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Häufig gestellte Fragen zum Zölibat Startseite

Inhaltsverzeichnis
Häufig gestellte Fragen zum Zölibat Zölibatserfahrungen
00. Der Brief Paulus an die Galater aus 1. Hand
01. Einige Zitate zum Zölibat 01. Eve
02. Wie entstand dieser Text? 02. Ken
03. Wer lebt enthaltsam? 03. John
04. Gibt es eine zölibatäre Sichtweise? 04. Stuart
05. Einige andere Meinungen zum Zölibat 05. Cara
06. Wie sagst du anderen, dass du enthaltsam lebst? 06. Martin
07. Vorurteile über enthaltsam lebende Menschen 07. Jay
08. Was ist der Vorteil des Zölibats? 08. Karolee
09. Was sind die Nachteile des Zölibats? 09. Jason
10. Berühmte Menschen, die enthaltsam leben 10. Susan
11. Alternativen zum Sex 11. Kerry
12. Lasst uns über klebriges Zeug reden 12. Cecily
13. Bücher über das säkulare (weltliche) Zölibat 13. Rachel
14. Bücher über das christliche Zölibat 14. Phil
15. Andere Quellen 15. Matt
16. Schlussbemerkung 16. Stephen
17. Erica
18. Jude
19. Yamandu
20. Marie
21. Zoe

0. Der Brief Paulus an die Galater Top

Beginnen möchte ich mit einem Brief aus dem Neuen Testament der Bibel,
nämlich mit dem Brief Paulus an die Galater, den er um etwa 50 n.Chr.
schrieb. Dies soll zeigen, dass das Zölibat nicht nur im
Hinduismus/Buddhismus eine große Tradition hat, sondern auch im
Christentum.

Ermahnung und Warnungen


13-15
Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder; allein gebraucht nicht
die Freiheit zu einem Anlaß für das Fleisch, sondern durch die Liebe dient
einander. Denn das ganze Gesetz ist in einem Worte erfüllt, in dem: "Du
sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Wenn ihr aber einander beißt
und freßt, so seht zu, dass ihr nicht voneinander verzehrt werdet.
16-26
Ich sage aber: Wandelt im Geiste, und ihr werdet die Lust des Fleisches
nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber
wider das Fleisch; diese aber sind einander entgegengesetzt, auf dass ihr nicht
das tut, was ihr wollt. Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, so seid
ihr nicht unter (gegen das) Gesetz. Offenbar aber sind die Werke des
Fleisches, welche sind: Hurerei, Unreinigkeit, Ausschweifung, Götzendienst,
Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Sekten,
Neid, Totschlag, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, von denen ich euch
vorhersage, gleichwie ich auch vorhergesagt habe, dass, die solches tun, das
Reich Gottes nicht ererben werden. Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe,
Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut,
Enthaltsamkeit; wider solche gibt es kein Gesetz. Die aber des Christus sind,
haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten. Wenn wir
durch den Geist leben, so laßt uns auch durch den Geist wandeln. Laßt uns
nicht eitler Ehre geizig sein, indem wir einander herausfordern, einander
beneiden.

Quelle: Gal. 5, 13-26:

1. Einige Zitate zum Zölibat Top

Ich frage mich, woher die Lust kommt? Sollte man ihr nachgeben oder sie
überwinden? (The The)

Wir sprechen normalerweise vom Sexualtrieb. Muss dieser Sexualtrieb wie


der Hunger befriedigt werden oder sterben wir sonst? Es gibt keine Beweise
dafür, dass Zölibat in irgendeiner Weise schädlich für die Gesundheit ist. Es
ist bekannt, dass viele enthaltsam lebende Menschen ein langen und
glücklichen Leben führen. Das Zölibat sollte als alternativer sexueller
Lebensstil anerkannt werden, auch wenn er vielleicht nicht jedem behagt.
(Janet S. Hyde, Professorin der Psychology an der Universität Berkley in
Kalifornien)

Das Zölibat ist erblich. Wenn deine Eltern keinen Sex hatten, besteht die
Chance, dass du ebenfalls enthaltsam leben möchtest. (anonym)

Die Position ist würdelos, die Kosten ruinös und die Freude nur eine
momentane. (The Duke of Wellington)

Shopping ist besser als Sex. Zumindest können sie, wenn sie mit dem Einkauf
nicht zufrieden sind, die Waren anschliessend mit dem austauschen, was sie
wirklich mögen. (Adrienne Gusoff, Schriftsteller, New York)

2. Wie entstand dieser Text? Top

Diese FAQ (Englisch: FAQ = Frequently Asked Questions = häufig gestellte


Fragen) ist die Arbeit von Martin Poulter (Home Page) (E-mail). Sie wurde
von ihm in einschlägigen Newsgroups veröffentlicht, wann immer er es für
sinnvoll hielt, dies zu tun. Der Text ist in englischer Sprache auf der Webseite
http://www.glandscape.com/celibate.html zu finden. Der Text ist eine
Reaktion auf den Mangel an Information über das Zölibat außerhalb
religiöser Zusammenhänge im Internet und die im Internet weitverbreitete
(gelinde gesagt) antizölibatäre Voreingenommennheit.
Martin Poulter: Ich brauche Material für diese FAQ. Bitte senden Sie mir:

• Hinweise auf Zeitschriftenartikel über das Zölibat


• Zitate berühmter Persönlichkeiten über das Zölibat
• Eigene Erfahrungen mit dem Zölibat (Wenn du im Rahmen deiner
spirituellen Orientierung das Brahmacharya (Zölibat) praktizierst, so
würde ich mich freuen, wenn du uns von deinen persönlicher
Erfahrungen berichtest. Du kannst im Forum davon berichten, mir
eine private Nachricht schreiben (Private Message) oder deine
Erfahrungen in mein Gästebuch eintragen. Ich nehme sie gerne in
diese Webseite mit auf.)
• Hinweise auf Diskussionsforen, wo über das Zölibat diskutiert wird
• Namen berühmter Menschen, die zölibatär lebten (zitieren sie
Beweise)
• Zölibatäre Handelsartikel(?!) (Wir sind auf der Suche nach einem
Ohrring oder Abzeichen, dass darauf hinweist, dass wir enthaltsam
leben, um sich so von den lüsternen Menschen bei Parties und anderen
Gelegenheiten zu schützen.)

3. Wer lebt enthaltsam? Top

Ein zölibatär lebender Mensch verzichtet freiwillig auf Sex. Lebst du


unfreiwillig zölibatär, dann gibt es eine eigene Webseite für deine
Zwangslage. Lies aber trotzdem weiter. Oft, wenn jemand eine bewusste
Entscheidung für das Zölibat trifft, geschieht es aus einem religiösen Motiv
heraus. Aber es gibt auch viele andere Gründe dies zu tun.

• Es gibt Menschen, die glauben, dass Sex nur in der Ehe geschehen
sollte. Dieses könnte aus religiösen Gründen oder aus einem
Bedürfnis nach Sicherheit heraus geschehen.

• Die nächste Gruppe sind die Mönche, Nonnen, Priester und religiösen
Menschen, für die das Zölibat Teil ihres spirituellen Weges ist.

• Dann gibt es Opfer von sexuellem Missbrauch, für die der Sex zu sehr
emotional geladen ist.

• Dann gibt es Menschen mit einem schwachen Sexualtrieb. Sie


schenken der Sexualität keine große Aufmerksamkeit. Zu dieser
Gruppe zählen Menschen, die sich gern mit anderen Menschen
treffen, die gern emotionale Beziehungen haben und die sogar
heiraten, aber die keinen Sex möchten. In einigen Teilen der USA,
wird diese Art der Beziehung als "Lover Lite" oder "Platonic Plus"
bezeichnet. Mit der Zunahme von AIDS und mit wachsendem
Selbstbewusstsein der Frauen, auch einmal "Nein" zum Sex zu sagen,
nimmt diese Gruppe immer mehr zu. Die Zahl der Menschen mit
einem geringen Interesse an Sex ist wesentlich größer als man denkt,
die es oftmals aber aufgrund des sozialen Drucks nicht zugeben. In
einer Umfrage unter Frauen in England im Jahr 1999 behaupteten fast
20% der Frauen kein Interesse am Sex zu haben. Eine große Umfrage
die 1992 im JAMA (Journal der American Medical Association)
publiziert wurde, berichtet, dass 15% der Männer im Alter zwischen
18-59 und 30% der Frauen einen niedrigen Sexualtrieb haben (Quelle:
JAMA, February 10, 1999- Vol. 281, No. 6. [ Online hier]. Lies auch
den Salon Magazine Artikel (dieser Link).

• Einige Menschen mit einer starken sexuellen Veranlagung , leben


absichtlich zeitweise enthaltsam, mit der Vorstellung, dass die
Enthaltsamkeit den Sex um so schöner macht.

• Es gibt Feministinnen, die jeden Sex als Vergewaltigung betrachten


und die das Zölibat als Ausdruck der Unabhängigkeit und Autonomie
ansehen.

• Es gibt einige Menschen, die Geschlechterrollen, einschließlich der


sexueller Rollen, vollständig ablehnen.

• Mir ist aufgefallen, dass es verschiedene Männer (und Frauen) gibt,


die enthaltsam leben, weil sie zur Zeit keinen Partner haben.Diese
Männer sind "Jungs" die so tun, als seien sie die "neuen Männer".
Raus aus dem Pool, ihr Knalltüten!

Zusammenfassend lässt sich sagen, es gibt zwei Hauptgründe für das


freiwillige Zölibat. Es gibt negative Gründe, einschließlich der sexuellen
Enttäuschung, dem Mangel an Sexualtrieb, aber auch medizinische und
emotionale Gründe. Für diejenigen mit speziellen medizinischen Problemen,
gibt es eine eigene Website, der Medical Celibates Network (Medizinisches
Zölibat Netzwerk). Es gibt auch positive Gründe, wie mehr Aufrichtigkeit,
eine stärkere und weniger flüchtigere Beziehung, sowie spiritueller
Fortschritt, der die Sublimation hormoneller Energien in höhere spirituelle
Erfahrungen anstrebt. Allgemein wird oft geglaubt, dass die Menschen auf
den Sex verzichten, weil sie sexuell unterdrückt sind oder ein tiefsitzendes
Problem haben. Aber dies ist ein unglückliches Vorurteil. Meine eigene
Erfahrung und mein Kontakt mit Dutzenden von anderen zölibatär lebenden
Menschen haben mir gezeigt, dass zölibatär lebende Menschen weitaus
glücklicher, ausgeglichener und zufriedener sind, als nach diesem Vorurteil
zu erwarten wäre.

Das folgende stammt aus dem Buch "The girls of Gen X" von der
amerikanischen Schriftstellerin Barbara Dafoe Whitehead (1. Januar 1998):

Laut der Psychologin Joanna Gutmann, einer Beraterin an der


University von Chicago, sind ungeschlechtliche Beziehungen immer
häufiger anzutreffen. Männer und Frauen der Generation X teilen sich
das Bett, ohne jemals Sex miteinander zu haben. Oder sie beginnen mit
einer sexuellen Beziehung und gehen dann allmählich, zum Wohl des
gemeinsamen Miteinanders, zu einer gemütlichen, ungeschlechtlichen
Beziehung über. Leidenschaftliche, romantische Liebe zwischen jungen
Männern und Frauen wird immer seltener, sagt Gutmann.
Anmerkung Übersetzeri: Das letztere mag ich nicht so recht glauben, nämlich
dass die leidenschaftlichen Beziehungen zwischen jungen Männern und
Frauen immer seltener werden. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass
manche Paare sich nach einigen Jahren überlegen, enthaltsam zu leben. Wenn
dies geschieht, um die sexuellen Energien für den spirituellen Fortschritt zu
nutzen, dann habe ich dafür sehr großes Verständnis. Ende Anmerkung.

4. Gibt es eine zölibatäre Sichtweise? Top

Die westliche Gesellschaft ist durchgehend heterosexuell orientiert. Dieses


Bild vermittelt uns die Botschaft, dass die Qualität im Leben eines Mannes,
sehr von der Qualität der Frau abhängt, die er zur Partnerin erwählt und
umgekehrt. Lebt man dagegen zölibatär, schwul oder lesbisch, dann lebt man
außerhalb dieser Bedingungen. Man begegnet daher oft der weitverbreiteten
Vorstellung, dass mit den Menschen, die sich für das Zölibat entscheiden,
etwas nicht stimmen kann oder dass sie Sex als schmutzig betrachten. Will
man sich also als zölibatär lebender Mensch ausdrücken, so ist man damit
einem großen öffentlichen Druck ausgesetzt. Während einige Menschen das
Zölibat lieber innerhalb einer sozialen Gruppe, besonders in einem religiösen
Zusammenhang, praktizieren, nutzen andere das Zölibat als Ausdruck von
Individualität und Unabhängigkeit.

Eine Verbindung zwischen Zölibat und Exzentrizität wird in David Weeks


und Jamie James' Buch "Eccentrics" (Exzentriker) vorgeschlagen, eine Studie
über die geistige Gesundheit und Fremdheit:

"Exzentriker sind in der Regel freundliche Menschen. Sie sind froh


darüber, wenn sie ihr Steckenpferd mit jemandem teilen können, der
dieselben Interessen hat. Sie sind von Natur aus Individualisten und
finden es manchmal schwierig, mit anderen intim zu sein. Dennoch
pflegen die meisten von ihnen die Romantik, und wenn es so kommt,
dann sind sie Hals über Kopf verliebt. Aber wenn die erste
Begeisterung schwindet, dann fällt es ihnen schwer, die Beziehung
weiter aufrecht zu halten. Wir haben aber auch festgestellt, dass eine
ziemlich große Anzahl dieser modernen Individualisten scheinbar kein
besonderes Interesse am Sex hat. Einzelgänger wie Anita, die
Künstlerin, haben das Zölibat gewählt und scheinen mit dieser
Lebensweise sehr zufrieden zu sein."

5. Einige andere Meinungen zum Zölibat Top

Im Folgenden finden sie Auszüge aus meiner Seite First-hand accounts of


sexual abstinence (Aus erster Hand bezogene Erfahrungen mit der sexuellen
Enthaltsamkeit. Dort berichten Menschen von ihren Erfahrungen mit dem
Zölibat.) Diese Erfahrungen sind eine sehr interessante Lektüre.

"Ich hatte mit den Vorurteilen anderer Menschen zu kämpfen, als ich
meine Vorliebe zur Enthaltsamkeit erwähnte. Denn es schmerzte mich,
wenn andere Menschen davon ausgingen, dass ich psychisch krank bin.
Entschuldige, aber es schmerzte mich genau so, als ob ich meine Hand
auf eine brennende Herdplatte gelegt hatte. Es war allerdings ein
psychischer Schmerz. Dieses Gefühl war natürlich nicht vorhanden,
wenn ich diesen Leuten aus dem Weg ging. Sie rieten mir, eine
Therapie zu machen. Warum? Sie sagten, wenn erst einmal der
sexuelle Antrieb da wäre, würde ich medizinische Hilfe gegen meine
Schmerzen bekommen. Aber ich hatte kein Verlangen und keine
Schmerzen. Ich vermute, sie meinten, es wäre gut für mich, wenn ich
eine Hormontherapie für den Trieb bekäme. Aber mein Gott, meine
Freunde bekamen keinen Termin und waren ganz verzweifelt. Will ich
aber wirklich so sein wie sie?"

"Sex wird furchtbar überschätzt. Er ist banaler als viele Leute glauben.
Die "Lösung", die "Heilung", von dieser Banalität, besteht für manche
Leute darin, im ständigen Wechsel neue Partner zu finden, um das
"Flitterwochen-Gefühl" wieder und wieder zu erleben. Es erscheint mir
als unmoralisch, gefährlich und traurig, im Sex etwas zu suchen, was
nie dagewesen ist."

"Ich sehe eine große Voreingenommenheit, die die Gesellschaft mit


dem Sex hat. Er ist überall, in der Werbung, usw.. Als Gesellschaft
legen wir viel Energie in die Sexualität. Ich gehöre zwar einer
Minderheit an, aber der Sex erscheint mir wie eine Verschwendung, er
erscheint mit langweilig. Zu welchem Zweck soll der Sex gut sein? Er
ist ein vorübergehendes Vergnügen, das bereits nach einigen Minuten
vorbei ist. Es muss sinnvollere Wege geben, um miteinander
umzugehen. Ich möchte lieber am Aufbau besserer Freundschaften
arbeiten."

"Soziale Ironie: Ich bin in der Lage, mich hübschen Frauen viel freier
zu nähern, denn ich habe keine Absichten. Ich begebe mich, offen
gesagt, in soziale Umstände, die ich normalerweise vermeiden würde,
denn die umgewandelte sexuelle Energie, verleiht mir den Mut, dies zu
tun."

"Es ist eine enorme Freiheit, nicht auf der Liebe/Sex-Achterbahn zu


reiten. Ich habe sehr ernste berufliche Ziele, die eine Menge Energie,
Konzentration und Zeit in Anspruch nehmen. Das letzte was ich will,
ist meine Freizeit damit zu verbringen, irgendeinem Witzbold in einer
Bar zuzuhören, wenn er weitschweifend über
BlablaSexblablaSexblablaSexblabla redet. - Igitt!"

6. Wie sagst du anderen, dass du enthaltsam lebst? Top

"Ich habe keine erotische Veranlagung."


"Ich bin kein Mitglied der Sexual-Gewerkschaft."
"Ich bin nicht im Vagina-Business." (Zitat aus dem Film "Peter's Friends")
"Ich habe nicht die Absicht, meine Säfte zu entfesseln."

7. Vorurteile über enthaltsam lebende Menschen Top

Im Kampf um die Akzeptanz in der modernen westlichen Gesellschaft,


mussten Homosexuelle gegen die öffentliche Meinung ankämpfen, dass sie
die sexuelle Einstellung der Menschen verändern wollten und dass sie
Pädophile sind (Pädophilie bezeichnet die sexuelle Orientierung auf Kinder),
die die kleinen Kinder "umpolen" wollen. Auch Transvestiten (Unter
Transvestitismus wird das Tragen der Bekleidung des anderen Geschlechts
als Ausdruck der eigenen Geschlechtsidentität verstanden.) hatten mit der
falschen Annahme zu kämpfen, dass sie homosexuell sind. Menschen mit
einer Neigung zum Sadomasochismus, wurden oft als potentielle
Vergewaltiger betrachtet.

Im Vergleich zu der Behandlung, mit der die oben genannten Minderheiten


zu tun hatten, gibt es zwar keine Verfolgung von zölibatär lebenden
Menschen, aber es gibt in der Bevölkerung immer noch Vorurteile, die vor
allen Dingen darauf zurückzuführen sind, dass die Mehrheit der freiwillig
enthaltsam lebenden Menschen sehr ruhig ist. Darum ist das einzige, was die
Menschen über zölibatär lebende Menschen zu hören bekommen, oftmals
das, was sich im Rahmen der Religion oder der sexuellen Unterdrückung
bewegt. Wir, die zölibatär lebenden Menschen, wären sehr froh, wenn andere
Menschen von den folgenden Vorurteilen frei wären.

• Manche Menschen glauben, wenn man keine Gefühle der sexuellen


Lust verspürt, dann sind auch andere emotionale Gefühle nicht
vorhanden. Darum kommen sie zu der Überzeugung, dass enthaltsam
lebende Menschen unfähig zu Liebe und Zuneigung sind und dass sie
auch sonst keinerlei Spass empfinden können. Dies ist aus der
zölibatären Sichtweise bizarr, weil viele der enthaltsam lebenden
Menschen, das Zölibat praktizieren, um das emotionale Leben zu
bereichern, indem sie ihre sexuelle Energie zur Bereicherung der
Lebensfreude nutzen.

• In einigen Fällen sagen Menschen, sie hätten gehört, dass jemand auf
Empfehlung eines Arztes oder Psychiaters das Zölibat gewählt hätte.
Dies ist ein großes Missverständnis. Die Menschen gehen zum Arzt,
weil sie krank sind, nicht weil sie ungewöhnlich oder anders sind.

• Wie wir gesehen haben, leben einige Menschen enthaltsam, weil sie
eine besondere Art der Beziehung wünschen. Andere wiederum leben
lieber allein. Wenn du einen Freund hast, der enthaltsam lebt und
keine Beziehung hat, dann ist es eine gute Idee, herauszufinden, was
er für ein Mensch ist. Diejenigen, die gerne alleine leben, werden
nicht unbedingt begeistert davon sein, wenn du sie aus Mitleid mit
jemandem verkuppeln möchtest. Derjenige, der auf Sex verzichtet,
wird sich außerdem vielleicht ein wenig isoliert fühlen, wenn alle
Leute um ihn herum, eine andere Vorstellung von der Sexualität
haben.

• Wenn dir jemand erzählt, dass er enthaltsam lebt, dann wird er dir
sicherlich nicht alle persönlichen Dinge von sich selbst erzählen. Es
ist vielleicht keine gute Idee, ihn unmittelbar zu fragen, ob er
stattdessen häufig masturbiert. Die Antwort darauf ist, dass manche
masturbieren und manche nicht. Anmerkung zur Masturbation: Wenn
jemand masturbiert, dann würde ich ihn persönlich nicht unbedingt als
zölibatär lebenden Menschen bezeichnen. Ende Anmerkung.

8. Was ist der Vorteil des Zölibats? Top

• Eine ganze Menge Sorgen, fallen von dir ab. Du brauchst nicht mehr
über Empfängnisverhütung nachzudenken, über ihre körperliche
Verträglichkeit, über Geschlechtskrankheiten, Impotenz und Frigidität
und über bizarre sexuelle Verletzungen. Du brauchst nicht mehr zu
schwelgen, wie gut dein Partner im Bett ist, ob er dir treu ist. Du
brauchst auch nicht mehr darüber nachzudenken, wie man das
Knarren des Bettes beseitigt oder wer auf der feuchten Seite des
Bettes schläft. Die Frage, ob du dich intim rasieren solltest oder nicht,
entfällt. Unabhängig davon, ob du genügend Stellungen kennst oder
ob du weisst, wie man am besten einen Orgasmus vortäuscht,
entfallen die Experimente, welches Aroma welches Kondom hat. Dies
erspart dem Gehirn eine ganze Menge Arbeit.
• Die enorme Menge an Zeit und Mühe, die andere Menschen
investieren, um mit jemandem Sex zu haben, wird frei für andere
Dinge. Man hängt nicht mehr in verschwitzten Nachtklubs herum und
sucht nicht mehr in den Artikeln der Lifestyl Magazine nach den
neuesten und cleversten Tips, jemanden aufzugabeln. Man zwängt
sich nicht mehr in Stringtangas oder teurer Markenunterwäsche und
macht sich keine Gedanken mehr darüber, wie man angemessen
seinen BH (Büstenhalter) oder seine Unterhose auspolstert. Du wirst
zu keiner langweiligen Party mehr gehen, nur weil dort jemand ist, auf
den du scharf bist.
• Die Menschen, mit denen du redest, werden wissen, dass du nicht an
ihrem Körper interessiert bist.
• Wenn du keinen Sex hast, kannst du auch kein sexuelles Disaster
erleben. Du wirst keinen dieser peinlichen Momente mehr erleben,
wenn es dir z.B. nicht gelingt, ihr den BH zu öffnen oder dich von
deinen Fesselspielen zu befreien. Du wirst dich nicht mehr am
Nachttisch stoßen, wenn deine Eltern früher als erwartet nach Hause
kommen. Es wird dir erspart bleiben, deine Partnerin überall mit
Erdnusscreme einzuschmieren und dich dann daran zu erinnern, dass
du ja eigentlich keine Erdnusscreme magst. Und wenn du am Morgen
aufwachst, wirst du nicht mehr feststellen, wie verblüffend hässlich
eigentlich deine Partnerin ist. Es wird dir auch nicht mehr geschehen,
dass du am Morgen aufwachst und ihren Namen oder ihr Geschlecht
vergessen hast.
• Du wirst eine Menge Geld sparen. Wieviel Geld du einsparen wirst,
hängt davon ab, welche Priorität du dem Sex zugestanden hast.
• Niemand wird dich mehr mit eindeutigen Fotos erpressen können.
James Bond wäre viel effektiver, wenn er enthaltsam leben würde,
denn dann sind attraktive feindliche Agentinnen nicht in der Lage, ihn
zu verführen oder ihn gefangen zu nehmen.
• Ich glaube zwar nicht an Gott, aber es gibt eine Menge Leute, die
glauben, dass Gott dir wohlwollender zuschaut, wenn du enthaltsam
lebst und den Geschlechtsverkehr vermeidest. Erinnere dich: "Jeder
Samen ist heilig. Jeder Samen ist ein Geschenk Gottes. Wenn du
deinen Samen verschwendest, wird Gott sehr zornig." Das Zölibat
wird zu einem größeren Frieden und zu größerer Spiritualität
beitragen, wenn es im richtigen Zusammenhang praktiziert wird.
• Bist du eine Frau, so verringert das Zölibat deutlich die Chanche einer
Schwangerschaft.
• Du hast Energiereserven, die du für sinnvollere Dinge nutzen kannst.
Das Leben bekommt eine sinnvollere Perspektive, wenn es nicht mehr
von der Suche nach einem Sexpartner beherrscht wird.
• Wenn deine Erotik spontan in Flammen steht, nimm niemand mit
nach Haus.

9. Was sind die Nachteile des Zölibats? Top

• Du hast keinen Sex.


• Cliff Richard (lebt ebenfalls enthaltsam) ist dein Vorbild.

10. Berühmte Menschen, die enthaltsam leben. Top

• Der Papst - OK, ich nenne nicht die frommen.

• Stephen Fry, der britische Schauspieler, Komiker, Schriftsteller,


Kritiker, Sänger und Taxifahrer, war für mehrere Jahre der
prominenteste Brite, der enthaltsam lebte, obwohl er inzwischen die
angeblichen Freuden der lüsternen Fleischeslust wiederentdeckt haben
soll.

• Isaac Newton, der englische Physiker, Mathematiker, Astronom und


Philosoph, der die Gravitationsgesetze (Erdanziehung) entdeckte und
damit den Grundstein für die klassische Mechanik legte, von dem
einige sagen, er sei einer der größten Wissenschaftler, lebte sein
ganzes Leben lang enthaltsam. Er machte sich wegen seiner Kritik an
der christlichen Trinitätslehre sehr unbeliebt. Die Trinitätslehre, auch
als Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit bezeichnet, ist in der christlichen
Theologie die Einheit der drei Personen des göttlichen Wesens: Gott
Vater, Gottes Sohn (Jesus Christus) und der heilige Geist. Aber lassen
sie uns weiter sehen.

• Cliff "Rote Lippen soll man küssen" Richard ist ein Popstar, der sich
zugunsten der sexuellen Enthaltsamkeit ausgesprochen hat. Er wurde
am 14. Oktober 1940 in Indien als Harry Rodger Webb geboren und
ist demzufolge mittlerweile (2007) 67 Jahre alt. Er war nie verheiratet
und sagte: "Ich habe keine besonders überwältigenden sexuellen
Triebe oder Bedürfnisse. Wir sind alle Menschen, aber ich habe nicht
das Gefühl, ich müsste mein Leben für sexuelle Freuden mit
irgendjemandem teilen. Aber ist das nicht ein großer Segen für mich?
Ich halte Sex für wichtig, aber sie ist keine Kraft, die mich auf
irgendeine Art und Weise zerstören könnte. Ich habe sie völlig unter
meiner Kontrolle."

Cliff Richard wurde, wie viele enthaltsame Menschen zum Vegetarier


und nimmt nur eine Mahlzeit pro Tag zu sich. Es glaubt an einen
asketischen, christlich orientierten Lebensstil, der ihn in die Lage
versetzt hat, nahezu fünf Jahrzehnte an der Spitze der Rockmusik zu
bleiben, während andere, die in den fünfziger Jahren Stars waren, sich
längst verausgabt haben. 2001 brachte er die erste Ernte seines
Weinguts in Portugal auf den Markt. Der Rotwein heißt Vida Nova
und ist mittlerweile auch als Rosé erhältlich. Dieser Wein hat kürzlich
die Bronze-Medaille beim "International Wine Challenge" in London
bekommen - ausgewählt aus über 9.000 Weinen. Alle Weine wurden
von Experten blind getestet. Nebenbei verkauft Cliff Richard sein
eigenes Parfum namens "Devil Woman". Während der kalten
Jahreszeit verweilt der Sänger gerne in seiner Villa auf der Insel
Barbados (nördlich von Venezuela, Südamerika), die er schon dem
ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair im Urlaub zur
Verfügung stellte. Er wurde als erster Popstar von Königin Elisabeth
II. zum Ritter geschlagen.

• Irma Kurtz, die Briefkastentante, die "Frau Doktor Sommer" des


amerikanischen Frauen- und Lifestylmagazins "Cosmopolitan", die
für den Weltschmerz verantwortlich ist und den vielen kleinen und
großen Mißverständnissen im Umgang der Geschlechter mit Witz und
Biß auf den Grund geht, lebte viele Jahre ohne Reue enthaltsam.
Vielleicht kann ein Cosmopolitan-Leser mich mit weiteren
Besonderheiten vertraut machen.

• Die französische Anarchistin, Philosophin und Mystikerin Simone


Weil, die im spanischen Bürgerkrieg (1936 - 1939) auf der Seite der
Anarcho-Syndikalisten kämpfte, war eine der bekanntesten politischen
Denkerinnen des 20. Jahrhunderts und sie lebte, wie jeder weiß, eine
Leben lang enthaltsam.

• Gerüchten zufolge, soll auch der niederländische Theologe und


Philosoph Baruch Spinoza, der einer der radikalsten Philosophen der
frühen Neuzeit und einer der Begründer der modernen Bibelkritik
war, ein lebenslanges Zölibat praktiziert haben.

• Dr. Temple Grandin, Dozentin für Tierwissenschaften an der


Colorado State University in Fort Collins, deren Mitgefühl mit Tieren
dazu geführt hat, dass humane Tierhaltungsmethoden entwickelt
wurden, lebte freiwillig enthaltsam. Da Temple Grandin, die Autistin
war, in ihrer Kindheit körperliche Nähe kaum ertragen konnte,
kombinierte sie eigene Kindheitserfahrungen mit den von ihr
entwickelten Tierhaltungs-Methoden und baute zunächst für sich
selbst eine spezielle, bettähnliche „Berührungsmaschine“. Diese
Maschine half ihr zunächst selbst, Berührungsängste zu vermindern
und wird heute auch bei anderen Autisten zu diesem Zweck
eingesetzt.

• Stevie Smith, britische Dichterin und Schriftstellerin, lebte, nachdem


sie in der Jugend Romatik und Sex ausprobiert und abgelehnt hatte,
ein Leben lang enthaltsam. Sie war sehr kritisch gegenüber jenen, die
dachten, dass ihr Leben emotional verarmt sein müsste, weil sie keine
sexuellen Beziehungen hatte und betonte die tiefe ihrer
Freundschaften, speziell ihre Verbundenheit mit der Tante, mit der sie
zusammen lebte.

• William Pitt der Jüngere (1759 - 1806), der legendäre britische


Premierminister, der sich dafür einsetzte, den Sklavenhandel
abzuschaffen und der auch als Inhaber der höchsten Ämter nie daran
dachte, ein Vermögen zu sammeln, starb als Jungfrau. Dies wird von
Historikern bestätigt.

• Nikola Tesla, der 1856 im österreichischen Kaisertum (heute


Kroatien) geboren wurde und der 1884 nach New York übersiedelte,
der den zweiphasigen elektrischen Generator erfand, der letztlich dem
Wechselstrom, der heute überall angewendet wird, zum weltweiten
Siegeszug verhalf, lebte ebenfalls im Zölibat.

• Die amerikanische Sängerin und Schauspielerin Carole Channing, die


als Star des Broadway-Musicals "Hello Dolly" berühmt wurde, lebt
mit ihrem EhemannCharles Lowe seit 41 Jahren enthaltsam.

• Der britische Sänger, Poplyriker, Vegetarier und ehemaliges Mitglied


der erfogreichen Band "The Smiths", Morrissey (Steven Patrick
Morrissey), lebt seit vielen Jahren enthaltsam.

• Professor Godfrey Harold Hardy (1877 - 1947), ein bekennender


Atheist und englischer Mathematiker des zwanzigsten Jahrhunderts,
der zahlreiche Beiträge zur Zahlentheorie lieferte und der Mitverfasser
der berühmten Hardy-Weinberg-Regel der Populationsgenetik ist, die
die Erforschung der Verteilung von Genfrequenzen (die genetische
Vielfalt) untersucht, lebte ebenfalls zölibatär. Schon im Alter von
zwei Jahren schrieb er Zahlen bis in den Millionen-Bereich auf und
beim Kirchgang beschäftigte er sich mit der Faktorzerlegung der
Gesangbuchsnummern. Er war auch der Mentor (väterlicher Freund)
des legendären indischen Mathematik-Wunderkindes Srinivasa
Ramanujan, durch den u.a. die Kreiszahl π (Pi) = 3,14159... bekannt
wurde, der vermutlich auch ein Leben lang im Zölibat lebte.

• Der ungarische Freidenker Paul Erdös war einer der bedeutensten


Mathematiker des 20. Jahrhunderts, der sich bereits als 17jähriger in
die Universität einschrieb und vier Jahre später den Doktortitel
bekam. Er beteiligte sich an mehr als 20.000 Artikeln. 1938 nahm er
seine erste amerikanische Position in Priceton ein, die er aber nicht
lange hielt, da ihn die Institutsleitung von Princeton für „eigentümlich
und unkonventionell“ hielt. Danach hatte er nie ein Zuhause und einen
Job. So begann er die Gewohnheit zu entwickeln, von Campus zu
Campus zu reisen. Er hielt es nie lange an einem Ort aus und reiste bis
zu seinem Tode zwischen mathematischen Instituten hin und her.
Dabei verlies er sich auf die Gastfreundschaft anderer Mathematiker,
mit denen er zusammenarbeitete und auf das Geld, welches er durch
Konferenzen verdiente. Paul Erdös führte ein einfaches und
zölibatäres Leben für die Mathematik. Mit den Preisgeldern, die er
gewann, unterstützte er begabte Studenten, spendete oder setzte sie als
Preisgelder für schwierige Aufgaben aus. Siehe "The Man Who Loved
Only Numbers" (Der Mann, der nur Zahlen liebte.) von Paul Hoffman
(Hyperion, 1998).

• Der berühmte spanische Architekt Antonio Gaudi (1852 - 1926), der


durch die römisch-katholische Basilika (Kirche) "Segrada Familia" in
Barcelona bekannt ist, sagte, dass er nie Sex hatte.

• Der amerikanische Sänger, Gitarrist (Leadgitarre, Mundharmonika,


Piano, Harfe) und Komponist Alan Christie Wilson, der vor allem als
Gründungsmitglied der Blues-Rockband "Canned Heat" (On the road
again) bekannt war, entschied sich, nach den Angaben seines
bevollmächtigten Biographen Radha Krisna, im späteren Teil seines
Lebens für das Zölibat. Die Gründe dafür scheinen eine Mischung aus
medizinischen, spirituellen und Erfahrungen aus der Kindheit zu sein.
Wilston starb im Alter von 27 Jahren.

• Die englische Schriftstellerin Beryl Bainbridge verzichtete mit 56


Jahren auf Männer, da ihr eine körperliche Beziehung zu einem Mann
nicht mehr würdevoll erschien. Ausserdem sei ihr Leben zu voll mit
anderen Dingen, wie Kinder, Schreiben und Freunde angefüllt, hieß es
am 1. Dezember 1998 in einem Artikel der britischen Zeitung "Daily
Mail".

11. Alternativen zum Sex Top

Es gibt einen großen Nachteil für das Zölibat, der beachtet werden sollte:
Menschen suchen nach Sex, um die Sinne zu befriedigen, um etwas Anderes,
etwas Verbotenes zu tun. Sie berauschen sich am Adrenalinkick und am
Gefühl frech oder unanständig zu sein. Um ein zölibatäres Leben zu führen,
musst du einen zuverlässigen Weg finden, dieses Gefühl zu entwickeln.
Tanzen, Yoga und gefährliche Sportarten sind körperlich und beglückend.
Eine weniger offensichtliche Möglichkeit besteht darin, sich einmal im Monat
den Bauch mit Cocktails und Vanilleeis mit Karamellsauce vollzuschlagen.
Schlemme aber nicht zu üppig und mach hinterher ein wenig Bungee-
Jumping um die Kalorien wieder loszuwerden. Alles, was dich aus der
Routine herausholt und dir das Gefühl gibt, lebendig zu sein, ist eine gute
Idee. Ein anderes Beispiel ist ein langes Bad. Setze dich in ein warmes und
wohlduftendes Kräuterbad (Eukalyptus, Lavendel, Rosmarin, Rosen, Jasmin
Salbei, u.a.) und und entspanne dich bei deiner Lieblingsmusik. Hin und
wieder eine würzige Bloody Mary (Longdrink: Wodka mit Tomatensaft) zu
trinken, ist eine andere Art, der Routine zu entfliehen.

Die moderne Kultur erwartet von uns, dass wir alles, was wir in der
Öffentlichkeit tun, mit einer tristen Routine tun. Auch darum benutzen die
Menschen den Sex, um aus dieser Routine auszubrechen. Wir sollten
erkennen, dass es nicht der Wahrheit entspricht, dass nur der Sex dieses
Hochgefühl, diese Lebendigkeit, erzeugen kann. Eine andere Möglichkeit,
das Leben interessant zu machen, ist, Kontakt mit anderen Menschen zu
haben. Normalerweise sollte man die Intimsphäre anderer Menschen
beachten. Solch eine emotionale Distanz bringt aber auch Nachteile mit sich
und einige zölibatär lebende Menschen meines Bekanntenkreises, empfinden
das als Nachteil in ihrer Situation. Es gibt die soziale Erwartung, dass du,
wenn du jemanden etwas länger liebevoll berührst, mit ihm Sex haben
möchtest. Umgekehrt besteht die Vorstellung, dass du dann, wenn du ihn
nicht berühst, nicht mit ihm intim sein möchtest.

Wie kann man eine freundschaftliche Beziehung herstellen? Dies ist eine
schwierige Frage und ich möchte nicht behaupten, dass ich Experte auf
diesem Gebiet bin, aber der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass man
dabei bedenken sollte, dass der Mensch einer liebevollen Umarmung
eigentlich nicht abgeneigt ist. Ich bin ein wenig skeptisch, wenn jemand sagt,
er mag es nicht. Von vielen Menschen habe ich gehört, dass sie gerne
enthaltsam leben, aber manch einer von ihnen sehnt sich doch nach
emotionaler Zuwendung. Du tust also keine unerhörte Sache, sondern
vielleicht sogar etwas Gutes, wenn du jemanden, der dich lange genug kennt,
um zu wissen, wie die freudschaftliche Geste gemeint ist, liebevoll umarmst.

12. Lasst uns über klebriges Zeug reden Top

Früher oder später dreht sich jede Diskussion über das Zölibat um die Frage,
wie du mit den grundlegenden biologischen Bedürfnissen umgehst. Dies ist
ein Bereich, bei dem es keinen Unterschied zwischen religiösen und
säkularen (nicht kirchlich, sondern weltlich orientiert) zölibatären Menschen
gibt. Das Interesse richtet sich vor allem an männliche Zölibatäre: Wie lange
kannst du es vermeiden... ggrrr... du weißt schon... ohne zu explodieren... das
klebrige Zeug. Ich weiß nicht, ob es Studien zu diesem Thema gibt, aber ich
kann sagen, dass solche Fragesteller regelmäßig... umm... Dingsda ist für die
Gesundheit nicht so wichtig, wie du denkst. Es wurde von einigen behauptet,
vor allem von dem berühmten Pseudowissenschaftler Wilhelm Reich, dass
Sex wichtig für die geistige und/oder körperliche Gesundheit ist. Es gibt aber
keine gewichtigen Nachweise für diese Annahme, denn viele Zölibatäre sind
offensichtlich bester geistiger und körperlicher Gesundheit. Einer meiner
zölibatären Freunde, mit dem ich in schriftlichem Kontakt bin, schrieb mir,
dass er seit acht Jahren enthaltsam lebt und sehr glücklich ist.

Ein Grund, warum zölibatär lebende Menschen in der modernen westlichen


Kultur als so seltsam angesehen werden, liegt darin, dass die westliche Kultur
den Sex als eine biologische Notwendigkeit betrachtet. Aber es unterliegt
deinem eigenen Willen, ob du deine sexuellen Bedürfnisse befriedigst oder ob
du dich ihrer enthälst. Wenn du aber erkennst, dass Sex nicht nur ein
biologischer Akt ist, sondern eine sehr komplexe Interaktion mit allerlei
psychologischen, wirtschaftlichen, medizinischen und sozialen Folgen, dann
ist es kein Widerspruch, auf Sex zu verzichten, denn sonst... umm... klebrig.

13. Bücher über das Zölibat Top

Dies ist eine Auswahl von englischen und deutschen Büchern, die das Zölibat
im säkularen (weltlichen) Zusammenhang behandeln. Bücher, die für das
christliche Zölibat relevant sind, werden im unteren Teil dieses Kapitels
aufgelistet. Es gibt eine große Anzahl an Büchern über das priesterliche
Zölibat, die ich nicht mit aufgelistet habe. Eine Suche mit dem Stichwort
"Zölibat" auf der Webseite von Amazon.de ist ein guter Weg, diese Bücher zu
finden.

Einige dieser Bücher wurden von zölibatär lebenden Menschen geprüft. Um


die Bücher zu bewerten, habe ich mir folgendes Bewertungssystem
ausgedacht:

• * bedeutet, dass das Buch nicht so gut ist


• ** bedeutet, dass Teile des Buches interessant sind
• *** bedeutet, dass das Buch sehr zu empfehlen ist

Dies sind Bewertungen, für Erwachsene, die freiwillig ein säkulares Zölibat
beachten:

• *** Gabrielle Brown (1976), The New Celibacy : Why More Men and
Women Are Abstaining from Sex--And Enjoying It (Warum immer
mehr Männer und Frauen auf Sex verzichten und es genießen.);
McGraw-Hill; Deutsche Ausgabe: Liebe ohne Sex
• *** Liz Hodgkinson (1986), Sex is Not Compulsory : giving up sex
for better health and greater happiness (Verzichte für eine bessere
Gesundheit und für eine größere Zufriedenheit auf Sex); Columbus.
ISBN: 0862872294; Deutsche Ausgabe: Sex ist nicht das Wichtigste

• *** Sally Cline (1993), Women, Celibacy and Passion (Frauen,


Zölibat und Leidenschaft); ISBN: 0233988041

• *** Sean D. Sammon (1993) An Undivided Heart : Making Sense of


Celibate Chastity (Ein ungeteiltes Herz: Der Sinn der Keuschheit);
Alba House. ISBN: 081890674X

• *** Dwight Lee Wolter (1992), Sex & Celibacy : Establishing


Balance in Intimate Relationships Through Temporary Sexual
Abstinence (Sex & Zölibat: Die Wiederherstellung des
Gleichgewichts in intimen Beziehungen durch vorübergehende
sexuelle Abstinenz); Fairview. ISBN: 0925190535

• *** Regena English : Leather Spinsters and their degrees of


asexuality, 1998 (Die "Ledernen Jungfrauen" und ihre Haltung zur
Asexualität; St. Mary Publishing Company (Die "Ledernen
Jungfrauen" definieren sich als asexuelle, unverheiratete und
glückliche Businessfrauen.) Hier die Bücherei der "Ledernen
Jungfrauen. Die "Ledernen Jungfrauen" verschicken an Tausende von
interessierten Frauen Newsletters.

• *** Rae Andre : Positive Solitude : A Practical Program for Mastering


Loneliness and Achieving Self-Fulfillment, 1991 (Positive Einsamkeit
: Ein praktisches Programm für die Bewältigung der Einsamkeit und
die Erreichung der Selbstverwirklichung.); Harper

• *** Elizabeth Abbott (1999) A History of Celibacy (Die Geschichte


des Zölibats) : HarperCollins

• *** Wendy Keller (1999) The Cult of the Born-Again Virgin; How
Single Women Can Reclaim Their Sexuality (Der Kult der
wiedergeborenen Jungfrau. Wie alleinstehende Frauen ihre Sexualität
zurückerobern können.) ; Health Communications Inc. ISBN:
155874696X

• Die restlichen Bücher findet ihr auf dieser Webseite.

14. Bücher über das christliche Zölibat Top

Zölibat und Beziehungen

The Body and Society by Paul Brown


Celibacy: A Way of Loving, Living, and Serving by A.W. Sipe
Celebrating the Single Life: A Spirituality for Single Persons in Today's
World by Susan Muto Ph.D.
Late Have I Loved Thee: The Recovery of Intimacy by Muto
The Power of Sacrifice by Ian Bradley (on altruism)
Gandhi's Truth by Erik Erikson
The Long Loneliness by Dorothy Day
On Human Nature by E.O. Wilson
Biophilia by E. O. Wilsom
The Courage To Be by Paul Tillich
Power and Sexuality by Mike Foucault
Neither Escaping Nor Exploiting Sex: Women's Celibacy by Jane Gray

Sexualität (behandelt auch das Thema Masturbation)


Sexual Morality byPhillip s. Keane, SS
Sexuality: a Christian View by Rev. Gennaro Avvento
Between Two Gardens, Reflections on Sexuality and Religious Experience
BY James B. Nelson
A Sense of Sexuality: Christian love and Intimacy by Evelyn Eaton
Whitehead and James D. Whitehead
Your Sexual Self - Pathway to Authentic Intimacy by Fran Ferder and John
Heagle

Gewaltlosigkeit

Bible of the Oppressed by Elsa Tamez


Active Nonviolence by Gerard Vanderhaar

Beziehungen

Are You the One For Me? by Barbara DeAngelis Ph.D.

15. Andere Quellen Top

Wenn du diese FAQ (FAQ = Frequently Ask Question = Häufig gestellte


Fragen) nützlich fandest, dann empfehle ich dir die ähnlich geartete Seite
russischer Zölibatäre einmal zu besuchen: Antisex FAQ

Ich stimme nicht in allen Dingen mit ihnen überein. Zum Beispiel erscheint
mir die Betonung von "Anti-Sex" statt "Pro-Zölibatär" nicht angebracht zu
sein, aber ihr Schwerpunkt ist ein durchdachtes Argument und sie überzeugen
durch einen gesunden Menschenverstand.

Derek J. Wojciech's Seite Virginity FAQ (Jungfräulichkeit FAQ) gibt eine


Reihe von Argumenten für die Jungfräulichkeit und die sexuelle Abstinenz,
zumindest bis zur Ehe.

Teri Lester's Webseite Healthy Love (Gesunde Liebe) ist eine Seite in einem
Frage-und-Antwort-Format, um die Abstinenz vor der Ehe zu fördern.

Einige Jahre habe ich mit dem Philosophiestudium verbracht, dennoch war
ich sehr überrascht, dass jemand, nämlich Ralph E. Kenyon, ein Essay über
die Philosophie der Erregung (Philosophy of Arousal) mit dem Untertitel
"Was ich mir gewünscht hätte, über den Sex zu sagen, als ich noch jung war."
(What I wish I had been told about sex when I was young) geschrieben hat.
Dieser Artikel beschreibt die Natur der sexuellen Erregung und die sozialen
und ethischen Fragen, die sich daraus ergeben.

Mindy Hung's Artikel Waiting to be unzipped (Warten bis der Reisverschluss


geöffnet wird) drückt ihre Gedanken einer 24jährigen Studentin aus, die
immer noch Jungfrau ist. Ihr Zölibat ist nicht freiwillig, aber ihr Artikel fasst,
mit einer Prise Humor, die Vorurteile zusammen, die zölibatär lebenden
Menschen begegnen.

16. Schlussbemerkung Top

Wenn du einen starken Sexualtrieb* hast, kann das Zölibat die Hölle sein.
Hast du dagegen einen niedrigen Sexualtrieb, dann ist das Zölibat eine gute
Idee. Einige sagen, je größer die Anstrengung ist, die Abstinenz zu erreichen,
um so mehr wird man belohnt, wenn man es schafft. (Das wiederum spricht
dafür, dass besonders die Menschen mit einem starken Sexualtrieb, am
meisten belohnt werden.)

*Starker Sexualtrieb: Für Menschen mit einem starken Sexualtrieb ist die
Enthaltsamkeit nicht leicht, da sie trotz der Enthaltsamkeit noch längere Zeit
von sexuellen Begierden bedrängt werden. Widerstehen sie aber diesen
Begierden, dann klingen sie allmählich ab, bis sie eines Tages vollkommen
verschwunden sind. Dies ist besonders für Menschen, die sehr unter der
permanenten Bedrängnis zu leiden hatten, ein sehr angenehmer Zustand.

Menschen, deren Gehirne den Genitalien gehorchen und deren Stimme in der
westlichen Gesellschaft nicht zu überhören ist, verkünden immer wieder
lauthals, dass das Zölibat eine ungewöhnliche und abartige Sache ist.
Menschen, die dagegen zölibatär leben, haben in der Regel nicht das
Bedürfnis, der Welt von ihrer zölibatären Lebensweise zu berichten. Diese
Zurückhaltung macht es schwierig, für andere zu erkennen, dass das Zölibat
Teil ihrer Identität ist. Um so mehr Menschen sich also zu ihrer zölibatären
Haltung bekennen, um so leichter fällt es anderen Menschen, sich ebenfalls
dazu zu bekennen. Dieser Text ist ein kleiner Beitrag, um dem Zölibat im
öffentlichen Leben ein höheres Ansehen zu geben.

Zölibaterfahrungen aus erster Hand Top

Einige Personen haben mir freundlicherweise erlaubt, ihre persönlichen


Erfahrungen mit einem Leben ohne Sex zu veröffentlichen. Ich habe die
identifizierenden Details in den meisten Fällen fortgelassen, aber ich
versichere, dass dies Mitteilungen sind, die ich von anderen Menschen
erhalten habe. Unabhängig davon, ob du mit unserer Lebensart einverstanden
bist oder nicht, musst du dennoch zugeben, dass dies eine sehr interessante
Gruppe von Leuten ist.

Den Anfang macht Eve.

1. Eve Top

Ich lebe fast mein ganzes Leben lang enthaltsam, da die Hormone sich bei
mir nicht melden. Das bedeutet nicht, dass ich noch keinen Sex versucht
hätte. Aber mein Motiv war rein sozial. Ich empfand es jedoch als einen
schmutzigen und beschämenden Sport. Ohne die erforderliche Lust, erscheint
mir alles sinnlos. Vor etwa zwanzig Jahren, ich bin jetzt 43 Jahre alt, habe ich
deshalb beschlossen, auf Sex zu verzichten.

Diese Entscheidung hatte viele Vorteile für mich. Zum einen mochte ich die
Männer lieber, weil ich mich nicht mehr um die eine Sache zu kümmern
brauchte, die mir buchstäblich Kummer bereitete. Um so weniger mich
jemand auf Sex ansprach, um so wohler fühlte ich mich. Mit einigen Männern
hatte ich über mehrere Beziehungen Kontakt. Nicht einmal ihre Freundinnen
waren eifersüchtig. Ich hatte sie zur Unterhaltung und ihre Freundinnen
hatten mit ihnen Sex. Das klingt wie ein Abkommen für mich! :-)

Auf der anderen Seite fühlte ich mich wie eine Perverse. Ich interessiere mich
(bin ich besessen?) für News.groups und Internetpolitik. Eine Reihe von
sexuellen Spielarten, wie Fesselspiele, Spanking (das Schlagen auf das
bekleidete oder entblößte Gesäß) und Brutalität werden im Usenet diskutiert.
(Das Usenet ist ein weltweites, Internet-Netzwerk, das Diskussionsforen,
sogenannte Newsgroups, aller Art bereitstellt, an dem jeder teilnehmen kann.)
So habe ich mich auch in der "alt.sex" Newsgroup umgeschaut. Dort gibt es
Perversionen aller Art. Aber nicht von mir, denn es ist wohl auch eine
Schande, so etwas zuzugeben, vermute ich. :-)

Dort stieß ich auf die Vorurteile anderer Menschen, als ich meine besondere
Orientierung erwähnte. Es verletzte mich, wenn andere Menschen annahmen,
ich sei psychisch krank. Entschuldigt, aber es verletzte mich ebenso, als ob
ich meine Hand auf eine heiße Herdplatte gelegt hatte. Es schmerzte mich
genau so, wie ein physischer Schmerz. Die Leute meinten, ich solle eine
Therapie machen. Warum? Wenn erst einmal der sexuelle Antrieb da wäre,
würde ich medizinische Hilfe gegen meine Schmerzen bekommen. Aber ich
hatte keine Schmerzen. Ich glaubte, ich könnte eine Hormontherapie gegen
meinen schwachen Trieb machen, aber mein Gott, meine Freunde konnten
keinen Termin bekommen und waren ganz verzweifelt. Wollte ich aber so
sein wie sie?!

Es wurde auch davon ausgegangen, dass ich eine bittere alte Jungfer sei. Aber
die alte Jungfer ist fit. (Ich liebe diesen Term in diesem Zusammenhang, weil
ich das Gefühl hatte, von Freaks umgeben zu sein.) Ich lachte über viele
Dinge und mit vielen Menschen. Die Bitterkeit aber reservierte ich für die
Politik und die Regierung, denn ich bin Anarchistin aus Überzeugung.

2. Ken: Warum ich enthaltsam lebe? Top

Diese Frage wurde mir so oft gestellt, dass ich sie mit diesem kurzen Beitrag
beantworten möchte. Hier ist meine Antwort auf diese Frage:

1. Zwei Beziehungen, die schlecht endeten, lehrten mich mehr über die
hässliche Seite der menschlichen Natur, als ich jemals wissen wollen. Die
Erfahrung einer tiefen Liebe zu zwei Menschen in den vergangenen fünf
Jahren, die dann aber mit Grausamkeit, Egoismus und Gleichgültigkeit
gegenüber meinem Wohlbefinden, meiner Gesundheit und meinem Leben
endeten, heilten mich für immer von der jugendlichen Romantik.Ja, ich weiß,
dass nicht alle Beziehungen so sind, aber jetzt weiß ich, dass viele von ihnen
so sind.

2. Ich möchte eine Pause von der intensiven Suche nach einer geeigneten
Partnerin machen. Die Suche nach der richtigen Partnerin ist eine Menge
Arbeit, aber sie ist nicht unbedingt die enorme Investition von Zeit, Geld und
Energie wert, die man in die Hoffnung investiert, um erfolgreich zu sein. Ich
bin müde vom Suchen!

3. Ich besuche eine Hochschule und brauche viel freie Zeit, um mein Diplom
abzuschließen.

4. Als ich noch jünger war, genoß ich die Einsamkeit sehr. Ich möchte erneut
den Geist der Nachdenklichkeit, Achtsamkeit, das intellektuelle und
spirituelle Suchen zurückgewinnen, die das Zölibat ermöglicht. Ich vermisse
diesen Teil in meinem jetzigen Leben.

5. Sex wird furchtbar überschätzt. Er ist banaler als viele Leute glauben. Die
"Lösung", die "Heilung", von dieser Banalität, besteht für manche Leute
darin, im ständigen Wechsel neue Partner zu finden, um das "Flitterwochen-
Gefühl" wieder und wieder zu erleben. Es erscheint mir als unmoralisch,
gefährlich und traurig, im Sex etwas zu suchen, was von Beginn an nie da
war.

6. Ich bin anglikanischer Christ. (Die anglikanische Kirche ist eine weltweite
christliche Kirchengemeinschaft, die in ihrer Tradition evangelische und
katholische Glaubenselemente vereinigt.) Wenn ich enthaltsam lebe, dann
halte ich mich an die moralischen Normen meines Glaubens. Ich habe nicht
immer enthaltsam gelebt, aber es ist ein tolles Gefühl und ich habe ein gutes
Gewissen, weil ich das Gefühl habe, das richtige zu tun und nicht weil ich
meine Handlung rationalisiert oder entschuldigt habe.

7. Ich bin ein introvertierter Mensch. Ohne einen gewissen Raum für mich
und meine Gedanken, kommt mein Verstand nicht zur Ruhe. Schweigen ist
ein heilsames Balsam.

8. Ich habe keine Kinder und möchte auch keine Kinder haben. Einige
Singles in meinem Alter, ich bin jetzt Anfang vierzig, beklagen die Tatsache,
dass sie keine Kinder haben. Ich habe ehrlich gesagt, nie darüber
nachgedacht. Ich mag Kinder, anderer Leute Kinder.

9. Ich bin sehr an kultivierten Freundschaften mit anderen hochgesinnten


Menschen interessiert, die ebenfalls enthaltsam leben. Ich glaube, dass es in
der "Subkultur des Zölibats" eine Menge faszinierender Menschen gibt, die
mehr in ihrem Leben tun, als über Beziehungen (das meist überstrapazierte
Wort), ihre Frauen, Ehemänner, Freundinnen, Freunde, Kinder und
Enkelkinder zu plappern und ich würde sie gerne kennen lernen. Ich habe den
anderen Weg kennen gelernt. Es ist an der Zeit, einen anderen Teil der
Menschheit zu erforschen.

10. Die Ehe erfordert nicht nur die Fähigkeit einer Person, um individuelles
Glück zu erlangen, sondern die zusätzliche Anstrengung einer zweiten
Person. Ist dagegen der zölibatäre Mensch unglücklich, dann ist niemand
anderes daran Schuld, als er selber.

Ich hoffe, dies beantwortet die oben gestellte Frage.

Ich bin erstaunt, wie viele Leute mein Zölibat als eine Bedrohung empfinden.
Meine Vermutung ist, dass es eine Menge Leute gibt, die selber nicht
enthaltsam leben, aber das Gefühl haben, etwas unrechtes zu tun und sich
deshalb schuldig fühlen. Du kannst natürlich Buße tun, wenn dich diese Sorge
plagt.

Einige Leute kritisieren, diese Gründen seien nicht spirituell genug. Ich kann
nur so spirituell sein, wie ich in Wirklichkeit bin. So zu tun, als sei ich
spiritueller, ist unehrlich.Meine Gründe sind ehrlich, nicht unbedingt
inspirierend. Ich weiß, dies gilt nicht für jeden. Dies ist nicht der Versuch zu
werben, sondern nur eine Erklärung.

Ich wünsche dir Frieden und Glück in deinem Leben.

3. John Top

Es gibt mehrere Gründe, warum mich das Zölibat interessiert. Erstens


praktiziere ich eine Art von Tai Chi, eine chinesische Kampfkunst, die die
Minimierung oder Enthaltsamkeit von sexuellen Beziehungen betont. Dies
mag ein wenig radikal erscheinen, aber prinzipiell ist die Erhaltung der
sexuellen Energie (oder "Chi", wie sie im chinesischen Daoismus genannt
wird) für eine bessere Gesundheit und Langlebigkeit, seit Tausenden von
Jahren ein wesentlicher Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin
und des Tai Chi.

Zweitens macht es mir große Sorgen, wie sehr sich die Gesellschaft mit Sex
beschäftigt. Er ist überall, in der Werbung, usw.. Die Gesellschaft investiert
sehr viel Energie in die Sexualität. Auch wenn ich einer Minderheit angehöre,
so kommt es mir wie eine Verschwendung vor. Wozu das alles? Sex ist nur
ein temporäres Vergnügen, welches nach ein paar Minuten vorbei ist. Es
muss sinnvollere Wege geben, um miteinander umzugehen. Ich möchte meine
Arbeit lieber in festere Freundschaften investieren.

Drittens erscheint mir das Zölibat, mit der immer stärker werdenden
Verbreitung von Geschlechtskrankheiten, nicht nur durch Aids, sondern auch
durch viele andere Geschlechtskrankheiten, keine schlechte Idee zu sein.

4. Stuart Top
Meine erste Notiz vom Zölibat nahm ich vor 17 Jahren bei einem Besuch im
nahegelegenen Kloster. Die Mönche hatten so einen geschmeidigen Körper
und waren so auffallend transluzent (lichtdurchlässig), heiter und lebendig.
Davon nahm ich geistig Notiz. Als Nicht-Katholik idealisierte ich diese
Mönche anfangs vielleicht ein wenig. In den letzten neun Jahren habe ich
viele von ihnen kennen gelernt und ich sehe, dass es eine Nahrungs- und
Koffein-Abhängigkeit sowie eine offenkundige Co-Abhängigkeit* gibt.
Weiter gibt es eine Armut, die bestenfalls trügerisch ist. Aber sie sind nicht
alle Narren oder soziale Feiglinge. Sie bekommen etwas vom Zölibat, dass
man auf keine andere Weise bekommen kann.

*Unter Co-Abhängigkeit versteht man ein zwanghaftes Bedürfnis nach


Zuwendung, Aufmerksamkeit und Bestätigung. Solche Menschen machen ihr
gesamtes Selbstwertgefühl von den Reaktionen ihrer Umwelt abhängig.

Zum ersten Mal wurde ich nach meiner Scheidung vor 9 Jahren persönlich
mit dem Zölibat konfrontiert. Ich dachte, ich sollte meinen Kopf ein wenig
frei machen. Ich stellte fest, dass sich ein Gefühl von Klarheit, Kraft,
emotionalem Reichtum und eine starke Intuition (Kreativität) einstellte, die
über keinen anderen Weg erreichbar ist. Ich muss sagen, dass es mir
unmöglich ist, diesen Zustand beizubehalten, ohne ihn mit den anderen zu
teilen.

Ich habe das Gefühl, dass ich besser bei der Arbeit bin, weil ich sie nicht
mehr als Belastung empfinde. Ich habe meine Einstellung verändert und
dadurch wurde es besser. Die Leute spüren es. Sie wissen nicht, was die
Ursache ist, aber sie bemerken es.

Ich gebe auch sportlich mehr acht, investiere mehr Zeit und achte auf eine
größere Vielfalt der Sportarten, die ich ausübe. Statt nur zu Laufen und zu
Segeln, schwimme ich zusätzlich, mache Yoga, Fahrradtouren und wandere.

Ich singe mehr, komponiere mehr und spiele häufiger Gitarre. Der
französische Schrifsteller Balzac erkannte das Maß seiner Liebesaffairen
daran, wieviele Novellen (kürzere Erzählungen) er nicht schrieb.

Die soziale Ironie besteht darin, dass ich mich hübschen Frauen viel freier
nähern kann, da ich keine Absichten habe. Ich begebe mich, offen gesagt, in
soziale Umstände, die ich normalerweise vermeiden würde, denn die
umgewandelte sexuelle Energie, verleiht mir den Mut, dies zu tun.

Der wahrscheinlich deutlichste, nützlichste und wichtigste Nutzen der


Enthaltsamkeit ist meine Beziehung zu meiner 10jährigen Tochter. Durch das
Zölibat bin ich in der Lage, mehr für sie emotional dazusein, sie mit meiner
Liebe zu beschenken. Ist das allein nicht den Preis des Zölibats wert, um ein
besserer Vater, Künstler, Sportler und Freund zu sein, der dabei auch
innerlich beschenkt wird?
5. Cara Top

Ich bin kein emotionales Wrack, keine Feministin und auch keine religiöse
Fanatikerin, aber ich lebe seit 5 Jahren im Zölibat und es ist nicht alles
schlecht. Es ist definitiv sicher. Das Schlimmste, was mir passieren kann, ist
es, mir einen Fingernagel abzubrechen (böses und gemeines Grinsen). Es ist
eine enorme Freiheit, nicht auf der Liebe/Sex-Achterbahn zu reiten. Ich habe
sehr ernste berufliche Ziele, die eine Menge Energie, Konzentration und Zeit
in Anspruch nehmen. Das letzte was ich will, ist meine Freizeit damit zu
verbringen, irgendeinem Witzbold in einer Bar zuzuhören, wenn er
weitschweifend über Blabla-Sex-blabla-Sex-blabla-Sex-blabla redet. - Igitt!
Ich schaue die X-Files (Fernsehserie) an, wenn es mich bedrängt und
gelegentlich trinke ich eine extra würzige Bloody Mary (Longdrink aus
Wodka und Tomatensaft mit schwarzem Pfeffer, Salz, Tabasco und
Worcestershiresauce). - Martin, das Leben ist wunderbar!

6. Martin Top

Ich drehe mich immer im Kreis, wenn ich gefragt werde, warum ich keinen
Sex möchte. Ich habe keinen großen sexuellen Antrieb und deswegen
erscheint mir die sexuelle Erregung so unbegründet. Die Frage nach Sex
macht für mich kaum mehr Sinn als die Frage "Warum stehst du nicht
regelmäßig in einer großen Wanne Joghurt." Ich bin durchaus von der
Schönheit einer Frau beeindruckt, ja sogar bewegt, aber ich habe nicht den
Wunsch, mit ihr intim zu sein. Wenn du eine schöne Blume siehst, hast du
dann den Wunsch, sie zu lecken?

Um ein behagliches Leben als Zölibatär zu führen, habe ich einen


allmählichen Prozess durchschritten, in dem ich die Vorstellungen über die
Sexualität, mit denen ich aufgewachsen bin, allmählich abgelegt habe. Dieser
Prozess begann nach der Pubertät und setzt sich bis in die Gegenwart fort (ich
bin nun Mitte zwanzig). Ich hatte die Idee, der mich umgebenden Kultur
aufgesogen, dass die gesamte Lebensqualität vom Sex abhängt. Allmählich
durchschaute ich diese falsche Vorstellung und erkannte den Vorteil des
Zölibats. Fortan war ich nicht mehr "auf der Jagd" und betrachtete Frauen
nicht mehr als "Beute". An der Universität war ich auf einer Männeretage und
lernte von den heterosexuellen Burschen jeden kleinen Aspekt der Liebe. Die
Tatsachen aber, dass sie ziemlich traurig und unzufrieden waren, auch wenn
sie das bekamen, hinter dem sie so her waren, überzeugte mich, dass der
Verzicht auf Sex kein großer Verlust ist.

Mir scheint, das ganze Vergnügen der Sexualität besteht aus dem Vorfreude
der köstlichen Erwartungen. Ob du aber das Vergnügen in der Realität
wirklich erlebst, scheint unerheblich zu sein. Warst du schon einmal auf einer
Party, die langweilig war, auf der nichts wirklich Interessantes passierte?
Aber jeder ist hinterher begeistert und überdreht, nur weil es eine Party war.
Es ist nur meine (eher uninformierte) Wahrnehmung, dass das sexuelle
Vergnügen ebenso funktioniert.
Ich wünschte, ich hätte in meinen späten Teenagerjahren ein zölibatäres
Vorbild gehabt. Da meine Reaktion auf Frauen nicht mit der Reaktion meiner
heterosexuellen Freunde übereinstimmte, war meine erste Reaktion darauf,
dass etwas mit mir nicht stimmen konnte. Schließlich wurde mir klar, dass die
Gesellschaft überproportional die Einstellung der sexuellen Menschen
wiederspiegelt. Das ist der Grund, warum ich mich nun offen zum Zölibat
bekenne.

7. Jay Top

Ich bin ein Mann in den Vierzigern. Ich wuchs nördlich von Detroit auf und
lebe heute in Oklahoma. Ich habe einige Hochschuldiplome, bin Single und
habe niemals geheiratet. Es war nicht immer so, aber das Zölibat ist heute
meine sexuelle Vorliebe. Lange Zeit praktizierte ich das Zölibat nur, weil ich
keine Partnerin hatte. Aber seit mehr als zehn Jahren praktiziere ich das
Zölibat aus Überzeugung.

Die Gründe, dass das Zölibat richtig für mich ist, haben sich allmählich
entwickelt. Es war eine bewusste Entscheidung, die ich für die Zukunft traf.
Ich hatte bereits lange vorher festgestellt, dass der Sex für mich nicht den
höchsten Stellenwert hatte. Darum konnte ich den Sex auch niemals mit der
Liebe gleichsetzen. Ich akzeptiere, dass der Geschlechtsverkehr für die
meisten Menschen ein Akt der Liebe, eine äusserst liebevolle und wunderbare
Tätigkeit für die sogenannten "normalen Menschen", ist. Aber dies gilt nicht
für mich. Mit dieser Art von "Liebe machen" kann ich nicht viel anfangen.
Die genitalen Sensationen, haben meinem Empfinden nach, nichts mit den
Gefühlen der Liebe zu tun. Sie lassen jedes Gefühl der Intimität und
Zusammengehörigkeit vermissen.

Früher hatte ich angenommen, dass das Zölibat nur etwas für religiöse,
puritanische oder prüde Menschen sei. Ich bin immer noch misstrauisch, denn
ich halte mich für aufgeschlossen. Nein zum Sex zu sagen, erscheint mir
irgendwie engstirnig. In meiner letzten sexuellen Beziehung, die ich hatte,
war ich sehr verliebt. Ich genoss das Zusammensein mit meiner Freundin.
Wir kannten uns seit Jahren und wir beschlossen das Datum, an dem wir Sex
haben wollten, bereits Monate vorher. Wir waren oft zusammen im Bett, ohne
Sex zu haben. Das Interessante, wenn ich mit ihr zusammen war und keinen
Sex mit ihr hatte, war, dass es akzeptabel für mich war. Es war sehr
angenehm. Wir schmusten, kuschelten, streichelten und neckten uns und
sprachen über viele wunderbare Dinge, die uns wichtig waren. Es war Liebe
und es war wunderbar. Dann geschah das Unvermeidliche, der
Geschlechtsverkehr. Es war vorüber, gerade erst, als es begonnen hatte. Es
war ein Misserfolg, eine totale Enttäuschung.

Ich konnte das intime Zusammensein nicht als Liebe empfinden und verlor
meine Errektion nicht durch einen Orgasmus.
8. Koralee Top

Ich bin 31, wohne etwas außerhalb von Seattle und habe eine 3 Jahre alte
Tochter. Schon bald, nachdem ich sexuell aktiv wurde, stellte ich fest, dass
ich in die "Sex ist den ganzen Streit nicht wert"-Kategorie fiel. Aber ich
praktizierte weiterhin Sex, weil ich einerseits in einer langjährigen Beziehung
war und andererseits, weil meine Mutter mich an meine "ehelichen Pflichten"
erinnerte. Ja, wirklich. Als die Beziehung endete, probierte ich die
Promiskuität* aus. Es machte Spass auf irgendeine Art und Weise, aber es
kostete mich zwei gute Freunde und so hörte ich auf damit.

*Promiskuität wird die Praxis nicht an langfristigen Bindungen orientierter


sexueller Kontakte mit verschiedenen Partnern bezeichnet; promiskuitiv (adj.)
wird auch verwendet für „sexuell freizügig oder offenherzig“.

Von dort an erkannte ich, dass ich zukünftig wohl keine Ehe mehr eingehen
und mit meinem Baby allein leben würde. Das gab mir eine völlig neue
Lebensperspektive. Sex als eheliche Pflichterfüllung war erniedrigend.
Geschieht Sex dagegen aus Spass, aus Lust an der Gefahr, dann ist es eine
schlimme Art des Machtmissbrauchs über das andere Geschlecht. Ich hatte
zuviel Respekt, das eine, sowie das andere, zu tun und ich wollte meine
Tochter nicht über meine Fehler belehren. Das Zölibat wurde mir durch die
Mutterschaft auferlegt, aber schon bald entdeckte ich, dass ich das Leben viel
mehr liebte als zuvor. Ich fühle mich frei, ich fühle mich so frei.

9. Jason Top

Zunächst einmal, ich bin schwul. Obwohl ich starke sexuelle Begierden habe,
hatte ich noch nie ein ausgeprägtes Sexualleben. Ich verlor meine Unschuld
recht spät, mit 22 Jahren. Für eine ganze Weile, als ich noch jünger war,
dachte ich, ich sei "cool", weil ich noch Jungfrau war. Ein Teil von mir war
traurig, sie (die Unschuld) zu verlieren.

Ich kann gar nicht sagen, was mein Interesse für das Zölibat geweckt hat. Ich
war besonders an einem Buch über Piercing interessiert, in dem das Profil
eines Typen aus den USA abgebildet war, der zölibatär lebte. Er sprach viel
über einen Stamm in Indien, wo bestimmte Männer, bevor sie in die Pubertät
kommen, die Bänder des Penis so weit strecken, so dass sie nach der Pubertät
unfähig sind, einen Orgasmus zu bekommen.* Dies zwingt sie, ein Leben
lang ein zölibatäres Leben zu führen.

Ich dachte mir, das ist von Interesse. Und als ich in Großbritanien lebte, fand
ich einen Freund mit ähnlichen Interessen. Wir hatten eine Wette, um zu
sehen, wer am längsten ohne Orgasmus auskommt. Ich empfand diese
Erfahrung sehr faszinierend. Sie gab mir das Gefühl, sehr sexy zu sein. Ich
verlor schliesslich nach 5 Wochen. Mein Freund hielt 13 Wochen durch.

*Ich habe mich einmal im Internet nach dieser Penisverlängerung umgesehen.


Dabei habe ich auf folgendes gefunden:
Es gibt Beispiele ritueller Penisverlängerungen, die sich auf der ganzen Welt
finden lassen. Zwei bekannte Beispiele stammen aus Indien und Afrika. Die
Sadhus (Die Sadhus sind hinduistische Mönche, die das weltliche Leben
aufgegeben haben und sich einem strengen religiösen und asketischem Leben
verschrieben haben.) der Naga-Sekte, eine umherziehende Gruppe von
heiligen Männern, die zu Fuss kreuz und quer durch Indien wandern, dehnen
ihren Penis durch den Einsatz von schweren Steinen. Sie erreichen
Penislängen von bis zu 18 Zoll (etwa 46 cm). Diese Bemühungen haben einen
rein spirituellen Zweck. Die Sadhus haben kein Interesse am Sex und
schädigen ihren Penis absichtlich unheilbar, um spirituelle Erleuchtung zu
erlangen.

Der afrikanische Stamm der Karamojong, aus dem Nordosten Ugandas, sind
für ähnliche Penisverlängerungen bekannt. Von früher Jugend an, hängen sie
eine stets anwachsende Zahl von kreisförmigen Steinen an das Ende ihres
Penis und im Laufe einer Reihe von Jahren erreichen sie Penislängen, die mit
denen der indischen Sadhus vergleichbar sind. Um ihre imposanten und
unpraktischen Anhängsel besser zu handhaben, binden die Karamojong ihren
Penis zu einem Knoten. Es ist anzumerken, dass sowohl die Karamojong und
die Sadhus unglaubliche Penisgrößen erreichen. Aber sie fügen ihrem Penis
einen dauerhaften Schaden zu, der nicht mehr geheilt werden kann. Solche
extremen Praktiken führen zu Nerven- und Gewebeschäden, die eine normale
Erektionsfähigkeit verhindern. Diese Beispiele geben einen Einblick in die
Penisverlängerung. Durch eine kontrollierte und angemessene Nutzung
können auch maßvolle Penisverlängerungen ohne die Gefahr einer
Verletzung erreicht werden.

The facts about penis stratching (Die Fakten über Penisverlängerungen)

Im Laufe der Geschichte haben viele Kulturen den Penis gestreckt, um ihn zu
vergrößern. Die Sadhus, die heiligen Männer Indiens, die peruanischen
Cholomecs und die Indianer Papua-Neuguineas (nord-östlich von Australien)
erreichen durch rituelle Penisverlängerungen eine Penislänge von 22 Zoll
(etwa 51 cm). Es gibt zahlreiche andere kulturelle Beispiele dieser
Penisverlängerungen.

How penis stretching works (Wie die Penisverlängerung funktioniert)

10. Susan Top

Ich bin eine Frau Anfang vierzig. Ich wurde im südöstlichen Teil der
Vereinigten Staaten geboren und lebe auch heute noch dort. Seit etwas mehr
als 10 Jahre lebe ich im Zölibat. Wie es zum Zölibat kam? Gut, ich war
verheiratet, hatte die zwei gewünschten Kinder bekommen und verlor das
Interesse am Sex. Er hatte mir ohnehin nie den Spaß bereitet, für die Mühe
die er machte. Und mit den Kindern, die ich zu versorgen hatte, verlor er jede
positive Motivation.
Ich hatte sexuelle Angebote von Menschen, die ich mag und die frei von
Krankheiten sein dürften. Aber es erschein mir nie verlockend genug, um die
Aufregung und das Risiko auf mich zu nehmen. Ich glaube nicht, dass sich
jemals an dieser Einstellung etwas ändern wird. Es ist sehr entspannend sein
Leben zu leben und sich frei von dieser speziellen Besessenheit zu fühlen.

11. Kerry Top

Ich lebe zölibatär, aber nicht aus einem säkularen oder wirklich bewusstem
Grund. Ich habe erst vor kurzem meine Situation in den Griff bekommen und
mich entschieden, enthaltsam zu leben. Ich tue, was ich tue oder eben nicht,
weil ich keine besonderen Wünsche nach Sex habe. Ich finde Menschen
attraktiv, aber der Geschlechtsverkehr spricht mich nicht an. Ich handle in
sexueller Weise mit meinen Freunden, indem ich mit ihnen flirte. Ich flirte
mit ihnen, um ihnen auf diese Weise meine Zuneigung zu zeigen und um
ihnen nahe zu sein. Einige Leute haben mir gesagt, dass ich mich verweigere,
aber in Wirklichkeit Sex haben möchte. Natürlich können sie mich nicht
verstehen. Sie leben nicht mein Leben und sie wissen nicht, wie ich fühle.
Aber genug davon.

Ein aufgeschlossener Freund hat mich als einen asexuellen Schäker (Ein
Schäker ist eine Person, die sich munter und scherzhaft äußert.) bezeichnet.
Ich kenne andere Menschen, die sich ebenso verhalten. Wir mögen keinen
Sex, wir wollen keinen Sex und wir denken auch nicht darüber nach. Wir
empfinden es als angenehm, mit Menschen zu reden, ohne darüber
nachzudenken, ob diese Menschen uns begehren. Die Sache wird aber
unangenehm, wenn die Menschen Sex mit uns haben möchten. Es ist ein
angenehmer Lebensstil, den ich aber zuerst nicht mochte. Es war nicht meine
Wahl, so zu sein. Ich habe den sexuellen Antrieb im Laufe der Zeit verloren,
bis er ganz verschwunden war.

12. Cecily Top

Ich lebe seit eineinhalb Jahren im Zölibat. Vor etwa vier Jahren verlor ich das
Interesse am Sex. Das klingt wie eine lange Zeit, aber ich habe es nicht so
empfunden. Ich höre dich fragen: "Warum lebst du enthaltsam?"

Die Wahrheit ist für mich, dass um den Sex viel zu viel Theater gemacht
wird. Ich habe deswegen enormen psychischen Stress, wütende Dramen und
hässliche Situationen erlebt. Ich sage nicht, dass ich nie wieder Sex haben
möchte, aber jetzt ist der Zeitpunkt in meinem Leben, wo es sinnvoll ist, nein
zu sagen.

Es geht nicht um Moral oder um ein Urteil über andere. Ich identifiziere mich
auch nicht mit Donna Martin aus der Fernsehserie "Beverly Hills 90210" (die
zuerst mit verschiedenen Männern zusammen war, sich dann aber entschied,
enthaltsam zu sein). Ich möchte nicht neben einem Psychopathen aufwachen,
neben Leuten die so tun, als ob sie dich nicht kennen oder neben Menschen,
die dir am nächsten Tag unsympathisch erscheinen. Ich brauche wohl nicht zu
erwähnen, dass ich keine Lust habe, meine Zahnbürste mit irgendjemandem
zu teilen.

13. Rachel Top

Ich bin noch relativ jung (22) und um ehrlich zu sein, ich bin mir nicht sicher,
ob ich für den Rest meines Lebens enthaltsam leben möchte. Ich weiß, dass
dies im Moment die richtige Entscheidung für mich ist, aber ich weiß nicht,
ob ich dies in zehn Jahren auch noch so sehe. Das Zölibat ist keine moralische
oder religiöse Frage für mich. Obwohl mich die Frage interessiert, warum
einige Menschen, speziell die Frauen, als Sexualobjekte betrachtet werden, ist
das Zölibat eine persönliche Entscheidung von mir.

Selbst wenn das Zölibat nur eine vorübergehende Phase meines Lebens ist
und auch, wenn ich mich in einigen Jahren entscheiden sollte, es aufzugeben,
so ist es doch die rechte Zeit, es zu erfüllen, bis ich den richtigen Partner
treffe. Die Menschen neigen dazu, zu denken, da die zölibatär lebenden
Menschen nichts tun, muss das Zölibat etwas Negatives sein. Aber für mich
ist das Zölibat eine positive Sache. Es gibt mir die Möglichkeit, mich zu
befreien, nicht nur vom Sex, sondern von allen Dingen, die damit verbunden
sind: die Ernährung, das Makeup, das dürftige Qutfit, die hässlichen
"Frischfleisch"-Nachtclubs, die alle die Ziele verfolgen, die mich nicht
interessieren. Das Zölibat gibt mir die Ruhe und den Raum zum Nachdenken.
Es erlaubt mir, meine Individualität zu entwickeln, um der Mensch zu
werden, der ich sein möchte. Dies würde mir bestimmt nicht so gut gelingen,
wenn ich versuchen würde, dem gegenwärtigen Ideal einer sexuell
begehrenswerten Frau zu entsprechen.

14. Phil Top

Ich bin Diskjockey und Ende zwanzig. Früher wohnte ich in einer
weltberühmten Hazienda (lateinamerikanisches Landgut). Mein Sexleben, so
nehme ich an, ist ähnlich wie das der meisten meiner Generation. Es begann
als später Teen und setzte sich dann fort... Irgendwie erreichte der Sex dann
einen Punkt, dass er zum wichtigsten Teil der Beziehung wurde. Ja, so war es.
Wohin du auch gehst, die erotischen Gedanken folgen dir. Es waren diese
Folgen, die mich einhalten und nachdenken ließen.

Ich hatte immer ein großes Interesse am Zölibat, vor allem betrachtete ich es
als eine Herausforderung. Ich liebe Herausforderungen und es ist eine
äußerste Herausforderung, nach Jahren einer auschweifenden Jugend,
inmitten einer Gesellschaft und Generation, die aktiv die Promiskuität
(promiskuitiv = sexuell freizügig oder offenherzig) fördert und die verächtlich
auf Jungfrauen herabblickt (ich glaube nicht einmal, dass viele Menschen ein
Zölibat außerhalb der Jungfräulichkeit kennen), zölibatär zu leben.
Das Zölibat ist viel schwerer, als ich es mir vorstellte. So sehr dir eine Frau
auch Respekt zollt, wenn du nicht gleich mit ihr bei der ersten Gelegenheit
ins Bett springst, so hält sie dich doch zunächst für sonderbar und nach einer
Weile, in der Regel nach einer sehr kurzen Zeit, denkt sie, dass du dir deine
sexuelle Befriedigung woanders holst. Die positive Seite davon ist jedoch,
dass ich dadurch zahlreiche ausgezeichnete weibliche Freundinnen habe.
Hatten wir Sex, dann wurde die Beziehung schwierig. Es gab immer
irgendwelche Spannungen, die sich nie ganz auflösten. Hatten wir dagegen
keinen Sex, dann stellte sich meist eine sehr intime Freundschaft ein. Beim
Sex bleibt oft eine sexuelle Spannung zurück, durch eine zölibatäre
Freundschaft aber stellt sich eine positive Energie ein, die beide miteinander
verbindet. Es wird gesagt, dass der Reiz an der Verfolgungsjagd größer ist als
das Erlegen der Beute. Dem stimme ich zu. Darum ist die Beziehung zum
Fuchs nach der Jagd besser, wenn du ihn nicht fängst und tötest.

15. Matt Top

Einige haben das Zölibat gewählt, andere haben es beiseite geschoben. Oder
so ähnlich. Ich würde in die zweite Kategorie fallen, obwohl ich glaube, dass
es eine gewisse Wahlfreiheit gibt. Ich bin ein interessantes medizinisches
Beispiel, das seinen Endokrinologen (Endokrinologie = Lehre der Hormone)
mit Stunden vergnügter Unterhaltung und veröffentlichbaren Anektoden
versorgt, weil ich meine Hypophyse (Hirnanhangdrüse) nur mit der halben
Zuteilung versah. Für diejenigen unter euch, die nicht mit endokrinologischen
Details vertraut sind: die Hypophyse, dieser kleine Kerl, befindet sich in
eurem Gehirn, etwa zwischen den Augen und kontrolliert das chemische
Gleichgewicht, was eine Menge mit dem Sexualtrieb zu tun hat. Nach einer
langen Ehe, in der zwei phantastische Kinder geboren wurden, wurde meine
Libido in der Tat einkassiert, als ich mich meinem 40. Geburtstag näherte.

Ich nahm, durch wöchentliche Selbstinjektion, eine Vielzahl von


lebenserhaltenden Hormonen. Außer dass ich ein unheilbares Desinteresse am
Geschlechtsverkehr hatte, fühlte ich mich fit wie ein Turnschuh. Leider
stimmte meine neue Orientierung nicht mit der meines geliebten Gatten
überein, dessen vollkommene und unversehrte Hypophyse sehr schnell nach
aktiven Alternativen Ausschau hielt. Interessant ist jedoch, dass die
zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen uns wesentlich glücklicher
wurden, da wir herausgefunden hatten, was los war. Ich denke, dies ist ein
gutes Zeichen, für eine vertraute, feste Beziehung und für alle möglichen
Leute, die so wie ich, nicht davonlaufen wollen, denn davon gibt es in diesen
Zeiten genug.

Ich denke, ich selber befinde mich gegenüber jemandem, der mit dem Zölibat
zu kämpfen hat, in einer beneidenswerten Situation. (Ich habe immer noch
meine Probleme mit der Idee des Zölibats, da ich mich auf der anderen Seite
befand und dann die Seite wechselte.) Aber für mich bietet das Zölibat eine
Möglichkeit zum Aufbau lohnender und lebendiger Beziehungen; die frei
vom Druck und den Erwartungen des Geschlechtsverkehrs sind; in der die
Menschen frei sind und sich wohl fühlen, um miteinander zu spielen; die
nicht darüber nachdenken, wie man den anderen ins Bett bekommt (oder die
bewusst ihre Konversation und Beziehung schützen und strukturieren, um
dieses Geschehen zu erleichtern oder zu vermeiden); zu experimentieren, mit
anderen Worten, um sich gut mit Menschen zu verstehen.

Ich denke, dass ich eine Wahl treffe: ich versuche nicht zu verändern, was
nicht zu ändern ist und ich versuche, die Situation mit Humor zu akzeptieren.
Dadurch wird das Zölibat zu einem respektierten und akzeptierten
alternativen Lebensstil. Ich denke, wir solten achtsam bei der Definition des
Zölibats sein. Wir sollten es nicht nur negativ definieren, indem wir sagen,
was wir nicht tun, sondern wir sollten es ebenso positiv definieren, indem wir
erklären, wovon es uns befreit.

16 Stephen Top

Ich habe in den letzten 5 Jahren zölibatär gelebt. Zwei Jahre davon lebte ich
in einem buddhistischen Kloster. Als Mönch blickte ich kaum nach dem
anderen Geschlecht und enthielt mich der Masturbation (Selbstbefriedigung).
Ich sehe viele Vorteile im Zölibat. So braucht man sich keine Sorgen über
problematische Beziehungen, über Krankheiten, Kosten und ungewollte
Schwangerschaften zu machen, man braucht nicht "cool" zu sein, usw.. (Lasst
uns ehrlich sein, in jeder sexuellen Beziehung ist ein manipulatives Element.)
Das Zölibat eröffnete mir, außer in der Zeit, in der ich als Mönch im Kloster
war, eine neue Dimension für die Kommunikation mit Frauen.

Entscheidet man sich bewusst für das Zölibat, so stellt sich eine Energie ein,
die zur Klarheit führt. Diese Klarheit geht sehr schnell verloren, sobald das
sexuelle Interesse erwacht, egal wie sehr man sich auch bemüht, es zu
verbergen. Um wirklich zölibatär zu sein, muss man es wollen, auch wenn die
Begierden immer noch vorhanden sind. Aber es tritt ein anderer Teil deiner
Persönlichkeit hervor, der die Menschen berührt. Dies kann eine Art von
Geschenk sein. Aber es kann auch sehr gefährlich sein, da es dich oft
attraktiver für das andere Geschlecht macht.

Ich wählte bewusst das Zölibat, nachdem ich ein Jahr mit einer Frau
zusammenlebte und erkannte, wohin mich der unrealistische Sexualtrieb
trieb. Ich erkannte, dass der Wunsch nach Gemeinsamkeit, verbunden mit
sexueller Befriedigung, ein sehr hoher Preis für das emotionale Wohlbefinden
ist. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass eine Beziehung mit einer
passenderen Partnerin, mir nicht dieses Gefühl gegeben hätte. Gleichzeitig
bin ich viel realistischer in Bezug auf Sex und intime Beziehungen geworden
und betrachte sie nicht mehr als das "Ein und Alles" meiner Existenz auf
diesem Planeten.

Die Zeit, in der ich als Mönch lebte, war für mich sehr hilfreich, da ich lernte,
wie man die Kontrolle über den Sexualtrieb gewinnt und nicht von ihm
kontrolliert wird. Dies scheint eine Menge geistiger Energie freizusetzen. Es
gab allerdings auch Zeiten, in denen die Sehnsucht nach menschlichem
Kontakt in der Tat sehr groß war. Sexualität ist etwas, das nicht unterdrückt
werden kann, aber sie ist etwas, das transformiert (umgewandelt) werden
kann.

Ich bin immer noch in Zwietracht mit meiner sexuellen Wahl. Ich frage mich,
ob ich, wenn ich mit jemandem zusammentreffe, mit dem ich mich
freundschaftlich verbunden fühle und das sexuelle Interesse erwacht, auf ihn
reagieren würde. Ich glaube, dass ich mich nicht als eingefleischten Zölibatär
betrachten kann, da ich mich gedanklich immer noch mit der Idee einer
Beziehung befasse. Es bleibt ein "was wäre wenn"-Szenario. Vielleicht gibt
es eine Zeit für beide Lebensstile*.

*Anmerkung Übersetzer: Obwohl Stephen, wie er selber sagt, seit


mittlerweile 5 Jahren im Zölibat lebt, wird er immer noch so sehr von
sinnlichen (erotischen) Wünschen bedrängt, dass er nicht weiß, wie er
reagieren würde, wenn dieses "was wäre wenn" eintreten würde, wenn sich
ihm also die Gelegenheit böte, seine sinnlichen Wünsche auszuleben. Ich
habe fast das Gefühl, Stephen hat das Zölibat nicht immer beachtet. Dadurch
entfacht man jedesmal die erotische Glut von neuem. Swami Sivananda sagt
hierzu: "Viele Yogis sind sich dieser geheimen Bedrängnis, dieses
heimtückischen Feindes, nicht bewusst. Sie denken, dass sie sicher und rein
sind. Werden sie aber versucht, dann werden sie zu hoffnungslosen Opfern.
Darum bleibe lieber alleine, meditiere und beseitige dieses Verlangen." Eines
Tages wird auch dieses heimliche Verlangen verschwinden, bei dem einen
früher, bei dem anderen später und dann ist man ein vollendeter Brahmachari.
Man sollte sich also nicht von vorübergehenden sinnlichen Irritationen
beeindrucken lassen, sondern sie auf der Stelle verscheuchen. Dies ist ein
Prozess, den es gilt zu lernen. Ende Anmerkung.

An diesem Punkt bin ich auf der Suche nach dem Gleichgewicht. Ich bin mit
der spirituellen Tradition vertraut, die die spirituelle Energie mittels der
sexuellen Energie gewinnt. Die Erschöpfung durch die Ejakulation
(Samenerguss) wird nicht nur spirituell als kontraproduktiv (nachteilig)
angesehen, sondern auch als eine Gefahr für die Gesundheit, wenn sie
häufiger stattfindet. Ich bin mir auch darüber im Klaren, dass die
Unterdrückung der sexuellen Wünsche nicht unbedingt der gesündeste Weg
ist. (Anmerkung Übersetzer: Kommen hier wieder die Zweifel durch? Ende
Anmerkung) Ich wundere mich über die intimen Bedürfnisse. Zu versuchen,
die Ursachen dieser Gefühle herauszufinden, ist keine leichte Aufgabe.
Darum möchte ich jemanden bitten, der ähnliche Erfahrungen/Bedenken hat,
sie auf diese Seite zu posten. Sie könnte in dieser einseitigen Welt vielen
zölibatär lebenden Menschen helfen.

17. Erica Top

Ich bin eine 28jährige alleinerziehende Mutter. Mein Sohn ist 7 Jahre alt. So
ist es ziemlich offensichtlich für andere, dass ich keine Jungfrau bin. Im
städtischen Umfeld, in dem ich wohne (Los Angeles, Kalifornien, USA)
nehmen einige Männer dies als ein Zeichen dafür, dass ich mal mit diesem,
mal mit jenem, schlafe. Zugegeben, für eine Weile tat ich es. Von dem
Zeitpunkt an, an dem ich meine Jungfräulichkeit verlor, bis zu dem Zeitpunkt,
als ich mit meinem Sohn schwanger wurde, etwa fünf Jahre lang, habe ich
mal mit diesem, mal mit jenem, geschlafen. Doch mit der Geburt meines
Sohnes, entschloss ich mich, besser zu werden. Ich wollte nicht, dass er mich
mit einem Mann nach dem anderen sieht. Während sein Vater anderen Frauen
nachjagde, hoffte ich, eine andere Beziehung zu finden. Aber es kam nicht
dazu. Ich lernte nur Männer kennen, die das "Hit and run"-Spiel spielten (Hit
and run = schlaf mit ihr und dann auf und davon). Aber ich realisierte nicht,
dass ich der Sache nicht half, wenn ich den berechtigten Respekt verlangte.

Dies alles bendete ich mit einem kreischenden Halt, als ich im Frühjahr 1996
erneut schwanger wurde. Zum zweiten Mal in meinem Leben war ich von
jemandem schwanger, den ich kaum kannte und ich verdiente nicht genug
Geld, um für ein zweites Kind zu sorgen. Was aus der Schwangerschaft
wurde, ist nicht wichtig. Was in diesem Moment für mich wichtig war, war
die Entscheidung für das Zölibat. Ich entschloss mich, so lange enthaltsam zu
leben, bis ich eine gute dauerhafte Beziehung auf der Grundlage des
gegenseitigen Vertrauens, der Liebe und Zuneigung aufgebaut hatte. Dies
schien mir das Beste für mich zu sein. Verstehen sie mich nicht falsch. Es ist
nicht so, dass ich nicht gerne wieder von dem zölibatären Zug abgesprungen
wäre, aber die Männer, die ich kennen lernte, waren nicht an einer festen
Beziehung interessiert. Durch das Zölibat war ich vor mir selber geschützt.

Das Zölibat ist eine gute Wahl für Menschen, die in einer Anzahl schlechter
Beziehungen stecken. Während dieser Zeit analysierte ich meine Lage und
dachte über meine Motive nach. Ich versuchte herauszufinden, was ich
wirklich will, anstatt auf all die Magazine zu hören, die mir immer wieder
sagten, wie ich sein sollte. Dadurch habe ich mich spirituell zentriert, denn es
gab die anderen Zerstreuungen nicht mehr. Die sexuelle Anziehung ist immer
noch da und ich flirte immer noch sehr gerne, aber ich fühle mich nicht mehr
gezwungen, diesem Drängen nachzugeben. Das Zölibat hat mich mehr über
mich und über Selbstkontrolle gelehrt, als ich mir je vorstellen konnte.

18. Jude Top

Ich bin Mitte vierzig, weiblich, und lebe seit fast zwei Jahren zölibatär. Ich
habe entschieden, dass mir meine Intimsphäre wichtiger ist, als mich der
öffentlichen Meinung anzupassen und nachzukommen. Ich habe mich in
Beziehungen immer irgendwie überfordert gefühlt und suchte die Einsamkeit.
Nachdem ich meine Neugier über den Sex befriedigt hatte, legte sich mein
Interesse am Sex. Ich habe all die Sozialkontakte, die ich brauche, viele
davon auf meiner Arbeit. Ich bin auch viel gereist und habe die großen
Religionen und Kulturen erforscht. Dabei wurde ich am stärksten durch die
Muslime inspiriert, die ich kenne. Sie haben ein weitaus höher entwickeltes
Verständnis für Kunst und menschliche Werte, als die Menschen des
Westens. Ich möchte betonen, dass mein sexueller Status nichts mit religiösen
Gründen zu tun hat. Deshalb stimme ich nicht mit denen überein, die das
Zölibat wie ein religiöses Schwert vor sich herschwingen. Im Gegenteil, ich
trage mein Zölibat als Aussage; eine Reaktion gegen das, was ich als Unsinn
empfinde. Und ich weiß, dass fast niemand es verstehen kann.

19. Yamandu Top

Ich bin 35, männlich, Uruguayer, lebe aber in Bolivien, praktiziere das
Zölibat seit 35 Jahren und fühle mich immer noch stark. Ich lebe zölibatär,
weil ich neben der Gefahr durch Aids und Schwangerschaften, der
wechselnden sexuellen Beziehungen müde bin. Ich kann eine Frau nicht so
wie einen guten Freund abends zu mir nach Hause einladen, weil sie Angst
haben könnte, dass ich mich nicht benehme. Und wenn sie kommt, dann
erwartet sie von mir, dass ich mich nicht benehme. Wenn mich jemand
besucht, dann ist es also gut, wenn es ein Mann ist. Hat man allerdings zu
häufig Männerbesuche, dann könnten die Nachbarn besorgt sein.

Die Dinge sind so viel leichter, wenn du nicht von der Sexualität bedrängt
wirst, im Büro, auf dem Campingplatz, wo auch immer. Ich kann es mir
emotional nicht leisten. Sehen sie, ich bin ein sehr loyaler Mensch und der
Sex in einer Zweierbeziehung ist weitaus komplizierter als die Hydraulik
eines Autos. Ich nehme nicht an, dass ich für immer zölibatär lebe, obwohl
mich jemand darauf hinwies, dass man mit dem Alter manche Dinge anders
sieht. Aber ich möchte eines Tages eine feine, altmodische, monogame,
kuschelige Familie an meiner Seite haben. Das sollte eigentlich keine
Probleme bereiten. Sex würde jetzt nur bedeuten, dass ich für Menschen
sorgen müsste, um die ich mich jetzt nicht sorge. Darum möchte ich Sex nicht
so beiläufig haben.

Ich bin für eine sehr enge (im Sinne von Zusammengehörigkeit) Freundschaft
und Liebe. Ich bin davon überzeugt, dass eine Familie eine viel engere
Bindung zwischen den Menschen und kein Bedürfnis nach Sex haben sollte.
Ohne Sex können wir viel mehr gemeinsame Zeit miteinander verbringen.
Durch die Liebe können wir über die Angst und Einsamkeit hinauswachsen,
die uns vielleicht umgibt, wenn wir alt und gebrechlich sind. Wir sollten uns
als Familie auch von der sexuellen Unterwürfigkeit befreien.

Heute erforsche ich die nichtsexuelle Beziehung. Es ist hart, das Konzept
durchzuhalten, aber auch sehr angenehm, so nahe, im eigentliche Sinne der
Bedeutung von Intimität, miteinander sein zu können, ohne miteinander Sex
zu haben. Ich kann sagen, dass es immer noch schwer für mich ist, jemanden
liebevoll zu umarmen und mich nicht wie ein Raubtier schuldig zu fühlen
(welches auf Sexualkontakte lauert). Aber gleichgeschlechtliche
Umarmungen sind OK.

20. Marie Top

Ich könnte vom Zölibat berichten, aber der Begriff antisexuell beschreibt am
besten, was ich meine. Asexuell ist ebenfalls OK, aber dies beschreibt nicht
ganz so treffend, was ich meine. Aber du fragst dich, warum ich hier
schreibe? Nun, es bedeutet, dass ich in meinem ganzen Leben keinen Sex
haben möchte. Aber Vorsicht, es bedeutet nicht, dass ich eine Nonne oder so
etwas werden möchte. Es ist nur so, dass ich völlig desinteressiert am Sex
bin. In der Tat, ich finde ihn abscheulich. Es ist mir klar, dass ich ihn nicht
genießen kann, er ist mir sehr unangenehm.

Ich bin noch nie mit jemandem ausgegangen (ich bin jetzt 19) und ich möchte
dies nur, wenn ich weiß, dass es zu einer sexlosen Ehe kommt. Ich möchte
gerne heiraten. Wie alle anderen Menschen brauche ich es zu lieben und
geliebt zu werden, denn ich bin ein Mensch und ich habe Gefühle. Nun
zurück zu meiner Antisexualität oder Asexualität. Bitte erzählt mir nicht, ich
bräuchte eine Therapie oder ich hätte traumatische Erfahrungen in meinem
Leben gehabt. Dies ist nicht der Fall. Ich hatte schon immer das Gefühl, ich
sei nicht normal. Als ich ein Teenager war, bin ich davon ausgegangen, dass
ich all die Dinge fühlen würde, die all die anderen Teens um mich herum
fühlen würden. Aber dies war nicht der Fall. Da war nichts. Darum wartete
ich. Wieder nichts. Ich weiß, ich bin nicht lesbisch, das war mir klar. Aber
was zum Teufel ist falsch mit mir? Schon seitdem ich ein kleines Kind war,
wusste ich, dass es nicht kommen würde. Es war schon immer in meinem
Hinterkopf. Ich konnte mit niemandem darüber sprechen und habe mich
deswegen geschämt. Ich hatte nie besonders viel Selbstbewusstsein. Dadurch
war es noch schwieriger für mich.

In diesen Tagen ist der Sex überall. Die Leute reden die ganze Zeit davon. Er
ist im Fernsehen, in den Liedertexten, in der Werbung und Illustrierten,
ÜBERALL! Ist der Sex wirklich so wichtig? Ich hatte noch niemals Sex und
ich fühle mich großartig. Was sollte also mit mir nicht stimmen?

21. Zoe Top

Ich bin stolz darauf, asexuell zu sein. Asexuelle Menschen sind eine kleine
Minderheit, die ebenso wie alle anderen anerkannt werden wollen. Wir
wollen ein farbiges Band, einen Nationalfeiertag und Gutscheine für
Fastfood-Restaurants. (Ich bevorzuge vegetarische Restaurants.) Wir wollen
die Welt wissen lassen, dass es uns gibt.

Was den Rest der Welt betrifft, asexuelle Organismen mit mehr als eine Zelle
gibt es nicht. Das macht es ziemlich schwierig, für Menschen, denen es an der
sexuellen Lust mangelt. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die großes Aufsehen
über ihre mangelnde Lust an der Sexualität machen. Ich atme nicht die Luft
der Selbstgerechten und verbringe meine Freizeit nicht damit, darüber
nachzudenken, wie ich Sex haben kann. Ich mache mir über dieses Thema
keine Gedanken.

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