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1.

ALLGEMEINES ZUR HYDROBIOLOGIE/LIMNOLOGIE

Begriffe
Ökosystem: Wirkungsgefüge von Lebewesen und deren anorganischer Umwelt
(offen, aber fähig zur gewissen Selbstregulation).
Ökosystemkomplexe: mehrere Ökosysteme, welche gemeinsame Entstehung oder
ähnliche dynamische Vorgänge aufweisen.
Biom: mehrere Ökosystemkomplexe. Biome sind Lebensräume einer einheitlichen
Landschaft, oder einer Klimazone, dann aber Zonobiom.
Hydrobiologie: Teilgebiet der Biologie: Leben der Organismen im Wasser und deren
Beziehung zu Umweltfaktoren.
Limnologie: Wissenschaft von Binnengewässern (Teiche, Seen, Flüsse) als
Ökosysteme. Viele wirkendere Faktoren (physikalische, chemische,
klimatische) => starke Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften.

Gewässerschutz
Österreich reich an natürlichen und künstlichen Oberflächengewässern, auch viele
Gewässertypen, aber oft hohe Beeinträchtigung durch anthropogene Eingriffe oder
Nutzungen: Nährstoff-Abwasserbelastungen, Flussregulierungen, Kraftwerke,
Schifffahrt, intensive Freizeitnutzung, fischereiliche Bewirtschaftung (oft Problem des
Förderns exotischer Fischarten, welche Artengefüge beeinträchtigen),...
 es entstehen oft sog. Extrembiotope, welche sich nach einer ökolog. Regel
Thienemann´s durch wenige, aber sehr massenhaft vorkommende Arten auszeichn.

Historische Entwicklung
Zuerst nur auf die Organismen beschränkt, Bezugnahme auf das Gewässer erst ab
Ende 19. Jhdts., seit 1922 auch Potamologie/ Rheologie (=Fließgewässerkunde) ein
Teil der Limnologie. Wissenschaftler: Forel, Thienemann, Zacharias,...

2. WASSERKREISLAUF UND GEWÄSSERSYSTEMATIK

Hydrosphäre, Wasserkreislauf
Hydrosphäre umfasst das gesamte Wasser der Erde (fest, gasförmig, flüssig), also
Grundwasser, Atmosphäre, Meere, Seen, Eis,...
Hydrologie, Lehr vom Wasserkreislauf, untersucht die Zustands- und Ortsänderung
des Wassers. Globaler Wasserkreislauf Verdunstung – Kondensation - Niederschlag.
0,77% allen Wassers nehmen am Süßwasserkreislauf teil (970mm mittl. Erdj.nieder.)

Gewässersystematik
Einteilung Salzwasser – Süßwasser oder Meere – Binnengewässer, diese Binneng.:
Unterirdische Gewässer: Grundwasser, versickernde Niederschläge und Ober-
flächengewässer, Schneeschmelzen in Bodenhohlräumen. Grundwasserstockwerke
über undurchlässigen Schichten. Flurabstand = Geländeoberfläche bis 1. Grund-
wasserstockwerk. Sehr nährstoffarm, aber über Jahr konstante Bedingungen =>
Lebewesen ohne Sehorgane und Pigmente, Fauna wird nach Lebensraum
unterschieden: Stygobionte (Porenraum Schotter), Phreatobionte (Porenraum Fluß-
sedimente, Übergang Fleißgewässer Grundwasser), Troglobionte (Höhlen).
Haftwasser, Kluftwasser (im nicht Karst), Karstwasser (im Karst)

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Oberirdische Gewässer:
Stehende Gewässer (lentische Gew.): 1,8% des Festlandes, natürliche stehende
Gewässer werden nach Tiefe/Dauer der Wasserführung unterschieden in:
Seen: Permanente tiefe Gewässer, ab 30m lichtlos, Temperaturschichten: ab 100m
Tiefe konstant 4°C, unterliegen Auf- und Verlandungsprozessen (organisches Mat.
=Verlandung, anorganisch =Auflandung, mittels allochthonem Eintrag (Flüsse) oder
autochton (See selbst)). Meist niedriger Elektrolytgehalt (Salz < 1‰), Ausnahme bei
Verdunstung > Niederschlag => hoher Salzgehalt, Salzseen. Seengeschichte anhand
von Sedimenten, Fossilien = Paläolimnologie. Es gibt eine Unterscheidung anhand
Entstehung: Tektonische (z.B. Baikalsee) und vulkanische Seen: relativ alt,
Dammseen: glazial (Eiszeit) entstanden, Moräne sperrt Seitental ab => Wasser wird
gestaut, Ausräumungsseen: glazial

Weiher: Permanente, flache Gewässer, bis in Bodennähe durchlichtet =>


Schwimmpflanzenwurzeln erreichen Boden.
Tümpel: Temporäre Wasseransammlungen, stark schwankender Pegel

Baggerseen, Stausseen, Teiche: künstlich, Teiche hochproduktiv da lichtdurchflutet

Fließgewässer (lotische Gewässer): Strömung und Fließgeschwindigkeiten sind


die entscheidenden Parameter, Ursprung in Quellen (Grundwasseraustritt an der
Oberfläche), es gibt Limnokrene: bilden zunächst Tümpel oder See
Helokrene: bilden Sumpf
Rheokrene: fließen direkt ab
Entstehung, Verlauf, Morphologie abhängig von Tektonik und von Dynamik des
Flusses selbst. Flüsse früher oft ganz anderer Verlauf => Verbreitung einiger
Fischarten (z.B. Donau früher mit Rhein verbunden). Es gibt FG´s die immer Wasser,
(perennierende), die nicht ganzjährig (periodische) oder nur bei Regenzeiten
(episodische) Wasser führen.

Volkswirtschaftliche Bedeutung des Wassers


Energiegewinnung (direkt od. Kühlung), Transportweg, Trinkwasser, Thermale
Quellen,....

3. PHYSIKALISCHE VERHÄLTNISSE

►Eigenschaften des Element Wassers


Dichte, Dichteanomalie, Gefrierpunkt
Wasser hat Dichtemaximum bei 3,94°C, warum man von einer Dichteanomalie
spricht! Änderung der Dichte nimmt bei steigender Temperatur exponential zu =>
Wasser bei 30°C rund 0,5% leichter als bei 4°C => reicht für eine stabile Schichtung.
Ab 20 bis 30m bei unseren Seen eine Temperatur von 4°C. Ermöglicht aquatischen
Lebewesen Überleben im Winter, da Seen von oben zufrieren. Auch Eiszeitrelikte im
Tiefenwasserkörper (Seesaibling und kleine Garnelle). Erhöhter Druck senkt
Temperatur des Dichtemaximums (z.B. Bodensee, Tiefseewasser (250m) 3,8°C)
aber nicht linear!
Bei steigendem Salzgehalt (Salinität, in ‰ angegeben, da 1g Salz auf 1l Wasser)
nimmt die Dichte fast linear zu! Auch Gefrierpunkt sinkt, Meerwasser mit Salinität von
35‰ bei 4°C, friert erst bei -1,91°C. Binnengewässer haben für gewöhnlich eine
Salinität von 0 bis 1‰.

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Oberflächenspannung
H2O hat extrem hohe Oberflächenspannung, aufgrund von Kohäsionskräften
zwischen den Wassermolekülen im Grenzbereich zur Luft => Oberflächenhäutchen
(mit 2 Lebensgemeinschaften, dem Pleuston, Gemeinschaft größerer Pflanzen und
Tiere (Wasserläufer,...) und dem Neuston, Gemeinschaft der Mikroorganismen).
Tenside setzen Spannung stark herab.
Neben Kohäsion auch Adhäsion, Wechselwirkung zu anderen Oberflächen,
hydrophile Oberflächen: Adhäsion > Kohäsion, Oberfläche wird benetzt,
hydrophobe Oberflächen: Kohäsion > Adhäsion, Oberfläche wasserabweisend,
wichtig bei Wasserlebewesen die Luft an der Oberfläche aufnehmen, den
Atmungsorgane müssen hydrophob sein.

Viskosität, Zähigkeit
Aufgrund innerer Reibung, durch Kräfte zwischen Molekülen, Widerstand beim
Fließen. Abhängig von Salzgehalt, und v. a. Temperatur. Warmes Wasser „fließt“
wesentlich besser (Plankton sinkt bei 25°C doppelt so schnell wie bei 0°C)

Spezifische Wärme, Schmelzwärme, Wärmeleitfähigkeit


Spezifische Wärme ist jene Energie die man benötigt um 1kg eines Stoffes um 1°C
zu erwärmen. Bei Wasser von 14,5°C auf 15,5°C 1kcal/4,186kJ. Ist relativ hoch
verglichen mit anderen Stoffen, Wasser speichert daher eine hohe Wärmemenge,
auch dank der geringen Wärmeleitfähigkeit von Wasser => Klimabeeinflussung,
und aquatische Organismen mit geringeren Temperaturschwankungen konfrontiert!
Beim Schmelzen von Eis zu Wasser benötigt man eine hohe Wärmemenge,
Eisdecken schmelzen also relativ langsam.

►Physikalische Verhältnisse im Gewässer


Strahlung – Licht
An Wasseroberfläche trifft Strahlung von 300-3000nm auf (=Globalstrahlung, 380-
750nm sichtbarer Bereich). Ein Teil wird reflektiert, hängt von Einfallswinkel
(Sonnenstand), Wellenlänge und Brechung ab. Die Reflexion ist bei FGs prinzipiell
größer (rauere Oberfläche). Der Großteil des Lichts aber wird absorbiert, gestreut,
oder dringt tiefer. Vor allem die phototrophe Primärproduktion (Photosynthese) ist
davon abhängig, nutzt Licht nur im Bereich von 400-750nm!
Die Lichtabschwächung steigt exponential zur Tiefe (Beer-Lambert-Gesetz). Bei
Seen unterscheidet man daher die trophogene Schicht (Licht dringt vor =>
Photosynthese möglich), und die tropholytische Schicht (unbelichtet, vor allem
Abbauprozesse). Der Übergang ist die Kompensationsebene/tiefe (Produktion und
Abbau sind ungefähr ausgeglichen).

Spektrale Lichtdurchlässigkeit, Farbe, Sichttiefe


Verschiedene Wellenlängen werden unterschiedlich absorbiert/gestreut. Rot wird am
schnellsten absorbiert, Blau am wenigsten, aber am meisten gestreut => reines
Wasser wirkt blau (Gesetz von Rayleigh). Farbe von Wasser hängt von vielem ab,
organischen Stoffen, Tonteilchen und anderen Trübstoffen,... Durchsichtigkeit anhand
Sichttiefebestimmung mittels Secchischeibe, (ab wie viel cm nicht mehr sichtbar) =>
lässt Schlüsse auf anderes zu, Secchiwert x 2,5 = ungefähr Kompensationsebene!

Wärmehaushalt, Wasseraustausch, Durchmischung, Mereomixie von Seen

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Oft Teile eines Zyklus, ist für den Stoffhaushalt eines Sees von enormer Bedeutung:
Sommerstagnation: Vor allem die rote Strahlung erwärmt die oberste Schicht, das
Epilimnion. Unten sammelt sich das kalte Wasser, im Hypolimnion. Dazwischen
liegt eine Temperatursprungschicht, das Metalimnion. Der Wind kann das Wasser
nicht gut durchmischen, da das wärmere Wasser leichter ist.
Herbstzirkulation: mst. November, Oberflächenwasser kühlt ab, bis Wasser überall
4°C, sog, Homothermie => Durchmischung, Sauerstoff und Nährstoffe werden
gleichmäßig verteilt, Epilimnion durch Primärproduktion nach Sommer mit großem
Bedarf an Nährstoffen, und Hypolimnion durch Abbauprozesse mit Bedarf an O.
Zirkulation abhängig von Größe des Sees, Windexposition und von Zuflüssen.
Winterstagn.: Inverse Schichtung, wärmstes H2O 4°C am Boden, leichteres oben.
Frühlingszirkulation: wie Herbstzirkulation, aber kurz, Ende April
Wenn diese Durchmischung nicht ganz bis Grund reicht, aufgrund großer Tiefe,
windgeschützter Lage,... spricht man von Meromixie. Diese Seen werden in ein
Mixolimnion (durchmischt) und ein Monolimnion (nicht durchmischt) geteilt. Einen
Sonderfall stellt die chemische Meromixie dar, bei der bei Erreichen einer
Homothermie, Elektrolyte das Wasser am Grund „schwerer“ machen, diese Zone
heißt dann Chemoklin.

Wärmehaushalt von Fließgewässern


Wasser von FGs homotherm, keine Schichtung wie in Seen, Temperatur abhängig
von Fließgeschwindigkeit, Strahlung,.. Quellen sind sommerkühl und winterwarm. Im
Sommer nimmt Temperatur von der Quelle bis Mündung zu, Wasser in langsameren
Seitenärmen wärmer als in eigentl. Fluß.

Wasserbewegung und Strömung


In Seen durch Wind Oberflächenwellen, Brandungsufer. In größeren Seen auch
sog. Seiches, periodische Schaukel-bewegungen durch Luftdruckunterschiede
oder langanhaltende Winde an nur einer Seite. Auch Konvektionsströmungen
aufgrund Temperaturunterschiede treten auf. Flüsse durchfließen Seen, können bei
Hochwasser Sommerstagnation aufheben. Bei großen flachen Seen kann auch
Winddrift starke Bewegungen verursachen.
In FGs gibt es die Strömung: Laminare Strömung, eine gleichmäßige, synchrone,
die in Natur sehr selten ist, im Grundwasser, bei extrem glatter Sohle und geringer
Fließgeschwindigkeit. Turbulente Strömung: ständig verwirbelt, zwei Arten:
strömend (gr. Tiefe, geringe Geschw.) und schießend (flach, hohe Geschw.).
Turbulente Strömung fördert den Sauerstoffeintrag bzw. den Gasaustausch. Zum
Gewässergrund hin Strömung geringer = Prandtlsche Grenzschicht.

4. STOFFHAUSHALT, CHEMISCHE VERHÄLTNISSE

Stoffhaushalt ist die Summe des Stoff- und Energieumsatzes, und ist gekennzeichnet
durch: Bioaktivität der Organismen (Produktion, Konsumation, Destruktion),
Transport von Stoff- und Energiemengen, Rhythmus von Zirkulation und Stagnation
in einem See, Austausch mit der Atmosphäre.

►Im Wasser gelöste Gase und Feststoffe:


Jeder natürliche Wasserkörper besitzt eine Vielzahl von gelösten Gasen und Salzen
deren Menge und Verteilung abhängig sind von vielen Faktoren:
hydrologischen (Niederschläge, Zu-Abflüße),

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physikalischen (Temperatur, Wasser),
chemische (Lösungsvorgänge, Fällungsreaktionen),
geologischen (Urgestein, Kalk),
biologische (Bakterien, Primär-Sekundärproduzenten),
anthropogene (Düngung, Erosion, Abwässer)

Gelöste Salze assoziieren in Kationen und Anionen. Im Süßwasser überwiegen die


kationischen Karbonate (CO3) und Sulfate (SO4), sowie das anionische Calzium.
Binnengewässer sind also überwiegend Kalziumkarbonatgewässer! Aber nur
gewisse Stoffe haben wirklich große Bedeutung für die Gewässerorgansimen und
sind somit sog. Minimumfaktoren (Liebig, Gesetz vom Minimum).
Aber nicht ein Stoff, sondern alle notwendigen Stoffe zusammen bestimmen über
den eigentlichen Ertrag (Mitscherlich, Wirkungsgesetz der Umweltfaktoren). V.a.
Phosphor ist meist limitiert.
Jedes Gas hat im Wasser einen bestimmten Lösungskoeffizienten, welcher mit
zunehmender Temp. und abnehmendem Druck sinkt (Henrysche Gesetz) => bei
steigender Temperatur sinkt O2-Gehalt, Problem für viele Tiere, haben Optimaltemp.
und Lethaltemp., dazwischen Toleranzbereich. Eurytherm, Tiere mit großer Toleranz,
wie Karpfen, stenotherm, Tiere mit kaum Toleranz, wie Saibling, Forelle.

Sauerstoffhaushalt, Verteilung
Sauerstoffverhältnisse in einem See: Sauerstoffeintrag über Atmosphäre,
biologisch (ausschließlich im Epilimnion) und durch Zuflüsse, welche auch
Hypolimnion erreichen können. Sauerstoffverbrauch durch Atmung(=Respiration),
Destruktion (aerob) und Abgabe an Atmosphäre bei Übersättigung.
Biologische Sauerstoffproduktion passiert ausschließlich im lichten Teil des
Epilimnion mittels Photosynthese. Im tropholytischen Teil ist man auf einen Vorrat
von der Zirkulation her angewiesen, die Sauerstoffverteilung in einem See ist somit
an die Zirkulation gekoppelt. Die Sauerstoffkurve ist gegen Sommerende (Ende
Stagnierung) entweder: siehe S. 18
orthograd, bei oligotrophen (nährstoffarmen) Seen mit geringer Produktion
klinograd in eutrophen (nährstoffreichen) Seen. Im Hypolimnion aufgrund
hoher Prod. (viel Totmaterial zu verarbeiten) Sauerstoff bei annähernd Null.
Heterograd, in Seen mit stark ausgeprägter Sprungschicht, in welcher
vermehrt organischer Abbau, und somit Sauerstoffverbrauch stattfindet.
Auch Indikatororganismen zeigen Sauerstoffverhältnisse bzw. Trophiegrad, wie z.B.
Zuckmücken-larven, oder Tanytarsus.

Sauerstoffverhältnisse in einem FG: decken O-Gehalt mittels Atmosphäre und


Photosynthese ihrer Pflanzen. Bei sehr turbulenten FGs ist Ertrag aus Atmosphäre
so groß, das O2 immer nahe dem Sättigungswert liegt (z.B. Gebirgsbach des
Rhithrals, vgl. Kap7). Bei langsameren Flussabschnitten ist der O-Gehalt stärker
Tagesverlaufabhängig. Bei Tag Photosynthese -> Wert hoch, bei Nacht
Destruktion,...-> Wert niedrig. Es lassen sich 4 FG-Typen unterscheiden:

1)Turbulente: saubere, nährstoff- und organismenarme Gew., mit hohem O-Gehalt


2)Nährstoff-Organismenreiche: wenig organisch verunreinigt, leichte Tages-
schwankungen des O-Gehaltes
3)Stark organisch verunreinigte: Photosynthese noch von Bedeutung, aber O-Defizit.
4)Stark organisch belastet: Photosynthese nicht von Bedeutung, starkes O-Defizit
Kolendioxid, Kohlensäure, Karbonate

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Eintrag von CO2 in Gewässer erfolgt aus Niederschlägen, Einsickern aus dem
Boden, durch Zuflüsse oder aus Stoffwechseltätigkeiten der Organismen. Beim
aeroben Abbau von organischen Mat. wird C zu CO2, beim anaeroben Abbau
entsteht CO2 und CH4 (Methan). Letztere sind daher Indikatoren für Zustand eines
Sees!

Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht hat großen Einfluss auf den PH-Wert, und die


PH-Pufferkapazität. Kalkreiche Gewässer haben einen größeren Puffer, da mehr
CO2. Der Kalkgehalt wird als Wasserhärte in dH° angegeben.
Neben anorganischem C, auch organischer C in gelöster (=DOC, Exkretion von
Organismen) und in partikulärer Form (=POC, lebende Organismen oder Totmaterial
(=Detritus, wie Falllaub von Außen, oder Fischleichen von Innen)) in unseren Seen.

C wird von den Pflanzen unterschiedlich assimiliert, aus CO2, HCO3,... Es gibt drei
Typen, Fontinalis-Typ (Quellmoos-Typ) der nur gelöstes CO2 aufnimmt, typisch
oligotrophe Gewässer
Elodea-Typ (Wasserpest-Typ) CO2 und HCO3, typisch eutrophe Seen
Scenedemus-Typ, nur HCO3, Indikator für stark eutrophe Gewässer.

Methan, Schwefelwasserstoff, Sulfate


Methan ist nicht in H2O löslich, entweicht daher aus dem Gewässer. Es entsteht
beim anaeroben Abbau.
Viele Schwefelverbindungen, sog. Sulfate in den Gewässern, welche oft zu
Schwefelwasserstoff (H2S) umgewandelt werden. Dieser löst sich gut und ist toxisch.

Stickstoff, Stickstoffverbindungen
Anorganischer N aus Atmosphäre, Niederschlägen und Quellen in Form von
NO2 Nitrit, NO3 Nitrat und NH4 Ammonium vor, welches beim aeroben und
anaeroben Abbau entsteht. Organischer N durch Exkretion von Tieren.
Nitrat und Ammonium für Photosynthese wichtig, daher hoher Bedarf, wird oft zu
Minimumfaktor. Statt Ammonium kann auch Ammoniak NH3 vorliegen. Dies ist PH-
abhängig, daher in kalkarmen Gewässern häufig. Ammoniak für Fische toxisch!
Stichstoffhaushalt ist stark von Mikroorganismen bestimmt, da diese bei aerober
Nitrifikation (NH4 -> NO2 -> NO3, hoher Bedarf an Sauerstoff, Sauerstoffzehrung ist
oft ein Problem am Ende der Sommerstagnation und bei Eutrophierung) und
anaerober Denitrifikation (NO3 -> NH4, kein Sauerstoff nötig) aktiv eingreifen.

Phosphor, Phosphorverbindungen
Phosphor ist wie Stickstoff für Primärproduktion essentiell. Organismen benötigen
zwar mehr N, aber Phosphor ist rarer vorhanden, daher sehr oft ein Minimumfaktor.
Eutrophierung ist oft ein Phosphorproblem, denn Seen sind in ihrem trophischen
Status stabil, aber die ständige Zufuhr von Phosphor (Düngung in der LW) führt zur
Eutrophierung.

Eisen, Mangan, Kieselsäure


Eisen und Mangan kommen im Wasser aufgrund ihrer Lösungseigenschaften nur in
Spuren vor. Bei einigen Verhältnissen gehen sie allerdings in Lösung, Verhältnisse
welche im Hypolimnion und im Grundwasser herrschen.
Kieselsäure (Silicium) ist abhängig von Algen, den Diatomeen, welche Kieselsäure
als Baustoff benötigen (Kieselschalen).
5. BAKTERIEN, PRIMÄR-SEKUNDÄRPRODUZENTEN,

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KONSUMENTEN IN AQUATISCHEN ÖKOSYSTEMEN

Der biogene Haushalt ist gekennzeichnet durch:


Primärproduzenten: Prinzip der Photosynthese, Pflanzen, Algen und Cyanobakt.
Primärproduzenten sind autotrophe Organismen, die aus Anorganischem Biomasse
aufbauen. Es gibt Primärbrutto/nettoproduktion (Ges. Substanz/minus Respiration).
Sekundärproduzenten: entweder Primär- oder Folgekonsumenten. Bauen nicht
Biomasse neu auf, sondern wandeln nur bereits vorhandene um (Fische,...).
Destruenten: Energie durch Abbau toten organischen Materials zu anorganischen
Verbindungen (mineralisieren)

►Bakterien, Mikroorganismen
Bakterien sind einzellige Mikroorganismen ohne echten Zellkern (Prokaryonta).
Vermehren sich durch Querteilung, können als Dauersporen auch ungünstigst
Bedingungen überstehen. 2 Gruppen von Mikroorganismen:
Autochthone MO: im Wasser für Abbauprozesse zuständig, wenig erforscht
Allochthone MO: kommen von Außen, aus Luft, Boden, Abwässer. Oft wichtige
Indikatoren für Belastungen, Eignung als Trinkwasser,... Oft auch
Krankheitserreger -> Verwendung zur Untersuchung der Wassergüte
anhand von Fäkalcolibakterien und Salmonellen.

Bakterien können abhängig sein von Licht (als Energiespender, oder als Begrenzer
des Wachstums (desinfizieren mittels UV)) und von Temperatur. Haben Toleranz-
bereich, bei Überschreiten Eiweißzerstörung und Absterben -> Abkochen! Auch von
PH-Wert, an/organischen Stoffen können Bakterien abhängig sein. Beim
Sauerstoff verhalten sie sich sehr unterschiedlich, obligat aerobe Bakterien
benötigen O für Abbauprozesse, Fakultativ aerobe/anaerobe Bakterien stellen sich
aufs Angebot ein und für obligat anaerobe Bakterien ist Sauerstoff toxisch, si
Schwefelwasserstoff (z.B. Schwefelbakterien). Photosynthese betreiben nur sehr
wenige Bakterien, die mst. sind Destruenten. MO sind sowohl Futter, aber auch als
Destruenten die Letzten in der Nahrungskette. In dieser Funktion von starker
ökologischer Bedeutung. Bakterienübersicht S. 28/29

►Primärproduktion
Versorgt ein Ökosystem mit organischer Substanz. Photosynthese zur
Energiegewinnung, daher abhängig von Licht: In stehenden Gewässern bis Tiefe wo
noch 1% Licht = Kompensationsebene! Auch Temperatur und die Versorgung mit
direkten Stoffen zur Photosynthese: C, H, O und Nährstoffen wie Phosphor,
Stickstoff, Schwefel, ... wichtig. Aber viele Primärproduzenten sind von
unterschiedlichen Nährstoffen abhängig, Für Algen z. B. Ca und Mg essentiell.
Photosyntheserate mittels Radiocarbonmethode messbar (misst Verbrauch an CO2,
somit indirekt Intensität der Photosynthese)

Primärproduktion in stehenden Gewässern: Im Litoral (Küste) sehr viele


Lebensformen, im Pelagial (Freiwasserkörper) Produktion mittels Phytoplankton.
In FGs: Aufwuchsalgen (Periphyton), Fluß- od. Potamoplankton, Makrophyten, Laub.

►Sekundärproduktion
Verwertet die Biomasse der Primärproduktion. Es gibt herbivore, karnivore und
detrivore (Detritusfresser) Organismen. Die Grenzen sind allerdings fließend. Höhere
Organismen werden auch noch in Ernährungstypen differenziert: Filtrierer, Weide-

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gänger, Zerkleinerer, Sediment-Detritusfresser und Räuber. (genauer S. 35)
Organismen kommen in 3 Lebensgemeinschaften in Gewässern vor:

Zooplankton: Lebensgemeinschaft im Pelagial (Freiwasser) Planktische


Organismen schwimmen od. Schweben im Wasser, und haben auch phasenweise
Bindung an Boden (für Jagd, Eier,...) -> Vertikalwanderungen. Sie sind entweder
Primär- (wenn herbivor) oder Sekundärkonsumenten (karnivor). Zum Zooplankton
zählen Einzeller, diverse Insektenlarven, Rotatoria (Rädertiere), Cladocera
(Wasserflöhe), Copepoda (Hüpferlinge) und Crustaceae (Krebse). Die planktischen
Krebse sind besonders, sie streben meist Richtung Gewässermitte, sog. Uferflucht.
In FGs mit hoher Fließgeschwindigkeit fehlt das Zooplankton meist, nur
Benthozönose und Fische

Zoobenthos: Lebensgemeinschaft am/im Gewässerboden (Benthal). Zoobenthos


können mit Licht sein, dann meist das Litoral (küstenbereich) oder ohne Licht im
Profundal, wo es dann aber nur mehr Konsumenten gibt. Zoobentohos von Seen und
Flüssen sehr unterschiedlich, aufgrund Bodenstrukturen, Fließgeschwindigkeiten,...

Fische: kommen im Pelagial und Benthal vor, sind mst. Sekundärkonsumenten, nur
wenige Primärkonsumenten die Algen oder Macrophyten fressen, z. B. Rotaugen.
Die meisten Süßwasserfische sind Teleostei, eigentliche Knochenfische. ÖFischarten
auf S. 36ff. Körperform der Fische passt sich oft dem jeweiligen Lebensraum an.
Fische werden unterschieden nach:
Strömungspräferenz: Rheophile: bevorzugen strömende Gewässerabschnitte,
Indifferente: Strömung egal,
Stagnophile: in Ruhigwasserzonen
Laichplatz(substrat)-Wahl: Kieslaicher: in Kies und Schotter, alle Salmonide, etc.
Krautlaicher: in Wurzelbereichen, Makrophyten
Sauerstoffbedarf: stenoxybiont: hoher O-Gehalt, Salmonide
euroxybiont: stärkere O-Schwankungen möglich, Karpfen
Temperaturabhängigkeit: eurytherm: breites Temeraturspektrum, Karpfen
stenotherm: enger Toleranzbereich, Seesaibling 8°-12°C
Bei Temperaturoptima ist stets das Entwicklungsstadium der Fische zu beachten, da
nicht eine Temperatur für alle Stadien ideal sein muss. Auch die Flussbettstruktur hat
starken Einfluss auf die Vielfalt der Arten in einem FG. In Österreich gibt es 66
heimische Arten wovon mehr als 50% auf der Roten Liste der bedrohten oder
ausgestorbenen Arten stehen.

►Energiefluss, Trophie-Nahrungspyramide
Stofftransport führt z.T. als Kreislauf über Produzenten, Konsumenten und
Destruenten wieder zurück zu den Produzenten. An Energie wird aber meist nur ein
Bruchteil (<10%) weitergegeben -> Mensch der Raubfisch ist, bekommt nur mehr
0,1% der ursprünglichen Primärproduktion, welche von Fischen konsumiert wurde,
welche wiederum vom Raubfisch konsumiert wurden.
In Gewässern kommt oft ein Gleichgewichtzustand zw. Produzenten und
Konsumenten zustande. Sind also zu wenige Fische in See -> Zooplankton vermehrt
sich, starker Fressdruck auf Phytoplankton, Sauerstoffschwund. Sind zu viele Fische
in See -> Zooplankton schrumpft, Phytoplankton vermehrt sich., kann durch Fischerei
behoben werden.

►Gewässergüte, Immissionsschutz, Bioindikation, ökol. Funktionsfähigkeit

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Rechtsgrundlangen eines nachhaltigen Gewässerschutzes: Grundlage ist
Wasserrechtsgesetz (WRG). Es versteht unter Gewässer das Gewässer in seiner
Gesamtheit (Wasserwelle, Bett, Grundwasser und Ufer) und in seinem ökologischen
Gefüge. Unter seinem Schutz versteht es die Erhaltung der natürlichen
Beschaffenheit des Gewässers in physikalischer, chemischer und biologischer
Hinsicht. Weiters sind auch Bereiche die für seine ökologische Funktionsfähigkeit
notwendig sind, zu schützen. Diese Dinge sind aber nicht näher definiert, daher
regelt man in der Praxis den Schutz mittels der Einhaltung der Emissions- und
Immissionsregelung. Verunreinigung ist jede Beeinträchtigung der erwähnten
Beschaffenheit und jede Minderung des Selbstreinigungsvermögens.

Gewässergütebeurteilung
Hat Aristoteles erfunden, er betrachtete allerdings nur Tiere. Der „Gütezustand“ und
die Biozönose werden im unbelastetem Zustand vom Gewässertyp (Lage,
Geologie,...) bestimmt, auch ohne saprobielle Belastung (Faulschlamm) gibt es
Unterschiede. Man spricht von saprobieller Gewässergüte (=die „Gängige“) in Bezug
auf Verunreinigung mit organisch abbaubaren Stoffen. EU-weite Bestimmung der
Gewässergüte ab 2006, bis 2015 Erreichen des „guten Zustands“.

Gewässerbeschaffenheit: wertfreie Beschreibung der Parameter eines Gewässers,


Grundlage für Bewertung der Gewässergüte.
Gewässergüte: ist Ergebnis einer Bewertung der Gewässerbeschaffenheit auf
biologischer, ökologischer Basis. Sie beschreibt das gesamte Gewässer, ist also eine
Lebensraumbetrachtung, und nutzungsbezogen.
Wassergüte: ist eine chemische, physikalische und bakteriologische Untersuchung
einer Stichprobe. Beschreibt also das Wasser.

Bioindikation
Bioindikatoren sind Organismen die Rückschlüsse auf Belastungen und andere
Wirkungen auf Ökosysteme zulassen. Sie zeigen längerfristige, wie kurzfristige
Umweltbedingungen. Gegensatz zu chemischer Analyse einer Probe. Bioindikatoren
werden auch als Monitoring-Arten bezeichnet. Man unterscheidet beim Arbeiten mit
Indikatoren aktives Monitoring, wo Arten erst ins System gebracht werden, und
passives Monitoring wo bereits eine vorhandene Art genommen wird. Ideale
Bioindikatoren sollten auch für Nichtspezialisten leicht erkennbar sein, möglichst
große Verbreitung (am Besten Kosmopolit) haben, zahlreich vorkommen, gut
untersuchte Ansprüche haben,...siehe S. 45

Ökologische Betrachtung bezieht sich auf Organismus und seine Umwelt. Einzelne
Umweltfaktoren haben ein Minimum und Maximum für die Existenz des Organismus,
die Spanne dazwischen ist die Amplitude. Es gibt aber auch einen Optimalbereich
dazwischen, in welchem eine stabile Population gegeben ist.

Entwicklung der Gewässergütekunde, Entstehung der Güteklassen


Vor Industrieller Revolution nur häusliche Einleitungen in unsere Gewässer, und eher
geringe Belastungen. Durch Industrie, wachsende Bevölkerung, starke Belastungen
und Ausbruch von Epidemien. 1853 Cholera-Epidemie in Breslau, Ferdinand COHN
mit erster saprobiologischer Untersuchung. Erkennt Zusammenhang zwischen Grad
der Verschmutzung, der Menge an organischer Substanz und lebendiger
Organismen, Beginn der Gewässergütekunde.

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LAUTERBORN entdeckte die saprobielle Lebewelt, eine Lebensgemeinschaft im
vorwiegend aus Pflanzen entstandenen Faulschlamm und das verunreinigte
Gewässer einige ihrer Lebewesen, sog. Saprobionten auch aufweisen -> Indikatoren
für Verschmutzung. KOLKWITZ und MARSSON (1902) prägten den Begriff
Saprobien für diese Abwasserorganismen, und stuften diese nach Grad der
Verschmutzung ein (Oligo, Meso, Poly). Das Saprobiensystem war entstanden,
wurde weiterentwickelt und die Indikatorarten wurden auf weniger viele reduziert ->
Grundlage für die heutige Einteilung in Gewässergüteklassen. Diese Güteklassen
sind für den Bereich der Limnosaprodität geltend, also für Gewässer an der
Oberfläche.
Die Gütebeurteilung eines Gewässers wird in der Praxis meist auch verbal
begründet, da auch Erfahrungen und nicht nur der Saprobitätsindex zählt.

Güteklassen, siehe S. 49ff


Güteklasse I: oligosaprob = also un- oder sehr gering belastet, in Karten blau.
Gänzlich unbelastete Gewässer (xenosaprob) oft oberhalb der Baumgrenze,
artenreich aber individuenarm.
Güteklasse I-II: oligo- bis beta-mesosaprob = gering belastet, Kartenfarbe blau-grün.
Güteklasse II: beta-mesosaprob = mäßig belastet, Kartenfarbe grün, hohe
Artenvielfalt und hohe Individuenzahl.
Güteklasse II-III: beta-meso- bis alpha-mesosaprob = kritisch belastet, in Karten
grün-gelb, Biodiversität gering, aber Massenentwicklung einzelner Arten.
Güteklasse III: alpha-mesosaprob = stark verschmutzt, in Karten gelb, Charakter-
arten: Egel und Wasserassel
Güteklasse III-IV: alpha-meso- bis polysaprob = sehr stark verschmutzt, in Karten
gelb-rot
Güteklasse IV: polysaprob = übermäßig verschmutzt, Karten rot, Schwefelbakterien

Die Güteklassen I, I-II, II sind die in der Natur vorkommenden Belastungssituationen.


Aufbauprozesse und Abbauvorgänge sind dann auch im Gleichgewicht. Bei
zunehmender Flusslänge nehmen allerdings Belastungen zu, Unterläufe können also
natürlich eutotroph und mäßig belastet sein. Es ist allerdings zu bedenken, das die
Güteklassen nicht für jeden Gewässertyp auch gleiche Aussagen treffen. Ein
Gebirgsbach mit Güteklasse II ist eigentlich stark belastet und unerwünscht, bei
Tieflandgräben oft Klasse II gar nicht zu erreichen!

Biologische Selbstreinigung
Die Trophie eines Gewässers ist die Intensität der Primärproduktion, die Saprobie
gibt den Verbrauch von Konsumenten an. In einem anthropogen unbeeinflussten
Gewässer stellt sich immer wieder ein Gleichgewichtszustand zwischen ihnen ein.
Sind die Nährstoffverhältnisse in einem Gewässer erhöht beginnt biologische Selbst-
reinigung, d. h. Organismen die Fremdstoffe abbauen werden aktiv (Bakterien,
Borstenwürmer, Kleinkrebse,....). Doch bevor diese zu Werke gehen, setzt bei
absterbenden Organismen erst Autolyse ein, best. Moleküle werden von selbst
zersetzt.

Ökologische Funktionsfähigkeit von FGs


=Imstandesein zur Aufrechterhaltung des Wirkungsgefüges zwischen dem Gewässer
und seinem Umland. Auch Organismen sollten der natürlichen Ausprägung des
betreffenden Gewässertyps entsprechen. Beeinträchtigungen der ökol. Funktions-
fähigkeit abgestuft von Stufe 1 unbeeinträchtigt, 1-2, 2,..., bis Stufe 4 nicht gegeben.

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Ihre Beurteilung findet anhand zahlreicher Indikatorgruppen und Untersuchungs-
kriterien statt. Als Indikatorgruppen dienen Arten, von dehnen wir natürlich auch viel
wissen, wie Fische. Die ökol. Funktionsfähigkeit ist oft auch nur aus einer Sicht
erstellt, z. B. aus der Sicht der Zoozönose, wo dann ganz klare Kriterien wie
Arteninventar, Abundanz, Dominanz,... untersucht werden.

Beispiele für exotische Tierarten, welche unsere Gewässer gefährden


Regenbogenforelle: im 19. Jht. eingeführt, verdrängt heimische Bachforelle, was
wiederum auf andere Arten Einfluß hat, wie Aussterben der Flussperlmuschel deren
Larven in Kiemen von Bachforellen leben.
Graskarpfen: aus O-Asien, ernährt sich von Makrophyten, bei Nahrungsmangel aber
auch von Schilf -> Bestände werden zerstört -> Errosion am Ufer und Eutrophierung.
Werden eingesetzt wenn durch Nährstoffüberschuß zu viele Makrophyten vorhanden
sind. Sie eliminieren diese aber oft nach einigen Jahren komplett. Durch
Ausscheidungen dann Nährstoffe die Phytoplankton-Vermehrung erzeugen. Sinnvoll:
nur sterile Tiere einsetzen. Besatz von Graskarpfen ist in natürlichen Gewässern
inzw. verboten, großes Problem am Donaudelta.
Amerikanische Krebsarten: schleppten Pilz ein, gegen den europäische nicht
resistent sind -> starke Dezimierung

6. STEHENDE GEWÄSSER - SEEN

►Hydrographie (Oberfläche, Tiefe, Volumen,...) und Critical loading


Kenndaten welche Hydrographie und Morphometrie eines Sees charakterisieren:
Maximale Breite, maximale Tiefe, mittlere Tiefe (=Quotient Volumen/Oberfläche ->
wichtig für critical loading, siehe unten), relative Tiefe (max. Tiefe als Prozentwert
des mittleren Durchmessers), Fläche, Volumen, Retentionszeit (Zeit für
Wassererneuerung). Mittels hypsographischer Kurve, kann man gut Flächen und
Volumina in verschiedenen Tiefen darstellen.
Die Wasserbilanz (Eintrag und Verlust von H2O) eines Sees ist oft schwer zu
ermitteln. Sonderfall Endorheismus: liegt vor wenn See nur Zufluss und keinen
Abfluss hat, aber Verdunstung = Niederschläge und Zufluss -> hoher Salzgehalt.

Critical loading, Eutrophierung: Das Modell des critical loading (Lc) gibt Auskunft
über die Belastbarkeit bzw. die kritische Phosphorbelastung eines Sees ->
Lc-Wert! Hierbei ergibt sich, dass je tiefer ein See, und je rascher er durchflossen
wird, desto mehr Belastungen hält dieser stand. Man benötigt daher Daten wie die
mittlere Tiefe und die Verweildauer des Wassers im See. Je höher also der Lc-Wert,
desto weniger eutrophiegefährdet ist ein See!

►Gliederung von Seen


Seen haben eine lichte Zone, die trophogene, und eine dunkle, die tropholytische.
Pelagial: Freiwasserkörper, mit belichtetem Teil oberhalb der Kompensationsebene,
dem Epipelagial, und dem lichtlosen Bathypelagial.
Benthal: Bodenzone, mit lichtem Litoral nahe des Ufers und lichtlosem Profundal,
in welchem vor allem Sedimentfresser besiedelt sind.

►Sedimente, Sedimenttypen, Verlandung von Seen


Sedimentation ist die Ablagerung von Stoffen am Boden. In Seen werden organische
und anorganische Materialien allochton, also von Außen (Laub, Sand,...) und

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autochton, also von Innen (Pflanzenmaterial, Seekreide s. S.20) eingetragen.
Diverse Arten der Benthosfauna verarbeiten diese weiter. Die Sedimente führen zum
Zuwachsen und Verlanden von Seen. Man unterscheidet mehrere Sedimenttypen:
Dy, Braunschlamm, enthält überwiegend grobe Pflanzenreste, bei dystrophen (=die
Ernährung störend) Seen typisch (PH-Wert von 4)
Gyttja, Grauschlamm, feinpartikuläres Sediment mit hohem organischem Anteil. In
oligo- wie eutrophen Seen. In oligotrophen heller, und Sauerstoffsättigung recht groß.
In eutrophen dunkel, da noch unabgebautes Material, und im Sommer kaum
Sauerstoff mehr vorhanden (aufgrund großer Abbautätigkeit).
Saprobel, Faulschlamm, bei eutrophen Seen am Grund. Anaerobe Abbau bewirkt
Bildung von Schwefelwasserstoffen und Methan (auch in Kläranlagen).

Sedimente und best. Indikatorarten geben Aufschluss über Stoffwechsel eines Sees:
Tanytarsus-See, Zuckmückenlarve der Gattung Tanytarsus und heller Gyttja ->
oligotrophe Verhältnisse.
Chironomus-See, Zuckmückenlarve der Gattung Chironomus und dunkle
Sedimente -> eutrophe Verhältnisse mit geringem Sauerstoffangebot.
Die Sedimentation ist in Braun- und Klarwasserseen (s. Seetypen) unterschiedlich.
Klarwasserseen verlanden durch autochtone und allochtone Sedimente,
Braunwasserseen wachsen durch Schwingrasen zu.

Moore sind Torflager, Torf entsteht aus Pflanzenresten unter Luftabschluss. Moore
sind das versumpfte Endstadium eines Sees, man unterscheidet Flach- und
Hochmoore, wobei Flachmoore noch mit Mineralboden in Verbindung stehen, und
Hochmoore sind gegen diese isoliert.

►Seentypen
Man unterscheidet in Klarwasserseen (Alpen-Vorland-Flachland-Seen) und
Braunwasserseen (dystrophe Moorseen). Einige Charakteristika: genauer S.58ff

BWS KWS, KWS, KWS, KWS,


stark eutroph typisch eutroph kalkreich oligo. kalkarm oligot.
Ökol. Dystrophe Eutrophierter Typische Alpensee Heidesee
Kennzeichnung Moorseen Flachlandsee Flachlandsee
Wasserfarbe im Gelb/braun, da Grün, da Grünlich, da Blau, aufgrund Gelblich, da
Sommer Humusteilchen Wasserblüte Plankton Reinheit Humusteilchen
Vorherrschendes Detritusfresser Blaualgen Blau- und Kieselalgen Zieralgen
Plankton Kieselalgen
Reaktion Sauer Stark alkalisch Schwach Neutral Schwach sauer
alkalisch
O2 und CO2- Reichlich Übersättigt Hoch Reichlich Reichlich
Epilimnion
O2-Hyoplimnion Extreme Lange fehlend Sehr gering Reichlich Meist gering
Zehrung <12% >60%
Charakt. Fische Höchst. Hecht, Hecht, Zander, Hecht, Barsch, Seeforelle, Hecht,
meist. fehlend Rotauge Rotauge Aalrutte Schleihe
Tiefenfauna Extr. Artenarm, Fehlt, da H2S Artenarm, Artenreich, Unterschiedlich
individuenarm individuenreich individuenarm
Tiefensediment Faulschlamm Faulschlamm Anorganisch Torfschlamm
Jährliche organ. gering Sehr hoch Hoch -------- Gering
Sedimentation
Entwicklung zum Hochmoor Flachmoor Flachmoor Eutrophen See Dystroph. See
Sonstiges Im Gebirge Antropogene Typisch im In den Alpen Bei uns selten,
Einflüsse! Alpenvorland Skandinavien!

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Weiters noch Klassifizierung der Klarwasserseen nach Lage und Fischbestand
möglich: Hochgebirgsseen, Vorgebirgsseen, Tiefe Seen der Ebene, Flache
Brachsen- oder Hechtseen.

Schichtungstypen
Temperaturschichtungen in Seen. Schichtungstypen anhand der Durchmischung:
Kalt monomiktisch, im Sommer Durchmischung, bei polaren, subpolaren Seen.
Warm monomiktisch: Nur im Winter voll zirkulierend, aber meist den ganzen Winter
lang (z. B. Bodensee).
Dimiktisch: temperierte Seen mit Vollzirkulation (Holomixie) im Frühling und Herbst,
Ausnahme Meromixie. Die meisten Seen in Ö sind dimiktisch/holomiktisch (2x im
Jahr, ganzer See) oder dimiktisch/meromiktisch (2x im Jahr, aber nicht ganzer See)
Oligomiktisch: Tropenseen mit seltener Vollzirkulation
Warm polymiktisch: Tropenseen mit häufiger Durchmischung, aber auch
Neusiedler-See, der v. a. durch Wind häufig durchmischt wird.
Kalt polymiktisch: Trop. Hochgebirgsseen die praktisch dauernd voll zirkulieren.

Eutrophierung, Abwässer, Nährstoffe


Seen haben begrenzt Nährstoffe zur Verfügung, vor allem Phosphor und Stickstoff
sind häufig ein Minimumfaktor. Bei der Eutrophierung gelangen Nährstoffe in die
Gewässer aus häuslichen Abwässern, Abwässern der Landwirtschaft, Industrie-
abwässern,... Durch das größere Angebot kommt es zu Massenwachstum von Algen
(Phyto-Plankton), welche das Wasser trüben und Photosynthese in unteren
Schichten verhindern -> Absterben von Pflanzen -> vermehrte Zersetzung, welche
wiederum Sauerstoff verbraucht -> Sauerstoffzehrung -> Artenzusammensetzung
ändert sich (z.B. Seesaiblinge verschwinden vollständig) -> Bei fortgeschrittener
Eutrophierung kommt es zu Fäulnisprozessen und der Bildung von toxischen
Substanzen, wie Ammoniak, Schwefelwasserstoff und Methan. H2S löst sich in
Wasser, ist daher besonders problematisch -> Artensterben

Bereits eutrophierte Gewässer sind schwer zu reinigen, da sich Phosphor nur mittels
chemischer Ausfällung (durch Fe-Salze) aus dem Wasser entziehen lässt, was auch
bei 3. Reinigungsstufe von Kläranlagen gemacht wird. Ist sehr kostenintensiv, daher
ist Schutz vor Eutrophierung angesagt!
Schutz außerhalb des Gewässers mittels:
- Fernhaltung von Abwässern
- Bauen von Vorsperren, kleine künstliche Staubereiche in dehnen Nährstoffe
biologisch abgebaut oder sedimentiert werden
- Einschränkung der Düngung in der LW

Sanierung/Schutz innerhalb des Gewässers mittels:


- Beseitigung des nährstoffreichen Bodensedimentes (nur bei kleinen Gewässern)
- Ernte des organischen Materials (durch Fische, aber ökologisch bedenklich)
- Einbringung anorganischer Schwebstoffe, die gelöste Nährstoffe binden und sich
am Sediment absetzen

Gewässerschutz bezüglich Eutrophierung: Möglichkeiten zur Sanierung sind


beschränkt, vielfach nur Stabilisierung des aktuellen Trophie-Zustandes möglich.
Schutz vor Belastungen daher essentiell. Seensanierung vorrangig vor FG-
Sanierung, da See irreversibel.

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Speicherseen (Stauseen) und ihre biologische Problematik
Viele Probleme sowohl für Oberwasser (vor Staudamm) wie im Unterwasser (Verlauf
nach Stauwand). Speicherseen haben sehr seenähnlichen Charakter, aber sie
werden im Winter oft teils abgelassen, Spiegel sinkt, und der Lebensraum ist für
Fischpopulationen plötzlich zu klein, v. a. hinsichtlich der Ernährungsverhältnisse.
Fische wandern über Ablässe und Turbinen ab, oder verenden, auch weil sie oft in
Mulden abgeschnitten werden -> Uferbereiche veröden, da Wasser verschwindet,
katastrophal für viele Lebensgemeinschaften.
Man kann dies aber kompensieren, durch den Bau von Dämmen zur Erhaltung von
„Litoralgewässer“ bei der Absenkung des Pegels. Abwanderung der Fische lässt sich
durch Elektroscheuchen in den Ablässen verhindern.
Durch Rückhalt des Wassers im Speicher entsteht auch eine Ausleitungsstrecke (zu
wenig Wasser) die bei Bedarfsspitzen im Bereich des Vorfluters überflutet werden.
Dies kann man leicht verhindern, indem man immer zumindest eine gewisse Menge
Wasser durch den Speicher lässt und man bei Bedarfsspitzen die Überflutungen in
Ausgleichsbecken nach dem Kraftwerk ein wenig abschwächt.

7. FLIESSGEWÄSSER

FGs sind extrem offene Ökosysteme, sie haben eine viel stärkere Wechselwirkungen
zu ihrem Umland als Seen. Der Stoffwechsel ist daher stark von allochthonen
Komponenten (von Außen) geprägt. Fließgewässer weisen auch keine vertikale
sondern eine longitudinale Zonierung auf, vom Ursprung zur Mündung mit stark
wechselnden Umgebungen und Bedingungen. Im Längsverlauf gibt es daher eine
charakteristische Abfolge unterschiedlicher Biozönosen, die oft mittels der
klassischen Fischart in dieser Region bezeichnet werden (z.B. Forellenregion).

►Längsverlauf eines typischen Flusses


Die gebirgige Zone eine Flusses ist das Rhithral. Es zeichnet sich durch Erosion und
den Transport von Geschiebe aus. In hochmontanen Gebieten liegt ein gestreckter
bis pendelnder Verlauf bei Flüssen vor, im submontanen tendieren Flüsse zur
Furkation (=Aufzweigung).

Die Region des Tieflandflusses heißt Potamal. Anfangs neigt der typische Fluss zur
Mäanderbildung, wobei er das mitgeführte Geschiebe ablagert. Anschließend sind
Deltas mit charakteristischen Armen und Deltaseen typisch.

Rhithral und Potamal sind sehr unterschiedlich, mit sehr unterschiedlichen


Artenzusammensetzungen. Am Übergang von Beiden ist folglich das Artenmaximum.

►Wichtige abiotische Faktoren


Wassertemperatur
Rhithralgewässer sind bezüglich Temperatur stark von Quellen beeinflusst, sie sind
daher meist sommerkalt, aber winterwarm (Also z. B. im Sommer und Winter um die
10°C). Potamalgewässer erwärmen sich zwar wegen großen Wasserkörper langsam,
aber dafür bis zu 25-30°C.

Temperaturschwankungen sind v. a. in kleinen, seichten Gewässern häufig, und je


geringer die Ufervegetation desto größer. Tagesschwankungen bis zu 10°C möglich.
Tiefe Tieflandflüsse mit sehr geringen Tagesschwankungen, vielfach < 1°C.

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Strömung, Turbulenz, O2-Gehalt
Für Lebensbedingungen sehr wichtiger Faktor. Turbulente Strömungen, wie im
Rhithral, mit sehr hohem O-Gehalt. Im Rhithral nahe 100% Sättigung. Im Potamal
hingegen keine turbulente Strömung, weniger O2-Gehalt, stärkere O-Schwankungen,
und zum Teil starke O2-Defizite in der Nacht (keine Photosynthese, aber
Zersetzung). Dies ist z.B. für Auen typisch.

Gefälle, Fließgeschwindigkeit, Schleppkraft


Gefälle entscheidend für Fließgeschwindigkeit, im Rhithral oft mehrere Prozent, im
Potamal sehr gering, oft weniger als 1‰, österreichische Donau 0,43‰.
Durch Schleppkraft (Reibungskraft) des FG wird ständig Material abgetragen, dies
führt zu Tiefenerosion, bewirkt Vertiefung des Flussbettes, oder zu Seitenerosion
welche eine Verbreiterung zufolge hat.

Erosion und Akkumulation im Längsverlauf von FGs


Intensität der Erosion ist abhängig von Gesteinsart des Untergrundes, und
Fließgeschwindigkeit. Sinkt diese wird Material wieder akkumuliert (oft an den
Unterläufen von Flüssen). Im Oberlauf hauptsächlich Tiefenerosion, im Mittellauf
noch Erosion und schon teilweise Akkumulation oder ständige Umlagerung. Diese
Umlagerungen sind von ökologischer Bedeutung, da Habitatschaffung.

Substrat
Es werden in Abhängigkeit zu Fließgeschwindigkeit verschiedene Korngrößen
mitgerissen oder abgelagert. Bei Geschw. unter 20cm/sec. wird leichtes organisches
Material sedimentiert, bei Geschw. über 170cm/sec. ist sogar grober Schotter in
Bewegung, für tierische Organismen ungünstig. Je gleichmäßiger die
Geschwindigkeit ist, desto gleichmäßiger sind die Substrate verteilt -> bei Rhithral-
gewässern mosaikartige Verteilung der Sohlsubstrate, da sehr heterogenes
Strömungsmuster. In Potamalgewässer homogene Strömungsverhältnisse und
Substratverteilungen.

Geschiebe, Schwebstoffe
Werden Feststoffe rollend weiterbewegt: Geröll oder Geschiebe, wenn schwebender
Transport: Schweb- oder Trübstoffe. Wenn Flusskontinuum unterbrochen ist
(Kraftwerke) findet hinter den Absperrungen verstärkter Geschiebeaustrag, sog.
Output, statt, da Geschiebe von davor fehlt -> Eintiefung der Flusssohle. (z. B.
Donau östlich von Wien), dies hat Auswirkungen auf Grundwasserhaushalt. Wenn
hohe Trübefracht, dann limitierte Primärproduktion aufgrund mechanischer
Beeinträchtigung durch die Schwebstoffe und aufgrund der Trübung des Wassers.
Auch Seston, belebter Schlamm mit hohem organischen Anteil (Detritus, Bakterien),
wird bewegt.

►Strukturausstattung
Gewässerbettstruktur
Hau Einfluss auf die Strömung, wichtig für die Verteilung des Substrates, sehr
heterogen -> vielfältiger Lebensraum -> vielfältige Fauna. Besonders hervorzuheben,
die Funktion von Schwemm- oder Totholz (Woddy Debris) in diesem Zusammen-
hang, wobei es auch noch eine Nahrungsquelle für xylophage Organismen ist.

Strukturausstattung des Uferbereichs

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Geprägt von Flusslauf, Vegetation und Substrat. Übergangsbereich Land/Wasser.
Die Vegetation hat mittels Beschattung auch starken Einfluss auf Temperatur, und
Photosynthese im Wasser. Sie stellt auch die hauptsächliche Energiebasis von FGs
niedriger Ordnungszahl (Oberläufe) dar, allochth. Eintrag von Laub, Holz, Samen,...

►Lebensgemeinschaften in Fließgewässern
Energiebasis: in Rhithralgewässern geringe Primärproduktion, Energie allochton,
wird zerkleinert und steht als POM, als partikuläre organische Partikel zur Verfügung.
In seichten Potamalgewässern ist es vom Anteil der Trübefracht abhängig, ohne viel
von dieser überwiegt autochthone Primärproduktion, ansonsten auch allochthon.

Hyporheisches Interstital: Aufgrund von Strömung müssen FG-Organismen gute


Schwimmer sein, sich festhalten können oder sie benötigen Ruhigwasserstellen. ->
Im Rhithral v. a. Fische und Benthosorganismen, im Potamal auch Flussplankton
(=Potamalplankton). Das Benthos ist die wichtigste Lebensgemeinschaft in FGs. In
Rhithralgewässern lebt der Großteil der Organismen im sog. hyporheischen
Interstital, einem durchflossenem Schotterlückenraum der Gewässersohle.
Tiefenausdehnung, Porosität des hyporheischen Interstital ist abhängig von
geologischen Untergrund, Korngröße. Die Oberflächen des Substrats am Boden sind
vom sog. Biofilm überzogen, fast alle Bakterien leben also in den Bettsedimenten ->
extrem wichtig für Selbstreinigung, Sedimente müssen aber durchströmt sein.
Biozönose im Benthos: Insektenlarven, Würmer, Krebse, ... Im sandigen,
schlammigen Untergrund des Potamals leben vor allem Organismen die Detritus-
oder Sedimentfresser sind. Die Fische des Potamals sind überwiegend hochrückig
und pflanzenlaichend, die des Rhithrals sind eher stromlinienförmig (größere
Strömung) und Kieslaicher.

►Moderne Konzepte der Fließgewässerökologie


River-Continuum-Concept (RCC): Beschreibt Zusammenhänge zw. Physik,
Morphologie und Hydrologie, sowie der Lebewesen im Gewässer, ist ein System
welches den Fluss und seinen Längsverlauf ganzheitlich beschreibt -> zu stark auf
longitudinale Prozesse fixiert. Deshalb Entwicklung von:
Serial discounty concept (SDC): sieht Flüsse grundsätzlich in drei Ebenen:
longitudinal (Quelle-Zubringer-Mündung), vertikal (Aquifer-Flussbett) und lateral
(Flussbett-Ufer-Überschwemmungsgebiete). Wichtig das vor allem Interaktion
Umland und Fluss endlich enthalten, da von großer Bedeutung, ist. SDC beschreibt
Fluss und Zubringer.
Flood pulse concept: beschreibt Auswirkungen von Hochwässern und ähnlich
Störungen auf das Flusssystem.
Ecotone concept: Beschäftigt sich mit Ökotonen, Übergangsbereichen zw. Lebens-
räumen mit hoher Artenvielfalt, und deren Entstehung/Beeinflussung. Sind auch oft
von Störungen abhängig (Hochwässern,...)
Ecological conectivity: Bezieht sich rein auf Interaktionen und Austauschprozesse
von Gewässern untereinander und zu ihrem Umland. Diese sind am höchsten in
Auen des Mäandertyps. Wichtig ist bei diesem Konzept das Prinzip der Vernetzung.

Um also über Gewässersysteme und deren Einzugsbereiche zu beschreiben


benötigt man generelle Charakteristika, also übergeordnete Parameter wie
Geologie und Typ des Landschaftsraums, Talform, Flussverlauf, dynamische
Prozesse, Hydrologie und Flussordnungszahl, Gefälle, Biozönotische Region,...

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►Derzeitige Situation der FGs in Österreich
Fließgewässer sind extremst gefährdete Ökosysteme aufgrund vieler verschiedener
Eingriffe. Dies ist in Ö wie auf der gesamten Welt so. Gänzlich unbeeinflusste dem
Ursprung entsprechende Flüsse/abschnitte findet man Ö nur noch auf 6% der
Flussabschnitte der größeren Flüsse (siehe S. 75). -> Schutz dieser naturnahen
Fließgewässerabschnitte von höchster Priorität.

►Anthropogene Eingriffe an FGn


Drei wichtigsten Eingriffe: Kraftwerke – Regulierungen – Abwassereinleitungen

Energiewirtschaftliche Nutzung
In Ö rund 70% aller ausbauwürdigen Fließgewässerstrecken für Energiegewinnung
auch tatsächlich genutzt. In Oberösterreich 91%, in der Schweiz sogar 95%! Die
Donau in Ö nur mit zwei echten Fließstrecken, Wachau und östlich von Wien. Die
entstandenen Laufkraftwerke verursachen einige ökologischen Probleme:
-Verluste an produktiver Wasserfläche bei Ausleitung
-Abtrennung der FGs von ihrem Umland – Verlust von Auen
-Unterbrechung des Flusskontinuums
-unterbundene Abflussdynamik im Hauptfluss wie im Umland

Die Probleme von Speicherkraftwerken wurden bereits abgehandelt, Kap. 6! Und


Kap. 7 Schwallbetrieb!

Konkrete Änderungen/Nichtänderungen im Stauraum:


- Verringerung der Strömungskraft und Schleppkraft, da sich der
Querschnitt des Flusses verbreitert -> verstärkte Schlamm/Sandablagerung,
monotone Strukturen -> artenarm
- Laufkraftwerke haben nur kaum nennenswerten Einfluss auf Wassertemp.,
Sauerstoffeintrag im Stauraum, da Turbulenz recht hoch ist
- Lichttransmission verbessert, da Sedimente absetzen, aber Wassertiefe steigt
auch, daher keine größerer Lebensraum für Primärproduzenten
- Stauraumspüllungen (wegen Hochwasserschutz notwendig) problematisch,
Gezieltes Spülmanagement sollte Auswirkungen vermindern.
- Durch erhöhte Verweildauer des Wassers im Stauraum, stärkere
Entwicklung Potamoplanktons.
- Stauwurzelbereich mit groben Geschiebe, wehrnahe Schlammbänke, daher
dort hohe Dichte von Detritusfressern und Filtrierern -> Benthosfauna
nicht mehr die ursprüngliche
- Kontinuumsunterbrechung bzw. Driftfallen für Fische -> Fischarten
verschwinden gänzlich oder Populationen werden genetisch isoliert.
- Verstärkte Verdunstung (v. a. in wärmeren Klimazonen Problem, z.B. Nil)

Konkrete Änderungen im Umland:


- Rückhalt von festen Stoffen -> Flussabwärts Eintiefung der Flusssohle.
Vernetzung zu Umland unterbunden, Auen liegen höher, werden
abgeschnitten, sog. Altwässer, und verlanden -> typische Arten verschwinden,
da keine Audynamik mehr
- Aufgrund Giesgangsystem auch Entstehung neuer Auen, beziehungsweise
Wiederbeflutung alter, freilich aber kein komplette Anbindung an den Fluss.
- Früher starke Grundwasserspiegelschwankungen im Umland typisch,
heute verschwunden -> andere Bodenverhältnisse

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- Verlegung von Mündungen von Zubringern ins Unterwasser (z. B. bei Kamp
und Traisen), diese Mündungen monoton ausgebaut, also reguliert!
- Natürliche Düngung im Umland durch Hochwässer entfällt (z.B. Problem bei
Stauung von Nil)

Ökol. Maßnahmen bei Errichtung von Kraftwerken und als Revitalisierung:


- Fischaufstiegshilfen, Umgehungsgerinne für Fische (siehe weiter hinten)
- Uferstrukturen mittels Buhnen, Inseln vielseitiger gestalten. Gegebenfalls auch
Schotterbänke schaffen, da viel Geschiebe ja vor Staustufe bleibt.
- Angrenzende Augebiete mittels Giesgangsystem versorgen, und aber auch
Bereiche lassen die nur bei Hochwasser halt wirklich versorgt sind.
- Zubringermündungen unbegradigt, niveaugleich mit Niedrigwasserstand des
Unterwassers, gestalten
- Geschiebe sollte auch in den Unterlauf gelangen, muss im Notfall vor der
Staustufe abgegraben werden und danach aufgetragen!

Schwellbetrieb, Schwallproblematik
Bei Speicherstauen, mit vielen Auswirkungen: nur Restwasser im Unterlauf,
hochwasserartige Schwälle bei Ablassen, gefolgt von abrupten Sunk. Diese
Abfolge oft mehrmals pro Tag, daher Frequenz und Amplituden dieser für Biozönosen
sehr entscheidend. Schwellbetrieb besonders problematisch bei Niedrigwasser im
Herbst und Winter. Durch diese Pegelstandsänderungen für Fische viele Problemen:
Laichplätze trockenen aus, Nahrungsangebot sinkt (Kaltwasserschwelle der
Gebirgsstauseen bewirken verringerte Benthosproduktion).
Durch geänderte Betriebsweise und durch Ausgleichbecken lässt sich dieser Effekt
verringern.

Ausleitungskraftwerke, Problematik
Leiten mittels Mühlbäche, Druckrohre, Wehranlagen,... Wasser aus Flüssen in
Kraftwerke. Diese Art ist eher typisch für Kleinkraftwerke. Bei niedrigem Wasserstand
kann Restwasser im Fluss zu gering sein, oder der Fluss im Bett sogar austrocknen
-> heute gesetzlich bestimmte Pflichtwassermenge (-dotation) um ökologische
Funktionsfähigkeit des Flusses zu erhalten. Aber auch andere bereits erwähnte
Probleme hat auch dieser Kraftwerkstypus.
Da die Restwasserführung nicht gleichmäßig ist und stark schwankt sind langfristige
Untersuchungen der Biozönose in solchen Ausleitungsstrecken schwierig. Deshalb
entwickelte man sog. Restwasserformeln, wie z. B. die Schweizer Restwasserf.
Die Menge an Restwasser ist allerdings aus ökologischer Sicht nicht mittels Formeln
zu berechnen, sondern sollte für jede Situation individuell geschehen. Dabei sind
Kriterien wie Mindesttiefen, Sauerstoffverhältnisse, Strömungsgeschwindigkeit,
Vorkommen bedrohter Arten,... zu beachten (siehe S.84)

Maßnahme der Fischaufstiegshilfen (FAHs) genauer:


Es gibt typische Wanderfische die zum Laichen große Distanzen zurücklegen.
Anadrome (vom Salzwasser ins Süßwasser) wie Lachse und Störartige, und
katadrome (vom Süßwasser ins Salzwasser) wie Aale. Aber auch standorttreue
Fische ziehen zur Laichzeit oft einige Kilometer.
Aber nicht nur Fische, auch Benthosorganismen brauchen ein Flusskontinuum. Bei
der Konzeption und Planung von FAHs sollte man sich an den vorhandenen
Fischarten bzw. Stadien orientieren, welche die geringste Schwimmleistung haben.

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In Rhithralgewässer: V. a. Kies- und Schotterlaicher, man sollte 1,5-1,8m/s an
Fließgeschwindigkeit und Absturzhöhen von 20-25cm nicht überschreiten.
In Potamalgewässer: nur max. 1m/s und Absturzhöhe max. 10-15cm, und
Zugänge zu Laichhabitaten v. a. in Auen sollte gegeben sein.
Aufgrund der Rückwanderung von Jungfischen sollten FAHs auch flußab
funktionieren. Viele FAHs sind aber technische Konstruktionen, und eher ungeeignet.
Am besten sind Umgehungsgerinne die typische Charakteristika von den jeweiligen
Zubringern kopieren

Auswirkungen von Flussregulierungen


In der Nachkriegszeit viele Begradigungen -> hoher Verlust an wasserbedeckten
Flächen, höherer Geschiebetransport, da größere Geschwindigkeit -> Verlust der
typischen Flussbettstruktur nicht nur am Ufer, auch am Boden -> oft auch Eintiefung
der Gewässer mit den typischen Folgen (Grundwasserspiegel im Umland sinkt,...).
Schon relativ bald Entwicklung des naturnahen Wasserbaus, mit vielen
unterschiedlichen Strukturierungsmaßnahmen -> Strukturvielfalt = Artenvielfalt. In
stream structures wie Bäume. Totholz, Schotterbänke, Kolke (Tiefwasserstellen, oft
hinter Hindernissen aufgrund kleinerer Strömungen), Furte (Flachwasserstellen),...
sind ein wichtiger Faktor für die Qualität des Lebensraum für Fische, sowohl direkt
wie auch indirekt (da auch gute Bedingungen für die Gemeinschaft des Benthos
notwendig). Die Varianz der Maximaltiefe ist hierbei ein gutes Maß für die
Strukturvielfalt.
Nicht nur Artenvielfalt, auch die Individuenzahl, und die gesamte Biomasse sinkt bei
regulierten Abschnitten und die Alterspyramide einer Art kann sich ebenfalls
verschieben -> mst. Dominanz der mittleren Altersstruktur und nicht ausgeglichen.

►FG-Revitalisierungen, Verbesserungsmaßnahmen z. ökol. Funktionsfähigkeit


In Ö erste Maßnahmen zur Restrukturierung von FGs seit Anfang der 90er. Rechtl.
Hintergrund ist das Wasserrechtsgesetz mit den §12, §21a und §30 des WRG. Die
EU entwickelt bereits Wasser-Rahmenrichtlinie (EU-Water-Framework-Directive).
Maßnahmen zur Revitalisierung basieren auf Erfassungen und Analysen des Ist-
zustandes eines Gewässers. Revitalisierungsmaßnahmen zielen auf die
ökologische Funktionsfähigkeit eines Gewässers ab. Die ökol. Funktionsfähigkeit
ist die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung des Wirkungsgefüges zwischen Gewässer und
seinem Umland, und seiner Organismen, sofern diese der natürlichen Ausprägung
entsprechen.
Zielsetzungen ökol. Verbesserungen sind daher die Behebung anthropogener
Funktionsdefizite und die Wiederherstellung gewässertypischer Abläufe und Habitate
um eine charakteristische Zönose zu erreichen. Dies geschieht entsprechend dem
derzeitigen Stand der Technik und hat vielfach auch übergeordnete Bedeutungen
und nicht für konkreten Abschnitt (z. B. Erreichen eines Flusskontinuums, Vernetzung
einzelner Teillebensräume,...). Konkrete Verbesserungsmaßnahmen:
- Strukturierung von Nieder- bis Mittelwassergerinnes mittels Buchten,
Einzelblöcken, Unterlassung von Instandhaltungsmaßnahmen bei
Regulierungen -> Uferanbrüche entstehen
- Bau von Umgehungsgerinnen, Umbau anderer unpassierbarer Stellen
- Anbindung von Nebengewässern
- Maßnahmen des passiven Hochwasserschutzes
- Verhinderungen von weiteren zusätzlichen Belastungen (Abwässern,...)

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Diese Maßnahmen zielen schließlich auf die Reversibilität, die Möglichkeit zur
Wiederbesiedlung des Lebensraumes ab. Gewässer haben auch andere Funktionen
und Nutzungen, welche auch beachtet werden müssen. Daher gibt es ein
Planungsinstrument welches sowohl ökologische Aspekte, wie auch den Schutz vor
Hochwässern beinhaltet, das sog. Gewässerbetreuungskonzept (GBK) seit 1990.
Es wird zunächst ein visionäres Leitbild erstellt welches eine Vision des
Lebensraumes darstellt, welche dann konkretisiert wird im operationales Leitbild,
das den genauen Soll-Zustand als langfristiges Planungsziel definiert. Dieses
operationale Leitbild ist Teil des GBK. Es entwickelt Zielvorgaben, welche im
konkreten Maßnahmenplan schließlich versucht werden zu erreichen, oder sich
ihnen annähern. Vergleicht man den Soll-Zustand mit dem Ist-Zustand so erhält man
die Defizite eines Gewässers sehr leicht.

BEGRIFFE, FACHAUSDRÜCKE

Aerob: bei Anwesenheit von Sauerstoff lebend


Anadrom: Zum Laichen von Salzwasser ins Süßwasser ziehende Fische, z.B. Lachs
Anaerob: ohne Sauerstoff lebend
Benthal: Region am Gewässerboden
Eutroph: nährstoffreich
Furte: Flachwasserstellen
Katadrom: Zum Laichen von Süßwasser in Salzwasser ziehende Fische, z.B. Aal
Kolke: Tiefwasserstelle, häufig nach Hindernissen (Steinen) aufgrund der Strömung
Kompensationsebene: Jene Tiefe eines Sees wo noch 1% des Lichtes durchkommt
Litoral: zur Küste gehörend
Oligotroph: nährstoffarm
Pelagial: im freien Gewässer
Saprobie: Organismus des Faulschlamms und von Abwässer. Wichtige Indikatoren
bei Gewässergütebestimmung
Saprobie: Intensität des Abbaus organischer Substanz
Trophie: Versorgung eines Ökosystems mit organischer Substanz =Intensität der
Primärproduktion.

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