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Kritik an den Raja Yoga Sutras von Patanjali Startseite

Im dritten Kapitel des Raja Yoga Sutras von Patanjali werden die
übersinnlichen Fähigkeiten behandelt. Leider habe ich das Gefühl, dass die
Vorstellungen von den übersinnlichen Fähigkeiten, die in den Raja Yoga
Sutras verbreitet werden, fast allgemein kommentarlos akzeptiert werden.
Die übersinnlichen Fähigkeiten, werden selbst von anerkannten
Yogaexperten vollkommen unkritisch als real betrachtet, und die Wege, wie
man diese übersinnlichen Fähigkeiten erlangen kann, gar nicht in Frage
gestellt. Vielmehr wird als selbstverständlich angenommen, dass jeder
yogapraktizierende Mensch theoretisch in der Lage ist, diese Fähigkeiten zu
erlangen. Es wird zwar erklärt, dass Patanjali darauf hinweist, dass das
Erlangen dieser übersinnlichen Fähigkeiten, eher ein Hindernis auf dem
spirituellen Weg ist, andererseits wird mit den Sutras so umgegangen, als
könnte man die übersinnlichen Fähigkeiten tatsächlich erwerben.

Da ich persönlich allerdings das Gefühl habe, dass diese übersinnlichen


Fähigkeiten keineswegs eine reelle Basis haben, sondern dem
Wunschdenken und der vollkommen unkritischen Einstellung vieler
Yogapraktizierender entspringen, möchte ich mich in diesem Artikel einmal
kritisch mit dem dritten Kapitel der Raja Yoga Sutras von Patanjali
auseinander setzen. Es wundert mich, wie die Raja Yoga Sutras von
Patanjali sich über zwei Jahrtausende so unkritisch verbreiten konnten.
Selbst der Leiter von yogavidya.de, Sukadev Bretz, den ich eher als
fortschrittlich ansehen würde, verbreitet in seinem Kommentar zu den Raja
Yoga Sutras eine eher unkritische Sichtweise. Darum möchte ich mich
einmal kritisch mit seiner Darstellung des Dritten Kapitels der Raja Yoga
Sutras auseinander setzen.

Mir gefällt der Kommentar Sukadev Bretz zu den Raja Yoga Sutras von
Patanjali insgesamt sehr gut, da er viele Beispiele und Erfahrungen aus
seinem eigenen Leben und aus seiner Yogapraxis mit einfliessen lässt, was
den Kommentar auflockert und sehr anschaulich macht. Seine jedoch relativ
unkritische Einstellung zu den übersinnlichen, kosmischen Fähigkeiten
dagegen, gefällt mir weniger. Was mir ausserdem weniger gefällt ist, dass er
die Mythen des Yoga, mit denen ich mittlerweile ziemlich grosse Probleme
habe, sehr intensiv zu pflegen scheint. Jedenfalls werden z.B. Vorstellungen
von göttlichen Visionen, die jemand haben kann, Eindrücke aus früheren
Leben, astrale Naturgesetze, karmische Reaktionen, Astralwesen, die unsere
Energie aufsaugen und uns unsere spirituelle Kraft rauben, scheinbar
vorbehaltlos akzeptiert.

Patanjali beschreibt in seinen Yoga Sutras zum Beispiel, wie wir die
Vergangenheit und die Zukunft erkennen können, hellsichtig werden, wie
wir die Sprache der Wesen verstehen können, ohne die Sprache systematisch
zu lernen, wie wir frühere Leben kennen lernen oder die geistigen
Vorstellungen eines anderen wissen können, also Telepathie lernen können,
wie wir unsichtbar und unhörbar werden können, wie wir die Zeit unseres
Todes erkennen können, wie wir bestimmte Eigenschaften und Kräfte in uns
entwickeln, Subtiles wahrnehmen können, wie wir die Welt erkennen,
Astrologie, Anatomie und Physiologie verstehen können, ohne sie großartig
studieren zu müssen, wie wir Hunger und Durst beherrschen, Kontakt zu
höheren Wesen aufnehmen können, intuitive Sinne entwickeln können, wie
wir levitieren (frei schweben) und übernatürliches Hören entwickeln können
u.s.w..

Laut Patanjali beruht die Fähigkeit, übersinnliche Kräfte zu entfalten darauf,


den Geist zu konzentrieren. Es wird behauptet, dass man das Wissen über
eine übersinnliche Fähigkeit erlangt, wenn man sich bewusst darauf
konzentriert. Allein durch Konzentration soll man also in der Lage sein,
übersinnliche Fähigkeiten zu erlangen und Ereignisse in gewünschte
Richtungen zu beeinflussen. Sukadev Bretz weisst zwar darauf hin, dass das
dritte Kapitel noch weitgehend unerforscht ist, seine Kritik geht allerdings in
die Richtung, dass er behauptet, dass es bestimmt noch viele schöne und
wirkungsvolle Techniken, übersinnliche Fähigkeiten zu erlangen, zu
entdecken gibt. Die Fähigkeiten übersinnliche Fähigkeiten zu erlangen, wird
überhaupt nicht in Frage gestellt.

Im ersten und zweiten Sutra wird der Unterschied zwischen Dharana, der
Konzentration auf ein Objekt, und Dhyana, der Meditation beschrieben. Es
wird von Patanjali darauf hingewiesen, dass erst ein ungebrochener Fluß der
Wahrnehmung, zwischen dem Geist und den Objekten, einer Meditation
entspricht. Es findet also erst dann wirklich Meditation statt, wenn die
Konzentration auf ein Objekt, welches real oder ideell sein kann,
ungebrochen ist, und er Geist nicht mehr abschweift. Wenn man meditiert
(Dhyana), sitzt man in einer Yogahaltung (Asana), reguliert den Atem
(Pranayama), zieht die Sinne nach innen zurück (Pratyahara) und
konzentriert sich auf ein Objekt (Dharana). Man spricht aber erst dann von
Meditation, wenn die Konzentration anstrengungslos ist, wenn man total mit
dem Meditationsobjekt verschmolzen ist und der Geist nicht mehr
abschweift. Schweift der Geist dagegen immer wieder ab und muss erneut
auf das Objekt konzentrieret werden, so spricht man nicht von Meditation,
sondern von Konzentration.

Das dritte Sutra besagt, wenn das Bewußtsein des Meditierenden und des
Objektes verschwindet und nur die Bedeutung verbleibt, wird dies als
überbewusster Zustand, als Erleuchtung (Samadhi) benannt. Dabei kann das
Objekt der Meditation sehr vielfältig sein. In unterschiedlichen Kulturen hat
man verschiedene Meditationstechniken entwickelt. So sind uns aus dem
Buddhismus bzw. Hinduismus die Mantrameditation, die Konzentration auf
die Atmung, auf das dritte Auge (Stirnchakra) und auf das Herzchakra
bekannt. Die Meditation auf eine Kerze, ein Heiligenbild, einen Gott, eine
Göttin oder auf einen religiösen Gegenstand ist in vielen Religionen
anzutreffen. Auch intensives Beten, kann man durchaus als Meditation
betrachten. Von vielen Heiligen ist bekannt, dass sie so intensiv in ihre
Gebete vertieft waren, dass man dieses durchaus als eine Verschmelzung mit
Gott, mit Jesus oder einem anderen Angebeten, als Meditation betrachten
kann. Meditation findet sich allerdings auch vielfältig im normalen Alltag
wieder. Immer dann, wenn wir vollkommen von einer Sache absorbiert
werden, wenn wir vollkommen damit verschmelzen, findet Meditation statt.
Im Yoga unterscheidet man zwischen verschiedenen Samadhi-Stufen, auf
die hier nicht näher eingegangen werden soll.

Wichtig bei übersinnlichen Kräften ist der Begriff Samyana. Samyana ist ein
technischer Ausdruck, der die drei Begriffe Dharana (Konzentration),
Dhyana (Meditation) und Samadhi (Erleuchtung) umfaßt. Wenn Dharana
(Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (Erleuchtung)
aufeinander folgen, ist es Samyama. Man kann Samyama auch definieren als
eine bestimmte Form der Konzentration, die, wenn wir sie perfektionieren,
zu Samadhi führt. Normalerweise sind unsere Wahrnehmungen, durch die
Sinne, den Verstand und durch das Unterbewusstsein eingefärbt. Wenn wir
aber, wie bei der Meditation etwas nicht mehr durch den Verstand
wahrnehmen, sondern so intensiv mit unserem Bewusstsein in die Essenz
des Meditationsobjektes hineingehen, welches real oder ideell sein kann,
dass unser Bewusstsein förmlich mit dem Meditationsobjekt verschmilzt,
dann erlangen wir Wissen und Herrschaft über dieses Meditationsobjekt.
Dies jedenfalls behauptet Patanjali.

Im 16. Sutra des 3. Kapitels der Raja Yoga Sutras von Patanjali beginnt die
Beschreibung der Techniken, wie man übersinnliche Fähigkeiten erwerben
kann. Es wird von Sukadev darauf hingewiesen, dass es uns nicht nur darum
gehen sollte, übersinnliche Fähigkeiten zu erwerben, sondern wir sollten die
Sutras nach Möglichkeit so auslegen, dass sie uns im praktischen Leben
Handlungsweisen ermöglichen, die uns das Leben erleichtern. So könnte
man zum Beispiel beim Sutra über das Gedankenlesen eines anderen Person,
dieses auch so auslegen, dass man versucht, sich in den anderen hinein zu
versetzen, um ihn besser zu verstehen. Diese Interpretation der
übersinnlichen Fähigkeiten ist zwar nachvollziehbar, versucht in meinen
Augen aber ein wenig darüber hinwegzutäuschen, dass bei den
übersinnlichen Fähigkeiten insgesamt der Eindruck erweckt wird, und wohl
auch erweckt werden soll, dass das Erwerben übersinnlicher Fähigkeiten
möglich ist.

Sutra 16: Mit Anwendung von Samyama in den drei Arten der
Veränderungen (Form, Zeit und Zustand) wird Wissen um Vergangenheit
und Zukunft erlangt.

Diese Technik besagt, wenn man Samyana auf die Veränderungen von
Form, Zeit und Zustand anwendet, dann erlangt man Wissen über die
Vergangenheit und Zukunft. Mit anderen Worten, wenn ich mich auf die
drei Arten der Veränderungen von Form, Zeit und Zustand intensiv
konzentriere, wenn ich ich also darüber meditiere und mit diesen
Veränderungen verschmelze, also in einen Samadhi-Zustand eingehe, indem
ich als Subjekt mit dem Objekt meiner Meditation verschmelze, dann
erlange ich Kenntnisse über die Vergangenheit und Zukunft.

Bei einem überschaubaren Zeitraum und einem mathematisch exakt


vorhersagbarem Verlauf eines Ereignisses sind solche Vorhersagen natürlich
möglich. Ich frage mich allerdings, wie solche Vorhersagen im realen Leben
möglich sein sollen. Dazu gibt es viel zu viele unbekannte Faktoren, die das
Geschehen beeinflussen, die man weder vorherbestimmen noch intuitiv
erfassen kann. Und sich dabei auf eine höhere göttliche Eingabe zu
verlassen, erscheint mir doch etwas zu verwegen, auch wenn viele sich
sicherlich gerne darauf berufen. Mit dieser Einstellung allerdings, wird alles
zur Glaubenssache.

Ich kann zwar in etwa vorhersagen, wie wahrscheinlich das Leben eines
Menschen, den ich sehr gut kenne, in etwa ein oder zwei Jahren aussehen
wird, wenn ich seinen bisherigen Lebensweg kenne. Dafür brauche ich
allerdings keine übersinnlichen Fähigkeiten, sondern dafür muss ich
allenfalls ein wenig meinen Verstand bemühen.

Sutra 17: Klang, Bedeutung und entsprechende Vorstellungen sind


normalerweise im Geist miteinander vermengt; wird aber Samyama auf den
Klang ausgeführt, lösen sich Bedeutung und Vorstellung auf, und man
erlangt Verständnis der Klänge aller lebenden Wesen.

Hiermit wird gesagt, dass man die Laute, egal welcher Wesen, es können
sowohl die Laute irgendeiner Tierart, als auch die Laute eines Menschen
sein, der eine uns unbekannte Sprache spricht, versteht, wenn man sich ganz
entspannt auf den Klang der Laute konzentriert (Samyana darauf ausübt). Es
mag ja noch sein, dass man, beim wiederholten Anhören einer Kassette mit
der Sprache, die man gerne lernen möchte, ein gewisses Gefühl, für den
Rhytmus und für die Aussprache dieser Sprache entwickelt. Mehr aber auch
nicht. Wenn man aber die Vokabeln dieser Sprache nicht lernt und sich auch
sonst nicht näher mit der Sprache beschäftigt, dann kann man sich die
Sprache so oft anhören wie man möchte, man wird nicht in der Lage sein,
diese Sprache zu verstehen oder zu sprechen. Ein Verständnis der Sprache
kommt nicht allein dadurch zustande, dass man ihr zuhört, bzw. darüber
konzentriert meditiert, wie Patanjali das behauptet, es sei denn, man besitzt
bereits Vorkenntnisse. Ebenso ist es mit dem Verstehen von Tieren. Erst
nach einem längeren und intensiven Beobachten und Nachdenken wird man
in der Lage sein, Tiere zu verstehen. Man muss ihr Verhalten sehr gründlich
studieren um sie zu verstehen.

Sutra 18: Durch die Wahrnehmung von Samskaras (Eindrücke im Geist, im


Unterbewußtsein) entsteht das Wissen um die vergangene Geburt.

Ich frage mich, wieso jemand die Reinkarnation als selbstverständlich


betrachtet? Mir zeigt solch eine Einstellung, dass der betreffende scheinbar
die hinduistische bzw. buddhistische Reinkarnationslehre ungefragt
übernommen hat oder sich schlicht und einfach noch keine Gedanken
darüber gemacht hat. Für mich ist diese Haltung unakzeptabel. Leider findet
man auch in der Bhagavad Gita dieselbe Einstellung wieder. Sukadev Bretz
spricht zwar auch von einer persönlichen Erfahrung im Rahmen einer
kollektiven Rückführung, die er bei einem Workshop mit einer bekannten
amerikanischen Reinkarnationstherapeutin machte, und stellt anschliessend
die Frage, ob die Erlebnisse, die er bei der Rückführung hatte, wirklich
einem früheren Leben zuzuordnen sind. Er zieht daraus aber keine
Konsequenzen und erhält somit an der Realität der Reinkarnation fest.

Auch seine Behauptung, dass jemand, der vor etwas Angst hat, ohne daß es
in diesem Leben dafür eine Begründung gibt, diese Angst auf Eindrücke aus
früheren Leben schließen lassen, halte ich für unzulässig. So legt man sich
sein Weltbild zurecht, damit es in die Ideologie der Reinkarnation
hineinpasst. Warum sollte ein Kind nicht künstlerische, intellektuelle oder
andere Fähigkeiten besitzen, die nicht bei seinen Eltern vorhanden sind? Wie
es zu solchen Fähigkeiten kommt, ist vielleicht nicht erklärbar. Vielleicht
sind sie einfach nur eine Laune der Natur. Vielleicht gibt es aber auch
irgendwo in der Verwandschaft oder unter den Bekannten jemanden, der
diese schlummernden Fähigkeiten, die die Eltern nicht beachteten, weckte.
Dahinter aber die Fähigkeiten aus früheren Leben zu vermuten, empfinde ich
als Spekulation.

Weiter wird behauptet: "Ebenso mag es sein, dass jemand sich an


vermeintliche Ereignisse aus früheren Leben erinnern kann, und sogar in der
Lage ist, sie detailliert zu schildern." Ich stehe solchen Äusserungen sehr
kritisch gegenüber. Wenn ich selber solche Erfahrungen in meiner näheren
Umgebung gemacht hätte, und in der Lage wäre, dieses zu überprüfen, hätte
ich bestimmt eine etwas unkritischere Haltung solchen Phänomenen
gegenüber. Mich aber auf die Aussagen mir unbekannter Personen zu
verlassen, behagt mir nicht. Und selbst, wenn man in einer
Reinkarnationstherapie die Ursache für die nicht erklärbare Angst oder das
nicht erklärbare Talent eines Menschen zu finden glaubt, wer sagt denn, dass
diese Ursachen nicht doch aus dem jetzigen Leben stammen und in ein
früheres Leben hineinprojiziert werden?

Sutra 19: Indem man Samyama auf den Geist eines anderen ausführt, lernt
man dessen geistige Vorstellungen kennen.

Dieses Sutra halte ich ebenso für falsch, wie die meisten Sutras, die sich mit
übersinnlichen Kräften beschäftigen. Es möchte uns suggerieren, dass wir in
der Lage sind, die Gedanken eines anderen Menschen zu lesen. Wozu sonst
hat man es aufgestellt? Kein Mensch ist in der Lage, die Gedanken eines
Menschen zu lesen. Da mag er Samyana betreiben bis zum Sankt
Nimmerleinstag. Alles was möglich ist, ist zu versuchen, uns in die Situation
eines anderen Menschen hinein zu versetzen, um seine Stimmung, sein
Gefühl, sein Denken nachzuempfinden. Mehr ist nicht möglich. Dafür
brauche ich aber keine übersinnlichen Fähigkeiten, sondern allenfalls ein
wenig Menschenkenntnisse und psychologisches Einfühlungsvermögen.

Den Willen eines anderen Menschen ohne sein Zutun zu manipulieren halte
ich ebenfalls für ausgeschlossen. Das aber wird immer wieder von
"Geistesheilern" gegen teures Geld bei sogenannten
Partnerzusammenführungen angeboten, die in meinen Augen nichts anderes
als Scharlatane sind, und vorgeben, sie könnten den Partner, der sich von
seinem früheren Lebenspartner getrennt hat, durch Magie so beeinflussen,
dass er zu seinem getrennt lebenden früherem Partner zurückkehrt. Das ist
nicht nur völliger Unsinn, sondern auch ein vollkommen
verantwortungsloser Umgang mit dem Trennungsschmerz anderer
Menschen. Darum halte ich es ebenso für Unsinn, wenn Sukadev behauptet,
wenn es einem wirklich gelingt, sich gänzlich in den anderen
hineinzuversetzen und im anderen so zu sein, als sei man selbst in dessen
Körper, dann kann man theoretisch auch anfangen, dem anderen Gedanken
aufzuoktroyieren, ihm vorzuschreiben, was er tun soll.

Sutra 21: Samyama auf den eigenen physischen Körper ausgeführt, hebt die
Fähigkeit eines anderen, ihn zu sehen, auf; das reflektierte Licht des Körpers
kommt mit den Augen des anderen nicht in Kontakt, wovon die Kraft der
Unsichtbarkeit herrührt.

Auch hier nimmt Sukadev Bretz an, dass dieses Unsichtbarmachen in der
Realität möglich ist. Er sagt weiter: "Wenn jemand volles Samyana
beherrscht, kann er sich tatsächlich so weit unsichtbar machen, dass selbst
eine Kamera ihn nicht fotografieren kann." Von solchen Begebenheiten wird
immer wieder in allen mögliche Yogabüchern berichtet. Ich denke
allerdings, dass sie der blühenden Phantasie des Orients entspringen, der
dazu neigt, die Dinge gern ein wenig auszuschmücken. Wenn es so etwas
wie Unsichtbarkeit gibt, dann hängt das mit der Unscheinbarkeit mancher
Menschen zusammen. Sie gehen förmlich in der Masse unter und fallen dort
kaum auf. Andere dagegen stehen immer wieder im Rampenlicht und sind
schlicht nicht zu übersehen. An jemanden, der sich unsichtbar machen kann,
glaube ich erst, wenn ich es mit eigenen Augen gesehen habe (bzw. ihn habe
sich unsichtbar machen gesehen).

Sutra 22: Dadurch kann auch das Verschwinden von Lauten und anderen
physischen Phänomenen erklärt werden.

Es wird behauptet, wenn man Samyana auf den Klang ausübt, man sich also
vollkommen auf den Klang, z.B. auf seine eigene Stimme, konzentriert, und
gewissermassen mit dem Klang verschmilzt, dann wird man für andere
unhörbar. Selbst wenn man dann schreit, werden andere diese Schreie nicht
hören. Auch das halte ich für unmöglich.

Sutra 23: Karma kann entweder ruhen oder aktiv sein; indem der Yogi
Samyama auf beide ausführt, kann er die Zeit des Todes wissen.

Dieses Sutra besagt: Wenn wir Samyama ausführen auf das Karma, das jetzt
aktiv ist, welches wir uns also durch unser jetziges und durch vorherige
Leben geschaffen haben, und auf das Karma, die Lektionen, die noch vor
uns liegen, und uns auf beides konzentrieren, dann wissen wir plötzlich,
welche Aufgaben wir noch zu erfüllen haben und wann wir sterben werden.

Ich halte das Erkennen unseres Todeszeitpunktes genau für so unmöglich,


wie den bereits oben erwähnten Blick in die Zukunft oder in die
Vergangenheit. Ausserdem beruht die Vorstellung des Karmas auf der
Reinkarnationsphilosophie, die ich für ein hinduistisches Märchen halte.
Leider konnte auch Buddha, der ja ansonsten sehr fortschrittlich eingestellt
war, und sich vollkommen von der hinduistischen Gottesvorstellung trennte,
sich nicht von der Reinkarnation trennen. So verfolgt sie uns also immer
noch und wird von vielen Leuten vollkommen unkritisch übernommen.

Sutra 24: Indem man Samyama auf Freundlichkeit und andere positive
Eigenschaften wie Barmherzigkeit, Liebe u.s.w. ausführt, werden deren
Kräfte erlangt.

Als ich dieses Sutra zuerst las, entwickelte sich bei mir zuerst eine innere
Zustimmung. Als ich dann aber etwas intensiver darüber nachdachte, nahm
ich wieder etwas Abstand von dieser Zustimmung. Ich möchte es zwar nicht
vollkommen ausschliessen, dass sich diese positiven Eigenschaften
entwickeln, wenn man Samyana auf sie ausübt, aber ich glaube, dass sich
diese Eigenschaften erst dann richtig entwickeln, wenn der Mensch es
gelernt hat, sich zu entspannen und seine inneren Konflikte zu lösen.

So wird den Bhakti-Yogis immer wieder empfohlen, sie sollten den


Menschen mit Liebe begegnen. Dadurch würde sich ebenfalls Liebe in ihnen
entwickeln. Ich halte aber diese Form der Liebe für Heuchelei, weil sie nicht
mit der inneren Einstellung übereinstimmt und nicht wirklich von Herzen
kommt. Darum glaube ich nicht daran, dass sich durch dieses Verhalten
Liebe beim Bhakti-Yogi entwickelt. Schafft er es aber seine Ängste, seine
negativen Emotionen in positive Bahnen zu lenken, hierbei spielen unter
anderem die Meditation und die Sexualität eine entscheidende Rolle, dann
wird er entspannter und entwickelt allmählich von innen heraus, ohne dass
er sich speziell dazu motivieren müsste, die angestrebten Eigenschaften.

Die Technik mittels dieser Eigenschaftsmeditation Geduld zu entwickeln,


wird von Sukadev Bretz wie folgt beschrieben: "Man konzentriert sich auf
die Eigenschaft an sich, ohne Visualisierung und ohne Suggestion, man
erspürt die Eigenschaft als solches, konzentriert sich voll darauf, geht völlig
in ihr auf. Das ist der machtvollste Teil dabei. Wenn wir uns auf die Geduld
konzentrieren, die Essenz der Geduld, und sie wirklich in uns spüren, dann
wird sie sehr machtvoll in uns.

Ich habe sowohl grosse Schwierigkeiten mir Samyana auf Eigenschaften wie
Geduld, Liebe, Nächstenliebe konkret vorzustellen, als auch daran zu
glauben, dass diese Praxis funktioniert. So sagt auch Sukadev Bretz, dass es
einem eventuell schwer fallen könnte, eine bestimmte Eigenschaft in sich
selbst zu entwickeln.

Sutra 25: Indem man Samyama auf die Kräfte verschiedener Tiere ausführt,
erlangt man die Kräfte des betreffenden Tieres.

Hierzu sagt Sukadev Bretz: "Wenn wir uns beispielsweise auf einen
Elefanten konzentrieren, werden wir stark wie ein Elefant. Wenn wir
Sanftmut entwickeln wollen, dann können wir uns auf eine Kuh
konzentrieren. Oder wenn wir Durchsetzungsvermögen und Mut in uns
stärken wollen, können wir uns auf einen Tiger konzentrieren." Ich kann mir
nicht vorstellen, dass sich jemand auf diese Weise, den Mut und die Kraft
des Tigers zu eigen gemacht hat.

Sutra 26: Indem man Samyama auf Licht ausführt, erhält man intuitives
Wissen über das, was subtil, versteckt oder entfernt ist.

Als einfache Anwendung dieser Samyana-Technik erwähnt Sukadev das


Starren auf/in eine Kerzenflamme. Wenn man das länger ausübt, so sagt er,
führt es dazu, daß man das Feinstoffliche, Versteckte oder weit Entfernte
erkennt. Weiter behauptet er: "Mir ist es schon so ergangen, daß ich
anschließend an ein längeres Starren auf eine Kerze in einer Gruppe die
Auras der anderen gesehen habe. Man schaut in die Flamme, und dann sieht
man darum herum die Aura. Wenn man das regelmäßig macht, eine halbe
Stunde bis zu einer Stunde jeden Morgen, dann kann es sein, daß man
Astralwesen im Raum wahrnimmt."

Ich kann weder mit feinstofflichen Ebenen, noch mit Auren und auch mit
Astralwesen nichts anfangen. Das alles sind Vorstellungen, die der Yoga-
Mystik entstammen, aber trotzdem von vielen Yogaanhängern immer wieder
erwähnt werden. Die feinstofflichen Ebenen, Auren und Astralebenen sind
allenfalls hilfreiche Vorstellungen, durch die sich die recht komplizierten
physiologischen Abläufe, die während der Meditation auftreten, leichter
erklären lassen. Gleichzeitig werden die äusserst komplexen
physiologischen Vorgänge, dadurch allerdings stark vereinfacht. Wenn man
einem einfachen Menschen die recht komplizierten physiologischen
Abläufe, die während der Meditation geschehen, erklären sollte, die
teilweise nicht einmal die Wissenschaftler selber vollkommen verstehen, so
ist man damit überfordert. Also greift man auf ein vereinfachtes Chakren-
Modell zurück, dass in einer leicht verständlichen Sprache, die
Zusammenhänge für Jedermann verständlich macht.

Alle, die übrigens davon überzeugt sind, dass es Auren wirklich gibt, und die
davon überzeugt sind, dass sie sogar in der Lage sind, diese Auren zu sehen,
möchte ich auf die Webseite über Synäthesie aufmerksam machen. Unter
Synästhesie versteht man unter anderem die Fähigkeit Auren
wahrzunehmen. Die Wahrnehmung von Auren ist allerdings ein Prozess, der
im Gehirn des Betrachters stattfindet. Er meint, eine Aura wahrzunehmen. In
Wirklichkeit aber werden bei Synästhetikern neben der normalen optischen
Wahrnehmung, unwillkürlich zusätzliche optische (oder akustische)
Sinnesempfindungen ausgelöst, die den Eindruck vermitteln, eine Aura zu
sehen. Theoretisch sind derartigen Verbindungen zwischen allen fünf
Sinnesbereichen möglich, die häufigste Form ist jedoch das "coloured
hearing". Hierbei werden Töne, Musik oder Sprache zeitgleich mit Farben
erlebt. Synästhesie ist eine seltene neurologische Disposition, die bei rund
2000 Menschen einmal auftritt.

Sutra 27: Indem man Samyama auf die Sonne oder das Sonnensystem
ausführt, erlangt man Wissen um die Welt.

Ich glaube nicht, dass man Wissen über die Welt dadurch erlangt, indem
man Samyana auf die Sonne oder das Sonnensystem ausübt. Ein intensives
Nachdenken über das zuvor studierte, könnte allerdings so manche offene
Frage beantworten. Jemand, der über keinerlei theoretisches Wissen über
unser Sonnensystem verfügt, wird auch durch intensives Samyana kein
Wissen über die Welt erlangen. Es würde ja bedeuten, dass ihm dieses
Wissen rein intuitiv zufliegen würde, ohne dass er je irgendwelche Studien
betrieben hätte. So etwas halte ich schlicht für unvorstellbar.

Sutra 28: Indem man Samyama auf den Mond ausführt, erreicht man
Kenntnis der Astrologie.

Was über Samyana auf die Sonne gesagt wird, gilt im übertragenen Sinne
auch für Samyana auf den Mond. Ausserdem halte ich Astrologie für keine
ernsthafte Wissenschaft. Es mag zwar sein, dass man einige Aussagen über
die Charaktereigenschaften von Menschen eines ganz bestimmten
Sternzeichens machen kann. Daraus aber irgendwelche Lebenswege oder
Ratschläge ableiten zu wollen, halte ich für unseriös. Sie decken sich
allenfalls mit den Erwartungshaltungen astrologiegläubiger Menschen, die
sich vor der Verantwortung ihrer Lebensplanung drücken und von anderen
Menschen Lebenshilfe erwarten.

Sutra 29: Durch das Ausführen von Samyama auf den Polarstern kommt das
Wissen um die Bewegung der Sterne.

Es hat wohl noch kein Astronom Kenntnisse über die Bewegung der Sterne
erlangt, der sich nicht vorher intensiv mit Astronomie beschäftigt hat. Kann
man durch intensive Konzentration auf den Polarstern, durch meditatives
Verschmelzen mit dem Polarstern, wirklich neue Kenntnisse über die
Bewegung der Sterne erlangen? Ich glaube, dass man dadurch vielleicht eine
sehr schöne Meditationserfahrung haben kann, aber nicht unbedingt neues
Wissen über die Bewegung der Sterne gewinnt. Ich will nicht verhehlen,
dass man durch intuitive Eingebung so manche Einsicht gewinnt. Ob diese
Eingebungen etwas mit Samyana zu tun haben, wage ich zu bezweifeln,
zumal die Astronomen ihr Wissen in der Regel durch fleissige Arbeit
gewinnen.

Sutra 30: Durch das Ausführen des Samyama auf das Nabelzentrum kommt
das Wissen um die Struktur des Körpers.

Normalerweise müssen Mediziner lange studieren um Wissen über den


Körper zu erlangen. Und das wird auch immer so bleiben. Ich glaube nicht,
dass auch nur ein Mediziner neue Erkenntnisse über die Struktur des
Körpers dadurch gewonnen hat, indem er Samyana auf das Nabelzentrum
ausführte. Es mag sein, dass ihm während der Meditation ein leuchtender
Gedanke kam, der eine ungeklärte Frage löste. Das hat allerdings in meinen
Augen weniger etwas mit Samyana zu tun, sondern ich würde es eher als ein
kreatives Nachdenken oder als Intuition bezeichnen.

Eine intensive Konzentration auf das Nabelzentrum liefert einem allerdings


ein gutes Gefühl für die Gesundheit des Nabelzentrums. Schliesslich zeigt
uns das Nabelzentrum an, wie es um unseren emotionalen Bereich bestellt
ist. Und wenn man daraus die notwendige Konsequenz zieht, kann die
Information des Nabelzentrums sehr wichtig sein. Ausserdem sagt das
Nabelzentrum eine Menge darüber aus, ob wir über eine gesunde
Bauchatmung verfügen.

Sutra 31: Durch Ausführen von Samyama auf die Höhlung der Kehle hören
Gedanken an Hunger und Durst auf.

Sich durch Samyana auf die Höhlung unterhalb des Kehlkopfes zu


konzentrieren, in diesem Bereich liegt die Schilddrüse, die mit dem
Stoffwechsel des Körpers zu tun hat, vor allem mit der Regelung von
Hunger und Durst, mag vorübergehend von Hunger und Durst ablenken.
Dafür ist der Hunger und der Durst anschliessend wahrscheinlich um so
grösser. Signale von Hunger und Durst sind ein Zeichen des Körpers, dass er
einen Bedarf, ein Verlangen nach Nahrungsmitteln und Getränken hat.
Unterdrückt man dieses Verlangen über längere Zeit, dann stellen sich
Mangelerscheinungen ein und die Organe werden geschädigt.

Sutra 32: Durch Ausführen des Samyama auf die Sushumna, das ist der
feinstoffliche Haupt-Nervenkanal in der Wirbelsäule, wird Festigkeit
erlangt.

In meinen Augen ist die Sushumna nur eine Gedankenkonstruktion, um das


Chakramodell erläutern zu können. Die Hinduisten gingen davon aus, dass
die Kundalini vom Basischakra, welches im Damm hinter den
Geschlechtsorganen angesiedelt ist, zwischen Genitalien und Anus, über die
Sushumna, die innerhalb der Wirbelsäule verläuft, bis hinauf zum
Kronenchakra, welchen seinen Sitz auf dem Scheitel des Kopfes hat,
verläuft. Sobald also diese Kundalini das Kronenchakra erreicht, soll der
Yogi Erleuchtung erlangen. Dieses Modell gibt eine vereinfachte
Darstellung der Realität wieder, in der komplizierte neurologische Prozesse
überwiegend im Gehirn und in den, mit den Chakren assoziierten
Nervenzentren ablaufen, wobei die Nervenimpulse allerdings nicht entlang
der astralen Sushumna verlaufen, sondern auf den biologisch bekannten
Nervenbahnen.

Sutra 33: Durch Ausführen des Samyama auf das Licht am Scheitel des
Kopfes erhält man die Kraft, Siddhas wahrzunehmen.

Unter Siddhas versteht Sukadev dabei verwirklichte Meister, die sich nach
ihrem Ableben entschieden haben, nicht vollkommen mit Brahmann (Gott)
zu verschmelzen, sondern auf subtile Weise weiter zu existieren, um
Menschen inspirieren zu können. Diese Überlegungen beruhen natürlich auf
der Hinduphilosophie der Reinkarnation und man sollte sie allmählich zu
den Akten legen. Sind sie nicht langsam etwas verstaubt? Ich wundere mich
immer wieder, wie diese Siddhas, auch Avatare genannt, von vielen so
unkritisch als real betrachtet werden (siehe Babaji bei Yogananda).

Sutra 39: Ist die Ursache der Bindung ausgeschaltet, kann der Geist, durch
das Wissen um seine Kanäle, in den Körper eines anderen eintreten.

Dazu Sukadev: "Hier beschreibt Patanjali, wie man seinen eigenen Körper
verlassen und in den Körper eines anderen eintreten kann. Die Technik
besteht darin, daß man aufhören muß, sich an seinen eigenen Körper zu
verhaften, sich mit seinem eigenen Körper zu identifizieren. Wenn wir erst
einmal erkennen: Ich bin nicht der Körper, dazu noch die Nadis
(Energiekanäle) kennen und spüren, dann können wir durch bestimmte
Nadis mit unserem Astralkörper unseren physischen Körper verlassen und in
den Körper eines anderen eintreten."
Als Ursache der Bindung an den Körper, besteht laut Patanjali aus der
falschen Vorstellung, dass wir dieser Körper sind. Lösen wir uns von dieser
Vorstellung und entwickeln die Vorstellung, dass wir eigentlich nur
Ausdruck des göttlichen Selbst sind, dann lösen wir uns aus unserem
physischen Körper, gleiten hinüber in unseren Astralkörper und sind dann in
der Lage in den Astralkörper eines anderen Menschen einzutreten. Ich halte
das alles, schlicht und einfach für unmöglich. Das sind nichts anderes als
luzide Träume. Wozu soll ausserdem der Sinn darin bestehen, den eigenen
Körper zu verlassen und in einen anderen Körper einzutreten?

Ist es eine Flucht vor der eigenen unzureichenden Gesundheit? Vielleicht


sollte man einmal über eine gesündere Lebensführung nachdenken. Ist es der
Wunsch, der eigenen sozialen Situation zu entfliehen? Besteht vielleicht der
Wunsch, den anderen zu manipulieren, um zu mehr Macht, zu mehr Geld, zu
mehr Ruhm, zu einem erfüllterem Sexualleben zu finden? Für mich
entspringen solche Vorstellungen einer unzufriedenen Persönlichkeit.

Sukadev im Sutra 6 des 4. Kapitels:

"Ein spiritueller Meister hat die Fähigkeit, aus seinem eigenen Geist andere
Chittas (Chitta = Geist) zu schaffen, um so sein Karma schneller
auszuarbeiten. Er manifestiert sich also in mehreren Körpern gleichzeitig.
Angenommen, man ist ein großer Meister und stellt fest, man hat noch
Karma für fünf Leben. Nun möchte man nicht mehr fünfmal geboren
werden. Deshalb schafft man sich mehrere Chittas. Mit der Kraft des Geistes
läßt man diese Chittas auf der grobstofflichen Ebene existent werden, im
schlimmsten Fall geht man in den Körper eines anderen Menschen ein, der
gerade im sterben liegt; Patanjali hat ja oben beschrieben, wie man den
Körper eines anderen besetzen kann. Dann arbeitet man das Karma in diesen
Körpern aus. Wenn man ein solches Chitta allein aus der Meditation schafft,
ohne es mit früheren Samskaras (Eindrücken im Unterbewußtsein) zu
verbinden, hat dieses Gemüt keine Samskaras und man kann das Karma
vorurteilsfrei ausarbeiten."

Ich muss ehrlich sagen, so viel Unwissenheit?, Leichtgläubigkeit? verschlägt


mir die Sprache.

Sutra 40: Durch Meisterung des Udana (Energie hinter den


Steuerungssystemen des Körpers) entsteht Levitation sowie die Fähigkeit,
nicht von Wasser, Schmutz, Dornen etc. berührt zu werden.

Sukadev definiert Udana wie folgt: Udana = die Energie hinter den
Steuerungssystemen des Körpers, hinter den Hormonen, der nervlichen
Steuerung, des ganzen Nervensystems, verantwortlich für Schlafen,
Träumen, das Verlassen des physischen Körpers mit dem Astralkörper
sowohl im Moment des Schlafens als auch bei der Meditation oder
Tiefenentspannung als auch im Moment des Todes.

Weiter sagt Sukadev: Udana Vayu ist dazu da, den physischen Körper zu
verlassen, ist eigentlich mehr verantwortlich für den Astralkörper als für den
physischen Körper. Von daher würde man eher dazu neigen, anzunehmen,
daß damit weniger die körperliche Levitation gemeint ist als die Fähigkeit,
mit dem Astralkörper den physischen Körper zu verlassen. Das wiederum ist
eine Erfahrung, die viele Menschen schon gemacht haben. In einer typischen
Yogalehrerausbildung mit 40 Teilnehmern haben fünf bis zehn schon die
Erfahrung gemacht, ihren Körper verlassen zu haben. Und wenn wir Udana
meistern, können wir das bewußt machen.

Wenn Sukadev behauptet, in einer Yogalehrerausbildung hätten von 40


Teilnehmern 5 bis 10 Teilnehmer bereits Erfahrungen damit gemacht, ihren
Körper zu verlassen, so stützt das meine Vermutung, mit welch
unreflektierter Einstellung selbst yogainteressierte Menschen sich solchen
Erfahrungen stellen.

Wenn man von ausserkörperlichen Erfahrungen spricht, so sind damit, wie


ich vermute, hauptsächlich luzide Träume gemeint. In luziden Träumen ist
sich der Schlafende bewusst, dass er schläft. Ausserdem ist er in den Lage,
Einfluss auf den Traum zu nehmen und ihn so zu gestalten, wie er es gerne
möchte. Es gibt zwar auch im Wachzustand ausserkörperliche Erfahrungen,
wie z.B. bei Operationen, in denen der Patient sich plötzlich im
Operationssaal schwebend wiederfindet und seine eigene Operation
gewissermassen aus der Vogelperspektive betrachtet. Wobei er jedes Wort
versteht und den Ärzten bei der Operation zusieht. Ich sage vorsichtshalber
einmal, dass der betreffende Patient glaubt, das alles bewusst
wahrzunehmen, da ich eher annehme, dass ihm sein Gehirn einen Streich
spielt.

Allgemein bekannt sind auch die Nahtoderfahrungen z.B. bei schweren


Verkehrsunfällen. Auch hier kann es passieren, dass der Mensch das Gefühl
hat, er befindet sich ausserhalb seines Körpers und schaut sich selber und
dem Treiben der Helfer zu. Was aber wirklich bei solchen
ausserkörperlichen Erfahrungen passiert, weiss natürlich niemand so ganz
genau. Ich würde allerdings vermuten, dass neurologische Botenstoffe und
unsere Sinne uns das Gefühl vermitteln, wir befänden uns ausserhalb unseres
Körpers. Vielleicht ist auch der real empfundene Schmerz oder die Angst
vor dem Sterben im Moment der Operation oder des Verkehrsunfalls so
gross, dass unsere Psyche sich dadurch der Realität entzieht, indem sie
verstärkt körpereigene Drogen ausschüttet, die uns das Überleben
ermöglichen und uns suggerieren, wir befänden uns ausserhalb unseres
Körpers. Das macht den Schmerz vielleicht etwas erträglicher.

Wenn man normalerweise von ausserkörperlichen Erfahrungen spricht, so


sind damit, so vermute ich zumindest, da ich über keinerlei
ausserkörperliche Erfahrungen verfüge, luzide Träume gemeint. Sie mögen
uns das Gefühl vermitteln, wir befänden uns ausserhalb unseres Körpers. In
Wirklichkeit aber beruht dieses Empfinden auf der Ausschüttung von
Botenstoffen, von körpereigenen Drogen, in unserem Gehirn, die uns das
Gefühl vermitteln, wir befänden uns ausserhalb unseres Körpers. Es spielt
sich überhaupt nichts auf einer astralen Ebene ab, weil diese Ebene, wie
bereits weiter oben im Text angedeutet, überhaupt nicht existiert.

Auf den ganzen Zirkus mit der Levitation bei den Anhängern der
Transzendentalen Meditation von Maharishi Yogi, möchte ich an dieser
Stelle gar nicht weiter eingehen. Ihr könnt es bei agpf.de oder bei Flieger
oder Betrüger? nachlesen. Einen sehr interessanten Bericht über den
Maharishi-Kult, findet ihr übrigens hier: Zerstörte Illusionen

Sukadev sagt im Sutra 42: "Wenn man viel liest und die Wissenschaft einem
immer weismachen will, daß der Mensch der Körper ist und der Geist nur
ein Ausfluß irgendwelcher Gehirnverbindungen und daß die ganze
spirituelle Erfahrung nur auf irgendwelchen eigenartig verlaufenden
Gehirnwindungen beruht, auf Selbstbetrug und Hormon–Botenstoffen oder
so ähnlich, ist eine solche Erfahrung (den physischen Körper zu verlassen)
sehr nützlich. Denn wenn man wirklich einmal den physischen Körper
verlassen hat, die Welt von oben gesehen hat, dann weiß man es, man hat es
erfahren und die Bücher können behaupten, was sie wollen."

Weiter sagt er: "Eine andere Sache wäre, und da bin ich ein bißchen
skeptisch, es auch ein paar Menschen beibringen (das Levitieren), um es so
Wissenschaftlern dokumentieren zu können. Wenn zum Beispiel zehn Leute
in einem Raum kollektiv einen Meter hochsteigen, dann könnte die
Wissenschaft es nicht mehr ohne weiteres ignorieren. Es müßte sie
eigentlich revolutionieren. Aber wahrscheinlich würde es nur ein
Riesenspektakel geben und dem authentischen spirituellen Interesse eher
schaden."

Wo sind denn die Beweise? Sukadev, zeige uns diese 10 Menschen, die
Levitieren können. Du reist doch in Sachen Yoga um die ganze Welt. Da
dürfte es für dich doch ein leichtes sein, diese 10 Menschen, die schweben
können, zu präsentieren. Solche Beweise würden die Wissenschaft
tatsächlich revolutionieren. Es fehlt allein an Mangel an Beweisen.
Stattdessen beherrschen Wunschdenken und unrealistische Vorstellungen
die Yogaszene. Wenn ihr immer wieder vom Levitieren redet, dann zeigt uns
die Menschen, die Schweben können oder sagt klipp und klar, dass das alles
Phantasien sind. Aber zeigt uns bitte nicht solche albernen Vorstellungen
von Levitation, wie sie uns die Transzendentale Meditation repräsentierte.

Sutra 41: Durch Meisterung des Samana (die Verdauungsenergie) kommt


flammendes Feuer.

Sukadev: „Samana Vayu ist die Energie hinter der Verdauung, das
Verdauungsfeuer. Wenn wir dieses meistern, können wir zum einen alles
verdauen und zum anderen können wir auch Feuer (Wärme) ausstrahlen. Es
gibt im Himalaya Yogis, die ganz nackt dort leben, auf Gletschern sitzen,
sich mit ihrer Körperwärme Eis zu Wasser schmelzen und denen das gar
nichts ausmacht. Wenn wir Samana meistern, haben wir das nötige Feuer für
alles. Ich kenne Leute, die mit diesen beiden Mantras (für die Levitation und
das erzeugen des Verdauungsfeuers) gearbeitet haben und sagen, sie hatten
beim einen (bei der Levitation) tatsächlich das Gefühl, sich zu erheben und
beim anderen konnten sie willkürlich jegliche Hitze erzeugen, in sich und im
Raum um sich herum."

Dazu möchte ich sagen, dass es doch wohl ein grosser Unterschied ist, ob
ich tatsächlich schwebe, oder ob ich nur das Gefühl habe zu schweben.
Ausserdem kann ich mich an die Worte irgendeines Weisen erinnern, es
könnte Swami Sivananda gewesen sein, der fragte, warum diese Yogis ihre
Energie dafür verschwenden, Körperwärme zu erzeugen um Schnee zu
schmelzen? Sie sollten sich lieber an einen behaglicheren Ort begeben und
diese Energie in ihre spirituelle Arbeit investieren, sprich, in die Meditation.
Ich meine, recht hat er.

Sutra 43: Indem man Samyama auf die Verbindung zwischen Äther und
Körper und auf die Spannkraft leichter Gegenstände ausführt, erhält man die
Fähigkeit, durch den Raum zu reisen.

Sukadev: „Spannkraft leichter Gegenstände gibt eine andere Technik an.


Wir können uns konzentrieren auf Gegenstände, die im Wind schweben.
Dann bekommen wir auch die Fähigkeit, im Wind zu schweben und damit
Astralreisen zu machen."

Na, dann guten Flug.

Sutra 44: Durch die Ausführung von Samyama auf geistige Veränderungen
jenseits von Ego und Intellekt, kommt die Fähigkeit, außerhalb des
physischen Körpers zu verbleiben.

Sukadev: „Jetzt erklärt Patanjali, wie man den physischen Körper dauerhaft
verläßt, wenn man will, ohne daß der physische Körper gleich stirbt. Man
kann den Körper einfach so verlassen, indem man sich nicht mehr mit dem
physischen Körper, dem Ego und dem Intellekt identifiziert, und damit ist
man dauerhaft davon befreit."

Kann mir das bitte einmal jemand demonstrieren?

Sutra 50: Nur durch die Verwirklichung des Unterschiedes zwischen Sattwa
(Reinheit) und Purusha (das höchste Selbst) erlangt man Allmacht und
Allwissenheit.

Sukadev: „Reinheit ist das, womit man sich als spiritueller Aspirant gerne
identifiziert: Freude, Wonne, Schönheit, Wissen, Licht, Liebe und all das.
Sattwa (Reinheit) ist zwar positiver als Rajas (Unruhe) und Tamas
(Trägheit), aber auch die Identifikation mit der Reinheit ist und bleibt eine
Identifikation, die uns bindet. Aber es gibt immer noch einen Unterschied
zwischen diesen wunderschönen sattwigen Visionen, den wunderschönen
Wonneerfahrungen und unserem wahren Selbst. Indem wir uns auf diesen
Unterschied zwischen Sattwa, der Reinheit, und Purusha, dem wahren
Selbst, konzentrieren, erreichen wir Allwissenheit."

Man sagte mir, bis jetzt soll das nur einer geschafft haben. Und der soll über
den Wolken zu Hause sein. Eifern wir ihm nach. Vielleicht gibt es ja noch
weitere Himmel und vielleicht sind dort noch Plätze frei. Ansonsten ist eben
Reinkarnation angesagt. Und lasst euch nicht unterkriegen.

So, nachdem wir nun gelernt haben Allwissen und Allmacht zu erlangen,
möchte ich dieses Kapitel beenden. Mehr geht nicht. Oder ihr fragt mal bei
einer höheren Instanz nach.

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