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EU erwägt Beteiligung an israelischer Militärindustrie

22 Juni 2010

Ein israelischer Kampfflugzeugfabrikant, der seine Fabrikate zum Töten und


Verstümmeln der Zivilbevölkerung im palästinensischen Territorium von Gaza
angewendet hat, könnte von der EU finanzielle Unterstützung für wissenschaftliche
Forschungen bekommen.

von David Cronin

Beim israelischen Angriff auf Gaza vom 27. Dezember 2008 bis 18. Januar 2009 wurde mit
den neuesten nicht bemannten Flugzeugen vom Typ Heron experimentiert.
Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass die Anwendung dieser Technologie während
der drei Wochen dauernden Operation “Gegossenes Blei” 87 Zivilisten getötet hat. Trotz
allem, sagte die EU der Israel Aerospace Industries (IAI), der Fabrikantin von Heron,
einstweilen eine Finanzierung zu.

Zwei Projekte der IAI haben die ersten Bewertungsphasen des EU Forschungsprogrammes
bereits bestanden, wobei es sich dabei um 65,400 Millionen Dollar im Zeitraum von 2007 bis
2013 handelt. Die Europäische Kommission, das Verwaltungsorgan der EU, bestätigte, dass
die IAI einer der 34 israelischen “Partner” ist und zu den 26 Anbietern dieser
Informationstechnologie zählt, welche von der Union finanziert werden sollen.
Afcon, eine Metaldetektorenfirma, dessen Lieferungen für die Checkpoints der besetzten
Gebiete, einschliesslich Erez an der Südgrenze zwischen Israel und Gaza, verwendet werden,
hat sich ebenfalls beworben. Dieses Unternehmen wurde bereits 2008 beauftragt,
Sicherheitssysteme in Bahnprojekten zu installieren, die die illegalen Siedlungen
Ostjerusalems mit dem Stadtzentrum verbinden.“Der Vorgang für die Finanzierung ist noch
nicht abgeschlossen”, sagte der Sprecher der Kommission, Mark English.

Eine Veröffentlichung des israelischen Medium Globes informierte im Mai, dass die
Unternehmen ihres Landes ein 21 Millionen-Dollar-Packet von der EU für
informationstechnische Forschungen erhalten haben. Somit hätte Israel laut Globes seit 2007
358 Millionen Dollar von der EU für Forschungen erhalten. Der jüdische Staat ist der
Hauptteilnehmer der Forschungsprogramme der EU. Israelische Funktionäre wiesen darauf
hin, dass sie sich von den Forschungsinstituten und jüdischen Staatsunternehmen um die 617
Millionen Dollar erhofften, sobald das Programm mit der EU beendet

Der Brite Chris Davies, Repräsentant der Demokratisch Liberalen Partei im EU-Parlament
stimmt nicht mit der Forschungsabteilung der Kommission überein, weiterhin Fonds für
israelische Unternehmen zu gewähren. Die 27 Mitglieder der Union akzeptierten Ende 2008
die Anfrage, die Beziehungen zum jüdischen Staat zu verbessern und dabei Israel eine
größere Beteiligung an weitreichenden Aktivitäten der Union einzuräumen. Diese
Abmachung konnte jedoch aufgrund des Angriffes auf Gaza nicht aufrecht erhalten bleiben.

Der IAI eine Finanzierung zukommen zu lassen “muss als eine völlig unakzeptable,
inkohärente und skandalöse Naivität betrachtet werden” so Davies zu IPS. “Es scheint, als
wenn keine Kommunikation zwischen den verschiedenen Repräsentanten der EU vorhanden
wäre, wie die Beziehungen mit Israel zu handhaben seien”, unterstrich er weiter. Wo ist das
gemeinsame Denken”, fragte er.

Die Europäische Kommission behauptet, die Kooperation mit Israel bestünde auf dem Gebiet
der zivilen Forschung, während die israelische Regierung stolz die erfolgreiche und enge
Verbindung zwischen technologischem und militärischem Sektor meldet. Es gibt eine
“Simbiose” auf diesen beiden Gebieten in Israel, bestätigt ein vom Industrieministerium
veröffentliches Blatt anfang diesen Jahres. “Mehrere technische Fortschritte sind durch diese
‘Verbindung’ entstanden”, fügte er hinzu und gab als Beispiel die vom israelischen Millitär
erfundene Einrichtung zum Erkennen von Stimmen für Computer in den 80ziger Jahren an.

Weitere mögliche israelische Begünstigte der neuen finanziellen Unterstützung der EU


verbergen nicht die Tatsache, aus dieser ‘Verbindung’ Vorteile gezogen zu haben. Das
Zweigunternehmen SAP, ein Softwarefabrikant, machte die Belieferung von
Spezialausrüstungen an die Armee öffentlich. Emza und LiveU sind zwei Beispiele der
vielen Sicherheitsausrüstungsfabrikanten, die größere Aufträge bekommen haben, seidem der
jüdische Staat ein unabkömmlicher Teil des von US Ex-Präsident George W. Bush (2001-
2009) eingeführten “Kriegs gegen den Terrorismus” geworden ist.

“Die europäischen Bürger dürfen keine Zweifel über die Finanzierung der israelischen
Millitärindustrie haben”, sagte Marcel Shaton, Präsident des Forschungs –und
Entwicklungsrates Israel-Europa. “Jede Forschung trägt zur Rüstungsindustrie bei”, fügte er
hinzu. “Die zivile Technologie wird für militärische Zwecke auf der ganzen Welt verwendet”,
unterstrich er weiter.
Die EU ist Komplize bei der Besetzung der palästinensischen Territorien geworden, indem es
die Militärindustrie Israels unterstützt hat, meinte Yasmin, Expertin für Waffenhandel bei der
Organisation War on Want. Mehrere europäische Länder, die im Afghanistankrieg
teilgenommen haben, kauften unbemannte Flugzeuge von der IAI und anderen israelischen
Unternehmen, fügte sie hinzu. “Die Militärindustrie ist das zentrale Element der israelischen
Wirtschaft”, unterstrich sie. “Die verkaufte Ausrüstung ist auf eine dunkle Weise
“kriegserprobt” – sie bezieht sich auf deren Anwendung in den palästinischen Gebieten.

Der spanischsprachige Originalartikel von David Cronin erschien am 19. Juni 2010 bei
urugayischen Nachrichtenagentur Inter Press Service (IPS)

Übersetzung: Ingrid Sporn (ISM) / Bild: Carlos Latuff

Quelle:

http://www.ism-germany.net/2010/06/22/eu-erwgt-beteiligung-israelischer-militrindustrie