Sie sind auf Seite 1von 13

Raja Yoga, der Königsweg Startseite

Inhaltsverzeichnis
Patanjali und der Raja Yoga
Yama und Niyama
Yama
Niyama
Asanas (Yogaübungen)
Pranayama (Atemübungen)
Die Schnellatmung (Kapalabhati)
Der Blasebalg (Bhastrika)
Die Wechselatmung (Anuloma Viloma)
Pranayama beim Gehen
Pratyahara (Das Zurückziehen der Sinne)
Dharana (Konzentration)
Dhyana (Meditation)

Patanjali und der Raja Yoa Top

Patanjali Maharishi ist der Autor der Raja-Yoga-Sutras. Im Yajnavalkya


Smriti, einer indischen heiligen Schrift, steht, daß Hiranyagarbha der
ursprüngliche Lehrer des Yoga war. Patanjali Maharishi hat die
Anweisungen, Doktrinen und Thesen des Yoga, die Hiranyagarbha gelehrt
hatte, zusammen gefasst und erklärt. Patanjalis Rajayoga Philosophien
lassen sich zu einem achtstufigen Yogapfad zusammen fassen.

Die Rajayoga-Sutras von Patanjali setzen eine religiöse Orientierung voraus.


Dies ist meiner persönlichen Meinung nach aber keine Vorraussetzung. Der
Rajayoga-Pfad führt auch ohne religiöse Orientierung genau so zum Erfolg.
In diesem Text soll die religiöse Orientierung aber beibehalten werden.
Möge jeder für sich selbst entscheiden, wie weit er sich an der religiösen
Ausrichtung orientiert.

Raja Yoga ist der König aller Yogawege. Er beschäftigt sich direkt mit dem
Geist. In diesem Yoga gibt es keinen Kampf, weder mit der Lebenskraft
noch mit dem physischen Körper. Der Yogi sitzt bequem, beobachtet seinen
Geist und beruhigt die lärmenden Gedanken. Er macht den Geist ruhig,
schränkt die Gedankenwellen ein und gelangt in den Zustand, wo es keine
Gedanken mehr gibt.

Raja Yoga ist der königliche Weg zur Freiheit von Leid. Er handelt von den
vier Prinzipien: Elend, seiner Ursache, Freisein vom Elend und dem Weg
dorthin. Die Praxis der im Raja Yoga vorgeschriebenen Methoden führt zum
Aufhören allen Leides und zur Erlangung ewiger Wonne. Raja Yoga heißt
auch Ashtanga Yoga, Yoga der acht Stufen. Die vierte bis zur achten Stufe
wird auch als Kriya-Yoga bezeichnet. Ihr widmete besonders der indische
Yogi Paramahansa Yogananda besondere Aufmerksamkeit.
1. Yama: Gewaltlosigkeit, Ehrlichkeit, Nichtstehlen, Enthaltsamkeit,
unbestechlich
2. Niyama: Reinheit, Zufriedenheit, Disziplin, Studium, Hingabe an Gott
3. Asanas (Yogaübungen)
4. Pranayama (Atemübungen)
5. Pratyahara (Verinnerlichung)
6. Dharana (Konzentration)
7. Dhyana (Meditation)
8. Samadhi (Erleuchtung - Glückseligkeit)

Yama und Niyama Top

Yama und Niyama sind die wichtigsten Voraussetzungen für die Praxis der
Meditation. Wenn Du Meditation und Erleuchtung verwirklichen möchtest,
ohne in Yama und Niyama Perfektion erworben zu haben, wirst Du nicht
weit kommen. Du kannst es nicht aufschieben und musst dich sowohl in
allen Yamas wie auch Niyamas vervollkommnen. Daher musst du beständig
die Praxis von Yama und Niyama üben und gleichzeitig Konzentration und
Meditation fortsetzen, bis Du in Yama und Niyama vollkommen verwurzelt
bist.

Zwischen Yama und Niyama besteht eine innige Beziehung. Niyama sichert
Yama ab. Wenn jemand innere Reinheit hat, dann fällt ihm Enthaltsamkeit
nicht mehr so schwer. Wenn er zufrieden ist, wird er nicht stehlen, andere
verletzen oder Lügen erzählen. Dann wird es auch einfach sein,
unbestechlich zu bleiben.

Yama Top

Unter Yama versteht man 5 Regeln der Enthaltsamkeit, die der


Selbstkontrolle dienen. Yama ist keine Methode, keine Anstandsregel oder
Höflichkeit. Yama ist das Festhalten an Idealen und Prinzipien. Es ist das
Entwickeln göttlicher Charakterzüge, die die menschliche Natur in eine
göttliche Natur umformen. Yama vernichtet Wünsche, Sehnsüchte, schlechte
Qualitäten. Es tilgt niedere Instinkte und Veranlagungen im Menschen aus.
Yama beseitigt Härte, Gewalt, Grausamkeit und Begierden. Es füllt das Herz
mit kosmischer Liebe, Güte, Barmherzigkeit, Tugend, Reinheit und
göttlichem Licht. Yama ist die Grundlage des göttlichen Lebens und des
Yoga, die zu Samadhi (Erleuchtung) führt.

In den fünf Teilen oder Gliedern des Yama liegt eine wohldurchdachte
Reihenfolge:

1. Gewaltlosigkeit kommt zuerst, weil der Mensch zuerst


seine brutale Natur beseitigen muss. Er muss gewaltlos
werden. Gewaltlosigkeit ist die Lebenseinstellung Nichts und
Niemanden in böser Absicht zu verletzen oder gar zu töten.
Mahatma Gandhi's Gewaltlosigkeit ist eine hohe
Ausdrucksform des Yama.

2. Dann kommt die Ehrlichkeit. Man sollte stets die Wahrheit


sagen, nicht lügen oder heucheln.

3. Dann folgt das Nicht-Stehlen. Der Yogi sollte ein


moralisches Bewusstsein entwickeln. Er sollte Richtig von
Falsch unterscheiden können, Rechtschaffenheit
von Ungerechtigkeit.

4. Die Enthaltsamkeit (Brahmacharya) ist eine göttliche


Tugend. Der Yogaschüler wird nur durch die Praxis von
Brahmacarya oder Keuschheit zur Erleuchtung finden. Unter
Brahmacharya ist aber nicht nur die sexuelle Enthaltsamkeit
gemeint, sondern jegliche Jagd nach Sinnenlust sollte
vermieden werden. (siehe: Enthaltsamkeit)

5. Das fünfte Regel ist die Unbestechlichkeit. Durch das


Annehmen von Geschenken besteht die Gefahr, dass man
abhängig wird. Dadurch wird man eventuell in seiner
Entscheidungsfreiheit beeinträchtigt. Es gibt sogar einige
spirituelle Gemeinschaften, die das "Nichts Annehmen" als
Ordensregel haben und ihren Lebensunterhalt nicht erbetteln,
sondern selber erarbeiten.

Niyama Top

Niyama besteht aus fünf Verhaltensregeln: Reinheit, Zufriedenheit, Disziplin


oder Askese, Studium der Heiligen Schriften und Hingabe an Gott.

1. Unter Reinheit versteht man die innere und äußere


Reinheit. Dabei ist die innere Reinheit, die Reinheit von Geist
und Herz genau so wichtig wie die äußere Reinheit. Man
sollte alle schlechten Gedanken beseitigen.

2. Die Zufriedenheit ist der größte Schatz den man besitzen


kann.

3. Unter Disziplin versteht man auch Askese. Selbstloses


Dienen vermindert den Egoismus und ist eine Form der
Askese. Demut und Wunschlosigkeit sind andere Formen der
Askese. Fasten ist ebenso eine Disziplin. Das Fasten wird
dich in eine meditative Stimmung versetzen. Übe alle diese
Disziplinen in unermüdlichem, selbstlosen Dienst.

4. Studiere die Heiligen Bücher. Es beinhaltet auch das


Chanten (Rezitieren), die Wiederholung eines Mantra (Name
Gottes) oder die Nachforschung nach dem Selbst, nach dem
"Wer bin ich?".

5. Die Hingabe zu Gott ist die Selbsthingabe an den Herrn. Es


ist das Weihen des eigenen Lebens, der eigenen Arbeit als ein
Opfer an den Herrn. Das Mantra für die Selbsthingabe an
Gott lautet: "Ich bin Dein, alles ist Dein, mein Herr. Dein
Wille geschehe".

Asanas (Yogaübungen) Top

Patanjali schenkte den Yogaübungen keine besondere Aufmerksamkeit. Er


beschreibt die feste und bequeme Sitzhaltung, die man einnehmen soll, um
selbst längere Zeit ohne Probleme im Sitzen zu meditieren. Auf die
Meditation soll aber erst weiter unter eingegangen werden. Patanjali möchte,
dass eine bequeme Sitzhaltung eingenommen wird, in der man lange Zeit
sitzen kann und nicht vom Schlaf übermannt wird. Im Hathayoga haben sich
im Laufe der Zeit verschiedene Yogaübungen herausgebildet. Am besten,
man lernt sie von einem Yogalehrer. Bei yogavidya.de findet man eine
ganze Menge gut beschriebener und abgebildeter Hathayoga-Übungen.
(Yogaübungen in Bildern)

Pranayama (Atemübungen) Top

Die Atmung hat eine äußerst wichtige biologische Funktion. Die Lungen
reinigen das Blut, das seine Reise durch die Arterien hellrot und reich
beladen mit lebensspendendem Sauerstoff beginnt. Das Blut kehrt über die
Venen zurück, arm, bläulich und beladen mit den Abfallstoffen des Körpers,
die dann als Kohlendioxyd wieder ausgeatmet werden.

Dadurch wird das Zwerchfell und die Atemhilfsmuskeln gestärkt und die
Lungen gereinigt, Herz, Leber und Magen werden massiert, Stoffwechsel-
und Entschlackungsvorgänge, Kreislauf und Herztätigkeit werden
verbessert, Bronchien, Alveolen, Luftröhre und Nasendurchgänge werden
gereinigt, der Sauerstoffgehalt im Blut wird erhöht. Herzkrankheiten und
alle Krankheiten, die aus mangelhafter Einatmung von Sauerstoff entstehen,
werden geheilt. Das Gewebe und die Zellen absorbieren eine große Menge
von Sauerstoff.

Atemübungen sind eine gute Vorbeugung gegen Heuschnupfen, Asthma und


Erkältungskrankheiten. Asthma und Schwindsucht (Tuberkulose) können
durch Atemübungen im Laufe der Zeit geheilt werden. Die Lungenspitzen
werden gründlich mit Sauerstoff versorgt, die Verkrampfungen der
Bronchien beseitigt und die Unreinheiten des Blutes ausgesondert.
Außerdem wird das Sonnengeflecht aktiviert, geistige und emotionelle
Spannungen beseitigt, Müdigkeit und Depressionen abgebaut und die innere
Kraft und Freude gestärkt. Immer wenn Du Dich unbehaglich, deprimiert
oder entmutigt fühlst, übe Pranayama.

Bevor wir zu den Atemübungen kommen, etwas zur Frage, ob es gefährlich


ist Atemübungen ohne die Hilfe eines Gurus zu praktizieren. Hierauf
antwortete Swami Sivananda: Zögere nicht. Warte nicht darauf, einen Guru
zu finden, der an Deiner Seite sitzt und nach Dir schaut. Wenn Du ernsthaft,
regelmäßig und systematisch bist und den Regeln und Anweisungen dieses
Buches sehr sorgfältig folgst, wird es keinerlei Schwierigkeiten geben. Du
wirst unzweifelhaft Erfolg erzielen. Leichte Fehler werden am Anfang
auftauchen. Viele Leute sind unnötig besorgt. Du kannst einfache
Atemübungen ohne die Hilfe eines Gurus ausführen. Im Laufe der Zeit wirst
du das richtige Gefühl für die Atemübungen entwickeln.

Typische Fehler bei Atemübungen sind: der Schüler sitzt nicht gerade, der
Rücken ist gebogen, der Kopf ist nicht gerade, der Körper zur Seite gebeugt.
Falsche Atmung: Der Bauch geht beim Ausatmen hinaus anstatt hinein. Der
Schüler hebt die Schultern, atmet forciert ein, spannt das Gesicht und die
Schultern während des Schnell-Atmens an. Der Schüler atmet durch den
Mund anstatt durch die Nase oder hält die Luft zu lange an. Korrekturen und
Hilfestellungen findet ihr auf der Fehlerseite (Schnellatmung).

An dieser Stelle sollen zwei Atemübungen vorgestellt werden, die ich sehr
gut kenne und regelmäßig praktiziere. Dies ist einmal die Schnellatmung,
auch Kapalabhati genannt und der Blasebalg, auch Bhastrika genannt.
Fangen wir mit der Schnellatmung an. Anschließend kommt der Blasebalg.

Die Schnellatmung (Kapalabhati) Top

Die Schnellatmung unterteilt sich in vier Abschnitte:

1. Ausgangslage: Setze Dich gerade hin, entweder im


Schneidersitz, im Lotussitz oder einer verwandten
Sitzhaltung, halte die Hände auf den Knien und die Augen
geschlossen.

2. Atme zu Beginn 3 bis 4 Sekunden lang durch die Nase ein,


dabei geht der Bauch hinaus. Dann atme 3 bis 4 Sekunden
lang durch die Nase aus, dabei geht der Bauch hinein. Atme
so etwa 3 bis 8 Atemzüge lang ein und aus.

3. Dann beginne mit dem eigentlichen Kapalabhati: Atme


sehr schnell aus und 2 Mal so langsam entspannt ein. (meist
reicht es aus, den Atem von selbst einströmen zu lassen - also
forciertes Ausatmen und langsames Einatmen) Wiederhole es
etwa 20.

4. Danach atme 1 bis 2 Mal normal ein und aus.


Anschließend atme bequem ein, und fülle die Lungen zu 3/4
und halte die Luft an. Konzentriere dich auf das Dritte Auge,
den Punkt zwischen den Augenbrauchen, und/oder dein
Mantra. Halte die Luft so lange an, wie es Dir angenehm ist
(20 bis 120 Sekunden). Dann atme 2 bis 4 Mal normal ein
und aus und fahre dann fort mit der nächsten Runde. Übe 1
bis 5 Runden, klassisch sind 3 Runden.

Der Blasebalg (Bhastrika) Top

In Sanskrit bedeutet Bhastrika Blasebalg. Das


charakteristische Merkmal von Bhastrika ist die rasche Folge
von forcierten Ein- und Ausatmungen. So wie ein Schmied
seinen Blasebalg rasch auf und ab bewegt, so solltest du
deinen Atem rasch bewegen.

Sitze im Lotussitz (Anfänger im Schneidersitz), halte Rumpf,


Nacken und Kopf aufrecht. Schließe den Mund. Atme als
nächstes zehnmal rasch ein und aus wie der Blasebalg des
Schmieds. Bauch und Brust dabei gleichmäßig ausdehnen
und zusammenziehen. Der Übende sollte mit einer raschen
Folge von Ein- und Ausatmungen beginnen. Wenn die für
eine Runde erforderliche Anzahl von Wiederholungen, sagen
wir zehn, beendet ist, folgt auf das letzte Ausstoßen die
tiefstmögliche Einatmung.

Der Atem wird dann angehalten, solange es möglich ist. Dann


wird sehr langsam und tiefstmöglich ausgeatmet. Das Ende
dieser tiefen Ausatmung schließt eine Runde Bhastrika ab.
Mache nach einer Runde eine kurze Pause von einigen
normalen Atemzügen. Dies wird dir Erleichterung
verschaffen und dich für die zweite Runde vorbereiten.

Du kannst täglich 3 Runden am Morgen ausführen. Wenn du


willst, kannst du auch drei weitere Runden am Abend
praktizieren. Beschäftigte Menschen, die keine Zeit haben,
drei Runden Bhastrika zu machen, sollten wenigstens eine
Runde machen. Auch dies wird gesund halten. Bhastrika ist
eine mächtige Übung. Nachdem du die Schnellatmung
(Kapalabhati) geübt hast, kannst du mit Bhastrika beginnen,
es wird dir dann leicht fallen.

Wenn dich Schwindelgefühle überfallen, breche die Übung


ab und atme einige Atemzüge normal weiter. Setze die
Übung fort, wenn das Schwindelgefühl vorbei ist. Im Winter
kann Bhastrika sowohl am Morgen als auch am Abend
ausgeführt werden. Wenn es im Sommer sehr heiß ist, solltest
du Bhastrika nur morgens machen.

Bhastrika lindert Halsentzündungen, steigert die Verdauung,


beseitigt ein Übermaß an Schleim, heilt Krankheiten der Nase
und des Brustkorbs, heilt Asthma, Schwindsucht
(Tuberkulose) etc. Es regt den Appetit an und erweckt die
Kundalini.

Man sagt, die Kundalini sei eine göttliche Energie (sexuelle


Energie), die im Wurzelchakra ruht und durch Atemübungen
über die Wirbelsäule bis zum Scheitelchakra hinaufgeleitet
werden kann. Der Blasebalg weckt die Kundalini und hilft die
Knoten im Wurzelchakra, Herzchakra und Stirnchakra zu
lösen.

Die Zahl der Ausatmungen und der Runden sollten durch die
Stärke und Fähigkeiten des Übenden bestimmt werden. Man
sollte nicht ins Extreme gehen. Einige Schüler können sechs
Runden machen, andere auch zwölf Runden.

Wenn du möchtest, wiederhole während der Atemübung


geistig ein Mantra. Ich setze bei den Atemübungen gerne
einen Kopfhörer auf, höre Musik, oft sogar sehr schnelle und
laute Musik, und wiederhole während des Atemanhaltens im
Rhythmus der Musik mein Mantra.

Die Wechselatmung (Anuloma Viloma) Top

Eine sehr bekannte Atemübung ist auch die Wechselatmung, auch Anuloma
Viloma genannt. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht näher darauf
eingehen.

Pranayama beim Gehen Top

Gehe mit aufgerichtetem Kopf, die Schultern zurück, den


Brustkorb ausgedehnt. Atme langsam durch beide
Nasenlöcher ein und zähle geistig 3 x OM, ein OM bei jedem
Schritt. Halte dann den Atem an, bis Du 12 x OM gezählt
hast. Atme dann langsam durch beide Nasenlöcher aus, bis
Du 6 x OM gezählt hast. Wenn Du es schwierig findest, mit
jedem Schritt ein OM zu zählen, zähle die OMs ohne
Beziehung zu den Schritten ab.

Beim Gehen kann auch Kapalabhati (Schnellatmung)


ausgeführt werden. Menschen, die sehr beschäftigt sind,
können die oben beschriebene Übung morgens und abends
beim Gehen praktizieren. Dabei werden zwei Fliegen mit
einer Klappe geschlagen. Es ist sehr angenehm, Pranayama
beim Gehen im Freien zu üben, wenn eine sanfte und
angenehme Brise weht. Du wirst rasch in einem
beträchtlichen Maß gestärkt und belebt sein. Übe, spüre und
erkenne den wohltuenden Einfluss dieser Art von Pranayama.
Solche, die flink gehen und dabei geistig oder verbal OM
wiederholen, üben natürliches Pranayama ohne Anstrengung.

Willst du das Thema Pranayama vertiefen, dann empfehle ich dir folgende
Literatur:

Die Wissenschaft des Pranayama (Kostenloses Onlinebuch)


Pranayama, die Yogaatmung
Pranayama - Göttliche Erkenntnis
Anuloma Viloma - die Wechselatmung
Kapalabhati - die Schnellatmung

Pratyahara (Das Zurückziehen der Sinne) Top

Pratyahara ist das Zurückziehen der Sinne. Mit Pratyahara beginnt das wahre
spirituelle Leben; die äußere Welt wird draußen gelassen. Yama, Niyama,
Yogaübungen und Atemübungen, alle diese Praktiken bereiten den
Yogaschüler auf die Praxis von Pratyahara vor. Der Geist wird durch die
Praxis von Brahmacarya (Keuschheit) und das Nicht-Begehren ruhig
gestellt. Die Yogaübungen und die Atemübungen drängen die Ruhelosigkeit
hinaus. Außerdem hemmen Atemübungen die nach außen gehende
Veranlagung des Geistes. Nun kann der Geist leichter von den äußeren
Objekten losgelöst werden.

Pratyahara gibt innere spirituelle Stärke und dem Geist großen Frieden. Es
entwickelt Willenskraft und beseitigt alle Arten der Ablenkung. Zu viel
Sprechen, zu viel Kontakt mit anderen, zu viel Arbeit, zu viel Nahrung, zu
viel Unruhe, zu viel Aktivitäten und das Hineinstecken der eigenen Nase in
die Angelegenheiten anderer, alles dies produziert Ablenkungen für den
Geist und steht der Praxis von Pratyahara im Wege. Wenn ihr mit anderen
Leuten verkehrt, dann fixiert den Geist auf euere innere Ruhe, auf euren
inneren Frieden. Das dient als starkes Bollwerk, um euch vor den
Turbulenzen weltlicher Gedanken zu schützen.

Macht regelmäßig Yogaübungen, täglich ein wenig Sport, seid regelmäßig in


der Praxis eurer Atemübungen, kultiviert die Leidenschaftslosigkeit, ernährt
euch gesund und erforscht euer Inneres. Erkennt die Nachteile des
Sinnenlebens. Entwickelt Gemütsruhe, Zufriedenheit und Geduld. Seid
beharrlich, hartnäckig und stets wachsam. Betet zum Herrn. Singt und macht
Mantrameditation (Wiederholung des Namen Gottes). Praktiziert
Schweigen, seid mäßig in der Ernährung, lebt zurückgezogen und lebt
enthaltsam. Seid kühn, rein und weise. Meidet schlechte Gesellschaft und
sucht die Gesellschaft von spirituell fortgeschrittenen Menschen. Dann
werdet ihr auf eurem spirituellen Weg Erfolg haben.

Konzentration ist die direkte Methode, um Erfolg in Pratyahara, im


Zurückziehen der Sinne, zu haben. Sitzt in einem ruhigen Raum und zieht
eure Sinne zurück. Wenn ihr einen spirituellen Hintergrund in euren
Gedanken habt, wird der Geist in diesem ruhen, wenn er von seiner Arbeit
befreit wird. Fixiert einen Teil eures Geistes auf Gott, auf eure Inneres oder
auf das Dritte Auge und lasst den anderen Teil arbeiten. Erkennt, dass es
anhaltende Freude nur in eurem Inneren gibt. Wer Pratyahara beherrscht,
wird nie über Zerstreutheit des Geistes klagen. Wenn die Sinne von den
äußeren Objekten abgezogen werden, kannst Du den Geist auf einen
bestimmten Punkt heften. Pratyahara und Konzentration hängen zusammen.

Dharana (Konzentration) Top

Dharana bedeutet, den Geist auf eine Idee, einen Punkt oder ein Objekt zu
heften, welches entweder innerlich oder äußerlich, real oder imaginär ist. Ihr
könnt euch innerlich auf irgendeines der sieben Nervengeflechte, den
Chakren oder Zentren der spirituellen Energie konzentrieren, auf einen Teil
des Körpers, auf eine abstrakte Idee oder äußerlich auf ein Bild einer
Gottheit richten.

Ihr könnt euch auf das Tick-Tack einer Uhr oder die Flamme einer Kerze,
auf einen farbigen Punkt an der Wand, eine Rose oder irgendeinen anderen
angenehmen Gegenstand konzentrieren. Das ist konkrete Konzentration. Es
gibt keine Konzentration ohne irgendetwas, worauf der Geist sich fixiert.
Der Geist kann sowohl auf einen angenehmen Gegenstand, wie einer
Jasminblüte, als auch auf einen geliebten Menschen fixiert werden.

Praktiziert Konzentration, bis der Geist mit dem Objekt der Konzentration
fest verschmolzen ist. Wenn der Geist von dem Objekt der Konzentration
abwandert, bringt in wieder und wieder zurück zu dem Gegenstand. Lord
Krishna sagte in der Gita: "So oft der ruhelose und unstete Geist zu wandern
beginnt, zügele ihn und bringe ihn zurück; bringe ihn unter die Kontrolle des
Selbst."

Wenn ihr eure Konzentrationskraft erhöhen wollt, dann vermindert eure


weltlichen Aktivitäten. Ihr solltet täglich zwei Stunden Schweigen. Ein
Mensch, dessen Geist mit Leidenschaft und allen Arten von absurden
Wünschen gefüllt ist, kann sich nur schwerlich auch nur für eine Sekunde
auf einen Gegenstand konzentrieren. Sein Geist wird schwingen wie ein
Ballon. Regelt und meistert den Atem. Unterwerft die Sinne und
konzentriert den Geist auf irgendeinem angenehmen Gegenstand. Gut
geeignet für die Konzentration ist das Dritte Auge. Vereinigt die Begriffe
der Heiligkeit und Reinheit mit dem Gegenstand eurer Konzentration..

Ihr könnt euch sowohl auf den Raum zwischen den Augenbrauen (Drittes
Auge), als auch auf die mystischen Klänge (Anahataklänge) konzentrieren,
die ihr als permanenten Pfeifton mit eurem inneren Ohr hören könnt. Ihr
könnt euch ebenso auf das Bild von OM konzentrieren. Das Bild von Lord
Krishna mit Flöte in der Hand und das Bild von Lord Vishnu mit
Muschelschale, Wurfscheibe, Streitaxt und Lotus, sind sehr gut für die
Konzentration. Ihr könnt euch auf ein Bild eures Gurus, auf Jesus, Maria
oder auch eines anderen Heiligen konzentrieren.

Dharana ist die sechste Stufe oder Glied des Raja yoga von Patanjali
Maharshi. In Konzentration werdet ihr nur eine Welle in dem See eures
Geistes haben. Alle anderen Tätigkeiten des Geistes kommen zur Ruhe.
Derjenige, der für eine halbe oder eine Stunde wahre Konzentration
praktizieren kann, wird gewaltige psychische Kräfte haben. Auch sein Wille
wird sehr kraftvoll sein.

Dhyana (Meditation) Top

Meditation ist der einzige Weg zur Erleuchtung. Sie ist eine mysteriöse
Leiter, die von der Erde zum Himmel reicht, vom Irrtum zur Wahrheit, von
der Dunkelheit zum Licht, vom Schmerz zur Wonne, von Unwissenheit zu
Erkenntnis und von Ruhelosigkeit zu immerwährendem Frieden. Meditation
(lat. meditatio = das Nachdenken über oder lat. medius = die Mitte) ist eine
Konzentrationsübung mit dem Zweck, einen veränderten
Bewusstseinszustand oder letztlich sogar die Erleuchtung zu erreichen.

Es gibt verschiedene Arten zu meditieren. So kann man während der


Meditation seinen Blick auf die Atmung richten und beobachten, wie der
Atem ein- und ausströmt. Dabei sollte man auf keinen Fall die Atmung in
irgendeiner Weise bewerten oder beeinflussen. Ebenso kann das Interesse
der Konzentration dem Dritten Auge zwischen den Augenbrauen gelten.
Mann kann die Meditation mit einem Mantra verbinden, welches man still
im Geiste im Rhythmus des Atems vor sich hersagt.

Schweifen die Gedanken vor der Meditation ab und verlieren sich in der
Ruhelosigkeit des Alltags, so löse man sich davon und widme seine
Aufmerksamkeit wieder der Meditation. Man spricht eigentlich erst dann
von Meditation, wenn die Konzentration ungebrochen ist, also
gewissermaßen mit dem Meditationsobjekt verschmilzt, und der Geist nicht
mehr abschweift. Schweift der Geist dagegen immer wieder ab und muss
erneut auf das Objekt konzentrieret werden, so spricht man nicht von
Meditation, sondern von Konzentration. In der Meditation findet also ein
Verschmelzen des Meditierenden mit dem Meditationsobjekt statt.

Sitze an einem stillen Ort im Schneidersitz oder im Lotussitz und befreie


Dich von allen Leidenschaften, Emotionen und Impulsen. Unterwirf die
Sinne. Ziehe den Geist von den Objekten ab. Nun wird der Geist ruhig,
einpünktig, rein und subtil. Mit Hilfe dieses geschulten Instruments, dem
disziplinierten Geist, konzentriere dich auf dein Meditationsobjekt. Denke
an nichts anderes. Lass keine weltlichen Gedanken im Geist auftauchen.
Gestatte dem Geist nicht, an physische oder geistige Vergnügen zu denken.

Für die Meditation muss alles rein sein. Der Ort der Meditation muss rein
sein. Das Speisen müssen rein sein. Die Kleidung muss rein sein. Die
Gesellschaft muss rein sein. Die Sprache muss rein sein. Das, was man hört,
muss rein sein. Das Denken muss rein sein. Das Lernen muss rein sein. Alles
muss rein sein. Nur dann ist ein guter Fortschritt in der spirituellen Praxis
möglich, besonders für den Anfänger.

Meditiere am besten in den frühen Morgenstunden. Das ist die beste Zeit für
die Meditation. Der Geist ist in den frühen Morgenstunden klar und ruhig.
Er ist in dieser Phase wie ein leeres Blatt Papier und relativ frei von
weltlichen Eindrücken, Wünschen und Emotionen. In dieser Phase kann man
den Geist leicht formen, so wie man will. Man kann den Geist jetzt leicht
mit spirituellen Gedanken erfüllen.

In den frühen Morgenstunden gibt es einen spirituellen Einfluss und


geheimnisvolle Stille. Alle Heiligen und Yogis meditieren zu dieser Zeit und
senden ihre spirituellen Schwingungen in die ganze Welt. Du kannst von
ihren Schwingungen großen Nutzen haben, wenn du dein Gebet, deine
Meditation zu dieser Zeit beginnst. Du brauchst keine Mühe aufzuwenden.
Der Zustand der Meditation kommt von selbst.

Meditiere regelmäßig und systematisch täglich zur selben Zeit. Dann


erreichst du leicht eine meditative Stimmung. Wenn möglich, meditiere
zweimal am Tag zwanzig Minuten. Einmal in den früher Morgenstunden
und einmal im Laufe des Tages oder am Abend. Achte darauf, dass du in
Ruhe meditieren kannst und nicht dabei gestört wirst. Allmählich werden
sich deine Meditationserfahrungen vertiefen und wenn du dein Ziel
konsequent verfolgst, hast du vielleicht eines Tages das Glück, die Seligkeit
kennen zu lernen, die dem Wesen deiner wahren Natur entspricht. Dann
wirst du ein ausgeglichenes Leben in Glück und Harmonie erfahren. Alles
Leid wird ein Ende haben. Friede und Seligkeit werden dann dein Leben
bestimmen.

Regelmäßige Meditation öffnet die Straßen intuitiven Wissens, macht den


Geist ruhig und fest, erweckt ein ekstatisches Gefühl und bringt den
Yogaschüler in Kontakt mit der Quelle des Höchsten. Das Feuer der
Meditation beseitigt alle Lasters. Dann kommt plötzlich die Erkenntnis, die
göttliche Weisheit, die direkt zur Befreiung führt. Meditiere. Meditiere.
Vergeude keine Minute. Die Meditation wird allen Kummer des Lebens
beseitigen. Meditation ist die einzige Möglichkeit Seligkeit im jetzigen
Leben zu finden..

So wie der Fluss sich vollkommen im Ozean auflöst, sollten sich die
Gedanken vollkommen im Meditationsobjekt auflösen. In tiefer Meditation
hört das Denken auf. Es gibt nur den einzigen Gedanken “Ich bin Gott”.
Wenn sich auch dieser Gedanke auflöst, folgt Nirvikalpa Samadhi
(Erleuchtung). So wie sich Salz im Wasser auflöst, löst sich der reine Geist
in der Stille in Gott, seinem Ursprung, auf.

Meditationsanleitungen findest du hier: Meditation

Weitere Meditationsartikel:

Anleitungen zur Meditation


Meditation - Swami Sivananda

Samadhi (Erleuchtung)

Die drei obersten Stufen des Raja Yoga, Dharana (Konzentration), Dhyana
(Meditation) und Samadhi (Erleuchtung) bilden zusammen Samyama. Der
wahre Raja Yoga beginnt also mit der Konzentration. Samyama stellt die
eigentliche Praxis von Raja Yoga dar. Durch die Praxis von Samyama steigt
der Yogaschüler Stufe um Stufe die Yogaleiter empor. Er erklimmt
gewissermaßen die Himmelsleiter, um am Ende seines Weges in die
Seligkeit des Nirvana einzugehen.

Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass auch die ethisch-moralische
Seite (Yama und Niyama) nicht außer acht gelassen werden darf, wenn der
Yogaschüler die Klippen des Raja Yoga ohne Gefahren umfahren will. Denn
vielen Leuten gelingt es zwar, die Kundalini aufsteigen zu lassen, wenn sie
aber nicht die erforderliche Reife besitzen, werden sie Probleme mit dem
plötzlichen Erwachen dieser Energie haben. So endete schon mancher
spirituelle Aufstieg anstatt im Nirvana in der Psychotherapie.

Meditation - Swami Sivananda

Anleitungen zur Meditation

Dharana, Dhyana und Samadhi

Dharana kommt Dhyana. In Dhyana gestattet man dem Geist, auf dem
selben Gedanken zu verweilen. Die Bhagavad Gita gibt eine wunderbare
Beschreibung des Vorgangs von Dhyana. Lies das sechste Kapitel. Begib
Dich an einen stillen Ort oder in die Abgeschiedenheit. Dort bereite einen
Sitz vor an einer Stelle, die weder zu hoch noch zu niedrig ist. Tuch,
Hirschfell und Kusha Gras, eines über das andere gelegt, sind die ideale
Kombination. Zügle die Sinne. Beruhige den Geist. Halte den Körper
aufrecht, Kopf, Hals und Rumpf in gerader Linie. Richte den Blick auf
Trikuti. Schließe die Straßen, durch die die Sinne nach außen gehen; hefte
den Geist auf Gott, das Selbst im Herzen; halte den Atem durch die Praxis
von Kevala Kumbhaka im Scheitel fest; dann erlangst Du vollkommene
Konzentration des Geistes. Du wirst rasch zu Dhyana und Samadhi
kommen. Die drei, Dharana, Dhyana und Samadhi sind innerlicher als die
vorhergehenden Yama, Niyama, Asana, Pranayama und Pratyahara. Die drei
(Dharana, Dhyana und Samadhi) zusammen bilden Samyama. Diese drei
sind der Antaranga Yoga des Raja Yoga. Der wahre Raja Yoga beginnt mit
Pratyahara. Samyama stellt die tatsächliche Praxis von Raja Yoga dar.

Durch die Praxis von Samyama erhältst Du Zugang zur Wahrheit über das
Objekt Deiner Meditation. Nirbija (samenloser) Samadhi oder Asamprajnata
Samadhi ist das endgültige Ziel im Raja Yoga. Damit verglichen ist auch
Samyama äußerlich oder indirekt. Es ist auch eine Vorbereitung. Es gibt
Alambana, etwas, woran sich der Geist hängen kann; wohingegen im Nirbija
Samadhi es nichts gibt, woran sich der Geist hängen kann. Es ist
Niralambana. Der Übende steigt Phase um Phase die Sprossen der
Yogaleiter empor und erlangt verschiedene Erfahrungen, Erkenntnisse und
Kräfte. Er fühlt seine absolute Freiheit und erreicht Kaivalya, das höchste
Ziel im Raja Yoga. Die Summe allen Wissens über die drei Welten und jede
weltliche Wissenschaft sind nichts als eine bloße Schale verglichen mit der
unendlichen Erkenntnis eines wahren Yogis, der Kaivalya erreicht hat. Ehre
sei so erhabenen Yogis. Möge Ihr Segen mit uns allen sein!

Top

Startseite