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Joachim Gierlichs
Frühe Pilgerrouten nach Mekka und Medina 1

Seit der Frühzeit des Islam sind drei große Pilgerrouten auf die Arabische Halbinsel
nachgewiesen, die aus den großen Zentren Kairo bzw. Fustat, Damaskus und Bagdad
von Norden nach Mekka und Medina führen. Dazu kommt eine vierte aus dem Süden,
aus „Arabia Felix“, dem heutigen Jemen (siehe Karte S. 208–209). Neben diesen gro-
ßen Routen hat es weitere Nebenrouten gegeben, z.B. eine von Basra am Arabischen
bzw. Persischen Golf, die sich in Ma’dan al-Nuqra mit der Hauptroute von Bagdad ver-
einigte. Diese Pilgerstraßen haben oftmals alte Handelswege aufgegriffen und voris-
lamische Siedlungen benutzt und ausgebaut bzw. wieder aktiviert. Fustat bzw. (später)
Kairo diente als Sammelplatz für Pilgerströme aus Nord- und auch Westafrika, wäh-
rend Damaskus zentraler Sammlungspunkt für Pilger z.B. aus den weiter nördlich ge-
legenen Gebieten mit muslimischer Bevölkerung, wie dem Kaukasus oder Anatolien,
war. Pilger aus Persien/Iran reisten über Bagdad, während jene aus dem Osten der Ara-
bischen Halbinsel (Oman) wahrscheinlich zunächst nach Sana’a (Jemen) zogen.

Die irakische Route – Darb Zubayda

Der Name Darb Zubayda geht auf Zubayda bt. Ja’far, die Frau des Kalifen Harun al-
Rashid (reg. 786–809 n. Chr.) zurück, die sich um den Ausbau der Route verdient ge-
macht hat. Diese selbst ist jedoch viel älter, sie geht tatsächlich bis in die vorislami-
sche Zeit zurück. Kaufleute reisten von Mekka, Medina und anderen Plätzen des Hi-
jaz auf ihr nach al-Hira, dem bedeutenden Zentrum im Irak, das ganz in der Nähe von
Kufa liegt. Unter der Regierung des Kalifen ‘Umar b. al-Khattab zieht im Jahre 633/34
n. Chr. ein muslimisches Heer unter dem Kommando von Sa’d b. Abi Waqqas in Rich-
tung Irak, um al-Hira anzugreifen. Die auf diesem Feldzug eingelegten Zwischen-
stopps, wie al-Tha’labiya, Zarud, al-Sharaf, al-Adhib und al-Qadisiya, an denen vor al-
lem die Wasservorräte aufgefüllt werden mussten, legen den Verlauf der Route für
die folgenden Jahrhunderte fest. Im Jahre 638 n. Chr. erlaubt der Kalif ‘Umar, der ge-
rade die ‘Umra (kleine Pilgerfahrt) ausführt, Wasserverkäufern an der Strecke zwi-
schen Mekka und Medina Rastplätze anzulegen. Im Gegenzug müssen sie sich ver-
pflichten, diese zu unterhalten und die Pilger mit Wasser zu versorgen.
Im Zuge der weiteren Eroberung durch die muslimischen Heere erlangt die Route im-
mer mehr an Bedeutung, nicht zuletzt auch durch die Verlegung der Kalifenresidenz
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Abb. 1 Meilenstein von der iraki- von Damaskus nach Bagdad mit dem Beginn der Herrschaft der ‘Abbasiden im Jah-
schen Pilgerroute (Darb Zubayda) re 750 n. Chr. Mehrere Kalifen lassen Paläste und Forts entlang der Strecke errich-
Obj. Nr. 246 ten, die sie während des Hajj oder der ‘Umra nutzen konnten. Von Harun al-Rashid
Spätes 8. Jh. (?) (reg. 786–809 n. Chr.) ist überliefert, dass er neunmal den Hajj ausführte, einige Ma-
Granit oder Basalt
50 ¥ 42 ¥ 13 cm
le sogar zu Fuß, während sein Nachfolger al-Ma’mum (reg. 813–833 n. Chr.) die Stre-
Nationalmuseum, Riad, 1356 ckenführung durch Ingenieure ganz genau festlegen ließ.
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In frühabbasidischer Zeit erreicht die Darb Zubayda den Quellen zufolge ihren Höhe-
punkt, die Straße ist damals bekannt für ihre Sicherheit und die Reisenden konnten
auf eine Reihe von „Serviceleistungen“ zurückgreifen. Der Historiker Ibn Kathir (14.
Jh. n. Chr.) berichtet, dass die vom Irak ausgehende „Hijaz-Route eine der sichersten
und am besten ausgebaut war; aber wie auch andere […] wurde diese Route immer
riskanter, besonders durch die Überfälle der Stämme, so dass die Pilgerreise ohne
militärische, von der Hauptstadt entsandte Bedeckung sehr gefährlich wurde.“ Nach
dem Fall Bagdads im Jahre 1258 n. Chr. im Zuge der mongolischen Eroberungen wur-
de die Darb Zubayda dann nur noch sporadisch genutzt.
Die Route war gekennzeichnet durch „route marker“ und Meilensteine, von denen ein
besonders schöner in der Ausstellung zu sehen ist (Abb. 1). Der Meilenstein aus Gra-
nit (oder Basalt) vom Ende des 8. Jhs. n. Chr. misst ca. 50 ¥ 42 cm und trägt eine schön
gearbeitete Inschrift, welche die Bedeutung der Darb Zubayda belegt, die außer als
Pilgerroute auch für den Postverkehr und zur Kommunikation benutzt wurde. Die In-
schrift gibt die Distanz nach Kufa mit 62 barid an, was in ‘abbasidischer Zeit ca. 20 km
entsprach. Der Meilenstein gehört zu einer Gruppe von fünf Exemplaren, die – alle
fragmentiert – an der Darb Zubayda gefunden wurden. Einer nennt den Kalifen al-
Mahdi (reg. 775–785 n. Chr.), zwei geben die Distanz nach Kufa, ein weiterer jene nach
Mekka an, der fünfte wurde in al-Rabadha ausgegraben. Der Duktus der Schrift mit
stark gelängten Buchstaben (mashq) zeigt die Weiterentwicklung verglichen mit
umayyadischen Inschriften, die in Palästina an der Route Damaskus-Jerusalem ge-
funden wurden.

Al-Rabadha
Al-Rabadha gehört zu den bekannten vorislamischen Siedlungen der Arabischen
Halbinsel und wird von arabischen Geographen zu den ältesten Plätzen aus der Epo-
che der Jahiliya,2 der „Periode der Unwissenheit“, gezählt. In islamischer Zeit war der
Ort für seine guten Weiden für Kamele und Pferde berühmt und auf dem fruchtbaren
Boden wuchsen alle Arten von Pflanzen und Buschwerk. Zur Zeit des Propheten wur-
de das Gebiet zur hima-Zone erklärt, reserviert für die Aufzucht von Tieren für die
muslimischen Heere. Sie unterstand einem Gouverneur, der für den Schutz, vor al-
lem aber das militärische Training der Tiere zuständig war.
Die Region erlangte Bedeutung zur Zeit der Rashidun (der ersten vier rechtgeleite-
ten Kalifen), als ‘Ali, der vierte Kalif und Schwiegersohn des Propheten, im Jahre 656
n. Chr. hier ein Militärcamp zur Vorbereitung seiner Kämpfer für den Angriff auf Bas-
ra (Bassura) einrichtete.
Al-Rabadha ist auch untrennbar mit dem Namen des Prophetengefährten Abu Dhar
al-Ghifari verbunden, der zur Zeit des Kalifen ‘Uthman im Jahre 651/52 n. Chr. hier
sein Haus baute sowie eine Moschee errichten ließ. Abu Dhar starb 653 n. Chr. und
wurde von einem anderen Gefährten des Propheten, der gerade auf der Pilgerreise
von Irak nach Mekka war, bestattet. Dies hat in der Folge dazu geführt, dass al-Ra-
badha von vielen Muslimen aufgesucht und schließlich zu einem Zentrum der Ge-
lehrsamkeit wurde, unter anderem um die Authentizität eines Hadith (Ausspruch des
Propheten, dem große Bedeutung als Orientierung für die Muslime [im täglichen Le-
ben] zukommt) zu überprüfen.
Von den zahlreichen historischen Persönlichkeiten, die mit al-Rabadha in Verbindung
gebracht werden können, sollte der Grammatiker Yahya b. Ziyad nicht unerwähnt
bleiben, der auf dem Weg nach Mekka im Jahre 822/23 n. Chr. hier verstarb. Sein Na-
me erscheint in mehreren Inschriften, die in die Felsen des Sinam-Berges in der Nä-
he der Stadt eingeritzt wurden.
FRÜHE PILGERROUTEN NACH MEKKA UND MEDINA 213

Die abbasidischen Kalifen verweilten in al-Rabadha, um hier zu wohnen und sich zu


erholen. Beliebt war der Ort aber auch bei den Frauen ihres Hofes – so hat Zubayda,
eine Enkelin des Kalifen al-Ma’mun und Frau des Kalifen Harun al-Rashid, große
Summen für den Bau von Häusern, Brunnen und Wasserbassins entlang der Strecke
ausgegeben, von denen sich Reste bis heute erhalten haben.
In dieser Zeit konnte die Pilgerkarawane aus Irak bis zu 20.000 Kamele zählen. Trotz
verschiedener Versuche der ‘Abbasiden, die Heiligen Stätten zu schützen und die
Route zu sichern, begann im 10. Jh. mit der zunehmenden Macht einzelner Stämme
jedoch der Niedergang. Im Jahre 930 n. Chr. eroberten die Karmaten Mekka, ver-
wüsteten die Kaaba und entfernten dabei die Kiswa und die Tür. Das gleiche Schick-
sal erlitt auch al-Rabadha, womit hier nach drei Jahrhunderten die Periode von Wohl-
stand und Prosperität zu Ende ging. Der Geograph al-Muqaddasi (10. Jh. n. Chr.) fin-
det nichts weiter mehr vor als „brakish water and a place of desolation“.
Damit versinkt al-Rabadha in einen Dornröschenschlaf, der erst im 20. Jh. enden
sollte, als 1973 bei einem Survey die Stadt von Archäologen wiederentdeckt wurde.
Von 1979 bis 2003 fanden 25 Ausgrabungskampagnen statt, geleitet von Sa’d b. ‘Abd
al-’Aziz al-Rashid,3 durch die wir Informationen zur Entwicklung der Stadt, einzelnen
Monumenten wie auch zur materiellen Kultur, unter anderem zu Objekten aus Kera-
mik, Glas, Stein und Metall, erhalten haben. Weiterhin wurden Münzen und Schmuck
sowie Inschriften gefunden.
Heute sind keine sichtbaren Ruinen der Stadt erhalten; zu den am besten erkennba-
ren Resten gehört der große Wassertank mit einem Durchmesser von 65 m und einer
Tiefe von 4,70 m, dem ein rechteckiges Sedimentierungsbecken von 55 ¥ 17 m mit ei-
ner Tiefe von 3,15 m angegliedert ist. Der im Südwesten liegende Friedhof gibt Hin-
weise zur Größe der Stadt und der Dichte der Besiedlung. Bei den Ausgrabungen wur-
den Moscheen, Häuser, Paläste mit Umfriedungen, hydraulische Wasseranlagen so-
wie Hausöfen, Keramik-Brennöfen und ein Betrieb zur Glasherstellung freigelegt,
außerdem Räume zur Lagerung von Getreide und Abwasserkanäle.
Zu den ungewöhnlichsten Funden aus al-Rabadha zählt ein großes bemaltes Stuck-
paneel von 185 ¥ 48 cm, das in zahlreichen Fragmenten in einem der Paläste gefun-
den wurde und von den Ausgräbern mit Vorbehalt ins 9. Jh. n. Chr. datiert wird. Es ge-
hört zu einem größeren Schriftfries mit Teilen der basmala, mit der die Koransuren
Abb. 2 Wanddekorfragment eingeleitet werden (Abb. 2).
Obj. Nr. 247 Die Ausgrabungen haben auch zwei recht unterschiedliche Moscheen ans Licht ge-
9. Jh. (?)
bracht. Die „Große Moschee“ im Westen ist wahrscheinlich mit jener identisch, die
bemalter Gips
48 ¥ 185 cm Abu Dhar al-Ghifari selbst errichten ließ. Ihre Maße betragen 22,75 ¥ 20,15 m, der
al-Rabadha Betsaal besteht aus zwei querorientierten Schiffen parallel zur Qibla-Wand (die Qib-
Nationalmuseum, Riad, 2399 la gibt die Gebetsrichtung nach Mekka an). Ihm ist ein von Umgängen gesäumter of-
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fener Hof (16 ¥ 9 m) vorgelagert. Rechts des Mihrab, der als halbrunde Nische in der Abb. 3 Übersichtsplan von
al-Rabadha
Außenmauer sichtbar ist, wurden Reste gefunden, die als Fundament für den Minbar
Katalog Paris 2010: 437
(Predigtkanzel, von der der Imam am Freitag die Khutba, die Ansprache an die Gläu-
bigen, hält) gedeutet werden können. Wie schon erwähnt, diente die Moschee als Ver- Abb. 4 Grundriss einer Moschee im
sammlungsplatz für Gelehrte und Hadith-Kommentatoren. In der Biographie des be- Wohnbezirk von al-Rabadha
Katalog Paris 2010: 439
deutenden Koranexegeten Muhammad b. Ka’b b. al-Qarzi al-Madani (gest. 735 n.
Chr.) lesen wir: „Muhammad b. Ka’b b. al-Qarzi al-Madani war umgeben von großen
Koranexegeten, die sich in der Moschee von al-Rabadha versammelt hatten, als bei
einem plötzlichen Erdbeben die Moschee zusammenstürzte und alle tötete.“4 Dies
gibt den klaren Hinweis, dass vor 735 n. Chr. in al-Rabadha eine bedeutende Moschee
existiert haben muss, die höchstwahrscheinlich mit der ergrabenen identisch ist.
Eine zweite, deutlich kleinere Moschee mit 12,30 ¥ 10,30 m existierte im Wohnbezirk
(site 401) (Abb. 3, 4). Auffallend sind bei ihr der quadratische Mihrab und die unge-
wöhnliche Wandstärke. Vier massive Pfeiler tragen die Decke. Die Wände waren einst
mit bemaltem Stuck versehen, wie erhaltene Reste nahelegen. Auf Grund der Dichte
der Besiedlung vermuten die Archäologen, dass es weitere Moscheen gegeben hat.
Die Wasserversorgung der Stadt hing von Regenwasser und Wasserläufen (Wadis) ab;
über ein Dutzend Brunnen konnten innerhalb des Siedlungsgebiets nachgewiesen
werden. In den Häusern wurde das Wasser in Zisternen, die sich unter den Räumen
und Innenhöfen befanden, aufgefangen und gesammelt. Diese Zisternen waren alle
gleich angelegt und ca. 2 m in den Boden eingetieft. Die Seiten waren mit Steinen er-
richtet, mit einer dicken Gipsschicht überzogen, nach oben hin waren sie mit Platten
abgedeckt. Die Zisternen wurden entweder über Regenwasser, das von den Dächern
gesammelt wurde, gefüllt oder das Wasser wurde – außerhalb der Regensaison – von
Brunnen oder größeren Reservoirs (siehe Beitrag von U. Pfullmann, Abb. 4) geholt.
Außer verschiedenen Felsinschriften, die unter anderem Gebete und Namen von Pil-
gern enthalten, haben sich Grabsteine gefunden, von denen zwei den Namen einer
Frau nennen: „Umm ‘Adhim bt. ‘Abdillah“. Bei ‘Adhim (ihrem Sohn) könnte es sich um
den Sohn des Kalifen ‘Umar (reg. 634–644 n. Chr.) handeln, der 689/90 n. Chr. in al-
Rabadha gestorben ist.
FRÜHE PILGERROUTEN NACH MEKKA UND MEDINA 215

Abb. 5 Ostrakon
Obj. Nr. 275
8.–10. Jh.
Knochen, braune Tinte
H. ca. 30 cm
al-Rabadha
Museum des Instituts für Archäologie,
König Saud Universität, Riad, 5-R1

Abb. 6 Großes Tongefäß mit


appliziertem Dekor
Obj. Nr. 248
7.–10. Jh.
Tonware, geritzt und gestempelt
H. 66 cm, Dmr. ca. 45 cm
al-Rabadha
Museum des Instituts für Archäologie,
König Saud Universität, Riad

Abb. 7 Schale mit Lüsterdekor


Obj. Nr. 249
9. Jh.
Tonware, bemalt mit mehrfarbigem
Lüster auf matter Glasur
H. 4,3 cm, Dmr. 14 cm
al-Rabadha
Nationalmuseum, Riad, 2294
216 JOACHIM GIERLICHS

Zu den weiteren Funden gehören Ostraka (Knochen mit Inschriften) (Abb. 5), die Ge- Abb. 8 Pharmazeutisches Gefäß
Obj. Nr. 269
wichte und Maße enthalten, sowie Münzen, Gebrauchs- und glasierte Keramik, Me-
7.–10. Jh.
tallgegenstände, Objekte aus Holz und Knochen, außerdem Glasbehälter und Glas, frei geblasen
Schmuck. Besonders zu erwähnen ist ein großes glasiertes Vorratsgefäß von 66 cm H. 5 cm, Dmr. 4,5 cm
Höhe (Abb. 6), Schalen mit einem Dekor aus stilisierten Granatäpfeln, wie wir ihn al-Rabadha
Museum des Instituts für Archäologie,
exakt so auch aus Samarra kennen (Abb. 7), sowie verschiedene Glasgefäße, darun-
König Saud Universität, Riad, R 19-21
ter ein Behältnis mit langem Griff, das für den pharmazeutischen Gebrauch bestimmt
war (Abb. 8). Eine Schale mit einer kurzen Inschrift in Kobaltblau trägt nur das Wort Abb. 9 Schale mit Inschrift baraka
„baraka“ (Segen), gleichermaßen Sinnspruch und Dekor (Abb. 9). (Segen)
Die Gold- und Kupferdirhams weisen die Namen verschiedener Kalifen aus umayya- Obj. Nr. 253
9. Jh.
discher und frühabbasidischer Zeit auf und wurden laut der Münzstempel in Mekka, Tonware, bemalt mit Kobaltblau auf
Kufa, Bagdad, Balkh (Afghanistan), Kirman und Nishapur (beide Iran) geprägt. Ge- matter Glasur
nannt sind unter anderen al-Walid b. ‘Abd al-Malik (reg. 705–715 n. Chr.), Abu Ja’far H. 3,1 cm, Dmr. 8,5 cm
al-Mansur (reg. 754–775 n. Chr.), Harun al-Rashid (reg. 786–809 n. Chr.) und Mu’ta- al-Rabadha
Nationalmuseum, Riad, 2330
did bi-Ilah (reg. 892–902 n. Chr.).
Im Lichte der historischen Überlieferung wie der Ausgrabungen erscheint al-Rabad-
ha als eine Stadt, die zu den bedeutendsten auf der Arabischen Halbinsel zählte. Bis
zur Zerstörung im Jahre 932 n. Chr. durch die Karmaten war sie ein wichtiges ökono-
misches wie kulturelles Zentrum.

Die syrische Pilgerroute

Die syrische Route, die von Damaskus nach Medina führt, wird – nach einem der Hal-
tepunkte – auch Tabuk-Route genannt (siehe Karte S. 208–209). Sie ist bereits für die
Zeit der rechtgeleiteten Kalifen überliefert, erreicht ihren Höhepunkt aber in der Epo-
che der Umayyaden, deren Hauptstadt Damaskus war. Nachdem die ‘Abbasiden an
die Macht gelangt waren (ab 750 n. Chr.), kümmerten sie sich naturgemäß mehr um
die Pilgerroute, die ihre neue Hauptstadt – Bagdad – mit den Heiligen Stätten auf der
FRÜHE PILGERROUTEN NACH MEKKA UND MEDINA 217

Arabischen Halbinsel verbindet (siehe Darb Zubayda). Zur Zeit der Herrschaft der Fa-
timiden (ab 969 n. Chr.) wurde zunächst in Mekka, dann in Medina der Name des fa-
timidischen (Gegen-)Kalifen al-Mu’izz li-din Allah während der Khutba (Freitagspre-
digt) genannt. Im Jahre 988/89 n. Chr. probte der Gouverneur von Wadi al-Qura, der
große Abschnitte der Pilgerroute kontrollierte, den Aufstand, wurde aber von einem
herbeieilenden Heer der Fatimiden in die Schranken verwiesen. In der Folge wuchs
deren Einfluss weiter, da sie die Sicherheit der Pilgerstraße gewährleisteten. Dies
führte dazu, dass die irakische Pilgerkarawane, deren Route durch den Aufstieg der
Karmaten (siehe oben) sehr unsicher geworden war, zeitweilig zunächst nach Da-
maskus zog und sich dort der syrischen anschloss. Aus dieser Zeit haben sich Be-
schreibungen von Geographen und Reisenden erhalten, so z.B. von al-Muqaddasi, al-
Istakhri und Ibn Hawqal.5
Während der Kreuzzüge (12.–13. Jh. n. Chr.) ändert sich die Situation: Die Pilger wer-
den zunehmend durch die Präsenz der Kreuzritter bedroht, insbesondere von der Burg
Karak im Süden Jordaniens aus, was schließlich dazu führt, dass zeitweilig die iraki-
sche Route wieder favorisiert wird. Die Lage verbessert sich zwar, nachdem der Herr
von Damaskus, Nur al-Din Zangi, die Pilgerfahrt im Jahr 1166 n. Chr. ausgeführt hat;
sie bleibt aber instabil, bis Karak 1188 n. Chr. durch Salah al-Din (Saladin) erobert wird.
Der ayyubidische Sultan al-Malik al-Mu’azzam (reg. 1218–1227 n. Chr.) ließ die größ-
te Zisterne am syrischen Pilgerweg errichten, nach der die betreffende Wegstation
„al-Mu’azzam“ benannt wurde. Während der Herrschaft der Mamluken (1250–1517
n. Chr.) wurden Änderungen an der Streckenführung zwischen al-’Ula und Medina
vorgenommen; in dieser Epoche reiste der „Weltenbummler“ Ibn Batutta (1314–1378
n. Chr.) auf der Route, als er 1325 n. Chr. die Pilgerfahrt ausführte.
Die syrische Pilgerstraße spielte eine bedeutende Rolle in osmanischer Zeit, das
heißt vom Beginn des 16. bis zum Beginn des 20. Jhs. Die Osmanen ließen sie weiter
ausbauen und unter Süleyman d. Gr. (reg. 1520–1566 n. Chr.) wurden die Festungen
von Dhat al-Hajj, Tabuk und al-Akhdar errichtet. In späterer Zeit wurde eine geän-
derte Strecke bevorzugt,6 die dann auch die Trassenführung für die ab 1900 begon-
nene Hijazbahn vorgab (siehe dazu den Beitrag von M. Fuhrmann, S. 288ff.).

Al-Mabiyat
Al-Mabiyat liegt zwischen al-’Ula im Norden und al-Mutran im Süden in der Nähe des
Dorfes Mughayr im Gebiet von Medina. In vorislamischer Zeit (Jahiliya)7 war al-Mabiyat
unter dem Namen Qurh ein wichtiger Handelsplatz, der sich in islamischer Zeit rasch
entwickelte. Dem Geographen al-Muqaddasi zufolge, der im 10. Jh. n. Chr. schreibt, war
Qurh die zweitgrößte Stadt des Hijaz nach Mekka, während der persische Geograph al-
Istakhri (10. Jh. n. Chr.) sie unter dem Namen „Wadi al-Qura“ nach Mekka, Medina und
al-Yamama auf den vierten Platz setzt. Im 13. Jh., als der berühmte Geograph Yaqut
(1178–1229 n. Chr.) den Ort besuchte, konnte er nurmehr Ruinen einer verlassenen
Stadt vermelden.
Ausgrabungen der Saudischen Antikenverwaltung in den Jahren 1984–85 haben
durch Münzfunde Informationen zur Chronologie erbracht – so wurde z.B. eine Gold-
münze (Halb-Dinar) im Namen des Fatimiden-Herrschers al-’Aziz bi-llah gefunden.
In einer der Wohnanlagen wurde eine Bodenplatte mit dem Namen des Hausbesit-
zers entdeckt: „Wohnung des Sulayman, Sohn des Muhammad, Sohn des Sulayman,
Sohn des Muhammad“.
Das Siedlungsgebiet dehnte sich über 640.000 m2 aus, etwa 800 m im Quadrat, und
war von einer aus Lehmziegeln errichteten Mauer mit drei Zugängen umgeben. Die
Oberfläche des Areals intra muros ist durch landwirtschaftliche Nutzung stark in Mit-
218 JOACHIM GIERLICHS

Abb. 10 Übersichtsplan von


al-Mabiyat
Katalog Paris 2010: 466

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Abb. 11
Teil einer Wandverkleidung
Obj. Nr. 278
9.–10. Jh. (?)
geformte Tonware
23 × 17 × 4,5 cm
al-Mabiyat
Nationalmuseum, Riad, 2385

Abb. 12
Fragment einer Wandverkleidung
Obj. Nr. 279
9.–10. Jh. (?)
geformte Tonware
al-Mabiyat
Nationalmuseum, Riad, 852

Abb. 13
leidenschaft gezogen. Identifizierbar sind außer der auf einer Anhöhe liegenden Zi- Teil eines Weihrauchbrenners
tadelle, Wassertanks und Brunnen auch die Reste einer Moschee. Hierbei handelt es Obj. Nr. 281
sich um eine sog. Musalla, einen dreiseitig offenen Betplatz, der durch die Qibla (sie- 8.–10. Jh. (?)
Kupfergusslegierung
he oben) mit dem Mihrab definiert ist. Er diente nicht dem täglichen Gebet, sondern
H. 9 cm, Dmr. 20 cm
wurde zu bestimmten Festtagen, beispielsweise zum Eid und dann zumeist von vie- al-Mabiyat
len Gläubigen, genutzt. Außerdem ließ sich außerhalb des Siedlungsareals ein Fried- Museum des Instituts für Archäolo-
hof mit mehreren beschrifteten Stelen nachweisen (Abb. 10). gie, König Saud Universität, Riad,
237M2
Bei der Ausgrabung der Häuser blieben verschiedene Fragen offen, nicht zuletzt, da
nur ein begrenztes Gebiet untersucht werden konnte. Zu den interessanten Funden Abb. 14 Schale mit Lüsterdekor
gehören Architekturdekorteile aus Terrakotta, die als Bodenplatten, als Dachziegel Obj. Nr. 280
und an den unteren Wandbereichen verwendet wurden. In der Ausstellung sind zwei 10. Jh.
Tonware, bemalte Lüsterdekoration
Beispiele mit stilisierten vegetabilen Motiven zu sehen, die mit Modeln geformt wur-
auf matter Glasur
den (Abb. 11, 12). Darüber hinaus ist reiches Fundmaterial zu Tage gekommen: vor Dmr. (Boden) 8,5 cm
allem Objekte aus Keramik und Glas, einige Metallgegenstände, stark korrodierte al-Mabiyat
Münzen sowie Textilfragmente. Die zahlreichen Keramikfragmente datieren vom 7. Nationalmuseum, Riad, 1034
bis 12. Jh. n. Chr. mit einem Schwerpunkt vom 9. bis 11. Jh., was sich mit der Blüte-
Abb. 15 Sternförmige Lampe
zeit der Stadt deckt, wie sie auf Grund der historischen Überlieferung rekonstruiert Obj. Nr. 282
werden kann. Für die unglasierte Keramik lassen sich vergleichbare Beispiele aus 8.–10. Jh.
umayyadischer bzw. abbasidischer Zeit aus dem syrisch-jordanischen Raum benen- Speckstein, behauen
nen. Das Fragment einer Schale (Abb. 14) belegt den Typus der importierten Lüster- H. 4 cm, Dmr. 22 cm
al-Mabiyat
keramik, wie wir sie von Siedlungen in Syrien oder Irak (z.B. Samarra) her kennen. Museum des Instituts für Archäologie,
Auch einige Beispiele für chinesische Importkeramik sind nachgewiesen. König Saud Universität, Riad, 73M2
FRÜHE PILGERROUTEN NACH MEKKA UND MEDINA 219
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Von guter Qualität ist auch ein durchbrochener Metallkranz mit Kupferlegierung, der
Teil eines Weihrauchgefäßes sein, aber auch zu einer Lampe rekonstruiert werden
könnte (Abb. 13). Eine sternförmige flache Lampe aus Stein (Abb. 15) vertritt einen
gängigen Typus, wie er aus dem Jemen bekannt ist, und belegt damit wiederum die
weitreichenden Handelsbeziehungen.

Die ägyptische Pilgerroute

Die dritte große Route brachte nicht nur die ägyptischen Pilger zu den Heiligen Stät-
ten, sondern auch diejenigen aus al-Andalus, dem Maghreb (nordafrikanische Mit-
telmeer-Anrainerstaaten) und dem restlichen Afrika. Sie alle hatten den Sinai zu
überqueren, bevor sie nach Ayla/Aqaba gelangten. Von hier aus führte der Weg nach
Süden, nach Midian (al-Bid’u/Bada), wo er sich in eine Inland- und eine Küstenroute
teilte (siehe Karte S. 208–209). Letztere wurde vor allem in osmanischer Zeit wichtig
(siehe unten). Zunächst war jedoch jene durchs Landesinnere populärer, besonders
in der Frühzeit des Islam (7.–8. Jh. n. Chr.); sie wurde jedoch im Laufe des 9. Jhs. n.
Chr. aufgegeben. Die Küstenroute wurde bis in die Mitte des 11. Jhs. n. Chr. benutzt,
als der Druck auf die Fatimiden dazu führte, dass diese sie nicht länger schützen und
unterhalten konnten. Als Folge wurde der Seeweg zur Anreise gewählt, wobei die Pil-
ger zunächst den Nil befuhren und dann von Aydhab über das Rote Meer nach Jidda
übersetzten. Eine weitere Einschränkung der Route stellte die Einnahme von
Ayla/Aqaba, einem wichtigen Wegepunkt und einzigen Übergang über den Sinai,
durch die Kreuzfahrer dar. Dies führte zur Vernachlässigung vieler Brunnen und Zis-
ternen und hatte negative Auswirkungen auf die Siedlungen im nördlichen Hijaz.
Die Situation verbesserte sich erst unter den Mamluken, als ab 1269 n. Chr. unter der
Herrschaft Sultan Baybars (reg. 1260–1277 n. Chr.) die Küstenroute wieder benutzt
werden konnte. Zur Zeit der Mamluken und später auch der Osmanen versammelten
sich die ägyptischen Pilgerkarawanen bei einer Zisterne in der Nähe von Kairo, bevor
sie Richtung Suez aufbrachen und den Sinai überquerten. Ayla/Aqaba wurde ge-
wöhnlich nach neun Tagen erreicht. Die dann folgende Küstenroute blieb bis 1883 in
Benutzung, von da an verlagerte sich die Pilgerreise auf das Schiff: Man segelte di-
rekt von Suez nach Jidda.
Am ägyptischen Pilgerweg hat sich eine Vielzahl von Ruinen erhalten, die z.T. auch in
historischen Quellen genannt werden. So erwähnt al-Muqaddasi (10. Jh. n. Chr.) die
Aisha-Karawansarei in Yanbu‘, die nicht ihresgleichen gehabt haben soll. Während an
der Inlandsroute zahlreiche Monumente aus der Frühzeit existieren, datieren jene an
der Küstenstraße fast alle aus spätislamischer Zeit, das heißt sie wurden unter der
Herrschaft der Mamluken (1250–1517 n. Chr.) und Osmanen (1517–1922 n. Chr.) er-
richtet.
So wurden in Midian, auch bekannt unter dem Namen „Höhlen von Shu’ayb“ (the
caves of Shu’ayb), verschiedene Konstruktionen, darunter eine Zisterne und ein Ka-
nal, aus mamlukischer Zeit entdeckt. In al-Muwaylih, einer der großen Wegstationen
in mamlukischer und osmanischer Zeit, ließ der schon in Midian tätige Mamluken-
Emir Muqaddam al-Hajj al-Malik al-Jukandar im 14. Jh. n. Chr. zwei Brunnen anle-
gen, die unter Sultan Qansuh al-Ghawri (reg. 1501–1516 n. Chr.) erneuert wurden. Die
meisten Anlagen stammen indes aus osmanischer Zeit, wie das große Fort mit fast
110 m Seitenlänge, das von ‘Ali Pasha, Gouverneur in Ägypten unter Sultan Sulayman
(reg. 1520–1566 n. Chr.), errichtet wurde. Ein Brunnen des Forts ist 967 H./1559–60
datiert, das Eingangsportal ein Jahr später.
FRÜHE PILGERROUTEN NACH MEKKA UND MEDINA 221

Abb. 16 Türsturz mit Inschrift Aus al-Hawra’, einer Stadt 10 km nördlich von Umluj an der Küstenroute, stammt die
Obj. Nr. 283 sehr schön gearbeitete große Inschrift aus Stuck, die in der Ausstellung zu sehen ist
12. Jh.
(Abb. 16). Sie kam bei einem Survey mit zahlreichen Keramikscherben frühislami-
Stuck, geschnitzt
L. 120 cm scher Zeit zu Tage und wird neuerdings ins 12.–13. Jh. n. Chr. datiert. Ursprünglich
al-Hawra’ als Balken über einer Haustür angebracht, gibt sie einen Teil des bekannten „Thron-
Nationalmuseum, Riad, Hawra’ 16 verses“ (Sure 2, Vers 255) aus dem Koran wieder. Parallelen zum Duktus der Schrift
finden sich weit im Osten der islamischen Welt, im Palast von Mas’ud III. in Ghazna
(1099–1115 n. Chr.) im heutigen Afghanistan.8

Die jemenitische Pilgerroute

Der jemenitische Pilgerweg führt als einziger von Sana’a, Hudayda oder Aden aus von
Süden nach Mekka und Medina. Ausgehend von historischen Quellen existierten im
Wesentlichen drei Routen: Küstenrouten entlang der Tihama, Seerouten von den Hä-
fen Hudayda und Aden nach Jidda bzw. nach Sirraym und schließlich Inlandsrouten
von Sanaa bzw. dem Hadramawt nach Mekka. In Sa’da teilt sich die Inlandsroute, die
darb al-sudur oder najdi verläuft über Najran nach Mekka (über Bisha und Kara), wäh-
rend eine Alternativstrecke über Zahran al-Janub und das al-Sarawat-Gebirge nach
Ta’if und von dort nach Mekka führt (siehe Karte S. 208–209).
Die sog. Najdi-Route ist gut dokumentiert: So gibt z.B. der jemenitische Dichter Ah-
mad b. Isa al-Rada’i (1. Hälfte 9. Jh. n. Chr.) in seinem Gedicht Urjuza al-hajj oder al-
Radda’iyya eine genaue Beschreibung des Karawanenwegs von Rada’ nach Mekka.
Geographen wie Ibn Hawqal oder al-Muqaddasi (beide 10. Jh. n. Chr.) oder der be-
rühmte al-Idrisi (gest. ca. 1160 n. Chr.) bestätigen bzw. erweitern diese Angaben.
Weitere Informationen zu der Route verdanken wir dem Forschungsreisenden Phil-
by, der 1932 und 1936–37 in der Region unterwegs war, sowie dem Ingenieur Twit-
chell, der am Bau der Straße zwischen Abha und Najran im Jahr 1940 mitwirkte.
Der offizielle Ausgangspunkt des Pilgerwegs Sana’a-Mekka war das Wadi Shu’ub im
Norden von Sana’a, das Ende – nach Aussagen früher arabischer Geographen – in der
Nähe des Jabal al-Manqib, bei dem als „al-Sayl al-Kabir“ bekannten Platz.
Während aus umayyadischer Zeit keine Informationen über Bauten oder Instandhal-
tungsarbeiten vorliegen, ändert sich dies unter den ‘Abbasiden. Der Kalif al-Mahdi
(reg. 775–785 n. Chr.) scheint der Erste, wenn nicht gar der Einzige gewesen zu sein,
der sich um den Ausbau der jemenitischen Pilgerroute gekümmert hat. Ihm wird die
Einrichtung eines Postdienstes zwischen dem Hijaz und Jemen auf Grund politischer
Unruhen zugeschrieben, was zur Errichtung von Poststationen, Meilensteinen und
Wachtürmen entlang der Strecke geführt hat. Der nur kurz in Sana’a regierende ‘ab-
basidische Gouverneur Muhammad b. Khalid al-Barmaki (799–800 n. Chr.) ließ die
Strecken reparieren und Wasserstellen instand setzen, während der Ziyadiden-Emir
Husayn b. Salama (gest. 1011 n. Chr.) Moscheen mit hohen Minaretten erbauen und
222 JOACHIM GIERLICHS

Abb. 17 Inschrift über Straßenbau


Obj. Nr. 244
304 H./916–17
50 ¥ 44 ¥ 10 cm
gefunden in Mahd al-Dhahab (Hijaz)
Nationalmuseum, Riad, 899

Brunnen und Wassertanks anlegen sowie zahlreiche Meilensteine aufstellen ließ. Kö-
nigin Arwa, Tochter von Ahmad al-Sulayhi (reg. 1099–1138 n. Chr.), ließ Stützpunkte
und Karawansereien, wie z.B. den Khan Din (Maramil), an der Strecke Sana’a-Sada’
errichten.
Außer den unabdingbaren Wasserreservoiren wurden auch zahlreiche Moscheen und
Bethäuser (masjid) entlang der Pilgerroute angelegt. Die bedeutendste und vielleicht
auch älteste ist die Moschee in Khalid in der Thuwayla-Region südöstlich von Zahran
al-Janub. Sie wird unter anderem von al-Hamdani und dem Poeten Rada’i erwähnt.
Das Gebäude misst 21 ¥ 15,5 m, ist aus vulkanischem Gestein in Trockenbauweise er-
richtet und besaß kein Dach, wenn wir al-Hamdani Glauben schenken.
FRÜHE PILGERROUTEN NACH MEKKA UND MEDINA 223

Die jemenitische Route weist viele Inschriften und Felsgravuren ab der Frühzeit des
Islam auf. In der Zahr-Wüste, ca. 35 km nordwestlich von Bisha und Tabala, wurden
unter anderem zwei Meilensteine gefunden, deren Inschriften im sog. Hijazi-Duktus
verfasst sind. Eine Reihe von Inschriften sind datiert, so eine, die in der Nähe von Zah-
ran al-Janub zu Tage kam; sie trägt das Datum 98 H., was 716/17 n. Chr. entspricht.
Viele der Felsgravuren sind undatiert, dafür nennen zwei jedoch bedeutende Emire
der Yu’firiden-Dynastie: Muhammad b. Yu’fir (871–883 n. Chr.) und seinen Sohn Ibra-
him b. Muhammad b. Yu’fir (883–898 n. Chr.).
Zu den bedeutenden Städten an der Route aus islamischer Zeit gehören Bisha, Taba-
la, Banat Harb (al-Ma’dan) und Jurash. Jurash, etwa 25 km südöstlich der Stadt Kha-
mis Mushayt gelegen, war ein bekanntes Zentrum für Handwerk und Handel im alten
Südarabien, besonders in der Gerberei rivalisierte es mit Ta’if und Sana’a. Daneben
wurde es als militärisches Trainingszentrum berühmt: So ist überliefert, dass wäh-
rend der Belagerung von Ta’if im Jahre 628 n. Chr. Urwa b. Mas’ud und Ghaylan b. Sa-
lam nach Jurash gesandt wurden, um die Technik und Bedienung von Katapulten und
anderen Kriegsmaschinen zu erlernen. Jurash wurde 631 n. Chr. unblutig von Surad
b. ‘Abdillah al-Azdi erobert, der zum Gouverneur der Stadt ernannt wurde, die später
ein Zentrum der Hadith-Wissenschaften werden sollte. Die Ruinen der Stadt sind
heute mit antiken und islamischen Keramikscherben übersät, vor allem aus ‘abbasi-
discher Zeit. Die in den letzten Jahren durchgeführten Ausgrabungen haben insge-
samt acht Besiedlungsschichten nachgewiesen, die vom 1. Jh. bis ins 11. Jh. n. Chr.
datieren.

Die unterschiedlichen Pilgerrouten sind alle großen Veränderungen im Laufe der


Jahrhunderte unterlegen: Sie erhalten zeitweise höchste Förderung, sind militärisch
umkämpft, werden vernachlässigt und teilweise sogar aufgegeben. Gleichwohl bele-
gen sie eindrucksvoll die Bedeutung, die diesen Verbindungswegen zu den Zentren
der antiken und mittelalterlichen islamischen Welt zukommt, nicht nur in religiöser,
sondern auch in ökonomischer Hinsicht. Die verstärkte Erforschung vieler Plätze und
Siedlungen in den letzten Jahrzehnten, insbesondere durch saudi-arabische Archäo-
logen und Historiker lässt die Pilgerrouten, auf denen ja auch immer Waren und Ide-
en transportiert wurden, und ihre materielle Kultur in einem viel klareren Licht er-
scheinen.

1 Der Aufsatz wurde auf der Basis der Beiträge von S. al-Rashid, H. al-Kilabi, A. al-Umayr, A. al-Ghabban und
M. al-Thanayan des Pariser Ausstellungskatalogs (Katalog Paris 2010: 425–485) verfasst.
2 Zur grundsätzlichen Definition und Erklärung des Begriffs siehe EI2 II, 1965 (etwas veraltet) sowie Hawting
2011 (mit weiteren Literaturangaben).
3 Außer zahlreichen Berichten hat er auch eine Monographie zu al-Rabadha verfasst (al-Rashid 1986).
4 Siehe al-Rashid in: Katalog Paris 2010: 439.
5 Die vollständigen Titel sind genannt bei Al-Kilabi 2010: 454.
6 Die einzelnen Stationen der Strecke sowie verschiedene Änderungen und kurze Beschreibungen der Halte-
plätze auf saudischem Territorium finden sich bei Al-Kilabi 2010: 456–461.
7 Siehe Anm. 2.
8 Zur Frage der unterschiedlichen Datierung siehe Katalog Paris 2010: Nr. 282; zu den Inschriften in Ghazni
die Publikation von A. Bombaci (Bombaci 1966).