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Eine Urlaubsreise

Ein Lesestück für Anfänger


von Brigitte Dubiel

1. Bremen ist eine große, alte Stadt in Norddeutschland. Helga Kothe wohnt mit ihren Eltern und mit
ihrem Bruder in Bremen. Bremen liegt an der Wasser.

2. Helga ist zwölf Jahre alt, und ihr Bruder Jan ist neun. Herr Kothe ist Mathematiklehrer, und seine
Frau ist Krankenschwester.1 Im Sommer haben die Kinder Sommerferien, und die Eltern haben Urlaub.

3. Die ganze Familie fährt im Juni mit dem Auto nach Süddeutschland, um die Großeltern zu besuchen.
Die Großeltern wohnen in einem kleinen Dorf2 in der Nähe von Würzburg. Würzburg liegt in Franken.
Die Großeltern sind die Eltern von Frau Kothe.

4. Sie heißen Kleinschmidt mit Nachnamen. Kleinschmidt ist Frau Kothes Mädchenname, ihr Vorname
ist Heide. Herr Kothes Vorname ist Jörg. Kothes haben einen alten Volkswagen Campingbus. Helga
hilft, den Bus für die Ferienreise vollzupacken. Sie will ihren Computer einpacken, und Jan will sein
Radio mitbringen.

5. Frau Kothe sagt Helga, sie soll den Computer zu Hause lassen. „Dann muss Jan auch sein Radio zu
Hause lassen!“ sagt Helga. Der Bus ist schon ganz voll, und es ist kein Platz darin für einen Computer
und ein Radio. Helga und Jan nehmen ein Videospiel mit, das nur Batterien braucht. Sie können es im
Bus spielen, und sie sind endlich zufrieden.3

6. Am nächsten Morgen fahren Kothes ab.4 Erst müssen sie tanken. Jörg meint, dass das Benzin jeden
Tag teurer wird. - Der Campingbus ist bald auf der Autobahn. Heide meint, dass Jörg zu schnell fährt.
Helga meint, dass Jan das Videospiel nicht versteht. Jan hat Hunger. Heide gibt ihm einen Apfel, aber
Jan will keinen Apfel, er will ein Stück Kuchen, und Helga will auch ein Stück Kuchen.

7. Heide packt den Kuchen aus, und gibt jedem der Kinder ein kleines Stück. Jetzt haben die Kinder
auch Durst, und Heide holt die Thermosflasche aus ihrer Reisetasche. In der Thermosflasche ist kalte
Milch. Die Milch schmeckt gut, und die Kinder sind nun wieder zufrieden. Aber bald muss Jan auf die
Toilette. Jörg sagt: „Du musst warten5 bis wir in Hannover sind.“ Kann Jan warten?

8. Helga ist eingeschlafen. Jan rutscht auf dem Sitz hin und her. Er schaut aus dem Fenster und sieht ein
Schild: „Raststätte - 1 km.“ Jörg sagt: „Da werden wir halten. Ich muss sowieso mal unter die Haube
schauen. Der Motor läuft ziemlich heiß.“ Auf der Raststätte stehen schon viele Autos. Jan verschwindet
ganz schnell.

9. Heide lacht: „Nun geht es ihm bald wieder besser!“ Helga schläft immer noch. Ihre Mutter versucht,
sie zu wecken. „Sind wir schon in Würzburg?“ fragt Helga schläfrig. Heide lacht wieder: „Nein, wir
sind direkt vor Hannover.“

10. Helga erinnert sich daran, was sie in der Schule über Hannover gelernt hat. Sie weiß, dass Hannover
an der Leine liegt, und dass die Leine in die Weser fließt. Sie weiß auch, dass Hannover die Hauptstadt
von Niedersachsen ist. Heide fragt, ob sie auch weiß, dass es in Hannover das Wilhelm-Busch-Museum
gibt.

11. „Ach ja,“ sagte Helga. „Wilhelm Busch? Ist das nicht der Präsident der USA?“ Heide lacht zum
dritten Mal. Inzwischen ist Jan auch wieder da. Heide fragt ihn, ob er weiß, wer Wilhelm Busch war. „Ja
klar weiß ich das. Der hat tolle Comics gezeichnet, ,Max und Moritz’ zum Beispiel“, antwortet Jan.
12. Jörg prüft den Ölstand, und das Wasser im Kühler. Der Kühler ist nur halb voll. Jörg holt Wasser
und füllt den Kühler. „Das Wasser verdunstet so schnell, bei dieser Hitze“, sagt er.

13. Kothes fahren jetzt weiter. Sie haben vor, in Hildesheim zu Mittag zu essen. Jörgs Bruder Heiko
besitzt ein kleines, gemütliches Restaurant in Hildesheim. Helga freut sich darauf, ihren Onkel Heiko
wiederzusehen.

14. Kothes fahren auf der Autobahn Nummer 7 nach Hildesheim. Sie kommen kurz nach 13.00 Uhr dort
an. Jörg war vor sechs Jahren zum letzten Mal in Hildesheim, und Vieles hat sich verändert.

15. Es gibt viele Neubauten, und viele neue Straßen. Heikos Restaurant ist in der Lindenstraße. Jörg
verfährt sich, und er ärgert sich ein bisschen. Bald kommt er aber durch eine Umleitung in die
Lindenstraße.

16. Der Name des Restaurants war früher „Lindenhof“. Jetzt heißt es anders. Helga schaut aus dem
Autofenster und sagt: „Guckt mal! Jetzt heißt es ,Zum grünen Türken‘! Ist das nicht lustig? Was
bedeutet das, Vati?“ Jörg schüttelt den Kopf und sagt: „Ich habe keine Ahnung, aber wir werden es
schon herausfinden!“

17. Er parkt den Campingbus auf dem Parkplatz hinter dem Restaurant. Heide und die Kinder steigen
aus. Heiko steht schon an der Tür. „Onkel Heiko!“, ruft Helga, und läuft auf ihn zu. Er begrüßt sie
herzlich, denn er ist auch froh, seine Nichte und den Rest der Familie wiederzusehen.

18. Helga und Jan wollen sofort hinauflaufen, in den ersten Stock, direkt über dem Restaurant, denn dort
wohnen Onkel Heiko und seine junge Frau Elke. „Nein, nein“, ruft Heiko, „wir wohnen nicht mehr da!
Wir haben uns ein Häuschen hinter dem Restaurant gebaut.

19. Da - guckt mal!“ Er deutet auf das neue Haus. „Super!“ sagt Jan. „Das Haus ist ja größer als das
Restaurant!“ „Und was habt ihr mit der Wohnung über dem Restaurant gemacht?“ fragt Heide. „Da
wohnt jetzt unser Personal, ich meine, unser Koch und unsere Köchin. Ich werde euch gleich
vorstellen!“

20. Er erzählt, dass der Koch und die Köchin ein junges türkisches Ehepaar sind. Jan fragt: „Kannst du
die denn verstehen?“ Onkel Heiko lacht. „Natürlich kann ich die verstehen. Sie sprechen Deutsch so gut
wie du und ich. Beide waren ganz klein, als ihre Eltern nach Deutschland auswanderten. Sie sind in eine
deutsche Schule gegangen und sprechen überhaupt nicht mehr türkisch!“

21. In der großen Küche lernen Kothes das türkische Ehepaar kennen. Der Mann trägt eine grüne Mütze
auf dem Kopf. Er sagt: „Ich heiße Hans!“ „Hans?“ sagt Helga, „das ist aber kein türkischer Name!“

22. Hans erklärt, dass seine Eltern ihm diesen Namen gegeben haben, weil sie dachten, es wäre besser
für ihn, einen deutschen Namen zu haben. „Aber meine Frau hat einen türkischen Namen. Sie heißt
Nilgün.“ Nilgün kommt und begrüßt die Besucher. Nilgün ist sehr hübsch.

23. Jan sagt: „Onkel Heiko, wieso heißt das Restaurant jetzt ,Zum grünen Türken‘?“ Heiko erklärt: „Als
Hans zu mir kam um Arbeit zu finden, trug er dieselbe grüne Mütze, die er auch jetzt noch trägt. Das ist
ein grüner Türke! - dachte ich, und ich habe das Restaurant nach ihm benannt. Es ist ein Name, den man
nicht leicht vergisst!“ „Klasse!“ sagt Jan.

24. Nach einem ausgezeichneten Mittagessen fahren Kothes jetzt in Richtung Kassel. Es tut ihnen leid,
dass sie Heikos Frau nicht gesehen haben. Elke ist Zahnarztassistentin, und sie war noch nicht zu Hause,
als Kothes sich von Heiko, Hans und Nilgün verabschiedeten.
25. „Steigen wir in Kassel aus?“ fragt Helga. „Ja sicher“, antwortet Heide. „Wir werden dort wohl zu
Abend essen.“ Es gibt viel Verkehr auf der Autobahn. Der Campingbus kommt nur langsam vorwärts.
Helga und Jan spielen ihr Videospiel, aber auch das wird ihnen bald langweilig.

26. „Mami, der Jan gewinnt immer!“ klagt Helga. „Vor ein paar Stunden hast du gesagt, er versteht das
Spiel nicht!“ erwidert Heide. Jan sagt: „Also jetzt verstehe ich es, aber ich will nicht mehr spielen. Ich
habe schon wieder Hunger.“ „Diesmal bekommst du aber den Apfel!“ sagt Heide.

27. „Was gibt's denn in Kassel zu sehen? Oder haben wir keine Zeit, uns dort umzuschauen?“ fragt
Helga. „Wir werden sehen“, antwortet Heide. „Das sagt sie immer“, wispert Helga in Jans Ohr, „wenn
sie die genaue Antwort nicht weiß!“ Die Kinder fangen an zu kichern.

28. Heide erzählt den Kindern von dem Brüder-Grimm-Museum in Kassel. „Meinst du die zwei Brüder,
die so viele Märchen geschrieben haben?“ fragt Helga. „Ja, das stimmt. Aber sie haben sie nicht selbst
erfunden.

29. Sie sind von Dorf zu Dorf gegangen, und haben die Geschichten aufgeschrieben, die Eltern und
Grosseltern ihren Kindern und Enkelkindern erzählten.“ Jan meint, dass Märchen für Babys sind.
„Mensch, bist du blöd!“ sagt Helga. „Die Märchen sind toll. Ich hab' gerade ,Schneewittchen‘ auf Video
gesehen. Ach, war das schön!

30. Besonders am Ende, wenn der Prinz das Schneewittchen auf sein Schloss mitnimmt“. „Schlösser
gibt's ja gar nicht mehr“, sagt Jan. „Aber doch“, unterbricht Heide. „In Kassel ist ein herrliches Schloss,
es heißt ,Schloss Wilhelmshöhe‘. Wenn wir Zeit haben, können wir vielleicht an dem Schloss
vorbeifahren.

31. Was meinst du, Jörg?“ Jörg murmelt etwas vor sich hin. „Was, Vati?“ fragt Helga. Jörg deutet auf
die schwarzen Wolken am Himmel. „Ich glaube, es gibt ein Gewitter. Das fehlt uns gerade noch!“ Kurz
danach fängt es an zu blitzen und zu donnern. „Mami, ich habe Angst!“ sagt Helga. „Mädchen haben
immer Angst! Ich fürchte mich nicht!“ sagt Jan. Plötzlich fängt es auch an zu regnen.