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Quartalsarbeit Anekdote

Anekdote
Eine Anekdote ist eine kurze, humorvolle Geschichte, die fiktiv oder wahr sein kann.
Ihre Hauptaufgabe ist es, den Charakter einer Person zu verdeutlichen. Das
bedeutet, dass es den Charakter einer Person auf der Grundlage einer gegebenen
Situation deutlich zeigt.

Form des Textes


Die Anekdote ist bekannt als eine Erzählung, die klein, kurz und im Präteritum
geschrieben ist. Sie zeichnet sich durch ihre Knappheit aus und dreht sich um einen
Helden, der das letzte Wort oder die letzte Geste der Erzählung hat. In der Anekdote
ist aber nicht der Hauptteil das Herz der Arbeit, sondern das Ende. Die Anekdote
sollte mit einer witzigen Pointe enden, welche sich auf den Charakter und die
authentischen Eigenschaften der Hauptfigur bezieht.

Handlungsbereich
Die Anekdote hat nicht viele Begrenzungen. Es ist dem Schriftsteller / der
Schriftstellerin überlassen, Szene, Ort, Zeitpunkt und Themenbereiche zu wählen. In
der Regel werden Ort und Zeit des Ereignisses in der Anekdote genannt. Wichtig ist,
dass die Hauptperson bei der Einleitung vorgestellt wird und dass sie mit einer
Pointe endet, welche den Charakter der Hauptperson anhand der bestimmten
Situation eindeutig aufzeigt.

Personen
Eine Anekdote braucht unbedingt eine Hauptperson, die als solche eindeutig aus
dem Text hervorgehen und in der Einleitung vorgestellt werden sollte.
Der Protagonist / die Protagonistin kann eine Person sein, die in die Vergangenheit
gelebt hat oder noch lebt. Es kann eine historische oder berühmte Person oder eine
Figur sein, die eine bestimmte Gruppe von Menschen vertritt. Diese Gattung lässt
keine unwichtigen Nebenpersonen zu. Die ganze Geschichte dreht sich um diese
Person und ihre speziellen Eigenschaften, die dann im Text verdeutlicht werden.
Eine Anekdote kann auch mehreren Personen zugeschrieben werden. Ihr Charakter
wird in dieser Situation eindeutig aufgezeigt. Bei manchen Anekdoten wandert die
Begebenheit von einer Person zur anderen, solche Anekdoten nennt man
Wanderanekdoten. Bei allen Anekdoten wirkt der Erzähler, als wäre er selbst dabei
gewesen.

Geschichte über die Textform


Der Begriff kommt aus dem Griechischen: ἀνέκδοτον ~ Anekdoten und bedeutet
übersetzt „nicht herausgegeben“. Prokopios von Caesarea benutzte das Wort zum
ersten Mal im 6. Jahrhundert beim Veröffentlichen des „Anekdota“, einer Sammlung
von Klatsch- und Tratschgeschichten über Kaiser Justinian I. In der griechischen
Antike gab es schon anekdotenhafte Erzählungen, welche lange Zeit in mündlicher
Form überliefert wurden. Später dann wurden sie aufgeschrieben und sind uns
deshalb heute erhalten. Diese Textform ist eng mit anderen Formen verwandt:
Schnurre, Schwank, Fabel und auch mit der modernen „short story“.
Ein wichtiger Vertreter des Genres zu dieser Zeit ist der griechische Schriftsteller
Plutarch, welcher vornehmlich philosophische und biografische Schriften
veröffentlichte.
Im Mittelalter wurden anekdotenhafte Geschichten meistens genutzt, um religiöse
Inhalte und Kanzelreden so zu gestalten, dass sie authentischer wirkten. Solche
Einschiebungen für Aufzeichnungen und historische Schriften sind charakteristisch
für diese Literaturepoche.
Ab dem 14. Jahrhundert wurde es immer populärer, Anekdotensammlungen als
eigenständiges literarisches Genre zu betrachten. Ein italienischer Schriftsteller,
Giovanni Boccaccio, schrieb Anekdoten mit scharfem Realismus und Witz. Seine
Novellensammlung „Decamerone“ wurde mit pointierten Anekdoten geschrieben.
In Deutschland war es der Schriftsteller von Grimmelshausen, der in seinem
„Simplicissimus“ anekdotenhaft und detailreich das Leben im „Dreissigjährigen
Krieg“ aufbereitet.
Um das Jahr 1810 veröffentlichte Heinrich von Kleist, ein anekdotenhafter Erzähler,
einige seiner Werke in den „Berliner Abendblätter“, einer Tageszeitung, welche er
selbst herausgab. Noch heute gelten viele Kleist’sche Anekdoten als Klassiker, da
sie grossen Anklang in jener Zeit fanden.

Gibt es besondere Absichten des Textes?


Die Hauptpersonen zeigen sich durch schlagfertige, humorvolle und teilweise witzige
Antworten als erfahren, klug und weise. Diese überraschende und humoristische
Wendung der Geschichte heisst Pointe. Das Anekdotenerzählen ist eine
unterschätzte Kunst. Anekdoten haben keinen belehrenden Ton, vielleicht deshalb
sind sie eine beliebte Form von Erzählungen, die man an die nächste Generation
weitergibt. Bei Anekdoten bleibt es dem Zuhörer überlassen, wie er die Geschichte
versteht. Mark Twain, ein amerikanische Schriftsteller, hat gesagt: “Für eine
Anekdote braucht man drei Dinge: eine Pointe, einen Erzähler und Menschlichkeit.“

Beispiele

Ein Snob
Oscar Wilde verdiente mit seinen Werken zeitweise eine Menge Geld. Als kultivierter
Snob brauchte er das Geld jedoch immer wieder schnell auf und sagte: „Die
Einkünfte aus meinen Büchern reichen inzwischen für Kaviar und Champagner.
Eines Tages werde ich so weit sein, davon auch meine Wohnung bezahlen zu
können.“

Diogenes und Alexander


Seit dem Altertum wird die angebliche Begegnung zwischen Alexander dem Großen
und dem Philosophen Diogenes erzählt. Alexander war gerade zum obersten
Feldherrn gewählt worden und nahm von allen Seiten Gratulationen entgegen,
rechnete aber auch mit dem Erscheinen des Diogenes. Als dieser nicht kommen
wollte, beschloss Alexander, ihn in Begleitung einiger Offiziere aufzusuchen.
Diogenes lag gerade in der Sonne vor seinem Weinfass, das ihm als Wohnung
diente. Als Alexander mit seinem Gefolge erschien und fragte, ob er etwas für ihn
tun könne, habe der bedürfnislose Diogenes ihm geantwortet: „Geh mir ein wenig
aus der Sonne!“
Alexander antwortete darauf zu seinen Leuten: „Wäre ich nicht Alexander, wollte ich
Diogenes sein.“

Wie du mir, so ich dir


Friedrich II. legte großen Wert auf die Bekanntschaft berühmter Männer, war aber
auch dafür bekannt, dass er sich gerne über seine Besucher lustig machte. Einst lud
er den Schauspieler A.M. an seine Tafel und freute sich auf eine angeregte
Unterhaltung. Er wurde aber enttäuscht, denn der Künstler blieb verschlossen und
wortkarg; er misstraute der Leutseligkeit des Königs und fürchtete dessen Spott. Die
vorsichtige Zurückhaltung des Schauspielers war berechtigt, denn plötzlich zeigte
sich der König sehr ungehalten. Er schrieb einige Worte auf einen Zettel, überreichte
ihn dem Schauspieler und befahl, ihn der Tafelrunde vorzulesen. Auf dem Zettel
stand:
„Der Schauspieler A. M. ist ein Esel! Friedrich II.“
Der Schauspieler las gehorsam, aber er rächte sich, indem er betonte: „Der
Schauspieler A. M. ist ein Esel, Friedrich der zweite!“

Quellenverzeichnis

https://www.studienkreis.de/deutsch/anekdote-merkmale-beispiele/
https://de.wikipedia.org/wiki/Anekdote
https://wortwuchs.net/anekdote/
https://www.kapiert.de/deutsch/klasse-7-8/lesen/kurze-erzaehltexte/merkmale-von-
anekdoten-erkennen/