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TC Technical Community - Global G-P-PI 270

Procedure
Piping
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Flexibilitäts- und Spannungsanalyse in Rohrleitungen
Stand Sep 2011
Piping Flexibility and Stress Analysis Ersatz für
RPI 65 Anlage 5.1.1:2003-12
G-P-PI 270:2007-01

Inhalt
Seite

0 Vorwort 2
1 Allgemeines 3
2 Vorgehensweise 3
3 Auswahl des Berechnungsverfahrens 4
4 Berechnungen und Dokumentation 7
4.1 Allgemeines 7
4.2 Rechnerischer Elastizitäts- und Spannungsnachweis 7
4.3 Vereinfachtes Verfahren 9
5 Verweisungen 10
6 Anlagen 10
© 2011 BASF

Veröffentlichung: 7 Intranet 7 Extranet Nur für den internen Gebrauch


Technische Regelwerke BASF g-p-pi_270_de.doc / 13.10.2011
G-P-PI 270 Sep 2011
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0 Vorwort
0.1 Zielsetzung
Dieses Regelwerk enthält die Anforderungen für die Beurteilung von Rohrleitungssystemen zwecks Ermittlung,
unter welchen Bedingungen ein Elastizitäts- und Spannungsnachweis geführt werden sollte. Spezielle
Anforderungen hinsichtlich Umfang und Vorgehensweisen des Spannungsnachweises finden sich in den, im
vorliegenden Regelwerk angeführten Vorschriften und Normen.
Das Regelwerk hilft dem Anwender bei der effizienten Bearbeitung der Aufgabenstellung und der Erreichung
wirtschaftlicher und technisch bewährter Lösungen.

0.2 Gültigkeitsgebiet
BASF-Gruppe

0.3 Verbindlichkeit & Anwenderkreis


Das Regelwerk ist zur Anwendung durch BASF-Mitarbeiter bzw. beauftragte Firmen vorgesehen. Es stellt eine
bewährte Lösung dar; alternative Spezifikationen sind zulässig.
Die Einhaltung der entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen ist sicherzustellen und bleibt von den
Festlegungen dieses BASF-Regelwerks unberührt.
Die verbindliche Anwendung dieses Regelwerks bei entsprechenden Lieferungen und Leistungen Dritter kann der
Anforderer in Verträgen/Bestellungen/Spezifikationen festlegen. Alternativen sind dann nicht mehr zulässig.

0.4 Verantwortlich für Inhalt und Aktualisierung

Gremium:

G-CT Technical Expertise

Ansprechpartner / Autor:

Limpert, Rolf GTE/BE - Piping


G-P-PI 270 Sep 2011
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1 Allgemeines
Ein formaler Spannungsnachweis ist mittels vereinfachter oder rechnergestützter (rechnerischer) Verfahren zu
führen. Für die Festlegung des Umfangs und des einzusetzenden Nachweisverfahrens sind der Rohrstatiker und
der Piping Lead Engineer der BASF zuständig.

2 Vorgehensweise
Alle Leitungen sind so zu verlegen und zu haltern, dass sie elastisch genug sind damit in der Rohrleitung und in
den angeschlossenen Ausrüstungen keine Bereiche unzulässig hoher Spannungen entstehen. Dieses Ziel wird am
effektivsten durch ordnungsgemäßen Rohrleitungsverlauf und -halterung während der Rohrleitungsplanung
erreicht. Nach abgeschlossener Verlaufsvorplanung ist jedes System auf Einhaltung der Festlegungen in den
Vorschriften zu überprüfen.
Bei der Planung ist wie folgt vorzugehen:
1. Verlaufsplanung innerhalb der Anlage unter Berücksichtigung:
a) der M&A-Aufstellung
b) verfahrenstechnischer Randbedingungen (z. B. freier Ablauf, Zweiphasenströmung, Druckverlust)
c) vorhandener Rohrtrassen / Gehänge und
d) des temperaturbedingten Längenausgleichs
2. Anordnung vorläufiger Halterungen und Durchführung einer Kontrolle der Stützweiten gemäß dem Verfahren
nach Anlage 1.
3. Falls eine Überprüfung der Dehnungskompensation erforderlich ist, muss festgelegt werden, ob ein
vereinfachter oder rechnerischer formaler Spannungsnachweis zu führen ist (siehe Bild 3 in Abschnitt 3 des
vorliegenden Regelwerks).
Die vereinfachte Vorgehensweise zum Elastizitätsnachweis gemäß Anlage 1 Abschnitt 3 ist sehr konservativ, da
die Eigenelastizität von Rohrbögen im System keine Berücksichtigung findet. Ergeben Berechnungen unter
Anwendung des vereinfachten Spannungsnachweises, dass keine ausreichende Elastizität gemäß Anlage 1
Abschnitt 3 vorliegt, ist einer der folgenden Schritte oder eine Kombination von Schritten erforderlich:
4. Optimieren der Rohrhalterungen hinsichtlich der Anordnung von Festpunkten, Führungslagern oder Loslagern.
Ggf Einsatz von Federstützen/-hängern oder Halterungen mit Lagerspiel
5. Führen eines rechnerischen Spannungsnachweises
6. Erhöhung der Elastizität des Rohrleitungssystems durch zusätzliche Rohrbögen/Richtungsänderungen
7. Kompensatoren/flexible Verbindungselemente sowie Federhänger/-stützen sind nur dann einzusetzen, wenn
Elastizität nicht auf anderem Wege erreicht werden kann, und i.d.R. nur nach Bestätigung der Ergebnisse
durch einen rechnerischen Spannungsnachweis (siehe Abschnitt 4.2.2).
Ein weiterer Nachteil der in Anlage 1 dargestellten Methode besteht darin, dass sich damit die
Anschlussbelastungen der Rohrleitung auf angeschlossene Ausrüstungen oder Festpunkte nicht ermitteln lassen.
Bei nach Anlage 1 verlegten Rohrleitungen ist davon auszugehen, dass keine unzulässig hohen Spannungen im
Anschlussbereich von Druckbehältern hervorgerufen werden, aber es finden sich keine Detailangaben zu auf
andere Bauteile wirkende Belastungen. Weitere Detailberechnungen können auch zum Ermitteln der
Reaktionskräfte von Bauteilen infolge anderer Beanspruchungen erforderlich sein (z. B. bei schwellender
Belastung, Belastung infolge von Erbeben, Wind oder Wirbelstürmen). In allen Fällen, wo eine Bewertung von
Stutzenlasten anhand zulässiger Belastungsvorgaben erforderlich ist, muss dies mit einer rechnerischen
Rohrstatik erfolgen.
Festpunkte (entweder in der Rohrleitung oder zwischen Rohrleitung und Maschinen/Apparaten) sind nicht in
einem geradlinigen Leitungsverlauf hintereinander anzuordnen: es ist zumindest eine Richtungsänderung
vorzusehen (Ausnahme: Kunststoffleitungen).
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3 Auswahl des Berechnungsverfahrens


Für Rohrleitungen aus metallischen Werkstoffen ist gemäß folgender Diagramme ein Elastizitätsnachweis
zu führen.
Anhand der Diagramme wird ermittelt, ob die Rohrleitung mittels eines detaillierten rechnerischen Elastizitäts- und
Spannungsnachweises oder eines vereinfachten Nachweises auf ausreichende Dehnungskompensation zu
überprüfen ist oder ob kein Nachweis benötigt wird. Die Diagramme beruhen auf Musterberechnungen,
Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und Erfahrungswerten. Sie ergeben einen ersten Hinweis, ob und wie eine
Berechnung zu erfolgen hat. Die genaue Festlegung der Vorgehensweise muss durch erfahrenes Personal
erfolgen, da die Diagramme nicht all spezielle Situationen berücksichtigen. Die minimal zulässige Temperatur des
jeweiligen Werkstoffs ist zu beachten. Unter keinen Umständen darf die Temperatur höher (oder niedriger) sein als
für verwendete Werkstoffe zugelassen ist. Bei Leitungen im Bereich „keine Überprüfung erforderlich“ muss
zusätzlich eine Kontrolle der Stützweiten erfolgen, die jedoch nicht dokumentiert werden muss.
Die Diagramme sind anwendbar für den Nachweis von Mantelleitungen bei Ansatz des
Mantelrohr-Außendurchmessers.
Außerdem gilt:
Bei HD-Rohren PN > 160 (2500 psi) und Nennweiten DN > 25 (1") muss bei höchstzulässigen Temperaturen
> 60°C (140°F) oder < -40°C (-10°F) innerhalb des Bereichs "kein Nachweis erforderlich" ein vereinfachter
Nachweis geführt werden.

Austenitischer Stahl Austenitischer Stahl


Zulässige minimal/maximal Temperatur TS [°C]
Zulässige minimal/maximal Temperatur TS [°F]

Rechnerischer Elastizitäts- und Rechnerischer Elastizitäts- und


Spannungsnachweis Spannungsnachweis

Vereinfachte Methode
Keine Überprüfung Vereinfachte Methode
erforderlich
Keine Überprüfung erforderlich

Vereinfachte Methode
Vereinfachte Methode

Nennweite (inches) Nennweite DN

Ferritischer Stahl Ferritischer Stahl


Zulässige minimal/maximal Temperatur TS [°C]
Zulässige minimal/maximal Temperatur TS [°F]

Rechnerischer Elastizitäts- und Rechnerischer Elastizitäts- und


Spannungsnachweis Spannungsnachweis

Vereinfachte Methode
Vereinfachte Methode
Keine Überprüfung
erforderlich
Keine Überprüfung erforderlich

Vereinfachte Methode Vereinfachte Methode

Nennweite DN
Nennweite (inches)

Bild 3: Kriterien für einen vereinfachten oder einen rechnerischen Spannungsnachweis in Abhängigkeit
von Nennweite und Temperatur
Der Bereich, in dem keine Elastizitätsüberprüfung gefordert wird, beruht auf Musterberechnungen nach
Nomogramm für Leitungen mit einem Verhältnis von 5:1 (von ausdehnender Länge zu kompensierender Länge).
Falls über dieses Verhältnis hinausgegangen wird oder in der kompensierenden Länge ein unverstärktes T-Stück
vorhanden ist (hoher Spannungserhöhungsfaktor), muss eine geeignete Überprüfung erfolgen.
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Bei allen Rohrleitungen, für die folgende Bedingungen zutreffen, ist eine Rohrstatik durchzuführen
(zusätzlich zu den Forderungen der Diagramme in Bild 3):
Anmerkung:
Wenn in einem der folgenden Fälle auf eine Rohrstatik verzichtet wird, sind die Gründe zu dokumentieren.
1. Rohrleitungen mit Anschluss an Ausrüstungen und Gebäude mit unterschiedlichem Setzverhalten
(z. B. in Tanklägern, Feuchtgebieten, losem Untergrund), wenn eine der folgenden Bedingungen zutrifft:
Setzrate Nennweite

> 60 mm (2,4") DN 50 (2”)

> 40 mm (1,6") DN 100 (4”)

> 25 mm (1") DN 200 (8”)

> 15 mm (0,6") DN > 300 (12“)

2. Rohrleitungen an Rotationsmaschinen (z. B. Pumpen, Verdichter, Turbinen)


Ausnahmen:
a. Lose aufgestellte Pumpen
Eine rohrstatische Berechnung kann entfallen bei loser Aufstellung der Pumpen (nur Kreiselpumpen mit
horizontalem Saug- und vertikalem Druckstutzen bis 40 KW Antriebsleistung). In diesem Fall muss der
Rohrstatiker zwecks Minimierung der Stutzenlasten der Pumpe die Anordnung eines Festpunktes an der
Saugleitung in Erwägung ziehen. Die Druckleitung ist weich zu verlegen, d.h. die kompensierende Länge
muss erheblich (30 -50%) länger sein als beim vereinfachten Nachweis ermittelt wird.
Alternativ dazu kann bei lose aufgestellten Pumpen auf die Berechnung verzichtet werden, wenn die
Nennweite der Saugleitung ≤ DN 50 (2"), die höchstzulässige Temperatur ≤ 60°C (140°F) und kurz vor
dem Saug- und hinter dem Druckstutzen (Abstand max. 300 mm (12")) ein Festpunkt vorhanden ist.
b. Fest aufgestellte Pumpen
Auf die rohrstatische Berechnung kann bei fest aufgestellten Pumpen bei Nennweiten der Saugleitung bis
DN 50 (2”) und bei einer höchstzulässigen Temperatur bis 60°C (140°F) verzichtet werden. Dabei sind die
Stutzenlasten aus dem Eigengewicht der Druckleitung (einschließlich Armaturen, Inhalt und Dämmung) zu
minimieren.
3. Rohrleitungen an Apparaten mit niedrigen zulässigen Stutzenlasten (z. B. Plattenwärmetauscher,
Grafitwärmetauscher emaillierte Apparate, Luftkühler, Apparate aus GFK usw.)
Falls vom Lieferanten zunächst keine zulässigen Belastungen vorliegen, können die folgenden Werte als
zulässig angenommen werden:
Plattenwärmetauscher: Stahl: API 662 Part 1 Table 2 oder DIN EN ISO 15547-1 Table 2
Aluminium: API 662 Part 2 Table 1 oder DIN EN ISO 15547-2
Luftkühler: API 661 Table 4
Verdichter: API 617 bzw. API 619
Dampfturbinen: NEMA SM 23
Pumpen Europa: EN 5199
Pumpen nach API: API 610
Bei Pumpen dürfen einzelne Werte innerhalb der in EN 5199 bzw. API 610 definierten Grenzen höher sein als
die Tabellenwerte, wenn weitere dort genannte Bedingungen eingehalten sind. Die Zulässigkeit dieser Werte
ist im Nachhinein zu überprüfen.
4. Rohrleitungen mit PN > 160 bar (2500 psi), für die ein vereinfachter Elastizitätsnachweis gemäß den
Diagrammen auf Seite 4 erforderlich ist.
► Für die USA gilt: Zusatzforderungen ASME B31.3 Section K ◄
5. Rohrleitung unterliegt während der gesamten Standzeit der Anlage einer Wechselbeanspruchung (Druck und
Temperatur) mit über 7000 Lastwechseln (bei Leitungen mit Apparateanschluss gemäß
AD 2000:1000 Lastwechsel bei Apparaten nach EN 13445 neq ≤ 500).
6. Mantelleitungen mit einer Nennweite des Innenrohres ≥ DN 80 (3”)
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7. Rohrleitungen aus Sonderwerkstoffen und nichtmetallischen Werkstoffen, wenn anhand der Überprüfung des
Rohrstatikers Berechnungen erforderlich sind. Dabei ist zu beachten, dass eine Rohrstatik von
Leitungssystemen aus Sonderwerkstoffen zu potenziellen Kosteneinsparungen infolge geringerer
kompensierender Längen führen kann. Bei Kunststoffleitungen liegt die Entscheidung hinsichtlich
Nachweisumfang und -verfahren beim Rohrstatiker und dem Piping Lead Engineer der BASF.
► Für die Standorte in Europa gilt: E-P-PI 003 Abschnitt 5 ◄
8. Rohrleitung ist nach BASF-Bezeichnung kritisch in bezug auf 1)
a. den Betrieb mit Gefahrstoffen/lebensgefährlichen Stoffen
b. kritische Auswirkungen auf die Anlagenverfügbarkeit
9. Rohrleitung an Sicherheitsventilen oder Berstscheiben. Dabei ist zu beachten, dass ein detaillierter Nachweis
nur notwendig ist, wenn:
- es bei der Druckentlastung zu einer wesentlichen Abkühlung oder Erwärmung der Ausblaseleitung kommt
(siehe Diagramme Bild 3)
oder
- ein starker Impuls (Reaktionskraft) aus einer Druckentlastung resultiert, und wegen der Komplexität der
Rohrleitungsführung keine vereinfachte Berechnung auf Biegespannungen möglich ist.
10. Rohrleitungen, die starken Windbelastungen (Staudruck > 1500N/m2) ausgesetzt sind (örtlich geltende
Vorschriften sind zu beachten). Wenn jedoch aus anderen Gründen eine Rohrstatik erfolgt, muss Wind mit
betrachtet werden.
11. Rohrleitungen, die hohen Beanspruchungen infolge von Wasserschlag, Zweiphasenströmung,
Kondensationsschlägen, plötzlicher Strömungsunterbrechung oder sonstigen hydraulischen Schwankungen
ausgesetzt sind.
12. Rohrleitungen mit DN > 250 (10”) und flüssigen Medien in erdbebengefährdeten Gebieten (örtlich geltende
Vorschriften sind zu berücksichtigen)
► Für Ludwigshafen gilt: Eine gesonderte Berechnung ist erst ab DN > 500 erforderlich. Wenn jedoch aus
anderen Gründen eine Rohrstatik erfolgt, muss Erdbeben mit betrachtet werden. ◄
13. Rohrleitungen an Druckbehältern, die nach AD 2000 oder EN 13445 ausgelegt sind:
d iStutzen DiDruckbehälter > 0,3

1) projektbezogene Festlegung
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4 Berechnungen und Dokumentation

4.1 Allgemeines
Rohrleitungen, Formstücke und andere Bauteile sind gegen Innendruck, ggf. Außendruck und aus Verkehrs-
lasten/Eigengewicht, Bewegung von Halterungen/Verankungen, Wechselbeanspruchungen, Windbelastung,
Erdbeben- und Schwingungsbeanspruchung resultierenden Zusatzbelastungen nach den allgemein anerkannten
Regeln der Technik (z. B. ASME B31.3 bzw. ASME B31.1, EN 13480 oder AD 2000) zu berechnen. Die
maßgeblichen Belastungen sind unter Berücksichtigung der zutreffenden Kombinationen der wirkenden
Beanspruchungen zu Lastfällen zu kombinieren. Die maximalen Beanspruchungen aus diesen kombinierten
Lastfällen müssen unterhalb der zulässigen Beanspruchungen nach den jeweiligen Auslegungsvorschriften liegen.
Bei Überschreitung der zulässigen Beanspruchungen für ein Element und einen bestimmten Lastfall sind zwecks
Einhaltung der Forderungen vom Statiker und vom Rohrleitungsingenieur Anpassungen bei der Verlegung, bei
Halterungen usw. vorzunehmen.

4.2 Rechnerischer Elastizitäts- und Spannungsnachweis


Seitens des Statikers ist zu versuchen, die Auslegung des Rohrleitungssystems so zu optimieren, dass
Beanspruchungen und Ausrüstungsbelastungen innerhalb zulässiger Werte liegen, aufgrund an
Verbindungsstellen wirkender Beanspruchungen auftretende Leckagen verhindert sowie Kosten für
Rohrleitungsmaterial und -montage auf ein Mindestmaß reduziert werden. Die Berechnungen zum
Spannungsnachweis für Rohrleitungen sind gemäß ASME B31.3 bzw. ASME B31.1 oder EN 13480 mit dem
Programm Caesar II vorzunehmen. Andere Programme unterliegen projektspezifisch der Zustimmung des
Rohrleitungsstatikers der BASF.

4.2.1 Lastfälle
• Die Bedingungen für den Spannungsnachweis werden aus der Rohrleitungsliste abgeleitet, und ggf. ist ein
mehrfacher Nachweis erforderlich. Der Spannungsnachweis ist für die ungünstigste Kombination aus
Rohrmetalltemperatur und Druck anhand der für Anfahren, Normalbetrieb, Störfall, Ausdämpfen und Abstellung
ausgewiesenen Werte zu führen. Ggf. sind weitere Bedingungen erforderlich und Klimaauswirkungen zu
berücksichtigen (z. B. Schneelasten, Aufheizen durch Sonneneinstrahlung usw.).
• Gelegentliche Lasten - Beim Nachweis für Rohrleitungen in Freianlagen ist entsprechend den Forderungen
anhand örtlich vorliegender Bedingungen und geltender Normen die Wirkung der Windlast zu berücksichtigen.
• Beim Spannungsnachweis sind erdbebenbedingte Horizontalkräfte entsprechend örtlich vorliegender
Bedingungen und geltender Normen zu berücksichtigen.

4.2.2 Berechnungsdetails
• An die Rohrleitungen angeschlossene Apparate oder Maschinen sind mit dem Rechenprogramm so zu
modellieren, dass korrekte Steifigkeits- und Verschiebungswerte erreicht werden. Bei Auflagerung von
Apparaten auf Tragpratzen oder Stützfüßen muss deren Modellierung so erfolgen, dass ordnungsgemäße
Stützlasten erreicht werden.
• Reibwirkungen
Für die für das Rohrleitungssystem geltende Einspannung sind Reibwirkungen zu berücksichtigen. Eine
Berücksichtigung von Reibwirkungen empfiehlt sich, wenn die Reibkräfte in ihrer Wirkung auf die
Tragkonstruktion 2000 N (450 lbs-force) überschreiten können.
• Schwingungen
Ist die Berücksichtigung von Problemen mit Schwingungen aufgrund von Erfahrungen mit bestehenden
Anlagen notwendig, sind Halterungen an Rohrleitungen mit Anschluss an Kolbenpumpen/-verdichter so
anzuordnen, dass die Eigenfrequenz des Rohrleitungssystems bei allen Betriebszuständen bis einschließlich
4. Oberwelle nicht auf die Anregungsfrequenz der Ausrüstungen reagiert.
• Kompensatoren sind (vor und/oder hinter der Anordnungsstelle) entsprechend abzufangen. Der korrekte
Einbau (Position der Verspannungssstangen) ist durch den Rohrleitungsstatiker oder Rohrleitungsingenieur zu
überprüfen.
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• Vorspannung
Der Einsatz von Vorspannung ist nach den Vorschriften in ASME B 31.3 (Abschnitt 319.2.4) bzw. EN 13480-3
(Abschnitt 12.2.6) zulässig, jedoch ist der Einsatz begrenzt und nur nach gründlicher technischer Überprüfung
sowie unter Berücksichtigung von Bau- und Montagetoleranzen vorzunehmen. Angesichts realistischer
Fertigungsverfahren ist eine Mindest-Vorspannung von 5 mm (0.2”) vorzuschreiben. Bei lastempfindlichen
Apparaten und Komponenten ist ein entsprechender Nachweis der Vorspannung von wesentlicher Bedeutung
und bedarf der Zustimmung der BASF.
• Federstützen/-hänger
Von einem Einsatz von Federstützen/-hängern wird abgeraten. Federstützen/-hänger sollten nur dann zum
Einsatz kommen, wenn für das Rohrleitungssystem eine größere Elastizität erforderlich ist, als sie durch
andere Maßnahmen erreicht werden kann. Die Bemessung ist bei Warm- und Kaltbeanspruchung zu
bewerten. Ggf. sind getrennte Berechnungen für flüssige und gasförmige Medien durchzuführen.

4.2.3 Dokumentation
Für einen detaillierten Elastizitäts- und Spannungsnachweis ist die folgende Dokumentation als Ausdruck und
als pdf-Unterlage auf CD erforderlich:
• Übersichtsseite, auf der angegeben ist, dass für die Rohrleitung, die Pumpen, die Apparate usw. der
erforderliche Nachweis erbracht ist.
• Alle zwecks Einhaltung des Regelwerks erforderlichen Änderungen
• In Word-Format konvertierte elektronische Kopien durchgeführter Spannungsnachweise
• Die folgenden Berichte und Protokolle sind in die Dokumentation mit aufzunehmen:
- Eingabedaten
- Rohrleitungsplot (Caesar II)
- Rohrleitungsisometrie mit Rechenknoten
- Verschiebungen im Betrieb
- Halterungslasten
- Spannungen (Betrieb, Primärlasten und Wärmedehnung)
- Gelegentliche Lasten und Spannungsergebnisse, falls zutreffend
- Detail zu Sonderunterstützungen, falls zutreffend
- Rohrhängertabellen, falls zutreffend
- Technisches Blatt für Kompensatoren, falls zutreffend
- Skizzen oder Zeichnungen angeschlossener Apparate oder Ausrüstungen mit Berechnungsknoten
- Lastzusammenstellungen von Rotationsmaschinen mit Nachweis, dass die Belastungen den geltenden
Kriterien entsprechen (z. B. zulässige Belastungsvorgaben von Herstellern, Festlegungen in API- oder
NEMA-Regelwerken)
- Berechnungen mittels WRC 107, WRC 297, FEM-Programmen oder sonstige detaillierte Berechnungen
angeschlossener Stutzen mit Spannungszusammenstellung, Belastungsart (z. B. Betrieb, Wärmedehnung
oder Primärlast) und angesetzte zulässige Spannung, falls zutreffend. Als Rechenprogramm für die FEM
für die Bewertung von Stutzenlasten stationärer Apparate und Maschinen sollten, wenn von der BASF
nicht anderweitig festgelegt, FE-Pipe und/oder Nozzle Pro zum Einsatz kommen.
- Berechnungen, aus denen die Reaktionskräfte von Sicherheitsventilen bzw. Entlüftungsarmaturen
hervorgehen
• Ggf. Caesar-II-Inputdateien und Stutzenberechnungen auf CD
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4.3 Vereinfachtes Verfahren


Die Beanspruchungen aus Kräften durch Eigengewicht und Temperaturzwängungen können durch einen
vereinfachten Nachweis gemäß ASME B31.3 Abschnitt 319.4.2 a) und b), EN 13480-3 Abschnitt 12.2.10.2 oder
AD 2000-Merkblatt HP 100 R Abschnitt 6.2 erfasst werden. Die Berechnungsdetails des vereinfachten Verfahrens
sind in Anlage 1 des vorliegenden Regelwerks beschrieben. Bei Anwendung des vereinfachten Verfahrens sind die
Beanspruchungen aus Innendruck, Eigengewicht und Verschiebungen auf niedrige Werte begrenzt, so dass
Innendruck, Masse und Wärmedehnung getrennt behandelt werden können.
Die nachfolgenden Punkte gelten für nicht erdverlegte Rohrleitungen. Bei erdverlegten Rohrleitungen sind
Zusatzbetrachtungen (z. B. Erdauflast, behindertes Dehnverhalten im Erdreich, Einspannung oder Untergrabung)
im Einzelfall festzulegen.
Der vereinfachte Elastizitätsnachweis und der Nachweis maximaler Rohrleitungsstützweiten sind mit dem Excel-
Blatt “G-P-PI 270, Spannungsnachweis für Rohrleitungen: Vereinfachtes Verfahren BASF” zu führen.
Das Excel-Blatt "G P PI 270.xls" ist bei GTE/BE (e-mail: rolf.limpert@basf.com) erhältlich and kann von allen
geschulten Personen (BASF und für die BASF arbeitende Planungsunternehmen) eingesetzt werden.
Alternative Verfahren unter Verwendung grafischer Lösungen nach Industriestandard oder sonstige veröffentlichte
Verfahren können nach Ermessen des Rohrstatikers für den vereinfachten Nachweis zum Einsatz kommen. Diese
Verfahren müssen sicherstellen, dass Primär- und Sekundärspannungen innerhalb der zulässigen Werte liegen.

4.3.1 Maximale Rohrleitungsstützweiten


Die höchstzulässigen Stützweiten von Stahlrohren (wie z. B. unlegierte Stähle oder austenitische Stähle) sind in
Tabelle 1a – 1f von Anlage 1 angegeben. Die Erläuterungen zu diesen Stützweiten sind zu beachten. Bei anderen
Werkstoffen oder höheren Temperaturen kann eine Umrechnung der Tabellen 1a – 1f in Anlage 1 entsprechend
den Erläuterungen erfolgen.

4.3.2 Elastizitätsnachweis
Zum Sicherstellen einer entsprechenden Elastizität (z. B. Wärmedehnung der Rohrleitung und wirkende
Beanspruchungen) muss ein Rohrleitungssystem Verformungen infolge von Biege- oder Verdrehbeanspruchung
entsprechend berücksichtigen. Dies wird gewöhnlich durch geeignete Verlegung erreicht.
Vorverschiebungen angeschlossener Ausrüstungen oder Rohrleitungen sowie durch Halter oder Führungen
behinderte Wärmedehnung müssen in die Berechnung Eingang finden. Bei dreidimensionalen Rohrleitungen oder
miteinander verbundenen Rohrleitungen in unterschiedlichen Richtungen ist ein Nachweis jedes Teils notwendig
(ggf. in mehreren Richtungen).
Für lange Rohrstränge in Rohrbrückenbereichen ist nachzuweisen, ob große Verlagerungen infolge
Wärmedehnung zu Beeinträchtigungen angrenzender Leitungen führen können.

4.3.3 Dokumentation
Für vereinfachte Berechnungen gemäß Anlage 1 sollte die Rechendokumentation mindestens folgende Unterlagen
umfassen:
• Excel-Blatt, aus dem Leitungskenngrößen wie z. B. Abmessung, Werkstoff, Temperatur, Druck, zulässige
Spannung, Flanschdruckstufen, R&I-Schema-Nr., Rechendetails und Berechnungsergebnisse sowie
überprüfter Rohrleitungsbereich ersichtlich sind
• Isometrische Skizze mit Angaben bezüglich Rohrklasse und Verschiebungen von Haltern oder
angeschlossener Ausrüstungen, falls zutreffend
• Ggf. sonstige Bemerkungen
Erläuterungen zu Formeln und Theorie sowie Anwendungsbeispiele des vereinfachten Verfahrens finden sich in
Anlage 1 des vorliegenden Regelwerks.
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5 Verweisungen
Die im Text zitierten DIN EN Normen sind identisch mit den EN Normen gleicher Nummerierung.
AD 2000-Merkblatt Bauvorschriften
AD 2000-Merkblatt HP 100 R Bauvorschriften - Rohrleitungen aus metallischen Werkstoffen
API STD 610 Centrifugal Pumps for Petroleum, Petrochemical and Natural Gas Industries
API STD 617 Axial and Centrifugal Compressors and Expander-compressors for Petroleum,
Chemical and Gas Industry Services
API STD 619 Rotary-Type Positive-Displacement Compressors for Petroleum, Petrochemical and
Natural Gas Industries
API STD 661 Air-Cooled Heat Exchangers for General Refinery Service
API STD 662 PART 1 Plate Heat Exchangers for General Refinery Services - Part 1 - Plate-and-Frame
Heat Exchangers
API STD 662 PART 2 Plate Heat Exchangers for General Refinery Services - Part 2 - Brazed Aluminum
Plate-fin Heat Exchangers
ASME B31.1 Power Piping
ASME B31.3 Process Piping
DIN EN 13445 Unbefeuerte Druckbehälter; Deutsche Fassung EN 13445
DIN EN 13480 Metallische industrielle Rohrleitungen; Deutsche Fassung EN 13480
DIN EN 13480-3 Metallische industrielle Rohrleitungen - Teil 3: Konstruktion und Berechnung;
Deutsche Fassung EN 13480-3:2002
DIN EN ISO 15547-1 Petroleum, petrochemical and natural gas industries - Plate-type heat exchangers - Part
1: Plate-and-frame heat exchangers; English version EN ISO 15547-1
DIN EN ISO 15547-2 Petroleum, petrochemical and natural gas industries - Plate-type heat exchangers - Part
2: Brazed aluminium plate-fin heat exchangers; English version EN ISO 15547-2
DIN EN ISO 5199 Technische Anforderungen an Kreiselpumpen - Klasse II;
Deutsche Fassung EN ISO 5199
E-P-PI 003 Fachplanung Rohrleitungstechnik

6 Anlagen
Stand
Anlage 1 Vereinfachtes Verfahren BASF; Stützweitentabellen, Formeln, Erläuterungen und Sep 2011