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Zement-Merkblatt Wasserundurchlässige

Hochbau
H 10 3.2012 Betonbauwerke

Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton werden auch angestrebt und im Weiteren auf die Planungsverantwortung
als Weiße Wannen bezeichnet. Sie sind in der Lage, die für die einzelnen Bereiche hingewiesen.
tragende und die abdichtende Funktion als monolithisches
Bauwerk in einem zu übernehmen. In dieser einfachen Kons- Bemessungswasserstand: Der höchste innerhalb der plan-
truktion liegt ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen mäßigen Nutzungsdauer zu erwartende Grundwasser-,
Abdichtungen. Schichtenwasser- oder Hochwasserstand unter Berück-
sichtigung langjähriger Beobachtungen und zu erwarten-
der zukünftiger Gegebenheiten: der höchste planmäßige
 1 Regelwerke Wasserstand.

Neben den allgemeinen Regelwerken für den Betonbau Beanspruchungsklasse: Die Beanspruchungsklasse wird
[1], [2] legt die DAfStb-Richtlinie „Wasserundurchlässige vom Planenden festgelegt und berücksichtigt die Art der
Bauwerke aus Beton (WU-Richtlinie)“ [3] detaillierte An- Beaufschlagung des Bauwerks oder Bauteils mit Feuchte
forderungen an Planung und Ausführung fest. Bauphy- oder Wasser. Zur Festlegung der Beanspruchungsklasse ist
sikalische und weitere nutzungsbedingte Anforderungen u. a. die Kenntnis des Bemessungswasserstands und der
(siehe 4.3) sind vom Planer gesondert zu berücksichti- Baugrundverhältnisse erforderlich.
gen und nicht Gegenstand der WU-Richtlinie. Hinweise
und Festlegungen hierzu können [7] entnommen werden. Nutzungsklasse: Festlegungen des Planers – in Abstimmung
Die Regelungen der Richtlinie stellen eine Ergänzung zum mit dem Bauherrn – zur geplanten Nutzung des Bauwerks.
Nachweis der Gebrauchstauglichkeit nach DIN 1045-1
dar. Die Anwendung der WU-Richtlinie ist daher bauvertrag-
lich zu vereinbaren. Der Anwendungsbereich beinhaltet Bo-  3 Lastfall Wasser/Feuchtetransport
denplatten und Wände sowie sinngemäß auch Decken, Dä-
cher, Behälter und Becken. WU-Konstruktionen verhindern den Durchtritt von Was-
ser in flüssiger Form. Die Bandbreite der Beanspruchung
DIN 18195 „Bauwerksabdichtungen“ beinhaltet keine was- reicht von Bodenfeuchte bis hin zu nicht drückendem und
serundurchlässigen Bauwerke aus Beton und ist daher nicht drückendem Wasser. Der Bemessungswasserstand muss
anzuwenden. bei der Planung bekannt sein. Die Art der Wasserbeanspru-
chung wird in eine Beanspruchungsklasse eingestuft. Ne-
ben dem hydrostatischen Wasserdruck muss ein eventueller
 2 Begriffe chemischer Angriff durch Grundwasser oder Boden berück-
sichtigt werden. Ergibt die Wasseranalyse nach DIN 4030-2
Wasserundurchlässigkeit: Im Sinne der Richtlinie ist die Was- einen Angriffsgrad XA2 aufgrund eines pH-Wertes < 5,5
serundurchlässigkeit erreicht, wenn die Anforderungen an die oder aufgrund kalklösender Kohlensäure, dürfen die in der
Begrenzung/Verhinderung des Wasserdurchtritts durch den WU-Richtlinie aufgeführten Rechenwerte für die Trennriss-
Beton, durch Fugen, Arbeitsfugen und Sollrissquerschnitte, breiten nicht in Ansatz gebracht werden. Empfehlenswert
durch Einbauteile (Durchdringungen) und Risse erfüllt wer- ist hier eine Bauweise mit vermindertem Zwang ohne un-
den. Hier wird eine ganzheitliche Betrachtung des Bauwerks kontrollierte Trennrissbildung (s. Abschnitt 4).

Feuchtetransport und Diffusion innerhalb eines ungestörten


Bauteilquerschnitts aus Beton mit hohem Wassereindring-
Ortbeton Elementwand widerstand können nach [3] wie im Bild 2 dargestellt wer-
oder den. Die kapillare Wasseraufnahme auf der dem Wasser zu-
Vollfertigteil
gewandten Seite erfolgt unabhängig vom hydrostatischen
BWS BWS
Wasserdruck maximal bis in eine Tiefe von etwa 7 cm. Auf
der luftzugewandten Seite trocknet das Bauteil langsam
aus. Hier bildet sich ein Austrocknungsbereich aus, in dem
lediglich das Überschusswasser des Betons an die Innen-
luft abgegeben wird (Entweichen der Baufeuchte). Die Aus-
Bodenplatte trocknungstiefe dieses Diffusionsbereichs liegt maximal bei
etwa 8 cm. Solange sich Kapillarbereich und Diffusionsbe-
reich nicht überschneiden (Bauteildicken > 20 cm), ist im
Kernbereich kein Feuchtetransport – auch nicht in gasför-
Bild 1: Wasserundurchlässige Bauwerke (Weiße Wannen) aus Beton miger Form – nachweisbar. Das bedeutet, dass sich die
ohne zusätzliche Abdichtung in verschiedenen Bauweisen. raumseitige Feuchteabgabe bei ausreichender Bauteildi-

www.beton.org

1
Betonkonstruktion müssen diese Risse mit Hilfe von Beweh-
rungsstahl auf eine festgelegte maximale rechnerische Rissbrei-
te begrenzt werden. Bevorzugt sollte die Entstehung und Größe
der Zwangspannungen durch eine günstige zwangarme Kons-
truktion vermindert werden. Die WU-Richtlinie regelt drei mög-
liche Bauweisen, um eine Weiße Wanne zu konstruieren:

 Vermeidung von Trennrissen (keine unkontrollierte Trennriss-


bildung). Durch günstige Konstruktion oder enge Sollrissfu-
genabstände entstehen nur geringe Zwangspannungen im
Bauwerk.
 Bauweise mit begrenzter Rissbildung (voller Zwang mit
40 - 80 mm Trennrissbildung und Rissbreitenbegrenzung). Nachweis zur
Begrenzung der Rissbreite.
 Bauweise mit zugelassenen Trennrissen und nachträglich
vorgesehenen Dichtungsmaßnahmen. Wasser führende
Bild 2: Arbeitsmodell für Feuchtebedingungen im Betonquerschnitt bei Risse werden planmäßig verpresst. (Zugänglichkeit der Bau-
einseitiger Wasserbeaufschlagung für ungerissene Betone C30/37 und teile muss dauerhaft gewährleistet sein!)
w/z ≤ 0,55 in Anlehnung an Beddoe/Springenschmid [9]
Unabhängig von den nachfolgend speziell für WU-Bauwerke
cke praktisch unabhängig von den Randbedingungen und der durchzuführenden Planungsschritten müssen allgemeine Fest-
Feuchtesituation auf der Außenseite verhält. Bei WU-Bauwer- legungen nach DIN 1045 / DIN EN 206-1 getroffen werden. Dazu
ken verlangsamt sich die Diffusion im Austrocknungsbereich im gehört z. B. die Auswahl der Expositionsklassen, die wiederum
Laufe der Zeit und kommt nach Abgabe der Eigenfeuchte prak- Mindestdruckfestigkeitsklassen und Maße für die Betonde-
tisch zum Erliegen [5], [12]. Auch in [14] wurde bei ständig drü- ckungen bestimmen. Die statischen und konstruktiven Anfor-
ckendem Wasser (schwimmende Häuser) in keinem Fall über derungen an den Beton können durchaus höher sein als die aus
erhöhte Luftfeuchten berichtet. den Vorgaben an eine WU-Konstruktion.

Folgende Konstruktionsschritte sind bei der Planung von WU-


 4 Elemente einer WU-Planung Bauwerken durchzuführen:
1. Ermittlung des Bemessungswasserstands und der Bean-
Eine Weiße Wanne erfordert mehr als nur Beton mit hohem spruchungsklasse
Wassereindringwiderstand, um funktionsfähig zu sein. Die in 2. Festlegung der Nutzungsklasse
der Planung zu berücksichtigenden einzelnen Elemente und 3. Bauphysikalische Anforderungen aus der Nutzung
Maßnahmen sind: 4. Bestimmung der Mindestwanddicken
5. Druckgefälle i und rechnerische Rissbreite wk festlegen
 Baustoff: 6. Konstruktion hinsichtlich Zwangbeanspruchung optimieren
Beton mit hohem Wassereindringwiderstand 7. Fugenaufteilung und Abdichtungssystem festlegen
 Zwangspannungen im Bauwerk: 8. Einbauteile, Durchdringungen
Aussagen zur Rissbreite und Bewehrungsführung; Nachweis
zur Begrenzung der Rissbreite bzw. Rissvermeidung; Ziel: 4.1 Ermittlung des Bemessungswasserstands und der
Optimierung der Konstruktion zur Vermeidung von Zwang Beanspruchungsklasse
 Fugenplanung: Die Ermittlung des Bemessungswasserstands (BWS) ist unver-
Auswahl und Anordnung von Fugenabdichtungen zichtbare Grundlage jeder Planung. Grundwasserflurstandskar-
 Bauausführung: ten liefern erste Kenntnisse. Grundwasserstände bzw. Grund-
Betonierbarkeit, Verdichtung, Nachbehandlung wasserganglinien von Umweltämtern, Wasserbehörden usw.
 Bauphysik: liefern lediglich Werte von höchstgemessenen Wasserständen
Wärmedämmung, Nutzungsanforderungen, Baufeuchte (HGW), die nicht zwangsläufig mit dem Bemessungswasser-
stand (BWS) gleichzusetzen sind.
Insbesondere die Anforderungen aus der Nutzung sind mit dem
Auftraggeber zu klären und vertraglich festzulegen. In der WU- Alle Rohdaten sind um die zum Zeitpunkt der Messaufzeichnung
Richtlinie werden hierzu Nutzungsklassen genannt. beeinflussenden Faktoren (z. B. Grundwasserförderungen von
Wasserwerken, Industrie, tagebaubedingte Sümpfungen usw.)
Durch die kraftschlüssige Verbindung der zu unterschiedlichen zu bereinigen. Sollten vorhandene örtliche Kenntnisse keine aus-
Zeitpunkten betonierten Sohlplatte und Wände werden die bau- reichenden Aufschlüsse liefern, sind zur Beurteilung vom Planer
stoffbedingten Bauteilverformungen der Bauteile behindert. Sonderfachleute (Hydrogeologen, Geotechniker) hinzuzuziehen.
Auch die Reibung auf der Unterseite von Sohlplatten sowie die Der Grundwasserstand, der sich ohne Grundwasserabsenkung
Gebäudegeometrie können Verformungen behindern, die sich in extremen Nassperioden – unter Berücksichtigung der durch
im Beton z. B. aufgrund von Trocknungsschwinden (Verkürzen die Kulturlandschaft bedingten Vorflut – einstellen würde, ist
durch Austrocknung) oder Temperaturänderungen einstellen der maßgebende BWS. Sicherheitszuschläge zum BWS soll-
wollen. Dadurch können Zwangspannungen entstehen, wel- ten unter Berücksichtigung von Baugrundeigenschaften sowie
che die Zugfestigkeit des Betons erreichen können. An diesen in Abhängigkeit von der Genauigkeit der vorhandenen Informa-
Stellen kann der Beton reißen. Bei einer wasserundurchlässigen tionen festgelegt werden.

2
Tafel 1: Zuordnung der Beanspruchungsklassen

Beanspruchungsklasse 1 Beanspruchungsklasse 2
drückendes Wasser nicht stauendes Sickerwasser
  Grundwasser, Schichtenwasser, Hochwasser oder anderes Was-  Wasser, das bei sehr stark durchlässigen Böden
ser, das einen hydrostatischen Druck ausübt (auch zeitlich be- (kf ≥ 10-4 m/s) ohne Aufstau absickern kann
grenzt)   Wasser, das bei wenig durchlässigen Böden durch dauerhaft
funktionierende Dränung nach DIN 4095 abgeführt wird
nicht drückendes Wasser Bodenfeuchte
 Wasser in tropfbar flüssiger Form, das keinen oder nur einen ge-  kapillar im Boden gebundenes Wasser
ringen hydrostatischen Druck (Wassersäule ≤ 100 mm) ausübt
zeitweise aufstauendes Sickerwasser
 Wasser, das sich auf wenig durchlässigen Bodenschichten ohne
Dränung aufstauen kann. Die Bauwerkssohle liegt mindestens
30 cm über Bemessungswasserstand

Nach den Erläuterungen zur WU-Richtlinie [4] kann der BWS 4.3 Bauphysikalische Anforderungen aus der Nutzung
auf der sicheren Seite liegend auf Höhe der Geländeoberkante Zur Vermeidung von Tauwasser auf den Innenflächen müssen
(GOK) angesetzt werden, wenn keine langjährigen Beobach- nach [3] zusätzliche bauphysikalische und raumklimatische
tungen vorliegen oder die zu erwartenden zukünftigen Gege- Maßnahmen (Lüftung, außen liegende Wärmedämmung, Hei-
benheiten nicht abgeschätzt werden können. Dieses Vorge- zung, Klimatisierung) getroffen werden. Bei Nutzungsklasse A
hen wird jedoch als Ausnahmefall gewertet. Die Entscheidung muss der Planer den Bauherrn hierauf gesondert hinweisen.
zwischen der Ermittlung des zu erwartenden BWS und dem
vereinfachten Ansetzen auf Geländeoberkante sollte nicht Diese Forderungen lassen sich nach [7] exakt festlegen. Dort
ohne Einbeziehung des Bauherrn erfolgen. Ein Ansetzen des wird eine Unterteilung der Nutzungsklasse A in die Klassen A*,
BWS auf Geländeoberkante kann auch aus wirtschaftlichen A** und A*** vorgenommen, die einen differenzierten Bezug
Gründen sinnvoll sein, wenn die Kosten für die Ermittlung des zwischen Anforderungen, Raumklima und technischen Maß-
BWS größer sind als die Kostenersparnis, die mit einer Aus- nahmen herstellen.
führung eines WU-Bauwerks mit einem BWS unterhalb der
GOK verbunden ist. Darüber hinaus sind meist auch raumklimatische Anforderungen
aus der Energieeinsparverordnung zu beachten. Bei hochwer-
Die Beanspruchungsklasse (Tafel 1) richtet sich nach der Art tiger Nutzung, z. B. als Wohnraum, kann eine außen liegende
des auftretenden Wassers. Perimeter-Wärmedämmung vorgesehen werden, die gleichzeitig
einem möglichen Tauwasseranfall auf der Innenseite entgegen-
4.2 Festlegung der Nutzungsklasse gewirkt. Die Bildung von Tauwasser ist nämlich vom Raumklima
Vom Planer ist in Abstimmung mit dem Bauherrn bzw. in Ab- und der Oberflächentemperatur des Bauteils abhängig. Sie hat
hängigkeit von der Funktion und der angestrebten Nutzung die nichts mit der Dichtigkeit des Baustoffs zu tun [13], [15].
Nutzungsklasse festzulegen (Bild 3). Als höherwertige Anforde-
rung dürfen in der Nutzungsklasse A keine Feuchtstellen auf Sofern Wand- und Fußbodeninnenflächen z. B. durch Fußbo-
der Bauteiloberfläche innen als Folge eines Wasserdurchtritts denaufbauten, PVC-Beläge oder dergleichen diffusionsdicht
auftreten. „Feuchtstellen“ im Sinne der Richtlinie sind feuchte- verschlossen werden und somit die Baufeuchte nicht austrock-
bedingte Dunkelfärbungen oder die Bildung von Wasserperlen. nen kann, muss unter diesen Flächen eine innen liegende Ab-
Die Nutzungsklasse A stellt die Variante für hochwertig genutzte dichtung angeordnet werden. Die vorhandene Baufeuchte kann
Bauwerke dar. Weitergehende Festlegungen bei hochwertiger sonst im Laufe der Zeit zum Feuchtigkeitsstau führen, da das
Nutzung regelt [7]. Gleichgewicht im Austrocknungsbereich gestört wird.

Bei Nutzungsklasse B sind Feuchtstellen auf der Bauteilober-


fläche zulässig. Im Gegensatz zur Nutzungsklasse A wird somit
eine nur begrenzte Wasserundurchlässigkeit gefordert. Feucht-
Wasserdurchtritt in flüssiger Form
stellen dürfen im Bereich von Trennrissen, Sollrissquerschnit- nicht zulässig, auch nicht temporär an Rissen
ten, Fugen und Arbeitsfugen auftreten. A keine Feuchtstellen auf der Oberfläche
(Dunkelfärbung, Wasserperlen)
Tauwasserbildung möglich
 Nutzungsklasse A: Lüftung, Heizung
zusätzliche Anforderung: raumklimatische,
- Standard für Wohnungsbau bauphysikalische Baufeuchte abführen
ohne Tauwasser
- Lagerräume mit hochwertiger Nutzung Maßnahmen Wärmedämmung
 Nutzungsklasse B:
Feuchtstellen zulässig
- Einzelgaragen, Tiefgaragen
- Installations- und Versorgungsschächte und -kanäle B „Dunkelfärbungen“, ggf. Wasserperlen
kein Wasserdurchtritt
Tauwasserbildung möglich
- Lagerräume mit geringen Anforderungen
gesondert besondere Vereinbarungen
Die Bauweise mit begrenzter Rissbildung ist für die Nutzungs- geregelt im Bauvertrag
klasse A wegen des während der Selbstheilung möglichen tem-
porären Wasserdurchtritts im Regelfall nicht anwendbar [4]. Bild 3: Nutzungsklassen nach der WU-Richtlinie

3
Tafel 2: Empfohlene Mindestbauteildicken in mm Tafel 3: Maximale Trennrissbreiten nach [3]

Beanspruchungs- dmin [mm] bei Ausführungsart Zulässige Trennrissbreiten, wenn der Wasserdurchtritt
klasse durch Selbstheilung begrenzt werden soll
Ortbeton Element- Fertig-
Voraussetzung: Risse mit geringer zeitlicher Änderung Dw  0,1w
wände teile
Wände 1 (Druckwasser) 240 240 200 zulässiger Rechenwert zulässiges Druckgefälle
der Trennrissbreite1)
2 (Bodenfeuchtigkeit, 200 240 100 wk [mm] i = (hWasser/dBauteil)
Sickerwasser) (200)1)
0,20  10
Boden- 1 (Druckwasser) 250 – 200
platte 0,15 > 10 ...  15
2 (Bodenfeuchtigkeit, 150 100
Sickerwasser) 0,10 > 15 ...  25
mit besonderen betontechnischen und ausführungstechnischen Maßnahmen
1) 1)
nur für Wässer mit CO2 (Kalklösende Kohlensäure) ≤ 40 mg/l und
(z. B. F6-Betone oder SVB) pH-Wert ≥ 5,5; andernfalls ist Selbstheilung nicht ansetzbar

4.4 Bestimmung der Mindestwanddicken wenn das Druckgefälle und damit die Strömungsgeschwindig-
Die WU-Richtlinie empfiehlt Mindestwanddicken (Tafel 2). Die keit im Riss nicht zu groß werden. Wesentliche Einflussgröße
Wanddicken und die Bewehrungsanordnung müssen einen auf die Selbstheilung von Rissen ist die Neubildung von Cal-
sachgerechten Betoneinbau und eine ungehinderte Verdich- ciumcarbonat an den Rissflanken. Sie ist nahezu unabhängig
tung erlauben. In Abhängigkeit vom Größtkorn im Beton wer- von der Zementart. Da die Selbstheilung bei dynamischer Be-
den darüber hinaus bei innen liegenden Fugenabdichtungen anspruchung mit kurzzeitigen Änderungen der Rissbreite be-
und Beanspruchungsklasse 1 Mindestabstände bW,i als lichtes einträchtigt wird, dürfen die Trennrissbreiten nach Tafel 3 nur
Maß zwischen den Bewehrungslagen oder zwischen den Innen- bei Dw  10 % verwendet werden. Von Lohmeyer und Ebeling
flächen von Elementwänden gefordert, um einen einwandfreien [13] werden für die rechnerischen Trennrissbreiten in Tafel 3 we-
Betoneinbau zu ermöglichen: sentlich niedrigere zulässige Druckgefälle als in [3] empfohlen,
so z. B. wk = 0,20 nur bis zu i  2,5.
 8 mm Größtkorn: bW,i  12 cm
 16 mm Größtkorn: bW,i  14 cm 4.6 Konstruktion hinsichtlich Zwangbeanspruchung
 32 mm Größtkorn: bW,i  18 cm optimieren
Risse können im Festbeton entstehen, wenn die Zugspannungen
Für Beton mit einem Größtkorn von 32 mm ergibt sich hierdurch im Bauteil die Zugfestigkeit des Betons erreichen. Dies kann durch
bei Beanspruchungsklasse 1 bei üblicher Betondeckung und äußere Lasten wie Eigengewicht sowie Verkehrslasten oder durch
Bewehrungsstabdurchmesser bis 10 mm eine Mindestbauteil- lastunabhängige Formänderungen geschehen. Behinderte, last-
dicke von etwa 27 bis 30 cm. unabhängige Verformungen können sowohl zu Eigenspan-
nungen als auch zu Zwangspannungen führen. Folgende Ar-
4.5 Druckgefälle i und rechnerische Rissbreite wk festlegen ten der Verformungen sind zu betrachten:
Wird eine WU-Bauweise mit begrenzter Rissbildung gewählt,
muss das Druckgefälle i als Quotient der Wasserdruckhöhe zur  thermisch
Bauteildicke an der betrachteten Stelle (potenzieller Ort der - Abfließen der Hydratationswärme
Rissbildung) ermittelt werden. Anhand des Druckgefälles wird - Temperaturänderungen (Bauzustand und Nutzung)
die maximale rechnerische Rissbreite in der WU-Richtlinie vor- - Frost
gegeben (Bild 4 und Tafel 3). Die rechnerisch angenommenen  hygrisch (Feuchte)
Rissbreiten können sich aufgrund von Streuungen bei Mate- - Schwinden (Trocknungsschwinden)
rialeigenschaften und Ausführung sowie Vereinfachungen bei - Quellen
der Rissberechnung von den tatsächlich auftretenden Rissen  ungleiche Setzungen oder Hebungen des Baugrundes
unterscheiden [6], [17].
Das Ziel jeder WU-Planung ist eine geometrisch einfache, mög-
Grundlage der zulässigen Rechenwerte für die Trennrissbrei- lichst zwangarme Bauwerkskonstruktion in Verbindung mit einer
ten ist die Annahme einer potenziellen Selbstheilung im Riss, risikoarmen, kontrollierbaren Ausführung. Neben der Optimie-
rung der Betonzusammensetzung und einer fachgerechten Aus-
führung kann bereits das Bauwerk selbst zwangarm konstruiert
Druckgefälle
werden. Vorteilhaft ist eine ebene, reibungsarm gelagerte Sohl-
i = h/d platte mit gleichmäßiger Dicke. Querschnittsänderungen, Ver-
Innenraum sprünge oder Vouten begünstigen eine Rissbildung. Durch die
Anordnung von Trenn- oder Gleitschichten können die rechne-
h= Wasserdruckhöhe bis BWS
zur betrachteten Stelle rischen Reibungsbeiwerte zwischen Sohle und Baugrund verrin-
(Risseintritt) gert werden (Tafel 4). Die Variante mit feinkörnigem Sandbett ist
h1 wegen der notwendigen Auflage für die Abstandhalter ausfüh-
d= Dicke des Bauteils d1
h2 rungstechnisch zu hinterfragen. Als Alternative zu Lagerungsbe-
BWS = Bemessungs-
dingungen ohne wesentliche Verformungsbehinderung können
wasserstand d2 auch horizontale Sollrissfugen (Scheinfugen) angeordnet werden.
Diese müssen mit einer Fugenabdichtung versehen werden. Be-
wegungsfugen (Raumfugen) sind nach Möglichkeit zu vermeiden,
Bild 4: Bestimmung des Druckgefälles da die sachgerechte Herstellung sehr aufwendig ist.

4
Tafel 4: Rechenwerte von Reibungsbeiwerten µ bei unterschiedlichen Untergrundverhältnissen, Trenn- und Gleitschichten
(in Anlehnung an die DAfStb-Richtlinie „Betonbau beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen“, 2004, sowie an [4])

Untergrund Gleitschicht Reibungsbeiwert μ


bei 1. Verschiebung
Mineralgemisch (Kiessandgemisch) keine 1,4 … 2,1
Feinkörniges Sandbett, 6 bis 10 cm dick,
keine ≈ 0,70
mittlerer Korndurchmesser < 0,35 mm
Unterbeton bzw. Sauberkeitsschicht, rau abgezogen 2 Lagen PE-Folie, 0,2 mm dick d = 30 cm: μ ≈ 2,0

Unterbeton bzw. Sauberkeitsschicht mit hoher 2 Lagen PE-Folie, 0,2 mm dick ≈ 0,80
Ebenheit und flügelgeglättet PTFE-Folie 0,2 … 0,5
d = 30 cm: μ ≈ 0,45
Bitumenschweißbahn, stumpf gestoßen verlegt
Unterbeton bzw. Sauberkeitsschicht mit d > 100 cm: μ ≈ 0,20
hoher Ebenheit Bitumen vergossen 5 mm bis 8 mm dick ≈0
Sorten 30/45, 50/70 oder 70/100 (bei T > 0 °C)

Weitere konstruktive Maßnahmen zur Verringerung der Rissge- Nicht geregelte Fugenabdichtungen
fahr in WU-Bauteilen sind die Begrenzung der Bauteilabmes-  Injektionsschläuche/Verpressschläuche (innen1))
sungen sowie die Begrenzung und wechselseitige Anordnung  Quellprofile (innen1))
von Betonier­abschnitten.  Dichtrohre (innen1))
 Bentonitfolien (außen2))
Die Wandhöhe hat einen Einfluss auf die Zwangbeanspruchung  beschichte Fugenbleche (innen1))
und damit auf die Abstände der Fugen. Bei niedrigen Wänden  streifenförmige Dichtungen (außen2))
müssen die Fugenabstände unter sonst gleichen Verhältnis-  Kombinationen (z. B. Fugenblech + Quellprofil)
sen geringer sein. Nach Empfehlungen aus [13] sollten hier-
bei die Abstände von Schein- bzw. Betonierfugen in Wänden Von jedem nicht geregelten Fugenabdichtungssystem wird ein
höchstens die zweifache Wandhöhe betragen und zusätzliche Verwendbarkeitsnachweis in Form eines allgemeinen bauauf-
geeignete betontechnologische und bautechnische Maßnah- sichtlichen Prüfzeugnisses (ABP) verlangt, in dem die Anwen-
men ergriffen werden. dungsbereiche festgelegt und durch eine amtliche Prüfung
nachgewiesen sind.
Bei Elementwänden bzw. Dreifachwänden sollten als maxima-
le Wandabschnitte (abhängig von Wandlänge zu Wandhöhe Eine Liste mit geprüften „nicht geregelten“ Fugenabdichtungs­
l/h) eingehalten werden (nach [8]): systemen ist im Internet unter www.abp-fugenabdichtungen.de
zu finden. Weitere Hinweise zur Planung und Ausführung von
 Wanddicken 25 cm  d  30 cm: l/h  2,5 mit l  6 m Fugenabdichtungen sind in [4], [10] und [18] enthalten.
 Wanddicken 30 cm < d  40 cm: l/h  3,0 mit l  9 m
4.8 Einbauteile, Durchdringungen
4.7 Fugenaufteilung und Abdichtungssystem festlegen Alle Durchdringungen durch wasserundurchlässige Bauwerke
Hierunter fallen Arbeitsfugen an Betonierabschnitten, geplante müssen sorgfältig geplant und abgedichtet werden. Dies betrifft
Scheinfugen zur Zwangverminderung und Raumfugen (Bewe- nicht nur Rohrdurchführungen oder Leitungskanäle, sondern auch
gungsfugen) zwischen Gebäudeabschnitten. Die Art der Fugen- Ankerhülsen aus dem Verspannen der Schalung. Die richtige Aus-
abdichtung ist auf den Wasserdruck abzustimmen. Die Auswahl wahl von wassersperrenden Schalungsankern und geeigneten Ab-
und Festlegung des Abdichtungssystems sowie Ausbildung der standhaltern (z. B. aus Faserzement) für die Bewehrung gehört zur
Knotenpunkte fallen eindeutig in den Verantwortungsbereich des Planungsleistung. Grundsätzlich sollten alle Rohrdurchführungen
Planers! Die Fugenabdichtung muss als geschlossenes System die Wände oder Sohlplatte rechtwinklig auf möglichst kurzem Weg
an den Stoßpunkten zwischen horizontalen und vertikalen Fu- durchstoßen. Zwischen den Bewehrungslagen eingebaute paral-
gen miteinander verbunden sein.

Die WU-Richtlinie unterscheidet geregelte und nicht geregelte Beanspruchungsklasse 1 Beanspruchungsklasse 2

Fugenabdichtungen.
Nutzungsklasse A Nutzungsklasse B Nutzungsklasse A o. B
nur in Arbeitsfugen Arbeits-/Sollrissfugen Arbeits-/Sollrissfugen
Geregelte Fugenabdichtungen
Wassersäule WS ) 3 m: Blechbreite 25 cm
 unbeschichtete Fugenbleche (innen1), Bild 5)
3 m < WS ) 10 m: Breite 30 cm Blechbreite 25 cm
 Fugenbänder (innen1)/außen2)) WS > 10 m: Breite entsprechend vergrößern
Stöße kleben, schweißen, Pressen mit Dichtlage
Die Verwendung von Fugenbändern ist in DIN V 18197 geregelt. ab Wanddicke 50 cm und Druckgefälle i ) 5
Für unbeschichtete Fugenbleche nennt die WU-Richtlinie be- Überlappung Lü möglich
(Lü = 30 cm, Abstand 3 x Größtkorn (* 5 cm))
sondere Verwendungsregeln, die in Bild 5 dargestellt sind.
Einbindung jeweils mit halber Breite!
fettfreies, unbeschichtetes Blech, mindestens 1,5 mm dick

innen = mittig innerhalb der Wand bzw. Sohle


1)

außen = auf der wasserzugewandten Seite


2)
Bild 5: Anforderungen an unbeschichtete Fugenbleche nach WU-Richtlinie

5
lel verlaufende Rohrleitungen wirken durch die Querschnittsver-  Verwendung von Flugasche als Zusatzstoff
minderung wie eine nicht abgedichtete Scheinfuge und können  niedrige Frischbetontemperaturen
bei Zwangbeanspruchung zu Undichtigkeiten führen. Für Rohr-  Begrenzung des Zementleimvolumens auf VZL  290 l/m³
durchführungen werden speziell abgedichtete Einbauteile (z. B.
Faserzementeinsätze, Dichtmanschetten, Verpresssysteme) an- Eine Zusammenstellung aller Anforderungen zeigt Tafel 5.
geboten. Nachträglich eingebaute Rohre können z. B. mit einer
EPDM-Schraubdichtung wirksam abgedichtet werden.
 6 Nachweise

 5 Anforderungen an den Beton Die erforderlichen Nachweise richten sich nach den gewähl-
ten Entwurfsgrundsätzen für die Nutzungsklassen (Tafel 6). Der
Zur Herstellung von WU-Bauwerken ist nach DIN 1045 und Nachweis der Wasserundurchlässigkeit ist ein zusätzlicher Ge-
DIN EN 206-1 ein Beton mit hohem Wassereindringwiderstand brauchstauglichkeitsnachweis. Für den Nachweis zur Begren-
zu verwenden. Die erforderliche Dichtigkeit wird bei Bauteil­ zung der Rissbreite gilt DIN 1045-1, Abschnitt 11.2. Dabei ist
dicken bis zu 40 cm über einen maximalen äquivalenten Was- stets von der häufigen Einwirkungskombination auszugehen.
serzementwert (w/z)eq  0,60 sichergestellt. Die Mindestdruck-
festigkeitsklasse beträgt C25/30, der Mindestzementgehalt Neben den in der WU-Richtlinie geforderten Nachweisen sind
280 kg/m3. Für Dicken über 40 cm ist (w/z)eq  0,70 möglich. zur Sicherstellung der Tragfähigkeit, Gebrauchstauglichkeit und
Aus statischen Gründen kann eine höhere Festigkeitsklas- Dauerhaftigkeit die für übliche tragende Stahlbetonbauwerke
se notwendig werden. Die Dauerhaftigkeit des Betons wird geltenden Anforderungen zu erfüllen.
über die vom Planer festzulegenden Expositionsklassen si-
chergestellt. Gegebenenfalls werden bei besonderen Exposi-  Nachweise in den Grenzzuständen der Tragfähigkeit und Ge-
tionsklassen, wie z. B. XA2 (mäßiger chemischer Angriff) oder brauchstauglichkeit nach DIN 1045-1
XF3 (z. B. frei stehender Behälter), höhere Anforderungen an  Festlegung von Expositionsklassen nach DIN 1045-2 mit der
die Betonzusammensetzung erforderlich. Ein Beispiel für die zusätzlichen Anforderung „Beton mit hohem Wassereindring-
Festlegung der Anforderungen an den Beton zeigt Bild 6. In widerstand“
Abhängigkeit von den Expositionsklassen wird auch die Be-
tondeckung festgesetzt. Die Einbaukonsistenz des Betons Die Nachweise zur Begrenzung der Rissbreiten müssen im Ent-
sollte der Konsistenzklasse F3 oder weicher entsprechen. Bei stehungszeitraum der Zwangschnittgrößen geführt werden.
Ausnutzung der Mindestwanddicken nach der WU-Richtli- Dies kann einen Nachweis zu unterschiedlichen Zeitpunkten,
nie und bei Beanspruchungsklasse 1 ist ein Beton mit einem z. B. Erhärtungsphase und Nutzungsphase, erforderlich ma-
(w/z)eq  0,55 zu verwenden. Für Wände ist in diesem Fall ein Be- chen. Für Ortbetonbauteile und Elementwände mit abgedich-
ton mit einem maximalen Größtkorn von 16 mm vorzusehen. teten Sollrissquerschnitten gilt der Nachweis der Trennrissfrei-
heit als erbracht, wenn die Sollriss- oder Fugenabstände so
Um Zwangspannungen innerhalb des Bauwerks und somit die gewählt werden, dass Risse infolge Lasten und Zwang in den
Rissgefahr möglichst gering zu halten, sind ggf. weitere Vorgaben dazwischen liegenden Bereichen vermieden werden.
an die Betonzusammensetzung sinnvoll. Lastunabhängige Ver-
formungen durch Hydratationswärme und Trocknungsschwin- Beim Einsatz von Elementwänden ist eine ausreichende Rauigkeit
den lassen sich durch folgende Maßnahmen verringern: der Schaleninnenflächen gefordert, um einen guten Verbund zum
auf der Baustelle eingebrachten Kernbeton zu gewährleisten. Die
 Verwendung von Beton mit mittlerer Festigkeitsentwicklung mittlere Rautiefe in Anlehnung an DIN EN 1766 muss Rt ≥ 0,9 mm
(r  0,50) im Winter bzw. langsamer Festigkeitsentwicklung betragen und vom Elementwandhersteller nachgewiesen werden.
(r  0,30) im Sommer Der Planer sollte bereits im Leistungsverzeichnis einen Hinweis
 Verwendung von Zementen mit niedriger Hydratationswär- mit aufnehmen, dass die eingesetzten Elementwände den „Anfor-
meentwicklung (LH-Zemente) oder von Zementen mit nor- derungen der WU-Richtlinie des DAfStb“ entsprechen müssen, da
maler Anfangsfestigkeit diese Wände auch im Hochbau verwendet werden und nicht in
jedem Fall für den Einsatz in wasserundurchlässigen Bauwer-
ken geeignet sind.

zusätzliche Anforderung Dämmung


nach DIN 1045-2:  7 Bauausführung
Beton mit hohem Wasser- GOK
Innenraum
eindringwiderstand ungedämmt
Zu den Anforderungen an die Bauausführung gehören neben
BWS dem Einbau der Bewehrung die Überwachung des fachge-
Bauteildicke ) 40 cm:
XC2 XC1 rechten Betoneinbaus sowie die Nachbehandlung.
C25/30
w/z ) 0,60
zmin = 280 kg/m3 Abstandhalter und Schalungsanker dürfen die Wasserundurch-
Soll der Eindringwiderstand nach- lässigkeit des Bauwerks nicht beeinträchtigen. Geeignete Ab-
gewiesen werden, müssen Prüf-
verfahren und Konformitätskriterien
standhalter sind z. B. im DBV-Merkblatt „Abstandhalter“ auf-
vereinbart werden, z.B. 3 Probe- geführt. Spezielle Schalungsanker – z. B. mit aufgeschweißter
körper je Bauabschnitt, Prüfung XC2
nach DIN EN 12390-8
Wassersperrplatte oder als mehrteiliger Ankerstab mit Wasser­
sperre – sind vor allem bei Druckwasserbeanspruchung zur
Bild 6: Beispiel für Expositionsklassen für eine Weiße Wanne ­Sicherstellung der Wasserundurchlässigkeit erforderlich.

6
Tafel 5: Anforderungen an die Betonzusammensetzung für Betonbauwerke nach der WU-Richtlinie;
Voraussetzung: keine Anforderungen aus XA und XS sowie Bauteildicken ≤ 40 cm
Wände Bodenplatten Elementwände
(Ortbeton) (Ortbeton) (Fertigteil und Kernbeton)
Beanspruchungsklasse 1 2 1 2 1 2
Mindestbauteil­-
24 dmin · 1,15 20 25 dmin · 1,15 15 24 dmin · 1,15 24 (20)1)
dicke dmin [cm]
äquivalenter Wasser­
 0,55  0,60  0,60  0,55  0,60  0,60  0,55  0,60  0,60
zementwert w/zeq
Mindestdruckfestigkeits-
C25/30
klasse
besondere
hoher Wassereindringwiderstand
Betoneigenschaft
für Bauteile mit innen lichtes Maß zwischen lichtes Maß zwischen Innenflächen
liegenden Fugen­ Bewehrungslagen der Fertigteile
abdichtungen gilt keine keine keine
bW,i [cm] < 12  12  14  14  18 Anforderung Anforderung < 12  12  14  14  18 Anforderung
keine keine keine
bei Größtkorn [mm] –2) 8 16 16 32 –2) 8 163) 16 32
Anforderung Anforderung Anforderung3)
1)
besondere technische und ausführungstechnische Maßnahmen 2)
nicht erlaubt 3)
Anschlussmischung 8 mm

Zusätzliche - Temperaturanstieg begrenzen: Verwendung von LH-Zementen oder mit normaler Festigkeitsentwicklung 32,5 N
Anforderungen - Begrenzung der Frischbetontemperatur
(ggf. sinnvoll) - besondere Nachbehandlungsmaßnahmen (kontrollierter Wärmeabfluss)
Anschlussmischung bei Fallhöhen > 1 m: Anschlussmischung mit max. 8 mm Größtkorn; Höhe = Bauteildicke, jedoch mind. 30 cm hoch
Konsistenzklasse F3, F4, F5 oder F6 (SVB möglich), abhängig vom Einbauverfahren; zulässige Betoniergeschwindigkeit beachten
(insbesondere bei F5, F6, SVB)
Stahlfaserbeton Stahlfaserbeton (SFB) möglich: Abminderung der Stabstahlbewehrung nach DBV-Merkblatt Stahlfaserbeton

Tafel 6: Nachweisführung bei wasserundurchlässigen Bauwerken nach WU-Richtlinie, in Anlehnung an [17]


Beanspru- Nutzungsklasse
chungsklasse
A B
1 Nachweis der Druckzonenhöhe oder Begrenzung der Biegerissbreite Begrenzung der
x  30 mm oder x  1,5 · Dmax (Größtkorn) wcal  w nach Tafel 3 Trennrissbreite
wcal  w
und
nach Tafel 3
Vermeidung von Trennrissen, oder Begrenzung der Trennrissbreite wcal ≤ w nach
z. B. durch abgedichtete Sollrissfugen Tafel 3 nur in Kombination mit raumklimati-
schen und bauphysikalischen Maßnahmen
2 Begrenzung der Wände wcal  0,20 mm
Trennrissbreite Bodenplatten wcal  w nach DIN 1045-1, 11.2.1 (i. d. R. wcal  0,30 mm)
Sollriss- Fugenabdichtung erforderlich Fugenabdichtung
querschnitt nicht erforderlich

Die freie Fallhöhe des Betons darf 1 m nicht überschreiten, um die Temperaturdifferenz zwischen Kern und Randzone zum Zeit-
Entmischungen am Wandfuß vorzubeugen. Bei Überschreitung punkt des Ausschalens (i. d. R. nach Überschreitung des Tem-
der Fallhöhe ist ein Fallpolster aus Beton mit 8 mm Größtkorn peraturmaximums im Kern) nicht zu groß wird. Eine Schalhaut
mindestens 30 cm hoch (bzw. Höhe = Bauteildicke) vorzuse- aus Holz dämpft den Wärmeabfluss in der Randzone, so dass
hen. Die einzelnen Schüttlagen sind auf 30 cm bis 50 cm zu eine Verlängerung der Einschaldauer bis zu einem annähernden
begrenzen und mit dem Innenrüttler zu vernadeln. Die obers- Temperaturausgleich im Bauteilinnern eine günstige Nachbe-
te Betonierlage in Wänden ist nachzuverdichten. Fugenflächen handlungsmaßnahme darstellt. Im Zweifel empfiehlt sich eine
sollten nicht glatt abgezogen, sondern aufgeraut werden. Anfor- Prüfung der Temperaturunterschiede zwischen Kern und Rand,
derungen an die Fugenrauigkeit enthalten [3] und DIN 1045-3, um ggf. mit einer wärmedämmenden Auflage (z. B. Luftpolster-
Abschn. 10.3.6. folie) reagieren zu können. Der Temperaturunterschied zwischen
Kern und Rand sollte aufgrund der Rissgefahr durch Eigenspan-
Unmittelbar nach Fertigstellung der Betonoberflächen (Sohl- nungen 15 K bis 18 K nicht überschreiten. Weitere Empfehlungen
platten) bzw. nach dem Ausschalen der Wände muss die Beton­ zur Nachbehandlung von Sohlplatten enthält [16].
oberfläche durch geeignete Nachbehandlungsmaßnahmen vor
Austrocknung geschützt werden. Die Nachbehandlung ist un- Bei der Montage von Elementwänden muss die Anschlussfuge
abhängig von den Witterungsbedingungen stets vorzunehmen Sohle–Wand frei von Verunreinigungen sein. Die Fertigteilscha-
(Nachbehandlungsdauer nach DIN 1045-3). Nachbehandlungs- len dürfen keine Risse aufweisen. Die Wände müssen mindes-
maßnahmen sind so zu wählen, dass Eigen- und Zwangspan- tens 30 mm aufgeständert werden. Vor dem Betonieren sind
nungen infolge Hydratationswärme möglichst gering bleiben. Vor die Innenseiten vorzunässen. Die Oberflächentemperatur der
allem bei dickeren Bauteilen ist deshalb darauf zu achten, dass Fertigteile muss über 0 °C liegen.

7
Tafel 7: Überwachungsklassen (ÜK) für WU-Bauwerke  9 Nachträglich eingebaute Innenwannen aus Beton
Gegenstand ÜK 1 ÜK 2 ÜK 3
Festigkeitsklassen  C25/30  C30/37  C55/67 Wenn steigende Grundwasserstände zu vernässten Kellern ge-
für Normalbeton  C50/60 führt haben und in jedem Falle dann, wenn zusätzlich erhöhter
Expositionsklasse X0, XC, XF1 XA,  XF2, XM – Wasserdruck eine Verstärkung der Tragkonstruktion erfordert,
besondere Beton- – Beton für WU- – bietet der nachträgliche Einbau Weißer Innenwannen eine Mög-
eigenschaften Baukörper1) lichkeit die Bausubstanz zu retten und für trockene Keller zu
1)
Bei Beton mit hohem Wassereindringwiderstand ÜK 1 zulässig nur für Beton,
der maximal zeitweilig aufstauendem Sickerwasser ausgesetzt ist und für den
sorgen [11]. Die gültigen Regelwerke können hier sinngemäß
die Projektbeschreibung keine andere Festlegung enthält. angewendet werden.

Beanspruchungs- ÜK 2 Druckwasser oder nicht drückendes


klasse 1 Wasser (< 10 cm)
 10 Literatur
ÜK 1 zeitweilig aufstauendes Sickerwasser
[1] DIN 1045: Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton (2008-08/
Beanspruchungs- ÜK 1 nicht aufstauendes Sickerwasser 2001-07), Beuth-Verlag, Berlin
klasse 2 ÜK 1 Bodenfeuchtigkeit [2] DIN EN 206: Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton, Teil 1: Beton
– Festlegung, Eigenschaften, Herstellung und Konformität (2001-07), Beuth-
Verlag, Berlin
[3] DAfStb-Richtlinie „Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton (WU-Richt-
 8 Überwachung linie)“ (2003-11) und Berichtigung zur WU-Richtlinie (2006-03)
[4] Erläuterungen zur WU-Richtlinie, DAfStb-Heft 555, Deutscher Ausschuss für
Stahlbeton, Beuth Verlag, Berlin 2006
Wasserundurchlässige Bauwerke mit Druckwasserbeanspru-
[5] Positionspapier des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton zur DAfStb-
chung sind nach [1] grundsätzlich in die Überwachungsklasse 2 Richtlinie „Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton“ – Feuchtetransport
einzuordnen (Tafel 7). Eine Ausnahme besteht, wenn der Baukör- durch WU-Konstruktionen, Juli 2006, DAfStb, Berlin
per maximal zeitweise aufstauendem Sickerwasser ausgesetzt ist [6] DBV-Merkblatt Begrenzung der Rissbildung im Stahlbeton- uns Spannbe-
tonbau, Januar 2006, Deutscher Beton- und Bautechnik Verein e.V., Berlin
und wenn in der Projektbeschreibung nichts anderes festgelegt [7] DBV-Merkblatt Hochwertige Nutzung von Untergeschossen, Fassung Janu-
ist. In diesem Fall darf die Überwachungsklasse 1 angewendet ar 2009, Deutscher Beton- und Bautechnik Verein e.V., Berlin
werden. Damit gilt die Ausnahmeregelung auch für den Lastfall [8] Alfes, C.: Bauen mit der Elementwand im drückenden Wasser. beton 52
(2002) H. 1, Verlag Bau+Technik, Düsseldorf
Bodenfeuchtigkeit und nicht stauendes Sickerwasser. Findet bei [9] Beddoe, R.; Springenschmid, R.: Feuchtetransport durch Bauteile, Beton-
den Expositionsklassen eine Einstufung in XA (chemischer An- und Stahlbetonbau 94 (1999) H. 4, Verlag Ernst & Sohn, Berlin
griff) oder XS (Meerwasser) statt oder ist aus statischen Grün- [10] Hohmann, R.: Fugenabdichtungen bei wasserundurchlässigen Bauwerken
aus Beton. Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart 2009
den eine Betonfestigkeitsklasse > C25/30 erforderlich, muss in
[11] Hohmann, R.; Tetz, C.; Dahmen, H.-P.: Innenwannen aus Beton als nachträg-
jedem Fall nach ÜK 2 überwacht werden. liche Abdichtung, Beton- und Stahlbetonbau 103 (2008) H. 3, Verlag Ernst
& Sohn, Berlin
[12] Kampen, R.: Dichtigkeit von wasserundurchlässigen Bauwerken aus Beton,
Die Prüfung der Wassereindringtiefe wird weder in [1] noch in [3] Beton+Fertigteiljahrbuch, Bauverlag, Gütersloh 2007
gefordert. Falls eine solche Prüfung dennoch gewünscht wird, [13] Lohmeyer, G.; Ebeling, K.: Weiße Wannen – einfach und sicher. Verlag
müssen Prüfverfahren, -häufigkeiten und Konformitätskriterien Bau+Technik, Düsseldorf 2009
[14] Oswald, R.; Wilmes, K.; Kottje, J.: Weiße Wannen hochwertig genutzt, Bau-
zwischen den Vertragspartnern vereinbart bzw. als besonde-
forschung für die Praxis 80, Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart 2007
re Leistung ausgeschrieben werden. Der Prüfablauf der Was- [15] Richter, T.: Bauphysikalische Bewertung von Weißen Wannen im Wohnungs-
sereindringtiefe ist in DIN EN 12390-8 geregelt. Konformitätskri- bau, beton (58) 2008, H. 4, Verlag Bau+Technik, Düsseldorf
terien zur Beurteilung der Ergebnisse sind dort nicht enthalten, [16] Springenschmid, R.: Zum Einfluß der Temperatur während der Nachbehand-
lung auf Risse in Bodenplatten und Weißen Wannen. Beton- und Stahlbe-
sondern müssen festgelegt werden (z. B. maximal 5 cm Was- tonbau 98 (2003) H. 11
sereindringtiefe als Mittelwert aus 3 Probekörpern je vorgege- [17] Timm, G.: Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton – von der Planung
bis zur Ausführung, Beton- und Stahlbetonbau 99 (2004) H. 7, Verlag Ernst
benem Bauabschnitt).
& Sohn, Berlin
[18] Zement-Merkblatt B 22: Arbeitsfugen – Fugenabdichtungen, Bundesverband
der Deutschen Zementindustrie e. V., Düsseldorf 2002

Beratung und Information zu allen Fragen der Betonanwendung

Herausgeber
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Verfasser
Dipl.-Ing. Thomas Bose, Dipl.-Ing. Rolf Kampen, InformationsZentrum Beton

Unsere Beratung erfolgt unentgeltlich. Auskünfte, Ratschläge und Hinweise geben wir nach bestem Wissen. Wir haften hierfür – auch für eine
pflichtwidrige Unterlassung – nur bei grobem Verschulden, es sei denn, eine Beratung wird im Einzelfall vom Empfänger unter Hinweis auf
besondere Bedeutung schriftlich erbeten und erteilt. Nr. H 10   3.12/1.5