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2020 Abhören mit Laserlicht aus 120 Meter Distanz - WELT

WISSENSCHAFT SPIONAGE

Abhören aus 120 Meter Entfernung mit Laserlicht


Veröffentlicht am 12.04.2015 | Lesedauer: 6 Minuten

Von Bernd Schöne

Durch ein Schlüsselloch können Abhörexperten einen unsichtbaren Laserstrahl in einen Raum schicken und so die dort
geführten Gespräche belauschen. Ein solcher Angriff funktioniert . . .
Quelle: picture alliance / Maximilian Sc/max rf

Deutsche Forscher präsentieren eine neue, sehr leistungsfähige Abhörtechnologie. Ob sie


die Ersten sind, denen das Lauschen mit Laserlicht aus größerer Distanz gelungen ist,
darf bezweifelt werden.

I n jedem guten Krimi kommt es vor, in jedem Agententhriller sowieso. Das entscheidende
Gespräch im Auto. Hier werden Geständnisse gemacht, mit Drogen und Waffen gehandelt
und Morde in Auftrag gegeben. Vorsichtige Gemüter lassen dabei den Motor laufen, um
Wanzen vorzubeugen und Lauscher am Straßenrand abzublocken.

Alles vergeblich! Der Sicherheitsexperte Volker Schnapp, Geschäftsführer der Beratungsfirma


Fink-Secure, weiß warum. Er hat ein Verfahren erfunden und zur Anwendungsreife
entwickelt, mit dem vertrauliche Gespräche in Pkws und Gebäuden mithilfe von
Laserstrahlen belauscht werden können.

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Dazu lenkt Schnapp das Laserlicht auf reflektierende Flächen innerhalb des Autos oder des
Gebäudes und wertet das zurückgeworfene Licht aus. Auf der Sicherheitskonferenz Blackout
in München präsentierte er die raffinierte Methode erstmals einem kleinen Kreis von
Experten.

Panzerglas ist kein Hindernis

Das Laserlicht stiehlt die Gespräche auch durch getöntes Glas und sogar dickes Panzerglas.
Der für das menschliche Auge unsichtbare Lichtspion kann der Unterhaltung bequem und
bei erträglicher Tonqualität folgen. „Nur Wärmeschutzgläser können Probleme bereiten,
wenn sie genau jene Wellenlänge von 1000 bis 1500 Nanometern herausfiltern, die der
Infrarotlaser verwendet“, erläutert Volker Schnapp. Doch seine Techniker haben dieses
Problem schnell gelöst. Eine zweite Laserdiode, die mit einer anderen Wellenlänge sendet,
macht das Verfahren auch bei Wärmeschutzglas einsetzbar.

Normalerweise verdient Schnapps Firma ihr Geld, indem sie Vorstandsetagen und
Entwicklungsabteilungen von Wanzen, manipulierten Telefonanlagen und ähnlichen
Spionagegeräten frei hält. Alle Eingriffe an diesen Geräten hinterlassen Spuren. Entweder
detektieren die Wanzenjäger verräterische Radiowellen oder sie finden das Gerät direkt
mithilfe sensibelster Messtechnik. Und in gehackten Telefonanlagen lassen sich digitale
Manipulationen und Reste von Schadcodes aufspüren.

Laserlicht hingegen hinterlässt keine Spuren. Es verschwindet rückstandsfrei und das macht
es für Angreifer besonders attraktiv. Lange bezweifelten Experten, ob bei Laserwanzen die
geringe Intensität des reflektierten Lichts ausreichen würde, um einem Gespräch folgen zu
können. Die Erfahrungen mit laserbasierten Abhörgeräten, die bereits in den 70er-Jahren
entwickelt wurden, waren jedenfalls ernüchternd.

Lasermikrofone sind eine alte Idee

Damals richtete man einen Laserstrahl auf ein Außenfenster und machte den reflektierten
Strahl hörbar, indem man die Schwingungen des Fensterglases registrierte. Doch bereits
beim Versuch, einen Raum im zweiten Stock von der Straße aus abzuschöpfen, musste der
Spion kapitulieren.

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Das Gesetz „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel“ der geometrischen Strahlenoptik schickt


den an der Scheibe reflektierten Laserstrahl in Richtung Wolken. Das Verfahren erwies sich
als nicht praktikabel. Profis verwenden diese Lasermikrofone daher kaum noch, Amateure
und Privatdetektive hingegen schon.

Das neue Verfahren arbeitet nach einem anderen physikalischen Prinzip, nämlich dem des
Interferometers. Das von der Empfangsoptik eingesammelte Laserlicht wird hier mit dem
Sendestrahl gemischt und das Ergebnis anschließend durch eine sensible Elektronik
ausgewertet. Die Geräte nutzen dabei den sogenannten Doppler-Effekt aus. Der vom Objekt
reflektierte Strahl hat eine geringfügig andere Frequenz als der ursprüngliche Laserstrahl.

Messung von Brückenschwingungen aus großer Entfernung

Selbst feinste Schwingungen werden so aufgefangen. Diese sogenannten Laser-Doppler-


Vibrometer analysieren unter anderem die Schwingungen von Brücken im Rahmen von
Instandsetzungsarbeiten. „Wenn man über hundert Meter schwingende
Brückenkonstruktionen präzise analysieren kann, eignet es sich vielleicht auch zum
Abschöpfen von Gesprächen“, erinnert sich Schnapp an seine Überlegungen von vor zwei
Jahren.

Seit Langem gab es zudem Hinweise auf laserbasierte Spionagesysteme, aber es waren, wenig
überraschend, weder technische Informationen noch Beschreibungen öffentlich verfügbar.
Immerhin veröffentlichte im Jahr 2010 das renommierte „IEEE Sensors Journal“ (Volume: 11,
Issue: 6 ) in den USA einen wissenschaftlichen Fachartikel, der die technische Machbarkeit
nachzuweisen schien. Was noch fehlte, waren Tests von Praktikern unter realen
Bedingungen. Die gibt es nun.

Nach einiger Bastelei gelang Schnapp der endgültige Nachweis: Die Sache funktioniert
tatsächlich in der Praxis. „Wir konnten problemlos 120 Meter überbrücken“, so Schnapp,
„und das mit normalen, handelsüblichen Messgeräten“.

Jede Blumenvase oder Lampe kann zum Mikrofon werden

Die sind zwar nicht billig, aber problemlos zu beschaffen. Mit mehr Aufwand sollten sich
auch noch deutlich größere Distanzen überbrücken lassen. Alles, was nicht gerade Schall

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schluckt und wenigstens ein bisschen Licht reflektiert, eignet sich als Abgreifpunkt. Die
Blumenvase genauso wie die Schreibtischlampe oder der Türgriff im Auto.

„Auch von Pappe haben wir schon Raumschall erfolgreich abgegriffen“, erzählt Schnapp.
Aber wer redet heute noch mit seinem Gegenüber? Schließlich gibt es doch SMS und Email.
Vorsicht! Auch diese Kommunikationsmethoden sind durch Laserlicht angreifbar.

Wieder sind es verräterische Schwingungen. Sie haben ihren Ursprung allerdings nicht in der
menschlichen Stimme, sondern in der mechanischen Energie und dem Aufbau der Tastatur.
Das Klicken verrät die Botschaft.

Tippen auf Tastaturen lässt sich aus der Ferne verfolgen

Die beiden italienischen Sicherheitsexperten Andrea Barisani und Daniele Bianco haben
gezeigt, wie man diese Geräusche mit einfachsten Mitteln abgreifen kann. Als Podium
wählten sie die weltweit wichtigste Hackerkonferenz Black Hat in Las Vegas.

Sie griffen auf das alte Prinzip der Lasermikrofone zurück. Seitdem die Profis das Interesse
verloren haben, gibt es diese Geräte mehr oder weniger frei zu kaufen. Etwa in Spy-Shops im
Internet. Zu gepfefferten Preisen von 30.000 Euro für ein Komplettsystem aus Sender und
Empfänger, beide gut getarnt als harmlose Fotokameras.

Den Italienern war das zu teuer, sie bastelten sich aus einem Laserpointer und einem
Fernrohr mit Fotodiode eine preiswerte Alternative. Als Untersuchungsobjekt dienten
Tastaturen von Laptops, obwohl diese deutlich geräuschärmer sind als normale
Bürotastaturen.

Dennoch gelang ihnen das Abhören. Auf dem Oszilloskop konnten sie problemlos die
Schwingungsmoden der einzelnen Buchstaben unterscheiden. PINs und Passwörter
offenbarten ihre Geheimnisse über 30 Meter hinweg, trotz des eher amateurhaften
Versuchsaufbaus mit Wäscheklammern und Klebestreifen.

Abhörtechnik für nur 80 Euro

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Die besten Ergebnisse erzielten die beiden, wenn der Laserstrahl auf die Rückwand des
Notebooks zielte, möglichst in die Nähe der Scharniere. Nicht schlecht für ein Equipment,
das gerade 80 Euro gekostet hat. Wie man aus den doch eher kryptischen
Schwingungskurven mit Hilfe geeigneter Mathematik Buchstaben und Zahlen generiert,
haben die Italiener in ihrem Black-Hat-Manuskript genau beschrieben.

So etwas käme den Sicherheitsspezialisten von Fink-Secure nicht in den Sinn. Sie wollen vor
allem Angriffe verhindern. Wer bereit ist, mit einem sündhaft teuren Vibrometer herum zu
experimentieren, muss sich daher die nötige Software schon selber schreiben.

Volker Schnapp arbeitet aktuell am Nachweis weiterer, noch perfiderer, Abhörmethoden,


welche in Zukunft eine große Rolle spielen könnten. Hier wird nicht Laserlicht verwendet,
sondern hochfrequente Strahlung. Er meint hierzu: „Wir können uns diesen Gefahren nur
stellen, wenn wir wissen, von was wir reden und wie es funktioniert.“

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