Alten und dcr Gebrauch dcssclbcn bei jcdcr Opftr-
wcihe ist bckannt Ainol,. ll- p- öl'- ^aeras stacilis moimas salinoium appnsilu, et simulacri«
'lvvium- l'liu. lX. II. XXXI. 7, 41; Ov,6. kast. l. 337. Dahcr gchörte dic Bereitung u»d Auf-
bcwahrung dcr Salzlake und der mola salsa zu dem hciligen Amtc dcc Vcstalinncn, das salinum zum
hciligcn symbolischcn Gcräthe dcr Scnatoren; 8oi-v. V. Lclos- Vllst 82 und Aon. H- 133; ?o8tus
p"d k-,ul. viaco» 8. v. Nurics; H.cocrit. XXIV. 94; Liv. XXIV. 36; ?»»- ^ >1- ^^Xlll.
64
12, 5-1. Den Zwckk des Salzcs wclchcs man in das Wcihcwasscr warf crsicht man aus 1'Int. 'I'-
Is. ot Osir. 5. Hier wird cs als cin heiligcs Gesctz der Aegpptischen Pricster angcgcben daß sw
bci dcn Rcinigungsbräuchcn das Salz ausschließen, wcshalb ihnen auch das Mccrwasscr cin Zlbschcu
>ei; indcm nun Plutarch den Aristagoras tadclt daß diescr als Grund dafnr angiebt, das Salz
gcltc dcshalb sür unrein weil cs bei seincr Dcrdichtung klcinc Thicre cinschlicße und tödre, so hat cr
nur für dic Aegyptcr nicht aber für dic Hcllcncn Necht, weil die Aegyptcr bckanntlich Thierdienst
hattcn und der Genuß eines gestorbencn Thicres verunreinigte, dahcr sie auch dcn Apis aus cinem
eigcnen Brunnen und nicht aus dcm mit kleincn lhierischcn Lebcn angefülltcn Nilwasser tränkten-
Grade also wegcn dieser Eigenschaft des Salzes, das Wasscr von solchen thierischen Bcimischungen
zu befreien und sic niedcrzuschlagcn, halte ich für dcn Bewcggrund seincs Gcbrauches bci den Hclle-'
nen. Daß das mil Salz vcrmischte Wasscr sich ohne Fäulniß erhält ist bekannt; oolninolla Vll.-I-
Oaolostis iiliua 8>il, ilio sulilni« «luiiilki.
Einen ähnlichen Grund mag dic Sittc habcn anstatt dcs Salzcs Kohlcn und ihre Aschc
zu gebrauchen, Vori-o k. II. I. 7. Bei dem Opfcr tauchte man Fcucrbrände vom Altarc in das
Wasser des Wcihcbckkcns und bcsprengte dcn Altar und dic Opfcrndcn damit, Ai-i8loi>Ii. ?i>x. 95'
8llci. und I,)-8i8ti-. 1131; Atlion. IX. 76; IIo8^oI>. s. v. //«-.rc-r-.
Für dcn Gebrauch dcs Meerwasscrs zur Katharsis ist allcin schon hinlänglich zcugcnd
Lui-ip. Ipl'. rsui-. 1093 und 1193: das Mccr spült allc Schuld des Mcnschcn ab; vgl. N. 29.
32) Die Bekränzung vor jcdcm Gebctc bcdarf kaum cines Erwciscs, vgl. N. 3; X»'«"-
XV. 674flgg., wo umständlich darübcr gesprochcn wird; OI»t.»-cIi. I,^ouiA. 26 u. A. Im Allgemcü
ncn diente das dcr Gotthcit geweihtc Gewächs zum Kranze. Bckanntlich warcn dem Zeus und dcr
Athena dcr Oclbaum gcwciht, Ephcu und Wcin dcm Dionysos, die Ährc der Dcmctcr, die My">)c
dcr Aphroditc. Achnlichcs gilt auch von dcn Blumcn; so warcn Narcisscnkränzc dem Dionysos heil'g/
^tlivu. XV. 678; Noscn der Aphroditc; nach kaus. II. 2», 5 bekränzte man sich mil Astcno"
wenn man den Tempel dcr Hera bctrat, cinc Pflanze welche unwcit des Tempels am Bachc gleichcs
Namens wuchs dcr das Wcihewasser in das Hicron gab, auch brachte man dcr Göttin selbst Aste>
rionkränze dar. Kränzc aus Kosmoiandalon wcrden gcbraucht wenn man in dcn Tempel dcr
mctcr zum Opfcr und in dcr Pompa geht, kau8. II. 35, 4; das. II, 3 werden bcim Fcste u»b
Opfer dcr Eumcnidcn Blumcn ansiait der Laubkränze gebraucht. — Tamariskcnkränzc müssen bic
salschcn Zeugcn zur Schandc tragen Oiocl. I'i-. Xll. 12, bei riiu. IV. 8. XVI. 44 gehört die Ta-
mariskc zu den i»loliei6u8 r>!-lioi-ili>i8. Da dcr Lorbccr dem 'Apollon gewciht und ein Symbol dci
älatharsis ist, so kränzte man sich mit dcmselben wcnn man in scinen Tcmpel cinging. Eincn Grund
weshalb dcr Lorbcer dem Apoll heilig nennt 8orv. Vii-F. Lolog. VIII. 13; cincn andcrn Grund giebl
cr cle». III. 359 pei- Iaui-08 Loouiautis Foiiiis, und Aon. I. 33V vom Apollon redcnd: cui laui'i»"
iiloo ooii8ooi-ot.il», tjlli» iwoo iirtioi- 8iif6inonti8 jiiiiba>loni6u8cjuo iiclliiboiitui- ut 0 8toii>Io
lur »ullii,,, toinpluiu oi»8 ui8i pui-uin in^i-oüi clviioi-o. Auf dic sündcnsühncndc K>'N^
des Lorbccrs >pielr auch Vv8t. p. 117 an: liiiuroiiti niilito8 socjuoliaol»!- oui-run, ti-iunipl»»'^^
ut tjiii>8i pui-jjiijj n euoclo Iiuniiinii intiaront »rlioi». ItiNjuo oiiniloin liiuruni uin»>b»^
8ukülioni6u8 iiclliiljori 8olilum oral, vol «juocl nieclici»»ontr> vici88irno 8it, vol ijiiocl vi»»> >""'^
poro viret ut 8innlitor ro8pul,lic.i virerit. Seltsam ist dcr Glaube der Alten daß Lorbecr »icist
vom Dlitze gctrosscn wcrdc, wcshalb dcr furchtsamc Tibcrius stcts cinen Lorbccrkranz bcim Gcwittel
trug, 8uolon. Iibor. 69. Auch nach 8orv. Utl Vii-F. Aon. I, 394 wird wedcr dcr Adler, ci^
u>ini8tor chovis, noch dcr Lorbccr vom Dlitzc getroffen, dahcr rühre dcr Lorbeerkranz des Zupltet'
und es würdcn die Triumphakorcn mit Lvrbccr bckränzt. I^Iin. X. II. 15, 40 sagt übcrhaupt daß dee
Ort odcr das Haus wo Lorbccr gepflanzt sci nicht vom Blitzc getroffcn werdc (wohl dcshalb weil cr
ursprünglich dem Zeus sclbst heilig war) er nähme sclbst das Feuer gar nicht an, cs dürft «uch
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weder Lorbeer- noch Oelholz zu prvfanem Gebrauche auf dem Hccrde verbrannt werden, sondcrn
er dicne zum Räuchcrwerk und zur Rcmigung nach dem Atorde der Feinde. Sichcr der lehtcren
Ursache wegcn mögen ihn die Triumphatoren getragen haben wie Fcstus oben zeigt, nicht aber dcr
andern Meinung wcgen die Plinius mit Servius thcilt, daß er gcgcn dcn Blih schühe. Den
Lorbeerhain der nach eincm Haruspex aus dem cingcpflanzten Zweige entstandcn war welchcn eine
Henne in den Schooß dcr Livia fallen licß, sah Plinius nvch bci dcr nach diescr Begebenheit ^<1
SaUinns gcnanntcn Villa dcr Kaiser: und bcmcrkt, daß Zweig und Kranz aus dicsem Haine jeder
Kaiser von nun an beim Triumphe gctragen, und sich die Sitte festgcstcllt habe dicscn Zweig nach
beendeter Fcier cinzupflanzcn, wohcr denn die vielen Lorbcerwaldchcn um Nom cntstandcn seien welche
nach den Namen der Kaiscr benannt wärcn. Seincr Vcdeutung wcgen als Zcichen dcs nach crfolgter
d^einigung und Suhnung cingetrctencn Friedcnszustandcs so wic der Unverletzbarkeit und Frcihcit dcr
^erson, rrugcn dcn Lorbccr auch die römischen Gesandten, umwandcn die Fcldhcrrn ihre Sicgesbriefe,
bic Liktorcn ihre Fasces und die Soldatcn Lhre Spccre damit. Dcn getragcnen Lorbeerkranz legte
ber Triumphator auf das Knic des Kapitolinischen Zupitcr niedcr, cr wurde also dcm Gotte dcr ihn
""lichen zurükkgewciht. Als mpthologischcs Vorbild für jene Sittc dcr Triumphatorcn mag, außcr
b" hcllcnischcn Daphnephorie bci Tlelisn. V. U. III. I, noch dic merkwürdige Sage bci 8orv. Virx.
VIII. 13 angcführt werdcn: daß Aeus den Lorbcer in msnu Iisbuit, ljusnilo ritsiu,8 vioit.
Dcn Gebrauch dcs Lorbccrs kann man nach alle dcm mit Necht als von dcn Hellencn cntlchnt betrach-
zumal die Beschikkung dcs dclphischcn Orakcls schon von dcn Römischcn Königcn bckannt gcnug
'sn Auch daraus geht nvch die Bcdeumng dcr Neinigung hervor dic er bei dcn NLmcrn bchiclt, daß
b'e Triumphatoren die ohne Schwertstrcich und nur durch güclichcn Verglcich gcsicgt hatten, am
liott dcs Lorbeers das heilige Myrthcnreis dcr Venus trugcn. Nach ällien. XIII. 605 hattcn die
s^ietapontier in ihrer Stadt eincn Lorbcerbaum aus Erz vor dcm Tcmpcl dcs Apollon errichtet.
33) Iliii-ip. 3on 103 c77-c<xk<7rr, LcroAovg und
öwar lhcils um das Heiligrhum mit dcr gottgcweihtcn Pflanze zu schmükkcn, thcils um die Kranz,
)wcjgc stix ^ie Eingehcndcn zu berciten, dcnn cs war V. 130 heut gerade dcr Tag wo Ocakcl ge<
^bcn wurdcn. Auch Chryscs bckränztc, L<7rkPtt><co<76, dcn Tcmpcl dcs 2lpollon, Inio. <I« 8:ici-il. 3.
s'lnl. x.iul. 32. Bei Imeian. rim. I. ist cs srcilich nur noch altc Gcwohnhcit dcm Zcus
Kränze zu bringcn; ders. Oo 8sei-ik. I. und Lis Xceii8.
31) Vgl. Luriji. ^on 102 wo der Dodcn des Pronaos mit hciligcm Wasser bcsprengt wird;
b>cs gehörte also mit zum Dienste der Ncvkoren wclchc dcshalb auch Sckokorcn hcißen; vcrgl. I.
^-I,e. Hicrzu Ile^oli. s. v. ^'i/xoxooos' xop6<v, «rrö roü xttHövktV rö 6ss«Po§. —
^cvpbi-. <1Iex. 1165 s-6«§ ö'ö</6/.ro6öoot'<7t7- xo<7/<oö<7tK rrköoi-, öoö<7« rx </o<^tt<7oo<7<v,
"">zu wahrscheinlich die Erklärung gchört -1nec<I. Lscliu,. II. 267: rsss <-6«s r-tt-.tiroö<7<. — -rö
xo<7/<oü<7«t. Dcr Vesiatcmpel wird täglich mit heiligem Wasscr besprengt, ?I„t. IVums 13;
Tempcl dcr Syrischen Göttinn Mccrwasser ausgegossen, I-ue. üv 8z-r. 13.
Außcr dcm Naos, dcssen Baustclle und Grundstein man schon mit Wasscrspenden weiht, vgl.
^c. Ili^t. IV. 53. wurde sclbst das Kultbild an Festen mit Weihewasscr besprengt, Die.
Aniisl. jg, I,:,u8ta r»iua Icmplum et ^imulserum veso i„-o8per8um e8t; vornemlich
wcnn Bild und Tcmpcl durck cincn Frcvcl, oder durch Berührung ja sogar bloß durch die Ge-
Lcnwarl cincs Unrcinen beflckkt wordcn war, in wclchcn Fallen dic Sage das Kultbild sich aus
lcinem Bathron umwcndcn oder die 'Augcn schließcn, oder dieselben von dcm Gegcnstandc weg
>wch dcr Dckke wcndcn läßt. Hicrfür ist zeugend Lurip. Ipl,. lksur. 1011 wo das Kultbild ge-
>'eii,igt werdcn muß wcil cs dcr Mördcr Orcstes berührl hat, während cs sonst nic vom Bathron
hinweggenommen wurde; dcshalb trägr cs Zphigcnia 1177 an die frcie Luft ön' «tAsp«, nach
n. 9
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V. 1165 hatte es stch wegen des Feevcls auf scinem Sitze umgewandt und V. 1167 die Zlugen ge-'
schloffcn, bcdurfte V. 1199 flgg. daher der Neinigung. — Auch mit Rauch, bcsondcrs Schwefclrauch
wird in solchcm Falle der Tempel durchräuchert, sodann Bodcn und Wändc durch heilige Aweige
die in Salzwasser gctaucht sind besprcngt. So 'Hieocrit. 16. XXIV. 94 vom Hause LTreir-«
-Mp^«/r-ktr- /<7rx«/txr-or- tt//-«Ms fur den Tempcl
Lui ip. Ipliix. raur. 1217 wo Zphigcnia dcm Thoas befiehlt, während sie zum Meere hinabgcht umdie
Gefangencn mit Seewasser zum Opfer zu rcinigen, im Hciligthume zu verwcilen und «^r-cc-or-
.«x-.«A(,or-, damit sie es gereinigt wicdcr finde, x«A«pöi- ^o'-.xs -rch-.cr-. Zcdoch gcschah eine
gewisse Ncinigung dcr Kultbilder, bcsonders dcr Xoana, an gcwissen Tagen im Zahre iiberall; dabei
werdcn sic von ihrcm Sitze gehoben, auf cin festlich bcrcitctcs Lager (---.rr--Sroi-, ller-z-ol,. //-«---Ä
gelcgt, cntkleidet, gcreinigt und cmpfangcn cin ganz neu gearbcitelcs Kosti'im wclches natsirlich vorher
cbcn so spmbolisch gercinigt, gewaschcn und gewciht sein muß; cin Akt bei welchcm alle Diencr der
Gottheit in Bewcgung sind. Hiefür ist zu vergleichcn das Bad des Pallasbildcs im Znachos, wobei
Badejungfcrn (-.c-rroo^oor), und Matroncn (/xo«o«Zx^) zum Ztus- und Ankleidcn, /1nvo6. vokd-
p. 231 s. v. H«p«'ssx§,- viillimgoli. Lsvaci-. k.ill. 35. — ^Ep/Sx§ dcr Athena Polias z»
Athen, Hcü/cli. und kliot. s. v. -.ourp/öxs, wo Lehtcrcr sic auch dcn Plpntridcn gleich scht. Zi"
Ltz-m. AI.ix-n. p. 494, 25 wo Kataniptes als dic zum Rcinlgcn dcs Saumcs vom Peplos bestimmte
Pcrson crklärt wird, ist siV-hcr daruntcr nur die spmbolisssze Neinigung init Wasserbcsprengcn gcmcint-
Vgl. 1'Int. tzuaost. Rom. 61 wo die Priester für das Bild Bürgsckzaft lcisten müsscn wenn sie e^
zum Badc führcn. Auch das Götterbild bei Imv. 6o Dvii 8)-i-. 33 wird jährliss) zwci Mal zi»^
Äcceic gcsnhit und gcrcinigt; ebcn so das Bild dcr Athena Polias, 8ni6ri8. r-0)t0^i--.Lc-cLs.
Vcrunrcinigt war schon Tcmpcl und Opftrstätte und bcdurftc dcr Katharsis wenn Zcniand
darin ausspukkte oder sich im Angesichtc dcs Kultbildcs die Nase schncuzte odcr cin Schmähwott
ausstieß, /li-rian. 6is8. Lpiot. IV. II, 32; ?Iut. 8olon. 12; noch viel mehr abcr jcde heilige Stätte
wcnn sie durch or.'-p«/r-kt^ odcr derglcichen vcrunrcinigt war, Chrysippus bci I'Iut. 8toio. i-epujzn- 22-
An ciner andern Stelle, Vv 8upvr8tit. 3, sagt Plutarch von Abcrgläubischcn: s-hen wir nicht ft
wohl darauf daß die Zunge dcs Opferthieres rcin und von gchöriger Beschaffcnheit sei, als viel-
mchr darauf daß man dic eignc Zungc nick)t entstclle und bcflckke indem man durch unschikklichc unb
rohe Ausdrükkc dic Würdc dcr Neligion schändct und sich so vcrsündigt.
35) Von Tcmpcln wclchc nur zur Fcstzcit gcöffnet und goltcsdicnstlich bcnutzt sind,
welche also außer diescr Zcit Nicmand Eintritt hat um cine Handlung des Kultcs zu vcrrichtcn, keiuit
Pauftnias einc ganze Anzahl, und ich will als Bcwcis mciner Ansicht mchrerc davon anfühi'e»'
?aii8. VI. 25: Tcmpcl des Pluto zu Elis nur cin Mal im Jahre gcnutzt; VIII. 41, 4 TcMpcl
dcr Eurynome bci Phigalia nur an eincm Tagc im Zahre zum Feste und Opftr gcöffnct, außcr^
dcm kann Niemand hineingchcn; VIII. 47, 4 wird dcr Tcmpel der Athcna Poliatis auf d"'
Zlkropoli» zu Tcgca nur cin Mal im Zahr gcbraucht; IX. 16, 4 dcr Tcmpel des Dionysos Lysi^
zu Thcbcn wird i„> Zahre nur an einigcn Tagcn, natürlich zum Fcstc, gcöffnct; X. 34, 4 TeMpcl
der Artcmis zu Hyampolis nur zwei Mal im Zahre gcöffnet, man hat außcrdcm keincn Eintritt
uni dcnselbcn zu bcschauen; bei I>emo8lli. e. Xlvaora wird der ältcste Tcmpel zu Athcn, dcr dcs
Dionyjos Limnatis nur cin Mal, am 12tcn Tagc des Anthcstcrion gcöffnet.
Diejc Bcijpiele mögcn vorläufig genügcn um mciiic 2lnsi6)t zu bclegcn und cs zu bckräsi
ligcn daß dcr Paithcnon nur ein Ncbentcmpcl des Tcmpcls der Polias, nämli6) das Tanicioii
dicscr Göttinn wai, dcr cbcn nur zu eincm solchen dicntc und daher au6) den S6>atzmcister dcr
Göttin übcrgebcn war; cr gchörte nur zum Festapparatc der Panathcnäcn, wurdc gottesdienstllch
an diesen als Weihetempcl dcr Agvnikcn gebraucht und war nur dann dem Volke gcöffnet; >th
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glaube cndlich daß dic Stellc bci ?laut. Laocli. IV. 7, 59: IIIu uutoni in ncoon, sbivit aoüem
Alinervuo. Xuno ui>ertn est; vi8e, eslno ilü k wozu noch klnut. Alere. I. 1, 66
und ?Ia„t. ap. 8erv. Virx. Xen. I. 583 zu ziehcn sipd, bckcäfrigcnd genug hierfür sein wird.
36) Nach Hgrziooralio» s. v. und dcn Urkundcn im 6orp. Insoript. war dcn
Echahmcistcrn das ganzc Vcrmögcn so wohl die Analhcmala als auch die Gelder wclchc die Polias
bcsaß, in den Naumen dcs Parthcnon übergcbcn; sic übcrnahmcn es urkundlich bcim Anlritte ihres
Anites, haftctcn dafür und übergabcn es am Ende ihrcr Dicnstzcit eben so ihrcn Nachfolgcrn. Die
Tchähc warcn glcichmäßig in dcn vicr verschlicßbarcn Näumen des Parrhcnon vcrtheilt. Nämlich
>m Pronaos, nach 6. 3. k. II. n. 138 s<i<i; jm Hckatompcdon odcr dcn obern und untern Portiken
'nncrhalb dcr Cella, I. e. n. 1-10; im cigentlichen Parthenon odcr dem durch dicsc Portikcn um-
schlossenen mittlcren Naume wo das Agalma stand, wclcher theilwcise subdial und dcshalb Hypä-
chmm war, I. c. n. 139; endlich im Opisthodomos, I- o. §. -16. Daß »un von ciner Uebcrnahme
bcc Vcrantwortlichkeit keine Ncde hätte sein könncn so bald PronaoS und Cclla stets zugänglich
waren, vcrstcht sich von selbst. Wcnn daher dcr Parthcnon für Gcschästsangclegenhciten gcöffnel
wurdc so gingcn die Bchörden durch dcn Dpisthodom und von dicscn in die übrigen Näume; des-
^lb hatten sie auch nur nöthig die Thürcn dcs lchtcrn Raumcs wohl zu vcrschließcn und zu ver-
swgcln, wic dics dic Znschrist I. c. n. 76 deutlich besagt, ohne dic Thürcn zum Pronaos und zur
^lla zu benutzcn, indcm dicse sicher von cincm Festc zum andcrn vcrschlossen blicben.
Daß übrigcns auch kostbare Anathcmata aus dem Schatzc andcrcr Göttcr im Parthenon
»Ufbewahrt wurdcn zcigt dcr obcn crwähnte Marmor 6. U. II. nr. 139, §. 46 wo sich im
^pisthodomos cinc Menge Gegcnstände befindcn die dcm Tempcl dcr Brauronia angehören.
Das Vcrsiegeln dcr Thüren von Schahkammern, Vorrathsräumen, u. s. w. ist eine uralte
Sittc dercn viclfach Erwähnung geschieht. Am bckanntestcn ist dic alte Geschichte vom Thesauros
Hyricus dcn troh seincr Vorficht die cr auf die Thürcn wcndct, xcre <7,-/tkt«
«^.« oocöv dcnnoch Agamedcs. und Trophonios durch cin Maucrloch bcstehlcn; vgl. Luc.
^lwoii. 7 8(^1. und vioFdios Imört. IV. 59 wo auf einc andrc Wcise der albcrne Lakydcs betrogen
wwd und dic Dicbercien in dcn Speisekammcrn wclche bei Ari^loiili. Mie^moiili. Iläsliii. die Wei-
ber begchcn indem sie das Sicgcl des Manncs nachahmcn, bis dicscr cndlich cin unnachahmlichcs
^"schast machcn läßt. Die Vcrsicgelung der Thüren dcs Opisthodomos vom Parthenon ist oben er-
Wähnc 6. 3 I'. II. in-. 76. < l>. ^i'piaii. 8. 6iv. II. 98 A",/«1-c-«x i-o^ <)« rostg «7r«r-v«§.
^crsiegeln der Tcmpelthürcn hintcr dcncn die Kcsscl mit Wcin, vi-us. VI. 26, 1 «-^«^tS«§ ssx «stroc
^ 0, tkokt§... 7«tF i9u(,«t^ 6n-t^«^-ou<7ti-, dazu tVtlien. I. 34. Daher findet man in dcr Negel
Schlüsselbundc noch Sicgclringe oder auch ganzc Bunde bloßcr Siegelringe in den Musecn.
Ucbcr die Art des Vcrsicgclns dcr Thüren weiß ich nichts zu sagen; viellcicht bcfanden
s'ch auf beidcn Thürflügcln gcwisse Vorrichtungen, Siegelkästen, die man durch ein Band odcr
k'ne Schnur so verband daß jedcs Ende in dem Kasten das Siegel aufgcdrükkt crhielt. Es ist
N"ch möglich daß man dic Bändcr odcr Schnüre durch Löcher in dcn Flügcln zog, sie vcrknotcte
"nd die Endcn zwischcn ein obcrcs und untcrcs Sicgcl legte, wic dics bci Schrisren gcschah; vgl.
^nul. 8out. XXV 6; so auch bci I.uc. Xlox. 21 wo das Sicgcl nachgcmacht und cröffnct wird;
X. 38, 7 wo von ciner t7k<7i/,tt«<7ttki-i/ ssr^i'tis mil <7ss(,«^ch vcrwahrr dic Nede ist; I-uc. ll'im.
" ^9<I. wo auch als LLsen dcs Sicgels und Zerschnciden dcr Fädcn bci Eröffnung der Tcstamcnte
'"Nvähnc wird.
Dcr Verschluß, nicht allein des Pronaos sondcrn auch des Postikum odcr dcr Halle vor
bcm Opisrhodom des Parthcnvn durch Girrer in vorcrwähnter Weise, ist an den Säulcnschäftcn und
Anten durch die Löcher noch zu crkenncn in wclchen dic Erzstangen des Gittcrs eingcfügt waren;
9*
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ebcir dassclbc findct sich an dem sogenannten Tcmpcl dcr Nemcsis zu Rhamnus, dcm dcr Athena
Pr'onala auf Sunlum, auf Aegina, u. A.; vgl. den dcutschcn Tcxt zu Stuarts Wcrke I. Th. S. 387
und 3-15, ivo auch noch von nicdri'gen Steinbn'isiungcl! in den Znterkolumnicn die Nedc isi auf
welchcn dic mctallencn Gitter gcsianden habcn sollen (?). Solche Gitter heißcn /-xooss/-«-. D-e
nicdrigcn Gittcr zwischcn dcn Säulen dcr Antcn die Vil,-. IV. -1, 1 xluloi ncnnt, welche wahrschem-'
lich bci stcts zugangbarcn Tcmpeln nur als Schrankcnthürcn dicnten, mögcn wohl nach Photius die
rosi /x(,or) or--ov scin; vgl. Tektonik, I. B. Dorika S. 112 N. 6; rlnoo.I. Rokk. 271,
33 wo sic Tliioeü. kgelim. I. 202 und II. 213; I^coplii-. -Uex. 8eliol. acl 751-
Lt^m. AliiAii. 513, 4 bcschrcibt svlche r-e/r--,-Ax§ als nctzförmig gczeichnct; auch zwischcn den
Saulen der Privatgebäude oft solche Gitter, viFest. XIX. I, 17, §. 3 reticuli cii-cr, columnas,
xlutoi ciroa i,.niolo8; vcrgl. VII. N. 10 U. 11.
37) Daß cs mit dem Hause der Polias dicse Bcwandtniß hatte, schlicßc ich aus folgcndcn
a.hatsachcn. Homo8lli, c. Xeaera ncnnt die Tcmpel -xp« <5r//-07-x-,rs in wclchcn dic Gcnicinde
ihrcn Gottesdicnst vcrrichtct, und in dic jcdcr Frcmde nii't Erlaubniß dcs Gesctzcs Zutritt hnt
um sich umzuschaucn odcr Gebet und Wcihung zu vcrrichtcn; cin solchcr muß dahcr stcts geöfsnct,
Pricstcr odcr Pricstcrin stets gegenwärtig scin, vcrgl. 8cliol. ^ri^licl. k.in-rtlien. I. 121, 10 vi»0-
Diiv ist abcr dcr hall mit dcm Tempcl der Polias. Dahcr kann liuoian. vmcator 20 dic Phi-'
losophie sagen lasscn: kommt wir wollcn uns in dcn Prvnaos dcr Polias sctzcn, Pricsterin rükke
uns Vänke zurecht. Auch König Klcomcncs bci voi-o.I. V. 72 trifft die Pricstcrin auf ihrem
Thronc in dicsenr Tempel, jedoch tritt er gcgen das Vcrbot dersclbcn cin; cs bcfindct sich »uch
wie im Prytancion cinc cwige Lampe in der Cella, von der man das Nauchopfer cntzündcn ka>m,
8c1iol. -1ii8li«I. v.ninillien. I. p. 46 sagt 77Öp ssx ö-ch?x<7r-or- r-«- ttss-tt-,x-7rr-<vp r-c--c-t-kr'or' ^
'^<9r/o«-§ ^r- 7--ss -x^yr r-ssg rr«<9' -c>roo-«r' 7-o-«07-,/rr, mit dcr Erklärung p. 18 dasi
dcur Hcphaistos als Entschädigung seincr nicht crhirtcn Zuncigung zur Athcna dicses cwigc Fcucr
(tt<7/§xc>r-or- ,srrr-or- 70 T-r-o) gestiftct wordcn sei.
38) Zch glaubc kaum daß es eincs Erweiscs bcdürfc wie die vcrschicdcnen cinzclncn Seite»
und Ausflüsse dcs Wcscns der Athcna, cbcn so durch cntsprcchcnde Epithcta bczcichnct wcrdcn als
sic in dcr Bildkunst durch cbcn so viel untcrschicdlichc charaktcrvollc Gcstaltcn zur bildlichcn Dar'
stcllung gebracht wurdcn, und wclchc zusammcn in der cincn Gotthcit welchc Polias hcißt, vcrcint
sind. Für die Scite dcr Zlthcna als Mutter, Kinderpflcgcndc, u. s. w. sind l!I. §. 1. einige Bcispiele
airgcgcbcn; auf andrc ihrer Scitcn die in cbcn so vicl cntsprechcnden Kultgcbräuchcn, Kultörtcrn und
Standbildcrn in Athcn rcpräsentirt waren, will ich nur ganz kurz durch Folgcndcs hindcutcn. Eine
ihicr Scikcn war die cincr Promachos, unter wclchcr sie Phidias in dcm bckanntcn Erzkolosse
daigcstcllr hartc. Sic war Athcna als Nikephoros und als solche im Parchcnon gcbildct und hieÜ
ohnc Wcitcres Nikc odcr Polias Athena oder Poliuchos; 8oplioel. iii viiiloel.'Lo/cssy ss'o 77k«^r>
-)o-.eop >)/,--<7tt-ro r' s-/<9,/rr« 770/.-c-p, o-vTx- --' «k-: 8elio>. ,) 77o/-oü/op
r--r-r/ ^tt-.x-ott- Lr, r-s ^77----,/. — vliilo <1. miin<1. t'ulii-, 11. 17 übcr dic Zahl Sicbcn redcnd
ncnnt Athcna dic mutierlosc und jungfräuliche Nikc; und lAi^l.nIIi. Ili-nl. 20 daß bci ihrcr Gcburt
Zeus übcr dic Titanen gcsü-gt habe und sie deshalb Athcna Nike gcnannt werdc. Auch bci I-»e.
viscal. 20 wird dic Polias angerufen den Sicg zu vcrlcihcn. — Sic ist auch Eirene, dcnn die
Spmbolc die sic als Nike Apteros hat, dcn abgenommcncn Kampshclm in der ciiien, den Granat'
apfcl als Zeichcn dcs^iLcgens i„ dcr andcrn Hand, charaktcrisircn nur dics Wcscn an ihr; »ki-,
llui-poei-at. p. 126. Sie ist cndlich auch Skiras, und dcswcgcn ging nach llui-iioei-ut. p. 165 dcr
Fcstzug nach ihrcm Hciligrhume wclches außcrhalb der Akropolis lag, von dcr letztcrn aus; cs gi»ö
nämlich die Priesterinn dcr Llthcna begleitct vom Pricster dcs Hclios und Poseidon mit cincm
69
^-cagchimmcl, Skiadcion odcr Skioon, dcr von den Etcobutadcn gctoagcn und ohnc Zwcifcl im Par-
thcnon aufbcwahrt wurdc. Und mit dicscm Wcscn als Skiras vcrband sic sichcr auch dcn als Er-
S«nc und r-xxror-r--,/ (8el,ol. zu Li'islicl. ?gn»l!ion. 104.9), indcm Harpokration a. a. O. von die<
^ni Skiron das man trug, sagt: c^cht^o^ov <?L roüro //r'krcct 70) öÄr, oi-coäo/ckcr, oxi7r«c
^orcrr-, sirg' r-or-rorr rosi )r(ror-orr «oicrrou or-ros rroög or^o)oo/«r-.

IV. O P i st h 0 d 0 M 0 S.

Eine fernere Erweiterung deS TempelhauseS wird durch den sogenannten


^PisthodomoS') gebildet. Dieser Raum ist gewöhnlich in Form eineö geschlossenen
^kinacheö unmittelbar der hintern Wand oder der Rükkwand der Cella vorgebaut
und erhalt daher vom Postikum oder der hintern Vorhalle aus seine Zugangöthüre. Je-
^ch stand er ohne Zweifel auch durch eine Thür mit der Cella selbst in Verbindung,
sö bald daö Kulcbild hier seinen als Adyton abgesperrten Stand nicht unmittelbar vor
^r Rükkwand hatte sondern mehr nach der Mitte hin aufgestellt war, wie beim
Parchenon und dem Zeuötempel zu Olympia; beim Heraion zu Olympia dagegen, in
^essen Cella die Kapelle mit dem Synthronos deS KultbildeS unmittelbar vor der Rükk-
u>and eingerichtet war, kann sich kein Zugang vom Opisthodome auö in Mitten der
^ükkwand befinden, und weil hier die sich anschließenden Seitenportiken auch Adyta
^in muften wie beim Tempel des Apollo zu Phigalia, da sie ebenfalls mit Götter-
^ildern beseht waren, so bleibt hierbei nur die Möglichkeit übrig daß man das
^ste Jnterkolumnium dieser beiden Seitenportiken zunächst der Kapelle deö Kultbildeö,
Verbindung offen gelassen habe, in welchem Falle sich zwei Thüren vom Opistho-
donie aus nach der Cella, auf den Seiten der Rükkwand ergeben würden.
Wie die eingeschlossene Lage und abgesonderte Raumlichkeit eö schon im Vor-
uus erkennen läßt, so ist der Opisthodomos kein Raum welcher zu Kultverrichtungen
denuht wurde, oder zur Ausstellung von geweihten Schauwerken in dem Maaße
dienen sollte wie die übrigen nach Außen gekehrten Hallen deö Tempels, sondern dcr die
^estimmung hatte diejenigen zum Eigenthume der Gottheit gehörenden oder sonst
unter deren Schutz gestellten Gegenstände aufzunehmen, welche unter sicherm Ver-
schlusse gehalten werden mufien und auch gröstentheils in Kisten und Schreinen ver-
u^ahrt wurden. Außer den Votivgaben an kostbaren Kleidungsstükken und werth-
dollen Schmukkgegenständen wie Halsbänder, Ringe, geschnittene Steine, musikalische
Änstrumente und dergleichen, werden besonderö die Zins- und Kassengelder deö Tem-
Ukls, gesä^riebene Urkunden und Vermächtnisse, Gemeindeverträge und Dokumente,
kurz beweglicheö baareS Vermögen, Gelder und Geldeöwerthe hier niedergelegt und den
Schahverwalteni des Tempels eingehändigt; dieö bezeugen die Jnventare deö Par-
thenon am deutlichsten ^). Diejenigen unter diesen Gegenständen welche indeß ihrem
Werthe oder ihrer kunstvollen Arbeit nach Schauwerke waren, wurden unter Aufßcht
der Schahbeamten dem schaulustigen Volke an den Tagen deö Tempelsestes gezeigt,
und der Opisthodomoö wurde alsdann den Besuchenden zum Zutritte geöffnet^), nach-
dem wahrscheinlich alle leicht entwendbaren Gegenstande gesichert, oder die nicht sä-au-
baren Akten und Dokumente aus dem Raume herauögeschafft waren; alsdann konnte
auch der Opisthodomoö sogar zu musischen Wettkämpfen und Vorlesungen hergegeben
werden, wie dieö vom Opisthodome deö Zeuö zu Olympia an den Olympien berichtet
wird"). Aus diesem Grunde findet sich der Opisthodomos auch eben so durch kostbare
Wandgemälde ausgestattetö) wie jeder andre schaubare Raum deö Heiligthumeö; wobei
ohne Zweifel angenommen werden muß daß auch der Jnhalt dieser Gemälde ganz und
gar der Bestimmung deö Opisthodomoö alö eineö solchen entsprach. Endlich ist mit der Be-
deutung dieses Raumeö alö Thesaurophylakion noch die Aufstellung eineS Signum deS
Zeuö Ktesios oder Plutoö in Verbindung zu sehen, welches entweder im OpisthodoinoS
selbst oder vor dessen Eingange geweihc war°).

Z u s ä H e.

8. 1. Eiiien von den Fällen in welchen sich die Kapelle dcs Kultbildes nicht unmittcl-
bar vor der hintern Wand befand und daher cine Thüre vom Opisthodome nach dcr Cella gestattete,
giebt der Parthenon, wenn gleich von L. Roß (Hellenika l. B. S. 2l) die Eristenz dieser Thüre
neuerdings geläugnet ist, ohncrachtct Vitruv III. 2,8 schon eincn doppelten Eingang kennt. Wenn nach
6orp. Insoript. ?. II. n. 76, nach Harpoerüt. p. 172 und Hes^oli. s. v. zehn Tamiai
ro „r rcch ron cl/./.on rcösztov, rccee r« /cosctttr« zi'tti'vwi'
r'/s ,4cw-.ff§, also den gesammten Schatz übernehmen, wenn das Jnventar dcsselben in dcn Stcin-
urkunden dics bestätigt und crgiebt daß dcr Schatz in allen Näumen des Parthenon, nämlich
Pronaos, Hekatompedon, Parthenon und Opisthodomos gleichmäßig vertheilt war, wenn cndlich
die Schatzmeistcr besondcrs verpflichtet sind, 6. I. I. e. clMttvoc/ovr-Mi/ r-c-t cru/rr-.xconrwi'
//r^-tt^ roc- OTttoAoyouc,/! rrttt 0t-0c7,/,ttt/!-xcü7«t, der Thüre deö Pronaos aber nicht gedacht
wird, so setzt das schon voraus daß dicsen Behördcn dcr ungehinderte Zugang zu allcn jene»
Räumcn des Tempelö durch Eröffnung der Opisthodomthüren frei stand und auch möglich
war, ohnc daß sie nöthig hattcn erst aus dcm Opisthodome herauö um den Tempel herum S»
gehen und jedcs Mal erst dic sicher cben sv versiegcltcn Thüren dcs Pronaos zu cröffnen wc»n
sic Geschäfte in der Eella hatten; denn daß die Gitterthüren zwischen dcn Säulcn des Pronaos
so wie die Thüre dcr Eella ebenso mit dcm Siegel der Tamiai gesichert sein mußten ist klar,
iveil lctzterc sonst keine Berpflichtung für Alles hätten übernehmen können. Es mußte also mit dc>n
Schließen und Versiegeln der Opisthodomosthüren der ganze Schatz geschloffen sein. Trat wirk-
lich cinmal dcr Fall ein daß man den Parthenon vom Opisthodomos aus unzugänglich mache»
71

wolltc, so koimtc dies durch Versicgclung der Thüre augenblicklich geschehen. Die Anlage der
Thüre in der Scheidewand zwischen bcioen Räumen bcstätigt sich auch durch HegerS (Herrmann.
Hypäthraltempcl Anm. 25) Entdeckung von Rollgleisen für die Thürflügel, wclche sich vor dieser
Wand gcfunden haben und die nur ursprünglich scin können. Damit stimmt der Stand des
ParthenosbildcS übcrein, welches zicmlich in Mittcn des eigentlichen Parthenon, das heißt des
wittlern Lurch Gittcr in dcn Jntcrkolumnicn als Adyton oderKapelle abgegränzten Raumes stand,
e>lso sxhr von jener Wand abgerückt war (vergl. mcinen Grundriß hinten); sodann auch die An-
lage des Fußbodens dcr Cellcnportikcn, wclcher crhöht um dcn tiefer liegenden Boden deö Par-
thciwn auch hintcn vor der Rükkwand herumgeführt ist, und somit cinen Umgang hintcr dcm
Nükken des Bildeö um desscn Kapelle herum beweist. Endlich abcr gcht aus der Gclchichte mit
Demetrios Poliorkctcs bei I'Iut. voinstr. 23, die Eristcnz dieser Thüre hcrvor; denn wenn die
Athcncr diesen zum Gaste und Hausgenossen der Göttinn machten, und cs nach der Acußerung
jenes Schriftstellers anstößig war daß cin so liedcrlicher Burschc bci eincr Jungfrau wohne, so
konnte cr nicht blvß Gast sein wenn cr im Hintergcmache abgeschieden von dcr Göttinn rcsidirte, son-
dem es mußte ihm auch dcr Parthcnon von hicr aus zu Dienste und zum Gcbrauche frei gestanden
haben. Eine gleiche Cinrichtung muß im Tcmpel dcS Zcus zu Olympia vorausgesetzt werden.
§. 2. Findet sich bei Tempeln in deren Cella das Kultbild seine Basis vvr der hintern
Wa»d haite und dcren Seitenportiken links und rechts neben ihm auch noch mit Götterbil-
deni gcsüllt, in dcr mithin alle diesc Näumc für cinen Durchgang abgcspcrrt waren, dcnnoch ein
Opisthodom, so versteht cs sich von selbst daß kcine Thürverbindung zwischen beidcn möglich scin
konnte. Dies niuß z. B. beim Tempel der Hera in Olympia, V. 16, 1 nach der An-
vrdnung dic PausaniaS I. e. 17, 1 den Bilvwcrken in der Cclla giebt, der Fall gcwcsen sein.

N o t e n.
1) Uebcr dtescn Ausdrukk ist obcn I. N. 1°. Zus. §. I. und II. §. I. 9 die Nede gewesen.
6lo88. I.gkb. hat noch öTreai-öSozeox- aorsrium, postieula. Der Opisthodomos dcs Parthcnon ist
ausdiükklich als Thcsauros genannt, und wenn glcich auch der ganze Parthenon diescn Zwcck hat so
schcine der Opisthodomos vorzugsweise zur Zlufbcwahrung von Geldcrn und Dvkumentcn bcstimmt
geivescn zu scin, dcrcn Einzahlung in dcn Tempcl bei vomostli. v. rimoorat. oft crwahnt wird;
°">e Annahme die auch von andcrn Scitcn bcstatigt wird; Seiiol. ^ristopli. ?Iut. 'OTrcr-SöSoz-os'
v^toSx roö r>xch ötTr-.oüs ror^os riss Xtt-.ouoeto-s //o-.töckos '^S,/,-«§, t/ron Söo«n oTroo
pr S^ocruoo^v-.crxrorr. — Al.ir-n. '07rcc-Sööo,ttOK' rö o/rtoSkn rrcrvröx o-x,1u«ros'
-ckö,/,itt7ot öx ro 'rcrcrxror ^o,/tt«rcor-, -Tr-t OTrroSkN roü rkooü r,-§ //S,Suickas
Ocr-oSoFouos ukoos rc r,/s '//-ooTro-.k-os rr/n öckS-,-r«,'cor, iüScr ,/n ro rcr^xcon, ocrcoSkN
roö r,/g '^/S,-n«s v«oü, ön co ttTrxrc'Akr-ro rcr )/o,^«r«. Die Eeklärung das I). l>I. geht aus
bas Wvhnhaus in dcsscn hintcnn Thcilc gewöhnlich die Kcimclia dcr Familie ausbcwahot wuedcn;
ledoch hcjß^ dgg ganzc Hintcichaus auch Opisthodomos, wic z. D. bci tlppiiiii. doll. «iv. l. 20 wo
b>e Mötdcr dcs Scipio öt' ÖTrroSoöoccoc- rc-xrög i7rk,o«/Sit-rxg «TroTrr-r'gttrkr-,- bei I'Iout.
Driiiiimm. I. 2, 157 hcißt cs postieum Iioo locipit, cum scüis veuiliilit. Eincs solchen
Thesauoos im Wohnhause dcs leichcn Konnthier Architelcs, von welchcm Hicron das Gold zu dcr
Zvldcncn Nike kauste die cr in Dclphi wcihtc, gcdcnkl cltlicn. VI. 232. — Dei Ilcs^cli. OrrcoS-o-
^o.ttoc ist auch der Thesauros im Hause gemeint; ckr. Ilesz-cli. r«/txtOV. SnT«z<os. — Ilarpo-
72

k-i'atio» p. 13t On:t<7^ö<)oz<o§' o oHg ö ö7r«7,?Lr- 70>) veo- r-/§ ö^/7-/r-tt§ ovrt-- r-«-.k7rttt, /»
oi «^kr-i^L-'ro rce ^or/ttttr« und ües^-eb. 'O-rro,?oäouo§ 6-- r-/ tt--oo7rö-.kt ou rö ä-/«os-v!'
tto/r-pto>- «Trxxktro -rpog rai ö7rtl7i9oöö.ttw gchcu auf dcn Parthenon; rn beidcn Glosscn ist »»
beiondcrc Gebäude, ähnlich dcn Thcsaurcn im Peribolos (die auch Gyala heißcn, Hos.vK'-
/'ö«/.«. ,?-/<7«k/oo/. r«ctx7« rcotä.«) nichr zu dcnkcn, sondern nur an dcn Opisthodom dcs Parthe-
non; ich glaube auch nicht daß es l'avizsiio auf der Akropolis gab, da dcr Parthenon gcräumig u»d
sichcr gcnug war, und zudem bci allcn solchcn Thcsauren noch Thcsaurophylakcn als Wächter (1lo8)'el>-
LöS'tt-.ktx' eö ^-/<7ttU(-oPr--.ctXk^) bcstcllt warcn. Des Opisthodomos erwähnt auch I,»c. 'L'im. 53-
Die Erklärung 6. L. ?. II. ». 150 zählt einc Menge Gcgcnstände auf die sich im Opisthodoine dcs
Parthenon befandcn, z. B. Kopfzcug und Zügel cincs Pfcrdcs, chrysclcphantincs Flötenbehältiiiß,
Halsschmuck, Ohrgchängc, Ninge mit gcschnittcncn Steincn, chryselcphantinc Lcycr mit Plcktron
u. s. w. wobei cs intcrrcssant ist zu crfahrcn daß alle Dinge in köstlich ornirtcn Schreiiicn (/--
,7<--r<ö, x-/?a-rrM -rotr-i-.m) aufbewahrt werdcn, wie schon bci Pronaos erwähnt wordcn A
Solche Schrcine heißen auch Argyriothcken, Armaria. Iliirpoeral. p. 28 /Lp/r-ptoS
Ärrtt /o«ititttr/öitt, oi^ ///oi),-ro!//A-/r-«7oi, r« «kr- ch'crrk x«t «p/r-ptor- r-ttr«r/Ak<7,/«t tt-rc^
x«i Xt/^car-t« /--«-.or-r-, r« Fx «-K« /rcttorr-ot«. Ai-mriri'g, vigesl. XXXII. 1. 51, §. 7, wo ouch
<Iuct)Iiotli6i:i>; auch »10.1 kommt vor, Kloss. L,si-li. /Ircs vt sreelii. r-t/Ia-rö§, <7capö§. lles^el'-
-),/---/ «o^r-o/or- xac rr/or»/. Besonders wcrdcn kostbare Wcbercicn in Armaricn aufbe-
wahrt; 6ic. Xerr. II. -1,12 von dcn gcraubtcn Pcripctasmcn: MIIIU8 cliirum pul.svit sore <!»»>i
<1e armsrio ete. Wic dcr Opisthodomos dcs Parlhcnon, so diente dcr Tcmpcl dcs Saturn zu
Nom zum Aerarium; 8erv. Virg/. 6eorg/. 502: populi tol-ulririii utii uctiis publici voutiiiciitul'
8ig/uit>ertt riutem teuiiilum 8ritiiriii i» <i»o et serririum kuerrit et uki repoueliriiitur rictri >I»uo
susceptis liberis kriciekrnitprireiites. Auch dieStelcn mit den Proxenien imOpisthodomoS, I>ol. Xll. 12,^'
2) Ueber Verschluß und Versiegelung dcs Opisthodomos ist schon oben unter Pronaos g»-'
redct. Viellcichr war das Siegelzeichcn hicr cin Athcna-Kopf, ähnlich wie in Sparta die Ephot'c»
allcs mir dem Bilde des Polydoros siegcltcn, Urius. III. 7.
3) Als Ausnahme ist cs allcrdings zu bctrachtcn daß der Opisthodomos zu cinem Hörsaalc
bci dcn großcn Hciligthumsfcstcn hergegebcn wird, wie eben dcr Opisthodom dcs Olympischcn TcM-
pels, in dcm wie cs scheint musische Agvnen gchalten wurdcn; lmoirm. -letio» I. porenrin. 32; L'ugilil-
7. Die Geschichte bei 8trribo XI V.-11 wo Divnysios der ältere in Syrakus den Pronaos und Opistb^
domos der Tempcl, ebcn so wie die Stoen dcr Gymnasicn und dcr Agora sogar zur Waffcnsch»»^
macht, gehört nichl zur Sache und war cinc außergewöhnliche Profanation dcs Hciligrhums.
4) Daß allc Näume dcs Parthcnon an den Panarhcnäcn geöffnet und zur Schau ausgc-'
riistcl warcn darf wohl nicht bezwcifclt wcrdcn und wird durch die untcr !l. N. 35 angcfulsi'^
<L>tclle aus kli,,,». Lgeeli. IV. 7, 50 bewicscn. Auch dcm l-iioiiin (<Ie ves 10) wurde »n>
Feste dcr Soriichen Göttinn die Schalzkammer dcs Tempcls ncbst dem Schahvcrzcichnissc gczcigt-
ksöor- ök //'<-- r-ttr c« j,- r<ö r--.«' ,7 (,,/ «rroxkttrttt, /c> /- ,(r« rro-.-.-)r-, x«r «-.-.«, öxo^
/s tto/uoor- -/ /g- ^or-oör- «7ro--kxo<rttr,- cin Glcichcs beweist die Gcschichte bci Ai-istot. äln'-
u»8o. 96 wo unter dcn Kostbarkcitcn die an dcr Pancgpris der Lacinischcn Hcra gczcigk wurde»,
das Himation dcs Sybariten Alkimcnes das kostbarste Stück war; uin abcr eincn Bcgriff zu g^
winnen wie kostbar >olchc Gewandc warcn die man wcihte, mag dassclbc hier nähcr bezcichncc st>u-
An bcidcn Seitcn dcssclben warcn Thiere cingcwcbt, kxttrkoa-ökr- ö/ ötk/öiMro (c-rö/org-
</-tt<7/«L,-orK, zu obcrst Su>a untcn Perser; in Mitten Zcus, Hcra, Thcmis, Athena, Apollo»/
Aphroditc; an cincm Endc Alkimencs, am andern Sybaris; es maß 15 Ellcn und wurde vo»>
73

Dwnysios dcn Kcunhagcrn sür 120 Talcnte vcrkauft. Ohncrachtct dcr Darstellung von Pcrsern
und Susa haltc ich doch die Arbcit sür cine Hcllcnischc, da aus 6io. Ve,-r. II. 4, 26 bekannt ist
wie sthr dis Wirkcrci stlcher kunstvollcn Stoffe in Sicilien heimisch war.
5) Daß dic Opisthodvme dcr Tcmpcl auch mit charakteristischen Wandgemälden ausgestattct
warcn, bewcist dcr Opisthodom des Parrhcnon von dcm »arpocrat. p. 151 8. v. //o-.ft/vairos
^gt daß Polygnotos die Bildcr Lri rya gcmalt habe.
6) Man wird nicht umhin könncn anzunchmcn daß cntwcder im Opisthodomos stlbst oder
uu Postikum vor dcr Thür dcssclbcn cin Zcus oder Hcrmcs Ktesios als schatzhütendcs Agalma gcwciht
war, cbcn so wic vor dcm Ianustcmpcl in Nom das Bild des Janus stand; denn wenn dic Hidrysis
des Ktcsios schon im Thesauros dcs Privathauscs cin uncrlaßlichcs Symbol war, so muß dicstlbe
b°im Thcsauros dcs Tcmpcls noch vielmchr vorausgcseht werden. Zu dicscr Ansicht führcn folgende
iicbcrliefcrungen Arisloiilu klul. 1192 7S(,o<7o,uxi7 our< ccür/x« . . . Vftri //-.ouror>. oürrr^
^orroori ,/r> rSouz,xr<os (Zcus) 7or ÖTrioSoftostor' cstr <xo-.c-rr<6^ ri-s ^ross. — Harxoorat.
108 ///« Lr rors r'ccirkrors iftour'co, xr-.. Bci Atliro. XI. -17-! ist die Weist cr,
wähiit wic man das Dild dcs Zeus Ktcsios wcihtc, indcm man cinen ncucn zweihcnklichcn Kadiskos
"'it eincm Deckcl bedecktc, dic Henkcl dcssclben, so wie dic „safranfarbene" Stirn und die rechte
^chultcr des Bildes mit wcißer Wollc umkranztc, wcitcrn Zubchör in dcn Kadiskos legtc und Am-
^°sia, d. i. rcincs Wasscr, Qcl und Pankarpia, hincinschüttetc. Auch auf cincn Hcrmes Ktcsios
in cincm Kadiskos odcr cincm Gießgcfäße aufgestellt wird, spielt diesc Stellc an. Solche Hcr-
am Eingangc von Tcmpcln und Häustrn smd bckannt, rinwz'il. VI. 27; und wenn cin solchcr
^ftsios nls Sccgcnmchrcr im Inncrn dcs Gcmachcs gilt, so steht cr Außcn als Hütcr dcs Schahcs,
Und cils letzercn erklärt dcr Scholiast zu ^iistopli. klut. 1153 gcrade zu dcn Loxt,/s o^o^cckos:
^ ttTiorooTri/ rcstu «-.-.c-,v -c/.kcrrcöi'. cO'- llosz'eli. di'oocxttcos UNd 7.0,ttsss o?'oo</«7os UNd
^c-S/oxot. vgl. VIII. Thüre. Nach Isaou8 VIII. 16 ist das Opftr dcs Zcus Ktesios cin hochhciliges,
^ci wclchcm dcr Opferndc allc Cercmonicn sclbst vcrrichtet, und nur dic nächstcn Bcrwandten und
Familiengliedcr sonst aber Nicmand dabci zuläßt. 8uicl. 8. v. ^xs-s Lr,/<7,os- on xcft /n -ro/s r-«uxc-
o-s iS(wonro cbs rr-.ouroSor'rin. Im Opisthodomos wurden auch dic Stelen aufbewahrt auf
wclchen das Invcntar dcs Tcmpcls, Eastvcrträgc und dcrglcichcn aufgezcichnct waren; I>ol5k. XII.
i2, 2 /<sv ö o«s ö5r«7öoSouou <7r,---«s -cc-c 7«s L r,"S 7-"«<S nx<-„' 7roo^,-,«s ^kc-o,--
77>ttt.os /or<,-, woraus zuglcich die Sitte hervorgcht solchc Proxcnicn der Fcierlichkcit und
'^ciligkxj^ wcgcn aus dic Anten dcr Wandc und Thuren dcs -pcmpcls zu lchrcibcn.

V. P o st i k u m.

Abgesehen vom Opisthodomoö so vergrößert sich die Räumlichkeit des Tempelö


auf der hiutern Fronte durch Anbau einer gesäulten nach Außen gewandten Halle vor
dee Cellenwand, welche gewöhnlich die Form deö Pronaos hat und das eigentliche
^ostikum ist. Mit Ausnahme deS Pronaoö alö nothwendiges Prothyron, geht das
^ostikum gleich allen andern außern Hallen der Cella nur aus der Absicht hervor einen
U>eitern Raum zur Aufstellung von Götterbildern und Anakhematen zu bilden, und
dies bestätigen nicht nur alle Spuren die in den Monnmenten noch vorhanden sind, son-
dern es finden sich auch Schriftzeugnisse über seine Auöstattung mit Schauwerken mytholo-
n. ro
74

gischen JnhalteS. Da von dieser Seite für den Teinpelbesuchenden kein Eingang in die
Cella sein konnte, so findet sich auch in der Regel keine Thüre hier welche zu lehterer
sührt; wo aber eine solche in den Monuinenten vorkömmt kann sie eben so nur zur
Benuhung der Priester und Tempeldiener gedient haben wie die Thüre eineö Opistho-
domos wenn sie in die Cella führt. Daß bei einem Tempel der ist, welcher
also eine doppelte Cella hat wie da§ Haus der Achena Poliaö zu Athen, weder von
einem Postikum noch Opisthodome die Rede sein könne versteht sich von selbst.
Diese Weise den Naoö so zu vergrößern daß sich alle Raume die man zu dessen
Erweiterung anfügt, um die Cella gleichsam wie um daö Herz und dcn Mittelpunkt der
ganzen Raumanlage organisch herumlegen, unterscheidet den Hellenischen Tempel vom
AegyPtischen, dessen Räume nur Aggregate sind die ohne Einheit und Abgeschlossen-
heit des ursprünglichen Planeö, beliebig und ohne festen Plan neben einander vec-
mehrt werden können.

Z u s a H e.

§. 1. I-lntcr Poitikum') ist die Halle gcmeiiit welche unmittclbar eutweder der liin-
tern Wand der Cclla odcr auch dem Opisthodomos vorgcbaut ist. Jst der Tcmpcl PeripteroS so
gcht daö Pcripteron vor dem Postikum wie vor dem PronaoS hcrum, und dcr hintcre Theil wird alsdann
eben so auch mit zum Postikum gezogen wie cö bci Pronaos für dcn vordcrcn Theil des Pe'
ripteron galt. Das Postikum bildet wie gesagt die nächste Erweitcrung deö Tempelraumcs nach
außen für den Zwekk Anathemata, Götterbilder und Wandgemälde ebcn so aufzunchmcn wic die
übrigen Hallen die sich zu außen der Cella vorbauen. Für dcn ersteren Zwekk, unv so balv
werthvolle und leicht zu cntwcndcnde Gegenstände in ihm vcrborgcn sind, ist es nach der Art des
Pronaos in seincn Znterkolumnien dicht vergittertH; ist cs abcr zur Aufstellung von Göttcr-
und Heroenbildern bcstiinmtH, so bildet cs eine Kapclle die cbenfalls zum Adhton wird wic dic
Kapellen in der Cella, und in diesem Falle sind die Jnterkoluninicn viclleicht nur durch nicdrigc
Schranken gesichcrt. Jndeß kann, wenn sich auch cine Verbindungsthüre nüt der Cclla wie i>"
Postikum dcs Athenatempels auf Acgina findet, glcichwohl der Naum links und rechts dcs Durch-
ganges mittelst Schranken zu Kapellen sür Götterbildcr abgethcilt worden sein, indem die Breitc
des Naumes daran nicht hinderlich ist wcil sie gleichcs Maaß nüt der dcr Cella hat, in wcl-
cher doch ebenfalls zu beiden Seiten die Kapellen in den Hallen liegen.

N o t e n.
I) I>o8tieum bci Vitruv HI. 2 8^. und ifter. — kv8tu8 220 ?o8tieum o8liu>«
llioitur in po8terioio jiurte svüium. llotorum autittui etium vicinum tüiliitaiitem iiil ^ivslorio'
rom ^iartom aoiliuiu 8io ->t>tiotl:irui!t, alfo die dem iiutieum entgegcngefchle Scite. 0to88.
^08lioum. U»d ?U8lioii. -rc^rlS^« re«roMN rost oi'-eou (clr. Illv. XXIII. 8; 1''"'
tirreti. 6onv. 8oxt. 8kip. 2, wo es dic Thüre des Hintcrhauses) also die Nebcnthüre, hintere Thurc
75
übcrhcwpt dic hintcrn baulichcn Raumc dcs Hauscs odcr Tcmpels; el',-. Liv. XI,. 2 wo von einem
Sturmwindc dic Rcdc ist wclchcr 1'oi-om ox aodo I^uiiao, »iu.no iii Xvoiilino 08t, inijil-nm tulit
ot in iiostiois ji,ni'tiliii8 6.orein8 tompli mlllxit. Daß es bci Vitruv a. a. D>. abcr bcsondcrs
die hintere Hallc und nichl bloß dic Hintcrwand sci, ergicbt sich daraus daß cr hier §. 5 von der
ae,lo8 !ioi,ori8 ot Virluti8 sagt sic sci ohne Postikum angclcgt, 8iuo po8lioo g Alutio sgotu, denn
°hnc cine Hintcrwand konntc dic Acdcs nicht scin, wohl abcr ohnc Halle, und dics wird cben als
Ausnahmc von dcr Regcl hicr angcführt; wahrschcinlich sticß dcr Tcmpcl mit dcr hintcrn Fronte
nn dic Mauer des Peribolos. Pausanias unterschcidct auch nicht gehörig Opisthodom von Posti.-
^UM; so z. D. sagt cr V. 10, 2 wo von dcn Skulpturen in den Tpmpancn dcs Actos die Nede
>si, bloß was r« und 7»- oMc-öri- dargcstcllt sci, und glcich darauf spricht cr von den
^bulpturcn s-rrro irou r-ttou T-cuu öluacaii (also in dcn Mctopen) an dcr Vorderseite ?lußcn, und
als Gcgensah von dcm was o>rro 700 orrtoöoöo.tioo -rchi- r^opchi- dargcstcllt sci; vergl. Dcns.
A- I-), 3.
2) Daß das Postikum diese Dcstimmung hatte bezcugt das Postikum dcs Parthenon und
andcrcr Monumcntc bci dem sich die Spuren dcr Vergittcrung noch crhaltcn habcn; vcrgl. Alterth.
aon Athcn, Text I. B. S. 337 und 315.
3) Ucber dic Ausstattung dcs Postikum mit mpthologischcn Dildncreicn finden sich bci
Dausanias auch Bcispiclc; so z. B. war IV. 31, 9 im Postikum dcs Tcmpcls der Mcsscnc, des
T'Aopas Tochtcr, vom Dmphalion dcr Mythos dcr Landcshcrocn gcmalt, ^pcc<^«t ss« xc<rch roö
u«oo 7-0 ÖTrioSri-, so wic dcr Mythos dcr Lcukippidcn, dcs Asklcpios, Machaon und Podalcirios,
within war dics einc bcdcutsame Darstcllung für dcn bcsondcrn Gedankcn dicscs Gottcshauscs.
Wcnn 8,1-uIio IX. p. 396 vom Tcmpcl dcs Zeus Soter im Piracus sagt- ror) /rposs r« x-rr- oroi-
ü»r< rrii-«x«§ ro,-oroi-o. ro ü rir«//looi- -irlo mögen wohl nur Pronaos und
't)ostikum untcr dcn klcincn Hallcn verstandcn sein.

VI. P e r i p t e r 0 n.

Wie bie außere Vergrößerung des TempelhauseS vorn und hinten durch Pro-
ucios und Postikum begonnen hat, so wird sie auch auf seinen Seiten fortgeseht so
ba!d der Zwekk es ebenfallö erheischte einen noch weiteren Raum zur Aufstellung von
besonders würdigen Anathematen und Schauwerken zu gewinnen. Zunachst wird
eine einfach gesaulte Halle vor den beiden Seitenwanden der Cella so wie vor dem
Pronaos und Postikum herumgeführt; diese bildet daS außere Pteroma oder Pe-
^ipteron der Aedes und deöhalb erhält lehtere ben GattnngSnamen AedeS Peripte-
vos. In noch höherem Maaße genügt man dieser Absicht wenn an Stette des
rinfachen ein doppeltes Peripteron oder ein Dipteron tritt, wodurch die AedeS zur
Aedes Dipceros wird; endlich erreicht man durch Anlage eineö sogenannten
Pseudodipteron bie Granze der grösten möglichen Erweiterung der Räumlichkeit,
weil durch dieseö, vermöge des weitgespannten Pteron oder der Dekke, die innere der
boppelten Säulenreihen deö Dipteron erübrigt und der ganze um die Cella gehende
10*
76

Raum frei gemacht wird. Mit diesen Formen ist sonach der weiteste Raum gewon-
nen um nicht allein Anathemata von bedeutendem Maaßstabe, sondern auch ganze
Gruppen Statuen und Bildwerke in den Hallen um die Cella auszustellen und in
gegenseitigem Bezuge so ordnen zu können wie eö ihrem mythologischen oder historischen
Gedanken entsprechend ist. Daher kehrt nothwendiger Weise auch hier dieselbe Eiu-
richtung der Jnterkolumnien zu besondern Kapellen durch Scheidegitter oder auch niedrige
Schranken eben so wieder wie bei den Portiken in der Cella; es waren nach dem glaub-
würdigen Berichte eineö Augenzeugen welcher den Parthenon noch vor seiner Zerstörnng
zu Ende des Mittelalters betrachtet hat, die Jnterkolumnien deö Peripteron aus
den Seiten dieses Tempels durch kleine Mauern in derselben Weise zu Kapellen gc-
schieden wie dies in den christlichen Kirchen der Fall ist. Denn da wie gesagt nur
heilige Werke, Götter- oder Heroenbilder in diesen Kapellen stehen, so ist ihr Sitz
von vorn herein schon ein Adyton welcheö keinen Zugang erlaubt, und daher sind die
Kapellen nicht allein unter sich neben einander sondern auch von vorn her durch
Schranken vor dem Zutritte abgesperrt. Es versteht sich von selbst daß der Zugang
zum Pronaoö und OpisthodomoS durch Schrankenthüren frei erhalten wurde, zumal
der Theil deS Peripteron vor diesen Räumen, von dem Theile welcher an den Seiten
der Cella hingeht, durch Gitter getrennt worden ist, wie auch bereits erwahnt wurde.
AuS solchem Grunde allein ist das Peripteron um die Cella entsprungen, es verhalt
sich also gerade im GegensaHe zu dem Zwecke den die Portiken beim Wohnhause uud
sonstigen zum Aufenthalte der Menschen bestimmten Säulenhallen profaner Bauwerke
haben; und wenn Vitruv den ganz äußerlichen Grund angiebt: es sei sowohl der
Schönheit alö auch deö Umsiandeö wegen angelegt daß daö um den Tempel versam-
melte Volk bei plöhlich einfallendem Regen ein Obdach in ihm finden könne, so wider-
spricht daö nicht allein dem Begriffe des Hellenischen Tempelhauseö sondern auch allen
Zeugnissen die über diesen Gegenstand noch vorhanden sind gänzlich. J,n Allgemeinen
ist eö wohl vorauözuseHen daß die Standbilder und Anathemata welche in den Inter-
kolumnien des Peripteron aufgestellt wurden von derber Struktur und wettersesteM
Materiale sein mußten, besonders wenn die Höhe der Saulen bedeutend, dagegen bie
Tiefe deö Raumes im Verhältnisse hierzu geringe war, in welchem Falle der SchuH den
Dach und Dekke gewährten sich vermindert und daö vor den Säulen ausmündende
Dachtrauswasser leicht in die Jnterkolumnien eingetrieben werden kann. Unter niedrigen
aber tiesen Hallen sind indeß die Bildwerke so wohl geborgen daß man auch Toana
darin aufstellen konnte ohne eine zerstörende Einwirkung deö Wetterö für dieselben be-
fürchten zu dürfen.
77

Z u s ä h e.

8. I. Bedenkt man daß alle Räume derjenigen Hcllcnischcn Tempcl von welchcn hier
bie Rede ist nur für hieratische Zwekke angclegt warcn, daß dcr ganze von der Mauer des
Pcribolos umschlossene Naum iLoor' ist, so widcrstreitct das schon dcm profancn Grunde den sich
P'truvZ als Ursprung gebend für das hellenischc Peripteron dcnkt. Da cS sich nun nicht allein
liachwcisen läßt daß im Peripteron nur Götterbildcr und andre gewcihte Werke siehcn, sondcrn
baß auch die Jntcrkolumnicn sür den Zugang abgeipcrrt und zu Kapcllcn eingerichtet wareiO),
^ ist jene Ansicht bescitigt und dcr wahre Zwekk dieses RaumeS herausgestellt. ES leuchtet ein
baß selbst Gcmälde auf den Portikenwänden unter dcn vorspringenden 'Dckkcn völlig gcschützt
d>aren und cben so wenig wie die Bilder in den Portiken der Atrien im Wohnhause vom cin-
ßchlagendcn Negcn und Unwetter zu lciden hattcn; das häusige Vorkommcn solcher Wandbildcr in
Portikcn öffcntlichcr Gebäude bckrästigt dies auch. Jch erinnere hierfür nur an die Bilder des
Polhgnotos in dcr Stoa oder Lesche dcr Knivier bci Uaus. X. 2ö, 1 u. 26, I und Ulutaroli.
rP stokvLt. Oraa. 6 u. 47, an die uro« in Alhen und die stcömischen Portikcn, z. B.
ble portious arFonautarum bei ^lartial. IV. 20 u. Oio Oass. 53, 27 mit den Bildern dcr Ar-
kMautcn; auch in der Stoa bei Uaus. I. 2, die zwölf Götter, Thescus, Aristvkratie und Demos.
i^ie Anordnung solcher Wandbilder ist auf jcdcn Fall so anzunehmcn wic sie sich an dcn Wändm
boe Häuser und Tempcl zu Pompess und Hcrkulanum zeigt, daß sie nämlich eisi in cinem ^.rittel
ber Wandhöhe übcr einem hohen cinfach gefärbtcn Podium bcginnen, danüt cben dcr untcrc Thcil
llei war um Anathemata davor aufstellen zu können; eine Anordnung bei der wcdcr daö Wand-
bild noch das vor ihm Aufgestellte in dcr Bctrachtung behindert und gcstört wurde, und dicse An-
"ohnie muß auch sür die innern Wandflächen dcr Cella gelten.
§. 2. Die Unzugänglichkeit der Jntcrkolumnien so wic die Abthcilung der,elbcn zu Ka-
pellen ist aber nicht zu bezweifcln, und wird durch die Spuren chemaligcr Schranken in dcn
Pkonumcnten bestätigt; es finden sich noch mchrcre Bildwerke aus dcncn die gänzliche Ausfüllung
Jntcrkolumnien vom Bodcn bis zum Epistylion durch Gitter dargestcllt ist"). Nach Winkclmann
Merkc B. II. S. 341) sind am großcn Tempel zu Pästum in dcn Jntcrkolumnicn auf dcm Fuß-
lwden des Periptcron, noch dic Verticfungen sichtbar die zur Aufnahme dcs Gitters dicnlcn.
Pinimt man hicr hinzu daß bei manchen Tcmpcln die einzelncn Stufcn dcs Krepidoma über
^ F- hoch sind H so zeigen schon dicse daß an einen Zugang von vorn wedcr gedacht wcrdcn
lo>ui, i,och vaß cin solcher bcabsichtigt worden ist, daß mithin auch die Stufcn auf dcn Seiten
"'cht zu einem solchen Zwekkc angclegt warcn. Für die Abtheilung des Peripteron in einzelne
^^pellen durch leichte nicdrige Gittcr odcr Brüstungen die von jeder Säulc zur Wand gchen,
^ie ich sie weiter untcn auch in dcr Cclla aus gleichen Gründen nachweiscn werdc, spricht das
äciigniß cineö Manncs wclchcr dcn Parthenon noch vor der Zerstörung sahc welche die Bran-
deiiburgischeii Bomben im Jahre 1687 anrichtetcn. Tcr Jesuit Pater Babin sagt in siincr Bc-
ßchreibung vom Parthenon ausdrükklich daß alle Säulcn odcr Aleen (wie cr dic Scitcn des Pc-
riptcron ncnnt) durch une potito muraillo so geschieden waren wie die Kapellcn in un,crn
Kircheni). demnach anzunehmen daß jedes Jntcrkolumnium zu cincr Kapcllc abgegränzt
78
war in welcher cin Standbild odcr eine Basis mit Bildcrn Platz fand. Selten mochtc cs aber wohl
Fällc gegebcn haben wo die ganze Länge odcr der größte Theil der Scite von Wcrken eingenommen
wurde dcren cinzelne Theile cinander dem Gedanken nach so verwandt waren daß sie untcr sich
keiner solchen Trennung bedurften; in solchem Falle mußten natürlich mehrere odcr auch alle Jntcr-
kolumnien zu einem Einhcitlichcn zusammengezogcn sein, ohne daß indeß dcr Begriff des gcgcn den
Zugang Abgcspcrrten hierdurch aufgehoben wurde. Jch vermulhe daß viele dcr Standbilder
wclche bei ?aus. I. 24, 7 auf der Akropolis von Athcn erwähnt sind, in dcn Seitcn dcö Pe-
ripteron vom Parthenon standen; denn Pausanias geht von dcr Bcschreibung des Parthcnos-
bilves unmittelbar zum Bilde des Hadrian über, welchcs die Athener hicr auf dcr Akropolis,
und sicher wohl untcr dem Dache dcs Heiligthums, aufgestcttt hattcn, alsdann schlicßt er soglcich
das Bild dcs Jphikrates an welches er als beim Eingange stchcnd bezcichnet,
kt'aoSon '/^t--o«rovs (kl-eoP«) und sagt zulctzt daß sich am Ende deö Naos, r-oü -reo«-',
der Apollon Parnopios des PhcidiaS befindc. Wenn in diesen Hallcn aber Bilder svlcher Mn-
ner vorausgcsetzt werden die sich cincn hohcn Nuhm und cin historischcs Verdienst um die
Stadt der Athena crworben hattcn, dcren Gestalten alö «^or roü -ri-r-.ou in dcn Peploö ncben
die Göttinn gesetzt, dercn gemalte Bildnisse sogar in dic Cella dcs Parthenon geweiht wurden,
wie z. B. Themistokleö und OlympioLor, so stinimt dazu sehr wohl daß die Panathenäischc
Ehrcn- und Festpompa über den Häuptern dcrselbcn um die Wand dcr Cella hcrumgeführt war.
Daß man großc Gruppcn von Bildcrn dercn cinzclne Slükkc cinc solche Anordnung in der Anf-
stellung bcdingten wie z. B. die oben II. N. 9, I angeführtcn, nicht hier ausstellcn konnte be-
darf keiner Fragc. Daß man es abcr nicht wagte in diescn Scitenportiken chrhsclcphantine
Standbildcr unterzubringcn, dasür zcugt dcr Bau von Thcsauren zu Olpmpia und Delphi, bei
dencn oben nachgewiesen ist daß sie fast ausschlicßlich mit solchcn Arbeitcn gesüllt waren. Dcnn
bei der großcn mindcstenö 3» Fuß messenden Höbe der Portikcn und dcr im Verhältniß geringcn
Ticfe dcrselbcn, sind Bildwerke aus solchem Materialc der Luft und cinschlagenden Feiichtigkeit
zu unmittelbar ausgesetzt; nur der sehr tiefe und dmch seine Lage gcgen Morgen geschützte NauM
des PronaoS macht hicrvon eine Ausnahmc, wie schon beim Pronaos dcs Delphischcn Tcmpeld
erwähnt worden ist.
8. 3. Jst sonach dcr Zwekk für das einfache Ptcroma um die Cella erwiescn, so wird
man dem doppcltcn odcr dcm Dipteron cbcn so wie dcm Pseudodipteron keine andere Bestu»-
mung unterlcgen dürfcn, und es ging diese Erweitcrung des bedeckten Raumes nach Außen cnt-
weder nur aus dcr Absicht hervor den Raum zur Aufstellung dcr geweihten Wcrke auf dic cin-
fachstc Weise zu vcrgrößcrn, odcr aber die Aufnahme solcher Werke die eines größern Schutzes
vor dem Wetter bedurstcn dadurch möglich zu machcn daß man durch die zweite Säulenreihc die
Tiefe der Portikus vcrgrößertc und so die schützcndc Dckke weiter vorftrekktc. Nur dicse beiven
Möglichkcitcn sind hicrfür dcnkbar. Von Tcmpcln der Form -wstes ckiptoros ist der dcs Oly>»-
pischcn Zeus zu Athen iwch diejcnige Nuine welche am besten erhalten ist und wcnigstens die un-
gehcure Ausdehnung des ganzcn Baucs so wie Stellung und Verhältnisse der Säulcn und ihres
Gebälkcs am sichersten erkennen lassen. Diese Form so wie die der asckvs psouckockipteros H
unstreitig die spätesten Tcmpelformen der Hellenen.
79

N o t e n.

I) Vili'. III. 3, 9. ?teiomnto8 onini liilio ot eollliuiikiiiim eireum oeileiii ilispo^itio


>steo o8t iiiventu, ut asiioetu« zn-optoi- aspeiitoteiu iuteieoliimiiioeum Ii-iberot auotoiil-itein:
IN'seteieo si et iinbiium ulluue vis oecnpsveiit et intorclu8erit Iiominuiii iiiiilliliiiliiieiii,
"I Iiiikeut in iio6e ciroiiiiue eelliim cum laxiimonto liberiiiii iiioiiim etc. Dcr rrste Grund
Schört der künstlcrischcn Acsthccik Vitruvs cin und ist, wie alle solche Gründe bci ihm, lächerlich;
D-r zweite Grund könntc nur für den Nömischcn Tcmpel wahr scin, für dcn Hcllcnischcn adcr fin-
sich keinc cinzige Ucberliefcrung aus dcr hcrvorginge daß man das Periptcron oder gar das Zn-
«ecc dcs Tcmpcls zu solchcm Zwekkc gcnuht habc, sondern es zeugcn alle Qucllcn dagegcn, es er-
iaubtcn dic abgcsperrten und mit hciligcn Bildwerkcn angcfnlltcn Zntcrkomlumnicn lchon gar k-incn
E'ngang. Imciiiii. ki8catoi- 20 läßt nur aus satyrischcm Spotte die Philosophie ihrc Zünger cinla-
^n sich in den Pronaos ihrer Patronin, dcr Athcna Polias zu sctzen; hicrbei abcr konnte dicscr
Tenipcl auch nur angeführt wcrdcn wcil scin Pronaos stets offcn war. Bei Ulutiiicli. ile ?^t!i.
17 s-hcn sich dahcr dic Frcundc auch nicht in die Stocn sondcrn auf dic Stufcn dcs Dclphi-
schen Tempcls, und dcr Chor rn Lui-i'i,. 3on 505 st-ht cbcn so um dicse Stufcn. Lb Vitruv in-
desscn sür den Römischen Tcmpel Rcchr und von dicscm vicllcicht scine Ansicht auf dcn Hcllcnischen
^enipcl übcrtragen habc, läßt sich lcicht untcrsuchcn und hcrausstcllcn. Daß dic römischcn crcmpcl
Vcrsammlungcn benutzt wurdcn dafür will ich einigc gewichtige Zcugniyc anfnhren, jcdoch wüd
sieh aus allen dicsen crgebcn daß man nicht die Cclla und deren Peripteron, jondcrn das Atrium, odcr
^ic Portikus hicrzu bcnuhc habc dic cbcn in Form eines Atrium jcdcm gtößercn a.cmpcl in ähnli-
Wcise angefügt ist als das Atrium dcr christlichcn Basilika, ja vft den ganzcn Lcmpcl umgicbt
""d densclbcn Zwckk hat wie dic Portikus dcs Thcatcrs Vitr. V. 9, I. Der Vcstatcmpc! abcr
'»Ußtc zwci Atricn haben, wcil in dcm cinen dic Vcstalen wohncn, im dem andcn^sich das Colle-
Aiuin dcr Pricstcr und dcr Senat versammcltc, wcshalb lctztcrcs auch mchr vom srcmpcl cntsernt
»»d wvhl durch Maucr und Thor von dcmsclben geschicdcn war; 8erv. Vii-A. -lon. VII. 153: iii^i
'» k>Uiii,8to looo caii8iliuiii 8oiiatii8 baboio uou potoiiit. Viisto «omi'Iiim Vo8tao iivu t'uit -iii-
LU'io ouiisooi-iitum, iioo illuo couvoiiit 8oiiiilii8 ubi oiant vii'i;ii,e8. IViiiii Iisoo tuoiiit ioj;iii
^Uiiiii^ kompilü. Ast iitrium 8:,no Vcstoo ooiivoniobiitui- iiuost t'uvi-iit Iom;ilo i-omvlum;
»Uch klutiii-oli. IViiiiia 11 rcdct von dicscm Atrium und ncnnt cs die io;;ii, dcs Numa. Das
Danthcon hattc cin Atrium in wclchcm Ilgrippa scin cigcncs Bild ncbcn dcm Bilde des Augustus
»Usstcllte, 1)iv 6a88. 1,111. 27. Vci Api-ia». I. 15 vcrsammclt sich dcr Scnat im Heiligthum der
^'des rZ -r/csrko-s i-oo'r und II. 126 ro r,/s ixoo„. Daß hier mit »oor'
"i"»-' nur das Atrium gcmcint sci bcweist cine andere Stcllc Apiiiaii. I. 25; hicr hat sich die
^°lksmenge in dicscr Stoa dcs Kapitolinischcn Tcmpcls versammclt, Gracchus geht durch dicsclbc,
u-ro«,', hindurch um dic Mcnge zu mcidcn und wird von Antyllus dcr eben hicr opfcrt,
^ ^ oroi? i?r-a,i', angcrcdct; nach dcm Mordc dcs Lchtern cntfliehcn alle öx roü ,'kooü. H>'cr
'si also gradczu von dcr Portikus odcr dem umsaultcn Hofe, Atrium, Stoa, was also glcich ist dcm
^cstibulum dcs Tcmpels bei Val. Rlax. I. 8, 3 u. II, die Ncde, und durch diesc Stcllc cinc
sichcrc Hinweisung auf die Ocrtlichkcit solchcr Vcrsammlungen im Hciligthumc gcgebcn.
Noch wcnigcr ist an dic Cclla zu dcnkcn wcnn gar von Mahlzeitcn im Tcmpcl die Nedc
'si'- so bci Aziziian. VIII. 66 wo Scipio in hcrkömmlichcr Silte nach scincm Triumphc dcn Frcun-
^» ein Fcstmahl, das bekanntc einilniii stov,8 (I,iv. 27, 36) im Kapitolinischcn Tcmpcl, ir- rcÖ ,'k(,m,
80
giebt; und wcnn bci I»uiil. Iiiiiuin. II, 4, 4^7 allgcmcin gcfrngl wird: tzuiil nune, «i >"
ueilniu nil cnviinin vcneiiz, ^äliziie ilii oiiulenlus lilii piir fmlo ul vonoiil, Xpposila
eocii!i elo., so kann MIUI gar nicht zweifeln dciß allc ähnlichen Stellei'. nur auf das der 2lcdcs
angcschlosscne Ätrium, nicht abcr auf dic Cclla dcrselbcn gchcn. 2lus dicscm muß abcr nothwcndiger
Weise folgcn daß mit den Atricn dcr Tempel dic 2lnlage einer Speiseküchc vcrbunden war, und dari
auf gcht Hici'ouviii. inlverr,. »loviii II. 2i) sunt vt enliiiiie iu teuiplo, suut et eellariol.i rl
loieulai'ia.
Es ifc cinc ganz bckannte Thatsache daß bci dcn Hcllcncn überall mit jcder VaulichkcÜ
in wclchcr die Vcrtrctcr des Landcs odcr der Stadt sich zu Bcrathungen übcr das Gcmcinwcsc»
vcrsammcltcn, cin Sakrarium vcrbundcn war, und das bckanntcste Bcispicl hiervon ist das Phokikon
gcnannte wciträumige Vcrsammlungshaus, ztk/xSrt ^xz-« ro ol'x,-.<itt, wo die Abgcordnctc"
der Phokäer zusammcn kamcn und wclchcs kau8. X, 5, 1 bcschrcibt; hier war dcm cigentlichen
Sihungsraume der aus cincm Mittelschiffe mit zwei Portiken als Ncbcnschiffcn (in wclchcn dic ain-
phithcatralischcn Sitzstufcn) bcstand, dcm Eingange gegcnübcr in cincm abgcthcilkcn Chore cin Hei-
ligthum mit Dildern dcs throncnden Zcus, ncbcn dcm rcchls Hcra, links Athcna stand, angcschlosscn-
Bckannter Wcisc bcgann ja jedc Vcrsammlung auf der in Form cincr großcn Portikus (die bei
kaus. ^ lll, 30, 5 oro« «/opir§ heißt) mit Stoen umgcbcncn Agora, mit Opfcr und Gcbctc/
daher in Mittcn dcrsclbcn jcdcs Mal Zlltäre und Götkcrbilder, odcr angcschlosscn derselbcn cin He»
ligthum wie in dcr obcn angeführten Stclle dcs Pausanias. — Ein 2lndcrcs ist cs mit cincr aus
Wcnigcn bcstchcndcn Versammlung von Abgeordncten odcr obrigkcitlichcn Pcrsonen dic zur AbsclM
ßung von Bündnisseii odcr Vollzichung von Ncchtsvcrträgcn zusammcnkommcn, dicsc findcn sich »uch
bci dcn Hcllcncn im Tcmpcl vcreint; inzwischcn ist auch hicr durchaus anzunchmen daß nian >»
dcn im Pcribolos licgcndcn Gebäudcn in wclchcn dic Pricster, Zlufschcr und Wächtcr dcs Heiliglhums
wohncn zusammcnkam und die Gcschäftc abmachte. Daß so ctwas abcr im Hciligthum gcschahc war
ganz natürlich, wcil hicr die auf die Vcrhandlung bczüglichcn Aktcnstükkc nicdcrgclcgt und aufbe-'
wahrt wurdcn. Hicrfür will ich cinigc Bcispiele anführcn. Bci Vemn8»i. io riioi-mioii. wnd
sagt daß Apollodor dcn Phormio im Tcmpcl dcr Athcna auf dcr Akropolis wo nian zusa»»
mcnkam, von seincn Zlnsprüchen losgcsagt habe. Glcichcs gcht auch im Tempcl dcs Hcphast»^
vor (ders. e. Xputur.) und im Tempel der Göttcrmuttcr, dcrs. 0. Xe^eliin. Daß cndlich Fricdc»^
bündnissc, Grenzbcstimmungcn und ähnliche Vcrträge ganzcr Städte und Völkcr, in dcr Eella u»d
am Altare dcs Tcmpcls bcschworcn, auf Stclcn, Altären und Tafcln eingeschriebcn und in der Eclla
aufgcstellt vder an dcn Wändcn und Pfeilern dcrsclbcn zu Zlußen angebracht wurdcn, wcrdc ich wc»
ker unten nachweisen.
Was cbcn von den Römischcn Tcmpeln nachgcwicscn ist gilt noch mchr von dcn Hcllenischc»-
dcnn auch hjci- findct sich die Sittc daß man sich im Heiligthume vcrsammclt und S>)»>^^
sicn ueranstaltct, daß man abcr auch hicrbei nur an dic im Pcribolos gclcgencn Stocn und Vcr-
sannnlungsräume dcnkcn kann ist cbcnfalls klar. Zu Aufnahme cincr Versammlung bcfindct sich >>"
Dclphilchc» Hciligthumc nicht allcin die Stoa odcr die Lcschc der Knidicr, sondcrn auch das Pn?>»''
ncion dcr Dclphier. E,n Glcichcs gilt von der Zllcis in Qlympia. 'HmeviI. IV. 89 sagt ausdrück'
lich daß dic Hallen im Peribolos dcs 2lpollotempcls zu Delion eingcstürzt scien. Von Gastmalci>i>»
Tcmpcl findcn jich auch Beweisc, Ilelioil. ^elli. V. 18; und in dcr Altis zu Olympia in dcr a» d-»
Fcstcn die Zcltc aufgcschlagcn warcn, wurdcn das Festopfcrflcisch vcrzehrt. — Ebcn so von bcsow
dcrs cingcrichtctcn Wohnungcn für Tcmpcldicncr und Schutzflüchtigc; vgl. Ilelioclo,-. ^e»"»?
II. und I». 9; Pausanias war in cincm Hausc im Pcribolos dcr Ehalkioikos cingcschlossc»,
Hiucvtl. I. 131; Ptolomäus lebt im Heiligthumc dcr Artcmis zu Ephcsus, Oio 0a88. XXX2r.
81

15; Pleistonax wohnt in dem zum Zeustcmpel auf dem Lykaios gchörigen Hausc Lliuc^a. V. 16.
Schließlich will ich noch an dcn Ausdrukk vostibulum crinnern auf den ich vorhin (S. 79) ange-
spielt habe und dessen sich die NLmcr beim Tcmpcl bedienen. Zwar ist wie obcn III. N. I. gezcigt
odcr eroo'r-«or-, rr^o'Arroor- so vicl wie vestibulum, jedoch ist zu bcmerken daß die Latei-
uer unter Vestibulum des Tempels cbcn so oft auch das Atrium vdcr die Porrikus, Aule, vor dcm
Pronaos desselben mcinen, wie beim Wohnhause diese Bezeichnung für das Atrium gebraucht wird.
S° z. B. berichtct Vul. Aax. I. 8> 2 daß die dem Aeskulap heilige Schlange aus dem Schiffe
heraus in das Vestibulum des Tempels gckrochen sei und sich hier um cinen hohcn Palmbaum ge-
lchlungen habe der ncben eincm mächtigcn Myrtcngcbüsche stand: snguis ... xrolsxsus in vesti-
1>ulo Aesculiipii mz-rto kreg-uentibus rami« üitkusss supor vminentom exeetsuo
rusgnituilinis palmsm circumiloilit; da nun im Pronaos kein Baum und Strauch stchcn kann,
H ist die Bedeutung des Wortes vestibulum hier klar und wird auch durch die andre Stellc I. c. n
öestätigl, wo gesagt wird daß beim zweiten Brande dcs Tcmpels der Göttermutter nur die Statue
der Q. Klaudia die in vostikulo templi positu ... in 8uu busi tlammis intuetg stolit. Und
dies Vestibulum am Kapitolinischcn Tcmpel nennt ebcn Appian a. a. Orte oben c-ro«. Jn dcm-
lelben Sinne gebraucht Plinius dies Wort öftcrs bcim Tcmpel, und Livius nebst Gellius für das
^itium des Hauscs, vgl. Hypäthraltcmpcl N- 7. Zn diesem Vestibulum oder diescr Portikus woh-
»en ouch die Tempelwächter, Inscript. »p. Alurat. 32, 3: Ve8tse vt Ngtribu« templum, porti-
euiu «t custoiliririuni ilo suo pecunis. ekr. Uioäor XIII 50. Aus allc diescm wird wohl
daß das Pcripleron um die Wände der Cclla nicht aus jcnem Grunde entstandcn war, noch
öU dem Zwckke dicncn konnte dcn Vitruv angab.
Die Bestimmungen und Regeln Vilruvs über die Tempelformen hinsichts der Säulenzahl
da sie mit kcinem der vorhandenen Monumcnte übcrcinstimmen, gar nicht in Betracht zu zie-
nur dic Gattungsnamen haben Gewicht weil sie ebcn übcrlieferte Hcllcnische terminiei teeb-
sind, kommen aber begreifiicher Weise eben deswegen bei andcrn Schriftstcllern nicht vor
^ sich diese niemals technisch ausdrükkcn. Pausanias sagt V. 10, 1 anstatt aoile8 poripteros der
^avs fti srcröz riepi<7ru?.o§, odcr Vlll.30.5 von dem auf derAgora befindlichen und hier nachMorgcn
gtrjchtetcn Tcmpel dcs Zcus Sotcr zu Megalopolis: xkxoo/ti/rtti. ffx ?rcpt§ x/oot und V. 16, 1 vom
^empei dcr Hcra sp/ttOi« «er sorr roo u«ou //ißoios. xior-rs ü« rrepe rrcrnr« ior>)x«orv
«üroi,,- auch kömmt VI. 25, 1 r>«os c-ro«is Lr- xox/lco rrkoi'c-ru-.os vor. Bei Euripides Aoclrom.
1099 heißt dcr Delphische Tcmpcl 7rkoi<-ru?.oc äo'iioi.
2) GLtterbildcr, Ncliefs und Gemälde kommcn, dcn Pronaos abgerechnet, in äußern Stoen
ö-B- vor bei kau8. II. 10, 2; hicr befindet sich in einer Swa am Doppeltempel (N?r/loür- orx^c«)
des Apollon Karncios ein ungchcurer Wallfischknochen, das 2lgalma dcs Oneiros und dcs Hypnos
Epidorcs eincn LLwen cinschläfernd- Das. II. 35, 5 sind rings um dcn Naos des Pluto Klymcnos
Statuen aufgestellt; das. II. II- 8 in cincr äußcrn Stoa dcs Asklepiostempels Dionysos, Hekate,
Aphroditc, Dcmctcr, Tychc, allcs Xoana, Asklepios dabei aus Stcin. — ?g»8. VIII. 37, 1: am
Tenipcl der Dcspoina in der Stoa rcchts, verschicdene gcsvndertc Rcliefbildcr an der Wand, or-oc- rr
6<-rir- Ak^i« xc« xi- ri-r roi^io -.i'Aou -.kuxoo rr-Tror Trk.-roir/iiir'oi, die Moiren und Aeus Moi-
^agctes; Heraklcs dcn Dreifuß des Apollon raubend; cine erzcne Tafel zwischen bcidcn auf welchcr
d>e Einweihungsgcbräuche eingcschrieben sind, Nymphcn und Pane; zuletzt Pvlybios dcs Lykortas
Sohn mit cincr Lobschrift auf denjelbcn. Diese vier untcr sich verschicdcnen Bildwerke wcisen noth-
wendig auf einc gctrcnnlc Anordnung mid eine architcktonischc Sondcrung in vier Znterkolumnien,
Kopcllcn, also vcrschicdcne Abthcilungen in der Stoa hin, indcm man unmöglich vcrschiedcne dem
^»halte nach einander ganz fremde Darsiellungen in cinem und demsclben umgränzten Raume nc,
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ben cinandc,- anbringen konittc. — kolvd. IV. 67 Dorimachos ^crstört dcn Tcmpcl des Zcus zu
Dodona, indcni cr die äußcrn Stocn (bci dcncn also cine Holzdeckc vorausgesctzt werden muß) niit
dcn Anathematcn und auch dic Cclla verbrcnnt, Trttott/xi'ocrkr'os rä 7ie,-! /koov
rk !7 T' ütt § c!/k770!;/7k Xtt! 7rü/)-tt tt!'tt,?1/!!tt!'!.,1' !>tL7/Skt,,k. Xtt7L!7XttI/!L c>k r!ttt 71) i' ! k 0 ttI!
ocxttti',- damit stimmt I)io6or. XXVI. 98: Dorimachos beraubt das Orakcl zu Dodolia
und verbrcnnt dcn Tcmpcl bis aus das Znnerste ro c'k(>ör! rr-.i)i/ rori <7,/xoü. Ein Glciches sagt
Polybios vom Skopas (s. obcn Ik. N. 8 k.) wo unter den Stoen rrr^t r-ö rx/tk^os in dcncn die
2lnathcmata stchcn wclchc zun, Kosmos und auch zum Gcbrauchc dientcn, nur die Stocn dcs Pe-
ripteron dcr Cella gcmcint sein könncn.
Daß nicht bloß im Pronaos des Dclphischcn Tcmpcls, sondcrn auch in dcn übrigen Stoen
zu Außen Anathcmata standen, geht aus Lurii>. ckon 108, 155, 173, 177 hcrvor, wo 5on dic
Naubvögel vom Dachkranze (ö-oi-xos) dcs Tcmpcls verscheuchen will, damit sie sich nicht auf die
<7k!!7-' «r«So)ttttr-tt hier sctzcn und dieselbcn bcschädigcn, cine Vorsicht wclche sür erzene Werke
im Pcribolos unnöthig gcwcscn wärc. Wandgcmäldc ini Pcripteron bczcugcn Imeim,. Xmor. 8
wo die Stocn um dcn Dionysostempcl mit '//owc-cots «üAors bcmalt warcn. Strabon. IX. ?. 396
sagt ausdrücklich vom Tcmpel dcs Zeus Elcutherios im Piräus daß im Ailhrion (Pcribolos) Sta<
tucn, in dcn klcinen Hallen abcr Bilder gewcscn seien: roü ÜL tk^oü -r« ,tru oro/N« rri-
^«-/«s Sttr-/t«oror-s k'o--« rcär, /7r!!/-«r-!ch,' rk^rcr-rö^' rco Ü' VTrttcSoor «r/Fjittti/rtts. —
3) Das aus Winkclmanns Werkcn bckannte Nelicf I. Taf. 15. 16.
I) Uebcr den pscudopcriptcrcn Tcmpcl äußcrt sich Vilr. III. 2, 6 UsoiKloüiptoros aute"'
816 oolloontnr, uk III Iroiito ok i-08tioo siul ootumimo ootoimo. iii Iatoriliu8 oum 0iiiiularibu8
<iuilii1viiiio, 8int autom j,r>rivto8 eollao ooiitra liiir>tori!U8 oolumuri8 moilir>iir>8 iu kroulo vt
8tieo. Itri iluorum inlorcolumiliorum ot imrro crr>88ituililii8 oolumurio 8i,r>liuui orit -> xaiieti-
bu8 ciroa rrä oxtrowo8 oriliiiv8 eolumi>r>rum. Nujii8 oxomplrli-llomrlo noii 08t, 8oä A1r>sno8i-w
Oiunrio IIormo i;oni8 Alabanili vt 7lpoItini8 ri IUouo8lIio krietri; nimmt man als Ei'gänzung Hk-
3, 8 hinzu: I1orn,0Loiio8, ciui etikim i,rimu8 boxr>8t^Ium ?8ouclo>lij,lorivo I'utioiiom iuvouil
Lx viptori enim r>oüi8 8^mmotiir> 8U8tuIit intorioro8 orüii>o8 columnr>rum XXXVIII orlgue
laliorie 8umptu8 oj,ers8«iuo eompenclii kocit. 18 in moclio ambulalioni laxnmontum ossioS>o
oiicri oellriiii tooit clo r>8j,octuc/uv uibil imminuit, 8oc! 8ino «to^iüerio ^uporv-aeunruni
eonservrrvit auotoritritom toti„8 opori8 cli^tribuliono (wobci übrigens das Ergcbniß dcr Eriveite!
rung richtig ist) und die nun folgcnde Mcinung: daß das Ptcroma um die Cclla entstandcn sci "M
der Menschcnmenge Schutz gcgcn Negcn zu gcwährcn, so hat man dic Ansicht Vitruvs übcr dicst
Form vollständig. Man muß bci ganz unbcfangcncr Würdigung dicscr Mitthcilung abcr gcstehc"
daß Vitruv sich hjor cbcn wiedor irt'e wic obcn in der Ansicht dic cr vom Zwckke dcs Periptcro»
hatte. Ebcn so falsch ist auch dic letztc Stcllc III. 3,8 von dcr hcxastylcn Pscudodipteros; dcnn cinc
sechssaulige Pscudodiptcros kann cs dcswcgcn schon nicht gcbcn wcil alsdann dic Cclla nur die
Brcite cincs Zntcrkolumnium habcn würde. Dcsglcichcn unrichtig ist dic Angabc dcr Änzahl
Säulcn wclchc Hcrmogcncs habe ausfallcn lasscn, wcnn anders dics nicht auf dic Abschrcib"'
kömmt; denn wenn die Diptcros mit 15 Säulen zur Scitc und 8 in dcr Fronte cinschlicßlich den
Ecksäulcn festgcsetzt wird, so kLnncn dcmnach in dcr inncrn Reihc auf jcdcr Scitc nur 13, aus jcd"'
Frontc aber nur6 cinschlicßlich, odcr4 ausschließlich den Ecksäulen, also13.2 -j- 4.2 —XXXlVSäm
len gcstanden habcn, mithin auch nur cbcn so vicl weggclasscn wordcn scin. Die ganze Angabc dap
die Pscudodipteros bloß wegen der 8 Säulen in der Frontc als cinc Diptcros crschicnen und dcs
halb Pscudodiptcros gcnannt sci, jst albcrn. Zch dcnkc mir dic Sachc so. Wcnn es heißt daß
ohncrachtet dcr fchlcndcn inncrn Säulcn «lo s^zioclu nibil iiumiiiutuii, so muß in irgcnd cinct'
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Wcisc cin Slclk dcr himveggcsnhrtcn Säulcn cinc Form gctrctcn sein wclchc dicselbcn schcinbar
wicdcrgab; dics konntcn nur Halbsäulcn odcr Pfeilcr an dcn Ccllcnwändcn sein, wclche dcn oxlromos
«riZines columimrum cntsprcchcn und mithin die Wände cbcn so zum Pscudoperiptcron machcn wie
IV. 8,6 bci dcr Pscudopcriptcros der Fall war; denn wie dic Peripteros zur Pseudoperipteros wird
wcnn man an Stcllc dcr srcien Säulen Wandsäulen oder Wandpfciler seht, wenn also dic
ÄNtcrkolumnicn durch Wändc gcschlosscn wcrden, so wird dicsc Pscudopcriptcros zur Pseudodipteros
^ bald man sie noch mil cinem Peripteron umgiebt; dcnn die Dipteros selbst ist doch weiter
"'chts als cine Pcriptcros um die noch cin Peripteron hcrumgcht. Also nur dann wenn bei ciner
^eriptcros sich Halbsäulcn, Pfcilcr oder Parastadcn an dcn Wänden der Cclla befinden, kann von
eincr Pseudodipteros dic Ncdc scin; dagegcn kann wcder dcr Abstand dcs Pcripteron von dcr Wand
»och die Zahl der Säulen in dcr Fronte auf dcn Namcn und das Wescn der Form von Ein-
^uß scin. Daß dicse Ansicht gcgründct sei licgt in dcr Sache und wird auch durch die späte Zcit
iu wclchc die Anlage der Form geseht wird bckrästigt, indem hier schon dcr Vrauch allgcmein wi'rd
Wändc dcr Cclla mit Halbsäulen und Pfeilern zu verschcn.
5) Babin p. 29 und 30 sagt vom Parthcnoin I-e loiikp üu tomplo il x » uno ulläe ou
8-iIei-ie »e clmciue cole, ou Nou pa88e eutce les murailles ilu temzilo ot lüxsext kort Iieaute8
et iort j;ro88L8 coloniue^ erniiielee8 . . . klnlre ce8 Iieaux iiilioi8, il ^ a le loiiF üe cette
balerio uiie potite iiiui iiille, cjui Ic>i88e entre cliacijiie colomne un lieu <jui 8eroit 088v8 Ion§
ot 88808 liN'F pour sairv un sulol ot uno cli-ijiollo, conimv I on voiil uux coto8 et proclie
'te8 mur.aille^ <Ie8 z;riinile8 ez;Ii8e8. Zn dicscn Wortcn ist ganz klar ausgedrükkt: zwischcn diescn
^chönen Säulcn ist cntlang dcs Ptcron eine klcine Maucr, wclche zwischcn jcdcr Säule (also
'u jcdcm Znterkvlumnium) cinen Naum bildct, dcr so lang und so breit ist um dasclbst cincn Altar
u»d cine Kapclle anzulcgcn, wie man es zu dcn Seitcn und cntlang dcr Maucrn dcr großcn (christ-
i'chcn) Kirchen sicht. Auf dcn crstcn Anblikk scheint cs als wcnn jcdcs Zntcrkolumnium von
Uorn durch dicses Mäucrchcn gcschlossen wäre, abcr dann könntc noch kcin Ort nach dcr Länge
Uud nach dcr Brcite (Ticfe dcs Ptcroma, von jedcr Säulc bis zur Wand) zuglcich abgcschicdcn
werden; es ist dahcr ganz dcutlich gcsagt daß jedes Zntcrkolumnium nach dcr Ticfe durch dicse
Iwtitv muraillo von dcm andern gcschiedcn und zu cincr Kapclle gewordcn sei. Wcr die großen
^othcdralcn dcs Mittclaltcrs, besonders dic Französischcn bctrachtct, dcr sicht abcr soglcich wie wahr
dor Verglcich jener äußcrn Einrichtung dcs Parthcnon mit dicscn ist; dcnn cs findct sich als ganz
ibpisch daß in dcn Seitenschissen- die Fcnsterräumc der Wändc, also der Naum von ciner Gewölbe-
^>hcnwcitc oder cincm Zntcrkolumnium bis zum andcrn, stcts zu eincr Kapelle (mit cinem Altare)
öurch Gittcr abgcschlosscn ist, ja bci dcn fünfschissigcn Kirchen ist großcnthcils jedcr Fcnsterraum aus
öor Wand hinausgcbaut und zu cincm Kapcllcnbauc gewordcn.
Dicsc Nachricht ist von unschätzbarcr Wichtigkcit und bewcist grade zu was sich nur mit
Schwicrigkeit aus allcn Rcsten der Ucbcrlicfcrung hcrausstcllcn ließ; daß dicsc Einrichrung dabei
3anz ursprünglich sci, bedarf gar kciner Fragc. Sodann gicbt dcrsclbc Reisende piij;. 45 noch
^nc Nachricht wclchc dic Sachc außcr Zwcifcl sctzt und dcn Bewcis liefert wie dic Ncugriechcn die alte
^orgefundcne Einrichlung dcr Jnterkolumnien dcs Pleroma gradc zu und unvcrändcrt übcrnoinmcn
u»d für jhrcn Kulkus cbcn so genutzt haben. Wo er ncmlich von dcn damals in cinigen Theilcn noch
^ohr gut erhaltcncn Ruincn des Olpmpischcn Zcustcmpcls rcdct (dcn er sür im pslui8 kort msgiii-
i>«luv dcs Hadrian hält), sagt cr daß 4 Zntcrkolumnicn dicscr Säulcnhallc jc cinc Kapclle bildcten:
onlre ijusti o <Ie c«8 eolomne8 il z- s uiio petite cliajiello <Io8 6rec8 tout eulierc, msi8 izui
^ 08t jsmsi8 kermeo et üont il no 8orveut point.
Wcnn also die christlichcn Gricchen in dicsclbcn Räumc die mit Göttcrbildcrn odcr Ana-
öhematcn gcfüllt waren, ihrc Altärc mit Heiligenbildern sehtcn, so wird dcr Schuh der Vildwcrke
11 *
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hier sichcr scin. Zch verdanke dicse kunstgeschichtlich so wichtigcn und sehr dclangreichen beiden
Mittheilungcn dcm H. Hefte von L. Roß Hellenika, und habe es ohnerachtct des schon übcr diclcn
Bogen hinausgclchrittenen Drukkcs doch noch möglich gemacht sie aufzunchmen.

Thüre der Cella.


Für die Verrichtung der gottesdienstlichen Gebräuche in der Cella des Tein-
pels betritt man diesen Raum nur vom Pronaoö auS durch die mächtige Thüre,
Pylon, Thyroma^, mit deren Doppelflügeln sich dem Anblikke eine Herrlichkeit an
Kunst und Großartigkeit deö Aufwandeö eröffnet, die alles überbietet waö in den
Räumen um die Cella her auögebreitet war. Weil diese Thüre die einzige Pforte
ist welche zum SiHe oder, wie sich Cicero auSdrükkt: zum irdischen Hause^) deS
Gotteö führt, so haben die Alten mit jenem ihnen eigenen Takte der stetS auf daS
Wesentliche alleö Gewicht legt und es in der Form als solcheö hervorzuheben weiß/
auch diesen Theil mit besonderer Vorliebe behandelt^), ihn nicht nur durch imposante
bauliche Verhältnisse und charakteristische Bildwerke sondern auch durch Anwendung
kostbaren Materialeö wie vergoldetes Erz, Gold, Elsenbein und Schildpatt in Vec-
bindung mit seltenem und wohlriechendem Holze, zu einem Haupttheile deö Tempel-
baueö gemacht und ihn so als Pforte deö Allerheiligsten RaumeS würdig bezeichnet.
Abgesehen von den Parastaden oder Antepagmenten mit der prächtig geö'l-
deten Krönung ihres Hyperthyron, sind es die Flügel der Thüre und insbesondere die
Zwischen deren Rähme oder Schenkel gespannten Tympana oder Füllungen welche daS
Auge auf stch ziehen; denn diese stnd eö eben auf deren Fläche bedeutungsvolle Bild-
nereien ausgebreitet sind welche sich entweder als Anspielungen auf den Gedanken deS
Raumes den sie hinter sich bergen, oder aber, was als typisch neben diesem betrachtet
werden kann, als symbolische Darstellungen in der Bedeutung deö schüHend Abwehrenden
und Hütenden erweisen, wie Gorgonenköpfe und Löwenmasken. Diese merkwürdige
Kunsisitte Apotropaia und Phylakteria zu bilden und mit ihnen, als SchuHmittel gegen
Profanation, den Eingang deö Heiligthumeö zu bewahren, ist eine Sitte welche ties
im Glauben der Alten an Fascination wurzelt, und eine Thatsache welche einzig deü
Schlüssel zur Lösung des interessanten, auö baulichen Bedingungen niemalö erklär-
baren RäthselS bieten möchte, warum nach Vitruv und andern Ueberlieserungen die
Thürflügel der Cella auöwärts nach dem Pronaoö zu aufschlagen musten; denn iudeM
bei eröffnetem Eingange die äußern Seiten der Flügel sich an die Stirne der Thür-
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wand lehnen und so für den Eintretenden unsichtbar werden, verschwinden natürlich
auch jene Bilder deö Phylakterion und der Abwehr und sind so gleichsam außer Kraft
und Wirkung geseht. Einzig nur hierauö, daß eben diese Weise deö Oeffnenö der
^hürflügel eine Prärogative deö Tempelö war, erklärt es sich auch weshalb eö eine so
auögezeichnete Ehre sein konnte wenn einer Person, wie z. B. dem Poblikola, daö
Recht beigelegt wurde die Flügel ihrer Hausthüre in gleicher Weise öffnen zu dürfen;
es war also dieö eine hieratische Ehre die gleich der war wenn man Jemand er-
laubte einen Aetoö d. i. ein Tempelakroterion auf den Eingang seineö Hauses seHen zu
bürfen, wie lehtereö unter anderm dem Cäsar zuerkannt ward.
Bei der Einweihung deö Tempelhauseö war eö auch die Pfoste der Thüre
welche der Weihende mit der Hand ergriff, um daö Gebet zu sprechen in welchem
die Gottheit angerufen und eingeladen wurde BesiH und Wohnung im neugegründeten
Hause zu nehmen. Da sich auch gewöhnlich im Hyperthyrium die Dedikationsformel
wit dem Namen deö Weihenden eingeschrieben findet, so war eö eine beneidenöwerthe
Ehre die Weihung vollziehen zu können, indem so mit dem Tempel daö immerwah-
rende Gedächtniß vom Namen deö Weihenden erhalten wurde '); indeß möchten anstatt
dieser auch andre bezügliche Jnschriften hier PlaH gefunden haben, wie es wenigstene
aus den drei L der delphischen Tempelthüre°) geschlossen werden kann. Eö ist auch
die Thüre an welcher alö uralte Opfergabe der mit dem Fruchtseegen der Erde geschmükkte
^elbaumsproß, die Eiresione ausgestellt wird°); sie ist eö auch an der die Gottheit oft
Dnnna geschehen läßt um gewisse Dinge vorher zu verkünden; und so wie Pronaoö und
Thüre an festlichen und freudigen Tagen mit Kränzen geschmükkt wurden H, so wird
an Trauertagen die Thüre selbst bei Tempeln die sonst Tag und Nacht geöffnet sind,
Seschlossen und der Zutritt zum Tempel in der Weise verweigert daß man den Eingang
dioß durch ein vorgezogeneö Band versperrt^).
Außer der künstlerischen Rükksicht der Cella auch einen ihrer Würde entsprech-
enden und mit ihren Raumverhältnissen im Einklange stehenden Eingang zu geben,
so beruht das oft erstaunliche Maß der Thüre, die große Höhe und Breite derselben
aber auch auf einer sehr realen Nothwendigkeit welche der Kult bedingt. Dieö ist
näinljch der Umstand daß man bei Verrichtung deö BrandopferS auf der Thymele vor
den Stufen deö PronaoS°), die Thüre der Eella öffnete damit der Opsernde daö Kult-
bild anblikken und umgekehrt auch dieses, welcheö vom Numen der Gottheit erfüllt
gedacht wurde, bei dem ihm dargebrachten Opfer in Gegenwart sei und es in Empsang
Nehme; denn ohnerachtet dieser OpferplaH um die Höhe der Tempelstufen niedriger liegt
als der Boden der Cella, so würde man dennoch daö AntliH eineö in mitten der Cella
Hehenden kolossalen KultbildeS welches hoch in den Raum hineinragt und überdies noch
nuf einer hohen Basis aufgestellt war, nicht von ihm aus haben erblikken können,
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wenn nicht die Höhe der Thüre hierfür hinreichend gemacht worden wäre. Durch diese
Eröffnung der Thüre beim Opfer war somit der geweihte Ort der Thymele außerhalb
de6 Haufes mit dem Sihe des Bildeö im Iunern zu eiuem Einheitlichen zufammen-
gezogen und zu einer Kultstätte vereinigt, ohne daß die Cella durch Rauch und blutigen
Opferabfall der Veruureiuigung auögefeht werden durfte.
Waö die Richtuug der Cellenthüre angeht fo schaute diefelbe nach Osteu wie fchon
der gauze Pronaoö, und davon findeu sich wenige und nur im Kulte begründete Auö-
nahmen. Denn im Osteu ist der Sitz der Olympifchen Götter gedacht, und deöhalb,
wenn man bei Anrufung deö Kultbildeö in die Cella hinein, alfo nach Westen fchaueu
muste um dasselbe anblikken zu können, so wandte man nach Beendigung des GebeteS
daö Antlitz nach Osten, nach dem Sitze der Himmlischen; dahin schaute auch fchon das
Kultbild felbst, und eö war eineö der Schrekkenöwunder wenn fich daffelbe auf
seinem Bathron um und nach Westen oder Mitternacht wandte

Z u f ä ß e.
8. I. Ter Gcdanke die Thüre durch Apotropaia zu charaktcrisircu läßt sich bcsondcrö
aus Cicero Vorr. II. 4, 56 sgg. Lelegen wo dcr vom Verres ihrer Ornamcntc bcraubten Thürc veö
Athenatempcls zu Syrakuö gedacht wird, von der Cicero versichert: valvas ma^nitloontiores, ox
auro atgns odoro porleetioros nullas umguanr ullo tomplo tuisso. Die Bildwerke in valvis
waren ex eboro lliliFontissime psrkoota srZumenta; cin OorAonis os puleborrimum, orinitum
anZuibus sichcr in dcn Tympanen oder Füllungen, und buliao auroao multao ot ^ravos attl
den Rähmen. Bedenkt man daß schon die Vercinigung der Schlange, die gewöhnliche
ö>xts, mit dem an sich sowohl schönen als auch wieder grausenhaften Medusenhaupte in dic
Reihe der Phylakteria gehört, und nimmt hicrzu noch die Anwendung der Löwenmaske welch"
gleiche Bedeutung unterliegt, so ift cs nothwcndig daß wenigstens so viel über dic Bedcutung
dieser Symbolc hier beigcbracht werdc a!S zur Erklärung ihrcö Kunstgebrauchcs uncrläßlich ißi
dcnn nicht bloß aus dic Thüren dicses TcmpelS, weil cr cin Athenatempel war und das Gorgo^
ncion dem Mythos der Pallas angchört, bezieht sich daö Gorgoncion als Phylaktcrion, sondcr»
auf dcn Thürcn jcdes Tempels wic jedcs Hauscs sindcn sich Symbolc gleichcr und verwandtcr
Bedeutung.
Dcr Glaubc daß gcwisscn Bildungcn und Produktcn der Natur odcr gewissen Gebcrdeu
und Zcichen cinc geheime Kraft inlicgc welche das Schäbliche und Neidische abzuwehrcn u»d
das Fcindlichc zu vcrderbcn im Standc sei, mithin von der einen Scite Schutz und Scgen g0'
währe, von dcr andcrn abcr Tod und^ Vernichtung crzcuge, ist cin Gcdanke dcr sich bei ulleu
Völkern dcr altcn lldelt sindct und in ihrer ganzen Lcbcnsanschauung bcgründct ist; es hat
dcr Gebrauch dcr Amulete von ihnen bis zu dcm Aberglauben unsrcr Tage übcrgetragen. I'Iiuiu^
8. IV. XXVIII. handelt weitläufig hierüber und gesteht aufrichtig daß eö wohl keinen Mcnscheu
gebc der sich nicht vor Verwünschungen und Bezauberungcn fürchte. Untcr allen Amuleten nininü
87

wdcß in der Kunst bei dcn Hcllcnen das in dcr spätern Zcit mit wunderbarer plastischcr Schönheit,
srüher aber im Ausdrukke dcs grauenvollsten Entsetzens und tödtlicher Vernichtung gcbildetc Gor-
gonenhaupt die erste Stclle ein. Betrachtet man di'e Sagen von der Medusa, bcsonders die Vcr-
wandlung ihres Haarcs in Schlangen, womit, nach cincr sicher sehr alten und ursprünglichen
Sage bci Ovid Netam. IV. 795, Athena diese schöne Jungfrau strafte weil sie ihr Heiligthum
ontweiht hatte, so scheint unter dicsem Kunstsymbole am Tempelhause ein warncndes abschrekkendes
Zcichcn vor Profanation gegeben zu sein. Tie Sage legt dcm Haupte der Medusa, einer Lokke
°der einem Bluttropfen dcsselbcn jene geheimwirkende Kraft zum Segen wic zum Verderben >bei.
Die Tegeatcn gaben vor im Besitze einer Lokke der Medusa zu sein wclche sie, ohne indcß dieselbe
a»zublikkcn, nur drei Mal auf der Mauer in dic Höhe zu heben brauchtcn um soglcich den an-
dringendcn Fcind in die Flucht zu jagen, kaus. VIII. 17,1; Xpolloflor. II. >,3. Athcna selbft
gcbraucht das Gorgoncion ihres Chiton um ihre Priesterin Jodama. welche dcS NachtS ihrcn
^cmpel betritt in Stein zu verwandeln, ?aus. IX. 34, I. Nach Apollodvr III. 10, 4 erhiclt
^iöklepios von Athena die Blutstropsen der Gorgo, und mit dem Blut welches aus den linken
Adern dcö Halses gcflosscn war verdcrbte er, mit dcm aus den rcchten Adcrn gcflossenen Blute
aber heilte er und erwckkte die Menschen vom Tode; cinc Sage die auch bei Lurip. llon 1006,
^09 vom ErichthonioS crzählt wird. Jm Kostümc dcr Athena, mit dem Gorgoneion vor der
Brust, besucht die Priestcrinn dcr Göttinn in Athcn daS Haus jedeS neuvcrmählten Paares,
wahrschcinlich um Haus und Hccrd zu segnen und daö Ilebel von ihm abzuwendcn, /onaras
p. 77; jedcm ncugcbornen Kinde heften die Athcncr, wie die Römer die Bulla, alö
kbwchrendes Amulet ein Gorgoncion nut goldenen Schlangen als Biustschloß an das ersie
Hnndchen, Lurip. lon 1395 und wenn dics bei Euripides als ein von der Athena auSgehcn-
bes Gebot gcnannt wird, so hat die Göttinn sclbst an ihrem Pfleglinge Crichthonios ein Vorbild
bnfür gegeben, dcnn auch dicsen hatte sie nach Apollodor III. 11, 6 mit cincr iLchlange um-
wunden in die Kiste gclegt um ihn unversehrbar und unsterblich zu machen. Dcr Bcgriff des
^egcnbewahrcnden liegt auch in dcr Geschichte mit dem Themistokles bci I'lutaroli. Tlromist.
lv; denn als hier die Athcnäer die Burg räumten und mit dcm Xoanon der Athcna zu Schiffe
lÜNgm, verloren sie unterwegs daö crzene Gorgoncion dcr Göttinn; Themistoklcs stcllt sich als
siiche er dasselbe, findet es am Wege liegcnd und untcr ihm eine große Summe Geldcs. Da-
ÜPen flohen die angrcifendcn Aetolier im Schrckken von Pellena als die Priesterinn der Athcna
>nit der Rüstung der Göttinn angcthan aus dem Tcmpcl trat, kolMen. StratoF. VIII. 59; denn
^ glaubten jcncs alte Athcnabilv zu erblikkcn welches in eincm Adytvn unter dcn Füßen dcS
bon Phidias gcarbcitctcn chryselephantincn Bildcs vcrborgen gchalten wurde, abcr von Niemand
""geschaut werden durfte da cö sogar die Früchte deS Felbes und die Bäume vcrdorrcn machte wcnn
nian cs heraustrug, vlut. Xrat. 32. Als Phylaktcrion und Apotropaion findct sich dic AigiS odcr
blvß die Gorgomaske vielfach; z.B. am Akroterion deö Zcuslempels zu Olympia, ?aus. V. 10,
CyclopischeS Gorgoncivn beim Tempcl des Kcphissos zu ArgoS, ?aus. II. 2tt, 5; anch war
eines hffr auf dcr Agora in der Erde vcrborgen, I. e. II. 21, 6; an dcr Akropolismauer zu
^lthen I. o. I. 21, 1; schöne Stirnziegcl mit der Maske sind auf dieser Burg cbcnfallö gcfundcn.
Cin vortreffliches Ercmplar dcr Gorgonenmaske mit Flügcln zwischen dcn Schlangcnhaarcn ist
bns bckannte Rondaninische Bilbwerk in der Münchencr Glyptothek; mit gcbrochcncn Augcn zeigt
ben Kopf eine Gemme der Stoschischen Sammlung, vgl. Älus. Lorlr. IV. 39; furchtbar und grauen-
88
haft daS in Stabiä gefundene Wandbild, von Zahn Ornam. 58 mitgctheilt, von dem es interessant
wäre >einen Zu>ammenhang mit den übrigen Dekorationen des Raumes zu wissen in dem es ge-
funden wurde. Sonft kommt sie auf dcr Brust der Pallas sehr oft auch mit blökendcr Zunge
vor wie ihrc gcflügelten Schwestern auf Vasenbildern. Sehr gut sagt Virgil Xen. VIII. 338
vom Blikkc der Gorgo die Vulkan arbeitcn läflt 6orAvna äesooto vertentem lumina eollo>
Scrvius I. o. 435 zu den Worten XeAiäogus Iiorrileram^ Xe^is proprie est munimsntum
psctoris aereum, Iialzens in meäio 6orAonis caput; guod munimentum ctc. Für den Begrisl
des Abwehrenden spricht auch die Stelle aus Llartiril. IX. 26: Xvertam vultus, tawcin-iw
milii poeula 6or§on porrexit. Der furchtbare Blikk ist überhaupt -ma^Tros, Atheiw
sclbst wcnn sie schrckkt heißt bei 8opIi. Xi. 45N. Uebcr die Fascination mittelst des
bösen BlikkcS (mal oeeliio der Jtalicner) dcr namcntlich dcn Weibcrn beigelegt wird wclche
doppelte Pupillcn haben, vgl. 6eII. Xoct. Xttie. IX. 4, 7, ?Iin. H. X. XXVIII. 5.
Es ist vorhin ausmerksam gemacht daß auch die dem Kopfe angebildeten Schlangen-
haare dcshalb die Bedeutung des Schützenden und Hütendcn verstärkcn weil auch die Schlange
in dcr Regel als Wächterinn und Hüterinn vcrborgener Hciligthümcr gefaßt wird. Das be-
kannteste Beispiel ist die Haus- und Burghütendc Schlange dcr Athena Polias Heroäot. VlH-
41, die auch in Asklepiosheiligthümern als solchc vorkommt, ?rius. II. II, 8: II. 28,1; die Schlangc
welche Athena ihrcm Pfleglinge Erichthvnivö alö Wächtcr bcigiebt, XpoIIoclor. III. 14, 6; die
Schlange welche die Hesperidenäpfel bewabrt, I. c. II. 5, II; der Quellenhütende Drache bci dcr
Aretiadischcn Quellc zu Theben, I. c. IV. I, ?aus. IX. 10, 5, den Kadmos crschlägt um 26as>ee
zu einem Opfer für Athena zu erhalten; vgl. Oviä. ?ast. II. 259 wo der vom Phöbus S">"
Waflerholen abge>endete Rabe durch die Quellenhütcnde Schlange Iiz'ärus... obsessor aguaruw
am Geschäfte verhindert wird. Python als Schlange hütete selbst die Kastalia inDelphi, und das
Kolchiichc Vließ bewacht cinDrachc; deswcgen machcn ihn auch diePoetcn überhaupt zumSch"^
wächter, ?lmoclr. ?rid. 4, 9 und nach Fcstuö sind dic Schlangcn dem Asklepios cjuia vixilantissiwi
putsliantur zugetheilt. Es ist aber wichtig daß es im Allgemeinen rcligiöscr Brauch war hcilige
Gegcnstände und unbetretbare Orte durch Bezeichnung mit Schlangenbildern vor Profanation Z"
hüten, und davon kenne ich alS das gewichtigstc und ganz allgemein gültigste Zeugniß das
des Persius 8at>r. I. 112: Hme, iiiguis, veto ljuisczurim laxit oletum. ?inge cluos
zues; pueri, saeer est loeus, extra Xleiite, womit es schr schön übereinstimmt daß nach Ov>4-
Äletrimorpli. iv. 795 die Gorgo zur Strafe dcr Heiligthumsentweihung Schlangc"'
haar erhiclt; ganz ahnlich wic bei 8erv. Vir§. Xen. III. 113 die Mutter der Göttcr die ÄW-
lanta und den Hippomcncs in Löwcn vcrwandelt und sie ihrcm Wagcu anjocht, weil beive sich
ebenfalls im Heiligthum der Göttinn umarmt hatten. Und wcnn übrigens dic Tegeaten dic
Haarlokke dcr Gorgo alö Apotropaion gebrauchten so ist schon hierauö die Bedcutung bcr
Schlange klar, denn dieie Lokke konntc demnach doch nur auö ciner Schlangc bestehen. Dahcc
auch anstatt des Gorgoneion das Graunbild der Schlange sehr oft alS Schildzcichen, wie z-
«esiocl. 144; ?aus. X. 26, 3; VIII. II, 8. olr. Oviä. ?rist. II. 340; auch daö Sp'i'bol
dcr Schlange welcheö dem Lakcdämon nach dem Loose bei Xpolloclor. II. 8, 4 und 5 z"M,
wird hier so gcdeutet daß die Lakedämonier als Vorkämpfcr fürchterlich scin würdcn. Mcrkw">'
dig, da Gorgo als ei» auch zur Mythologie Poseidons gchörigcs Wesen der Athena feindlich c"?
gegcnsteht, ist auch dic Vcrnichtung deö Poseidon-Priesters Laokoon, VirZ. Xeir. II. 200 sgg-
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durch die Haushütendcn Schlungen der Jlischen Athcna, welche nach der That V. 225 wieder
w das Heiligthum zu dem Bilde der Göttinn zurükkehren; Servius bemerkt hierbei zu der
ersten Stelle: XnousZ Lczuarum suut, serpsutes terraruin, äraeoues templorum.
Was die vielen bullao jencr Thüre bei Cicero angeht so sind dics weiter nichts als die
goldenen Köpfe der crzenen Nictnägel welche die Rähme und Füllungen unter sich verbin-
don. Metallene bull-rs der Hausthüre erwähnt auch ?Inut. Xsinar. II. 4, 20: llussin' iu splon-
^orsm äari bullas Ims lorillus uostris? woraus hervorgeht daß man sie an Festtagen blank
putzte. Daß die Kvpfe solcher Nägel gewöhnlich cin Gegenstand der Bildncrei sind ist schon
don den Thüren des Pantheon bckannt, und auf Vasenbildern, Reliess, Grabkammern (Ulrichs,
Reisen u. s. w. S. 52) kommcn sie in der Regel an den Thüren vor, sowvhl stark crhoben alS
uuch siegclförmig und flach wie eine Rosette oder Linse; die stark hervorgehobcnen mögen wohl
stodient haben um die Kränze mit denen man die Thüren schmückte anknüpfen zu können. Wahr-
lcheinlich sind unter olavi cspitati bei Varro k. U. II. 9 solche Nägel mit stark erhobenem Kopfe
gonieint; auch Vitr. VII. 3, II ncnnt Nägel mit breiten Köpfen elavi muscarü, wozu zu
dgln. pliu. H. IV. XII. 26, 57 und vioscoricl. III. 55. An den deutschen Häusern des Mit-
'elalters finden sich die Holznägcl dcs Holzvcrbandes an den Fayaden, mit Köpfen von gleicher
Forni versehcn; eben so sind die Kopfe der cisernen und hölzernen Nägel der Kirchen- und
Huusthüren sehr schön gebildet. — Wenn nun Cicero ausdrükklich dullae statt clavi sagt, so setzt
bas durchaus den Begriff eincs Amuletes, eineS Apotropaion oder (ckr. 6oIIius
^Vl. 12, 4) voraus, denn als solcheS ist die dulla bekannt, und es wird klar daß das Bildwerk
kodes Nagelkopfes aus einem kleinen Gorgoneion bestandcn habe, wobei ich aufmerksam mache daß
6ch im Königl. Museum zu Berlin solche kleine Gorgoneia auS gcbranntem Thone befinden welche
e>ne ähnliche Ortsbestimmung gehabt habcn mögcn, indem die Fiktilia bckanntlich als Ornamente
""f Holz schr ausgedehnte Anwendung fandcn. LuIIa, lunula und Gorgoneion aber sind ein
»nd derselbe Gedanke als Apotropaia; daher findct sich in Vasenbildern auch cin kleiner Mond
anstalt dcs Gorgonenhauptes auf der Brust der Athena, und für dieses spricht Hieron>m. in
h^ai. II. 3, 18 Imbent muliorcs in lunao similituclinom bullulas äoponäontos; ähnlich Isicl.
0»§. XIX. 31. üunulao, ornamonta muliorum in similituäinom lunao bullao äoponäontis;
^uch aig Ornament von Kleidern, DortuII. Oult. kom. 10. Bei Hlaorob. 8aturn. I. g n>ird
uusdrükklich gesagt daß vor dem Triumphator die Bulla als Mittel gctragen sei, den Neid
«bzuwehren; auch die Aegyptischen Priester formten aus Räucherwerk und Wasser cin kleines
Dild in Gestalt eincs Mondes, als ein Symbol dcr Abwehr gegen den aus Aeihiopien kom-
wenden Südwind odcr den Typhon welcher die Gcwässcr austrokknete und Dürre der Erde
Herbciführte, plutarob. Is. et Osir. 39. 6Ioss. üabb. erklären LuII-a oder LoIIa ^r/uc'crxos und
^wulotum. ^u-.ttxr,,P,on- okr. plutarcb. H. kom. 76, und 101 heißt cs: daß
bie /Sou-->j, äolisch ,So-.-.«, das «7/,/«« r,/s c>k-.,habe, oder gc«xoxcäks --«I ch<7xo»äes und ein
Vu-.«xr,/(uo^ gegen unsittliche Entweihung der Jugend sei; denn es scheinen auch die Mädchen
bies Amulct erhalten zu haben, wie wenigstens aus klsut. kuä. IV. 4, 127 hervorgcht, wo
bie kslsostra sagt: Lt bulla auroa est, pator c>uam äeäit mibi natali äio.
Eine ganz gleiche Bcdeutung der Abwehr und des Phylakterion von geheiligten Gegcn-
siänden liegt dem Löwcn zu Grunde und dcswegen findet sich entwedcr sein ganzes Bild, oder
nur ftine Protome auch auf glcichbedeutende Weise in der Kunst gebraucht; denn obgleich die
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symbolische Bedcutung dieses Thieres in der Hellenischen Kunst und Mythologie noch nicht ent-
räth>elt ist, so vcrmögen doch folgende Stellen allein schon es zu crwcisen wie ihin, wenigstens in
den meisten Fällen nur die ebcn angegebcne Bedeutung in der Kunstsymbolik zu Grunde liegt.
— Zuerst erscheint der Löwe alS Hütcr der geweihtcn Wasser und Wasserausgüssc. ?c>II. VM.
113 sagt zur Erklärung deS erzenen Löwen der nach Athenischcr Sitte an der Quelle stand aus
welcher man das Wasser für den Gerichtshof schöpfte: Daher
wird auch am liebstcn die Protome des Löwen zur Charakteristik deS Wasserauöguficö gesetzt;
so kömmt sie namentlich stets an der Sima dcs Daches vor, bei der Vitr. III. 5, 15 sagt ea-
pita Isonina. viäeirtur omittoro vomentia ruotus ox ors; in flachcm Relief ist sie an dcn
hinter dcr Sima stehendcn Stirnziegcln ausgedrükkt, Tektonik I. B. Actoma S. 196 flgg. Dic
Ausgüsse der kistulrre in einem Bade beschreibt Liclonius Lp. II. ^r. 31. LIm. 8ex listul-re
prominsntos loonum simulatis oapitilrus etkunclunt, c;urro tomoro inFrossis voras llontiuw
cratos, moros ooulorum iurores, oortas oorvicum gubas imazinaduntur, wo also allcs bezcich-
net ist waö man über das Wesen des Gebildcs sagen kann. Nach Horapollo I. o. 21 und
Plutarch flo Is. ot Osir. 38 bildeten die Aegypter die Ausgüsse dcr Quellcn und Wasscrleitnn-
gen löwengestaltig, -.xor'ro.tto(>gcot- dics wird bei crsterem so erklärt daß durch die Vcrcinigung
des Hclios (Sonnc) und dcö Löwcn der Nil sein höchstes Wasser crreiche; natürlich füllten dann
die Lcilröhren die Cisternen. Plutarch sagt ebenfalls a. a. O. daß alsdann dcr Nil überschwellte
wenn die Sonne zuerst dcm feurigeu Löwen genaht sei; nach o. 36 soll nicht bloß dcr Nil so»-
dern überhaupt die Nässe ein Ausfluß des Osiris, OsiriS (o. 3-1) die Nässe selbst und auch
Meer sein, weshalb auch (o. 36) bei den Zügen an dcn OsiriSfesten einc Hydria als Symbol
gctragcn werdc und es (o. 35) durchaus verboten sei einen Wasserausguß zu vcrstopfen. Nach
Xeliau. II. Xnim. XII. 7 hattcn die Acgypter dcm Löwcn eigene Tcmpel geweiht und cs wur-
dcn Löwcn in dem Vorhofe des Heliostempels zu Heliopolis unterhalten; auch sage man wege»
dcr feurigen Natur dicses Thiercö er sci orxos Ä-.t'ou, cs nahe sich Hclios wcnn cr am h"-
ßestcn sei dem Löwen. 8orv. Vii§. OeoiA. I. 33. 8o1is clomioilium ost ?,oo, und so theilt ll-
I^>clus mons. I. 20 dcm Helios den Löwen zu: //-.iou <-rstt/?o/o„ -.eo„r6s. Aber auch dei»
Apollon, der wohl nicht vom Helios gcschieden werden kann, ist der Löwe alö Symbol beigegebe»-
Auf den Neliefs vom Didymäischen Tempel sind gcflügelte und gehörntc Löwcn (Greife) mit der
Leicr verbunden; Krösos weihte nach Horoflot. I. 51 dem dclphischcn Apollon einen goldcnc»
Löwen, weil der allsehende Gvtt geschaut was er im Verborgenen bereitet hatte; eben so ncnnt
Pindar Apollon den König der Nacht. Hicrzu stimmt es daß man das Gemurmcl des strö-
nienden Wassers (rtno/?(,r^cö)t«t) so wie das Tönen der MeereSwogen mit dem dumpfen Brüllen
des Löwcn vergljch, Xnoocl. Laolim. II. 381. Jn dicscr Bedeutung als Wächtcr des Hcilige»
wurde auch seine Maske nach ?lutarcli. I. o. 38 von dcn Acgyptern auf die Thüren der Hel-
ligthümer gesetzt: -.60„r6t0t§ rc) rcö„ t6/>w„ F„(>tö/<ttr« xoo/toüot„. Als Schrckkbild
kommt PhoboS auf dem Schflve dcö Agamemnon am Kastcn des KypscloS, ?aus. V. 19, I mit
Löwcnkopf vor. Nach Xolian. I. o. wird der Löwc nicht vom Schlafe übcrwältigt und man schreibe
ihn dem Hclios zu weil dieser auch nie in Ruhe sci; die gcwöhnliche Annahme der Alten ist
nach Isiclor. OriA. XII. 2 cum elormiorint vigilaut oouli. Das älteste Bcispiel der Hellenischen
Kunst wo der Löwe als Psortenwächtcr vorkömmt möchte daS Bildwcrk über dem Thore von
Mvkene sein, ?aus. II. 16, 1 und daß hier nur an Löwcn und nicht an Wölfe oder Luchse, >»ie
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>nan nuch wohl gewollt hat, zu denkcn sei, da/ür zeugt Pausanias dcr auödrükklich -lcor-r-s
nennt; denn wenn auch dieses Bildwerk zur Zeit jenes Periegetcn sich schon in demselbcn Zu-
ftande der Zerstörung befunden hättc als jetzt, so würde dieö grade noch mehr sür Pausanias
sprechen weil in diesem Falle bloß die einheimische Tradition der Mykenäer, also die zuverlässigste
Knnde ihm dann die Thicre als Löwen würde bezeichnct habcn. Als Wächtcr der Heroenkapel-
und geweihten Gräber findet sich stets der Löwe. An dcm prächtigen Hcroon wclches den
^eichnam, den Thron und die übrigen Jnsignien Aleranders einschloß und zu Wagen nach Aegyp-
Ern geführt wurde, standen am Eingange zwei goldene Löwen (als welche die
Vvrübergchendcn anstarrten, vioäor. XVIH. 26. Auch sonst findet er sich an den Thüren auf
^asenbildern, seine Maske an Sarkophagen, und neben dem Gorgoncion kommt sic wie schon
bemerkt häufig an Stirnziegeln vor. Als Wächtcr dcs Göttersitzes findet sich der Löwe am
Thronschemel des Olympischen Zeus zu Olympia, ?-ms. V. II, 3; überhaupt zeigen eine
Menge von Marmorthronen und Sitzen die auf uns gekommen sinv die bekannte Form eines
LöwenhalseS mit einem Löwenfuße verbunden, öfters geflügelt; in der Rcgel ist das Gestell jener
^armortische auf dcnen die Geräthe und Anathemata im Tempel standcn aus diesen Formen
gebildet.

Merkwürdig genug ist cs daß das Bild des Löwen in dcn eben angegebenen Bedeu-
^ngen als Wächter des Heiligen, der Pforte, des Sitzeö und des gcweihten Wassers, in der
Kunst aller ältern Bölker gebraucht wird und in diesem Sinne selbst durch das christliche Mittel-
"lter durchgeführt ist. Jn dcn Ruinen von Persepolis und Ninive kömmt cr in kolossaler Größe
"eben dcn Pforten vor; das alte Testament kennt ihn als Wächter auf Sion, und aus den
"'eisten christlichen Kirchcngewanden, (theils in Originalfragmenten theils in Zeichnungen wer-
den in der Sammlung deö Königlichen Museums zu Berlin Beispiele aufbewahrt), ist cr in
dicseni Bezuge dargcstellt, auch ist dcr von Löwen umgcbene Thron des Salomo bekannt; einer
ber goldenen Pantherköpfe vom Throne des indischen Fürsten Tippo Saib befindct sich im Pri-
"atschatze Jhrer Majestät der Königinn von Preußen. — Die ältcre christliche Kunst stellt ihn
ru beiden Seiten der Kirchenpforte und auf die Thürflügel aller Dome (öfter als Halter des
Anziehringes), wovon sich das älteste Beispiel an den erzenen Thüren des Domes zu Aachen
stnden möchte; übrigcns zeigen ihn auch die Thüren des Domes zu Hildcsheim, Trier und andrel
Städre. Die Gewänder welche die Leichname Ler Erzpriester und Fürsten umhüllen geben in
'hrem Ornament jedesmal einen Löwen, als Wächter, neben einem Vogel, als Symbol der Seele,
Nach dcm Psalmverse: Herr behüte mcine Seele denn ich bin heilig. — Auch beim Bckken des
^eihewassers kommt er vor. Das phialcnförmige umsäulte (or-o« gvp-«!-/«) und unter einem erzc-
Nen Tholosdache stchende Weihsprudelbekken der Agia Sophia zu Constantinopel, bei dem in jedem
2nterkolumnium ein Löwenkopf spie, hieß schlechthin -.kovr-«otov. Eine der trefflichsten Ar-
beiten thierischer Skulptur die das Mittelalter mag aufzuweiscn haben, ist das jctzt als Taufstein
bienende, ehmalige phialcnförmige Wcihwasserbekken im Dome zu Halberstadt von farbigcm Mar-
n>°r, an dessen Base große Löwen wachen, die von einem Studium der thierischen Natur zeigen
*nie es schwerlich nur im Jnlande jemals erworben werden konnte. Selbst in dcr arabischen
Kunst, wo der Löwe die einzige lebende Kreatur sein möchte welche aufgcnommen worden ist,
iiehen die Löwen als Wächter am Brunnenbckken des großen Hofes in der Alhambra.
So viel möge über die Symbole des Apotropaion und Phylaktcrion an den Thüren
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der heiligen Häuscr als Schuhbilder gegen Profanation gesagt sein; im profanen Lebcn
nchmen wir dieselbe Sitte wahr die Thüre des Hauses mit ähnlichen Symbolen zu charakterisi-
rcn, dcnn daß die Schwelle und Thüre des Wohnhauses sehr heilig geachtet ist, beweisen alle
Zeugnisse und geht schon aus der Thatsache hervor daß sie der Vesta geweiht war (des Vers.
Schrift: daS Heilige und Profane, N. 143); man begrüßte sie daher ?Iaut. lVlero. V. 1, ^
?<im6n superuin inksruingue snlvo; simul nutsm vnla. Hiermit stimmt denn auch der Vilv-
schmukk und die Bekränzung der Thüre mii Kränzen und Zwcigen, vgl. N. 6, luvemü. VI. 226
pLnüöntin linguit Veln äomus, et näüuo viriäes in limine Isuros und I. o. 52 äonsos por
liminn tenäo eor) inI>os, und ?Iin, H. IV. XVI. 29, 52: Imurus ^rntissimn äomilms, ianitri-X
Onossrum, pontiücumguo; soln ot äomus oxornnt, et nnto liminn oxoulmt; Oviä. ?a8t. IV
736, und alS Vcrgleichung gottlicher Ehre Xtlion. XV. 659: daS 8alvo auf der Schwelle in
Pompejanischen Häusern unb dcr 8alvo oder Xcr^x rufendc Vogel im Bauer über der Thui«-'
aus ?otron. 28, Dlartial. VII. 87, XIV. 76 und ?ors. ?roI. 8 bekannt. Dagegcn auch dcr
Hund und das oavo oanom auf den Begriff des Hütcnden oder des Ostiariuö, und die ür'ri/iiwi
oder Thürhütenden Agalmata, der Hellenen. Auch liebte man es die Obcrschwcllcn nnl
Jnschriflen auszustatten, wie z. B. das Xl'uoä'os //«t^oi't bei ?lutarolr.
?rs§m. Vit. Orat. V. p. 874 IV^tt., eine Silte die sich auch durch das ganze Mittelalter in Deulsch-
land bis zum 17. Jahrhundert erhalten hat, wo selbst lateinische Jnschriflcn wie z. B- ^nlus
intrantibus, ?nx ountidus noch beweisen woher die Traditiou gekommen. — Ob man auch dlr
Thürschwelle der Tempelcella mit dem rcchten Fuße zuerst betrat, wie eö nach ?etron. 8at.vr. 30
bcim Hause Sitte war? WenigstenS deutct Vitruvö III. 4, 4 Vorschrift, wclcher schon will daß
man eine ungleiche Anzahl der Tempelstusen deöwcgen anlegen solle damit man mit dcm rechte"
Fuß unten anhebe und so mit diesem auch in den Pronaos trete, darauf hin; zudem war
überhaupt die rechte Scite, äoxtora, dic Ehrenseite, und mit der rechtcn Hand grüßte und opferW
man, olr. OutuII. 1.XIII. 230 wo ut tauri rosporAas sanouino äoxtram beim Opfer; dic glükk-
lichen Götterzcichen zeigten sich aber deshalb linker Hand, wcil sie von der Rechtcn dcr Got? .
heit ausgchcn; ?1utarolr. 0- Hom. 78.
Daß man vor dem Eingange mancher Tempel auch Hermen alö Apotropaia aufstekktd'
ist oben IV. N. 6 mit den Worten der Scholiastcn zu Xristopli. ?!ut. 1153 schon nachgewiesi'"
und wird auch von Hiuo^ä. VI. 27 bezeugt; wahrscheinlich wurde auf diese Herme noch ein en?
sprechender Spruch boni ominis eausa geschrieben, indem man vorzugSweise diese vierseitige
der Hermen wählte um eine Jnschrift zugleich auf einem schützenden Agalma zu haben, Xosolrin-
in Ooron. daher auch die Hermen als Grenzmarken und Wegweiser. Eine gleiche Bedeutung
als ttrr,//ltos hat bekanntlich auch Apollon, Ilosvoli. »t'rh/.tOt, mochte dics nun ein Agnknw
oder ein /9t->z-os oder sonst ein Symbol dieses Goltes z. B. ein Lorbeerstrauch sein; Lt)'""
XIg§n. in und Oviä. Idast. III. 139, wozu wohl auch der erzene Lorbeerbainn vor
dem Tempel dcs Apollon, III. N. 32, zu rcchnen ist; auch Weißdorn, Oviä. ?sst. VI. 130 n.
165, wird gebraucht „um von den Thüren tr^urigeö Verderbcn abzuwenden," dcnn cr war c>n
glükklichcs Gewächs; vgl. Hos^oli. v/i'r,/?,tot und '^/vrij-.tos nebst Albertiö Note, wo sic als »ach
Osten zu gerichtet bestimmt werden, iind auch Oviä. ?u8t. I. 137 erklärt daß dcr Thürhütendc
Gott mit scinem doppelten Antlitze nach Osten und Westen znglcich schaue; oü-. DortuII. 0«
läolatr. 15; ib. äo Ooron. Xlilit. 13 iu sin. Daß man Priapen alö Hüter wie alö Abwcw
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der gebrauchtc ist bekannt, namentlich spiclt der vons k'asoiuus am Wagcn des Triumphators
ewe große Rolle, auch findct sich an Pompejanischen Häusern scin Zcichen alS Baskanion mit dcm
^deutsamen Iiio Iiabitat kolioitas.
Von großem Jntercsse ist, wie ich nochmals bemerke, der Gcdanke daß beim Ausschlagen
bcr Thürflügel, wcnn also der Anblikk und Zugang in die Cella und zum Kultbilde eröffnct ist,
dicse Apotropaia alsdann nicht mehr geschen wcrden und dem Begriffe nach also ihre Wirkung aus-
gchoben wird; denn die äußern Seitcn der Flügel lehnen sich wenn sie offen flchen, an dic Breite
dcr Thürwand, an die Parastas an. Und hierfür deute