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Praxishilfe

Psychisch krank im Job


Verstehen. Vorbeugen. Erkennen. Bewältigen.
 1

Praxishilfe
Psychisch krank im Job
Verstehen. Vorbeugen. Erkennen. Bewältigen.
2 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Inhalt

Vorwort  4

Zahlen, Daten, Fakten 6

Verstehen  8

Was bedeutet „psychisch krank“?  10

Häufigkeiten psychischer Störungen  12

Verlauf, Prognose und Behandlung  14

Ursachen: Wie entstehen psychische Erkrankungen?  15

Individueller Umgang und geschlechtsspezifische Besonderheiten 20

Vorbeugen  22

Was kann ich selbst tun?  24

Was muss, was kann der Betrieb tun?  28


INHALT 3

Erkennen  34

Warnsignale bei sich erkennen  36

Warnsignale bei anderen erkennen  38

Psychische Störungen kennenlernen: häufige Störungsbilder  39

Bewältigen  52

Professionelle Behandlungsmöglichkeiten  54

„Expertinnen und Experten in eigener Sache“:


Unterstützung durch Selbsthilfegruppen  56

Allgemeine Empfehlungen für Führungskräfte und Mitarbeitende  58

Das H-I-L-F-E-Konzept: Handlungsempfehlungen


für Führungskräfte  61

Tipps für „Kümmerer“:


Handlungsempfehlungen für Kolleginnen und Kollegen 66

Schwierige Situationen meistern:


Handlungsempfehlungen für Führungskräfte und Mitarbeitende 67

Selbst Hilfe in Anspruch nehmen  70

Anlaufstellen  72

Anhang76

Quellenverzeichnis  78

Ausgewählte weiterführende Informationen  80

Impressum89
4 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeder kann im Laufe seines Lebens der steigenden Bedeutung psychi-


psychisch erkranken. Wie die Statisti- scher Störungen in der Arbeitswelt gilt
ken zeigen, betrifft das Thema mehr es, einen Weg zu finden, trotz einer
Menschen als allgemein angenom- psychischen Erkrankung am Arbeitsle-
men wird. Auch wenn Belastungen ben teilnehmen zu können sowie an-
am Arbeitsplatz nicht der einzige gemessen mit betroffenen Menschen
Grund für die Entstehung von psychi- umzugehen.
schen Erkrankungen sind, stellt die
Arbeitswelt doch einen wichtigen Le- Obwohl sich unsere Gesellschaft be-
bensbereich dar, in dem psychische reits vielen Themen geöffnet hat, wer-
Störungen entstehen und auftreten den psychische Erkrankungen noch
können. Viele Betroffene verschwei- immer tabuisiert und Betroffene stig-
gen ihre Probleme aus Angst, nicht matisiert. Doch die Zeichen stehen auf
eingestellt zu werden, den Arbeits- Wandel: So machen Filme und Litera-
platz zu verlieren oder aus Sorge vor tur psychische Beeinträchtigungen
Ausgrenzung. Gleichwohl benötigen zunehmend zum Thema und immer
oftmals gerade diese Menschen eine mehr Menschen trauen sich, auch
Arbeitsumgebung, die diese besonde- öffentlich darüber zu sprechen. Den-
re Situation berücksichtigt. noch besteht nach wie vor viel Unwis-
senheit auf diesem Gebiet. Aufklärung
Bei Führungskräften und Mitarbei- über psychische Krankheiten, ihre Ent-
tenden besteht vielfach große Un- stehung und ihre Behandlungsmög-
sicherheit, wenn eine Kollegin oder lichkeiten sind daher wichtig und tra-
ein Kollege psychisch auffällig wird gen dazu bei, diese positiven Ansätze
oder erkrankt. Spreche ich sie oder weiter zu verstärken.
ihn an? Toleriere ich die Despression
oder Sucht? Zeige ich Verständnis Die hohe Nachfrage nach der vorlie-
oder grenze ich mich lieber ab? Wann genden Broschüre, die erstmals 2006
muss ich aktiv werden? Angesichts herausgegeben und 2011 aktualisiert
VORWORT 5

wurde, hat uns veranlasst, das Thema Süd – Lebenswelten e. V. in Berlin, der
erneut aufzugreifen. Die Broschüre uns mit Einblicken und Zitaten gehol-
soll ein Ratgeber für die betriebliche fen hat, die Broschüre praxisnah zu
Praxis sein. Sie richtet sich dabei an gestalten.
Beschäftigte und Führungskräfte glei-
chermaßen, an Betroffene genauso Wir wünschen Ihnen eine anregende
wie an Kolleginnen und Kollegen. und erkenntnisreiche Lektüre.

Mit den vier Handlungsfeldern „Verste- Ihr Redaktionsteam


hen“, „Vorbeugen“, „Erkennen“ und
„Bewältigen“ informiert sie über psy-
chische Belastungen und Störungsbil-
der, über die Ursachen genauso wie
über Möglichkeiten der Prävention
und Hilfe. Ziel ist es, für das Thema
zu sensibilisieren, psychische Erkran-
kungen zugänglicher zu machen und
Ängste und Vorurteile abzubauen –
um psychischen Störungen vorzubeu-
gen und den Umgang mit Betroffenen
zu erleichtern.
HINWEIS: Diese Broschüre versteht sich als Erst­
Für ihre fachliche Unterstützung möch- information. Sie kann keine professionelle Diagno­
ten wir uns bei Frau Dr. Dipl.-Psych. sestellung, kein therapeutisches Gespräch und keine
Ulrike Zetsche bedanken, wissen- therapeutische Behandlung ersetzen. Ebenso bitten
schaftliche Mitarbeiterin an der Freien wir um Verständnis, dass wir den aktuellen Stand der
Universität Berlin und Psychologische Forschung nicht vollumfassend wiedergeben können,
Psychotherapeutin. Ein ebenso großer da dies den Rahmen dieser Handreichung bei Weitem
Dank gilt dem Integrationsfachdienst überschritten hätte.
6 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Zahlen, Daten,

3
Fakten
Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt

Psychische Störungen stellen,

40
gemessen an den Ausfalltagen,
die drittgrößte Krankheitsgruppe
bei Beschäftigten in Deutschland
(be­schäftigte BKK-Pflichtmitglieder) dar.
Quelle: BKK Gesundheitsreport 2014

Betroffene, die aufgrund


einer psychischen Störung
krankgeschrieben wurden,
bleiben durchschnittlich 40
Tage zu Hause – bei Muskel-
Skelett-Erkrankungen sind
es halb so viele Tage.
Quelle: BKK Gesundheitsatlas 2015

Langfristige Arbeitsbelastungen
erhöhen das Risiko, an einer

50
Angststörung oder Depression zu
erkranken, um 50 Prozent. Dabei
ist der Einfluss anderer Faktoren,
z. B. persönlicher Lebens­stil,
bereits berücksichtigt.
Quelle: LIA.nrw 2014
 7

50
316
Fast jede zweite Frührente ist inzwischen

70
psychisch verursacht. Der Anteil hat sich
damit in den letzten 20 Jahren verdoppelt.
Quelle: Deutsche Rentenversicherung 2014

Die Fehltage aufgrund psychischer


Erkrankungen haben sich seit 2000
auf 70 Millionen verdoppelt – während
Fehltage anderer Krankheitsbereiche
gesunken sind.
Quelle: Bundespsychotherapeutenkammer 2015

Die direkten Krankheitskosten für


psychische Erkrankungen lagen
2012 bei knapp 16 Milliarden Euro.
Die indirekten Kosten, z. B. durch
reduzierte Produktivität während
der Arbeit und vorzeitige Verrentung,
machen einen noch größeren Anteil
aus und sind hier noch nicht mit
einberechnet.
Quelle: BAuA 2012
VERSTEHEN
Grundlegende Voraussetzung im Umgang mit psychischen Störungen ist das Wissen um ihre Ursa-
chen, Merkmale und Behandlungsmöglichkeiten. Ob als Betroffene bzw. Betroffener, als Führungs-
kraft oder als Kollegin bzw. Kollege: Nur wer die Zusammenhänge einer Erkrankung versteht, kann
ihr vorbeugen und angemessen begegnen.
10 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Verstehen
Psychische Erkrankungen begreifen – ihre Merkmale,
ihren Verlauf und ihre Ursachen

Grundlegende Voraussetzung im Umgang mit psychischen Störungen


ist das Wissen um ihre Ursachen, Merkmale und Behandlungsmöglich-
keiten. Ob als Betroffene bzw. Betroffener, als Führungskraft oder als
Kollegin bzw. Kollege: Nur wer die Zusammenhänge einer Erkrankung
versteht, kann ihr vorbeugen und angemessen begegnen.

Was bedeutet „psychisch krank“?

Eine einheitliche Definition für „psy- eine psychische Erkrankung. Das ist
chische Störung“ oder „psychische glücklicherweise nicht mehr der Fall.
Erkrankung“ gibt es nicht. Was als psy-
chisch krank gilt, unterliegt zudem ei- Die Psychologie geht heute davon
nem gesellschaftlichen und kulturellen aus, dass sich psychische Erkrankun-
Wandel. So war zum Beispiel früher gen in Störungen der Wahrnehmung,
das „Anderssein“, das Abweichen von des Denkens, des Fühlens und der so-
der sozialen Norm, ein Kriterium für zialen Beziehungen zeigen. Entschei-

Krankheitsannahmen im Wandel

Bisherige Annahme in Kategorien:


Betroffene Bereiche:
gesund krank
••Gedanken und Gefühle
Moderne Annahme als Kontinuum: ••soziale Beziehungen
••eigenes Verhalten
keine Belastung mittlere Belastung störende Belastung ••körperliche Beschwerden
ohne organische Ursache
Verstehen 11

dend ist, dass sie für die Betroffenen pertin oder einen Experten, wie z. B.
oder das soziale Umfeld über einen eine Psychotherapeutin bzw. einen
längeren Zeitraum mit einem hohen Psychotherapeuten oder eine Psychi-
individuellen Leiden und einer erleb- aterin bzw. einen Psychiater.
ten Beeinträchtigung im alltäglichen
Leben einhergehen.

Die weitverbreitete Einteilung in „psy-


chisch gesund“ auf der einen und
„psychisch krank” auf der anderen WIE WERDEN PSYCHISCHE KRANKHEITEN EINGE-
Seite greift zu kurz. Vielmehr bewe- TEILT?
gen wir uns ständig in einem Konti- Eine Zuordnung der verschiedenen psychischen Er­
nuum zwischen beiden Bereichen. krankungen erfolgt wie auch bei den körperlichen
Meist entscheidet unser subjektives Krankheiten in der Regel durch Diagnoseklassifikatio­
Empfinden darüber, ob wir uns eher nen, wie das DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual
gesund oder krank fühlen. Zudem of Mental Disorders) und das ICD-10 (International Sta­
gestalten sich die Übergänge von ei- tistical Classification of Diseases and Related Health
ner psychischen Belastung zu einer Problems). Diese beschreiben psychische Störungen
behandlungsbedürftigen psychischen anhand verschiedener Merkmale wie Leidensdruck,
Störung meist fließend. Zur Feststel- Art und Zahl der Beschwerden, Häufigkeit und Inten­
lung, ob ein Mensch psychisch er- sität. Das ICD-10 dient zudem im deutschen Gesund­
krankt ist, bedarf es einer sorgfältigen, heitswesen als Grundlage für die Krankenkassen­
oft längeren Diagnostik durch eine Ex- abrechnung.
12 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Häufigkeiten psychischer Störungen

Psychische Erkrankungen sind keine mindestens einer Störung betroffen


Seltenheit. Die Wahrscheinlichkeit, im (DEGS1-MH 2014). Ungefähr die Hälf-
Verlauf seines Lebens an einer psychi- te dieser Personen weist sogar meh-
schen Störung zu erkranken, ist höher, rere psychische Störungen gleichzeitig
als viele annehmen. In Europa be- auf („Komorbiditäten“). Das heißt,
trägt sie 25 Prozent (ESEMeD 2004), eine Person leidet z. B. an einer De-
der gleiche Wert gilt für Deutschland pression und einer Alkoholabhängig-
(WHO 2007). Hierzulande ist jedes keit zugleich.
Jahr gut ein Viertel der Menschen von

Was sind die häufigsten psychischen Störungen in Deutschland?


Anteil der Personen in Deutschland, bei denen im Jahr 2014 eine
psychische Störung diagnostiziert wurde (12-Monatsprävalenz)

15,3 %
Angststörungen

13,7 %
Depressionen

4,8 %
Alkoholmissbrauch/-abhängigkeit

3,6 %
Zwangsstörungen

Somatoforme Störungen 3,5 %

Bipolare Störungen 3,1 %

Psychotische Störungen 2,6 %

Posttraumatische Belastungsstörungen 2,3 %

Medikamentenmissbrauch/-abhängigkeit 2,1 %

0,9 %
Essstörungen

Quelle: DEGS1-MH 2014


Verstehen 13

NEHMEN PSYCHISCHE STÖRUNGEN TATSÄCHLICH ZU?


Die steigende Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankun­
gen, die zunehmende Verordnung von Psychopharmaka, die wachsende Zahl von
Frühverrentungen aufgrund psychischer Störungen und zahlreiche andere Daten
lassen den Schluss zu, dass die Zahl psychischer Störungen zunimmt. Es gibt je­
doch Studien, die darauf hinweisen, dass der wahrgenommene Anstieg in Wirklich­
keit auf einer Zunahme der Behandlungs- und Diagnosezahlen beruht. So trauen
sich z. B. mehr Menschen als früher, ihre Beschwerden zu äußern und sich behan­
deln zu lassen. Außerdem verbessern sich die diagnostischen Kompetenzen von
Ärztinnen und Ärzten. Aufgrund mangelnder Datenbasis lässt sich die Frage nach
einer Zunahme psychischer Störungen daher derzeit nicht zuverlässig beantwor­
ten. Fachleute gehen aber zumindest davon aus, dass vor allem das Diagnosespek­
trum, also die Art der psychischen Störungen, einem Wandel unterliegt. So wird
bspw. heute mehr Medikamentenabhängigkeit diagnostiziert, vor 20 Jahren waren
es verstärkt somatoforme Störungen.

Die Häufigkeit von psychischen Er- falltage sind mit ca. 72 Tagen je Fall
krankungen ist unabhängig von Alter, sich wiederholende Depressionen
Herkunft, Geschlecht oder Bildung. (sog. „rezidivierende“ Depressionen)
Allerdings unterscheidet sich das verantwortlich (BKK Gesundheitsat-
Spektrum der Störungen. So treten las 2015). Inwieweit eine psychische
Essstörungen z. B. öfter bei Frauen Erkrankung die berufliche Leistungs-
auf, während Männer eher an Alko- fähigkeit einschränkt und ggf. sogar
hol- und Substanzmissbrauch leiden. zu einer Krankschreibung führt, ist vor
Zwangsstörungen betreffen vor al- allem abhängig von der Schwere einer
lem jüngere Menschen, dafür ver- Erkrankung. Starker Leidensdruck und
größert sich mit zunehmendem Alter eine erhebliche Beeinträchtigung der
die Wahrscheinlichkeit, von mehreren Lebensführung können insbesondere
Störungsbildern betroffen zu sein. langfristig Auswirkungen auf die Ar-
beitsfähigkeit haben.
In der Arbeitswelt spielen zahlen-
mäßig vor allem affektive Störun-
gen, wie Depressionen oder bipolare MEHR INFORMATIONEN:
Störungen, sowie Angststörungen, iga.Report 29 „Führungskräfte sensibilisieren und Ge­
Zwangsstörungen, somatoforme und sundheit fördern“
andere Belastungsstörungen eine Rol- www.iga-info.de > Veröffentlichungen > iga.Reporte
le (siehe auch Kapitel „Erkennen“).
Sie sind im Rahmen der psychischen BKK Gesundheitsatlas 2015 „Gesundheit in Regionen –
Störungen die häufigsten Ursachen Blickpunkt Psyche“ (Kapitel 4)
für Arbeitsunfähigkeit (BKK Gesund- www.bkk-dachverband.de > Publikationen > BKK Ge­
heitsatlas 2015). Für die längsten Aus- sundheitsatlas
14 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Verlauf, Prognose und Behandlung

Psychische Störungsbilder sind äu- Um zu vermeiden, dass eine psychi-


ßerst vielfältig und können die unter- sche Störung die eigene Arbeitsfähig-
schiedlichsten Facetten aufzeigen. keit zu stark beeinträchtigt und auch
So bedeutet z. B. „Depression“ nicht die Lebensqualität erheblich senkt, ist
gleich „Depression“. Denn wie kör- es wichtig, frühzeitig etwas zu unter-
perliche Krankheiten machen sich nehmen. Denn je eher eine psychi-
auch psychische Erkrankungen unter- sche Störung erkannt und behandelt
schiedlich bemerkbar. Sie unterschei- wird, desto besser sind die Heilungs-
den sich in ihrem Verlauf, ihrer Ausprä- chancen. Vielfach liegt jedoch gerade
gung, ihrer Behandlung und in ihren im Erkennen der Krankheit das Pro-
Prognosen. Auch individuelle Aspekte blem. Wenngleich sich die Situation
wie genetische Faktoren, körperliche insgesamt verbessert hat, gibt es den-
(Vor-) Erkrankungen oder soziale Er- noch ganz unterschiedliche Gründe,
fahrungen haben Einfluss auf eine warum psychische Störungen nicht
Störung. Viele Krankheitsbilder haben erkannt werden. So neigen noch im-
einen dynamischen Verlauf, bei dem mer viele Menschen dazu, ihre psy-
sich relativ gesunde Abschnitte mit chischen Probleme zu ignorieren oder
Krankheitsphasen abwechseln. Das aus Scham zu verschweigen. Und
wirkt sich auch auf das Arbeitsleben auch Expertinnen und Experten kön-
aus: Wie lange eine Mitarbeiterin oder nen psychische Erkrankungen nicht
ein Mitarbeiter ausfällt, ob sie oder er immer sofort erkennen, weil z. B. kör-
zwischenzeitlich wieder arbeitsfähig perliche Symptome die psychischen
ist, kann demnach ganz verschieden überdecken (siehe auch Kapitel „Er-
sein. kennen“).
Verstehen 15

STRESS: WENN DIE ANFORDERUNGEN ÜBERHAND NEHMEN


Stress wird als eine Reaktion auf eine äußere Situation verstanden („Stressor“).
Er entsteht dann, wenn wir das Gefühl haben, dass die äußeren Anforderungen
unsere eigenen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigen. Dabei ist nicht jede Form
von Stress per se schlecht. Kurzfristiger, positiver Stress ist evolutionsbiologisch
begründet und hat durch seine Ausrichtung auf Kampf- oder Fluchtsituationen
eine aktivierende Wirkung, z. B. eine erhöhte Muskelspannung und Energiebereit­
stellung. Stress ist dann schädlich, wenn er chronisch ist, also langfristig herrscht.
Die Folgen sind körperliche und psychische Beschwerden – von Bauch-, Kopf- und
Rückenschmerzen bis hin zu Unruhe, Konzentrationsproblemen und Stimmungs­
schwankungen. Inwieweit Stressoren wirklich als Belastung empfunden werden,
hängt dabei von der individuellen Resilienz (Widerstandsfähigkeit) ab, d. h. von den
persönlichen Einstellungen, Denkweisen und Kraftquellen.

Ursachen: Wie entstehen psychische Erkrankungen?

Psychische Störungen entstehen psychische Störungen begünstigen.


aus einem Zusammenspiel individu- Wird dann zusätzlich starker Stress
ell verschiedener Faktoren. Sowohl erlebt, kann das eine Erkrankung aus-
biologische Veranlagungen (z. B. neu- lösen – das „Fass zum Überlaufen
rologische Vorgänge) als auch psy- bringen“.
chologische Einflüsse (z. B. Traumati-
sierungen) und soziale Aspekte (z. B. Wie die Verletzlichkeit ist auch das
Einbindung in ein soziales Netzwerk) individuelle Stressempfinden von ver-
spielen eine Rolle. Aber auch kulturel- schiedenen Faktoren abhängig. Es
le und gesellschaftliche Einflüsse (z. B. gibt Menschen, die gegenüber psy-
Stigmatisierung, Arbeitsplatzunsicher- chischen Erkrankungen widerstands-
heit) können die Entstehung, den Ver- fähiger sind und die nichts so einfach
lauf und die Behandlung beeinflussen. aus der Bahn wirft. Andere wiede­
rum fühlen sich schnell unter Druck
Das „Vulnerabilitäts-Stress-Modell“ gesetzt und reagieren auf Stress mit
geht davon aus, dass sich eine psychi- körperlichen oder psychischen Symp­
sche Störung dann entwickelt, wenn tomen wie Verspannungen, Schlaf-
zunächst eine gewisse Verletzlichkeit störungen oder Gereiztheit, sie fühlen
(„Vulnerabilität“) vorliegt. Bei Betrof- sich zunehmend abgeschlagen oder
fenen bestehen danach bestimmte dünnhäutig.
biologische Eigenschaften oder per-
sönliche Lernerfahrungen wie insta- Wie sehr Stress auch „Kopfsache“
bile familiäre Beziehungen oder Miss- ist, verdeutlicht eine Kurzgeschichte
brauchs- und Gewalterfahrungen, die von Paul Watzlawick. Sie zeigt, dass
16 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

HÄUFIGE INNERE STRESSVERSTÄRKER IN DER


ARBEITSWELT
Innere Faktoren spielen beim individuellen Stress­
erleben eine große Rolle. Belastungen bei der Arbeit schon grüßte er mich nur so flüchtig.
können durch sie entweder ausgeglichen und in ihren Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat
Folgen gemindert werden, z. B. die Fähigkeit, sein Ar­ er die Eile nur vorgeschützt, und er hat
beitspensum gut einschätzen und Hilfe annehmen zu was gegen mich. Und was? Ich habe
können. Oder aber das Gegenteil tritt ein: Wir fühlen ihm nichts getan; der bildet sich da
uns gestresst. Beispiele für persönliche Stressverstär­ etwas ein. Wenn jemand von mir ein
ker mit hoher Bedeutung in der Arbeitswelt sind: Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es
ihm sofort. Und warum er nicht? Wie
••starkes Streben nach Perfektion kann man einem Mitmenschen einen
••Ungeduld so einfachen Gefallen abschlagen?
••Ignorieren oder Nichtakzeptieren eigener Leis­ Leute wie dieser Kerl vergiften einem
tungsgrenzen das Leben. Und dann bildet er sich
••Gefühl, unentbehrlich zu sein noch ein, ich sei auf ihn angewiesen.
••alles allein machen bzw. kontrollieren wollen Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt
••Hilfe nicht annehmen oder einfordern können reicht’s mir wirklich. – Und so stürmt
••es allen Menschen recht machen wollen er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet,
••starkes Harmoniebedürfnis doch bevor er Guten Tag sagen kann,
••Abhängigkeit von der Zuwendung anderer schreit ihn unser Mann an: „Behalten
Menschen Sie Ihren Hammer.“

Watzlawick, Paul (2011): Anleitung


zum Unglücklichsein. 19. Auflage.
München: Piper.
MEHR INFORMATIONEN:
Tipps zur Stressvermeidung: Warum die Arbeitswelt eine ent-
www.psyga.info > Stress vermeiden scheidende Rolle spielt
Einen wesentlichen Teil unserer Zeit
verbringen wir am Arbeitsplatz. Somit
man Stressoren nicht ausgeliefert ist, verwundert es wenig, dass die Ar-
sondern lernen kann, mit ihnen umzu- beitswelt einen enormen Einfluss auf
gehen: unsere körperliche und psychische
Gesundheit hat. Das gilt im positiven
Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den wie im negativen Sinne.
Nagel hat er, nicht aber den Hammer.
Der Nachbar hat einen. Also beschließt Wenn Arbeit als sinnstiftend empfun-
unser Mann, hinüberzugehen und ihn den wird, wenn sie Freude bereitet
auszuborgen. Doch da kommt ihm ein oder durch Anerkennung und Wert-
Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir schätzung geprägt ist, kann sie uns
den Hammer nicht leihen will? Gestern viel Kraft geben. Arbeit strukturiert
Verstehen 17

unseren Tag, bietet Möglichkeiten, zu körperlichen Krankheiten führen,


mit anderen Menschen zusammen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder
zu sein und ist nicht zuletzt existenz- Muskel-Skelett-Erkrankungen. Insbe-
sichernd. Der Verlust des Arbeitsplat- sondere tragen sie jedoch erheblich
zes bedeutet für viele daher oft eine zur Entwicklung psychischer Störun-
ernsthafte Krisenerfahrung, die auch gen bei: So wird angenommen, dass
psychische Störungen begünstigen andauernde zu hohe Arbeitsbelastun-
kann. Wenn Arbeit unter prekären gen das Risiko, an einer Angststörung
Bedingungen ausgeübt wird, kann sie oder Depression zu erkranken, um bis
hingegen körperlich und psychisch zu 50 Prozent erhöhen (LIA.nrw 2014).
krank machen.

Faktoren, die unsere Gesundheit ge-


fährden, können dabei sowohl physi- IRRUNGEN UND WIRRUNGEN UM DEN BEGRIFF
scher als auch psychischer Art sein. „PSYCHISCHE BELASTUNG“
Zu den physischen Belastungsfak- Der Begriff „psychische Belastung“ wird umgangs­
toren zählen z.  B. Lärm, schlechtes sprachlich oft anders verwendet als im Arbeitskontext.
Raumklima oder schweres Heben und Denn im Unterschied zum alltäglichen Sprachgebrauch
Tragen. Zu den psychischen Belas- sind „psychische Belastungen“ in der Arbeitswissen­
tungsfaktoren gehören u. a. Zeitdruck, schaft neutral definiert. Sie stellen alle erfassbaren
Arbeitsunterbrechungen oder sozia- Einflüsse dar, die psychisch auf den Menschen einwir­
le Konflikte am Arbeitsplatz. Gerade ken. Um sprachliche Missverständnisse zu vermeiden,
die psychischen Belastungsfaktoren verwenden wir in dieser Broschüre den Begriff in sei­
spielen in Zeiten des Arbeitswandels nem alltäglichen Sinne. Die arbeitswissenschaftliche
eine Rolle. Denn viele Beschäftigte Definition finden Sie in der Norm DIN EN ISO 10075-1
müssen in immer kürzerer Zeit mehr „Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Ar­
leisten, es fehlt an personellen Res- beitsbelastung”.
sourcen, die Leistungserwartungen
der Unternehmen steigen und viele
wissen nicht, ob sie ihren Arbeitsplatz
behalten können. MEHR INFORMATIONEN:
„Leitlinie Beratung und Überwachung bei psychischer
Psychische Stressoren können sich Belastung am Arbeitsplatz“ der Gemeinsamen Deut­
sowohl körperlich auswirken, z. B. in schen Arbeitsschutzstrategie (GDA)
Form von Verspannungen, als auch www.gda-portal.de > Download
psychisch, z.  B. in Form von Stim-
mungstrübungen. Wenn psychische iga.Report 31 „Risikobereiche für psychische Belastun­
Arbeitsstressoren zu stark ausgeprägt gen“
sind und zu lange anhalten, können sie www.iga-info.de > Veröffentlichungen > iga.Reporte
18 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Umso wichtiger ist es, psychische Ar- chischer Stressoren zu legen. Nur
beitsfaktoren zu kennen, die unsere wenn Unternehmen psychische Ar-
Gesundheit gefährden können. Es ist beitsfaktoren ernst nehmen, können
Aufgabe von Arbeitgebern, gesund- psychische Belastungen reduziert und
heitsförderliche Arbeitsbedingungen psychische Erkrankungen sogar ver-
zu gestalten und hier ein besonderes hindert werden.
Augenmerk auf die Bedeutung psy-

Merkmalsbereich Risikofaktoren für die psychische


Gesundheit

1. Arbeitsaufgabe bzw. Arbeitsinhalt • hohe Arbeitsintensität, z. B. viele Aufgaben, hoher


Termin- und Zeitdruck
z. B. Handlungsspielraum, Variabilität,
Vollständigkeit der Aufgabe, Unter-/Über­­- • geringer Handlungsspielraum, d. h. geringe Auto­
forderung, emotionale Inanspruchnahme nomie bei der Planung der Arbeitsschritte oder der
Gestaltung des Arbeitsplatzes, kaum Möglichkeiten
zur Einbringung eigener Ideen und Vorschläge

• deren Kombination, der „Job Strain“: eingeschränkter


Handlungsspielraum bei gleichzeitig hohen Arbeits­
anforderungen

• „Effort-Reward-Imbalance“: wahrgenommenes
Ungleichgewicht zwischen erlebten beruflichen
Anstrengungen und der dafür erhaltenen Belohnung
und Wertschätzung (z. B. in Form von Entlohnung und
Anerkennung)

2. Arbeitsorganisation bzw. Arbeitsablauf • Überstunden/lange Arbeitszeiten

z. B. Arbeitszeit (Wochenarbeitszeit, Überstunden,


Schichtarbeit), Arbeitsablauf und -organisation,
Kooperation, finanzielle Entlohnung

3. Arbeitsumgebung und Arbeitsmittel • unzureichende Arbeitsmittel, z. B. nicht funktionieren­


de Software, ungeeignetes Werkzeug oder fehlende
z. B. physikalische Faktoren, Ergonomie, Arbeitsmaterialien
Arbeitsmittel, Rahmenbedingungen
Verstehen 19

Häufige Belastungsfaktoren in der den Tabelle sind beispielhaft einige


Arbeitswelt der psychischen Arbeitsstressoren
Die verschiedenen psychischen Fak- aufgeführt, die bereits wissenschaft-
toren, die die Gesundheit am Arbeits- lich belegt sind. Darüber hinaus gibt
platz stark belasten können, lassen es natürlich weitere psychische Belas-
sich fünf Merkmalsbereichen zuord- tungsfaktoren.
nen (GDA 2012). In der unten stehen-

4. Soziale Beziehungen • geringe soziale Unterstützung, d. h. zu wenig Unter­


stützung, fehlende Führung, kaum Feedback
z. B. mitarbeiterorientierte Führung, Verhältnis
zu Kolleginnen und Kollegen sowie Kundinnen • „Iso Strain“: Kombination von geringem Handlungs­
und Kunden, psychosoziales Klima spielraum und hoher Arbeitsintensität („Job Strain”)
(z. B. Organisationsgerechtigkeit), Mobbing/ bei gleichzeitig geringer sozialer Unterstützung
Bullying, sexuelle Belästigung)
• Bullying: wenn Beschäftigte im Arbeitsumfeld über
längere Zeit Angriffen durch Kolleginnen und Kolle­
gen oder Vorgesetzten ausgesetzt sind, z. B. Mobbing;
sexuelle Übergriffe, aggressives Verhalten, Schädi­
gung der sozialen Beziehungen oder des Ansehens
durch die Verbreitung von Gerüchten

• Rollenstress: wenn die Erwartungen an die jeweili­


ge „Rolle“ nicht klar definiert sind, d. h. die oder der
Beschäftigte keine eindeutigen Informationen über
die eigene Rolle hat; wenn Kolleginnen und Kollegen,
Vorgesetzte sowie Untergebene unterschiedliche
Vorstellungen von der Rolle der oder des Beschäftig­
ten haben

5. Neue Arbeitsformen • Angst vor Arbeitsplatzverlust, z. B. große Arbeitsplatz­


unsicherheit durch atypische Arbeitsverhältnisse,
z. B. räumliche Mobilität, atypische Arbeits­ erhöhter Leistungsdruck durch zunehmende Wirt­
verhältnisse*, zeitliche Flexibilisierung, schaftsorientierung von Unternehmen
reduzierte Abgrenzung zwischen Arbeit
und Privatleben

* Beschäftigung in Teilzeit mit weniger als 20 h pro Woche auf befristeten Verträgen Quelle: iga.Report 31
20 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Individueller Umgang und geschlechtsspezifische


Besonderheiten
Jeder Mensch hat seinen eigenen Wissenschaftlich belegbare Unter-
Weg, psychischen Erkrankungen zu schiede lassen sich insbesondere hin-
begegnen. Neben ganz individuellen sichtlich des Geschlechts festhalten.
Persönlichkeitsstrukturen und Lern­ Wie schon beschrieben, unterschei-
erfahrungen spielen auch Faktoren wie den sich Männer und Frauen zwar
Religion, Kultur, Alter und Geschlecht nicht hinsichtlich der Wahrscheinlich-
eine Rolle. So ist z. B. nicht in jedem keit, psychisch zu erkranken, sie wei-
Wertesystem der offene Umgang mit sen aber deutliche Unterschiede in
psychischen Schwierigkeiten mög- den Krankheitsspektren auf. So sind
lich. Außerdem kann es unterschied- Frauen eher von sogenannten inter-
liche soziale Normen geben, sich mit nalisierenden Störungen wie Depres-
dem Thema auseinanderzusetzen. sion, Angst- und Essstörungen oder
Psychische Störungen zu verstehen, somatoformen Störungen betroffen.
bedeutet deshalb vor allem, die un- Männer hingegen leiden eher unter
terschiedlichen Perspektiven nicht zu externalisierenden Erkrankungen wie
vernachlässigen und sich diese immer Drogenabhängigkeit oder dissozialen
wieder bewusst zu machen. Persönlichkeitsstörungen.
Verstehen 21

Frauen und Männer unterscheiden Männer machen häufig vieles „mit


sich tendenziell auch darin, was sie sich aus“ und nehmen Hilfe deutlich
unter Gesundheit verstehen und wie weniger in Anspruch – obwohl sie
sie mit ihrer Gesundheit im Allgemei- diese objektiv genauso benötigen.
nen umgehen. Frauen reagieren meist Diese Diskrepanz besteht vor allem
früher auf gesundheitliche Warnsig- bei psychischen Störungen. Das hat
nale und holen sich im Durchschnitt zur Folge, dass gerade bei Männern
früher Unterstützung. Das liegt auch trotz verfügbarer und effektiver Be-
daran, dass sie oft besser sozial ein- handlungsmöglichkeiten psychische
gebunden sind als Männer. Eine an- Störungen oft nicht erkannt und nicht
dere Erklärung ist, dass es Männern behandelt werden, was zu einem un-
noch immer vielfach schwerfällt, ver- günstigen Krankheitsverlauf beiträgt.
meintliche „Schwächen“ einzugeste-
hen, und sie stattdessen (fragwürdi-
ge) männliche Attribute wie „stark,
robust, widerstandsfähig“ betonen.
VORBEUGEN
Wie auch bei körperlichen Erkrankungen gilt: Vieles lässt sich durch Prävention vermeiden. Der rich-
tige Umgang mit Stress, die Aktivierung wichtiger persönlicher Ressourcen sowie gesundheitsför-
derliche Arbeitsbedingungen im Betrieb helfen dabei, psychischen Störungen entgegenzuwirken.
24 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Vorbeugen
Vor psychischen Erkrankungen schützen – durch eigene
und betriebliche Maßnahmen

Wie auch bei körperlichen Erkrankungen gilt: Vieles lässt sich durch Prä-
vention vermeiden. Der richtige Umgang mit Stress, die Aktivierung
wichtiger persönlicher Ressourcen sowie gesundheitsförderliche Arbeits-
bedingungen im Betrieb helfen dabei, psychischen Störungen entgegen-
zuwirken.

Was kann ich selbst tun?

Im Idealfall verfügen wir wie bei ei- Waage gerät aus dem Gleichgewicht.
ner ausbalancierten Waage über aus- Dem lässt sich jedoch vorbeugen.
reichende Ressourcen (Fähigkeiten Grundsätzlich besteht dabei die Mög-
und Hilfsmittel), um den Belastungen lichkeit, an beiden Waagschalen zu
(Anforderungen), die auf uns einstür- arbeiten: Einerseits können wir die
zen, zu begegnen. Werden die Belas- Widerstandsfähigkeit erhöhen und
tungen jedoch zu viel und können wir unsere Ressourcen verbessern, ande-
sie nicht mehr kompensieren, können rerseits können wir Belastungen und
psychische Störungen entstehen – die Stress reduzieren.

TIPP: Wer kennt das nicht? Man möchte mehr Sport machen, sich gesünder er­
nähren, mehr Zeit fürs Hobby haben – schafft es aber nicht. Persönliche Vorsätze
einzuhalten, ist nicht immer einfach. Oft hilft es herauszufinden, was einen dar­
an hindert, und konkrete Plänen zu fassen, wie man diese Hindernisse bewältigen
kann. Dazu gehört, nach Lösungen zu suchen und nicht nach Ausreden. Wollen Sie
sich z. B. mehr bewegen, suchen Sie sich einen Wochentag aus, an dem Sie laufen
gehen, und wählen Sie eine Dauer, die realistisch umsetzbar ist. Wenn es dann reg­
net, ziehen Sie sich regenfeste Kleidung an.
VORBEUGEN 25

Widerstandsfähigkeit erhöhen RESSOURCEN: IHRE PERSÖNLICHEN KRAFTQUELLEN


Ihre Widerstandsfähigkeit können Sie Ressourcen sind Kraftquellen, aus denen wir Energie
erhöhen, indem Sie sich selbst etwas schöpfen, um mit Niederlagen und negativen Erfah­
Gutes tun. Das Motto sollte lauten: rungen umzugehen. Sie machen uns widerstandsfähi­
Ich behandle mich selbst wie meine ger und zufriedener. Vereinfacht gesagt: Ressourcen
beste Freundin bzw. meinen besten sind all das, was uns gut tut.
Freund. Hilfreiche Maßnahmen sind
ausreichender Schlaf, regelmäßiges Äußere Ressourcen:
und gesundes Essen und das Treiben
von Sport. Pflegen und vertiefen Sie ••soziales Netzwerk (Freundinnen und Freunde,
auch Ihre sozialen Kontakte und bauen Partnerin oder Partner, Familie)
Sie neue auf. Finden Sie heraus, was ••Arbeit
Ihnen Kraft gibt, und zapfen Sie diese ••Hobbys
Quellen bei Bedarf an. Seien Sie zu- ••materielle Dinge
dem offen für Neues – Veränderungen ••Sexualität
müssen keine Gefahr sein, sondern ••Wertschätzung durch Kolleginnen und Kollegen
können viel Positives mit sich bringen. sowie Vorgesetzte
••alltägliche Eindrücke und Begegnungen
Stress reduzieren
Auch bei der am besten organisier- Innere Ressourcen:
ten Arbeit lässt sich Stress nicht im-
mer vermeiden. Wie Sie stressigen ••Eigenschaften
Situationen am ehesten begegnen, ••Fähigkeiten
zeigen die drei Ansatzpunkte, die auf ••Werte
der Stressampel von Kaluza beruhen ••Religion
(Kaluza 2011) – siehe Abbildung auf ••Ziele
der nächsten Seite. Die Ampel zeigt, ••Ausstrahlung
wie Stressoren, Stressverstärker und ••Erinnerungen und Erfahrungen
Stressreaktionen zusammenwirken.

1. Stressoren verändern
Priorisieren Sie und fragen Sie sich:
Wer kann mir helfen? Welche Aufga-
ben kann ich delegieren? Wie dringend TIPP: Mit einer „Was mir gut tut“-Liste können Sie auf
muss ich dieses oder jenes wirklich die letzten Jahre zurückblicken und sich überlegen,
machen? Sagen Sie auch mal Nein, welche persönlichen Ressourcen Sie nutzen konnten.
wenn Sie das Gefühl haben, es wird Sollte es Ihnen einmal nicht so gut gehen, können Sie
Ihnen zu viel. Das ist nicht immer ein- diese Liste heranziehen und sich erinnern, auf welche
fach und erfordert Übung – insbeson- Ressourcen Sie zurückgreifen können.
26 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Die Stressampel

Stressoren ••(hohe) Leistungsanforderung


••(zu) viel Arbeit
••Zeitdruck
••…

Persönliche ••Selbstüberforderung
Stressverstärker ••Perfektionismus
••Kontrollstreben
••…

Stressreaktion ••körperliche Reaktion (z. B. Verspannungen)


••emotionale Reaktion (z. B. Nervosität)
••kognitive Reaktion (z. B. Grübeln, Selbstvorwürfe)
••Reaktion im Verhalten (z. B. Hilfe suchen, mehr arbeiten)

dere wenn Sie fürchten, eine negative Hang zum Perfektionismus oder die
Bewertung zu erhalten. Führungskräf- Schwierigkeit, sich abzugrenzen, kön-
te sollten in aller Regel wertschätzen, nen Stress verstärken.
dass Sie Ihre Grenzen kennen und
kommunizieren. Alternative Sichtweisen zu finden,
kann helfen, negative Gedanken ab-
2. Stressverstärker verändern zuschwächen und schwierige Situati-
Überprüfen Sie Ihre Gedanken und onen besser zu meistern. Fragen Sie
Einstellungen: Halten Sie häufiger sich: Woher kommt der Gedanke?
inne und schauen Sie, was bei Ih- Würde es eine neutrale Beobachterin
nen bestimmte Gedanken bewirken. oder ein neutraler Beobachter (z. B.
Wenn ein Gedanke dazu führt, dass eine Freundin oder ein Freund) ähnlich
Sie sich schlecht fühlen, versuchen sehen? Mit welchen Gedanken könn-
Sie Abstand zu nehmen. Vor allem der te ich mich besser fühlen?
VORBEUGEN 27

TIPP: STRESSBEWÄLTIGUNG DURCH


ACHTSAMKEITSTRAINING
Wenn es um Stressbewältigung geht, wird immer öfter
3. Stressreaktionen verändern von Achtsamkeit gesprochen. Ein Achtsamkeitstrai­
Entwickeln Sie Handlungsmöglichkei- ning zielt darauf ab, den gegenwärtigen Moment so
ten anhand der Frage: Was kann ich wahrzunehmen, wie er ist, z. B. durch die „Achtsam­
tun, um mit meinem Stress besser keitsbasierte Stressreduktion“ („Mindfulness based
umzugehen? Erlernen Sie außerdem Stress Reduction“, MBSR). Hier geht es darum, durch
eine Entspannungsmethode wie Yoga Meditation und andere Übungen dem gedanklichen
oder Achtsamkeitstraining, um Ihre Hamsterrad für einige Momente zu entkommen und
Gedanken vom Stress zu lösen. Ma- die Aufmerksamkeit nur auf den Körper und den jet­
chen Sie Sport, der Ihnen Spaß macht – zigen Moment zu lenken. Was auf den ersten Blick ba­
körperliche Bewegung macht den nal und einfach erscheinen mag, bedarf jedoch einiger
Kopf frei und bringt Energie. Pflegen Übung, weil unser Geist meist sprunghaft ist. Fragen
Sie auch Ihre sozialen Beziehungen Sie Ihre Krankenkasse nach Empfehlungen für geeig­
und tauschen Sie sich regelmäßig mit nete Übungen.
Freundinnen und Freunden aus.

Zwei typische Stressverstärker im der Wunsch, anerkannt und gemocht


Arbeitsalltag zu werden. Vielfach haben sie schon
Gerade im Arbeitskontext fallen zwei als Kinder gelernt, nur etwas wert zu
typische Stressverstärker ins Ge- sein, wenn sie Leistung bringen. Im
wicht: der Perfektionismus sowie die Arbeitsleben kann das dazu führen,
Schwierigkeit, sich abzugrenzen. dass sie z. B. ihr Arbeitspensum nicht
schaffen, weil sie sich zu lange mit
Menschen mit einem Hang zum Per- einer Aufgabe aufhalten. Die Folge:
fektionismus stellen an sich den An- noch mehr Stressempfinden und stär-
spruch, ihre Aufgaben „perfekt“ erle- kere Unzufriedenheit.
digen zu müssen, und haben häufig
folgende innere Antreiber: Wichtig ist daher, sich mit den eigenen
Ansprüchen auseinanderzusetzen.
••„Du darfst keine Fehler machen!“ Machen Sie eine „Realitätsüberprü-
••„Sei perfekt!“ fung“ und versuchen Sie, die Situa-
••„Streng dich an!“ tion möglichst neutral und realistisch
••„Nur wenn ich erfolgreich bin, zu beurteilen: Welche ernsthaften
bin ich wertvoll!“ Konsequenzen muss ich befürchten,
•• „Mach es anderen Menschen wenn ich einen Arbeitsauftrag nicht
recht!“ „perfekt“ umgesetzt habe? Wie wür-
den meine Vorgesetzte bzw. mein
Zu Perfektionismus neigende Men- Vorgesetzter oder meine Kolleginnen
schen haben oft Angst davor, Fehler zu und Kollegen reagieren? Würden sie
machen. Häufig verbirgt sich dahinter sich tatsächlich abwenden?
28 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Menschen mit der Schwierigkeit, für die körperliche Gesundheit wich-


sich abzugrenzen, haben Probleme tig. Nur so können Sie leistungsfähig
damit, eigene Grenzen wahrzuneh- bleiben.
men, diese klar zu ziehen und mitun-
ter auch zu verteidigen sowie mit ei- Sein eigenes Tempo zu finden, ist da-
genen Kraftquellen vorausschauend bei eine Herausforderung – aber sie
umzugehen. ist zu bewältigen. Nicht selten schau-
keln sich in Unternehmen jedoch un-
Stellen Sie sich vor, Sie laufen einen günstige, stark leistungsorientierte
Marathon. Um im Ziel anzukommen, Verhaltensweisen unter Mitarbeiten-
müssen Sie mit Ihrer Energie richtig den hoch, weil eigene Grenzen nicht
haushalten. Wenn Sie zu schnell lau- wahrgenommen werden. Wichtig ist,
fen, besteht die Gefahr, dass Sie bald dass Sie sich regelmäßig und ehrlich
erschöpft sind. Ein Bewusstsein für fragen: Wo sind meine Grenzen? Was
die eigenen Energiereserven ist nicht kann ich mit meinen Mitteln leisten?
nur für die psychische, sondern auch Was tut mir gut?

Was muss, was kann der Betrieb tun?

Unternehmen sind gesetzlich ver- gelt. Darüber hinaus können Betriebe


pflichtet, die Gesundheit ihrer Be- durch freiwillige gesundheitsförder-
schäftigten zu schützen. Im Arbeits- liche Maßnahmen in die Leistungsfä-
schutzrecht und im Sozialgesetzbuch higkeit ihrer Belegschaften investieren.
wird die Verantwortung des Arbeitge-
bers an verschiedenen Stellen gere- Psychische Gefährdungs-
beurteilung
Wesentliches Element zur Sicherstel-
lung der betrieblichen Gesundheit
MEHR INFORMATIONEN: ist die Durchführung einer psychi-
Boschüre „Empfehlungen zur Umsetzung der Gefähr­ schen Gefährdungsbeurteilung. Das
dungsbeurteilung psychischer Belastung“, Gemeinsa­ Arbeitsschutzgesetz schreibt explizit
me Deutsche Arbeitsschutzstrategie vor, dass Betriebe nicht nur für die
www.gda-portal.de > Handlungshilfen der GDA körperlichen, sondern auch für die
psychischen Belastungen ihrer Be-
Handlungshilfe „Integration der psychischen Belas­ schäftigten eine Gefährdungsbeurtei-
tungen in die Gefährdungsbeurteilung“, Initiative lung vornehmen und die Umsetzung
Neue Qualität der Arbeit (INQA) geeigneter Gegenmaßnahmen einlei-
www.inqa.de > Angebote > Unsere Publikationen ten müssen (§ 5 ArbSchG).
VORBEUGEN 29

Doch obwohl die psychischen Belas- chen Aufgaben für Arbeitgeber (§ 84


tungen in der Arbeitswelt permanent Abs. 2 SGB IX). Ein BEM hat – wie
zunehmen, setzt nur eine kleine Min- schon der Name verrät – nicht die Prä-
derheit der Betriebe die Vorschrift vention zum Ziel, sondern hilft länger
bisher um. So werden Möglichkeiten erkrankten Beschäftigten, den Wie-
nicht genutzt, Beschäftigte vor Stres- dereinstieg ins Erwerbsleben finden.
soren wie Termin- und Leistungs- Es dient damit sowohl den Betroffe-
druck, zunehmender Flexibilität und nen als auch den Unternehmen, da es
Überlastung zu schützen – und somit dazu beiträgt, die Beschäftigungsfä-
auch die Krankheitskosten im Be- higkeit und den Arbeitsplatz von län-
trieb zu senken. Besonders kleinen ger Erkrankten zu sichern. Trotz der
und mittelständischen Unternehmen
fehlen oft die personellen und finan-
ziellen Ressourcen sowie das nötige MEHR INFORMATIONEN:
Know-how. Dabei ist die Durchfüh- Wie funktioniert Betriebliches Eingliederungsmanage­
rung einer Gefährdungsbeurteilung ment?
weniger kompliziert, als der Begriff www.bmas.de > Themen > Arbeitsschutz > Gesund­
vermuten lässt. heit am Arbeitsplatz
www.einfach-teilhaben.de > Ausbildung und Arbeit >
Betriebliches Eingliederungs-­ Arbeitsplatz sichern
management (BEM)
Neben dem Arbeitsschutz gehört iga.Report 24 „Betriebliches Eingliederungsmanage­
auch das Betriebliche Eingliederungs- ment in Deutschland – eine Bestandsaufnahme“
management (BEM) zu den gesetzli- www.iga-info.de > Veröffentlichungen > iga.Reporte
30 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

gesetzlichen Pflicht und der Vorteile tretung (Betriebs- oder Personalrat,


für Unternehmen verfügen jedoch ggf. Schwerbehindertenvertretung).
nicht alle Betriebe über ein BEM. Auch die Beteiligung der Betriebs­
ärztin bzw. des Betriebsarztes ist
Ein BEM gilt für alle Mitarbeitenden, gewünscht, falls erforderlich. Kran-
die innerhalb eines Jahres länger als kenkassen, Berufsgenossenschaften,
sechs Wochen ununterbrochen oder Rentenversicherungsträger sowie die
wiederholt arbeitsunfähig waren, z. B. Integrationsämter und die Agenturen
aufgrund einer psychischen Störung. für Arbeit stehen den Unternehmen
Im Rahmen des Verfahrens sollen für kostenlose Beratungs- und Unter-
Arbeitgeber und Betroffene klären, stützungsangebote zur Verfügung.
„wie die Arbeitsunfähigkeit möglichst
überwunden werden und mit wel- Betriebliches Gesundheitsmanage-
chen Leistungen oder Hilfen erneuter ment (BGM)
Arbeitsunfähigkeit vorgebeugt und der Unternehmen, die über die gesetzli-
Arbeitsplatz erhalten werden kann“. chen Vorgaben hinaus die Mitarbeiter-
Das können individuelle Maßnahmen gesundheit fördern, z. B. in Form ei-
sein, bspw. die schrittweise Rück- nes BGM, handeln zukunftsorientiert.
kehr an den Arbeitsplatz. Wichtig: Denn Investitionen in die betriebliche
Ein BEM bedarf der Zustimmung der Gesundheit erhöhen nachweislich die
oder des Beschäftigten und verlangt Motivation und Leistungsfähigkeit der
die Einbeziehung der Interessenver- Beschäftigten – und führen somit zu
geringeren Krankenständen, mehr
Produktivität und höherer Wettbe-
werbsfähigkeit.
MEHR INFORMATIONEN:
„Ihr Wegweiser“ – Handlungsleitfaden von BKK und Vor allem zur Vorbeugung psychischer
BZgA zur Einführung eines BGM in KMU Erkrankungen ist ein gut strukturier-
www.der-gesundheitsplan.de > Richtig planen tes BGM unverzichtbar. Es umfasst
alle Maßnahmen des Unternehmens
„Gesunde Mitarbeiter – gesundes Unternehmen. Eine zur Verbesserung von Gesundheit und
Handlungshilfe für das Betriebliche Gesundheitsma­ Wohlbefinden am Arbeitsplatz. The-
nagement“ men, wie mitarbeiterorientierte Füh-
www.psyga.info > Über psyGA > Materialien > Bro­ rung, Changemanagement, Arbeits-
schüren verdichtung, gesundheitsgerechte
Unternehmenskultur oder emotionale
iga.Report 20 „Motive und Hemmnisse für Betrieb­ Überforderungen sollten hier berück-
liches Gesundheitsmanagement (BGM)“ sichtigt werden. Idealerweise greifen
www.iga-info.de > Veröffentlichungen > iga.Reporte dabei Maßnahmen der Betrieblichen
VORBEUGEN 31

Gesundheitsförderung (BGF), Ar- chen Unfallträger. Diese sind nach


beitsschutz und Betriebliches Ein- §§ 20 und 20a Fünftes Buch Sozialge-
gliederungsmanagement ineinander. setzbuch (SGB V) zu Leistungen für
Ein betriebliches Konzept zur Gesund- die betriebliche Prävention verpflich-
heitsfürsorge beteiligt im besten Fall tet.
auch die Krankenkassen und gesetzli-

WARUM SICH BGM FÜR ALLE BETEILIGTEN LOHNT


••Mitarbeitende empfinden Gesundheitsförderung als wertschätzend und gehen
motivierter an die Arbeit.
••Das Betriebsklima verbessert sich spürbar.
••Die Identifikation mit dem Unternehmen steigt.
••Investitionen in die Gesundheit der Belegschaft rechnen sich mit reduzierten
Fehlzeiten.
••Die Belegschaft bleibt langfristig gesund und zeigt bessere Arbeitsleistungen.
••Es herrscht weniger Fluktuation. Auch das Know-how älterer Beschäftigter kann
so langfristig im Unternehmen bleiben.

Siehe iga.Report 28 „Wirksamkeit und Nutzen betrieblicher Prävention“


www.iga-info.de > Veröffentlichungen > iga.Reporte

TIPP: FINANZIELLE UNTERSTÜTZUNG BEI DER GESUNDHEITSVORSORGE


Leistungen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes und der Be­
trieblichen Gesundheitsförderung sind für Beschäftigte in Höhe von jeweils 500
Euro pro Jahr steuerfrei (§ 3 Nr. 34 EStG). Betriebe können ohne steuerliche Prü­
fung gesundheitsfördernde Maßnahmen umsetzen, z. B. Bewegungsprogramme,
Kurse zur Suchtprävention oder Stressbewältigung. Voraussetzung ist jedoch, dass
diese hinsichtlich Qualität, Zweckbindung und Zielgerichtetheit den Anforderungen
der §§ 20 und 20a des SGB V genügen. Die Kriterien sind im „Leitfaden Prävention“
der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) festgehalten. Einige Angebote wer­
den zudem von den Krankenkassen bezuschusst. Sie bieten Unterstützung rund um
gesundheitsfördernde Maßnahmen und vermitteln kompetente Partner.

www.gkv-spitzenverband.de > Krankenversicherung > Prävention, Selbsthilfe,


Beratung > Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung
32 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Rückendeckung statt Rücken­ die Gesundheit fördert – oder krank


schule: Rolle der Führungskräfte macht. Sie ist zudem oftmals Vorbild
Führungskräfte verteilen Arbeitsauf- und Orientierung in der Frage, wie sie
gaben und steuern Prozesse im Un- selbst mit Belastungen umgeht.
ternehmen. Vor allem aber prägen
sie durch ihren Führungsstil die Kul- Ein Muss für jedes Unternehmen sind
tur und das Miteinander im Team. deshalb gesund führende Führungs-
Weit mehr Menschen werden durch kräfte. Mitarbeiterorientierte Führung
ihre bzw. ihren Vorgesetzten krank stärkt die Ressourcen der Beschäf-
als durch einen falsch eingestellten tigten und vermeidet Belastungen für
Bürostuhl. Die Führungskraft beein- die einzelnen Teammitglieder. Eine
flusst maßgeblich, ob ein Arbeitsplatz mitarbeiterorientierte Führungskraft
fragt bei Konflikten nach der Lösung
statt nach Schuldigen. Viele Studien
MEHR INFORMATIONEN: zeigen, dass ein solcher partnerschaft-
Was heißt gesunde Führung? Informationen des Pro­ licher Führungsstil, der auf Fairness,
jekts „psyGA – Psychische Gesundheit in der Arbeits­ Unterstützung und Vertrauen basiert,
welt“ besonders geeignet ist, um Stress
www.psyga.info > Stress vermeiden > Mitarbeiterori­ zu reduzieren und damit psychischen
entierte Führung Störungen vorzubeugen – anders als
eine Führung, die auf starre Vorgaben
iga.Report 29 „Führungskräfte sensibilisieren und Ge­ und Kontrolle setzt.
sundheit fördern“ – Maßnahmen und Best-Practice-
Beispiele zur Förderung der psychischen Gesundheit Für andere zu sorgen und gleichzeitig
am Arbeitsplatz auf sich selbst zu achten, ist für viele
www.iga-info.de > Veröffentlichungen > iga.Reporte Führungskräfte jedoch eine Heraus-
VORBEUGEN 33

forderung. Es ist verständlich, dass ••hoher Wettbewerbs- und Erfolgs-


Führungskräfte unsicher und über- druck sowie
fordert sein können, wenn es darum
geht, diese Doppelrolle erfolgreich ••fehlende Unterstützung durch das
zu meistern. Denn zusätzlich zu den Topmanagement (iga.Report 29).
fachlichen Kompetenzen werden von
ihnen auch zwischenmenschliche Fä- Wichtig ist es daher, Führungsper-
higkeiten erwartet, die nicht immer sonen darin zu unterstützen, ihre ei-
gleich stark ausgeprägt sind. Oftmals genen psychischen Belastungen zu
ist ihnen auch gar nicht bewusst, wel- bewältigen. Das hilft nicht nur den
chen Einfluss ihr Führungsverhalten Führungskräften selbst, es wirkt sich
auf die Beschäftigten hat. Umso wich- auch positiv auf die Beschäftigten
tiger sind Angebote wie Schulungen aus, wenn der Druck, der auf den Vor-
oder Workshops, in denen entspre- gesetzten lastet, nicht nach „unten“
chende Kompetenzen auf- und ausge- weitergegeben wird.
baut werden können. Im Kapitel „Be-
wältigen“ finden Sie wertvolle Tipps
im Umgang mit psychischen Erkran-
kungen.

Psychische Gesundheit von „KEIN STRESS MIT DEM STRESS” – MATERIALIEN


Führungskräften FÜR FÜHRUNGSKRÄFTE
Führungskräfte befinden sich natur- Auf der Website des Projekts „psyGA – Psychische
gemäß in einem Dilemma: Zum ei- Gesundheit in der Arbeitswelt“ finden Sie speziell für
nen sollen sie durch gute Führung Führungskräfte entwickelte, kostenlose Materialien:
zu gesunden Arbeitsbedingungen
beitragen. Zum anderen können auch ••„Kein Stress mit dem Stress: Eine Handlungshilfe
Führungskräfte selbst extrem belastet für Führungskräfte”
sein und sind damit gefährdet, psy- ••„Kein Stress mit dem Stress: Lösungen und Tipps
chisch zu erkranken. Insbesondere für Führungskräfte und Unternehmen” (Praxisord­
beim mittleren Management steigt ner)
die Zahl der „Dauergestressten“. Ge- ••„Selbsttest für Führungskräfte: Wie belastet bin
klagt wird insbesondere über ich?”
••„Kein Stress mit dem Stress: Einführungsseminar
•• zu viel Arbeit und zu komplexe für Fach- und Führungskräfte”
Anforderungen, ••„Förderung psychischer Gesundheit als Führungs­
aufgabe: eLearning-Tool für Führungskräfte”
••zu wenig Ressourcen, insbeson-
dere beim Personal, www.psyga.info > Über psyGA > Materialien
ERKENNEN
Da langfristige psychische Belastungen zu einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung füh-
ren können, ist es wichtig, Warnsignale bei sich und anderen rechtzeitig zu erkennen – zumal die
frühe Einleitung von Maßnahmen die Prognose erheblich verbessert.
36 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Erkennen
Häufige Störungsbilder kennen und auf Warnsignale achten –
bei sich und anderen

Da langfristige psychische Belastungen zu einer behandlungsbedürftigen


psychischen Störung führen können, ist es wichtig, Warnsignale bei sich
und anderen rechtzeitig zu erkennen – zumal die frühe Einleitung von
Maßnahmen die Prognose erheblich verbessert.

Häufig liegt jedoch gerade im Erken- Dabei ist gerade in der Arbeitswelt
nen das Problem. Das beginnt bereits das rechtzeitige Bemerken psychi-
bei den Betroffenen: Obwohl sie oft scher Probleme wichtig. Denn wer
ahnen, dass sie in einer psychischen z. 
B. aufgrund einer psychischen
Krise stecken, verschließen sie die Erkrankung Konzentrationsprobleme
Augen aus Angst vor der Diagnose hat, macht schneller Fehler. Wer un-
und deren Konsequenzen. Vielfach ter einer sozialen Angststörung leidet,
gehen sie gar nicht oder zu spät zum kann beruflich wichtige Themen nicht
Arzt. Dabei fällt es vielen leichter, kör- ansprechen. Und wer Alkohol wäh-
perliche Beschwerden anzusprechen, rend der Arbeit konsumiert, kann sich
die mit ihrer psychischen Störung und andere gefährden.
einhergehen. Das macht es jedoch
für Expertinnen und Experten oft Die Augen offenzuhalten – bei sich
schwerer, die Situation richtig einzu- und anderen – und bei Bedarf Exper-
schätzen. tenrat einzuholen, ist für alle Beteilig-
ten das A und O.

Warnsignale bei sich erkennen

Um eine hohe Belastung bei sich Sie für sich überprüfen, ob Ihre persön-
selbst zu erkennen, kann die folgende liche Belastungsampel auf „Grün“,
Checkliste hilfreich sein. Hier können „Gelb“ oder „Rot“ steht.
erkennen 37

Selbsttest
Wie belastet bin ich?

Einschlafen ist für mich kein Problem. Ein Wochenende reicht zur Erholung
Aber oft wache ich mitten in der Nacht auf kaum aus.
und grübele.
Konzentriertes Arbeiten fällt mir neuerdings
Für Freizeit, Hobbys und Familie habe ich schwer. Ankommende E-Mails oder Störun-
wesentlich weniger Kraft als früher. Meist gen lenken mich leicht ab und ich komme
nehme ich mir dafür auch keine Zeit. schwer wieder rein.
Habe ich einfach nicht.
Wenn im Job etwas nicht so läuft, wie ich
Den persönlichen Kontakt mit meinen mir das vorgestellt habe, reagiere ich öfter
Kolleginnen und Kollegen vermeide ich resigniert.
häufig, weil mir das zu viel Zeit raubt/mich
zu sehr anstrengt. Zeitdruck, Verantwortung, Anfragen – oft
fühle ich mich wie der berühmte „Hamster
Ich habe mehr körperliche Beschwerden im Rad“, der immer rennt, aber nie an-
als früher, z. B. Kopfschmerzen, Magen- kommt.
Darm-Probleme oder Verspannungen.
Körperliche Ursachen findet meine Ärztin/ Ich habe einen inneren Widerstand gegen
mein Arzt nicht. meine Arbeit, den ich jeden Tag neu über-
winde. Im Alltag funktioniere ich dann aber
Mir fällt es relativ schwer, nach der Arbeit wieder gut.
abzuschalten. Oft gelingt es gar nicht.
Meine Stimmung schwankt: Manchmal
Ich trinke – ehrlich gesagt – mehr Alkohol, erkenne ich mich selbst nicht wieder, zum
als mir guttut. Beispiel wenn ich so gereizt reagiere.

Wenn Sie drei und mehr Aussagen angekreuzt haben, lie­ Wenn Sie sieben und mehr Aussagen zustimmend beant­
gen bei Ihnen vermutlich Ansätze einer Überlastung und wortet haben, sind Sie wahrscheinlich schon seit mehreren
Erschöpfung durch zu viel Stress vor. Ihre Psyche reagiert Jahren beansprucht. Ihre Gesundheit ist ernsthaft in Ge­
gereizt und abwehrend, Ihr Körper sendet Signale, die sagen: fahr. Übernehmen Sie Verantwortung für sich und wenden
Das ist mir zu viel. Achten Sie auf sich! Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt (oder eine geeignete
Person im Unternehmen), um herauszufinden, wie Sie der
Wenn Sie fünf und mehr Aussagen angekreuzt haben, spü­ Dauerbelastung entgegenwirken können. Im Kapitel „Bewäl­
ren Sie vermutlich selbst, dass der Stress Ihnen über den tigen” finden Sie hilfreiche Anlaufstellen. Werden Sie aktiv!
Kopf wächst und Ihnen Tatkraft, Engagement und Wohlbefin­
den raubt. Schauen Sie sich daher noch einmal die Tipps zum
richtigen Umgang mit dem Stress im Kapitel „Vorbeugen” an
oder suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Führungskraft oder
einer Kollegin bzw. einem Kollegen. Nehmen Sie die Alarm-
signale ernst! Quelle: ähnlich BAuA/INQA 2012
38 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Warnsignale bei anderen erkennen

Wenn Ihnen bei einer Kollegin oder ••Anzeichen von hohem Stresserle-
einem Kollegen, bei Ihrer Mitarbeiterin ben aufweist wie leichte Reizbar-
oder Ihrem Mitarbeiter über mehrere keit, Konzentrationsschwierigkei-
Wochen bestimmte Verhaltensweisen ten oder Vergesslichkeit,
auffallen, sollten Sie aufmerksam wer-
den. Darunter fallen, wenn sie bzw. er … ••vermehrt Konflikte mit Kollegin-
nen und Kollegen hat,
••ein im negativen Sinne deutlich
anderes Verhalten an den Tag legt, ••deutliche Leistungseinbußen zeigt.

HOBBY-DIAGNOSEN VERMEIDEN!
Für Außenstehende ist oft nur schwer zu erkennen, ob eine andere Person psy­
chisch stark belastet ist. Eine Vermutung beruht immer auf der Interpretation per­
sönlicher Beobachtungen. Es ist deshalb hilfreich, die folgenden Grundsätze zu ver­
innerlichen und eine Diagnose Expertinnen und Experten zu überlassen:

••Belastungen definieren sich durch den subjektiv empfundenen Leidensdruck


oder die subjektiv empfundene Beeinträchtigung. Diese äußern sich vor allem in­
nerlich. Erleben und Befinden entziehen sich der Wahrnehmung und Beurteilung
durch Außenstehende.
••Im Regelfall entwickeln sich psychische Störungen über einen längeren Zeit­
raum. Eine Veränderung tritt selten plötzlich auf. Aufmerksame Mitarbeitende
werden die Veränderungen wahrnehmen.
••Veränderungen im Verhalten und Erleben müssen nicht unbedingt Folge einer
psychischen Störung sein. Auch andere Ursachen wie organische Beschwerden
können „ungewöhnliches“ Verhalten erklären.
••Psychische Störungen zeigen sich nicht immer im Verhalten. Die Ausprägungen
hängen vom Störungsbild und dem Schweregrad der Erkrankung ab und können
individuell verschieden sein. Bestimmte Störungen kommen zudem in der Ar­
beitswelt weniger zum Tragen (z. B. Essstörungen, posttraumatische Belastungs­
störung). Außerdem kann es sein, dass Betroffene gelernt haben, ihre Störung
aus Angst vor negativen Reaktionen zu verheimlichen oder zu überspielen.
erkennen 39

Um Klarheit darüber zu bekommen, in- rung leidet, ist ein Gespräch notwen-
wieweit eine Person belastet ist oder dig. Gegebenenfalls sollten Sie Exper-
ob sie unter einer psychischen Stö- tenrat hinzuziehen.

Psychische Störungen kennenlernen:


häufige Störungsbilder
Wenn sich eine psychische Störung an- Abhängigkeit („Sucht“)
bahnt oder bereits vorliegt, treten wie Viele Menschen nehmen Suchtmittel
bei körperlichen Erkrankungen Symp- zu sich, um Stress entgegenzuwirken,
tome auf. Es ist hilfreich, die wichtigs- Ängste abzubauen, ihre Kontakt- und
ten Störungen im Detail zu kennen, Kommunikationsbereitschaft zu för-
um ihre Anzeichen wahrzunehmen. dern oder die Leistungsfähigkeit zu
Im Folgenden werden die häufigsten verbessern. Da Alltagsdrogen wie
psychischen Krankheiten vorgestellt. Alkohol, Zigaretten oder Medikamen-
Ihre genauen Kriterien sind umfangrei- te oftmals gesellschaftlich akzeptiert
cher. Ausführlichere Informationen zu sind, bleiben Suchterkrankungen mit-
diesen und weiteren Krankheitsbildern unter unerkannt. Am häufigsten in
finden Sie in der Literaturübersicht im Deutschland verbreitet ist die Medika-
Anhang dieser Broschüre. mentenabhängigkeit. Hier nimmt ins-
40 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

besondere der Konsum leistungsstei- ternet-, Spiel-, Kauf- oder Sportsucht


gernder Mittel zu – ein Hinweis, dass können ähnlich schwer sein.
viele Betroffene mit den Anforderun-
gen der Arbeitswelt überfordert sind. Ob legale oder illegale Drogen: Der
Übergang vom sogenannten riskanten
Während Alkohol-, Tabak- und Medi- Konsum hin zu Missbrauch oder gar
kamentenabhängigkeit zu den stoffge- Abhängigkeit wird unterschätzt. Denn
bunden Süchten zählen, können auch er ist schleichender, als viele denken.
schädigende Verhaltensweisen zu Tatsächlich kann prinzipiell jedes Kon-
einer Abhängigkeit führen. Die Symp­ sumverhalten zur Sucht werden; die
tome und Krankheitsverläufe bei In- Abhängigkeit entsteht schrittweise:

Riskanter Konsum tritt auf, wenn ein


Substanzgebrauch gesundheitsschä-
digendes Potenzial hat, etwa wenn
BEISPIEL ALKOHOLABHÄNGIGKEIT: eine Person an einem Abend große
Betroffene können auffallen durch: Mengen Alkohol trinkt.

••vernachlässigtes Erscheinungsbild Unter Missbrauch versteht man im


••starken Alkoholgeruch Kern, dass eine Substanz in unange-
••hohen Alkoholkonsum bei unpassenden Anlässen messenem Umfang eingenommen
••Erfinden von Alibis für den Alkoholkonsum wird. Betroffene sind in ihrer Lebens-
••starke Stimmungsschwankungen führung eingeschränkt, aber noch
••vermehrtes Fehlen und häufigere Pausen am nicht abhängig. Im Arbeitsleben kann
Arbeitsplatz sich dies durch wiederholtes Fernblei-
••Leistungsminderung ben und schlechte Arbeitsleistungen
zeigen.
BEISPIEL MEDIKAMENTENABHÄNGIGKEIT:
Medikamentenabhängigkeit lässt sich über längere Abhängigkeit („Sucht“) beschreibt
Zeit verbergen, die Anzeichen sind schwer zu erken­ den Zustand, in dem Betroffene auf
nen. Hinzu kommt, dass sich Symptome – je nach Art eine Substanz nicht mehr verzichten
des Medikaments – unterschiedlich äußern können. können, ohne dass unangenehme
Mögliche Anzeichen sind: körperliche oder psychische Zustände
eintreten. Für den Arbeitsplatz kann
••Konzentrationsstörungen das z. B. Verlust der Leistungsfähigkeit
••überaktives, aufgedrehtes Verhalten oder erhöhte Unfallgefahr für sich und
••Vergesslichkeit andere bedeuten. Es ist typisch für
••Gleichgültigkeit Suchterkrankungen, dass die Sub­stanz
••Unruhe wiederholt mehr als geplant oder über
erkennen 41

einen längeren Zeitraum eingenom- Angststörungen


men wird. Andere Interessen oder Jeder Mensch kennt das Gefühl der
Hobbys, der Kontakt zu Freundinnen Angst. Es gehört zum Leben dazu und
und Freunden sowie zur Familie wer- erfüllt eine wichtige Funktion. Angst
den zugunsten des Konsums oftmals kann uns signalisieren, dass eine Si-
vernachlässigt. Betroffene betreiben tuation möglicherweise gefährlich ist
zum Teil einen enormen Aufwand, um und wir daher achtsam sein müssen.
die Substanz zu erhalten.
Sie löst biologische Reaktionen aus,
Neben psychischer Abhängigkeit kann die den gesamten Organismus auf ein
es auch zu einer körperlichen Abhän- schnelles Reagieren in einer Gefahren-
gigkeit kommen. Diese tritt bei Been- situation vorbereiten. In einem erträg-
digung oder Reduktion des Konsums lichen Maß ist Angst daher gesund.
auf, etwa wenn das Suchtmittel nicht Zu viel Angst kann uns allerdings er-
zur Verfügung steht. Begleitend kön- heblich beeinträchtigen. Sie kann
nen Entzugserscheinungen wie ver- lähmen und die Freude am Leben
mehrtes Schwitzen oder Angst auftre- nehmen. Eine Angststörung liegt vor,
ten. wenn Angstreaktionen in ihrer Inten-

„Sie ist äußerst empfindlich. Ich habe mich daher umge-


stellt und formuliere meine Anweisungen und Feedbacks
jetzt besser. Das mache ich im Übrigen auch mit den ande-
ren so. Wir gehen jetzt alle harmonischer miteinander um –
und leisten dabei genauso viel wie vorher. Leider ist sie
oft krank. Aber irgendwie geht das auch, da sie nie lange
ausfällt. Ich habe mich ihr als Vertrauensperson angeboten.
Das hat sie auch angenommen.“
Inhaber einer Versicherungsagentur über seine Sekretärin mit einer chronischen
posttraumatischen Belastungsstörung
42 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

sität oder Dauer übermäßig auftre- schen zunehmend aus ihrem sozialen
ten, ohne dass eine konkrete Gefahr Umfeld zurückziehen. Angstauslösen-
oder Bedrohung vorliegt. In vielen de Situationen werden strikt gemie-
Fällen kommt es zur „Angst vor der den. Betroffene greifen außerdem
Angst“, die so stark ausgeprägt sein häufig zu Alkohol oder Drogen, um da-
kann, dass sich die betroffenen Men- mit eine Entspannung herbeizuführen.

DIE VERSCHIEDENEN STÖRUNGSBILDER DER ANGST (PHOBIE)


Was Menschen Angst macht, ist individuell verschieden. Dennoch gibt es Störungs­
bilder, die sich für die Betroffenen mit sehr spezifischen Beschwerden verbinden.
Allen Phobien gemeinsam ist, dass sie als starke und unangemessene Ängste vor
bestimmten Objekten oder Situationen auftreten:

••Generalisierte Angststörung: Die Betroffenen leiden unter unaufhörlichen Sor­


gen über meist zahlreiche, auch alltägliche Dinge sowie unter einer dauerhaften
Anspannung.

••Panikstörungen: Panik- und Angstattacken gehen häufig mit Beklemmungs- und


Erstickungsgefühlen, Schweißausbrüchen sowie Schwindel oder Herzrasen ein­
her. Die Symptome treten in der Regel plötzlich und unerwartet („aus heiterem
Himmel“) auf.

••Agoraphobie: „Agora” ist griechisch und bedeutet „Marktplatz“. Betroffene ha­


ben z. B. Angst vor öffentlichen Plätzen und meiden somit Menschenmengen
oder Busfahrten, da sie befürchten, im Falle eines Angstanfalls nicht schnell ge­
nug Hilfe zu bekommen.

••Soziale Phobie: Menschen mit einer sozialen Phobie haben Angst, sich vor an­
deren zu blamieren oder schlecht bewertet zu werden. Gerade im Arbeitskontext
können soziale Phobien die Leistungspotenziale einschränken, wenn es bspw.
darum geht, eine Präsentation zu halten oder ein Kundengespräch zu führen.

••Spezifische Phobien: Gemeint sind spezifische Objekte oder Situationen, die


stark angstbesetzt sind. Die Klaustrophobie ist bspw. die Furcht vor zu engen
Räumen, die Betroffene Fahrstühle u. Ä. meiden lässt. Der Begriff stammt vom
lateinischen „claustrum“ und steht für „Verschluss, Riegel, Schloss“.
erkennen 43

Bipolare Störungen rungen). Das bekannte Sprichwort


Menschen mit einer bipolaren Störung „himmelhoch jauchzend, zu Tode
wurden früher oft als „manisch-de- betrübt“ beschreibt dieses Krank-
pressiv“ bezeichnet. Bipolare Störun- heitsbild sehr treffend. Stimmungs-
gen gehören zu den Störungen von getrübte, depressive Phasen wech-
Gefühl und Stimmung (affektive Stö- seln sich mit Tagen anhaltender, ext-

Manische Phase
Die Symptome sind z. B.

••extrem gehobene Stimmung


••übersteigerte Aktivität
••Reizbarkeit, Aggressionen
••vermindertes Schlafbedürfnis
••erhöhter Drang zu reden
••gesteigerte Libido
••vermehrte Probleme, z. B. Streitereien,
Betroffene geben extrem viel Geld aus
••...

Depressive Phase
Die Symptome sind wie bei der depressiven
Erkrankung, z. B.

••Niedergeschlagenheit
••Antriebslosigkeit
••Reizbarkeit, Aggressionen
••Interessen- oder Freudeverlust
••Schlafstörungen
••Konzentrationsprobleme
••Appetitveränderung
Quelle: BKK Dachverband ••...
44 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

remer Euphorie ab. In einigen Fällen ••Interessen- oder Freudeverlust


können die Beschwerden auch von sowie
psychotischen Symptomen begleitet
werden, d. h. für kurze Zeit wird der ••verminderter Antrieb und
Realitätsbezug verloren. Auch als au- fehlende Energie.
ßenstehende Person können Sie die
Stimmungsschwankungen oft bemer- Meist treten nur einige der Hauptsymp­
ken. tome gleichzeitig auf. Darüber hinaus
werden sie von anderen Beschwer-
Depressionen den wie Appetitveränderung, Schlaf-
Viele Menschen werden in ihrem Le- problemen, starker Erschöpfung, Kon-
ben bereits depressive Phasen erlebt zentrationsschwierigkeiten, Gefühlen
haben. Bei Personen mit einer Depres- der Wertlosigkeit oder auch Gedan-
sion sind die beschriebenen Gefühle ken an den Tod begleitet und können
jedoch besonders stark ausgeprägt. schlimmstenfalls im Suizid enden. Die
Zu den Hauptsymptomen gehören: Beschwerden einer Depression kön-
nen ganz unterschiedlich sein, es gibt
••eine negative, gedrückte nicht die „typische Depression“. In der
Stimmung, Fachwelt werden zudem unterschied-
liche Formen von Depressionen diffe-
••ein Gefühl der „Leere“, renziert.
erkennen 45

Häufig versuchen Betroffene, ihr In- gen-Darm-Probleme oder Rücken-


nenleben nicht nach außen zu tragen. schmerzen. Oft werden eher die
Es ist durchaus möglich, dass ein körperlichen Beschwerden berichtet,
fröhlich und lebenslustig wirkender sodass Depressionen von Ärztinnen
Mensch unter Depressionen leidet. und Ärzten nicht erkannt werden. Vie-
Darüber hinaus können sich Depres- le Betroffene nehmen z. B. Schlafprob-
sionen auch körperlich äußern. Auf- leme oder starken Gewichtsverlust als
tretende Beschwerden sind etwa Anlass für einen Arztbesuch – mög-
Kopfschmerzen, Energielosigkeit, Ab- liche psychische Ursachen treten in
geschlagenheit, Verspannungen, Ma- den Hintergrund.

BURNOUT – EINE VERSTECKTE DEPRESSION?


„Burnout“ ist ein Begriff, der im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen
immer häufiger auftaucht – und noch immer diskutiert wird. Tatsächlich fehlt in
der Fachwelt eine einheitliche Definition des Syndroms. Die Weltgesundheits­
organisation (WHO) beschreibt Burnout nicht als psychische Störung, sondern als
Zustand einer körperlichen, emotionalen und geistigen Erschöpfung aufgrund von
Überlastung.

Da zahlreiche Symptome eines Burnout-Syndroms aber mit denen einer Depres­


sion identisch sind, besteht noch immer die Frage, wie und ob Burnout von einer
Depression abzugrenzen ist. Viele Fachleute sehen im Burnout eine Vorstufe der
Depression, mit einem starken beruflichen Bezug. Im Vergleich zur Depression und
zu anderen psychischen Störungen gilt, dass Burnout in einer Gesellschaft mit be­
sonders hohen Leistungsansprüchen als Diagnose deutlich salonfähiger ist und
weniger Stigmatisierung mit sich bringt. Für einige Beschäftigte ist ein Burnout
sogar das Aushängeschild der eigenen Leistungsbereitschaft.

Wie auch immer die Diagnose am Ende genannt wird: Auch beim Burnout ist wich­
tig, dass Warnsignale frühzeitig erkannt und von einer Expertin oder einem Exper­
ten abgeklärt werden. Ein Selbsttest kann Ihnen helfen, Ihre allgemeine Burn­out-
Gefährdung zu bestimmen.

„Wie belastet bin ich?“ – psyGA-Selbsttest für Führungskräfte


www.psyga.info > Ihre Schritte > Problem erkennen > Checks
46 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

„Ich bin 38 Jahre alt und habe mein erstes Burnout mit 36 Jahren er-
litten. Schon in meiner Kindheit wurde ich zu Bestleistungen animiert,
z. B. mit Frühförderung wie Lesen und Schreiben noch vor Schulein-
tritt. In der Grundschule, im Gymnasium und im Studium schrieb ich
nur Bestnoten. Meine Promotion absolvierte ich mit „summa cum
laude“. Kurz danach erhielt ich einen hochdotierten Managerposten.
Es ging darum, andere Firmen wieder neu aufzubauen und maxi-
malen Profit zu erwirtschaften. Nach einigen Jahren im Job ging
nichts mehr, der Akku war leer, ich fühlte mich erschöpft und ermü-
det. Gereiztheit, Lustlosigkeit und Gleichgültigkeit bestimmten mein
Familien- und Arbeitsleben. Trotz meiner guten Arbeit entwickelte ich
enorme Selbstzweifel. Meine Angst zu scheitern und zu versagen,
war enorm. Ein Burnout kam mir damals nicht in den Sinn. Erst als
Schlafstörungen, starke Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf-Probleme und
ein Hörsturz hinzukamen, mein Familienleben sich fast dem Ende
zuneigte, suchte ich auf Bitte meiner Frau einen Psychologen auf.
Die Diagnose: Burnout mit (Erschöpfungs-) Depression. Seither bin
ich in psychiatrischer Behandlung. Ich versuche, meine Situation
zu verstehen und zu akzeptieren. Meine Antidepressiva konnte ich
wieder absetzen. Meine akuten Probleme konnte ich beseitigen und
ein neues Lebenskonzept entwickeln. So habe ich wieder Freude
am Leben gefunden, vor allem durch den Familienzusammenhalt.
Meinen Job als Manager musste ich aufgeben. Ein offenes Gespräch
mit meinen Vorgesetzten führte aber dazu, dass mir eine Stelle für
die Zeit nach meiner Genesung angeboten wurde – mit einem gerin-
geren Stresslevel. Für dieses seltene Angebot bin ich der Firma sehr
dankbar.“

Ehemaliger Manager (38), Burnout-Patient


erkennen 47

Essstörungen der Betroffenen sind Mädchen und


Menschen mit einer Essstörung kön- Frauen. Dabei spielt das westliche
nen nicht mehr unbedarft essen. Ihre Schönheitsideal als kultureller Aspekt
Gedanken und ihr Verhalten drehen in der Entwicklung der Störung eine
sich ständig um das Essen – bzw. um entscheidende Rolle.
das Nichtessen. Hinzu kommen oft
Verzerrungen in der Wahrnehmung Es gibt verschiedene Formen von
des eigenen Körpers, z. B. fühlen sie Essstörungen, die sich in ihren Symp­
sich extrem dick, obwohl dies objek- tomen unterscheiden. Zu den klassi-
tiv nicht der Fall ist. Essen oder auch schen Formen zählen die Magersucht,
Nichtessen werden zu einer (teils die Ess-Brech-Sucht sowie die Ess-
unbewussten) Strategie, um das Ge- Sucht:
wicht zu regulieren oder andere Dinge
wie Kontrollverlust, Stress, Ängste Von Magersucht (Anorexie) Betrof-
usw. zu kompensieren. Die Mehrheit fene sind extrem dünn (BMI* < 17,5)

* Der „Body Mass Index“ setzt Körper und Gewicht in ein Verhältnis. Ein gesunder
BMI liegt zwischen 19 und 25.
48 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

und halten ihre Kalorienaufnahme fälle, insbesondere bei Personen mit


durch wenig Essen oder z. B. durch Bulimie oder Binge-Eating-Störungen,
Erbrechen extrem niedrig. Die Angst finden in der Regel heimlich statt,
vor einer Gewichtszunahme ist sehr ebenso kompensatorische Strategien
stark ausgeprägt. wie Erbrechen.

Die Ess-Brech-Sucht (Bulimia ner- Persönlichkeitsstörungen


vosa) zeichnet sich durch Essanfälle Persönlichkeitsstörungen sind eine
aus, d. h. die übergroße Nahrungsauf- besondere Art von psychischen Stö-
nahme in einem abgrenzbaren Zeit- rungen. Da sie sich hinsichtlich ihrer
raum und das gleichzeitige Erleben Entwicklung, ihres Verlaufs sowie ih-
von Kontrollverlust während des Ess­ rer Behandlungsmöglichkeiten und
anfalls. Dabei wird versucht, die Kalo- Prognosen von den bereits genannten
rienaufnahme wieder zu kompensie- Störungen unterscheiden, bilden sie
ren, z. B. durch viel Sport, Erbrechen eine eigene Klasse. Ein wesentliches
oder Fasten. Unterscheidungsmerkmal ist, dass sie
schon sehr früh in der Kindheit entste-
Ähnlich wie bei der Bulimie stehen bei hen. Die Formen können dabei ganz
der Ess-Sucht (Binge-Eating-Stö- unterschiedlich sein. Sie reichen vom
rung) Essanfälle im Vordergrund. Al- Borderline-Syndrom bis zur narzissti-
lerdings werden keine Maßnahmen schen Persönlichkeitsstörung.
zur Verhinderung einer Gewichtszu-
nahme eingesetzt. Personen, die un- Menschen mit Persönlichkeitsstörun-
ter Binge Eating leiden, können daher gen fällt es schwer, stabile und länger-
oft übergewichtig sein. fristige Beziehungen einzugehen. In
zwischenmenschlichen Zusammen-
Im Arbeitskontext sind Essstörungen künften verhalten sie sich teilweise
je nach Ausprägung mehr oder weni- auffällig. Zum Beispiel kann es sein,
ger einfach zu erkennen. Das Gewicht dass sie versuchen, häufig im Mittel-
kann, muss aber nicht ein Hinweis auf punkt zu stehen, in ihrer Ausdrucks-
eine Essstörung sein (Personen mit weise extrem dramatisch sind, sie
Bulimie sind z. B. meist normalgewich- anderen Menschen sehr stark miss-
tig). Unabhängig davon kann ein ge- trauen oder ausgeprägt hohe morali-
störtes Essverhalten von den Betroffe- sche Ansprüche haben.
nen sehr gut „kaschiert“ werden. So
erklären von Magersucht Betroffene Hinweise auf eine Persönlichkeitsstö-
ihr Dünnsein z. B. mit Allergien oder rung äußern sich davon abgesehen
Stoffwechselstörungen und bekochen jedoch meist sehr subtil. Oftmals su-
gern andere Mitarbeitende. Essan- chen betroffene Personen Hilfe we-
erkennen 49

gen anderer Probleme wie Ängsten, oder Störungen im Denken auftreten,


emotionaler Labilität oder Beziehungs- die sich u. a. in der Bildung von neuen
schwierigkeiten. Wörtern wie „trauram“ – traurig und
einsam – manifestieren. Diese Phasen
Schizophrenie des Erlebens nennt man „Psychosen“.
Viele Menschen denken beim Begriff Sie wechseln sich mit symptomfreien
„schizophren“ an eine „gespaltene“ Phasen ab.
oder „multiple“ Persönlichkeit, ähnlich
wie „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Ob- Die Anzeichen einer Schizophrenie
wohl Schizophrenie wörtlich tatsäch- wirken auf die Umgebung oft be-
lich „gespaltene Seele“ bedeutet, ist fremdlich. Die Tatsache, dass für die
mit dem Begriff vielmehr das Vorhan- Betroffenen neben der von der Mehr-
densein von zwei, für die Betroffenen heit wahrgenommenen Wirklichkeit
nebeneinander existierenden Wahr- eine andere, zusätzliche Realität exis-
nehmungswelten gemeint. Das be- tiert, kann Angehörige, Freundinnen
deutet, dass sie phasenweise Dinge und Freunde sowie Kolleginnen und
als real erleben, die jedoch nicht der Kollegen massiv verunsichern. Es
mehrheitlichen Realität entsprechen. hilft, sich zu vergegenwärtigen, dass
So kann es z. B. sein, dass Betroffene an Schizophrenie Erkrankte aufgrund
Stimmen hören, das Gefühl haben, ihrer veränderten Wahrnehmung oft
Opfer einer Verschwörung zu sein, von starken Ängsten geplagt sind.

SCHIZOPHRENIE – AUF DER SUCHE NACH EINEM GEEIGNETEN BEGRIFF


Eine Erkrankung an Schizophrenie führt zu einem hohen Verlust an Lebensqualität.
Diese Beeinträchtigung ist nicht nur auf das Krankheitsbild allein zurückzuführen,
sondern auch auf die gesellschaftliche Ausgrenzung. Bereits der Begriff „Schizo­
phrenie“ – mit seinem Fokus auf die Wahrnehmungswelten – wirkt stigmatisierend.
Eine Änderung der Krankheitsbezeichnung wird deshalb zunehmend diskutiert.
Denn der Begriff lässt einen wichtigen Umstand außer Acht: Im Unterschied zu
anderen Menschen, die auf Stress eher körperlich reagieren, z. B. mit Tinnitus oder
Rückenschmerzen, zeigen psychoseerfahrene Personen eine Empfänglichkeit, auf
Stress mit Psychosen zu reagieren. Diese besondere Stresssensibilität soll sich in
dem relativ neuen Krankheitsbegriff „Psychosis Susceptibility Syndrome“ (sinnge­
mäß: Psychosen-Anfälligkeits-Syndrom) widerspiegeln.
50 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Somatoforme Störungen Betroffene erkennen, dass ihre Ge-


Somatoforme Störungen zählen ne- danken oder Handlungen übertrieben
ben Depressionen und Angststörun- sind, und versuchen, diesen Wider-
gen zu den häufigsten psychischen stand zu leisten. Dennoch können
Störungen. Ihr Kernmerkmal ist, dass sie den Impuls, ihrem Zwang nachzu-
über einen längeren Zeitraum, min- kommen, kaum unterdrücken, wofür
destens zwei Jahre, wechselnde kör- sie sich meist intensiv schämen. Das
perliche Beschwerden wie Rücken-, Nichtausüben ruft extreme Ängste
Bauch- oder Gelenkschmerzen emp- hervor. Oft müssen sich Betroffene
funden werden, die nicht ausreichend stundenlang mit ihren Zwängen be-
durch körperliche Veränderungen er- schäftigen, sodass sie in ihrem alltäg-
klärbar sind. lichen Leben stark beeinträchtigt sind.

Dennoch werden die körperlichen Pro- In der Arbeitswelt zeigen Betroffene


bleme als real empfunden und sind z. 
T. merkwürdig anmutende Hand-
nicht eingebildet: Bis zu 30 Prozent der lungsrituale auf, deren Aufschub oder
Konsultationen in Allgemeinarztpraxen Unterdrückung zu starker Anspan-
werden durch somatoforme Symp- nung, Panik und Gereiztheit führen
tome verursacht. Viele Patientinnen können. Zum Beispiel kann sich eine
und Patienten weisen eine lange Liste Zwangshandlung auf der Arbeit dar-
von Arztkonsultationen vor, meist mit in äußern, E-Mails, Schriftdokumen-
ergebnislosen Untersuchungen. Man te u. 
a. in unangemessenem Maße
spricht in diesem Kontext von „Ärz- mehrfach kontrollieren zu müssen.
te-Hopping“ oder „doctor shopping“.

Zwangsstörungen
Menschen mit einer Zwangsstörung
leiden unter einem inneren Drang, be-
stimmte Dinge immer und immer wie-
der zu tun. Das können Handlungen
sein wie ständiges Händewaschen
oder ein häufiges Nachkontrollieren
der Herdplatte. Es können aber auch
wiederkehrende Gedanken sein, z. B.
wenn eine Person permanent daran
denken muss, dass sie jemandem et-
was Schreckliches zufügen könnte.
erkennen 51

„Ich bin 22 Jahre alt und leide an einer Zwangsstörung.


Schon im Gymnasium hatte ich riesige Probleme mit dem
Verlassen der Wohnung, da ich mich ständig vergewissern
musste, ob alle Geräte abgestellt waren. Am Ende muss-
te ich für den Schulweg eine Stunde mehr Zeit einplanen,
da ich immer wieder gezwungen war, zurückzugehen
und die Geräte zu überprüfen. Später kam ein Wasch-
und Putzzwang hinzu, der es mir unmöglich machte, die
Wohnung zu verlassen. Erst musste ich mir schon bei der
Berührung des Treppengeländers oder der Nutzung öffent­
licher Verkehrsmittel sofort die Hände waschen. Dann ent-
wickelte ich zusätzlich einen Putzzwang. Aufgrund der vie-
len Bakterien wollte ich gar nicht mehr aus der Wohnung.
Um Bakterien und Keime nicht im Haus zu haben, fing ich
an, täglich zu saugen und zu putzen. Mein ganzer Tages-
ablauf war davon geprägt. Mittlerweile befinde ich mich
in stationärer Behandlung, da eine ambulante Behandlung
keinen Erfolg hatte. In einer Konfrontationstherapie versu-
che ich, mit meiner Zwangsstörung umzugehen und der
eigenen Wahrnehmung wieder zu vertrauen. Mein Wunsch
ist es, das in den Griff zu bekommen.“
Auszubildende (22) mit Zwangsstörung
BEWÄLTIGEN
Psychische Erkrankungen lösen häufig Ängste und Unsicherheiten aus. Ob Betroffene, Angehörige,
Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzte: Viele wissen nicht, wie sie mit dem Thema richtig
umgehen sollen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man psychischen Störungen be-
gegnen und sie gemeinsam bewältigen kann – sei es im persönlichen Kontakt im Betrieb, in einer
Selbsthilfegruppe oder im Rahmen professioneller Unterstützung.
54 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Bewältigen
Psychischen Störungen begegnen – durch professionelle Behandlung,
Selbsthilfegruppen und Unterstützung im Betrieb

Psychische Erkrankungen lösen häufig Ängste und Unsicherheiten aus.


Ob Betroffene, Angehörige, Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzte:
Viele wissen nicht, wie sie mit dem Thema richtig umgehen sollen. Da-
bei gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man psychischen Störungen
begegnen und sie gemeinsam bewältigen kann – sei es im persönlichen
Kontakt im Betrieb, in einer Selbsthilfegruppe oder im Rahmen professio-
neller Unterstützung.

Professionelle Behandlungsmöglichkeiten

Im Zusammenhang mit psychischen Erkrankung können unterschiedliche


Störungen steht in Deutschland ein Therapiemethoden sinnvoll sein. Die
breites Hilfsangebot von Fachleuten Psychotherapie stellt bei nahezu allen
und Selbsthilfeeinrichtungen zur Ver- psychischen Erkrankungen einen zen-
fügung, die allen Beteiligten helfen tralen Behandlungsansatz dar, deren
können. Einen Überblick über Exper- Erfolg gut belegt ist. Zu den gängigen,
tinnen und Experten, die verschiede- von den gesetzlichen Krankenkassen
nen Beratungsstellen und deren Auf- bezahlten Therapieformen zählen da-
gaben und Angebote finden Sie am bei die Verhaltenstherapie, die Psy-
Ende dieses Kapitels. choanalyse sowie die tiefenpsycholo-
gisch fundierte Psychotherapie.
Mit einer professionellen Behandlung
psychischer Leiden erhöhen Betrof- Verhaltenstherapie
fene die Aussicht, Lebensqualität zu- Das Grundverständnis der Verhaltens-
rückzugewinnen und sie auch lang- therapie besteht darin, dass Verhal-
fristig zu steigern. Sie können damit tensweisen erlernt wurden und somit
sowohl im Berufs- als auch im Pri- auch wieder „umgelernt“ werden
vatleben wieder Fuß fassen. Je nach können. Hierfür wird in der Therapie
Bewältigen 55

an Reaktionen, Gedanken und Gefüh- Tiefenpsychologisch fundierte


len gearbeitet. Der Fokus liegt dabei Psychotherapie
auf gegenwärtigen Situationen, ohne Ähnlich wie die Psychoanalyse setzt
vergangene Erfahrungen zu vernach- die tiefenpsychologisch fundierte
lässigen. Techniken sind u. a. die kon- Psychotherapie an verdrängten Kon-
krete Analyse von Situationen sowie flikten und problematischen Bezie-
das Üben von Situationen, z. B. durch hungserfahrungen an. Unbewusste
Rollenspiele oder Exposition. In der Faktoren der psychischen Probleme
Therapie sitzen sich Patientin bzw. sollen bewusst werden. Im Vergleich
Patient und Psychotherapeutin bzw. zur Psychoanalyse wird jedoch noch
Psychotherapeut gegenüber. Die Fre- stärker der Bezug zur aktuellen Si-
quenz der Sitzungen wird je nach Art tuation hergestellt. Die Therapeutin
und Stärke der psychischen Störung bzw. der Therapeut unterstützt die Pa-
gemeinsam vereinbart (meist einmal tientin oder den Patienten dabei, die
pro Woche). unbewussten inneren Konflikte mit
aktuellen Lebensumständen in Ver-
Psychoanalyse bindung zu setzen und aktuelle (zwi-
Begründer der Psychoanalyse war schenmenschliche) Konflikte besser
Sigmund Freud. Das Hauptanliegen zu lösen. Wie bei der Verhaltensthera-
besteht darin, Verdrängtes bewusst pie sitzen sich beide gegenüber. Die
zu machen. Das heißt, die Psycho- Sitzungen finden ca. ein- bis zweimal
analyse beschäftigt sich vor allem mit pro Woche statt.
vergangenen Konflikten und Bezie-
hungserfahrungen. Während der klas-
sischen Therapie liegt die Patientin TIPP: PERSÖNLICHE BEDÜRFNISSE
bzw. der Patient auf einer Couch und BERÜCKSICHTIGEN
hat keinen Blickkontakt zur Therapeu- Bei der Wahl der Behandlungsmethode ist es wich­
tin bzw. zum Therapeuten. Patientin- tig, auf die persönlichen Bedürfnisse der Betroffenen
nen und Patienten sollen vor allem frei Rücksicht zu nehmen. Welche Therapieform ist am
assoziieren und mitteilen, was ihnen ehesten geeignet? Ist der Einsatz von Medikamenten
durch den Kopf geht. Die Therapeutin erwünscht? Kann eine Selbsthilfegruppe Unterstüt­
bzw. der Therapeut unterstützt beim zung bieten? Entscheidend für den Erfolg einer Thera­
Strukturieren, Deuten und Verstehen. pie ist zudem das Verhältnis zwischen Patientin bzw.
In der Regel finden zwei bis drei Sit- Patient und Therapeutin bzw. Therapeut. Betroffe­
zungen pro Woche statt über einen ne sollten hier auf ihr Gefühl vertrauen und sich gut
Zeitraum von zwei oder mehr Jahren. aufgehoben fühlen. Im Abschnitt „Selbst Hilfe in An­
spruch nehmen“ ist in Kürze zusammengefasst, wie
Betroffene die passende Therapeutin bzw. den pas­
senden Therapeuten finden.
56 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Wissenschaftlich anerkannt sind darü- Einnahme von Medikamenten erfor-


ber hinaus die systemische Therapie derlich sein. Bei schweren Depressi-
und die Gesprächspsychotherapie, onen sind etwa entsprechend verord-
deren Kosten jedoch noch nicht von nete Medikamente bei gleichzeitiger
den gesetzlichen Krankenkassen über- Psychotherapie sinnvoll. Auch die In-
nommen werden. Zusätzlich zu einer anspruchnahme von Selbsthilfeange-
therapeutischen Behandlung kann die boten kann hilfreich sein.

„Expertinnen und Experten in eigener Sache“:


Unterstützung durch Selbsthilfegruppen
Eine wichtige Unterstützung bei der Erkrankung. Der Austausch von Er-
Bewältigung von psychischen Er- fahrungswissen, das gegenseitige
krankungen sind Selbsthilfegruppen – Verständnis und die sozialen Kontakte
sowohl für die Betroffenen als auch tragen sehr zur Entlastung der Betrof-
für Angehörige und das soziale Um- fenen bei. Die Erfahrung zu machen,
feld. Deutschland verfügt über Tau- mit ihrer Erkrankung, ihrer Belastung
sende lokale Selbsthilfegruppen und und mit ihrem Schicksal nicht allein zu
mehrere Selbsthilfeorganisationen sein, hilft vielen Betroffenen.
für Menschen mit einer psychischen
Bewältigen 57

Manchen Menschen fällt der Zugang Kollege oder als betriebsärztlicher


zu einer Selbsthilfegruppe leichter, Dienst: Für betroffene Menschen
anderen schwerer. Viele befürchten, kann es ein wichtiger Hinweis sein,
sich mit ihrer Erkrankung offenbaren dass es diese Möglichkeit des Aus-
oder „auspacken“ zu müssen. Dies tauschs mit anderen Betroffenen gibt.
trifft nicht zu und wird in keiner Selbst-
hilfegruppe verlangt. Alle haben aber Die passende Selbsthilfegruppe
die Erfahrung gemacht, dass Zuhören- finden
können die wichtigste Voraussetzung Bei der Suche nach einer Selbsthilfe-
für Vertrauen ist. Manche haben auch gruppe in der Nähe kann das Internet
die Sorge, in einer Selbsthilfegrup- hilfreich sein, aber auch Selbsthilfe-
pe nur auf Menschen zu stoßen, die kontaktstellen, die bei der Vermittlung
schwer krank sind und nur über sich unterstützen. Die Selbsthilfegruppen
und ihr Leiden sprechen. Auch dies der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie
trifft nicht zu. Die Gruppen sind fast
immer bunt durchmischt – mit leichter
und schwerer oder längst bewältigter
Erkrankung. Thema sind keineswegs
immer nur die Erkrankungen. Aber
stets stößt man auf Menschen, die MEHR INFORMATIONEN UND ANLAUFSTELLEN:
viel Erfahrung aus dem Alltag ihrer Fast immer existieren bei den örtlichen Wohlfahrtsver­
Erkrankung mitbringen und Wege auf- bänden Selbsthilfekontakt- und Informationsstellen,
zeigen können, wie man Krisen über- die eine Liste der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe­
winden und trotz einer Erkrankung das gruppen führen. Sie können auch die zuständige Kran­
tägliche Leben bewältigen kann. kenkasse nach einem aktuellen Verzeichnis fragen.
Hilfreiche Anlaufstellen im Internet sind:
Die Vielfalt an gesundheitsbezogenen
Selbsthilfegruppen ist groß. Erfüllen www.nakos.de Kontakt- und Informationsstelle für
die Gruppen bestimmte Kriterien, wer- Selbsthilfegruppen (mit Suchfunktion)
den sie von der Gesetzlichen Kranken-
versicherung gefördert. Aus gutem www.schon-mal-an-selbsthilfegruppen-gedacht.de
Grund: Wer sich in einer Selbsthilfe- Übersicht über Selbsthilfegruppen und Tipps für die
gruppe beteiligt, stärkt seine Gesund- Gründung; richtet sich vor allem an Jüngere
heit, stabilisiert nach und nach seine
sozialen Kontakte und kann für andere www.selbsthilfe-interaktiv.de Selbsthilfe-Foren und
Menschen mit ähnlichen Problemen virtuelle Gruppen
eine gute Hilfe sein. Ob bei körperli-
chen oder psychischen Erkrankungen, www.psychiatrie.de/bapk/seelefon Bundesweite Tele­
ob als Führungskraft, als Kollegin oder fon- und E-Mail-Beratung
58 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

sind über die Geschäftsstelle des Selbsthilfe im Internet


Bundesverbandes der Angehörigen Längst haben sich auch im Internet
psychisch Kranker (BApK) zu erfragen. Selbsthilfegruppen gebildet. Werden
Der Verband bietet auch eine Hotline sie öffentlich und verantwortungsvoll
an, wo Angehörige und Betroffene als geführt, können auch sie eine Entlas­
Beraterinnen und Berater Informati- tung sein. Hier lässt sich anonym nach­-
on, Hilfe und Unterstützung zum The- lesen, was andere meinen. Betroffene
ma psychische Erkrankungen geben. können Fragen stellen oder mitdisku-
Auch Arbeitgeber können sich hier tieren, wenn ein moderierter Chat zu
über alle Fragen, die mit psychischen bestimmten Themen angeboten wird.
Erkrankungen und den daraus resultie- Viele Betroffene haben lange vor ihrer
renden Problemen im Arbeitsleben zu Diagnose entsprechende Recherchen
tun haben, informieren. über ihr Krankheitsbild durchgeführt.
Bei allen Vorzügen und Möglichkeiten,
Wichtig ist: Der Kontakt mit einer die das Internet bietet, sollte jedoch
Selbsthilfeeinrichtung muss stets nicht vergessen werden, dass es sich
freiwillig sein. Eine Selbsthilfegruppe insbesondere für diese Personengrup-
kann man aufsuchen, die direkte Auf- pen um vertrauliche und höchst sen-
forderung durch den Arbeitgeber ist sible Angaben handelt und mit denen
aber nie sinnvoll. sehr sorgsam umzugehen ist.

Allgemeine Empfehlungen für Führungskräfte


und Mitarbeitende
Beschäftigte mit einer psychischen mit dem Thema psychische Erkran-
Störung haben in der Regel Angst, kung wirkt sich positiv auf Betroffene
ihre Erkrankung im Betrieb öffentlich aus.
zu machen. Sie schämen sich und
befürchten, ausgegrenzt zu werden. Für Beteiligte stellt sich allerdings
Oder sie haben die Sorge, dass ihnen die Frage: Wie kann gute Unterstüt-
negative Konsequenzen am Arbeits- zung aussehen? Führungskräfte und
platz drohen. Unterstützung ist der Kolleginnen und Kollegen nehmen
beste Weg, dem ohnehin bereits be- vielleicht Veränderungen in der Per-
lasteten Menschen bei seiner Erkran- sönlichkeit, im Verhalten und in der
kung zur Seite zu stehen und ihn vor Leistungsfähigkeit der betroffenen
zusätzlichen Belastungen zu schüt- Mitarbeiterin oder des betroffenen
zen. Dabei gilt: Ein toleranter, empa- Mitarbeiters wahr, sind aber selbst
thischer und unterstützender Umgang verunsichert und wissen nicht, wie
Bewältigen 59

„Herr Z. ist die gute Seele unseres Unternehmens. Manch-


mal ist er den ganzen Tag unterwegs auf dem Gelände.
Er kennt alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat stets
eine gute Geschichte parat. Er sorgt immer für die Vertei-
lung des Mineralwassers, dann müssen die Kolleginnen
und Kollegen sich nicht selbst um Nachschub kümmern.
Er ist nie lange in einer Abteilung, daher hält er die Beschäf-
tigten nicht von der Arbeit ab, sondern sorgt eher für eine
schöne Ablenkung. Alle mögen ihn. Daher ist es für uns
tragbar, dass er seine eigentlichen Aufgaben dabei oft ver-
nachlässigt.“
HR-Managerin eines mittelständischen Metallunternehmens mit 600 Beschäftig­
ten über einen Mitarbeiter mit Persönlichkeitsstörung

sie damit umgehen sollen. Zentral ist Individuelle Erkrankung – individu-


deshalb, dass Vorgesetzte und Mitar- eller Umgang
beitende gemeinsam eine Kultur des Ein Patentrezept zum Umgang mit
Hinsehens fördern. Betroffenen ist be- psychischen Erkrankungen am Ar-
reits viel geholfen, wenn Kolleginnen beitsplatz gibt es nicht. Denn so indi-
oder Kollegen Veränderungen wahr- viduell eine psychische Störung ist,
nehmen, sobald sich Anzeichen einer so individuell ist auch die Situation in
Überlastung bis hin zur psychischen Ihrem Betrieb. Zudem sollten sich Vor-
Störung verdichten, und das Gespräch gesetzte und Beschäftigte im Umgang
suchen. Als Führungskraft können Sie mit psychisch Erkrankten bewusst
zudem gezielt zu einem gesunden machen, dass sie nicht über die Fach-
Betriebsklima beitragen. Mit Maßnah- kompetenz verfügen, professionelle
men wie Seminaren zu den Themen Hilfe geben zu können. Und nicht jede
Teambuilding, Konfliktmanagement Mitarbeiterin oder jeder Mitarbeiter
oder Selbstorganisation beugen Sie möchte die eigenen privaten Proble-
Stress vor und steigern die Gesund- me offenbaren. Es ist wichtig, diesen
heit Ihrer Mitarbeitenden. Wunsch zu verstehen und zu respek-
60 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

tieren. Letztlich muss, ggf. mit Unter- gen konkret unterstützen können, er-
stützung von außen, gemeinsam eine fahren Sie in den folgenden Abschnit-
für alle geeignete Lösung gefunden ten. Dazu finden Sie sowohl gezielte
werden. Wie Sie psychisch belastete Empfehlungen für Führungskräfte als
oder erkrankte Kolleginnen und Kolle- auch für besorgte Mitarbeitende.

TIPP: ENTTABUISIERUNG UND SENSIBILISIERUNG IM BETRIEB


Noch immer glauben viele Menschen, dass psychische Krisen Privatsache sind.
Da potenziell jede Beschäftigtengruppe im Unternehmen betroffen sein kann, ist es
wichtig, einen offenen Umgang mit psychischen Krisen sowie Erkrankungen zu eta­
blieren. Mitarbeitende und Führungskräfte sollten Warnsignale bei sich und ande­
ren erkennen, sie ernst nehmen und so frühzeitig der Entwicklung von psychischen
Störungen vorbeugen. Dabei können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

••Sprechen Sie das Thema in geeigneten Arbeitsgruppen oder Teambesprechun­


gen an. Statt den Begriff „Psyche“ zu wählen, können Sie einen Umweg über
das Betriebsklima einschlagen.
••Führen Sie einen Arbeitskreis oder Gesundheitszirkel zu dem Thema ein, der
regelmäßig Anlässe für internen Austausch schafft.
••Nutzen Sie Materialien von Kranken- und Unfallversicherungen wie Broschüren,
Vorträge, Seminare und Workshops, um sich zu informieren.
••Verteilen Sie in Absprache mit der Unternehmensleitung Plakate oder Flyer zu
den Angeboten Ihres Betriebs.
••Nutzen Sie Anlässe wie den jährlichen „Tag der seelischen Gesundheit“ am
10. Oktober, um einen Gesundheitstag mit Vorträgen, Entspannungsworkshops
usw. zu initiieren.

MEHR INFORMATIONEN:
iga.Report 29 „Führungskräfte sensibilisieren und
Gesundheit fördern“ – Praxistipps ab Seite 51
www.iga-info.de > Veröffentlichungen > iga.Reporte

„Stressreport Deutschland 2012“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeits­


medizin (BAuA)
www.baua.de > Publikationen > Fachbeiträge
Bewältigen 61

Das H-I-L-F-E-Konzept:
Handlungsempfehlungen für Führungskräfte
Besteht der Verdacht, dass eine Kol- haben könnten, ist der erste wichtige
legin oder ein Kollege psychisch in- Schritt. Das gelingt am besten in einer
stabil ist, sollten Sie entsprechende Unternehmenskultur, in der Mitarbei-
Handlungsschritte einleiten. Eine gute tende gegenseitig auf sich achten und
Orientierung bietet das H-I-L-F-E-Kon- sensibel für psychische Belastungen
zept. Es wurde gemeinsam vom BKK sind. Oft werden eindeutige Verhal-
Dachverband und der Familien-Selbst- tensweisen von Vorgesetzten und
hilfe Psychiatrie entwickelt und ver- Beschäftigten jedoch „übersehen“
steht sich als Leitfaden zum Umgang und nicht angesprochen – meist aus
mit psychisch stark belasteten und Unbehagen oder Unsicherheit. Doch
möglicherweise von einer psychi- schwierige Situationen dieser Art
schen Störung betroffenen Beschäf- können auf Dauer nicht ausgesessen
tigten. Wenn Sie Ihre Kompetenzen werden. Bei 20 Mitarbeitenden ist es
diesbezüglich erweitern möchten, bie- nicht unwahrscheinlich, dass zwei bis
tet sich auch ein Workshop oder Se- drei an einer psychischen Störung lei-
minar zum Thema an (siehe Bundes- den.
verband der Angehörigen psychisch
Kranker: www.bapk.de > Psychisch
krank im Job > Seminare).

H-I-L-F-E steht für:

••Hinsehen
••Initiative ergreifen
••Leitungsfunktion wahrnehmen
••Führungsverantwortung:
Fördern – Fordern
•• Expertinnen bzw. Experten
hinzuziehen

Die Schritte im Einzelnen:

1. Hinsehen
Hinzusehen und die Möglichkeit in Be-
tracht zu ziehen, dass die Verhaltens­
änderungen eine psychische Ursache
62 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

„Ich habe diese furchtbare Zeit heil über-


standen. So viele Probleme waren zu
lösen. Ich war so hilflos und überhaupt
nicht gesund. Niemals hätte ich das
allein geschafft. Ich bin so dankbar für
die Unterstützung meines Vorgesetzten.
Der hatte immer ein offenes Ohr und
hat mir Zeit gelassen.“
Krankenpfleger (43) mit chronischer Depression

2. Initiative ergreifen formulieren, dass sich die oder der


Um Betroffenen möglichst früh die Beschäftigte in eine stützende Maß-
nötige Unterstützung geben zu kön- nahme oder Behandlung begibt. Die
nen, sollte das beobachtete Verhal- Selbstverantwortung für die Erhaltung
ten von Ihnen als Führungskraft offen der eigenen Gesundheit und Arbeits-
thematisiert werden. Wichtig ist, dass kraft sollte dabei genauso deutlich
Sie die Initiative für ein Gespräch er- thematisiert werden wie ein erneutes
greifen. Was Sie für ein erfolgreiches Hilfsangebot seitens des Betriebes.
Gespräch beachten sollten – die Dos
und Don’ts – können Sie dem separa- 4. Führungsverantwortung:
ten Infokasten entnehmen. Fördern – Fordern
Führungsverantwortung wahrzuneh-
3. Leitungsfunktion wahrnehmen men heißt, ein angemessenes Ver-
Als Führungskraft sollten Sie, wenn halten im Umgang mit Betroffenen zu
die Krise andauert und sich keine Ver- finden und die Balance zwischen Über-
änderung abzeichnet, Ihre Leitungs- und Unterforderung bei Beschäftigten
funktion wahrnehmen. Dazu sollten im Blick zu halten. Beschäftigte mit
Sie konkrete Arbeitsziele mit der einer psychischen Erkrankung zu för-
betroffenen Mitarbeiterin bzw. dem dern bedeutet, Geduld, Verständnis,
betroffenen Mitarbeiter vereinbaren. Fürsorge und Flexibilität für die indivi-
Zudem sollten Sie klar Ihre Erwartung duelle Situation aufzubringen. Mitar-
Bewältigen 63

beitende fordern heißt, die Erwartung Psychotherapeutinnen und Psycho-


der Arbeitsleistung nach Möglichkeit therapeuten, oder innerbetriebliche
an die momentane Leistungsfähigkeit Fachleute wie Betriebsärztinnen und
anzupassen. Dennoch sollten Sie als Betriebsärzte oder eine Sozialbera-
Führungskraft an den Anforderungen tung (siehe auch den Abschnitt „An-
festhalten und die Person damit wei- laufstellen“ in diesem Kapitel). Mit
terhin ernst nehmen. psychischen Erkrankungen vertraute
Expertinnen und Experten können
5. Expertinnen bzw. Experten Betroffene unterstützen und Arbeitge-
hinzuziehen bern sowie Personalverantwortlichen
Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie beratend zur Seite stehen. Das frühe
dem Umgang mit psychisch belaste- Hinzuziehen von Know-how kann dar-
ten Beschäftigten gewachsen sind, über hinaus deeskalierend wirken und
können Sie sich Unterstützung holen. nutzt Betroffenen wie Unternehmen
Dazu gibt es außerbetrieblichen Sach- gleichermaßen.
verstand, z. B. Beratungsstellen oder
64 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Gesprächsleitfaden

DOs – das macht Ihr Gespräch zum Erfolg

Sprechen Sie die oder den Betroffenen möglichst Bereiten Sie das Gespräch vor. Vereinbaren Sie ei­
zeitnah an. Je früher eine Verhaltens- oder Leis­ nen möglichst störungsfreien Ort mit angenehmer
tungsveränderung thematisiert wird, desto schnel­ Gesprächsatmosphäre. Vor allem aber: Nehmen
ler ist Hilfe möglich, was sich positiv auf den Krank­ Sie sich Zeit.
heitsverlauf auswirken kann (siehe auch Abschnitt
„Behandlungsmöglichkeiten“).

Zeigen Sie Wertschätzung und Anteilnahme. Indem Seien Sie authentisch. Wenn Sie verunsichert
Sie der oder dem Betroffenen signalisieren, dass sind, dürfen Sie das zeigen – das schafft Vertrau­
Sie sie bzw. ihn wertschätzen und dass sich das en. Ihr Gegenüber wird erkennen oder spüren,
Team sorgt, machen Sie deutlich, dass Sie Ihrem wenn Sie nicht ehrlich sind, was den gesamten
Gegenüber nichts vorwerfen, sondern Unterstüt­ Gesprächsverlauf beeinträchtigen könnte.
zung bieten möchten.

„Das Team und ich schätzen Sie sehr, daher macht


es mir Sorgen, dass ...”
„Es ist mir wichtig/Es freut mich, dass wir darüber
sprechen.”
„Das kann ich gut nachvollziehen.”
„Ich möchte Sie gerne unterstützen.”

Seien Sie konkret. Erläutern Sie zunächst den An­ Stellen Sie offene Fragen. Bitten Sie Ihr Gegen­
lass des Gesprächs, z. B. wahrgenommene Verände­ über zudem nach einer eigenen Einschätzung.
rungen, und stellen Sie das Arbeitsverhalten in den
Mittelpunkt. Führen Sie hierfür möglichst konkrete „Mir ist aufgefallen, dass Sie in der letzten Zeit …
Beispiele auf. Gut geeignet dafür sind Formulierun­ oft niedergeschlagen wirken”; „… oft Dinge ver­
gen wie: „Mir ist aufgefallen, dass …“. gessen, obwohl ich weiß, dass das eigentlich nicht
Ihr Stil ist” etc.
„Nehmen Sie das auch so wahr?“
„Wissen Sie selbst, woran das liegt?/Können Sie
sich das selbst erklären?”
„Haben Sie selbst Veränderungen erlebt und wenn
ja, welche?”
„Wie können Sie diese Veränderungen erklären?”
Bewältigen 65

Erkundigen Sie sich nach dem Befinden. Bieten Sie Unterstützung an. Verdeutlichen Sie
die Bereitschaft seitens des Betriebs oder der
„Gibt es vielleicht Dinge, die Sie derzeit Abteilung, die oder den Betroffenen bei auftreten­
beschäftigen?” den Problemen unterstützen zu wollen.

„Können wir irgendetwas tun, um Sie zu unter­


stützen?”
„Haben Sie jemanden, bei dem Sie Unterstützung
finden können, z. B. Freundinnen und Freunde, Part­
nerin oder Partner, Kolleginnen oder Kollegen?”

Lassen Sie Ihrem Gegenüber Zeit. Es kann hilfreich Erweitern Sie den Kreis. Geben Sie Ihrem Gegen­
sein, ein weiteres Gespräch zu vereinbaren. So hat über die Möglichkeit, eine weitere Person hinzu­
die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter Zeit, sich zuziehen, z. B. aus dem Freundes- oder Ange­
Gedanken zu machen und das erste Gespräch zu hörigenkreis oder dem Betriebsrat. Eine dritte,
„verdauen“. „neutrale“ Person kann bei einem Gespräch für
beide Parteien eine Unterstützung sein.

Ermitteln Sie gemeinsam Lösungsansätze. Ins­ Besprechen Sie die weiteren Schritte und mögli-
besondere wenn Ihr Gegenüber Ihnen tatsächlich che Veränderungen.
anvertraut, sich als psychisch belastet zu empfinden
oder an einer psychischen Störung zu leiden, kön­ „Welche Ideen haben Sie, um die Situation für
nen Sie gemeinsam Ressour­cen ermitteln. sich lösen und verändern zu können?”
„Möchten Sie Hilfe annehmen?”
„Hat eine bestimmte Umgangsweise in einer
ähnlichen Situation schon einmal geholfen?”
„Haben Sie Familie/Vertraute, die Sie unterstützen
können?”
„Welche Aktivitäten gibt es, die Ihnen gut tun und
Kraft geben?”
„Gibt es im Betrieb Mitarbeitende, die Sie unter­
stützen können?”

Benennen Sie auch Ihre konkreten Wünsche. Möch­


te Ihr Gegenüber keine Hilfe annehmen, vereinbaren
Sie einen Zeitraum, in dem Vorschläge überdacht
oder konkretisiert werden. Wenn die Person be­
reit ist, Hilfe anzunehmen, können Sie im nächsten
Schritt konkreter überlegen (siehe Schritt 5: Expertin­
nen bzw. Experten hinzuziehen).
66 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

DON’Ts – was Sie vermeiden sollten

Ignorieren Sie Ihre Wahrnehmungen nicht. Ein Gespräch zwischen Tür und Angel ist nicht
Das Nichtansprechen von Problemen kann eine zielführend. Notieren Sie sich vorher die Punkte und
Leidensverlängerung für die betroffene Person Ziele, die Sie im Gespräch ansprechen möchten.
bedeuten. Mit Hinsehen und Handeln können
Sie eine Verschlimmerung oder einen Rückfall
vermeiden.

Lassen Sie sich nicht zu „Hobby-Diagnosen“ Setzen Sie Ihr Gegenüber nicht unter Druck.
verleiten. Denken Sie immer daran: Die Vermu­ Dazu gehört, keine Vorwürfe zu machen. Sätze wie
tung, es liegen psychische Probleme vor, ist zu­ „Reißen Sie sich doch zusammen!“ oder „Lassen Sie
nächst reine Spekulation. Es liegt nicht in Ihrem sich nicht so hängen!“ sind kontraproduktiv.
Kompetenz­bereich, Diagnosen zu stellen.

Verzichten Sie auf Interpretationen und Verall- Sprechen Sie Ihr Gegenüber nicht auf die Vermutung
gemeinerungen. Vor allem Aussagen wie einer psychischen Krankheit an. Äußerungen dieser
„Das machen Sie immer so!“, „Nie haben Art sind grenzüberschreitend. Stellen Sie sich vor,
Sie …”, „Es ist doch ganz klar, dass …“ haben Sie haben über längere Zeit Schwierigkeiten und Ihre
wenig Aussicht auf Erfolg. Vorgesetzte oder Ihr Vorgesetzter fragt Sie, ob Sie
psychisch krank sind. Wie würden Sie reagieren?

Tipps für „Kümmerer“: Handlungsempfehlungen


für Kolleginnen und Kollegen
Vielleicht haben Sie das Bedürfnis, higen Moment und dem passenden
einer belasteten Kollegin oder einem Rahmen anzusprechen und zu fragen,
belasteten Kollegen zu helfen. Dabei wie es ihr geht. Während der Anwe-
ist es wichtig, die Person in einem ru- senheit anderer sollten Sie darauf ver-
zichten.

TIPP: DEN RICHTIGEN UMGANG MITEINANDER Wenn Sie den Eindruck haben, Ihr
FINDEN Gegenüber möchte nicht mit Ihnen
Psychische Erkrankungen verunsichern viele Men­ sprechen, können Sie signalisieren,
schen – nicht nur die Betroffenen. Wenn sich jemand dass Sie auch später für ein Gespräch
aus Ihrem Kollegenkreis zu einer psychischen Krank­ zur Verfügung stehen („Wenn etwas
heit bekannt hat, dürfen Sie ruhig nachfragen, welcher sein sollte, kannst du gerne immer auf
Umgang damit gewünscht ist. Vielen Betroffenen hilft mich zukommen.“). Allein das damit
es, wenn sie im Arbeitsalltag „ganz normal“ behandelt signalisierte Interesse am Wohlbe-
werden. finden Ihres Gegenübers kann schon
Bewältigen 67

„Wenn sie krank ist, fehlt sie. Alle lachen viel weniger, die
Stimmung ist schlechter und sogar der Umsatz geringer. In
der Beratung ist sie super. Wenn ihr etwas nicht gefällt, ist
sie leider zu ehrlich, das kann schon mal verletzend sein.
Aber auch das bringt sie so rüber, dass kaum ein Kunde
böse wird.“
Filialleitung eines großen Modefilialisten mit 16 Beschäftigten über eine Verkäufe­
rin mit Persönlichkeitsstörung und Depression (49)

hilfreich sein, das Wissen um eine über die eigene Situation kann sehr
empathische Ansprechpartnerin oder entlastend wirken. Wenn Ihre Kollegin
einen empathischen Ansprechpartner oder Ihr Kollege Sie darüber hinaus
eine enorme Erleichterung bedeuten. um Unterstützung bittet, können Sie
Es ist gut möglich, dass Ihre Kolle- ihr oder ihm vielleicht in weiteren Ge-
gin oder Ihr Kollege später doch das sprächen Ihre Aufmerksamkeit schen-
Bedürfnis entwickelt, mit Ihnen zu ken. Nutzen Sie rechtzeitig die Unter-
sprechen. Wenn die Person auf Ihr stützungsmöglichkeiten von außen,
Angebot nicht eingeht, können Sie an z. B. Beratungsstellen, bei denen Sie
dieser Stelle nichts mehr tun. Hilfe suchen können. Adressen hier-
zu sowie Anlaufstellen für Betroffene
Sollte es jedoch zu einem Gespräch finden Sie im Anhang der Broschüre
kommen, haben Sie bereits große Un- sowie am Ende dieses Kapitels.
terstützung geleistet. Denn das Reden

Schwierige Situationen meistern: Handlungsempfeh­


lungen für Führungskräfte und Mitarbeitende
Unterstützung in einer ein solcher Fall eintritt, sollten Sie fol-
akuten Krise gende Punkte beachten: Bewahren
In sehr seltenen Fällen kann bei Per- Sie Ruhe und holen Sie Hilfe. Sorgen
sonen mit psychischen Störungen ein Sie dafür, dass die oder der Betroffene
psychiatrischer Notfall eintreten, z. B. geschützt wird. Versuchen Sie, die Per-
bei psychotischen Anfällen oder bei son in ihrer Verwirrtheit und Verzweif-
akuten Selbstmordgedanken. Wenn lung zu akzeptieren. Das Wichtigste
68 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

dabei ist zuzuhören. Der Versuch, z. B. feprozess Beteiligten vorab von der
Wahnideen auszureden, ist genauso Schweigepflicht entbunden werden.
wenig hilfreich wie Vorhaltungen zu Falls Betroffene dies nicht wünschen,
machen oder Ratschläge zu geben. sollten Sie dies respektieren.
Auch sollten Betroffene nicht allein
gelassen und möglichst begleitet wer- Befindet sich die erkrankte Person
den, z. B. auf dem Weg zur Ärztin bzw. in einer stationären Einrichtung, z. B.
zum Arzt. Lehnt die Person jede Form einem Krankenhaus, sind im Normal-
von Hilfe und Begleitung ab, dürfen fall auch Besuche möglich. Natürlich
sich Vorgesetzte oder Mitarbeitende braucht es auch hier die Zustimmung
nicht scheuen, Unterstützung durch der betroffenen Person. Besteht wäh-
betriebliche oder externe Helferinnen rend des stationären Aufenthalts Kon-
und Helfer anzufordern. takt des Arbeitgebers zur Klinik, kann
bereits der ungefähre Zeitpunkt der
Im Falle einer akut bedrohlichen Situ- Rückkehr an den Arbeitsplatz bespro-
ation, besonders bei einem angekün- chen werden. Als Führungskraft soll-
digten Suizid, kann es notwendig sein, ten Sie frühzeitig überlegen, wie und
die Polizei einzuschalten. Eine solche unter welchen Umständen die Wie-
Vorgehensweise erfordert sicher Mut, deraufnahme der Beschäftigung mög-
ist aber in einer Krisensituation unbe- lich ist. Je besser die Rückkehr in den
dingt zu empfehlen. Dies dient auch Betrieb vorbereitet wird, umso größer
Ihrer eigenen Entlastung. Sie sollten sind die Chancen auf eine stabilere
das Problem genau schildern und in je- Gesundheit am Arbeitsplatz.
dem Fall auf Unterstützung bestehen.
Möglicherweise ist in Gesprächen
Unterstützung während einer mit Mitarbeitenden oder Vorgesetz-
ambulanten oder stationären ten zudem deutlich geworden, dass
Behandlung sich bestimmte Faktoren am Arbeits-
Entschließt sich die erkrankte Person platz ungünstig auf die psychische
zu einer ambulanten oder stationä- Verfassung der betroffenen Person
ren ärztlichen oder psychotherapeuti- auswirken. In diesem Fall sollten Sie
schen Behandlung, kann es hilfreich gemeinsam nach Lösungen suchen,
sein, wenn Vorgesetzte und betrieb- wie sich diese Faktoren im Sinne ei-
liche Helfergruppen mit den behan- ner Genesung verändern lassen. Dies
delnden Institutionen und Ärztinnen kann z. B. eine vorübergehende He-
und Ärzten zusammenarbeiten. Dazu rausnahme aus dem Kundendienst,
benötigen Sie jedoch unbedingt das dem Außendienst, der Schichtarbeit
Einverständnis der oder des Betrof- oder ein neuer Arbeitsplatz innerhalb
fenen. Außerdem müssen die am Hil- des Unternehmens sein.
Bewältigen 69

Zurück im Arbeitsleben: kehr an den Arbeitsplatz nach dem


die Rückkehr gestalten Grad der Leistungsfähigkeit schritt-
Wollen Betroffene nach einer psy- weise erfolgt.
chischen Erkrankung in ihren Job zu-
rückkehren, kann jede Unterstützung Als Führungskraft können Sie hier ak-
vonseiten des Betriebs sowie von Kol- tiv mitgestalten, z. B. indem Sie mit
leginnen und Kollegen hilfreich sein, den BEM-Verantwortlichen klären,
um den Wiedereinstieg zu erleichtern. welche Aufgaben Sie übernehmen
können. Sie kennen die Rückkehrerin
War die erkrankte Person über einen oder den Rückkehrer im Zweifelsfall
längeren Zeitraum arbeitsunfähig, z. B. ohnehin besser und haben ein Inter-
mehr als sechs Wochen, steht ihr ein esse daran, dass der Wiedereinstieg
Betriebliches Eingliederungsmanage- gelingt. Warum also nicht die oder den
ment (BEM) zu, das der Arbeitgeber Betroffenen am Arbeitsplatz willkom-
anbieten muss (siehe auch Kapitel men heißen und sich nach dem Be-
„Vorbeugen“). Dabei kann z.  B. ge- finden erkundigen? Außerdem sollten
meinsam mit der oder dem Betroffe- Sie gemeinsam besprechen, welche
nen vereinbart werden, dass die Rück- Veränderungen der Arbeitsgestaltung

„Burnout macht hohl. Innerlich habe ich immer geschrien.


Irgendwann konnte ich gar nichts mehr, fühlte nichts mehr,
habe nur noch Löcher in die Luft gestarrt und alles verges-
sen. Dann habe ich richtig geschrien und war ein Jahr krank.
Jetzt geht es wieder, aber langsamer und erst mal halbtags.
Das reicht, ich möchte nie mehr so viel arbeiten.“
Sekretärin (27) nach ihrem Burnout und erfolgreicher Wiedereingliederung an den
Arbeitsplatz
70 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

wünschenswert sind, ob und wie das Betroffenen mitteilen, wie der Infor-
Team informiert werden soll und wie mationsstand über die Krankheit im
es in den Rückkehrprozess einbezo- Betrieb ist und was sich im Unterneh-
gen werden kann. men geändert hat bzw. welche Neu-
igkeiten es gibt. Bei der Rückkehr an
Auch als Kollegin oder Kollege kön- den Arbeitsplatz sind das Betriebskli-
nen Sie Rückkehrende bei der Wie- ma und die Atmosphäre für die oder
dereingliederung unterstützen. Ein den Erkrankten mindestens so wichtig
guter Ansatz ist, wenn Mitarbeitende wie die Arbeitsanforderungen selbst.
mit Vertretungsfunktion der oder dem

Selbst Hilfe in Anspruch nehmen

Damit psychische Belastungen wie zeichen ernst zu nehmen und ihnen


Stress und Überforderung nicht in zu begegnen. Dazu gehört, Warnsig-
einer psychischen Störung münden, nale nicht zu ignorieren, nicht zu hart
ist es zum einen wichtig, erste An- zu sich selbst zu sein („Was muss,
dass muss“) sowie sich öfter etwas
Gutes zu tun, um Ihre Ressourcen
zu stärken, z. B. ein gutes Essen, ein
Spaziergang o. Ä. Mindestens genau-
TIPP: WIE SIE EINE PSYCHOTHERAPEUTIN BZW. so entscheidend aber ist, sich selbst
EINEN PSYCHOTHERAPEUTEN FINDEN Unterstützung zu suchen, wenn die
Sind Sie auf der Suche nach einer Therapeutin oder Kräfte auszugehen drohen. Dabei gilt:
einem Therapeuten für eine Psychotherapie, ist die
Bundespsychotherapeutenkammer eine gute Anlauf­ Frühzeitig Beratung aufsuchen
stelle. Auf der Website (www.bptk.de) können Sie Nehmen Sie professionelle Hilfe
mit verschiedenen Filtern suchen. Zudem finden Sie rechtzeitig in Anspruch – bevor die Be-
zahlreiche nützliche Informationen rund um das The­ lastungen überhandnehmen. So sor-
ma Therapie: Wie finde ich einen Therapieplatz? Was gen Sie dafür, dass Sie in psychisch
passiert in einer Psychotherapie? Wie wirkt sie? Wer schwierigen Phasen handlungsfähig
übernimmt die Kosten? Was mache ich bei langen bleiben. Wie beim Arztbesuch werden
Wartezeiten? auch hier Ihre Informationen und Da-
ten im höchsten Maße vertraulich be-
Hilfreiche Portale zur Therapeutensuche: handelt, Ihr Gegenüber (z. B. Psycho-
www.bptk.de/service/therapeutensuche therapeutin bzw. Psychotherapeut)
www.psych-info.de unterliegt der Schweigepflicht. Wenn
www.psychotherapiesuche.de Sie sich frühzeitig beraten lassen,
Bewältigen 71

können Sie sich frühzeitig entlasten tert, die Beinarbeit müssen Sie selbst
und damit verhindern, dass sich psy- leisten. Lassen Sie sich von dieser Er-
chische Belastungen zu einer psychi- kenntnis jedoch nicht abschrecken –
schen Störung entwickeln. Auch hier wer etwas investiert, kann von Besse-
gilt das Prinzip: je früher, desto besser. rung ausgehen. Denn die Wirkung von
Psychotherapien ist wissenschaftlich
Die richtige Therapeutin, den rich- belegt.
tigen Therapeuten finden
Achten Sie bei einer psychotherapeu- Nicht zuletzt gilt: Haben Sie Geduld
tischen Behandlung auf Ihr Bauchge- bei der Suche. Leider müssen Betrof-
fühl. Viele Studien konnten zeigen, fene meist viele Therapeutinnen und
dass Psychotherapie besonders dann Therapeuten abtelefonieren, bis sie ei-
hilfreich ist, wenn eine vertrauensvol- nen Platz finden. Die Wartezeiten kön-
le und tragfähige Beziehung zwischen nen zum Teil drei bis sechs Monate
Patientin oder Patient und Therapeu- betragen. Hier lautet die Devise: nicht
tin oder Therapeut besteht. Sie haben aufgeben! Tipps, was Sie bei langen
das Recht auf fünf sogenannte proba- Wartezeiten tun können, erhalten Sie
torische Sitzungen bei unterschied- bspw. von Ihrer regionalen Psycho-
lichen Psychotherapeutinnen und therapeutenkammer (siehe auch An-
Psychotherapeuten. Nutzen Sie diese hang).
Freiheit, um sich zu entscheiden, bei
wem Sie sich am besten aufgehoben
fühlen.

Psychotherapie ist Arbeit


Wenn Sie sich professionelle Hilfe
gesucht haben, haben Sie bereits
einen sehr wichtigen Schritt getan.
Doch Ziel einer Therapie ist ein Ver- TIPP: WIE SIE SCHNELL PROFESSIONELLE HILFE
änderungsprozess – und der bedeutet BEKOMMEN
Arbeit. Sie sollen sich mit sich selbst Sollte es Ihnen akut schlecht gehen und Sie psychische
auseinandersetzen, das eigene Verhal- Unterstützung benötigen, können Sie sich jederzeit an
ten überprüfen, Denkmuster kritisch die Krisendienste wenden (siehe „Anlaufstellen“ ab
hinterfragen. Diese Arbeit müssen Sie der nächsten Seite). Die jeweilige Adres­se und Telefon­
selbst leisten, Ihre Therapeutin oder nummer des Krisendienstes Ihrer Stadt oder Region
Ihr Therapeut begleitet sie lediglich finden Sie im Internet. Die krisendienstliche Beratung
professionell dabei. Ähnlich wie bei ei- hilft, um in Akutsituationen Unterstützung zu finden
ner geführten Wanderung wird Ihnen und ggf. die Zeit bis zum Beginn einer langfristigen Hil­
die Richtung vorgegeben und erläu- fe (z. B. Psychotherapie) zu überbrücken.
72 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Anlaufstellen

Professionelle Anlaufstellen

Hausärztin/Hausarzt • untersucht Beschwerden und prüft, ob diese eine organische Ursache haben

• verweist bei Hinweisen auf eine psychische Ursache an Fachleute für psychische Erkrankungen

Psychotherapeutin/ • verfügt über Expertise, wenn es um psychische Probleme geht


Psychotherapeut
• Unterscheidung zwischen ärztlichen und psychologischen Psychotherapeutinnen und
Psychotherapeuten – beide mit staatlicher Zulassung (Approbation)

• ärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten: haben Medizin studiert und eine


Weiterbildung für die Behandlung psychischer Krankheiten abgeschlossen; können Medikamente
verschreiben

• psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten: haben ein Psychologiestudium


mit Master oder Diplom abgeschlossen und eine mindestens dreijährige Zusatzausbildung in
Psychotherapie absolviert; können Medikamente nicht selbst verschreiben

• für Kinder und Jugendliche gibt es speziell ausgebildete Psychotherapeutinnen und


Psychotherapeuten

• verschiedene Behandlungsformen: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie,


Psychoanalyse/analytische Psychotherapie, Gesprächspsychotherapie, systemische Therapie
(Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen nur bei Verhaltenstherapie, tiefen­
psychologisch fundierter Psychotherapie und Psychoanalyse)

• hilft mit professionellen Gesprächen, praktischen Übungen und neuen Sichtweisen

• unterstützt Betroffene, sich bewusst mit ihrem Denken, Fühlen, Erleben und Verhalten auseinan­
derzusetzen, sodass langfristig Änderungen möglich sind und die Störung bewältigt oder gelindert
werden kann

Psychiaterin/Psychiater, • Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen, die sich mit der medizinischen Seite psychischer
Psychosomatikerin/ Störungen befassen
Psychosomatiker,
Nervenärztin/Nervenarzt, • dürfen nur Psychotherapie anbieten, wenn sie über eine psychotherapeutische Zusatzqualifikation
Neurologin/Neurologe
verfügen

Psychologin/Psychologe • Personen, die einen Hochschulabschluss in Psychologie erlangt haben

• kann beratende Funktionen übernehmen, ist jedoch keine Psychotherapeutin bzw.


Psychotherapeut und darf die eigenen Leistungen nicht über die Kasse abrechnen

(Psychiatrische) • helfen niedrigschwellig und schnell bei akuten Krisen, telefonisch oder persönlich
Krisendienste
• für Betroffene und Angehörige sowie das soziale und berufliche Umfeld

• vermitteln an spezialisierte Hilfen

• bei Bedarf lässt sich Zeit bis zum Beginn einer anderen Hilfe, z. B. einer Psychotherapie, überbrücken

• Adressen der Krisendienste sind über die Sozialpsychiatrischen Dienste zu erfragen

Sozialpsychiatrische Dienste • beraten, informieren und bieten Betroffenen längerfristige Begleitung an

• in den meisten Bundesländern bei den Gesundheitsämtern angesiedelt und über diese zu erfragen

Krankenkassen • vermitteln Kontakt zu niedergelassenen oder psychologischen Psychotherapeutinnen


und Psychotherapeuten in der Nähe

• haben Verzeichnisse der niedergelassenen psychologischen und ärztlichen Psychotherapeutinnen


und Psychotherapeuten
Bewältigen 73

Employee Assistance • Mitarbeiterberatungen, die außerhalb eines Unternehmens angesiedelt sind und professionelle
Programs therapeutische Beratung durch Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen oder
Coaches anbieten

• Unternehmen schließen hierfür Vertrag, Beschäftigte können Beratungen unentgeltlich


in Anspruch nehmen

• sinnvolles Angebot für Mitarbeitende, wenngleich bisher überwiegend nur in größeren


Unternehmen eingesetzt

• Seriosität der Anbieter aufgrund fehlender verbindlicher Standards beachten

Integrationsfachdienste • sind externe Fachdienste für die Belange von Menschen mit Behinderungen, ob geistiger und psy­
chischer Natur

• Teil eines jeden Arbeitsamtsbezirks und in die Maßnahmendurchführung zur Teilhabe schwerbehin­
derter und behinderter Menschen am Arbeitsleben involviert

• Grundaufgabe ist die Beratung von Arbeitgebern und Personalverantwortlichen; bieten z. T. auch
Schulungen an, u. a. zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement

• auch Beschäftigte können Beratungsangebot in Anspruch nehmen

• Leistungsangebote variieren in den Bundesländern; Information, welche Unterstützung


bzw. Beratung genau angeboten wird, beim zuständigen Integrationsfachdienst

Psychosoziale • sind Teil der Gemeindepsychiatrie


Beratungsstellen
• orientieren sich im Rahmen ihrer Beratung an den Lebenswelten der Betroffenen,
beziehen das gesamte Umfeld mit ein

• daher auch Möglichkeit für Angehörige und Kinder, Beratung in Anspruch zu nehmen

Telefonseelsorge • niedrigschwelliges Angebot, in der Regel rund um die Uhr

• ehrenamtliche Mitarbeitende, die zu allen Problemlagen des Lebens beratend zur Seite stehen

• kostenfreie Rufnummern: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222

Ambulanzen • bspw. Psychotherapeutische Ambulanzen von Universitäten oder Krankenhäusern

Fachklinken/Tageskliniken • kommen in Betracht, wenn Erkrankung besonders schwerwiegend ist und eine ambulante
Therapie nicht ausreicht

Psychotherapeutenkammern • Interessenvertretung der psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie der


Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen und –therapeuten

• bestehen für jedes Bundesland

• Bundespsychotherapeutenkammer Berlin unterstützt den Meinungs- und Erfahrungsaustausch


zwischen den Psychotherapeutenkammern der Länder und berät diese

Andere Anbieter von • wichtig zu prüfen, welche Ausbildung bzw. welchen Werdegang der Anbieter besitzt,
Gesundheitsdienstleistungen z. B. bei Coaches, davon Seriosität und Professionalität abhängig

• ggf. auf Empfehlungen und Erfahrungen von Bekannten zurückgreifen


74 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Betriebliche Anlaufstellen

Betriebsärztin/Betriebsarzt • ist mit der innerbetrieblichen Beratung bezüglich aller Fragen rund um die Gesundheit der
Belegschaft betraut

• zuständig für die Vermittlung ambulanter sowie stationärer medizinisch-psychologischer


Versorgung und die Begleitung von Beschäftigten im Rahmen der Wiedereingliederung (BEM)

Betriebspsychologin/ • widmet sich der Gestaltung der Arbeitsbedingungen, der Arbeitsplätze usw. aus psychologischer Sicht
Betriebspsychologe
• führt hierzu z. B. Arbeitsplatzanalysen durch und evaluiert psychische Belastungen pro Arbeitsplatz

• berät und begleitet bei der Gestaltung von Arbeitsabläufen sowie von Personal- und Organisations­
entwicklungsprozessen

Betriebliche Expertinnen • Forum für den fachlichen Austausch und die gegenseitige Vermittlung von Erfahrungen
und Experten in Sachen mit psychisch Erkrankten und Menschen mit geistiger Behinderung
Gesundheit, z. B. Arbeits­
kreise Gesundheit

Integrationsteam • Unterstützung für schwerbehinderte Betroffene (früher Helfergruppe)

• besteht gemäß §§ 93, 95 und 98 SGB IX aus Delegierten des Betriebs- oder Personalrats-
und der Schwerbehindertenvertretung sowie einem Beauftragten des Arbeitgebers

Quelle: BKK Dachverband


Bewältigen 75
ANHANG
78 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

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World Mental Health Survey Initiative. In:
World Psychiatry, 2007 Oct. 6(3): 168 – 176.
80 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Ausgewählte weiterführende
Informationen

Psychische Störungen/psychische Gesundheit,


Therapie, Beratung
FACHLITERATUR Ortiz-Müller, W., Scheuermann, U. &
Hautzinger, M. & Thies, E. (2009): Klini- Gahleitner, S. B. (Hg.) (2010): Praxis Kri-
sche Psychologie: Psychische Störungen senintervention. 2. Auflage. Stuttgart.
kompakt. Weinheim, Basel: Beltz Verlag.
Schmoll, D. (2009): Psychotherapie – Chan-
Jacobi, F. et al. (2014): Psychische Störun- cen und Grenzen. Rat und Hilfe für Betroffe-
gen in der Allgemeinbevölkerung. Studie ne und Angehörige. Stuttgart: Kohlhammer.
zur Gesundheit Erwachsener in Deutsch-
land und ihr Zusatzmodul Psychische Ge- Stark, M. et al. (Hg.) (2002): Wege aus
sundheit (DEGS1-MH). In: Der Nervenarzt dem Wahnsinn. Therapien, Selbsthilfe und
(Ausgabe 85). Berlin: Springer. 77 – 87. Begleitung bei psychischen Erkrankungen.
3. Auflage. Bonn: Psychiatrie Verlag.
Kliner, K., Rennert, D. & Richter, M. (Hg.)
(2015): Gesundheit in Regionen. Blickpunkt ANLAUFSTELLEN
Psyche. Berlin: Medizinisch Wissenschaftli- Aktionsbündnis Seelische Gesundheit
che Verlagsgesellschaft. www.seelischegesundheit.net

Vorderholzer, U. & Hohagen, F. (2014): Bundespsychotherapeutenkammer


Therapie psychiatrischer Erkrankungen. 10. www.bptk.de > Patienten
Auflage. München: Urban & Fischer Verlag / Informationen zu Therapie – Kostenerstat-
Elsevier GmbH. tung: www.bptk.de > Patienten

RATGEBER Bundesverband der Angehörigen psy-


BApK (Hg.) (2009): Psychisch krank. Und chisch Kranker e. V. (BApK)
jetzt? Erstinformation für Familien mit psy- www.psychiatrie.de > Familien-Selbsthilfe
chisch kranken Menschen. Psychiatrie

Dörner, K., Plog, U. & Teller, C. (2006): Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener


Irren ist menschlich. Bonn: Psychiatrie Ver- e. V.
lag. Selbsthilfeorganisation für Betroffene
Tel.: 0234 - 68705552
www.bpe-online.de
Anhang 81

Früherkennungs- und Therapiezentren Sozialpsychiatrische Dienste


für psychische Krisen Die Adressen der Krisendienste, sofern re-
www.fetz.org > Links gional vorhanden, sind über die Sozialpsy-
chiatrischen Dienste zu erfragen.
Polizeiämter (regional auch Ordnungs-
ämter) Telefonseelsorge
Im Notfall, vor allem bei Eigen- oder Fremd- Tel.: 0800 - 1110111
gefährdung, kann die Polizei zur Unterstüt- Tel.: 0800 - 1110222
zung herangezogen werden. In einigen Re- www.telefonseelsorge.de
gionen sind auch Ordnungsämter für einen
Notfall zuständig.

Psychotherapeutinnen/Psychotherapeu-
ten finden
www.psych-info.de

Psychische Erkrankungen und Arbeitsleben

FACHLITERATUR Unger, H.-P. & Kleinschmidt, C. (2006):


Gaebel, W., Ahrens, W. & Schlamann, P. Bevor der Job krank macht. Wie uns die
(2010): Konzeption und Umsetzung von heutige Arbeitswelt in die seelische Er-
Interventionen zur Entstigmatisierung see- schöpfung treibt und was man dagegen tun
lischer Erkrankungen: Empfehlungen und kann. München: Kösel.
Ergebnisse aus Forschung und Praxis.
www.seelischegesundheit.net > Themen > ANLAUFSTELLEN
Psychische Erkrankungen > Publikationen Aktionsbündnis Seelische Gesundheit
> Konzept zur Entstigmatisierung www.seelischegesundheit.net > Themen >
Psychisch gesund am Arbeitsplatz
Haerlin, C. (2010): Basiswissen: Berufliche
Beratung psychisch Kranker. Bonn: Psychi- Integrationsfachdienste
atrie Verlag. Die Kontaktdaten der regionalen Integra-
tionsfachdienste finden Sie in der Rubrik
Mecklenburg, H. & Storck, J. (Hg.) (2010): Kontakt auf der Seite:
Handbuch berufliche Integration und Reha- www.integrationsaemter.de
bilitation. Bonn: Psychiatrie Verlag.
Psychische Gesundheit in der Arbeits-
RATGEBER welt (psyGA)
Initiative Neue Qualität der Arbeit (Hg.) www.psyga.info
(2008): Gute Mitarbeiterführung (10). Psy-
chische Fehlbelastungen vermeiden. Dort-
mund. www.inqa.de > Angebote > Unsere
Publikationen > Gute Mitarbeiterführung
82 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Angststörungen

FACHLITERATUR Schmidt-Traub, S. (2008): Angst bewälti-


Butollo, W., Rosner R. & Wentzel A. gen. Selbsthilfe bei Panik und Agoraphobie.
(1999): Integrative Psychotherapie bei 4. Auflage. Berlin: Springer.
Angststörungen. Bern: Huber.
SOZIALE PHOBIE
Morschitzky, H. (2009): Angststörungen: Consbruch, K. v. & Stangier, U. (2010):
Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Ratgeber Soziale Phobie. Informationen für
4. Auflage. Berlin: Springer. Betroffene und Angehörige. Göttingen: Ho-
grefe.
RATGEBER
ALLGEMEINES Hinsch, R. & Wittmann, S. (2010): Soziale
Bandelow, B. (2006): Woher Ängste kom- Kompetenz kann man lernen. Weinheim:
men und wie man sie bekämpfen kann. Beltz.
Reinbek: Rowohlt.
Morschitzky, H. & Hartl, T. (2011): Raus
Leidig, S. & Glomp, I. (2004): Nur keine aus dem Schneckenhaus. Ostfildern: Pat-
Panik! Ängste verstehen und überwinden. mos Verlag.
München: Kösel.
Wolf, D. & Garner, A. (2005): Nur Mut zum
PANIKSTÖRUNG & AGORAPHOBIE ersten Schritt. Mannheim: PAL.
Heinrichs, N. (2007). Ratgeber Panikstö-
rung und Agoraphobie. Informationen für GENERALISIERTE ANGSTSTÖRUNG
Betroffene und Angehörige Göttingen: Ho- Becker, E. & Hoyer, J. (2005): Generalisier-
grefe. te Angststörung. Göttingen: Hogrefe.

Rufer, M. & Alsleben, H. (2011): Stärker


als die Angst: Ein Ratgeber für Menschen
mit Angst- und Panikstörungen und deren
Angehörige. Göttingen: Hans Huber Verlag.
Anhang 83

Bipolare Störungen

FACHLITERATUR Bräunig, P. (2009): Leben mit bipolaren Stö-


Walden, J. & Grunze, H. (2006): Bipolare rungen: Manisch-depressiv: Wissen, das Ih-
affektive Störungen. Ursachen und Behand- nen gut tut tut. 2. Auflage. Stuttgart: TRIAS.
lung. 4. Auflage. Stuttgart: Thieme.
Reynolds, D. (2011): Der bipolare Spagat:
Wolkenstein, L. & Hautzinger, M. (2014): Manisch-depressive Menschen verstehen.
Umgang mit bipolaren Patienten. Bonn: 1. Auflage. Stuttgart: TRIAS.
Psychiatrie Verlag.
ANLAUFSTELLEN
RATGEBER Deutsche Gesellschaft für Bipolare
Bock, T. (2012): Achterbahn der Gefühle. Störungen e. V. (DGBS)
Mit Manie und Depression leben lernen. www.dgbs.de
Bonn: Balance buch + Medien Verlag.

Burnout

FACHLITERATUR ANLAUFSTELLEN
Kliner, K., Rennert, D. & Richter, M. (Hg.) Deutsche DepressionsLiga e. V.
(2015): Gesundheit in Regionen. Berlin: Selbsthilfeorganisation für Betroffene
Blickpunkt Psyche. Medizinisch-Wissen- E-Mail: kontakt@depressionsliga.de
schaftliche Verlagsgesellschaft. www.depressionsliga.de

RATGEBER Deutsches Bündnis gegen Depression e. V.


Gummesson, E. (2012): Mir reicht’s. So Klinik für Psychiatrie Universität Leipzig
befreist du dich aus Perfektionismus und Semmelweisstraße 10
Burnout. Weinheim: Beltz. 04103 Leipzig
Tel.: 0341 - 9724585
Harris, R. (2012): Wer dem Glück hinterher- www.buendnis-depression.de
rennt, läuft daran vorbei. München: Kösel.
Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Jannet, T. (2014): Kompass Burnout: Al- www.deutsche-depressionshilfe.de
les, was Sie für Ihren persönlichen Ausweg
brauchen. Weinheim: Beltz.
84 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Depressionen

FACHLITERATUR piebegleitung mit CBASP. Weinheim: Beltz


Faller, H. &. Lang, H. (2011): Depression: Psychologie Verlags Union.
Klinik, Ursachen, Therapie. Würzburg: Kö-
nigshausen u. Neumann. Hautzinger, M. (2006): Ratgeber Depressi-
on: Informationen für Betroffene und Ange-
RATGEBER hörige. Göttingen: Hogrefe.
BApK (Hg.) (2009): Depression, Antworten
auf die häufigsten Fragen von Familien mit Rieke-Niklewski, R. & Niklewski, G.
depressiv erkrankten Menschen. (2010): Depressionen überwinden: Niemals
www.bapk.de > Angebote > Broschüren, aufgeben! Berlin: Stiftung Warentest.
Bücher
Robert Koch-Institut (Hg.) (2010): Gesund-
Bock, T. (2012): Achterbahn der Gefühle. heitsberichterstattung des Bundes (Heft
Mit Manie und Depression leben lernen. 51). Depressive Erkrankungen. Berlin.
Bonn: Balance Buch + Medien Verlag.
Wolkenstein, L. & Hautzinger, M. (2015):
Brakemeier, E.-L. & Buchholz, A. (2013): Ratgeber Chronische Depression. Göttin-
Die Mauer überwinden: Wege aus der chro- gen: Hogrefe.
nischen Depression. Selbsthilfe und Thera-

Essstörungen

FACHLITERATUR RATGEBER
DGPM, DGPs, DGPPN et al. (Hg.) (2010): BKK
S3-Leitlinie Essstörungen. 1. Auflage. www.bkk-bauchgefuehl.de
www.awmf-leitlinien.de.
BZgA
Jacobi, C., Paul, T. & Thiel, A. (2004). Ess- www.bzga-essstoerungen.de
störungen. Reihe Fortschritte der Psycho-
therapie. Göttingen: Hogrefe. Fichter, M. (2009): Magersucht und Buli-
mie: Mut für Betroffene, Angehörige und
Schulte, D., Grawe, K., Hahlweg, K. & Freunde. Basel: Karger.
Vaitl, D. (Hg.) (2015): Komplizierte Trauer.
Göttingen: Hogrefe. Paul, T. (2008): Ratgeber Magersucht – In-
formationen für Betroffene und Angehöri-
Tuschen-Caffier, B. & Bender, C. (2008): ge. Göttingen: Hogrefe.
Anorexia und Bulimia nervosa. In: Peter-
mann, F. (Hg.): Lehrbuch der Klinischen
Kinderpsychologie. Göttingen: Hogrefe.
549–570.
Anhang 85

ANLAUFSTELLE Bundeszentrale für gesundheitliche Auf-


ABAS Anlaufstelle bei Essstörungen klärung (BZgA)
(GesundheitsLaden e. V.) www.bzga-essstoerungen.de > Rat & Hilfe
Lindenspürstraße 32 > Suche: Beratungsangebot
70176 Stuttgart
Tel.: 0711 - 30568540
info@abas-stuttgart.de

Persönlichkeitsstörungen
FACHLITERATUR Sachse, R. (2006): Persönlichkeitsstörun-
Fiedler, P. (2007): Persönlichkeitsstörun- gen verstehen. Zum Umgang mit schwieri-
gen. 6. Auflage. Weinheim: Beltz. gen Klienten. Bonn: Psychiatrie Verlag.

Hoffmann, N. & Hofmann, B. (2010): Tress, W., Wöller, W., Hartkamp, N., Lan-
Zwanghafte Persönlichkeitsstörung und genbach, M., Ott, J. (2002): Persönlich-
Zwangserkrankungen. Therapie und Selbst- keitsstörungen – Leitlinien und Quelltext.
hilfe. Heidelberg: Springer. Stuttgart: Schattauer.

Sachse, R. (2002): Histrionische und narzis- RATGEBER


stische Persönlichkeitsstörungen. Göttin- Beratung und Therapie Online
gen: Hogrefe. www.btonline.de > Psychische Krankheiten
> Persönlichkeitsstörung

Schizophrenie

FACHLITERATUR Hahlweg, K. & Dose, M. (2005): Ratgeber


Finzen, A. (2013): Schizophrenie: Die Schizophrenie – Informationen für Betroffe-
Krankheit verstehen, behandeln, bewälti- ne und Angehörige. Göttingen: Hogrefe.
gen. Bonn: Psychiatrie Verlag.
Kissling, W. & Pitzschel-Walz, G. (Hg.)
Scharfetter, C. & Bleuler, M. (1999): Schi- (2003): Mit Schizophrenie leben, Informati-
zophrene Menschen: Diagnostik, Psycho- onen für Patienten und Angehörige. Allian-
pathologie, Forschungsansätze. Weinheim: ce Psychoedukationsprogramm. Stuttgart:
Beltz. Schattauer.

RATGEBER
Bock, T., Buck, D. & Esterer, I. (2007): Stim-
menreich: Mitteilungen über den Wahnsinn.
Bonn: Balance Buch + Medien Verlag.
86 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

ANLAUFSTELLEN E-Mail: beratung@fetz.org


Früherkennungs- und Therapiezentrum www.fetz.org
für psychische Krisen
Uniklinik Köln (Gebäude 31, Erdgeschoss) Kompetenznetz Schizophrenie
50924 Köln (Lindenthal) www.kns.kompetenznetz-schizophrenie.
Tel.: 0221- 478 - 4042 (Anrufbeantworter) info

Somatoforme Störungen
FACHLITERATUR RATGEBER
Martin, A., Härter, M., Henningsen, P. et Rauh, E. & Rief, W. (2006): Ratgeber so-
al. (2013): Evidenzbasierte Leitlinie zur Psy- matoforme Beschwerden und Krankheits-
chotherapie somatoformer Störungen und ängste: Informationen für Betroffene und
assoziierter Syndrome. Göttingen: Hogrefe. Angehörige. Göttingen: Hogrefe.

Morschitzky, H. (2000): Somatoforme Stö- ANLAUFSTELLEN


rungen: Diagnostik, Konzepte und Therapie Universitätsklinikum Erlangen
bei Körpersymptomen ohne Organbefund. Maximiliansplatz 2
Berlin: Springer. 91054 Erlangen
Telefon: 09131 - 853500-0

Sucht

FACHLITERATUR RATGEBER
Bühringer, G. (2006): Störungen durch Lindenmeyer, J. (2010): Lieber schlau als
Substanzkonsum: Eine Einführung. In Witt- blau – Entstehung und Behandlung von
chen, H.-U. & Hoyer, J. (Hg.), Klinische Psy- Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit.
chologie und Psychotherapie. Berlin: Sprin- Weinheim: Beltz.
ger. 603 – 612.
Lindenmeyer, J. (2004): Ratgeber Alkohol-
Davison, G.C. & Neale, J.M. et al. (2007): abhängigkeit. Göttingen: Hogrefe.
Klinische Psychologie. Ätiologie von Subs-
tanzmissbrauch und -abhängigkeit. 7. Aufla- Schneider, R. (2009): Die Suchtfibel: Wie
ge. Weinheim: Beltz. Abhängigkeit entsteht und wie man sich da-
raus befreit. Informationen für Betroffene,
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen Angehörige und Interessierte. Hohengeh-
e. V. (2012): Jahrbuch Sucht 12. Lengerich: ren: Schneider.
Pabst.
Anhang 87

MEDIKAMENTENABHÄNGIGKEIT ANLAUFSTELLEN
www.dhs.de > Informationsmaterialien > Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V.
Broschüren und Faltblätter > Suchtmedizi- www.dhs.de
nische Reihe Band 5 – Medikamentenab-
hängigkeit KEINE MACHT DEN DROGEN
Gemeinnütziger Förderverein e. V.
ALKOHOLABHÄNGIGKEIT Herterichstr. 18
www.dhs.de > Informationsmaterialien > 81479 München
Broschüren und Faltblätter > Suchtmedizi- www.kmdd.de
nische Reihe Band 1 – Alkoholabhängigkeit

ALKOHOL UND MEDIKAMENTE AM


ARBEITSPLATZ
www.uni-wuerzburg.de > Zielgruppen >
Beschäftigte > Suchtberatung > Infos zum
Thema > Medikamente > Medikamente am
Arbeitsplatz

Zwangsstörungen

FACHLITERATUR Hoffmann, N. & Hofmann, B. (2011):


Fricke, S. (2007): Umgang mit zwangs­ Wenn Zwänge das Leben einengen. 13.
erkrankten Menschen. Bonn: Psychiatrie Auflage. Berlin: Springer.
Verlag.
ANLAUFSTELLEN
Hohagen, F., Wahl-Kordon, A., Lotz-Ram- Deutsche Gesellschaft Zwangserkran-
baldi, W. & Muche-Borowski, C. (Hg.) kungen e. V.
(2015): S3-Leitlinie Zwangsstörungen. Ber- Selbsthilfeorganisation für Betroffene
lin: Springer. Tel.: 040 - 68913700
www.zwaenge.de
RATGEBER
Fricke, S. & Hand, I. (2012): Zwangsstö-
rungen verstehen und bewältigen. Hilfe zur
Selbsthilfe. 6. Auflage. Bonn: BALANCE
Buch + Medien Verlag.
88 PRAXISHILFE PSYCHISCH KRANK IM JOB

Gesundheit und Arbeit

Berufsgenossenschaft für Gesundheits- Iga – Initiative Gesundheit und Arbeit


dienst und Wohlfahrtspflege (BGW) www.iga-info.de
www.bgw-online.de
INQA – Initiative Neue Qualität der Arbeit
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Tel.: 0231- 90712171
Arbeitsmedizin (BAuA) E-Mail: info@inqa.de
Friedrich-Henkel-Weg 1 – 25 www.inqa.de
27568 Dortmund
Tel.: 0231- 90710
www.baua.de

Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedi-


zin und Umweltmedizin e. V.
Universitätsklinikum Aachen
Pauwelsstr. 30
D-52074 Aachen
Tel.: 0241- 8088881
E-Mail: dgaum@ukaachen.de
www.dgaum.de
IMPRESSUM 3

Impressum

Herausgeber der Neuauflage der Broschüre „Psychisch krank im Job“ 2015:

BKK Dachverband
Mauerstr. 85
10117 Berlin
www.bkk-dachverband.de

Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK)


Familien-Selbsthilfe Psychiatrie
Oppelner Str. 130
53119 Bonn
www.bapk.de

Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, vorbehalten.

Autorinnen und Autoren:


Laura-Marie Mätschke, Sabrina Sebbesse, Dr. Dagmar Siewerts (BKK Dachverband e. V.);
Christian Zechert (BApK e. V.)

Redaktion und Gestaltung/Satz:


neues handeln GmbH
Luisenstraße 46
10117 Berlin
www.neueshandeln.de

Bildnachweise: © 68/ballyscanlon/Ocean/Corbis (Titelbild), © Image Source/Corbis (S. 11), © Daniel


Allan/Ocean/Corbis (S. 14), © Dreet Production/Corbis (S. 20), © TEK IMAGE/Science Photo Library/
Corbis (S. 29), © Sharie Kennedy/LWA/Corbis (S. 32), © Paul Edmondson/Spaces Images/Corbis (S. 39),
© Jeremy Woodhouse/Blend Images/Corbis (S. 44), © suedhang/Corbis (S. 47), © Tammy Hanratty/
Corbis (S. 56), © Katja Kircher/Maskot/Corbis (S. 61), © Dieter Schewig/Westend61/Corbis (S. 63)

Druck: J. Humburg GmbH Berlin

1. Auflage: 2006
2. Auflage: 2011
3. Auflage: 2015

BKK Dachverband® und das BKK Dachverband-Logo sind registrierte Schutzmarken des BKK Dach-
verbands e. V. Analog gilt dies für den BApK und dessen Logo.
www.bkk-dachverband.de