Sie sind auf Seite 1von 3

Schmerzpille Ibuprofen soll höheres Risiko als Morphium sein -- Ges... https://de.sott.net/article/31655-Schmerzpille-Ibuprofen-soll-hoheres-R...

Heilpraxisnet
So, 12 Nov 2017 17:35 UTC

© Gina Sanders/fotolia.com

Unterschätzte Schmerzmittel
Die meisten Menschen gehen davon aus, dass Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol
ungefährlich seien, weil sie frei verkäuflich sind. Der Palliativmediziner und Schmerzexperte
Sven Gottschling betonte:

"Viele Patienten schlucken ASS, Ibuprofen oder Diclofenac so unbekümmert wie


Smarties - viel zu oft und viel zu lang. Und keiner denkt an die langfristigen
Schäden. Es gibt Leute, die nehmen jahrzehntelang Ibuprofen gegen chronische
Gelenkschmerzen. Sie riskieren Magen- und Darmblutungen, Nierenschäden und
haben ein hohes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall", sagte der Facharzt
vom Zentrum für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie am Universitätsklinikum
des Saarlands gegenüber "Focus Online".

In seinem neuen Buch Schmerzlos werden: Warum so viele Menschen unnötig leiden und was
wirklich hilft zeigt der Mediziner, warum viele Therapien ins Leere laufen und zeigt auf, was
besser laufen könnte. Denn allein 4.000 Patienten sterben jährlich durch innere Blutungen
infolge von Schmerzmittelgebrauch. Das seien mehr Todesopfer als durch Verkehrsunfälle.

Leichtfertiger Umgang mit Medikamenten gefährlich


Bei Knieproblemen schnell eine Ibuprofen genommen, bei Kopfschmerzen eine Paracetamol
oder eine Aspirin, wenn man morgens schlecht aus dem Bett kommt. Laut Schätzungen
schlucken 3,8 Millionen Bundesbürger jährlich Schmerzmittel und ersparen sich so manchen
Gang zum Arzt. Doch so ein leichtfertiger Umgang mit vermeintlich harmlosen Mitteln kann
gefährlich sein. "Im Großen und Ganzen gehen die Deutschen mit Schmerzmitteln
verantwortungsvoll um", so Prof. Kay Brune von der Deutschen Schmerzgesellschaft
gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Trotzdem gibt es Missbrauch."

Entzündungshemmer mit einer Menge Komplikationen


Die rezeptfreien Medikamente werden von Vielen zu häufig eingenommen und ohne das

1 von 3 24.11.2017, 19:50


Schmerzpille Ibuprofen soll höheres Risiko als Morphium sein -- Ges... https://de.sott.net/article/31655-Schmerzpille-Ibuprofen-soll-hoheres-R...

Wissen, wie die Präparate wirken beziehungsweise wann ihr Einsatz sinnvoll ist.
Entzündungshemmende Schmerzmittel wie die Arzneistoffe ASS (Aspirin), Diclofenac und
Ibuprofen, die in jeder Apotheke ohne Rezept zu bekommen sind, sind am weitesten verbreitet.
Diesen Mitteln gemein ist, dass sie die Bildung von Schmerzbotenstoffen verhindern, Fieber
senken und Entzündungen entgegenwirken. "Entzündungshemmer werden am häufigsten
genommen, haben aber eine Menge Komplikationen", so Müller-Schwefe. Je nach Dosis
könnten sie das Risiko für einen Herzinfarkt oder Magenblutungen erhöhen. "Dass sie frei
verkäuflich sind, macht sie nicht zu harmlosen Medikamenten", so der Experte.

Mit zunehmendem Alter steigen die Risiken


Auch der Pharmakologe Brune sieht die Gefahren: "Die genannten Entzündungshemmer
unterdrücken das Warnsymptom Schmerz und behindern die Heilung." Dies geschehe, indem
sie eine Reihe von körpereigenen Schutzhormonen (Prostaglandine) hemmen. Müller-Schwefe
erklärt: "Die sind dazu da, zum Beispiel den Magen-Darm-Trakt, die Niere und das
Herzkreislaufsystem zu schützen." Er warnt: "Solche Medikamente verändern den Körper
nachhaltig. Man muss keine Panik machen, aber das sind keine Lutschbonbons." Die
schädlichen Wirkungen hängen laut Brune stark von Therapieform, Dosierung und Alter des
Patienten ab. Jüngere ohne Grunderkrankungen müssten sich keine Sorgen machen, wenn sie
ab und zu eine Tablette nehmen, doch mit zunehmendem Alter steigen die Risiken: "Leider sind
es die Älteren, die ihr tägliches Schmerzmittel brauchen, um mit den täglichen
Herausforderungen fertig zu werden."

Paracetamol wirkt giftig auf die Leber


Paracetamol wirkt nur im zentralen Nervensystem und nicht wie ASS, Ibuprofen oder
Diclofenac in den entzündlichen Bereichen. Das Medikament steht schon seit längerem in der
Kritik. "Es hat sich erst in den letzten Jahren herausgestellt, dass Paracetamol genauso wie
Ibuprofen oder Diclofenac die Bildung der Gewebeschutzstoffe behindert", so Brune. Daher
könne Paracetamol alle Probleme der sogenannten Prostaglandin-Synthesehemmer aufweisen.
Erschwerend komme hinzu, dass das Medikament giftig auf die Leber wirkt und daher niedrig
dosiert werden müsse. Gefährlich sei zudem, dass der Wirkstoff in zahlreichen
Kombinationsschmerzmitteln enthalten ist und somit weder für den Patienten noch für den Arzt
einfach zu erkennen sei, ob die empfohlene Tageshöchstdosis überschritten wurde. Da es laut
Brune daher leicht zu Überdosierungen kommen könne, sollten Patienten, die bereits
Leberschäden haben, stark untergewichtig sind oder chronische Muskelerkrankungen haben,
Paracetamol nicht einnehmen.

Medikamente mit Morphin auf Spezialrezepten


Weitere Schmerzmittel, die jedoch rezeptpflichtig sind, docken im gesamten Körper - im
Nervensystem, der Peripherie, an entzündetem Gewebe, im Rückenmark und im Gehirn - an
die Opiatrezeptoren an. Diese Medikamente dienen primär der Bekämpfung chronischer
Schmerzen, beispielsweise durch Krebs, nach schweren Unfällen oder wenn bei rheumatischen
Leiden andere Therapieformen keine ausreichende Wirkung bringen, erklärte Brune. Die
Wirkstoffe dieser Gruppe leiten sich vom Morphin ab. "Sie weisen eigene Probleme auf und
sind zu Recht nur auf Rezept, meist auf Spezialrezepten, zu erhalten. Ihr Suchtpotenzial ist
groß." Bei dem Gebrauch der Opiate könnten Atmungsstörungen, Übelkeit und Erbrechen,
Gewichtsverlust und einige mehr Beschwerden auftreten.

Antiepileptika und Antidepressiva


Auch Antiepileptika sind Schmerzmittel, welche an der Nervenzellenmembran stabilisierend
wirken. Diese kommen zum Einsatz, wenn der Schmerz nicht durch eine Gewebestörung
entsteht, sondern der Nerv fälschlicherweise Schmerzinformationen sendet, ohne dass eine

2 von 3 24.11.2017, 19:50


Schmerzpille Ibuprofen soll höheres Risiko als Morphium sein -- Ges... https://de.sott.net/article/31655-Schmerzpille-Ibuprofen-soll-hoheres-R...

Schädigung existiert. Wie Müller-Schwefe erläuterte, werden diese Mittel bei Infektionen,
Nervenverletzungen, aber auch bei Stoffwechselstörungen verwendet. Zu nennen wären auch
noch die sogenannten Koanalgetika, die gegen Schmerzen helfen, obwohl sie gar keine
Schmerzmittel sind. Ein Beispiel dafür sind Antidepressiva. "Sie wirken an den
Natriumionenkanälen und sind in der Lage, die Muskulatur zu entspannen", so der Experte.

Schmerzmittel nie ohne ärztlichen Rat einnehmen


Die gängigsten frei verkäuflichen Schmerzmittel unterscheiden sich oft in ihren verschiedenen
Nebenwirkungen oder auch darin, für wen sie besser oder schlechter geeignet sind. So
schädigen die einen den Magen-Darm-Trakt mehr als andere oder haben unterschiedliche
Auswirkungen auf die Blutgerinnung. Manche Mittel seien nicht bei Schwangerschaft oder für
unter 16-Jährige erlaubt und von anderen sollte man bei allergischer Veranlagung die Finger
lassen. Grundsätzlich gelte für alle rezeptfreien Schmerzmittel, sie nicht länger als drei Tage
hintereinander und nicht häufiger als zehnmal im Monat einzunehmen, rät Ursula Sellerberg
von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Es gilt, solche
Medikamente so selten und so niedrig dosiert wie möglich zu verwenden. Und der Präsident
der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, Gerhard Müller-Schwefe, meinte: "Auch
einfache Schmerzmittel sollte man nie ohne ärztlichen Rat nehmen. Es ist weit sinnvoller, erst
eine exakte Diagnose zu haben."

(sb, ad)

Kommentar:

Vorsicht: Die meisten Schmerzmittel bergen viele schwere Nebenwirkungen


Schmerzmittel Paracetamol senkt das Mitgefühl für andere Menschen
Weitere Studie zum Herzstillstands-Risiko: Forscher warnen vor höheren Dosen von
Ibuprofen
Ibuprofen & Co.: Schmerzmittel führen zu erhöhtem Risiko für Herzinsuffizienz
Erhebliche Herzinfarkt und Schlaganfall-Risiken durch Diclofenac (Voltaren, Aspirin,
Ibuprofen etc.)
Weitere beunruhigende Nebenwirkung: Schmerzmittel Paracetamol führt zu emotionaler
Abstumpfung
Gefährliches Schmerzmittel: Paracetamol während der Schwangerschaft erhöht Risiko für
Autismus
Akupunktur: Studie belegt neurale schmerzlindernde Wirkung
Durchbruch: Neues Schmerzmittel ist so potent wie Morphin und hat keine Nebenwirkungen
Raucher sind schwerer einzuschläfern: Mehr Betäubungs- und Schmerzmittel notwendig -
Was bedeutet das für die schlafenden Massen?

Like

Verwandte Artikel
Erschöpfung: Wenn uns das Immunsystem fertigmacht
Ist kalt duschen gesund? Die Vorteile von kalter Thermogenese
Training ohne Geräte - Die 10 besten Übungen

3 von 3 24.11.2017, 19:50