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ISSN 1864-1725 3/2010

3/2010 1

BiblioTheke
Zeitschrift für katholische Bücherei- und Medienarbeit

Auch die Queen will lesen


Aber was ist ein gutes Buch?

KiBüAss-Kurs Neustart
Lernen ohne präsent zu sein

Zahlen als Spiegel


Bibliotheksstatistik 2009

Wie war das am Anfang?


Literatur-Praxis
2 Inhalt 3/2010
3/2010

4 Auch die Queen will lesen – Aber was ist ein gutes Buch?

Katharina Dörnemann

10 Der Neustart des KiBüAss-Kurses ist gelungen! Sonja Bluhm


15 Kulturelle Teilhabe für Menschen mit Demenz Susanne Brandt
18 How do you do? Borro packt englische Literaturpakete

Stephanie Eichhorn und Ulrike Fink

20 Die Erfolgsstory „Bibfit“ Hildegard Pollheim


23 Statistik: Zahlen als Spiegel der Wirklichkeit Rolf Pitsch
27 Chicken House Deutschland – Verlag für junge Leser Hilke Schenck
28 Argentinien – Kultur in Bewegung Thomas Völkner
33 Deutscher Kulturrat e.V. Leoni Heister
37 Praxisberichte

- Mittelmeerkrimis KÖB St. Peter, Bonn-Vilich

- Medienprojekt – Schule und Bücherei ÖB St. Martinus, Stommeln

- Lesungen und mehr KÖB Herz Jesu, Köllerbach


42 Besondere Empfehlung! Für den Monat Juni
44 Literatur-Praxis: Wie war das am Anfang Astrid Frey

Und wissen Sie noch...


in der letzten BiblioTheke baten wir Sie um Ihren O-Ton. Vielen Dank an die
die schon geschrieben haben! Wir brauchen noch ein paar mehr.
In Heft 4.2010 der BiblioTheke setzten wir den Schwerpunkt Ehrenamt und
dazu brauchen wir Ihre Aussagen: Senden Sie uns einen oder zwei Sätze, in
denen Sie ihre Motivation für die Büchereiarbeit beschreiben. Was ist Ihnen
wichtig? Warum engagieren Sie sich? Welche Zielgruppen liegen Ihnen am
Herzen? Was bedeutet Ihnen das Team? Wie ist das Einvernehmen mit dem
Büchereiträger? Dies sind nur einige Fragen, die Ihnen vielleicht helfen, zu
einer kurzen Aussage zu kommen: "Mein Ehrenamt ist mir wichtig, weil...".
Schreiben Sie uns, gerne auch mit Foto: redaktionbit@borromaeusverein.de.
DANKE!
3/2010 Editorial 3

Liebe Leserin, lieber Leser,


in meinem Jahresverlauf sind die chen auswertungsintensiven Zeiten
Monate Mai und Juni immer wie- reicht das Konzentrationsvermö-
der intensiv durch Auswertungen gen weniger für die umfangreichen
von Zahlen bestimmt. Leser der Bi- Romane. Da verlangen auch die
blioTheke kennen dies von den Augen häufiger nach Entspannung.
meist in Heft 3 erscheinenden Tex- So greife ich zu dieser Zeit häufiger
ten zur Büchereistatistik (siehe Sei- zu Gedichtbänden – alt vertrauten
te 21ff.). In diesem Jahr erreichten Texten im Regal und neuen Text-
besonders viele Zahlen meine Plät- sammlungen wie die Liebesge-
ze: Der neue Trendmonitor „Religi- dichte von Michael Lentz „Offene
öse Kommunikation 2010“ über Unruh“. Besonders beeindruckt
die Nutzung kirchlicher Medienan- mich weiterhin ein Text von Lud-
gebote liegt vor (12 % aller Katho- wig Steinherr „Der schwarze Him-
liken nutzen KÖBs – statt 9 % im mel/ausgewrungen/bis zum Knir- Anton G. Leitner (Hg.):
Jahr 1999) und auch erste Daten schen//Auf Glasscherben/keimen Die Hoffnung fährt schwarz.
zum Freiwilligenengagement in Tropfen/von Licht“. Das Düstere Verlag Sankt Michaelsbund 2010
Deutschland werden bekannt. Klei- des ersten Absatzes verliert sich in 120 Seiten; Preis 10 €
ne Beispielentwicklung: Menschen der hellen Wachstumshoffnung MedienNr.: 328643
ab 14 Jahren engagieren sich im der zweiten Strophe. Sechs Zeilen
Bereich „Religion und Kirche“ fangen die gesamte Spannung des
mehr als bei den Vorgängerstudien Lebens, von der Hoffnungslosig-
1999 und 2004. Ja, so kommen keit bis zur erkennbaren Hoffnung
viele ermutigende Zahlen zusam- ein. Solche Hoffnungsgedichte
men, die im Alltag beflügeln. Und zeitgenössischer Autoren, gesam-
dies ist bei all den anderen Zahlen melt aus Anlass des 2. Ökume-
und Nachrichten, die Ihnen und nischen Kirchentages unter dem
mir täglich auch auf den Tisch oder Motto „Damit ihr Hoffnung habt“,
auf die Fernseh- und Computer- zeigen die Sprachkraft von Lite-
monitore kommen auch dringend raten und ihre Hoffnung, die „we-
nötig. Denn solche Zahlen im der Fahrkarte noch Visum“ braucht,
Mehrjahresvergleich zu den inhalt- wie es im Vorwort dieser Antholo-
lichen Anliegen des Engagements gie heißt.
im Ehrenamt und im Beruf brau-
chen wir dringend, um nicht irre Michael Lentz:
zu werden in der Auseinanderset- Mit freundlichen Grüßen Offene Unruh.
zung mit dem, was wirtschaftlich Ihr 100 Liebesgedichte.
leistbar ist. Fischer Verlag 2010
167 Seiten; Preis 16,95 €
Noch wichtiger als Zahlen sind mir MedienNr.: 327035
jedoch die Buchstaben. Und in sol-
Rolf Pitsch
4 3/2010
Fotos: Fotolia

Auch die Queen will lesen


Was um Himmels Willen sind „gute Bücher“

von Katharina Dörnemann Queen suche einfach nur einen „Zeitvertreib“, führt
uns zur am häufigsten geäußerten Leseintention: Ich
Die Königin von England entdeckt das Lesen und muss greife zum Buch, weil ich unterhalten werden möchte.
sich gegen ihren Privatsekretär verteidigen: „’Ich verstehe Das heißt nicht, sinnlos die Zeit totzuschlagen, son-
ja’, sagte er, ’dass Eure Majestät sich die Zeit vertreiben dern auf anregende Weise dem Alltag zu entfliehen.
wollen.’ ‚Die Zeit vertreiben?’, fragte die Queen. ‚Bücher Ein anderer Wunsch an einen Roman ist, er möge mei-
sind kein Zeitvertreib. Sie handeln von anderen Leben. An- nen Horizont erweitern mit Wissen über fremde
deren Welten. Man will sich ganz und gar nicht die Zeit Welten, Zeiten, Kulturen.
vertreiben, Sir Kevin, man wünscht sich im Gegenteil mehr
davon.’“ (Die souveräne Leserin, S. 29f.; MedienNr.: Wie im Fundament einer Pyramide können wir die Be-
294790) friedigung des Bedürfnisses nach Unterhaltung und In-
formationen als Basis von Leseansprüchen bezeichnen.
Wo kommt dieser Bücherhunger her? Und wie gehen Ob und wie dieses Bedürfnis befriedigt wird, sagt aber
Büchereimitarbeiter damit bei der Suche nach guten nichts über den formalen Wert eines Textes aus. Es gibt
Büchern um. Wie lauten unsere Qualitätsstandards, natürlich auch innerhalb eines Genres enorme Quali-
die Einfluss haben auf unseren Bestandsaufbau? Der tätsunterschiede. Gerade beim Krimi sehen wir in den
erste Schritt auf der Suche nach dem „guten“ Buch, ist letzten Jahren eine enorme qualitative Aufwertung. Der
die Frage, warum Menschen überhaupt einen Roman Stempel „Krimi“ ist zum Verkaufsargument geworden,
in die Hand nehmen? Sir Kevins Vermutung, die selbst wenn das Buch eher versteckt mit den Mitteln
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dieses Genres spielt, wie zum Beispiel bei Juli Zehs Ro- katholischen Sittenlehre entsprachen und der Verro-
man „Schilf“. Überhaupt hat es sich auch unter Litera- hung der Seelen durch moralisch verwerfliche Inhalte
turkritikern herumgesprochen, dass unterhaltsame Li- Einhalt boten. Der Wunsch „gute“ Literatur zu beför-
teratur gut und gute Literatur unterhaltsam sein kann. dern war kein neuer Einfall des Borromäusvereins.
Die Forderung, die Kunst solle „dem Guten, Wahren
Gut ist, was meine Erwartungen erfüllt und Schönen“ dienen, hat den bildungsbürgerlichen
Kunst- und Literaturbegriff über die Jahrhunderte ge-
Reicht es festzustellen, ein Buch sei gut, wenn es die prägt. Nach der aristotelischen Poetiklehre, die von den
jeweilige Lese-Erwartung für die jeweilige Lese-Situati- Schriftstellern der Aufklärung und Klassik zum Maßstab
on und den jeweiligen Lese-Anspruch erfüllt? Dann für ihren eigenen Kunstbegriff wurde, wird der Kunst
brauchten wir uns die Frage nach dem literarischen eindeutig eine erzieherische Aufgabe zugewiesen: Sie
Niveau unseres Bestandes nicht mehr zu stellen. Ein soll den Menschen erheben, moralisch läutern, inner-
Blick in die Ausleihstatistik sagt uns, welche Bücher lich besser machen. Das innere Nachvollziehen eines
die Leser/innen erwarten und mit welchen sie zufrie- tragischen Geschehens führt zum Durchleben von
den sind. Können wir es uns so einfach machen? Lite- Furcht und Mitleid und damit zur inneren Reinigung.
ratur zur Entspannung folgt meist gewissen Mustern, Bei Licht betrachtet, steckt hinter den meisten Äuße-
bietet Wiedererkennbarkeit und damit Sicherheit. rungen zu diesem Thema nichts anderes, als die Vorstel-
„Gute“ Unterhaltungsliteratur bedient meist ein festes lung, der Mensch sei nicht in der Lage, sich frei und
Schema: Elizabeth George lässt ihren Inspektor Lynley selbstständig mit Ideen und Gedankengut auseinander-
(MedienNr.: 303257) nicht ohne Grund zum x-ten Mal zusetzen: Das „gute“ Buch erbaut, das „schlechte“ ver-
ermitteln und wer einmal John Grishams Anwaltstypen roht die Seele. Bildung bedeutet demnach, den Men-
(Der Anwalt, MedienNr.: 314653 ) kennengelernt hat, schen nach einem bestimmten Bild zu erziehen, was
weiß was ihn erwartet. Solche Gesetzmäßigkeiten wer- zur Voraussetzung hat, ihn von allem fernzuhalten, was
den nach Kräften von Verlagen bedient: „Hier ist der dieses Ziel gefährden könnte. Im Grunde haben wir es
neue xy!“ Buch-Cover ähneln sich wie ein Ei dem an- hier mit einem Riesenkompliment an die Literatur zu
deren: All dies spielt auf das Bedürfnis des Lesers nach
Sicherheit an. So legitim dieses Bedürfnis ist, hier sto-
ßen wir an die Grenzen noch so guter Unterhaltungs-
literatur: Sie überrascht nicht. Sie fordert mich nicht
heraus, sie provoziert mich nicht. Sie bestätigt Denk-
muster, statt sie in Frage zu stellen.

Zwischenergebnis: Auf der Suche nach dem „guten“ in


der Literatur sollten wir uns nicht mit den Begriffen
Unterhaltsamkeit, Entspannung und Information zu-
frieden geben. Die alte, moralische Vorstellung: „U“
(Unterhaltungsliteratur) gleich böse - „E“ (Erbauungs-
literatur) gleich gut sollten wir aufgeben.

Was schwingt beim Begriff des guten Buches alles mit?


Das „gute“ Buch, ist in der traditionellen Vorstellung
ein Buch, das keinen „Schmutz und Schund“ transpor-
tiert, sondern mich in eine bessere Welt einführt. Ähn-
liches steht bereits in der ersten Satzung des Borromäus-
vereins (1845): Die „Förderung von Geistes- und Her-
zensbildung auf katholischer Grundlage durch Verbrei-
tung guter Bücher“. Gemeint waren Romane, die der
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tun, denn eindeutiger kann nicht anerkannt werden, Den Qualitätsunterschied zu beschreiben ist nicht ein-
welches Machtpotenzial Literatur haben kann. fach, denn natürlich sind auch bei den Romanen, die
Wir wissen, dass es für Diktaturen keine schlimmere im allgemeinen als „anspruchsvoll“ kategorisiert wer-
Vorstellung gibt, als wenn ihre Untertanen mit Litera- den, die Wertungen von Kritikern und Lesern so un-
tur und anderen Formen des freien Wortes in Verbin- terschiedlich wie überall sonst auch. Ein Beispiel: Julia
dung kommen. Die Misstrauischen gegen den Begriff Franck erzählt in „Die Mittagsfrau“ (MedienNr.:
des „guten Buches“ denken in den meisten Fällen an 311826) von einer Mutter, die ihren kleinen Sohn
diesen Erziehungsanspruch, der kein großes Zutrauen während der Flucht aus dem Osten in den letzten Ta-
in die Freiheit des menschlichen Denkens erkennen ges des zweiten Weltkrieges nicht irgendwie verliert,
lässt. Und wir müssen zugeben, dass dieses nicht ganz sondern bewusst aussetzt und verlässt. Nach dieser
aus der (Bücherei-) Welt ist. Denn sowohl in der Zustim- Einführung rollt der Roman das Leben dieser Mutter
mung zu unserer Arbeit „Ihr seid ja gar nicht so ver- auf, von ihrer Kindheit bis zum eingangs beschrie-
staubt“ oder „Toll, Ihr habt ja auch das Buch XY‼“ – als benen Geschehen auf der Flucht, ja über diesen Tag
auch in der Ablehnung – „Wie kann der Borromäusver- hinaus bis zum späten Versuch, sich dem Sohn wieder
ein ein solches Buch empfehlen!“ – „Ein Buch mit sol- anzunähern, der aber scheitert. Für den Sohn gibt es
chen ‚Stellen‘ hätte ich in einer katholischen Bücherei keine Mutter, die Schuld kann nicht getilgt werden.
nicht erwartet“, steckt im Grunde immer die Unterstel- Es sind von Kritikern viele literarische Schwächen des
lung eines kirchlichen Erziehungsauftrags, der die freie Romans benannt worden. Mir ist hier die wertungs-
Auseinandersetzung mit Literatur für gefährlich hält. freie Beschreibung dieses Lebens wichtig. Die Entschei-
Worauf sollten wir beim Bestandsaufbau achten? Die dung, ob mir die Autorin die Ungeheuerlichkeit dieses
Lösung kann nicht in völliger Beliebigkeit liegen oder Geschehens plausibel machen kann, wird je nach Le-
in einer reinen Negierung des Bildungsauftrags, der mit seart sehr unterschiedlich ausfallen. Ich muss mich
kirchlicher Büchereiarbeit verbunden ist. auseinandersetzen mit diesem Leben, mich fragen, wie
es unter den geschilderten Umständen um meine Mut-
Innere Welten terliebe bestellt gewesen wäre.

Über die festgestellten ‚Basis’-Ansprüche nach Unter- Ebenen auseinanderhalten


haltung und Information hinaus gibt es ein weiteres
wichtiges Anliegen an das Lesen, nämlich in der Litera- Mir ist sehr eindrucksvoll ein Gespräch in Erinnerung, in
tur auch „innere Welten“ anderer Menschen kennen- dem eine sehr lebhafte, temperamentvolle Leserin meine
lernen zu wollen. Hier beginnt sich die Spreu vom Wei- „literaturwissenschaftliche“ Meinung hören wollte, was
zen zu trennen: Ein Roman, der mich im Inneren packt an dem von ihr soeben gelesenen Roman von Wilhelm
und mich nachvollziehbar erfahren lässt, wie andere Genazino „Die Liebesblödigkeit“ (MedienNr.: 226112)
Menschen empfinden, warum sie so handeln und nicht eigentlich so gut sein soll. In ihren Augen war der Text so
anders, der mich so hineinzieht in ein Geschehen, dass schlecht, wie selten ein von ihr gelesenes Buch. Im Ge-
ich im Glücksfall auch auf mich selber stoße, muss spräch schälte sich dann heraus, dass ihre Kritik sich
sprachlich und formal anders agieren, als ein Buch, das nicht auf einer formalen Ebene bewegte, sondern das ge-
mich im Rahmen des Erwartbaren „gut unterhält“. schilderte Leben des Protagonisten sie aufs Äußerste em-
pörte, es ging also um den Inhalt: Dass ein melancho-
lisch vor sich hin lebender Mann in den besten Jahren
nicht in der Lage ist, sich zwischen zwei Frauen zu ent-
scheiden. Ein solches Maß an Entschlusslosigkeit war in
Katharina Dörnemann M. A. ist Referentin für Aus- ihren Augen einfach eine Ungehörigkeit.
und Fortbildung, Literaturarbeit, Öffentlichkeitsar- Das Faszinierende an dem Gespräch war, wie sich nach
beit in der Fachstelle Mainz und arbeitet im SA l – und nach die Ebenen ihrer Kritik herausschälten und
Literaturarbeit der bv.-Fachkonferenz mit. das eigentliche Missfallen sich an der Person des Prota-
gonisten in einer Weise entzündete, als habe sie einen
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lebenden Menschen vor sich. So stellte sich als Quint- gelöst wird kann aber keiner vorhersagen, denn keiner
essenz des Gespräches heraus, dass es sich völlig entge- kennt den nur zu mir gehörigen Köder. Es muss nicht
gen ihrer ursprünglichen Einschätzung um einen lite- die Beschreibung aller Übel der Welt sein, die mich
rarisch hervorragend funktionierenden Text gehandelt umhaut. Entscheidend ist, welche Stimmung nur in
hat. Genazino hat es offensichtlich vermocht, ihr sei- mir ausgelöst wird, denn den Satz in meinem Buch,
ne Hauptfigur so plastisch vor Augen zu führen, dass der nur für mich bestimmt ist, den erkennt in dieser
sie mit einer solchen emotionalen Vehemenz heraus- Relevanz eben kein anderer.
gefordert wurde, sich mit diesem ihr Missfallen erre-
genden Lebensentwurf auseinanderzusetzen. Eine sol- Konsequenzen für den Bestandsaufbau?
che innere Beteiligung am Leben eines Romanhelden
hervorzurufen, ist die eigentliche Schreibkunst. Mit Unterhaltung und Spannung, vermutlich auch mit
informierenden und informativen Romanen können
Ein Text – zehn Lektüren alle KÖBs aufwarten. Doch wie ist es mit den Titeln, die
tiefer gehen? Die Fragen stellen nach dem Inneren im
Hier setzt auch die Schwierigkeit ein, die sich im Um- Menschen? Die uns mit der hässlichen Seite der
gang mit sogenannter anspruchsvoller Literatur auf- menschlichen Psyche konfrontieren – aber nicht im
tut: Literatur ist in der Lage, mich auf eine nur zu mir identifizierbaren Mörder eines Krimis, sondern viel-
gehörende Weise in eine Geschichte zu ziehen. „Wenn leicht sogar in mir selbst? Warum sollen wir denn sol-
zehn Leute einen literarischen Text lesen, kommt es zu che Bücher einstellen, wenn sie doch vielleicht den Le-
zehn verschiedenen Lektüren“, schrieb H.M. Enzens- ser nur verunsichern? Wenn Wunden wieder aufgeris-
berger. Ich entdecke in einem Buch das Thema, das sen werden, weil vom Tod eines geliebten Menschen,
mich im Moment am meisten beschäftigt. Die Gestalt- vielleicht gar vom Tod eines Kindes gesprochen wird?
psychologie nennt so etwas das Figur-Grund-Schema: Wenn von den Zerstörungen im Verlauf einer Suchter-
In einem Schachbrettmuster kann ich einen schwar- krankung die Rede ist, die eine ganze Familie in den
zen Grund mit weißen Flächen erkennen oder eben Abgrund zieht und man dies vielleicht in stärkerer oder
einen weißen Grund mit schwarzen Flächen. Für die schwächerer Form schon einmal mitgemacht hat? Wo
Lektüre heißt dies, ich lese in einem Buch das, was von kaputten Ehen, Gewalt usw. erzählt wird?
mich am ehesten betrifft, weil mir dieses spezielle The-
ma momentan den Blick bestimmt. Auch hier ein Beispiel: In der Studienzeit wohnte ich mit
Je besser Literatur also funktioniert, umso mehr innere einer an Magersucht erkrankten Kommilitonin zusam-
Auseinandersetzung provoziert sie. Denn natürlich men, was zu einem ziemlich ungesunden Abhängigkeits-
werde ich auch in Innenwelten geführt, die ich mir verhältnis führte. Die Lektüre des Buches „Endlich Stille“
bewusst oder unbewusst eben nicht aussuchen würde. von Karl-Heinz Ott (Hörbuch, MedienNr.: 555100), in
Durch welche Romaninhalte ein solcher Prozess aus- dem eine ganz andere, aber sicher ebenso ungesunde
8 Wa s i s t e i n gute s Buc h? 3/2010

Vereinnahmungsgeschichte eines Mannes durch einen nisse ins Gespräch kommen kann. Mit Freunden, in
anderen beschrieben wird, war für mich, 25 Jahre später, der Familie, im Literaturgesprächskreis oder in der Bü-
ein „Aha-Erlebnis“ besonderer Güte: Ich habe in der Di- cherei. Aber auch wenn ich nicht auf eine intensive
stanz so viele meiner eigenen Rechtfertigungsstrategien innere Beteiligung stoße, hilft mir die Konfrontation
wiedererkannt, dass es mir noch einmal auf ganz andere mit den Tiefen des menschlichen Lebens auf vielerlei
Weise geholfen hat, diese extreme Phase meines Lebens Weise: Stellvertretende Erfahrungen eröffnen mir Pro-
auf neue und erhellende Weise zu durchleben und damit blembewältigungsstrategien in Lebenssituationen, in
auch abzuschließen. Ich habe bei Ott ein Stück meiner die ich bisher noch nicht gekommen bin.
eigenen Geschichte gelesen und war fasziniert. Solche
Wiedererkennens-Geschichten können also eine sehr be- Literatur als Weg zum Glauben
freiende Wirkung haben. Es wird nicht einfach etwas
noch mal aufgerührt, ich bekomme die Chance, an der Ergibt sich aus dieser Art, das Lesen zu betrachten eine
emotionalen Auseinandersetzung zu wachsen und eine Verbindung zum kirchlichen Auftrag der Büchereiar-
alte Wunde vielleicht sogar zu schließen. beit? Kann das Ausleihen von Romanen etwas mit
Glaubensweitergabe zu tun haben?
Es geht also keineswegs einfach nur darum, schreck- Lesen ist mehr als auf unterhaltsame Art ein paar Stun-
liche Dinge zu lesen und etwas zu „lernen“ im kogni- den aus der Realität zu entfliehen. Lesen bedeutet, sich
tiven Sinne. Sondern es ist möglich in diesem nach- tief auf die Gedanken- und Gefühlswelt anderer einlassen
vollziehenden Erleben ein Stück Befreiung von dif- zu können. Autoren führen die Leser in die Innenwelt
fusen oder klaren Gefühlen und Ängsten zu erfahren. ihrer Figuren mit einer Intensität, wie dies im Alltag
Gerade weil so viele unserer Gespräche und Begeg- kaum erlebbar ist. Letztlich führen sie die Leser auch zu
nungen von begründeten oder nicht begründeten Ta- sich selbst. Diese Art der Auseinandersetzung fördert die
bus bestimmt sind, brauchen wir die Literatur, die eine Dialogfähigkeit, sicher auch die Toleranz und die Fähig-
Auseinandersetzung mit sonst nur schwer benenn- keit, innere Konflikte besser bewältigen zu können. „Von
baren Erfahrungen ermöglicht. Solche Bücher brechen jedem guten Buch aber darf man sagen, dass es eine un-
z. B. das Schweigen auf, das viele Familien seit der gemein heilende Kraft für den Menschen enthält, weil
Nachkriegszeit so belastet, mit solchen Büchern kann sich in ihm zahlreiche Lebenserfahrungen niedergeschla-
ich mich auf die Suche nach dem Denken der Väter- gen haben und weil in ihm dementsprechend wertvolles
Generation machen und mich vielleicht endlich von Lebenswissen kondensiert ist. Das gute Buch erweist sich
diesem Ballast befreien. Beispiele für solche Titel sind als eine elementare Lebenshilfe und ermöglicht gelindes
„Am Beispiel meines Bruders“ von Uwe Timm (Medi- Leben.“ (Karl Koch, ev. Theol., +1951)
enNr.: 196104) oder Martin Walsers „Ein springender
Brunnen“ (MedienNr.: 559816). Kommen wir nochmals zum Bildungsauftrag zurück. Er
besteht darin, Menschen den Stoff zur Verfügung zu
Schriftsteller geben Gefühlen Sprache. Ich kann diese stellen, der es ihnen ermöglicht, innerlich zu wachsen.
Sprache nutzen, um mir selber und meinen Erfah- Wachsen kann aber nur, wer in der Lage ist Herausforde-
rungen auf die Spur zu kommen. Wenn ich Glück habe, rungen anzunehmen und sich mit seinen eigenen Un-
finde ich dann auch noch Menschen, mit denen ich zulänglichkeiten auseinanderzusetzen. Vor allem aber
über die gemachten Erfahrungen und inneren Erleb- wachse ich, wenn ich durch ein solches inneres Nach-
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Was ist ein gutes Buch? 9

vollziehen, Unerledigtes endlich aufarbeiten und damit kraft für sein Leben auseinandersetzt. Hier liegt der
hinter mir lassen kann – Gestalten schließen sich. Letzt- entscheidende Unterschied zum „guten“ Buch, das
endlich formuliert jedes Buch, das von menschlicher „belehren und erbauen“ soll. Im Unterschied zu dieser
innerer Not erzählt, in unserer Vorstellung die Suche Auffassung von Literatur sollten wir in unserer Arbeit
nach Erfüllung, die für Christen in Gott liegt. von Menschen ausgehen, die sich auf eigene Verant-
Karl Kardinal Lehmann formuliert: „…Dichtung ist für wortung der Literatur und ihren Themen stellen.
den Glauben auch deshalb gut, weil sie ihn schonungs- Das entbindet nicht von der Aufgabe, uns vor der An-
los mit der unverkürzten Wirklichkeit konfrontiert. […] schaffung kritisch mit den Inhalten der Bücher ausein-
Literatur und Dichtung helfen uns, schonungslos den anderzusetzen und selbstbewusst auch den Kauf abzu-
Blick auf die Wirklichkeit zu werfen. Wer einmal die lehnen, wenn die Gefahr besteht, nur den Zeitgeist zu
Ausweglosigkeit und die Härte wahrer Schuld erfahren bedienen. Wir dürfen aber im Rahmen unserer Ent-
hat, dem kommt das Wort von der Versöhnung nicht scheidungen getrost darauf vertrauen, dass jeder Leser
leicht und allzu schnell über die Lippen. Dichtung hat das Maß der Auseinandersetzung mit einem Roman
immer etwas mit solcher Schonungslosigkeit zu tun.“ gut selbst bestimmen kann. Vorauseilende Maßnah-
(Karl Lehmann: Was ich von der Literatur für den Glau- men, Leser quasi vor sich selbst zu schützen, laufen
ben gelernt habe. Ansprache gehalten am Diözesantag meist ins Leere. Die Wahrscheinlichkeit, dass für einen
der KÖBs in Mainz 1993. In: Bausteine für eine lesende Anderen im Buch gar nicht das vermutete Thema im
Kirche. Grünewald-Verlag 1996. S. 53 – 60) Vordergrund steht ist ziemlich groß. Wo ich Trauer
Nach dieser Vorstellung wächst Glaube an den Heraus- sehe, sieht der andere vielleicht den Trost. „Die Litera-
forderungen, wie sie uns gerade in von tiefster Gottes- tur ... ist ein Commonwealth; Bücher darin die Repu-
ferne erzählenden Texten entgegentritt. Lehmann bliken.“ (Bennett, S. 31) Und wir alle dürfen uns als
denkt dabei als Vertreter seiner Generation an die Ho- souveräne Bürger dieser Republiken fühlen.
locaust-Überlebenden wie Paul Celan oder Rose Aus-
länder oder die Autoren der Nachkriegszeit, die voll
sind von der tiefen Erschütterung der Diktatur-, Welt-
kriegs- und Vertreibungserfahrung. Und heute: Ein im
Wohlstand in sich verzweifelter Mensch ist genauso
verloren, wenn er keine Hoffnung mehr hat.

Unser Auftrag: Leben fördern.

Letztlich müssen wir uns als lesende Menschen immer


fragen, welche Antworten wir auf beschriebene Le-
bensherausforderungen haben. Wenn uns Problemlö-
sungen angeboten werden, stellt sich die Frage, ob wir
sie für annehmbar halten. Wir müssen mögliche Alter-
nativen anhand der eigenen Lebenswerte hinterfragen.
Gerade dadurch wird der Glaube des Lesers herausge-
fordert und gestärkt, je mehr er sich mit seiner Trag-
Neu s ta r t K i BüA s s -Kurs

10 3/2010

„Drei wunderschöne Präsenzphasen


und Lernen ohne präsent zu sein“
Der Neustart des KiBÜAss-Kurses ist gelungen!

von Sonja Bluhm merinnen und Referenten/innen am Kursende, so


können die Verantwortlichen ein durchweg sehr posi-
Mit viel Schnee und einigen Abschiedstränen ging für 35 tives Resümee ziehen:
Teilnehmerinnen im Januar 2010 der erste KiBüAss-Kurs
nach neuem Konzept zu Ende. Drei Präsenzphasen und Die Verkürzung von vier Seminarwochen à 6 Tage auf
vier Onlinephasen liegen hinter den Frauen, in denen viel drei Präsenzphasen à 4 Tage hatte zur Folge, dass es ei-
Wissen vermittelt wurde, der Transfer in den eigenen Bü- nen großen Teilnehmeransturm gab und seit Jahren
chereialltag und die Reflexion des persönlichen Lernpro- wieder mit einer Warteliste gearbeitet werden musste.
zesses im Mittelpunkt standen, aber auch Raum für den Aus diesem Grund entschieden sich die beiden Träger
Austausch untereinander gegeben war. der Veranstaltung – bv. (Borromäusverein) und SMB
(Sankt Michaelsbund) – ausnahmsweise 35 statt der vor-
Absichten und Erfolg gesehenen 30 Teilnehmer anzunehmen. Auch der Kurs
2010/2011 ist mit 30 Teilnehmern bereits ausgebucht.
Betrachtet man sich die Ziele des neuen Kurskonzeptes
(siehe auch „Vom Frontalunterricht zum E-Learning“ von Ein weiteres wichtiges Ziel war es, einen stärkeren Pra-
Cornelia Klöter in BiblioTheke 1.2009) und vergleicht sie xisbezug und damit auch Transfer in den heimischen
mit der umfangreichen Erfolgsabfrage bei den Teilneh- Büchereialltag zu gewährleisten. „Ich habe Vorschläge
3/2010 Neustart KiBüAss- Kurs 11

und Ziele für die Arbeit in der Bücherei, kann sie auch einheit zu Lernertypen, Lernstrategien und -organisa-
durchsetzen, weil ich nun das nötige „Know-How“ habe“, tion war deshalb wichtiger Bestandteil des Kurses.
äußert sich eine begeisterte Teilnehmerin stellvertre-
tend für viele ähnliche Rückmeldungen in der Ab- Obwohl für die meisten der Begriff – und erst recht das
schlussbeurteilung. Führen – eines Portfolios fremd war, gaben über 2/3 in
der Evaluation an, dass es die Selbstbeobachtung unter-
Die Stärkung von Handlungskompetenz, z.B. Entwick- stützt hat, sodass bestimmte (Lern-)Strategien überdacht
lung zukunftsorientierter Konzepte und Ideen für die werden konnten und Neues ausprobiert wurde. Die
Bücherei, Entscheidungsfähigkeit und souveräner schriftliche Lernerberatung durch die Kursleitung hat ge-
Umgang mit Benutzern und Team, waren ein weiteres holfen, die eigene Lernorganisation zu verbessern:
wichtiges Anliegen für die Kurskonzeption. Dass auch • „Es war organisatorisch hilfreich, alle Unterlagen
dieses Ziel erreicht wurde, zeigen die Antworten auf strukturiert in einem Ordner aufzubewahren. So
die Frage: „Was war die größte Bereicherung für Ihre hatte ich u.a. Überblick über den zeitlichen Ablauf
Arbeit in der Bücherei bzw. für Sie persönlich?“ und die anstehenden Aufgaben. So konnte ich mei-
• „Mich über ein halbes Jahr intensiv mit der Büche- ne Lernorganisation verbessern.“
reiarbeit beschäftigt zu haben und den ‚Blick von • „Die erforderliche Selbstreflexion fand ich recht
Außen’ auf die eigene Bücherei zu bekommen.“ spannend, auch die Beschäftigung mit den Themen,
• „Neue Ideen bei Lernprozessen und besseres Einhal- an die ich normalerweise nicht herangehe. Mir hat
ten meiner eigenen Vorsätze“. gefallen, dass ich mich mit meinen persönlichen Er-
• „In Gruppenarbeiten habe ich gelernt, auch vor an- fahrungen auseinandersetzen und dies schriftlich
deren meine Meinung zu sagen“. einbringen konnte“.
• „Ich werde mehr in Führungsaufgaben mit einbezogen“.
• „Ich kann besser auf die Leser eingehen, weiß, wo Lernplattform
ich mir Infos zu Büchern holen kann“.
Eine wesentliche Veränderung wurde beim pädago-
Das neue Konzept wollte auch der Tatsache Rechnung gisch-didaktischen Konzept vorgenommen. Dies zeigte
tragen, dass die Organisation des Lernens gerade für sich zum einen im Methodenmix (Gruppenarbeiten,
Erwachsene, die lange nicht mehr in Lernprozesse ein- Brainstorming, Rollenspiele) während der Präsenzpha-
gebunden waren, eine große Herausforderung sein sen und zum zweiten im Arbeiten mit der Lernplatt-
kann. Eine stärkere Unterstützung der Teilnehmer form www.kibueass.de. Sehr erfreulich ist, dass dem
durch das Führen eines Portfolios mit Reflexionsfra- Arbeiten mit der Lernplattform – obwohl für knapp
gen zum Lernverhalten und eine eigene Unterrichts- die Hälfte der Teilnehmer vollkommen neu – dennoch
ein leichtes Zurechtfinden bescheinigt wurde.

Die Hilfestellungen wie Schulung zu Beginn der ersten


Präsenzphase, schriftliche Handreichung und telefo-
nische Unterstützung durch die Kursleitung wurden
Sonja Bluhm ist Diplom-Bibliothekarin, tfTZI-Grup- als sehr hilfreich und ausreichend bewertet. Ein schö-
penpädagogin und arbeitet selbständig als Referen- ner „Nebeneffekt“: Die Teilnehmerinnen gaben an,
tin und Trainerin in Würzburg: www.bluhm-bil- selbstsicherer und selbstbewusster im Umgang mit
dung.de. Sie ist Gast in der Aus- und Fortbildungs- dem Internet geworden zu sein. Als wichtigste Funkti-
konferenz beider Bü- onen der Lernplattform wurden genannt:
chereiverbände und • zeitliche Flexibilität, Lernen ohne präsent zu sein;
Mitglied im Sachaus- • laufender Austausch mit Teilnehmern, Referenten,
schuss lV - Bildung der Kursleitung;
bv.-Fachkonferenz. • unkomplizierte und schnelle Beantwortung der Fra-
gen (z.B. zu Hausarbeiten);
12 Ne u s ta r t KiBüA s s -Kurs 3/2010

• Herunterladen und Versenden der Materialien und stimmte, der Umfang war gut zu bewältigen, die Bear-
Hausarbeiten, Einsparen des Postweges; beitungszeit ausreichend und die Arbeiten eine wich-
• ständiger Überblick (Zeitplan, Inhalte) und Zugriff tige Hilfestellung zur Vor- und Nachbereitung der Un-
auf alle Unterlagen. terrichtseinheiten. Erfreulich ist auch, dass der Trans-
fer in den Büchereialltag gelang, wie etliche Teilneh-
Der Stellenwert der Lernplattform für die praktische merstimmen zeigen: „Alle Hausaufgaben haben Anre-
Arbeit und das Absolvieren des Kurses wurde als sehr gungen für die eigene Bücherei gegeben, welche auch umge-
hoch eingestuft: „Gute Einrichtung, da ein (zeitnaher) setzt wurden/werden.“
Austausch fast zu jeder Zeit möglich war und man
viele Ideen und Lösungsmöglichkeiten bei einer Frage- Last but not least stand auch der Wechsel des Tagungs-
stellung als Antwort erhielt“. „Förderung sozialer Kon- hauses an. Die Wahl fiel auf das Haus Venusberg, da es
takte führt zur Zunahme des Informationsflusses und sehr zentral und gut erreichbar in Bonn gelegen ist. Leider
senkt die „Hemmschwelle“. „Impulse aus den Präsenz- gab es gerade in der ersten Präsenzphase einige Anfangs-
phasen konnten auf der Plattform aufgenommen und schwierigkeiten, die zum Großteil daher rührten, dass das
durch neue ergänzt werden, was meine alltägliche Bü- Haus in der Regel Jugendgruppen beherbergt. Im Laufe
chereiarbeit bereichert hat.“ des Kurses und energischem Einschreiten der Kursleitung
konnten die Probleme jedoch beseitigt werden.
Erfreulich sind auch die sehr positiven Rückmel-
dungen zur Didaktik (Methodenmix, Methoden kor- Praxisbezug und Nachwirkungen
respondieren mit Inhalten, optimaler Medieneinsatz)
und den Lerninhalten (Anforderungsniveau genau Gefragt nach ihrer größten persönlichen wie bücherei-
richtig, Stoffumfang zu bewältigen, hoher Praxisbe- praktischen Bereicherung antworteten viele so oder
zug). ähnlich:
Gleiches melden die Teilnehmerinnen in Bezug auf • „Team war sehr erstaunt, wie viele neue Ideen ich mit-
die Hausarbeiten zurück: das Anforderungsniveau brachte und wie viele wir mittlerweile auch umsetzen
3/2010 Neustart KiBüAss- Kurs 13

konnten. Fast alle Mitarbeiterinnen ließen sich von len Truppe zusammenwachsen“, die Motivation hat bis
meiner Begeisterung anstecken und waren hilfsbereit zum Schluss gehalten, was auch an dem persönlichen
und offen für kleine und größere Veränderungen.“ Einsatz von Rebecca Taubach, Elisabeth Kreutzkam und
• „Der Kurs hat mir auch in punkto Auftreten gegenü- Ute Brandenburg lag“, „es war immer alles super orga-
ber dem Träger viel Selbstvertrauen gebracht […] Sah nisiert“. „ein großes Lob und herzliches Danke für Ihre
ich mich zuvor in der Rolle der Bittstellerin, sehe ich Mühe, Geduld und Herzblut, für die freundliche, hilfs-
mich heute eher als Interessensvertreterin der Ge- bereite und kompetente Kursleitung.“
meinde.“
• „Eine wichtige Veränderung hat der Kurs in mir be- Diese Statements spiegeln sich auch in der Gesamtbe-
wirkt: Ich finde Freude am Lernen, sehe, dass ich wertung wider. Die Verantwortlichen dürfen sich über
neue Aufgaben bewältigen kann, mich mit neuen 7x sehr gut, 26x gut und 1x befriedigend (1x keine An-
Themen konstruktiv auseinandersetzen kann, will gabe) freuen. Die einjährige Planungs- und Konzepti-
herausgefordert werden, bekomme mehr Mut und onspause im Jahr 2008 hat sich gelohnt!
Selbstbewusstsein.“
Dies ist jedoch kein Grund, sich zurückzulehnen und
Dass der Kurs noch nachwirkt und vieles in Gang ge- auszuruhen. Der neue Kurs hat im Mai bereits Fahrt
setzt hat, zeigen die Antworten auf die Frage, wie das aufgenommen. Etliche Verbesserungsvorschläge und
Gelernte in Zukunft in der eigenen Bücherei umge- Wünsche von Seiten der Teilnehmerinnen, aber auch
setzt werden soll: der 13 Referenten wurden dem Planungsteam mit auf
• „Ich möchte mich bemühen, die Arbeit in der Büche- den Weg gegeben und teilweise bereits aufgegriffen
rei noch mehr auf das gesamte Team zu übertragen, bzw. umgesetzt, z.B.
dazu muss die Büchereiarbeit erst einmal für alle • eine Übersicht vorab mit allen Hausaufgaben/On-
transparenter gemacht werden.“ line-Tests/Portfolio-Arbeiten inkl. der Bearbeitungs-
• „Gespräche mit den örtlichen Büchereileitungsteams und Abgabefristen für Teilnehmer und Referenten,
und diese ermutigen, neue Präsentationen zu wa- • Entzerrung der Abgabefristen für verschiedene Auf-
gen“, „bessere Beratung der Benutzer und Besucher“, gaben (Hausarbeiten, Portfolio),
„mehr Presse- und Veranstaltungsarbeit“. • verbesserte Online-Tests und der Wegfall der Bepunk-
tung,
Die ausführliche Evaluation hat auch gezeigt, dass das
Gelingen eines Kurses in dieser Größenordnung von
einem kompetenten und gut eingespielten Leitungs-
team lebt. Bei aller guten Planung im Vorfeld bleibt
gerade bei Neukonzeptionierungen immer ein ge-
wisses Restrisiko bestehen. So ließ sich der Arbeitsauf-
wand für die Betreuung der Teilnehmerinnen in Form Aufbaumodul Fachkunde
von Rückmeldungen zu den Hausaufgaben und Aus- Im Zuge der Neukonzipierung der Fortbildung zur/
wertung der Reflexionen zu den Lernerfahrungen nur zum Kirchlichen Büchereiassistentin/-assistenten (Ki-
schwer kalkulieren. Die zeitintensivsten Arbeiten ver- BüAss-Kurs) hat die Aus- und Fortbildungskonferenz
ursachten Fragen zur Technik, obwohl eine große von Sankt Michaelsbund und Borromäusverein e.V.
Mehrheit der Teilnehmerinnen angegeben hatte, über das Weiterbildungsmodul “Bibliothekarische Fach-
Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit dem PC kunde” entwickelt. Dieses richtet sich als Aufbaumo-
und dem Internet zu verfügen. dul an alle Absolventen/innen des KiBüAss-Kurses. Es
bietet aber auch allen erfahrenen Büchereimitarbei-
Dass die Kursleitung diese Herausforderung souverän ter/innen eine Möglichkeit zur weiteren Spezialisie-
und kompetent gemeistert hat, zeigen die Rückmel- rung. Termin: 11.-14. Mai 2011. Weitere Informati-
dungen der Teilnehmerinnen: „Nur durch das betreu- onen erhalten Sie bei Ihrer Fachstelle.
ende Team konnten die Teilnehmerinnen zu dieser tol-
14 N eu s ta r t KiBüA s s -Kurs 3/2010

• Notenspiegel zu allen Hausarbeiten: dieser wurde auf


Wunsch der Teilnehmerinnen bereits während des KiBüAss-Kurs 2011/2012
letzten Kurses nachgereicht, Wer jetzt, nach Lektüre dieses anregenden Artikels,
• Sortierung der Beiträge auf der Lernplattform (aktu- am neuen Kurs teilnehmen und sich KiBüAss nennen
elle zuerst), möchte, kann sich anmelden. Die Termine der näch-
• gemeinsamer Abschluss in der letzten Präsenzphase sten Ausbildung: Präsenzphase 1: 8.-11.6.2011, Prä-
mit Überreichung der Teilnahmebescheinigungen. senzphase 2: 14.-17.9.2011, Präsenzphase 3: 25.-
28.1.2012. Alle im Haus Venusberg, Bonn. Informa-
Und auch für die Teilnehmer der kommenden Kurse tionen erhalten Sie bei Ihrer Fachstelle.
halten die 35 Absolventinnen einige wertvolle Tipps
bereit:
• „Beziehen Sie das eigene Team in Aufgaben mit ein, das
gibt zur Bearbeitung oftmals gute Impulse.“
• „Lassen Sie sich auf alle Aufgaben ein – erscheinen sie mit Gleichgesinnten. Haben Sie keine Angst vor Haus-
am Anfang manchmal unverständlich – können Sie doch aufgaben und Tests, es ist alles halb so wild!“
etwas dazulernen und haben Spaß.“
• „Vernetzt Euch untereinander!“ Es ist alles halb so wild, aber qualifizierte Büchereimit-
• „Keine Angst vor der Lernplattform und dem E-Learning.“ arbeiter/innen sind die unverzichtbare Basis für ein
• „Gehen Sie mit Neugierde und Spaß an die Sache. Freuen zukunftsfähiges kirchliches Büchereiwesen. Deshalb:
Sie sich auf intensiven Austausch und Kommunikation Bleiben Sie wissenshungrig!

Zum dritten Mal starten Bibliotheken in ganz


Deutschland in Kooperation mit dem Deutschen
Bibliotheksverband e.V. (dbv) eine einwöchige
bundesweite Aktionswoche unter dem Motto
"Treffpunkt Bibliothek". Der diesjährige Untertitel
lautet: Information hat viele Gesichter.
In der Woche vom 24. - 31. Oktober 2010 präsen-
tieren sich die Bibliotheken gemeinsam in der Öf-
fentlichkeit als Partner für Informationskompetenz
sowie Bildung und Weiterbildung.

Der dbv unterstützt die Bibliotheken mit Werbe-


materialien, mit Öffentlichkeitsarbeit, mit der
Kampagnenwebsite und dem zentralen Veranstal-
tungskalender. Mehr Informationen unter http://
www.treffpunkt-bibliothek.de/home/
3/2010 15

Foto: Fotolia
Kulturelle Teilhabe für Menschen
mit Demenz
Büchereien als Partner für Pflegeeinrichtungen

von Susanne Brandt therapeuten, Altenpfleger etc.) sowie pflegende Famili-


enangehörige mit dem Thema befasst, sondern auch
Mit dem zunehmend differenzierten und qualifizierten Be- eine wachsende Zahl von freiwillig Engagierten, die
treuungsangebot für Menschen mit Demenz durch Ta- für ihre Arbeit laufend Unterstützung suchen.
geseinrichtungen, Pflegeheime und ambulante Dienste für
die häusliche Pflege wächst das Interesse und die Aufmerk- Ausbildungsbedarf
samkeit der Bevölkerung für Fragen zur Gestaltung eines
würdevollen und aktivierenden Umgangs mit Demenz. Dieser Bedarf macht sich zunehmend auch in öffent-
--- lichen Büchereien auf dem Lande wie in den Städten
Ausbildungskurse, in denen sich ehrenamtliche De- bemerkbar. Während diese allerorts durch Bildungs-
menzbetreuer/innen auf entlastende Dienste in Ta- partnerschaften auf Angebote zur Leseförderung von
geseinrichtungen und Privathäusern vorbereiten und Kindern und Jugendlichen gut eingestellt sind, ist die
schulen lassen können, werden inzwischen fast über- Medienauswahl und -beratung zur Unterstützung der
all von verschiedenen Sozial- und Bildungseinrich- Demenzbetreuung in den meisten Büchereien aller-
tungen durchgeführt. Dadurch sind nicht allein die dings (noch) nicht so stark ausgebaut und eine regel-
verschiedenen Berufsgruppen in der Altenpflege (Ergo- mäßige Zusammenarbeit mit Pflege- und Betreuungs-
16 M e n s c h e n m it De m e nz 3/2010

einrichtungen eher die Ausnahme. Auch fehlen oft tions- und Lesesituation so ausgeprägt wirksam ist wie
praktische Erfahrungen, um die sehr facettenreiche Si- beim gemeinsamen Singen.
tuation der Demenzbetreuung genau einzuschätzen
und mit passenden Medienangeboten individuell zu Sinnvolles Medienangebot
beantworten. Viele ehrenamtliche Vorleser/innen, die
den Kontakt zu Senioreneinrichtungen suchen, um Für die Medienauswahl und -beratung in der Bücherei
dort ihre Vorlesedienste anzubieten, stellen in der Pra- bedeuten all diese Erfahrungen: Nur selten lässt sich
xis fest, dass Vorlesen im klassischen Sinne hier oft die Frage „Was kann ich im Pflegeheim vorlesen?“
nicht oder nur unter bestimmten Voraussetzungen ge- pauschal und allgemein beantworten. Immer muss zu-
lingt. Die Konzentrationsspanne mancher Zuhö- nächst genau danach gefragt und gemeinsam überlegt
renden ist sehr kurz und viele können sich nicht mehr werden, wie sich die Gruppe zusammensetzt, ob und
in der Handlung oder Sprache einer Geschichte orien- wie viele Menschen mit Demenz dazugehören und ob
tieren. Schnell wird deutlich, dass eigentlich nur in möglicherweise eher Besuche bei einzelnen Menschen
der Einzelbetreuung, die ein sehr individuelles Einge- sinnvoller wären als Gruppenangebote. Hier wiede-
hen auf die Biographie und aktuelle Situation des ein- rum gilt es, das Medienangebot dann möglichst genau
zelnen Menschen erlaubt, eine gewisse Ansprache auf die vertraute Lebenswelt und den Erinnerungs-
durch geeignete Bilder oder Texte möglich ist. schatz des Einzelnen abzustimmen.

In größeren Gruppen bewährt sich eigentlich nur das Die Medienauswahl und -beratung für die Demenzbe-
gemeinsame Singen von bekannten Volksliedern oder treuung ist also einerseits sehr an individuelle Gege-
Schlagern. Musik vermag hier in besonderer Weise benheiten gebunden, verlangt aber zugleich eine ge-
emotional zu berühren und zu aktivieren und scheint zielte Erweiterung des Bestandes für diese Interessenla-
gleichzeitig mit der Gruppensituation des gemein- ge, die folgende Aspekte besonders in den Blick
samen Singens so eng verbunden und vertraut, dass es nimmt:
hier auf sehr natürliche und wohltuende Weise ge- • Geschichten, Gedichte, Lieder und Bilder mit „Wie-
lingt, eine ganze Gruppe gemeinsam zu mobilisieren. dererkennungswert“.
Dabei erstaunt immer wieder die enorme Fähigkeit der • Ganz kurze Texte mit einfach gebauten Aussagesät-
Texterinnerung, die bei keiner verbalen Kommunika- zen zu vertrauten Erlebnissen der Alltagswelt, die Er-

Susanne Brandt, Gemeindebücherei Westoverledingen, Bahnhofstr. 18, 26810 Westoverledingen,


Tel. 04955/933-259, Susanne.brandt@ewetel.net, www.westoverledingen.de

Susanne Brandt, geb. 1964 in Hamburg, Studium in Bibliothekswesen und Kulturwissenschaften, Qualifikation
in rhythmisch-musikalischer Erziehung und bibliotherapeutische Weiterbildung. Seit Anfang 2000 Leiterin der
kommunalen Gemeindebücherei in Westoverledingen/Ostfriesland.

Die Gemeindebücherei in Westoverledingen/Ostfriesland verfügt in kommunaler Trägerschaft über vier Zweig-


stellen mit insgesamt rund 20.000 Medien, verteilt auf einzelne Ortschaften im großen Landgebiet zwischen den
Städten Papenburg und Leer. Soziale Bibliotheksarbeit, Angebote zur Verbindung der Generationen und Projekte
in interdisziplinären Netzwerken und Bildungspartnerschaften zählen zu den Schwerpunkten der dortigen Ar-
beit. Sie wird durch ein kleines Team aus haupt- und nebenamtlich sowie überwiegend ehrenamtlich Engagier-
ten in enger Verzahnung mit dem Fachbereich Soziales der Gemeinde geleistet und in enger Abstimmung mit
den Bedürfnissen vor Ort laufend weiterentwickelt.
3/2010 M enschen mit Demenz 17

innerungen wecken und biographische Bezüge er-


möglichen.
• Bekannte Sprichwörter und Redewendungen.
• Praxisbücher mit Beschäftigungsanregungen für Men-
schen mit Demenz, die neben der verbalen Kommu-
nikation auch eine sinnliche Ansprache über Materi-
alerfahrungen erlauben.

Bücher, die in Spezialverlagen genau mit Blick auf die-


se Zielgruppe erschienen sind, spielen beim Bestands-
aufbau eine wichtige, jedoch nicht die einzige Rolle.
Sie lassen sich ergänzen und kombinieren mit Foto-
bildbänden der Region, Sprichwortsammlungen,
Volksliederbüchern und andere Materialien, die oft
schon im Bestand vorhanden sind. Auch ein Lesebuch
aus der Kinderzeit alter Menschen kann hier wertvolle
Dienste leisten. Hier wie bei allen Medien gilt es, den
Menschen mit seinem Mitteilungs- und Zuwendungs-
bedürfnis im Mittelpunkt zu sehen und nicht das
Buch! Manchmal reicht ein ganz kurzer Impuls, ein
einzelnes Foto, das Erinnerungen weckt oder ein
schlichtes Sprichwort, um behutsam ein Gespräch an- Derzeit leiden weltweit rund 24 Millionen Men-
zubahnen. Das Buch kann dann getrost beiseite gelegt schen an einer Demenzerkrankung, 1,2 Millionen
werden, um sich mit voller Aufmerksamkeit dem Men- darunter allein in Deutschland; Tendenz weiter-
schen mit seinen Erinnerungen und Kommunikati- hin steigend.
onsmöglichkeiten zuzuwenden. Die Medienliste „Leben und Umgang mit De-
menz“ des Borromäusvereins und der borro me-
Erfahrungsaustausch dien gmbh, bietet den Beschäftigten in der Alten-
pflege, pflegenden Angehörigen, betroffenen
Neben der Bestandserweiterung kommt dem Erfah- Demenzkranken sowie der wachsenden Zahl von
rungsaustausch mit Betreuungskräften wie nach Mög- freiwillig Engagierten eine Hilfestellung für die
lichkeit auch der eigenen Fortbildung eine besondere täglichen Herausforderungen, die diese Krankheit
Bedeutung zu: Als in der Gemeindebücherei Westo- mit sich bringt.
verledingen/Ostfriesland die Entscheidung gefallen
war, diesem Aufgabengebiet zukünftig mehr Raum Der erste Teil richtet sich mit einer Auswahl von
und Gewicht zu geben, habe ich mich als Leiterin zu- Ratgebern an pflegende Angehörige. An ihn
nächst durch eine Weiterbildung in Bibliotherapie wie schließt sich eine kleine Zusammenstellung von
auch durch die Teilnahme an einem Ausbildungskurs Erfahrungsberichten an, die in den Teil der Arbeit
für Demenzbetreuung gründlich darauf vorbereitet mit dementen Menschen übergeht. Anschlie-
und gleichzeitig Kontakte zu Senioreneinrichtungen ßend sind Bücher zur biografischen Arbeit mit Be-
vor Ort aufgenommen. Motivation ist dabei unser so- troffenen sowie Literatur, die zum Vorlesen für
ziales wie kulturelles Anliegen und Selbstverständnis, Demenzkranke geeignet ist, aufgelistet. Zum
Menschen mit Demenz – wie allen anderen Menschen Schluss werden einige Titel genannt, die das The-
auch – eine angemessene und würdige Teilhabe an ma Demenz auch für Kinder verständlich machen
kulturellen Erfahrungen zu ermöglichen. In der Unter- können.
stützung von freiwillig engagierten Betreuern auf die- www.medienprofile.de
sem Gebiet sehen wir zudem einen wichtigen Beitrag
18 How d o y o u do ? 3/2010

zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements biet so nah wie möglich am tatsächlichen Bedarf ori-
und zur Stärkung eines guten sozialen Miteinanders entiert ist. Dieser Erfahrungsaustausch mit Menschen
der Generationen in der Kommune. aus der Betreuungspraxis ist ein wesentliches „Herz-
stück“ bei diesem Angebot. Besonders dort, wo im
In Kooperation mit der örtlichen Volkshochschule la- Team der Büchereimitarbeiter/innen entsprechende
den wir Betreuungskräfte regelmäßig zu Kursabenden Fachkenntnisse (noch) nicht vorhanden sind, kann
ein, bei denen ich einerseits Auswahl und Einsatz der und muss das Gespräch mit Menschen aus der Betreu-
Büchereimedien für diese Zielgruppe vorstelle, das ungspraxis regelmäßig gepflegt werden, um so ein im-
Treffen gleichzeitig aber auch als Chance zum regel- mer genaueres Bild davon zu gewinnen, welche „Schät-
mäßigen Erfahrungsaustausch anbiete und nutze. Die ze“ Menschen mit Demenz in sich tragen – und wie
Teilnehmenden erproben die vorgestellten Medien in wir mit Medien und Zuwendung dazu beitragen kön-
der Praxis und können bei diesen Treffen anderen da- nen, diesen Erfahrungs- und Erinnerungsschätzen
von erzählen, Tipps weitergeben – und so auch dazu wieder Raum und Leben zu geben.
beitragen, dass unser Bestandsaufbau auf diesem Ge-

How do you do? Borro packt

Foto: Fotolia
englische Literaturpakete
Test und Ergebnis in öffentlichen Büchereien

von Stephanie Eichhorn und Seit dem 20.01.2010 bietet die zur Verfügung gestellte Medienliste
Ulrike Fink Stadtbücherei Bad Münstereifel mit Borro-Rezensionen ausgelegt.
(Medienbestand in 2009: 16.200) Die entsprechenden deutschspra-
Viele Titel sind im Original in Englisch 25 neue englischsprachige Titel ih- chigen Titel im Bestand wurden
geschrieben und werden erst dann ren Kunden an. Die Stadtbücherei mit einem Aufkleber versehen
ins Deutsche oder auch andere Spra- verfügte schon vorher über einen „Auch in Originalsprache erhält-
chen übersetzt. Aber warum nicht kleinen, 99 Titel umfassenden Be- lich“. In den Glaskasten außerhalb
mal die englische Originalausgabe stand fremdsprachiger Bücher, der der Bücherei wurde ein DIN A1
anbieten? auf einem Drehständer gesondert großes Plakat gehängt, auf dem
präsentiert wurde. Im Jahr 2009 er- einzelne Cover der neuen Bücher
Nun, wir machten die Probe und zielte dieser Bestand insgesamt 137 abgebildet waren + Info „Neue eng-
stellten Büchereien ein Paket aktu- Ausleihen. lische Bestseller“.
eller Romane in Englisch zur Verfü-
gung. Die Bitte war, diese gut prä- Die nun von borro medien ausge- Die Ausleihzahlen im April 2010
sentiert eine Zeit auszustellen und wählten Bücher wurden gesondert sind besonders zu werten: In allen
zu schauen wie die englischen Bü- auf einem Tisch im Zentralbereich Medienbereichen sanken aufgrund
cher ankamen. Ein Statement der Bücherei präsentiert. Die mit- des guten und warmen Wetters die
kommt aus der Stadtbücherei Bad gelieferten Plakate wurden entspre- Ausleihen, außer in diesem Seg-
Münstereifel: chend angebracht, zusätzlich eine ment. Und bislang wurde keine
3/2010 How do you do? 19

auch zu hören: „Ich möchte meine Sie hier nur an die Potterfans die
Die bislang erzielten Ausleihen Englischkenntnisse mal wieder auf- den neuesten Potter immer gleich
zeigen, dass der neue Bestand frischen“. Da ist es für uns natürlich in Englisch verschlungen haben.
gut angenommen wird: schön, diesen kleinen, feinen Be- Da die englische Sprache immer
stand anbieten zu können. mehr Einzug in unseren Sprach-
2009 2010 raum hält, sollte auch eine Büche-
(Altbestand) Ich denke, dass es wichtig ist, das rei dieses Angebot aufgreifen. In
Januar 15 27 Angebot entsprechend zu bewer- den Grundschulen ist durch die
Februar 8 22 ben, lassen sich doch vielleicht Einführung des Fremdsprachenun-
März 12 31 auch neue Kunden darüber gewin- terrichtes diese Entwicklung ja be-
April 6 19 nen, nach dem Motto: „Ach, ich reits vor einigen Jahren aufgegrif-
wusste gar nicht, dass die so etwas fen worden. So sind Grundschulen
haben“. Eine Pressemitteilung für eine entsprechende Bestands-
sollte es deshalb auf alle Fälle ge- politik auch ein guter Werbeort.
weitere Werbung gemacht. Ange- ben, auch wenn es nur eine kurze Dort erreicht die Werbung auch
dacht ist jedoch noch ein kleiner Info ist. Wir sind gespannt auf die Muttersprachler unter den Eltern
Artikel im wöchentlich erschei- weitere Entwicklung! oder die ganz Neugierigen, die gar
nenden Amtsblatt und der lokalen nicht erwarten können, dass der
Presse. neue Roman erscheint und ihn
gleich in Englisch lesen wollen,
Zur Situation in Bad Münstereifel Stephanie Eichhorn für die Stadt- wie schon genannte Potterfans.
ist noch zu erklären, dass die Kun- bücherei Bad Münstereifel, Kon-
den der Stadtbücherei recht an- takt: Kölner Str. 4, 53902 Bad Dies alles trägt auch zum guten
spruchsvoll und viele akademisch Münstereifel, Tel. (02253) 80 41. Image der Bücherei bei, lässt sich
vorgebildet sind. Ich denke, das gut in Werbung und mit Mundpro-
korrespondiert ein wenig mit der paganda verbreiten. Nutzen Sie die
Bevölkerungsstruktur in der Stadt: Medienlisten des Borromäusverein
Recht hoher Bildungsgrad, finanz- Warum nicht? – Why not? e.V. und der borro medien gmbh
kräftiges Publikum, kein sozialer um eine Auswahl mit fundierten
Brennpunkt. Aus diesem Grund Gute Gründe für eine Bestandser- Rezensionen anbieten zu können.
werden die englischsprachigen Bü- weiterung gibt es immer wieder, sei Vielleicht schreiben auch Sie uns
cher auch ganz gut angenommen. es eine neue Zielgruppe anzuspre- dann bald begeistert über gestie-
Es kommen vereinzelt „Mutter- chen oder den „alten“ Lesern etwas gene Ausleihzahlen und neue Le-
sprachler“, immer wieder ist jedoch Neues bieten zu wollen. Denken ser/innen.

Medienliste: Englische Belletristik


Spannende Krimis von Donna Leon, Elizabeth George oder John
Grisham, All-Age-Titel von Markus Zusak und Stephenie Meyers,
literarische Glanzstücke von John Burnside oder Alan Bennet, Histo-
risches von Ken Follett… Die Medienliste bietet Ihnen eine vielfäl-
tige und interessante Auswahl an englischsprachiger Lektüre, die
dazu verführt, die bekannten Bestseller einmal im Original zu lesen
und gleichzeitig Ihre Sprachkenntnisse auf kurzweilige Art aufzufri-
schen. www.medienprofile.de
20 b i b fi t 3/2010

Die Erfolgsstory „Bibfit“


Theorie und angepasste Praxis

von Hildegard Pollheim me von ca. 165.000. Damit ist das 1. und 2. Grundschulklasse“. Hier
Programm „Ich bin Bibfit – der Bi- fühlten sich viele Büchereimitar-
2005 wurde das Programm „Ich bin bliotheksführerschein für Kinder- beiter/innen, die – noch begeistert
Bibfit – der Bibliotheksführerschein gartenkinder“, mit dem zum ersten vom „Bibliotheksführerschein“ –
für Kindergartenkinder“ entwickelt. Mal ein einheitliches Konzept für am Anfang alle Vorschläge umset-
2006 konnte die erste Produktion, Vorschulkinder erstellt wurde, zu zen wollten, überfordert. Zahlreiche
mit 2.200 Paketen, erfolgen. Die einer der erfolgreichsten Leseför- Rückmeldungen und Verbesse-
überwältigende Resonanz erforderte dermaßnahmen geworden! rungsvorschläge wurden an den
2007 eine Nachproduktion von 3.300 Borromäusverein gemeldet.
Paketen, der sich 2008 nochmals Die logische Folge war die Entwick-
3.000 Pakete anschlossen. lung des Programms „Ich bin Bibfit Die Arbeitshefte beider Bibfit-Pro-
– der Lese-Kompass für die 1. und gramme waren als Anregung und
Mit jedem Paket konnten 22 Kin- 2. Grundschulklasse“, welches zum Sammlung von Vorschlägen ge-
dergartenkinder mit den nötigen ersten Mal 2008 produziert wurde. dacht und sollten damit auch aus-
Bibfit-Materialien versorgt werden. Da bis dahin überwiegend nur aus- zugsweise und individuell in den
Rechnet man einmal hoch, wie gearbeitete Vorschläge für die Be- Büchereien einsetzbar sein. Daher
viele Kindergartenkinder in den suche von 3. und folgenden Schul- muss sich jede Bücherei fragen:
letzen vier bis fünf Jahren erreicht klassen, z.B. im Internet, zu finden Was können wir, in welcher Zeit,
wurden, kommt man, abzüglich waren, konnte mit dem „Lese- mit welchem Aufwand, den Kin-
von ca. 1.000 noch nicht abgeru- Kompass“ eine Lücke in der Lese- dern zu den vorgegebenen Themen
fenen Paketen, auf die stolze Sum- förderung geschlossen werden. nahe bringen? Das Ergebnis wird
in jeder Bücherei etwas anders aus-
Theorie und Praxis sehen!

Hildegard Pollheim, Leiterin KÖB Der „Bibliotheksführerschein für Die Bibfit-Programme in der
Herz Jesu, Redakteurin Ratinger Kindergartenkinder“ machte den Bücherei Herz Jesu
Kinderzeitung, Mitglied im Sach- Büchereien kaum Probleme. Die
ausschuss V - Werbung und Öf- Anregungen im Arbeitsheft konn- Auch in unserer Bücherei lief die
fentlichkeitsarbeit der bv.-Fach- ten in den meisten Fällen 1:1 ange- Umsetzung des „Bibliotheksführer-
konferenz. wandt werden. Anders war die Situ- scheins“ ohne Probleme und die er-
ation beim „Lese-Kompass für die ste Anwendung des „Lese-Kompass“
3/2010 Ich bin Bibfit 21

– nach Vorlage – war viel zu aus- der Ausleihe) und wenn das pas- ausgesucht und … usw. Die ko-
führlich. Das wollten wir ändern, sende Wort zum Kärtchen kommt, pierte Vorlage „Mein Lieblings-
denn die äußerst bewegungsfreu- müssen die entsprechenden Kinder buch“ wird für das nächste Mal
digen Kinder mussten viel zu lange aufstehen. Jedes Kind sucht ein mitgegeben.
stillsitzen und zuhören. Also haben Erstlese-Buch aus … usw. 6. Besuch: Die Kinder stellen ihr
wir uns noch einmal mit den ein- 4. Besuch: Die Unterrichtsmateri- Lieblingsbuch vor. Wir lesen unse-
zelnen Abschnitten des Arbeits- alien für die Lehrer zum Buch „Ein re Lieblingsgeschichte vor. Dann
heftes beschäftigt und, unter Beibe- bester Freund mal zwei“ liegen be- werden Bücher ausgesucht … usw.
haltung der Kernaussagen, unsere reit. Wir lesen das Buch vor. Die
Abläufe bei den einzelnen Besuchen Kinder lösen das Füllrätsel. Wer fer- Wir haben festgestellt, dass es sehr
der Schulklassen – nach dem Motto tig ist, darf ein Buch für die Klasse schwierig ist, eine Übergabe der Ur-
„Weniger ist oft mehr“ – optimiert. aussuchen … usw. kunden in der Schule, mit Anwe-
5. Besuch: Wir haben das Sudoku- senheit der Eltern, zu organisieren.
Nun sehen die einzelnen Besuche Beispiel „Hase“ vergrößert und zei- Daher übergeben wir die Urkunden
der Schulklassen bei uns wie folgt gen, wie Sudoku-Rätsel angelegt in den meisten Fällen beim sechs-
aus und dauern jeweils nicht län- und zu lösen sind. Zettel mit wei- ten Besuch an die Kinder. Sehr po-
ger als eine Stunde: teren Worten, die vier unterschied- sitiv ist die Ausleihe bei jedem, be-
1. Besuch: Die Kinder werden durch liche Buchstaben enthalten, liegen sonders beim sechsten Besuch, sie
die Bücherei geführt, dabei weisen bereit. Nun lesen wir eine Ge- animiert die Lehrer auch im drit-
wir nur kurz auf die Bedeutung der schichte vor. Danach erhalten die ten und vierten Schuljahr mit den
weißen, orangen und gelben Rü- Kinder ein Blatt mit einer vorberei- Kindern weiterhin in die Bücherei
ckenschildchen hin. Die Unter- teten (einige verteilte Zahlen) und zu kommen. Als ebenso erfolgreich
schiede bei den roten Rückenschil- einer leeren Sudoku-Vorlage. Sie können wir die Einrichtung der
dern erklären wir mit Beispielen ziehen einen Wort-Zettel und ver- Zusatzfelder für ‚private’ Besuche
und lassen die Kinder in Gruppen suchen, die Buchstaben des Wortes, bewerten. Hier schaffen es die Kin-
passend etikettierte Bücher suchen. entsprechend der Zahlen, einzu- der, ihre Eltern in die Bücherei zu
Danach wird vorgelesen und jedes sortieren. Dann werden Bücher bringen.
Kind sucht ein Buch für die Klasse
aus. Dieses wird verbucht, in den
Rucksack gesteckt und an die Kin-
der gegeben. Laufkarte und Aufkle-
ber geben wir (jedes Mal) den Leh-
rern mit.
Ich bin Bib(liotheks)fit
2. Besuch: Wir erklären unterschied- Aktive und vernetzte Leseförderung: Mit
liche Medien zu einem Thema. Da- den beliebten Leseförderungsaktionen er-
nach bearbeiten die Kinder das Feh- halten Sie wertvolle Instrumente für Ihre
lerbild „Dr. Brumm will’s wissen“. Aktivitäten.
Dann wird vorgelesen und … weiter Ich bin Bib(liotheks)fit – der Bibliotheks-
geht’s wie beim ersten Besuch. führerschein für Kindergartenkinder
3. Besuch: Wir zeigen Erstlesebü- Ich bin Bib(liotheks)fit – Der Lese-Kompass
cher mit unterschiedlichen Text- für die 1. und 2. Grundschulklasse
Bildanteilen. Die vorgefertigten
Kärtchen mit den Wort-Bild-Kom- Suchen Sie mehr Informationen? Möchten
binationen werden an die Kinder Sie die Materialien sehen? Besuchen Sie die
verteilt. Die Geschichte wird vor- Aktionsseiten unter www.borromaeusver-
gelesen (da wir immer dieselbe ein.de Leseförderung Bibfit
nehmen, ist dieses Buch nicht in
22 I c h b i n B i bf it 3/2010

büchern war, sicher aufgrund der


stärkeren Nutzung des Internets,
rückläufig. Die außergewöhnliche
Umsatzsteigerung bei den Kinderbü-
chern um 29 %, bei den Spielen um
41 % und bei den Romanen um 7 %
lässt sich nur mit dem Einsatz der
„Bibfit-Programme“ und seinen posi-
Fotos (3): Fotolia

tiven „Folgen“ erklären.

Auch 2010 ist für uns wieder ein


„Bibfit-Jahr“. Drei Kindergartengrup-
pen absolvierten bereits ihren „Bibli-
otheksführerschein“, fünf Grund-
Überraschend hohe Ausleihen In einigen Bereichen machte sich ein schulklassen haben im Frühjahr mit
durch Bibfit Wandel in der Nutzung des Bestandes dem „Lesekompass“ begonnen und
bemerkbar – weniger Video – mehr die 3. und 4. Klassen stimmen im-
Es war uns bewusst, dass sich die DVD, weniger MC – mehr CD. Auch mer wieder ihre Besuchstermine mit
Ausleihe durch die Bibfit-Besuche die Ausleihe bei CD-ROM und Sach- uns ab.
der Kindergärten und Schulen stei-
gern würde, aber der Erfolg im letz-
ten Jahr hat uns wirklich über-
rascht.

2009 nahmen insgesamt 72 Vor-


schulkinder aus drei Kindergärten
am Programm „Ich bin Bibfit – der
Bibliotheksführerschein“ teil. Sechs
Klassen aus zwei Grundschulen,
mit 118 Kindern, haben das Pro-
gramm „Ich bin Bibfit – der Lese-
Kompass“ begonnen und zum Teil
abgeschlossen. Die zusätzliche Aus-
leihe bei den Bibfit-Besuchen in Diskussionsthema, Lesestoff und Praxishilfe
der Bücherei hätte unsere Gesamt-
Sexueller Missbrauch ...und was Kinder, Jugendliche und Erwachsene
ausleihe 2009, im Gegensatz zu
dagegen tun können.
2008, nicht um 14 % steigern kön-
nen. Es waren die Kinder, die an In Deutschland werden ca. 14.000 Fälle von sexuellem Missbrauch bei
den Bibfit-Programmen teilgenom- Kindern im Jahr angezeigt, doch die Dunkelziffer ist viel höher. Daher
men haben und ihre Eltern mit- kommt es darauf an, über Missbrauch zu informieren und im Sinne der
brachten. Sie erklärten ihnen, was Prävention Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass und wie sie sich
wo in der Bücherei zu finden ist wehren können. Dazu können die Titel, die der Borromäusverein in
und bewiesen ihnen, dass sich das seiner Medienliste empfiehlt, einen Beitrag leisten. Beachten Sie bitte
„Ausbildungsprogramm“ gelohnt auch die Links zum Thema, die der Borromäusverein zusammengetra-
hat. Das hat viele Eltern animiert, gen hat. www.medienprofile.de Glauben und Leben Ratgeber
sich selbst bzw. ihre Familie bei uns und Leben
als Leser anzumelden.
BiblioTheke
3/2010 Statistik 23

Zahlen als Spiegel der Wirklichkeit


Eindrucksvolle Ergebnisse der kirchlichen Büchereiarbeit

von R o lf Pitsch Weil gerade auch erste Auswertungen der neuen bundes-
weiten Studie zur Freiwilligenarbeit bekannt werden, soll
aus den Daten der Büchereiarbeit in den bv.-Diözesen auf
Die jährliche Zahlenauswertung in Büchereien und Fachstel- eine Zahl besonders eingegangen werden: Die Zahl der
len konnte wieder einmal abgeschlossen und mit einem zu- Ehrenamtlichen ist weiter auf hohem Niveau stabil. Und
friedenen Blick auf das vergangene Jahr beendet werden. Die für die Mitarbeiter/innen in den bv.-Diözesen können
Zusammenstellung der Zahlen aus den Mitgliedsdiözesen des wir zusätzlich festhalten: Nach der statistischen Auswer-
Borromäusvereins sowie der bayerischen Diözesen und aus tung arbeiten 23.695 Mitarbeiter insgesamt 2.038.260
der evangelischen Büchereiarbeit, zeigt eindruckvoll die Er- Stunden. Und da es sich hier um eine Selbsterfassung der
gebnisse der Erhebungen. Betroffenen handelt ist die Bemerkung wichtig: Es sind
wohl eher mehr als weniger Stunden.
Damit kann die Büchereiarbeit wie kaum ein anderes
kirchliches Engagementfeld nicht nur inhaltlich sagen, Interessant sind in diesem Jahr die Auswertungen zu
was sie leistet, sondern mit Zahlen dokumentieren wir, den zusätzlich abgefragten Angaben im Bogen „Katho-
wie die Entwicklungen zum Vorjahr, im Verhältnis der lische Büchereiarbeit“. Im sogenannten Sonderbogen
Diözesen zueinander oder auch im konfessionellen wurden für das Berichtsjahr 2009 erstmals gleich vier
Vergleich verlaufen. Diese Zahlen werden für Entschei- Themenblöcke abgefragt: Alter und Geschlecht der
dungsfindungen auf Orts- und Bistumsebene benötigt. Mitarbeiter/innen im Team, ihre Engagementdauer, die
Sie helfen bei der Frage, wie viele Menschen zum Bei- Vielfalt der Veranstaltungsangebote und die Kooperati-
spiel durch Büchereien konkret erreicht werden oder onspartner. Sehr erfreulich: Der neue Fragebogen wurde
auch bei dem Nachweis, welchen messbaren kulturellen sehr gut angenommen und ausgefüllt. Vielen Dank für
Beitrag die kirchliche Büchereiarbeit in der Gesellschaft diese zusätzliche Arbeit!
leistet. Auf diese Bedeutung hat zuletzt Medienbischof
Fürst (siehe Beitrag „Nimm und lies – Zum kulturellen Neben den unterschiedlichen diözesanen Auswertun-
Beitrag der Katholischen Büchereiarbeit“ in BiblioTheke gen kann für alle bv.-Mitgliedsdiözesen auf folgende
4.2009) nochmals ausdrücklich hingewiesen. Trends hingewiesen werden:
• Von der Altersstruktur her entwickeln sich die Bü-
Diese eigenen Zahlen der Büchereien erhalten durch wei- chereiteams entsprechend der gesellschaftlichen De-
tere Umfrageergebnisse nochmals einen besonderen Stel- mografieentwicklung. In den Altersgruppen unter
lenwert. Während der Drucklegung dieser Ausgabe werden 40 Jahren nimmt die Zahl der Mitarbeiter ab, in den
die Ergebnisse des neuen MDG-Trendmonitors „Religiöse Altersgruppen über 50 Jahre nimmt sie zu. Wichtig
Kommunikation 2010“ vorgestellt (Ergebnisse des Trend- sind hier zwei Aspekte: In der für die ehrenamtliche
monitors 2003 in köb, Ausgabe 3.2003). Dieser untersucht Arbeit insgesamt wichtigen Altersgruppe der 40- bis
die Nutzung kirchlicher Angebote in den verschiedensten 49-Jährigen ist die Zahl der Ehrenamtlichen im Zehn-
Medien durch repräsentative Bevölkerungsbefragungen. jahresvergleich gestiegen (1999: 19 %, 2005: 26 %
Eine Zahl aus der neuen Befragung ist bereits bekannt und und 2009: 28 %). Und dann: Die Altersveränderung
stimmt die Büchereiarbeit besonders zuversichtlich: Die zeigt die große soziale Bindungskraft von Bücherei-
Nutzung des Angebotes der Büchereien nimmt zu. In der teams quer über die Generationen.
aktuellen Studie sagen 12 % aller Katholiken (ab 16 Jahre), • Katholische Büchereiarbeit ist noch deutlicher als bis-
dass sie Medien in der KÖB ausleihen. Bei der letzten Befra- her ein weibliches Engagementfeld: Waren es 1999
gung in 2002 waren es noch 9 %. noch 89,91 % und 2005 bereits 90,64 %, so sind 2009
24
S t at i s ti k BiblioTheke 3/2010

Bibliotheksstatistik 2009 für die


Kirchliche Büchereiarbeit in Deutschland
Stand 28.04.2010

(Erz-)Bistum Büchereien Bestand Entleihungen Benutzer

Die positive Entwicklung dieser Anzahl % Medien % Medien % Personen


beiden Prozentzahlen ist eine Aachen 114 -5,79 459.582 -9,45 667.008 0,12 25.731
klassische Statistikrealität, die Berlin 11 0,00 28.356 -5,55 16.613 0,85 1.269
mit der Wirklichkeit weniger zu Essen 160 14,29 570.312 6,96 598.581 13,07 35.380
tun hat. Im Vergleichszeitraum Freiburg 240 -2,04 833.065 0,56 1.256.284 -0,62 56.168
2008 hatte die Fachstelle einige Fulda 59 -4,84 200.590 -3,87 269.130 1,57 14.933
Auswertungsprobleme und so Hildesheim 48 0,00 89.031 0,17 95.721 1,57 7.365
standen 2008 in der Statistik Köln 422 8,21 1.598.953 -1,36 3.171.017 -1,28 126.249
11,39 % weniger Bücherei- Limburg 78 -1,27 229.445 -3,06 459.073 5,48 14.572
standorte als 2007. Kein Wun- Mainz 141 -0,70 610.417 0,24 932.019 -0,52 36.514
der, dass für den Berichtszeit- Münster 402 -2,90 1.921.403 -6,79 4.827.406 -8,61 180.040
raum 2009 diese Scharte wie- Osnabrück 149 -0,67 702.489 -1,95 1.232.181 0,89 52.153
der ausgewetzt wurde und das Paderborn 248 -3,50 931.460 -4,23 1.155.339 -2,36 64.847
Bistum Essen auf seinem „ge- Rottenburg 133 -2,21 536.925 -0,95 871.070 1,48 54.531
wohnten“ Level angekommen Speyer 137 -1,44 412.720 -3,70 661.930 -2,22 39.990
ist. Und im Erzbistum Köln hat Trier 195 -4,88 572.026 -0,24 695.654 -3,27 49.901
man sich entschlossen, die 31
Bibliotheken in Krankenhäusern Summe bv. 2.537 -0,08 9.696.774 -2,62 16.909.026 -2,60 759.643
wieder in diese Gesamtstatistik SMB 1.118 -0,62 7.573.700 -0,74 13.839.570 -3,57 539.363
aufzunehmen. Summe kath 3.655 -0,25 17.270.474 -1,81 30.748.596 -3,04 1.299.006
eliport 920 0,99 2.945.466 1,51 3.682.701 -0,44 164.570
Summe kirchl. 4.575 0,00 20.215.940 -1,34 34.431.297 -2,77 1.463.576

Hohe Kontinuität zeigt die Zahl der öffent- Zwei negative Zahlen machen sich vor-
lichen Büchereien in kirchlicher Trägerschaft. dergründig in einer Statistik nicht gut.
Und immer wieder sei darauf hingewiesen, Aber diese Entwicklungen müssen immer
dass in dieser Statistik nur die Büchereiorte im Gesamtkontext des Auftrags von Bü-
enthalten sind, die von den Fachstellen an die chereien (Stichworte: Treffpunkt, Kom-
Deutsche Bibliotheksstatistik gemeldet wer- munikationsort) gesehen werden. Abbau
den. Die Dunkelziffer der außerdem noch von Bestand bedeutet auch Reduzierung
bestehenden Büchereien liegt im Bereich des von nicht mehr aktuellen Büchern. Um
Borromäusvereins leicht über 500 Büchereien: weniger Erwerbungsmittel für die Leser
Sie sind wichtige Treffpunkte, aber wegen sinnvoll einzusetzen, ist es manchmal
eher geringen Ausleihzahlen oder aktuellen ratsamer, weniger aber gute und pas-
Umbaumaßnahmen werden sie hier nicht sende Medien einzukaufen. Und ein
gezählt. Rückgang an Entleihungen bedeutet ge-
rade bei einer Zunahme von Veranstal-
tungen noch lange nicht, dass weniger
Betrieb ist.

Quellen: Meldungen der (erz-)diözesanen Büchereifachstellen bzw. Auswertungen der Büchereiverbände Borromäusverein e.V. (bv.),
St. Michaelsbund e.V. (SMB) und Evangelisches Literaturportal e. V. (eliport).
Alle Angaben in Prozent geben die Entwicklung im Vergleich zu den Zahlen des Vorjahres an (siehe auch BiT 3/2009).
Köln: In den Zahlen für das Erzbistum Köln sind abweichend zum Vorjahr auch die 31 Bibliotheken in Krankenhäusern enthalten.
3/2010 BiblioTheke 25
Statistik

Die Angabe zum „Umsatz“ sagt


Erwerbungsmittel Mitarbeiter(innen) Veranstaltungen Umsatz Erw. je ME aus, wie oft statistisch gesehen
jedes Medium im Bestand im
% € % Personen % Anzahl % € Verlauf des Jahres tatsächlich aus-
-2,31 243.021 -3,00 1.225 12,59 1.644 30,27 1,45 0,53 geliehen worden ist. Dabei zäh-
15,36 8.796 12,39 112 23,08 129 -17,83 0,59 0,31 len die z.B. von Kindern in der
-24,78 268.176 -4,95 1.123 2,18 1.938 -2,52 1,05 0,47 Bücherei durchgeblätterten Bil-
6,68 510.617 0,95 1.819 0,50 2.604 7,25 1,51 0,61 derbücher und Comics sicher
-4,95 134.672 2,87 321 -5,59 502 -0,59 1,34 0,67 nicht. Die Angabe zu „Erw. je
2,25 44.435 5,84 239 0,00 300 1,69 1,08 0,50 ME“ (also die Erwerbungsmittel
-1,62 1.353.807 0,87 4.558 2,20 9.447 3,18 1,98 0,85 je Medieneinheit) sagt aus, wel-
-2,84 102.694 -1,46 674 -2,18 1.108 -13,84 2,00 0,45 cher Geldbetrag statistisch pro
-6,84 350.046 3,34 1.427 2,44 2.395 10,67 1,53 0,57 Medium im Bestand zur Neuan-
-4,52 1.682.785 2,90 4.964 -9,42 8.719 1,99 2,51 0,88 schaffung zur Verfügung steht.
0,06 387.583 -13,23 2.052 3,53 2.707 4,04 1,75 0,55 Oder anders gesagt: Bei 0,85 €
7,97 621.029 -5,68 1.889 -3,03 2.508 7,46 1,24 0,67 muss das Bücherteam rund 25
15,39 351.276 -0,75 1.122 1,36 1.500 2,95 1,62 0,65 Jahre sparen, bis ein neuer Ro-
-0,49 247.550 1,45 944 3,85 1.843 -0,27 1,60 0,60 man für rund 20 € neu ange-
-2,99 331.710 -4,93 1.226 -0,97 2.186 -1,80 1,22 0,58 schafft werden kann.

-1,63 6.638.197 -0,80 23.695 -0,75 39.530 3,33 1,74 0,68


-1,05 5.249.422 5,01 12.146 2,49 14.552 4,11 1,83 0,69
-1,39 11.887.619 1,68 35.841 0,33 54.082 3,54 1,78 0,69
-3,77 1.166.235 -5,77 5.914 2,73 10.384 7,47 1,25 0,40
-1,66 13.053.854 0,97 41.755 0,66 64.466 4,15 1,70 0,65

So viele – rund 8.400 – neue Benutzer? Dieser Zuwachs bedeutet im wirk-


Wie kann das gehen. Hinter dieser stati- lichen Leben: In der Summe engagie-
stischen Entwicklung steckt – so vermu- ren sich im Bistum Mainz 35 Mitar-
tet auch die Fachstellenleiterin – sicher beiter/innen mehr als im Vorjahr. Si-
eine Umstellung von Familienausweisen cher sind nicht nur 35 hinzugekom-
auf Einzelausweise. Wenn innerhalb men, sondern wie jede ehrenamtliche
eines Jahres u.a. durch entsprechende Arbeit verzeichnet auch das Engage-
Schulungen der Fachstelle, viele Büche- mentfeld Bücherei ein ständiges Kom-
reien für alle jungen und älteren Leser/ men und Gehen. Und wenn nicht nur
innen neue Leserausweise einführen, die Scheidenden Nachfolger/innen
werden schnell bei einer Familie mit bekommen, dann ist dies ein beson-
bisher einem Ausweis, fünf Leser/innen derer Gradmesser für die Attraktivität
mit fünf Ausweisen. Und diese Maßnah- des Einsatzes. Für die „Neuen“ und Impressum
© Borromäusverein e.V.
me schafft für den einzelnen eine hö- die „Alten“ steht erst einmal das Zu-
Juni 2009
here Büchereibindung. sammenwachsen im Team an. redaktionbit@borromaeusverein.de
www.borromaeusverein.de
26 Sta ti s ti k BiblioTheke
3/2010

zur letzten Abfrage für das Berichtsjahr 2000 zeigen


sich nun deutliche Akzentverschiebungen: Der An-
teil der Veranstaltungen für Kinder und Jugendli-
che am gesamten Angebot stieg von 66,9 % im Jahr
2000 auf 73,9 % im Berichtsjahr 2009. Die Anteile
der Veranstaltungen für Erwachsene sanken von
17,1 auf 14,6 % und der Ausstellungen von 16 auf
11, 5 %. Hier zeigt sich, dass die Leseförderungskam-
pagnen „Ich bin Bib(liotheks)fit“ mit Kindergärten
und Grundschulen zu Aktivitätenverschiebungen in
Büchereien führte.

mit 91,6 % nochmals mehr Frauen in den Teams. Sta-


tistisch wird die Veränderung nicht erklärt werden
können. Nach meiner persönlichen Beobachtung
sind einige der Jugendlichen/Männer, die (auch) we-
gen ihrer EDV-Kenntnisse vor zehn Jahren häufiger in
Teams anzutreffen waren, der zunehmenden Qualifi-
zierung der Frauen gewichen.

• Für die Kooperationspartner ist keine eindeutige Aus-


wertung möglich. Einerseits wurden zur letzten Ab-
frage dieser Thematik im Berichtsjahr 2003 teilweise
andere Begriffe gewählt (z.B. 2003 „Familienbildungs-
werke“ und 2009 „Familienzentren“), sodass ein ein-
deutiger Vergleich von Zahlen aus unterschiedlichen
Diözesen und Bundesländern sich verbietet. Anderer-
seits zeigen die Daten einen Rückgang bei nicht kirch-
lichen Partnern (z.B. kommunale Büchereien, VHS,
• Die Daten zur Dauer des Engagements in der Büche- weiterführende Schulen). Dieser Rückgang wird aber
rei sind für die Engagementdauer bis 10 Jahre durch in der Summe kompensiert durch eine steigende Ko-
eine veränderte Abfrage mit früheren Abfragen nicht operationsneigung mit kirchlichen Partnern. Wenn
zu vergleichen. Für die Mitwirkung im Team für einen man ein Ergebnis formulieren will, dann lautet dies:
Zeitraum „über 10 Jahre“ zeigt sich, dass diese Gruppe Statistisch arbeitet jede Büchereien mit mindestens
gewachsen ist. 1999 zählten 33,4 % aller Mitarbeiter/ drei Kooperationspartner zusammen.
innen in diese Gruppe, 2005 waren es 28,9 % und
nun 2009 sind es 35,33 %. Nochmals: Zahlen sind nicht die Wirklichkeit, sie kön-
nen niemals das bunte Treiben, das Hoffen und Bangen
• In den letzten Jahren verzeichneten wir eine gravie- der Menschen am Kommunikationsort Bücherei abbil-
rende Zunahme der Veranstaltungsarbeit. Durch die den. Aber zeichnen uns ein (Spiegel-) Bild, auf das wir
Erfassung der Veranstaltungsvielfalt im Vergleich stolz sind.
3/2010 Verlagsprofil 27

Chicken House Deutschland


Das Beste aus England für junge Leser

von Hilke Schenck entdeckt und damit vier New York


Times Bestseller platziert. Barry Cun-
Dramatische Situationen, unheimliche ningham möchte das veröffentli-
Geschehnisse und brandgefährliche chen, was Kinder und Jugendliche
Abenteuer: Das bietet der neue Kinder- lesen wollen: „Unterhaltung und
und Jugendbuchverlag Chicken House Spaß stehen bei meiner Suche nach
Deutschland seinen Lesern. Auf seinem neuen Geschichten an erster Stelle.“
Programm stehen deshalb rasante Ge-
schichten, in denen viel passiert – Bü- Für Chicken House Deutschland
cher für Jungen, aber auch Mädchen wählt die Programmleiterin Anja
zwischen zehn und 16 Jahren, die sich Kemmerzell die besten Entde- Junge Fantasy-Fans werden mit „Die
packen und mitreißen lassen wollen. ckungen aus. Mit sechs Titeln star- Hexen der Finsternis“ (MedienNr.:
tete das erste Programm auf der 326869) von Michael Molloy in eine
Chicken House ist eine Tochter des Leipziger Buchmesse: magische Welt voller unerwarteter
Carlsen Verlages und entstand aus Atemberaubend spannend ist der Entdeckungen entführt (ab 10 Jah-
der Kooperation zweier erfolg- Spitzentitel „Numbers – Den Tod ren). Für Gruselfans ist „Chilischarfes
reicher Verlagspartner, dem Carl- im Blick“ (MedienNr.: 564781). Teufelszeug“(MedienNr.: 326867)
sen-Verleger Klaus Humann und Wenn Jem in fremde Augen blickt, von Rebecca Promitzer beste Kost.
Barry Cunningham – dem Entde- erscheint eine Zahl: das Todesda- Bea und Sam entdecken eine Leiche.
cker von Harry Potter und Gründer tum ihres Gegenübers. Mit ihrem Und der fehlt auch noch ein Auge
des englischen Jugendbuchverlags Debüt ist der Autorin Rachel Ward (ab 11 Jahren). Aus einer ganz be-
The Chicken House. ein subtil philosophisches Jugend- sonderen Perspektive sehen die Le-
buch mit großer emotionaler Wucht ser von David Jones´„Wild“ (Medi-
Barry Cunningham hat schon zahl- gelungen (ab 14 Jahren). enNr.: 326870) die Welt, denn der
reiche neue Talente aufgespürt, deren Ebenfalls ein Debüt ist der zweite Junge Gerry erwacht nach einem
Bücher viele Leser gefesselt haben – Spitzentitel „Flutland“ (MedienNr.: Flugzeugunglück über der afrika-
wie die preisgekrönten Titel von Ke- 564783): Mit Witz und einer ganz nischen Steppe als Pavian (ab 12 Jah-
vin Brooks oder die Fantasy-Abenteu- besonderen Sprache beschreibt Emi- ren).
er von Stuart Hill. Für den englisch- ly Diamand ein archaisch anmu-
sprachigen Raum hat der findige Ver- tendes Zukunftsszenario im Jahr Das kleine Programm umfasst im
leger die Bücher von Cornelia Funke 2216 (ab 12 Jahren). Kein Wunder, Jahr zukünftig 14 bis 16 hochkarä-
dass die Autorin mit dieser origi- tige Titel. Auch außerhalb der
nellen Geschichte den Times/Chi- Buchseiten möchte der Verlag ei-
cken-Schreibwettbewerb gewann. nen engen Kontakt zu Jugend-
Hilke Schenck, Assistentin Chi- Eine herzzerreißende Geschichte er- lichen herstellen: mit Autorenle-
cken House Deutschland, CARL- zählt Ingrid Lee in „Wunderhund“ sungen, mit besonderen Marke-
SEN Verlag GmbH, Völckers- (MedienNr.: 326868): Unzertrenn- tingkampagnen, die es so im Ju-
straße 14-20, 22765 Hamburg, lich sind Mackenzie und sein Pitbull- gendbuchbereich noch nicht gab,
www.carlsen.de. Mädchen Cash, bis Mackenzies Va- und mit der originellen Website
ter den Hund aussetzt (ab 10 Jahren). www.chickenhouse.de.
28 3/2010
Foto: Fotolia

Literatur aus Argentinien


Von der Aufarbeitung der Militärdiktatur und
der letzten Wirtschaftskrise

von Thomas Völkner erinnert. Die Einwanderer, die seit dem späten 19. Jahrhun-
dert aus Europa in das Land zwischen Anden, Rio de la
Argentinien ist ohne Zweifel das lateinamerikanische Land, Plata und Patagonien ausgewandert waren und im Zuge
dessen Kultur am meisten von europäischen Einflüssen ge- des wirtschaftlichen Aufstiegs eine Mittelschicht herausge-
prägt ist. Seine Hauptstadt Buenos Aires besitzt breite Bou- bildet hatten, brachten ihre kulturellen Prägungen, Erfah-
levards wie Paris, Opernhäuser mit exzellenter Akustik wie rungen und Vorlieben mit in die neue Heimat. Das galt
Madrid und eine Kaffeehauskultur, die an Wien oder Prag nicht zuletzt für die Literatur und das Lesen.
3/2010 Literatur aus Argentinien 29

Heute rühmen sich die Argentinier, die meisten Bü- sen oder über Gott und die Welt gesprochen wird, soll
cher in ganz Lateinamerika zu produzieren. Etwas auch zur Buchlektüre anregen. Die Borges-Bände wur-
mehr als 300 Verlage und über 2.000 verlagsähnliche den hierfür in einer Sonderauflage gedruckt; sie wer-
Einrichtungen veröffentlichten im vergangenen Jahr den nach Ablauf der Aktion an die Stadtteilbiblio-
20.000 neue Titel. Die Gesamtzahl der in den Verkauf theken weitergereicht. Kritiker weisen allerdings da-
gebrachten Exemplare aus eigener Produktion betrug rauf hin, dass man mit einer solchen Kampagne nur
82 Millionen. Zieht man davon die Exemplare ab, die bedingt neue Leserschichten erreichen kann. Wahr-
ins Ausland exportiert, und addiert man die Bücher, scheinlich treffe man, so der Einwand, in den Cafés
die aus Spanien, Mexiko und anderen Ländern impor- nur Personen an, die eh gerne lesen.
tiert wurden, kommt man auf eine Stückzahl von 147
Millionen in Argentinien verkauften Exemplaren. Ver- Der Blick auf die Bibliothekslandschaft ergibt ebenfalls
glichen mit dem Wert von 1990 (50 Millionen) und ein uneinheitliches Bild: Außerhalb der Metropolen
angesichts der Tatsache, dass Argentinien zu Beginn existieren kaum Büchereien in öffentlicher Träger-
des Jahrtausends einen Staatsbankrott zu verkraften schaft. Vorherrschend sind eher die „Bibliotecas polu-
hatte, sind diese Zahlen beachtlich. lares“ (Volksbibliotheken), die seit dem späten 19.
Jahrhundert in großer Zahl entstanden sind und sich
Wo sind die Leser? auch um die Aus- und Weiterbildung der Bibliothekare
kümmerten. Gesicherte Zahlen über Bestände, Auslei-
Allerdings darf man sich nicht allein auf Mengenwerte he oder Nutzerprofile sind leider Mangelware.
und statistische Angaben verlassen. Noch zu Beginn
der 90er Jahre beschrieb Walter Haubrich in der FAZ Literarisches Schaulaufen in Deutschland
die Lesebegeisterung der Porteños, wie die Bewohner
von Buenos Aires genannt werden. Der Journalist Der schriftstellerischen Produktion tun diese Mel-
zeichnete ein Bild von der vielfältigen Presseland- dungen über eine mögliche Lesemüdigkeit keinen Ab-
schaft, und auch für die Rezeption von Belletristik hat- bruch, wovon man sich hierzulande in Kürze überzeu-
te er nur Lob übrig: „Die Porteños lesen immer noch gen kann. Argentinien wird nämlich als Ehrengast auf
vergleichsweise viel; sie tun einiges, um das in den hi- der Frankfurter Buchmesse vorgestellt, und dieser
spanischen Ländern geflügelte Wort ‚belesen wie ein Gastland-Auftritt verspricht ein literarisches Schaulau-
Argentinier‘ nicht Lügen zu strafen.“ fen zu werden. Zahlreiche Autor/innen werden vom 6.
bis 10. Oktober 2010 in Frankfurt sowie rund um den
Inzwischen scheinen die Argentinier diesem Ruf nicht Messetermin in verschiedenen anderen Städten öf-
mehr in gleichem Maße gerecht zu werden wie früher. fentlich lesen und über ihre Texte diskutieren. Über
Es wird geschätzt, dass nur noch zehn Prozent der Er- 100 Bücher aus Argentinien werden in diesem Jahr
wachsenen regelmäßig Bücher kaufen und lesen. Um erstmals auf Deutsch veröffentlicht. Die Verlage haben
diesem Trend entgegenzuwirken, haben das Erzie-
hungsministerium sowie Gremien auf nationaler und
kommunaler Ebene einige Initiativen zur Leseförde-
rung auf den Weg gebracht. Beispielsweise werden seit
Anfang 2010 in 15 Cafés und Restaurants von Buenos Thomas Völkner ist freier Journalist für Hörfunk und
Aires die Bücher des berühmten Romanciers Jorge Luis Printmedien. Er gestaltet unter anderem eine Litera-
Borges kostenlos ausgelegt. Das spezielle Flair in die- tursendung beim Hamburger Lokalradio.
sen Häusern, wo beim Kaffee traditionell Zeitung gele-
L i te
30 Sc r a tu
h on mra laus A rge
ge hö rt?!n tinie n 3/2010

und Buch). Daraus entwickelte sich die Tradition, jedes


Jahr ein Land als Ehrengast einzuladen. Die Verleger,
Empfehlenswerte Bücher:
Autoren und Literaturvermittler erhalten in Frankfurt
Asado verbal – Junge argentinische Literatur, Hg.
die Gelegenheit, sich umfassend zu präsentieren. Viel
Timo Berger/Rike Bolte, Wagenbach 2010, ISBN
beachtet waren in den vergangenen Jahren etwa die
978-3-8031-2634-4.
Auftritte der Türkei (2008), Portugals (1997) und der
Martín Kohan, Sittenlehre, Suhrkamp 2010, ISBN arabischen Welt (2004). Im letzten Jahr sorgte das
978-3-518-42182-6. Gastland China – ungewollt – für politisch aufgeladene
Martín Kohan, Zweimal Juni, Suhrkamp 2009, Diskussionen über Zensur und Menschenrechte. Jür-
ISBN 978-3-518-42078-2. gen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, be-
Ernesto Mallo, Der Tote von der Plaza Once, Auf- tonte unlängst die große Chance, die ein Gastland er-
bau 2010, ISBN 978-3-351-03300-2. halte. Er erinnerte an die Messe des Jahres 1976, bei der
Lateinamerika erstmals im Mittelpunkt stand. Damals
Claudia Piñeiro, Die Donnerstagswitwen, Unions-
bat Hans Magnus Enzensberger die Gäste um Nach-
verlag 2010, ISBN 978-3-293-00417-2 (erscheint
sicht mit den Deutschen, die „die letzten Entdecker
im Juli).
Amerikas“ seien. Die Deutschen entdeckten die bis da-
Reise nach Argentinien – Kulturkompass fürs Hand- hin weitgehend unbekannten Romanciers und ihre
gepäck, Hg. Eva Karnofsky, Unionsverlag 2010, Texte tatsächlich. Literatur aus Lateinamerika sei heute
ISBN 978-3-293-20473-7. „quasi ein Gütesiegel“, freut sich Boos.

Literarische Entdeckungen

die ersten Titel bereits im Frühjahr auf den Markt ge- Die aktuelle Literatur aus Argentinien hat ein großes The-
bracht; der Großteil folgt in diesen Wochen. ma: Die Aufarbeitung der Verbrechen, die während der
Militärdiktatur der Jahre 1976 bis 1983 begangen wur-
„Wir möchten uns als junges lateinamerikanisches Land den. Damals errichten die Generäle ein Regime, das auf
präsentieren und die verschiedenen Aspekte unseres Terror und die massenhafte Verletzung von Menschen-
kulturellen Selbstverständnisses vorstellen“, erläuterte rechten gründete. Der wohl bezeichnendste Begriff jener
jüngst Magdalena Faillace, die Präsidentin des Organisa- Periode lautet „Desaparecidos“ (Verschwundene). Dieses
tionskomitees COFRA die Zielsetzungen für den Mes- Wort wird häufig auch in deutschsprachigen Texten auf
seauftritt. Natürlich sei die zeitgenössische Literatur La- Spanisch beibehalten, weil es eine Situation der Verfol-
teinamerikas seit gut 30 Jahren in Europa präsent und gung und Liquidierung charakterisiert, wie sie speziell in
habe in den 80er Jahren sogar einen regelrechten Boom Argentinien an der Tagesordnung war. Man geht davon
ausgelöst. Dennoch gebe es viele jüngere Autoren, de- aus, dass zwischen 20.000 und 30.000 Gegner des Re-
ren Werke erst jetzt aus dem Spanischen übersetzt wer- gimes zu Desaparecidos wurden. Diese Menschen wur-
den. Somit war klar, dass ein besonderes Augenmerk auf den von den Sicherheitskräften nicht nur ohne jedes Ge-
die finanzielle Unterstützung von Übertragungen ins richtsverfahren entführt, gefangen gehalten, gefoltert
Deutsche und in weitere Sprachen gelegt werden muss- und umgebracht. Ihre Leichname wurden auch in Mas-
te. Mithilfe eines Förderprogramms können – so der ak- sengräbern verscharrt oder kurzerhand aus großer Höhe
tuelle Stand – insgesamt 147 Bücher von 123 Autoren/ ins Meer geworfen. Es ist nicht verwunderlich, dass in
innen in 21 Sprachen übersetzt werden. den vergangenen zwei Jahrzehnten das Gedenken an die
Verbrechen und die Aufarbeitung der Ereignisse in Tau-
Seit Mitte der 70er Jahre gab es auf der größten Buch- senden von Romanen, Erzählungen und Gedichten ge-
messe der Welt einzelne inhaltliche Themenschwer- leistet wurde – und immer noch wird.
punkte (Religionen der Welt, Orwell-Jahr 1984, Kind
3/2010 Literatur Buch
aus Argentinien
trifft M ikro 31

Foto: Fotolia
Martín Kohan versucht sich erfolgreich an dieser Auf-
arbeitung. In seinem bereits 2009 auf Deutsch erschie-
nenen Buch „Zweimal Juni“ schildert er die Ereignisse
eines langen Tages im Leben des Ich-Erzählers, eines
namenlosen Rekruten der Armee. Dessen Vorgesetzter,
ein Militärarzt, sorgt dafür, dass die Gefangenen in den
geheimen Foltergefängnissen ihre Torturen überleben,
auf dass sie anschließend weiter gefoltert werden kön-
nen. Der Rekrut ist der typische Mitläufer, der nur mit-
telbar in den Terror verwickelt ist. Sein Zögern beim
Anblick des Leides einer inhaftierten Frau und die Bei-
läufigkeit seiner Erzählung zeigen die Monstrosität des
Regimes sehr eindrücklich. Martín Kohans neuer Ro-
man „Sittenlehre“, der im August veröffentlicht wird, aus dem Weg geht. In dem Buch „Der Tote von der Pla-
spielt ebenfalls in den Jahren der Diktatur. Im Zentrum za Once“ muss Lascano den oder die Mörder von drei
steht hier eine Frau, die an einer Eliteschule für die Dis- Personen finden. Es wird deutlich, dass zwei Leichen
ziplin der zehnten Schulklasse verantwortlich ist. Zu regelrecht hingerichtet wurden, während der dritte
lange Haare, falsche Farbe der Blusen und Hemden, zu Körper aussieht, als sei er nur zufällig dort abgeladen
geringer Abstand beim Aufstellen in Reih und Glied – worden. Der Kommissar sticht bei den Ermittlungen in
die Protagonistin führt in ihrem eng abgesteckten Be- ein Wespennest und muss am Ende vor den Sicher-
reich ein strenges Regiment. Weil sie sich vor ihrem heitskräften fliehen. Mit großer Komik zeichnet Mallo
Vorgesetzten profilieren möchte, setzt sie sich als Auf- eine andere Hauptfigur, den Offizier Giribaldi, einen
gabe, einen bestimmten Schüler beim heimlichen Rau- aufgeblasenen Herrenmenschen – bis dann ohne Vor-
chen zu überführen. Doch ihren Plan kann sie nur in warnung die brutale Gewalt des Repressionsapparats
die Tat umsetzen, wenn sie die Schulregeln übertritt zutage tritt und man merkt, dass die Machthaber viel-
und somit Gefahr läuft, selbst angreifbar zu werden. leicht lächerlich sind, aber stets auch brandgefährlich.
Kohan zeigt in „Sittenlehre“ auf erschreckende Weise Der zweite Lascano-Roman erscheint im September.
die Mechanik von Überwachung und Bestrafung in ei-
ner unfreien Gesellschaft. Gesellschaftlicher Niedergang

Natürlich bieten die „bleiernen Jahre“, wie man die Pe- Mit einer zeitlich näher liegenden Periode beschäftigt
riode der Diktatur nennt, auch viel Stoff für spannende sich die Autorin Claudia Piñeiro in ihrem Roman „Die
Kriminalliteratur. Von Ernesto Mallo erscheinen seit Donnerstagswitwen“, der bereits im Juli auf den Markt
diesem Frühjahr auf Deutsch die ersten Romane einer kommt. Sie schaut über die Zäune und Hecken einer
Serie rund um den Kommissar Lascano. Der Polizist ist Gated Community, einer geschützten Siedlungsanlage
eine aufrechte Figur, die den Militärs nach Möglichkeit für die obere Mittelschicht. Während der relativ sta-

Buchmesse)
(© Frankfurter
h, Berlin)
(© Wagenbac
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Claudia Piñeir
Lopes;
(Foto Alejandra
g, Zürich)
© Unionsverla
32 Sc
L i ter
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mra la us A rge
ge hö rt?!ntinie n 3/2010
Foto: Fotolia

bilen 90er Jahre gaben diese elitären Siedlungen ihren Leben einer Handvoll Figuren in einer solchen ge-
Bewohnern ein Gefühl von Sicherheit. Die Habe- schützten Siedlung. Es ist eine Geschichte vom Leben
nichtse konnten nicht mehr in ihre Lebenswelt ein- jenseits von Existenzängsten, vom scheinbar unauf-
dringen, es sei denn, sie waren als Hausmädchen, haltsamen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Gärtner oder Security-Leute engagiert. Die Besitzen- Aufstieg. Dass dieser Aufstieg stagniert und sich spä-
den waren unter sich, verfassten eigene Regeln und ter umkehrt, wird durch beiläufig eingestreute Details
Gesetze und waren nicht mehr auf die schwache deutlich, die einen immer größeren Stellenwert er-
Staatsmacht angewiesen. halten: Einem Mann wird gekündigt und er vermei-
det es, dies seiner Frau mitzuteilen; die Immobilien-
„Die Donnerstagswitwen“ zeigt auf teils skurril-wit- maklerin hat zunehmend Probleme, die luxuriösen
zige, überwiegend aber auf beklemmende Weise das Villen zu verkaufen; es herrschen häusliche Gewalt
und windige Pläne, wie man schnell zu Geld kom-
men kann. Claudia Piñeiro erzählt gekonnt vom Ab-
stieg einer ganzen gesellschaftlichen Schicht vor dem
Hintergrund einer heraufziehenden Wirtschaftskrise.
Es ist spannend, aus diesem argentinischen Roman
über die Situation vor zehn Jahren mögliche Paral-
lelen zur aktuellen Wirtschaftskrise bei uns herauszu-
lesen.

Besuchen Sie an den Fachbesuchertagen den Einen guten Einstieg in aktuelle Tendenzen der argen-
Borromäusverein e.V. und die borro medien tinischen Literatur bietet darüber hinaus die kleine
gmbh, im Gemeinschaftsstand des Katholischen Anthologie „Asado verbal“, in der Texte von 15 Auto-
Medienverbandes. Vom 6. bis 10. Oktober findet ren/innen versammelt sind. Hervorzuheben ist zum
dieses Jahr die Buchmesse statt. Zur Orientierung Beispiel die Story von Pedro Mairal, der anhand der
im Verlagsdschungel wird Thomas Patzner wie- Ferienreisen des Ich-Erzählers die langfristigen Verän-
der eine Zusammenstellung der bibliotheksrele- derungen skizziert. Die einzelnen Lebensabschnitte
vanten Verlage erstellen. Die Liste steht rechtzei- fließen ineinander, ganz so wie die Häuser am Straßen-
tig unter www.borromaeusverein.de. rand beim schnellen Vorbeifahren verschwimmen.
Ebenfalls lesenswert ist die Kurzgeschichte von Maria-
Beachten Sie das Schwerpunktthema Argenti- na Enríquez, die sich mit dem Zusammenhalt in der
nien im September, pünktlich zur Messevorberei- Großfamilie beschäftigt und einen Kommentar über
tung, auf www.medienprofile.de. die Volksfrömmigkeit der Menschen außerhalb der ar-
gentinischen Großstädte abgibt.
3/2010R u b r i kti te l kurz & bündig 33

Schon mal gehört?!


Welche Berührungspunkte verbinden die porträtierten Institutionen und Verbände
mit der Büchereiarbeit? Welche Personen und welche Dienstleistungen verbergen
sich dahinter? In einer losen Reihe wird Leoni Heister, Büchereileiterin in Biebesheim,
aus der Büchereisicht heraus diese Verbindungen aufzeichnen und erklären.

Deutscher Kulturrat e. V.
Spitzenverband der Bundeskulturverbände

von Leo n i H e iste r

„Der Deutsche Kulturrat e.V. ist der Ansprechpartner der Wie interessant Olaf Zimmermann ist, davon konnte
Politik und Verwaltung des Bundes, der Länder und der ich mich am 16.1.2010 überzeugen. In der Sendung
Europäischen Union in allen, die einzelnen Sparten des „SWR 2 Treffpunkt Klassik extra“ hatte er als Gast die
Deutschen Kulturrates e.V. übergreifenden, kulturpoli- Musikauswahl gestaltet und z. B: Bruckner, Eisler,
tischen Angelegenheiten. Ziel des Deutschen Kulturrates Schönberg und die Phudys im Angebot. Facettenreich
e.V. ist es, bundesweit spartenübergreifende Fragen in wie dieses „Ohrenmenü“ ist sein Lebensweg: geboren
die kulturpolitische Diskussion auf allen Ebenen einzu- 1961 in Limburg, aufgewachsen im calvinistisch-pie-
bringen.“ tistischen Lohheim (bei Dietz), der Familientradition
folgend sollte er eine Handwerkerlehre absolvieren –
Besucher/innen der Internetseite www.kulturrat.de so sieht der anfängliche Lebensweg des jungen Olaf
finden diese Sätze unter der Rubrik „über uns“. Ein- aus. Den jungen Mann zog es aus dem Taunus in die
fach, klar und schnörkellos – ja fast minimalistisch er- Welt. Erster Landeplatz: „Weltstadt“ Wiesbaden. Hier
scheint die Webseite. Dabei versteckt sich hinter dem entdeckte er das erste Mal eine Bibliothek von innen
Deutschen Kulturrat der anerkannte Spitzenverband „Ein Traum, so viele Bücher und alles zum Ausleihen
der Bundeskulturverbände – ein schwergewichtiger – mein erstes Buch war eine Biografie über Konrad
Lobbyist für alle, die im weitesten Sinne mit Kultur Adenauer“. Nach dem Zivildienst folgte bei dem Gale-
und Kulturarbeit zu tun haben. Eine steile Karriere für risten Michael Werner die Ausbildung zum Kunst-
den noch recht jungen Verband, der 2011 seinen 30. händler und Galeristen. „Ich habe richtig Schwein ge-
Geburtstag feiert und von der Allgemeinheit kaum habt“, so Zimmermann. Von da führte der Weg strin-
wahrgenommen wird. Mir persönlich war der Deut- gent weiter: Köln, München, Geschäftsführer von Ga-
sche Kulturrat unbekannt, bis ich im Bundesnetzwerk lerien, eigenes Journalistenbüro – bis schließlich 1997
Bürgerschaftliches Engagement (BBE) über dessen Ge- die Berufung auf den Posten des Geschäftsführers des
schäftführer Olaf Zimmermann regelrecht gestolpert Deutschen Kulturrates erfolgte. Ein Maniac in Sachen
bin und der mir als „schillernd-schräger“ Vogel im Kunst, ein Breitband-Interessent, der die Anliegen der
Gedächtnis blieb. Kulturschaffenden politisch relevant vertritt, ohne
34 Sc h on m a l ge hö rt? 3/2010

sich parteilich zu binden – passender Geschäftsführer


eines Verbandes, in dem Schillerndes sich mit Pragma- Mit Lesen
tik trifft. groß werden
„Lesen ist für den Geist, was
Tragfähiges Netzwerk
Gymnastik für den Körper
ist.“ Mit diesem Zitat begin-
Gegründet wurde der Deutsche Kulturrat 1981 als po-
nt das Grußwort von Hein-
litisch unabhängige Arbeitsgemeinschaft kultur- und
rich Kreibich, Geschäftsfüh-
medienpolitischer Organisationen und Institutionen
rer der Stiftung Lesen, zu
von bundesweiter Bedeutung. Die Arbeitsgemeinschaft
einer Broschüre mit Grund-
wurde Mitte der 90er Jahre in die Struktur des gemein-
lagen zur Förderung der
nützigen Vereins überführt, in dem die 234 Mitglieder
Lese- und Sprachmotivation. Theoretisches, er-
sich in acht Sektionen eingliedern:
gänzt mit praktischen Beispielen, zeigt, wie Sie
Kinder fördern können.
• Deutscher Musikrat
www.borromaeusverein.de Leseförderung
• Rat für darstellende Kunst und Tanz
Kinder lieben Bilderbücher Grundsatztexte
• Deutsche Literaturkonferenz
• Deutscher Kunstrat
• Rat für Baukultur
• Sektion Design
• Sektion Film und audiovisuelle Medien rin spielt. Und da gerade im kulturellen Bereich sich
• Rat für Soziokultur und kulturelle Bildung sehr viele Menschen ehrenamtlich, bürgerschaftlich
engagieren, hat der Kulturrat auch ein Auge auf die
Im Kulturrat sind sowohl die Verbände der Künstler Entwicklungen in diesem Bereich.
(z.B. Schriftstellerverband Pen) als auch die Verwerter
von künstlerischen Leistungen (z.B. Börsenverein des Kulturrat und Bücherei
Deutschen Buchhandels) Mitglieder und finden trotz
aller unterschiedlicher Interessen immer wieder Ge- Die Auswirkungen auf die einzelne Bücherei vor Ort
meinsamkeiten, die mit einer Stimme und damit sind eher mittelbar zu spüren, z. B. bei den Regelungen
einem entsprechenden Gewicht gegenüber der Politik mit Gema und VG Wort oder bei anderen Urheber-
vertreten werden. Diese Einigkeit ist gerade im kultu- rechtsfragen, die Auswirkungen auf die Benutzerord-
rellen Bereich sehr wichtig, denn die Politik und die nung haben. Am ehesten bekommen Büchereien von
allgemeine Öffentlichkeit neigen dazu, Kultur in allen den Aktivitäten des Kulturrates dann etwas mit, wenn
Varianten als selbstverständlich zu erachten und hin- es seinem Geschäftsführer mit einer Schlagzeilen
zunehmen. Um dies zu verhindern sind auch die ge- trächtigen Aktion mal wieder gelungen ist, die Auf-
meinsamen Aktionen und Entschlüsse des Kulturrates merksamkeit in den Parlamenten und in den Medien
nötig, wobei die starke – durchaus persönliche – Prä- (auch) auf die Büchereiarbeit zu lenken.
senz seines Geschäftsführers eine gewichtige Rolle da-
Wenn Sie nun – liebe Leserin und lieber Leser weitere
Informationen rund um den Deutschen Kulturrat
möchten, dann haben Sie die Möglichkeit auf der
Leoni Heister, seit 1994 ehrenamtliche Leiterin der Webseite des Rates: www.kulturrat.de zu stöbern. In
KÖB Biebesheim, kirchliche Büchereiassistentin, Refe- der linken Navigationsleiste findet sich der Punkt „po-
rentin für Büchereiarbeit, Rezensentin für den Bor- litik & kultur“, die zur Zeitschrift des Kulturrates führt
romäusverein und arbeitet im SA lll - Büchereiarbeit in und auf der online die neuesten Informationen, Stel-
Kirche und Gesellschaft der bv.-Fachkonferenz mit. lungnahmen und Artikel aus den Arbeitsbereichen des
Deutschen Kulturrates veröffentlicht sind.
3/2010 35

„Totgesagte leben länger“


Aus der Rede zur Eröffnung der Leipziger Buch- chanismus sein sollte, war den Beteiligten noch nicht
messe, am 17.3.2010, Gewandhaus Leipzig, von vorstellbar. Auch nicht, dass die öffentliche Debatte
Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, Vorsteher des nicht mehr mit der Wissensproduktion korrespondie-
Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ren sollte. Kulturen haben sich stets mit ihren Medien
entwickelt und verändert; sie haben ihre eigenen tech-
nischen Möglichkeiten hervorgebracht. Und umge-
... Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war die Welt kehrt haben neue technische Möglichkeiten auf die
der Verleger und Buchhändler noch in Ordnung. Das Te- Gestalt von Wissenschaft und Kultur und deren Ent-
lefon war die jüngste technische Innovation. Paul Valery wicklung zurückgewirkt.
berichtet in Tanz, Zeichnung und Degas, was dem Maler
Edgar Degas mit der neuen Telefontechnik – heute wür- Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts bereits konn-
den wir sagen „mit der neuen Medientechnologie“ – wi- te all das, was der Buchdruck an Informationen produ-
derfuhr: Ein wohlhabender Freund hatte sich in seinem zierte, von seinen Nutzern bei Weitem nicht vollstän-
neuen Haus ein solches Telefon installieren lassen. Um dig zur Kenntnis genommen werden. Doch angesichts
Edgar Degas zu beeindrucken, lud er ihn zum Mittages- des heutigen, nie da gewesenen Angebots an Informa-
sen ein, nachdem er zuvor mit seinem Diener verabredet tionen und der immer tiefer werdenden Kluft zwi-
hatte, er möge ihn während des Essens am Apparat ver- schen diesem Angebot, dessen Mehrwerten und den
langen. Ein paar Worte werden gewechselt, der Freund maschinellen Suchleistungen auf der einen Seite und
kommt erwartungsvoll zurück: „Nun, Verehrter, was sa- der menschlichen Merk- und Vergessensfähigkeit auf
gen Sie dazu?“ Darauf Degas: „So so, … das also ist das der anderen zeichnet sich ein Drama der Technik ab,
Telefon? Man schellt Ihnen, und Sie rennen.“ das in dieser Weise noch nicht erlebt wurde. Wenn
Google bald das gesamte überlieferte Schriftenmaterial
Der Maler bedachte nicht nur die technische Errun- der Bibliotheken digitalisiert hat, wird das Zeitbudget
genschaft, sondern hatte auch deren Wirkung auf uns der Nutzer – so überlegte Henning Ritter schon vor
selbst im Blick. Jahren – nicht ausreichen, einen anderen Gebrauch
davon zu machen, als ihre Erzeugnisse wiederum ins
Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war die Welt Internet zu stellen und zum Objekt von intelligenten
der Verleger noch in Ordnung. Die Rolle der Literatur Suchoperationen zu machen.
und der Information für Wissenschaft und Gesellschaft
stand fest: Leitendes Medium war das Buch; wohl defi- Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts waren Bü-
niert war der Kreis seiner Käufer und Nutzer, der Markt cher allesamt schön gebunden. Später kamen zu den
war in kontinuierlichem Wachstum begriffen. Max We- Hardcovern die Taschenbücher, dann kamen die Hör-
ber verstand das Wissen als Fähigkeit zu sozialem Han- bücher, und jetzt kommen – erst zögerlich, mittlerwei-
deln, die Produktion vollzog sich in bildungsbürgerlicher le aber immer selbstbewusster – die digitalen Bücher,
Routine nach den humanistischen Idealen der Universi- die E-Books. Zaubertafel und Wunschmaschine – die
täten und der wissenschaftlichen Gesellschaften. Welt bestaunt in diesen Tagen das iPad von Apple, der
Medienwirbel nimmt epische Ausmaße an, und der
Dass 100 Jahre später die Dynamik der Wissens-produk- Buchmarkt wird einmal wieder durch einen massiven
tion der dominante gesellschaftliche Steuerungsme- Ruck erschüttert. Anfang April kommt das iPad in den
36 F a s s e D i c h kurz 3/2010

USA auf den Markt, Ende April in Deutschland. Ist seine digitalen Texte direkt und komfortabel als Down-
dann das Buch tot? Kassandra ist hartnäckig. Sie war load besorgen können. Braucht er den Buchhandel dazu?
dabei, als das Radio eingeführt wurde, das Fernsehen, Wer überbrückt die Kluft zwischen der Fülle des Angebots
der Computer, die ersten Downloads. Längst ist ihrer und einer endlichen Rezeptionsfähigkeit des Lesers?
Prophezeiung nach das Buch als Medium an seine
Grenzen gestoßen, längst treten die neuen Medien als Gleichzeitig schaut die deutsche Buchwelt derzeit auf
seine rechtmäßigen Erben auf. die Vereinigten Staaten, wo durch die beginnende Auf-
lösung von Monopolen der digitalen Anbieter die Stel-
Geschehen aber ist bislang wenig. Statt des vorherge- lung von Autoren und Verlagen – man nennt sie Con-
sagten und befürchteten Untergangs des gedruckten tent-Anbieter – weltweit wieder gestärkt wird. Immer-
Buchs – Marshall McLuhans berühmte Prophezeiung hin musste der Handelsriese Amazon am Beispiel des
vom Ende der Gutenberg-Galaxis wird inzwischen ein Verlags MacMillan verblüfft erkennen, dass Buchver-
halbes Jahrhundert alt – verzeichnen wir Jahr für Jahr lage Herren ihrer Produkte sind und damit trotz aller
eine kontinuierliche Ausdehnung der deutschen Bücher- Nachfragemacht auch deren Preise festlegen.
welt. Im vergangenen Jahr ist der Umsatz mit Büchern in
Deutschland wieder einmal gewachsen – um immerhin Welches Ausmaß wird der E-Book-Markt haben? Wird
2,8 %, und das im Jahr der Wirtschaftskrise. Bislang also das gedruckte Buch durch diese Entwicklung in essen-
haben die laufenden Bilder und deren Algorithmen den tiellen Bereichen substituiert? Werden wir nur noch in
gedruckten Text – sieht man einmal von kurzlebigen In- geschlossenen Systemen lesen und Bücher erwerben?
formationen ab – nicht substituiert. Sie scheinen ihn Brauchen wir den stationären Buchhandel nicht mehr?
vielmehr zu umgeben, ihn zu ergänzen und in seiner Brauchen wir die Öffentlichkeit nicht mehr, die durch
Wirkung zu intensivieren. Und umgekehrt. die Vielfalt der Bücher und des Buchhandels Tag für
Tag garantiert wird?
Ist jetzt ein Punkt gekommen, an dem das Blatt sich
wendet? „Das Buch ist tot“, soll auch Apple-Chef Steve Totgesagte leben länger. Denn was geschieht wirklich?
Jobs gesagt haben. Immerhin: erstmals scheint ein Ge- Der Begriff des Buches erweitert sich, die Grenzen wer-
rät auf den Markt zu kommen, dass das leistet, was den durchlässiger und damit die Aufgaben der Verleger,
Leser und Käufer wollen. Eine Belebung, ein neuer der Buchhändler und auch der Leipziger Buchmesse.
multimedialer Aufbruch scheint durch Apple möglich,
auch wenn das geschlossene System von Hardware, Sie stellen für Inhalte die Verbindung her von blei-
Software und Inhalten von den Marktteilnehmern bender Dauer, inhaltlicher Orientierung und von
durchaus und nicht zu Unrecht mit einer gesunden Transparenz. Sie sichern diese Inhalte, ordnen immer
Skepsis betrachtet wird. schnellere Innovationen ein, bewerten sie und ma-
chen sie der Öffentlichkeit zugänglich. Das sind zen-
Keine geringen Änderungen stehen der Buchbranche also trale Kompetenzen. Leser und Käufer verlangen sie
ins Haus: Die Verlagswelt sieht im iPad das formschöne, auch oder gerade in Sachen digitaler Bücher vom
handschmeichlerische und komfortable Lesegerät für ko- Buchhandel. Besinnt er sich auf seine Stärken – und
stenpflichtige Inhalte, die der Verlag im Auftrag des Au- das ist seine Chance –, dann öffnet er in Zukunft neue
tors generiert hat. Der stationäre Buchhandel vermutet Märkte auch für sein eigenes Tun.
hinter dem gleichen iPad das Ende seines Geschäftsmo-
dells. Schließt der Vertriebsweg online den stationären Die Leipziger Buchmesse hat ihr Format für die Zukunft
Buchhandel als Handelsstufe aus? Die Frage ist berechtigt. bereits gefunden: Sie ist die Messe der Leser und Autoren,
Wer künftig ein Gerät wie das iPad nutzen wird – und das sie ist die Messe der Begegnungen mit dem Wort. Davon
kann jedermann –, wird sich – wie es in wissenschaft- leben wir, davon lebt die Literatur, und davon lebt das
lichen Zusammenhängen schon seit Jahren der Fall ist – Buch – in jeder Form und in allen seinen Formaten. ...

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V
s d f s d f s d f s df
3/2010 dgsgsgsdgsdg
Fachstellen im Profil 37
Praxisberichte
asdasdasdasd
Das Interessanteste in vielen Zeitschriften
steckt meist eher in den alltäglichen,

Praxisberichte
lebens- und berufspraktischen Beiträgen
als in den bedeutsamen Grundsatz-
artikeln. So ist es wohl auch in dieser
Zeitschrift BiblioTheke. Leider mangelt
es der Redaktion immer wieder an
interessanten oder nachahmenswerten
Berichten. Schreiben Sie uns:
redaktionbit@borromaeusverein.de

Mit dem Krimi ans Mittelmeer


Krimi-Abend der Bücherei St. Peter

Deutsche reisen am liebsten ans Meer,

Foto: Fotolia
besonders gerne die Altersgruppe der
18- bis 29-Jährigen (76 %), stellt eine
aktuelle Umfrage fest. Bei den über
45-Jährigen wollen bis zu 56 % ans
Meer fahren. Mittelmeerreisen stehen
also hoch im Kurs.

Hoch in der Gunst von Literatur-


freunden eigentlich jeden Alters
steht aber auch die Gattung Mittel-
meer-Kriminalromane. Sehr viele
Bücherfreunde hatte Dorothée
Grütering ins Vilicher Haus der Be-
gegnung gelockt. Mit großem Inte-
resse folgten diese ihrem litera-
rischen „Streifzug durch die medi-
terrane Krimikultur“. Das Büche- erhöht, was aber niemandem auf- die Detektive geschrieben haben
reiteam hatte durch eine entspre- gefallen ist. Es kamen 40 Personen, („Bei den Brunettis zu Gast“) – ver-
chende Dekoration für die richtige davon 32 „zahlungspflichtige“. Der packt in hochwertigste Kriminalli-
Umgebung gesorgt. Bonner Generalanzeiger, vertreten teratur. Kriminalromane zeichnen
durch Fotograf und Reporter, setzte sich, da der Leser von vornherein
Vorbereitend hatte die Bücherei mit einem Artikel „Zwei eiskalte eine gute Grammatik erwartet,
Plakate und Flyer in den Geschäf- Schnauzen ermitteln in Turin“ in durch geschliffenen Stil aus. Im
ten der vier umliegenden Dörfer der anschließenden Berichterstat- Allgemeinen werden aus puren Ne-
verteilt, außerdem wurden Einla- tung einen schönen Abschluss. bensätzen die Lösungen von Fällen
dungen direkt an Leser/innen, in- herausgekitzelt, bis daraus fein ge-
teressierte Bekannte aus Vereinen, Bereiche wie Küche, Wohnen und sponnene Krimi-Kunstwerke ent-
Literaturkreisen oder Sprachkursen Essen lassen sich literarisch bestens stehen. Nicht wenige Autoren wol-
verschickt. Der Eintritt wurde nach mit blutrünstigen Machenschaften len ihre Werke als Buchreihe ver-
ca. 10 Jahren um 0,50 € auf 4,50 € mischen. Es gibt sogar Kochbücher, standen wissen.
38 P r a x i s b e r i ch te 3/2010

chertisch, welchen das KÖB Team


mit Krimis bestückt hatte, nach
einem Titel zu fahnden. Schließ-
lich versprühte der Mittelmeer-
Streifzug ja auch einen Hauch Ur-
laubsfreude und den kann man
sich mit guter Literatur weiter um
die Nase wehen lassen. Ein schöner
Abend, den alle sehr genossen ha-
ben.

Ob süd- oder norditalienische rend des Abends in der Küche


Städte, Orte wie Florenz oder Tu- frisch zubereiteten, klang der
rin, Gegenden wie die Provence, Abend aus: Zu einem Mittelmeer-
die griechische Hauptstadt Athen Buffet hatte die Büchereileiterin
oder Istanbul – das sind die Plätze, und ihr Team zum Abschluss ein-
von denen sich Autoren inspirie- geladen. Bei einem Glas Wein na-
ren lassen. Darüber hinaus gibt es türlich aus Mittelmeer-Regionen
eine Menge Kriminalromane mit war Gelegenheit, sinnierend den
historischen Bezügen. „Man Abend noch einmal vorüberziehen
schwelgt in den Beschreibungen, zu lassen und/oder auf dem Bü-
und die machen den Reiz aus“,
sagte die Referentin.

Mit kulinarischen Köstlichkeiten,


die drei Mitarbeiterinnen wäh-

Text und Bilder: Ursula Becker


und Peter Flühr. Kontakt: KÖB
St. Peter, 53225 Bonn-Vilich, Adel-
heidisstr. 19, Ansprechpartnerin:
Ursula Becker, Tel. 0228 46 47 71/
E-Mail: urs.becker@web.de
3/2010 Praxisberichte 39

Schüler erkunden Stommeln

Foto: Fotolia
Schule und Bücherei – ein Medienprojekt

Im Herbst waren im Pulheimer Stadt- und über Hinterhöfe auf dem Pro- Ebenfalls zur Einstimmung auf das
teil Stommeln während der Schulzeit gramm. Dafür konnte die Bücherei Projekt konnten die beiden Klassen
immer wieder Schüler der örtlichen den Autor und Histo­riker Josef zusammen mit Albert Kandels das
bilingualen erzbischöflichen Gesamt- Wisskirchen gewinnen. Der frühere Stommelner Hei­matmuseum er-
schule Papa Giovanni XXIII unter- Geschichtslehrer ist eine wahre Ko- kunden. Das birgt allerlei Kuriosi-
wegs. Mal waren sie mit einer Kame- ryphäe, wenn es um die Entste- täten, wie einen Wäschestößel, ein
ra ausgerüstet und fotogra­fierten hung von Gebäuden, Straßenna- Fahrrad mit Holzfelge, eine Waf­
markante Plätze und Gebäude, ein men oder Skulpturen an Mauer- fenkammer und auch ein Gram-
anderes Mal sammelten sie mit einem werk oder Kirchentü­ren geht. Kei- mophon. Natürlich stand auch ein
Aufnahmegerät Töne und Geräusche ne Frage blieb unbeantwortet. Besuch des Wahrzeichens, der
des Ortes. Mühle an. Dort erklärte Mühlenbe-
Zur Tat schritten im Anschluss eini- sitzer Peter Krämer geduldig den
Der Grund: Die Öffentliche Büche- ge Zehntklässlerinnen, die zusam- gesamten Ablauf von der Anliefe-
rei St. Martinus Stommeln hatte men mit dem Kölner Künstler Tod- rung des Getreides bis zum fertigen
bei dem jähr­lich vom Erzbistum de Kemmerich mehrere Hundert Mehl. Gut aufgepasst haben hier
Köln ausgelobten In­novationspreis Fotos von Stommeln machten. Un- besonders die Sechstklässler. Ihre
den ersten Preis für das Projekt ter dessen fachkundiger An­leitung Eindrücke des Ortes haben sie zu
„Stommeln: AV“ gewonnen. Bei lernten sie später am Computer einem peppipgen Stommeln-Rap
dem Medienprojekt sollten die professionelle Bildbearbeitung und verarbeitet. So wunderte es denn
Schüler der Gesamtschule – die fügten eine Auswahl der Motive zu auch nicht, dass dort eine Zeile
meisten von ihnen kommen als zehn Stommeln-Lesezeichen zu- heißt: „Da machte es klack – der
Fahrschüler aus den umliegenden sammen. Nun war eine andere Lohn war ein Sack“. Der Text steht
Orten und Köln – sich audio­visuell, Gruppe gefragt. Diese hatte sich in online unter www.punktum-
also in Bildern und Klängen mit einem Workshop mit dem Wirt- punkt.de/motzarella.pdf.
dem Heimatort ihrer Schule ver- schaftsexperten Erhard Decker mit
traut machen. den Möglichkeiten der Vermark- Höhepunkt des Projektes war eine
tung der Lesezeichen auseinander- Prä­sentation in der Aula der Ge-
Im ersten Schritt besuchten die gesetzt. An zwei Tagen verkauften samtschule. Alle Unterprojekte
Schüler – beteiligt waren der Kurs die Schüler die außer­gewöhnlichen
„Kultur und Me­dien“ der Jahr- Motivkarten an die ortsan­sässigen
gangsstufe 10 von Claudia Hagen Geschäfte. Diese gaben die Lesezei-
und eine sechste Klasse – die Bü- chen wiederum in der Vorweih-
cherei. Anhand der Literatur nachtszeit als kleine Gabe an ihre
lernten sie viel über die histo- Kunden ab. Die Erlöse im Gegen-
rischen Zusam­menhänge der Ent- wert von mehr als 800 Euro fließen Text und Bilder: Projektleiterin
stehung des kleinen Ortes am Ran- in voller Höhe an die Benutzer der Anne Siebertz Kontakt: Öffent-
de des Rhein-Erft-Kreises. Aufgrund Bücherei zurück: Dringend werden liche Bücherei St. Martinus Stom-
seines Wahrzeichens wird er gerne in Zeiten knapper Finanzmittel ak- meln, Anette Göhler, Hauptstr.
der Mühlenort genannt. An­ tuelle Musik-CDs benötigt, die nun 55, 50259 Pulheim, E-Mail: bue-
schließend stand ein einstündiger dank einer fachkundigen Empfeh- cherei@stommeln.de, www.bue-
Rundgang zu markanten Stellen, lung der Schüler angeschafft wer- cherei.stommeln.de
aber auch durch kleine Gässchen den können.
40 Pr a x i s b er i c h te 3/2010

wurden unter der pro­fessionellen


Moderation der beiden Schü­
lerinnen Michelle Busch und Fabi-
ola Montana unter großem Applaus
vorge­stellt. Darunter war auch die
Klangcollage, die einige Schüler aus
den gesammelten Geräuschen er-
stellt hatten. Für die techni­sche Be-
arbeitung durften sie zusammen
mit Projektleiterin Anne Siebertz
das Ton­studio des Katholischen Bil-
dungswerks in Bergheim nutzen.
Den größten Applaus an diesem
Tag ernteten erwartungsgemäß die
Sechstklässler, die in Begleitung der
Schulband und unter der Leitung
ihres Musiklehrers Gianluca Zaghi-
ni den fetzigen Stommeln-Rap vor
rund 200 Gästen präsentierten.

Unter fachkundiger Anleitung des Künstlers Todde Kemmerich suchten die Schüle- Mit diesem Projekt setzte die Bü-
rinnen geeignete Motive in Stommeln. cherei nicht so sehr auf Leseförde-
rung, sondern Ziel war vielmehr
eine stärkere Vernet­zung zwischen
der Papst Johannes XXIII Gesamt-
schule und der Bücherei als Kul­
turinstitution. Beide Institutionen
liegen rund 300 Meter voneinander
ent­fernt und erweitern aufgrund
der positiven Impulse des Projektes
ihr Kooperations­repertoire um
zahlreiche Möglichkeiten. Mit rund
12.000 aktuellen Medien, darun­ter
Bücher, CDs, DVDs, CD-Roms und
Spiele, kann die Bücherei die Schü-
ler mit passenden Themen und
Ideen auf ihrem Weg des Lernens
und der Freizeitgestal­tung beglei-
ten.

Das Rezept ist voll aufgegangen.


„Eine gute Mischung aus Kunst,
Wissensver­mittlung, Information
und Spaß“, urteilte eine Besucherin
Von bewegter Geschichte des Ortes zeugt die Waffenkammer im Heimatmuseum. der Abschlusspräsen­tation.
3/2010 41

Ein Gedicht liegt auf der Lauer


Lesungen und mehr in Köllerbach

Die KÖB Herz Jesu Köllerbach und der Wechsel der Jahreszeiten im Park gründen. Sie erwies sich als intelli-
Literaturkreis hatten eingeladen zur nur noch durchs Fenster erlebt, hilft gente und gebildete Frau, die in
Lesung mit Margret Roeckner und Lui- ihr das Dichten. Vertrauend auf die Leibniz einen ebenbürtigen Ge-
se Reifarth. Beide brachten den über Kraft des gesprochenen Wortes sprächspartner gefunden hatte. Oft
20 Zuhörer/innen Gedichte und die Bi- bringt sie bis fast zuletzt das persön- provozierend und kokett reizte sie
ografie der deutsch-jüdischen Dichte- liche Schicksal tastend zur Sprache. Leibniz zum Nachdenken und im-
rin Rose Ausländer nahe. Es war eine “Wer hofft ist jung. Wer könnte at- mer klareren Aussagen, „Wort mus-
ergreifende und anrührende Veran- men ohne Hoffnung, dass auch in ste Antwort haben“. Die Autorin
staltung, zu der die Leiterin der KÖB, Zukunft Rosen sich öffnen. Ein Renate Feyl findet den richtigen
Rita Barth, die Anwesenden mit einem Liebeswort die Angst überlebt.“ Vol- Ton und die Worte, um eine Zeit zu
irischen Segensspruch begrüßte. ler Heimweh dichtet sie: „Mutter beschreiben, die uns heute weitge-
strömt mir ins Gefühl. Oase einer hend entrückt ist.
Schon das erste Gedicht faszinierte, warmen Hand, erblüh’ an meiner
da Margret Roeckner von gleichen Seite“. Am Ende hat Rose Ausländer, Herzlichen Dank sagt die KÖB Köl-
Erfahrungen beim Entstehen von sich der Sprache hingebend, den lerbach Artur Walz, der eine größe-
Texten berichteten konnte. Wenn Deutschen ein Wortkunstwerk ge- re Spende zur Anschaffung eines
Worte auf der Lauer liegen, sich auf schenkt, wie es stärker im Ausdruck, dringend benötigten Bücherregals
die Dichterin stürzen, Worte ins Ohr besser in der Form und präziser in und für Präsentationswände über-
flüstern, weil sie geschrieben werden der Aussage kaum zu denken ist. reicht hat. Und ebenfalls ein Dan-
wollen: „Und das Wort ist unser keschön für ein besonderes Ge-
Traum, und der Traum ist unser Le- Wort sucht Antwort – Zu dieser Le- schenk geht an Georg Fox, er schuf
ben“ – „Heute hat ein Gedicht mich sung las Luise Reifarth mit der ihr ein Aquarell für die Bücherei Köll-
wieder erschaffen“ – „Ein Gedicht eigenen Leichtigkeit und Freude aus erbach. „Eine Anerkennung für das
kommt zu mir, wenn es will, auf Be- dem Roman „Aussicht auf blei- kulturelle Engagement der Katho-
fehl meiner Muse“. Abwechselnd la- bende Helle“ über das Leben der er- lischen Bücherei Herz Jesu Köller-
sen Luise Reifarth aus der Biografie sten preußischen Königin Sophie bach“, so das Ehepaar Hedi und
der Rose Ausländer und Margret Ro- Charlotte. Sie war eine Frau voller Georg Fox (in Köllerbach wohn-
eckner die passenden Gedichte, dazu Ideen, die ihre geistigen Fähigkeiten hafter Künstler und Autor).
Musikuntermalung aus dem jü- zu nutzen verstand. Sie sagte: „Wer
dischen Kulturkreis. in Übereinstimmung mit sich selbst
leben will, muss alles selbst in die
Lyrik war Rose Ausländers Lebense- Hand nehmen.“ Frei, unabhängig
lement. Gern bedichtet sie Ihre Hei- und selbstbestimmt musste sie sich
mat, nur durch Schreiben kann sie immer wieder lebendig fühlen. Den
bittere Lebensabschnitte und die berühmten Mathematiker und Phi- Text und Bilder: Rita und Uwe
Kriegsjahre überleben. Selbst im Al- losophen Leibniz holte sie nach Barth, KÖB Herz Jesu, Strassers-
ter, als ihre Welt auf Krankenzimmer Berlin, um mit seiner Hilfe eine bergstr. 16, 66346 Püttlingen
und Bett geschrumpft ist, sie den Akademie der Wissenschaften zu
42 3/2010

Besondere Empfehlung!
Das Lektorat des Borromäusvereins sichtet und bewertet den
Medienmarkt auf der Grundlage literarischer Qualität und des
christlichen Menschenbildes und wählt aus der großen Vielfalt
der Neuerscheinungen monatlich besonders lesenswerte Titel aus.

Die Monatstitel der bv.-Besprechungsarbeit

Religiöses Kinderbuch des Monats Juni Erstlesebuch des Monats Juni

Danielle Proskar: Karin Koch:


Karo und der liebe Gott. Am liebsten eine Katze.
Wiener Dom Verlag 2009 Hammer Verlag 2010
151 Seiten; Preis 16,20 s 48 Seiten; Preis 9,90 s
MedienNr.: 320445 MedienNr.: 328083

In der Buchversion ihres mehrfach ausgezeichneten Filmes Bei der achtjährigen Fiona ist daheim alles ein bisschen
erzählt die Autorin mit großem Einfühlungsvermögen von anders als bei anderen Kindern. Da ist Mama berufstä-
der achtjährigen Karo und ihren Bestrebungen, die sich ab- tig, Papa erledigt den Haushalt und die ältere Schwester
zeichnende Scheidung der Eltern mit allen Mitteln zu ver- ist begeisterte Fußballspielerin. Fiona hat nur einen
hindern. Dabei hofft sie insbesondere auf Gottes Hilfe. Zur Wunsch – eine Katze. Aber Mama ist dagegen. Zufällig
Verständigung mit ihm nutzt sie ein altes Walkie-Talkie. Als entdeckt das Mädchen eine Katzenfamilie in einer
sie nach langer Zeit endlich eine Antwort erhält, muss sie Scheune. Während sich das Kind heimlich um die Kat-
feststellen: Gott residiert keinesfalls im Himmel, sondern in zen kümmert, bahnt sich daheim das Unheil an. Mama
der Wohnung unter ihr. Wenn auch die Familiensituation trennt sich von Papa! In diesem Wirrwarr der Gefühle
ein für Karo unerwartetes Ende nimmt, erkennt sie: Ihr Le- bringt Fiona das Kätzchen mit nach Hause. Alle sind mit
ben kann trotzdem glücklich weitergehen. Dass das Ver- ihren Problemen beschäftigt, sodass das Kätzchen ein-
trauen an eine wie auch immer geartete göttliche Hilfe dazu fach bleiben darf. Und das Tier spendet Liebe und Trost.
beitragen kann, Schicksalsschläge zu überwinden und das Aber auch bei den Erwachsenen scheint eine Annähe-
Leben wieder zu meistern, ist eine der subtil vermittelten rung möglich. – Ein leises, einfühlsames Buch mit einem
Botschaften des Buches, das zugleich anregt, über Freund- schwierigen Thema. Die intensiven farbigen Zeich-
schaft und das eigene Gottesbild nachzudenken. Als Illus- nungen sprechen ihre eigene unterstützende Sprache.
tration dienen Standfotos aus dem Film, die dessen Flair Kein süßlicher Pathos, keine verlogenes Happy End. Da
authentisch einfangen und zugleich eigenständige Akzente viele Kinder mit Trennung Erfahrung haben sicher ein
setzen. Selten werden religiöse Themen so leicht, unver- wichtiges Buch. Für alle geübten Erstleser, aber auch
krampft, witzig und zugleich tiefgründig behandelt. schon für Kleinere zum Vorlesen.
3/2010 Besondere Empfehlung! 43

Roman des Monats Juni Sachbuch des Monats Juni

Jostein Gaarder: Taras Grescoe:


Die Frau mit dem roten Tuch. Der letzte Fisch im Netz.
Hanser Verlag 2010 Blessing Verlag 2010
221 Seiten; Preis 18,90 s 559 Seiten; Preis 17,95 s
MedienNr.: 326701 MedienNr.: 321741

Solrun und Stein treffen einander zufällig in einem Hotel Die Tatsache, dass knapp 80 Prozent des weltweit vorhan-
im norwegischen Fjordland – dem Ort, an dem sie sich denen Speisefisches wegen Überfischung verschwunden
vor 30 Jahren nach einem traumatischen Ereignis getrennt sind, bedeutet für die gesamte Menschheit eine Katastro-
haben. Solrun ist eine "christliche Spiritualistin", sie glaubt phe. Der Autor dieses ca. 550 Seiten umfassenden Ta-
an übersinnliche Phänomene: „Natürlich kann man be- schenbuches will mit seiner provokativen Aussage „Fisch
dauern, dass wir nicht alles zwischen Himmel und Erde ist aus!“ den Leser aufrütteln mitzuhelfen, die Weltmeere
erklären können (...)", während Stein Naturwissenschaft- und deren Lebewesen zu retten. An zehn verschiedenen
ler ist. Er staunt über die Wunder der Welt und nicht über Schauplätzen zeigt er, wie Fisch und andere Meerestiere
die Rätsel des Übersinnlichen. Er glaubt „an das, was ist". als Gourmetspeise oder Fast Food auf den Tisch kommen
Die beiden beginnen einen Briefwechsel per E-Mail, um und was dabei falsch läuft. Auf dieser Reise durch die
zu verstehen, was sie damals getrennt hat. Gibt es ein Le- Weltmeere erzählt er spannend, einprägsam und zugleich
ben nach dem Tod und steckt eine göttliche Idee hinter sehr informativ von portugiesischen Sardinen, Marseiller
dem Universum? Oder müssen wir uns an die Fakten der Bouillabaisse und chinesischer Haifischflossensuppe und
Evolutionsgeschichte halten, wenn wir der Wahrheit nä- legt so eindrücklich die allgemeinen Spannungen zwi-
herkommen wollen? Gleich welcher geistigen Strömung schen Umwelt, Konsum und Marktwirtschaft dar. Ein
der Leser vertraut, ob spirituell oder analytisch, religiös großes Quellenverzeichnis und Tipps zum ökologischen
oder zweifelnd – beide Seiten sind für den Leser überzeu- Konsumverhalten sowie generelle Informationen zu Fisch-
gend dargelegt. Der Norweger Jostein Gaarder wurde fangtechniken runden das Buch ab, durch das der Leser
1993 mit „Sophies Welt" weltberühmt – ein Buch über die zum Nachdenken über den eigenen Fischverzehr ange-
Suche nach dem Sinn des Lebens. Auch „Die Frau mit regt wird. Sehr empfehlenswert!
dem roten Tuch" handelt von den großen philosophischen
Fragen, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir
gehen. Dabei gerät er gelegentlich ins Dozieren. Dennoch
schafft der Autor es bis zum Schluss, den Spannungsbo-
gen zu halten. Die dunklen Geheimnisse der Geschichte,
das Mysterium der „Frau mit dem roten Tuch", werden
erst in einem dramatischen Finale gelüftet. Ein Lesever-
gnügen für diejenigen, die sich für die großen Sinnfragen, Auch als Newsletter oder RSS-Newsfeed kostenlos
eingebunden in eine Liebesgeschichte, interessieren. anfordern: www.medienprofile.de
44 L i ter a tu r - P ra x is BiblioTheke 3/2010

Wie war das


Heinz Janisch und
Linda Wolfsgruber:
Wie war das am Anfang.
Wiener Dom Verlag 2009

am Anfang 26 Seiten; Preis 14,90 €


MedienNr.: 320446

von Astr id Fr e y
Zur Deutung
Der Autor: Heinz Janisch Wie war das im Anfang? Mit der Welt? Mit allen Din-
wurde 1960 in Güssing/Österreich geboren. Er studier- gen? Mit mir? Woher komme ich? Wo war ich, bevor
te Germanistik und Publizistik in Wien. Seit 1982 ist er ich auf der Welt war? Viele Kinder – und in leicht mo-
Mitarbeiter des Österreichischen Rundfunks. Er hat difizierter Art auch Jugendliche und Erwachsene – fra-
bereits zahlreiche Bücher, v.a. für Kinder und Jugendli- gen das. Es sind die Urfragen der Philosophie. „Ich
che, veröffentlicht und viele nationale und internatio- komm’, ich weiß nicht woher, ich geh’, ich weiß nicht
nale Preise erhalten. wohin, mich wundert’s, dass ich so fröhlich bin.“, lau-
tet ein bekannter Sinnspruch. Dieses Bilderbuch sagt
Die Illustratorin: Linda Wolfsgruber etwas ganz anderes: Gott hat mich gedacht, deshalb
wurde 1961 in Bruneck/Südtirol geboren. Von 1975 bin ich, wie ich bin. Ich weiß, woher ich komme. Und:
bis 1983 absolvierte sie zahlreiche Ausbildungen: „So ist es. Jetzt. Spannend.“, was mindestens eine Per-
Kunstschule, Schriftsetzerin, Grafikerin, „Scuola di Li- spektive für das Wohin aufzeigt.
bro“. Seither arbeitet sie als freischaffende Künstlerin Mögliche Antworten auf die Frage des imaginären Ich
und hat das Bilderbuch als ihr Medium entdeckt. Auch „Wie war das am Anfang, als Gott an mich gedacht
sie hat für ihre Veröffentlichungen schon zahlreiche hat?“ werden in immer neuen Varianten durchgespie-
in- und ausländische Auszeichnungen erhalten. lt. Die Vorschläge hier lassen auch noch Raum für viele
andere Möglichkeiten, die mit Lust an der spiele-
Das Buch rischen Fantasie durchdacht werden können.
Mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis So wird die Welt groß und weit, alles hat seinen Platz,
wird 2010 ein Buch ausgezeichnet, in dem ein imagi- alles ist wichtig: Steine, Pflanzen und Tiere. Nichts ist
näres Ich die Frage stellt: „Wie war das am Anfang, als ein Zufallsprodukt oder eine „Laune der Natur“. Jedes
Gott mich gedacht hat?“ Diese Ich spielt dann zahl- Ding, jedes Wesen ist gottgewollt, ist Gottes Geschöpf.
reiche Möglichkeiten durch: Wollte er mich als Kugel Und welche Freude das für das fragende Ich ist! „Gott
aus Stein, als Baum im Feld oder Kaktus in der Wüste? sagte: Du wirst ein Mensch sein.“ Auf der letzten Dop-
Nein. „Gott sagte: Du wirst ein Mensch sein. So ist es. pelseite hüpft ein Mädchen mit dem Springseil in die
Jetzt. Spannend.“ Dieser handlungsarme, bedächtig Welt und das Buch endet in der großartigen Schlussse-
mäandernde Text wird von der Bilderbuchkünstlerin quenz: „So ist es. Jetzt. Spannend.“
kongenial in Szene gesetzt. Die zart farbigen, dünnen,
gerissenen oder geschnittenen Papiere, sind mit Stem- Anregungen zur Arbeit mit dem Buch
peldrucken und wenigen gezeichneten Details zu Col- Obwohl das Bilderbuch nicht nur text- sondern auch
lagen zusammengesetzt. Die einzelne Szene ist geprägt handlungsarm ist, gibt es einige mögliche „Einsatz-
von großer Weite. Ein kleines, aber feines Detail ver- orte“: Neben der religiösen Erziehung in Kindergärten
birgt sich auf den Vorsatzseiten, ein Stern ist mit einer und Kindertagesstätten im Rahmen von Themen wie
Widmung für Lilli (geboren 2009) versehen. Auf den „Schöpfung“, „Identität“ oder „Philosophieren mit
hinteren Seiten ragt das letzte Wort der Schlusssequenz Kindern“ sind auch Kinderbibeltage denkbar. Ebenso
„Spannend.“ in den Sternenhimmel. bieten sich Krabbelgottesdienste oder Glaubensspiel-
3/2010 BiblioTheke Literatur- Praxis 45

kreise an. Eine ganz besondere Möglichkeit sind Got- an alle Eltern sein, die im vergangenen Jahr ein Kind
tesdienste mit Taufeltern; ihnen könnte auch dieses taufen ließen.
Buch von der Gemeinde geschenkt werden. „Nachspielen“ des Buches: da es wegen ihrer zarten
Farbigkeit und den auf Distanz schwer zu erkennenden
Was wäre wenn ... – Imaginationsübung Strukturen schwierig ist, die Bilder des Buches für alle
Mit einer kleinen Gruppe von Kindern wird das Bilder- sichtbar zu machen, bietet es sich an, zumindest eini-
buch angeschaut. Entweder sucht die Leiterin zwei ge der Möglichkeiten als tatsächlichen Gegenstand
oder drei Motive aus oder jedes teilnehmende Kind mitzubringen (einfach sind z.B. Stein, Kaktus, Apfel).
darf sich selbst eines auswählen. An denen wird dann Zu dem jeweiligen Ding werden dann die Folgen be-
in Gedanken durchgespielt, was wäre, wenn ... ich eine schrieben, die es hätte, wenn Gott mich als ... gewollt
Schneeflocke wäre: ich falle ganz leise; ich bin ganz hätte. (siehe oben: Was wäre wenn).
leicht wie eine Feder; ich bin mit vielen anderen Gott wollte mich als Mensch – daraus kann Dank und
Schneeflocken zusammen, so dass Kinder einen Schnee- Bitte erwachsen: Dank für Fähigkeiten, wofür ein sin-
mann bauen oder Schlitten fahren können; wenn die nenhaftes Zeichen zum Altar gebracht werden kann
Sonne scheint, glitzere ich ganz hell, dann wird mir (ich kann gut Fußball spielen – Fußball; ich kann gut
warm und ich schmelze; als Wasser stille ich den Durst Vorlesen – Buch; usw.). Und die Bitte, vielleicht auch
von einem Schneeglöckchen, das dann endlich wach- mit stellvertretendem Zeichen, um z. B. menschen-
sen kann; usw. Diese Imaginationsübung kann auch würdiges Leben für alle. Als Lieder passen sehr gut sol-
Teil einer Traumreise oder eine Stille-Übung sein. che, die die Schönheit der Schöpfung besingen oder
von neuen geistlichen Liedern – die, welche Identität
Let’s paper! – Kreatives Tun und Geborgenheit thematisieren.
Für eine kreative Einheit bietet sich Papier hervorra-
gend an: Den Kindern werden eine große Anzahl ver- So ist es. Jetzt. Spannend.
schiedener Papierarten angeboten: Ton-, Transparent-, Dieser Schlusssatz, dem die Interpunktion eine ganz ei-
Geschenk-, Strohseiden-, Pergament-, liniertes Papier, gene Dynamik und Bedeutung verleiht, ist es wert, ei-
aber auch Küchenkrepp, Taschentücher oder Recycling- gens betrachtet zu werden. Die folgenden Gedanken
toilettenpapier usw. Anders als im Bilderbuch, auch können in einer Predigt oder in einem Kreis von Er-
kräftig bunte Papiere. Dazu Klebstoff, Scheren, Farben. wachsenen betrachtet bzw. ausgeführt werden.
Am Bilderbuch können die unterschiedlichen Tech- „So ist es.“ ist die deutsche Entsprechung des biblischen
niken gezeigt werden: Reißen und Schneiden, bündig Amen! Es ist Bestätigung und Bekräftigung des voraus-
oder überlappend Kleben, Akzentsetzung mit gezielt gegangenen Gebets oder Gotteswortes. Ja, es ist gut,
eingesetzter Farbe, Knittern usw. Die thematische Ge- dass Gott mich als Mensch wollte. Welch’ ein Funda-
staltung des Kunstwerkes kann völlig freigestellt wer- ment schafft es für einen – kleinen oder großen – Men-
den, das Bilderbuch kann ausliegen und als „Ideenlie- schen, dies von sich zu wissen! „Jetzt.“. Nicht irgend-
ferant“ dienen, oder aber es kann durch eine konkrete wann früher oder später, sondern hier und jetzt muss
Aufgabenstellung eingegrenzt werden. ich mein Leben leben, und Gott eröffnet mir alle Mög-
lichkeiten. Denn zum Schluss heißt es: „Spannend.“.
Gott sagte: Du wirst ein Mensch sein Ist es spannend für Gott zu sehen, was ich mit dem
Was bedeutet es, zu wissen, woher man kommt? Zu von ihm geschenkten Leben mache? Oder ist es span-
wissen, dass Gott mich so wollte, wie ich bin? Die Zu- nend für mich, alle Möglichkeiten zu haben und nun
sage, Gottes gewolltes und geliebtes Geschöpf zu sein, die Welt zu entdecken? Wahrscheinlich doch beides!
ist wohl eine der tiefsten und beglückendsten Wahr-
heiten des christlichen Glaubens. Dies kann und soll
auch immer wieder in die Feier des Glaubens, den Got- Astrid Frey ist Religionspädagogin, Kirchliche
tesdienst, einfließen. Einige Impulse für eine gottes- Büchereiassistentin, Bücherleiterin in Bühlertal
dienstliche Feier – mit Kindern, aber auch mit Eltern und Rezensentin des Borromäusvereins.
kleiner Kinder. Anlass hierfür kann z.B. die Einladung
46 3/2010

Der Internet-Tipp

Ansprechpartner der
borro medien gmbh
Die Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e.V. hat kürzlich ihren
Internetauftritt neu gestaltet. Unter http://www.akf-bonn.de informiert sie Zentrale
0228-7258-0
übersichtlich und knapp über ihr Angebot für Menschen, die in Ehe und Familie Fax 0228-7258-189
leben. E-Mail
info@borromedien.de
Neben einer kurzen Einführung zur AKF und ihrem Verständnis von Familienbil- Internet www.borromedien.de
dung ist das Online-Angebot in drei Abschnitte gegliedert. Der erste richtet sich Service-Nr.
0180-50/26776
direkt an Paare, Eltern und Familienangehörige. Neben Links zu anderen AKF-
(12 Cent/pro Min.)
Websites wie kirchlich-heiraten.info oder elternbriefe.de finden sich in den Ru-
Kundenservice:

briken „Ehe & Partnerschaft“, „Erziehung“ und „Familie“ Informationen zu EPL/ Martina Ackermann - 127
KEK-Gesprächtrainings und Kess-Erziehungskursen sowie Hinweise auf Publikati- Bonk
Corinna - 121
onen und Materialien, wie Familienkreise oder der Alltag im Zusammenleben Dingler
Melanie -131
mit Kindern gestaltet werden können. - 130
Klaudia Grunwald
Der zweite Abschnitt ist für Mitarbeiter/innen und Multiplikator/innen aus Fami- Maria Knieps - 200
lienbildung und -pastoral bestimmt. Er enthält unter „Pastoral & Bildung“ eine Lamann
Caroline - 133
Übersicht der Materialen und Angebote der AKF geordnet nach Themenbe-
Rita Susen - 134
reichen. Eine eigene Rubrik ist dem Schwerpunkt systemische Pastoral gewid- Oliver Kuller - 200
met. Eine Veranstaltungsübersicht fasst die Fachtagungen, Seminare, Aus- und
Weiterbildungen der AKF zusammen. Geschäftsführung
- 111
Die Service-Angebote bilden den dritten Abschnitt mit einer Übersicht der Pu-
blikationen, Faltblätter und Arbeitshilfen mit Bestellmöglichkeit sowie einer
Linkliste und dem Punkt „Aktuelles“.
www.akf-bonn.de

Impressum BiblioTheke – Zeitschrift für katholische Bücherei- und Medienarbeit

Herausgeber: Borromäusverein e.V. Bonn Redaktionsbeirat: geben nicht unbedingt die Meinung
Verlag: Borromäusverein, Dr. Gabriele Dreßing (Speyer) des Herausgebers wieder.
Wittelsbacherring 7–9, 53115 Bonn, Carolin Evers (Köln) Beilagenhinweis: Einem Teil der
Postanschrift: Postfach 1267, 53002 Bonn Lothar Ganter (Freiburg), Ausgabe liegen Informationen einzelner
ISSN 1864-1725; 24. Jahrgang 2010 Leoni Heister (Biebesheim), diözesaner Büchereifachstellen bei.
Preise: Einzelbezugspreis 5,80 E, Sylvia Kijas (Essen) Postanschrift der Redaktion:
Jahresabo inkl. Porto/Verpackung 20,- E; Horst Patenge (Mainz), Borromäusverein e.V., BiblioTheke,
für Katholische öffentliche Büchereien Gotthard Schier (Hildesheim), Wittelsbacherring 7–9, 53115 Bonn,
gelten besondere Bezugsbedingungen Gregor Lamers (Münster) Telefon 0228-7258-111, Fax 0228-7258-181,
Layout: Bernward Medien GmbH redaktionbit@borromaeusverein.de
Druck: Fischer Druck GmbH, Peine Redaktion: Rolf Pitsch (verantwortl.), Redaktionsschluss:
Herstellung: gedruckt auf säurefreiem Ulrike Fink 1. Februar, 1. Mai, 1. August, 1. November
und chlorfrei gebleichtem Papier Namentlich gekennzeichnete Artikel © Borromäusverein e.V. Bonn
3/2010 Diözesane Büchereifachstellen 47

Aachen Hildesheim Osnabrück


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Katechetischen Institut Büchereiarbeit im Bistum Hildesheim öffentliche Büchereien
Eupener Str. 132, 52066 Aachen Domhof 24, 31134 Hildesheim in der Diözese Osnabrück
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fachstelle@bistum-aachen.de Fax 05121-307-881 Tel. 05931-13410
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Berlin mechthild.roling@ewetel.net
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Bü­chereien im Erzbistum Berlin Generalvikariat Paderborn
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Fax 0651-7105-520
buechereiarbeit@bgv-trier.de
www.bistum-trier.de
48 3/2010

Gästebuch
Räume der Begegnung und des Gesprächs zu schaffen, wo personale und mediale
Kommunikation gelingen kann, gehört sicherlich zu den vordringlichsten Aufgaben
kirchlicher Arbeit.

Büchereipfarrer Hermann Josef Spital, in „Bausteine für eine lesende Kirche“ 1996.

Rundlauf