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Megatrends in Deutschland – Slowbalisation

Referentin: Alexandra Tost


Datum: 07.11.2019
Gibt es in Deutschland den Megatrend der abnehmenden
Globalisierung?

Definition Globalisierung

 Unterschiedliche Perspektiven und Zwecke auf den Begriff der Globalisierung


machen eine einheitliche Definition schwer. Generell werden sowohl finanzielle,
soziale und kulturelle Veränderungen betrachtet. Inhaltliche Begriffe und
Phänomene werden folgende in den Blick genommen:
o Gesamtheit der Entwicklungen, die den Globus zu einem einheitlichen
Raum machen und die Relevanz von nationalen Identitäten
beziehungsweise von Nähe und Ferne anderer Akteur*innen reduzieren.
o Herausbildung/ Bestehen einer weltweiten Zivilgesellschaft
o Weltweite Verbreitung und Standardisierung von Produktionsprozessen,
Waren und wirtschaftspolitischen Überzeugungen
o Zunehmende internationale Verflechtung oder Verdichtung von
wirtschaftlichen Vorgängen

Geschichte der Globalisierung

Warentransport und Handel 16. bis 18. Jahrhundert

 Transportmittel zu Land
o Last- und Zugtiere sowie Wagen kamen zu Anwendung, der technische
Fortschritt war eher begrenzt
o Straßen verliefen zwischen den wichtigsten Städten Europas. Diese waren
wenig befestigt und bei schlechtem Wetter schwer befahrbar.
o Transportzeiten waren sehr unterschiedlich, je nach Wetter, Wegequalität
und bei Schifftransport vom Wasserstand abhängig
 Das Verkehrswesen hat nur langsame Fortschritte gemacht, sodass der
internationale, grenzüberschreitende Warenverkehr nur unzuverlässig,
unregelmäßig und langsam vonstattenging
 Seetransport
o Schiffe machten große Fortschritte, vor allem der Schiffsbau, die
Kartografie, die Nautik und die Navigation wurden ausgebaut und verbessert
o Häfen, vor allem Naturhäfen in beispielsweise Flussmündungen und
Buchten, wurden ausgebaut
o Transportkosten nahmen ab, da das Verhältnis von Ladekapazität,
Schiffsgröße, Besatzung, Bewaffnung und Geschwindigkeit sich
verbesserte
 Der Schiffsverkehr wurde durch den technischen Fortschritt und die
abnehmende Seeräuberei immer kostengünstiger.

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Megatrends in Deutschland – Slowbalisation
Referentin: Alexandra Tost
Datum: 07.11.2019
Fazit

Internationale Handelsbeziehungen nahmen weltweit zu, vor allem Asien, Europa und
Amerika hatten die größten Anteile am Welthandel. Die transportierten Waren
wandelten sich von Luxusgütern zu Massengütern, wie Gewürze, Seide,
Baumwolltextilien oder Porzellan. Auch Menschen wurden vor allem im 17.
Jahrhundert als Sklaven gehandelt.

Warentransport und Handel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum
Ersten Weltkrieg

 Transportmittel zu Land
o Die Erfindung der Dampfmaschine eröffnete vor allem in Europa und
Amerika neue Möglichkeiten. Die Eisenbahn war ab der Mitte des 19.
Jahrhunderts technisch soweit fortgeschritten, dass sie sicher,
zuverlässig und kostengünstig Waren transportieren konnten. Die
Verkehrsnetze nahmen vor allem im Schienennetz enorm zu.
o Die Binnenschifffahrt wurde mit dem Bau der Transsibirischen
Eisenbahn als wichtigstes Transportmittel zu Land abgelöst.
o Der Welthandel wurde durch die Eisenbahn gefördert, da er die Agrar-
und Anbauflächen mit den Häfen verbinden konnte, sodass die Waren
weltweit gehandelt werden konnten.
 Seetransport
o Die Nutzung des Dampfschiffes nahm stetig zu, dennoch blieben
Segelschiffe weiterhin auf den Atlantikrouten bedeutend.
o Die Dampfschiffe hatten im Vergleich zu den Segelschiffen eine bessere
Berechenbarkeit und Verlässlichkeit, da sie nicht von Wind und Wetter
abhängig waren. Auch wurden die Ladekapazität, Stabilität und die
Sicherheit der Dampfschiffe stetig verbessert.
o Technische Neuerungen in der Kühltechnik erlaubten die Transport von
Fleisch und Früchten über lange Distanzen.

Fazit

Der Welthandel nahm vor allem durch die technischen Neuerungen stetig zu. Es gab
ein dichtes Netz aus Handelsrouten und Handelsbeziehungen, allerdings haben sich
diese nicht weltweit gleich schnell ausgebaut. Es zeigt sich die beginnenden
Industrialisierung, da vor allem der Handel mit mineralischen Rohstoffen, Metallwaren
und Chemieprodukten zunahm. Zentral für die Arbeitsmigration war die Abschaffung
der Sklaverei, die durch die Kontrakt- oder Vertragsarbeit ersetzt wurde. Gerade mit
der Industrialisierung lassen sich erhebliche Migrationsströme feststellen, da in der
Landwirtschaft, in der Industrie und in den Dienstleistungen Arbeitsplätze vorhanden
waren.

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Warentransport und Handel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die
2010er Jahre

 Transportmittel zu Land
o Der Straßenverkehr erlebte die tiefgreifendsten Veränderungen:
Lastwagen hatten vor dem Ersten Weltkrieg kaum eine Rolle gespielt,
diese waren seit 1970 eines der wichtigsten Verkehrsmittel.
o Die Eisenbahn machte vergleichsweise wenige Fortschritte: der
Elektromotor löste den Dampfmotor ab, sodass höhere
Geschwindigkeiten möglich waren.
 Seetransport
o Der Seetransport war mit den großen Containerschiffen weiterhin von
großer Bedeutung für den Welthandel, nicht nur die Schiffe selbst auch
das Be- und Entladen der Schiffe wurden immer effizienter und schneller.
 Lufttransport
o Eine wichtige Neuerung des 20. Jahrhunderts war der Einsatz von
Flugzeugen für den Waren- aber auch Personentransport. Anfang des
21. Jahrhunderts wurden 1/3 des weltweiten Warentransports über die
Luftfracht transportiert.
 Logistik
o Die Logistik hatte sich bei allen Transportarten stets verbessert. Der
kombinierte Verkehr, also das Transportieren einer Ware von mehreren
Transportarten, und die Einführung von standardisierten Behältern
förderte den Fortschritt in der Logistik.

Fazit

Die Kosten für alle Verkehrsträger sanken bis zur Verlangsamung in den 2010er
Jahren stetig ab, sodass für Standortentscheidungen die Kosten kaum noch eine Rolle
gespielt hatten, da der Warentransport weltweit möglich war. Gerade das Angebot von
Dienstleistungen, wie beispielweise Bank- und Versicherungsdienste,
Informationsbeschaffung und Beratung, nahm immer mehr zu. Der Warenhandel hatte
die Aufgabe, die fehlenden Ressourcen im Land zu Verfügung zu stellen, gerade für
die informations- und kommunikationstechnische Industrie war dies wichtig. 65-70%
der Exporte in Europa wurde zwischen europäischen Ländern gehandelt.

Nachrichtentransport

Im 16. bis 18. Jahrhundert wurden Nachrichten in schriftlichen oder mündlichen


Überlieferungen ausgetauscht. Auf den wichtigsten Handelsrouten wurde ein
regelmäßiger Postdienst angeboten, der wenig genutzt wurde. Eher nahmen Händler
und Kaufmänner Briefe mit, je nach Route und Reisegeschwindigkeit variierten die
Übermittlungsgeschwindigkeiten stark. Verbesserungen beruhten auf den
Fortschritten im Land- und Schiffsverkehr, es wurden auch besonders schnelle
Postreiter genutzt.

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In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg wurde das
Nachrichtenwesen durch die Eisenbahn schneller und billiger. Mit der Erfindung des
Telegrafen und dem Ausbau der benötigten Leitungen gewann das Telegramm an
Bedeutung. Globale Wirtschaftsverbindungen und internationale Warenbörsen
entstanden und die internationalen Geld- und Kapitalmärkte wuchsen zusammen. In
der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die 2010er Jahre haben sich die
Telegraf- beziehungsweise die Telefonnetze rasant entwickelt. Die Entwicklung von
Glasfasernetzen konnte ein Explosion in der übermittelnden Datenmenge
verzeichnen, auch drahtlose Verbindungen wie der Funk wurden genutzt. Mit den
ersten Satelliten im erdnahen Weltraum wurde der Zugang ins Internet ermöglicht, die
Kommunikation über Mobiltelefone nahm erheblich zu. Das Kommunizieren in Echtzeit
hatte ebenfalls große Auswirkungen auf die internationalen Geld- und Kapitalmärkte,
aber auch auf das Übertragen und Speichern von Daten.

Geld und Währung

Abbildung 1 - Geld und Währung. Eigene Darstellung, 2019.

16. bis 18. Jahrhundert

Geld spielte eine zentrale Rolle, da es mit wirtschaftlichem Reichtum und Wohlstand
verbunden war und somit als Ausdruck ebendieser verstanden wurde. Geld sollte die
Wirtschaft stimulieren und den Reichtum fördern. Die Edelmetallmünzen waren aber
nicht nur Tauschmittel, sondern auch Ware selbst. Über den Edelmetallgehalt der
Münze wurden die Wechselkurse der verschiedenen internationalen Währungen
bestimmt. Mit der zunehmenden Verringerung dieses Anteils und der Erhöhung der
Kupferanteils wurde die Münze im Wert abgewertet. Es gab Bemühungen, feste
Relationen festzulegen, gerade zwischen Ländern mit einer engen Handelsbeziehung.

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Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg

Es lässt sich ein genereller Paradigmenwechsel vom Metallmünzgeld, zum Papier-


und Buchgeld verzeichnen. Es entstanden öffentliche Zentralbanken, da der Staat
über Sicherheiten verfügte. Gold war das Reservemedium, sodass Münzen, Papier-
und Buchgeld jederzeit in festen Relationen in Gold getauscht werden konnten. Durch
die festen Relationen standen auch die nationalen Währungen in festen
Wechselkursen fest. Es wurden erstmals Verträge in sogenannten Währungsunionen
geschlossen, welche einen gemeinsamen Rahmen bildeten, ohne die inneren
Ordnungen der Länder anzugleichen. Es entstanden zwar keine gemeinsamen
Währungen, aber eine völlig autonome Geldpolitik war auch nicht mehr möglich.

Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die 2010er Jahre

Mit der zunehmenden Entmaterialisierung des Geldes ging auch das Bild vom Geld
verloren, welches durch Gold abgesichert werden musste. Das Buch-
beziehungsweise das Giralgeld gewann an Bedeutung. Die größte Neuerung war die
Anerkennung und Nutzung des Euros innerhalb kurzer Zeit und die hiermit
länderübergreifende verbundene Geldpolitik.

Politik

•Staatenbildung noch nicht abgeschlossen, Grenzen bildeten sich heraus, diese waren
ständig in Bewegung
•Rivalität der einzelnen Länder miteinander
•Gründung von Kolonien, als abhängige Verwaltungsgebiete
16. bis 18. Jrh.
•kein internationales Wirtschaftsrecht, trotz Handelsbeziehungen

•europäische Kolonialmächte hatten Herrschaft inne, diese waren noch in Rivalitäten


und Konkurrenzkampf verstrickt
•internationale Beziehungen wandelten sich langsam zu einer gemeinsamen
Kommunikation und Absprache
19. Jahrhundert bis
Erster Weltkrieg •Der Handel war weitesgehend frei und von Wettbewerb bestimmt, es gab keine
institutionelle Absicherung des Handelns und keine Welthandelsordnung.

•Ost/ Westkonflikt dominierte bis in die 1980er Jahre die internationalen


Beziehungen.
•die gesamte Erdoberfläche war nun in territorial-politische Gebilde aufgeteilt
20. Jahrhundert bis •enge Kooperation war nötig, das internationale Wirtschaftsrecht entwickelte sich
in die 2010er Jahre weiter und festgeschriebene Abkommen und Verträge existieren.

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Globalisierung in Deutschland – Zahlen und Fakten

Abbildung 2 - KOF (2019). Abgerufen am 05.11.2019 von https://kof.ethz.ch/en/forecasts-and-


indicators/indicators/kof-globalisation-index.html.

Der KOF unterscheidet in ökonomische, soziale und politische Dimensionen anhand


derer die Globalisierung von Ländern gemessen werden kann. Dieser kann als
Maßstab für ökonomischen Wachstum eines Landes genutzt werden.

Abbildung 3 - Außenhandel (2018). Statistisches Bundesamt (Destatis).

Die Abbildung 3 zeigt die Importe und Exporte von Deutschland im Zeitverlauf in
Milliarden an. Deutschland ist sehr auf Exporte angewiesen, fast jeder 4. Arbeitsplatz
in Deutschlang hängt vom Export ab. Vor allem im Energiebereich ist Deutschland als
rohstoffarmes Land auf Importe aus anderen Ländern angewiesen. Generell handelt
Deutschland zu größten Teilen mit anderen europäischen Staaten.

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Slowbalisation

Abbildung 4 - Slowbalisation. Quelle: Bughin, Jacques; Krishnan, Mekala; Lund, Susan; Manyika, James; Muir,
Mac; Seong, Jeongmin & Wotzel, Jonathan (2019). Globalization in transition: The future of trade and value chains.
McKinsey Global Institute.

Die Studie des McKinsey Global Institute hat herausgestellt, dass Produktionsketten
weniger vom Handel abhängig sind und weniger Waren grenzübergreifend gehandelt
werden. Vor allem in der Elektronik- und Autoproduktion kann eine regionale
Begrenzung auf Europa und Asien festgestellt werden. Dienstleistungen und der
Datenaustausch steigen zu 60% schneller als der Warenhandel an und generieren
weitaus mehr wirtschaftlichen Wert, dennoch werden diese Handelsbeziehungen in
traditionellen Statistiken nicht erfasst. Standortentscheidungen werden nicht mehr nur
nach dem Faktor der möglichst billigen Arbeitskräfte getroffen. Eher das
Vorhandensein von geschulten Arbeitskräften und den natürlichen Ressourcen, die
Nähe zum Kunden/ zur Kundin aber auch die Qualität der Infrastruktur sind
entscheidend.

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Literaturverzeichnis

Ambrosius, Gerold (2018). Globalisierung. Geschichte der internationalen


Wirtschaftsbeziehungen. Wiesbaden: Springer Fachmedien GmbH.

Brock, Ditmar (2008). Globalisierung. Wirtschaft – Politik – Kultur – Gesellschaft.


Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Bughin, Jacques; Krishnan, Mekala; Lund, Susan; Manyika, James; Muir, Mac; Seong,
Jeongmin & Wotzel, Jonathan (2019). Globalization in transition: The future of trade
and value chains. Abgerufen am 05.11.2019 von https://www.mckinsey.com/featured-
insights/innovation-and-growth/globalization-in-transition-the-future-of-trade-and-
value-chains.

Bughin, Jacques; Krishnan, Mekala; Lund, Susan; Manyika, James; Muir, Mac; Seong,
Jeongmin & Wotzel, Jonathan(2019). Globalization in transition: The future of trade
and value chains. McKinsey Global Institute.

Bundeszentrale für politische Bildung (2019). Entwicklung des deutschen


Außenhandels. Abgerufen am 06.11.2019 von
http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-
fakten/globalisierung/52842/aussenhandel.

Gygli, Savina; Haelg, Florian; Potrafke, Niklas & Sturm Jan-Egbert (2019). The KOF
Globalisation Index – revisited. In: The Review of International Organizations (2019),
Heft 14. S. 543-574.

Niederberger, Andreas & Schink, Philipp (2011). Globalisierung. Ein interdisziplinäres


Handbuch. Stuttgart: J.B. Metzler´sche Verlagsbuchgesellschaft.

O`Sullivan, Michael & Subramanian, Krithika (2017). Getting over globalization. Zürich:
Credit Suisse AG.

Sachs, Andreas; Weinelt, Heidrun & Weiß, Johann (2018). Globalisierungsreport 2018.
Wer profitiert am stärksten von der Globalisierung. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.