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1.

Grundlagen der Elastostatik

1.1. Motivation

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Fachliche Verknüpfung: Zugversuch
 Zugversuch  Mecha-  Durchführung und
(DIN EN ISO 6892-1): nisches Messgrößen:
Modell: _______________
_______________

 Auswertegrößen:
_______________
_______________

https://www.fh-potsdam.de/studieren/fachbereiche/
bauingenieurwesen/ laborewerkstaetten/baustoffe/
(17.08.2018)

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Quiz: Aspekte der Elastostatik
 Welche Aspekte/Elemente müssen bei der Modellierung und
Berechnung verformbarer mechanischer Systeme
berücksichtigt werden?
B) Kosten
H) Körper mit Geometrie
O) Lasten
M) Nachhaltigkeit
O) Systemgrenze und Bindungen
G) Fertigungsverfahren
K) Materialverhalten
W) Oberflächengüte
E) Verformungen
 Lösungswort: ________________

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1. Grundlagen der Elastostatik

1.2. Modelle physikalischer Körper

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Quiz: Modelle physikalischer Körper (I)
 Welche Modellierung
für das Sprungbrett
eignet sich für die
Auslegung der Lager?

http://www.rosskothen-marl.de/2016/Sprunganlagen/POLYFLEX-
Sprungbrett/polyflex-sprungbrett.html
A) Massenpunkt
B) Starrkörper
C) Verformbarer Körper

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Quiz: Modelle physikalischer Körper (II)
 Welche Modellierung
für das Sprungbrett
eignet sich für die
Berechnung der
Position des
Springers?

http://www.rosskothen-marl.de/2016/Sprunganlagen/POLYFLEX-
Sprungbrett/polyflex-sprungbrett.html
A) Massenpunkt
B) Starrkörper
C) Verformbarer Körper

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Verformbarer (deformierbarer) Körper
 Eigenschaften:
 Punkte innerhalb eines Körpers sind verschiebbar gegenüber den
anderen Punkten des Körpers  Formänderung

 Modell für die elementare Elastomechanik:


 Verformungen vollständig reversibel nach Entfernung der Belastung
 Verformungen << Abmaße
 homogene und isotrope Werkstoffe

 Modelle für die höhere Elasto- und Plastomechanik:


 Anisotropie & Verbundwerkstoffe
 große Verformungen & Plastizität
 Hysterese & Dämpfung

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1. Grundlagen der Elastostatik

1.3. Spannungen

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Quiz: Schnittreaktionen
 Richtig oder falsch?

Schnittreaktionen in Balken und Stäben …

A) … geben an, welche Kräfte/Momente von dem


betrachteten Bauteil übertragen werden müssen
B) … sind abhängig von den äußeren Lasten
C) … sind abhängig vom Querschnitt
D) … eignen sich gut als Vergleichsgröße bei der Auslegung

 Wiederholung „Schnittreaktionen“
in Tutorium: Termin 1A/B!

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Belastung und Beanspruchung

Belastung
𝐹𝐹
 äußere Lasten (Kräfte bzw. Momente)
auf einen Körper

Schnittreaktionen
 Lasten (Schnittkräfte bzw. -momente) 𝑁𝑁 𝐹𝐹
im Inneren des Körpers
 = Resultierende der Spannungen

Beanspruchung
𝜎𝜎𝑥𝑥
 Auswirkung der äußeren Last auf das 𝐹𝐹
Innere eines Körpers
 auf Querschnitt verteilte Schnittreaktion
 Spannungen
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Spannungsvektor und Flächenlast

Spannung Flächenlast/Druck
 = auf die Schnittfläche 𝐴𝐴  = auf die Oberfläche 𝐴𝐴
bezogene Schnittkraft 𝐹𝐹⃗𝑖𝑖 verteilte äußere Kraft 𝐹𝐹⃗𝑎𝑎
= verteilte Schnittkraft = verteilte äußere Last
 im Inneren des Körpers  außen am Körper
 Definition:  Definition:
Δ𝐹𝐹⃗𝑖𝑖 𝑑𝑑 𝐹𝐹⃗𝑖𝑖 𝑑𝑑𝐹𝐹⃗𝑎𝑎
𝑡𝑡⃗𝑛𝑛 = lim = 𝑝𝑝⃗ =
Δ𝐴𝐴→0 Δ𝐴𝐴 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑
𝐹𝐹𝑖𝑖 = 𝑁𝑁 𝐹𝐹𝑎𝑎 = 𝐹𝐹 𝐹𝐹𝑖𝑖 = 𝑁𝑁
𝑝𝑝

𝐹𝐹𝑎𝑎 = 𝐹𝐹
𝑡𝑡𝑛𝑛 𝑡𝑡𝑛𝑛 𝑝𝑝

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Quiz: Spannungen
 Welche Einheiten sind Einheiten für die Spannung?

A) N/mm²
B) MPa
C) kg/s²m

 Norm-Einheit: ________

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Komponenten des Spannungsvektors
 Abhängigkeit von der Schnittrichtung (𝑛𝑛 = Schnittnormale):
𝐹𝐹 𝑛𝑛 𝐹𝐹
𝑛𝑛

𝑁𝑁 𝐹𝐹 𝑁𝑁 𝐹𝐹
𝑁𝑁𝑛𝑛 𝑁𝑁𝑡𝑡
𝐹𝐹 𝜎𝜎(𝑛𝑛) 𝐹𝐹
𝜎𝜎𝑛𝑛
𝜏𝜏

𝑑𝑑𝐹𝐹𝑛𝑛 𝑑𝑑𝑑𝑑𝑡𝑡
 Normalspannung: 𝜎𝜎𝑛𝑛𝑛𝑛 = 𝜎𝜎𝑛𝑛 = 𝑑𝑑𝐹𝐹⃗
𝑑𝑑𝐴𝐴𝑛𝑛
𝑛𝑛
𝑑𝑑𝐹𝐹𝑡𝑡 𝑑𝑑𝑑𝑑𝑡𝑡⊥
 zwei Schubspannungen: 𝜏𝜏𝑛𝑛𝑡𝑡 = 𝑑𝑑𝑑𝑑𝑛𝑛
𝑑𝑑𝐴𝐴𝑛𝑛 𝑑𝑑𝐴𝐴𝑛𝑛
1. Index: Richtung der Schnittnormalen 2. Index: Spannungsrichtung

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Schnittgrößen und Spannungen am Balken
Ochs: TM2. Abb. 1.6, HDA, 17S

 Schnittgrößen = Resultierende der


Spannungen in der Schnittfläche:

Normalkraft (in x): 𝑁𝑁 = ∫𝐴𝐴 𝜎𝜎𝑥𝑥 𝑑𝑑𝑑𝑑

Querkraft in y: 𝑄𝑄𝑦𝑦 = ∫𝐴𝐴 _____𝑑𝑑𝑑𝑑

Querkraft in z: 𝑄𝑄𝑧𝑧 = ∫𝐴𝐴 _____𝑑𝑑𝑑𝑑

Biegemoment um y: 𝑀𝑀𝑦𝑦 = ∫𝐴𝐴 _______𝑑𝑑𝑑𝑑

Biegemoment um z: 𝑀𝑀𝑧𝑧 = − ∫𝐴𝐴 _______𝑑𝑑𝑑𝑑

Torsionsmoment 𝑀𝑀𝑡𝑡 = 𝑀𝑀𝑥𝑥 = ∫𝐴𝐴 _________ − _________ 𝑑𝑑𝑑𝑑


(um x):
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Reaktionsprinzip
Ochs: TM2. Abb. 1.4, HDA, 17S

 Auf der Rückseite einer Fläche


zeigt der Spannungsvektor in die
entgegengesetzte Richtung:

𝑡𝑡⃗−𝑛𝑛 = −𝑡𝑡⃗𝑛𝑛

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Spannungstensor
 Spannungszustand eines Volumenkörpers in einem Punkt:
3 Schnitte in allen drei orthogonalen Raumrichtungen
 3 Spannungsvektoren mit je 3 Komponenten
 9 Komponenten zusammengefasst im
Ochs: TM2. Abb. 1.5

Spannungstensor:
𝜎𝜎𝑥𝑥𝑥𝑥 𝜏𝜏𝑥𝑥𝑦𝑦 𝜏𝜏𝑥𝑥𝑧𝑧
𝑻𝑻 = 𝜏𝜏𝑦𝑦𝑥𝑥 𝜎𝜎𝑦𝑦𝑦𝑦 𝜏𝜏𝑦𝑦𝑧𝑧
𝜏𝜏𝑧𝑧𝑥𝑥 𝜏𝜏𝑧𝑧𝑦𝑦 𝜎𝜎𝑧𝑧𝑧𝑧

𝜎𝜎𝑥𝑥 𝜏𝜏𝑥𝑥𝑦𝑦 𝜏𝜏𝑥𝑥𝑧𝑧


Schnitt-
= 𝜏𝜏𝑦𝑦𝑥𝑥 𝜎𝜎𝑦𝑦 𝜏𝜏𝑦𝑦𝑧𝑧 normale
𝜏𝜏𝑧𝑧𝑥𝑥 𝜏𝜏𝑧𝑧𝑦𝑦 𝜎𝜎𝑧𝑧 (1. Index)
Kraftrichtung (2. Index)
Weiterführende Infos zum Spannungstensor: https://www.tf.uni-kiel.de/matwis/amat/mw1_ge/kap_7/backbone/r7_2_1.html
(04.09.2019)
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Quiz: Spannungen
 Richtig oder falsch?

Spannungen …

A) … berücksichtigen die wirkende Kraft und die Oberfläche


des betrachteten Körpers
B) … sind abhängig von der Schnittrichtung
C) … eignen sich gut als Vergleichsgröße bei der Auslegung
D) … resultieren aus Verformungen

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1. Grundlagen der Elastostatik

1.4. Gleichgewicht im Kontinuum

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Symmetrie des Spannungstensors
 Momenten-GG um 0: 𝑦𝑦
𝑑𝑑𝑑𝑑
𝜏𝜏𝑦𝑦𝑦𝑦

𝜏𝜏𝑥𝑥𝑥𝑥 Dicke 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝜏𝜏𝑥𝑥𝑥𝑥 𝑑𝑑𝑑𝑑

0 𝜏𝜏𝑦𝑦𝑦𝑦 𝑥𝑥

 analog für die anderen Richtungen  𝜏𝜏𝑖𝑖𝑗𝑗 = 𝜏𝜏𝑗𝑗𝑖𝑖

= Symmetrie des Spannungstensors:


Zugeordnete Schubspannungen sind gleich groß und
zeigen stets paarweise auf eine Kante hin oder von ihr weg.

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Quiz: Schubspannungen
 Welche Schubspannungen sind so nicht möglich?

A) B) C) D)

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Kräfte-GG am Volumenelement
 Volumenelement 𝑑𝑑𝑑𝑑 = 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑
𝑘𝑘𝑥𝑥
𝑑𝑑𝐾𝐾
 Belastung durch Volumenkraft 𝑘𝑘 = 𝑘𝑘𝑦𝑦 =
𝑑𝑑𝑑𝑑
𝑘𝑘𝑧𝑧
 Kräfte-GG in 𝑥𝑥-Richtung:

𝑦𝑦 𝑥𝑥 𝑘𝑘𝑥𝑥 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑


𝑧𝑧 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝜕𝜕𝜎𝜎𝑥𝑥
𝑑𝑑𝑦𝑦 𝑑𝑑𝑧𝑧 + 𝜎𝜎𝑥𝑥 + 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 − 𝜎𝜎𝑥𝑥 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑
𝜏𝜏𝑧𝑧𝑥𝑥 𝜕𝜕𝜕𝜕
𝜕𝜕𝜎𝜎𝑥𝑥
𝜎𝜎𝑥𝑥 + 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝜕𝜕𝜏𝜏𝑦𝑦𝑦𝑦
𝑘𝑘𝑥𝑥𝜏𝜏𝑦𝑦𝑦𝑦 𝜕𝜕𝑥𝑥 + 𝜏𝜏𝑦𝑦𝑦𝑦 + 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 − 𝜏𝜏𝑦𝑦𝑦𝑦 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑
𝜎𝜎𝑥𝑥 𝜕𝜕𝑦𝑦
𝜕𝜕𝜏𝜏𝑧𝑧𝑥𝑥
𝜕𝜕𝜏𝜏𝑧𝑧𝑥𝑥 + 𝜏𝜏𝑧𝑧𝑥𝑥 + 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 − 𝜏𝜏𝑧𝑧𝑥𝑥 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑
𝜕𝜕𝜕𝜕
𝜕𝜕𝜏𝜏𝑦𝑦𝑥𝑥 𝜏𝜏𝑧𝑧𝑧𝑧 + 𝑑𝑑𝑑𝑑
𝜏𝜏𝑦𝑦𝑦𝑦 + 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝜕𝜕𝑧𝑧 =0
𝜕𝜕𝑦𝑦

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GG-Bedingungen am Volumenelement
 Kräfte-GG am Volumenelement:
 gekoppelte partielle DGLn
 dreifach statisch
unbestimmt
 Berücksichtigung der
Verformungen
 Notwendigkeit für
Annahmen über die
Spannungsverteilung

 Beispiele für Volumenkräfte:


 Gewichtskraft 𝑘𝑘 = 𝜚𝜚𝑔𝑔⃗
 bezogene Magnetkraft
 bezogene elektrodynamische Kraft

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Vereinfachungen für die GG-Bedingungen
 Geometrie:
 ausgedehnter Körper
= volumenförmiges Tragwerk
Dimensions-
 Schale
reduktion
= flächiges Tragwerk
 Balken/Stab
= linienförmiges Tragwerk

 Volumenkräfte:
 Betrachtung der Gewichtskraft als äußere Last,
verteilt über die Aufstandsfläche des Körpers

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1. Grundlagen der Elastostatik

1.5. Verschiebung und Verzerrung

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Wirkung von Belastungen
 Probieren Sie mit einem Fruchtgummi o.ä. aus, wie sich
verschiedene Belastungen auf die Form auswirken!
 Skizzieren Sie den deformierten Körper und benennen
Sie die Art der Verformung!
𝐹𝐹𝑛𝑛 𝐹𝐹𝑛𝑛
Normalkraft  _____________

Querkraft
ganz dicht neben- 𝐹𝐹𝑞𝑞 𝐹𝐹𝑞𝑞  _____________
einander fassen!

𝑀𝑀𝐵𝐵 𝑀𝑀𝐵𝐵
Biegemoment  _____________

𝑀𝑀𝑇𝑇 𝑀𝑀𝑇𝑇
Torsionsmoment  _____________

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Verschiebungen und Verzerrungen
 Voraussetzung: Verzerrungen << Abmaße
 Verschiebung = absolute Lageänderung eines Punktes
 Verzerrung = relative Lageänderung der Punkte zueinander

 Beispiel: Zugstab – eindimensionale Verformung:


 Lage: 𝑥𝑥
 Verschiebung:
𝑢𝑢 = 𝑢𝑢(𝑥𝑥)
 Verzerrung:
𝑑𝑑𝑑𝑑
𝜀𝜀𝑥𝑥 = = 𝑢𝑢′ 𝑥𝑥
𝑑𝑑𝑑𝑑

𝐹𝐹 𝐹𝐹

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Verschiebungen
 absolute Lageänderung eines Punktes
 neue Lage eines
verschobenen Punktes:
𝑥𝑥𝑃𝑃′ = 𝑥𝑥𝑃𝑃 + 𝑢𝑢
P′
𝑦𝑦𝑃𝑃′ = 𝑦𝑦𝑃𝑃 + 𝑣𝑣
𝑧𝑧𝑃𝑃′ = 𝑧𝑧𝑃𝑃 + 𝑤𝑤
P
 vektoriell: 𝑟𝑟⃗𝑃𝑃′ = 𝑟𝑟⃗𝑃𝑃 + 𝑢𝑢

 mit Verschiebungsvektor
Ochs: TM2. Abb. 1.1
𝑢𝑢 𝑥𝑥, 𝑦𝑦, 𝑧𝑧
𝑢𝑢 = 𝑣𝑣 𝑥𝑥, 𝑦𝑦, 𝑧𝑧
𝑤𝑤 𝑥𝑥, 𝑦𝑦, 𝑧𝑧
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Verzerrungen: Dehnung
 Dehnung = relative Längenänderung: 𝑥𝑥
𝑑𝑑𝑑𝑑
𝜀𝜀𝑥𝑥𝑥𝑥 = 𝜀𝜀𝑥𝑥 =
𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑢𝑢
𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑
analog: 𝜀𝜀𝑦𝑦𝑦𝑦 = , 𝜀𝜀𝑧𝑧𝑧𝑧 = 𝐹𝐹𝑛𝑛 𝐹𝐹𝑛𝑛
𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑

 (linearisierte) Volumendehnung: 𝑒𝑒 = 𝜀𝜀𝑥𝑥𝑥𝑥 + 𝜀𝜀𝑦𝑦𝑦𝑦 + 𝜀𝜀𝑧𝑧𝑧𝑧

m
 Einheit: = 1
m

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Verzerrungen: Scherung
 Scherung, Schubverzerrung, Gleitung = Winkeländerung
(Annahme: kleine Verformungen  Kantenlängen
unverändert, Linearisierung: sin 𝛾𝛾 ≈ 𝛾𝛾):
𝛾𝛾𝑥𝑥𝑥𝑥 = 𝛾𝛾1 + 𝛾𝛾2 𝛾𝛾1
𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝐹𝐹𝑥𝑥
≅ sin 𝛾𝛾1 + sin 𝛾𝛾2 = +
𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝐹𝐹𝑦𝑦
= 𝛾𝛾𝑦𝑦𝑦𝑦 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝐹𝐹𝑦𝑦 𝛾𝛾2
 Symmetrie: 𝛾𝛾𝑖𝑖𝑖𝑖 = 𝛾𝛾𝑗𝑗𝑗𝑗 𝐹𝐹𝑥𝑥 𝑑𝑑𝑑𝑑

analog:
𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑
𝛾𝛾𝑦𝑦𝑧𝑧 = 𝛾𝛾𝑧𝑧𝑧𝑧 = + , 𝛾𝛾𝑥𝑥𝑧𝑧 = 𝛾𝛾𝑧𝑧𝑧𝑧 = +
𝑑𝑑𝑧𝑧 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑥𝑥 𝑑𝑑𝑑𝑑
m m
 Einheit: + = 1
m m
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Verzerrungstensor
 räumlicher Verzerrungszustand eines Volumenelementes
 mit Symmetrie 𝛾𝛾𝑖𝑖𝑖𝑖 = 𝛾𝛾𝑗𝑗𝑗𝑗 : 3 Scherungen, 3 Dehnungen
 zusammengefasst im
Verzerrungstensor:
𝛾𝛾𝑥𝑥𝑥𝑥 𝛾𝛾𝑥𝑥𝑥𝑥 𝛾𝛾𝑥𝑥𝑥𝑥 𝛾𝛾𝑥𝑥𝑥𝑥
𝜀𝜀𝑥𝑥𝑥𝑥 𝜀𝜀𝑥𝑥
2 2 2 2
𝛾𝛾𝑦𝑦𝑦𝑦 𝛾𝛾𝑦𝑦𝑦𝑦 𝛾𝛾𝑦𝑦𝑦𝑦 𝛾𝛾𝑦𝑦𝑦𝑦
𝑽𝑽 = 𝜀𝜀𝑦𝑦𝑦𝑦 = 𝜀𝜀𝑦𝑦
2 2 2 2
𝛾𝛾𝑦𝑦𝑦𝑦 𝛾𝛾𝑧𝑧𝑧𝑧 𝛾𝛾𝑦𝑦𝑦𝑦 𝛾𝛾𝑧𝑧𝑧𝑧
𝜀𝜀𝑧𝑧𝑧𝑧 𝜀𝜀𝑧𝑧  Symmetrie!
2 2 2 2

1
 Faktor für gleiche Größenordnung
2
𝑑𝑑𝑑𝑑 𝛾𝛾𝑥𝑥𝑥𝑥 1 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑
von 𝜀𝜀𝑥𝑥 = und = +
𝑑𝑑𝑑𝑑 2 2 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝑑𝑑𝑑𝑑

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Grundbegriffe: Verzerrungen
 Ergänzen Sie:

Verzerrungen …

A) … sind ____________ Formänderungen


B) … werden eingeteilt in _______________ und
_______________
C) … werden für einen räumlichen Verzerrungszustand
zusammengefasst im ________________________

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Quiz: Spannung – Verformung
 Wovon hängt die Größe der absoluten Längenänderung Δ𝑙𝑙
bei konstanter Zugkraft 𝐹𝐹 ab?
𝑙𝑙
𝐹𝐹 𝐹𝐹

A) Querschnittsfläche
B) Materialeigenschaften
C) Gesamtlänge

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1. Grundlagen der Elastostatik

1.6. Linear-elastisches
Materialverhalten

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Materialverhalten
bei einachsigem Zug bzw. Druck
 experimentelle Ermittlung im Zugversuch ( Werkstoffkunde)
 einachsige Belastung 𝐹𝐹 𝐹𝐹
 konstante Temperatur
𝑅𝑅𝑚𝑚 =
𝑅𝑅𝑒𝑒 =
für die meisten Werkstoffe:
 linear-elastische Dehnung
bis näherungsweise zur
Streckgrenze 𝑅𝑅𝑒𝑒 :
𝜎𝜎
 Elastizitätsmodul: 𝐸𝐸 =
𝜀𝜀
= Anstieg der HOOKEschen
Geraden
= Werkstoffkennwert
 darüber Plastifizierung und
Versagen bei Zugfestigkeit 𝑅𝑅𝑚𝑚
Markert: TMA. Bild 13.5

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Materialverhalten bei reiner Scherung
http://www.abpi-online.de/kontroll
 experimentelle Ermittlung pruefungen-asphalt (14.09.2018)

im Scherversuch:
 reine Scherbelastung
 konstante Temperatur 𝑑𝑑𝑑𝑑 𝛾𝛾
𝐹𝐹 𝐹𝐹
für die meisten Werkstoffe:
 linear-elastische Winkeländerung bis
zur einsetzenden Plastifizierung:
 Schubmodul:

Schubspannung
𝜏𝜏 𝜏𝜏
𝐺𝐺 = ≅ (für 𝛾𝛾 ≪ 1)
tan 𝛾𝛾 𝛾𝛾
= Anstieg der Geraden
= Werkstoffkennwert
http://www.tunnel
-online.info/imgs/
 darüber Plastifizierung und 100848537_c113
fa0d4d.jpg
Versagen bei Scherfestigkeit Scherung (14.09.2018)

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Querkontraktion
 = Zusammenziehen quer zur
𝑦𝑦
Hauptbeanspruchung 𝑣𝑣
𝐹𝐹𝑛𝑛
 Querkontraktionszahl, 𝑥𝑥 2
𝑢𝑢 𝐹𝐹𝑛𝑛
Querdehnzahl, POISSONzahl:
𝜀𝜀𝑦𝑦
𝜈𝜈 = −
𝜀𝜀𝑥𝑥
𝐸𝐸
 für isotrope Werkstoffe: 𝐺𝐺 =
2 1 + 𝜈𝜈

Querdehnzahl 𝝂𝝂 Materialverhalten
0 keine Querkontraktion
0 … 0,5 elastisch mit Querkontraktion
0,5 inkompressibel

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1. Grundlagen der Elastostatik

1.7. Wärmedehnungen

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Materialverhalten bei Temperaturänderung
 Erwärmung 𝑇𝑇 + Δ𝑇𝑇
𝑇𝑇
 Wärmeausdehnung: 𝜀𝜀 = 𝛼𝛼 Δ𝑇𝑇 ε𝑦𝑦
 (linearisierte) Volumendehnung:
𝑒𝑒 ≅ 3𝜀𝜀 = 3𝛼𝛼 Δ𝑇𝑇 = 𝛾𝛾 Δ𝑇𝑇 𝑦𝑦
𝑥𝑥 ε𝑥𝑥 , 𝜀𝜀𝑧𝑧
 Wärmeausdehnungskoeffizient:
 = thermischer Ausdehnungskoeffizient
 materialabhängig
 in alle drei Raumrichtungen
 Längenausdehnungskoeffizient 𝛼𝛼
 Volumenausdehnungskoeffizient 𝛾𝛾 ≅ 3𝛼𝛼

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Praxisbeispiele
 Finden Sie technische Beispiele, bei denen die
Wärmeausdehnung eines Körpers eine Rolle spielt!

1. _______________________________________________
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3. _______________________________________________
4. _______________________________________________
5. _______________________________________________
6. _______________________________________________

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1. Grundlagen der Elastostatik

1.8. Superpositionsprinzip

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Superposition in der Mechanik
 Superposition von Lastfällen
= Überlagerung voneinander unabhängiger (Basis-)Lastfälle
 Summe der Wirkungen aller Einzellasten (Summe der Teillösungen)
= Wirkung der resultierenden Last (Gesamtlösung)

 gültig für lineare Systeme


 anwendbar für addierbare Größen:
 Überlagerung von Einzelkräften,  Zerlegung in
Einzelmomenten oder Streckenlasten voneinander
 Überlagerung von Spannungen & Dehnungen unabhängige
aus Zug/Druck, Biegung, Schub, Torsion Basislastfälle
 Dynamik: Betriebsschwingungen elastischer Systeme
 Physik: Überlagerung von Wellen  Auslöschung und Verstärkung
 ...

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Beispiel: Kraft und Temperaturänderung
 Basislastfälle:
 Kraft T in 𝑥𝑥-Richtung 𝑇𝑇
 Temperaturänderung

 Dehnungen der Basislastfälle:


 Längsdehnung 𝜀𝜀𝑥𝑥𝑥𝑥 aufgrund der Kraft
 Querdehnungen 𝜀𝜀𝑦𝑦𝑦𝑦 und 𝜀𝜀𝑧𝑧𝑧𝑧 aufgrund der Querkontraktion
 Wärmedehnung 𝜀𝜀𝑥𝑥𝑥𝑥 = 𝜀𝜀𝑦𝑦𝑦𝑦 = 𝜀𝜀𝑧𝑧𝑧𝑧 aufgrund der Temperaturänderung

 Superposition:
𝜀𝜀𝑥𝑥 = 𝜀𝜀𝑥𝑥𝑥𝑥 + 𝜀𝜀𝑥𝑥𝑥𝑥 , 𝜀𝜀𝑦𝑦 = 𝜀𝜀𝑦𝑦𝑦𝑦 + 𝜀𝜀𝑦𝑦𝑦𝑦 , 𝜀𝜀𝑧𝑧 = 𝜀𝜀𝑧𝑧𝑧𝑧 + 𝜀𝜀𝑧𝑧𝑧𝑧

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1. Grundlagen der Elastostatik

1.9. Verallgemeinertes
HOOKEsches Gesetz

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HOOKEsches Gesetz (3D) für isotrope Werkstoffe!

Anteil aus
Temperatur-
änderung
Volumendehnung:
1−2𝜈𝜈
𝑒𝑒 = 𝜎𝜎𝑥𝑥 + 𝜎𝜎𝑦𝑦 + 𝜎𝜎𝑧𝑧 + 3𝛼𝛼𝑡𝑡 Δ𝑇𝑇
𝐸𝐸

Anteil aus Anteil aus


Haupt- Querkon-
richtung traktion

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Quiz: HOOKEsches Gesetz (W)
 Richtig oder falsch?

A) 𝜀𝜀 ~ 𝜎𝜎
1
B) 𝜀𝜀 ~
𝛼𝛼
𝐸𝐸
C) 𝐺𝐺 =
2 1+𝜈𝜈

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1. Grundlagen der Elastostatik

1.10. Zusammenfassung

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Persönliche Zusammenfassung
 Notieren Sie die Kernaussagen zum Thema
„Verformung elastischer Körper“!

1. Ursachen: ______________________________________
_______________________________________________

2. beteiligte Materialeigenschaften: _____________________


_______________________________________________

3. weitere Einflussgrößen: ____________________________


_______________________________________________

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