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Inhalt

Die Handluntg des Dramas spielt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einem Salon von
einem Sanatorium neben der Stadt.
Das Drama steigt mit dem Tod der Krankenschwester Irene Straub ein, ein Fall den der
Kriminalinspektor Richard Voß aufklären soll. Die Krankenschwester ist offensichtlich von
ihrem Patienten Einstein erdrosselt worden, auf ähnliche Weise wie bereits drei Monate zuvor
der Geisteskranke Newton seine Pflegerin Dorothea Moser getötet hat. Der Inspektor Voß kann
aber weder Einstein noch Newton verhaften, denn beide gelten als Kranke und nicht als Mörder.
Für die Leiterin des Sanatoriums sind die beiden Mordfälle kein großes Problem, dennoch
verspricht sie, die Krankenschwester durch männliche Pfleger zu ersetzten. Wenig später kommt
Möbius’ Frau mit ihren drei Söhnen zu Besuch, um sich zu verabschieden. Nach fünfzehn
Jahren, in denen sie für die Betreuung ihres Mannes gezahlt hat, lässt sie sich von ihm scheiden
und heiratet einen Pfarrer mit dem sie und ihre Söhne ein neues Leben anfängt.
Als auch der dritte Physiker im Haus, Johann Wilhelm Möbius, einen Mord an einer Schwester
begeht, erklärt er dem Inspektor, dass König Salomon ihm den Auftrag dazu gegeben habe. In
Wahrheit hatte Schwester Irene aber nur sein Geheimnis entdeckt und musste deswegen sterben:
Möbius ist gar nicht verrückt, sondern spielt den Irren nur, um sich in der Anstalt verstecken zu
können. Er hat die Formel aller Formeln gefunden und glaubt, dass seine Erfindung, sobald sie in
die falschen Hände gerät, Unheil über Menschheit bringen wird. Aus moralischen Gründen hat er
sich also von der Welt zurückgezogen.
Die beiden Physiker Einstein und Newton entpuppen sich ebenfalls als nicht-verrückt. Auch sie
sind eigentlich berühmte Physiker, die jedoch vom Geheimdienst ihres jeweiligen Landes
beauftragt worden sind, sich im Irrenhaus einzuschleichen und an Möbius’ Formel zu kommen.
Der erklärt, dass er seine Aufzeichnungen zur Sicherheit längst vernichtet habe. Um die Welt zu
retten, müsse man ihr den Rücken zukehren, sagt Möbius und überzeugt seine Kollegen. Die drei
Männer stoßen miteinander an und beschließen, im Irrenhaus zu bleiben.
Wie sich herausstellt, ist die Chefärztin von Zahnd die einzig wirklich Verrückte. König
Salomon sei ihr erschienen und habe ihr aufgetragen, in seinem Namen die Weltherrschaft zu
übernehmen. Heimlich hat sie deshalb eine Kopie von Möbius’ Aufzeichnungen angefertigt und
ein Unternehmen gegründet, um mit Hilfe der genialen Formel die Kontinente zu erobern und
auszubeuten. Ihr Pfleger bringen Gitter an den Fenstern der Anstalt an, um sie ausbruchssicher
zu machen. Die drei gesunden Physiker sitzen im Irrenhaus fest, während die verrückte Ärztin
die Weltherrschaft an sich gerissen hat.
Charakterisierung/ Die Verantwortung des Wissenschaftlers
Die Tragikomödie entstand im Jahr 1961 und wurde am 21. Februar 1962 im Schauspielhaus
Zürich uraufgeführt. „Die Physiker“ wurde unmittelbar zum Publikumserfolg und ist bis heute
eins der meistgespieltesten deutschsprachigen Theaterstücke der Nachkriegszeit. Als Grundfrage
des Theaterstücks könnte man die Frage nach Verantwortung der Wissenschaft gegenüber der
Menschheit sehen.
Drei Physiker, „Newton“, „Einstein“ und „Möbius“ befinden sich als Patienten in einer privaten
psychiatrischen Klinik und geben sich als Geisteskranke aus. Einer von ihnen hat eine
Entdeckung gemacht, die zur Vernichtung der Welt führen könnte. Die Verantwortung der
Vernunft zwingt ihn aber, sein Werk nicht zu veröffentlichen und sich in ein Irrenhaus
zurückzuziehen. Johann Wilhelm Möbius hat die so genannte Weltformel entdeckt und
befürchtet, dass seine Theorie nicht in den falschen Händen kommt. Um seine Entdeckung vor
Missbrauch zu schützen, gibt er an, dass die Erscheinung des Königs Salomo ihn verfolgen
würde und lässt sich in ein Sanatorium „Les Cerisier“ (franz. „Die Kirschbäume“) einsperren.
Damit soll er als unglaubwürdig vor der Öffentlichkeit erscheinen. Newton und Einstein sind in
Wahrheit Agenten unterschiedlicher Geheimdienste, deren Auftrag es ist, Möbius’ Entdeckungen
zu bekommen. Dafür lassen sie sich in dasselbe Irrenhaus ein und spielen auch die
Wahnsinnigen vor.
Über zwei Aktlängen versuchen alle Beteiligten ihre Geheimnisse zu bewahren. Dabei sind
ihnen alle Mittel recht, sie schrecken sogar vor einem Mord nicht zurück. Überwacht wird dieser
„Physikertrakt“ von Fräulein Dr. Mathilde von Zahnd, einer Irrenärztin, die wie sich am Ende
des Stücks zeigt, die schlimmste Art der Gefahr darstellt: Letztlich ist es nämlich sie, die
willkürlich, unkontrollierbar und wirklich wahnsinnig ist. Dürrenmatt schrieb „die Physiker“ vor
dem politischen Hintergrund des Kalten Krieges. Zwei Großmächte standen sich gegenüber und
die Angst, dass bei dem Konflikt auch Atomwaffen zum Einsatz kommen könnten, war groß.
Die Situation ist durch den Bau der Berliner Mauer noch verschärft worden. Dürrenmatt deutet
in seinem Stück auf das Paradoxe hin: Die Wissenschaft hat ein Meisterstück vollbracht; kann
die Atome spalten und die Energie bändigen, aber der Missbrauch dieses Könnens und Wissens
würde für die Menschheit einen sicheren Tod bedeuten. Und hier kommt die Frage nach der
Ethik und der Verantwortung der Entdecker für ihre Erkenntnisse ins Spiel. Dürrenmatt wendet
seine Dramentheorie an und fordert den Zuschauer auf, sich eine eigene Meinung zu bilden.
Keiner der Protagonisten wird eindimensional dargestellt. Die Figuren sind in diesem Stück
wahre „Verwandlungskünstler“. Nichts ist so wie es scheint. Identitäten und Meinungen ändern
sich andauernd. Der zweite Akt erscheint dem Zuschauer wie ein Spiegelbild des ersten. Die, die
gut waren sind jetzt böse, die Verrückten ganz normal und die Normalen ganz verrückt. Die drei
Physiker stehen für drei verschiedene Epochen der Physikgeschichte: Newton für die Zeit wo
alles was die Wissenschaft mit sich brachte für die Menschheit grundsätzlich „gut“ war, Einstein,
der für den Gewissenskonflikt steht, aber seine Erkenntnisse nicht vor dem Missbrauch
beschützen kann und schließlich Möbius, der die Verantwortung komplett übernimmt und alles
erdenkliche für die Sicherheit der Menschheit tut. Allerdings scheitert er trotzdem, weil die
Macht des Zufalls und der „schlimmstmöglichen Wendung“ alle seine Bemühungen vernichten.
Fräulein Doktor, die durch geschicktes Manipulieren im Besitz von Möbius Aufzeichnungen ist,
ist die Gewinnerin in diesem Spiel. Mathilde von Zahnd arbeitet für keine Großmacht oder
politisches System; keine Ideologie und auch keine Moral behindern sie das zu tun, was sie will.
Fräulein Doktor handelt, weil sie von dem König Salomo ausgewählt worden ist. Sie ist die
einzige Verrückte in diesem Stück: eine „irre Irrenärztin“ und eine Stellvertreterin für die dritte
Macht: die Gefährlichste – aufgrund ihres unkontrollierten Wahnsinns, gegen den die
Wissenschaft trotz der Übernahme der Verantwortung nichts ausrichten kann.

Die Tragikomödie
- Dürrenmatt entwickelte eine neue Unterform des Dramas
- es handelt sich um eine Mischung aus Tragödie und Komödie
- laut Dürrenmatt verlor die Tragödie ihre Aktualität, die tragischen Helden hätten keine Macht
mehr, den Leser zum Nachdenken anzuregen
- die Besonderheit der Tragikomödie ist das Groteske (absurde, komische Handlungsabläufe, die
alles andere als normal sind)
- das Groteske erregt Aufsehen und erzeugt die gewünschte Distanz vom Publikum zu dem, was
es sieht
- laut Dürrenmatt sind die Probleme der modernen Gesellschaft so schlimm, dass sie nur durch
das lustig Machen vermittelt werden können: dafür bedient es sich des Stilmittels des Grotesk
- die in Dürrenmatts Stücken präsentierte Literatur ist so übetrieben, sodass der Zuschauer das
nur lustig finden kann
- die Tragik schlägt um vom Traurigen und Schockierenden in das Witzige, Absurde und Lustige