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Rechtsextreme Taten in Neukölln – Feindesliste mit 500

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Brandanschläge und Drohungen gegen linke Aktivisten beunruhigten Menschen in


Neukölln. Die Polizei kennt Verdächtige aus der rechtsextremen Szene, kann ihnen aber
nichts beweisen. Schon 2013 hatten diese offenbar eine lange Namensliste mit Gegnern
erstellt.

Hinter der Serie rechtsextremer Anschläge in Berlin-Neukölln stand nach Einschätzung


der Polizei kein überregionales Netzwerk von Neonazis. Polizeipräsidentin Barbara
Slowik sprach am Montag von drei Verdächtigen und betonte, es gebe keine Hinweise zu
anderen Taten von Rechtsextremisten aus jüngster Zeit: weder zu den Morden an einem
Engländer 2015 in Neukölln und an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke
im Sommer 2019 noch zu dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle im Herbst
vergangenen Jahres.

Das ist laut Slowik eines der Ergebnisse eines ansonsten weitgehend geheimen Berichts
der Polizei zu den langwierigen und bislang nicht sehr erfolgreichen Ermittlungen in
Neukölln.

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Polizeipräsidentin Slowik mit Innensenator Geisel (Foto: picture alliance/dpa)

Innensenator Andreas Geisel (SPD) hatte im Frühjahr 2019 eine 30-köpfige neue
Ermittlergruppe mit dem Titel „Fokus“ eingerichtet, eine sogenannte Besondere
Aufbauorganisation (BAO). Sie sollte alle Fälle der Anschlagsserie in Neukölln noch
einmal intensiv untersuchen und darüber berichten.

Rechtsextremisten hatte Liste mit Gegnern


Bekannt wurde jetzt, dass verdächtige Rechtsextremisten lange vor Beginn der
Serie von Brandanschlägen und Bedrohungen, die 2016 begann, bereits mehr als
500 Namen von politischen Gegnern und Feinden gesammelt hatten.

Der Chef des Staatsschutzes im Landeskriminalamtes (LKA), André Rauhut, sagte im


Innenausschuss, bei der Auswertung eines beschlagnahmten Computers sei man im
Herbst 2019 auf mehr als 500 personenbezogene Datensätze aus den Jahren bis 2013
gestoßen. Die Datensätze seien in einer Ordner-Struktur nach Themen wie Antifa,
Politiker, Journalisten und Polizisten sortiert gewesen.

Die Polizei sehe aber „aus dieser Liste, die mindestens acht Jahre alt ist, und aus
zusätzlichen Erkenntnissen, die wir haben, keine konkreten Gefährdungen“, sagte
Rauhut. 30 Menschen seien aber bereits kurzfristig informiert worden. Alle anderen
sollen von der Polizei noch ausführlicher angeschrieben und informiert werden.

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Nach Brandanschlägen Anfang 2018 auf die Autos eines Kommunalpolitikers und eines
Buchhändlers hatte die Polizei Wohnungen von Rechtsextremisten durchsucht. Slowik
betonte, erst im Herbst 2019 sei man auf diese Daten gestoßen:

„Es handelte sich um ein gelöschtes Betriebssystem und auf tiefen Ebenen wurden
durch umfassende und hervorragende kriminalistische Arbeit Datensätze
gehoben, die eigentlich bereits unwiderbringlich verloren waren.“

Slowik zufolge geht es jetzt insgesamt um 72 Taten, die Teil der Serie und der
Ermittlungen seien. Neun Taten, bei denen bisher kein Zusammenhang gesehen worden
sei, rechne die Polizei inzwischen der Serie zu. Nach den Durchsuchungen im Februar
2018 habe die Serie der Anschläge plötzlich geendet.

Das Auto des Buchhändlers Heinz J. Ostermann, der sich gegen Rechtspopulismus und Rassismus
engagiert, wurde komplett zerstört. (Foto: Facebook)

Die Polizeipräsidentin betonte weiter, es seien keine Informationen zu Opfern aus den
Reihen der Polizei gekommen. Diese habe allerdings einige Hinweise zu Opfern nicht im
richtigen Zusammenhang erkannt. Daher sei mindestens eine Warnung an ein Opfer wie
auch eine Ansprache der Polizei an einen Verdächtigen nicht erfolgt.

Streit um Geheimhaltung
Geisel verteidigte die weitgehende Geheimhaltung des Berichts: „Wir müssen die
laufenden Ermittlungen schützen.“ Vor allen Dingen müsse man „die Täter schnappen“,
sagte er. „Diesem Ziel muss alles untergeordnet werden.“

Lesen Sie hier alle Nachrichten aus dem Bezirk Berlin-Neukölln.

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Der Zwischenbericht, der vor einem Jahr angekündigt worden war, enthalte
Informationen über Verdächtige und die Ermittlungsmethoden der Polizei, daher könne
man ihn nicht im Ganzen veröffentlichen.

Die Opferberatungsstelle Reachout kritisierte die Geheimhaltung als „empörend“.


Das Misstrauen gegenüber der Arbeit der Ermittlungsbehörden verfestige sich so
noch weiter. Die Opfer würden nicht ernst genommen.

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