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HAI & R I P P C H E N

D A S
H AN F
HAND
BUCH
DER GRÜNE ZWEIG 173
HAI & RIPPCHEN
DAS HANF-HANDBUCH
DER GRÜNE ZWEIG 173

ES HANDELT SICH UM EINEN NACHFOLGE-


BAND VON HAINER HAIS WERK AUS DEM JAHR
1982, DEM DEFINITIVEN DEUTSCHEN HANF-
HANDBUCH. RONALD RIPPCHEN HAT ES UM
50 % GEKÜRZT UND 140 NEUE SEITEN HINZU-
GESTEUERT, UM ES AUF DEN STAND DER 90ER
JAHRE ZU BRINGEN.

MITARBEITER:
SIND IN DEN DANKSAGUNGEN DES HERAUSGE-
BERS GENANNT,

GESTALTUNG:
RONALD RIPPCHEN UND DIE ARBEITSGRUPPE
ZUR ERHALTUNG BEDROHTER ARTEN (AZEBA)

ILLUSTRATIONEN:
ADAM APFEL, LAURENCE CHERNIAK, DADA
(DROGENARCHIV DER ANBAUER)

SATZ: PETRA PETZOLD U.V.A.

DRUCK: FULDAER VERLAGSANSTALT

GEDRUCKT AUF HANFPAPIER DER FIRMA


SCHNEIDERSÖHNE, KELKHEIM

VERLEGT ALS A JOINT VENTURE VON

• WERNER PIEPER'S MEDIENEXPERIMENTEN


ALTE SCHMIEDE
D-69488 LÖHRBACH
FAX 062 01/2 25 85

UND

• NACHTSCHATTEN VERLAG
RITTERQUAI 2-4
CH-4502 SOLOTHURN

ISBN 3-925817-73-5

MEHR STOFF AUF SEITE 187 FF.


BUMBUM

Alle über 250 Quellenangaben aus diesem


Buch gibt es gegen 1 DM Rückporto ko-
stenlos beim Verlag. Der Abdruck hätte den
Umfang dieses Buches gesprengt.
wamesc, Dawamesck, Kawamesc, Diamo-
JEDER TAG EIN schum, Diamusch, Diamesch, Diamesk, Dy-
NAMENSTAG asmouck, Esrar, Extract of Hemp, The Eme-
rald Cup of Haider, Garawisch, Hachich-Kaf-
our, Hachich, Hafiou, Hafioun, Hashish Oil,
„Hast du mal einen Marijuana Joint?" fragte
Cooked Hashish, Maju, Majum, Tadhai, Ma-
Vivida, als wir es uns an Deck in einem Lie- joon, Madjoon, Majoorn, Madjun, Madjoun,
gestuhl in der brennenden Sonne bequem Magioun, Majoan, Mapuchari, Mapouchari,
gemacht hatten. „Marijuana? Was ist das Mapouchair, Maslac, Masha, Ma'agoun,
denn?" Manzoul, Manjoun, Haloua, Masmoch,
„Weißt du", sagte Vivida, „Marijuana...; Malak, Maraguango, Juanita, Dona Juanita.
Gras, Dope, Brösel, Knaster, Grüne Kraft,
Maria Johanna, Rosa Maria, Nabutal Qunn-
Psychovitamine, Kunubu, Kunnapu, Canna- ab, Subji, Patti, Ganje-kuper, Gur, Siddhi,
bis, Kannabis, Konnab, Kinab, Kon-nab, Sabzi, Philganja, Savia, Sukhu, Sidhi, Sabza,
Kannab, Kanub, Kinnab, Quinnab, Konneb, Thandai, Sabzi, Subzee, Darakte-bang, Dar-
Quonnab, Quinnaq, Qinnab, Kenneb, Alcan-
akhte-kinnab, Drakte-Bang, Nabatul-Qunn-
que, Kinnabis, Kinnub, Kanop, Kanaq,
ab, Muggles, Mooter, Reffers, Greefa, Grif-
Ranob, Canapa, Kanep, Canep, Konopj, Ko- fo, Mary Warner, MaryWeaver, Mary Jane,
nople, Konopli, Konoptia, Canapa, Cannap- Indian Hay, Loco Weed, Love Weed, Joy-
pa, Canamo. Canhamo, Canamazo, Kanas, Smoke, Giggle-Smoke, Bambalacha, Mo-
Kas, Hon-neb, Hen-nab, Hennip, Nennup, hasky, Mu, Moocah, The Weed, Grass, Tea,
Hampa, Hamp, Kamp, Kemp, Hemp, Hanf, Ea-Tay, Eed-Way, Eed-Waggles."
Cannabis Indica, Cannabis Sativa, Kandir, „Nein", sagte ich.
Bhanga, Bangue, Banga, Bhang, Bang, „Dann müssen wir halt ohne auskommen",
Beng, Benhin, Benj, Bendj, Ganja, Ganjica, erwiderte sie.
Gangika, Ganga, Ginji. Ginjeh, Guinnjeh, (aus: „Nenn mich Adam" von Tuli Kupfer-
Gindsche, Gunjab, Guaza, Haschischa, Has- berg)
heesh, Hashish, Haschisch, Hachache,
Hachaichi, Hadschi, Azallu, Subjee, Shesh,
Assis, Axis, Assyuni, Asarath, Nasha,
Anascha, Asa, Dakka, Dakha, Dacha, Dak-
kan, Dagga, Djamba, Diamba, Jamba, Riam-
ba, Damba, Kanedir, Kanabira. Kendir, Ken-
der, Kennevir, Kenevir, Kentyr, Butt, Cada-
neh, Cansjava, Chanvre, Chenevis, Chutsao,
Chu-Tsao, Chu-Tso, Hursuni, Indrasans, Jia,
Intsangu, Kaff, Kif, Kief, Kinif. Kerp, Khara-
neq, Sharaneq, Shanareq, Sjarank, Sheera,
Ma, Ma-yo, Ta-ma, Si-ma, Tse-ma, Maguen,
El Mogen, Malach, Mosjusck, Maconha,
Marihuana, Mariguana, Marajuana, Matak-
wane, Mnoana, Mutokwana, Opishnu,
Penek, Pienka, Penka, Rongoyne, Sejav,
Ahets-Mangha, Fasukh, Vijaya, Teriaki, Te-
krowia, Takrousi, Takut, Takruri, Takrouri,
Tekrouri, Berch, Bernavi, Bernouay, Bers,
Bosa, Charas, Chiras, Churus, Churrus,
Chira, Marihuana Pura, Gard, Rup, Taghalim,
Ganja, Gabza, Momea, Shahjehani, Mashak,
Bhara, Dust, Chastry, Chatzraki, Chinty, Da-
INHALTSVERZEICHNIS

8 ... Vorwort des Verlegers

DER HANF ALS SOLCHER


19 ... Mathias Bröckers: Hanfdampf und seine Kriegsgewinnler
35 ... Jonathan Ott: Tetrahydrocannabinole und die Gattung Cannabis
39 ... Dale Gieringer (NORML): Hanf Mythen und ihre Enttarnung
48 ... Hanf & seine faserigen Eigenschaften
51 ... Faserhanfanbau, international
55... Hanfperspektiven

BOTANIK UND BIOGENESE


60 ... Die natürliche Entwicklung
69 ... Cannabinoide in der Pflanze

CHEMIE
76 ... Was hat Hanf, das Eichenlaub nicht hat?

ANBAU
89... Freiland
93 ... Samenwahl, Züchterqual
101 ... Kunstlichtanbau
117... Die Blüte
122 ... Die Ernte

DIE PRODUKTION __
135... Zur Welterzeugung von Haschisch
139 ... High in den Niederlanden?
142 ... Traditionelle Harzgewinnung in verschiedenen Kulturen
147 ... Holland, Teil 2 (René Gorig)
151 ... Traditionelle Haschisch-Herstellung

DIE EINNAHME
165... Rauchen
169... Konsumformen
170 ... Die Wasserpfeife
174... Hanfesser
DIE WIRKUNG
180 ... Dia Hefe des Denkens - Cannabisrezeptoren im Gehirn entdeckt
182 ... (Selbst-)Erfahrungen: Goethe & Schiller, Hartwich, Gelpke, Nina Graboi
188 ... Wirkung auf die Psyche, Wahrnehmungen, intellektuelle Funktionen,
Kreativität, Sozialverhalten, ...
203 ... Langzeitwirkung (psychosozial)
208 ... Zur Wirkung auf den Körper

MEDIZIN & HEILMITTEL


213 ... Hanf als Heilmittel
214 ... Christian Ratsch: Die moderne Selbstmedikation
215 ... Christian Ratsch: THC in der Schulmedikation
218 ... Cannabis-Behandlung von Aids-Kranken
220... Immo Jalass: Psychovitamine
222 ... Noch ein Rezeptor: CX5
223 ... Wie gesundheitsschädlich ist es, Haschisch zu rauchen?

MUSIK
226 ... Von La Cucaracha bis Hits from the Bong!
231... Cheb Kif-Kif: Die Haschischlyrik der Rembetes

DIE DEBATTE
238 ... Halt die Presse? Wie die Herren Neskovic, Herer und Bröckers
die neue Hanf-Debatte entfachten
242 ... Gotteslästerung? Zur Geschichte des Hanfverbotes
251 ... Zahlenspiele in der Folge des Verbotes
254 ... Stationen auf dem Weg zur Normalisierung einer natürlichen Beziehung
257 ... Immer verboten - selten strafbar. Zum Haschisch-Urteil 1994
260 ... Das Smoke-ln im Darmstädter Hanfkessel

HANF IM STRASSENVERKEHR
262 ... Bernd Müllender: Voll Stoff über die Autobahn, ein Testbericht
264 ... Dieses Urteil signalisiert ein Umdenken, Neskovic-lnterview
266 ... Haar- und Urinproben, neue Abgründe tun sich auf
270 ... Haschischtests - wie funktionieren sie?

OH FUTURE!
274 ... Urs Kroethner: Verschiedene Legalisierungsmodelle
280 ... Zur freaklichen Ausbeutung der 3. Welt
282 ... Erste Ergebnisse der großen Kifferumfrage Hanf & Fuß
285 ... Mathias Bröckers: Wolfgang Neuss - der Vorraucher der Nation
zum Thema Cannabis potentiell als eine
VORWORT 'Drogenverherrlichung' oder 'Aufforderung
zu strafbaren Handlungen' interpretiert wer-
den. Damit müssen wir leben, auch wenn
Weed will das nun wirklich nicht unsere Absicht ist.
Weed will Auf Grund des Erlebens mehrerer Gerichts-
Rock you! verhandlungen wegen Büchern über psy-
Grafitti choaktive Substanzen ist mir klar, daß man-
che behördliche Stellen und Gerichte solche
Dieses Buch ist wie ein Hanfsame zu be- Bemerkungen als Schutzbehauptungen ab-
handeln: tun und dem Verleger u.U. noch negativ
Der Besitz ist legal, die praktische Nutzung ankreiden. Die Wahrheit hat es nicht immer
nicht. Weder darf man einen Hanfsamen ins leicht.
Erdreich fallen lassen, noch das in diesem
Buch enthaltene Wissen in die Praxis um- ZUR GESCHICHTE DIESES BUCHES
setzen. So sind ein Großteil der in diesem
Buch enthaltenen Informationen nur in we- Dieses Buch hat eine Vorgeschichte. Als Er-
nigen Ländern der Erde legal umsetzbar. folgsautor Hainer Hai ca 1980 mit der Idee
Damit dieses Wissen nicht verloren geht kam, ein Hanfbuch zu machen, da die da-
und im Fall der, von uns bald erwarteten, mals existierenden meist schlechte Über-
Entkriminalisierung abrufbar ist, wurde die- setzungen von oft noch schlechteren ameri-
ses Buch erstellt. kanischen Büchern waren, stellte ich die
Wer uns, den Autoren und dem Verlag, das Bedingung, daß es so gut sein müsse, daß
Verbreiten dieser Informationen als Auffor- es 10 Jahre zu Recht den Untertitel definitiv
derung zu strafbaren Handlungen unterju- tragen dürfe. Im Unterschied zu den ameri-
beln will, sollte bedenken, daß Krimileser kanischen Schluderwerken nannten wir es
nicht automatisch zu Mördern und Verbre- Das Definitive Deutsche Hanf Handbuch.
chern werden und das Lesen der Bibel allein Gesagt. Getan. Versprochen. Gehalten.
keine Erleuchtung verspricht. Dies Buch ist
keine Einstiegsdroge. Kurz nach Erscheinen wurde das Buch dann
indiziert, oder, wie man in der DDR zu sagen
Im Welt-Drogen-Bericht 1993, herausgege- pflegte, zur Bückware. Nur noch unterm La-
ben vom Observatoire géopolitique des dro- dentisch erhältlich. Die Geschichte der Indi-
gues.OGD, (dtv sachbuch 30401), geht man zierung dieses Buches ist in dem Buch von
in Deutschland von vier bis sieben Millionen Ronald Rippchen, RECHT AUF RAUSCH,
Cannabisverbrauchern aus. Diesen korrekte Der Grüne Zweig 147. dokumentiert worden.
und glaubwürdige Informationen über ihr Pünktlich nach zehn Jahren begann plötzlich
kriminelles Tun zu vermitteln, das ist die eine große Hanfdebatte im Lande, der diese
Hauptaufgabe dieses Buches. Angesichts grundlegend überarbeitete Neufassung des
dieser Zahlen darf es nicht verwundern, Buches Rechnung tragen will. Sie begann
wenn die Autoren dieses Buches eine Ent- mit dem Gerichtsbeschluß von Richter
kriminalisierung, einige gar eine Legalisie- Neskovic 1992 und setzte sich 1993 mit
rung von Cannabis als Genußmittel fordern. dem Erscheinen des bahnbrechenden Bu-
Denn vier bis sieben Millionen Kiffer, das ches HANF von Jack Herer und Mathias
bedeutet, daß über 10% der erwachsenen Bröckers fort. Angesichts des starken Inter-
Bevölkerung regelmäßig bewußt gegen ein esses am Hanf war mir als Verleger klar,
Gesetz verstoßen, ohne Dritten dadurch zu daß unser Hanfbuch einer dringenden Über-
schaden. So ein Gesetz erscheint uns, wie arbeitung bedurfte. Hainer Hai, inzwischen
auch vielen Richtern, nicht mehr zeitgemäß. unter anderem Namen ein Erfolgsautor in
Trotzdem kann jede offensive Bemerkung einem großen Verlag, zeigte kein Interesse
an einer Überarbeitung. So verpflichtete ich weise von Marijuana geben: als Teil der
den ehemaligen Drogenkolumnisten der Strategie des in den 30er Jahren entfach-
taz, Ronald Rippchen, für diesen Job. Was ten Krieges dem Rauschgift, wurde das
er mir bald darauf an neuen Hanfinfos bei- Kraut in der amerikanischen Hetzpresse
brachte justifizierte seine Verpflichtung: von plötzlich Marihuana ausgeschrieben. Das
den Coffeeshops in Holland und den dazu hat sich weitgehend so eingebürgert, aber
gehörigen Mythen, vom Einsatz von Hanf wir versuchen, wo es nur geht, die tradi-
bei AIDS und anderswo in der Medizin, von tionelle mexikanische Schreibweise zu
der großen Rechtsdebatte, von holländi- gebrauchen, ohne bei Zitaten etc. diese
schen Neuzüchtungen, von der neu erstark- Schreibweise durchzupauken). Über die
ten Bauernbewegung, die wieder Hanf an- Wirkung des psychoaktiven Wirkstoffes im
bauen will, vor allem in der Ex-DDR und Hanf, das Tetrahydrocanabinol, ist viel ge-
schließlich von den Urin- und Haarkontrollen forscht worden. Laut Welt am Sonntag vom
potentiell kiffender Autofahrer... all das fand 14.11.1993 wirkt es bei einem Rausch wie
ich so spannend, daß wir beschlossen, das folgt auf das zentrale Nervensystem:
Buch von Hai völlig umzukrempeln. Raus "Euphorie und Entspannung, ein verbesser-
flogen die Kapitel über Schmuggel und tes Kurzzeitgedächtnis und eine gesteigerte
Recht (veraltet) sowie über Feinheiten wie Wahrnehmungsfähigkeit gehören zu den
die Haschölherstellung. Alle indizierten Ab- vom Konsumenten erwünschten Effekten."
schnitte und Sätze wurden, so sie nicht Man soll nicht alles in der WamS zu ernst
gänzlich rausflogen, in diesem Buch einge- nehmen, denn diese Meldung scheint von
schwärzt. Die Hanfpflanze ist zu wichtig, als einem bekifften Reporter verfaßt zu sein,
daß man wegen ein paar postpubertären der schnell mal vergessen hat, daß in der
Formulierungen eine Indizierung provozie- Tat ein flatterndes Kurzzeitgedächtnis zu
ren sollte. Herausgekommen ist ein wirklich den wenigen, von einigen Konsumenten ge-
neues Buch. nannten Nachteilen des Cannabisgenusses
gehört. Ein Exempel für die unterschiedli-
[n dieser Neuauflage ist viel von Hanf als chen Realitäten von Theorie und Praxis. Wir
Nutz- und Faserpflanze die Rede: von Hanf kennen das Beispiel, in dem ein Theoretiker
als Heilmittel, als Grundstoff für Textilien Sex so beschreibt, daß er eigentlich verbo-
und Papier. Vor allem geht es aber darum, ten gehört: Es kommt zu Schweißausbrü-
den illegalen Genießer über sein Tun aufzu- chen, unkontrollierten, ja, spastisch anmu-
klären. Dabei kann es ab und an zu inhaltli- tenden Bewegungen, Schmerzensschreien,
chen Wiederholungen kommen, da wir eini- rasendem Puls, der Kreislauf spielt verrückt,
ge Originalbeiträge ungekürzt übernommen Menschen verlieren gänzlich die Kontrolle
haben. Aber doppeltgemopppelt schadet über ihren Körper.... So wird es jeder
nicht. schwer haben glaubwürdig über Haschisch
zu reden, der es nie selber ausprobiert hat.
ZUR WIRKUNG VON THC
Treffender erscheint mir da schon die Defi-
Zu beachten sei, daß manchmal von Mari- nition der Haschischwirkung von Hellmuth
juana und manchmal von Haschisch die Kotschenreuther: "Das logisch-deduktive
Rede ist. Beides wird zwar aus der Hanf- und kategoriale Denken wird durch das in-
pflanze gewonnen, aber die Wirkung ist tuitiv-assoziative ersetzt. Indem das THC
durchaus unterschiedlich. Man kann ja auch das kausale Denken zugunsten des intuiti-
die Erzeugnisse eines Konditors nicht mit ven schwächt, setzt es die Phantasie frei;
denen eines Bäckers gleichstellen. Marijua- und indem es Psyche und Geist von der Fi-
na ist das Brot, Haschisch der Kuchen. xierung an den Alltag und seine Probleme
(Dabei möchte ich gleich eine Erklärung für löst, erleichtert es die Konzentration auf das
die durchgehend unterschiedliche Schreib- Wesentliche."
Die psychoaktiv wirksame Dosis THC liegt Rauschmittel um anschließend allesamt ge-
bei 4-8 mg. THC ist kein gefährlicher Stoff, opfert und aufgeschnitten zu werden. Die
seine Toxizität liegt bei Ratten bei 600 mg/ gewonnenen Daten zeigen, daß es keinerlei
kg, also etwa 6000-fach höher als die beim Hinweise auf Langzeitschäden gibt. Alles
Menschen wirksame Dosis. So ist auch gut, aber Affen tot.
noch kein einziger Todesfall durch eine
Hanfüberdosierung bekannt. Todesfälle CANNABIS-KONSUM UND
durch Hanf gab es allenfalls auf dem Scha- PSYCHOSOZIALE ENTWICKLUNG
fott durch einen Strick aus Hanf. Laut dem VON JUGENDLICHEN
Gerichtsbeschluß von Richter Neskovic gel-
ten Hanfprodukte "nach dem neuesten wis- Nur etwa zwei bis drei Prozent aller erwach-
senschaftlichen Forschungsstand als die senen Deutschen leben wirklich drogenab-
harmlosesten bekannten Rauschmittel." stinent. Das heißt: Fast jeder Bürger stimu-
Das THC bewirkt in der wirksamen Dosis liert sich mit Kaffee, Alkohol, Pharmazeu-
von 4-8 mg (das entspricht etwa einem tika, Tabak oder illegalen Substanzen. Sehr
Joint mit 0,5 g Haschisch oder 1 g Marijua- aufschlußreich hierzu ist ein Beitrag aus der
na) einen "etwa drei Stunden dauernden WamS vom 14.11.1993, den ich hier etwas
Rauschzustand, der durch ein Gefühl von ausführlicher zitieren möchte: "Mehr als
Losgelöstheit charakterisiert ist, das eine 16% aller Deutschen zwischen 12 und 39
meditative Versenkung oder eine Hingabe Jahren konsumieren zumindest einmal in
an sensorische Stimuli erlaubt. Der Zustand ihrem Leben eine illegale Droge, ergab eine
ist im allgemeinen frei von optischen und Erhebung des Bundesgesundheitsministeri-
akustischen Halluzinationen, die beim vier- ums. Zwei von den drei Konsumenten ma-
bis fünffachen dieser Dosis auftreten kön- chen dabei ausschließlich Erfahrungen mrt
nen. Subjektiv gesteigert wird die Gefühls- Haschisch und Marihuana; die überwiegen-
intensität beim Hören von Musik, beim Be- de Mehrheit kommt zwischen dem 15. und
trachten von Bildern, bei Essen und Trinken 19. Lebensjahr in Berührung mit Canna-
und bei sexueller Aktivität" (Binder, 1981). bis..."'
Als grundsatzlich "normales alters- und ent-
Da der Wirkstoff THC nicht wasser- sondern wicklungsgemäßes Experimentierverhal-
nur fettlöslich ist, kann man Haschisch nicht ten" betrachtet Psychologie-Professor Die-
fixen. So ist eine tödliche Überdosierung ter Kleiber von der Freien Universität Berlin
schlichtweg unmöglich, da streiken vorher den Haschischkonsum unter Jugendlichen.
Galle oder Lunge. Da es den Körper nicht so Es handele sich um eine "Variante exzessi-
schnell wie andere Drogen verläßt, kann der ver Aktivitäten" wie beispielsweise eine
Konsument keine physischen Sucht-Sym- Mutprobe bestehen, Nächte durchmachen,
ptome entwickeln. laute Musik hören oder Rockkonzerte besu-
chen. "Der Jugendliche will seine Grenzen
Immer wieder werden Forschungen ange- kennenlernen und erweitern."....
strengt, in denen man nach überzeugenden Kleiber verwies auf eine Studie der beiden
Nachteilen des Cannabiskonsums sucht. So amerikanischen Psychologen Jonathan
wurde gerade wieder eine Untersuchung Shedler und Jack Block von der Universität
aus den USA bekannt, bei der vom US Go- Kalifornien, Berkeley, die die Wechselwir-
vernment's National Center for Toxicological kungen zwischen Cannabiskonsum und
Research (NCTR) im Laufe mehrerer Jahre psychosozialer Entwicklung bei 18jährigen
Abermillionen von Dollar ausgegeben wur- Jungen und Mädchen untersuchten. Ergeb-
den, um Langzeitschäden von Marijuana an nis: Die Gruppe der Jugendlichen, die Can-
Affen zu belegen. Den Affen wurde ein Jahr nabis ausprobiert und unregelmäßig ge-
lang reichlich Cannabis zugeführt. Dann leb- nommen hatte, erwies sich als besonders
ten sie weitere sieben Monate ohne aktiv, sozial integriert und emotional stabil.
Jene Jugendlichen dagegen, die absolut ab- ger Lutz Kroth im Merkheft Anfang 1994
stinent geblieben waren, zeigten ebenso schreibt: "In Brandenburg werden 1994 ein-
wie die Gruppe der 'frequent users', die re- hundert Hektar Land mit Hanf bebaut. So
gelmäßigen Konsum entwickelt hatten, oder so, das ist ziemlich sicher. Mit Unter-
größere Hemmungen und soziale Anpas- stützung der Treuhand soll der Hanf in eine
sungsprobleme." Zellstofffabrik am Ortsrand von Ortrand. Die
Fabrik hat bereits eine Abnahmegarantie
Ein genaueres Bild der Cannabiskonsumen- von Schneidersöhne, Deutschlands größ-
ten und ihrer Kultur zeichnet die Kifferum- tem Papiergroßhändler. (Auch dieses Buch
frage Unser gutes Kraut von der Schweizer ist auf Hanfpapier von Schneidersöhne ge-
Arbeitsgruppe Hanf und Fuß, die kürzlich in druckt, Anm. d. Hrsg.) Schneidersöhne wird
der Reihe RauschKunde des Nachtschatten 1994 eine ganze Palette an Hanfpapieren
Verlages und der MedienXperimente als anbieten, vom Schreibpapier bis zum fein-
Buch erschienen ist. Es handelt sich um die sten Kunstdruckpapier.
Auswertung einer Umfrage, bei der gut 800 Sogar ein Förderverband für Hanfprodukte
Menschen aus der Schweiz und Deutsch- wird gerade gegründet, der Hanfverein, der
land über 50 Fragen zu ihrem Konsum im sich um Anbau, Veredelung und Vermark-
weiteren Sinne, mit vielfachen Beantwor- tung von Hanfprodukten kümmern wird.
tungsoptionen ausgefüllt haben. Einige Sei- Gründungsmitglieder sind u. a. Hanfbauern
ten daraus werden in dem vorliegenden aus Brandenburg und die Humboldt-Univer-
Buch dokumentiert. sität...."
Der potentielle Bedarf an Faserhanf könnte
AUFSCHWUNG OST DURCH HANF weite Teile Brandenburgs und anderer Re-
gionen kräftig begrünen. Neue Produkte.
Man sollte es in Sachbüchern vermeiden, Neue Beschäftigungen. Neue Visionen. Und
auf tagespolitische Themen einzugehen, wie das dann erst losgeht, wenn auch Hanf
das liest sich nach fünf oder zehn Jahren be- als Heilmittel angepflanzt wird, oder gar
stenfalls mit einem Schmunzeln im Gesicht. auch als Genußmittel. Das würde den dann
Aber da ich davon ausgehe, daß der not- amtierendem Finanzminister einen warmen
wendige materielle Aufschwung Ost keine Regen an Steuern und Sonderabgaben ein-
Anlegenheit von Jahren, sondern von Gene- bringen. Klingt doch logisch, oder?
rationen sein wird, biete ich hier als Lang-
zeithilfe selbigen Aufschwung durch Hanf Auf einen Bericht des Magazins Focus über
an. Kein Scherz. die Nutzpflanze Hanf und die Schwierigkei-
ten, die den Brandenburger Bauern von
Faseln Politiker auch noch von einer 'kultur- deutsch-behördlicher Seite in den Weg
fremden Pflanze' (oder mindestens 'kultur- geräumt werden, erschien ebendort ein
fremden Droge'), wenn es um Hanf geht, so Leserbrief von Achmed Khammas: "Wieso
sieht das die Wissenschaft in einem ganz mischen sich BundesOpiumstelle und Skan-
anderen Licht. "Der älteste bisher bekannte dal-BGA (Bundes-Gesundheits-Amt) in et-
archäologische Hanffund (von Eisenberg/ was ein, daß sie nicht das geringste an-
Thüringen) stammt noch aus vorgermani- geht? Ich könnte mich schließlich auch mit
scher Zeit. Aber schon für die frühe germa- dem exzessiven Verzehr ungekochter
nische Zeit gibt es archäologische Belege. Nachtschattengewächse vergiften, ohne
In der Asche einer Graburne aus Wilmers- daß sich diese Stellen dazu aufgerufen
dorf in Brandenburg wurden die Samen von fühlen würden, die Kartoffeln zu verbieten.
Cannabis sativa entdeckt. Der Fund wird auf Die genannten Stellen versuchen mit Am-
das 5. Jh. v. Chr. datiert." So Dr.Christian menmärchen über Suchtgefährdung den
Rätsch in seinem Buch Hanf als Heilmittel. Anbau des hochwertigen Industrierohstoffs
Kann man da von Zufall reden, wenn Verle- Hanf zu verhindern."
POT POLITIK haben. Ein behanfter Mensch gerät in intui-
tiven Kontakt mit weniger zielgerichteten
Gehen wir meistens davon aus, daß die be- und nicht auf Wettstreit ausgerichteten Ver-
stehenden Drogengesetze, auf Grund der haltensmustern. Aus diesem Grund paßt
fehlenden Selbsterfahrung, bzw. der Igno- Marijuana schlecht in die moderne Büro-
ranz der Politiker, wenn es um wissen- welt. Hier ist statt dessen Kaffee als Auf-
schaftliche Forschungsergebnisse geht, Be- putschmittel willkommen und akzeptiert,
stand haben, so vermutet Terence McKen- denn diese Droge unterstützt die Werte der
na eine unbewußte Strategie dahinter: industriellen Kultur. Der Cannabisgenuß
"In unserer Kultur wird privater Drogenge- wird zu Recht als ketzerisch und als tief un-
brauch als etwas Zweifelhaftes angesehen. loyal gegenüber den Werten der männli-
Individueller Drogengenuß allem wird als chen Dominanz empfunden. So gesehen ist
etwas Krankhaftes verdammt. Das archai- die Legalisierung von Hanf eine sehr kom-
sche Modell des Gebrauchs psychoaktiver plexe Angelegenheit, denn sie schließt legi-
Pflanzen, inklusive Cannabis, widerspricht time soziale Faktoren mit ein, die zu einer
den heute allgemeinen Ansichten. Der ar- Verbesserung des Status Quo oder gar zur
chaische Schamane benutzt das Ritual, die Modifizierung ego-dominierender Werte
Isolation und Reizentzug als Techniken, eine führt.
Reise in die Welt der Geister und Vorfahren Eine Legalisierung und Besteuerung von
zu unternehmen. Es gibt keine Zweifel, daß Cannabis würde uns eine gesunde Basis zur
Cannabis heute als Handelsware abgetan Beseitigung der Staatsschulden schaffen.
und durch die Bezeichnung 'sanfte Droge' Statt dessen verschwenden wir Hunderte
abgewertet wird. Genausowenig Zweifel Millionen von Dollar für eine Cannabis-Aus-
sind angesagt, daß Cannabis, wenn es ab rottung. Die derzeitige Drogenpolitik sät
und an im rituellen Kontext und in der Ab- Mißtrauen und degradiert Millionen von
sicht und Erwartung einer Transformation Menschen zu Kriminellen. Menschen, die
des Bewußtseins genommen wird, in sei- sich ansonsten treu an die Gesetze halten.
ner Wirkung fast das volle Spektrum psy- Die allgemein gesellschaftliche Verachtung
chedelischer Erfahrungen auslösen kann, für den Cannabis-Gebraucher verschleiert
die sonst nur den Halluzinogenen zuge- nur die Verachtung für Werte des Gemein-
schrieben werden. wohls und des Femininen. Wie sonst wäre
Von all den allgemein verbreiteten pflanz- die endlose Kampagne der Medien zu er-
lichen Rauschmitteln steht Cannabis nur klären, die den psychedelischen Drogenge-
den Pilzen in seinem Wert für die Promotion brauch und die sozialen Experimente des
sozialer Werte und gefühlsbetonter Verhalt- Undergrounds der '60er Jahre in Abrede
nisse nach, die die Grundlage partnerschaft- stellen? Wenn man die Ereignisse im Licht
licher Gesellschaften waren. Wie läßt sich der Idee analysiert, daß das Establishment
sonst die unerbittliche Verfolgung von Can- mit einem Ausbruch geschlechtsunspezifi-
nabis angesichts der überwältigenden Be- scher Partnerschaften konfrontiert war,
weise, daß es von allen bekannten Rausch- kann man die Angst verstehen, die jene Blu-
mitteln das zuträglichste ist, erklären? Seine menkinder im Establishment hervorriefen.
sozialen Konsequenzen sind, verglichen mit Die Selbstüberschätzung verschwand und
denen des Alkohols, unbedeutend. Für die das war mehr als schmerzhaft für die domi-
Dominator-Kultur ist Cannabis jedoch ein nanten Egotripper.
Greuel, denn es dekonditioniert den User Keine andere Substanz kann es mit der Wir-
von allgemeingültigen gesellschaftlichen kung von Cannabis aufnehmen, wenn es
Werten. Cannabis kann auf Grund seiner um die Befriedigung der angeborenen
sublimen psychedelischen Wirkung, in der Sehnsucht geht, archaische Grenzen zu
Tat bei regelmäßigem Gebrauch Auswirkun- überschreiten und die Strukturen der nor-
gen grundsätzlicher Art auf den Lebensstil malen Gesellschaft trotzdem beizubehalten.
Wenn jeder Alkoholiker ein Kiffer wäre, In diesem Buch werden auch Entkriminali-
jeder Crack-user, jeder Raucher nur Marijua- sierungs- und Legalisierungstrategien doku-
na rauchte, würden die sozialen Konsequen- mentiert, ohne daß es zu einer konkreten
zen des Drogenproblems transformiert. Forderung kommt. Diese Entscheidung soll-
Doch als Gesellschaft sind wir noch nicht in te jeder für sich fallen. So schaudert es mich
der Lage, Möglichkeiten wie selbst-gerna- bei dem Gedanken einer Legalisierung, die
nagte Süchte und die Möglichkeiten der in- so unvorbereitet wie die Aufsaugung der
telligenten Wahl von Pflanzen, die wir zu un- DDR durch die BRD über uns hereinbrechen
seren persönlichen Verbündeten machen könnte. Es gilt die richtigen Schritte nach-
wollen, legal zu nutzen. Mit der Zeit, even- einander zu machen. Viele Schritte. Auf vie-
tuell auf Grund der wachsenden Verzweif- len unterschiedlichen Wegen. Da sind viele
lung, wird das schon kommen." Terence gefordert: vom Faserbauern in Branden-
McKenna, The Food of the Gods, Bantam, burg, über Papierhersteller, Vertriebe von
1992. legalen Hanfprodukten, der Paraphernalia-
handel bis hin zu den Smoke-lnitiativen und
DIE CANNABIS CONSPIRATION Kiffern und Parteien und Medien. Denn
eines ist klar: Hänflinge trifft man überall.
Vielen Kiffern, vor allem jenen, die nie
Schwierigkeiten mit der Polizei hatten, fehlt Eine erste konkrete Forderung auf Grund
jegliches Unrechtsbewußtsein bei ihrem der in diesem Buch dokumentierten Fakten,
illegalen Tun. Sie halten es schlichtweg für ist die Freigabe von Cannabis als Medizin
legitim, selbstverantwortlich zu entschei- für von bestimmten Krankheiten geplagte
den, was sie ihrem Kopf und Körper antun. Menschen. Dazu gehören Aids-Kranke
Das unterscheidet sie vor allem von ande- ebenso wie Multi-Sklerose-Fälle, Quer-
ren Kriminellen. Auf die Gefahr hin, daß ein schnittgelähmte und andere.
oberschlauer Beamter im BKA darauf her- Ein nächster Schritt könnte eine Straffrei-
einfällt, wage ich hier von einer kriminellen heit für eine einem Monatskonsum gleich-
Vereinigung oder Verschwörung zu reden. kommende Menge für den Verbraucher
Die wahre Conspiration, denn conspirare sein. Und die Verbraucherin. Und der straf-
kommt aus dem Lateinischen und bedeutet freie Selbstanbau einer Jahresdosis für die
'zusammen atmen'. Die meisten Joints Familie (natürlich mit erwachsenen Kin-
werden von mehreren Menschen gemein- dern).
sam geraucht. Das blaue Band des Rauches Danach sollte man sich Gedanken über eine
verbindet sie, wie wir es schon von den komplette Entkrirninalisierung, auch der
Friedenspfeifen anderer Kulturen kennen. Kleindealer machen, und eine Verkaufsbe-
Ätherische Blutsbrüderschaft. schränkung wie bei Alkohol z. B. festlegen.
In der Tat verbindet ein gemeinsamer Bis dahin sollte man Strategien einer wie
Genuß, nicht nur von Cannabis. Jedes Joint- auch immer kontrollierten Abgabe ent-
rollen ist ein Ritual in sich. Durch den geteil- wickelt haben, die sowohl die Mafia, wie
ten Jointgenuß wurde bei den Hippies in auch die Tabakmultis außen vor lassen, und
den '60ern ein lebendiges Kreisritual einge- die Erzeuger in der nicht-westlichen Welt
führt, wie es in unserer westlichen Kultur angemessen berücksichtigen. An Volks-
bislang unbekannt war. Aber gemeinsam hochschulen (sic!) könnten Kurse im Um-
verübte strafbare Handlungen verbinden gang mit Hanf und anderen psychoaktiven
auch. So ging der Gründer des Living Thea- Substanzen gegeben werden, eine Art psy-
tre, Julian Beck so weit zu sagen: "l don't chedelische Fahrschule...
want to change the law, l want to break the
law!" Wieviele Kiffer wohl mit ihrem Canna- Manche Menschen glauben oft zu früh, aus-
biskonsum aufhören werden, wenn es denn gelernt zu haben. Als Richter Neskovic sei-
zu einer Legalisierung kommen sollte? nen auf gründlicher Recherche basierenden
Der erste GRÜNE ZWEIG zum Thema Hanf, aus dem Jahr 1973.

Lernprozeß im Lübecker Gerichtsbeschluß DANKSAGUNGEN


niederlegte, wurde ihm vom bayrischen
Urbub Stoiber vorgeworfen, wer den unge- Der Herausgeber hat folgende schriftliche
straften Genuß von Cannabis befürworte, Quellen geplündert, wobei er Zitate mit der
nehme "in verantwortungsloser Weise den jeweiligen Ziffer in Klammern gekennzeich-
Tod von Tausenden junger Menschen in net hat:
Kauf". 1) Herer, Bröckers, Katalyse: Die Wieder-
entdeckung der Nutzpflanze Hanf; Zweitau-
Da kommt der Schweizer Tages-Anzeiger sendeins, Frankfurt, 1993
unserer Wahrheit schon erheblich näher: 2) Greenspoon, Lester: Hanf - Die verbote-
"Und wenn ein ehrlicher Satz gesagt wurde ne Medizin; Zweitausendeins, Frankfurt,
über diesen Stoff, aus dem die Träume und 1994
Alpträume sind, sofern Ehrlichkeit über- 3) Conrads, Chris: Hemp, Lifeline to the
haupt das richtige Wort ist, dann dieser: Future; CXP, Los Angeles, 1993
Haschisch ist das, was man daraus macht, 4) Küttner. Michael: Psychedelische Hand-
bringt hervor, was man hineinträgt. lungselernente in den Märchen der Gebrü-
In Cannabis veritas. " der Grimm; Inaugural-Dissertation, Justus
Liebig Universiät Gießen, 1992
5) Koethner, Urs: Mit Drogen Leben? Zen-
trale Aspekte der Legalisierungsdebatte ille-
galer Drogen; Diplomarbeit an der Univer-
sität-Gesamthochschule Essen, 1993
Werner Pieper6) Stringans, M.G.: Die Haschischsucht;
Verleger Julius Springer Vlg, Berlin, 1936
London, März 1994
Die ursprüngliche Heimat des Hanfes (auf der Karte schraffiert) ist vermutlich Zentralasien:
von dort aus hat sich die Pflanze über die ganze Erde verbreitet (graugetönte Regionen). Außer
Eiszonen und tropischen Regenwäldern ist alles breit.
7) Observatoire géopolitique des drogues HAST DU EINEN FIMMEL?
(OGD): Der Welt-Drogen-Bericht; dtv Ta- HANFF 1735.
schenbuch, München, 1993 Ein Gewächs, das wenigstens so hoch als
8) Arbeitskreis Drogenpolitik beim JUSO- ein Mann wächst. Das Weiblein heisset
Bundesverband: Pressespiegel und Refera- teutsch wilder Hanff, Fimmeln, Fimmel-
te zur Haschisch-Diskussion; Bonn, März Hanff ... Der Hanff ist allen Europäischen
1992 Völckern wohl bekannt, er verlanget ein
9) Informationsmaterial von NORML, der gutes und fruchtbares Erdreich. Je fruchtba-
US Legalisierungskampagne, 1994 rer der Grund, je dickere runde Stengel
10) MAPS, Rundbriefe der Multidisciplinary überkommt der Hanff, deswegen pfleget in
Association for Psychedelic Studies; Char- denen ausgetrockneten und abgelassenen
lotte, USA, 1993,1994 Fischteichen der beste Hanff zu wachsen ...
11) Gorig, Rene: Hanf Ratgeber; Trier, 1993 An etlichen Orten wird er vor Urban, an an-
deren hingegen nach Philippi Jacobi gesäet
... Wenn der Fimmel anfängt zu blühen und
zu frieben, so ist es ein Zeichen, daß er reiff
ist; alsdenn ziehet man ihn heraus, und nen-
Mein Dank gilt erstmal all jenen, die mich im nen die Hauß-Wirthe dieser Arbeit Fimmeln.
Laufe der Jahrzehnte haben mitrauchen las- Es kommet der Fimmel eher zur Zeitigung
sen, denn ohne diese Erfahrungen hätte ich als der Hanff ...
mich sicherlich nicht auf die Arbeit an dem Hingegen soll der Samen bey denen Per-
vorliegenden Buch gemacht. sern, nebst denen jungen zarten Blättern
unter dem Namen Bengi oder Bange, die
Folgende Informanten versorgten mich mit Natur stärken, und zum Venus-Spiel brün-
aktuellen Informationen, ohne die dieses stig machen, und haben diejenigen, so es in
Buch inhaltlich ärmer wäre; Hainer Hei- Persien genüssen, bey ehrbaren Leuten
decker, Mathias Bröckers, Rick Dublin von nicht ein gar zu gutes Lob, man nennt sie Ki-
MAPS, Roger Liggensdorfer, Marco Bi- dibengi, Hanfffresserische Hanhreiber und
schof, Dale Gieringer von NORML, Rene verhurte Hunde.
Gorig, Michael Schoesau, Joe White, Ede, Der Same eröffnet die verstopffte Leber.
Jonathan Ott, Jean Trouillet, Lutz Kroth, Eva zerstossen in Wein eingenommen ... wird
Hodge vom Hanf e.V., dem BtmG-Kurier, von etlichen wieder die Bauchwürmer ...
Christian Beck, Urs Koether, Jürgen Schle- Gelbsucht und venerischen Saamen-Fluß
gelmilch von Schneidersöhne, der Darm- gelobet.
stadter Hanf AG. Hanff hat auch eine verborgene Eigenschaft
fett zu machen ...
Daß aus meinem Wust an fehlerhaft ge- Dahero er die Hüner, so davon fressen,
setzten Manuskriptdisketten & -zetteln ein fruchtbar machet, daß sie desto mehr Eyer
überschaubares, (ähem, relativ, d.Säzz.) feh- tragen ...
lerarmes Buch wurde, verdanken wir Frank Die Italienischen Weiber brauchen densel-
Müller, Konrad Volz, Achmed Khammas, ben in bösen Wesen derer Kinder ...
sowie der ordnenden Kraft von Petra Pet- Bey denen Türcken ist aus diesem Saamen
zold und besonders meinem Patron, Verle- ein Pulver in gebrauch, welches sie Heiran-
ger Werner Pieper. loe nennen, wenn sie dessen ohngefehr ein
Löffel in Wein nehmen, fangen sie alsbald
An alle ein herzliches Hanf Dank. an zu lachen und zu gauckeln, daß die Zuse-
her ihrer lachen müssen ...
Ronald Rippchen aus: Zedlers Grosses vollständiges Univer-
Herausgeber sal Lexikon aller Wissenschaften. Halle &
Daheim, Frühling '94 Leipzig Anno 1735
Hier stehen wir, wir können nicht anders. Die Götter helfen uns. Bum Shankar.
Mathias Bröckers
HANFDAMPF
UND SEINE KRIEGSGEWINNLER
Kleine Kulturgeschichte der
nützlichsten Pflanze der Welt
„Bitte recht freundlich" steht an der Woh- Deshalb auch verkauft der Drogenhändler
nungstür, aber der Mann, der öffnet, ist kein Karl ausschließlich Haschisch und, so vor-
Fotograf. Er ist Ende Dreißig und seit knapp handen, Marihuana: „Selbst wenn ein alter
20 Jahren im Geschäft: Der Mann, nennen Kumpel plötzlich zu koksen anfinge, ich
wir ihn Karl, verkauft Haschisch. Er hat eine würde ihm das Zeug nicht besorgen. Kein
Tochter, spielt einmal in der Woche Fußball Koks, kein Speed, kein Heroin. Das mögen,
und fährt zwei- bis dreimal im Jahr in Urlaub. für sich besehen, alles schöne Sachen sein,
Den Rest des Jahres verbringt er in seiner aber nicht für mich. Erstens wegen der Bul-
Berliner Wohnung. „Ein paar Jahre habe ich lenparanoia, die da noch einen Zacken
halbtags gearbeitet, aber jetzt, wo meine schärfer ausfällt, und zweitens, weil Ha-
Freundin wieder jobbt, reicht es auch so. Ich schisch wirklich die einzige Droge ist, die
bin also sozusagen Hausmann und Serien- ich mit gutem Gewissen verkaufen kann."
straftäter." Aber die Euphorie der Hippie-Ära, dieses
Mit dem Verkauf von Haschisch verstößt „Morgens ein Joint und der Tag ist dein
Karl nahezu täglich gegen das Betäubungs- Freund" ist doch vorbei? Was sind das für
mittelgesetz. Seine Geschäfte wickelt er Leute, die für ihre Droge Illegalität in Kauf
ausschließlich zu Hause ab, und doch deu- nehmen?
tet nichts darauf hin, daß es sich bei dem „Die meisten Leute, die bei mir kaufen, sind
Zimmer, in dem wir sitzen, um einen sicher nicht das, was sich ein Bild-Leser
Rauschgiftumschlagplatz handelt - bis auf unter einem Rauschgiftsüchtigen vorstellt:
die elektronische Briefwaage auf dem Rechtsanwälte, Postbeamte, Lehrer, Sozial-
Schreibtisch. arbeiter, Taxiunternehmer - das geht wirk-
Weißgestrichene hohe Wände, ein Chrom- lich querbeet. Theaterleute, Musiker, Künst-
regal mit Platten und Büchern, ein schwarz- ler, ein paar Alt-Freaks, die ihr Teppich-
es Ledersofa und ein Klavier - ein abstinen- täschchen und ihren Pferdeschwanz seit
ter Studienrat könnte sich hier ebenso wohl '69 mit sich rumschleppen, und ganz solide
fühlen wie ein versoffener Filialleiter. Wie Familienväter, denen du heute im Traum
alle guten Kaufleute läßt sich auch Karl un- nicht mehr anmerkst, daß sie seinerzeit auf
gern in die Bücher gucken. Auf etwa 100 die Isle of Man zu Jimi Hendrix getrampt
beziffert er die Zahl seiner Kunden, alle sind sind. Alles Leute, die irgendwann mal ein
persönliche Bekannte oder von solchen als bißchen geraucht haben und dabeigeblie-
diskret verbürgte Zeitgenossen, die einmal ben sind. Und wenn du überzeugt bist, daß
im Monat bei ihm vorbeikommen und sich es sich bei Haschisch um ein natürliches,
eindecken. homöopathisches High-Mittel handelt, das
»Die Leute kaufen zwischen zehn und 100 deinen Körper im Unterschied zu den mei-
Gramm, ganz selten mehr, und das soll sten anderen Drogen nicht süchtig macht,
auch so sein. Große Mengen sind zwar dann erscheint das Verbot total absurd, und
schnelles Geld, aber auch reichlich mehr Ri- du hast, zumindest moralisch, kein Problem
siko. Es ist wie beim Autofahren: Mit Blei- damit, es zu übertreten. Die Gefahr, er-
fuß und Tempo 200 kommst du schneller wischt zu werden, ist wirklich halb so wild,
an, aber frag mich nicht, wo." wenn du dich nicht auf den Szene-Treff-
punkten bewegst, an der Grenze nicht im Punkt. Das Problem ist, wirklich gute Ware
verbeulten 2-CV vorfährst und in der Öffent- zu kriegen. Aus Afghanistan kommt so gut
lichkeit nicht immer deinen ganzen Vorrat wie nichts mehr. Was hier als Afghani läuft,
mit dir rumschleppst. Selbst wenn - beim stammt meistens aus Pakistan. Auch türki-
ersten Mal und mit kleinen Mengen geht es sches Haschisch kommt höchstens noch
meistens glimpflich ab. Neulich mußte ein über den privaten Ameisen-Import ins Land
Typ, der hier seit zehn Jahren sein Dope Vor zehn Jahren gab es das hier in Mengen,
holt, durch ein paar blöde Zufälle bei einer dünn gepreßt und hellgrün, der sogenannte
Verkehrssache auf der Polizeiwache seine Lach-Türke - ein Zug, und du mußtest erst
Taschen leeren, und dabei wurden zwei mal kichern -, aber mittlerweile sind die tür-
Gramm Haschisch entdeckt. Er konnte aber kischen Händler offenbar auf Heroin umge-
glaubhaft versichern, daß er es am Nach- stiegen. Inzwischen werden schätzungs-
mittag bei seinem 14jährigen Sohn konfis- weise 70 Prozent des deutschen Ha-
ziert hatte, und es passierte gar nichts. Daß schischmarkts aus Marokko bedient, und
ein Anlageberater Mitte Vierzig mit Bauch- das meiste ist >Eierdope<. Nicht unbedingt
ansatz und Halbglatze kifft, schien auch der schlecht, aber auch nicht das Wahre. Beim
Polizei unwahrscheinlich." Eierdope wird wie beim Orangensaftkon-
Die Polizeistatistik spricht eine andere Spra- zentrat nur der Wirkstoff exportiert, und der
che: Unter den von der Hamburger Justiz im wird im Verbraucherland zum Endprodukt
Jahr 1983 verurteilten „Drogentätern" verlängert. Mit den ausgelutschten Resten
waren 0,06 Prozent der oberen Händler- veranstalten die Marokkaner dann alljährlich
Hierarchie zuzuordnen, nahezu 50 Prozent für ihre amerikanischen Anti-Drogen-Freun-
aller Drogenurteile betrafen Haschischmen- de mit viel Presserummel die große Ha-
gen unter zehn Gramm. Wie die „Glimpf- schisch-Verbrennung."
lichkeit" beim ersten Mal und bei kleinen
Mengen aussieht, kann ein aktuelles Urteil Die Spezies heißt Cannabis sativa L., wobei
belegen: Im April 1988 verurteilte ein Berli- sat/Vafür „angebaut, kultiviert" steht und L.
ner Gericht einen 23jährigen Betonbauer für Linné (Linnaeus), den schwedischen Be-
wegen eines auf der Toilette gerauchten gründer der modernen Botanik, der neben
halben Joints - der ihn bereits seinen Job dem angebauten Hanf noch eine zweite Art,
gekostet hatte - zu 2000 Mark Geldstrafe. Cannabis indica, analysiert hat, was über
Gemessen daran wäre die Holzkiste, die 200 Jahre lang zu der Annahme geführt hat,
Karl auf den Tisch stellt, gut für zwei bis drei es existierten zwei Arten Hanf, von denen
Jahre ohne Bewährung: Haschisch aus Ma- nur dem „indischen Hanf" eine geistige
rokko, Libanon, Pakistan und Nepal. Im Er- Wirkung zugesprochen werden könne. Erst
zeugerland ist ein Kilo mittlerer Qualität für seit kurzer Zeit geht die Wissenschaft von
200 Mark zu haben, frei Amsterdam kostet einer Spezies aus, deren unterschiedliche
es, nach dem Weg über etliche Groß- und Wirkungen klima- und züchtungsbedingt
Zwischenhändler, 3000 Mark, und im Berli- sind. Einigkeit herrscht darüber, daß es sich
ner Einzelhandel kommt es schließlich für bei Cannabis um eine der ältesten Kultur-
zwölf Mark pro Gramm in die Pfeife. Die pflanzen handelt.
Preispalette unseres Dealers Karl reicht von Wie die nomadischen Jungsteinzeit-Men-
zehn bis 16 Mark, bei Abnahme eines schen vor etwa 12 000 Jahren auf den Hanf
„Hec" (100 Gramm) werden 20 Prozent Ra- kamen, kann nur vermutet werden: Viel-
batt gewährt. Die Haschischpreise sind in leicht entdeckte jemand die kräftigen Fa-
den letzten 15 Jahren ebenso stark gestie- sern eines umgeknickten Hanfstammes
gen wie die für Bier oder Tabak, was auf und machte daraus ein Seil; oder die fetten,
einen stabilen Markt und steigende Nach- prächtigen Samen, die eigentlichen Früchte
frage schließen läßt. der Pflanze, wurden als Nahrung auspro-
„Die Preise", sagt Karl, „sind nicht der biert und für gut befunden. Für die dritte Va-
riante - einer unserer hungrigen Urahnen aß Auch die Griechen trieben ihre Schamanen
von den sattgrünen Blättern und fand sich und Weisen mit Cannabis an: Hanfdampf
kurz darauf in euphorischer Stimmung - aus der Erdspalte ließ aus dem „rasenden
spricht die erste schriftliche Erwähnung des Mund" der Pythia die Götter sprechen, die
Hanfs durch den chinesischen Kaiser Shen- „thrakischen Feuer" inspirierten die Orakel
Nung, der ihn 2737 v.Chr. als Heilmittel in Delphi und anderswo. Und auch Platon
gegen „Malaria, Beriberi (Vitamin-B-Man- und Aristoteles standen als Eingeweihte der
gel), Rheuma, Geistesabwesenheit und „eleusischen Mysterien" turnusmäßig
Frauenleiden" empfahl. Von der in China als unter Drogeneinfluß,
„göttliches Kraut" verehrten Pflanze heißt Ob bei den mexikanischen Indianern oder
es im Pen Tsao, dem ältesten Arzneibuch auf dem „Dach der Welt", in Tibet, ob in
der Welt: „ Nimmt man sie eine längere Zeit Afrika, Kleinasien oder im Mecklenburgi-
hinweg, wird man befähigt, mit den Gei- schen, wo Cannabis in Gräbern aus dem
stern zu sprechen, und der Körper wird fünften vorchristlichen Jahrhundert ent-
leicht." Im ersten Jahrhundert vor unserer deckt wurde - über Tausende von Jahren
Zeitrechnung entwickelten die Chinesen die stellte der Hanf für zwei Drittel der Mensch-
Kunst der Papierherstellung aus Hanf. Diese heit ein zentrales Überlebensmittel dar. Die
Technik - in den islamischen Ländern gab Legende, nach der Siddharta sechs Jahre
es erst 800, in Europa erst 1200 Jahre spä- lang nichts anderes aß als Hanf, um Buddha
ter Hanfpapier - wird als einer der Haupt- zu werden, ist so unwahrscheinlich nicht.
gründe für den großen wissenschaftlich-kul- Der Hanfsamen enthält die acht essentiel-
turellen Vorsprung der Chinesen angese- len Aminosäuren und wird in der Rangliste
hen. (Bis Ende des 19. Jahrhunderts be- der gehaltreichsten Früchte nur von der So-
standen 75 Prozent des in der Welt herge- jabohne übertroffen. Die Encyclopaedia Bri-
stellten Papiers aus Hanf.) Die Verehrung tannica, Ausgabe von 1893, der zufolge der
des Hanfs in China geht auf seine universel- Buddha im Alter von 65 Jahren an einer
le Verwendbarkeit zurück: Die zerstoßenen Überdosis magischer Pilze verschieden sein
Wurzeln heilten Knochenbrüche, die Sten- soll, weist darauf hin, daß mindestens die
gel wurden zu Textilfasern, Seilen und Pa- Hälfte des in der Geschichte „Leinen" ge-
pier verarbeitet, Blätter und Blüten dienten nannten Materials aus Hanf hergestellt
als Medizin und Genußmittel, die Samen als wurde - nicht etwa aus Flachs. Bis zur letz-
Öllieferant. Über die Nachbarn der Chinesen ten Jahrhundertwende bestanden 80 Pro-
- Arier, Skythen, Mongolen - drang die zent aller Textilien, Seile und Zwirnwaren
Kunde des Hanfs nach Indien und in den aus Hanf, und erst die petrochemischen Fa-
Mittelmeerraum. In den Veden, dem indi- sern der IG Farben verdrängten den Hanf
schen Mythos, bringt der Gott Shiva den aus seiner Spitzenstellung. Seit der Zeit der
Hanf vom Himalaja - „den Menschen zur phönizischen Seefahrer bis ins 20. Jahrhun-
Freude und Erleuchtung". Erste detaillierte dert waren auch 90 Prozent aller Schiffsse-
Aufzeichnungen über die Hanfdampf-Berau- gel verbrämtes Haschisch. Die Seemacht
schung lieferte 450 v. Chr. Herodot in sei- England mußte, um in Fahrt zu bleiben, bei
nen Berichten über die Skythen. Auch der jedem ihrer Schiffe jährlich 50 Tonnen Hanf
„Gott wohlgefällige Duft", den die Bibel ersetzen, der zum größten Teil in Rußland
König Salomon in den Mund legt, entströmt gekauft wurde, das damals die gesamte
dem Hanf. An die Herkunft des christlichen westliche Welt mit seinem Hauptexportarti-
Kults u. a. aus den hanfbefeuerten Religio- kel belieferte. Den Vertrag von Tilsit, den
nen des Ostens erinnert mittlerweile nur Zar Alexander 1807 mit Napoleon schloß,
noch authentischer Kirchengeruch: Das bis konnten die Russen deshalb schon aus öko-
heute als Weihrauch verwendete Olibanum nomischen Gründen nicht einhalten. Den
enthält den psychoaktiven Hanfwirkstoff Hanfexport nach England übernahmen ille-
Tetrahydrocannabinol (THC). gale, unter amerikanischer Flagge segelnde
Schiffe; 1809 zählte der US-Botschafter in ren" anheimstellte, ist im 18. und 19. Jahr-
St. Petersburg 600 Schiffe, die innerhalb hundert überall nur: Hanf. Die Ärzte verord-
von 14 Tagen hanfbeladen den Hafen Kron- nen ihn gegen Krämpfe aller Art, gegen Hu-
stadt verlassen hatten. Napoleon forderte sten, Asthma, Migräne, Appetitlosigkeit und
mehrfach den sofortigen Stopp der Hanfex- Schlafstörungen, als „leichtes Opium" und
porte des mit ihm alliierten Zaren an den Ersatzstoff für das Opiat Morphin. Erst um
Hauptfeind England, und nach Jahren des 1900 wurde der Medizinal-Hanf von einem
Abwiegeins setzte Napoleon im Juni 1812 Mittel verdrängt, das die Firma Bayer als
seine Truppen Richtung Moskau in Marsch. „garantiert nicht süchtig machend" auf den
Den Rest kennen wir aus Krieg und Frieden. Markt brachte: das Heroin.
„Haschisch und Musik haben gemeinsam,
Das erste Marijuana-Gesetz der Neuen daß sie sich schlecht beschreiben lassen.
Welt erging 1619 in Virginia. Es befahl allen Natürlich ist es möglich, die Instrumente
Farmern den Anbau von Cannabis; auch in aufzuzählen, mit denen die Musik gemacht
Massachusetts und Connecticut bestand ab wird, sicherlich läßt sich der Unterschied
1632 Hanfzwang, und von dieser Zeit an zwischen einer Beethoven-Sonate und
konnten die amerikanischen Farmer fast einem Boogie-Woogie klarmachen. Aber
200 Jahre ihre Steuern in Form von Hanf dem, der nie Musik gehört hat, nützen auch
entrichten. Bis 1870, als Rockefeiler kosten- die klügsten Erklärungen wenig oder gar
los Petroleumlampen verteilen ließ, war nichts. Ohne Haschisch zu rauchen, ohne
Hanfsamenöl der nach Petroleum meistge- es geraucht zu haben, und zwar in größeren
brauchte Lampenbrennstoff. Als große Can- Mengen, entzieht sich das Wesentliche die-
nabis-Förderer taten sich die US-Präsiden- ses Stoffs jedem Verständnis. "
ten George Washington und Thomas Jeffer- So hieß es im Jahr 1985 in der ersten Folge
son hervor, die Hanf auch hinter ihrem Haus der Serie Ja, ja - der Wein in der Zeit. Der
anbauten. Ob die Staatsgründung den hanfi- Autor, Drogenforscher Rolf Achteck, ließ
gen Einfällen (engl.: hempish heißt soviel sich spater zu einem ähnlichen Genießer-
wie: aufgedreht) geschuldet ist, muß indes- Seminar animieren, das dann in 13 Fortset-
sen offenbleiben, wie die Frage, ob der Ha- zungen in der Berliner tageszeitung erschi-
schischraucher auf die Zerstörung des er- en. Für die erste Folge hatte er den Original-
oberten Roms verzichtete, nur weil er drei text aus der Zeit verwendet; nur jeweils
Tage lang im Dauertörn war. „Wein" durch „Haschisch" ersetzt sowie
Mit der wachsenden lebensmitteltechni- Anbaugebiete und Utensilien entsprechend
schen und militärischen Bedeutung des variiert; „Es hat einwandfrei funktioniert",
Hanfs ging seine zunehmende Verwendung sagt er.
als Genußmittel einher. Aber auch als Uni-
versalmedizin: 1855 schätzt Dr. James F. Wir sitzen auf einem Balkon in Berlin-Kreuz-
Johnston in Die Chemie des täglichen Le- berg, im Rücken des Drogenforschers
bens die Zahl der Hanfkonsumenten welt- Wohn- und Arbeitszimmer mit einer stattli-
weit auf 200 bis 300 Millionen. Denn auch chen Bibliothek. Nach dem Uni-Abschluß
im Westen spielt Hanf mittlerweile eine do- als Literaturwissenschaftler schlägt sich
minierende Rolle: Zwischen 1840 und 1890 Rolf Achteck heute als Journalist durch und
standen Cannabis-Extrakte an zweiter Stelle träumt von genug Zeit und Geld, eine Kul-
der verordneten Arzneimittel in den USA, turgeschichte der Drogen zu schreiben, „ir-
und im Hamburger Freihafen wurden 1885 gendwann ist mir aufgefallen, daß es fast
allein im Monat September 3000 Doppel- ausschließlich Drogennehmer waren, die
zentner indisches Haschisch gelöscht. Was die Literatur, die Musik, die Kunst weiterge-
der deutsche Bauer als „Kraut" oder „Kna- bracht haben. Wenn man die Moderne auf
ster", der feine Herr als „Orient" rauchte, Rauschmittel abklopft, kann man zu der Ein-
und Mozart der Geliebten als „Damacenie- schätzung kommen, daß ohne Drogen
nichts zu machen ist. Wenn man sich den einem Pfeifenreiniger markiert. Einer steckt
Club der Haschischesser im letzten Jahr- in Friedrich Nietzsches Ecce homo: „Wer
hundert in Paris ansieht, hat man die hervor- von einem unerträglichen Druck loskom-
ragendsten Vertreter der Epoche beisam- men will, der hat Haschisch nötig." Neben-
men: Baudelaire, Victor Hugo, Balzac, den an im Giftschrank eine Ausgabe von Nietz-
Zeichner Daumier. Und etwas später die sche-Briefen aus dem Jahr 1942. Herausge-
Avantgardisten und Freaks, die den ganzen ber Friedrich Würzbach merkt an: „Nietz-
Surrealismus angemacht haben: Rimbaud, sche will mit diesem Vergleich sein Verhält-
Verlaine, Lautréamont - alles Haschischrau- nis zu Wagners Musik erklären. Muß er des-
cher. Dann Mallarmé und Cocteau, die auch wegen Haschisch ausprobiert haben? Die
Opium nahmen, und natürlich Antonin Schwester hat erzählt, daß Nietzsche eine
Artaud. Picasso war ein Kiffer. In England: Flasche des javanischen Beruhigungsmit-
die Romantiker Coleridge und Keats - teis von einem Holländer erhalten, und als
Opium und Haschisch -, später der geniale er einmal zuviel davon nahm, sich in Lach-
Lewis Caroll, der zeitlebens wöchentlich ein krämpfen auf dem Boden gewälzt habe. Ha-
Fläschchen Cannabis-Tinktur verbrauchte; schisch hat allerdings diese Wirkung. Neh-
der Zeichner Beardsley und natürlich Oscar men wir an, Nietzsche hätte Rauschgifte
Wilde, die nahmen Hanf und alles, was sie genommen, so möchten wir an die Worte
sonst noch kriegen konnten. Die deutsche Baudelaires erinnern, der sehr richtig sagt,
Romantik haben drei Opiomanen - Schel- daß man im Haschischrausch durchaus
Iing, Schlegel, Novalis - initiiert, der gesam- nichts Wunderbares finden werde, sondern
te Expressionismus samt Dada - eine reine nichts als das eigene verschärfte Naturell.
Drogenangelegenheit. Mittlerweile waren Wir erhalten also einen Nietzsche mit all sei-
Morphium, Kokain und Heroin im Spiel. nen genialen Eigenschaften, aber gleichsam
Tucholsky wurde dreimal in der Nase ope- verstärkt und unterstrichen."
riert, warum wohl? Selbst wenn es nicht am Mit Rotstift markiert finde ich in diesem
Kokain lag, die Szene, die um die Tuchols- Band noch den Hinweis, daß der Philosoph
kys, Wedekinds, Brechts herum war, ihre seit seiner Ausbildung als Heeressanitäter
Assistenten, Zuträger, Kollegen - alles an- keinen Arzt, sondern nur seine Hausapothe-
getörnte Leute. Brecht hat im Exil in Däne- ke konsultiert hat und sich zeitlebens selbst
mark nichts so sehr vermißt wie seine inspi- medikamentierte.
rierenden Freunde."
Achteck deutet mit vager Geste auf die „Ach, der Baudelaire, er hat zwar viele schö-
Straße hinaus: „Hier, zwei Ecken weiter, ne Sachen über Haschisch geschrieben -
war seine Arztpraxis: Gottfried Benn, der wie etwa, daß der Haschischraucher »weder
Kiffer, Kokser, Morphinist, Trinker. Er hat Krieger noch Bürger sei - und auch, daß die
alles genommen, ein Drogenkaiser, und bis Droge nichts Neues hinzubringt, sondern
heute der König der deutschen Lyrik, trotz nur das Vorhandene neu mischt. Das ist
seiner Liebäugeleien mit den Nazis. Durch richtig, aber leider auch banal." Rolf Acht-
die amerikanische Literatur ziehen sich Dro- eck stöhnt, auf Baudelaire ist er zu oft ange-
gen wie ein roter Faden — von Edgar Allan sprochen worden. „Da waren die Araber
Poe und Mark Twain über die Beat-Leute schon weiter, die machten sich Gedanken
bis zu Thomas Pyhon. Drogen, wo du auch über das jeweilige Naturell der Drogen."
hinsiehst - und immer sind es die besten Eine orientalische Fabel sagt alles: Die Her-
Köpfe." ren Haschisch, Opium und Wein kommen
In seinem „Giftschrank", einem bis zur an einem Abend an ein verschlossenes
Decke reichenden Regal, sammelt Rolf Stadttor. Der Alkohol schreit und poltert
Achteck die Literatur, die ihm zum Thema gegen die Tür. das Opium sagt: „Laßt uns
„Drogen und Kultur" in die Finger kommt. hier unter dem Baum schlafen bis morgen
Die entscheidenden Stellen sind jeweils mit früh", und Herr Haschisch meint: „Was regt
ihr euch auf, wir gehen einfach durchs immer eine große Lust verspürt. Ich besitze
Schlüsselloch." sogar ein sehr gutes, vom Apotheker Gasti-
„Baudelaire", meint der Drogenforscher, nel gemischtes Haschisch, doch habe ich
„beschreibt die Haschischsensation, die Vi- Angst davor, was ich mir zum Vorwurf
sionen und Ekstasen, die sich bei einer sehr mache."
hohen Dosis einstellen. Die nahmen halt 5 Der Hanfdrogen-Kommission, die im Auf-
bis 10 Gramm auf einmal und warteten trag der britischen Kolonialmacht ab 1893 in
dann auf Vorfilm, Hauptfilm, Schluß - hallu- Indien dem Mythos zu Leibe rücken sollte,
zinogenes Kino. Der phantastische Alkoholi- schien „kein Argument für das Verbot von
ker E.T.A. Hoffmann hat Musikern empfoh- Ganja überzeugend". Vielmehr notierte sie
len, zum Komponieren komischer Opern den Verdacht, daß der „Angriff auf die Hanf-
Champagner und für heroische Musik Burg- drogen nur gestartet wurde, um an ihrer
under zu sich zu nehmen. Aber solche Mit- Stelle europäischen Schnaps zu verkaufen".
teilungen sind selten. Sportler sprechen Die indischen Arbeiter durften also weiter-
auch nicht über ihre Tricks und Kniffe beim rauchen. Nicht so die Minenarbeiter im Bu-
Doping." renland Südafrika, wo 1911 der Hanf verbo-
Tatsachlich hat Gottfried Benn, der sich von ten wurde, wegen der Personengruppe, die
Haschisch und Meskalin eine „neue schöp- das „Kraut der Armen" zu sich nahm. Zu-
ferische Periode" für die „denaturierten eu- sammen mit dem Königreich Ägypten und
ropäischen Gehirne" erhoffte und neben der Türkei, die ebenfalls mit einer aufsässi-
Hymnen auf das Kokain auch Dopinganwei- gen, haschischrauchenden Bevölkerung zu
sungen von sich gab - „Potente Gehirne tun hatten, brachte Südafrika den Hanf in
stärken sich nicht durch Milch, sondern die Vertragswerke der 1925 einberufenen
durch Alkaloide" -, den Einfluß der Drogen Opium-Konferenz des Völkerbunds ein.
auf sein eigenes Werk als „kurze Phase" Nach einer Kampfabstimmung (9 : 7) wurde
abgetan. Gegen den Hänfling Nietzsche Haschisch verboten. Nachdem Ägypten zu-
wandte er ein: „Nietzsches Abneigung gesichert hatte, keine Importbeschränkun-
gegen Bier war mir immer etwas verdäch- gen für Heroin zu erlassen, stimmte auch
tig. Wen Bier hindert, der trinkt es falsch." das Deutsche Reich für das Verbot und
Interessanter findet der Forscher Achteck übernahm es 1929.
einen Band von Ludwig Klages, Die Kosmo-
gonie des Eros: „Die seelenkundliche Erfor- Da war der Papierkrieg um den Hanf bereits
schung der Ekstase bedarf der Ergänzung in vollem Gange. Am 14. Oktober 1916 ver-
durch eine Wissenschaft von Berau- öffentlichte das amerikanische Landwirt-
schungsmitteln. Opium, Haschisch, Koka, schaftsministerium ein Bulletin über „Hanf-
Alkohol, ätherische Öle, Weihrauch, Lor- Werg als Material zur Papierherstellung".
beer, die Solaningifte, selbst Nikotin, Koffe- Die Agrarwissenschaftler hatten herausge-
in, Thein haben wechselweise dem Entselb- funden, daß ein Hektar Hanf, der als ein-
stungsdrange der Visionäre gedient, und wir jährige Pflanze bis zu sechs Meter hoch
dürften uns die größten Aufschlüsse über wachst, zu Pulpe (Papierbrei) verarbeitet
das Wesen des Rauschs von einer Wissen- dieselbe Menge Papier ergibt wie 4,1 Hek-
schaft der Signaturen erwarten, wie sie im tar Wald. Voraussetzung für diese extreme
Freskostil die Mystik der Renaissance ent- Produktivitätssteigerung in der Papierher-
warf. Angesichts des Versagens heutiger stellung sei, so das „Department of Agricul-
Medizin bleibt uns vorerst nur die innere ture", eine moderne Technik, die das Abzie-
Zergliederung offen." hen der Hanffasern erleichtert. Für ihren
Zum Mythos Haschisch hat jedoch auch Versuch hatten die Forscher noch, wie die
immer seine Gefährlichkeit gehört. In einem Chinesen, von Hand gestrippt. Das Neuarti-
Brief an Baudelaire schreibt Gustave Flau- ge an der ausprobierten Methode war, daß
bert: „Nach dieser Art Drogen habe ich sie das Papier nicht aus den Fasern gewan-
nen, sondern aus dem übriggebliebenen lich Anslinger 1930 aus dem diplomatischen
Werg, dem Abfall, und daß zur Herstellung Dienst auf den schlechter bezahlten Posten
des Hanfpapiers fünfmal weniger Chemika- eines Commissioners im „Bureau of Narco-
lien nötig waren als bei der üblichen Papier- tics" wechselte. Vieles spricht dafür, daß
produktion aus Holz. Da es eine Maschine, der Schwenk von Kokain auf Marihuana,
die diese Entdeckung nutzbar machen den die Hearst-Presse bei ihren Schuldzu-
konnte, noch nicht gab - sie sollte technisch weisungen vollzogen hatte, nicht den Lau-
kein großes Problern darstellen -, blieb das nen eines Rassisten geschuldet war, son-
Bulletin Nr. 404 vorerst folgenlos. Dennoch dern dem Kalkül des Waldbesitzers und Pa-
dürften es seine Adressaten - „Personen, pierherstellers Hearst sowie des Chemie-
die an einer ökonomischen Papierherstel- Riesen „Dupont". Keinem anderen nämlich
lung interessiert sind, besonders print and als dem Hearst-Bankier und Hauptfinanzier
book paper manufacturers" -aufmerksam der Firma „Dupont", Andrew Mellon, Besit-
gelesen haben, zer der Mellon Bank, zweitreichster Mann
Vor allem die „Paper Manufacturing Com- der USA und Finanzminister, unterstand das
pany" des William Randolph Hearst mußte „Bureau of Narcotics". Auf Mellons Anwei-
sich für die Neuerung interessieren, und sung gab das Bureau der Hearst-Kampagne
auch der Chemiekonzern „Dupont", der die ab 1930 amtlichen Begleitschutz. Den Lei-
Sulfide für die Papierherstellung aus Holz ter des Anti-Marihuana-Unternehmens
lieferte. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts, suchte Andrew Mellon persönlich aus: Die
während des spanisch-amerikanischen Krie- Wahl fiel auf einen Beamten seines Vertrau-
ges, hatte Hearst in seinen Blättern eine De- ens, den Mann seiner Nichte; eben Harry J.
nunziationskampagne gegen Schwarze, Anslinger.
Mexikaner und Latinos gestartet, die er mit Auf dem Tiefpunkt der Wirtschaftskrise ge-
seinem Citizen Kane-lmperium in den 20er währte der Finanzminister seinem Schwipp-
und 30er Jahren fortführte. War jedoch in Schwiegersohn 100 000 Dollar Sonderetat:
den Hearst-Schlagzeilen zwischen 1910 und für Freikuverts, die an Polizisten und Jour-
1920 in aller Regel von Kokain die Rede, nalisten verteilt wurden mit der Bitte, „alle
wenn wieder einmal ein Neger eine weiße Fälle zu sammeln, die eine Gefährlichkeit
Frau mit Kind vergewaltigt hatte, so war nun von Marihuana beweisen können, insbeson-
plötzlich dauernd Marihuana im Spiel. Ein dere Verbrechen, Fälle von Wahnsinn u. a.".
Unfall, bei dem ein Joint gefunden worden Mit heißen Geschichten, von den morden-
war, füllte wochenlang die Zeitungen. Zwar den Assassinen des Mittelalters bis zum kif-
hatte Hearst schon früher gegen den Jazz, fenden Mörder-Nigger gleich um die Ecke,
diese „Voodoo satanic music", und das ging Anslinger auf Vortrags-Tournee und
Kraut, das die schwarzen Musiker rauchten, nach sieben Jahren mit einer Fotomappe
mobil gemacht, was in New Orleans und an- grauslicher Mordopfer vor den Kongreß.
deren Bundesstaaten zu ersten Verboten Dort bezeugte er: „Marihuana ist die am
geführt hatte. Doch Verstöße wurden so meisten gewaltverursachende Droge in der
gut wie nie verfolgt. Das änderte sich erst, Geschichte der Menschheit." Er sprach von
als Harry J. Anslingers „Bureau of Narco- „Farbigen mit dicken Lippen, die weiße
tics" die Kreuzritterlegende von den Frauen mit Jazz und Marihuana locken",
„Haschaschin" - jenem im Haschisch- und trickste den Einspruch der Ärzte-Verei-
rausch mordenden Stamm der Assassinen nigung gegen ein Hanfverbot mit Gutachten
- modernisierte: „Marihuana - Murder of aus. Die erwiesen sich später als ebenso
Youth". obskur wie die dokumentierten Mordfälle,
Vielleicht kann das Bulletin Nr. 404 die doch am 1.September 1937 hatte Präsi-
Frage erhellen, auf die auch Hans-Georg dent Roosevelt den „Marihuana Tax Act"
Bahr in seinem Standardwerk Von Hanf ist unterzeichnet - die Erfolgsmeldung der
die Rede keine Antwort weiß: Warum näm- Zeitschrift Popular Mechanics kam im Fe-
bruar 1938 mindestens fünf Monate zu Marihuana-Gesetze" (NORML) hatte die
spät. „A Billion Dollar Crop" versprach ein Cannabisernte 1985 einen Wert von 18,6
euphorischer Artikel, der über die ersten Millarden Dollar, einige Millionen mehr als
Einsätze der neuen Hanfverarbeitungsma- die einträglichste legale Nutzpflanze Mais.
schine berichtete und die Millionen vorrech- Doch der angesichts immenser Haushalts-
nete, um die heimischer Hanf künftig die löcher staatsbürgerlich durchaus vernünfti-
Kosten für Importwaren senken könne. gen Forderung der Reformer nach Aufhe-
Dabei wurde die 1916 entdeckte Ökonomie bung des Verbots und Besteuerung der
der Papiergewinnung ebenso erwähnt wie Ernte wird auf absehbare Zeit nicht stattge-
der Hinweis, daß der Zellulosegehalt des geben werden. Diesmal ist es kein Rassist
Hanfs den des Getreides um ein Vielfaches und Waldbesitzer, der die Anti-Hanf-Front
übertrifft: „Das nach Abziehen der Faser anführt, sondern ein Lobbyist der pharma-
zurückbleibende Mark enthält mehr als 77 zeutischen Industrie. Derzeit noch Direktor
Prozent Zellulose und kann zur Herstellung von Ronald Reagans „Drug Task Force",
von über 25 000 Produkten verwendet wer- schickt er sich an, das höchste Amt im Staa-
den, von Dynamit bis zum Zellophan." Daß te zu erobern. Sein Name: George Bush.
sich aus Hanf das billigste Methanol der Nachdem er 1977 den Dienst bei der CIA
Welt gewinnen läßt, spielte bei den Benzin- quittiert hatte, war er Direktor des Pharma-
preisen 1938 noch eine untergeordnete Konzerns „Eli Lilly" geworden und hatte
Rolle. Fast wehmütig endet der Artikel über sich mit beträchtlichen Aktienpaketen an
die „Milliarden-Ernte" mit der Feststellung, den Pharrna-Unternehmen „Abbott-Labora-
daß es unmöglich sei, legalen Hanf ohne il- tories", „Bristol-Myers" und „Pfizer" betei-
legales Marihuana herzustellen. ligt. Bei der obligatorischen Offenlegung
seiner Vermögensverhältnisse wurde 1979
Ein halbes Jahrhundert ist seitdem vergan- bekannt, daß die Familie Bush weiterhin
gen, Milliarden Dollar wurden in den Krieg über eine Sperrminorität bei „Pfizer" und
gegen den Hanf gesteckt, Tausende von eine große Anzahl Beteiligungen an anderen
Jahren Haft abgesessen, die Pharma-lndu- „Drug companies" verfügt. Als Vizepräsi-
strie fährt mit fabulös differenzierten Schlaf- dent wurde George Bush persönlich bei der
tabletten und Wachmachern alljährlich neue Finanzbehörde vorstellig, um einen beson-
Rekorde ein, Alkohol-, Kaffee- und Tabakin- deren Steuernachlaß für in Puerto Rico pro-
dustrien erzielen weiterhin prächtige Um- duzierende Pharma-Unternehmen durchzu-
sätze, und die Drogenmafia bietet von An- setzen. 1981 wurde er dafür vom U.S. Su-
geldust über Crack bis zu den Designerdro- preme Court gerügt und aufgefordert, den
gen immer heißere Novitäten. Der alte Hanf Lobbyismus für die pharmazeutische Indu-
freilich hat Rockefellers Petroleum, die strie zu unterlassen. Seither sind keine wei-
Kunstfasern der IG Farben und die Holzpa- teren Lobby-Aktivitäten des Vizepräsiden-
pierindustrie prächtig überstanden. Und ten ruchbar geworden - dennoch erhalten
ginge es mit rechten Dingen zu, wären Pharma-Unternehmen für ihre Puerto-Rico-
längst neue Bulletins der Landwirtschafts- Produktion noch immer eine Steuerermäßi-
und Kulturministerien fällig: zum einen, weil gung von 23 Prozent. Dort werden für den
die Bücher aus säurehaltigem Holzpapier Export in die Dritte Welt Medikamente und
den Bibliothekaren nach kaum 100 Jahren in Chemikalien hergestellt, die in den USA ver-
den Händen zerbröseln, während sich die boten sind.
Gutenberg-Bibel aus Hanfpapier noch blät- Bushs Aktivitäten nahmen eine andere
tern läßt wie am ersten Tag. Zum anderen, Richtung: In einem Schreiben an alle ameri-
weil Cannabis mittlerweile zur wertvollsten kanischen Universitäten ließ er im Septem-
Nutzpflanze in den Vereinigten Staaten ber 1983 anfragen, ob man die Ergebnisse
avanciert ist. Nach einem Bericht der „Na- der Cannabis-Forschung von 1966-76
tionalen Organisation für die Reform der einschließlich der Kompendien in den Biblio-
theken nicht verschwinden lassen könne. ma, Epilepsie, Krämpfe und, wie eine von
Verschont bleiben sollten lediglich Studien der Regierung 1975 finanzierte Studie des
über synthetisch hergestelltes THC. Der Medical College of Virginia ergab, gegen
Plan mußte nach Protesten von Wissen- bösartige und gutartige Tumoren.
schaftlern und Ärzten fallengelassen wer- Kaum verwunderlich also, daß die Pharma-
den - wohl nicht endültig. Bereits 1976 hat- industrie große Erwartungen in ihren syn-
ten Interessenvertreter der Pharma-lndu- thetischen Hanf setzte. Die Mühen waren
strie ein ähnliches Ansinnen an die Ford-Re- jedoch vergeblich. Im September 1982 stell-
gierung gestellt: Damals war die Firma „Eli te das Magazin Omni fest, daß „Nabilone",
Lilly" mit „Nabilone" auf den Markt gekom- verglichen mit Marihuana, „nutzlos" ist:
men, einem synthetischen Cousin des Can- „Nach zig Millionen von Dollar und neun
nabis-Wirkstoffs THC-Delta 9. Anlaß für die Jahren Forschung sind die Pharma-Konzer-
aufwendige Synthetisierung des Stoffs ne total gescheitert." Daß sie noch nicht
waren die erstaunlichen Resultate zahlrei- aufgegeben haben, zeigt der Versuch der
cher Cannabis-Experimente, die ab 1966, Bush-Reagan-Administration, die „natürli-
dem Beginn der großen Marihuana-Welle, che" Marihuana-Forschung zu unterbinden
durchgeführt worden waren. - auf den simplen Extrakt der Hanfblätter
Dr. Raphael Mechoulam von der Universität hat weder „Eli Lilly" noch sonst irgend je-
Tel Aviv, dem 1964 erstmals die Syntheti- mand ein Patent...
sierung gelungen war, kam nach 20 Jahren
Forschung zu dem Schluß, daß legales Ma- Was ist das für ein merkwürdiger Stoff, der
rihuana 10 bis 20 Prozent aller verschriebe- anregen und Krämpfe lösen, der Heißhun-
nen Medikamente und pharmazeutischen ger hervorrufen und gleichzeitig Übelkeit
Therapien ersetzen könnte. 40 bis 50 Pro- verhindern, beruhigen und „high" machen
zent aller Pharmaka wären nach Mechou- kann? Der alberne Lachkrämpfe und tiefe
lams Schätzung durch Beigabe von Hanf zu Nachdenklichkeit erzeugt, das Kurzzeitge-
verbessern, wenn die Pflanze und ihr Wirk- dächtnis ausfallen läßt, aber die Erinnerung
stoff völlig erforscht seien. Eine Studie des schärft, der „Phantasticum" und „Halluzino-
Medical College of Georgia kam zu dem Er- gen" genannt wird und gleichzeitig ganz
gebnis, daß mit Marihuana 90 Prozent aller nüchterne, alltägliche Erkenntnisse - Walter
Fälle von grauem Star erfolgreich therapiert Benjamin spricht von der „profanen Er-
werden könnten, und Dr. Tashkin faßt 14 leuchtung" - beschert? Dr. Mechoulam
Jahre Forschung an der University of Cali- kommentierte das Wunder so: „Vielleicht
fornia so zusammen: „Gras ist das Beste haben wir zu lange nach einem Wirkstoff
gegen Streß, Migräne, Depression und Ap- gesucht. Möglicherweise beruht die zu un-
petitlosigkeit." tersuchende Wirkung auf einem Zusam-
Wir Haschischesser, die wir den wahnwitzi- menhang verschiedener Substanzen, von
gen Heißhunger kennen, den schon eine der Natur so raffiniert ausbalanciert, daß wir
kleine Dosis Hanf auslösen kann, wissen ihm noch immer nicht auf die Schliche ge-
um diese Wirkung - aber auch bei Fällen kommen sind."
von fortgeschrittenem Bauchspeicheldrü- Solange die Wissenschaft noch im dunkeln
senkrebs wurde Cannabis mit großem Er- tappt, halten wir uns an die Konsumenten
folg angewendet. Außerdem, so der Chef als Sachverständige. Ich bin zu Besuch bei
des „California's Marihuana for Cancer"- Fritz, er ist 35 und nimmt seit 15 Jahren Ha-
Forschungsprojekts, Dr. Thomas Unterlei- schisch. Seit er sich vor zwei Jahren die Zi-
der, ist „Marihuana das beste Mittel zur garetten abgewöhnt hat, konsumiert er sein
Kontrolle der Übelkeit bei der Krebs-Chemo- Dope nicht mehr im Joint, sondern in Form
therapie". Ebenso erfolgreich wurde Canna- von Keksen. „Erstens strapaziert das Essen
bis als natürliches Antibakterium getestet, meine Lungen nicht, zweitens ist es billiger,
als überaus wirksames Mittel gegen Asth- weil nichts in der Luft verdampft, und drit-
tens gewöhnt man sich damit ein bißchen Auch ist er seit langer Zeit regelmäßiger Ha-
Rausch-Disziplin an. Die Wirkung kommt schischkonsument: „Es ist die angenehm-
nicht sofort, wie beim Joint oder der Pfeife, ste Droge, die ich kenne, und das einzige,
sondern eben erst in ein oder zwei Stunden. was auf Dauer verträglich ist. Ich kann so-
Du läßt dich nicht so wahllos von der ersten viel rauchen, wie ich will, und kriege keinen
Lust hinreißen." Kater davon, ich muß nicht dauernd die
Aber Haschisch macht nicht süchtig; ist es Dosis steigern, um draufzukomrnen, und
da nötig, Disziplin zu halten? ich kann auch ohne großen Streß damit auf-
„Das Problem für mich ist, daß es so leicht hören."
ist, aufzuhören. Ich nehme ein halbes Jahr Warum aber hören die Haschischraucher,
lang jeden Tag meine zwei, drei Kekse und die alle beteuern, der Entzug sei kein Pro-
kann ohne Streß von einem Tag auf den an- blem, nicht einfach auf?
deren aufhören. Verglichen mit dem Niko- „Warum hörst du nicht auf, Zeitung zu
tinentzug, den ich im dritten Anlauf und mit lesen, Kaffee zu trinken oder Kuchen zu
Höllenqualen geschafft habe, ist das ein Kin- essen? Weil du überzeugt bist, daß es dir
derspiel. Ich habe es oft genug probiert. was bringt. Das nennt man, wenn ich mal
Wenn ich aber jederzeit verzichten kann, als Drogenberater sprechen darf, psychi-
warum soll ich dann aufhören? Ich tue es sche Abhängigkeit. Und die gibt es natürlich
trotzdem immer wieder, weil ich mir denke: auch beim Shit. Der gehört dann irgend-
Nein, das ist nicht normal, immer gut drauf, wann dazu, um sich lustökonomisch durch
immer locker, immer heiter, du mußt auch den Alltag zu bringen, wie die Zeitung zum
mal wieder alles nüchtern betrachten. Dann Frühstück, die Kaffeepause oder abends
lasse ich für ein paar Wochen das Ha- das Bier vor der Glotze. Nun kannst du
schisch weg und stelle fest: Die Welt ist sagen, daß alles, was zur Routine wird,
noch so schön und beschissen wie vorher, auch öde wird. Gebongt, aber dann kann
und mir geht es nicht schlecht, aber mit Ha- ich nur antworten: Bisher ist mir Haschisch
schisch geht es mir besser." noch nicht öde geworden, und ich freue
Und das sogenannte Demotivationssyn- mich wie ein Schneekönig auf den ersten
drom, die Schlaffheit und Laschheit, die den Joint."
Kiffern nachgesagt wird? Doch hier muß der Drogenberater differen-
„Da ist natürlich was dran, aber es ist nur zieren: „Einem 15jährigen, der, statt zur
die eine Seite. Auf Haschisch kannst du Schule zu gehen, bis zur großen Pause
wunderbar schlafen, du kannst aber auch schon drei Wasserpfeifen geraucht hat,
absoluten Aktivismus entwickeln. Du kannst du natürlich kein Loblied auf Ha-
kannst abhängen, rumlungern, dösen, aber schisch singen. Aber an Pattex-Schnüffler
du kannst auch arbeiten, diskutieren oder würde ich es schon gerne verteilen, als le-
tanzen. Es kommt auf dich an; wenn bensrettende Maßnahme. Daran ist natür-
du lasch und lustlos bist und rauchst was, lich nicht zu denken, ich darf in meinem
dann wirst du eben noch ein bißchen la- Laden nicht mal Spritzbestecke an Junkies
scher und lustloser. Das Wunderbare am ausgeben, das darf nur der Typ von der
Haschisch ist - und das Wunderbare ist Aids-Hilfe, der deshalb jeden Tag vorbei-
immer auch das Gefährliche -, daß du kommt. Hat der Junkie die Ausgabezeiten
garantiert keine Langeweile mehr hast. Ob mal verpennt, muß er die Fixe vom Kumpel
du nun 'ne Nachtschicht mit dem Taxi vor nehmen. Eine stabile Persönlichkeit
dir hast oder ein leeres Zimmer, das gestri- brauchst du für den Umgang mit jeder
chen werden muß, oder das Werbefernse- Droge, ob es nun Alkohol, Haschisch oder
hen von SAT 1." Heroin ist. In der Drogenarbeit haben wir es
Mein nächster Gesprächspartner arbeitet mit instabilen Persönlichkeiten zu tun, und
seit zehn Jahren mit Drogenabhängigen, zur da, muß ich sagen, sind die Haschisch-
Zeit in einem Beratungsladen für Fixer. Mißbraucher das geringste Problem. Leider
ist Shit für einen flashgeilen Fixer wie Pea- Mit einem einwandfreien Teströhrchen wie
nuts, und Alkis brauchen eine Weile, bis sie beim Alkohol wäre also das Problem erle-
ein Gespür für die Wirkung entwickeln, digt?
sonst wäre es nicht das Schlechteste, diese „Auf keinen Fall. Die Möglichkeit eines
Leute auf Shit anzutörnen. Auch den Regie- Tests ist nur die Grundvoraussetzung. In
rungsdirektoren mit ihren Valiums, den Bar- Holland und Spanien sieht man das zwar
schels mit ihrem Tavor und all den Säufern weniger eng, und tatsächlich ist es ja auch
würde die Umstellung guttun. Wenn sie kein wirkliches Problem - denn wer wenig
schon dauernd irgendwas brauchen, zur Be- raucht, ist noch Herr seiner Sinne, und wer
ruhigung, zur Entspannung, zum Vergnü- zu viel raucht, bleibt freiwillig auf dem Sofa
gen, dann sollten sie wenigstens was sitzen und hat keine Ambitionen, sich in den
Natürliches nehmen, das nicht kaputt- Verkehr zu stürzen. Aber man kennt ja die
macht." Deutschen: dumpf und geradeaus. Im 17.
Jahrhundert zahlte der Fürst von Waldeck
In einer von den Grünen in Auftrag gegebe- jedem zehn Taler, der einen Kaffeetrinker
nen Studie zur Drogenpolitik in der Bundes- anzeigte, und in Lüneburg wurde das Tabak-
republik schätzt der ehemalige hessische rauchen mit dem Tode bestraft. Während-
Umweltminister Joschka Fischer die Zahl dessen saßen die Holländer schon gemüt-
der Hanfkonsumenten auf 2,5 bis 5 Millio- lich mit der Pfeife im Kaffeehaus. Das erste
nen - ein erkleckliches Wählerpotential. Kaffeehaus in Berlin wurde erst 60 Jahre
Doch im Programm der Partei zur 1987er später eröffnet."
Bundestagswahl findet sich zur Entkrimina- Dr. J. möchte keine Wette darauf absch-
lisierung von Cannabis keine Zeile, obwohl ließen, wie lange es diesmal dauert. Er zer-
sich die angesprochene Studie nach Abwä- bröselt eine Mentholzigarette und legt mit
gung aller Fakten deutlich für die Straffrei- ein paar Blättchen Zigarettenpapier die
heit des Konsums (nicht des Verkaufs) von Grundlage für einen formschönen Joint:
Hanf und anderen Drogen ausspricht. Chri- „Die Lage ist pervers, aber zerbrechen wir
stian Ströbele, ehemaliger Bonner Abgeord- uns darüber nicht den Kopf. Wichtig ist: fro-
neter der Berliner Alternativen Liste, erzählt, hen Herzens genießen."
wie die Sache gelaufen ist: „Auf dem Pro- Und wann ist genug genossen? Der India-
grammparteitag in Hannover wurde der nerstamm der Balubas in Mexiko hat einen
Punkt Straffreiheit des Drogenkonsums mit zuverlässigen Test entwickelt: Die Raucher
großer Mehrheit beschlossen, bei der setzen sich im Kreis und legen einen großen
schriftlichen Abfassung des offiziellen Leguan in die Mitte. Sobald der Saurier,
Wahlprogramrns wurde diese Forderung betäubt vom Hanfdampf, ohnmächtig wird,
aber einfach weggelassen - aus Angst, die weiß man, daß es Zeit ist, mit dem Rauchen
Grünen könnten vom politischen Gegner als aufzuhören.
Rauschgiftpartei denunziert werden."
Doktor J., Rechtsanwalt und passionierter Dieser Text erschien 1987 in "Transatlan-
Haschischraucher, sieht das Legalisierungs- tik", einem von Hans Magnus Enzensber-
problem pragmatischer: „Solange es keine ger Anfang der 80er konzipierten Magazin,
Methoden zur exakten Messung einer Can- das lange, erzählende Reportagen im Stile
nabis-Intoxikation gibt, wird es strikt verbo- des "New Yorker" veröffentlichte. Zu die-
ten bleiben. Bisher ist es so, daß man zwar ser Zeit verdiente ich als Kultur-Redakteur
mit einigem Aufwand feststellen kann, ob der "taz" schon seit 7 Jahren einen trauri-
jemand Haschisch genommen hat, aber gen Einheitslohn, Nebenaufträge kamen
nicht, wann und wieviel. Die Drogentests, stets wie gerufen und solche wie dieser
die Reagan angeblich in den USA durchset- ganz besonders. Nicht nur, weil "Transat-
zen will, sind der reine Mythos, zumindest Iantik"-Honorare zum Lukrativsten zählten,
was Hanf betrifft." was die Branche zu bieten hatte, sondern
auch weil mir ein paar Wochen zuvor diese Tax Act, dem Beginn der Hanf-Diskriminie-
merkwürdige Geschichte der Marihuana- rung in USA, erzählte Rolf Achteck für die
Verschwörung auf den Schreibtisch geflat- "taz" die Geschichte der Marihuana-Ver-
tert war. Wem ich die Fotokopie von Jack schwörung nach - wieder mit Hinweisen auf
Herers Buch verdanke, weiß ich bis heute Jack Herers Buch - und wiederum ohne
nicht; sie lag, ohne Absender, mit einem Reaktionen von Verlagsseite. Und so setzte
Berg anderer Post eines Morgens auf mei- die Hanf-Akte in meinem Regal langsam
nem Schreibtisch. Schon nachdem ich sie Staub an. Zwar erzählte ich die Geschichte
kurz überflogen hatte, war mir klar, daß dies mit Vorliebe weiter und da man als Kultu-
mehr war, als nur eine weitere windige cali- ronkel einer Tageszeitung häufig mit Verla-
fornische Verschwörungs-Story - aber wie gen zu tun hat, gehörten auch immer mal
brachte man das chaotisch aufgemachte wieder Verleger und Lektoren zu den Zuhö-
Konglomerat aus Dokumentation, Informati- rern, doch niemand biß auf diesen fetten
on und Pamphlet an die deutschen Leserin- Hanf-Köder an. Die einen zuckten schon
nen und Leser? Jack Herer sprang ziemlich beim Stichwort "Marihuana" zurück, die an-
wild zwischen der vor - und frühgeschichtli- deren, die gerade das interessant fanden,
chen Verwendung der Hanfpflanze und der spätestens bei dem Versuch, das gelinde
aktuellen Verbotssituation, zwischen der Chaos des US-Originals systematisch
Eignung des Hanfs als universellem Bio- durchzulesen und auf die Reihe zu brin-
Rohstoff und der Lobby von amerikanischer gen...bis ich im Oktober 1992 Lutz Kroth
Öl-und Chemiemagnaten, die in den 30ern von "Zweitausendeins" die Geschichte er-
die Kampagne "Marihuana - Mörder der Ju- zählte. Auch der war erst mal skeptisch.
gend" inszenierten. So sensationell die Doch auf einmal ging alles ganz schnell:
Menge von Informationen und Fakten über Lutz las die (mitterweile erheblich erweiter-
die Hanfpflanze und die Hintergründe ihres te und verbesserte) Neuauflage des Buchs
Verbots schienen - so schwer ließ sich ein und rief kurz darauf an: "Ich mache es,
Aufhänger finden, sie systematisch und ge- wenn Du es überarbeitest und herausgibst"
rafft nachzuerzählen...bis die "Transatlan- - "Ich mache es, wenn Du es auf Hanfpapier
tik"-Redaktion anrief und für ein Heft zum druckst". Unter diesen Bedingungen wur-
Thema "Genußkuftur" nach einer Geschich- den wir uns einig, Ein Vertrag mit Jack
te über die Cannabis-Genüsse der Deut- Herer in L.A. wurde geschlossen, drei Über-
schen fragte. "Ein Report von der Kiffer- setzer an's Werk gesetzt, und ich machte
front - Minimum 17 Manuskriptseiten". mich an das geplante kurze Nachwort. Für
Musik in den Ohren jedes Zeilenhonorar- Europa, so stellte ich schnell fest, ließ sich
empfängers - und Platz genug, um einge- eine Verschwörung der Petro-und Chemie-
bettet in eine Art Reportage die Geheimge- Magnaten gegen den Hanf nicht belegen,
schichte der universellen Nutzpflanze Hanf die Gründe seines Niedergangs als Nutz-
endlich zu erzählen. Als der Text fertig war pflanze waren aber dennoch äußerst span-
und die Redaktion ihn ohne Änderungen nend. Vom Bereich der Pharmazie, wo Can-
oder Kürzungen und in in großzügigem Lay- nabis als Universalmedizin durch das
out gedruckt hatte, legte ich mir das Herers "Bayer"-Patent "Heroin" verdrängt wurde,
Buch zum Kopieren bereit - daß sich nach bis hin zum Verpackungswesen, wo Billig-
dieser Story ein Verlag dafür interessieren Ware aus der Dritten Wert - indische Jute -
würde, schien mir ausgemachte Sache. den klassischen Hanf ersetzte. "Jute statt
Doch merkwürdigerweise geschah gar Plastik", die einstige Öko-Parole, war auf
nichts - zwar kamen einige begeisterte Les- diesem historischen Hintergrund auf einmal
erzuschriften und in einschlägigen Kreisen gar nicht mehr so grün: innerhalb eines
machte der Artikel als Geheimtip durchaus Jahrzehntes ließen die britischen Kolonial-
die Runde, Verlage aber meldeten sich herren über eine Million Hektar Jute pflan-
nicht. Zum 50. Jahrestag des Marihuana zen und eroberten dank ausbeuterischer
Löhne damit den Welttextilrnarkt. bot aber keinerlei Rolle - die ersten Verfah-
Was ich vor allem suchte, bei meiner Biblio- ren fanden erst nach 1945 statt und es
theks-Recherche, war der Haken an dieser waren Gls, die mit dem "Mörderkraut" er-
Hanfgeschichte - die Wunderpflanze, wie wischt wurden. Daß dieses teuflische Mari-
sie Jack Herer da schilderte und dokumen- huana der gute alte Hanf war, den noch der
tierte, schien mir einfach unglaublich. Doch Opa als Knaster im Pfeifchen geraucht hatte,
was ich fand, in neuen, alten und uralten wußte zu dieser Zeit in Deutschland schon
Büchern, war Bestätigung über Bestäti- kaum jemand mehr.
gung. Wenn aber Hanf so problemlos anzu- Mein "kurzes" Nachwort wurde länger und
bauen war, so hohe und universell nutzbare länger - und der Haken war immer noch
Erträge lieferte und dabei noch die Böden nicht aufgetaucht, auch nicht in der letzten
verbesserte, statt sie auszulaugen - wie deutschen Monographie über die Nutzpflan-
konnte er dann so spurlos von den Äckern ze Hanf, erschienen 1957 im Bauernverlag
verschwinden ? Ein wesentlicher Grund der DDR. Stattdessen spielte mir der Zufall
war, daß der technische Fortschritt Mitte (??) eine weiteres Dokument in die Hände.
des 19. Jahrhuhunderts andere Pflanzen be- Beim Kopieren alter Lexikon-Artikel in der
günstigte. So wurde zu Beispiel die Baum- Berliner Staatsbibliothek fiel mir an einer
wollmaschine erfunden, die das Verspinnen Wand erstmals ein großer Karteischrank mit
der geernteten Baumwolle wesentlich ver- der Aufschrift "Restbestände des Alt-Kata-
einfachte. Innerhalb kürzester Zeit wurde so logs" auf. "Was ist denn das?" dachte ich
die bis dahin exotische Baumwolle zur do- mir, zog unter dem Schlagwort "Landwirt-
minierenden Textilfaser. Die ebenfalls um schaft" die Schublade "H" auf, blätterte die
1850 entwickelte Holzschliffmaschine Reihe von Karteikarten in der Mitte auf - und
machte Bäume als (scheinbar kostenlosen) da war sie: "Hanffibel, Die lustige", (Hrsg.)
Papierrohstoff attraktiv, und verdrängte das Reichsnährstand, Berlin 1942. Als mir die
Papier aus Hadern (Hanf-und Flachs-Lum- Ausleihe eine Stunde später das Bändchen
pen) vom Markt. Den Pharmazeuten gelang in die Hand gedrückt hatte, war einmal
es, die Mohnpflanze in ihre Derivate aufzu- mehr klar, daß Nicht-Suchen immer noch
spalten und extrem starke Entspannungs- die besten Fundstücke garantiert: "Der
und Beruhigungsmittel zu synthetisieren, Hanf ist uns kein fremder Gast, man pflanze
was der krampflösenden und entspannen- ihn, wohin er paßt.. Die Pflanze Hanf, groß
den Cannabis-Medizin den Garaus machte. und gewaltig, ist in der Leistung vielgestal-
Im vor-mechanischen Zeitalter hatte die tig... Wer Hanf heut baut mit starker Hand,
Hanfpflanze vor allem ein Problern ge- hilft selbst sich und dem Vaterland." Ein
macht: die mächtigen, über vier Meter Loblied auf den Universal-Rohstoff Hanf
hohen 'Bäume' waren schwer zu ernten, zu und eine genaue Anbauanleitung, auf 32
transportieren und zu verarbeiten. Erst in Seiten, gereimt, mit farbigen Zeichnungen -
den 20er Jahren dieses Jahrhunderts wur- gegen das High, das mir diese Lektüre ver-
den die entsprechenden Maschinen ent- schaffte, konnte selbst bestes Skunk nicht
wickelt und just als sie so weit waren und anstinken. (Zu recht vermutet Micky Re-
dem fast schon vergessenen Hanf eine Re- mann, daß Gott, als er die Nüchternheit er-
naissance als nachwachsender Rohstoff be- fand, high gewesen sein muß). Es war klar,
schert hätten, setzt die "Marihuana"-Kam- daß dieses Prachtstück dokumentiert wer-
pagne in Amerika ein. Von dieser Denunzia- den mußte: wie schon in den "Notzeiten"
tion hat sich der Hanf bis heute nicht erholt des 1. Weltkriegs, als sie als kriegs-
- ausgehend von USA ging die Kunde vom treibende Nation von der Rohstoff-Versor-
"mörderischen Rauschgift" Hanf durch die gung abgeschnitten waren, hatten sich die
ganze westliche Welt. Ins deutsche Opium- Deutschen auch im 2. Weltkrieg auf den
gesetz war der "indische Hanf" zwar schon Hanf besonnen - und nicht nur sie. Zeit-
1929 geraten, juristisch spielte dieses Ver- gleich mit der Veröffentlichung der "Hanf-
Fibel" durch die NS-Bauernorganisation legte ich ein Gelübde ab: "Wenn dieses
"Reichsnährstand" wurde der Hanf auch Buch nichts bewegt, schreibst Du nie wie-
auf der anderen Seite des Atlantiks wieder- der eins! ". Kurz darauf traf ich Jack Herer in
entdeckt- und dem Landmann mit dem Pro- Paris, wo er zu einem Cannabis-Kongreß
paganda-Film "Hemp for victory! " an's Herz eingeladen war. Auf einem Hausboot auf
gelegt. Auch für die US-Regierung war das der Seine, wo ihn die Organisatoren ein-
fünf Jahre zuvor von den Äckern verbannte quartiert hatten, sprachen wir eine ganze
"Mörderkraut" plötzlich unverzichtbar - die Nacht lang. Jack erzählte, wie er vor 15 Jah-
Japaner hatten sie von der Zufuhr des billi- ren von einem Freund auf die Nutzpflanze
gen philippinischen "Manilahanfs" abge- Hanf aufmerksam gemacht worden war,
schnitten. ("Hanf" hießen diese aus Bana- wie er Jahre lang Dokumente gesucht und
nenblättern gewonnen Fasern übrigens nur, gesammelt hatte - und von allen mehr oder
weil sie als Ersatz für echte Hanffasern aus weniger für verrückt gehalten wurde. Nicht
Cannabis benutzt wurden. Dasselbe gilt für nur die Ökologen, auch die "Legalize it!"-
den sog. "Sisalhanf" aus der Sisalpflanze). Aktivisten von N.O.R.M.L. hätten seine Ge-
Die Zeit drängte, die Recherchen mußten schichte der Verschwörung gegen die Nutz-
zum Abschluß kommen, zudem war mein pflanze Hanf jahrelang abgelehnt und als
Nachwort schon jetzt auf 100 Seiten ange- Spinnerei disqualifiziert. Die ersten Aufla-
wachsen. Doch das Problem war weniger gen des "Emperor" brachte er 1986 im
der Umfang, sondern eher die Tatsache, Selbstverlag heraus - und erweiterte sie Zug
daß der Haken immer noch nicht aufge- um Zug mit immer neuen Dokumenten.
taucht war. "Diese Geschichte ist so wahr Ende der 80er dann war das Puzzle vollstän-
und so gut dokumentiert, das glaubt uns dig genug, plötzlich war Hanf überall in Cali-
alles kein Mensch", warnte ich den Verle- fornien angesagt - und die "High Times"
ger am Telefon, "wir brauchen ein Gutach- wählte Jack zum "Man Of The Year". In Los
ten, irgendeine objektive Stellungnahme." Angeles hatte er den ersten Laden mit
Als ich mit Michael Karus vom Kölner Kata- Hanf-Produkten eröffnet. Den meisten Teil
lyse-Institut den Auftrag für eine Studie des Jahres verbrachte er auf Vortrags-Tour,
über Hanf im Vergleich mit anderen Nutz- durch Colleges, Universitäten und Football-
pflanzen besprach, war mir nicht ganz wohl stadien, wo er als "Vorgruppe" von Great-
im Magen: Was würden wir machen, wenn ful Dead und Hanf-Botschafter auftritt. Seit
diese Studie die hervorragenden und univer- unserem Treffen in Paris auch mit Zitaten
sellen Eigenschaften des Rohstoffs Hanf aus der "Lustigen Hanffibel", die in die neu-
nicht bestätigte ? Diese Sorge bewies sich este US-Ausgabe aufgenommen wurde.
nicht nur als unbegründet, die Ertrags- Als der Verlag bei seinem Papierhändler
Daten, die "Katalyse" bei seinen Recher- Hanfpapier bestellte, schüttelte dieser an-
chen ermittelte, setzten auf unsere These gesichts dieser Idee den Kopf: So was hatte
vom Hanf als Rohstoff Nr.1 vielmehr noch man da noch nie gehört - wer ihnen denn
eins drauf. Ungarische Studien etwa hatten den Floh in's Ohr gesetzt hätte ? Gottsei-
ergeben, daß Hanf auf gleicher Fläche nicht dank hatte ich nicht nur Flöhe, sondern auch
nur 4 bis 5mal soviel Papier abwirft wie einen Hersteller in China - und nach einigen
Bäume, sondern auf längere Sicht sogar 15- Wochen lag tatsächlich ein Muster auf dem
mal soviel. Nach neuen rumänische Unter- Tisch. Das Papier wurde bestellt, die zuge-
suchungen, die einen Ölertrag von 4.000 sagte Lieferung zögerte sich aber Woche
Kilo pro Hektar erbrachten, verurteilt Hanf um Woche hinaus. Noch bevor die Ladung
den hierzulande als Ölpflanze angebauten im Hamburger eintraf stellte sich heraus,
Raps (seltenst erreichter Spitzenertrag; daß weder das Format noch die Qualität des
1.500 kg) geradezu zur Lächerlichkeit. Papiers, das da gen Germany schipperte,
Als der erste Zwischenbericht von Katalyse dem entsprach was bestellt war. Wenn das
auf meinem Schreibtisch gelandet war. Buch auf Hanfpapier erscheinen sollte, blieb
nur eine Möglichkeit: Hanfzellstoff aus Spa- gab es bei der Einfuhr keinerlei Probleme.
nien zu besorgen (dem einzigen Hersteller Wie überhaupt die Etablierung des Handels
in Europa) und das Papier selbst zu machen. mit Hanfprodukten amtlicherseits routi-
"Wenn es nicht ein guter Kunde wie Zweit- nemäßig genehmigt wurde, "Wollen sie
ausendeins gewesen wäre, hätte ich mich auch mit Haschisch handeln", fragte der
darauf nie und nimmer eingelassen", sagte Prüfer vom Gewerbeamt. "Nein, das ist
mir Jürgen Schlegelmilch, Manager des Pa- doch verboten." - "Na ja, es hätte ja sein
pier-Großhändlers "Schneidersöhne" 8 Mo- können, aus medizinischen Gründen." Sage
nate später - als aus der fixen Hanf-Idee be- da noch einer, deutsche Beamte hätten kein
reits ein kleines, aber feines Marktsegment Verständnis...
mit einem Umsatz von immerhin Das Buch war gerade zwei Tage ausgelie-
70 Tonnen Hanfpapier geworden war. Und fert, da meldete sich eine Agrargenossen-
"Schneidersöhne" als größter deutscher schaft aus Brandenburg: Ob ich es mit dem
Papier-Händler daran arbeitete, verschiede- Hanf ernst meine und ihre Bestrebungen,
ne Qualitäten von Hanfpapier herzustellen ihn wieder anzubauen, unterstützen würde
und wieder fest in's Sortiment zu nehmen. ? Schon ein paar Tage später war ich
Im Papierbereich war also allein durch die draußen und besichtigte zusammen mit den
Aufträge für das Buch die Hanfindustrie in Bauern jene Böden im Märkischen Luch, die
Deutschland schon wiederbelebt worden - neben Bayern und dem Oberrhein einst das
daß andere Bereiche bald folgen sollten, Zentrum des deutsche Hanfanbaus gewe-
verdankte sich vor allem einer Baseballmüt- sen waren. Keine 20 Kilometer von der Ber-
ze aus Hanf, die ich von Jack ergattert hatte. liner Stadtgrenze könnten hier demnächst
Viele Leute, denen ich sie zeigte, waren so die Jeans für die Kreuzberger Szene ebenso
begeistert, daß sie mir glatt 100 Mark dafür wachsen wie das edle Briefpapier haupt-
boten. Auch die Leinenstoffe, das Hanfpa- städtischer Konzernniederlassungen...für
pier und andere Produkte stießen bei den die darbenden ehemaligen LPGs endlich
meisten Betrachterinnen auf glänzende eine Perspektive. Ende Januar aber lehnte
Augen. "Das will ich haben. Wo gibt's das? das Bundesgesundheitsamt den Antrag
Bring mir das nächste Mal davon was mit!" zum Anbau von 110 Hektar ab - auch bei
Diese überwältigende Nachfrage führte zu thc-armen Hanfsorten sei der Mißbrauch
einem weiteren Akt bei der Wiederbele- zur Drogengewinnung nicht auszusch-
bung der heimischen Hanfindustrie - im ließen. Die Bauern zogen mit einer Klage
September, wenige Wochen vor Erschei- vor das Verwaltungsgericht - der Ausgang
nen des Buchs, gründete ich mit drei Freun- ist zu diesem Zeitpunkt noch offen, auch
den das "HanfHaus". Als Tante-Emma-Ver- wenn die Landwirte zwei hochkarätige Gut-
sand, so dachten wir, könnten wir doch achten auf ihrer Seite haben. Von der Bun-
locker nebenbei ein paar Hanfprodukte im- desforsschungsanstalt für Landwirtschaft in
portieren und vertreiben - und legten einen Braunschweig, wo zwei Jahre lang thc-
kleinen Katalog mit Angeboten von Stoffen arme Hanfsorten getestet wurden - sowie
und feinem Briefpapier aus Hanf auf - und aus der Feder des Frankfurter Oberstaats-
natürlich den Baseballmützen. Und wieder anwalts und BtMG-Kommentators Hans
übertraf die Begeisterung alle Erwartungen Körner, nach dessen Meinung diese thc-
- kaum war eine heißersehnte Lieferung ein- armen Hanf-Sorten gar nicht unter das
getroffen, war sie auch schon wieder aus- BtMG fallen und dem Landwirt das Recht
verkauft. Obwohl wir, außer einer Notiz im zum Anbau nicht verwehrt werden kann.
Buch, noch keinerlei Werbung machten. Als Zumal es seinen Kollegen in Frankreich,
wir beim Zoll "Leinenstoffe aus Cannabis, Spanien oder England erlaubt ist. Professor
Herkunftsland China" anmeldeten, staunte Dambroth, Leiter des Insituts für Pflanzen-
man zuerst nicht schlecht - weil dieser Arti- bau an der Bundesforschungsanstalt, möch-
kel aber eine ganz normale Zollnummer hat, te zwar mit dem Satz "Davon muß man 30
Kilo rauchen, um einen Rausch zu erzielen" noch einmal einen gewaltigen Schub hinzu-
nicht zitiert werden ("Sonst meinen die fügen. Wirtschaftliche Interessen waren in
Leute, ich hätte es selbst ausprobiert") - Deutschland schon allemal das beste Ar-
sinngemäß aber unterschreibt er diese Aus- gument, um irgendetwas durchzusetzen -
sage über die "Gefahren" des thc-armen insofern ist es nur eine Frage der Zeit, bis
Hanfs. die hanffeindlichen Gesundheits-Bürokra-
Auch wenn der Anbau für 1994 noch unge- ten von der Agrar-Lobby weggepustet wer-
wiß ist - aufzuhalten ist die Wiederent- den. Denn anders als beim Hanf-Verbot in
deckung des Hanfs schon jetzt nicht mehr. den 30er Jahren, als die Industrie ihre Hoff-
Die Veröffentlichung von Jack Herers Buch nungen noch auf Plastik und Chemie setzte,
in Europa hat einen schlafenden Riesen ge- sind die Bewußtseine heute ein Stück wei-
weckt. Die Importkurve für Hanfprodukte ter. Eigentlich weiß schon jedes Kind, daß
ging schon 1993 steil nach oben - die Jeans die Menschheit nur eine Chance hat; grün
aus 100% Cannabis, die 1994 vom "Hanf- werden oder sterben. An der Zukunft aus
Haus" auf den Markt gebracht wird, wird der Pflanze führt kein Weg vorbei.

Herer/Bröckers/Katalyse:
Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf
Zweitausandeins, 480 S., 30 DM
HanfHaus, Eisenacherstr. 71, 10823 Berlin
Jonathan Ott Wirkung in einigen Cannabis-Zubereitungen
(Paton & Pertwee 1973a). Die komplexe
TETRAHYDRO- Chemie der Cannabis-Spezies wurde von
CANNABINOLE UND DIE Schultes und Hofmann (1980) und noch de-
taillierter von Mechoulam (1973) unter-
GATTUNG CANNABIS sucht. Eine wirksame Dosis delta1-THC beträgt
zwischen 3 und 30 mg (Mechoulam 1973;
Tetrahydrocannabinole sind die stickstoff- Schultes & Hofmann 1980). Es existieren
freien psychoaktiven Bestandteile von Mari- Abhandlungen über die Pharmakologie des
huana, Species Cannabis (Joyce & Curry, Tetrahydrocannabinols (Kettenes-van den
1970; Weil et al. 1968). Sie bilden eine Un- Bosch & Salemink 1980; Mason & McBay
tergruppe der Cannabinoide, die Monoter- 1985; Nahas 1976; Starks 1977), und zum
pene, von denen schon mehr als 50 aus letzten Stand der Cannabis-Forschung (Hu-
Cannabis und seinen Präparationen isoliert sain & Khan 1985). In 90 Jahre altem, ge-
werden konnten (Mechoulam 1973; Schul- trocknetem Marihuana wurden trotz ihrer
tes und Hofmann 1980).Die aktive Haupt- Instabilität noch THC und andere Cannabi-
komponente scheint (-)-delta1-3,4-trans-Te- noide nachgewiesen (Harvey 1990). Die
trahydrocannabinol (delta1-THC) zu sein. Es Funktion dieser Sekundär-Bestandteile in
wurde erstmals 1964 isoliert (Gaoni & Me- der lebenden Pflanze ist noch unklar, aber
choulam 1964). Ein zweites, aktives Isomer es scheint, daß Stress die Cannabis-Pflanze
kommt in geringeren Mengen vor. Es ist anregt, mehr Cannabinoide zu produzieren
das 1966 zuerst isolierte (-)-delta6-3,4-trans-Te- (Haney & Kutscheid 1973; Latta & Eaton
trahydrocannabinol (delta6-THC) (Hively et al. 1975).
1966). In erntefrischen Cannabis-Pflanzen
liegen diese und andere Cannabinoide Jüngste Untersuchungen an THC-Rezepto-
meist oder ausschließlich als deren korre- ren in Gehirnen führten zur Isolation von
spondierende Carboxyl-Säuren vor (THC- Arachidonyl-Ethanolamid, dem endogenen
Säuren). Sie werden durch Trocknung, La- Andock-Molekül für den Rezeptor (d.h., der
gerung, Erhitzen, Pressen oder während der natürlichen Substanz im Gehirn, die im Nor-
chemischen Analyse in die entsprechenden malfall an den Rezeptor andockt, den auch
neutralen und aktiven Cannabinoide umge- THC aktiviert). Dieses Molekül wurde
wandelt (Schultes & Hofmann 1980). Für delta1- Anand-Amid genannt, nach dem Sanskrit-
THC existieren zwei Carboxyl-Säure-Varian- Wort für "Glückseligkeit". Es ist möglich,
ten, die delta1-THC-Säure A (4'-carboxy), und daß dieses wichtige Ergebnis die Ent-
die delta1-THC-Säure B (6'-carboxy), wobei die deckung einer neuen Klasse von Neuro-
erstere Form häufiger vorkommt (Schultes transmittern bedeutet, die Entspannung in
& Hofmann 1980). Während delta6-THC norma- Säugetierhirnen auslöst -vielleicht sogar
lerweise nur in Spuren auftritt, existiert es in "Glückseligkeit"! (Barinaga 1992; Devane
einigen Proben "in beträchtlicher Menge" et al. 1992).
(Mechoulam 1973). Abweichende Anteile
der zwei aktiven THC-lsomere könnten zum Tetrahydrocannabinole kommen nur in der
Teil für die unterschiedlichen Wirkungen Cannabis-Spezies vor. Zur botanischen Be-
einzelner Partien Cannabis verantwortlich stimmung kennen wir gegenteilige Meinun-
sein. Eine Rolle spielen dabei auch andere gen, ob es eine oder mehrere Arten von
chemische Abweichungen wie das Men- Cannabis gibt. Die Vorstellung von mehre-
genverhältnis zwischen THC-Säuren und ren Abarten wurde von Schultes und seinen
neutralen Cannabinoiden (Mechoulam Mitarbeitern (Schultes et al. 1974) und
1973). Ferner bewirken Cannabinol und davon unabhängig von anderen geäußert
Cannabidiol neurochemische Aktivitäten, (Anderson 1974; Anderson 1980; Emboden
Besonders Cannabidiol hat beruhigende 1974). Diese Botaniker gehen von drei Spe-
zies aus: Cannabis Sativa (groß mit einigen bereits seit 6000 Jahren (Li 1974b). Eindeu-
Seitentrieben; Shawcross 1982), Cannabis tige Erwähnung seiner psychotropen Eigen-
Indica (kleiner mit vielen buschigen Seiten- schaften finden sich in dem Kräuterbuch
trieben) und Cannabis Ruderalis (sehr klein, Pen Ts'ao Ching, das im ersten Jahrhundert
nicht oder nur wenig verzweigt), die sich u.Z. zusammengestellt wurde, traditionell
morphologisch, im Wachstum und in ihrer jedoch einem sagenumwobenen Herrscher
Chemie unterscheiden. Durch Kreuzung um 2700 v.u.Z. zugeschrieben wird (Embo-
von Cannabis Sativa und C. Ruderalis ent- den 1972a; Li 1974a; Touw 1981). Cannabis
standen Hybriden mit durchschnittlichem fand in Indien lange Zeit Verwendung bei re-
THC-Gehalt (Beutler & Der Marderosian ligiösen Ritualen (Aldritch 1977). Es ist in
1978). Andererseits favorisieren Small, der Atharva Veda als heiliges Rauschmittel
Cronquist, Quimby und Kollegen den mono- erwähnt, das zusammen mit Amrta und
typischen Aufbau der Art und kennen nur Soma entstand, als die Götter die Ozeane
die Spezies Cannabis Sativa mit zwei Unter- aufwühlten (Sharma 1977; Touw 1981),
arten, die in je zwei Variationen vorkom- Cannabis-haltige Zubereitungen, in Sanskrit
men: Cannabis Sativa, Subspezies Sativa, manchmal "Vijaya" (oder "Sieg") genannt
mit den Varianten Sativa und Spontanea, (Marglin 1985), sind besonders dem Gott
und Cannabis Sativa, Subspezies Indica, mit Schiwa geweiht. Man findet sie in drei For-
den Varianten Indica und Kafiristanica men: Bhang, eine Präparation aus Blättern
(Quimby et al. 1973; Small 1975c; Small & in Milchgetränken (z.B. Bhang Lassi), das
Cronquist 1975; Small et al. 1975), Die De- von frommen Hindus vor dem Betreten
batte um die Klassifizierung hat andere als wichtiger Tempel getrunken wird, Ganja,
biologische Gründe -Small führt aus, daß Blütenstände, und Charras, pures Harz. Die
Klassifizierungen "den gesellschaftlichen beiden letzteren werden geraucht, meist in
Notwendigkeiten dienen" müssen. Für ihn einem "Chillum", einem senkrecht gehalte-
bedeutete dies, nicht den Anti-Marihuana- nen Rohr (Carstairs 1954; LeBarre 1980b).
Gesetzen zu widersprechen, in denen vor- Zubereitungen mit Cannabis werden beson-
ausgesetzt wird, daß es eine Spezies Can- ders bei der rituellen Verehrung des indi-
nabis gibt, die auch ausdrücklich erwähnt schen vor-vedischen Stammesgottes Ja-
wird. Der Klassifizierende sollte dies nicht gannath, dem "Jagannath Mandir" in Puri,
zerstören, indem er mehrere Spezies vor- angewendet (Marglin 1985). Der rituelle Ge-
gibt und damit die Marihuana-Verbote unter- brauch bei den Hindus wird ausführlich von
miniert (Small 1975a; Small 1975b; Small Swami Agehanandra Bharati beschrieben
1976)! Beide Seiten der Argumentation (Zitiert von Schleiffer 1979). In Asien wird
wurden von Emboden (1981a) gegenüber- Cannabis weitläufig als Ethnomedizin einge-
gestellt. Letzte Forschungen zur Morpholo- setzt, z.B. als Beruhigungs- und Betäu-
gie, der chemischen Klassifikation und zur bungsmittel in Thailand (Ponglux et al.
Genetik von Cannabis ergaben neue Bewei- 1987). Die Khasi und Garo im zentralindi-
se für die Existenz von mehreren Abarten schen Meghalaya setzen es bei Hauterkran-
der Spezies (Hillig 1993). Gleich, wie viele kungen ein (Rao 1981 ). In Haryana (indische
Arten von Cannabis man postuliert, enthal- Provinz) werden Cannabis Sativa-Blätter mit
ten alle Pflanzen in sämtlichen Teilen, sogar Honig gegen Husten eingenommen (Lal &
in den Pollen (Paris et al. 1975), Tetrahydro- Yadav 1983). während in Nepal der Saft der
cannabinole, welche in keiner anderen Blätter als Wundheilmittel Verwendung fin-
Pflanzenart zu finden sind. det (Bhattarai 1990).

Die Geschichte von Cannabis reicht weit In der westlichen Hemisphäre wird Canna-
zurück und ist sehr komplex. Sie soll hier bis um 500 v.u.Z. von Herodot erwähnt. Es
nur kurz angerissen werden. Textilien aus werde von den mysteriösen Skythen in
Cannabis-Fasern (Hanf) kennt man in China ihren Schwitzhütten auf heiße Steine ge-
worfen, und sie würden von den Dämpfen wohnern des damals besetzten Ägypten
berauscht (Brunner 1977; Schleiffer 1979). (Moreau 1845). Moreau war Mitbegründer
Die antiken Ärzte Dioscorides und Galen be- eines literarischen Zirkel in Paris, der sich
fassen sich mit der Verwendung von Canna- "Le Club des Haschischins" nannte. Bei
bis in der Medizin, und es häufen sich An- den Treffen konsumierte man reichlich ein
zeichen für seinen Gebrauch als Rauschmit- Haschisch-Gebäck namens "dawamesk".
tel in der klassischen Epoche (Andrews & Zwei prominente Mitglieder waren der fran-
Vinkenoog 1967; Emboden 1972a; Escoho- zösische Dichter Charles Baudelaire, des-
tado 1989a) In der arabischen Wert war sen Buch "Les Paradis Artificiels", "Die
Cannabis von größter sozialer und ritueller künstlichen Paradiese", poetisch die Wir-
Bedeutung. Marco Polo berichtete in Euro- kung von Opium und Haschisch beschreibt
pa erstmals im dreizehnten Jahrhundert von (Baudelaire 1860), und der Schriftsteller
der Anwendung des Cannabis als Rausch- Théophile Gautier, der zwei Novellen über
mittel Arabiens. Polo schrieb von dem my- seine Cannabis-Erfahrungen schrieb (Gau-
steriösen "Alten vom Berge" und dessen tier 1961). Fünf Jahre vor Baudelaire legte
fantastischen Lustgarten, wo wunderschö- bereits der amerikanische Dichter Bayard
ne junge Frauen seinen unter Drogen ge- Taylor seine Haschisch-Experimente dar
setzten Kriegern vorgaukelten, er besitze (Hayter 1968; Taylor 1961). Das vielleicht
den Schlüssel zum Paradies. So versicherte bekannteste literarische Werk über Canna-
er sich deren ewiger Treue, und sie wurden bis ist Fitz Hugh Ludlows klassisches Buch
seine "Assassinen", eine fanatische Mör- "The Hasheesh Eater: Beeing Passages
dertruppe. Dieser Alte soll niemand anderes from the Life of a Pythagorean". Darin be-
als Hassan Sabah gewesen sein, die Droge schreibt er seine persönlichen Erfahrungen
war Haschisch, seine Gefolgsleute die Ha- mit großen Dosen einer Cannabis Indica-
schischinen, woraus sich das englisch/fran- Tinktur der Firma Tilden & Company, die
zösische "Assassin" für Mörder ableitet. zum Verkauf in Apotheken hergestellt
Rudolf Gelpke unternahm den Versuch, Fak- wurde (Ludlow 1857). Ein weiterer bekann-
ten und Fiktionen in der Legende des Alten ter Haschisch-Experimentator war Walter
vom Berge zu trennen (Gelpke 1966a; Gelp- Benjamin (Benjamin 1972). Die moderne Li-
ke 1966b). Trotzdem besteht kein Zweifel, teratur über Cannabis ist sehr umfangreich
welch wichtige Rolle Cannabis in der arabi- und wird hier nicht besprochen.
schen Welt spielte. Von der Droge erzählt
Scheherazade in "Tausendundeine Nacht" Dank der literarischen Bemühungen von
(Emboden 1972a). Cannabis wird auch mit Gautier, Taylor, Baudelaire, Ludlow und an-
der esoterischen Sufi-Sekte, den "tanzen- derer wurde der Nutzen von Cannabis über
den Derwischen", in Verbindung gebracht seine traditionellen Bereiche heraus be-
(Friedlander 1975; Gelpke 1966a; Lewin kannt, und seit anderthalb Jahrhunderten
1924). Heute kommt ein Großteil des in Eu- wird die Droge in esoterischen Zirkeln der
ropa erhältlichen Haschisch aus dem marok- westlichen Länder geschätzt. In den USA
kanischen Rif-Gebirge, wo man die Droge brachte man bis in die 50er Jahre den Ge-
unter dem Namen Kif kennt (Banabud 1957; brauch von Marihuana mit eingewanderten
Cherniak 1979; Joseph 1973; Mikurya mexikanischen Arbeitern und kleinen Krei-
1870). Es gibt auch eine Zusammenfassung sen farbiger Musiker in Verbindung. Dann
der afrikanischen Cannabis-Geschichte (Du fand es über die Anhäger des Beat Move-
Toit 1980). ment seinen Weg in alle Gesellschafts-
schichten Nordamerikas. Cannabis war
Die erste wissenschaftliche Studie Europas nicht wegzudenken aus dem "Psychedeli-
über Cannabis veröffentlichte 1845 J.-J. schen Zeitalter" der 60er Jahre, und zu Be-
Moreau de Tours in Paris. Er beschrieb ginn der 70er hatten mindestens 24 Millio-
Selbstversuche und Experimente mit Ein- nen Nordamerikaner die Droge probiert
(Grinspoon 1977; National Commission on huana in Arzneien und die riesige Zahl der il-
Marijuana 1972). 1988 stellte das National legalen Benutzer der Droge hat Gruppen
Institute of Drug Abuse mehr als zwölf Mil- wie NORML (National Organization for thé
lionen regelmäßige User im Alter über zwölf Reform of Marijuana Laws) veranlaßt,
Jahren in der US-Bevölkerung fest (Gold- gegen Verbote zu Felde zu ziehen. Ihr Ziel
stein & Kalant 1990). Dank der energischen ist, die bestehende Gesetze zu ändern. Eini-
polizeilichen Anstrengungen , den Schmug- ge Erfolge gab es in den 70ern. In den Staa-
gel von Cannabis-Produkten in die USA zu ten Alaska, Oregon, Kalifornien und anders-
unterbinden, und der Verbesserung von An- wo setzte man damals auf Entkriminalisie-
baumethoden, wurden die USA zum welt- rung, was in einigen Fällen zu einem kon-
weit führenden Produzenten und einem der servativen Rückschlag und erneuter Krimi-
größten Verbraucher-Märkte für Cannabis. nalisierung führte. Mit unserer heutigen, hy-
Ein werteres Ergebnis ist die Entwicklung sterischen Einstellung gegenüber verbote-
eines super-potenten Marihuana von einer nen Drogen erscheint Marihuana in der
Stärke, die bis dahin unbekannt war (Ott Liste der "gefährlichen Drogen", während
1992a). Inzwischen gibt es eine Vielzahl von die einst so gefürchteten Psychedelika LSD
Literatur zur Methodik des Cannabis-Anbau. und Meskalin fast vergessen sind. Marihua-
Das erste Buch darüber war wahrscheinlich na ist ohne Zweifel die am meisten genutz-
"The Cultivator's Handbook of Marijuana" te schöpferische Droge auf der Erde. Die
(Drake 1970; siehe auch: Frank & Rosenthal Zahl der Verbraucher beträgt Hunderte von
1974, Irving 1978 und Mountain Girl 1977). Millionen (Rubin 1975).
Außer dem allgemeinen Gebrauch als
Rauschmittel wird Marihuana inzwischen Alle über 250 Quellenangaben aus diesem
auf vielen Gebieten zu medizinischen Buch gibt es gegen 1 DM Rückporto ko-
Zwecken eingesetzt. Hauptsächlich dient es stenlos beim Verlag. Der Abdruck hätte den
zur Unterdrückung extremer Brechreize, die Umfang dieses Buches gesprengt.
während der Krebs- und AIDS-Chemothera-
pie auftreten, und zur Verringerung des
Augen-lnnendrucks bei Glaukom-Patienten
(Roffman 1982; Zinberg 1979). Die AntiDro-
gen-Gesetzgebung mußte wegen der guten
Behandlungserfolge gelockert werden. So
ist der Rauch von Marihuana oder die orale
Gabe von delta1-THC sehr angebracht zur Medi-
kation gegen Brechreiz, und Marihuana-
Rauch bewirkt Erfolge bei der Behandlung
von Glaukomen. Trotzdem hat die US-Re-
gierung die Verteilung der Droge an neue
Glaukom- Krebs- und AIDS-Patienten ge-
stoppt. Man will keine Signale im Fall von
Marihuana setzen (und zieht es vor, Men- Diesen Text haben wir mit freundlicher Ge-
schen sinnlos leiden zu lassen). Tabletten nehmigung des Autors Jonathan Ott dem
mit THC ("Marinol") sind weiterhin erhält- epochalen Werk PHARMACOTHEON - En-
lich (Blumenthal 1992). Die rechtliche Situa- theogenic Drugs, Their Plant Sources and
tion, wie auch der Nutzen von Marihuana in History, Kennewick, 1993, entnommen. In
der Medizin, werden in einem Fachbuch be- der über 2400 Titel fassenden Bibliographie
handelt (Roffman 1982). Cannabis wird findet der Neugierige auch sämtliche im
auch als Therapeutikum zur Behandlung von Text erwähnte Quellen. Das 640-seitige
Alkoholismus vorgeschlagen (Mikuriya Buch ist über den Rauschkunde-Vertrieb der
1971; Mikuriya 1973). Der Wert von Mari- Medienexperimente für 80 DM erhältlich.
HANF-MYTHEN
UND IHRE ENTTARNUNG
Dale Gieringers Antworten auf dumme dien dazu, die Harmlosigkeit von Marihuana
Fragen: Falsche Behauptungen über zu bestätigen, Thesen, die der Droge Ge-
Marihuana burtsdefekte, Zerstörung von Gehirnzellen,
Dale Gieringer ist Koordinator von NORML gesunkene Testosteron-Werte oder zuneh-
Kalifornien und Mitglied des NORML-Vor- mende Probleme mit Drogen-Mißbrauch zu-
stands. Er ist Doktor der Philosophie und ordnen, sind widerlegt.
dissertierte über wirtschaftstechnische Sy- Den gegenwärtigen Konsens beweist der
steme mit der Arbeit "Verbraucherwünsche 20. Jahresbericht des California Research
und staatliche Drogenpolitik". Er forschte Advisory Panel (1990). Er schlägt vor, Eigen-
und veröffentlichte über "Marihuana und verbrauch und Anbau von Marihuana zu le-
Gesundheit", Drogentests und die wirt- galisieren: "Eine objektive Betrachtung von
schaftlichen Auswirkungen der Legalisie- Marihuana zeigt, daß es weniger für gesell-
rung von Marihuana. schaftliche und individuelle Schäden verant-
Ferner ist er der Autor der "Gesundheitstips wortlich ist als Alkohol und Nikotin."
für Marihuana-Raucher", und erforscht mo- Quellen: Der Bericht der Nationalakademie
mentan die gesundheitlichen Vorteile von der Wissenschaften, "Marijuana and
Wasserpfeifen. Health" (National Academy Press. 1982), ist
bis auf weiteres das brauchbarste Kompen-
MYTHOS 1: "Marihuana ist eine dium über Wirkungen von Marihuana auf
gefährliche Droge" die Gesundheit. Seine wichtigsten Schluß-
Jede Abhandlung über Marihuana sollte zu- folgerungen gelten auch nach zehn Jahren
erst eines klarstellen: Es gibt zu diesem weiterer Forschungen. "The Marihuana
Thema zahlreiche offizielle Studien. Alle Question" von Lovinger und Jones (Dodd,
schließen große gesellschaftliche Gefahren Mead & Co., NY 1985), gilt als ausführlich-
durch Marihuana aus und fordern eine Ent- ste, doch sehr objektive Tatsachensamm-
kriminalisierung; so z.B. "Analyse der Mari- lung gegen Marihuana. Gute positive Per-
huana-Politik" (1982, Nationalakademie der spektiven finden sich in Lester Grinspoons
Wissenschaften), der "Shafer Report" der "Marihuana, The Forbidden Medicine" (Yale
Nationalen Kommission zu Marihuana- und Press, 1993), sowie in "Marihuana Reconsi-
Drogen-Mißbrauch (1973), der "Le Dain Re- dered" (Harvard University Press, 1971),
port" des Parlamentarischen Untersu- das mit vielen der älteren Anti-Pot-Mythen
chungs-Ausschuß der kanadischen Regie- abrechnet. Siehe auch Leo Hollister,
rung (1970), der "Wooton Report" des Briti- "Health Aspects Of Cannabis" (Pharmalogi-
schen Aufklärungs-Kommitees zur Drogen- cal Reviews 38:1-20, 1986), Eine Zusam-
abhängigkeit (1968), der "La Guardia Re- menfassung zum letzten Stand der For-
port" (1944), die militärischen "Panarna- schung und zur Vermeidung von Risiken
Kanal-Zonen-Ermittlungen" (1916-29) und enthält das von NORML Kalifornien vertrie-
die gewaltige britische "Indische Hanf- bene "Health Tips for Marijuana Smokers"
Drogen Kommission" (1893-94). (für 5$ bei; Cal.NORML, 2215-R Market St.
Manchmal wird behauptet, es gäbe "neue #278, San Francisco CA 94114).
Beweise", daß Marihuana schädlicher sei,
als in den Sechzigern angenommen. Tat- MYTHOS 2: "Marihuana ist harmlos"
sächlich neigt ein Großteil der jüngsten Stu- Nahezu alle Experten stimmen darin über-
ein, daß der gelegentliche und maßvolle Ge- Skunk!), das in kleineren Mengen geraucht
brauch von Marihuana unschädlich ist. Sie werden kann, 2. durch Gebrauch von Was-
sagen jedoch gleichzeitig, daß exzessiver serpfeifen oder andere Filtermethoden (6),
Genuß schädliche Auswirkungen haben 3. indem man das Kraut ißt, anstelle es zu
kann. Die zwei Hauptrisiken exzessiven Ma- rauchen.
rihuana-Gebrauchs sind: 1) Krankheiten der
Atemwege durch das Rauchen, und 2) Un- Mythos: Ein Joint ist vergleichbar mit
fallverletzungen durch Unaufmerksamkeit. einer Schachtal (oder 16, oder vielleicht
nur 4) Zigaretten
Rauchen von Marihuana: Einige Kritiker übertreiben die Gefahren des
Neueste Untersuchungen des Kaiser Per- Marihuana-Rauchens, indem sie eine Studie
manente Center ergaben bei täglichem Ma- von Dr. Tashkin irreführend zitieren. Er hatte
rihuana-Rauchen (ohne Tabak!) eine um bei täglichen Pot-Rauchern eine "leichte,
19% gesteigerte Anfälligkeit für Atemwegs- doch erkennbar" höhere Anfälligkeit gegen
Beschwerden als bei Nichtrauchern (1). Die- Klimaanlagen in Großflugzeugen ermittelt,
ses Ergebnis überrascht nicht, weiß man größer als die von Personen, die bis zu 16
doch seit langem, daß Marihuana-Rauch Zigaretten am Tag rauchen (7). Dabei wird
außer psychoaktiven Stoffen in etwa die unterschlagen, daß in dieser Studie auch an-
gleichen toxischen Gase und krebserregen- dere, wichtigere gesundheitliche Aspekte in
den Kondensate wie Tabak-Rauch enthält. Bezug auf die Atemwege untersucht wur-
Versuche an Menschen ergaben, daß Pot- den, bei denen Marihuana-Raucher weit
Raucher an den gleichen Atemwegs-Erkran- besser abschnitten als Tabak-Raucher. Dr.
kungen leiden wie Tabak-Raucher. Sie sind Tashkin selbst verwirft die Schlußfolgerung,
anfälliger für Bronchitis, Luftröhren- und daß ein Joint mit 16 Zigaretten vergleichbar
Lungenentzündungen und -Infektionen (2). ist.
Obwohl es auf diesem Gebiet noch nicht Die Schätzung, daß Marihuana-Raucher ein
genügend epidemiologische Forschung für Vierfaches an krebserregenden Kondensa-
eine definitive Aussage gibt, wird allgemein ten im Vergleich zu Tabak-Rauchern inhalie-
vermutet, daß Marihuana-Rauchen Krebs ren, ist wohl stimmig, im Verhältnis zur ge-
hervorruft. Studien mit Pot-Rauchern haben rauchten Menge (8). Dies erlaubt nicht die
zumindest für das Vor-Krebs-Stadium typi- Folgerung, ein Joint sei schädlich wie vier
sche Zellveränderungen bei ihnen ergeben. Zigaretten, denn Joints wiegen weniger.
Krebsspezialisten berichten, daß sie bei jün- Der durchschnittliche Joint enthält 0,4
geren Nur-Marihuana-Rauchern auffallend Gramm Rauchbares, die Zigarette wiegt ca.
häufig Kehlkopf-, Hals- und Lungenkrebs ein Gramm. Ein Joint wäre also zu verglei-
feststellen. Einige Fälle waren lebensbedro- chen mit zwei Zigaretten. Tatsächlich gibt
hend, Es ist nicht abschließend erwiesen, es die zigarrengroßen Spliffs der Rastas,
daß Rauchen von Marihuana Lungenkrebs aber auch feine Sinsemilla-Joints, die nur
fördert, der Schluß ist aber naheliegend. 0,2 Gramm wiegen. Es muß angeführt wer-
Dr. Donald Tashkin (Universität LA), führend den, daß keine direkte Vergleichsmöglich-
in der Forschung mit Marihuana-Rauch: "Si- keit zwischen Tabak- und Marihuana-Rauch
cher müssen wir noch mehr Informationen besteht, sie belasten verschiedene Teile
sammeln, doch existieren genügend Bewei- des Atmungstrakts auf unterschiedliche
se für Gesundheitsschädigungen durch Ma- Weise: während Tabak in die kleineren, pe-
rihuana-Rauchen, um ärztliche Warnungen ripheren Lungenkanäle eindringt, gelangt
vor gesundheitsschädlichen Folgen zu Pot hauptsächlich in die größeren zentralen
rechtfertigen." Kanäle. Eine der Folgen ist, daß Pot, anders
Zum Glück können die nachteiligen Folgen als Tabak, nicht als Ursache für Emphyseme
auf verschiedene Weise gemindert werden: in Frage kommt.
1. durch hochpotentes Cannabis (Super-
Mythos: Verbote reduzieren die MARIHUANA UND UNFALLHÄUFIGKEIT
Schädlichkeit des Pot-Rauchens Mythos: Niemand ist bisher durch
Welche Risiken Pot-Raucher haben mögen, den Gebrauch von Marihuana
sie werden durch bestehende Gesetze in gestorben
mehreren Aspekten verschlimmert: 1. Ge- Die oben genannte Kaiser-Studie belegt,
setze, die Drogenzubehör mit einschließen, daß tägliche Pot-Raucher ein 30% höheres
erschweren Entwicklung und Vermarktung Risiko von Verletzungen eingehen, wohl
von Wasserpfeifen und weiter entwickelten meist durch Unfälle. Diese Zahlen sind sig-
Technologien zur deutlichen Minderung nifikant, doch nicht so hoch wie bei ver-
schädlicher Bestandteile von Mariuhuana- gleichbaren Risikogruppen wie Gewohn-
Rauch. 2. Verbote fördern den unkontrollier- heitstrinkern oder Tabak-Abhängigen. Daß
ten Verkauf von verunreinigtem oder ver- Pot unfallverursachend wirken kann, ist
fälschtem Pot, z.B. durch Insektizide, und kaum verwunderlich. Marihuana kann Kurz-
von Mischungen mit anderen Drogen wie zeitgedächtnis, Konzentration, Selbstein-
PCP ('Angel Dust'), Creck (karboniertes Ko- schätzung und Koordination komplexer An-
kain) oder sogar mit Heroin. 3. Wegen höhe- forderungen, wie Autofahren, nachweislich
rer Preise durch die Verbote ist es unökono- reduzieren (10). Man kennt zahlreiche Be-
misch, Marihuana oral zu genießen; Essen richte von durch Pot verursachten Unfällen -
ist der beste Weg, alle Gefahren des Rau- einige davon mit tödlichem Ausgang, was
chens zu umgehen, man benötigt zur glei- den attraktiven Mythos widerlegt, daß noch
chen Wirkung aber die zwei- bis dreifache nie jemand durch Marihuana gestorben sei.
Menge. Eine Untersuchung von 1023 Trauma-Pati-
NORML ist, anders als die Behörden, nur enten der Notfall-Aufnahme in Baltimore
daran interessiert, die Gefahren des Pot- ergab, daß ganze 34,7% unter Einfluß von
Rauchens zu mindern; deshalb stellt man Marihuana standen, mehr als unter Alkohol
mit MAPS (Multidisziplinäre Arbeitsgemein- (33,5%); die Hälfte (16,5%) hatte Alkohol
schaft für Psychedelische Studien) zur Zeit und Marihuana gleichzeitig konsumiert (11).
Versuche zum Gebrauch von Wasserpfeifen Dies ist das vielleicht traurigste Forschungs-
und verwandten Systemen an. ergebnis zu Marihuana; wie wir sehen wer-
den, kommen die meisten anderen Unfall-
Quellen zu Marihuana und Rauchen: forscher zu dem Ergebnis, daß Pot weit we-
Donald Tashkin: "Is Fréquent Marijuana Smoking niger gefährlich als Alkohol ist.
Hazardous To Health?" {Western Journal of Medi- Es ist jedoch wichtig, auch die Kehrseite der
cine 158 #6, S.635-37, Juni 1993) C. Nora Chiang Medaille zu sehen. Pot-Raucher sollten sich
und Richard L Hawks (Hrsg.): "Research Findings
on Smoking of Abused Substances", Research bewußt machen, daß die größte Gefahr bei
Monograph 99 (National Institute on Drug Abuse, mäßiger Nutzung durch Unfälle besteht. Zu-
Rockville, MD, 1990) gleich können die psychoaktiven Effekte
National Academy of Science Report (aaO) von Marihuana gegenteilige Wirkungen auf
California NORML: "Health Tips for Marijuana Smo- das Verhalten in Schule und Produktion
kers" (aaO) haben.

Mythos: Marihuana ist eine der großen


Gefahrenquellen im Straßenverkehr
Im Straßenverkehr, sagen die meisten Ex-
perten, ist Marihuana weniger gefährlich als
Alkohol. Studien über tödliche Autounfälle
zeigen, daß die Hälfte oder mehr der daran
beteiligten Fahrer Alkohol im Blut hatten,
dagegen nur 7-20% THC (was bedeutet,
daß sie sich innerhalb der letzten zwei bis
vier Stunden angetörnt hatten) (12). Wichtig Mythos: Das Marihuana-Verbot erhöht
scheint, daß die THC-Positiven zu mehr als die öffentliche Sicherheit
80% auch noch Alkohol im Blut hatten. Dies Es gibt keine Beweise, daß ein Marihuana-
läßt vermuten, daß Marihuana allein eine Verbot die Unfallhäufigkeit verringert. Im
geringe Rolle bei Autounfällen spielt, die Gegenteil, neue Studien legen nahe, Mari-
Kombination von Alkohol und Marihuana je- huana könnte von Nutzen als Ersatz für Al-
doch nicht (13). Einige Forscher unterstellen kohol und andere, noch gefährlichere Dro-
sogar, geringe Dosen Pot könnten die Fahr- gen sein. Die Forschungen von Karyn Model
tüchtigkeit steigern (14). (Dies mag aber auf belegen, daß Staaten mit Ansätzen der De-
indirekt mit dem Fahren verbundene Fähig- kriminalisierung von Marihuana einen ver-
keiten, wie Erinnerungsvermögen und Auf- gleichsweise niedrigeren Drogenmißbrauch
merksamkeit, nicht zutreffen; hier könnte insgesamt verzeichnen; eine Studie von
auch die Erklärung zu finden sein, warum Frank Chaloupka weist in solchen Staaten
die Studie aus Baltimore abweicht. Dort auch eine geringere Unfallhäufigkeit nach
wurden Unfälle aller Art einbezogen.) (16). In Alaska blieben nach Legalisierung
Bei der Nationalen Sicherheitskornmission des persönlichen Gebrauchs von Marihuana
für High(l)ways wertet man zwei Studien die Unfallzahlen gleich, bzw. sanken sogar
aus, die, so wird erwartet, die relative Harm- (17). Die holländischen Behörden sind über-
losigkeit im Vergleich zu Alkohol beweisen. zeugt, daß Cannabis für einen allgemeinen
Ähnliche Ansichten vertritt in einem neuen Rückgang des Opiat-Mißbrauchs verant-
Bericht die California State Epidemiological wortlich ist. Neueste staatliche Statistiken
Work Group (1 5): zeigen die höchsten Raten von Kokain-
"Studien haben schädliche Auswirkungen Mißbrauch in Nevada und Arizona, den US-
durch Drogen auf die Fahrtüchtigkeit doku- Bundesstaaten mit den strengsten Marihua-
mentiert. Allgemein sind Auswirkungen na-Gesetzen.
durch Drogen nicht so gravierend wie die
durch Alkohol allein oder durch Alkohol in Mythos: Urin-Untersuchungen auf
Verbindung mit Drogen. Andere Studien be- Drogen erhöhen die Sicherheit am
weisen, daß manche Drogen, unter ande- Arbeitsplatz
rem Kokain, tatsächlich die Fahrtüchtigkeit Bis heute wurde keine einzige kontrollierte
verbessern. Die vorliegenden Ergebnisse wissenschaftliche Studie erstellt, die nach-
lassen darauf schließen, daß unterschiedli- weist, ob Urinproben die Sicherheit an Ar-
che Drogen das Fahrverhalten auf unter- beitsplätzen verbessern. Solche Behauptun-
schiedliche Weise beeinflussen. Und zwar gen fußen auf dubiosen 'Tatsachenberich-
positiv wie negativ, wobei die dokumentier- ten' oder der schlichten Beobachtung, daß
ten negativen Auswirkungen durch Drogen zunehmend weniger Drogen-positive Pro-
generell nicht den Umfang wie die durch Al- ben zur Untersuchung kommen. Man kann
kohol ausgelösten haben." keinen Zusammenhang mit der Leistungs-
Der Bericht kritisiert weiter die vom Staat fähigkeit Einzelner herstellen. Studien, die
vertretene Formel 'Rauche einen Joint und dazu veröffentlicht wurden, weisen nur ge-
verliere Deinen Führerschein': "Zwischen ringe Abweichungen der Arbeitsleistung
Drogengebrauch und Risiken im Straßen- Urin-positiver und anderer Arbeitnehmer
verkehr besteht ein nur geringer Zusam- nach. Beim bis heute größten Test wurden
menhang. Die Frage stellt sich, ob es ver- 4396 Postarbeiter untersucht. Man fand kei-
nünftig ist, deshalb die Führerscheine aller nen Unterschied in der Unfallhäufigkeit von
eines Drogenvergehens schuldiger Perso- Arbeitern, die mit dem Drogen-Test positiv,
nen einzuziehen." und denen, die negativ getestet wurden
(18). Allerdings konnte man mit dem Test
bei Drogen-positiven Arbeitern 50% höhere
Fehlzeiten und Kündigungsraten nachwei-
sen; die Statistik läßt sich auch so lesen: port-Sicherheits-Kommission erließ die Auf-
93,4% der Drogenbenutzer waren durch- lage für Conrail, Management und Ausrü-
schnittlich am Arbeitsplatz anwesend (ge- stung nachzubessern, machten aber nicht
genüber 95,8% der 'Cleanen'), und ganze den Vorschlag, Drogen-Tests einzuführen.
85% blieben mehr als ein Jahr in der Firma Dennoch nahm der Kongress die Gelegen-
(gegenüber 89,5% der 'Cleanen')! Eine öko- heit wahr, Drogen-Stichproben für die ge-
nomische Analyse unter Bostoner Postar- samte Transport-Industrie vorzuschreiben,
beitern vom Bodenpersonal der Fluggesellschaften
kommt zum Schluß, daß mit den Drogen- bis zu Arbeitern an Gaspipelines.
Tests nur unerhebliche Einsparungen erzielt
wurden, und viele Bereiche vorstellbar sind, Mythos: Ein einziger Joint zeigt
wo sie höhere Kosten als Nutzen verursa- Nachwirkungen über Tage und Wochen
chen (19). Eine andere Untersuchung mit Zwar werden THC und andere Cannabinole
Arbeitern im Gesundheitswesen in Georgia als fettlösliche Substanzen längere Zeit im
fand keinen Unterschied in der Leistungs- Körper abgelagert, sie wirken jedoch nur ei-
fähigkeit von Drogen-positiv und Drogen-ne- nige Stunden lang auf unser Verhalten
gativ Getesteten (20). (außer bei chronischen Rauchern). Die mei-
sten Untersuchungen ergaben, daß beein-
Mythos: Drogen-Stichproben sind trächtigende Effekte von Marihuana-Ge-
unverzichtbar bei Sicherheits- brauch nach zwei bis sechs Stunden abklin-
empfindlichen Jobs im Transportwesen gen, wesentlich schneller als die von Alko-
Die behördlichen Anordnungen zur Durch- hol (23). Bemerkenswerte Ausnahme bildet
führung von Drogen-Stichproben wurden ein Flugsimulator-Test von Leirer, Yesavage
erlassen, ohne daß vorher statistische Be- und Morrow, wobei ein Nachlassen der Lei-
weise für verstärktes Sicherheitsrisiko er- stungen am Flugsimulator bis zu 24 Stun-
bracht waren. Kein einziger Passagierflug- den danach dokumentiert wurde (24). Die
Unfall läßt sich auf Marihuana- (oder in die- Leistungs-unterschiede, von Leirer als
sem Fall auch Alkohol-) Mißbrauch zurück- "hauchdünn" und "sehr begrenzt" be-
führen (21). Drogen-Tests mit Bahn-arbei- schrieben, waren geringer als zwischen
tern fanden keine vermehrten Anzeichen für alten und jungen Piloten. In einer zweiten
Drogen-Mißbrauch bei in Unfälle verwickel- Untersuchung fanden dieselben Forscher
ten Eisenbahnern (22). nach vier Stunden keinerlei Nachwirkungen
Drogen-Stichproben für Transport-Arbeiter mehr (25), Ähnliche "Kater-Effekte" zeigen
wurden in einer hysterischen Reaktion auf sich mit Alkohol (26).
einen einzigen Unfall 1987 befohlen. In Chronische Anwender können über längere
einem Amtrak-Zug starben damals 16 Men- Zeit Nachwirkungen beobachten, da die
schen, als ein Conrail-Zug nicht rechtzeitig Cannabinole im Fettgewebe gespeichert
anhielt. Ingenieur und Bremser des Conrail- werden. Exzessive Verbraucher spüren Wo-
Zugs hatten das Unglück verursacht, und chen oder gar Monate nachdem sie aufhör-
man wies ihnen den Gebrauch von Marihua- ten noch etwas. Es ist jedoch unmöglich,
na nach. Nicht bewiesen werden konnte, daraus auf eine Gefährdung der Sicherheit
daß das Unglück durch Marihuana-Rauchen zu schließen.
verursacht worden war. Der Conrail-Ingeni-
eur hatte ein umfangreiches Strafregister Quellen zu Drogentests bei Unfällen:
wegen zu schnellem und betrunkenem Fah- "Alcohol, Drugs, and Driving: Abstracts and
ren. Dem Management waren seine Alko- Reviews" Vol.2 #3-4 (Brain Information Service,
hol-Probleme bekannt, Sicherheits-Einrich- UCLA 1986); Dale Gieringer: "Marijuana, Driving,
tungen, die den Unfall unmöglich gemacht and Accident Safety", Journal of Psychedlic Drugs
20(1): 93-101 (Jan.-März 1988); Dr. John Morgan:
hätten, fehlten oder waren defekt. Die fol- "Impaired Statistics and the Unimpaired Worker",
gende Untersuchung der Nationalen Trans- Drug Policy Letter 1(2) (Mai/Juni 1989), und "The
'scientific' justification for drug urine testing", The Mythos: Pot tötet Hirnzellen ab
Universitv of Kansas Law Review 36: S.683-97 Für von Marihuana verursachte Schäden am
(1983); John Horgan: "Test Negative: A look at thé
evidence justifying illicit-drug tests", Scientiftc Ame-
menschlichen Gehirn gibt es keinerlei Be-
rican (März 1990, S.18-22). und "Post Mortem" weise. Diese Behauptung stützt sich auf
Scientific Amefican (Feb. 1991. S.22-23); Dale Gier- spärliche Tierversuche, wobei strukturelle
Inger: "Urinanalysis Uromancy?" in: Strategies for Veränderungen im Hirn (kein Absterben von
Change: New Directions in Drug Zellen, wie manchmal erzählt wird) von Tie-
Policy (Drug Policy Foundation, 1992). ren ermittelt wurden, die hohe Dosen Pot
bekamen. Viele Kritiker zitieren immer noch
Mythos: Cannabis ist heute stärker und die notorischen Affenversuche des Dr.
potenter als in den 60ern Robert G. Heath, die den Anschein erweck-
Das Gerücht, daß Pot heute eine drastisch ten, bei drei Affen seien Hirnschäden zu er-
höhere Potenz hat, ist von der DEA (US-Dro- kennen gewesen, nachdem sie heftige
genbehörde) auf Grund verfälschter Daten öberdosen Cannabis verabreicht bekamen
in die Welt gesetzt worden (27). Dabei (28). Die Ergebnisse konnten nie verifiziert
nahm man Proben von uraltem Mexikani- werden. Sie sind widerlegt von zwei besser
schem Gras der frühen 70er aus den Asser- kontrollierten, wesentlich umfangreicheren
vatenschränken. Dessen Potenz war auf Affenversuchen, einem von Dr. William Slik-
zum Rauchen kaum noch lohnende 0,5% ker (National Center for Toxicological Rese-
gesunken. Es wurde mit Proben von qualita- arch) (29), und einem zweiten von Charles
tiv gutem Marihuana von heute verglichen. Rebert und Gordon Pryor (SRI International)
Das weckt natürlich den Anschein, die Po- (30). Keiner fand Beweise für physische
tenz sei astronomisch höher. Veränderungen in den Hirnen von Affen, die
Tatsächlich ist hochpotentes Pot nichts über ein Jahr täglichen Pot-Dosen ausge-
Neues. In den 60ern konnte man es in Form setzt waren. Studien am Menschen bei star-
von 'Acapulco Gold', 'Panama Red' u.s.w. ken Pot-Rauchern in Jamaica und Costa
erwerben. Daneben gab es auch Haschisch Rica zeigten keine Anzeichen von Abnorma-
und Hasch-öl, die schon immer so stark litäten in der Hirn-Physiologie (31). Obwohl
waren wie heutiges superstarkes Sinsemil- nicht beweisbar ist, daß Pot dauernde Hirn-
la-Gras und in der Behörden-Statistik ver- schäden verursacht, müssen Raucher sich
gessen wurden. Während die durchschnitt- bewußt machen, daß anhaltende Defizite
liche Potenz einheimischer Grassorten mit des Kurzzeit-Gedächtnis bei chronisch star-
Einführung des samenlosen 'Sinsemilla' in ken Marihuana-Rauchern noch nach sechs
den 70ern anstieg, hat sich die Bandbreite bis zwölf Wochen Abstinenz beobachtet
von verschieden potenten Rauchwaren seit werden (32). Eine wichtige Anmerkung: An-
dem letzten Jahrhundert kaum verändert. dere Drogen, inklusive Alkohol, sind be-
Damals verkaufte man erstmals extrem kannt für hirnschädigende Wirkungen.
starke Mixturen in Apotheken. In Holland
werden hochwirksames Haschisch und Sin- Mythos: Marihuana senkt dan
semilla ohne Probleme in Kaffeehäusern Testosteron-Spiegel und verursacht
verkauft. Unfruchtbarkeit
Entgegen dem volkstümlichen Mythos muß Einige wenige Studien unterstellen, Mari-
Stärkere Potenz nicht unbedingt gefährli- huana habe einen reversiblen (rückgängig
cher sein. Raucher bestimmen gewöhnlich zu machenden) negativen Einfluß auf die
ihre Dosis aufgrund der Potenz ("Eigen-Ti- männlichen Fortpflanzungs-Funktionen (33).
tration"). Insgesamt ist also Sinsemilla von Eine neue Untersuchung von Dr. Robert
hoher Qualität gesünder für die Lungen, Block widerlegt frühere Behauptungen, Ma-
denn man muß weniger Rauch einatmen rihuana senke den Testosteron-Spiegel oder
um genauso high zu werden. verringere andere Hormone bei Frauen und
Männern (34). Dagegen führt übermäßiger
Alkohol-Konsum zu niedrigen Testosteron- brauch in den ersten zwei Schwanger-
Werten und verursacht Impotenz. Laborver- schafts-Monaten. Ein anderer Versuch mit
suche lassen vermuten, daß sehr starkes Jamaikanerinnen, die während der gesam-
Marihuana-Rauchen die Zahl der Spermien ten Schwangerschaft Pot rauchten, regi-
reduziert. strierte eine höhere Gewichtszunahme ihrer
Jedoch waren bei chronischen Rauchern Babies bis zum After von 30 Tagen. Auswir-
keine Anzeichen von Unfruchtbarkeit oder kungen auf Gewicht und Größe bis zur Ge-
anderen Anomalien festzustellen. burt wurden nicht bemerkt (40).
Weniger weiß man über Effekte von Mari- Cannabis während der Schwangerschaft
huana auf weibliche Körper (35). Tierversu- möchte ich nicht generell empfehlen. Es ist
che legen nahe, daß Pot zeitweilig die jedoch für manche Frauen von medizini-
Fruchtbarkeit vermindert und das Risiko schem Wert zur Behandlung von öbelkeit
einer Fehlgeburt erhöht. Die Ergebnisse las- oder zur Erleichterung der Geburt.
sen aber nur zweifelhafte Rückschlüsse auf
menschliche Wesen zu. Eine Studie vermu- Mythos: Pot verursacht Bluthochdruck
tet, Pot könne einen Eisprung verhindern. Nach Berichten der National Academy of
Möglich wäre, daß Heranwachsende sehr Sciences sind die Effekte von Marihuana
anfällig für von Pot verursachte Hormon- auf den Blutdruck komplex. Sie hängen von
schwankungen sind. Jedenfalls läßt sich bei Dosierung, Art der Einnahme und Allge-
Menschen beiderlei Geschlechts kein Fall meinzustand ab (41). Marihuana erzeugt
von Unfruchtbarkeit aufgrund von Cannabis- einen zeitweisen moderaten Anstieg des
Konsum nachweisen. Blutdrucks direkt nach der Einnahme; große
chronische Dosen führen jedoch eher zu
Mythos: Marihuana ist verantwortlich einem Absinken. Allgemein entsteht ein hö-
für Geburts-Defekte herer Blutdruck beim stehenden Genuß, im
Experten sprechen sich generell gegen Liegen sinkt er, was ein flaues Gefühl beim
jeden Drogengebrauch während der schnellen Aufstehen nach sich zieht. Nicht
Schwangerschaft aus. Für Marihuana gibt bewiesen ist, daß Pot für dauerhaften Blut-
es keine Anzeichen von negativen Auswir- hochdruck oder Herzkrankheiten verant-
kungen auf den Fötus, wohl aber für Alko- wortlich sei; mancher Raucher behauptet
hol, Kokain oder Tabak. Epidemiologische sogar, infolge Stress-Abbau besser mit sei-
Forschungen bestätigen keinen Zusammen- nem Bluthochdruck zurecht zu kommen.
hang zwischen Anwendung von Marihuana Eine Sache, die THC tatsächlich bewirkt,
vor der Geburt und Geburtsdefekten beim sind erhöhte Pulsfrequenzen bis zu einer
Menschen (36). Dr. Susan Astley (University Stunde nach dem Rauchen. Dies ist relativ
of Washington) widerlegt eine ältere Arbeit, harmlos, denn durch körperlichen Einsatz
die unterstellt, Cannabis begünstige fötale geschieht das Gleiche. Es könnte aber zu
AIkohol-Syndrome (37). Problemen bei Personen mit bereits beste-
Die wenigen Arbeiten, die Cannabis-Ge- henden Herzbeschwerden kommen. Chro-
brauch mit geringfügig reduziertem Ge- nische Anwender entwickeln eine gewisse
burtsgewicht und geringerer Körpergröße Toleranz dazu und zu anderen Herzmuskel-
von Babies in Verbindung bringen (38), reaktionen.
geben Anlaß zu Kritik an ihrer Methodik.
Kürzlich belegte eine sorgfältig kontrollierte Mythos: Marihuana schädigt das
Studie, daß Cannabis im letzten Schwanger- Immunsystem
schafts-Drittel sogar einen positiven Einfluß Einige Studien zeigen schwache, reversible
auf das Geburtsgewicht ohne nachteilige immuno-suppressive Effekte (Minderungen
Konsequenzen haben kann (39). Dieselbe der Abwehrkräfte) durch THC und andere
Studie fand eine unbedeutende Verringe- Cannabinole. Die Aktivität von Lymphozyten
rung des Geburts-Gewichts bei Pot-Ge- (T- und B-Zellen) und Makrophagen wird
herabgesetzt. Zweifelhaft ist, ob solche Ef- mehr im Blut von AIDS-Erkrankten zu finden
fekte für die menschliche Gesundheit von sind, werden nicht geschädigt: Eine Studie
Nachteil sind, denn die Ergebnisse gelten kam sogar zum Ergebnis, daß sich T-Zellen
nur für theoretische Labor- und Tierversu- bei Marihuana-Gebrauch (von nicht an AIDS
che. Auszug aus einem Bericht von Dr. Leo Erkrankten) wieder vermehren (46). Epide-
Hollister (42): "Die Beweiskraft (für eine Un- miologische Studien zeigen auch keinerlei
terdrückung der Immunfunktionen) ist wi- Zusammenhang zwischen dem Gebrauch
dersprüchlich, sie stützt sich ausschließlich von Marihuana oder anderen Drogen und
auf Reagenzglas-Versuche. Die Ergebnisse einem Ausbruch der AIDS-Krankheit (47).
sind grob verfälscht durch hohe Drogen-
Konzentrationen, die zum Erhalt immuno- Mythos: Marihuana verursacht
suppressiver Effekte gegeben werden Chromosomen- und Zellschäden
mußten. Je mehr die experimentellen Ver- Folgt man der NAS, "kommen Studien, die
suche an bestehende klinische Situationen folgern, daß Marihuana nicht in der Lage
angeglichen wurden, desto weniger be- sein kann, Chromosomen zu spalten, der
weiskräftig waren sie." Wahrheit sehr nahe" (48). Die Cannabinole
Schwächung der körperlichen Abwehrkrafte sind weder mutagen (erbgutverändernd)
als Argument wurde zuerst von dem noto- noch karzinogen (krebserregend), wohl aber
risch cannabophoben (Cannabophobie = die bei der Verbrennung entstehenden Kon-
Angst vor Cannabis) Dr. Gabriel Nahas in densate. Einige Laborversuche lassen
Betracht gezogen. Eine in großer Aufregung schließen, daß hohe Dosen THC in die Zell-
verfaßte Studie der Reagan-Administration vermehrung eingreifen und zur Bildung an-
erbrachte aber nichts Alarmierendes. Die ormaler Chromosomen beitragen; dies läßt
vor Kurzem entdeckten Rezeptoren in der aber keine Schlüsse auf Schädigungen in
Milz von Ratten, wo sich Immunzellen bil- realen Situationen zu.
den, nährt die Annahme, daß Cannabinole
einigen Einfluß auf das Immunsystem Mythos: Marihuana führt zum
haben könnten (43). Es läßt sich sogar ver- 'Umsteigen' auf harte Drogen
muten, diese Einflüsse könnten von heilen- Es finden sich keine wissenschaftlichen Be-
der Wirkung bei auto-immunen Krankheiten weise für die Theorie von Marihuana als
wie multipler Sklerose sein. Bis heute ist 'Einstiegs-Droge'. Der Gedanke kam in den
kein Fall bekannt, wo das menschliche Im- 60ern auf, als Marihuana zum weitverbreite-
munsystem klinisch oder epidemiologisch ten Entspannungsmittel wurde. Widerlegt
nachweisbar durch Marihuana geschädigt hat sich diese Theorie in den 80ern. Der Ko-
wurde. kainmißbrauch explodierte, während der
Die menschlichen Lungen bilden eine Aus- Marihuana-Gebrauch rückläufig war. In den
nahme. Chronische Pot-Raucher schädigen Kulturen mit geduldetem Cannabis-Ge-
dort Immunzellen, die man alveole Makro- brauch in Asien, dem Nahen Osten, Afrika
phagen nennt, sowie andere Abwehrme- und Lateinamerika zeigt sich kein Trend zu
chanismen (44). Unklar ist, in wie weit THC anderen Drogen. Wie wir festgestellt
für diese Schäden verantwortlich ist, wenn haben, wird Cannabis eher Alkohol und son-
man an all die weiteren Giftstoffe denkt, die stige 'harten' Drogen ersetzen können.
im Rauch auftreten (45). Nur durch seine Illegalität zeigt Marihuana
Keinen Grund gibt es zur Annahme, daß Ma- tatsächlich den Weg zu anderen Drogen:
rihuana AIDS-Patienten schädigen könnte. Personen, die Marihuana verkaufen, könn-
Im Gegenteil behaupten viele AIDS-Patien- ten geneigt sein, auch weitere verbotene
ten, daß bei ihnen die meist tödlichen "Ver- Drogen anzubieten.
falls-Syndrorne" gelindert werden. Sie Alle über 250 Quellenangaben aus diesem
haben wieder Appetit und der Brechreiz Buch gibt es gegen 1 DM Rückporto ko-
wird vermieden, T-Abwehr-Zellen, die kaum stenlos beim Verlag. Der Abdruck hätte den
Umfang dieses Buches gesprengt.
HANF - DIE PFLANZE und auf jedem Boden, selbst in Grenzer-
tragsgebieten, angebaut werden. Er ist mit
& IHRE FASERIGEN Abstand der ertragreichste nachwachsende
EIGENSCHAFTEN Rohstoff der Erde". (1)

Was macht den Hanf zu einem ganz beson- Es gibt kaum eine Pflanze, die schöner aus-
deren Weggefährten des Menschen? Der sieht als der Hanf, von bunt blühenden Blu-
Ethnopharmakologe Dr. Christian Rätsch men einmal abgesehen. Zudem ist Hanf
beschreibt ihn wie folgt: "Ähnlich wie der eine äußerst robuste Pflanze. Während die
Büffel als Tier bei den Indianern ist der Hanf Weltproduktion von Soja wegen des Ozon-
eine Pflanze mit vielseitiger Totalverwer- lochs nach neueren Studien in den kom-
tung. Die Samen dienen als Nahrung für menden Jahren einen Rückgang von 30 - 50
Mensch und Tier und liefern vielfach ver- % hinnehmen muß, scheint unser Freund
wendbares Öl, die weiblichen Blüten bilden résistent gegen eindringende UV-Strahlung
das begehrte berauschende Harz und wer- zu sein. Unter ihrem Einfluß bildet er sogar
den als Medizin und Aphrodisiakum ge- größere Mengen Cannabidiole und schützt
nutzt. Aus den Blättern werden Pasten und sich so selbst gegen schädliche Strahlun-
Getränke gewonnen, die Stengel liefern gen. Versuche in Deutschland haben erge-
dauerhafte, stabile Fasern zur Herstellung ben, daß Hanf auch auf schwermetalIbela-
von Seilen, Netzen, Papier, Kleidung. Die steten Böden angebaut werden kann, ohne
Wurzeln sind medizinisch brauchbar. Aus das die Fasern Schwermetalle aufnehmen
den Stengeln werden auch schamanische oder an Qualität einbüßen.
Ritualgegenstände (Zauberstäbe) geschnit-
ten. Hanffasern dienen als Amulette.
Zudem ist der Hanf eine genügsame Pflan-
ze, die den Boden nicht auslaugt, sondern HANF ALS NOTHELFER
auch für andere Pflanzen begünstigt. Die
multiple Nutzung des Hanfs als Nahrung, Noch Hitler, Stalin und Rockefeller griffen in
Rohstofflieferant, Medizin, Genußmittel Notzeiten auf Hanf als Helfer zurück. Dabei
und spirituelles Rauschmittel ist für viele ging es ihnen schamlos um 'kriegserhalten-
Kulturen belegt. Der Hanf wurde in dieser de Maßnahmen'. Heute führen Regierende
Weise von den alten Chinesen, den alten In- einen Krieg gegen Hanf, doch so schaden
dern und Germanen benutzt. Überall, wo sie zu allererst dem ganzen Planeten.
der Hanf wächst, wird er vielseitig genutzt. "Wenn die Pflanze nun heute abermals vor
In manchen Gegenden überwiegt der Ge- einer Neuentdeckung steht, dann ent-
brauch als Rauschmittel, in anderen die Nut- springt dies zwar ebenfalls einer äußerst kri-
zung der Fasern. Einen medizinischen Ge- tischen Notlage, hat aber ganz andere Grün-
brauch der Pflanze trifft man überall." de: Im Hanf haben wir einen der Rettungs-
anker, um die Biosphäre zu erhalten und zu
"Hanf zählt zu den höchstentwickelten schützen. Der Grund, weshalb mit den Res-
Pflanzenfamilien der Erde und ist eine zwei- sourcen besser und strenger hauszuhalten
häusige Pflanze, das heißt, er hat männliche werden muß, ist diesmal ein ganz und gar
und weibliche Fortpflanzungsorgane, es friedlicher. Es geht gerade nicht um irgend-
gibt auch zweigeschlechtliche Pflanzen- einen militärischen Durchhaltewillen, alles
stöcke. Er ist ein holziges, einjähriges Kraut, für den Sieg oder gar einen 'Endsieg' zu mo-
das die Sonne effizienter nutzt als jede an- bilisieren. Der Hanf kornt am Ende des Jahr-
dere Pflanze auf unserem Planeten und in hunderts deshalb wieder, weil die wachsen-
einer nur kurzen Wachstumszeit die stattli- de ökologische Krise uns immer gebieteri-
che Höhe von vier bis sieben Metern er- scher nötigt, endlich jenen alten Krieg abzu-
reicht. Hanf kann in nahezu jedem Klima brechen, den wir seit 10 oder 15 Generatio-
nen immer gnadenloser und bornierter der BRD (1989 waren es 17 Millionen Ton-
führen: den Krieg gegen die Natur." (1) nen) wäre mit dieser Ernte zu decken. Der
derzeit bei uns als Öllieferant favorisierte
Niemand hat das Thema Hanf bislang bes- Raps bringt nur weniger als die Hälfte der
ser, eindringlicher, überzeugender und of- Hanferträge, er ist darüber hinaus im Anbau
fensichtlich genauer studiert als Jack Herer arbeitsintensiver, braucht große Mengen
und Mathias Bröckers in ihrem Werk HANF Pflanzenschutzmittel und laugt die Böden
im Verlag 2001 erschienen und an anderer aus. Außerdem ist Raps nach der Ölgewin-
Stelle dieses Buches ausführlich gewürdigt. nung nur noch zum Verbrennen geeignet.
Sie sehen folgende Perspektiven für die Hanf hingegen bringt nicht nur die doppelte
Hanfpflanze in Europa: Menge Öl, sondern nach der Ölgewinnung
"30 Millionen Hektar Anbaufläche stehen fielen auch weiterhin
nach Angaben der EG im europäischen - 36 Millionen Tonnen 'Hanfkuchen' an.
Raum auf stillgelegten Äckern für nach- Diese bei der Ölpressung zurückbleibenden
wachsende Rohstoffe zur Verfügung. Wür- Samenreste sind ein protein- und eiweißhal-
den nur 6 Millionen Hektar, das wäre gerade tiges Nahrungsmittel. In der anfallenden
ein Fünftel dieser nicht mehr genutzten Form kann es direkt als hochwertiges Vieh-
Fläche, im nächsten Jahr mit Hanf bestellt, futter verfüttert oder in der Lebensmittel-
könnten nach hundert Tagen von diesen produktion weiterverarbeitet werden. Übri-
Feldern geerntet werden: gens läßt sich aus den Samenkapseln auch
- 24 Millionen Tonnen Öl. Das wäre eine noch ein natürliches Antibiotikum gewin-
Energie, die denselben Brennwert wie Hei- nen. Nach alledem, der Energie, den Ei-
zöl oder Diesel hat, ohne aber im Unter- weißen und dem 'Pennicillin'. liefern die
schied zu fossilen Brennstoffen die CO2-Bi- übrig gebliebenen Hanfstengel:
lanz zu belasten. Der ganze Dieselverbrauch - 4,8 Millionen Tonnen Fasern, die auch bei

Hanf in der Mark Brandenburg, 1917


den besonderen Anbauformen zur Samen- kommt, daß bei der Papierherstellung aus
und Ölgewinnung als Nebenprodukt anfal- Holz Chemikalien Unmengen von Wasser
len. Da der Samenhanf in größerem Ab- verschmutzen. Mit Hanfes Hilfe läßt sich
stand angebaut wird, liegt die Faserausbeu- diese Umweltsünde vermeiden. Einen klei-
te zwar niedriger. Aber auch dieser 'Abfall' nen Beitrag liefert auch das vorliegende
liefert die stabilste Textilfaser, die in unse- Buch, ist es doch aus Hanfpapier herge-
ren Breiten wächst. Außer den Fasern lie- stellt. Der Verlag MedienXperimente läßt
fern die Hanfstengel seit Anfang 1994 seine Bücher auf Hanfpa-
- 6 Millionen Tonnen Hanfschäben. Schä- pier drucken, andere Verlage werden fol-
ben sind der verholzte Anteil der Stengel gen.
und mit ihrem hohen Zellulosegehalt ein op-
timaler Grundstoff für die Papierherstellung.
Dieses Papier und die vielen anderen Stof-
fe, die aus Zellulose hergestellt werden HANFANBAU HEUTE
können, zeichnen sich allesamt durch eines
aus; sie sind umweltfreundlich herzustellen Über die größeren Erzeugerländer von psy-
und biologisch abbaubar. choaktivem Hanf wird in diesem Buch an-
Dies alles, wie gesagt, auf einem Fünftel derswo berichtet. Der Anbau von Faserhanf
der in der EG brachliegenden Fläche, und unterliegt auch innerhalb von Europa unter-
von einer Pflanze, die zu einem Bruchteil schiedlichen Gesetzen. Die Zeitschrift Der
der Kosten angebaut werden kann, die bei Schweizer Bauer berichtete Ende 1993 wie
Raps, Mais, Zuckerrüben und den anderen folgt: "Die EG-Staaten verfolgen bei der Be-
derzeit als nachwachsende Rohstoffe ange- willigung des Hanfanbaus keine einheitliche
bauten Pflanzen anfallen: Arbeitsaufwand, Politik. In Osteuropa wird die Option der
Pflege, Schädlingsbekämpfung, Auszeh- Papierherstellung erforscht. Der Anbau von
rung der Böden.... Hanf für technische Zwecke ist in einigen
Der Zellulosegehalt des bei der Fasergewin- Ländern der EG erlaubt. Für das Wirt-
nung anfallenden 'Abfallproduktes', der schaftsjahr 1993/94 beträgt die vorgese-
Schäben, beträgt etwa 77%. Laut Berichten hene Beihilfe für Faserhanf 650 Ecu/ha.
des Landwirtschaftsministeriums der Verei- Erlaubte Sorten (THC unter 0,5%) sind in
nigten Staaten übertrifft der Zellulosegehalt einer offiziellen Sortenliste eingetragen. In
des Hanfs jenen von vergleichbaren einjähri- Deutschland besteht ein Anbauverbot für
gen Pflanzen wie Mais, Kenaf und Zucker- Hanf. Die technologische Entwicklung ist
rohr um das vier- bis hundertfache. Wenn dadurch gestoppt. Dies birgt die Gefahr
man nun bedenkt, welche übelen Auswir- eines Wettbewerbnachteils Deutschlands
kungen die seit Anfang des Jahrhunderts gegenüber anderen EG-Staaten. Gewisse
gebräuchliche 'Alternative' zur Papiergewin- EG-Staaten können die Nutzung des Hanfes
nung aus Hanf, die aus Holzpulpe, mit sich unter neuzeitlichen Gesichtspunkten voran-
zieht, so versteht weder der Laie noch der treiben, während er in Deutschland weiter-
Fachmann, warum kein Umschwenken hin im Dornröschenschlaf verbleibt. Daraus
bzw. Rückschwenken vom holzhaltigen ergeben sich zwei Nachteile: Kein Pflanzen-
zum Hanfpapier stattgefunden hat. Im Jahr züchter wird sich mit einer Pflanze befas-
1988 wurden auf der Erde Bäume mit sen, deren Anbau verboten ist. Die Konse-
einem Gesamtgewicht von 225 Millionen quenz daraus ist. daß der ohnehin noch
Tonnen für die Papierherstellung geopfert. nicht durchgezüchtete Hanf weiterhin auf
Aus diesem Grund büßten die USA seit einer niedrigen Leistungsstufe bleibt, ob-
dem Hanfverbot der '30er Jahre etwa 70% wohl die in Hanfformen vorhandene Veria-
ihres Waldes ein. Für jede Tonne Papier bilrtät für den Pflanzenzüchter eine Freude
mußten und müssen etwa zwölf ausge- ist, weil sie die Basis für eine erfolgreiche
wachsene Bäume Wurzeln lassen. Hinzu Arbeit ist."
NATIONALE
FASER-HANF- FRANKREICH
1993 wurde in Paris erstmals ein großer in-
ANBAUSTRATEGIEN ternationaler Hanf-Kongress abgehalten, auf
& NUTZUNGEN dem erstaunliche Fakten der Hanfnutzung
vorgestellt wurden, u.a. aus Hanf gebaute
Häuser. Bei unseren Nachbarn benützt man
CHINA traditionell Zigarettenpapier aus Hanf. Also
Mit zwölf Millionen Tonnen Papier liegt keine Hanf-Zigaretten, sondern Hanfpapier
China in der Weltproduktion an vierter Stel- als Tabakhalter. Die Fédération Nationale da
le. Unter allen Ländern ist es jedoch die Productes de Chanvre, ein landwirtschaftli-
Nummer 1, was die Vermeidung von Holz ches Forschungsinstitut in Le Mans, be-
und den Einsatz von Hanf bei der Papierher- schäftigt sich zur Zeit mit weiteren Einsatz-
stellung betrifft. Dieses Papier gelangt bis- möglichkeiten des Hanfes, u.a. als Tierfut-
lang allerdings kaum in den Export. Tal ma, ter, und mit der Ölgewinnung aus den
so "Cannabis" auf chinesisch, wird auch zu- Samen. Die Anbaufläche betrug 1993 5850
nehmend von der chinesischen Textilindu- Hektar Land. Eine Hälfte des Hanfes wurde
strie genutzt. (Tatsächlich habe ich während erst zur Samenernte genutzt, bevor man
der Produktion dieses Buches einen Pull- auch die Fasern erntete. Der durchschnittli-
over aus chinesischem Hanf getragen. Sehr che THC-Gehalt schwankt zwischen 0,1 und
angenehm!). 0,2 Prozent. Die Samen werden vor allem
als Vogelfutter für Zootiere verarbeitet. Die
SPANIEN französischen Hanfprodukte sind durch Im-
Die Anbaufläche von Hanf für die Papierpro- porthanf aus China einer harten Konkurrenz
duktion beläuft sich zur Zeit auf 650 ha. ausgesetzt.
Auch der Hanf für das Papier dieses Buches
ist dort gewachsen. Darum verteuert sich ENGLAND
die Herstellung des Buches auch um einige Aus England kommt wunderschönes und
Mark. Hanfpapier kostet heute noch ein gutes Briefpapier mit einem Hanfblatt als
mehrfaches gängigen Baumkadaverpapies. Wasserzeichen. Der Hanf hierfür durfte
Ein Großteil der spanischen Hanfernte wird 1993 erstmalig wieder angebaut werden.
in der Celesa Celusosa-Mühle am Ebro, Zur Papierherstellung mußte jener Hanf al-
nahe der Stadt Tortosa, verarbeitet. Vormals lerdings extra nach Spanien transportiert
arbeitete man vor allem mit Reisstroh, aber werden, da in England wie auch anderswo
seit 1967 verwendet man auch Hanf, der die entsprechenden Hanfverarbeitungsma-
anfänglich aus Belgien geliefert wurde. Die schinen noch nicht wieder in Betrieb oder
beiden meisthergestellten Papiersorten, noch nicht einmal entwickelt worden sind.
Hempcell-A und Hempcell-B, werden für Zi- Ganze 600 ha wurden im ersten Jahr be-
garettenpapier und für den Bibeldruck ver- pflanzt, fürs kommende Jahre erwartet man
wendet. Und für Teebeutel! mehr. Die Nachfrage nach diesem tree free-
Vor 150 Jahren trug man in Spanien noch Papier steigt rapide, weil u.a. viele Bands
Hanf-Schuhe, Alpargates genannt. "Hanf- ihre CDs und LPs in Hanfhüllen verpacken
schuhe vorzüglich nur in Spanien, sowohl möchten.
die Füße beider Geschlechter als aller Stän-
de bekleiden, und wegen ihrer Leichtigkeit ITALIEN
unter dem heißen Himmel Spaniens selbst Anfang des Jahrhunderts besaß Italien nach
Lederschuhen vorzuziehen..." Allg.Ency- Rußland die zweitgrößte Anbaufläche für
clopädie der Wissenschaften und Künste, Hanf in der Welt. Davon ist nichts übrig ge-
Leipzig 1827. blieben. Die italienische Administration er-
teilt theoretisch Anbaubewilligungen, aber -stricke her. Als ökologische Alternative zu
in der Praxis ist nichts davon bekannt. herkömmlichen Materialien wird die Eig-
nung des Hanfes zum Einsatz als Wärme-
RUSSLAND und Lärmisolation genutzt. Die Firma Cel
Traditionell der Haupterzeuger von Hanfpro- spezialisiert sich ganz auf Seile und Taue in
dukten auf der Erde. Schon vor 165 Jahren Stärken zwischen 6 und 120 mm. Als näch-
berichtete ein Lexikon: "Hanf, eines der stes Hanfprodukt sind Wursthüllen geplant.
wichtigsten und einträglichsten Produkte Über andere Länder des ehemaligen Ost-
Rußlands, scheint diesem Reiche ursprüng- blocks vermochte ich bislang nichts in Er-
lich anzugehören, da man ihn allenthalben fahrung zu bringen.
wild findet."
Zur Zeit sucht man potente Joint-Venture-
Partner im Westen, um die überalteten Ma- DEUTSCHLAND
schinenparks umrüsten zu können und wie- Über die Aktivitäten der Bauern Branden-
der Zugang zum Weltmarkt zu erhalten. burgs an der Hanffront berichtet Mathias
Hanf könnte in Rußland ebenso zum Auf- Bröckers in seinem Beitrag in diesem Buch.
schwung Ost beitragen wie in der Ex-DDR. Immerhin waren im Jahr 1937 noch 3060 ha
Immerhin hat die Hanfpflanze 1991 155000 Brandenburgs, 968 ha Bayerns und 375 ha
Hektar russischen Landes begrünt. Aus Westfalens behanft, in ganz Deutschland
Hanf werden nicht nur Seile gedreht, son- waren es 7500 ha.
dern in gepreßter Form auch Möbel und Till Eulenspiegel hätte seine Freude an den
Baumaterialien hergestellt. peinlichen Bemühungen der Behörden eine
Verhanfung Deutschlands, ob mit THC oder
UNGARN ohne, zu verhindern. Im Jahr 1993 erteilte
Dieses Land hat, ebenso wie die meisten das Bundesgesundheitsamt ganze zehn Be-
ehemaligen Ostblockstaaten, nie die Single willigungen für Hanfpflanzungen. Diese
Convention der Vereinten Nationen unter- wurden allerdings vor allem Museen und
schrieben, also darf hier Hanf angebaut wer- botanischen Gärten erteilt, bei welchen es
den, ohne damit gegen internationale Ab- sich meist nur um eine Pflanze handelte.
kommen zu verstoßen. Das heißt, sogar "Genehmigungen für größere Flächen sind
THC-haltiges Cannabis darf hier wachsen, besonders schwer zu bekommen und mit
auch wenn von solchen Plantagen noch strengen Auflagen verbunden; an eine Ver-
nichts bekannt wurde. einfachung der Verfahren wird derzeit nicht
Die Firma Cellker widmet sich der Verwen- gedacht." (10)
dung von Hanf in der Möbelherstellung, der Erste Nachfragen von Bauern 1993 erga-
Innendekoration und in der Verpackungsin- ben, daß zuständige Stellen keine Antrags-
dustrie, Außerdem stellen sie Hanfseile und formulare finden konnten, hieß es. Als ich

Hanffeld in Ungarn (HanfGarn aus UnGarn).


noch mit meinen Zweifeln kämpfte, ob HANF AUF DEM MOND
Behörden denn so dummdreist handeln
können, las ich am 23.12.'93 in der taz fol- Ich kontaktierte den Autor und Lektor Rich-
gende Notiz in der 'Was fehlt'-Spalte: "Wei- ard Alan Miller, welcher zu den respektierte-
terhin der Hanfanbau in deutschen Landen." sten und besten Landwirtschaftsberatern
Der bleibt von Regierungsseite grundsätz- der USA zählt. Er reist regelmäßig auf Einla-
lich verboten. Zur Begründung heißt es in dung von Universitäten und hält landwirt-
einer Antwort der Regierung auf eine Anfra- schaftliche Kongresse ab. Ebenso ist er
ge der Bündnis 90/Grünen, der Hanfanbau aber auch als privater Berater für einige
sei grundsätzlich von der Genehmigung Gouverneure unterwegs. Sein Spezialgebiet
durch das Bundesgesundheitsamt abhän- ist die alternative Entwicklung von Feld-
gig. Da dieses Amt derzeit abgewickelt früchten, die helfen soll, kleine Farmen zu
wird, bleibt Hoffnung." Also ist da ein Amt, sichern, und so wunderte ich mich, daß
das gerade aufgelöst wird, für eine Bewilli- Hanf die einzige Lösung des Problems sein
gung zuständig, die es aber nicht mehr er- solle.
teilen kann, da nicht mehr, tja, im Amt. Ich wollte eine „Zurück zur Natur"-Voraus-
Klingt bekifft, oder? sage von einem der besten und in den USA
am meisten respektierten Landwirtschafts-
DEUTSCHE FORSCHER: experten und war nicht darauf vorbereitet,
"LEGALIZE ITI" was ich alles zu hören bekommen würde.
Mr. Miller betonte, er sei Mitarbeiter eines
Was heute noch verboten ist, könnte im geheimen Teams gewesen, welches an
Jahr 2000 wieder eine Einnahmequelle Hanfstudien für Weltraumorganisationen
für deutsche Landwirte sein: Die Bun- und die US-Regierung tätig gewesen sei. Er
desforschungsanstalt für Landwirt- behauptete, daß Schwerelosigkeitsstudien
schaft (FAL) in Braunschweig fordert mit Hanf und Versuche, ob dieser im Welt-
eine "Renaissance" des Hanfs. Seit raum wächst, angestellt wurden!
1982 ist der Anbau der robusten Pflanze High Times: Ich weiß, daß Sie sich lange
durch das Betäubungsmittelgesetz ver- Zeit, bevor der Innenanbau von Hanf oder
boten. "Wir wollen die Wiederbelebung Marihuana populär wurde, damit befaßt
des aus dem Anbau verdrängten haben.
Hanfs", machte Prof. Manfred Damroth, Richard A. Miller: In den Jahren 1968-72
Leiter der FAL deutlich. Das rauscher- arbeitete ich für Dr. Arthur Pilgrim, einem
zeugende THC im Hanf interessiert die Major der Luftwaffe im Nordwesten der
Forscher nur bedingt: Sie möchten die USA. Es ging um die Entwicklung von simu-
Faserpflanze als nachwachsenden Roh- lierenden Hydrokultursystemen für den Ge-
stoff für Dämm-, Bau- und Polsterstof- brauch auf dem Mond. Dieses Projekt hieß
fe, Verpackungen und Papier nutzen. „Lunar Base Alpha One Project".
Seit zwei Jahren experimentieren die High Times: War das wirklich ein Projekt
Braunschweiger mit der außergewöhn- zur Errichtung einer Mondbasis?
lichen Pflanze. Im Mittelpunkt der FAL- Richard A. Miller: Es war ein geschlosse-
Forschung steht die Reduzierung des nes System. Wir arbeiteten an Studien mit
THC-Gehalts: "Vor Ende des Zweiten verschiedenen Pflanzen - das war alles.
Weltkriegs hat es bereits eine Züchtung High Times: Welche Pflanzen waren das?
ohne THC gegeben. Diese Form ist lei- Richard A. Miller: Hanf, Tomaten (neben-
der verschwunden, aber sicher wieder bei erwähnt sind sich Tomaten und Hanf in
zu züchten", hofft Damroth. "Unser vor- ihrer chemischen Struktur sehr ähnlich),
rangiges Ziel ist, Landwirten den Anbau sowie zwei Algenarten, Fellopia und Cholo-
zu ermöglichen, ohne daß die Polizei rella, ein Wundernahrungsmittel des „New
kommt und die Felder abmäht." Age".
taz, 12.2.1994
High Times: Was war Ihre Aufgabe dort? re Variablen, sowohl in der chemischen
Richard A. Miller: Ich erforschte die Effek- Struktur als auch bei den verschiedenen
te der verschiedenen Typen von Licht auf Cannabinolen, die sich auf mehrere Dut-
die wechselnden chemischen Reaktionen in zend belaufen. Man nimmt einen kleinen
Pflanzen und alle anderen variablen Kondi- Teil und sieht den Effekt bei allen anderen
tionen. Anfangs befaßten wir uns u.a. mit Pflanzen. Dabei gibt es Hunderte von Kom-
der Simulation von Licht bzw. Sonnenlicht binationen. Einfache Lichtveränderungen
auf dem Mond. Diese Forschungen waren spiegeln sich bei Cannabis gut wider.
speziell auf Hanf ausgerichtet. Dieses Licht High Times: Wachsen Pflanzen auch in
wies große Unterschiede zu dem Licht in Schwerelosigkeit?
der Erdatmosphäre auf. Richard A. Miller: Wir hatten eine Gruppe,
High Times: Welche Lampen wurden ver- die sich mit Schwerelosigkeit befaßte. Das
wendet? Team experimentierte mit die Erde umkrei-
Richard A. Miller: Wir gebrauchten Xenon- senden Raumstationen, -plattformen und
lampen und andere, sehr spezielle Typen Satelliten. Das waren alles streng geheime
von Lampen, die ultralange, ultraviolette biologische Experimente. In einem dieser
Formen von Licht erzeugen, welche dem agrartechnischen Experimente wurde erfol-
natürlichen Sonnenlicht am nächsten kom- greich versucht, Trüffel im Weltraum anzu-
men, um Dinge der Natur am besten zu si- bauen. Diese Trüffel wurden „die Erde um-
mulieren. Wir fanden heraus, daß Cannabis kreisende Trüffel" genannt. Und ob Sie es
- speziell die Indica-Sorten - 60 verschiede- glauben oder nicht, sie wurden für 3000
ne Arten von Cannabinolen entwickelt, von Dollar pro Unze in Luxusrestaurants in New
denen mehr als 42 psychoaktiv sind. Diese York verkauft.
aktiven Substanzen wirkten bewußtseinser-
weiternd, die anderen hatten viele verschie-
dene Effekte. Einige von ihnen machten
müde, einige beruhigten, andere wiederum
wirkten stimulierend. Mit all unseren ver-
schiedenen Lampen konnten wir feststel-
len, welches die dominantesten Pflanzen
waren, bzw. wir konnten den chemischen
Vorgang in der Pflanze kontrollieren. Je
nachdem, wie man das Licht beeinflußt, hat
es Auswirkungen auf den Cannabinolgehalt.
High Times: Wurden auch Experimente mit
Halogenlampen, wie sie heute von Innen-
züchtern gebraucht werden, gemacht?
Richard A. Miller: Ja. Halogenlampen sind
gut geeignet, um Cannabis zu züchten,
denn Cannabispflanzen brauchen, um po-
tent zu werden, ein hohes Niveau an geo-
graphischer Höhe. Am besten entwickeln
sie sich in den Bergen. Das Klima dort hat
eine höhere Lichtausbeute in Form von ul-
traviolettem Licht zur Folge.
High Times: Warum haben Sie gerade Hanf
ausgewählt, um diese Experimente zu ma-
chen?
Richard A. Miller: Hanf war die ideale
Pflanze. Er gab uns genügend kontrollierba-
HANFFORSCHUNG besondere über eine Gewinnung hochwerti-
ger Herba Cannabis Indicae durch Kultur in
Deutschland" in Heil- und Gewürzpflanzen,
"Das umfangreichste Wissen über Anbau
8. Seiten 72 bis 81, daß es Forschern in
und Nutzung von Hanfpflanzen liegt in
Happing in Oberbayern gelungen sei, im
Rumänien. Rumänische Wissenschaftler
Jahr 1921 durch Hochzüchtung den echten
sind vor allem in der Züchtung aktiv, was die
Indischen Hanf Gunjahe mit einem Harzge-
Erhöhung der Faser- und Ölerträge angeht.
halt von 20% zu ernten.
In den ehemaligen UdSSR-Ländern sind
neue Erntemaschinen in der Entwicklung. HANF PERSPEKTIVEN
Die ungarischen Wissenschaftler setzen
ihren Schwerpunkt auf die Papierherstel-
FÜRS KOMMENDE
lung. In Westeuropa können lediglich JAHRTAUSEND
Holland und Frankreich Institute vorweisen,
die sich mit Anbau- und Nutzungsfragen be- Die Wiederentdeckung des pflanzlichen
schäftigen. Ein vierjähriges Projekt, das mit Multitalents Hanf wird in allen Bereichen
umgerechnet etwa zehn Millionen DM vom der Gesellschaft bzw. Wirtschaft für neue
holländischen Staat finanziert wird, klärt die Perspektiven und Arbeitsplätze sorgen. Wer
mögliche Papierherstellung aus Hanf ab. In jetzt einsteigt, hat eine Jahrhundertchance,
der Schweiz wurde 1993 in einem Anbau- in eine schnell wachsende, und ökologisch
versuch Hanf erprobt und die Ertragslei- astreine Industrie zu investieren. Solche
stung sowie die Gehalte psychotrop wirksa- Möglichkeiten ergeben sich selten. Dabei,
mer Substanzen untersucht.... lieber Großer Bruder, rede ich hier bislang
Innovationen sind auch bezüglich der Faser- ausschließlich von der Pflanzenfaser, nicht
gewinnung gefragt. Sie muß völlig neu ent- von seinem psychoaktiven Einsatz in Medi-
wickelt werden, denn die klassischen Auf- zin, Magie & Musik. Ehrlich!
bereitungsverfahren sind aus ökonomi-
schen und ökologischen Gründen nicht Das neue Material erfordert neue Produkti-
mehr brauchbar. Abgesehen davon gibt es onsanlagen in vielen Bereichen:
in Deutschland noch nicht einmal eine alte - Das fängt beim Anbau und der Ernte an.
Anlage. Im Lichte dieser Aussagen wird Bio-logisch und wenn es geht auch dyna-
deutlich, daß, selbst wenn das Anbauverbot misch.
für Hanf heute aufgehoben würde, ein Han- - Die Verarbeitungstechnologien müssen
fanbau in der Praxis noch nicht stattfinden auf den neuesten Stand gebracht werden.
kann. Bevor dies möglich ist, müssen die - Ein Markt muß vorbereitet, entwickelt und
durch das Betäubungsmittelgesetz entstan- gepflegt werden.
denen Versäumnisse bezüglich der Hanf- - Neue Vertriebsstrukturen braucht das
nutzung aufgeholt werden: denn der gegen- Land!
wärtige Kenntnisstand um diese Pflanze ist
in Deutschland auf dem Niveau, wie es zum Was bleibt ist die Frage, ob und wie sich die
Ende des Zweiten Weltkrieges erreicht europäischen Länder einigen werden. So-
war." (Der Schweizer Bauer, Nr. 101, 148. viel ist klar: Beim Hanf handelt es sich um
Jahrgang) die Materie der Stunde und des Jahrzehnts.
US-Experten sprechen von über 50000 ver-
So absurd es klingen mag, aber Auf- schiedenen industriellen Hanfprodukten,
schwung Ost durch Hanf hat als Slogan dabei steht die neuzeitliche Forschung erst
mehr potentiellen Wahrheitsgehalt als viele am Anfang.
realpolitischen Versprechungen der Politi- Hanf ist die grüne Kraft, die wir und der Pla-
ker. Th. Sabalitschka berichtete schon 1926 net brauchen.
in seiner Arbeit Über "Cannabis Indica, ins- Grün ist die Hoffnung.
Erst heute kann man von echtem Hanf-Pa-
pier bei uns reden, wie z.B. bei dem Papier,
auf das dieser Text gedruckt ist. Dank des
Pioniergeistes von Mathias Bröckers und
dem Verlag 2001, sowie der Cooperation
der Papierfabrik Schneidersöhne in Kelk-
Ende 1993 wurde in Berlin das HanfHaus heim, vertreten von Herrn Schlegelmilch
gegründet, ein Laden und Vertrieb für legale werden heute verschiedene Qualitäten
Hanfprodukte. Hanfpapier mit Wasserzei- Hanfpapier auf dem Rohstoff-Umweg Spa-
chen, Stoffe der Marke HighTex und Bindfä- nien bei uns hergestellt. Auch aus England
den bilden den Anfang, eine ganze Kollek- wird Hanfpapier importiert, sogar aus engli-
tion mit Hanfstoffen ist in Arbeit. Die Preise schem Hanf. Diese Papiere sind noch relativ
schließen noch ein Notopfer Hanf mit ein, teuer. Das wird sich ändern, wenn a) wieder
aber sie werden rapide sinken, wenn in heimischer Hanf aus Baden und Branden-
Deutschland auch Hanf geerntet werden burg angebaut und genutzt werden darf und
darf. Das HanfHaus, Eisenacherstr. 71, b) die entsprechenden Verarbeitungsanla-
10823 Berlin, Fax 030-781 2047. gen neu entwickelt und installiert sind. Das
kann dauern.

HAST DU EINEN VOGEL? Briefpapier aus Hanf, ein edles Stöffchen,


sogar mit Hanfblatt-Wasserzeichen, gibt es
Falls ja, wird der sich freuen. "Bis zum Pro- im HanfHaus in Berlin.
hibitionsgesetz von 1937 war Hanfsamen
das wichtigste Vogelfutter in der Welt so-
wohl für frei fliegende Vögel wie auch für
Käfigvögel, das sie allen anderen Samen
vorzogen. 1937 wurden in den USA vier Mil- HANF LEGAL
lionen Pfund Hanfsamen für Singvögel allein
im Einzelhandel verkauft. Aus einer Samen- Die Anbauerlaubnis erteilt in Deutsch-
mischung picken sich Vögel als erstes die land im Prinzip das Bundesgesundheit-
Hanfsamen heraus. In der freien Natur samt, genauer die dort angesiedelte
leben Vögel länger und haben mehr Junge, Bundesopiumstelle. Anschrift: Genthi-
wenn Hanfsamen Bestandteil ihrer Nahrung ner Straße 38, 10785 Berlin. Laut § 29
sind, und das Öl ist gut für ihr Gefieder und BtmG, Absatz 1, Ziffer 1 kann diese
ihre Gesundheit im allgemeinen." (1) Stelle den Anbau von Hanf unter beson-
deren Umständen erlauben.
In der Praxis jedoch sieht es so aus, daß
das Bundesgesundheitsamt aufgelöst
HANF PAPIER wird und in der Übergangsphase nie-
Schon Gutenberg, so geht die Legende, mand dafür zuständig zu sein scheint.
druckte seine Bibeln auf Hanfpapier, wie Bis zu einer Legalisierung der Cannabis-
auch die US-Amis ihre Unabhängigkeitser- pflanze möchte der Autor und der Verle-
klärung. Genauere Prüfungen könnten aber ger dieses Buches darauf hinweisen,
durchaus ergeben, daß dies nicht ganz daß Anbautips in diesem Buch nur für
stimmt. Damals gab es kein ausgesproche- berechtigte Hanfanbauer gelten.
nes Hanf-Papier. Papier wurde aus Lumpen Wer keine Erlaubnis hat und trotzdem
hergestellt und wenn bei diesen ehemalige Hanf anbaut, begeht eine kriminelle
Kleidungsstücke mit Hanfgehalt waren, ja Handlung, die eine nicht unerhebliche
dann wurde auch Gottes Wort auf selbige Strafe nach sich ziehen kann.
Masse gedruckt.
WARUM VERWENDEN Grenzertragsflächen angebaut, in der Lage
wäre, sämtliche Kilowattstunden Energie zu
WIR NICHT HANF, UM DEN erzeugen, die jährlich in den USA benötigt
TREIBHAUSEFFEKT RÜCK- werden? Würde das helfen, den Planeten
zu retten?"
GÄNGIG ZU MACHEN UND
„Das wäre ideal. Aber eine derartige Pflanze
DIE WELT ZU RETTEN? gibt es nicht."
„Wir glauben, daß es sie gibt."
Diese Frage stellten wir, Jack Herer und „Tatsächlich? Welche denn?"
Maria Farrow, Anfang 1989 Steve Rawlings. „Hanf."
dem höchsten Beamten im USDA, dem „Hanf!" sagte er nachdenklich. „Darauf
Landwirtschaftsministerium der Vereinigten wäre ich nie gekommen... Wissen Sie, ich
Staaten. Er leitete damals am USDA-eige- glaube, Sie haben recht. Hanf könnte die Lö-
nen Weltforschungszentrum in Beltsville, sung des Problems sein. Das ist eine tolle
Maryland, ein Projekt, das die Möglichkei- Idee! "
ten, den Treibhauseffekt aufzuhalten, erfor- Wir waren ganz aufgeregt, als wir ihm be-
schen sollte. schrieben, wie vielseitig Hanf verwendet
Wir stellten uns zunächst vor und sagten werden kann - für die Herstellung von Pa-
ihm, wir würden für Zeitungen der Grünen pier, Fasern, Brennstoffen, Nahrungsmit-
schreiben. Dann fragten wir Rawlings: „An- teln, Farben usw. -, und welchen Beitrag
genommen, Sie hätten zu entscheiden, was diese Pflanze dazu leisten könnte, die Öko-
wäre dann Ihrer Meinung nach der beste systeme der Welt und den Sauerstoffgehalt
Weg, um den Treibhauseffekt aufzuhalten in der Atmosphäre wieder ins Gleichge-
oder rückgängig zu machen?" wicht zu bringen, ohne den Lebensstan-
Er sagte: „Mit der Rodung der Wälder und dard, an den sich die meisten Amerikaner
der Verwendung fossiler Brennstoffe auf- gewöhnt haben, wesentlich zu beeinträchti-
zuhören." gen.
„Und warum geschieht das nicht?" Im großen und ganzen schienen unsere In-
„Weil es keine brauchbare Alternative für formationen Rawlings überzeugt zu haben,
Holz zur Papierherstellung oder für fossile und er meinte, das Ganze könne durchaus
Brennstoffe gibt." funktionieren.
„Weshalb verwenden wir keine einjährigen Er sagte: „Es ist eine wunderbare Idee, und
Pflanzen, um Papier sowie Biomasse für die ich glaube, sie könnte funktionieren. Aber
Energieerzeugung herzustellen?" sie läßt sich natürlich nicht in die Tat umset-
„Ja, das wäre natürlich ideal", stimmte er zen."
zu. „Aber leider gibt es nichts Brauchbares, „Das kann doch nicht Ihr Ernst sein", ant-
aus dem man genügend Material herstellen worteten wir. „Wieso nicht?"
könnte." „Nun, Herr Herer, ist Ihnen klar, daß Hanf
„Nun, was würden Sie sagen, wenn es auch Marihuana ist?"
tatsächlich eine Pflanze gäbe, die alles Holz- „Aber ja... Darüber habe ich die letzten 17
zellstoffpapier und alle fossilen Brennstoffe Jahre über etwa 40 Stunden pro Woche ge-
ersetzen könnte, aus der die meisten unse- schrieben."
rer Faserstoffe auf natürlichem Weg er- „Dann wissen Sie sicherlich auch, daß Mari-
zeugt werden könnten, alle Stoffe, vom Dy- huana verboten ist. Es darf nicht verwendet
namit bis zum Palstik; eine Pflanze, die in werden."
allen 50 US-Staaten wachsen und mit einer „Nicht einmal, wenn es die Welt retten
Anbaufläche von nur einem Morgen etwa würde?"
4,1 Morgen Baumbestand retten könnte. „Nein, nicht einmal dann. Marihuana ist ver-
Eine Pflanze, die, auf 6 Prozent der US-ame- boten. Man kann es nicht verwenden.
rikanischen Landfläche einschließlich der Basta!
Hanfstengel im Schnitt.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Es ist eine Er versprach, das zu tun. Als wir ihn jedoch
großartige Idee", fuhr er fort, „aber man einen Monat später anriefen, teilte er uns
wird es nie zulassen." mit, daß er unser Paket noch nicht geöffnet
„Warum gehen Sie nicht ganz einfach zu habe und es ungeöffnet an uns zurück-
Ihrem Landwirtschaftsminister und sagen schicken werde, da er für unsere Informa-
ihm, daß ein Verrückter aus Kalifornien tionen jetzt, da die Bush-Regierung ihn
Ihnen Unterlagen gegeben habe, aus denen durch einen ihrer eigenen Männer ersetzen
hervorgeht, daß man diesen Planeten mög- wolle, keine Verantwortung übernehmen
licherweise mit Hanf retten kann und daß könne.
Sie glauben, daß dieser Verrückte eventuell Wir fragten ihn, ob er gewillt sei, diese Infor-
recht haben könnte und diese Unterlagen mationen an seinen Nachfolger weiterzulei-
ernsthaft geprüft werden sollten. Was ten, „Auf keinen Fall", lautete die Antwort.
würde er sagen?" Im Mai 1989 hatten wir praktisch die gleiche
„Wenn ich das täte, wäre ich sicherlich Unterhaltung und kamen zu dem gleichen
nicht mehr lange hier. Schließlich bin ich Re- Ergebnis mit seinem Kollegen Dr. Gary
gierungsbeamter." Evans vom US-Landwirtschafts- und Wis-
„Warum rufen Sie denn nicht einfach die In- senschaftsministerium, dem Mann, dessen
formationen von Ihrem Computer in Ihrer ei- offizieller Auftrag es ist, Maßnahmen gegen
genen USDA-Bibliothek ab? Von dort haben den Treibhauseffekt zu entwickeln.
wir ja auch unsere Informationen." Zum Schluß unserer Unterhaltung sagte er:
Er sagte: „Ich kann sie nicht offiziell anfor- „Wenn ihr wirklich unseren Planeten retten
dern." wollt, dann werdet ihr [Marihuana-Aktivi-
„Herr Herer, Sie sind ein normaler Bürger sten] auch einen Weg finden, das Zeug
unseres Landes. Sie können alles anfor- ohne seine narkotische [sicj Spitze anzu-
dern, was Sie wollen. Aber ich bin Beamter bauen - und dann könnt ihr es verwenden."
des Landwirtschaftsministeriums, Irgend- So sieht sie also aus, die erbärmliche und
wer wird wissen wollen, warum ich diese beängstigende Verantwortungslosigkeit,
Informationen haben möchte. Und dann mit der wir es in unserem Staat zu tun
kann ich gehen." haben.
Schließlich erklärten wir uns bereit, ihm
sämtliches Informationsmaterial zu [Aus: Herer/Bröckers/Katalyse „Die Wieder-
schicken, das wir von der USDA-Bibliothek entdeckung der Nutzpflanze Hanf... Canna-
erhalten hatten, wenn er es sich nur an- bis, Marihuana" © 1993 by Zweitausend-
schauen wolle. eins, Postfach, 60381 Frankfurt am Main]
NATÜRLICHE ENTWICKLUNG

IN STICHWORTEN:
Keimung: Der Same keimt nach einigen Tagen. Keimlingswurzel gräbt sich in die Erde.
Der Keimblatteil des Embryonen wird aus der Erde herausgehoben. Ausbildung des
Keimblattpaares (glatte Blattränder, keine Spitze).

Sproßentwicklung: Ausbildung von echten Blattpaaren (Rand gesägt, Spitze). Zahl der
Blattfinger (= Einzelblättchen) je Blatt nimmt zu. In den Blattachseln können weitere
Sprossen ausgetrieben werden (= Seitenäste).
Dies vegetative Wachstum setzt sich fort, bis lange Nächte (und gleichzeitig natürlich
kurze Tage) die reproduktive Phase (= Blüte und Samenbildung) auslösen.

Blüten: Cannabis ist zweihäusig, es gibt männliche und weibliche Pflanzen.


Männliche Blüte: etwas eher als die weibliche Blüte.
Weibliche Blüte: etwas nach der männlichen Blüte.
Bestäubung: männliche Pollen (von männlichen Pflanzen) werden durch den Wind auf
die weiblichen Narben getragen.
Männliche Pflanze geht nach der Blüte ein.

Samenansatz: Der in den weiblichen Kelchblättern (die potentesten Teile!) verborgene


Fruchtknoten wächst.

Samenreife: Samen fallen aus, die weibliche Pflanze stirbt ab.


Wie jede andere Pflanze so hat auch Cannabis ein persönliches Entwicklungsmuster,
welches mit kleineren Variationen in der Erbmasse festgehalten ist. Alle Anbaumaß-
nahmen und jegliche Manipulationen an der Pflanze setzen immer ein Wissen um die
naturgegebenen ineinandergreifenden Lebensabläufe voraus.
Same: keimt meist innerhalb von 3—7 Tagen.
Keimblätter: 2 Keimblätter (Cotyledonen), ungleich groß, 10-16 mm lang, breit lan-
zettlich (= 3mal so lang wie breit, am breitesten etwa in der Mitte), rund oder wenig-
stens stumpf an der Spitze, schmaler an der Basis. 3 Hauptadern in Längsrichtung. Auf
der Oberseite reichlich mit feinen Haaren (sichtbar unter 10facher Vergrößerung) über-
zogen, jedes mit einer verdickten Basis. Blattunterseite nicht behaart. Die zwei Keim-
blätter sitzen an einem relativ langen (bis 5 cm) Stiel (Hypocotyl).

SPROSSENTWICKLUNG:
1. Sproßachse (Hauptsproß, Stamm): Das erste Paar echter Blätter entfaltet sich etwa
25 mm oder weniger über den Keimblättern. Jedes Blatt ist deutlich gestielt, hat eine
schmale elyptische Form mit gesägtem Blattrand.
Die Blätter des zweiten echten Blattpaares sind bereits viel größer. Sie sehen entweder
wie das erste Blattpaar aus oder weisen einen langen Stiel auf, an dessen Ende drei
Einzelblättchen fächerförmig entspringen.
Die Blätter des dritten Blattpaares bestehen aus vier oder fünf Einzelblättern, die alle aus
der Spitze des Stieles (= Petiole) kommen. Man spricht von einem gefingerten Blatt, die
Einzelblättchen werden Blattfinger genannt.
Weitere Blätter setzen sich aus immer mehr einzelnen Blattfingern zusammen. Ein Blatt
kann aus bis zu 11 Blattfingern bestehen. Die Blätter treten nun nicht unbedingt paar-
weise auf, sondern können auch abwechselnd spiralförmig (= wechselständig) um die
Sproßachse ausgebildet werden.
Der Stamm ist eckig und mehr oder weniger hohl. Er ist mit kleinen nach oben gebo-
genen Haaren bedeckt, die wie gegen den Stamm gepreßt aussehen. Ähnliche Haare kann
man bei 10facher Vergrößerung an fast allen Teilen der Pflanze entdecken. Jedes Haar
besteht aus einer Zelle, die sich von einer stämmigen Basis sogleich in eine scharfe Spitze
verjüngt. Die Basis enthält Mineraleinlagerungen (Zystolithen), die man unter dem
Mikroskop als leichte Verdickungen erkennen kann.
Wo die Blätter (bzw. deren Blattstiele} aus dem Stamm entspringen, finden wir knoten-
förmige Verdickungen, die Nodien. Die Stammabschnitte zwischen diesen Knoten wer-
den Internodien genannt.
Die Blätter sind je nach Sorte und Zustand der Pflanze unterschiedlich geformt. Jedes
Blatt verfügt über einen bis zu 6 cm langen schlanken Stiel, entlang dessen Oberseite
man eine schmale Vertiefung erkennen kann. Beim Querschnitt kann man sehen, daß das
holzige (vasculare) Gewebe eine fortlaufende Faser mit einem U-Profil bildet. Die 3-11
(meist 5-9) weichstrukturierten Einzelblättchen sind meist schmal lanzettlich (also
etwa 6mal länger als breit mit der breitesten Stelle um die Mitte herum), haben eine keil-
förmige Basis, grob gesägte Ränder und ein lang ausgezogenes, spitziges Ende. Die Zähne
(etwa 4-20 an jeder Seite) sind kantig und zeigen zur Spitze des Blättchens. Die Blatt-
adern verlaufen schräg zur Mittelrippe und enden in den Spitzen der Zähne.
Die Blattfinger eines Blattes sind ungleichmäßig groß, das mittlere Einzelblatt ist am
längsten und kann 15 cm messen.
Auf der Oberseite der Blätter finden wir sehr kleine Haare mit einer kugeligen Basis und
einer kurzen scharfen Spitze (Größe 100-180 mcm*). Die Haare auf der Unterseite sind
länger ( 150-250 mcm) und schlanker, ihre Basis ist nicht so deutlich verdickt. Auch sie
verfügen über eine scharfe Spitze. Beide Härchentypen bestehen aus nur einer Zelle und
haben Zystholithablagerungen in der Basis. Die Haare werden als Zystolithenhaare oder
Trichomen bezeichnet,

2. Seitliche Sprosse (Zweige, Blüten): Aus den Blattachseln (im spitzen Winkel von
Stamm und Blattstiel) können weitere Sprosse austreiben. Seitenäste entwickeln sich als
vegetative Sprosse in der schon bekannten Weise mit meist paarig auftretenden Blättern.
Die Seitenäste können weiterwachsen und selbst etliche Blattpaare ausbilden. Selbst in
den Blattachseln der Äste können wiederum Sprossen ausbilden (z.B. bei Beschneidung).
Ebenfalls in den Blattachseln entspringen die Blütentriebe der Cannabispflanzen.

VEGETATIVES WACHSTUM: Mit der Ausbildung des ersten echten Blattpaares be-
ginnt das vegetative Wachstum. Die Pflanze baut in der beschriebenen Weise soviel Grün-
masse wie möglich auf. Neben dem Hauptsproß (Stamm) bilden sich oft etliche Seiten-
triebe, die sich zu regelrechten Ästen auswachsen können. Die vegetative Phase ist durch
rasches Wachstum, entsprechende Massenzunahme, hohen Nährstoff- und Wasserver-
brauch sowie hohen Lichtbedarf (mehr Photosynthese = mehr Zucker = mehr Wachs-
tum) gekennzeichnet. Unter natürlichen Umständen fällt diese Phase in die Jahreszeit
mit der höchsten täglichen Lichtdauer, den Sommer. Während der vegetativen Phase
versucht sich die Pflanze in die für die anschließende Blütephase wünschenswerte Höchst-
form zu bringen.
Je nach Sorte (= Genotyp = erbliches Potential) und Umwelt erreicht die Pflanze zum
Ende der vegetativen Phase eine Größe zwischen kaum mehr als einem Meter (Thai-
sorten) und bis zu mehr als 6 Metern, durchschnittlich kann man von 2—3 m Höhe aus-
gehen, sofern die Pflanzen nicht beschnitten oder erzogen werden.
Auch können die unterschiedlichsten äußeren Formen beobachtet werden:
— nur ein kurzer schmaler Stamm mit kaum seitlichen Verästelungen
— Seitenäste, die wie der Stamm in die Höhe wachsen (Pappel-artiges Aussehen) = röh-
renförmig (zylindrisch)
—Seitenäste, die waagerecht ausladen (wie Fichten oder Tannen) = spitzkegelig

BLÜTENBILDUNG: Die Cannabispflanze beginnt mit der Blütenbildung, wenn die Ta-
geslänge im Herbst eine gewisse Grenze unterschreitet. Auf die vegetative Phase (= Blatt-
bildung, Mengenwachstum) folgt die reproduktive Phase (Vermehrung = Blüte und
Samenbildung). Mit Beginn der Blütenbildung verlangsamt sich die Neuproduktion von
Blattmasse ganz erheblich.
Je nach Sorte löst eine tägliche Nachtzeit von 9 bis 13 Stunden (meist 11-12Std.) die
reproduktive Phase aus. Cannabis ist also eine Kurztagspflanze, weil sie an kurzen Tagen
in Blüte geht.

v.l.n.r.: geschlossene männliche Blüte;


einzelner Staubbeutel;
geöffnete männliche Blüte
Männliche Blüte: Beginnt meist etwas eher als die weibliche Blüte. Der stark verzweigte
und blütenreiche männliche Blütentrieb entspringt im oberen Teil der Pflanze in einer
Blattachsel, steht deutlich aus dem Blattwerk hervor, einzelne Blütenzweige sind bis
20 cm lang, sie sind mit feinen Härchen bedeckt. Nur wenige Blätter wachsen an den
Blütenständen.

Die einzelne Blüte besteht aus 5 weißlichen oder grünlichen, fein behaarten Kelchblät-
tern (ca. 3,5 mm lang), von denen die an einem feinen Stielchen hängenden 5 Staub-
beutel umschlossen werden. Die noch geschlossene Blüte sieht wie eine Mandel aus.
Dann öffnen sich die Kelchblätter, sodaß die Staubbeutel sichtbar werden. Die Staub-
beutel (= Pollensäcke) öffnen sich von ihrer Spitze an der Länge nach und geben die in
ihnen enthaltenen Pollen frei. Der Wind trägt die Pollen zur weiblichen Blüte, wo die
Bestäubung erfolgt. Die Pollenkörner sind fast rund, jedoch etwas breiter als lang,
durchmessen 25—30 m, sind glatt mit 2—4 runden Keimsporen.
Nach der Blüte hat die männliche Pflanze ihre Aufgabe erfüllt und geht ein, oft Wochen
vor den weiblichen Pflanzen, die erst durch Ausbildung von Samen ihren Beitrag zum
Fortbestand der Art leisten.

Weibliche Blüte: Die weiblichen Blütenstände wachsen nicht wie die männlichen über
das Blattdach der Pflanze hinaus. Auch die weiblichen Blütentriebe entspringen in den
Blattachseln. Sie sind eher kompakt, enthalten nur wenige Blüten, die Blüten werden
paarweise gebildet.
Zur Blüte finden wir besonders in der Nähe der Sproßspitzen in praktisch jeder Blatt-
achsel kurze Blütentriebe. Zwischen den einzelnen Blüten wachsen noch kleine Blätter
(ebenfalls reichlich mit Harzdrüsen überzogen). Da die Blüten räumlich sehr dicht hinter-
einander gebildet werden, kann man meist die einzelnen Blütentriebe nicht mehr unter-
scheiden. Man hat eine dicht gepackte Blütentraube vor sich, die aus Hunderten von
Einzelblüten und Blütentrieben sowie den begleitenden Blättern besteht. Diese Blüten-
stände (auch „buds" = engl. oder „Colas" = span. genannt) stellen das potenteste
Erntegut dar.
Die Blüte selbst besteht aus einem kleinen grünen Kelch, dessen Blätter den Fruchtkno-
ten gänzlich umhüllen. Diese an der Basis verdickte röhrenförmige Hülle ist zwischen 1,8
und 2,6 mm lang, aus ihrem offenen Ende schauen die zwei mit dem Fruchtknoten
verbundenen Narben (= Griffel, Stigmen) heraus.
Die Narben sind von weißlicher oder gelblicher Farbe und weisen nach oben (sie bilden
zusammen ein „V").
Der Kelch ist dicht mit schlanken Haaren (Zystolithenhaare, Trichomen) und kleinen,
durchsichtigen, kugelförmigen Harzdrüsen überzogen, die teilweise auf einem kurzen
Stiel, teilweise direkt auf dem Kelchgewebe wachsen.
Der Fruchtknoten enthält eine Eizelle. Nach der Bestäubung (Pollen werden vom Wind
auf die aufrechtstehenden Narben getragen und zur Eizelle weitergeleitet, wo Erbmasse
von Pollenkern und Ei verschmelzen), fallen die Narben bald ab. Der Kelch nimmt an
Größe zu, während sich der Same entwickelt. Die Frucht ist technisch gesehen eine Nuß
(Achäne), d.h. sie enthält einen einzelnen Samen mit einer harten Schale, eng umschlos-
sen von der dünnen Haut des Fruchtknotens. Der Same ist mit dem Trennungsgewebe an
seiner Basis mit der Pflanze verbunden. In der Praxis wird man die Frucht allerdings
meist als „Samen" bezeichnen.
Schon während der Blüte wird das vegetative Wachstum fast eingestellt, die Pflanze
wird nicht mehr größer. Ist die Befruchtung erfolgt und beginnen die Samen zu reifen,
setzt das Absterben der Pflanze allmählich ein. Wenn die Samen reif sind, ist die Pflanze
bereits größtenteils verwelkt. Die Samen sprengen die umhüllenden inzwischen auch
ausgetrockneten Kelchblätter auf und fallen aus (das Trennungsgewebe reißt). Die
weibliche Pflanze stirbt nun ab.

Bestäubung: von den herabhängenden männlichen Blüten werden


Pollen durch den Wind auf die aufrechtstehenden weiblichen Griffel getragen
Der Same ist elyptisch, leicht abgeflacht, 2,5-5 mm lang und 2,5-3 mm im Durchmes-
ser. Er hat eine grünliche oder bräunliche Farbe und kann auf verschiedene Art gemustert
oder marmoriert sein.
Das Embryo innerhalb des Samens ist stark gebogen, die zwei Keimblätter (Kotyledo-
nen) sind an der einen Seite zusammengepackt, die Keimlingswurzel (= radicula) an der
anderen zusammen mit einer kleinen Nahrungsreserve (Endosperm). Die Samen enthal-
ten trockenes Öl (ca. 32%).
PHOTOPERIODE

Die einzelnen Entwicklungsphasen werden bei der Cannabispflanze durch das tägliche
Verhältnis zwischen Tag und Nacht (= Photoperiode) gesteuert. Die Pflanze enthält
ständig ein lichtempfindliches Hormon, das die Blüte auslöst. Erst bei einer täglichen
ununterbrochenen Dunkelzeit (Nacht) von 13 Stunden kann es seine Wirkungen ent-
falten. Selbst geringe Lichtmengen (Straßenbeleuchtung, kurzzeitig angeschaltete
Zimmerbeleuchtung, Taschenlampe) reichen aus, um das Hormon weiterhin in Inaktivi-
tät zu belassen.
Lange Tage und kurze Nächte bedeuten für die Pflanze vegetative Impulse. Sie nutzt den
Sommer, um zu einer möglichst stattlichen Größe heranzuwachsen, damit im Herbst
(kurze Tage, lange Nächte) eine reichliche Blüte erfolgen kann.

Kurze Nächte (weniger als 11 Stunden Nacht): vegetatives Wachstum


Lange Nächte (mehr als 12 Stunden Nacht): reproduktive Phase
(Blüte und Samen)

Jahreszeit: je nach Sorte, Alter, Geschlecht und Umwelt liegt der Beginn der Blüte im
Freiland zwischen Anfang September und November. Cannabis ist eine Kurztagspflanze.

ABWEICHUNGEN:
Sorte: Nordsorten (Faser- und Öl-Gewinnung) sprechen oft bereits auf 9—10 Nachtstun-
den täglich durch Blühen an, dies ist durch eine Anpassung an die Umwelt bedingt. Läge
die Blüte erst später im Herbst, könnten die Samen nicht ausreifen und die Pflanze sich
nicht vermehren. Tropische Sorten benötigen mitunter 11—13 Stunden Nacht als
Blüteimpuls.
Alter: Alte Pflanzen reagieren rascher auf lange Nächte. Mitunter tritt die Blüte inner-
halb weniger Tage ein (Pflanzen über 5 Monate alt). Junge Pflanzen lassen sich nicht so
leicht zur Blüte veranlassen (5 Wochen alte Pflanzen können wochenlange extreme
Langnachtbehandlung benötigen, um in Blüte zu gehen).
Geschlecht: männliche Pflanzen liegen mit ihrer Blüte eher als weibliche. Sie blühen
mitunter ziemlich jung, wenn die Photoperiode es zuläßt, oder aber zu der Zeit, zu der
sie unter gewohnten Umständen auch blühen würden (wahrscheinlich richten sie sich
hierbei nach ihrem Alter), selbst wenn die Photoperiode z.B. im Hause nicht danach ist.
Umwelt: Mangelhafte Bedingungen (Kälte, Nährstoffmängel, Pflegefehler) verzögern die
Blütereaktion.

REGEL: 13 Stunden Nacht (ununterbrochen) täglich über 14 Tage reichen bei erwach-
senen Pflanzen (3-6 Monate alt) zur Auslösung der Blüte.
CANNABINOIDE IN DER PFLANZE
Das Harz der Hanfpflanze besteht nicht nur aus Cannabinoiden. Auch eine Reihe ande-
rer Harzstoffe wie hochpolymere Phenole und Terpene sind hierin enthalten. Wir treffen
auch auf Wachsstoffe und die für den charakteristischen Geruch verantwortlichen
ätherischen Öle. Hinzu kommen in der Praxis noch Verunreinigungen (Staub und
abgestorbene Pflanzenzellen etc.).
Im gereinigten Zustand (von allen Nicht-Harzteilen und Verunreinigungen befreit) hat
das Harz eine gelblich-rötliche Farbe, ist schwach und durchscheinend, aromatisch
riechend (besonders bei Erwärmung: ätherische Öle), sehr zähflüssig und klebrig. Dieses
sogenannte „Rote öl" (entsprechend dem auf dem illegalen Markt befindlichen gereinig-
ten „Honey Oil") enthält alle für uns interessanten Cannabinoide, vorwiegend THC,
CBD und CBN.

a = Zystolithenhaar
b = große Harzdrüse mit Stiel
c = dto. von oben gesehen
d = sehr kleine Harzdrüse
e = Trichomen
f = große kugelförmige Drüse ohne Stiel
g = Stiel einer Harzdrüse, Kopf bereits abgefallen

ENTSTEHUNG DER CANNABINOIDE

DRÜSEN:
Entgegen einer weitverbreiteten Meinung werden die Cannabinoide praktisch nicht im
Innern der Hanfpflanze produziert. Das Harz wird von Drüsen abgeschieden, die sich
überall auf der Oberfläche der Pflanze bilden, außer auf den Samen und an den Wurzeln.
Den dichtesten Bestand mit Drüsen trifft man auf der Unterseite der Blätter (besonders
entlang der Blattadern) und vor allem an den Blütenständen (Kelchblättern) an.

Zwei unterschiedliche Drüsentypen übernehmen die Harzsekretion:


1. Drüsenhaare. Auf einem meist 1 (bis 4) Pflanzenzellen langen Stiel sitzt ein 1-4
(meist 2) Zellen großer Drüsenkopf. Das gesamte Gebilde ist zwischen 15 und 30 mcm
hoch und schaut birnenförmig aus. Die Zellen des Drüsenkopfes stellen das Harz her,
Es besteht wahrscheinlich vorwiegend aus Cannabinoiden (ansonsten ätherischen Ölen).
Praktisch nicht mit dem bloßen Auge erkennbar.
2. kugelförmige Drüsen. Kernstück dieser Drüsen ist ein 25-100 mcm durchmessender
kugeliger Drüsenkopf, der von 8 bis zu 16 nach außen gewölbt wachsenden Zellen gebil-
det wird. Das produzierte Harz sammelt sich zwischen den Pflanzenzellen und der um-
gebenden Außenhaut (Cuticula) an. Unter dem Drüsenkopf befindet sich ein Stiel, wel-
cher wie der Kopf kein Chlorophyll enthält, also nicht grün aussieht. Bei im jugend-
lichen Entwicklungsstadium der Pflanze gebildeten Drüsen ist der Stiel nur wenig ent-
wickelt (zwei Zellen), sodaß man ihn kaum erkennen kann. Während der Blüte gebil-
dete Drüsen besitzen jedoch meist einen erheblich längeren Stiel (bis über 200 mcm),
der aus mehreren Zellen besteht und meist auch mehrere Zellen durchmißt. Das Harz
wird in dem Zwischenraum zwischen Zellen und der äußeren Haut (Cuticula) des Drü-
senkopfes sekretiert und angesammelt. Das Harz ist zunächst farblos transparent, mit
zunehmender Reife nimmt es eine gelblich-bräunliche Farbe an, wird trübe und stellt
nach der Trocknung der Pflanze eine sehr zähflüssige, klebrige und stark riechende
Harzmasse dar. Das frische Harzsekret besteht zu 80-90% aus Cannabinoiden (L1, 146)
den Rest dürften vor allem ätherische Öle ausmachen.
Die kugelförmigen Drüsen mit oder ohne Stiel findet man vor allem an den Blüten-
ständen, hier besonders reichlich auf den weiblichen Kelchblättern, sowie auf den Un-
terseiten der Blätter, verstärkt entlang der Blattadern. Sie sind mit dem bloßen Auge
erkennbar. Ob es sich bei den kugelförmigen Drüsen mit Stiel und denen ohne Stiel um
zwei verschiedene Arten von Drüsen handelt ist von rein theoretischer Bedeutung.
Mit der Reife können die Stiele der kugelförmigen Drüsen austrocknen, dann brechen
die Drüsenköpfe selbst leicht ab. Bei der Haschischherstellung sollen vor allem diese
Drüsenteile durch Abreiben der Blätter mit den Händen oder durch leichtes Ausdre-
schen der getrockneten Pflanze (über feinen Siebmaterialien) gewonnen werden.
Die oberirdischen Teile der Cannabispflanze sind mit Haaren bedeckt. Diese sogenann-
ten Zystolithenhaare oderTrichomen haben an der Basis Kalk in ihr Gewebe eingebaut .
Sie bestehen nur aus einer Zelle. Die Zystolithenhaare der Oberseite der Blätter sind
kürzer als die Haare der Blattunterseite. Sie haben eine breitere Basis und sehen durch
ihre kürzere Spitze etwas klobig aus. Die Haare der Blattunterseite messen zwischen
150 und 500 mcm. Da diese schlanken Gebilde meist bogenförmig von der Blattober-
fläche wachsen, bieten sie oft den anfälligen Harzdrüsen Schutz. Zystolithenhaare schei-
den keinerlei Sekret ab.
Von vordringlicher Wichtigkeit bei der Harzproduktion sind also die großen kugelför-
migen Drüsen, gleich ob sie mit einem längeren Stiel versehen sind oder nicht.

VORKOMMEN DER DRÜSEN


Je weiter die Pflanze in ihrer Entwicklung fortgeschritten ist, desto mehr und größere
Drüsen finden sich auf den neu gebildeten Pflanzenteilen. Entsprechend treffen wir den
dichtesten Besatz und die größten Drüsen an den Blütenständen an, hier besonders auf
den weiblichen Kelchblättern. Auch die zwischen den einzelnen Blüten wachsenden
kleinen Blättchen sind reichlich von Drüsen überzogen.
Je älter ein Pflanzenteil ist, desto weniger Drüsen werden darauf zu finden sein. Am
Stengel können wir kaum mit Drüsen rechnen, auch auf den Ästen und Blattstielen sieht
es mager aus. Die großen unteren Blätter haben nur wenige Drüsen, die später ausgetrie-
benen Blätter immer mehr. Abgesehen von den zwischen den Blüten wachsenden Blätt-
chen läßt sich der dichteste Drüsenbestand an den Triebspitzen erkennen, den neu aus-
treibenden Blättern also.
Männliche Pflanzen sind nicht so dicht von Drüsen überzogen wie ihre Schwestern. Ihr
Harz aber ist von gleicher Zusammensetzung (bei gleichem Erbgut = Geschwister).
Bestandsdichte mit Drüsen der Reihe nach:
1. weibliche Blütenstände (ohne Samen mit dazwischen wachsenden Blättern)
2. männliche Blütenstände
3. junge Triebe, Triebspitzen
4. Blätter a) bei den Blüten (klein)
b) an den Ästen (mittel
c) am Hauptstengel (groß)
5. Blattstiele (Rangfolge wie bei Blättern)
6. Stengel
7. Samen und Wurzeln (keine Drusen vorhanden)
Etwa in dieser Reihenfolge gliedert sich auch die Wirksamkeit der einzelnen Pflanzen-
teile. Man darf dies allerdings nicht zu eng sehen. Besonders die männliche Pflanze ist
nicht immer zuverlässig in ihrer Potenz. So kann es durchaus sein, daß die Triebspitzen
(männlich) stärker wirksam sind als die Blüten.

ZWECK DES HARZES


Wenn man sich die Entwicklung der Harzdrüsen genau anschaut, bemerkt man, daß sie
sich eigentlich gar nicht öffnen sollen. Im Normalfall verbleibt das Harz in den Driisen-
köpfen, nur gelegentlich platzen wahrend der Reife übervolle Drüsen auf oder läuft Harz
durch die Poren an der Drüse aus.
Über den Zweck der Cannabinoide existieren die unterschiedlichsten Meinungen. Kaum
glaubwürdig sind die Thesen vom physikalischen Nutzen der Cannabinoide. „Wenn es
heiß wird, platzen die Drüsen auf, das klebrige Harz ergießt sich über die Blattober-
fläche und schützt die Pflanze durch Verkleben der Poren vor übermäßiger Verdunstung."
Das ist selbstverständlich völliger Unfug. Die Pflanze kann ihre Poren selbst willentlich
verschließen. Wie sollte sie außerdem nach Beendigung der Trockenzeit die verklebten
Poren wieder öffnen können?
Auch der angebliche Schutz der „Harzschicht" gegen das gefährliche UV-Licht, welches
die Keimzellen bedroht, ist ebenfalls nur ein stumpfes Schwert, so viel Licht kann selbst
ein dichter Drüsenrasen nicht brechen.
Niemand vermag ganz sicher zu sagen, wozu die Cannabinoide dienen. Wahrscheinlich
nützen sie der Pflanze vorwiegend durch ihre biochemischen Eigenschaften. Pflanzen-
fresser werden von dem wirksamen Harz von den Pflanzen abgehalten (dagegen spricht
nicht, daß Sämlinge gern von Hasen etc. gefressen werden. In diesem Stadium enthält
die Pflanze nur wenig Cannabinoide, da die Drüsen noch nicht ausgebildet sind).
Für kleinere Schädlinge kann sich auf eine Expedition auf drüsenüberzogenen Blättern
als eine fatale Wanderung auf dem klebrigen Fliegenfänger erweisen, vielleicht nimmt
ihnen auch das Harz den Appetit. Sie machen sich nicht über Blätter, Pollen oder die
Vermehrungsorgane (: besonders wichtig zur Arterhaltung, daher dort besonders viele
Harzdrüsen) her. Cannabis ist Windbestäuber, braucht also bei der Vermehrung nicht die
Hilfe von Insekten.
Auch lassen sich diebische Vögel durch die Cannabinoide davon abhalten, die noch un-
reifen und von den besonders drüsenreichen Kelchblättern umschlossenen Samen zu na-
schen. Erst wenn der Same reif ist fällt er aus der schützenden Kelchblatthülle. Dann
können die Vögel ihn aufpicken. Nicht jeder Same wird geknackt werden können, be-
sonders widerstandsfähige gelangen unverdaut mit dem Kot wieder in die Landschaft,
was zur Verbreitung von Cannabis beiträgt.
Man darf auch nicht vergessen, daß viele Cannabinoide antibiotisch wirken, ebenfalls
konnte man eine Giftwirkung auf Nematoden feststellen (L1, 36, 130, 184). Eindeutig
zum Schutz gegen Schädlinge und Pflanzenfresser dienen auch die Zystolithenhaare.
BIOSYNTHESE DER CANNABINOIDE
Die Herstellung der Harzstoffe findet im Kopf der Drüsen und in den oberen Zellen
des Stieles statt. Die Biosynthese der Cannabinoide, also das genaue chemische Ver-
fahren, nach dem die Pflanzenzellen Cannabinoide zusammensetzen, ist nicht sicher er-
forscht. Allgemein geht man allerdings von folgendem Schema aus: Geranylpyro-
phosphat (eine in der Pflanzenwelt verbreitete Vorstufe von Terpenen) kondensieren zu
Cannabigerolsäure. Nach MECHOULAM (1973) (L6, S. 30-31) könnte es dann über eine
Oxydation zu Hydroxycannabigerol weitergehen, aus dem über eine weitere Zwischen-
stufe (b) Cannabidiol bzw. CBDS cyclisiert. Hieraus kann wiederum delta-9-THC bzw.
THCS entstehen. CBN wird als Abbauprodukt von THC automatisch mit der Zeit gebildet.
In der lebenden Pflanze liegen die Cannabinoide vorwiegend in ihren psychisch inakti-
ven Säureformen vor, die sich durch den Einfluß von mehr oder weniger Wärme und
Sauerstoff später an den chemisch gesehen neutralen aber psychoaktiven Entsprechnun-
gen verwandeln. Aus THCS wird durch diese Decarboxylierung THC, aus CBDS wird
CBD usw.
ZUSAMMENSETZUNG DER CANNABINOIDE

Wie wir schon wissen, wird das Cannabisharz vor allem von CBD, THC und dem Abbau-
produkt CBN gebildet. Die Eigenschaft, ein Harz von einer bestimmten Zusammenset-
zung dieser Stoffe zu produzieren, ist erblich festgelegt. Jede Cannabissorte hat ihr in-
dividuelles Mengenverhältnis der Cannabinoide untereinander. Man kann fünf größere
Sortengruppen aufstellen, in denen jeweils ähnliche Harzkombinationen liefernde Pflan-
zen eingeteilt werden. Man nennt diese Gruppen Chemotypen (nach SMALL et al. L1, 51 ).

Chemotyp l : Viel THC, wenig CBD. Tropische Sorten. Meist 3-4 m, buschig, seitlich
wachsende Äste (Tannenbaum-Form). Ostasiatische Sorten über 4m,
Äste nach oben wachsend (wie Pappel). Seltener kleine Pflanzen mit
mehreren Hauptstengeln.
Chemotyp II : Viel CBD, mittel bis viel THC. Zwischengruppe. Subtropisch {Marokko,
Afghanistan, Pakistan etc.). Sehr harzreich, aber hoher CBD-Anteil. Ha-
schischherstellung. Meist 3—4 m, pappelartig (nach oben wachsende
Äste). Türkei, Griechenland, Asien. Oder: 1,5 bis 2,5 m sehr buschig,
reichliches Blattwerk (Nepal, Nordindien, Zentralasien, Nordafrika).
Oder: kurz (unter 1,2 m), verkümmerte Äste, Blütentraube nur am
Hauptstengel, sieht aus wie Oberteil größerer Pflanzen ( Libanon, Nord-
afrika, Thailand).

Chemotyp III:Viel CBD, wenig THC. Gemäßigtes Klima. Industriesorten. Faser: sehr
hoch (bis 6 m), kaum Äste, Blätter überwiegend gegenständig, lange
Internodien (Stengelstück zwischen zwei Knoten, in denen die Blätter
entspringen}. Samengewinnung: sehr kurz (0,7-2 m), sehr buschig.
Äste wachsen seitlich, kurz, gleichlang (zylindrisches Aussehen der
Pflanze). Oder: sehr kurz ohne Äste (unter 1 m). Reichlich Samenbe-
satz.
Chemotyp IV: Wie l oder II. Es werden allerdings Propyl-lsomere gebildet (mindestens
5% der Gesamt-Cannabinoidmenge z.B. THCV). Äußerst potente Sorten!
Südafrika, Nigeria, Afghanistan, Indien, Pakistan, Nepal.
Chemotyp V: Produziert hauptsächlich CBGM (nicht psychoaktiv). Japan, Korea,
China. Uninteressant.
Einzelne Harzdrüse mit Stiel Zystolithenhaar

Blattoberfläche mit Drüsen und Haaren, am Rande eines Blattes


CANNABINOID-MENGEN
Ein recht müßiges Kapitel. Die tatsächliche Harzmenge hängt vor allem von der Ver-
erbung ab. Mit diesem Kapital kann dann die Umwelt arbeiten. Entweder entwickelt
sich die Erbanlage voll (günstige Lebensbedingungen), oder der tatsächliche Cannabinoid-
Gehalt hinkt wegen ungünstigen Bodenverhältnissen, zuwenig oder zuviel Wasser, zu-
wenig Licht, zuwenig Wärme (Klima) etc. hinter dem Möglichen her. Umgekehrt können
allerdings optimale Lebensbedingungen aus einer lahmen Erbmasse keine hochpotente
Marijuana-Sorte zaubern.
Wo untersucht man nun den Harzgehalt? Die ganze Pflanze (= Kraut) bringt völlig andere
Werte als nur die harzreichen Blütenstände. Wie untersucht man sie? Bei den verschiede-
nen chemischen Extraktionsverfahren und Untersuchungsmethoden werden manche
Cannabinoide in andere Cannabinoide (z.B. durch Hitze bei der Gaschromatographie)
verwandelt. Wie wir sehen, hat man es mit einem Haufen Unbekannten oder Variablen
zu tun. Leider hat sich die Wissenschaft noch nicht zu standardisierten Tests durchrin-
gen können. Daher bleiben alle verfügbaren Untersuchungsergebnisse immer mit einem
gewissen Fragezeichen behaftet. Man sollte nur Ergebnisse vergleichen, die unter den-
selben Bedingungen gefunden wurden, und den Vergleich absoluter Werte meiden. Aber
das ist auch nicht so wichtig. Meist interessieren relative Werte ohnehin mehr, was „bes-
ser" ist, was weniger „gut". Prozentzahlen können nicht geraucht werden.
Cannabinoid-Werte sind abhängig von:
-Erbmasse (genetisches Potential) Adaption
-Umwelt (Anbau, Klima, Boden
-Verarbeitung, Lagerung (THC zu CBN z.B.)
-Probenmaterial (Blätter oder Blüten oder Stengel, mit Samen, ohne?)
-Labortechnik (Extraktionsmethode, Analysemethode)

SONSTIGE HARZPRODUKTION:
Auch wenn die Harzproduktion beinahe ausschließlich von den Drüsen auf der Pflanze
durchgeführt wird, findet doch auch eine gewisse Harzproduktion im Innern der Pflanze
statt. Kleine langgezogene Zellen (Laticiferen) sondern die allerdings nur sehr beschei-
denen Harzmengen ab. Diese kleinen Zellkanäle finden sich überall in den grünen Teilen
der Pflanze, durchziehen die Triebspitzen und durchdringen den für den Transport
organischer Stoffe zuständigen Bastteil (Phoem) entlang der Blattadern (LB1, S . 2 1 ) .
WOVON HANGT DIE POTENZ
VON CANNABIS AB?

Letztlich wird die Potenz von Cannabis


oder Cannabisprodukten immer von ih-
rem Gehalt an wirksamen THC bestimmt.
Wieviel THC in Haschisch oder Grass ent-
halten ist, richtet sich sehr nach dem Erb-
gut (= Veranlagung) der Sorte. Beim An-
bau (Umwelt) kann dieses Erbgut höch-
stens zur vollsten Entfaltung gebracht
werden, keinesfalls jedoch lassen sich
darüberhinausgehende Ergebnisse erzielen.
Noch mehr als die Harzmenge einer
Pflanze ist die Zusammensetzung des
Harzes genetisch festgelegt. Daher teilt
man die Cannabissorten in verschiedene
Chemotypen ein: Chemotyp 1 enthält
vorwiegend THC und kaum CBD, Che-
motyp 2 enthält sowohl einiges an THC
als auch an CBD, Chemotyp 3 viel CBD
und wenig THC etc.
Auch während der Entwicklung macht
eine Cannabispflanze Potenzschwankun-
gen durch. Grob gesagt nimmt der Wirk-
stoffgehalt zur Blüte hin zu. Unterschied-
liche Pflanzenteile weisen ebenfalls unter-
schiedliche Potenz auf. Je später ein Pflan-
zenorgan in der Entwicklung einer Pflanze
gebildet wurde, desto potenter ist es ge-
wöhnlich. Dies erklärt sich durch einen
immer dichteren Besatz mit Harzdrüsen
bei der Ausbildung neuer Blätter und
schließlich Blüten. Je nach Stellung in
der Pflanze kann man also davon aus- oben: links leitende Gefäße des Stammes isoliert
= Faserhanfsorte; in Grüppchen auftretend =
gehen, daß Kelch und Kelchblätter die THC-Sorte. — unten: links Schnitt durch den
potentesten Pflanzenteile sind, gefolgt Stengel einer Fasersorte; rechts THC-Sorte
von Blüten, Blütenblättern, Triebspitzen
bzw. kleinen jungen Blättern, größeren
Blättern, Blattstielen und schließlich Sten-
geln und Wurzeln, die kaum noch Canna-
binoide enthalten. In den Samen treffen noidreichen Harzdrüsen. Chemische Ex-
wir überhaupt keine Cannabinoide an. trakte von Cannabis (Haschöl) bestehen
Weibliche Pflanzen enthalten mehr Harz im Idealfalle ausschließlich aus extrahier-
als ihre männlichen Geschwister, das tem und gereinigtem Cannabisharz.
Harz ist jedoch von gleicher Zusammen- Die Potenz einer Zubereitung ist auch
setzung. abhängig vom Grad der Zerstörung der
In Haschisch befinden sich aufgrund ursprünglich vorhandenen THC-Menge.
seiner besonderen Herstellung wesentlich Bekanntlich bauen Licht, Luft und Wärme
mehr Harzteile als in der rohen Pflanze, THC zum unwirksamen CBN ab. Dies zu
es besteht vorwiegend aus den Cannabi- verhindern ist eine Frage der Lagerung.
CHEMIE
Ob wir Marijuana, Haschisch oder Hasch- ren Harzstoffe zählen zu den Cannabi-
Öl rauchen oder essen, es geht immer um noiden (= den cannabinolartigen Verbin-
dieselbe Wirkung. So schwer sie auch zu dungen). Inzwischen sind wenigstens über
beschreiben ist: jeder weiß, was gemeint 60 natürlich vorkommende Cannabinoide
ist. Ein paar Züge aus Pfeife oder Joint, bekannt, aber nur eine Handvoll sind
ein paar Haschplätzchen und schon mengenmäßig oder von ihren Eigentüm-
„stoned", „high" bekifft, breit oder wie lichkeiten her interessant.
man es auch ausdrücken mag. Das delta9-THC ist uns bereits für seine
Die erste wichtige Frage heißt: was Wirksamkeit bekannt. Ebenfalls psycho-
steckt dahinter? Offensichtlich liegt das aktiv erweist sich (-) delta-8-THC, es
Geheimnis in der Hanfpflanze, aus der steht dem delta-9-THC nur um weniges
das Grass (= Marijuana) oder Haschisch nach. delta8-THC kommt unter natürlichen
hergestellt wurde, in ihrem Harz befindet Bedingungen nur in Spuren von etwa
sich das wirksame Prinzip von Cannabis einem Hundertstel der in einer Haschisch-
(lat. für Hanf). Zusammen mit einer gan- probe vorliegenden delta9-Menge vor (Ver-
zen Reihe chemisch ähnlicher Stoffe hältnis delta 9 -THC zu delta 8 -THC in untersuch
(= Cannabinoide) stoßen wir hier auf des ten Haschisch-Platten zwischen 99,5:05
Rätsels Lösung in nur einer chemischen und 97:03). Bei synthetischen und halb-
Substanz: synthetischen Herstellungsmethoden fällt
(—) delta-9-Tetrahydrocannabinol, oft das chemisch stabilere delta 8 -THC an.
kurz: 9-THC. Zu den psychoaktiven Cannabinoiden
zählt man auch das Tetrahydrocannabi-
Auf diesen Stoff kommt es bei der Psy- varin (THCV), das Propyl-Homolog zu
choaktivität praktisch ausschließlich an. THC, bei dem die übliche Pentyl-Kette
Die anderen Cannabinoide können seine (mit fünf Kohlenstoffatomen = C5) des
Wirkung höchstens beeinflussen, abän- THC durch die kürzere Propyl-Kette mit
dern. nur drei C-Atomen ersetzt worden ist.
Wenn wir also von der typischen Can- Bisher ist die Wirksamkeit am Menschen
nabiswirkung sprechen, reden wir immer zumindest noch nicht sicher untersucht,
von den Effekten dieses delta 9 -THC. Auch Tierversuche L181 legen diesen Schluß
andere verwandte Cannabinoide haben allerdings sehr nahe. Die Wirkung setzt ra-
ihre Wirksamkeit, doch sind diese meist scher ein als die von delta 9 -THC, klingt aber
andersartig. auch eher ab. Eventuell sind es Sorten
delta9 -THC ist also das Auge des Zyklons, mit einem hohen Anteil THCV an der
um das sich der gesamte Wirbel dreht. gesamten Harzmenge, von denen man nur
Es kommt als Teil des Harzes nur bei ein, zwei Züge raucht, um wirklich bedient
Cannabispflanzen vor. Die meisten ande- zu sein.
Bleiben wir bei den Seitenketten. Es Nun sollten wir Cannabinol erwähnen,
sind THC-Homologe mit kürzeren Ketten einen weiteren wichtigen Mengenbestand-
(Methyl L139 und Buthyl L118) gefun- teil von Dope. Cannabinol (CBN) wird
den worden, allerdings in sehr geringen nicht eigentlich von der Pflanze herge-
Mengen, ihre Wirksamkeit ist unbekannt. stellt. Es ist vielmehr ein Abbauprodukt,
Homologe mit längeren Seitenketten das sich durch Oxydation (= Kontakt mit
konnte man im Labor herstellen. Ihre der Luft) und die Einwirkung von Licht
Wirksamkeit lag ganz erheblich über der und Wärme aus THC (und CBD) bildet.
von THC, man geht aufgrund von Tierver- Dfe Psychoaktivität des CBN ist nur ge-
suchen von Werten bis zum 500fachen ring (etwa 10% des THC). THC zersetzt
aus (L55,113,191). Ob diese Verbindun- sich immer mit der Zeit zu CBN, bei Wär-
gen allerdings auch in der Natur vorkom- me schneller, ein wenig wünschenswerter
men ist fraglich. Prozeß, den man durch korrekte Verar-
Damit hätten wir die eindeutig psycho- beitung der Cannabispflanzen und des Ha-
aktive Abteilung der Cannabinoide bereits schisch aus dem Wege gehen kann. Man ver-
hinter uns gelassen. Es bleibt weiterhin mutet wie bei CBD eine Beeinflussung der
das delta9-THC, das für uns von vordringli- typischen THC-Wirkung durch das CBN,
chem Interesse ist. Wie in den meisten wis- der Einfluß bleibt jedoch klein L183,185.
senschaftlichen Veröffentlichungen zum Es wird behauptet, daß CBN die verwirren-
Thema bezeichnen wir das delta9-THC und den Eigenschaften von THC unterstütze.
seine mengenmäßig weniger interessanten
ebenfalls aktiven Verwandten delta 8 -THC, Mit THC, CBD und CBN haben wir die
THCV und eventuell sonst noch vorhan- drei wichtigsten Cannabinoide vor uns.
dene gemeinsam als THC. Sie machen fast immer den Löwenanteil
Aus der Vielzahl der anderen nicht des Harzes aus. Aus ihrer Zusammenstel-
psychoaktiven Cannabinoide wollen wir lung ergibt sich die Qualität des Haschisch,
nur die besprechen, die von ihrem mengen- Marijuana oder Haschöls. Die anderen
mäßigen Auftreten her interessant sind. Cannabinoide sind von mehr wissenschaft-
D» wäre zuerst das Cannabidiol (CBD) zu lichem Interesse als Zwischen- oder End-
nennen. Dieser Stoff macht meist einen produkte der Synthesearbeit der harz-
wesentlichen Anteil der Harzmenge aus. erzeugenden Zellen.
CBD ist selbst nicht psychoaktiv, es kann Es sollte jedoch unbedingt angemerkt
aber die Effekte des gleichzeitig in einem werden, daß (neben CBN) weder THC
Stück Haschisch oder Grass vorhandenen noch CBD von den Pflanzenzellen selbst
THC beeinflussen. Die Wirkung von THC erzeugt werden. In der frischen Pflanze
kann durch CBD zeitlich verzögert wer- finden wir nur die Säureformen dieser
den (sie setzt später ein als gewohnt) L183, Verbindungen, also THC-Säure (THCS)
kann aber durch diesen Einfluß länger er- und CBD-Säure (CBDS). Beide Substan-
halten bleiben. Die betäubenden/ermüden- zen sind selbst nicht psychoaktiv, sie müs-
den Eigenschaften des THC werden unter- sen erst durch Decarboxylation (= der
stützt, die erregenden Wirkungen gemin- Carbonsäureast COOH des Moleküls bricht
dert (L186). Oft wird einem hohen CBD- auseinander, das H-Atom bleibt am Mole-
Anteil im Harz ein gewisser Effekt auf kül, CO2 entweicht) zu den aktiven che-
den Körper zugeschrieben, der sich schwe- misch neutralen Verbindungen THC und
rer anfühlt, träge wird, während der Kopf CBD umgewandelt werden. Hierzu ist
gar zu brummen beginnt. Hitze erforderlich, je mehr Wärme desto
schneller findet dieser Vorgang statt. Haschisch-Suchhunde sind auf Caryophyl-
Ganz frisch geerntetes Grass sollte daher lenepoxid als Leitsubstanz abgerichtet,
erst nach einer Hitzebehandlung gegessen wohingegen sie auf beta-Caryophyllen, Hu-
werden, beim Rauchen findet die Decar- mulen und seine Epoxide trotz deren
boxylierung von allein statt. reichlichen Vorkommens nicht anspre-
Cannabichromen (CBC) ist zwar wahr- chen. Caryophyllenepoxyd findet sich
scheinlich selbst nicht psychoaktiv bei auch in Hopfen (Humulus lupulus). Bei-
Menschen L121, findet sich aber mitun- fuß (Artemisia vulgaris), der Karotte
ter in besonders wirksamen Cannabispflan- (Daucus carota) und in Zingiber zerum-
zen. Das gab zu der Vermutung Anlaß, bet, weshalb die Hunde diese nicht von
daß es vielleicht die Wirkung von THC be- Cannabis unterscheiden können.
einflusse L137. Wahrscheinlich ist bei man- Alle sonstigen in Hanf vorkommenden
chen Extraktionsmethoden einiges des in Stoffe entsprechen denen, die auch in
der Pflanze vorhandenen CBC in CBD den meisten anderen Pflanzen anzutreffen
umgewandelt und entsprechend fälschlich sind: Kohlehydrate (Zucker, Stärke, Zell-
als CBD gewertet worden. L119.137. stoff), Eiweiß, Fette, Mineralien, Wachse,
Lignin (Holzstoff), Spurenelemente.
Sonstige Substanzen in Cannabis Interessant in diesem Zusammenhang
(außer Cannabinoide) sind nur Chlorophyll und weitere Farb-
stoffe, welche z.T. für die unterschied-
Wenn man sich in der Natur umschaut,
liche Färbung von Haschisch oder Mari-
findet man die meisten pharmakologisch
juana verantwortlich sind.
interessanten Stoffe und hierunter bei-
Die Spurenelemente haben zwar kei-
nahe alle psychotropen Stoffe in der
nen Einfluß auf die Wirkung oder Wirk-
großen Gruppe der Alkaloide (= basische
samkeit von Cannabis. Man kann aber
Stoffe mit einem oder mehreren N-Ato-
aufgrund der Spurenelement-Anteile in
men, meist in einem Ring eingebaut, d.h.
der Pflanzensubstanz manchmal auf ihren
heterocyclisch). Beispiele für Alkaloide:
Ursprungsstandort schließen. Dasselbe
LSD, Mescalin, Psilocybin, Atropin, Sero-
gilt noch viel mehr für die vielfältigen
tonin etc. Da lag es nahe, auch in Canna-
Verunreinigungen, welche sich an den
bis Vertreter dieser wichtigsten Wirkstoff-
Pflanzen absetzen, durch Wind und Re-
gruppe zu vermuten.
gen beispielsweise. Oft gibt die Analyse
Tatsächlich ließen sich einige Alkaloide
isolieren: Cholin, Trigonellin, Piperidin, des Staubes in der gerichtlichen (= foren-
sischen) Untersuchung das Indiz für die
L-(+)-lsoleucin-Betain, N-(p-hydroxy-beta-
phenyläthyl)-p-hydroxy-trans-cinnamid, Herkunft des gefundenen Materials. Man
Prolin, Neurin, Hordenin und Canna- setzt einem zerriebenen Stück Haschisch
Wasser zu und schüttelt kräftig. Die
bisativin (ein Verwandter des Spermedin).
Bisher konnte allerdings noch keine Schmutzteile sind wasserlöslich, die Harz-
teile nicht. Im Reagenzglas setzt sich ein
von diesen Stoffen ausgehende Wirkung
in Haschisch oder Marijuana nachgewie- Schmutzschlamm ab, welcher dann unter-
sen werden, die Alkaloide liegen in so sucht wird und mit Vergleichswerten
(Bodenzusammensetzungen der verschie-
geringen Konzentrationen vor, daß eine
densten Orte oder Gegenden) verglichen
Wirksamkeit auch recht unwahrscheinlich
erscheint. werden kann.
Für die psychotrope Wirksamkeit ist
Für den charakteristischen Geruch von jedoch allein entscheidend der Anteil
Cannabis sind die sehr flüchtigen ätheri- an (-)-delta-9-THC!!! Alle anderen Harz-
schen Öle verantwortlich. Die Cannabi- substanzen sind nur insofern interessant,
noide selbst riechen kaum. Die wichtigsten als sie die Wirkung von delta9-THC beein-
Geruchsstoffe sind: Caryophyllen, Humu- flussen (bes. körperlich) können und zum
len, beta-Farnesen, alpha-Selinen, grundsätzlichen Verständnis der bio-che-
beta-Phellandren, Limonen und Piperidin.
mischen Vorgänge in der Pflanze nützlich
sind.
CANNABINOIDE Extraktionsverfahren
IM LABOR
Um die Harzmasse von der restlichen
Da haben wir Haschisch und Marijuana Pflanze zu trennen, bediente man sich
und eine Menge Fragen. Fragen nach der
früher der Destillation. Hanfblüten und
Struktur der Inhaltsstoffe, nach der -Blätter werden erhitzt, bis bei etwa
Menge, der Zusammensetzung, nach der 250°C die Cannabinoide verdampfen.
natürlichen Entstehung, nach der Wirk- Diese Dämpfe werden dann abgekühlt,
samkeit im Menschen, nach dem Wir- sie kondensieren. Der Harzniederschlag
kungsprinzip, nach der Gefährlichkeit. kann aufgefangen und entnommen wer-
Die meisten Fragen lassen sich erst im den. Etwas schonender geht die Vakuum-
Labor beantworten. destillation mit den Harzstoffen um. Im
Zwar gab es schon seit den 40er Jah- Vakuum verdampfen Substanzen bereits
ren eine gewisse Forschungstätigkeit auf bei sehr viel niedrigeren Temperaturen.
diesem Gebiet (TODD 146), aber erst die Daher werden bei der Destillation unter
60er mit der deutlichen Zunahme des Vakuum nicht soviele Verbindungen zer-
Cannabis-Konsums brachten von den stört.
USA ausgehend die Wissenschaftler rich- Eine weitere Aufspaltung der Canna-
tig in Schwung. Zuerst ging es um die binoide gestattet diese Methode nicht,
Identifikation der sehr ähnlichen Canna- da die Siedepunkte der verschiedenen
binoide und um ihre Synthese. War dies Cannabinoide zu nahe beieinander liegen.
erst einmal einigermaßen klar, konnte Als Endprodukt erhielt man bei diesem
die Erprobung an Tieren und Menschen primitiven Verfahren ein sogennantes
beginnen, um sowohl das Wirkungsprin- „Rotes Öl". Wegen der trotz Vakuum
zip zu verstehen, als auch über mögliche noch immer ziemlich hohen Temperatu-
Gefahren ein klareres Bild zu erhalten. ren wurde ein Teil der Stoffe verändert,
Auch die Gerichtsmedizin brauchte so- sodaß das Destillat nicht dem in der
wohl exakte Vergleichswerte, als auch Pflanze ursprünglich vorhandenen Harz
gangbare Nachweismethoden, da die Zahl entsprach.
der „Cannabisfälle" stetig anstieg. Sehr viel bessere Ergebnisse zeigt die
Vergessen wir einmal, daß besonders in Extraktion des Harzes mittels geeigneter
der vorurteilsbeladenen Anfangszeit die Lösungsmittel. Cannabinoide sind fett-
Aussagen der Forschung einem bereits liebende Terpenophenole und können mit
vorgegebenen Ziel untergeordnet wurden, den meisten entsprechenden Lösungsmit-
schließlich wollten die Auftraggeber = Re- teln bestens ausgezogen werden. Beson-
gierungsstellen Ergebnisse sehen. Verges- ders haben sich Leichtbenzin (= Petro-
sen wir auch, daß sich die Forschung noch äther), Äther, Chloroform, Hexan, Ligrom,
immer in ungewöhnlich naiver Weise über Äthyl-Alkohol, Aceton etc. bewährt. Can-
ganz übliche Standardisierungsmethoden nabinoide sind praktisch nicht wasserlös-
bei der Untersuchung hinwegsetzt. Den- lich. Man verwendet daher zur Extraktion
noch ist einiges an abgesichertem und bevorzugt nicht mit Wasser mischbare
wertungsfreiem Wissen herausgekommen. Lösungsmittel.
Um einigermaßen verstehen zu können, Die getrockneten Pflanzenteile werden
wie dies erarbeitet wird und wurde, wol- in einem der beschriebenen Lösungsmittel
len wir einen oberflächlichen Blick be- eingeweicht und bei Zimmertemperatur
sonders in die brodelnde Zauberküche stehen gelassen oder je nach Siedepunkt
der Chemiker werfen. Dies nützt sicher- des Lösungsmittels (welcher möglichst
lich auch dem Verständnis der häufig in niedrig liegen sollte, damit keine hohen
der wissenschaftlichen Quellenliteratur Temperaturen verwendet werden müssen)
gebrauchten Ausdrücke und eignet sich bei 50-60°C im Rückfluß gekocht (= Re-
gleichzeitig als Grundlage im Verständ- fluxieren). Dann werden grobe und
nis von gerichtlichen Nachweismethoden, schließlich feine Pflanzenteile abgefiltert
Haschölgewinnung, Teilsynthese und (Filterpapier, Filterwatte, Filterkohle,
Vollsynthese von Cannabinoiden. Tonerde etc.). Übrig bleibt eine Lösung
Harz in Lösungsmittel. Nun verdampft Chromatographie: Unter dem Begriff der
man das Lösungsmittel (50-60°C, im Chromatographie sind verschiedene Ana-
Vakuum um 40°C). Zurück bleibt das lysemethoden zusammengefaßt, die eine
reine Cannabisharz in einer nur wenig Trennung von sehr ähnlichen Substanzen
veränderten Form. aufgrund des physikalisch-chemischen
Es soll hier noch gesagt werden, daß Adsorptionsprinzips erlauben. Das Funk-
die Carbonsäuren THCS und CBDS, die tionsmuster läßt sich am besten am Bei-
Vorstufen des späteren THC und CBD, spiel der klassischen Säulenchromatogra-
sehr empfindliche Substanzen sind, die phie erläutern:
selbst bei derartig schonender Behand- Eine Glassäule wird mit aktiviertem
lung zu THC bzw. CBD decarboxylieren Aluminiumoxyd (Tonerde) gefüllt.
(Optimum bei 103°C) können. Zu ihrer Dies ist die stationäre = unbewegliche
Untersuchung waren daher besondere Me- Phase. Das zu trennende Substanz-
thoden notwendig. gemisch wird in einer Flüssigkeit (Ben-
zol, Äther, Wasser, je nachdem) ge-
Fraktionierung löst. Man schüttet diese Lösung von
Durch Extraktion und Reinigung ge- oben in die mit AlO2 fast gefüllte
winnt man ein äußerst zähflüssiges, sehr Säule. Wegen der Schwerkraft bewegt
klebriges, leicht durchscheinendes Harz- sich das gelöste Substanzgemisch nun
öl, dem mitunter ein würziger Geruch zum Grund der Säule. Auf diesem
(besonders bei Erwärmung) anhaftet. Wege bleiben etliche Moleküle des
Wegen seiner honigartigen rötlich-bräun- Substanzgemisches in den Poren des
lich-gelblichen Farbe und seiner Kon- Adsorptionsmittels hängen, dieser Vor
sistenz ist diesem Produkt auf dem gang wird Adsorption genannt. lm
schwarzen Markt die Bezeichnung „honey oberen Teil der Säule werden zuerst
oil" verliehen worden. Wir haben es hier die Substanzen aufgehalten, die beson-
mit einer gereinigten Sammlung aller in ders leicht adsorbierbar sind, es folgen
dem betreffenden Lösungsmittel löslichen in den tiefer gelegenen Schichten nach-
Stoffe zu tun. Neben den Cannabinoiden einander die anderen Stoffe (ihrer
finden sich ätherische Öle (der Geruch) Adsorbierbarkeit nach). Die Substan-
und -zig Harze und Wachse darin. zen des Gemisches sind schließlich in
Um die Zusammensetzung der Canna- Schichten deutlich voneinander ge-
bisprobe zu ermitteln, muß dieses Ge- trennt.
misch in seine Fraktionen geschieden wer-
den. Wegen der zu eng beieinanderliegen-
den Siedepunkte und der notwendigen
Hitze kommt die fraktionierte Destilla-
tion dafür nicht in Frage. Zur Fraktionie-
rung benutzt man allgemein chromatogra-
phische Verfahren.
Wie kann man nun die einzelnen Stof- Untersuchung geringer Substanzmengen
fe zur Untersuchung aus der Säule und läßt sich ohne Schwierigkeiten auf
herausbekommen? Man läßt soviel Lö- standardisiertem Material durchführen.
sungsmittel durch die Säule fließen, Sie findet auch bei forensischen {= ge-
daß die bereits getrennten Stoffe richtsmedizinischen) Untersuchungen An-
durch ständige Auflösung und Neu- wendung. Die Substanzflecke des Chroma-
Adsorption weitertransportiert werden. togramms sind von selbst nicht sichtbar.
Schließlich erreichen sie nacheinander Sie müssen erst mit einer Farbreagenz
das untere Ende der Säule, wo sie (z.B. Echtblausalz B) oder UV-Licht
durch einen Hahn austreten und man (—> Fluoreszenzmessung) sichtbar ge-
sie mittels eines „Fraktionssammlers" macht werden.
in verschiedenen Gläsern auffängt, um
sie dann weiter zu untersuchen. Man
spricht vom „Eluieren".
Auch die anderen chromatographischen
Verfahren funktionieren nach demselben
Prinzip. Immer gibt es zwei Phasen: 1. die
mobile Phase, in der das Substanzgemisch
gelöst ist, und 2. die stationäre Phase,
durch welche die mobile Phase hindurch-
geleitet wird. Beim Passieren der stationä-
ren Phase bleiben die Stoffe nacheinander
(je nach Adsorbierbarkeit) an der statio-
nären Phase hängen.

Säulenchromatographie (siehe oben): sta-


tionäre Phase ist ein Feststoff (Tonerde,
Quarzstaub, Aktivkohle etc.), mobile
Phase ist eine Flüssigkeit, in der das zu
untersuchende Material gelöst ist. Läßt
sich nur bei größeren Substanzmengen
anwenden. Wird bei der Herstellung reiner
Cannabinoide verwendet, weil der Auf-
wand oft geringer ist, als die Stoffe zu
synthetisieren.
Dünnschichtchromatographie: Dasselbe
Prinzip wie bei der Säulenchromatogra-
phie, also stationäre Phase fest, mobile
Phase flüssig. Der Vorgang findet aller-
dings nicht in einer Säule, sondern auf
einer Glasplatte statt, welche mit der sta- Gaschromatographie: mit dieser Methode
tionären Phase dünn beschichtet ist können Gas- bzw. Dampfgemische unter-
(daher der Name). Die mobile Phase mit sucht werden (Cannabinoide verdampfen
dem Untersuchungsmaterial läuft entwe- bei 200-300°C). Als stationäre Phase die-
der von oben die schräg stehende Platte nen hochviskose, schwer verdunstbare
hinunter oder kriecht von unten wegen Flüssigkeiten auf festen Trägermaterialien.
der Löschblattwirkung (Kapillarität) die Die bewegliche Phase besteht hauptsäch-
Platte hinauf. lich aus einem Trägergas (z.B. Helium),
Bei Dünnschichtchromatogrammen mit welchem das ebenfalls gas(dampf)-
wird oft die zu erwartende Laufzeit ange- förmige Untersuchungsmaterial transpor-
geben. Man spricht von der „Entwick- tiert wird. Gaschromatographie findet in
lung" eines Chromatogramms. Die Dünn- (z.B. 50 m) langen, sehr dünnen auf die
schichtchromatographie eignet sich zur benötigte Verdampfungstemperatur (meist
ca. 240°C) angeheizten Metall-oder Glas- DER NACHWEIS
rohrschlangen statt. Die am Ende der VON CANNABINOIDEN
Schlange nacheinander austretenden Stof-
fe des Untersuchungsgemisches (immer Ein solcher Nachweis kann aus dreierlei
noch dampfförmig) werden von sehr Gründen interessant sein:
empfindlichen Detekoren registriert, die
an einen Schreiber angeschlossen sind. 1. Für den Konsumenten, der gern wissen
Durch Eichung des Detektors mit den zu möchte, welche Qualität sein Cannabis
erwartenden Vergleichssubstanzen ist eine hat, oder der sich für die Anteile von CBD
qualitative und quantitative Untersuchung und THC in einer Cannabis-Probe interes-
in einem Arbeitsgang auch bei äußerst siert.
geringen Substanzmengen möglich.
2. Für das Gericht, dem es um den Nach-
Reagenzen: Um die unterschiedlichen weis von Cannabis und damit Gesetzes-
Cannabinoide nachzuweisen oder bei verstoß geht. Nachweis in Pfeife oder
einem Dünnschichtchromatogramm sicht- Kippe, Nachweis in Körperflüssigkeiten.
bar zu machen, bedient man sich einer 3. Für den Wissenschaftler, der exakte
Reihe von gängigen Reagenzen. Diese Ergebnisse bei seinen Forschungen benö-
Stoffe werden der Probe beigegeben oder tigt.
auf das Dünnschichtchromatogramm ge-
sprüht. Durch ihre charakteristische Farb- Es würde den Rahmen dieses Buches
reaktion kann man die jeweilige Substanz sprengen, die in der Forschungsarbeit
identifizieren. üblichen Testmethoden genau zu beschrei-
ben. Sie sind nur für wenige Menschen
interessant und durchführbar, die sich
ohnehin in diesen Fragen auskennen.
Dem Wissenschaftler kann es nie aus-
reichen, grundsätzlich zu wissen, daß
mehr oder weniger Cannabinoide in sei- spaltung des Untersuchungsmaterials ar-
nem Untersuchungsmaterial enthalten beiten. Finden sich Cannabinoide (egal
sind. Er wird zuerst die vorhandenen welche, alle sind gleich illegal!) in Pfeife
Cannabinoide durch chromatographische oder Jointstummel (z.B. cannabinoidhal-
Methoden (Säulenchromatographie bei tiges Kondensat im Filter), Kuchenkrü-
großen Mengen, Dünnschichtchromato- meln oder Verpackungsmaterial, an Waa-
graphie bei kleinen Mengen, Gaschroma- gen, Messern, unter Fingernägeln, im
tographie bei sehr kleinen Mengen) auf- Auto etc., ist der erste Beweis erbracht.
spalten und dann mittels Farbreagenzien Dem Gerichtsmediziner oder Gutachter
(Beam-Reagent, Echtblausalz, Duquenois- geht es um rationelles, zügiges Arbeiten.
Reagent etc.) oder UV-Licht (= Fluores- Er kann sich nicht mit aufwendigen Tests
zenzmessung) oder geeichten Vergleichs- aufhalten, meist stehen ihm die Mittel
daten am Massenspektrometer (mit Gas- dazu auch nicht unbegrenzt zur Verfü-
Chromatographie) einzeln untersuchen, gung.
sowohl auf Anwesenheit als auch auf
Wieder anders liegen die Interessen des
Menge. Ihm ist es mit aufwendigen Appa-
Konsumenten. Er möchte wissen, welche
raturen auch möglich, beispielsweise die
„Qualität" seine Ware hat. Ihn interessie-
optische Aktivität (= Drehwert = (-)-delta-
ren Mengenanteile an THC, CBD und
9- oder (+)-delta-9-THC) und sonstige
CBN. Aber er hat nicht die Ausrüstung
Feinheiten zu messen
des gerichtsmedizinischen oder wissen-
All dies ist schon für den Gerichtsmedi- schaftlichen Labors zur Verfügung. Er
ziner von nur geringer Bedeutung. Ihm sucht also nach gröberen Untersuchungs-
geht es in der Praxis meist darum, anhand methoden, die mit möglichst wenig Geld-
gefundener Gegenstände einem Verdäch- und Zeitaufwand und ohne sehr auffällig
tigen den Umgang mît Cannabis nachzu- zu sein ihm seine Fragen ungefähr beant-
weisen. Ihm ist es dabei ziemlich gleich- worten können. Hier bietet sich ebenfalls
gültig, in welchem Verhältnis CBD und vor allem das Arbeiten mit Farbreagenzen
THC in einem Haschischkrümel stehen. und die Untersuchung der Fluoreszenz
Er wird hauptsächlich mit Farbreagenz unter UV-Licht an.
ohne vorherige chromatographische Auf-

FARBREAKTIONSTESTS
0,1 g Grass (pulverisiert)
in 5 ml Petroäther 15 min ausziehen.
Filtern.
1 ml der Lösung in
2 ml 15% HCI in Äthanol.
Es entstehen zwei Schichten.
Rote Farbe zwischen den Schichten: Cannabinoide anwesend.
Nach Schütteln obere Schicht farblos, untere orange-rosa,
entfärbt sich bei Zugabe von 1 ml Wasser,
oder:
1 ml des Petroätherextraktes eindampfen
2 ml Duquenois-Reagenz zugeben (hergestellt aus 12 Tropfen Acetaldehyd
1 g Vanillin
50 ml Äthanol)
2 ml HCI zugeben und rühren. 10 Minuten stehen lassen und
2 ml Chloroform zugeben.
Schütteln und die Trennung in zwei Schichten abwarten.
Chloroform-Schicht purpur: Cannabinoide anwesend.
CBD-TEST
Da man zwischen CBD und THC in der Probe unterscheiden möchte, wird zuerst der
CBD-Gehalt mit dem Beam-Test überprüft:

1 g Marijuana oder 0,25 g Haschisch 5 Minuten bei ca. 95°C trocknen.


fein zerstoßen in 10 ml Lsgm. ( Petroäther, Benzol, Methylenchlorid etc.)
auflösen, schütteln und 10 Minuten stehen lassen.
Filtern und 0,2 ml der gefilterten Lösung in einer kleinen weißen Keramikschale
oder einem kleinen Reagenzglas eindampfen (bei ca. 60-80°C über einer Heizplatte
oder im Wasserbad verdunstet das Lsgm.)
Es werden
4 Tropfen 5%iges Kaliumhydroxid (= herstellen aus 5g festem KOH in 95ml 95%igem
Äthanol) dem eingedampften Rückstand beigegeben. Nach etwa 5 Minuten tritt eine
violette Färbung auf. Ein paar Körnchen Zucker intensivieren die Farbreaktion.
Zu Verglerchszwecken kann man gleichzeitig eine Probe mit bereits bekanntem CBD-Ge-
halt testen. Wer ein Kolorimeter zur Hand hat, kann sich so sogar eine Vergleichstafel
schaffen. Ohne diese Hilfsmittel lassen sich die Farben auch mit dem bloßen Auge ver-
gleichen und aufgrund der Intensität kann man den vergleichsweisen CBD-Gehalt ab-
schätzen. Man kann sich die Farbe der Vergleichsprobe auch mit einem gleichfarbigen
bunten Papier, Buntstift oder einer mit dem Malkasten angerührten identischen Farbe
merken.

THC-TEST
Hat man die Probe auf CBD hin getestet, soll die nächste Untersuchung dem THC-Gehalt
gelten. Leider ist bisher keine Reagenz bekannt, die nur mit THC reagiert, viele andere
Cannabinoide wirken auf die Reagenzen in der gleichen Weise wie THC. Mit dem näch-
sten Test untersucht man daher den Gehalt an Cannabinoiden insgesamt. Zieht man von
diesem Ergebnis die bereits untersuchte CBD-Fraktion ab, kann man sich ein ungefähres
Bild desTHC-Gehaltes machen (es sei denn, besonders viel CBN hat sich bereits durch
Abbau gebildet = nur bei altem Cannabis).

Test auf Cannabinoide insgesamt:


(Duquenois-Test [wie oben])
Herstellung des Extraktes wie beim Beam-Test. Darauf
4 Tropfen Duquenois-Reagenz (= hergestellt aus 0,4 g Vanillin,
5 Tropfen Acetaldehyd in
20 ml 95%igem Äthanol)
dann 8 Tropfen konzentrierte Salzsäure. Mischen und 10 Minuten stehen lassen.
Es tritt eine violette Farbe auf, die wieder mit einer Probe von bekanntem THC-Gehalt
verglichen wird. Fällt die Färbung zu dunkel aus, wird die Lösung mit Lsgm. entspre-
chend verdünnt. Ist die Färbung zu schwach, muß mehr Probematerial oder weniger
Lsgm. verwendet werden.
DÜNNSCHICHTCHROMATOGRAPHIE GERICHTSMEDIZINISCHE ASPEKTE
Das Wesen der Chromatographie liegt in Zur Untersuchung kommen:
der Aufspaltung des zu untersuchenden
Materials in seine einzelnen wenn auch Haschisch, Marijuana, Cannabis-Öl, syn-
ähnlichen chemischen Bestandteile. Dies thetische Cannabisprodukte und deren
kann mit Adsorbensmaterial wie Silicagel Reste oder Spuren in Verpackung, Ver-
(= SiO 2 ) oder Aluminiumoxid in einer steck, Zufallsspuren.
hohen Glassäule geschehen. Die nachein-
ander aus der Säule austropfenden mit Halbverbrannte Cannabisreste in Pfei-
Lsgm. vermischten Fraktionen (= Eluate) fen und Joints (auch mikroskopische Un-
enthalten jeweils eine Verbindung, die tersuchung. Hier werden die stabilen Zy-
mit Farbreagenzen oder/und Fluoreszenz- stolithenhaare als Hauptindiz gewertet),
test untersucht und bestimmt werden Cannabis-Kondensat als Rückstand in
können. Pfeifen (ungereinigte Rohre etc.). Fil-
Sehr viel einfacher und auch bei geringen tern oder Kippen (also auch in Aschen-
bechern).
Mengen läßt sich die Dünnschichtchroma-
tographie durchführen. Auf eine dünn mit
Silicagel oder Aluminiumoxid beschichte-
te Platte wird an einem Ende ein Tropfen
Cannabis-Extrakt in einem Lsgm. wie
Petroäther, Chloroform etc. gegeben (mit
Pipette oder Spritze). Die Platte wird nun
senkrecht in ein Schälchen mit etwas
Lsgm. gestellt (ein geschlossener Behälter
darum herum begünstigt die „Entwick-
lung" des Chromatogramms). Durch die
Kapillarwirkung der auf der Platte befind-
lichen Adsorbens wird Lsgm. wie mit
einem Löschblatt nach oben gezogen. Die
sogenannte „Lösungsmittelfront" erreicht
zuerst den Ausgangspunkt mit dem
Extrakttropfen und schwemmt dann die
Cannabinoide mit sich die Platte herauf.
Dabei bleiben die einzelnen Cannabinoide
(je nach ihrer Struktur oder man könnte
sagen „Schlüpfrigkeit") der Reihe nach
auf der Strecke hängen. Um die getrenn-
ten Substanzen auf dem Chromatogramm
sichtbar zu machen, besprüht man die
Platte mit einer Farbreagenz (z.B. Echt-
blausalz). Dann zeichnen sich die einzel-
nen Cannabinoide mit unterschiedlicher
Färbung als Flecken ab. Größe und
Farbintensität lassen Schlußfolgerungen
auf die Mengenanteile der betreffenden
Cannabinoide zu.
ANBAU
ANBAUZIELE THC
1. möglichst viel THC je
Faser Pflanze = große Pf tanzen, dichter
Fasersorten. Möglichst dichter Stand Wuchs
( 5 x 5 cm), damit wenig Seitenäste ge- Fläche = große, dichte, möglichst ge-
bildet werden. Ernte der Faser. Röste (= haltreiche Pflanzen
Bakterien und vor allem Pilze zersetzen Gewicht = gehaltreiche Sorten
die nicht faserigen Anteile der bereits Arbeit = möglichst wenig notwendi-
von den Blättern befreiten Stengel). ger Arbeits- und Geldeinsatz
Brechen (= Trennung der Fasern von- Risiko = möglichst effiziente Ausnut-
einander) , Kämmen (Parallel-Legen der zung der gegebenen Möglich-
Fasern). Verspinnen etc. keiten,

Öl Ideal: möglichst hohe Flächenausnutzung


Ölsorten. Bleiben meist recht klein, blü- bei größter Wuchsdichte und Wirkstoff-
hen früh und reichlich. Großsämige Sor- reichtum bei gleichzeitig möglichst gerin-
ten. Schnitt der Pflanzen vor Ausfallen ger Auffälligkeit. Große Pflanzen und
der Samen. Dreschen. Weiterverarbeitung Tarnung schließen sich oft aus.
der Samen (30% Ölanteile). Öl als Grund-
lage für Farbenherstellung.

ANBAU AUF DEM FREILAND


Beim Freilandanbau kann Cannabis als ein kalkliebender, anspruchsloser, ausgespro-
chener Starkzehrer betrachtet und entsprechend behandelt werden. Cannabis wächst
fast überall (in manchen Ländern sogar als Unkraut!), wird kaum von Schädlingen be-
fallen und erweist sich auch sonst als robust.

BODEN

Sand (,,leicht") . geringes Wasserspeichervermögen, meist geringer organischer Anteil,


meist nährstoffarm
- daher: Bodenbedeckung (Belebung und Feuchtigkeit), Kompost
(Belebung und Düngung), Düngung, Bewässerung
Ton („schwer") . naß, klebt, zuwenig Luft, zu hart, meist nährstoffreich
- daher: Lockern, mit organischem Material (z.B. Kompost) verset-
zen, Sand zuschlagen (Struktur), Hügeln (Entwässerung)
Lehm zwischen Ton und Sand. Hoher Sandanteil, daher Entwässerung und
locker. Tonminerale daher nährstoffreich und feucht. Ausgeglichene
Bedingungen, daher oft mehr Bodenleben.

Erwünscht ist ein Boden, wie er sich für den Anbau von Gemüse eignet. Locker (biologi-
sche Gare), klumpt nicht beim Zusammenpressen. Gut entwässernd (keine stauende
Nässe) und feucht (keine sofortige Austrocknung), nährstoffreich (= üppiger Wildwuchs,
Unkraut wie Löwenzahn, Gänsefuß, Kerbel, Bärenklau etc.), reich an organischer Sub-
stanz (= Erdgeruch, braune bis schwarze Farbe), belebt (viele Regenwürmer, Erdgeruch),
ausgeglichener pH-Wert (6,5-7).
TESTEN
Entwässerung . . . 70 cm tiefes Loch graben und mit Wasser füllen. Nach einer Stunde
fortgelaufenes Wasser ersetzen.
Nach 24 Stunden kein Wasser im Loch: gute Dränage;
nach 24 Stunden noch Wasser im Loch: mangelhafte Dränage.
pH-Wert Lackmuspapier, Nitrazin-Film oder Flüssigreagenz (Zoohandlung, für
Aquarien). Farbveränderung mit Tabelle vergleichen.
Nährstoffe Umgebende Vegetation, auch Unkraut. Je üppiger desto besser.
Bodenprobe bei privaten oder öffentlichen Instituten (Adressen
von Landwirtschaftskammer oder Bauernverband).
Struktur Handvoll Erde zusammenpressen. Klebt = viel Ton. Hält gar nicht zu-
sammen = viel Sand (Sandkörner sichtbar). Backt etwas zusammen,
zerfällt jedoch ohne Schwierigkeit, schmiert nicht = Lehm.

NÄHRSTOFFE
Mittlerer Bedarf an P und K. Wird meist aus dem Boden gedeckt. Hoher Bedarf an N (ca.
250 kg/ha/Jahr). Muß wenigstens teilweise durch Düngung ersetzt werden.
Sonstige: meist im Boden enthalten.
N als NH4 = Ammoniak
NO3 - Nitrat
NO2 = Nitrit
P 99% des Vorrates im Boden nicht pflanzenverfügbar. Wird erst durch
Reaktion mit organischen Säuren (aus Rotte) frei.
K genügend in Tonböden, weniger in sauren Böden, Mangel in Torf und
Sumpferde. Diese können K nicht lange halten. Stockung bei Aus-
trocknung des Bodens.
Mg meist genügend. Bedarf 0,5-1 kg/100 m2 als Dünger.
Mg = mal 8 bei Verwendung von Dolomit
mal 5 bei Verwendung von Magnesiumsulfat
Spurenelemente Mangel sehr selten. Behandlung durch direkte
Spritzung mit flüssigem Spurenelementdünger.
DÜNGUNG
Düngung soll Nährstoffe anbieten und entnommene Nährstoffe ersetzen.

NÄHRSTOFFE
Sehr hoher Nährstoffbedarf, da extrem schnellwüchsig (täglich 2-5 cm Größenzuwachs,
aber auch bis zu über 10 cm) und ungewöhnliche Massenentwicklung.
Bedarf: Stickstoff: hoch
Phosphor: mittel
Kalium: mittel
Kalk (siehe pH): hoch
Düngung — Bedarf: N: besonders zur Blattentwicklung. Eiweiß, Hormone, DNS
P: Keimung und Blüte. Transportstoffe NADP und ATP.
K: für kräftige Stengel. Krankheitsresistenz
Ca: Lipoidsynthese (als Coenzym), normale Zellteilung
S: manche Aminosäuren und Proteine, Vitamine
Mg: Proteinsynthese, Kohlehydratstoffwechsel, wichtig für
Chlorophyllmolekül
Spurenelemente: Katalysatoren, Enzyme, Coenzyme
Überangebot: triebiges, mastiges Wachstum, geringere Standfestigkeit, höhere
Krankheits- und Schädlingsemfindlichkeit.
Zu geringes
Angebot: gestörtes (= weniger) Wachstum, Mangelkrankheiten, Empfindlich-
keit.

DÜNGER, ORGANISCHE
Komposterde: Erstaunlich hoher Nährstoffgehalt kann durchaus den Werten von Frisch-
mist entsprechen. Die Nährstoffe sind locker an Huminsäuren gebunden (Adsorption),
was sie vor Auswaschung schützt und dennoch sofort für die Pflanzen verfügbar hält.
Idealer billigster Dünger. Nicht triebig!
Rottezustand: unverrottete tierische Dünger (Mist, Horn-, Blutmehl) aber auch Guano
wirken sehr triebig auf die Pflanzen. Der Mistgeruch kann obendrein Schädlinge anlok-
ken. Mindestens eine gewisse Kompostierung ist daher zu empfehlen.
SPEZIALDÜNGER HYDRO-NAHRUNG
In Fachgeschäften gibt es inzwischen auch, Immer mehr Heimzüchter verwenden statt
meist aus Holland importierten Spezialdün- Muttererde ein Anbausubstrat, z.B. Stein-
ger, z.B. Bio-Soil. Dieser enthält nach Anga- wolle und Hydrokörner. Ich unterstelle die-
ben der Hersteller, in jahrelangen Versu- sen Materialien, daß sie dafür verantwort-
chen entwickelte und getestete Nährstoff- lich sind, daß holländische Tomaten nach
mischungen, die eine für die Hanfpflanze nix schmecken. Mit Verlaub. Natürlich gibt
optimale Nahrung bieten: "Stickstoff ist es auch hierfür einen Spezialdünger. Sensi
wichtig während des Wachstums. Phos- Seed bietet 'komplette Nahrungspakete,
phor fördert das Aufschwellen der Blüten- die alle wichtigen Haupt- und Spurenele-
konusse. Kalium gibt der Pflanze Kraft, fest- mente enthalten'. Diese Hydronahrung ver-
es Wurzelwerk und Widerstand gegen bessert den Blumensatz, die Blütenent-
Krankheiten. Magnesium ist wichtig für den wicklung und Größe der Pflanzen, so die An-
Stoffwechsel der Pflanze, es unterstützt die bieter.
Aufnahme von Licht und Nährstoffen und Man verzeihe mir meine Skepsis beim Ein-
hilft somit beim Bau neuer Pflanzenzellen. satz von Steinwolle. Gerade da diese als po-
Die Bodenmischung sollte einen pH-Wert tentiell krebsgefährdend aus dem Bauge-
zwischen 6 und 7 haben." werbe verbannt und dort wahrscheinlich auf
Dauer durch Hanfdämmstoffe ersetzt wird.
Da krümmt sich der Naturkostler in mir. In-
zwischen wird entsprechende Hanfwolle
aus Ungarn angekündigt...

ABLAUF DER KULTUR

SAATGUT
Beschaffung: Samen werden aus handelsüblichem Grass herausgelesen. Das beste Grass
enthält die besten Samen (= Erbmasse). Samen kaufen, Headshops vorwiegend im Aus-
land (Holland, England, USA), Versandhandel (Ausland).
Auswahl der Sorte: Wirksamkeit. Bestes Grass meist beste Samen. Mexiko, Jamaika,
einheimische Züchtungssorten: kürzere Entwicklungszeit (6 Monate). Kolumbien, Afrika
Südostasien (Thailand): längere Entwicklungszeit (8-9 Monate).
Aussehen: Farbe zwischen beige und schwarz, vorwiegend bräunliche Töne, oft marmo-
riert. 3-7 rnm lang. Eine Seite spitz zulaufend, eine Seite abgeflacht (an der Basis sind
Reste des Trennungsgewebes zu erkennen). Schale hart und mit Wachs überzogen. Man
wählt die größeren, rundlich plumpen Samen aus. Unreife Samen sind grünlich oder
weißlich. Sie keimen nur ungleichmäßig. Unvollständige Samen, Samen die sich zer-
drücken lassen (innen verrottet = Sporenstaub und hohl = schwimmen im Wasser, ge-
sunde gehen unter), Samen mit ungewöhnlicher Färbung (zu glänzend oder zu matt,
seltsame Farben) und unreife Samen werden nicht verwendet.
- keine außergewöhnlich großsamige Sorte (4-6,5 mm lang), da evtl. Faserhanf.
Bedenken entfallen bei Samen aus Handelsmarijuana.
- mehrere Sorten werden gleichzeitig angebaut. Dadurch Erfolgs-/Mißerfolgsstreuung.
Spezialisieren im nächsten Jahr möglich.

Maße und Gewichte: 30-70 Samen wiegen 1 g. Ca. 1200 Samen passen in eine Filmdose.
Ca. 50% Gewichtsanteil von üblichem Grass (Kolumbien) besteht aus Samen.

Keimfähigkeit: Über 90% bei reifen, frischen Samen. Nach einem Jahr 40%. Keimfähig-
keit nimmt mit zunehmendem Alter ab. Kühle Lagerung verlangsamt den Prozeß. Beste
Lagertemperatur: 2-3°C. Nachteile durch Tieffrieren.
Test: Abgezählte Samenmenge läßt man zwischen nassen Tüchern (oder
Watte, Papier, Stoffen etc.) keimen. % der gekeimten Samen ent-
sprechen etwa der Keimfähigkeit des verwendeten Saatgutes.

SAMENWAHL - ZÜCHTERQUAL SKUNK 1 = Eine ursprüngliche Sativa/lndi-


Beschaffte man sich vor zehn Jahren noch ca-Kreuzung, momentan die am meisten er-
Hanfsamen handverlesen aus Vogelfutter- probte reine Sorte. Besonders für den Glas-
mischungen, in der Hoffnung, dabei einen hausanbau geeignet.
potenten Treffer zu landen, so hat sich die DURBAN = Eine sehr früh reifende Sorte
Samenszene inzwischen grundlegend ge- aus Südafrika. Eine der besten Freilandsor-
wandelt. Dies wird vor allem auch dadurch ten.
erleichtert, daß der Besitz von Hanfsamen SILVER HAZE = Lange Blütezeit, psychede-
gegen kein deutsches, geschweige denn lische Rauchwirkung. Keine Spitzenerträge,
niederländisches Gesetz verstößt. aber Spitzenwirkung.
NORTHERN LIGHTS-5 = Eine sensationelle
Sowohl in den USA als auch in Holland be- Kreuzung zwischen Indica & Sativa. Extrem
schäftigen sich einige Hanf-U'dope-isten potent, das stärkste Sativa-High. Hohe Er-
seit nun mehr als zwanzig Jahren erfolg- träge.
reich mit der Entwicklung besonders wirk-
stoffreicher Neuzüchtungen, Und, Holy Allein bei der Firma Sensi Seed werden im
Smoke, das ist ihnen extrem gut gelungen. Augenblick über zwanzig verschiedene Sa-
So gut, daß sich manch traditionelle Canna- menzüchtungen angeboten. Sie gelten als
biskonsumenten mit Grausen an erste teure, wenn auch potente Souvenirs aus
holländische Rauchproben erinnern: das Amsterdam, wobei es keinen Versandhan-
Zeugs ist mitunter verwirrend stark. Ob- del bei dieser Firma ins Ausland gibt. Frag
acht! im nächstbesten Head-Shop nach Bezugs-
möglichkeiten.
Hier möchte ich einige der neuen Marken-
nemen/Sorten vorstellen: Die Züchtungen in Holland sind so bemer-
kenswert, daß selbst das ZEIT-Magazin CHEMOTYPEN
einen großen Bild-Beitrag zum Thema publi-
zierte: "Der hohe Wirkungsgrad ist durch Klassifizierung derTHC/%
Genmanipulation erreicht worden. Den Um eine möglichst übersichtliche Einteilung
holländischen Botanikexperten ist es mit der durchschnittlichen
Hilfe von amerikanischem Know-how gelun- THC/CBD/CBN/THCV-% zu schaffen, wur-
gen, die Menge des harzigen Sekrets, das den die einzelnen Sorten in sog. „Chemoty-
die Pflanze ausscheidet, um ein vielfaches pen" eingeteilt. Dies verschafft einen guten
zu steigern. Dieses zuckrige Harz enthält Überblick über die relative Potenz einzelner
den Wirkstoff THC. Durch die Kreuzung von Herkünfte.
Cannabis-lndica-Sorten mit Cannabis-Sativa- Typ 1: Viel THC, wenig CBD. Einige der
Sorten entstanden kurzstielige Hanfsorten. besten Marijuana-Sorten der Welt, Marok-
Sie gedeihen besonders gut in Räumen, ko, Nordindien, Brasilien, Südafrika, Mexico,
haben im Vergleich zu reinen Indicas eine Jamaika, Kolumbien.
relativ kurze Blühphase (sechs bis acht Wo- Typ 2: Zwischengruppe. Viel CBD bei mit-
chen) und tragen große Blüten. 'Eine tel bis viel THC. Afghanistan, Pakistan. Vor
Menge Masse`, sagt Ari. 'Sieh mal! Fünfzig allen Dingen zur Hasch-Herstellung.
Gramm im Trockenzustand, sind sie nicht Typ 3: Hoher CBD-Gehalt steht wenig bis
wunderschön?" überhaupt kein THC gegenüber. Zur Faser-
"Saatgut züchten ist ganz einfach", sagt gewinnung. Italien, Frankreich. Nicht als
Adrian Jansen, der an der Universität Am- Rauchmaterial zu empfehlen!
sterdam Wirtschaft und Geographie lehrt Typ 4: Viel THC und THCV (potenziert
und eine Studie über die Haschischcafé-Kul- THC) bei wenig CBD und CBN. Spitzenwa-
tur verfaßt hat, die inzwischen ein Klassiker re. Kolumbien, Indien, Thailand. Zwi-
ist. "Man braucht nur eine Tüte Skunk- schengruppe von TYP 1 und Typ 2. Einziger
Samen zu kaufen, die kreuzt man mit..." Unterschied: hoher Anteil THCV.

SAAT
Zeit: wie Mais, also April. Nach dem letzten Frost. Früher lohnt nicht.
Oder Vorkultur im Hause 1-6 Wochen vor möglicher Freîlandsaatzeit.
Abstände: entsprechend dem Durchmesser der Büsche
kolumbianisch, jamaikanisch 1—2 m 2—3,5 m hoch
mexikanisch 0,8—1,5 m über 2,5 m hoch
indisch, ostasiatisch, zentr. Afrika 0,6—0,9 m bis 2,5 m hoch
Reihenabstand: 60-180 cm
Abstand in
der Reihe: alle 10—20 cm ein Same bei Direktsaat
alle 30—100 cm (je nach Sorte) eine erwachsene Pflanze (erst dichter
stehen lassen, dann bei Bedarf ausdünnen!)
Dichter Stand bedeutet weniger seitliche Verästelung, weniger Blät-
ter und mehr Stengel sowie hohe Pflanzen. Durchmesser der Pflan-
zen kann durch zweifaches Beschneiden
— 1. Schnitt in der vierten Woche,
2. Schnitt in der achten Woche -
durchaus verdoppelt werden. G leichzeitig weniger Höhenwuchs (= Tar-
nung!).
Himmelsrichtung: Ausrichtung der Reihen Nordost bedeutet 10% mehr Licht als Nord/
Süd-Pflanzung.
Mengen: 85 Samen = 1 g
20 g Samen je 100 m2 (1 Same alle 10 cm, 60 cm Reihenabstand bei
100% Keimfähigkeit oder 450 g Samen je 100 qm breitwürfig). Saat
bedecken oder leicht einrechen.
Saat in
Bodenbedeckung: Bodenbedeckung beiseite rechen, in Furche säen.
Keimung: dauert 3—10 Tage. Erde mit Folie (transparent oder schwarz) er-
höht günstig die Temperatur. Unbedingt feucht halten!
Sämlinge: 2—5 cm hoch. Zum Schutz gegen Frost und starken Regen durch-
sichtige Plastikbecher (0,2 l) überstülpen.
Improvisiertes Treibhaus: Pflock am Anfang und Ende der Reihe,
steht 40 cm aus dem Boden heraus. Schnur spannen, durchsichtige
Plastikfolie darüberspannen. Seitlich mit Steinen oder Bohlen be-
schweren.
Kalter Kasten: beweglicher ungeheizter Kasten. Rahmen zimmern
und mit dicker durchsichtiger Folie bespannen. Für die ersten zwei
kritischen Monate. Je m2 kalter Kasten können ca. 15 acht Wochen
alte Pflanzen stehen.
Sämlinge unter Folie oder Glas unbedingt abhärten (= immer häufi-
ger lüften und die kältere Umgebungsluft an die Jungpflanzen gelan-
qen lassen. Zuerst nur tagsüber etc.).

AUSDÜNNEN
Zu dichter Stand bedeutet Aufstengeln (= dünne hohe Pflanzen ohne Seitenäste mit we-
nig Blattern, Kampf ums Licht). Daher rechtzeitig ausdünnen, wenn sich die Pflanzen zu
drängen beginnen. Mehrmals bei Bedarf ausdünnen.
1. Überzählige Pflanzen am Boden abschneiden — oder:
2. Überzählige Pflanzen in der Mitte abschneiden. Sie konkurrieren nicht mehr mit den
großen Exemplaren, geben eine kleine Ernte und schützen den Boden vor Unkrautauf-
wuchs (entspricht einer Zwischenfrucht mit z.B. Klee).

AUSPFLANZEN
1. Gießen
2. Jungpflanze mit möglichst viel Wurzelballen herausnehmen
3. Ins Pflanzloch (evtl. halb mit Kompost gefüllt) setzen
4. Andrücken und gießen.
Bei bedecktem Wetter pflanzen, sonst dörrt die Sonne die Setzlinge aus.
Bei Auspflanzung von Pflanzen in Torftöpfen die Töpfe seitlich mit dem Messer ein-
schneiden, damit die Wurzeln besser nach außen (= nach der Pflanzung also in den Gar-
tenboden) gelangen können.
BEWÄSSERUNG
80% der Pflanze ist Wasser (=H 2 O)
99% des Wassers wird über die Wurzeln aufgenommen
99% hiervon wird unverändert ausgeschwitzt (= Transpiration)
1% wird in Wasserstoff (= H) und Sauerstoff = O) aufgespalten
und mit CO2 und Lichtenergie bei der Photosynthese zu Kohle-
hydraten (= Zucker, Stärke, Zellulose) verwandelt.
Sämlinge: 1. Woche: Boden ständig gleichmäßig feucht.
2.—4. Woche: Gießen, wenn Boden bis in 5 cm Tiefe ausgetrocknet ist.
Gießkanne oder Schlauch mit Düse. Nie direkt auf die Pflanzen. Vor-
sichtig gießen! Reichlich gießen, Wasser soll tief in den Boden drin-
gen. Wurzeln wachsen dem Wasser nach in tiefere Bodenschicht =
bessere Entwicklung des Wurzelwerks durch selteneres aber dafür
reichliches Gießen.
ab 4. Woche: Wenn Boden bis 14 cm tief trocken, gießen! Ausnahme: vor-
her treten Mangelerscheinungen (= Welken) auf. Lieber selten und
kräftig als oft und wenig gießen. Nur so entwickelt sich tiefgründi-
ges Wurzelwerk. Praktisch: 1—4 mal je Monat (je nach natürlichem
Niederschlag).
Bodenbedeckung (= Mulche und Folien etc.) mindern Verdunstung der Bodenfeuchtig-
keit um etwa die Hälfte.
Methoden: Gartenschlauch mit Düse, Gießkanne, Rasensprenger. Nie mit scharfem Strahl
wässern, weil sonst die Erde weggespült wird oder wenigstens verschlämmt. Langsam
wässern. Möglichst nicht direkt auf die Pflanze. Nicht in direktem Sonnenlicht, beste
Tageszeit: spätnachmittags bis abends.
Pumpen: Motorpumpen (Benzin = sehr laut, aber leistungsstark). Strom - leise und lei-
stungsstark, aber wo ist der nächste Anschluß?), Fußpumpe = (weniger ermüdend als
Handpumpe), Windmühlenpumpe (meist sehr auffällig und zu aufwendig), Wassermühlen-
pumpe (= an Bächen und Flüssen zu verwenden).

UNKRAUT
Raubt der Kulturpflanze Nährstoffe, Wasser, Licht. Daher Jäten. Unkraut in der Nähe
des Stammes deiner Cannabis-Pflanze nicht rabiat herausreißen, da so auch das Wurzel-
werk der Cannabispflanze beschädigt würde. Besser am Boden abschneiden oder ab-
hacken.
Vorbeugung: Bodenbedeckung mit Mulchmaterial oder Folien, Papier etc., Zwischen-
frucht mit z.B. Klee oder Lupine etc.

STÜTZEN
Selten nötig. Stabilen Pfahl 15 cm vom Stengel entfernt in die Erde treiben. Pflanze
locker mit Draht, Bindfaden, Gummi etc. befestigen.

BRÜCHE

Ist der Stamm oder ein Ast gebrochen, bringt man ihn in korrekte Position, schient mit
einem Stück Holz, bandagiert mit Klebestreifen. Heilung nach wenigen Tagen.
BESCHNEIDEN
Warum? 1. höhere Ausbeute
2. unauffälligere Form
3. Dope vor der Ernte

Wuchshemmendes Hormon: Ein wuchshemmendes Hormon wird von der obersten


Triebspitze der Pflanze hergestellt. Es sorgt dafür, daß die oberste Triebspitze nicht in
Konkurrenz zu anderen ebenfalls aufschießenden Seitentrieben stehen muß. Je näher ein
Pflanzenteil an dieser hormonabsondernden Triebspitze ist, desto mehr ist ihr Wuchs
gehemmt.
Schneidet man die oberste Triebspitze des Stammes ab, können etliche Seitentriebe nun
gleichberechtigt wachsen, es entsteht eine Krone aus 4-8 Haupttrieben/Hauptästen.
Auch können wegen des zeitweiligen Fortfalls des hemmenden Hormones nun etliche
neue Triebe aus den Blattachseln austreiben.
Beschnittene Pflanzen bilden wesentlich mehr Blätter, die jedoch länger klein bleiben
(die Wuchskraft verteilt sich stärker). Auch das Wachstum der Stengel ist aus diesem
Grunde langsamer, die neu gebildeten Internodien bleiben kürzer. Insgesamt bekommt
die Pflanze also ein viel gedrungeneres Aussehen, sie entwickelt sich zu einem dichten
Busch und nutzt die gegebene Fläche/Raum besser aus (= mehr Blattmasse je m2 bzw. m 3 ).

Schnittmethoden: Sämling zwischen 4.-6. Internodie (= ca. 5. Woche)


wenigstens 4—6 neue Haupttriebe
Ernte der Triebe ca. 17.-19. Woche
oder:
1. Schnitt 4.-5. Woche bei 5. Internodie
2. Schnitt ca. 10. Woche (= Äste haben 4-5 Internodien)
Ergebnis: heckenartiger Busch

HERUNTERBIEGEN:
Prinzip: höchster Teil der Pflanze hat Vorrang beim Wachsen, weil dort das wuchs-
hemmende Hormon ausgeschieden wird, das benachbarte Teile im Wachstum unter-
drückt. Normal: Stammspitze ist höchster Teil. Herunterbinden: Andere Triebe nun an
der Spitze der Pflanze.
Äste herunterbinden: Die unteren Äste werden zum Boden heruntergebunden, damit
mehr Licht ins Innere der Pflanze gelangen kann. An einem in die Erde geschlagenen
Pflock oder Haken werden die Äste locker mit Draht, Schnur, Gummi, Klebeband etc.
befestigt. Geringe Hormonwirkung. Gelegentlich treiben Sprossen aus den Blattachseln
verstärkt aus.
Stamm herunterbinden: Lange Schnur oder Textilstreifen wird am Stamm befestigt und
das andere Ende an einen Anker (= Stein, Haken, Pflock) am Boden festgebunden. Täg-
lich mehr herunterbinden (sachte, sonst Bruch des Stammes oder Wurzelballen wird aus
dem Boden gerissen).
Stammspitze herunterbinden: Schnur, Draht, Klebeband o.ä. wird an der Treibspitze
(= oberste 40 cm des Stammes, sind noch grün und nicht verholzt, also elastisch) be-
festigt. Treibspitze herunterbiegen, bis sie nach unten zeigt. Dann wird das andere Ende
der Schnur unten am Stamm festgemacht.

BLÄTTER ENTFERNEN
Nur kranke Blätter werden entfernt. Große Blätter sind lebenswichtig für die Versor-
gung der Pflanze, auch wenn sie kaum Wirkstoff enthalten. Sie sollten unbedingt an der
Pflanze belassen werden, sonst indirekte Nachteile (kleine Blüten, wenig Wuchs etc.)!!!

TARNUNG DURCH BESCHNEIDEN


„Typisches" ist immer verdächtig. Cannabis wird sehr hoch und überragt meist alle be-
nachbarten Pflanzen und kann leicht entdeckt werden. Mehrfacher Rückschnitt bringt
einen dichten Cannabisbusch mit mindestens demselben Ernteertrag je m2 bei sehr viel
weniger Raumvolumen. Auch kann die Pflanze nicht auf den ersten Blick als Cannabis
erkannt werden, weil die typische Tannenbaum-, Pappel- oder Zylinderform fehlt. Her-
unterbinden und mehrfaches Beschneiden mindert das Risiko des Entdecktwerdens.

Abhängigkeit Potenz/Umwelt - Stress


Das Verhältnis CBD zu THC ist eindeu-
tig erblich festgelegt und kann durch die
Umwelt kaum beeinflußt werden (ausge-
nommen innerhalb mehrere Generatio-
nen = Adaption).
Die Harzmenge je Trockengewicht ist
ebenfalls deutlich von genetischen Fakto-
ren bestimmt, hier hat jedoch auch die
Umwelt einen gewissen Anteil an den tat-
sächlichen Verhältnissen. Jede Pflanze be-
sitzt eine eigene genetisch vorprogram-
mierte Höchstgrenze, die auch bei noch
so günstigen Umweltbedingungen nicht
überschritten werden kann. Der Einfluß
der Umwelt beschränkt sich daher in der
Praxis vorwiegend darauf, durch der
Pflanze/Sorte nicht angemessene äußere
Bedingungen ihre Anlagen zu verschüt-
ten.
In erster Linie bestimmt die Wüchsig-
keit einer Cannabispflanze und ihre
Gesundheit, wie die Ernte ausfällt. Na-
türlich kommt es dabei darauf an, daß
die Umwelt den Bedürfnissen der Pflanze/
Sorte möglichst nahe kommt.
Krankheiten und Mangel beeinträchti-
gen die Gesundheit der Pflanze und damit
auch die ungestörte Produktion von Harz,
Die meisten der vielfach als Geheimtip ge-
priesenen Stress-Methoden (Wasserentzug
zur Blüte, Abknipsen von Blättern, Spal-
tung des Stammes, Nägel im Stamm etc.)
schaden der Pflanze. Zwar ist es richtig,
daß sicn die Pflanze mit einem etwas Wertung: Die meisten Berichte von einem
deutlicheren Wachsen oder Blühen dage- starken Einfluß von Umwelt oder Stress-
gen zur Wehr setzt (sie gibt „ihr Letztes" behandlungen auf die Potenz basieren auf
weil sie ihre Existenz bedroht sieht), doch Aberglauben und sind mit der Hippie-
würde eine in derselben Zeit optimal ge- Bewegung aus den Anbauländern der
pflegte Pflanze mehr Masse entwickelt Dritten Welt in den Westen gelangt.
haben und wenigstens dieselbe THC- Zwar sollten Cannabispflanzen während
Menge je Pflanze und je qm bringen. der Blüte nur selten gegossen werden (um
Manche Untersuchungen lassen es als vor- den vegetativen Impuls nicht zu sehr in
teilhaft erscheinen, wenn die Pflanzen den Vordergrund gelangen zu lassen),
starken Stressmomenten ausgesetzt wer- doch schadet jeder Pflanze Verletzung
den, weil in den Ergebnissen die THC- oder starker Durst. Die Potenz ist vorwie-
%-Werte ansteigen. Was nützt dem Canna- gend erblich festgelegt. Die Umwelt kann
bis-Pflanzer jedoch eine Pflanze mit ei- die Anlagen höchstens verwirklichen, nie-
nem 20 Prozent höheren THC-Gehalt, mals jedoch darüberhinausgehende Ergeb-
wenn die nicht gestreßte Nachbarpflanze nisse erzielen.71/74
doppelt groß geworden ist?

BESONDERHEITEN

Versetzen alter Pflanzen: wie bei Jungpflanzen. Möglichst viel Wurzelballen unbeschädigt
beibehalten.

Windschutz: Gegen Gefahr durch Wind auf geringe Größe erziehen (= Schnitt). An Stüt-
zen binden. Hanfschutzpflanzung dicht an dicht um den Garten (mit Seilen und Pfählen
oder Zaun gegen Umknicken sichern).

Verfrühte Einleitung der Blüte: Wenigstens 12 Stunden Dunkelheit (ununterbrochen!!)


täglich sind notwendig.
Künstliche Dunkelbehandlung: Schwarze Plastikplanen, Plastiksäcke, große Kartons (für
Küchenmaschinen oder Möbel) über die Pflanzen stülpen. Beginn abends, morgens gegen
9.00 h wieder entfernen. Blütebeginn nach ca. 2-wöchiger Behandlung. Pflanzen in
Kübeln können über Nacht ins Dunkle (Garage, Scheune, Keller, Gartenhäuschen etc.)
gestellt werden.
Treibhauskultur im Winter und Frühjahr: Pflanzen würden unter natürlichen Umständen
sehr früh in Blüte gehen (weil lange Nächte in Winter und Frühjahr). Daher: nächtliche
Dunkelperioden unterbrechen (Glühbirnen in der Mitte der Dunkelperiode kurz auf-
leuchten lassen. Ein paar Sekunden reichen, um das lichtempfindliche Blütehormon zu
desakttvieren). Taschenlampe reicht als Lichtquelle aus. Beginn der Behandlung im Alter
von 4 Wochen! Bei Blüte im Frühjahr alle Knospen ernten. Im Sommer setzt bei diesen
Pflanzen erneut vegetatives Wachstum ein. Zweite Ernte im Herbst wie gewohnt.

Wasserentzug: Pflanzen erst gießen, wenn sie bereits welken, besonders zur Blütezeit.
Soll angeblich Potenz erhöhen. Wertung: Zur Blüte soll Cannabis nicht zu sehr gegossen
werden. Wirft die Pflanze jedoch Blätter ab oder welkt, kann ihr dies keinesfalls nützen.

Geheimtricks: Krampen oder Nägel werden in den Stamm getrieben oder der Stengel
wird an der Basis gespalten und ein Stückchen Holz in ihn eingeklemmt. Diese Stressoren
sollen die Potenz heben. Wertung: unschädliche Methode, Vorteile sehr zweifelhaft.

Sortenpalette: Der gleichzeitige Anbau mehrerer Sorten streut das Risiko des Mißer-
folges. Obendrein kann man verschiedene Sorten ernten, die verschieden schmecken und
wirken können. Man weiß bei Samen nie im Voraus, wie brauchbar die aus ihnen entste-
henden Pflanzen sein werden. Sortenvielfalt hat nur Vorteile!
KLONE KONTRA SAMEN er für ca. 5 Stunden (ggf. kann dem Wasser
ein Meeresalgenextrakt beigegeben wer-
Stecklinge nennt man „Klone"; ein Klon ist den).
ein „aktiver Trieb", geschnitten von einer 3. Schritt: Der Trieb kommt nun in einen
Hanf-Pflanze. Ein Steckling weist die identi- industriell gefertigten Torfanzuchttopf, der
schen genetischen Muster der Pflanze auf, zuvor vorbereitet wurde; der Torfanzucht-
von der geschnitten wurde. Erfahrene Züch- topf wird zu gleichen Teilen (!1/2!) mit Erde
ter wenden diese Methode mittlerweile re- und Perlitgranulat gefüllt und durchgehend
gelmäßig an, um hochwertige Sinsemilla- befeuchtet (gut naß machen!). Gegebenen-
Zuchten aufzubauen. falls kann ein herkömmliches Bewurze-
Durch Selektion (Auslese) der besten weib- lungshormon (z. B. „Algan" beigegeben
lichen Pflanzen ist es möglich, weit länger werden (bei Aussaaterde nicht notwendig).
mit ein und derselben Pflanze zu arbeiten 4. Schritt: Der fertige Torfanzuchttopf
als gewohnt (Saatmethode) - im Grunde ist kommt nun unter eine Beleuchtungsanlage
es möglich, von einer sehr guten weiblichen (Vorsicht vor zu großer Hitze über den
Pflanze -zig Stecklinge zu produzieren ... Stecklingen!) - die Entfernung regelt sich
Die Vorteile liegen auf der Hand: nach der Art der Beleuchtung (ca. 25-45
• massenhafte Selektion der besten weibli- cm).
chen Pflanzen 5. Schritt: Der Steckling verbleibt für ca.
• Ersparnis von Wochen durch Aufzucht 14-25 Tage, durchgehend für 24 Stunden,
• Potenzierung des Ertrags, gemessen an unter der Beleuchtung. Es ist unbedingt not-
der Anzahl der Samen wendig, den Steckling täglich zu beobach-
• Identische Genetik der Mutterpflanze ten; Erde muß immer feucht sein!!! In die-
• kräftigeres und fülligeres Wachstum der sem 5. Stadium ist die höchste Aufmerk-
Stecklinge samkeit erforderlich!!!
Natürlich sind für die „Stecklingszucht" eini- 6. Schritt: Nach ca. 14-25 Tagen sollte der
ge wesentliche und grundlegende Kenntnis- Steckling genügend Wurzelwerk gebildet
se notwendig. haben, so daß er nun umgepflanzt/einge-
Zuerst einmal: Hanf bewurzelt sich nicht topft werden kann. Je nach Sorte und Be-
sonderlich leicht, und etwas Geduld muß leuchtungsart kann der kleine Steckling
aufgebracht werden! schon zur Blüte gebracht werden.
1. Schritt: Von einer (vornehmlich weibli- Bei der Stecklingszucht ist immer auf eine
chen) Hanf-Pflanze wird ein „aktiver Trieb" Temperatur von 25 Grad zu achten, außer-
(zumeist der Haupttrieb) mit mindestens dem frische Luftzufuhr und Abzug ver-
drei Satz Blättern (vgl. Zeichnung) vorsichtig brauchter Luft. Ein paralleler Stecklings-
und langsam abgeschnitten. raum ist sinnvoll.
2. Schritt: Dieser Trieb kommt umgehend (© by sinsemilla tops -grow- u. head shop-
in ein Glas Waser (lauwarm); dort verbleibt international)
ANBAU UNTER KUNSTLICHT

Lichtzusammensetzung: Zur Photosynthese (= Aufbau von Kohlehydraten durch Chlo-


rophyll. Aus Nährstoffen Wasser, CO2 werden durch Lichtenergie Zucker und Stärke
aufgebaut) verlangt die Pflanze ein Schwergewicht auf den roten und blauen Spektral-
bereichen des sichtbaren Lichtes. Der dazwischenliegende grüne und gelbe Bereich wird
von der Pflanze kaum absorbiert, sondern überwiegend reflektiert (daher die grüne Farbe
der Pflanzen).
Bei der Zusammensetzung des künstlichen Lichtes sollten also die Blau- und Rot-Bereiche
in den Vordergrund treten, die Lichtarten nämlich, die von der Pflanze absorbiert und
gebraucht werden. Gelbes und grünes Licht sind nicht schädlich, haben aber auch keinen
Nutzen, stellen also Energievergeudung dar.

Lichtmenge: Da man meist Leuchtstoffröhren verwenden wird, gelten die folgenden An-
gaben für diese Beleuchtungsart:
Minimum: 150 W/m2 absolutes Minimum: 90 W/m2 (Überleben)
Vernünftig: 200 W/m 2
Empfehlenswert: 350 W/m 3
Maximum: 450 W/m 2
Unter 150 W/m 2 kann man keine befriedigenden Ergebnisse erwarten. Über 450 W/m 2
kann die Pflanze nicht mehr durch erhöhte Photosynthese verwerten.
Beim Kauf von Leuchtstoffröhren wird man auf Angaben zum Wirkungsgrad der Röh-
ren achten. Die meisten Firmen bieten besonders effiziente Röhrentypen an (z.B. Lumi-
lux von Osram), die sich auf die Dauer wegen der höheren Lichtausbeute je verbrauchter
Stromeinheit bezahlt machen. Es darf allgemein mit einer Lebensdauer von 7000 bis
8000 Brennstunden gerechnet werden. Entladungslampen liegen höher, Glühbirnen ver-
schleißen schneller. Die tatsächliche Lichtausbeute läßt mit dem Gebrauch nach. Werte
lassen sich den Prospekten der Hersteller entnehmen. Es lohnt jedoch kaum, diese Zah-
len in die Kalkulation miteinzubeziehen, da sie nur etwa 15-20% hin oder her ausmachen.
Kombinationen:
Man kombiniert 1 blaureiche Röhre mit 2-3 rotreichen Röhren oder verwendet nur be-
sonders für die Bestrahlung von Pflanzen konzipierte Sorten („Fluora", „Super Gro",
„GroLux" etc.).

Leuchten: Je nach Länge der verwendeten der verwendeten Leuchtstoffröhren kommen


verschiedene Leuchten in den Handel. In einem Metallrahmen sind sowohl die Fassun-
gen (Sockel) als auch der erforderliche Starter und eine Drossel angebracht. Man kann
Leuchten für nur eine Leuchtstoffröhre genauso kaufen wie größere Leuchten für zwei,
vier oder noch mehr Röhren.
Aus Ersparnisgründen werden oft die einzelnen Sockel und Drossel sowie Starter auf
eine Sperrholzplatte selbst montiert. Vorsicht! Nulleiter nicht vergessen (= Erdung).
Leuchten mit einem größeren Abstand zwischen den Röhren bieten eine bessere Licht-
ausnutzung besonders bei kleinen Anlagen.

Reflektoren erhöhen die Lichtausbeute enorm (25-45%). Selbstbau aus mit Alufolie
beklebter Pappe (z.B. aus der Verpackung der Röhre gebastelt). Der improvisierte Re-
flektor wird unter die Röhre geschoben und an der Leuchte (bzw. Sperrholzplatte bei
Selbstbau) festgeklebt oder -genagelt. Einfacher und sicherer wiewohl weitaus teurer
ist der Kauf von fertigen Leuchten mit Reflektoren.
Bei zu erwartender hoher Wärmeentwicklung ( Röhren dicht an dicht oder Hochleistungs-
röhren) werden Löcher in die Reflektoren gebohrt, damit die Wärme abgeleitet werden
kann.

ZUR MODERNEN LAMPEN-


PRAXIS IN HOLLAND

In den vergangenen Jahren hat sich an der


Licht- und Lampenfront im Cannabisanbau
auf- grund der Erfahrungen holländischer
Heimzüchter viel verändert und verbessert.
Als Beispiel hier ein Text, entnommen dem
Organic Earth Infoblatt One Bulletin aus
Maastricht.

"Ideale Lampen für die Marijuana-Heim-


zucht sind 400- oder 1000-Watt-Natrium-
dampflampen, eine Art der Gasentladungs-
lampe. Ein Natriumlichtsystem besteht aus
drei Teilen: der Transformatorbox (Trafo).
dem Reflektor und der Lampe selbst. Die
Transformatorbox enthält alle benötigten
Zusatzgeräte: eine Drosselspule, einige
Kondensatoren, einen Entstörungsfilter und
den Starter.
Die Transformatorbox gibt, wie die Lampe,
Wärme ab und kann sowohl innerhalb wie Handel gibt. Der Abstand zur Pflanze sollte
außerhalb des Zuchtraumes aufgebaut wer- bei den 400 Watt Lampen mindestens 30
den. Entscheidend ist hierbei der Wärmebe- cm betragen, 50 cm sind besser, sonst wird
darf. Soll der Pflanzboden extra erwärmt es den Pflanzen zu warm. Für die Anschaf-
werden, so stellt man die Box einfach unter fung einer solchen Armaturen-Anlage muß
den Anbautisch, der dann aber unbedingt der Käufer zwischen 300,- und 2500,- DM
wasserdicht sein muß. Steht der Trafo hinlegen. Sehr hoher Stromverbrauch!
außerhalb des Zuchtraumes, dann wird dies Aber auch mit schwächeren 150-Watt- bis
ein 'Remote-Ballast-System' genannt. Die 400-Watt-Lampen und einer richtigen Licht-
Transformatorbox wird wegen ihres Ge- zusammenstellung lassen sich erleuchten-
wichtes nämlich außerdem noch als 'Bal- de Resultate hervorbringen. Geeignet hier-
last' bezeichnet. Der Unterschied zwischen für ist die AGRO 18, eine 150-Watt-Hochlei-
einem 400- und einem 1000-Watt-System stungs-Reflektorlampe von Philips.
liegt nicht nur in der Lichtintensität, sondern
auch im Gewicht der Transformatorbox. Um Holländische Hanfzüchter scheinen beim
eine gleichbleibende Lichtqualität zu garan- Lichtmulti Philips einen guten Ruf zu haben.
tieren, sollten die Lampen jährlich erneuert "Als ich bei Philips anrief, um nachzufragen,
werden, Vergiß nicht, daß deine Stromrech- welche Lampen ich denn benutzen könne,
nung steigen wird." um meine Zimmerpalme glücklich zu ma-
Tips (für den Fall, daß Du eine solche Anla- chen, gab mir die Auskunftsperson der
ge für Küchenkräuter etc. nutzen willst): Firma den Rat, ich solle doch bei Sensi
- Vermeide illegale elektrische Anschlüsse. Seed, einem Grow-Shop in Amsterdam
- Verwende geerdetes elektrisches gerät nachfragen, die hätten dort die größte Er-
- Schließe die Apparatur nicht an den fahrung mit entsprechenden Lampen", so
Küchengruppenschalter an. ein holländischer Hobbygärtner.

In den USA und auch in Holland sind in den Als ich nachfragte, ob es solche Lampen
letzten Jahren eine Vielzahl von Heimzüch- nicht auch im Fachhandel für Gewächshaus-
tern wegen ihres für das Elektrizitätswerk bedarf in Deutschland gäbe, wurde mir ge-
unerklärlich hohen Stromverbrauches er- sagt, daß sie dort bis zu 30% teurer seien
wischt worden. als in Head-Shops. Vor dem Kauf sollte man
Preisvergleiche anstellen.
Herkömmliche Glühlampen und Halogen-
lampen allein reichen nicht zur optimalen Er-
hellung von Hanf aus. Sie strahlen nur ca. 30
Lumen/Watt ab, der Rest der Energie wird
als Wärme abgestrahlt. Hanf braucht aber
ca. 33000 Lumen/m2. Von den Fluoreszenz-
Lampen sind nur die Lumilux, 150 cm lang,
brauchbar. Diese gibt es in 58/64 Watt, sie
geben ca. 5400 Lumen ab. Dabei sollte man
sie halbe/halbe Cool-White und Warm-
White einsetzen. Die einzelnen Röhren soll-
ten 10-20 cm Abstand aufweisen und min-
destens 5 cm von der Pflanze entfernt sein.

Die meist benutzte Lampenart ist die relativ


ökonomische SON-T Natrium Hochdruck-
lampe von Philips, die es in 400-Watt-, 600-
Watt- und 1000-Watt-Ausführungen im
Sicherheit: die feuchtwarme Atmosphäre und Schwitzwasser, nasser Boden etc. sind un-
vermeidbare Gefahrenquellen, selbst wenn bei der Installation alle Sicherheitsvorkeh-
rungen (Erdung!!! Nulleiter!! Isolation von Verdrahtungsstellen!) beachtet worden sind.
Daher werden Arbeiten an der Beleuchtungsanlage nur nach Ausschalten der gesamten
Elektrizität (Sicherung herausdrehen!) durchgeführt.

AUFBAU DER ANLAGE


4-8 Röhren oder Leuchtstoffleisten werden zu einer Leuchte zusammengebaut.
Beispiel: 8 Röhren je 40 W, 120 cm lang. Leuchte: Länge zwei Röhrenlängen = 2,4 m;
Breite 4 Röhren = 60 cm). Oder: Verwendung werksmäßiger oder gebastelter Leuchten
mit mehreren Röhren.
Man baut eine Rahmenkonstruktion auf, von der die Leuchten heruntergehangen wer-
den. Befestigung an den Wänden mit Dübeln, zusätzlich Einspreizen der tragenden Rah-
menteile (zwischen Decke und Fußboden etc.) zur Stabilitätserhöhung empfehlenswert.
Die Leuchten hängen an Seilen, besser Ketten, von der Konstruktion herab. Sicherung
und Höhenverstellung: Ketten oder Seile werden in seitlich in den Pfosten eingelassenen
Haken eingehängt/angebunden, je nach gewünschter Höhe.
Seitlich um die Plantage angebrachte Reflektoren (weiße Plastikplane oder Alufolie) er-
höhen die Lichtausbeute. Lücken lassen (um Luftbewegung zu erlauben) !
Der Boden wird mit einer Plastikplane abgedeckt um Wasserschäden zu vermeiden. Evtl.
vorhandene Fenster werden meist völlig verdunkelt (mit schwarzer Pappe), damit kein
verdächtiges Licht nach außen dringt.
NÄHRMEDIEN

TOPFERDE
Die Topferde soll die Pflanze mit Nährstoffen, Wasser, Luft (2/3 der Einatmung ge-
schieht durch die Wurzeln) versorgen, ihr ein angemessenes chemisches Klima (pH-Wert)
stellen und der Pflanze Halt geben.
Speicherfunktion: Organische Stoffe wie Kompost oder Torf speichern Wasser und Nähr-
stoffe.
Entwässerungsfunktion: Organische Stoffe wie Kompost oder Torf speichern Wasser
und Nährstoffe.
Entwässerungsfunktion: Sand, Perlite, Katzenstreu etc. sorgen für eine Auflockerung der
Erdstruktur. Durch sie wird eine Entwässerung der Erde und ein ausreichender Luftge-
halt sichergestellt.
Fehlen Speicherstoffe, können das Wasser und die Nährstoffe nicht gehalten werden. Man
gelt es an Entwässerung, versauert die Topferde nach wenigen Malen Gießen.

Komposterde/Humus: Hohes Speichervermögen für Wasser (bis 300% des Eigengewich-


tes. Bestes Stubstrat in Struktur und Nährstoffgehalt!). Hervorragender Nährstoffträger
(Nährstoffe werden locker und daher pflanzenverfügbar an stabile Huminsäuren gebun-
den = adsorbiert und so vor Auswaschung geschützt). Gute Durchlüftung (Krümelstruk-
tur, klebt und schmiert nicht). Hohes Pufferungsvermögen (= selbsttätiger pH-Wert-Aus-
gleich). Spätestens nach Zuschlag von etwas Sand etc. hervorragend als biologisch tätige
Topferde zu verwenden. Hoher Düngerwert, ohne die Nachteile der Triebigkeit. Herge-
stellt durch gelenkte Verrottung von Pflanzenabfällen (Leguminosenstroh, Gemüseab-
fälle, Grasschnitt, Heu, Stroh, Kräuter evtl. Laub etc.) und tierischen Stoffen (Mist,
Jauche, Horn, Knochen, Blutmehl etc.).
Torf: ungünstige Humusform. Zu sauer. Speichert Wasser wie ein Schwamm (= physika-
lisch), läßt allerdings die Adsorptionsfähigkeit für Nährstoffe vermissen. Kein Puffe-
rungsvermögen, unterstützt Versäuerung der Erde besonders im Topf. Nur bis höchstens
15% beimischen.

Torfkultursubstrat
(=TKS) TKS l = Einheitserde P = Pikier-oder Aussaaterde
TKS II = EinheitserdeT =Topf-und Verpflanzerde.
Wird überwiegend aus Weißtorf hergestellt, Nährstoffe und Ton-
minerale sind zugesetzt. Eignen sich nach Überprüfung des pH-Wer-
tes zur Cannabis-Kultur.
Lockerungs-
materialien: Bimssteinkies: leichtes, poren- und daher luftreiches Material.
Styromull : sehr leichte Styroporperlen
Perlite: Lava- oder Bimssteingrus, wie Sand aber dabei leichter.

Sand: Quarz. Kein Düngerwert. Kein Speichervermögen. Dient zur Auflockerung der
Struktur. Besonders bei hohem Tonanteil oder Torf beimischen. Besser PERLITE oder
Bimssteingrus verwenden (Gewicht!).

Blumenerde: meist in kleinen Packungen. Hauptgewicht auf Wasserhaltevermö-


gen (viel Torf, Kompost und sonstiges organisches Fasermaterial.
Oft nährstoffarm.
Zuschlag: Sand/Perlite wegen Entwässerung. Hornmehl, Mist/
Kunstdünger wegen Nährstoffen.
Gartenerde: Größere Gebinde. Meist mit Dünger versetzt. Evtl. Zuschlag von
Sand/Perlite wegen Entwässerung nötig.

Erde von draußen: Gartenerde, Humus, Mutterboden, Möglichst sandiger Lehm. Un-
günstig ist Tonerde (kaum entwässernd), daher lockernde Materia-
lien zusetzen. Geeignet ist Erde von Feldern wo Mais und Gemüse
gedeihen und von Stellen wo Leguminosen (= Erbsen, Bohnen,
Wicken, Lupinen, Klee, Luzerne etc.) standen. Dort findet sich be-
sonders hohe N-Anreicherung durch die mit den Wurzeln der Legu-
minosen zusammenlebenden Knöllchenbakterien, die den Stick-
stoff (= N) der Luft binden.
Durchwurzelte, dunklere Mutterbodenschicht. Wurzelballen von
Gras und besonders Leguminosen ausklopfen, da dort besonders
viele Nährstoffe.
Zuschlag: bei schweren Erden bis 25% Sand/Perlite. Torf, Kompost
und Mulche etc. bei unbelebten Sandböden.
Entwässernde
Materialien: gröbere Körnigkeit wählen —> bessere Auflockerung und Entwässe-
rung.
pH-Korrektur: 3 Tassen Kalk (gelöscht oder kohlensauer) bzw. 6 Tassen Holz-
asche (enthält auch wertvolle Mineralien) je 25 kg oder 25 l-Sack
Erde erhöht den pH-Wert um ca. 1,0.
Saure Böden (unter pH 6): 2. Test nach 14 Tagen, evtl. zweite Kal-
kung. Keine zweite Korrektur nötig wenn pH über 6,5.
Keine handelsübliche Garten- oder Blumenerde ist zu alkalisch!
Mischverhältnisse
für Substrate: Bei Verwendung vorgemischter angereicherter Gartenerde, guter
Kompost- oder Humuserde erübrigt sich ein Anmischen. Möchte
man sich sein Substrat selbst herstellen, kann man folgende er-
probte Mischungen verwenden:
a) 5 Teile Erde b) 5 Teile Erde c) 4 Teile Erde
2 Teile Perlite oder 2 Teile Perlite 1 Teil Sand
Bimskies 2 Teile Kompost 1 Teil Torf
1 Teil Mist 2 Teile Kompost
1/2 Teil Geflügelmist
d) 6 Teile Erde e) 8 Teile Erde f) 3 Teile Humuserde
2 Teile Perlite 3 Teile Sand 2 Teile Torf
2 Teile Torf 1/4 Teil 10-10-10 1 Teil Kuhmist
1 Teil Mist Kunstdünger 2-4 kg Hornspäne je cbm
1 Teil Holzasche Erde

Grundsätzlich sollte man nicht zu sehr mit Nährstoffen (Kunstdünger, Horn, Blut etc.)
anreichern. Lieber spätere Düngung!
BEHÄLTER
Für den Anbau unter Kunstlicht verwertbare Behälter müssen unempfindlich gegen
Feuchtigkeit und möglichst beweglich sein, wenig kosten und eine Entwässerungsöff-
nung im Boden haben. Sie sollen oben keinesfalls schmaler sein als unten.

Benötigte Erdmenge = Summe der Inhalte der Behälter für die erwachsenen Pflanzen.
Größe der Anlage: Länge entspricht der Länge der Leuchten.
Maximal 3-4 Pflanzen (meist 1) je 25-l-Topf je nach Sorte.
Meist ca. 10 Pflanzen je qm (je nach Sorte)
bis zu 60 Pflanzen je qm (kleine Thai-Sorten).
Sterilisation: zur Vernichtung von in der Erde enthaltenen Schädlingen und
Krankheiten. 30-40 Minuten bei 100°C kochen/backen (übler Ge-
ruch!).
DAS KÜNSTLICHE KLIMA
Optimum: Temperatur 26° C
Luftfeuchtigkeit 50-70%
Licht 16-18 Stunden täglich
Gießen 1-2mal die Woche
Temperatur: Stoffwechseloptimum (= maximales Wachstum) je nach Sorte
23-33° C
24-28°C durchschnittlich
Leuchten geben meist ausreichend Wärme ab, Heizung selten nötig
(wenn, dann Elektro oder Gas). Kein Ofen in der Nähe der Pflan-
zung (zu heiß und trocken).
Wirksamkeit: warmes Klima (24°C tags, 18°C nachts) besser als
heißes Klima (33°C tags, 20°C nachts)
heißes Klima = Verluste durch mehr Umwandlung von THC in CBN.
Temperatur nicht über 33°C und nicht unter 17°C
Optimum ca. 24 C.

LUFT
Nicht verraucht, verbraucht, muffig, stickig. Pflanze benötigt sowohl Sauerstoff als
auch (vor allem CO2 = Kohlendioxyd. Belüftung wegen Zufuhr von CO2. Je größer die
Pflanze desto notwendiger. Man läßt Lücken in den umgebenden Reflektoren um Zir-
kulation der Luft zu ermöglichen!
Mehr CO2 bedeutet mehr Photosynthese und mehr Wachstum. Künstliche Zufuhr aus
Flaschen oder Trockeneis) günstig aber schwierig und daher unpraktisch.
CO = Kohlenmonoxyd. Mehr CO bedeutet 5-10% mehr weibliche Pflanzen. CO ist gif-
tig und daher gefährlich. „Hände weg!"

Luftfeuchtigkeit: ist von geringer Wichtigkeit.


40-80% wünschenswert (auch für Potenz)
unter 50% gedrungener Wuchs
über 50% breitere Blätter, massiger, mehr Transpiration
LICHT
16-18 Stunden täglich, bei kleiner Pflanzung und wenig Wuchs bis 22 Stunden. Mög-
lichst geringer Abstand zwischen Pflanzenspitze und Leuchte, da die Beleuchtungs-
dichte rapide mit der Entfernung abnimmt (im Gegensatz zur Beleuchtungsdichte der
Sonne). Die An- und Abschaltzeiten werden am einfachsten mit einer Zeituhr automa-
tisch geregelt.
Zusammensetzung: Schwerpunkt im Rot-und Blaubereich des Spektrums. Siehe: Leuch-
ten.
Alle Pflanzen sollten dem Licht gleich nahe sein. Bei Anbau verschiedener Sorten oder
bei Folgesaat (etwa alle 2 Wochen) Pflanzen durch Unterstützung auf gleiche Höhe brin-
gen. Oder der Reihe nach aufstellen und Leuchte schräg hängen.

Gießen: 1-2mal pro Woche kräftig (bis Wasser aus den Löchern herauskommt. Je größer
der Topf desto seltener gießen. Gießen wenn Topferde sich bis zu 5 cm Tiefe trocken
anfühlt. Lieber selten und kräftig als oft und wenig (besseres Wurzelwerk kann sich ent-
wickeln).
Problem: a) Erde nimmt kein Wasser an (zu trocken) :
einmal wird Gießwasser mit einem Spritzer Spülmittel oder Seife
versetzt (= Entspannung des Wassers), Dann kann künftig normal
gegossen werden.
b) Wasser fließt unten aus dem Topf heraus: zuviel!
c) Chlor: Abkochen oder 3-4 Tage stehen lassen oder natürliches
Wasser verwenden (Regen, Quelle, Brunnen)
d) Hartes Wasser: nicht enthärten (Nebenwirkung wäre Versalzung)
Zur Blütezeit: Weniger Wasser erforderlich und günstig. Gießen einen Tag bevor
die Pflanze welken würde. Vorher Welkversuche anstellen (= wie-
viele Tage nach kräftigem Gießen beginnt Pflanze zu welken etc.).
DÜNGUNG/ERNÄHRUNG
Zusammensetzung: Viel N - mittel P - mittel K
Dünger mit hohem oder ausgeglichenem N-Gehalt
Mineraldünger: z.B. 20-20-20 = 20% N, 20% P, 20% K, Rest (40% Zuschlag)
oder 20-15-12 =20% N, 15% P, 12% K, 53% Zuschlag
ungeeignet: 15-20-20 etc. (zuwenig N)
Menge; z.B. 27-19-17 1 Teelöffel je 4 l Wasser alle 2 Wochen

Erste Düngung frühestens in der 5. Woche, dann alle 2 Wochen. Lieber häufiger dafür
aber weniger konzentriert düngen (z.B. besser jede Woche 1/2 Eßlöffel auf 10 l Wasser
als jeden Monat 2 Eßlöffel auf 10 l Wasser).
Dünger in Wasser lösen (lauwarm). In verschließbarem Glas schütteln. Nur feuchte Erde
düngen!
Organ. Düngung: vergorene Jauche, Blutmehl, Horn, Humus, Kompost, Mist, Guano.
Nach Gebrauchsanweisung wie für Gemüse oder Mais.

DÜNGUNG, ZUVIEL? ZUWENIG?


Test: A eine Pflanze nicht düngen
B eine Pflanze doppelt düngen
C Rest normal düngen
C besser als A, so gut wie B = ideale Düngung von C
C besser oder gleich A, schlechter als B = mehr Düngen
C eher vergleichbar mit A, nicht schlechter als B = weniger Düngen
reicht
C vergleichbar mit A, b e s s e r als B = bedeutet Überdüngung!
Überdüngung: meist zuviel N. Blätter schlaff. Spitzen sterben ab, Verfärbung
Richtung Gold bis Braun. Symptome wie bei Mangelkrankheiten.
Treten jedoch vergleichsweise plötzlich auf.
Behandlung: Auslaugen. 3-4 cm der oberen Erdschicht entfernen. Wässern, bis
1/2 des Volumens des Topfes an Wasser aus dem Topf wieder her-
ausgelaufen ist.

PRAKTISCHER ABLAUF
DER ANBAU VON CANNABIS UNTER KUNSTLICHT:
Bereits abgehandelte Voraussetzungen: Beleuchtungsanlage (Leuchtstoffröhren, Glüh-
birnen, Entladungslampen und passende Leuchten samt Reflektoren, Rahmenkonstruk-
tion), lichtisolierter Raum (Tarnung), Fußboden mit Folie ausgelegt (um Wasserschäden
zu vermeiden), Reflektoren (Alufolie oder weiße Plastikplane) um die Pflanzung herum,
Behälter mit Erde gefüllt.
SAAT
In feuchte Erde 6-12 mm tief. Lage des Samens unerheblich! 6 Samen je Topf oder
1-2 Samen je kleines Töpfchen (0,2 I) oder ein Same je Abschnitt eines Eierkartons.
Samen andrücken (= mehr Kapillarität = gleichmäßigere Befeuchtung). Feucht halten -
Topf mit Folie (Alu- oder Frischhalte-) überspannen (= Feuchtigkeit kann nicht verdun-
sten). Papp- oder Plastikbecher über Saatstellen stülpen.
Keimung: braucht gleichmäßige Feuchtigkeit. Optimale Temperatur: 15-22°C. Keimung
braucht 3-7 Tage.
Vorkeimen: Samen zwischen zwei Lagen feuchtes Material (Watte, Papier, Tex-
til, Torf etc.). Gleich nach Erscheinen des Keims in die Erde setzen,
sonst Nachteile!
SÄMLING
Wasser: kleine Töpfe 2mal je Woche gießen
größere Töpfe alle 1 -2 Wochen gießen
Leuchten: Abstand: 50 cm über den Töpfen oder ausgeschaltet bei Keimung.
5-15 cm über Töpfen, sobald Keim sichtbar
(10-20 cm bei Hochleistungs-Leuchtstoffröhren)
Korrektur alle 4-7 Tage
Vorsicht vor Hitzeschäden. Nie mehr als handwarm an
den Pflanzen!
Zeit: 16-18 Stunden täglich (bis zur Blüte = 3-6 Monate)
bis 22 Stunden täglich bei kleineren Anlagen oder gerin-
ger W/qm-Leistung.
Probleme: Lange dünne zerbrechliche gelbe Keime = zuwenig Licht
Schwarzbeinigkeit (Baktierienschmier, schwarz-braun, abwischbar,
am Fuß des Sämlings. Basis fault, Sämling knickt ab) = zu dichter
Stand, zuviel Wasser. Daher: Ausdünnen!

GRÖSSENENTWICKLUNG
AUSDÜNNEN wenn Jungpflanzen zu dicht stehen und sich behindern. Nach Bedarf
nach und nach auf 1 Pflanze je Topf ausdünnen.
Verhältnis: männlich : weiblich = 1 : 1
Männlich: mehr Kraut und größer während Jugend; weiblich: mehr Wurzel und kleiner
und feiner.
Daher: nicht nach Größe ausdünnen, sonst letztlich mehr männliche Pflanzen!!

UMPFLANZEN
1-2 Wochen in noch freie Töpfe (mit Eßlöffel ausgraben, viel Wurzelballen erhalten)
2.-3. Woche 0,2 l oder 7 cm
3.-4. Woche 0,5 l oder 10 cm
4.-5. Woche 2 l oder 15cm
7.-8. Woche 8 l oder 20 cm
ca. 10. Woche 10-25 l
Umpflanzen und Auspflanzen (Freiland), Vorgang:
1. Pflanzgut vorher reichlich gießen
2. Pflanzgut mit möglichst viel unzerstörtem Wurzelballen aus Erde herauslösen
(mit Eßlöffel, kleiner Schaufel etc.)
3. In vorbereitetes Pflanzloch setzen. Nicht tiefer pflanzen als zuvor. Nicht anhäufeln.
4. Erde andrücken (= bessere Wasserversorgung durch mehr Kapillarität)
5. Gießen (nie direkt auf Pflanze oder rabiat)
Umpflanzen in größere Töpfe, Vorgang:
1. Gießen. Wurzelwerk hält alle Erde im kleinen Topf zusammen = richtiger Zeitpunkt
2. kleinen Topf entfernen
— Entwässerungsloch durchstoßen
— evtl. mit stumpfem Messer Wurzelballen von Innenseite des kleinen Topfes trennen
— Stamm greifen und Topf abziehen (gegen Topf klopfen, wenn widerspenstig)
3. großen Topf Grundfüllung. Freien Ballen daraufstellen. Seitliche Zwischenräume mit
Erde anfüllen
4. Gießen
Umpflanzen in Plastiksäcke, Vorgang:
1. Gießen
2. Bodenschicht in Sack füllen
3. kleinen Sack oder Topf oder Torftopf oder Pflanze mit Ballen daraufstellen
4. seitlich auffüllen und gleichzeitig kleinen Behälter zerschneiden/entfernen
5. Gießen
Grundsätzlich: nicht in verschiedenartige Erde pflanzen! (Gleichartige Erde von Pflanz-
gut und neuer Umwelt). Möglichst wenig Wurzeln zerstören!

STÜTZEN
Erforderlich bei zu geringem Stengelwachstum. Ursache meist Geilwuchs: zuwenig Licht
(zu viel Abstand Leuchte—Pflanze, zuviel Rotanteil = Höhenwuchs bei gleichzeitig zuwe-
nig Blau), Überdüngung (selten).
Material: Pflanze klein Bleistifte, Pfeifenreiniger
Pflanze größer Bambus, Draht, Stöcker
Befestigung: lockere, weite Schlaufen (sollen bei zunehmender
Größe der Pflanze nicht einschneiden!!) — Gummi-
ringe, Schnur, Draht (Vorsicht), Klebeband
Trick der Baumschulen: Täglich schütteln (imitiert Wind) stärkt Stengelwuchs.
Gleiche Größe: Der Größe nach aufstellen und Leuchte schräg hängen oder durch Unter-
bauen Pflanzenspitzen auf gleiche Höhe bringen.

BESCHNEIDEN
Sproßspitzen enthalten wuchshemmendes Hormon. Je höher in der Pflanze desto mehr
Hormon (Saftgleichgewicht).
Schnitt —> nächsthöhere Spitzen übernehmen Hormonproduktion. Kurzzeitig fällt Hor-
monwirkung weg. Daher: neue Sprosse in höhergelegenen Blattachseln.
Herunterbinden: Pflanzenspitze wird zur Erde gebogen. Die nun höchsten Seitenäste
treiben enorm aus.
Methode: 1. Schnitt zwischen 5. und 6. Nodie
(Pflanze ca. 45 cm hoch, mind. 6 Nodien, 4-5 Wochen alt)
dann: 5-8 Seitenäste entwickeln (bei schlanken Sorten wie
Mexiko), 8-12 bei stämmigeren Sorten.
2. Schnitt wenn die neuen Seitentriebe mindestens vier Nodien
lang sind. Nur Spitzen schneiden.
3. Schnitt der nach dem zweiten Schnitt ausgetriebenen Sprosse
im Alter von 3-4 Monaten.
Danach nicht mehr beschneiden, sondern Blüte abwarten.
Erziehungsschnitt: für Breitenwachstum oder besondere Pflanzenformen. Jeweils
den in die gewünschte Richtung zeigenden Trieb stehen lassen, meist
nach unten weisende Triebe.
Effekte: Wuchskraft verteilt sich auf mehr Triebe. Daher kürzere Internodien (= gedrun-
generes Wachstum), kleinere Blätter, buschigere, kleinere, dichtere, breitere und niedri-
qere Pflanzen. Mehr Blattmasse je Fläche und Raum.
BESONDERE KULTURFORMEN
Hydrokultur: Alle Nährstoffe liegen in Wasserlösung vor. Pflanzen sind an Gerüsten oder
von oben herabhängenden Fäden befestigt. Wurzeln hängen frei in der Nährlösung oder
durchziehen einen mit Kies gefüllten Nährlösungsbehälter.
Vorteil: Alle Nährstoffe können exakt dosiert und kontrolliert werden.
Nachteil: Nur synthetische Düngung möglich. Wasser muß umgewälzt werden (wegen
Sauerstoff). Pflanzen können nicht ohne Schwierigkeiten an eine andere Stelle bewegt
werden (Stütz- und Rankvorrichtungen hindern).

Erdfreie Substrate: Kompromiß zwischen Hydrokultur und Topferde. Nur relativ neu-
trale Bestandteile werden verwendet. Düngung mit gelösten Nährsalzen.
1 Teil Perlite
auf 2 Teile Torf/Vermiculite als organischer Schwamm
bei 10% Sand/Kies wegen Gewicht- Standfestigkeit
1 Eßlöffel Dolomitgesteinsmeht
od. 4 Eßlöffel Holzasche
od. 3 Eßlöffel Kalk (CaCO 3 )je 4 l Gemisch
Töpfe: 5-15 l Inhalt, 10 l (kleinere Gefäße müssen sehr häufig gegossen und gedüngt
werden). - Vorteil: Völlige Nährstoffkontrolle. Pflanzen tragen sich selbst.
Keimung: besser in kleinen Erdtöpfen (z.B. 0,2 l Pappbecher) keimen. In der 2. bis 3.
Woche ins erdfreie Substrat setzen. Jiffy-pots seitlich mit Messer anritzen, damit Wur-
zeln gut herauskommen können.

Düngung:
Spurenelemente: halbe bis normale Dosis bei Beginn. Evtl. ein zweites Mal nach 4 Mona-
ten. Meist von Hause aus genügend Spurenelemente in Kalk und Dün-
gern oder Wasser. Zur Sicherheit einige Eisenfeilspäne oder rostige Nägel
dem Substrat beigeben.
N -P - K: ausgeglichen oder höherer N-Anteil (z.B. 20-20-20, 20-10-10 etc.), Be-
darf: Test wie bei Topfpflanzen (1 Pflanze erhält halbe, 1 Pflanze dop-
pelte, alle anderen normale Düngung).

Ca: 1 Eßlöffel Kalk oder 2 Eßlöffel Holzasche (je 2 l Substrat)


Mg und S: 1/8 Teelöffel je 1 Teelöffel 5%iger Dünger. MgSO4 oder Dolomitmehl.

Überdüngung: sorgfältig auslaugen. Mehrere Liter Wasser durch jeden Topf laufen lassen.
10 Tage nicht mehr düngen. Künftig vorsichtiger düngen.
BLÜTE

AUSLÖSUNG DER BLÜTE


Als typische Kurztagspflanze beginnt Cannabis im zeitigen Herbst zu blühen wenn die
tägliche Dunkelperiode zwischen 11 und 13 Stunden lang ist (je nach Sorte). Manche
Faserhanfsorten blühen bereits bei Nächten von nur 9-10 Stunden Länge, einige tropi-
sche Sorten brauchen allerdings 13 Stunden Nacht, um ihr lichtempfindliches Blüte-
hormon zu Aktivität zu wecken.
Weder unter künstlichen Bedingungen, noch im Freiland wird man den Zeitpunkt der
Blüteauslösung dem Zufall überlassen wollen.
Bei Kunstlicht: Langtag (vegetative Phase): 16-20 Stunden Licht täglich.
Kurztag: (Blüteauslösung): 10-12 Stunden Licht täglich.
Freiland: Blüte wenigstens 4 Wochen vor Frost. Daher Nachhelfen (2 Wochen vor
geplanter Blüte):
1. Topfpflanzen abends in den Schatten stellen (Keller, Garage, Scheu-
ne, Gartenhaus, schattige Stelle) — oder
2. Freilandpflanzen abends lichtschützend abdecken (schwarze Plastik-
folie, Zeltplane, dreifacher schwarzer Müllsack, Pappkarton über-
stülpen). Morgens zwischen 8 und 9 Uhr entfernen.
Die Pflanzen sprechen auf die neue Photoperiode innerhalb von 10-15 Tagen an.

Wertung: Oft gehen Cannabispflanzen in unserem Klima nur vernünftig in Blüte, wenn
man nachhilft. Mitunter reichen ein paar Tage Abdunklungsbehandlung, um die Blüte
auszulösen, da die Pflanze ohnehin auf der Kippe stand. Vorteilhaft (siehe Alter) ist in
jedem Fall die Vorkultur der Freilandpflanzen. Künstliche Blüteauslösung sollte Ende
August einsetzen und bis zur Blüte durchgehalten werden, je nach Sorte, Alter, Ge-
schlecht und Umwelt 3-15 Tage. Zeigen sich die ersten Blüten, setzt man die Behand-
lung noch ein paar Tage (2-5) fort. Ab Mitte September schlägt eine eingeleitete Blüte
garantiert nicht mehr auf vegetative Phase um.

BLÜTE UND GESCHLECHT


GESCHLECHT
Cannabis ist zweigeschlechtlich (= zweihäusig), es gibt männliche und weibliche Pflan-
zen. Das Geschlecht wird bei der Befruchtung festgelegt. Mit der weiblichen Eizelle
(X-Chromosom) verschmilzt bei der Befruchtung die Erbanlage des männlichen Pollens
(entweder ein X- oder ein Y-Chromosom). Ergebnis: das Geschlecht des künftigen
Samens ist entweder weiblich (XX) oder männlich (XY). Unter normalen Bedingungen
treten gleichviele weibliche wie männliche Pflanzen auf.

SINSEMILLA

Sinsemilla ist die spanische Bezeichnung


für „ohne Samen". Eine weibliche Pflanze
wird nicht bestäubt und kann daher keine
Samen ausbilden. In ihrem Erbprogramm
ist sie aber so ausgelegt, daß sie bis zur
Erschöpfung immer wieder neue weibli-
che Blüten austreibt, bis eine ausreichen-
de Befruchtung der Pflanze gesichert ist
(Erhaltung der Art).
Wird die Bestäubung durch Entfernen
der männlichen Nachbarpflanzen verhin-
dert, kann die Blüte um mehrere Wochen
ausgedehnt werden. Immer neuer Blüten-
austrieb erhöht die Ernte an hochpoten-
ten weiblichen Blütentrauben entspre-
chend beträchtlich. Selbst wenn einige
wenige Blüten an einer Pflanze befruchtet
sind, bleibt der Blühimpuls erhalten.
Das Sinsemilla-Erntegut hat keinen hö- eine optimale Ausbeute versprechen. Um
heren Harzgehalt oder gar eine andere auch im Freiland die um Wochen längere
Harzzusammensetzung als die entspre- Blüte der Sinsemilla-Pflanzen auszunutzen,
chenden Teile bestäubter Schwestern- wird man meist nicht die natürliche spät-
pflanzen. Allerdings enthält das Marijua- sommerliche Auslösung der Blüte abwar-
na nicht die sonst üblichen 50 Gewichts- ten, sondern durch Dunkelbehandlung
prozente Samen und die Blütenmenge (= Säcke oder Planen über die Pflanzen
je Pflanze oder je qm liegt erheblich ziehen, um so künstlich die Nacht schon
höher als bei bestäubten Plantagen. im Sommer auf ca. 12 Std. zu verlängern)
die Blüte vorverlegen. Dann können die
Wertung: Mit Ausnahme der wenigen zur
Samenproduktion gedachten Pflanzen klimatisch günstigeren Bedingungen des
(dort künstliche Bestäubung) wird meist Sommers voll in den Dienst der Blüte
die Produktion von Sinsemilla-Pflanzen und damit der Produktion der potente-
angestrebt, weil diese in jeder Hinsicht sten Pflanzenteile gestellt werden.

ZWITTER UND GESCHLECHTLICHE ABWEICHUNGEN


Normalerweise ist jede Cannabispflanze entweder weiblich (XX-Chromosomenpaar, aus-
schließlich weibliche Blüten an der Pflanze) oder männlich (XY-Chromosomenpaar, aus-
schließlich männliche Blüten an der Pflanze). Bei Zwittern (= Hermaphroditen) finden
sich sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale an einer Pflanze.
a) unnormale Blüten (weibliche Blüten mit Staubbeuteln etc.): selten und meist umwelt-
bedingt
b) Pflanzen mit etwa gleichviel weiblichen und männlichen Blüten
c) weibliche Pflanzen (XX) mit einigen männlichen Blüten
d) männliche Pflanzen (XY) mit einigen weiblichen Blüten
e) im Laufe der Entwicklung wandelt sich das Geschlecht (unter künstlichem Licht bei
extremer Photoperiode z.B.)
Wertung: Zwitter sind selten. Eine einzelne andersgeschlechtliche Blüte kann man aller-
dings häufiger einmal bei Cannabispflanzen finden. Deutliche Zwitter bleiben in Wuchs
und Potenz hinter normalgeschlechtlichen Exemplaren zurück.
Nutzen: bilden sich auf einer weiblichen ( X X - ) Pflanze vereinzelt männliche Blüten, so
enthalten deren Pollen ebenfalls ausschließlich weibliche Merkmale (also 100% X anstatt
wie bei normalen Pollen von männlichen Pflanzen 50% Pollen mit X und 50% mit Y).
Werden diese genetisch weiblichen Pollen durch künstliche Bestäubung auf weibliche
Blüten (von weiblichen Pflanzen) gebracht, fallen die so entstehenden Samen allesamt
weiblich aus!
Auslöser für Zwitterbildung: Lichtmangel, UV-Licht, extreme Photoperiode, niedrige
Temperaturen, Verletzungen, starker Rückschnitt, Stoffwechselstörungen (zuviel oder
zuwenig Nährstoffe), Überalterung, Chemikalien (Alkaloide wie Colchicin). Photoperio-
de hat den deutlichsten Einfluß. Es werden Methoden zur Manipulation des Geschlech-
terverhältnisses unter künstlichem Licht empfohlen. Es ist zwar möglich den Anteil der
weiblichen Pflanzen (4 Monate bei 18 Std. täglich aufgezogen) dann durch extrem kurze
Lichtzeiten (unter 11 Stunden täglich) erheblich zu erhöhen und so auch Geschlechts-
umwandlungen nach weiblich zu provozieren. Meist wird allerdings nach der bewährten,
komplikationsarmen, sicheren Methode des Aussortierens der unerwünschten männli-
chen Exemplare angebaut.

GESCHLECHTSBESTIMMUNG
Man kann das Geschlecht einer Cannabispflanze erst sicher bestimmen, wenn sie ihre
männlichen oder weiblichen Blüten ausbildet. In der Literatur finden sich viele Faust-
regeln, die jedoch überwiegend wertlos sind (wieviele Blattfinger pro Blatt, gegenstän-
diger oder wechselständiger Blattansatz, Größe etc.)
Anhaltspunkte: bis zur 8. Woche fast gleich. Männliche Pflanze eher etwas kräftiger und
raschwüchsiger, aber weniger verzweigt. Weibliche Pflanzen zeigen mitunter deutlichere
Knoten (= Nodien), wo Blätter aus dem Stengel entspringen.
Frühreife Blüten sind teilweise nicht voll ausgebildet. Männliche Blüten weisen einen
Stiel auf, weibliche sind ungestielt und erinnern eher an ein Blatt. Frühreife weibliche
Blüten treten sowohl an männlichen als auch an weiblichen Pflanzen auf, Geschlechts-
bestimmung daher nicht sicher, Wahrscheinlichkeit allerdings leicht zugunsten eines
letztlich weiblichen Geschlechts: je mehr weibliche Blüten desto wahrscheinlicher weib-
lich. Männliche frühreife Blüten können ausschließlich auf männlichen Pflanzen auftre-
ten.
Vorblütenstadium: 10-14 Tage vor Blütebeginn streckt sich die männliche Pflanze, fri-
sche Austriebe weisen erstaunlichen Abstand zwischen den Blattknoten (= Internodien)
auf. Die männliche Pflanze bekommt spätestens jetzt ihr schütteres Aussehen. Ganz im
Gegensatz dazu verringern sich bei der weiblichen Pflanze die Abstände zwischen den
Nodien, sie gibt sich eine typisch buschige Erscheinung.

PROBLEME

NÄHRSTOFFMÄNGEL:
Lichtmangel: wenn Lichtquelle mehr als 100 cm entfernt. Untere Teile der Pflanze stär-
ker betroffen.
Mobile Nährstoffe (N, P, K, Mg, B, Mb) = Symptome erscheinen zuerst in den unteren
Teilen der Pflanze und setzen sich nach oben hin fort.
Nicht bewegliche Nährstoffe (Ca, S, Fe, Cu, Mn, Zn) = Symptome zuerst an den Sproß-
spitzen, setzen sich zu unteren Teilen fort.
Chlorose: Blätter werden gelb bis weißlich, weil zuwenig Chlorophyll. Heilbar.
Nekrose: Abgestorbenes Gewebe, trocken, braun bis grau. Nicht mehr heilbar.

Mangel an N: schleppender Wuchs. Vergilben von unten nach oben. Gesamtes Blatt
gleichmäßig betroffen. Später sterben Blattspitzen und Nekrosestellen
der Blätter. Rote Stengel und Blattstiele. Kleinere Blätter. Blattabwer-
fen rasch von unten nach oben. Häufigster Mangel.
Erholung nach N-Düngung innerhalb 3-4 Tagen.
P: sehr langsamer, kleiner und kümmerlicher Wuchs. Blätter kleiner und
dunkelgrün, Stengel und Blattstiele rötlich. Evtl. rötliche Einfärbung
der Blätter von Adern ausgehend (Blattunterseite). Langsame Gelb-
Verfärbung der Pflanze von unten aus. Selten.
Rasche Erholung nach P-Düngung.
K: normale Entwicklung, aber Blattspitzen braun und nekrotisch. Nekrose
besonders am Blattrand, manchmal zuvor chlorotisch gescheckte Blätter.
Rote Stengel und Blattstiele. Flecken meist erst an den älteren Blättern.
Selten. Behandlung nicht unbedingt erforderlich.
Ca: selten. pH-Wert prüfen und entsprechend kalken. 1 Teelöffel Dolomit-
gesteinsmehl je 1 l Gießwasser.
S: sehr selten. Ähnelt N-Mangel, beginnt jedoch an Triebspitzen. Mit Mag-
nesiumsulfat (= MgSO4) bekämpfen.
Mg: gelegentlich. Spitzen der Blätter sterben, Blätter rollen sich ein. Zuerst
Triebspitzen fast weiß, Blätter rollen sich auf. Blätter fast weiß mit grü-
nen Adern. Auch untere Blätter sind betroffen. 1/2 Teelöffel Mg-Sulfat
(= MgSO 4 ) je 1 l Wasser. Nach 3-4 Tagen Normalisierung. Zuerst auf
Blätter sprühen, wenn das nicht hilft dem Substrat beimischen.
Tritt häufig bei Hydrokultur oder erdfreien Substraten auf.
Fe: selten. Beginnt an Triebspitzen. Blätter chlorotisch, Adern grün. Untere
Blätter nicht betroffen.
Eisenfeilspäne in Erde mischen, Nägel in Erde oder in Stamm treiben.
pH-Wert überprüfen, evtl. sehr sauer.

Spurenelemente: sehr selten, meist in Wasser oder Düngern oder Erdmateria-


lien ausreichend vorhanden. Im Zweifel oder bei Hydrokultur Spuren-
elementdünger. Nur halbe angegebene Dosis verwenden.
Mn: sehr selten. Erst chlorotisch, dann nekrotisch, Flecken auf Blättern. Vor-
wiegend bei jungen Pflanzen.
B: Triebe braun bis grau. Sehen „verbrannt" aus. Borwasser (Drogerie zum
Augenausspülen}
Mb: selten. Beginnt in der Mitte der Pflanze, breitet sich dann auf obere
Teile aus. Neue Blätter mißbildet oder verdreht.
Zn: Chlorose von Spitze und Rändern der Blätter ausgehend. Verbogene ge-
drehte Blätter. - Verzinkter Nagel in Erde oder Stamm.
Cu: sehr selten. Nekrose von Spitze und Rand der Blätter ausgehend. Blätter
schlaff. Kupfervitriol oder Cu-haltiges Fungizid spritzen. Kupferspäne
in Erde.
ERNTE DER PFLANZE

Die Pflanze wird gleich über dem Boden abgeschnitten. Größere Pflanzen werden in arm-
lange Teile zerschnitten, da diese besser zu handhaben sind.
Transport frisch geernteter Pflanzen: Die frisch geernteten Pflanzen werden zu lockeren
Bündeln zusammengebunden oder locker in Kisten oder Säcke verpackt, um sie dann
sofort zum Trockenplatz zu bringen. In luftundurchlässigen Behältnissen (z.B. Plastik-
tüten) beginnt das Material nach wenigen Stunden zu fermentieren und ungünstigenfalls
zu schimmeln und faulen.
Aufbewahrung: In der Pflanze selbst wird das Harz in luftdichten Behältern hergestellt
und aufbewahrt, den Drüsenköpfen nämlich. Sucht man nach einer Lagerungsmethode
der Pflanzenteile mit möglichst wenig THC-Verlust, sollten die Pflanzenteile möglichst
vollständig und unbeschädigt aufbewahrt werden. Daher wird schon bei der Ernte und
beim Transport darauf geachtet, daß die Pflanzen und besonders die wertvollen Blüten-
stände nicht zerquetscht oder zerrieben werden. Auch das getrocknete Pflanzenmaterial
wird in lockeren Bündeln eingelagert und keinesfalls zerkleinert oder gar zu Pulver
zerrieben.

Mögliche Weiterverarbeitung

TROCKNUNG UND WEITERVERARBEITUNG

Grundsätzlich wird bei allen Trocknungs-, Fermentierungs- und Weiterverarbei-


tungsmaßnahmen die betreffende Arbeitsstelle mit Folie oder Zeitungspapier etc.
ausgelegt damit von den Pflanzen abfallende Teile aufgefangen werden und nicht
verlorengehen!!

Zuerst werden die Pflanzenteile sortiert. Alle weiblichen Blütentrauben werden separat
gelegt, ebenso jeweils alle männlichen Blutenstände, die kleinen Blätter, die großen Blät-
ter, die Stengelteile. Nach der Trocknung wäre diese Arbeit sehr schwierig, da die Teile
bei Berührung zerfielen. In jedem Falle wird den frisch geernteten Pflanzenteilen das
Wasser entzogen, das 85-90% ihres Frischgewichtes ausmacht.
BLÄTTER

Je jünger desto potenter. Kurz vor der Blüte muß allerdings mit einem erstaunlichen
Einbruch in der Potenzkurve gerechnet werden. Dafür sind während der Blüte gebildete
Blätter besonders potent. Nach der Blüte austreibende Blätter sind wieder wirkstoff-
ärmer.
Die großen Blätter des Stammes sind kaum wirksam, sorgen jedoch in starkem Maße
(große Oberfläche) für Photosynthese und damit Versorgung der Pflanze. Keinesfalls
entfernen, weil sonst Gesundheit und Wuchskraft leiden.
Menge: nicht jedes neu austreibende Blatt ernten. Nicht zu oft. Nicht zuviele Blätter
gleichzeitig.
Triebe: je jünger desto potenter. 1. Schnitt in der 4. Woche Stamm (zwischen 5. und 6.
Internodie) = wenig potent. Dann Entwicklung von gleichberechtigten Seitentrieben
(mindestens 6). 2. Schnitt nach 6-8 weiteren Wochen. Dabei müssen nicht alle neuen
Triebspitzen entfernt werden. 3. und 4. Schnitt möglich (Behandlung der Pflanze wie
eine Hecke).
Zeitpunkt: nicht in einer Regenperiode (zuviel vegetative Wuchsimpulse), sondern erst
10 Tage später (höhere Potenz).

BLÜTEN
Männlich: Nach Öffnung der ersten Blüten (damit auch keine unerwünschten Pollen
ausfallen) spätestens. Nach Bestäubung fallen Blüten ab. Potenzunterschiede zwischen
Vorblüte und Hauptblüte gering. Schnitt über dem Boden und zum Trocknen kopfüber
aufhängen.
Weiblich: Ernte bei Nachlassen des Blüteimpulses = deutlich weniger neue Blüten werden
ausgebildet, 5 Tage später höchste Potenz der Blütenstände. Ernte, wenn 50% der
Narben einer Blütentraube noch frisch (= weißlicher Belag auf den Narben), 50% bereits
verwelkt (trocken, bräunlich) sind. Harzdrüsen noch immer vorwiegend durchsichtig
oder milchig, kaum braun oder goldfarben.
Ernte entweder der gesamten Pflanze (bei gleichzeitig Blüten austreibender Sorte) oder
Blütentraube für Blütentraube (bei ungleichmäßig reifenden Sorten).
Schnitt über dem Boden oder mit Wurzel ausziehen und kopfüber zum Trocknen auf-
hängen. Oder: die betreffenden Blütenstände einzeln abschneiden und trocknen.

Samenproduktion: Bei Reife fallen die Samen aus der Pflanze aus. Man legt Planen um
die Pflanze herum, damit die reifen Samen nicht verloren gehen. Die Pflanze wird,
solange es die Witterung erlaubt, stehen gelassen, selbst dann werden die Samen im
oberen Teil der Pflanze noch nicht voll ausgereift sein.

Probleme bei der Blüte


Schlechtwetter: Regen, Nässe, Kälte schaden der Blüte. Schon bald welken die weib-
lichen Narben. Ernte 5-7 Tage nachdem erheblich weniger neue
Blüten ausgetrieben werden (unabhängig vom Aussehen der älteren
Blüten).
Frost: wie Schlechtwetter. Kurze Frosteinbrüche werden vertragen. Das
Harz leidet nicht unter diesen Temperaturen.
Schutz: Gegen Nachtfröste und starke Regenfälle (würden mit der Wucht
der Regentropfen die lose sitzenden Drüsenköpfe abschlagen und
fortspülen) werden Planen oder Säcke über die Pflanzen gedeckt.

Zweifache Blüte: 2/3 der Pflanze ernten. Gut düngen (N, P, Mg). Es erfolgt ein Neu-
austrieb.
Freiland: in Deutschland nicht möglich.
Im Haus: Rückschnitt auf ca. 70 cm Höhe (wie Hecke behandeln), untere
Äste belassen (auch kahle!). 12 Stunden Licht täglich. Zweite Blüte
nach 4-8 Wochen. Dritte Blüte bei besonders vitalen Pflanzen mög-
lich.
Anwendung von Spritzmitteln: Spritzmittel ansetzen und filtern (durch einen Damen-
strumpf). Das Präparat wird verdünnt und in eine kleine Gartenspritze oder (bei kleinen
Problemen oder Pflanzungen) in einen Zerstäuber gefüllt und versprüht. Tiere, Kinder
und man selbst sind vor evtl. Folgen besonders bei starken Giften zu schützen. Blatt-
unterseiten werden bevorzugt heimgesucht, daher muß ihnen ein Hauptinteresse gelten.
Sortieren. Verschieden potente Pflanzenteile werden jeweils separat weiterverarbeitet:
weibliche Blütentrauben, männliche Blütenstände, kleine Blätter, größere Blätter, die
Stengelteile. Die aus den weiblichen Blütenständen herauswachsenden kleinen Blätter
können abgeschnitten und den kleinen Blättern zugeordnet werden.
Fermentieren: Wie auch bei der Fermentation von Tabak oder Tee wird durch den Ein-
fluß von pflanzeneigenen Enzymen und Sauerstoff und evtl. mit Hilfe von Bakterien
höhermolekulare Kohlehydrate (Stärke) in Zucker umgewandelt, Chlorophyll abgebaut
etc. Hierdurch verliert das Marijuana die grüne Farbe (= Chlorophyll) und das Kratzen,
das Aroma beim Rauchen wird insgesamt feiner und runder.
Jede Fermentation schließt mit einer Trocknung ab. Bereits getrocknetes Material oder
trockene Reste bei der Haschischgewinnung können ebenfalls später befeuchtet und fer-
mentiert werden.
Trocknen. In jedem Falle muß den frischen Pflanzen ihr Wasser entzogen werden
(85-90% des Frischgewichtes), weil sie sonst zu Humus verrotten würden. Je länger und
stärker Sauerstoff und Wärme auf die Pflanzenteile wirken können, desto höher ist der
Abbau von THC zu CBN. Trocknung findet daher grundsatzlich im Dunklen statt.
Temperatur: zerstört THC und verdunstet die für das Aroma wichtigen ätheri-
schen Öle, ist andererseits wichtiger Bestandteil der Verdunstung
von Wasser (warme Luft kann mehr Wasser je m3 aufnehmen als
kühle). Mittlere bis niedrige Temperatur: bis 25°C bedeutet lang-
same gleichmäßige Trocknung mit wenig Aroma- und THC-Verlust.
Hohe Temperatur: 30-45°C bedeutet schnelle Trocknung mit ent-
sprechend höheren Verlusten. Kann mit Heizung und Ventilator
durchgeführt werden. Heiße Temperatur: über 50°C sehr schnelle
Trocknung bei mittlerem bis hohem THC-Verlust und gänzlichem
Verlust vieler leichtflüchtiger Aromastoffe. Im Ofen, über dem
Ofen.
Luftfeuchtigkeit: Je höher die Luftfeuchtigkeit desto langsamer die Trocknung.
Luft: die Luft wird bei der Trocknung mit Wasserdampf angereichert,
der aus den Pflanzen verdunstet ist. Es muß daher immer mehr
oder weniger frische (trockenere) Luft zugeführt werden.

PRAXIS

FERMENTATION

1. a) In einem geschlossenen Raum (Temperatur über 18°C) werden Cannabispflanzen


(-teile) dicht an dicht, ohne sich allerdings zu berühren, auf zuvor gespannte Drähte
oder Schnüre gehängt. Keine Lüftung (= hohe Luftfeuchtigkeit), bis die Blätter
ihre grüne Farbe verloren haben und zu verblassen beginnen.
b) Lüftung (= Fenster, Tür, Lüftungsschlitze bei Verwendung einer besonders für die-
sen Zweck umgebauten Räumlichkeit/Garage/Scheune) leicht öffnen. Temperatur
und Luftfeuchtigkeit sinken. Fermentation weiterführen, bis die grüne Farbe gänz-
lich verschwunden ist (= völliger enzymatischer Abbau von Chlorophyll).
c) Lüftung voll öffnen und Material trocknen (wie Tabak sollte es am Ende der
Trocknung bei Reiben zwischen Daumen und Zeigefinger nicht zu Pulver zerfal-
len, sondern elastisch sein).
d) Probleme: bei kaltem Wetter tritt vielleicht vor Abschluß der Phase (a) Schimmel-
bildung auf. Dann bei Gefahr mit Heizlüfter Temperatur auf 30°C heben. Dauer
der gesamten Fermentation 1-5 Wochen. Nur für große Mengen geeignet.
2. Fermentation im kleinen: Als Fermentationsraum dient eine Plastikschachtel mit
Belüftungslöchern an der Oberseite. Diese schwimmt in einem Wasserbad (großer
Topf etc.), das mit einem Aquarienheizstab mit Thermostat, einem Tauchsieder oder
Elektroherd auf der gewünschten Temperatur gehalten wird.
a) Temperatur 33°C. Cannabis locker gepackt, Lüftung praktisch geschlossen. Nach
ein paar Tagen Verfärbung von grün zu blaß oliv.
b) Dann auf 37°C, bis kein Grün mehr sichtbar ist. Lüftung leicht öffnen,
c) Schließlich bei 45°C und Lüftung offen, oder außerhalb der Schachtel trocknen.
3. Mikrobielle Fermentation
a) Große Mengen:
Blütenreiche Äste werden zu einem Haufen von 30 cm Höhe und wenigstens
50 x 50 cm Seitenmaß aufgeschichtet. Aufwärmung durch rege Mikrobentätigkeit
innerhalb weniger Stunden (wie beim Kompostieren). Ständig Temperatur kon-
trollieren (nicht über 40°C). Farbwechsel nach braun sehr rasch, täglich Haufen
umsetzen und ausreichend fermentierte Zweige entnehmen und nachtrocknen.
Vorsicht vor Schimmelbildung und Fäulnis (muffiger Geruch). In diesem Falle
wird sofort unterbrochen und getrocknet.
b) Kleine Mengen (schnell):
Grass wird fest in einen Papiersack (evtl. mehrlagig) gesteckt und dieser in die
Sonne gelegt. Die Sonnenwärme bringt die mikrobiellen Vorgänge in Bewegung
und sorgt durch Verdunstung des Wassers in den Pflanzen für die nötige Luft-
feuchtigkeit im Sack. Sonst wie (a).
Fermentation: bei 50-60°C künstlich erzeugter Temperatur und Luftfeuchte über
75°C fertig nach 7 Tagen.
Oder: große Mengen zu einem Haufen oder in einem Faß. Nach ein paar Tagen
umsetzen etc. etc.
c) Kleine Mengen (langsam):
Frisches Grass wird in Plastiksäcke eingerollt. Alle 5 Tage eine Stunde Öffnen, um
Kondenswasser verdunsten zu lassen. Material und Rotte werden täglich überprüft.
Bei Raumtemperatur kann dieser Vorgang über 30-40 Tage durchgeführt werden.
Dann trocknen. Wird bei schlechten Qualitäten durchgeführt. Die Mikroben ver-
zehren ein Teil der Zellsubstanz, greifen jedoch die Harzstoffe nicht an. Daher in-
direkte Konzentrationssteigerung bei gleichzeitigem Trockengewichtsverlust.
Fermentation: In den USA werden angewelkte Pflanzen zu 500 g-Ziegeln gepreßt,
welche auf dem Transport fermentieren. Zugabe von Zucker erhöht bei der kom-
merziellen Marijuanaherstellung die Mikrobentätigkeit und verleiht dem Produkt
eine gewisse vom Laien mit hohem Harzgehalt verwechselte Klebrigkeit. Zucker-
rückstande lassen sich durch Rauchen leicht erkennen. Man kann sich mit dem Ge-
schmack und Geruch von verbrennendem Zucker vertraut machen, wenn man mil-
des Grass oder eine milde Tabakzigarette mit Zucker bestreicht und raucht.
Sonnenbräune: Der grüne Blattfarbstoff (= Chlorophyll) wird unter dem Einfluß von
UV-Licht, also auch Sonnenlicht, zerstört. Ein Glas, eine transparente Plastiktüte oder
der Zwischenraum zwischen zwei Glasscheiben oder Plastikplanen wird mit Grass gefüllt
und von der Sonne bestrahlt. Wenden nach einem Tag. Nach zwei Tagen hat sich die
Farbe von grün zu bräunlich hin verändert. Allerdings muß mit einem gewissen THC-
Verlust (nicht entscheidend) gerechnet werden.

Auslaugen: Bereits getrocknetes Cannabiskraut wird in lauwarmem oder kaltem Wasser


(heißes Wasser würde Harze freisetzen, die dann auf der Oberfläche schwämmen) ein-
geweicht und einen Tag lang stehen gelassen. Ziel: Auslaugung der wasserlöslichen
Bestandteile wie Kohlehydrate, Proteine, Farbstoffe (= bis 30 Gewichts-%), die nicht
wasserlöslichen Harzstoffe bleiben in den Pflanzenteilen zurück. Der Sud wird abgeschüt-
tet und evtl. erneuert. Die Pflanzenteile werden schließlich getrocknet. Sie sehen braun
bis schwarz aus, sind geschrumpft und gedreht (ähnlich wie schwarzer Tee). Durch den
Verlust der wasserlöslichen Inhaltsstoffe kann indirekt der THC-Gehalt je Gramm um
bis zu 30% gesteigert werden. Unschönes Aussehen und völliger Aromaverlust müssen in
Kauf genommen werden.

Wertung Fermentation: Es handelt sich hier um qualitätsverbessernde Maßnahmen, die


den Genuß wie den Marktwert von Cannabis steigern und daher von professionellen Her-
stellern grundsätzlich durchgeführt werden. Laien wagen sich oft nicht an diese Arbei-
ten, weil sie einen Teil ihrer Ernte durch Fehler in der Fermentation zu verlieren befürch-
ten. Sie geben sich lieber mit dem unbehandelten ausschließlich getrockneten „Selbst
gezogenem" und seiner typischen grünen Farbe, seinem pfefferminzartigen Geruch und
seinem etwas kratzigen Raucharoma zufrieden. Vielleicht kann man mit anderen Kräu-
tern das Fermentieren trainieren und so die Scheu vor diesem Schritt verlieren.

TROCKNEN
Wassergehalt der Blätter 80-90%
der Blütenstände 70-80%
getrocknetes Grass 10-15%
Langsame Trocknung: Beim langsamen Trocknen findet noch immer eine gewisse Fer-
mentierung mit pflanzeneigenen Enzymen statt, wodurch der für schnell- und d.h. heiß
getrocknetes Grass typische unangenehme beißende und kratzende Rauch etwas abge-
mildert wird.
Vorgang: Pflanzen oder Pflanzenteile werden dicht an dicht ohne sich allerdings zu be-
rühren an einem trockenen und dunklen Ort an zuvor verspannten Drähten oder Schnü-
ren oder auf Trockengestellen aufgehängt. Die Trocknung sollte 7-15 Tage dauern (s.o.).
Soll die Trocknungszeit verlängert werden, legt man das Material in an den Seiten viel-
fach durchstochene Plastik- oder Papiersäcke. Eine gewisse Luftbewegung muß gewähr-
leistet sein, da sonst Fäulnis oder Schimmel entstehen würden, sie wird jedoch meist
auf das Mindestmaß beschränkt. Es wird sofort bei mittlerer Hitze getrocknet, wenn sich
Schimmel zeigen sollte.
Schnelle Trocknung: 30-45°C unter starker Luftbewegung (Heizer, Ventilator, über
Heizkörper). Trocknung nach 2-4 Tagen, Trockenraum kann viel dichter gepackt wer-
den, da keine Schimmelgefahr. Vorteile: geringer Raumbedarf, hohe Trocknungsge-
schwindigkeit. Nachteile: Aromaverlust, keine Fermentation (= kratziger Geschmack).
Heißtrocknung: 60-95°C über dem Ofen oder auf Blech im Ofen. Hohe Verluste in jeder
Beziehung. Methode für den Notfall (Schimmel, Polizei, minderwertiges Material). Keine
Nachteile, wenn das getrocknete Material extrahiert werden soll.
Trocknung an der Sonne: auf weißen Tüchern oder auf Wäscheleinen, evtl. mit Tüchern
abgedeckt. Rasche Trocknung. Umwandlung des Chlorophylls durch UV-Strahlung der
Sonne, daher bräunliches Aussehen, wenig THC-Verlust, wenn's schnell geht. Kratziger
Geschmack.
Gefriertrocknung: gleiche Menge frisches oder angewelktes Grass und Trockeneis ( - ge-
frorenes CO 2 ) in eine Dose mit Löchern im Deckel. Das verdunstende Trockeneis nimmt
etwas Feuchtigkeit aus dem Grass auf und entzieht ihm so das Wasser. Wenn alles Trok-
keneis verschwunden ist, ist das Grass getrocknet, verbleibt jedoch noch immer etwas
elastisch. Potenzsteigerung (wie oft behauptet) chemisch gesehen unwahrscheinlich.

PARFÜMIERUNG/AROMATISIERUNG
Wie auch Tee und Tabak läßt sich Cannabis aromatisieren. Man legt entsprechende Ge-
würze und Kräuter als Duftkissen oder auf Schnüre gereiht dem lagenweise zur Fermen-
tation aufgeschichteten Grass bei: Ingwer, Zimt, Muskat, Nelken, Vanille, Salbei, Hop-
fen etc. Zitronenschalen, Apfelschalen (= 40 g je 10 l Material)

Ammoniak wird bei der Zersetzung von Eiweißen frei. Der aus Pferdeställen und „Ajax"
bekannte Geruch kann bei einer mikrobiellen Fermentation auftreten und bedeutet kein
Alarmsignal.

Ordentlich aufgestellter Hanf in Oberbayem.


ZÜCHTUNG /SAATGUTPRODUKTION
Nur voll ausgereifte Samen sind sicher oder XY) fällt das Geschlecht des Nach-
keimfähig. Sie zeichnen sich durch kommen weiblich (= XX) oder männlich
dunkle Farbe, evtl. marmorierte Muste- (= XY) aus. Die Nachkommenschaft ist
rung und eine harte Schale aus. zu 50% weiblich und zu 50% männlich.

KÜNSTLICHE BESTÄUBUNG ZUCHTAUSWAHL


Mit einem Pinsel oder Wattebausch wer- Die einfachste Züchtungsform ist die Aus-
den die männlichen Blüten möglichst an wahl der besten also potentesten und
dem Tage der Öffnung der Staubbeutel gutwüchsigsten Exemplare als Eltern der
abgetupft. Die Pollen haften an den Pin- Folgegeneration. Um einem Abbau durch
selhaaren (bzw. Watte). Vorsichtig wer- Inzucht (= Vermehrung aus Geschwistern)
den die weiblichen Narben (= weißliches vorzubeugen, werden meist verschiedene
oder grünliches Aussehen deutet noch Sorten miteinander gekreuzt oder eine
vorhandene Fruchtbarkeit an, braune fremde Sorte in einen Bestand einge-
oder vertrocknete Narben sind nicht kreuzt.
sicher fruchtbar) hiermit betupft.
HYBRIDZÜCHTUNG
Oder: Ein durchsichtiger Plastikbeutel
wird über einen männlichen Blütentrieb Gelegentlich treten unerwartet gute
gestülpt, zugebunden und einen oder Wuchs- und Qualitätseigenschaften bei
zwei Tage so belassen (die Blüten sollten der Kreuzung zweier jeweils mäßiger oder
geöffnet sein). Die Pollen fallen in die schwacher Elternsorten auf (= Heterosis).
Tüte (durch Schütteln nachhelfen). Die Nur die direkte Folgegeneration (= F1 =
Tüte wird über eine ausgewählte weib- Filialgeneration 1 ) weist diese höchst er-
liche Blütentraube gezogen oder ihr In- wünschten Merkmale auf. In der zweiten
halt durch Schütteln nahe der Pflanze Generation (F 2 ) spaltet sich die Erban-
lage wieder in Anlagen der Elterngenera-
breit verteilt.
tion auf (Mendel'sche Gesetze). Die
Pollen bewahren ihre Fruchtbarkeit über Hybriden (= Kreuzungsprodukte) der
wenigstens 30—40 Tage vollständig. 15 F1-Generation müssen immer wieder neu
Tage alte Pollen produzierten in Ver- durch aufwendige künstliche Bestäubung
suchen (L1, 97) 20% mehr weiblich aus- erzeugt werden. Wer mit künstlicher Be-
fallende Samen als frische Pollen. stäubung seine Samen selbst herstellt,
erlebt gelegentlich das beschriebene Phä-
ZÜCHTUNG/KREUZUNG nomen. Er kann in den folgenden Jahren
durch immer wieder dieselbe Kreuzung
Erbregel: männliche Pflanzen enthalten sein F 1 -Hybridsaatgut produzieren.
einen XY-Geschlechtschromosomensatz,
weibliche Pflanzen enthalten einen XX-
INZUCHT
Geschlechtschromosomensatz. In den
Geschlechtszellen (Eizelle bzw. Pollen- Eine Sorte wird immer wieder mit sich
korn) findet sich nur jeweils ein Chromo- selbst gekreuzt. Im Laufe mehrerer Gene-
som: Eizelle =X rationen werden die Sorteneigenschaften
Pollenkorn = X oder Y der anfallenden Samen immer einheit-
(Verhältnis 50:50) licher. Möglicher Nachteil liegt in dem
Bei der Befruchtung verschmilzt das X- Verlust mancher erwünschter Eigenschaf-
Chromosom der weiblichen Eizelle mit ten bei vielen Inzuchtlinien.
dem Chromosom des befruchtenden Pol-
lenkorns (also mit entweder X oder Y), WEIBLICHE SAMEN
Entsprechend dieser Kombination (XX Weibliche Pflanzen verfügen über einen
XX-Chromosomensatz. Treten bei weib- KREUZUNG
lichen Pflanzen gelegentlich einzelne ZWISCHEN CHEMOTYPEN
männliche Blüten auf, so verfügen auch
deren Pollen nur über X-Chromosomen Der Chemotyp beschreibt vorwiegend das
(anstatt der üblichen Streuung 50:50 Verhältnis zwischen CBD und THC im
X und Y bei Pollen von wirklich männ- Harz der Pflanze. Bei der Kreuzung von
lichen Pflanzen). Durch künstliche Be- verschiedenen Chemotypen weist die
stäubung werden die Pollen solcher männ- Folgegeneration durchschnittlich den Mit-
lichen Blüten von vorwiegend weiblichen telwert zwischen den beiden Verhältnis-
Pflanzen auf normale Narben von norma- sen der Eltern auf.(L1,51)
len weiblichen Pflanzen gebracht. Die ent-
stehenden Samen werden alle weibliche ADAPTION
Jungpflanzen bringen, weil sich die Ei-
zelle (= X) mit dem „weiblichen" Pollen Es ist bekannt, daß sich sowohl die von ei-
ner Sorte produzierte Harzmenge als auch
(= X) zu einem weiblichen Embryo (= XX)
verbindet. das Verhältnis zwischen THC und CBD im
Laufe weniger Generationen verändert.
Zwar fallen die Samen aus Bestäubung Alles deutet darauf, daß hier Umweltein-
durch hermaphroditische Pflanzen (hier: flüsse auslösend sind. THC-reiche Sorten
Pollen von männlichen, Blüten von weib- produzieren innerhalb weniger Generatio-
lichen Pflanzen) praktisch allesamt weib- nen im gemäßigten Klima (mit seiner ent-
lich aus. Gleichzeitig aber können bis zu sprechenden Photoperiode) mehr CBD,
80% der Pflanzen der nächsten Genera- CBD-lastige Fasersorten entwickeln inner-
tion zwittrige Eigenschaften aufweisen. halb weniger Generationen in den Tropen
Wer Sinsemilla-Pflanzen ziehen will, wird erstaunliche Fähigkeiten in Richtung
nicht ständig alle Pflanzen auf vereinzelte THC (statt CBD).
männliche Blüte überprüfen können, die
die gesamte Sinsemillapflanzung ruinieren Um zu verhindern, daß aufgrund der
können. Es ist daher vorteilhafter, mit raschen Adaption von Cannabis an eine
normal erzeugten Samen zu arbeiten. neue (in unseren Gegenden für die THC-
Ausbeute ungünstigere) Umwelt bereits
Wertung: Die einfache Auswahlzüchtung nach ein paar Generationen die Potenz
ist das zuverlässigste Verfahren, brauch- der Sorte praktisch auf null zurückge-
bares Saatgut zu erzeugen. Gelegentlich fallen ist, verwendet man entweder im-
kann der aufmerksame Gärtner das portiertes Saatgut oder deren erste, höch-
Phänomen der Heterosis (= unerwartet stens zweite Folgegeneration, oder man
gute Eigenschaften von mäßigen Eltern) kreuzt ständig hochpotente tropische
beobachten und kräftig nutzen (dies ist Sorten ein.
allerdings nur bei künstlicher Bestäu-
bung und sorgfältiger Buchführung und STECKLINGE -
Bezeichnung der Eltern möglich). VEGETATIVE VERMEHRUNG
Einkreuzung „frischen Blutes" verhin- Alle Zellen einer Pflanze beinhalten exakt
dert möglichen Abbau durch Inzucht. dieselbe Erbmasse. Bei der geschlechtli-
Gezielte Herstellung von inzüchtigem chen Vermehrung (Pollen auf Eizelle)
Hochzuchtsaatgut und heterotischen F1- mischen sich die Erbteile zweier Eltern-
Hybriden bleibt dem äußerst interessier- pflanzen, das Ergebnis ist kaum kalkulier-
ten Laien vorbehalten. Echte Sortenzucht bar.
- wie in der Landwirtschaft — würde es
nur unter professionellen Bedingungen POLYPLOIDE
geben, man wird mit extrem THC-starken
und gleichzeitig frühwüchsigen Sorten erst Pflanzen mit einem doppelten oder mehr-
nach einer Legalisierung rechnen dürfen. fachen Chromosomensatz werden als
Polyploide bezeichnet. Sie kommen unter
natürlichen Bedingungen nicht vor. Poly-
ploide lassen sich mit Hilfe von Alkaloi-
den wie Colchizin hervorrufen. Unter
dem Einfluß dieser Substanz wird der bei
der normalen Zellteilung entstandene
doppelte Chromosomensatz nicht auf
beide neue Zellen verteilt, sondern ver-
bleibt in nur einer Zelle.
Vorgang: Samen in Colchizin-Lösung ein-
legen (6 mg Colchizin als Gichttablette je
100 ml Wasser oder eine Zwiebel der
Herbstzeitlose (= Colchicum) zerstampfen,
mit gleicher Menge Wasser ausziehen und lich Ausschuß rechnen muß. Über die
Lösung filtern oder 5 Samen der Herbst- Stecklingsvermehrung hätte die Wissen-
zeitlose (= 20 mg Colchizin) ausziehen. schaft vergleichbares weil erblich iden-
Keimende Samen aussetzen. Weitere Be- tisches Versuchsmaterial zur Verfügung,
handlung der Pflanze wie gewöhnlich. um etwa die Einflüsse der Umwelt auf die
Die in ausgewachsenen Samen zu vermu- Potenz von Cannabis zu untersuchen
tende Giftmenge ist praktisch gleich null. (eine Möglichkeit, die aufgrund der Igno-
Daher kann ohne Bedenken auch die ranz vieler Forscher bisher nicht genutzt
erste Generation geraucht werden. wurde). Besonders für den Anbau oder
die Jungpflanzenproduktion unter künst-
Wertung: Ein Versuch bedeutet wenig lichem Licht oder im Gewächshaus geeig-
Aufwand, ist jedoch nicht erforderlich, net.
Polyploide müssen nicht günstig sein, es
gibt Rückschläge, relativ unbrauchbare
Methode.
Vermehrt man eine Pflanze stattdessen
ungeschlechtlich aus sich selbst, spricht
man von vegetativer Vermehrung. Ein Teil
der Mutterpflanze (hier: eine 10—15 cm
lange Triebspitze) wird entnommen (ab-
geschnitten) und in die Erde gesteckt, wo
er sich von der Schnittstelle aus bewurzeln
soll (Bewurzelungsmittel der Erde bei-
geben) .
Die aus dem Steckling sich entwickelnde
Pflanze ist genetisch mit der Mutterpflan-
ze identisch. Mit der vegetativen Vermeh-
rung können also besonders wertvolle
Pflanzen ohne erbliche Einbußen beliebig
weitervermehrt werden.
Wertung: Nur bei der vegetativen Ver-
mehrung sind die künftigen Eigenschaften
einer Pflanze festgelegt. Einmalige Pflan-
zen und ihre Eigenschaften können so
über Generationen ohne Verlust bewahrt
werden. Stecklinge bewurzeln sich nicht
sonderlich leicht, weshalb man mit reich- Polyploides Blatt
LAGERUNG
Bei der Lagerung soll der natürliche Abbau des aktiven THC zum inaktiven CBN soweit
wie möglich unterbunden oder wenigstens verzögert werden. Schlimmster Feind des
THC ist das Licht, daher wird immer im Dunklen gelagert. Bei Wärme finden mehr Mole-
kularbewegungen (je Zeit) statt, die natürliche Oxydation wird beschleunigt. Daher wird
immer kühl gelagert (möglichst unter +15°C, ideal und machbar um +5°C, auch Tief-
frieren dürfte nur Vorteile für den THC-Gehalt haben. Zur Oxydation von THC zu CBN
ist Sauerstoff nötig. Daher bei geringer Luftbewegung, besser in luftdichten oder luft-
freien (N 2 - oder Argongashaltigen) Behältern oder im Vakuum lagern. Der Faktor Luft
ist jedoch am wenigsten wichtig bei der Lagerung. Starke Luftbewegung mindert das
Aroma, weil mit der Abluft die leicht flüchtigen ätherischen Öle (= Geruchsstoffe) ver-
loren gehen.
Praxis: Unzerstörte Pflanzenteile (= vollständige Blütenstände oder Harzstaub) sind bes-
ser von THC-zerstörenden Einflüssen geschützt (Drüsenköpfe sind die beste Harzverpak-
kung) als zerstörte. Je größer die der Luft ausgesetzte Harzoberfläche und die Luft-
bewegung der Umgebung ist, desto stärker findet ein Abbau statt.
Lagerung unter Luftabschluß: Vakuumverpackungen, Gasverpackungen (N2 oder
Argon in die betreffenden Behälter einfüllen), dichte Verpackungen ohne allzuviel
Luft (Voraussetzung trockenes Lagergut, sonst Schimmel und Fäulnis).
Extrakte oder Pflanzenteile in Petroäther, Äthanol oder ähnlichen Lösungsmitteln sind,
praktisch unbegrenzt haltbar, sofern man sie vor Licht schützt.
delta8-THC ist stabiler als delta9-THC und CBD. Daher werden geplante Isomerisationen vor
der Lagerung durchgeführt.
Haschisch wird durch eine festanliegende Plastikverpackung am ehesten in seinem Ab-
bau gebremst (Frappan-Folie). Größere Klumpen verlieren weniger als kleinere. Bei
langfristiger Lagerung hält sich nur der Harzstaub (= durch Dreschen gewonnene Drüsen-
köpfe samt Verunreinigungen, oft in der Dritten Welt fälschlich als „Pollen" bezeichnet).
PRODUKTION
hm, genießen. Wo nicht anders angegeben,
ZUR WELTERZEUGUNG beziehen sich diese Zahlen auf das Jahr
VON HASCHISCH UND 1987.
MARIJUANA Zu anderen Zahlen kommt der Welt-Drogen-
Bericht des Observatoire géopolitique des
drogues (OGD) im Jahresbericht 1993, aus
Da es sich bei Cannabis um eine fast wett- dem folgende Zahlen stammen (dtv Sach-
weit illegalisierte Pflanze handelt, beruhen buch Nr. 30401, 1993 erschienen):
sämtliche Zahlenangaben auf Schätzungen.
Man sollte nicht vergessen, daß solche Demnach gibt es in den USA 67,7 Millionen
Schätzungen oft politisch motiviert und Menschen, die schon einmal gehascht
eventuell manipuliert sind. haben, 20 Millionen davon in den vergange-
nen 12 Monaten. 5,3 Millionen konsumie-
In seinem Buch HEMP - Lifeline to thé futu- ren einmal wöchentlich und 3,1 Millionen
re nennt Chris Conrads folgende Zahlen: kiffen täglich. Rund 50% des Bedarfs wer-
Haupterzeuger von Cannabisprodukten ist den im eigenen Land angepflanzt. Mit
demnach der Libanon mit rund 700 Tonnen einem Ertrag zwischen 6000 und 7000 Ton-
pro Jahr, die vor allem den europäischen nen liegen die USA etwa gleichauf mit Me-
Markt abdecken. Pakistan und Afghanistan xiko, dessen Rate für 1992 mit 7000 Tonnen
sind mit 200 bis 400 Tonnen im Rennen, die angegeben wird. Die Daten der USA bezie-
ebenfalls vor allem in Europa verqualmt hen sich aber nur auf die Produktion auf kul-
werden. Keine Angaben hat Conrads zu den tivierten Flächen. Immerhin hat man allein
Quantitäten, die aus dem Neuen Osten auf 1991 118,5 Millionen sogenannter wilder
den Weltmarkt schwemmen. Pflanzen vernichtet, ohne daß diese Menge
Die Gesamterzeugung Lateinamerikas in offiziellen Statistiken auftaucht. Dies wird
beläuft sich auf geschätzte 500 bis 1000 damit gerechtfertigt, daß diese Produktion
Tonnen. In Südostasien, also Thailand, Laos vollständig für den lokalen Verbrauch be-
und den Philippinen, kommt nochmals eine stimmt gewesen sei.
ähnliche Menge zusammen. Mexiko und
Kolumbien teilen sich etwa 60% des ameri- Wie merkwürdig die statistischen Zahlen-
kanischen Marktes. In Mexiko wird etwa Spiele der Nordamerikaner sind, beweisen
eine Fläche von 9000 Hektar mit Hanf be- auch Angaben aus dem Jahr 1988. Dort
pflanzt. Die Nachfrage aus den USA betrug wuchs die mexikanische Ernte schlagartig
im Jahr 1985 rund 8300, im Jahr 1987 von ca. 4500 Tonnen auf 42283 Tonnen,
schon 8585 Tonnen. 1988 wurde etwa ein sank 1990 wieder auf 19715 Tonnen und
Viertel des Eigenbedarfs in den USA ange- 1992 auf 7000 Tonnen. Diese Zahlenspiele
baut. Die staatliche Drogenbehörde DEA verhinderten, daß die USA offiziell zum
behauptet, es wären zwar 8300 Tonnen in größten Cannabisproduzenten der Welt er-
den USA angebaut worden, doch hätten die koren wurden. "Die USA sind wahrschein-
Autoritäten insgesamt 7 Millionen Pflanzen lich 1992 zum größten Manjuanaerzeuger
in 46 US-Bundesstaaten vernichtet, so daß der Welt geworden. Dabei hat sich die
nur 3000 Tonnen in den Handel & Konsum Größe der Freilandanbauflächen verringert,
gegangen seien. Außer der DEA glaubt al- ihre Anzahl ist jedoch gestiegen.* Dabei ist
lerdings niemand, daß rund zwei Drittel des auch die Anzahl der in Treibhäusern vernich-
Eigenanbaus erkannt und beschlagnahmt teten Pflanzen von 1,669 Millionen auf
werden konnten. 2,848 Millionen gestiegen. "Die Hanffarmer
Alte genannten Zahlen beruhen auf Anga- benutzen immer ausgefeiltere Techniken
ben des Außenministeriums der USA bzw. wie Hydrokulturen, wodurch sie verblüffen-
des National Narcotis Intelligence Consu- de Ergebnisse erzielen. Man hat beobach-
mer Committee, sind also mit Vorsicht zu, ten können, daß der Gehalt an Delta-9-THC,
des aktiven Wirkstoffes, von durchschnitt- Zum Vergleich: Marokkos Anbaugebiete
lich 8,43 Prozent 1986 auf 11,5 Prozent sind 50 000 Hektar groß." Dazu kommt, daß
1991 angestiegen ist.* seit dem Januar 1992 der Oberste Verfas-
Chris Conrads ermittelte, daß in 37 der ame- sungsrat den persönlichen Drogengebrauch
rikanischen Bundesstaaten Hanf das um- nicht mehr unter Strafe stellt.
satzstärkste Landwirtschaftsprodukt des Aktionen der Polizei gegen Drogenhandel,
Jahres 1990 war. In vier Staaten erbrachte auch in großem Stil, kommen da symboli-
Marijuana mehr als 50% aller Agrarerzeug- schen Handlungen gleich. Immerhin hat
nisse. In Alaska erzielte Cannabis gar 655%, man einen neuen Narkotikastrom festge-
wenn man das legale Agraraufkommen mit stellt: "Drogen werden regelmäßig aus Ruß-
100% angibt. land und Zentralasien an die Pazifikküste
des Fernen Ostens befördert. Da bekannt
GUS - Kasachstan ist, daß es in dieser Region selbst wilde
"Irgendwann wird man sich des Feldes erin- Cannabispflanzen gibt, ist klar, daß dieser
nern. Das ist eine schlummernde Reserve", Strom nicht die lokalen, übrigens sehr be-
befürchtet Volker Brandt, Kriminaldirektor in schränkten Marktbedürfnisse befriedigt...
der Abteilung 'Rauschgift' beim Bundeskri- Bald könnten die Ex-UdSSR'ler mit ihren
minalamt (BKA) in Wiesbaden. Gemeint ist Produktions- und Interventionsmöglichkei-
eine Ebene im CO-Tal bei Dzambul im Südo- ten die weltweite Drogensituation entschei-
sten Kasastans. "Auf einer Fläche von etwa dend beeinflussen... Die gegenwärtig unbe-
150 mal 30 Kilometern, stellenweise unter- deutenden Selbstkosten und die daraus re-
brochen von anderen Pflanzen und Bäu- sultierenden Dumpingpreise sind ihre
men, wächst dort Cannabis", berichtet Trümpfe."
Brandt. Nicht etwa Bauern oder Schmugg-
ler haben hier eine Rauschgiftplantage an- Usbekistan
gelegt, Cannabis ist Teil der natürlichen Ve- Seit der Unabhängigkeit (31.8.'91) hat sich
getation. Die Pflanzen seien ein Schutz die Zahl der internationalen Flüge, die die
gegen die Erosion des Bodens. Deshalb usbekische Hauptstadt Taschkent mit der
könne man sie nicht einfach vernichten. Außenwelt verbindet, verdreifacht. Man
So die Frankfurter Allgemeine Zeitung kann heute von einem regelrechten Luftka-
(29.12.93). In der Tat ist Kasachstan der nal für den Drogenschmuggel sprechen...
größte Cannabiserzeuger der zentralasiati- Beim Export von Haschisch wurden Wol-
schen Republiken. "Dort, wo sich die ver- gadeutsche, die - einst von Stalin nach Us-
gangenen Jahre lediglich ein paar Touristen bekistan deportiert - nun zurückemigrieren,
und Studenten ihren Jahresbedarf besorg- von den Zollbehörden verhaftet. Zollbeamte
ten, trifft man jetzt keine Erntearbeiter befürchten, daß diese mit beiden Ländern
mehr, die nicht mit einem Sturmgewehr gut vertrauten Emigranten unter sich eine
oder Raketenwerfer bewaffnet wären. Sie Schmugglerkette aufbauen könnten.
patrouillieren in Gruppen mit meist gestoh-
lenen Kleinwagen und immer häufiger auch Tadschikistan
mit Lastwagen.." (WDB) In dieser Republik herrscht seit 1991 Bür-
Auch Die Woche berichtet: "Das Angebot ist gerkrieg, die Polizei hat schon seit mehre-
üppig: Was den Hanf-Anbau betrifft, Aus- ren Monaten keinen Lohn erhalten und
gangspflanze für Haschisch und Marijuana, schätzt die Lage an der Mohn- und Ha-
kann kein Land der Erde mit der GUS kon- schischfront entsprechend ein. Eine
kurrieren - Hanf wächst auf einer Fläche von Streichholzschachtel voller Haschisch ko-
zwei Millionen Hektar im Kaukasus, in Zen- stet etwa einen Dollar. Die Polizeibeamten
tralasien, am Baikalsee und im Fernen neigen eher dazu, über die Wohltaten von
Osten. (Der Welt-Drogen-Bericht schätzt koknar und Cannabis zu sprechen, als die il-
die Gesamtfläche auf drei Millionen Hektar). legalen Kulturen auszurotten.
Ukraine
In der taz vom 19.11.93 wurde die Rock- RUSSISCHES HIGH - EIN
gruppe Collyegsky Assesor aus der Ukraine RADIOAKTIVES LOW ?
interviewt: Mit dem Einbruch von Hanf aus dem Osten
Woher kommt die Idee des Popsongs Karli- machte sich das Gerücht breit, das russische
ke (l want to be little}? Dope sei radioaktiv verstrahlt, da es aus der
Yevgeny: Viel gerauchtes Gras steckt in die- Gegend von Tschernobyl stamme. Ja, es
sem Song. Ich kann mich kaum daran erin- wurde schon davon geredet, daß jeder Kiffer
ein Strahlungsmeßgerät beim Einkauf brau-
nern.
che. Ich fragte den Fachmann und bekam fol-
Wie kommt man in Kiew an Gras?
gende Antwort:
Yevgeny: Tadschikistan hat zur Sowjetunion "Bei meiner letzten Reise in die GUS (1991)
gehört und liegt an der Grenze zu Afghani- habe ich einige ukrainische und russische
stan. Und diese Grenze ist nichts anderes Soldaten getroffen, die Gras aus der Tscher-
als eine Gebirgskette Deshalb bekommt nobyl-Gegend hatten. Auf meine Frage nach
man ausgesprochen gutes Gras. Collyegsky der radioaktiven Belastung des Zeugs stieß
Assessor ist eine absolute Gras-Gruppe, Die ich auf ungläubige Blicke oder hanf- bzw.
rauchen sehr viel. wodkabedingte Gleichgültigkeit. Allerdings
konnte ich der Versuchung ein paar mal nicht
Sergey: Ich hab Gleb Butuzov von jener widerstehen und mußte feststellen, daß das
Gruppe gefragt, was den Unterschied zwi- Cannabis aus der Ukraine weder vom Ge-
schen den Alben der Gruppe ausmache - schmack noch von der Potenz her wohl für
seine einfache Antwort: 'Die Farbe des Gra- lohnenden Export ausreicht (Faserhanf). Ha-
ses'. schisch wird, soweit ich weiß, in der ver-
Yevgeny: Ja. wir hatten eine große Schach- seuchten Gegend gar nicht produziert.
tel Gras - und sehr wenig zu essen. Das Das Gussen-Dope stammt aus den Ecken
etwa zwischen dem Kaspischen Meer und
Album hieß dann Bananas All Year."
dem Himalaya, auf jeden Fall südlich des
40sten Breitengrades. Bei der Entfernung zu
Tschernobyl (ca.3000 km) und den vorherr-
schenden Winden zur Zeit des GAU's (Ost-
winde) kann ich mir eine radioaktive Verseu-
chung des Haschischs aus Kasachstan und
Umgebung nicht vorstellen. Eher kommt da
eine Belastung mit DDT oder ähnlichem in
Frage."
Eine Studie des Forschers Donald Tashkin
ergab, daß Cannabisteer keine Radioaktivität
enthält, ganz im Gegensatz zu Tabakteer,
dessen Radioaktivität eine Halbwertszeit von
21,5 Jahren aufweist.
Der Untersuchung eines Drogenforschers zu-
folge hat der GAU von Tschernobyl aber sehr
wohl negative Auswirkungen auf russische
Drogenkonsumenten: im Umfeld des Reak-
tors wird Mohn angepflanzt. Der Forscher
konnte am Rande der Sicherheitszone Mohn-
HINWEIS: stauden fotografieren, die bis 1.70 m groß
Im Herbst 1994 wird ein Buch von waren und deren Kapseln einen Durchmes-
Stefan Haag: HANF WELTWEIT ser von 6 cm aufwiesen, dem zwei- bis drei-
erscheinen, in dem er die Hanfsituation fachen des dort normalen Maßes, obwohl die
in fünfzig Ländern der Erde untersucht: Ernte noch ein paar Wochen in der Zukunft
lag. Bis Februar 1993 hatte die Regierung der
Die Tradition, die Gesetze, die Praxis und
Ukraine hierzu noch nicht Stellung genom-
men.
Warnungen für Reisende. In der Reihe
RauschKunde der Medienexperimente.
HIGH IN DEN arbeitet: Es ist nach der relativen Freiga-
nicht zu einem Anstieg des Cannabis-Kon-
NIEDERLANDEN ? - sums, noch zu einer von Freigabegegnern
HANF IN HOLLAND heraufbeschworenen Drogenepidernie ge-
kommen. Obwohl Rauchhanf überall käuf-
Im Volksmund hat es sich inzwischen her- lich zu erwerben ist, geht der Konsum
umgesprochen, daß das Kiffen in Holland zurück. So berichtet der Suchtreport 6/90:
erlaubt sei. Dem ist, zumindest bis Anfang "Während 1976 noch zehn Prozent der 18-
1994, nicht so. Haschisch ist auch in jährigen Holländer Cannabis konsumiert hat-
Holland keine legale Substanz. ten, waren das 1983 nur noch sechs Pro-
zent. Die neuesten Zahlen besagen, daß
Rjchtig ist allerdings, daß die holländische von den 19-jährigen im letzten Monat zwei
Polizei zwischen harten und weichen Dro- Prozent Cannabis konsumiert hatten..." Das
gen unterscheidet und ihre Prioritäten ent- zur Effektivität der Strategie einer stillen
sprechend setzt. Genaueres dazu kann man Duldung.
in dem Heft Die holländische Drogenpolitik
nachlesen, das in der Reihe Rauschkunde Daß Cannabis in Holland nicht legal ist, zeigt
der MedienXperimente im April 1994 er- die Tatsache, daß allein im Jahr 1990 vom
schienen ist. Es handelt sich dabei um den Zoll und der Polizei 110000 Kilogramm
offiziellen Jahresbericht der Ministerien für Cannabisprodukte beschlagnahmt wurden.
Gesundheit, Gemeinwohl und Justiz. Damit liegt ihre 'Erfolgsrate' laut Die Zeit
"deutlich höher als in anderen europäischen
Polizeilich geduldet wird z.Zt. der öffentliche Ländern". In der Tat sieht es z.Zt. so aus, als
Haschischgenuß, sowie der Besitz von 30 ob eine Strafverschärfung eintritt, falls die
Gramm. Beziehen kann man diese ohne zugebilligten 30 Gramm überschritten wer-
Probleme in den öffentlichen Coffeeshops den. Laut Auskunft des H.A.N.F. e.V. vom
überall im Lande. Da diese Shops auch Februar '94 kann man mit 2 Jahren Haft und
einen großen Anreiz für Bürger anderer eu- einer saftigen Geldstrafe rechnen, wenn
ropäischer Länder darstellen, steht die nie- man die staatlich genehmigte Höchstmen-
derländische Regierung im Kreuzfeuer vor ge mißachtet.
allem der Autoritäten aus Frankreich und
Deutschland, diese Regelung zu ändern. Ein, zumindest für mich, ungeklärtes Rätsel:
Nicht unwahrscheinlich, daß holländische wie kommt der Nachschub in die Coffee-
Bürger demnächst Bezugsberechtigungs- shops? Wenn für den Handel von mehr als
scheine für Hanfprodukte erhalten, um da- 30 Gramm Haschisch mindestens zwei
durch anderen Europäern den Einkauf in Jahre Knast anstehen, bei etwas größeren
Holland zu erschweren. Mengen ganz schnell auch fünf Jahre, dann
frage ich mich: Wie kommt das Dope in die
Daß sich für Holländer etwas ändert, Coffeeshops? Eine Überwachung ist ja kin-
scheint eher unwahrscheinlich, trotz des derleicht. Da drängt sich für einen begeiste-
Druckes, den u.a. auch der Vatikan und die rungsfähigen Verschwörungstheoretiker
Vereinten Nationen auf die Regierung aus- wie mich natürlich der Gedanke auf, daß der
üben. Immerhin ist es gelungen, durch die Zoll schon weiß, wieviel er zu beschlagnah-
lockere Handhabung zum einen einen Rück- men hat, um die staatliche "Überprüfung"
gang des Konsums von Hanfprodukten zu des Coffeeshop-Handels aktiv praktizieren
erzielen und zum anderen gelang eine Tren- zu können. Wahrscheinlicher aber ist, daß
nung vom Markt der harten Drogen. der Handel nach wie vor in den Händen der
Mafia ist, von wenigen Ausnahmen traditio-
Zusammenfassend kann man sagen, daß neller Hippieschmuggler abgesehen. Und
das Holländische Modell mit einigem Erfolg solang die Mafia Hauptlieferant von staat-
lich geduldeten Coffeeshops ist, wird sich behörde aus dem Jahr 1989 zu entnehmen
weder für die Erzeuger der Dritten Welt ist...".Die Zahl der holländischen Cannabis-
etwas zum Positiven ändern (was nicht be- züchter, die ihr Geschäft zu Hause und in
deutet, daß die TabakMultis die bessere Al- kleinem Stil betreiben, dürfte zwischen
ternative waren), noch werden die Ver- 20000 und 40000 liegen. "Es ist besser,
triebsstrukturen verändert, was bedeutet, wenn es viele Kleinproduzenten gibt, statt
daß nach wie vor Heroin etc. aus den glei- wenige Großproduzenten", sagt Wernard,
chen Händen kommt. ein bekannter Züchter. "Marijuanaa nbau
sollte eine Lebenseinstellung sein, kein
In einem Interview mit der Zeitschrift Der kommerzielles Unternehmen." Wernard
Spiegel nimmt Stuttgarts Polizeipräsident sieht aus wie einer aus den sechziger Jah-
Haas zu diesem Thema Stellung: "Ich sehe ren, und viele Anbauer fingen mit ihrem
nur eine Alternative: Strafbarkeit wie bisher Hobby genau in dieser Zeit an. "Wenn du die
oder volle Legalisierung. Von einer Zwi- Pflanze liebst, wird sie dir auch Geld einbrin-
schenlösung wie in Holland - geduldeter gen", meint Ari, ein erfahrener Züchter.
Verkauf in bestimmten Lokalen - halte ich
garnichts. Dann sind die Organisierte Krimi- BANGLADESH
nalität und der internationale Rauschgifthan- Wie kommt es zu den zunehmenden Über-
del weiterhin im Geschäft, und die Polizei schwemmungskatastrophen in Banglade-
bleibt untätig. Das halte ich nicht für gut. Es sh? Ein Hauptfaktor für die verheerenden
kommt nur das eine oder das andere in Überschwemmungen in Bangadesh ist der
Frage. Das sehe ich, das ist die Realität..." Verlust traditioneller, erdstabilisierender
Pflanzen. Wie in Indien wurde auch in Ban-
Über die Erfolge holländischer Hanfzüchter gadesh seit Jahrtausenden Hanf zur Faser-
wird an anderer Stelle berichtet. Was den gewinnung, für Öl zur Licht- und Kochnut-
THC-Anteil ihrer Pflanzen betrifft, so führt zung, sowie zur proteinreichen Ernährung
dieser die Welt-Pot-Parade an. Einige der als Samenkuchen angepflanzt. Hanfsamen
neuen Sorten sind so potent, daß man für sprießen in wenigen Tagen und ihre Wur-
ihren Genuß m.E. eine Art Waffenschein zeln treiben innerhalb eines Monats bis zu
braucht. Oder, um es gemäßigter auszu- 30 cm tief in das Erdreich. So wird das Erd-
drücken: Wenn man die sonst übliche reich nach Überschwemmungen und Wald-
Menge Hanf raucht, erinnert die Wirkung bränden relativ schnell stabilisiert. Keine an-
eher an einen LSD-Trip denn an Marijuana, dere Pflanze kann Hanf halbwegs vertreten,
Vorsicht! Nichts für traditionelle Haschrau- So hing die Wirtschaft und Ökologie des
cher (wie mich)! (Über, üben, üben, Landes in hohem Maße von der Hanfpflan-
Anm.des Lektors) ze ab.
Das zeigt auch die Bedeutung des Namens:
Der Erfolg der Züchter hat dazu geführt, daß Bang = Hanf, la = Land, Desh = Volk.
sich immer mehr Holländer in einem der vie- Im Jahr 1964 unterzeichnete dieses Land
len Fachläden entsprechende Samen und der Hanf-Menschen ein Anti-Drogenabkom-
Heimzuchtanlagen besorgen und zum Eige- men mit den USA. Demnach war der Anbau
nanbau übergehen. Das geschieht nicht nur von Hanf ab sofort untersagt. Seit jener Zeit
in kleinen, sondern auch in sehr großen Stil. leidet das Land und seine Bewohner: Hun-
So berichtete das ZEIT-Magazin: "Berech- ger und Armut, Krankheitsepidemien und
nungen des Gesamtumsatzes von Ha- Landverluste infolge der 'Wasserschäden'
schisch und Marijuana in den Niederlanden sind nun Teil des täglichen Lebens und Ster-
schwanken zwischen hundert Millionen bens. Solch weltfremde und menschenver-
Gulden (neunzig Millionen Mark) und 'drei achtende Aktionen werden als Entwick-
bis fünf' Milliarden Gulden, wie einem Be- lungshilfe bezeichnet.
richt der obersten holländischen Kriminal-
ZUR HANF-LAGE IN ÖSTERREICH

Der Konsum von Haschisch soll straffrei ge- dem Sommer vorgelegt werden. Im Justiz-
stellt werden, Gesundheits- und Justizmini- ministerium will man den Beschluß aus
sterium planen dies noch für heuer. Einer Gründen der „Balance" mit dem Gesetzes-
Freigabe entspricht diese Liberalisierung vorstoß gegen die Geldwäscherei zeitlich
nicht, verboten bleiben harte und weiche akkordieren. Damit könnte man auf der
Drogen dennoch. Ebene der großen Händler hart durchgrei-
fen, während „kleinen" Konsumenten
Michael Völker durch das Angebot einer Beratung und Be-
Wien. - „Wir wissen, daß etwa 100.000 bis treuung geholfen werden könnte.
200.000 Menschen in Österreich Haschisch Reinhold Oblak, Sekretär von Gesundheits-
konsumieren", sagt Gerhard Litzka, Jurist minister Harald Ettl, ist noch einen Schritt
im Justizministerium. Und spätestens Ende weitergegangen. Er stellte die Einrichtung
dieses Jahres sollten sie dies straffrei tun. von sogenannten „coffeeshops" zur Dis-
„Genausowenig wie wir die eine Million kussion. In diesen Lokalen sollte es möglich
Österreicher, die am Sonntag delinquiert sein, legal Haschisch zu konsumieren. In
zum Zeitungsständer geht, strafen können, einer Begleitstudie könnten Veränderungen
wollen wir die Gruppe der Haschisch-Kon- sowohl im Mißbrauch von Alkohol wie auch
sumenten kriminalisieren." Litzka weist dar- von Haschisch erfaßt und ausgewertet wer-
auf hin, daß es sich dabei keineswegs um den. Untersucht werden sollte auch die Ver-
eine Freigabe, sondern eben um eine Ent- änderung der Kriminalitätsentwicklung.
kriminalisierung handelt. Der Besitz und Susanne Jerusalem, Gemeinderätin der
Konsum von Haschisch soll nicht erlaubt Grünen in Wien, fordert, daß Haschisch
werden, sondern, bei geringen Mengen, strikt von harten Drogen getrennt und frei-
bloß straffrei gestellt werden. Als geringe gegeben werden müsse. Ihrer Meinung
Menge gelten bis zu zwei Gramm das Can- nach bestünde das größte Problem darin,
nabis-Wirkstoffs THC (Tetrahydrocannabi- daß der Kauf von Haschisch nach wie vor
nol), was einer handelsüblichen Menge von bei Dealern getätigt werden müsse, die
etwa 20 Gramm Haschisch entspricht. aber auch alle anderen Drogen anbieten.
1990 hat es 4800 Anzeigen wegen Sucht- Reinhold Oblak schlägt aus dem gleichen
giftdelikten gegeben, 70 Prozent davon be- Grund vor, daß es in den coffeeshops nicht
zogen sich auf den Besitz von Haschisch, in nur möglich sein sollte, Haschisch zu konsu-
50 Prozent der Fälle handelte es sich um Er- mieren, sondern - in geringen Mengen -
stanzeigen. Wurden bisher schon die mei- auch zu kaufen.
sten Anzeigen in diesem Bereich zurückge- In Amsterdam, wo Haschisch praktisch frei-
legt und nicht gerichtlich verfolgt, soll ab gegeben wurde, hat sich die Situation laut
1993 auch die Vorführung zum Amtsarzt un- einer Untersuchung der dortigen Universität
terbleiben. „Eine ärztliche Intervention ist in stabilisiert. Der Cannabis-Konsum ist nach
solchen Fällen zum Kren-Reiben", sagt Litz- einem vorübergehenden Anstieg langfristig
ka, „Haschisch macht nicht süchtig." Statt nicht gestiegen. Im europaweiten Vergleich
regelmäßiger Urinkontrollen soll es künftig liegen die Niederländer in der „guten Mitte"
ein Gespräch mit einem Sozialarbeiter und konsumieren keineswegs mehr Ha-
geben. „Nicht Behandlung sondern Bera- schisch als Bürger von Staaten mit einer re-
tung", sagt Litzka. pressiven Drogenpolitik, (aus: Der Standort,
Der entsprechende Gesetzesentwurf, fest- 6.12.92)
gehalten im Paragraph 17 des Suchtgiftge-
setzes, wird vom Gesundheitsamt noch vor
MAROKKO wurden 47 Tonnen Cannabisharz beschla-
Im Jahr 1926 legalisierte die französische gnahmt. Nach wie vor sind aber viele Beam-
Kolonialmacht den Hanfanbau im Norden te, bis hin zu Bürgermeistern, aktive Hanf-
Marokkos, um die Berberstämme zufrie- händler.
denzustellen. Diese Erlaubnis wurde erst Die Verantwortung für den Kampf gegen
1954, kurz vor der Unabhängigkeit des Lan- Cannabis wurde im Herbst 1992 vom Ge-
des widerrufen. Die Lage Anfang der '90er sundheitsministerium zum Innenministeri-
Jahre ist verworren. Zum einen hat Marok- um verlagert, gleichzeitig wurden 3000 wei-
ko seine Cannabisanbauflächen von 25000 tere Polizei- und Zollkräfte mit der Aufgabe
Hektar im Jahr 1986 auf mindestens 30000 betraut, Hanfbauern und Dealer aufzu-
Hektar im Jahr 1992 vergrößert. Auf dieser spüren. Ebenfalls 1992 hat Marokko die
Fläche können etwa 15000 Tonnen Canna- Konvention der Vereinten Nationen von
bis wachsen, die in Form von Haschisch 1988 zur Drogenbekämpfung ratifiziert.
vorwiegend nach Italien, Spanien, Frank- Durch das Inkrafttreten des Schengener
reich, Belgien und Holland exportiert wer- Vertrages ist der Druck, vor allem von seiten
den. Zum anderen hat König Hassan auf in- Englands, verstärkt worden. Ebenfalls neu
ternationalen Druck die Erzeugung von Kif ist aber auch der verstärkte Einsatz,
etc. vermehrt verfolgt, wovon die 10833 ge- schwarzafrikanische Einwanderer als Kurie-
busteten Drogenhändler allein im Jahr 1992 re anzuheuern. Es ist zur Zeit ungewiß, wie
einige Lieder singen könnten. Insgesamt sich die Lage in Marokko entwickeln wird.
Das Ergebnis dieser Prozedur wird je nach LIBANON
Qualität eingelagert bis oft erst nach Wo-
chen die gesamte Ernte derart bearbeitet Die Pflanzen werden auf dem Feld belas-
ist und man aus dem ausgesiebten Staub sen, bis sie beinahe trocken sind. Sie
Haschisch pressen möchte. haben dann meist eine braunlich-rötliche
Farbe (UV-Anteil des Sonnenlichts zer-
PRESSEN: Harzstaub wird in starke Pla- stört Chlorophyll der absterbenden und
stiktüten verpackt und abgewogen, die trocknenden Pflanze). Sie werden abge-
Tüten mit Klebestreifen verschlossen, schnitten, in Plastikplanen eingeschlagen
durch Klopfen mit der Hand in eine fla- und in die Scheune gebracht, damit die
che Form gebracht und dann auf Löcher Planen sofort zum Transport der näch-
überprüft. Man legt die Beutel zwischen sten Ladung verwendet werden können.
die Backen einer Handpresse (Buchpresse). Die getrockneten Blütenstände liegen auf
Um das Zusammenbacken des Harzstaubes einer Seidengaze, die über eine Schüssel
zu einer stabilen dünnen Platte zu erleich- gespannt ist. Die Schüssel wird mit krei-
tern, kann die Presse durch kleine impro- senden und hüpfenden Bewegungen ge-
visierte Holzkohle- oder Spiritusöfchen schüttelt, sodaß die Drüsenköpfe aus den
angewärmt werden. Bei der Pressung wird Blütenteilen ausfallen und durch die Seide
der größtmögliche Druck ausgeübt. Den- in die Schüssel gelangen. Die erste Siebung
noch kommt es vor, daß Platten nach der ergibt die beste Qualität. Nach einiger
Pressung zu Krümeln zerfallen und erneut Zeit muß man die Blütenstände weniger
bearbeitet werden müssen. vorsichtig durchschütteln, damit auch die
letzten Drüsen abfallen.
Entsprechend ist auch die Qualität des
Haschisch einzuschätzen. Marokk brennt Die Harzstaubgewinnung zieht sich über
vergleichsweise schnell. Seine Wirkung auf Wochen, oft Monate hin. Der Staub wird
die Motorik ist gering. Der Geruch ist der Qualität nach aufbewahrt (kaum
zwar aromatisch, aber nicht recht würzig Lagerverluste, weil das Harz in der luft-
sondern eher roh. dichten Verpackung der Drüsenköpfe ver-
bleibt). Zur Lagerung benutzt man zwi-
GEBIETE: Die Provinz Ketama ist seit schenzeitlich 35 kg-Plastiksäcke.
langem das Zentrum der marokkanischen
Haschischproduktion, die sich aber über Gegen Winter kommt die Zeit zum Pres-
sen. Abgewogene Harzstaubmengen wer-
die gesamte Gebirgsregion erstreckt. Diese
auch in Marokko illegale Industrie ist auf den in stabile, meist weiße oder beige
kooperativer Basis zwischen den beteilig- Leinen- oder Baumwollsäckchen gefüllt,
ten Familien organisiert, d.h. man arran- verschnürt und unter großem Druck ge-
giert sich durch gemeinsames Arbeiten preßt. Auf der Oberfläche der Haschisch-
auf den verstreut liegenden Feldern und platten zeichnet sich entsprechend die
bei der Weiterverarbeitung. In Ketama Struktur des Gewebes ab. Die Platten
selbst ist der kontrollierende Einfluß der sind etwa fingerdick und unelastisch,
Behörden gering, weil aufgrund von Ver- halten aber gut zusammen. Gebräuch-
wandtschaftsverhältnissen und Schmier- liche Versendungsformen: 100g, 200g
geldzahlungen das Cannabis-Gewerbe ak- (meist), 1000 g.
zeptiert ist. Hasch ist hier big business. Aus Staub ganz reifer Pflanzen wird
Diese „Freizügigkeit" beschränkt sich ,,Roter Libanese", aus früher geernteten
allerdings auf Ketama. In anderen marok- Pflanzen gelber Libanese gemacht.
kanischen Gegenden darf man keine Pro-
tektion von neugewonnenen „Freunden" Libanese enthält mehr Harzanteile als
erwarten, selbst beim Schmuggel aus Marokk, daher halten die dickeren Plat-
Ketama kann man nicht sicher sein, ob ten von selbst zusammen, das Haschisch
man nicht von einem unklugerweise ein krümelt nur im frischen oder erhitzten
geweihten Neider oder dem unwissent- Zustand. Entsprechend die Qualität, mit-
lich beleidigten Verkäufer und Gastgeber tel. Brennt nicht so rasch wie Marokk.
verraten wird. Der Geruch ist wohlriechend und würzig.
Ebenfalls im Libanon hergestelltes von einander im Krieg liegenden Bevölkerungs-
Hand abgeriebenes Hasch gelangt nicht in gruppen der Moslems und der Christen
den Handel. Gute Libanon-Qualitäten las- versuchen, ihre Ausgaben teilweise mit
sen sich von Hand nachpressen, afghani- Haschischgeschäften zu finanzieren. Im
sche Methode. Land selbst herrscht ständig ein deutliches
Klima des Mißtrauens, Intrigen und Ver-
GEGENDEN: Im Tal von Baalbek finden rat sind das Normale. Alle fühlen sich ver-
wir die wichtigsten Produktionsstätten für folgt und sind sehr vorsichtig. In den
Haschisch. Cannabisfelder werden sehr Wirren des Bürgerkrieges bedeutet ein
großzügig angelegt und teilweise maschi- Menschenleben weniger als sonst schon.
nell bearbeitet. Die Produktion spielt sich Handel und Schmuggel befinden sich in
in einem eher industriell anmutenden der Hand Weniger - wie überall -, die
Rahmen ab. sich mit Behörden arrangiert haben.
Fremde ohne einflußreiche Protektion
LAND UND GEFAHREN: Das gesamte bieten eine willkommene Gelegenheit,
Libanon ist mit Wachposten und Straßen- sich ohne Schwierigkeiten zu bereichern.
sperren übersät. Die beiden ständig mit

AFGHANISTAN
an den Handflächen). Zwischendurch
Anbaumethoden: nicht bekannt. wird das Material zu einer flachen Platte
Aus den getrockneten Blütenständen wird geformt und kurz über einem Holzkohle-
durch Sieben Harzstaub gewonnen. ofen angewärmt. Walken, Befeuchten,
Anwärmen wiederholen sich solange, bis
PRESSEN: Der Harzstaub wird aus der das Haschisch eine absolut gleichmäßige
Verpackung genommen, evtl. zusammen- Struktur und Farbe erhalten hat, elastisch
gebackene Klumpen zerkleinert. Unter und würzig wohlriechend ist. Die meisten
Zugabe von etwas Wasser oder Tee wird Drüsenköpfe sollten sich inzwischen ge-
die Pulvermasse zwischen den Handflä- öffnet und ihren wertvollen Inhalt freige-
chen kraftvoll gewalkt (daher Schwielen geben haben.
Das bei Handwärme gut formbare Ha-
schisch wird zu flachen handtellergroßen
Scheiben, dünnen fingerlangen „Spaghetti
Sticks" oder blattförmigen „Surfbrettern"
geknetet. Selten nur finden sich Beimen-
gungen von Opium (= glänzenderes Aus-
sehen, klebriger, bitterer Geschmack). Ge-
legentlich wird mit „Nesvar", einem grü-
nen Kautabak, verschnitten.
Afghani brennt mittellangsam und riecht
äußerst würzig und stark, nach unsach-
gemäßer Lagerung allerdings nur noch im
Innern der Platten, Spaghetti-Sticks etc.
Afghani kann in seiner Potenz leicht un- gend Vertrauen zu erarbeiten, um selbst
terschätzt werden, da die Wirkung oft erst nur Hanffelder sehen zu dürfen. Auch das
nach einigen Minuten einsetzt, man ist langwierige Haschischpressen wird eher im
ohnehin die erste Zeit oft mit Husten und Geheimen durchgeführt. Eine strenge Fa-
Tränen beschäftigt, da sich Afghane mit- milienhierarchie erschwert weiterhin den
unter schwer rauchen läßt. Zugang zum Urproduzenten, weil englisch-
sprechende und in Zentren wie Kabul,
GEGENDEN: Praktisch überall in Afgha- Kandahar oder Herat lebende Händler
nistan wird Haschisch hergestellt, die be- meist unwichtige Glieder eines Klan sind,
sten Sorten stammen jedoch eindeutig aus der auf sie als teileuropäisierte Bastarde
den nördlichen Provinzen zwischen Hindu- herabblickt. In Afghanistan scheint das
kusch und russischer Grenze (Balkh, religiöse Moment sehr deutlich in Ge-
Mazar-i-Scharif). Afghanen lassen sich nur schäfte und Verhalten einzufließen. Der
ungern in die Karten sehen und neigen Fremde wird zwar weniger gemein und
nicht zum protzenden Vorzeigen. Es niederträchtig, dafür aber mit umso grö-
dürfte äußerst schwierig sein, sich genü- ßerer Distanz behandelt als anderswo.

PAKISTAN
Die hier lebenden pathanischen Stämme
Nord-West-Provinz („North-West-Frontier
Province"). Diese pakistanische Provinz sprechen Paschtu, die Sprache, die auch
von einem Großteil der afghanischen
steht nicht unter Regierungsgewalt, weder
Bevölkergng gebraucht wird. Sie sehen
Polizei noch Militär haben irgendeinen
mit Verachtung auf die dunkelhäutigen
Einfluß, hier herrscht Selbstverwaltung
Pakistanis jenseits der Berge (ab Pescha-
der ansässigen Sippen (daher „tribal area"
= war östlich) herab, vor allem auf die Pun-
Stammesgebiet). Alle Spielarten von
jabis, die wegen ihrer angeblichen Dumm-
Drogenherstellung, -weiterverarbeitung,
•handel und -schmuggel sind hier ebenso heit und Arroganz, gewiß jedoch weil sie
angesiedelt wie die Produktion von Waf- überall in Pakistan die Macht haben, auch
fen aus unglaublich einfachen Materialien dort, wo keine Punjabis wohnen, bei den
mit erstaunlichem Geschick, wie sie dann Bergvölkern unbeliebt sind. Man möchte
etwa beim Freiheitskampf der Afghanen selbständig sein oder eher zu Afghanistan
gegen die russischen Besatzer verwendet gehören.
werden. Jeder Mann darf (und sollte) eine Die Cannabispflanzungen können in dieser
Waffe tragen, wenn auch selten geschos- Gegend der Welt besonders ungestört ge-
en wird. Die Dörfer gleichen riesigen pflegt und weiter verarbeitet werden, was
Lehmfestungen, deren Haupttore bei Ein- sich in der Qualität niederschlägt. Klagen
bruch der Dunkelheit gegen umherziehen- Aufkäufer in den letzten Jahren vor allem
de Banden geschlossen werden. über das Nachlassen der bis Mitte der 70er
Jahre erstklassigen, unerreichten afghani- Meist handelt es sich um Beimengungen
schen Qualitäten, hat man sich nun im- diverser Öle (Butterfett = ,,ghee").
mer mehr nordwest-pakistanischen Her-
stellern zugewandt. Auch hier wird der
Harzstaub durch Schütteln und Sieben MANALI (Indischer Himalaya)
gewonnen. Der Staub wird teilweise in
Mörsern zerstampft (= Drüsenköpfe sol- Handgerieben, unter der Regie von Euro-
len sich öffnen und Harz heraustreten päern für den französischen, kanadischen
lassen) und erst dann von Hand nach der und australischen Markt hergestellt. Beste
afghanischen Methode (= Feuchtigkeit, Qualität, schwierig zu bekommen. Hoch-
Walken, Wärme etc.) gepreßt. elastisch, schwarz.

Da sich allerdings mit dem Anbau von


Opium und der Herstellung von Heroin NEPAL
mehr Geld verdienen läßt, werden in den
letzten Jahren viele der besten Äcker auf Überall in den gebirgigen Teilen des Lan-
dieses Rauschgift (!) umgestellt. Chitral, des haben einheimische Bauern kleine
Swat, Khaibar-Gebiet etc. Hanfpflanzungen angelegt. Das Harz wird
durch vorsichtiges Reiben der Pflanzen
Östliche Provinzen: Bis zur Einführung und hier besonders der weiblichen Blüten-
der „Islamic Rule" (= Leben nach dem stände und Triebspitzen zwischen den
Koran, Gesetz nach dem Koran) im Jahre Handflächen gewonnen, als Fingercluster
1979 konnte man in den legalen „Govern- gesammelt und später durch ausgiebiges
ment Opium Shops" nicht nur Opium Walken (von Hand) der zerkleinerten
verschiedener Güteklassen frei im Handel rohen Harzstücke in homogene Haschisch-
bekommen, sondern vorwiegend in der kugeln gepreßt. Um sich besser für den
Gegend von Lahore auch ein einfaches Versand zu eignen werden diese Kugeln
grünes Haschisch (ca. 110-200 DM/kg), bei Bedarf zerkleinert und mittels einer
welches unverschnitten war und aus zer- (evtl. von unten beheizten) Buchpresse
kleinerten Blutenständen und Harzstaub in eine rechteckige Plattenform umge-
hergestellt wurde. Auch dieses läßt sich preßt.
derzeit nur über den Schwarzmarkt und Nepalisches Haschisch ist von dunkel-
entsprechend teurer beschaffen. Ge- brauner bis fast schwarzer Farbe und sehr
schmacklich liegt es seiner Herstellung elastisch. Seine Struktur sollte gleichmä-
entsprechend in der Nähe von Marijuana ßig und fein sein. Die Potenz muß sehr
und läßt sich am besten mit dem kaschmi- hoch eingeschätzt werden, mitunter
rischen ,,Garda" vergleichen. Es wird in reicht ein Zug aus Pfeife oder Joint, um
den nordöstlichen Provinzen hergestellt. den Raucher bis auf weiteres zu beschäf-
tigen. Der Geruch ist sehr würzig bis süß-
lich schwer, besonders wenn man ein Ha-
INDISCHES KASCHMIR schischstückchen aufbricht entwickelt
sich der typische Geruch aus dem Innern.
Einziges Moslemland, in dem in großem
Umfang Haschisch von den Pflanzen ge- LAND: Viele Nepalesen rauchen selbst
rieben wird. Sehr wechselnde Qualitäten, gern Hasch. Keine Polizeiprobleme hat
nur manche Hanfbauern rauchen selbst man in den ländlichen Gegenden zu be-
viele Verschnittsorten, übelste Handels- fürchten. Selbst in Katmandu, dem ei-
mentalität. Nicht unbedingt ist der braun- gentlichen Handelszentrum, kommt es
ste, elastischste Typ auch am besten. Nor- kaum zu den in den islamischen Ländern
malerweise ist Kaschmiri grünbraun, kleb- häufigen Schwierigkeiten (Durchsuchun-
rig aber unelastisch, sehr selten beherr- gen etc.). Selbst der Einkauf von Mengen
schen die Kaschmiri das Umpressen (s. im Kilo-Bereich stellt sich eher unproble-
Nepal) richtig, um das Haschisch auf na- matisch dar.
türliche Art geschmeidig zu machen.
R. Gorig jr. sind Saatgut, Pflanzen und viel Zubehör
zum Anbau erhältlich und hier unterschei-
HANF IN HOLLAND det sich der „Kleinproduzent" deutlich
vom „Großproduzent"; der großflächige
Die Produktion - Nederweed gewerbliche Anbau zielt ausschließlich
Die liberale Drogenpolitik der Niederlande auf die Produktion von Marijuana und Ha-
macht es möglich, daß sich die Konsumen- schisch (noch seltener) und den Abstz
tinnen dort weit mehr mit Anbau-Metho- dieser Produkte ab.
den, künstlicher Kultivierung u. a. beschäfti- • Eigenversorger (Freiland/Treibh. /Innen-
gen und hervorragende Resultate erzielen, zucht), Tausende von Konsumentinnen
im Laufe der letzten zehn-fünfzehn Jahre versorgen sich mehr oder weniger selbst
haben es die Holländer geschafft, 50 % des (Grundversorgung). Vereinzelt wird auch
eigenen Marijuana-Bedarfs zu decken! ein gewisser Kleinhandel betrieben.
Dabei lassen sich die „Produzenten" (An- Für den holländischen Wirtschaftsdozenten
bauer) in drei Gruppen einteilen: A. C. M. Jansen steht fest, daß eine Legali-
• Großproduzent (zumeist Treibhaus-KI.), sierung der Marijuana-Produktion ein wirt-
meist nur am finanziellen Erfolg interes- schaftlicher Faktor ist, der nicht unter-
siert, mehr Quantität als Qualität. schätzt werden darf. In dem Fachblatt Eco-
* Kleinproduzent (Freiland/Teibh./Innen- nomische en Statistische Berichten hat Jan-
zucht), unter dem Motto: „Das Schöne sen seine Ergebnisse aus Untersuchungen
mît dem Nützlichen verbinden" widmen veröffentlicht. Bereits 1989 erregte Jansen
sich zumeist engagierte und organisierte mit seinem Buch „Cannabis in Amster-
Menschen dem Anbau und Vertrieb des dam", einer umfassenden Studie zu Canna-
Endproduktes, meist werden sog. bis-Anbau/Produktion/Vertrieb und Ver-
„Home Grow"-Shops betrieben, dort brauch in Amsterdam, Aufsehen.
Jansen hat den „Marijuana-Sektor" unter- ten weiblichen Blütenstände) entwickelt.
sucht, indem er Fragebögen an Cannabis- Ursprünglich stammt „Skunk"-Marijuana
Pflanzer verschickte, mit ihnen Gespräche aus den USA und ist eine samenlose (Sinse-
führte und holländische Cannabis-Züchtun- milla) Kreuzung zwischen hawaiianischen
gen auf ihren THC-Gehalt hin untersuchte. Hanfpflanzen und amerikanischen Wildhanf-
Ferner untersuchte Jansen die Anbau-Me- pflanzen, somit wurde eine Indica-Linie mit
thoden und Vertriebssysteme, hier lobte einer Sativa-Linie (sog. Hybridproduktion)
Jansen insbesondere die „vernünftige Un- gekreuzt.
ternehmensstrategie" der Pflanzer; da bei Einige amerikanische Hanf-Pflanzer, hier
Freilandzuchten Strauchdiebe die größte nennt die holländische Cannabis-Konsu-
Gefahr darstellen, legen viele Pflanzer meh- menten-Zeitschrift Highlife den Namen
rere kleine verstreute Felder an und be- „Old Ed" und dankt ihm dafür, daß er den
schränken die Gefahr damit. Holländern die „Kunst des Sinsemilla-An-
Jansen stellte auch fest, daß der überwie- baus" beigebracht hat, ließen sich in
gende Teil der Cannabis-Kultivierung im In- Holland nieder und gaben viel Unterstüt-
nenbereich stattfindet; obwohl dort der Ka- zung bei der Entwicklung des Cannabis-
pital- und Arbeitseinsatz intensiver ist, stellt (Sinsemilla-) Anbaus in Holland.
der künstliche Anbau eine kleinere Gefahr Im Laufe der Jahre entstanden immer wei-
des „Entdecktwerdens" dar. Hervorragen- tere „Hybriden-Züchtungen"; bei der Hybri-
de technische Möglichkeiten, in Form von den-Zucht kommt es im wesentlichen drauf
Hochleistungsbeleuchtungsanlagen (400, an, daß positive Eigenschaften zweier ver-
600, 1000 Watt), Reflektoren, Pumpen, Fil- schiedener Hanfsorten miteinander verbun-
ter und Ventilatoren sorgen auch beim In- den werden, beispielsweise wird eine po-
nenanbau für ein hochwertiges Endprodukt tente Sativa mit einer wenig dominanten In-
mit durchschnittlichen Erträgen von 100 dica gekreuzt, und hierdurch wird die lange
g/p. Pfl. Der Grund dafür, daß mittlerweile Blütezeit der Sativa deutlich verkürzt, eben-
viele illegale Kunstlicht-Cannabis-Pflanzun- falls ist es möglich, ertragreiche aber milde
gen entdeckt werden, ist der Umstand, daß Sorten mit hochpotenten Sorten zu kreuzen
Polizei und die örtlichen Elektrizitätswerke und dadurch die Potenz erheblich zu stei-
zusammenarbeiten. gern.
Erstaunlich aber wahr - bei großflächigen Durch Selektion (Auslese) und Inzucht ent-
gewerblichen Innenzuchten ist ein hoher wickelt, gehört die holländische „Skunk"-
Energieverbrauch die Folge; zumeist mel- Variante heute zu einer der erprobtesten
den gewerbliche Pflanzer ihren Stromver- puren Sorten der Welt und dieht Hanf-Züch-
brauch als „Baustrom" an; durch die Zu- tern in aller Welt als Grundlage für weitere
sammenarbeit mit der Energiezentrale fällt Kreuzungen.
es den Behörden relativ leicht, illegale In- Als erster holländischer „Home Grow"-
nenzuchten aufzuspüren. Innerhalb der letz- Shop entwickelte die Firma „Sensi Seeds"
ten zwölf Monate wurden mehrere zehntau- in Amsterdam nun die (vorläufige...) „Krö-
send Hanf-Pflanzen aufgrund dieser Tatsa- nung" der Zuchtkunst; mit der „Super
che landesweit aufgespürt und vernichtet. Skunk" wurde eine Pflanze kreiert, die alles
bisherige auf dem „Skunk-Markt" in den
Qualität statt Quantität Schatten stellt - hier stimmt alles: Duft, Er-
Irgendwann in den frühen 80er Jahren ent- trag und Potenz.
wickelten holländische Cannabis-Züchter, Sorten wie „Silver Haze" mit durchschnittli-
die bis dahin mit verschiedenen Cannabis- chen Erträgen von ca. 50 Gramm je Pflanze
Sorten herumexperimentiert hatten, eine (Innenzucht) machen deutlich, daß die
„Skunk"-Variante mit der Bezeichnung Holländer wieder nach mehr Qualität statt
„Skunk No. 1", kurz drauf wurde „Skunk 2 Quantität streben.
red hair" (red hair wegen der rötlich gefärb- Auf dem Gebiet des Freilandanbaus werden
immer mehr früh blühende Sorten ent- klassen 1, 2 oder 3 oder Haschisch mit „Bei-
wickelt (Early Girl, First Girl etc.), die ge- packzettel" erwerben? In den Niederlanden
währleisten, daß die Pflanzen auch in unse- demnächst sicherlich.
ren Breitengraden rechtzeitig zur vollen
Blüte gelangen. Halloween Hash Bash -
Unter deutschen Freiland-Hanfpflanzern ist der Cannabis Cup
zum Beispiel die südafrikanische Sativa In den Vereinigten Staaten ist es Tradition,
„Durban Poison" sehr beliebt und ge- einmal im Jahr ein Erntefest (u. a. „High
schätzt. Times Harvest-Festival") zu feiern und zu
diesem Anlaß die besten Hanfpflanzen zu
Verbraucherschutz und prämieren. Diesen Brauch haben die Hollän-
Konsumentenkontrolle der übernommen - Höhepunkt aller hollän-
Unlängst fand in Holland (Utrecht) die Grün- dischen Erntefeste ist die Verleihung des
dungsveranstaltung einer Verbraucher- jährlichen Cannabis Cup. Organisiert wird
schutzorganisation statt. Seitdem das nie- der Cannabis Cup von einer Gruppe namens
derländische Kriminalamt (CRI) gefordert C.I.A. (Cannabis in Amsterdam). Den Höhe-
hat, den Hanfanbau konsequent zu bekämp- punkt bildete am 27.11.93 die „Cannabis
fen und in dem Justizminister H. Ballin ein Cup Awards Ceremony", also die Verlei-
„offenes Ohr" gefunden hat, organisieren hung des Cannabis Cup. Der Vorjahresge-
sich die niederländischen Konsumentlnnen winner Corrie Louwerier („Dutch Passion")
zunehmend mehr und legen immer fundier- hielt seine Gewinnerin vom Vorjahr, „Haze
tere Argumente für eine Legalisierung aller Skunk" auch in diesem Jahr für unübertrof-
Hanfprodukte vor. fen, und die Jury gab ihm recht und zeich-
Änlich der gesamteuropäischen Situation nete „Haze Skunk" mit dem Cannabis Cup
werden in den Niederlanden die wirtschaft- aus.
lichen Vorteile des Hanfanbaus ernsthaft Nebenbei sollte erwähnt werden, daß der
unter Fachgremien diskutiert. Im medizini- MTV-Moderator Ray Cokes die „CC Awards
schen Bereich wird heute schon Cannabis Ceremony" moderierte. Abgerundet wurde
legal in Holland an krebskranke Menschen das Spektakel mit „AbgesandtInnen" der
verabreicht; so in der Universitätsklinik von US-Magazine Playboy und natürlich dem
Amsterdam. Aufgrund internationaler For- High Times Magazine.
schungsarbeit ist abzusehen, daß die thera-
peutische Verwendung von Cannabis in Nervöse Zeiten - Overlast Hennep
Holland an Bedeutung gewinnen wird. Die Eröffnung des ersten kompletten
Um nochmals auf das Thema Konsumen- „Hanf-Shops" in Amsterdam (1013 GE Am-
tenkontrolle zurückzukommen; seit langem sterdam. Droogbak 2), mit Verkauf von
informiert die Konsumenten-Zeitschrift Hig- Hanf-Textilien, Hanf-Papier, Samen, Seilen,
hlife über Qualitäten und Preise im ganzen Ölen u.v.a.m. darf nicht darüber hinwegtäu-
Land; unter der Rubrik „Koffieshop-Test" schen, daß die holländischen Behörden
werden Coffeeshops in ganz Holland gete- beim Wort Hanf momentan nervös werden.
stet. Der Konsument erhält so einen guten Auf Druck des Drogenkontrollrats der UN
Überblick über das aktuelle, regionale verschärft die holländische Administration
Marktgeschehen. Die in Utrecht gegründe- mittlerweile die Kontrollen über die Coffee-
te Verbraucherschutzgruppe will künftig shops und bekämpft den gewerblichen
dafür sorgen, daß Marijuana und Haschisch Hanfanbau konsequenter als bisher. Eine
sozusagen qualitativ klassifiziert wird, d. h. wahre Flut von Razzien, Beschlagnahmun-
mit Gütesiegeln versehen wird. Für die Kon- gen und Hanf-Vernichtungs-Aktionen über-
surnenten soll sich dadurch der qualitative schwemmte das Land - den Anfang mach-
Überblick erheblich verbessern. ten die holländischen Großstädte wie Am-
Wird man künftig Marijuana der Qualitäts- sterdam (1992 im Dezember).
Ein Jahr nach der "Kampfansage" von Ju- Das Ratespiel hat ein vorläufiges Ende ge-
stizminister H. Ballin ist ein Ende nicht abzu- funden, wie die Ergebnisse einer Untersu-
sehen. Die Behörden lassen die Szene nicht chung des CRI (Dutch Criminal Intelligence
zur Ruhe kommen und bringen regelmäßig Service) ergeben haben. Netherweed, der
neue umfangreiche „Aktionen" ... Doch holländische Hanfanbau, nimmt hinter To-
auch ausländische „Hanf-Touristen", vor- maten, Gurken und Paprika schon einen
nehmlich aus Frankreich, Luxemburg, Belgi- medaillenverdächtigen vierten Platz in der
en und Deutschland werden Opfer dieser Erzeugerliste der holländischen Landwirt-
restriktiven Politik. schaft ein, mengenmäßig. Die Qualität aller-
Und schon werden „Hanf-Bezugsscheine" dings übersteigt alles bisher dagewesene.
für HolländerInnen gefordert; wohlgemerkt In den '60er Jahren hatte Netherweed
von KonsumentInnen-Seite - die Angst der einen THC-Anteil von 0,5%. Importiertes
HolländerInnen um ihr grünes Kraut? Cannabis in Hollands Coffee-Shops enthält
selten einen höheren THC-Anteil als 14%,
HOLLÄNDER GRAS Proben aus holländischen Gewächshäusern
REKORDVERDÀCHTIG erbrachten nun Werte zwischen 9% und
27%! Das bringt den Privatzüchtern Hol-
Jahrelang waren sich die 'Experten' uneins: lands nicht nur wissenschaftliche Anerken-
Woher kommt das Cannabis mit der stärk- nung aus der botanischen Fachwelt, son-
sten psychoaktiven Wirkung? Tempelshit dern auch gute Umsätze & erhöhten Eigen-
aus Nepal? High-tech Dope aus Kalifornien? genuß. Das höchste High.
Roter Libanese? Zero Zero aus Marokko? (Info aus New Scientist, 12.9.92)
Gras aus Jamaika?
HASCHISCH-HERSTELLUNG
Von allen Cannabis-Produkten taucht auf
dem deutschen Markt am häufigsten
Haschisch in seinen vielfältigen Farben,
Formen und Qualitäten auf. Die Bezeich-
nungen richten sich meist nach der Farbe
der Sorten, die Palette reicht von „Gel-
bem Marokk" und „Grünen Türken" über
„Roten Libanesen" zu den dunkleren und
potenteren Sorten wie „Schwarzer Afgha-
ne" oder „Schwarzer Nepali". Parallel zur
Farbe finden sich auch unterschiedliche
Materialeigenschaften. Sind helle gelbliche
oder grünliche Qualitäten oft von eher
milder Wirkung und spröder Struktur, so
nimmt die Potenz ( = der THC- oder
Harzgehalt) über die rotlich-bräunlichen
Sorten aus dem Libanon zu den hoch-
potenten, fast schwarzen, sehr harzrei-
chen und daher erstaunlich elastischen
Sorten Afghanistans, Nordwest-Pakistans,
Nordindiens und Nepals immer mehr zu.
Haschisch besteht vorwiegend aus den
Drüsenköpfen der Cannabis-Pflanzen, wie
wir sie besonders reich und groß an den
Blütenständen der weiblichen Pflanzen
finden. Weiterhin kommen allerlei bei
der Gewinnnung anfallende Pflanzenteile
(Blatteile, Zystolithenhaare/Trichomen,
evtl. Samen etc.) und Verunreinigungen
(Staub etc.) hinzu. Es sind zwei Verfah-
ren der Haschischherstellung bekannt:
1. Abreiben der Harze zwischen den
Händen von der lebenden Pflanze.
2. Abschütteln der staubartigen Harzteile
(Drüsen) von der geernteten und getrock-
neten Pflanze. Die Harzteile werden aus-
gesiebt und gepreßt.
HARZREIBEN
Die harzreichen Teile der noch lebenden
Pflanze werden vorsichtig zwischen den
Handflächen gerieben. Hierbei brechen
viele Drüsen auf, das sich ergießende
Harztröpfchen klebt an der Handinnen-
fläche fest. Nach einiger Zeit des Reibens
(engl. „rubbing") werden die Handflächen
sehr klebrig (= Harzfilm) und sehen
schmutzig aus. Reibt man sie nun unter
Zugabe von einigen Tropfen Wasser,
bilden sich kleine, schwärzliche, spindel-
förmige Krümel (wie wenn man dreckige
feuchte Hände gegeneinanderreibt), die
durch kreisende Bewegungen der Hände
zu einem kleinen Kügelchen zusammen-
gerollt und dann beiseite gelegt werden.
Das Reiben an den Pflanzen beginnt von
neuem, u.s.f.. Viele der so gewonnenen
Klümpchen werden zu Kugeln oder Eiern
zusammengeknetet, die wie aus vielen
fingerlangen Stückchen zusammengesetzt
(= engl. „Fingerclusters") aussehen.

PRESSEN

Diese Fingerclusters werden später zer-


kleinert (mit Mörser oder Stein zerstoßen)
und von Hand wie Brotteig in kleinen
Mengen solange durchgewalkt, bis eine
homogene (= gleichmäßige) Haschisch-
masse entsteht. Das fertige Haschisch ist
von dunkelbrauner Farbe, klebrig, sehr
elastisch und hat außen ein speckiges
Aussehen. Es weist eine gleichmäßige
Struktur auf, ohne die in schlecht ge-
preßtem Haschisch typischen Bruchstel-
len, wenn man das Stück biegt. Durch
Rollen auf einer glatten Unterlage (Plastik-
folie oder Teller etc.) werden die Poren
und feinen Risse an der Oberfläche des
golfballgroßen Haschischstücks verschlos-
sen. Beim Durchschneiden eines Balls
sieht man diese ,,Schale". Durch diese
Versiegelung läßt sich das Haschisch ohne
größere Lagerungsverluste für das Innere
(jenseits der 1 -2 mm starken äußeren
Schicht etwa) über längere Zeit aufbewah-
ren. Durch das Pressen ist auch die Luft
aus dem Haschisch verschwunden, sodaß
der Abbau von THC zu CBN erheblich
gemindert ist.
U m p r e s s e n : Um von der üblichen
Kugelform (= geringste Oberfläche und
daher beste Lagerungsform) in die typische
Versandform der Platten umzupressen,
wird das Haschisch in Plastikbeuteln in die
pralle Sonne gelegt, wo es sich erwärmen
und dadurch geschmeidiger werden soll.
Dann wird es in kleinere Stücke zerbröselt,
die man ebenfalls (um Feuchtigkeitsverlust
zu vermeiden) in Plastiktüten lagert. In
einer dicken Folie oder einem Leinentuch
eingeschlagen werden die Brösel nun in
die viereckige Form einer Handpresse
gelegt und zu der gewünschten Platte ge-
preßt. Bei Bedarf kann die Presse, um die
Elastizität des Materials zu erhöhen, von
unten z.B. mit Holzkohlenglut oder
einem Spiritusbrenner beheizt werden.

Das Harzreiben muß vorsichtig ausgeführt


werden, weil sonst auch Blatteile abreißen
oder gar Samen untergemengt werden, die
sich später als Verunreinigungen im
Haschisch finden. Der Vorteil der Methode
liegt darin, daß jede Pflanze mehrmals
,,geerntet" werden kann. Besonders bei
Sinsemilla-Pflanzungen - und diese sind
seit alters her in den Himalaya-Gegenden
üblich, jede Pflanze mit erkennbar männ-
lichem Geschlecht wird sofort ausgeris-
sen -, die über mehrere Wochen hinweg
blühen, kann zwei- bis dreimal je Saison
gerieben werden. Hinzu kommt ein Rei-
ben nach der Ernte der Pflanzen, die
Pflanzen werden schließlich getrocknet
und als Marijuana verwendet oder man
pulverisiert ihre immer noch genügend
harzreichen Blutenstände, um unter Zu-
gabe von Wasser ein weniger starkes, hell-
grünes, hartes und sprödes Haschisch
(„Garda" oder ,,Gurda") zu gewinnen.
Gern wird schon beim Reiben etwas Fett
auf die Hände geschmiert, wodurch das
Haschisch sich später einfacher pressen
läßt.
Tageszeit beim Reiben: Das Reiben Drüsenköpfe fallen schon bei geringer
findet meist in den Morgenstunden statt, Erschütterung von den vertrockneten Drü-
weil zu dieser Zeit die Pflanzen klebriger senstielchen ab und gelangen durch die
sind. Keinesfalls stimmt es, daß in den feinen Maschen des Gaze-Tuches in das
Vormittagsstunden besonders viel Harz Auffangbehältnis. Gleichzeitig ausfallende
„ausfließt", das Harz befindet sich vor- Blättchen oder gar Samen werden vom
wiegend in den Drüsenköpfen, von denen Tuch zurückgehalten. Sind die ersten
nur wenige von allein aufplatzen und ihren schwereren und daher locker sitzenden
Inhalt freigeben. Drüsenköpfchen abgefallen (= die beste
Eine geübte Person wird 10-12g Haschisch Harzstaub-Qualität), wird durch Ausschüt
je Stunde von den Pflanzen reiben. Die teln bis Ausdreschen der Pflanzen nach-
Arbeit beginnt morgens zwischen 4 und geholfen, sodaß auch kleine und nicht
ausgereifte Drüsen sich von Kelch und
6 Uhr, taunasse Pflanzen lassen das Harz
Blattern lösen und durch das Sieb in das
eher an den Handflächen kleben.
Auffanggefäß fallen.
Gegenden: Harzreiben ist als Haschisch- Erstklassige Qualitäten werden beim ersten
gewinnungsmethode vorwiegend in der Sieben erzeugt. Die getrockneten Blüten-
Himalaya-Region verbreitet: Nepal, trauben werden auf das über die Auffang-
Bhutan, Kaschmir, Manali, und kommt schüssel gespannte Seidentuch gelegt und
nur gelegentlich (und dann in kleinem bis vorsichtig geschüttelt. Für die zweitbeste
privatem Umfang) in Ländern vor, in Qualität wird man dann die Blütentrauben
denen Haschisch vorwiegend aus Harz- leicht über das Tuch reiben, eine dritte
staub gewonnen wird (z.B. Libanon). Qualität fallt bei kräftigerem Reiben über
das Tuch an, die vierte Qualität entsteht,
wenn man die Blütentrauben durch das
HASCHISCH AUS HARZSTAUB Tuch zu reiben versucht. Die schlechteste
Qualität wird produziert, wenn das Pflan-
Auch bei dieser Methode sollen vorwie- zenmaterial grob durch ein nicht so feines
gend die harzreichen Drüsen gewonnen Gewebe passiert wird.
werden. Zu diesem Zwecke trocknet man
die soeben geernteten reifen Pflanzen. Die Der gewonnene Harzstaub kann praktisch
drüsenreichen Blütenstände werden vor- ohne Potenzverluste über längere Zeit auf-
sichtig über einem großen Sieb ausge- bewahrt werden (Das Harz ist in den ver-
schüttelt und schließlich ausgedroschen. schlossenen Drüsen luftdicht und geschützt
Die besonders schweren und harzigen aufgehoben).
Pressen: Um aus dem Harzstaub Ha- großem Druck gepreßt. Es werden vor-
schisch zu pressen, bedient man sich ent- wiegend Buchpressen verwendet (evtl. mit
weder maschineller Hilfsmittel (Harzstaub einer unter der Presse angebrachten Wär-
in Beuteln in Buchpressen, hydraulischen mequelle = Holzofenglut oder Spiritus-
Preßvorrichtungen, unter dem Reifen brenner, damit ein harzarmer Harzstaub
eines schweren LKW) oder der Handpres- besser zusammenbackt), gelegentlich
sung. hydraulische Preßvorrichtungen. Auch
unter dem Reifen eines schweren Last-
Harzstaub läßt sich auf zweierlei Weise
wagens läßt sich eine mechanische Pres-
zum Endprodukt Haschisch verarbeiten:
sung durchführen. Bekannt ist die Metho-
de, kleinere Mengen Harzstaub in stabilen
1. Pressen mit mechanischen Hilfsmitteln: Tüten in den Schuh zu legen. Beim Gehen
Harzstaub wird in Textilsäcke oder Pla- wird die Masse mit der Zeit unter Körper-
stikbeutel verpackt. Die Beutel werden
wärme und mit dem Gewicht des Körpers
in eine Preßvorrichtung gelegt und unter
gepreßt.
2. Pressen von Hand:
Ist der Harzstaub entsprechend harzhaltig,
läßt er sich ohne äußere Hilfsmittel auch
von Hand pressen. Der Harzstaub wird
zerkleinert und in kleinen Mengen (ca.
10-20 g) unter Zugabe von ein wenig
Wasser oder Tee zwischen den Handflä-
chen wie ein Brotteig geknetet und ge-
walkt. Zwischendurch formt man das
werdende Haschischstückchen zu einem
flachen Teller, den man kurz über einer
Wärmequelle geschmeidiger macht. Durch
das Walken werden die Drüsenköpfe zer-
stört, ihr harziger Inhalt fließt aus und
läßt die Haschischmasse zu einem gleich-
mäßigen elastischen würzig riechenden
Etwas werden.

Ganz hervorragende Staubsorten können


von Hand ohne Zugabe von Wasser ge-
preßt werden.
Handpressung läßt sich mitunter auch mit
libanesischem Staub durchführen (wird
aber im Ursprungsland nur zum Eigen-
bedarf gemacht). Vorwiegend kommen
Staubsorten aus Afghanistan und der
pakistanischen Frontier Province dafür in
Frage.
Harzstaub wird in den moslemischen Her- verhindern und so die Blütedauer auszu-
stellungsländern gewonnen (Marokko, dehnen, kann man genausogut Haschisch
Türkei, Libanon, Afghanistan, Pakistan), von männlichen Pflanzen gewinnen. Aller-
da sich diese Methode für die großtechni- dings enthalten die männlichen Blüten-
sche Produktion am besten eignet. Die stände nicht soviele Harzdrüsen wie die
Hanfpflanzen werden auf großen einheit- weiblichen, wenn auch die Zusammen-
lich mit Hanf bestellten Feldern z.T. be- setzung des Harzes nicht vom Geschlecht
reits maschinell angebaut und geerntet. sondern vom erblichen Sortenmerkmalen
Bei beiden Methoden läßt es sich nicht abhängt.
vermeiden, daß außer den begehrten
Harzdrüsen auch noch andere feine Ma-
terialien anfallen: so sind es vor allem die POLLEN
feinen spitzen Zystolithenhaare, die die
gesamte Cannabis-Pflanze bedecken, Reste Die männlichen Pollen finden sich oft im
von Narben und sonstigen Blütenteilen, Haschisch. Sie werden vom Wind durch
Pollen, anhaftender Staub und Schmutz die Pflanzung getragen (sofern überhaupt
sowie inzwischen zu Staub zerfallene männliche Pflanzen belassen werden!)
Pflanzenteile oder abgerissene Krautteile und bleiben teilweise in den oft klebrigen
(bei Methode 1), die sich neben den Drü- weiblichen Blütenständen hängen, von wo
senbestandteilen bei der mikroskopischen aus sie mitverarbeitet werden. Bei Reiben
oder Ausklopfen männlicher Pflanzen
Untersuchung von Haschisch nachweisen
fallen noch in den Staubbeuteln verblie-
lassen.
bene Pollen an. Pollen selbst enthalten
Die Qualität des Haschisch richtet sich praktisch kein Harz, wohl aber finden
nach sich an den Pollensäcken ( = Staubbeuteln)
- dem THC-Anteil des Harzes Harzdrüsen. Der Kontakt mit pollenrei-
- der Harzmenge chen Haschischsorten oder teilweise männ-
- Alter und Lagerung (THC wird durch lichem Marijuana kann bei Allergikern
Licht, Luft, Wärme zu CBN abgebaut) (Heuschnupfen, Asthmatiker) zu Niesen
und tränenden Augen etc. führen.
Oft wird der Harzstaub in den Ursprungs-
FARBE DES HASCHISCH
landern fälschlich als ,,Pollen" bezeichnet.
In Wirklichkeit handelt es sich jedoch im-
Wenn THC mit Luft reagiert (= Oxyda
mer um Drüsenköpfe. Pollen sind sehr viel
tion), entstehen außer CBN auch noch
kleiner als die Drüsenköpfe.
weitere inaktive Verbindungen, wahr-
scheinlich Polymere. Diese haben eine
GROSSPRODUKTION
schwarze Farbe. Sie treten auch bei der
Oxydation von synthetischem THC auf. Haschisch ist ein großes Geschäft gewor-
An der lebenden Pflanze lassen sich in den, das hat sich inzwischen bis in jedes
den Drüsen Farbveränderungen des Har- afghanische Dorf herumgesprochen. So ist
zes von durchscheinend über honigfarben es nur verständlich, daß sich auch die Er-
zu bräunlich ausmachen. Weitere Oxyda- zeugerländer entgegen ihrer früheren sorg-
tion von Harzen (vielleicht nicht nur THC, fältigen, ja liebevollen Arbeitsweise auf
keine Untersuchungen bekannt), können industrielle Großproduktion umgestellt
zu einer weiteren Dunkelfärbung führen. haben. Statt die Drüsenteile akribisch von
den weniger gewünschten weil weniger
Männliche oder weibliche Pflanzen potenten Krautteilen zu trennen, ist man
bei der Haschisch-Herstellung? dazu übergegangen, ganze Blutenstände zu
Obwohl in den meisten Anbauländern der pulverisieren (Türkei, Marokko) und bei-
Dritten Welt die männlichen Pflanzen so- zumischen. Immer noch die vertretbarste
gleich bei Erkennung ausgerissen werden, Art der Streckung, aber gute harzige Sor-
ten werden dadurch inzwischen immer
um eine Bestäubung der Weibchen zu
seltener.
LAGERUNG VON HASCHISCH
Die Temperatur sollte so niedrig wie mög-
Die psychoaktive Verbindung THC zer- lich gehalten werden, unterschreitet sie
setzt sich unter dem Einfluß von Sauer- jedoch den Gefrierpunkt, muß man damit
stoff (= Oxydation) zu dem inaktiven rechnen, daß das restliche noch vornan-
CBN. Ein noch größerer Feind des THC dene Wasser kristallisiert (= Eis) und damit
ist das Licht. Abbauvorgänge beschleu- die Struktur des Haschisch sprengt. Sol-
nigen sich bei Wärme (= höhere Moleku- ches Material kann nach dem Auftauen
larbewegung). einen eher mürben Eindruck machen,
wenn auch Aroma und Wirkstoffe nicht
Um die Potenz von Haschisch zu erhal- angegriffen sind, man muß dann neu pres-
ten, muß es daher vorwiegend vor Licht sen.
geschützt werden, ein geringes Problem,
da das Licht ohnehin höchstens die äußer-
ste Schicht erreichen könnte. Lagerung LAGERUNGSFEHLER
unter Sauerstoffabschluß aber laßt sich in
der Praxis nie völlig verwirklichen. Am Treten bei Haschisch seltener auf als bei
besten ist das Harz in seiner natürlichen Marijuana, da die der Umgebung ausge-
Hülle, den Drüsenköpfen, aufbewahrt. setzte Oberfläche sehr viel kleiner ist.
Daher wird Haschisch erst aus dem bereits Schimmelbildung stellt die größte Gefahr
gewonnenen Harzstaub hergestellt, wenn für Haschisch dar, sieht man einmal von
das Endprodukt sogleich verkauft werden THC-Abbau begünstigenden Fehlern wie
soll. Hat man ein Stück Haschisch produ Lagerung an warmen, hellen und luftigen
ziert, kann man durch Rollen eines mög- Orten ab. Schimmel kann die Oberfläche
lichst kugelförmigen Stückes (= geringste eins Haschischbrockens überziehen (meist
Oberfläche bei maximalem Rauminhalt) weißliche Farbe und typisch muffiger Ge-
die dünne Außenschicht verdichten, die ruch) oder gar mit der Zeit ins Innere ein-
Poren werden beim Rollen über eine dringen.
glatte Oberfläche (= Folie, Teller etc.)
verschlossen. Das Innere des Stückchens Schimmel benötigt vor altem Feuchtig-
ist nun ziemlich luftdicht eingeschlossen. keit (= Wasser) und Luft zum Überleben,
seine Nahrung bilden einfache Kohle-
Haschisch wird meist in Plastikfolien auf- hydrate (= Zucker, Stärke) aus den Resten
bewahrt, weil es so weniger Aroma ver- von Pflanzenzellen. Schimmel greift die
liert und weniger Luft an die Oberfläche Harzstoffe nicht an!
des empfindlichen Materials dringen kann.
Betroffen sind zu wasserreiche Haschisch-
proben, wenn etwa zuviel Feuchtigkeit
beim Handpressen von afghanischem Ha-
schisch verwendet wurde und die Proze-
dur beendet wurde, bevor die Feuchtig-
keit bei der Pressung wieder verdunsten
konnte.
Sehr oft findet sich Schimmelbildung
auch an Haschischbrocken, die durch
Handreiben produziert wurden, wenn das
frische Haschisch entweder nicht ausrei-
chend umgepreßt oder an einem zu feuch-
ten Ort gelagert wurde.
Einem Anflug von Schimmel auf der
Oberfläche kann durch Umpressen unter
Wärmeeinfluß (= Verdunsten des über-
schüssigen Wassers) und luftdichte, trok-
kene Lagerung (= Oberfläche leicht ein-
HASCHISCH-MÄRCHEN

Nette Geschichten für verrauchte Stunden


hat es schon immer gegeben. Und Glaube
versetzt Berge. Vieles aber ist einfach
schlicht erlogen. So gibt es in Indien kein
weißes Haschisch (,,weiße Tempelku-
geln"), das nur von ausgesuchten Mön-
chen geraucht wird. Es handelt sich hier
um einen Werbegag wahrscheinlich US-
amerikanischer Hersteller, die ihr synthe-
tisches Haschisch (= synthetisches THC
auf Luzernemehl) mit mystischem Zin-
nober verkaufen wollen. Auch rennt nie-
ölen, dicht in Plastik verpacken etc.) be-
gegnet werden. Schlägt dann der Schim- mand nackt durch irgendwelche Felder,
um sich letztlich das Haschisch mit dem
mel doch noch erneut aus, wird er wie ein
Messer von der Haut zu kratzen. Von
Adernetz das Haschischstück durchziehen.
Haschischblättern tropft kein Harz und
Unter dem Einfluß des Schimmels verliert auf Cannabispflanzen gepfropfte Hopfen-
eine Haschischprobe an Gewicht, weil pflanzen können gar keine Cannabinoide
sich der Schimmel von den ursprünglich produzieren. Bei Forschern und Rauchern
im Haschisch vorhandenen Kohlehydraten ist sogar noch immer umstritten, ob es
ernährt und CO2 ausatmet. Da die Harz- verschiedenartig (nicht verschieden stark!)
stoffe gleichzeitig fast nicht angegriffen wirksame Haschischsorten gibt. Viel ist
werden, reichern sich die Cannabinoide Übertreibung, Einbildung, Placebo. Aber
im schimmeligen Haschisch relativ an. wenn's mehr Spaß macht...
Enthielt das Kilo ursprünglich 40 g THC
= 4%, so finden sich in den nach Schim-
melbefall verbliebenen 800 g ebenfalls HASCHISCH-BEURTEILUNG
noch rund 40 g THC = 5%, eine relative
Potenzsteigerung um ein Fünftel (= +20%) Welches Haschisch ist das „beste" = wirk-
also. samste?
Gleichzeitig muß der Raucher allerdings Die Wirksamkeit von Haschisch richtet
ein furchtbares Aroma in Kauf nehmen: sich ausschließlich nach dem Gehalt an
muffig, eklig. In den Herstellungsländern THC. Dieser ist am höchsten in frisch zu-
werden derartige Entgleisungen entweder bereitetem Material und läßt aus den be-
einfach auf den Müll geworfen oder kannten Gründen (Luft, Licht, Wärme)
Schimmel-Afghan-gläubigen Ausländern mit der Zeit nach.
verkauft.
Läßt sich die Frische vielleicht noch am
Geruch feststellen, so bleibt doch der
THC-Gehalt allen noch so erfahrenen
Kennern verborgen, bis sie eine Probe ge-
raucht haben. Noch definitiver läßt sich
der THC-Gehalt nur mit chemischen
Tests bestimmen, zu denen den meisten
Rauchern allerdings noch der Zugang ver-
wehrt sein dürfte.
Lassen die Umstände einen Test durch
Rauchen oder Reagenzen nicht zu, kann
man sich nur auf eine Reihe recht allge-
meiner Merkmale verlassen, die jedoch
nicht verbindlich zutreffen müssen:
FARBE: Schwarz-braune Sorten, die Bei geriebenem Haschisch dürften keine
obendrein noch elastisch sind, zeichnen Blattstückchen oder gar Samen vorkom-
sich zumindest durch hohen Harzgehalt men.
aus (Nepali, Afghani, Pakistani, Kaschmi-
ri, Manali). Braune bis rötliche Sorten ELASTIZITÄT: Das reinste Harzextrakt
lassen sich mit etwas Wärme und gutem ist noch immer recht zäh bei Temperatu-
Willen in kleinen Stücken auch noch kne- ren unter 20°C, im Gegensatz zu den der
ten (Roter Libanese) und folgen den verkaufsfördernden Biegsamkeit wegen oft
dunklen Sorten in der Potenz. Oft ist ihr zugesetzten Fette, die entweder brechen
Abstand zu grünen oder gelben Sorten (Kokos) oder fließen (Öle, Butter). Elasti-
jedoch nur gering. zität und Klebrigkeit nehmen bei Canna-
bisharzen (und Harzen allgemein) gleich-
SORTE: Oft ist die gesamte Umgegend zeitig zu. Verschnittstoffe kleben nicht!
mit denselben zwei oder drei Sorten ver- Kaschmiri ist bei Zimmertemperatur stein-
sorgt, man kann sich umhören. In man- hart, läßt sich bei Handtemperatur je-
chen Ursprungsländern werden bestimmte doch wunderbar formen und entwickelt
Verpackungsformen von bestimmten Sip- gleichzeitig durch die Wärme sein Aroma.
pen oder manche Ortschaften als Güte- Wenn man ein paar Minuten mit einem
merkmal gewertet. Stückchen Haschisch spielen kann, läßt
sich einiges daraus schließen.
GERUCH: Ein aromatisch würziger deut-
licher Geruch zeigt meistens die Frische HITZEVERHALTEN: Nur mit viel Er-
eines Produktes an. Bekanntlich oft der fahrung läßt sich beurteilen, ob die bei
einzige on-the-spot-Test. Ätherische öle einem weichen Haschisch bei Erhitzen
sind für den Geruch verantwortlich und über Streichholz oder Feuerzeug auftre-
verfliegen mit der Zeit. tenden Blasen auf eine starke Wasser-
beimengung (Afghani) oder hohen Harz-
STRUKTUR: Ein Schnitt durch eine gehalt zurückzuführen sind. Dasselbe gilt
Haschischprobe evtl. mit einem angewärm- für das Aussehen einer beim Verbrennen
ten Messer gibt Auskunft über den Harz- eines dünnen Haschsticks sichtbaren Flam-
gehalt: ist die Schnittfläche auch über me. Haschisch sollte allerdings vorwie-
die Randschicht hinaus speckig glänzend, gend nur kurz oder mit kleiner Flamme
darf man mit viel Harz (oder Fettver- brennen, dann eher weiterglimmen. Ver-
schnitt) rechnen. Zeigt das erste Drittel dächtig sind stark rußende Flammen, die
der Schnittführung z.B. einen speckigen nicht ausgehen wollen (Öle und Fette) so-
Glanz, muß sich die Schnittstelle auch wie Gerüche aus der Bratküche oder dem
klebrig anfühlen, selbst wenn das Ha- Autosalon.
schisch etwas erwärmt ist (bei Fettanteil
nicht klebrig, schon gar nicht bei Erwär GESCHMACK UND GERUCH BEIM
mung). RAUCHEN: Auch hier eine Domäne fort-
Je feiner die Körnigkeit, desto besser die geschrittener Kenner. Schwer erlernbar
Qualität. Das Haschisch darf nicht aus (ähnlich wie man nicht zum Wein- oder
verschiedenfarbigen Lagen bestehen. Zigarrenkenner ausgebildet werden kann).
Kleine Wurst rollen (warm) und knicken.
Am Aufbruch lassen sich mehr oder weni- RAT VON ANDEREN: Oft die beste
ger grobe Fasern und Gewebeteile erken- Methode für den Unkundigen, der im In-
nen. oder Ausland einkaufen will, vorausge-
setzt der „Freund" ist weder eindeutig
VERUNREINIGUNGEN: Staub und Sand geschäftstüchtig noch profilsüchtig.
sind schwer und billig. Kleines Stück
Haschisch zwischen den Zähnen kauen.
Sollte nicht knirschen.
HANDEL IN DEN Verhalten des ,,Schuldigen") zu einem Ge-
URSPRUNGSLÄNDERN, fängnisaufenthalt oder einer Abschiebung,
EINKAUF, AUSFUHR ETC. taucht nur ein Bruchteil der beschlag-
nahmten Ware in den Akten auf.
Haschisch ist ein großes internationales Die Zusammenarbeit zwischen ortsansäs-
Geschäft. Viele Menschen wollen viel sigen Händlern und Polizei funktioniert
Geld daran verdienen, daß die Nachfrage mancherorts so prächtig, daß der betroge-
höher als das Angebot ist und dem Kon- ne Käufer wirklich daran glaubt, durch
sumenten in Qualitätsfragen nur selten Zufall in die mißliche Situation geraten
die Wahl oder die Möglichkeit, vorher zu sein und Glück gehabt zu haben. Wer
sicher zu beurteilen, bleibt. auch immer schon mehr als eine Nacht
in einem Gefängnis in einem beliebigen
ORGANISIERTER VERTRIEB Dritte-Welt Land verbracht hat, sagt, daß
zeichnet sich vor allem durch Regel- der Verlust aller Güter immer noch dieser
mäßigkeit aus. Immer wieder wird der Tortur vorzuziehen ist. Denn letztlich hat
selbe Großabnehmer bei demselben Her- man ohnehin alles verloren, wenn man
steller einkaufen. Hier wird von Anfang schließlich nach langer Zeit mit Hilfe von
an in der auch für andere (legale) Ge- Botschaft und/oder Angehörigen heraus-
schäfte üblichen Weise hart aber offen kommt und ist obendrein als Rauschgift-
verhandelt und abgeschlossen. Der ein- händler oder -Schmuggler international
heimische Anbieter kann sich durch Be- (per Abkommen) aktenkundig. Man wird
trugsversuche nicht den Verlust des zah- daher immer versuchen, alles mögliche in
lungskräftigen oft ausländischen Abneh- Gang zu setzen, um einen Gefängnisauf-
mers leisten, er versucht Gewinneinbrüche enthalt zu vermeiden.
auf die für ihn arbeitenden Kleinbauern
abzuwälzen. Selbst in den Fällen, wo nicht drogen-
interessierten Reisenden Drogen unter-
Ausfuhr aus Dritte Welt-Ländern ist mit geschoben werden, um auf diese Weise
reichlichen Schmiergeldeinsätzen verbun- einzuschüchtern und von Behördenseite
den, Polizei, Beteiligte in Tarnunterneh- illegal zu kassieren, empfiehlt es sich, zu
mungen und Zoll wollen alle ihren Anteil. zahlen. Auch wenn der Vorgang nach
Schmuggelverpackungen werden meist im einigen Wochen Gefängnis (U-Haft) als
Ursprungsland produziert, seltener kommt Irrtum zu den Akten gelegt und man mit
es zum Versand über mehrere Zwischen- einer netten Entschuldigung entlassen
stationen, meist um durch frisierte Papiere wird, kann die Zeit im Gefängnis einem
den Ursprung einer Sendung zu tarnen. das Erlebnis einer der vielen unschönen
Tropenkrankheiten bescheren. In Indien
GROSSVERTRIEB etwa wartet man wegen geringster Lappa-
AN EINZELPERSONEN lien ca. sechs Monate auf seinen Prozeß
beinhaltet für den Einkäufer das höchste (z.B. in Visa-Fragen).
Risiko. Es lohnt sich für den einheimi-
schen Verkäufer, einem befreundeten In der Regenzeit bei fast 100% Luftfeuch-
oder verwandten oder verpflichteten Poli- tigkeit und über 30°C in dumpfen Räu-
zeioffizier Menge und Versteck des men mit Ratten, -zig Mithäftlingen und
dem bekannten Essen aus Chilli und wei-
Schmuggelgutes zu verraten. Bei einer
Festnahme wird das Haschisch beschlag- ßem Reis ohne Salz unter unvorstellbaren
nahmt und diese Beute an den Verkäufer hygienischen Bedingungen und Mücken-
plage (Malaria) kein Vergnügen.
zurückgegeben oder untereinander aufge-
teilt. Gleichzeitig fällt eine oft nicht Wie bei allen gesetzlich nicht erlaubten
unerhebliche Bestechungssumme in die Handlungen gefährden auch beim Um
Hände des Polizisten (Freikauf. Meist gang mit Haschisch Mitwisser den erfolg-
alles vorhandene Bargeld und Wertgegen reichen Ausgang der geplanten Unterneh-
stände etc.). Kommt es (bei unklugem mung. Niemand, vor allem nicht Konkur-
renten der einheimischen Verkäufer, darf
Aufbewahrungsort und Schmuggel ver- halten einen kleinen Laden in Kabul, um
steck bzw. Versandweg des Haschisch ihr Haschisch direkt an fremde Einkäufer
kennen, wenn man nicht an der nächsten abzugeben. Nur ein Mitglied der Familie
Grenze bei der Ausfuhr bereits mit einer ist damit beschäftigt, den ganzen Tag lang
zielsicheren Öffnung der hohlen Schraube Wasserpfeifen anzurauchen und den po-
gleich neben der Ölwanne und einem wis- tentiellen Kunden die Qualität des Ha-
senden Lächeln des Beamten überrascht schisch vorzuführen.
werden möchte. In Indien und dem ebenfalls vorwiegend
Alle Tricks, die Einheimische ihren Kun- hinduistischen Nepal ist Cannabis weit
den empfehlen, sind anderen Stellen be- mehr als Bestandteil eines möglichen
kannt. Tricks, die sich der findige Fremde religiösen Lebens akzeptiert. In vielen
in langwierigen Studien erarbeitet hat, Hausgärten stehen ein paar Pflanzen zum
sind vielleicht genauso bekannt, machen Eigenbedarf oder man verschafft sich
aber spätestens die Runde, wenn er um Haschisch von Verwandten, die weiter
die Meinung der „Profis" fragt. in den Bergen wohnen. Im Zweifel kann
man immer noch ein paar Gramm selbst
Mittlere Mengen (bis 2 kg) sind nicht von den Pflanzen reiben, ohne daß großer
wichtig genug, um durch Intrigen große Anstoß daran genommen würde, auch
Gewinne zu erzielen, es sei denn, der wenn die Besitzverhältnisse der Cannabis-
Fremde hat mit seinem hohen Kapital Pflanzen fast überall sehr eindeutig ge-
geprahlt (das bei einer Festnahme be- klärt sind, selbst wenn die Pflanzungen
schlagnahmt werden könnte). wie wilder Unkrautwuchs anmuten.

Kleine Mengen (zum Eigenbedarf bis 50g) ISLAMISCHE GLAUBENSLEHRE


sind meist recht unproblematisch, zumal Der Islam teilt die Menschen in Moslems
sie sich mit etwas Vorsicht leicht so unter- und Nicht-Moslems, zu denen ein Euro-
bringen lassen, daß sie nicht sofort gefun- päer automatisch gezählt wird. Als
den werden oder man den Besitz bestrei- Christ kann er noch eher akzeptiert wer-
gen kann. In jedem Fall ist allerdings den als die völlig Gottlosen. Von vielen
Bestechung einer U-Haft vorzuziehen. In Menschen wird die Missionsaufgabe des
der Türkei beispielsweise reichen auch Moslems offensichtlich so verstanden, die
Mengen unter 10g für sehr großen Ärger Ungläubigen verwirren zu müssen, zu-
aus. mindest verwirren zu dürfen. Wird ein
Fremder hereingelegt, kann sich der Be-
HANDEL UND KONSUM trüger immer des Beifalls seiner Lands-
DER EINHEIMISCHEN leute und Glaubensbrüder versichert wis-
Mindere Qualitäten sind meist für den sen, niemals wird sich ein Fremder er-
Eigenverbrauch bestimmt, ebenso ganz folgreich um Gerechtigkeit oder Ver-
excellente Ware. In vielen Ländern kön- ständnis bemühen können.
nen sich einfache Leute Cannabis nicht
leisten, es sei denn, sie rauchen Grass von Hinzu kommt der verständliche Neid, der
wild wachsenden Pflanzen. Viele englisch- den „reichen", heruntergekommenen
sprechende Vermittler und Zwischen- Müßiggängern aus dem Westen entgegen-
händler rauchen selbst nicht, dies trifft gebracht wird. Auch die oft anzutreffen-
besonders in islamischen Landern zu, wo de Arroganz den Einheimischen gegen-
die Religion den Drogengenuß eigentlich über verhindert die Behandlung eines
verbietet. Sie können daher die Qualitäten Fremden als Ehrenmann. Nicht zuletzt
selbst nicht unterscheiden und sind nur spielt der Erwerbsdruck in das Verhält-
am Geld interessiert. nis zwischen den Einheimischen und
fremden Besuchern hinein, soviel Geld
Kauft man bei einer Familie, die ihre so schnell wie möglich, trotz der großen
Ware selbst herstellt, geht es in Qualitäts- Konkurrenz, möglichst mit dem Unwis-
fragen auch immer um deren Ehre. sen des Fremden arbeitend.
Manche Klans z.B. in Afghanistan unter-
HASCHISCH-HERSTELLUNG HASCHISCHPRODUKTION DURCH
ELEKTROSTATISCHE ENERGIE:
IN KLEINEN MENGEN ZUHAUSE
Einige getrocknete Blütentrauben werden
In der beschriebenen Art kann Harz von in eine Metalldose (Aluminium oder
der lebenden oder soeben geernteten Blech, Keksdose etc.) gegeben und der
Pflanze gerieben werden. Deckel fest verschlossen. Nun schüttelt
man kräftig etwa eine Minute lang. Der
AUS HARZSTAUB: Deckel wird abgenommen und ein feines
Pulver hat sich an den Wänden und am
In einem Pappkarton (Querschnitt ca.
Deckel angelagert. Es sind dies Drüsen-
30 x 30 cm , 40 oder mehr cm lang) wird köpfe, die sich durch das Schütteln elek-
der Boden mit Folie ausgekleidet und dar-
trostatisch aufgeladen haben und der
über ein Gaze-Gewebe (Seide) als Sieb an-
Oberfläche der Dose anhaften, während
gebracht. Die optimale Siebstärke besteht das restliche nicht geladene Pflanzen-
aus etwa 120 Mikronen, aber auch Siebe material am Boden liegt. Funktioniert
zwischen 100 und 150 Mikronen sind okay. nicht mit Plastikbehältern.
Die europäische Bezeichnung für das opti-
male Sieb: Sieb 43T. Harzstaub dann mit Wasserdampf behan-
Damit man die frischen Pflanzen deln und Pressen (von Hand oder als klei-
über dem Sieb ausdreschen kann, muß die ne Kugel in ein Taschentuch wringen).
Kiste eine Öffnung haben, die groß genug In der Schweiz kursiert das Video Swiss
ist um die Hand mit den Blütenzweigen Hemp, das eine recht ausführliche Anlei-
hindurchstecken und schütteln zu können, tung dokumentiert; Wie mache ich aus hei-
wobei die Drüsenköpfe abfallen sollen. mischem Cannabis Haschisch? Die magi-
Läßt sich mit welkem oder getrocknetem sche Formel heißt "Sieben, sieben, sieben".
Material durchführen. Das hat nichts mit Zahlenmystik zu tun. Am
- Oder: Man reibt frische Pflanzenteile Ende des Videos sieht man vier verschiede-
über ein engmaschiges Gazematerial und ne Güteklassen, die zumindest optisch in-
kratzt nachher die anhaftende harzige ternationalen Standard aufweisen.
Masse von der Gaze. In der BRD dürfte der Vertrieb dieses Vi-
Pressen unter Zugabe von etwas Feuchtig- deos als 'Anleitung zu einer strafbaren
keit und Wärme (beides in Form von Was- Handlung' ausgelegt werden. Schweizer
serdampf kombinierbar). Leserinnen dieses Buches können es z.B.
im Dogon Shop, Ritterquai 2-4 in Solothurn
erwerben.
RAUCHEN
Teilweise wird beim Rauchen THC zu KONDENSAT UND GESUNDHEIT
CBN oxydiert (10% CBN laut SHOYAMA
et al. 1969, bis 40% CBN nach PETCOFF Haben die verdampften Cannabinoide
et al. 1971). Die Zerstörung der meisten selbst auch keine deutlich nachteiligen
Cannabinoide beginnt bei Temperaturen Wrikungen auf den Organismus, so dür-
um 300° C. fen wir doch nicht die anderen beteiligten
Stoffe übersehen. Bei jeder Verbrennung
Selbst wenn gleichzeitig ein wenig CBD von Pflanzenmaterial werden Stoffe frei,
von der Hitze zu THC cyclisiert wird, ge- die sich als stark gesundheitsschädlich
langen nur etwa 40-50% des ursprünglich und belastend erweisen. Gase wie das ge-
vorhandenen THC in die Lunge. Die Er- fährliche Kohlenmonoxyd (= CO), staub-
gebnisse schwanken in dieser Beziehung förmige Rauchpartikel und allerlei Dämpfe
allerdings erheblich. entstehen bei der vollständigen und noch
Die Umwandlung von Cannabinoiden mehr der teilweisen (= Schwelen) Ver-
während der Pyrolyse geht eindeutig zu- brennung. Alle diese Abbauprodukte und
gunsten von CBN, dem bekannten Oxyda- Abbauzwischenprodukte, Staubpartikel
tionsprodukt, das aus THC und auch aus sowie ebenfalls anfallende Polymerisate
CBD entsteht. CBD selbst scheint etwas (= unter besonderen Bedingungen zusam-
stabiler als THC zu sein. mengesteckte Molekülketten) und auch
Interessant in diesem Zusammenhang ist der Niederschlag flüssiger Materialien
auch die Überlegung, daß CBD eine ge- samt der Cannabinoide wird als Konden-
wisse Wirkung auf den Metabolismus sat bezeichnet (man kennt diesen Aus-
der Leber ausübt und so vielleicht die Wir- druck aus der Kennzeichnung von Taba-
kung des eigentlich psychoaktiven THC ken).
beeinflußt. In diesem zähen schwärzlichen, übel
Die Veränderung der Rauchsubstanz beim stinkenden Substanzgemenge, wie wir
Rauchen hängt von vielerlei Faktoren ab: es in lange nicht gereinigten Pfeifen oder
Stärkeres Ziehen bedeutet höhere Tempe- in Jointkippen finden, trifft man auf
ratur beim Rauchen, also mehr Zerstö- einige sehr unangenehme Verbindungen
rung. Ein direktes starkes Inhalieren des und Stoffe, wie sie auch im Kondensat
Rauches aus einer kurzen Pfeife läßt dem von Tabak nachzuweisen sind, unter
Rauch weniger Gelegenheit, vor dem Er- ihnen etwa das Benzypren. Das Konden-
reichen der Lunge zu kondensieren, als sat (= Teer) von Marijuana, Haschisch,
etwa das Rauchen einer Wasser- oder Haschöl oder sogar synthetischen THC
auch nur einer langstieligen Pfeife. Je muß als unbedingt gesundheitsschädlich
direkter der Rauch auf die Lungenbläs- bezeichnet werden. Es hat sich eindeutig
chen gerät, desto weniger Materialnieder- herausgestellt, daß dieser Teer krebsför-
schlag = Verlust ist zu verzeichnen. dernd, ja sogar krebserregend ist.
Dies gilt allerdings nicht für Cannabinoide
an sich. Verantwortlich hierfür zeichnen
die bei der Pyrolyse entstandenen neuen
Verbindungen. Würde man THC-Dämpfe
ohne gleichzeitige Verbrennung erzeugen
und inhalieren, wäre das Risiko der
Teerbelastung zu umgehen.
Bei der Verwendung von Filtern (aus ge-
rollter Pappe, Zigarettenfilter oder Filte-
rung durch Wasser = Wasserpfeife) kann
ein Teil dieser schädlichen Substanzen
(besonders die Staubpartikel) vor dem
Eintritt in die Lunge zurückgehalten wer-
den. Gleichzeitig geht selbstverständlich
auch mehr des THC verloren.
Möglichst wenig des wertvollen THC soll bis zur Lunge findet eine gewisse Kon-
verloren gehen, densation statt, was man an einem ver-
färbten Filter oder mit der Zeit ver-
dreckten Pfeifenteilen unschwer fest-,
stellen kann.
Auch wird beim Cannabisrauchen meist Nicht nur diese Cannabinoide sind für
viel tiefer inhaliert als beim Rauchen den Konsumenten verloren. Ein Großteil
einer Zigarette. des wirksamen THC wird bei der Pyro-
lyse (= Auflösung eines Materials durch
Im Rauchen finden wir das Prinzip der Glut- oder Feuereinwirkung) zu CBN
oder anderen unwirksamen, zum Teil
Destillation wieder: eine Hitzequelle
noch nicht identifizierten Cannabinoiden
(= Glut des Joints, Glut in der Pfeife,
glühende Holzkohle in einer großen Was- umgewandelt oder gar von der Glut ver-
brannt. Der Verlust an delta-9-THC hängt
serpfeife, Glut eines angerauchten puren
sehr stark von der Rauchtechnik und dem
Stücks Haschisch oder Feuer beim An-
Rauchgerät ab. Entsprechend unterschied-
rauchen oder Purrauchen) verdampft die
liche Ergebnisse haben die verschiedenen
in ihrer Nähe vorhandenen Cannabinoide
(Temperatur 200-300°C). Diese Dämpfe Versuche ergeben.
werden mitsamt dem gleichzeitig durch Die Carbon-Säuren der Cannabinoide wer-
Verbrennung von Pflanzenmaterial an der den durch die Hitzeeinwirkung beim Rau-
Glut entstehenden Rauch inhaliert und chen zu den entsprechenden neutralen
schlagen sich aufgrund von Abkühlung Verbindungen decarboxyliert (CBDS zu
auf den Lungenbläschen als feinste Tröpf- CBD, THCS zu THC etc. bei Temperatu-
chen nieder. Dort werden die Cannabinoi- ren von 100 bis 200°C).
de an das sauerstoffhaltige (= arterielle) CBD oder CBDS werden wenn überhaupt,
Blut gebunden und von diesem durch den nur in sehr geringem Maße zu delta-9-THC
Körper transportiert. Da beim Rauchen cyclisiert.
durch das Saugen ein gewisser Unter-
druck erzeugt wird, könnte man von Beim Rauchen fallen drei verschiedenar-
einer Vakuumdestillation sprechen. tige Rückstände an:
1. Asche aus der Verbrennung
Aber die Cannabinoid-Dämpfe warten 2. halbverbrannte meist verkohlte Mate-
nicht, bis sie in der Lunge sind, um sich rialreste
erst dann niederzuschlagen. Auf dem ge- 3. Kondensat (= Teer) in der Pfeife bzw.
samten Weg von der Verdampfungszone im Stummel oder Filter des Joints.
Verkohlte Reste und Kondensat können METABOLITEN
im Gegensatz zur Asche eindeutig als von
Cannabis stammend identifiziert und als Als fettliebende Substanzen halten sich
Beweismittel verwendet werden. die Cannabinoide nicht allzulange im Blut
auf sondern reichern sich in bestimmten
Beim Rauchen eines Joints sammelt sich Organen an. 30 Minuten nach Eintritt in
in Filternähe immer mehr Kondensat an, den Blutkreislauf ließen sich bei Affen die
sodaß die letzten Züge sowohl in Hinsicht höchste Konzentration in der Galle, ge-
auf ihren Wirkstoffgehalt als auch auf folgt von der Leber und schließlich in der
ihre Gesundheitsschädlichkeit als die po- Nebenniere nachweisen.
tentesten bezeichnet werden dürfen.
Manche Raucher von Grass (als Pur- Überall im Körper, vorwiegend (wahr-
Joint) werfen daher ihre Kippen nicht scheinlich) jedoch in der Leber findet
weg, sondern verwahren sie als THC-
reiches Rauchmaterial, übelschmeckend
und belastend aber wirksam.

RESORPTION
Cannabinoide werden entweder über die
Schleimhäute der Lunge (= Lungenbläs-
chen) oder die Magen/Darmschleimhäute
aufgenommen. Beim Rauchen konden-
siert das verdampfte THC direkt als feiner
Tröpfchenniederschlag auf den Lungen-
bläschen. Von der Lungenschleimhaut
aus werden die Stoffe von den mit fri-
schem Sauerstoff beladenen Blutkörper-
chen (= arterieller Kreislauf) in den Kör-
per transportiert.

Entsprechendes geschieht mit den bei


Tierversuchen intravenös injezierten Can-
nabinoiden. Mit dem venösen (= CO2-an-
gereicherten) Blut gelangen sie direkt
nach der Injektion in das Lungengewebe,
wo sie nach dem Gasabtausch ihrer Blut-
körperchen ebenfalls in den arteriellen
Kreislauf übernommen werden.

Rauchen wirkt am schnellsten, orale


Aufnahme am langsamsten, lnjektionen
(nur im Labor üblich) nehmen eine Mit-
telstellung ein.
Wirksame Dosis: 2mgTHC beim Rauchen,
10 mg beim Essen.

Haschisch erhitzen und krümeln. Mit Tabak mi-


schen. Rollen.
eine Umwandlung der aufgenommenen Verteilung von THC und Metaboliten
Cannabinoide in mehr wasserlösliche For- in den Organen des Körpers
men statt, welche man als Metaboliten be-
zeichnet. Von allen wichtigen Cannabi- Da man bekiffte Menschen nicht aus
noiden sind meist mehrere Metaboliten Forschungsdrang zerschneiden und die
bekannt. Wie auch bei ihren Ausgangs- THC-Konzentrationen in ihren Organen
stoffen sind nur wenige Metaboliten psy- untersuchen kann, bleiben wir auf Schät-
choaktiv. zungen angewiesen, die sich an den bei
Tierversuchen gefundenen Ergebnissen
Nur ein Bruchteil der Substanzen (Canna- orientieren.
binoide und Metaboliten erreichen tat-
sächlich das Gehirn. (L 12). Ihre Wir- Leber: Konzentration 1
kungsweise dort ist noch unbekannt, es Herz: ein Zehntel bei THC, ein Drittel bis
gibt Vermutungen über ein noch nicht fast gleich bei manchen Meta-
nachgewiesenes Rezeptorensystem, wie boliten
man es im Falle von Opiaten etwa bereits Lunge: wie Herz
entdeckt hat. Andere meinen, daß eine Die Ausscheidung der Cannabinoide, ihrer
Beeinflussung des Verhaltens der Neuro- inzwischen gebildeten Metaboliten und
transmitter (= Schaltstoffe zwischen Ner- Abbauprodukte findet überwiegend mit
venzellen) für die typische Cannabiswir- dem Kot statt, ein Teil (15-20% L 10) ver-
kung verantwortlich ist. läßt den Körper mit dem Urin. Nach 6
Stunden waren in Affenversuchen etwa
Entstehung der Metaboliten 80-90% ausgeschieden, der Rest wird al-_
lerdings sehr langsam den Körper verlas-
Wenn auch %-Zahlen und Zeitachse noch sen, noch nach Tagen lassen sich Spuren
nicht eindeutig klar sind, steht doch die nachweisen. Mit der Gallenflüssigkeit aus-
prinzipielle Umwandlung der ursprüng- geschiedene Cannabinoide werden teil-
lichen Cannabinoide in ihre Metaboliten weise erneut im Darm resorbiert.
fest:
Das Cannabinoid wird zuerst zu einem
Alkohol oxydiert (Allylumlagerung an
der Seitenkette); weitere Oxydation führt
zur Entstehung von Säuren, die über eine
zusätzliche Hydroxyl-Gruppe an verschie-
denen Positionen des Moleküls verfügen
können.
Bei der Ausscheidung liegen die ursprüng-
lich lipophilen Cannabinoide in einer was-
serlöslichen Form vor.
KONSUMFORMEN
Cannabis wird vorwiegend geraucht oder
gegessen.

Konsumierte Mengen
Hier bereits befinden wir uns arg im Be-
reich der Spekulation. Wie auch beim Zi-
garettenrauchen sind die Unterschiede
zwischen den einzelnen Konsumenten er-
heblich. Gelegenheitsraucher reichen mit
einem Gramm durchschnittlichen Ha-
schischs über wenigstens eine Woche hin,
wer täglich zwei- dreimal raucht kommt
zwei Tage mit einem Gramm aus. Starke
Raucher verbrauchen vielleicht ein Gramm
täglich, in Dritte-Welt-Ländern kann man
aus dem Westen zugereiste
antreffen, die von sich behaup-
ten, 5 bis 10 Gramm täglich zu konsumie-
ren.
Für hiesige Verhältnisse kann man wohl
davon ausgehen, daß durchschnittlich
nicht mehr als 0,5 bis 1 Gramm mittleres
Haschisch pro Person und Tag verraucht
wird. Wenn größere Mengen doch rascher
schwinden, muß bedacht werden, daß oft
weitere Personen mitrauchen.

RAUCHEN: Meist wird Cannabis in


irgendeiner Form geraucht.

Auch geht durch


Verbrennungsprozesse beim Rauchen
etwa die Hälfte der ursprünglich vorhan-
denen THC-Menge verloren.
Die zweifellos sparsamste und unschäd-
lichste Art der THC-Aufnahme wäre das
Einatmen der Dämpfe. Durch mittlere
Hitze (ca. 250°C) werden die Cannabi-
noide und damit auch das wirksame THC
verdampft. Dieser Dampf kann eingeat-
met werden und schlägt sich auf den Lun-
genbläschen nieder. Keine Verluste durch
Verbrennen, keine Belastung durch Rauch.
aus Ägypten, sie werden aber auch ander-
DIE WASSERPFEIFE weitig benutzt. Sie sind viel einfacher als die
von Neander abgebildeten und wohl älter.
Zum Thema Wasserpfeife zwei Beiträge: Ein gerader Aufsatz auf die Schale der Nuß
Der erste ebenfalls von C.Hartwich in sei- dient zur Aufnahme des Kopfes, durch eine
nem eben erwähnten Buch, der zweite über zweite schiefe Bohrung wird ein Rohr von
eine ganz aktuelle Studie, die 1994 durchge- A r u n d o D o n a x gesteckt, mit dem man
führt wird. Geht es im ersten Beitrag über den Rauch aufsaugt.
den globalen Gebrauch der Wasserpfeife, Hanfrauchen und Wasserpfeife gehören ur-
so geht es im zweiten um die Entwicklung sprünglich zusammen und haben sich weit
einer modernen Pfeife mit optimaler Lei- verbreitet, aber nicht gleichmäßig, das er-
stung bei minimaler Schadstoffaufnahme. stere ist in Asien meines Wissens im we-
sentlichen auf die Muhamedaner be-
„Es dürfte wohl nicht zweifelhaft sein, daß, schränkt geblieben und hat fast ganz Afrika
als der Tabak nach Persien kam, dort die also auch die Neger erobert, wobei offenbar
Wasserpfeife schon benutzt wurde und die Araber auf ihren Kriegs- und Handelszü-
zwar zum Rauchen von Hanf und daß man gen die Verbreiter gewesen sind. Man kann
sie nun auch für den Tabak in Gebrauch sagen, wo Hanf geraucht wird, findet sich
nahm und daß die Tabakpfeife, der Tschi- auch die Wasserpfeife, wenn schon er jetzt
bugh, jünger ist. Daß der letztere neben der nicht ausschließlich aus dieser geraucht
Wasserpfeife seinen Platz eroberte, nimmt wird und andererseits die Wasserpfeife
nicht Wunder, ist er doch viel handlicher auch zum Tabakrauchen verwendet wird.
und bequemer. Die Trennung beider Pfeifen Sie selbst hat das Gebiet des Hanfrauchens
nach dem Rauchmaterial können wir heute überschritten und ist in etwas veränderter
noch mehrfach konstatieren, besonders in und mehr handlicher Form z. B. in China hei-
Afrika, nämlich, daß die Wasserpfeife zum misch geworden. Sonst ist sie ein recht un-
Hanfrauchen und eine einfache aus Kopf bequemes Instrument geblieben mit dem
und Rohr bestehende Pfeife zum Tabakrau- ziemlich großen Wassergefäß und den bei-
chen dient. den starren Röhren, das eine zum Auf-
Offenbar stellen die bei Neander abgebilde- stecken des Kopfes, das andere zum Auf-
ten Pfeifen, die als Wasserbehälter ein saugen des Rauches, wenn schon das letz-
schön geformtes Glasgefäß haben, nicht tere häufig durch einen biegsamen
einmal besondes alte Formen der Ha- Schlauch aus Leder und Draht ersetzt wird,
schischpfeife dar, darauf scheint mir der in z. B. in der asiatischen und europäischen
Persien neben G h a l i a n , G a l y o u n usw. Türkei und in Indien. Das ist auch die Form,
vorkommende Name N a r g h i l , N a r g h i - in der wir die Narghile zuweilen bei uns
Ie und N a r d s c h i l zu deuten, der sich in sehen. Wo ein Glas- oder Tongefäß zur Auf-
Vorderasien und der Türkei und auch sonst nahme des Wassers nicht zur Verfügung
findet und der uns am meisten geläufig ist. steht, weiß man sich anders zu helfen und
Dieser Name dürfte in engem Zusammen- damit ist dann häufig, besonders in Afrika
hang stehen mit N a r i g i l, N a r i d j i l, der eine wesentliche Vereinfachung der Pfeife
arabisierten Bezeichnung für die Kokosnuß, verbunden, insofern Wassergefäß und
entstanden aus dem Sanskritwort , N a r i - Saugrohr zusammenfallen. So nimmt man
kela', dessen Bedeutung nicht bekannt gern einen Kürbis mit langem, stielartigen
ist. Ob die Bezeichnung der Pfeife von der Fortsatz (in Afrika z. B. bei den Wanyamesi,
Kokosnuß abgeleitet ist, weiß ich nicht, es im Steppengebiet von Deutsch-Ostafrika,
ist mir das aber sehr wahrscheinlich, weil auf Madagaskar bei den Sakafaven, in Nubi-
man noch heutigen Tages die Schale der en), in den angeschwollenen Teil wird dann
Kokosnuß vielfach als Wassergefäß für die durch ein eingeschnittenes Loch Wasser
Pfeife benutzt. Ich besitze solche Pfeifen gefüllt und zugleich das Rohr mit dem Kopf
eingesetzt, während man aus dem langen ber Höhe eine lose eingelegte durchlöcher-
Fortsatz den Rauch aufsaugt. Eine offenbar te Scheibe hat. Um dem Ganzen noch mehr
ähnliche Pfeife, bei der aber das Gefäß und Halt zu geben, ragt aus dem Rohr ein Dorn
Saugrohr aus Elfenbein besteht, bildet Rat- empor, der durch das mittelste Loch der
zel ab. In Südafrika verwendet man an Stel- Scheibe geht.
le des Kürbis ein Antilopenhorn, welches Zu erwähnen ist endlich noch die dem Gha-
zum Teil mit Wasser gefüllt an der Seite ein lian und der Nargileh entsprechende indi-
Loch hat, welches das Rohr mit Kopf auf- sche Huka, die sich durch eine besonders
nimmt, während der Rauch an dem weiten, reiche Gestaltung des Wassergefäßes aus-
unteren Ende des Hornes aufgesogen wird. zeichnet. Damit sind die mir bekannt gewor-
Es gehören offenbar die dicken Lippen denen Varianten der Wasserpfeife, soweit
eines Negers dazu, um den erforderlichen sie zum Hanfrauchen dienen, aufgezählt,
luftdichten Verschluß herzustellen. Ein besonders einfaches Instrument zu dem
Sehr einfachen Formen begegnen wir auch selben Zweck, das aus einem dünnen,
in Asien z. B. auf Ceylon bei den Kanikar, in spannenlangen Rohr besteht, welches der
Hinterindien bei den Lawas und in Assam. Länge nach durchbohrt und an einem Ende
Das Wassergefäß besteht aus einem unten etwas ausgehöhlt ist, um eine Pille des har-
mit einem Knoten verschlossenen und oben zigen Hanfsekretes aufzunehmen, habe ich
offenen Stück Bambus. In der Nähe des un- schon erwähnt
teren Endes ist ein Loch eingebohrt, wel-
ches das Rohr mit dem Kopf, zuweilen eine VORZÜGE DER
aus einem Blatt zusammengedrehte Düte,
aufnimmt. In das Bambusrohr wird Wasser WASSERPFEIFE IM TEST
eingefüllt und der Rauch dann am oberen
offenen Ende aufgesogen, wobei der Arm Wasserfilter und ihre Verwendung beim Ta-
mit zum Verschluß herangezogen wird. bakrauchen sind bereits seit längerem Ge-
Noch einfacher gestaltet sich die Pfeife genstand von Forschungen. Bei Versuchen
ebenfalls bei den Kanikar auf Ceylon, wo mit Marihuana-Rauch ergab sich, daß Tabak
das Rohr nur locker in das Bambusrohr hin- und Marihuana - abgesehen von ihren je-
eingestellt wird. - Neben solchen Wasser- weiligen Wirksubstanzen (Nikotin bzw.
pfeifen, von welchen mehrfach bezeugt Cannabinoide) - viele gemeinsame Bestand-
wird, daß sie zum Hanfrauchen dienen, fin- teile und Eigenschaften haben. Die beim
den sich einfache Tabakpfeifen, so bei den Tabak-Rauch gewonnenen Erkenntnisse
Lawas in Hinterindien, in Deutsch-Ostafrika lassen sich zum großen Teil auch auf den
und bei den Wanyamesi. Zeigt Afrika, wie Marihuana-Rauch übertragen.
soeben angeführt, sehr einfache Formen Ende der 70er führte eine Medizinergruppß
der Wasserpfeife, so stoßen wir anderer- der Universität Athen chemische und phar-
seits dort auch auf die am kompliziertesten makologische Versuchsreihen mit Marihua-
konstruierten Köpfe zur Waserpfeife. Aus na- und Tabak-Rauch durch (Quellen 1-4).
Uganda (Ostafrika) sah ich im Berliner Mu- Die Wissenschaftler untersuchten durch
seum für Völkerkunde eine ganze Reihe sol- Wasserpfeifen gefilterten Rauch sowie
cher zierlichen Köpfe aus schwarzem Ton deren Wasser, welches sowohl lösliche wie
mit weißen Ornamenten, die aus drei unlösliche Bestandteile aufwies. Chemi-
Stücken bestehen: das kurze, etwa 4 cm sche Untersuchungen ergaben eine Vielzahl
lange Rohr ist mit einem ringsumlaufenden von Bestandteilen im Rauch und im Was-
leistenförmigen Wulst versehen, auf den ser, wie es bei der Verbrennung von pflanz-
der eigentliche Behälter für den Hanf resp. lichen Materialien zu erwarten ist. Das Was-
Tabak aufgesetzt wird, der aus einem nach ser hielt geringe Mengen THC und andere
unten sich verengernden kegelförmigen psychoaktive Wirkstoffe zurück, der
Ring besteht, der im Innern ungefähr in hal- Hauptanteil des im Marihuana enthaltenen
THC jedoch verließ die Pfeife unverändert. Kollegen der Harvard School of Public
Pharmakologische Tests mit Mäusen zeig- Health eine Studie zur Zell-Giftigkeit von
ten daß einige der im Wasser verbliebenen Tabak- und Marihuana-Rauch erstellt (Quel-
Marihuana- Rückstände Katatonie hervorrie- le 8). Für die alveolen Makrophagen giftige
fen und die spontane Motorik herabsetzten. Akroleine und Acet-Aldehyde werden ,so
Dagegen hatte der wassergefilterte Rauch fand die Forschergruppe, aus beiden Rauch-
keinen Einfluß auf Spontanmotorik und er- Arten durch Wasser und sogar durch was-
zeugte keine Katatonie, obwohl er einen serhaltige Oberflächen (vergleichbar mit
höheren THC-Gehalt aufwies. Die Ergebnis- dem Gewebe der menschlichen Kehle) sehr
se legen nahe, daß durch Wasserfilter meh- effektiv zurückgehalten. Alveole Makropha-
rere verhaltensaktive Stoffe zurückgehal- gen sind die wichtigsten Abwehrzellen in
ten, andere Wirkstoffe aber weitergegeben der Lunge und eine Hauptkomponente un-
werden; dies könnte beim Vergleich der seres Abwehrsystems. Setzte man Makro-
therapeutischen Effekte von ungefiltertem phagen einem nicht wassergefilterten
und wassergefiltertem Marihuana-Rauch Rauch aus, nahm ihre Fähigkeit, Bakterien
wichtig sein. auszuschalten, rapide ab. War der Rauch
Wie Analysen ergaben, verringern Wasser- gefiltert, gab es keine Reduktion der bakte-
filter im Rauch, der sie durchläuft, den Wirk- riziden Fähigkeiten. Marihuana-Rauch,
stoff-Anteil und die Quantität toxischer Sub- durch eine genügende Menge Wasser fil-
stanzen. In einer Studie von Hoffman u.a. triert, hat weniger Einfluß auf das Im-
(1963, Quelle 5) wurden mit einer Wasser- munsystem als nicht gefilterter. Diese ver-
pfeife 90% der Phenole und 50% der Wirk- blüffende Erkenntnis könnte besonders
stoffe und Benzpyrene von Tabak-Rauch wichtig bei der Behandlung von Patienten
ausgefiltert. Bei einem anderen Versuch mit AIDS-Syndromen sein.
(Quelle 6) wurden Bestandteile wassergefil- Die Testergebnisse aus den Labors bestäti-
terten Tabak-Rauchs auf die Haut von Mäu- gen Studien an tabak-rauchenden Men-
sen gestrichen. Es waren kaum Zellverän- schen. Tabak-Raucher, die Wasserpfeife
derungen und keine Zerstörung von rauchen, haben epidemiologisch nachweis-
Talgdrüsen zu beobachten. (Das Aufbringen bar eine wesentlich geringeres Krebsrisiko
von Substanzen auf Mäusehaut ist ein klas- als solche, die Zigaretten, 'normale' Pfeifen
sischer Test, um deren krebserregende Wir- oder Zigarren rauchen (Quellen 6,7,9,10).
kung festzustellen; die Ausbildung von Hy- Allgemein zeigt sich, daß Wasser-Filtration
perplasie - abnormen Zellveränderungen - zur effektiven Ausfällung von toxischen An-
bedeutet höchste Alarmstufe.) Dagegen teilen im Marihuana-Rauch dienen kann,
zeigte sich mit nicht wassergefiltertem während der THC-Anteil nahezu unverän-
Tabak-Kondensat starke Hyperplasie und dert bleibt. Die Wirksamkeit der Gift-Ausfäl-
eine totale Zerstörung der Talgdrüsen beim lung hängt von der Kontaktfläche des
Auftragen auf Mäusehaut in gleicher Kon- Rauchs mit dem Wasser ab, Speziell kon-
zentration. Ebenfalls mit dem Mäusehaut- struierte Wasserpfeifen mit Trennfiltern und
Test bewiesen Salem und Sami (Quelle 7), Gasdispersions-Sieben könnten in dieser
daß der wassergefilterte Tabak-Rauch, ver- Hinsicht besonders wirksam sein; die Gas-
glichen mit dem verbliebenen Wasser, we- dispersions-Siebe sorgen dafür, den Rauch
sentlich weniger krebserregend ist. in sehr kleine Blasen aufzuspalten, deren
Tatsächlich wurden mit Dünnschicht-Chro- Oberflächen einen besseren Kontakt mit
matographie im Filterwasser zwei krebser- dem Filterwasser herstellen. Einzelperso-
regende Agentien gefunden, im gefilterten nen haben sehr verschiedene Rauch-Tech-
Rauch nur eines. Wasserfiltration eliminiert niken, Dosierungs-Gewohnheiten, differie-
also zumindest ein Karzinogen, das sich nor- rende Gesundheitszustände u.s.w.. Daher
malerweise im Rauch befindet. scheint es, daß für viele Patienten der Ge-
Dr. Gary Huber (Uni Texas) hat kürzlich mit brauch von Wasserpfeifen zum THC-Genuß
vorteilhaft ist.
sorption (= Aufnahme) ist daher der
ZUM ESSEN MIT HANF direkte Kontakt mit dem Gewebe der
Schleimhaut erforderlich. Das oral auf-
Mit Haschisch oder Marijuana genommene (= gegessene oder getrun-
lassen sich allerlei Speisen würzen oder kene) THC wird niemals in seiner Ge-
zubereiten. Man kennt die beliebten Ha- samtheit gleichzeitig von den Schleimhäu-
schischkekse oder -Kuchen, manche Lieb- ten aufgenommen werden können, die
haber haben sich bestimmt schon an den Resorption erstreckt sich über einen um-
überlieferten Rezepten zur Bereitung von so längeren Zeitraum, je mehr sonstige
dope-haltigen Süßigkeiten versucht (be- Stoffe (Nahrung) sich ebenfalls im Ver-
sonders marokkanische Spezialitäten). dauungsapparat befindet. Die Wirkung
Der Phantasie sind und waren noch nie verteilt sich daher über einen größeren
Grenzen gesetzt. Zeitraum, setzt langsamer ein und er-
reicht nie die gleiche Intensität der glei-
Möchte man frisches Grass verwenden
chen gerauchten Menge.
muß bedacht werden daß einerseits die
Wirkstoffe noch größtenteils in ihrer
unwirksamen Säureform (= THC-Säure ABER STIMMT DAS AUCH?
statt THC) vorliegen und andererseits die
schwer verdaulichen, spitzen, harten Zy- Ein aufmerksamer Leser schrieb uns:
stolithenhaare einige Schwierigkeiten be- "Das bei Ihnen erschienene „definitive deut-
reiten können. sche Hanf Handbuch" ist mir bekannt. Beim
Eine kurzzeitige Erwärmung des frischen Überblattern fiel mir auf, daß in Ihrer Veröf-
Marijuana auf 120°C im Backofen wan- fentlichung zum Essen von Cannabis sinn-
delt die Säuren in ihre neutralen (wirk- gemäß geschrieben wird, daß der Phantasie
samen) Entsprechungen um. Man heizt beim Zubereiten von Cannabismahlzeiten
den Backofen auf 180°C, hält das Grass keine Grenzen gesetzt seien, außerdem sei
für ein paar Augenblicke hinein und der Rausch durch Cannabismahlzeiten nur
schmilzt damit die Spitzen der Zysto- ein Drittel bis ein Fünftel so stark als durch
lithenhärchen stumpf, sodaß man das das Rauchen. Dies steht im Gegensatz zu
Grass nun unbedenklich essen kann. der Aussage des Buches „The art and
science of cooking with cannabis", von
Die beschriebenen Prozeduren entfallen, Adam Gottlieb (Twentieth Century Alche-
wenn man ohnehin die Cannabis-gewürz-
mist, P.O. Box 3684, Mannhatten Beach,
te Speise kochen oder backen will.
CA 90266). Der Autor sieht eine Abhängig-
Die Wirkung von gegessenem Cannabis keit der THC-Ausbeute in den Rezeptzuta-
setzt langsamer ein und verteilt sich ten (Fett, Alkohol). Die Rauschwirkung
über einen größeren Zeitraum. Die In- durch das Essen von Hasch ist nach Adam
tensität des Rausches entspricht etwa Gottlieb halluzinogener einzustufen und kei-
einem Drittel bis einem Fünftel dersel- neswegs schwächer, was auch eine Gefahr
ben gerauchten Mengen. birgt, da der Raucher aufhören kann,
während das gegessene Hasch mit einer
Werden Cannabinoide gegessen (z.B. Ku- Zeitverzögerung zu wirken beginnt. Aus ei-
chen, Tee oder pur) gelangen sie über die gener Erfahrung kann ich leider nichts zu
Schleimhäute von Magen und Darm in diesem Vergleich sagen." Leider weiß ich
den venösen Blutkreislauf, dann über die nicht mehr, von wem dieser Brief kam, aber
Lunge in den arteriellen Kreislauf und mit ich habe mich daraufhin kundig gemacht.
ihm werden sie im Körper verteilt. Can- Hier das Ergebnis meiner Recherche, dazu
nabinoide zählen zu den fettliebenden noch Hartwichs Aufzähung traditioneller
(= lipophilen) Substanzen, sie können Einsätze des Hanfs in der internationalen
sich nicht in Wasser lösen. Für eine Re- Küche.
Hände weg davon. Erfreulich korrekt er-
HASCHISCH scheint mir eine kopierte Publikation von FB
ALS KÜCHENWÜRZE mit dem Titel Die Kunst und Wissenschaft
des Kochens mit Cannabis. Hier findet man
Es bestehen keine Zweifel, daß es gesün- auf 32 Seiten Hintergründe und Kochrezep-
der ist, Haschisch zu essen als zu rauchen. te die Sinn machen. Da in dieser Publikation
Der Nachteil: man hat kaum einen Überblick kein Impressum angegeben ist, kann ich lei-
über die Dosierung, es sei denn, man ist ein der keine Bezugsquelle nennen. Schade.
fleißiger Hobbykoch und hat viele Selbstver-
suche hinter sich. Die psychoaktive Wirkung von gegessenem
Haschisch setzt nach einer halben bis
Als warnendes Beispiel möchte ich an jenes ganzen Stunde ein. Die Wirkung kann vier
Ereignis erwähnen, daß im Mai 1980 sogar bis acht Stunden dauern. Das High ist an-
in der internationalen Presse die Runde ders als beim Rauchen, da dabei einige
machte. Ich lebte damals in England und Wirkstoffe zerstört werden. Auf Grund der
fand einen drei-Spalter in der renommierten häufiger aufkommenden Halluzinationen
Zeitung The Guardian. Titel: Police Picnic sollten Haschischesser auf keinen Fall Auto
goes to pot. Polizisten des Drogendezerna- fahren.
tes Frankfurt hatten bei einer Razzia ein paar
Handvoll Haschisch eingesäckelt. Eines THC, die psychoaktive Substanz im Hanf ist
jener Cleverle hatte für den jährlichen Be- nicht wasserlöslich, kann deshalb auch
triebsausflug Hasch-Kekse gebacken. nicht gefixt werden. Wohl aber ist es fett-
Heimlich, wie er zugab. Und da er den An- löslich, und darauf baut die Haschischküche
gaben aus einem dieser obskuren Ha- auf. In traditionellen Kulturen wird Ha-
schischkochbüchern nicht traute, verdop- schisch oft in Butter, oder in Asien in Ghee,
pelte er die Hanfzugabe. Die nichts ahnen- geklärter Butter, gekocht, bevor es andern
den Kollegen (?) mampften die Kekse, tran- Gerichten beigefügt wird. Man kann Ha-
ken Bier & Wein und nach einiger Zeit schisch auch in Milch kochen, das Milchfett
wurde ihnen ganz anders. Zwei von ihnen löst THC mundgerecht auf.
kollabierten und wurden in kritischem Zu-
stand in eine Klinik eingeliefert....Leider Die Potenz des Cannabis, bzw des darin
habe ich nie wieder von ihnen gehört. enthaltenen THC, wird beim Kochen nur ge-
ringfügig gemindert. Da geht beim Rauchen
Also, absolute Vorsicht ist angesagt, wenn vergleichsweise viel mehr in nicht inhalier-
man mit Haschisch kocht. Beim Rauchen ten Rauch auf. Die Aufbereitung in heißem
merkt man, wenn man die Hucke voll hat. Öl schützt das THC vor der Oxidation.
Wenn man das bei Haschtee oder Keksen wahrend die Hitze die THC-Säuren in akti-
etc merkt, kann es schon zu spät. Ich erin- ves THC umwandelt.
nere mich gut an jenen überdosierten Tee,
der mich so durstig machte, daß ich viel trin- Jeder Hanfkonsument kennt die munchies,
ken wollte, aber nicht konnte: selbst Was- das Verlangen nach etwas zu knabbern,
ser erschien mir nicht flüssig genug zum meist nach Süßem. Dieses Verlangen kann
schlucken. bei oral eingenommenem Haschisch noch
weitaus gieriger einsetzen. Ja, in dem er-
Im Laufe der Jahre tauchten regelmäßig Ha- wähnten Heft ist gar von einer Umwand-
schisch-Kochbücher auf, wobei mir beim lung in einen 'gastronomischen Nympho-
Durchblättern derselben immer das Grau- manen' die Rede. Dort wird auch behaup-
sen kam. Eines davon wurde offensichtlich tet, daß bei einer zu hohen Dosierung ein
als reine Verarschung geschrieben und gutes Mahl oder ein Löffel Honig in warmen
dann vielfach als ernstgemeint zitiert. Wasser wirkungsmindert wirkt, der abgeho-
bene Konsument dem Erdboden wieder
näher kommt. Bei sensiblen Verdauungs-
ETHNO-FOOD
trakten kann es auch vorkommen, daß der
Konsument kotzen muß, wenn eine gewis- Wie wird in anderen Kulturen Cannabis als
se Dosierung erreicht ist. Der Magen wei- psychoaktives Gewürz verwendet? Herr
gert sich schlichtweg, ein Zuviel zu verdau- Hartwich klärte in seinem Werk Die
en. Ich werde keine Rezepte abdrucken, menschlichen Genußmittel im Jahre 1911
möchte aber gerne eine Seite aus der er- schon unsere Großeltern auf:
wähnten Broschüre zitieren:
„Die zum direkten Genuß benutzten Präpa-
Das Herstellen von Grundmaterialien rate sind noch viel mannigfaltiger. In Persien
für Cannabisrezepte werden die Blätter mit Milch gekocht und
Cannabisbutter ist nützlich für die Herstel- diese dann getrunken, in Indien setzt man
lung von schnellwirkenden und potenten einem solchen Auszug Pfeffer zu. In Kairo
Cannabisrezepten. Lasse ein Pfund Butter soll man unter dem Namen , C h a s t r y '
in einer sauberen Bratpfanne schmelzen einen alkoholischen Auszug verwenden,
und gebe 50-60 Gramm fein zerriebenes eines solchen soll sich auch der Scheich al
Marijuana hinzu. So lange erhitzen, bis die Dschebel bedient haben. Sehr vielfach (in
Butter die grünliche Farbe der Pflanze an- Indien, Ägypten, Persien) kocht man die be-
nimmt, ohne daß das Gemisch überhitzt treffenden Teile der Pflanze mit Wasser
wird. Anschließend dieses Hanffett durch aus, dem man etwas Butter oder seltener
ein Sieb oder besser noch durch ein feines Öl zugesetzt hat. Man kocht bis zur völligen
Leinentuch sieben. Die Pflanzenreste aus- Verdampfung des Wassers und verarbeitet
pressen. Die pflanzlichen Reste lassen sich dann die Butter, die die wirksamen Be-
standteile aufgenommen hat, weiter, da
anschließend noch in Milch aufkochen, die,
sie nicht angenehm riecht, setzt man ihr
mit Honig versetzt, ein angenehmes Ge-
tränk ergibt. Hanfrecycling. Rosenöl oder Jasminöl zu. Diese Butter
scheint ganz allgemein die Grundlage wei-
terer Präparate zu sein, in Indien setzt man
Das Cannabisfett schüttet man in ein
ihr aromatische Stoffe: Pfeffer, Gewürz-
Behältnis, daß man zugedeckt im Kühl-
nelken, Zimmt, Cardamomen, Moschus
schrank oder Gefrierfach einige Monate auf-
zu, solche Präparate heißen in Kalkutta und
bewahren kann, ohne daß die Cannabisbut-
Algerien , M a d j u n ', in Kairo , M a p u -
ter ranzig wird. Eine Oxidation des THC im
chari', in Arabien und in der Türkei ,Da-
Fett wird verhindert, wenn man die wieder
w a m e s c h ' . Unter dem letzteren Namen
fest gewordene Butter mit einer Wasser-
geht auch eine Latwerge, der man süß-
schicht bedeckt. Diese Cannabisbutter läßt
schmeckende Stoffe zugesetzt hat: Zucker,
sich durch Zugabe von Haschischbröseln
Pistazien, Mandeln, Feigen, Datteln, Honig.
noch in ihrer Wirkung verstärken, so man
, E s r a r ' (das Geheimnis) besteht aus klei-
die Brösel in dem Fett nochmals erhitzt und
nen Pastillen, die aus dem Harz der Pflanze
auflöst. Diese Cannabisbutter kann man
mit Tragant gemacht sind. In Syrien setzt
nun als Zutat zu Gerichten eigener Wahl ver-
man Mastix, das im Orient zur Verbesse-
wenden, man durch Eigenversuche die Do-
rung des Athems und des Zahnfleisches viel
sierung erkundet hat. gekaute Harz der P i s t a c i a L e n t i s c u s
L., zu, in Ägypten, Marokko und anderwärts
Aber Vorsicht: die Wirkung kann überwälti- Canthariden, offenbar, um die besonders
gend sein. Auf keinen Fall einem Unkundi-
angestrebte geschlechtliche Reizwirkung zu
gen verantwortungslos entsprechend auf-
erhöhen. Mehrfach wird erwähnt, daß man
bereitete Nahrungsmittel unterjubeln! Rote in Indien als Zusatz die stark giftigen
Karte! Krähenaugen (Samen von S t r y c h n o s
nux v o m i c a L.) verwendet. Vermutlich Linolensäure. Nur Flachs übertrifft mit
beseitigt das Strychnin gewisse, nicht er- einem Linolensäureanteil von 58 Prozent
wünschte Wirkungen des Hanfes, da ande- den Hanf, der dafür allerdings mit 80 Volu-
rerseits Hanf als Gegengift gegen Strychnin menprozenten den höchsten Gesamtanteil
gilt Es besteht anscheinend zwischen der an essentiellen Fettsauren aufweist.
Wirkung beider ein Antagonismus. Mir liegt „Diese essentiellen Fettsäuren sind verant-
ferner aus Ägypten ein zierlich geformtes wortlich für unsere Immunreaktion. Im Mit-
Konfekt vor, das aus weißen und roten telalter aßen die Bauern Hanfbutter und hat-
Zuckereiern besteht, die mit dem Extrakt ten dadurch eine höhere Widerstandsfähig-
gefüllt sind. Ein oder zwei davon nach der keit gegen Seuchen als der Adel." Der
Mahlzeit genommen, sollen einen angeneh- Grund: Die oberen Stände lehnten den Hanf
men Rausch erzeugen. Aus älterer Zeit er- als bevorzugtes Nahrungsmittel des einfa-
wähnt Landerer als von Kairo nach Athen chen Volkes ab. So sieht es R. Lee Hamil-
exportiert folgende Formen: ton, emeritierter Professor der Medizin und
,Ntaba m i s k ' , eine gewürzhafte süße Biochemie der University of California.
Latwerge, Linolsäure und Linolensäure sind bei der
,Mpouchari', von salbenähnlicher Konsi- Umwandlung von Nahrungsmitteln in (Le-
stenz, von gelbgrüner Farbe und von süßem bens-)Energie und am Transport dieser En-
Geschmack, ergie durch den Körper beteiligt. Essentielle
,Mourapa g k e s u ' , eine süße, gewürz- Fettsäuren beeinflussen Wachstum, Vita-
haft schmeckende, braune Latwerge, lität und geistige Beweglichkeit. Linol- und
.Chinty', fester Zucker mit Haschisch- Linolensäure spielen eine bedeutende Rolle
extrakt, ähnlich den soeben erwähnten beim Transport des Sauerstoffs in die ein-
Zuckereiern. zelnen Körperzellen. Außerdem sind sie
wichtig bei der Speicherung des Sauer-
Die Angaben über die Dosen, die man von stoffs in den Zellmembranen, wo er als Bar-
den einzelnen Präparaten zu nehmen hat. riere gegen das Eindringen von Viren und
gehen weit auseinander, von wenigen Dezi- Bakterien wirkt, die in einer sauerstoffrei-
gramm bis 30 Gramm. Das erklärt sich chen Umgebung nicht gedeihen können.
leicht, denn abgesehen von der Gewöh- Die gekrümmte Form der essentiellen
nung an den Genuß usw., ist der Gehalt an Fettsäuren bewirkt, daß sie sich nicht mit-
wirksamer Substanz in diesen ganz ver- einander verknäueln können. Sie sind
schiedenen Zubereitungen von ausschlag- schlüpfrig und verstopfen nicht die Arterien
gebender Bedeutung." - im Gegensatz zu den klebrigen, gerade ge-
formten gesättigten Fetten und den in
Koch- und Bratölen enthaltenen trans-
Fettsäuren. Letztere sind auch in Bratfetten
enthalten, die durch Raffination unter hohen
Temperaturen aus mehrfach ungesättigten
Fetten gewonnen werden.
HANFSAMEN ALS Linol- und Linolensäure haben eine leicht
negative Ladung und neigen dazu, sich zu
NAHRUNGSMITTEL sehr dünnen Schichten auszubreiten. Diese
Eigenschaft bezeichnet man als „Ober-
Von allen Pflanzen hat Hanf den höchsten flächenaktivität"; auf ihr beruht die Möglich-
Gehalt an essentiellen Fettsäuren. Das aus keit, Giftstoffe und andere Substanzen an
Hanfsamen gewonnene Öl enthält mit nur die jeweilige Oberfläche der Haut, des
acht Volumenprozenten den geringsten Magen-Darm-Traktes, der Nieren oder der
Anteil gesättigter Fette. Dafür enthält es Lungen zu transportieren, wo diese Sub-
55 Prozent Linolsäure und 25 Prozent stanzen dann entfernt werden können.
Diese Säuren sind äußerst empfindlich und genau dem Bedarf des menschlichen Kör-
können relativ in giftige Bestandteile zerfal- pers bei der Erzeugung der Hauptbestand-
len, wenn sie unter großer Hitze raffiniert teile des Blutplasmas, Albumin und Globu-
oder bei unsachgemäßer Lagerung dem lin, das etwa als Gamma-Globulin eine wich-
Licht oder der Luft ausgesetzt werden. tige Rolle im Immunsystem spielt.
Die Fähigkeit des Körpers, Krankheiten ab-
Samen haben von Natur aus eine äußere zuwehren und mit ihnen fertig zu werden
Schale, die die im Inneren enthaltenen Öle hängt davon ab, wie schnell er nach der er-
und Vitamine sicher schützt. Die Schale bil- sten Attacke der Krankheitserreger große
det einen perfekten Behälter, der obendrein Mengen von Antikörpern bilden kann. Sind
auch noch gut verdaulich ist. Hanfsamen nicht genügend Grundstoffe zur Produktion
können zu einer Paste zerstoßen werden, von Globulinen vorhanden, dann kann es
die an Erdnußbutter erinnert, aber besser geschehen, daß die Armee der Antikörper
schmeckt. Der Ernährungswissenschaftler zu schwach ist. um das Eindringen der Erre-
Udo Erasmus sagt: „Hanfbutter stellt unse- ger wirksam zu verhindern.
re Erdnußbutter einfach in den Schatten." Die einfachste und beste Art, den Körper
Gemahlener Hanfsamen läßt sich bei der ausreichend mit Aminosäuren zu versehen,
Zubereitung von Brot- und Kuchenteigen besteht dann, ihm mit der Nahrung die ent-
sowie Eintöpfen verwenden; auch Müsli- sprechende Menge an Globulin-Eiweißen
riegeln gibt er eine herzhafte Geschmacks- zuzuführen. Die in Hanfsamen enthaltenen
note. Eiweiße setzen sich zu 65 Prozent aus der-
Die Pioniere der Biochemie und die artigen Globulinen und (allerdings auch in
Ernährungswissenschaft sind heute der An- allen anderen Samen vorhandenen) Albumi-
sicht, daß Erkrankungen der Herzkranzge- nen zusammen; sie sind leicht verdaulich
fäße und die meisten Krebsarten letztlich und ähneln in ihrem Rohzustand bereits den
auf einen gestörten Fettabbau zurückzu- entsprechenden Eiweißen des Blutplas-
führen sind: Sie entstehen durch die fortge- mas.
setzte übermäßige Ernährung mit gesättig- Hanfsamen wurden ebenfalls zur Behand-
ten Fetten und raffinierten Pflanzenölen, lung von Stoffwechselschäden infolge von
deren essentielle Fettsäuren sich bei die- Tuberkulose eingesetzt; diese auch als
sem Herstellungsverfahren in krebserre- „Schwindsucht" bekannte Krankheit führt
gende Stoffe umwandeln. Jeder zweite US- zu schweren Störungen bei der Nahrungs-
Amerikaner stirbt heutzutage an den Folgen verwertung und damit zu einem allmähli-
von Herzkranzgefäßerkrankungen; jeder chen Verfall des Körpers.
vierte an Krebs. Die Forschung geht davon Der Samen enthält Lebensenergie. Aus
aus, daß Krebs entsteht, wenn die Reak- Hanfsamen zubereitete Speisen sind wohl-
tionsfähigkeit des Immunsystems ge- schmeckend und stellen unsere Versorgung
schwächt ist; und gegenwärtig leiden mehr mit essentiellen Amino- und Fettsäuren si-
Amerikaner denn je an einer Schwächung cher; sie sorgen so für einen gesunden,
des Immunsystems. Zur Zeit werden viel- kräftigen Körper, für ein funktionierendes
versprechende Studien durchgeführt, bei Immunsystem, für seelisches Wohlbefin-
denen das Imrnunsystem von HIV-Infizier- den und für Lebenskraft.
ten durch die Gabe essentieller Öle gestärkt Lynn Osburn, Hempseed Nutrition. Herge-
werden soll. stellt von Access Unlimited, P. O. Box 1900,
Die in Hanfsamen enthaltenen Proteine ver- Frazier Park. CA 93225.
sorgen den Körper mit sämtlichen essen-
tiellen Aminosäuren, die für eine stabile [Aus: Herer/Bröckers/Katalyse „Die Wieder-
Gesundheit notwendig sind. Die im Hanf entdeckung der Nutzpflanze Hanf ... Canna-
vorkommenden Aminosäuren und deren bis, Marihuana" © 1993 by Zweitausend-
Zusammensetzung entsprechen in der Tat eins, Postfach, 60381 Frankfurt am Main]
EINNAHME
UND
WIRKUNGEN
DIE HEFE DES DENKENS Dies würde bedeuten, daß der Rezeptor
unter bestimmten Umständen einige der Ef-
Cannabisrezeptor fekte hervorruft, die Marihuanaraucher
im Gehirn entdeckt schätzen."
Als Mitte der 80er Jahre der Nestor der bun-
desdeutschen Cannabis-Selbsterforschung,
Berlin (taz). Das menschliche Gehirn verfügt Wolfgang neuss, in einem seiner taz-Beiträ-
über einen speziellen Cannabisrezeptor, ge Cannabis als „Die Hefe des Denkens"
Cannabidiole - die psychoaktiven Wirkstof- definierte, mochte das die Mehrheit der Le-
fe des Hanfs - werden von diesem Rezep- serinnen noch als feuilletonistischen Gag
tor gebunden, der dann die biochemischen abtun. Nach den experimentell bestätigten
Vorgänge auslöst, die zu den charakteristi- Ergebnissen des Washingtoner NIH aller-
schen Wirkungen der Pflanze führen. Lisa dings scheint Meister Neuss der harten
Matsuda, Molekularbiologin am National In- Wissenschaft wieder mal um einige Jahre
stitute of Health (NIH) in Washington, hat vorausgewesen zu sein. „Die Funktion die-
den Rezeptor entdeckt und konnte zeigen, ses Systems", schreibt die Entdeckerin Lisa
daß er in den Membranen der Gehirnzellen Matsuda, „könnte darin bestehen, daß es
lokalisiert ist. In Nature (Nr. 346, 1990, den Input dämpft und dem Gehirn so er-
S. 561 ff.) sind die Forschungsergebnisse laubt, bestimmte Erinnerungsprozesse in
veröffentlicht, denen, so Lisa Matsuda, Gang zu setzen." Cannabis also als eine Art
„noch viel Arbeit" folgen muß. Was die For- "expanded memory" des menschlichen
scher in dem von Tom Bonner geleiteten Bio-Computers? Auch wenn die Molekular-
Labor vor allem verdutzt, ist die Tatsache, biologin mit Schlußfolgerungen „vorsichtig"
daß die Natur den Menschen mit einem bleiben will, ein Blick in die (vergessene)
speziellen Rezeptor ausgestattet haben soll, Geschichte des Hanfs spricht für sich. Im äl-
nur um ihn zum Rauchen von Marihuana zu testen Arzneibuch, dem chinesischen Pen
verlocken. Zwar zählt der ursprünglich in Tsao, wird Hanf, wie auch bei den Babylo-
Zentralasien beheimatete Hanf (Cannabis niern, Indern und vielen anderen Völkern,
sativa) zu den ältesten Kulturpflanzen der nicht nur als Heilmittel für zahlreiche Krank-
Menschheit, das Gen allerdings, das für die heiten empfohlen, sondern auch als "göttli-
Ausbildung des Cannabisrezeptors zustän- ches Kraut", das "den Geist für eine Zeit
dig ist, scheint sehr viel älter zu sein. Tom reisen läßt": „Nimmt man sie (die Blüten
Bonner hat Anzeichen dafür entdeckt, daß der Pflanze) über längere Zeit hinweg, wird
es sogar schon in evolutionären Frühformen man befähigt, mit den Geistern zu spre-
des Lebens wie der Fruchtfliege Drosophila chen, und der Körper wird leicht." Es
existiert: „Wenn dieses Gen durch die ge- scheint, als hätten die Ärzte vor 5000 Jah-
samte Evolution konserviert wurde, dann ren schon gewußt, was die Neuro-Wissen-
muß sein Produkt (der Rezeptor) eine wich- schaftler unserer Tage jetzt wieder entdeckt
tige Funktion haben." Die fundamentale haben: daß Hanf „den Input dämpft und
biologische Funktion des neuronalen Hanf- dem Gehirn erlaubt, bestimmte Erinne-
empfängers vermuten die Forscher in der rungsprozesse in Gang zu setzen".
Eigenschaft des Gehirns, den öffentlichen Das menschliche Gehirn produziert eine
Drogenkrieg höchst eigenmächtig zu sabo- Substanz, die genauso wirkt wie Marihuana
tieren: „Der am meisten einleuchtende - diese Entdeckung, so das englische Wis-
Grund für die Existenz eines Cannabisrezep- senschaftsmagazin New Scientist (Nr.
tors" faßt der New Scientist (11.8.90) die 1884, 31.7.93) hat der Gehirnforschung das
Ergebnisse zusammen, „ist, daß das Gehirn „beste High" seit Jahren beschert. Schon
einfach eine cannabisähnliche Substanz her- nach der Entdeckung eines einzigen auf den
stellt, die als Botenstoff zwischen den Zel- Hanfwirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol)
len agiert, indem sie den Rezeptor aktiviert. reagierenden Rezeptors im Nervensystem
1990 hatten die Forscher vermutet, daß ausstellen werden", resümiert der New
eine cannabisähnliche Chemikalie vom Ge- Scientist, „sie liefern den Pharmakologen
hirn selbst produziert wird; jetzt wurde sie neue Strategien auf ihrer Jagd nach canna-
gefunden von Raphael Mechoulam an der bisähnlichen Arzneien. Solche Drogen könn-
Universität Jerusalem, eben jenem For- ten wertvoll sein, um die Übelkeit bei der
scher, der 1964 erstmals den Hanfwirkstoff Krebs-Chemotherapie zu unterdrücken; den
THC isoliert hatte. Das neu entdeckte, körp- Appetit von Aidspatienten anzuregen;
ereigene Marihuana nennt Mechoulam „An- Krämpfe bei neurologischen Krankheiten zu
andamide" nach ananda, dem Sanskritwort mildern; den Augendruck bei Glaukompati-
für „Glückseligkeit". enten zu senken und Schmerzen zu lindern,
„Der Fund bedeutet neue Hoffnung für The- wo andere Schmerzmittel versagen." All
rapien aus der langen Liste des überliefer- dies könne zwar auch das einfache Hanf-
ten medizinischen Gebrauchs der Pflanze: kraut leisten, aber, so das Blatt, „mit einem
als Schmerzkiller, Appetitanreger und Übel- kleinen Nebeneffekt: Es macht die Rezipi-
keitsunterdrücker, um nur einige zu nennen. enten high. Der heilige Gral der Canna-
Darüber hinaus eröffnet er einen neuen bistherapie war es, die Wirkung des High
Blick auf die mysteriöse Arbeitsweise unse- durch chemische Veränderung des THC
rer Gehirne." Weiter heißt es im New oder seiner Ableitungen von den anderen
Scientist: „Die Forschung in Sachen Mari- Effekten zu trennen. (...) Verschiedene US-
huana, oder Cannabis sativa, war aufgrund Pharmafirmen verbrachten einige Jahre mit
offiziellen Mißbehagens über das Kraut und dieser Arbeit - ohne Erfolg. Ebenfalls nicht
seinen Gebrauch lange unterdrückt. Es erreicht wurde ein anderes Forschungsziel:
wurde sogar als Droge ohne medizinische einen Antagonisten zu finden, der die Effek-
Bedeutung eingestuft und sein Gebrauch te von THC im Gehirn blockiert. Solange die
als Genußmittel überall verfolgt. Aber das Marihuanaforschung in dieser Richtung
war nicht immer so. Über Tausende von nicht weiterkommt, ist es unwahrschein-
Jahren wurde die Pflanze in Indien wegen lich, daß die Pharmakonzerne sich sonder-
ihrer Wirkung auf das Bewußtsein ge- lich engagieren werden."
schätzt. (...) Auch der Westen benutzte Ma- Dennoch ist die große Bedeutung der Ent-
rihuana: Der Arzt von Queen Victoria ver- deckung unzweifelhaft: „Wir haben es nicht
schrieb es gegen die Menstruationsbe- mehr einfach mit der Pharmakologie eines
schwerden Ihrer Majestät; George Was- Genußmittels zu tun", so Roger Perwett
hington und Thomas Jefferson pflanzten es von der Universität Aberdeen, „sondern mit
auf ihren Landgütern als Faserpflanze für der Physiologie eines neu entdeckten Sy-
Textilien und Seile. (Historisch nicht überlie- stems im Gehirn." (Rolf Achteck)
fert ist, ob diese beiden Präsidenten ihre
Ernte auch geraucht, und wenn ja, ob sie
auch inhaliert haben.)"
Der Fund eines Cannabisrezeptors bedeu-
tet, daß THC, anders als Alkohol, „nach
einem genauen ,Modus operandi' in spezifi-
sche Hirnfunktionen eingreift". Welche ge-
naue Rolle die vom Gehirn produzierten,
THC-ähnlichen Anandamide für die ver-
schiedenen Hirntätigkeiten spielen, ist der-
zeit noch nicht erforscht, die Wirkung von
Cannabis deutet die Richtung an: Beeinflus-
sung der Stimmung, des Gedächtnisses
und der Schmerzempfindung zum Beispiel.
„Als was auch immer sich Anandamide her-
Johann Wolfgang Constantin Seibt war. Er tat es ihnen nach; wonach ich die
Pfeife in Empfang nahm und den Rauch ein-
„JENES sog, welcher mich nun überaus parfümiert
VIELGERÜHMTE anmutete. Danach kreiste die Pfeife ein
zweites Mal, während sich ein eigentümli-
KRAUT" ches Gefühl, begleitet von einem tiefen
Summen, in meinem Kopfe breitmachte,
Ein sensationelles Dokument hat die Zür- Nun, hub von Spiess an, nachdem er sich
cher Wochenzeitung WoZ jetzt präsentiert: die Lippen befeuchtet, ob es Wirkung
Aufzeichnungen Goethes über ein gemein- zeige? Er jedenfalls spüre, wie das Poeti-
sames Haschischerlebnis mit Schiller. Die sche nur so aus ihm herausbreche. Gerade
vier gut erhaltenen losen Quartblätter wur- sei ihm der Satz Mit dem Löffel muss man
den zwischen Antiquitäten entdeckt, die das Gleiche aus dem Wirklichen schöpfen
Alexander Schalck-Golodkowski vor Jahren eingefallen. Schiller erwiderte, dass ihm
in die Schweiz verkauft haben soll. (Quelle: nichts derartiges in den Sinn getreten sei,
Die Zeit v. 21.1.94) allein, ihm sei etwas unpässlich. Darauf be-
merkte Studiosus Munster, Unpässlichkeit
Beim Mittagsmahle erörtere ich mit Schil- sei ein Problem am Anfang, der stets
lern die wunderliche Sitte, welche unter so schwer sei, und es gäbe sich; ihm, Munster,
seinen Studiosi Einzug erhalten, nämlich gehe es augenblicklich ungeheuer wohl. Er,
mittels einer Pfeife ein süssliches orientali- meldete sich drauf cand. phil. von Spiess,
sches Harz abzubrennen, über dessen er- fühle sich, als ob er mit dem Weltganzen in
heiternde Kraft viel Lob zu hören sei. Nach gemütlichste Verbindung trete. Man müsse
einem angeregten Gespräch darüber, dass nämlich wissen, dass schon die Altvorderen
in jedem Menschen eine Dreiheit von Hanf gekannt und genutzt hatten - die ur-
Menschlichem, Tier- und Pflanzenhaften deutsche Gemütstiefe habe hier ihre bäuer-
walte, welches letztere mittels Einatmung lichen Wurzeln ... Dito habe er aus sicherer
von wieder Pflanzlichem geweckt werde, Quelle, dass auch die griechischen Philoso-
schlug ich gerne in Schillers Vorschlag ein, phen, Aristoteles allen voran, Hanf gekannt
sich morgigen Tages an eine Oertlichkeit zu und davon profitiert hätten ... Derlei Wun-
begeben, um in Geselligkeit jenes viel- derlichkeiten brachte er darauf viele hervor,
gerühmte Kraut zu rauchen, da hier, wie oft- als er durch ein eigentümliches, krankhaf-
mals, nur naturhafte Anschauung hilft. tes Kichern Schillers unterbrochen wurde,
Daselbst traf ich nebst Schillern drei junge in welches die anderen sofort einstimmten,
Leute an, geheissen von Spiess, Munster ich unwillig mit einbegriffen.
und Bierbichel. Ich wurde auf das herzlich- Mein Zustand war der seltsamste: allerlei
ste begrüsst, man schilderte mir, dass man trübe Gedanken schwirrten um mich herum
die Pflanzen, eine Abart von Hanf, selbst in wie kalte Goldfische in einem Glase, allein
liebevoller Kleingärtnerei selber gezogen, ich erhaschte keinen und blieb gelangweilt,
geerntet und getrocknet habe, und plauder- was sich mit immer stärkerem Unwillen
te aufs angeregteste über Gartenkunst. Dar- mischte, als ich bemerkte, dass die drei, die
über ward schon die gekrümmte Pfeife ge- mit Fleiss zu reden anhuben, was wunders
stopft und von Bierbichel mittels Fidibus in sie fühlten und dächten, diese Reden schon
Gang gebracht. Sofort verbreitete sich ein oft gehalten hatten und gleich einem Mar-
starker Geruch, halb süsslich, halb streng ketender, welcher seine Ware mit densel-
mit dem Anhauch von verschmorter Gum- ben Worten schon tausendmal angeprie-
mierung durchsetzt. Cand. iur. Bierbichel sen, gleichsam mit der Stimme eines Mühl-
setzte das Werkzeug seufzend ab und reich- rades klapperten, wobei sie mir und dem
te es von Spiess, welcher zwei Züge nahm armen Schiller, welchem der Schweiss auf
und seufzte, worauf Schiller an der Reihe der Stirne stand, mit grosser Wonnigkeit
und beständigem Blinzeln Vorträge über die jedoch übereinstimmende Züge genug er-
medizinische Wirksamkeit ihres Kräutleins kennen. Es ist aber nicht richtig, daß eigent-
hielten, welches das Krebsleiden, die rheu- liche Halluzinationen und Wahnvorstellun-
matischen Anfälle, Erkältungen sowie koli- gen auftreten, wie so oft behauptet wird,
schen Durchfall heilen solle. Hierauf verteil- also solche, die von der Umgebung völlig
ten sie Papier, die aussergewöhnlichen poe- verschieden sind, vielmehr knüpfen die Vor-
tischen Steigerungen der Kreatur unter stellungen stets an die augenblickliche Um-
Hanf festzuhalten: ich schrieb ein, zwei ma- gebung von Gegenständen, Farben, Tönen
gere Sonette, die wenig Wert hatten, Schil- an, sie freilich vergrößernd, verzerrend, ver-
ler eine Ballade, beginnend mit den Zeilen feinernd, je nach dem. Der Hanf ist kein
Ein frommer Knecht war Fridolin / Ergeben Neuschöpfer, sondern nur ein Vergrößerer.
der Gebieterin, welche noch weniger Wert Eine so oft und immer wieder erzählte erre-
hatte. gende Wirkung des Hanfes auf die Ge-
Nachdem von den Studiosi eine weitere schlechtssphäre scheint zu fehlen, insofern
Pfeife geraucht, und sie vollends in einen als solche beim Hanfgenusse nicht aus dem
Zustand der stillen Einfalt verfallen, bega- Nichts entsteht. Daß sie trotzdem auftreten
ben sich Schiller und ich zur Wirtsstube des kann bei Personen, die gewohnt sind, ihre
„Roten Rosses" um dort bei erstaunlichem Gedanken auf solche Dinge zu richten oder
Appetit zwei Wurstteller einzunehmen. während der Wirkung des Hanfes sich mit
Ueber unser Abenteuer waren wir uns entsprechenden Gegenständen umgeben,
schnell einig; es schien uns, nach einem ist natürlich und erklärt sich aus dem so-
Bonmot Schillers, dass die Wirkung weder eben Gesagten. Daß weiter solche Vorstel-
besonders übel, dafür aber noch salzloser lungen neu entstehen können, wenn die
als die vereinigten Gedichte Klopstocks & Wirkung durch Zusatz von Canthariden oder
Müllers gewesen sei, ferner bemerkte ich, einem anderen ähnlichen Reizmittel, wozu
dass jene Studiosi des Hanf mir vorkämen schon die stark reizenden Gewürze, die ich
wie jene lieben Kleinbürger, die ebenfalls oben nannte, gehören, verstärkt oder in
auf die Philister schimpfen, dabei aber neue Bahnen gelenkt wird, ist auch ver-
Gemüt und Gemütlichkeit hochleben lassen ständlich, dann haben wir es aber nicht
... Aber da sah ich mitten im Explizieren mehr mit der ausschließlichen Wirkung des
nach Schillern hin und fand ihn schlum- Hanfes zu tun.
mernd sitzen, den Kopf auf den geleerten Seine Wirkung tritt nicht schnell ein, erst
Wurstteller gebettet. nach einer Stunde oder zweien. Sie äußert
sich in höchst charakteristischer und meist
angenehmer Weise, im einzelnen mannig-
fach modifiziert. Sie tritt häufig nach außen
als dem Unbeteiligten unbegründet erschei-
nende Heiterkeit auf. In Tausend und eine
SCHILDERUNGEN Nacht kaufen sich drei Strolche Haschisch
DER HASCHISCH- und eine Wachskerze, gehen damit in ein
Gasthaus in ein besonderes Zimmer und ge-
WIRKUNG nießen dort ihren Rausch und ihre Fröhlich-
keit. Ausbrüche von Heiterkeit werden auch
ZUR WIRKUNG DES HANFRAUSCHES von gebildeten Europäern, die Haschisch
von C. Hartwich, 1911 genossen, berichtet. Der Zustand, in dem
sie sich befinden, wird als ein durchweg an-
Die Erscheinungen nach dem Hanfgenuß genehmer bezeichnet. Jeder äußere Ein-
sind im einzelnen wohl sehr mannigfaltig, je druck von angenehmer Art wird vergrößert
nach dem Bildungsgrad, Naturell und der und verfeinert, jeder unangenehme wird
Empfänglichkeit des Betreffenden, lassen herabgemindert, Schwierigkeiten, vor
denen der Haschischesser oder -raucher
steht, zu überwinden, erscheint eine Klei- auch nach einigen Stunden verschwindet
nigkeit. Beschränkungen von Zeit und Raum Wie man sieht, scheinen die Folgen bei
verschwinden, es scheint, als ob eine lange einem einmaligen oder bei wenigen Versu-
Zeit unter den angenehmsten Eindrücken chen nicht sonderlich schlimmer zu sein,
vergangen sei, während es vielleicht nur wie auch bei anderen Genußmitteln.
eine Viertelstunde ist. Der Gedankenlauf
kann durch die leiseste Veranlassung unter-
brochen werden. Ein einziges Wort oder DA SAGTE DER WEIN
eine Gebärde genügt zuweilen, um die Ge-
danken nacheinander auf eine Menge der ZUM HASCHISCH...
verschiedenartigsten Dinge zu richten und Ein Gespräch, aufgezeichnet
zwar mit einer Raschheit und Klarheit, die von Rudolf Gelpke
wunderbar ist. Der Geist empfindet einen
Stolz, welcher der eingebildeten Erhöhung Einst lebte in Basra ein Novize der Mystik
seiner Fähigkeiten entspricht, die, wie er (morid), der ein Liebhaber des Haschischs
sich bewußt glaubt, an Energie und Kraft zu- war, und der von diesem ständig Visionen
genommen haben. Von Bibra hatte, nach- empfing. Der geistige Meister (pir) dieses
dem er Haschisch genommen, zufällig ein Jünglings wußte das, und eines Tages
weißes Tuch in der Hand und erblickte in brach er den Verkehr mit ihm ab und schloß
dessen Falten die prachtvollsten Figuren, ihn von seinem Unterricht aus. Darüber sehr
die er durch neues Falten vielfach modifizie- unglücklich, suchte der Student seinen Leh-
ren konnte. Musik bereitete ihm den größ- rer auf und fragte ihn voll Demut, um wel-
ten Genuß. Indessen scheint es doch, als cher Schuld willen er denn so hart bestraft
ob der Haschischesser nicht immer beliebig werden solle. Darauf erwiderte der Meister:
neue Vorstellungen, von denen er sich Mache du mir keine Vorwürfe! Du hast
einen besonderen Genuß verspricht, in sich Freundschaft geschlossen mit dem Asrar
hervorrufen kann. So waren Versuche, die („Geheimnisse" = Haschisch), und er hat
v. Bibra machte, die Wirkung zu ändern, dich die Geheimnisse gelehrt. Dein Wurfseil
indem er kunstvolle Miniaturen betrachtete hast du zum Palast des Himmels emporge-
oder in einem seiner Lieblingsschriftsteller schleudert und folgst steilen Phantasien. Du
las, ohne Erfolg. Die ganze Narkose ist schwebst in Höhen, wo menschliches Fas-
keine tiefe und mit nicht zu großer Anstren- sungsvermögen dich nicht erreichen kann.
gung kann man sich für einige Zeit in den Drum habe ich beschlossen, dich nicht län-
normalen Zustand versetzen. Allmählich ger zu unterrichten, weil ich erkannt habe,
steigt der Zustand im allgemeinen an und daß du zur Stufe der Vollkommenheit ge-
der Haschischesser wird in einem Chaos langt bist. Demnach, so schließt der Ha-
wilder ungeordneter Gedanken und Vorstel- schisch, sei er als ein Vollender zu betrach-
lungen herumgewirbelt, aus dem er sich ten, der die Menschen ans Ziel ihrer Sehn-
heraussehnt, je länger die Wirkung gedau- sucht führe.-
ert hat freilich mit um so geringerem Erfolg. Nun begibt sich der Ma'dschun als Bot-
- Im weiteren Verlauf der Wirkung tritt zu- schafter des Haschischs zum Wein. Als die-
weilen starkes Kältegefühl ein, aber auch ser vernimmt, daß das Bier zu seinem Riva-
das ist nicht unangenehm, zuweilen stellt len überging, ist er darob keineswegs un-
sich Brechreiz ein. Im allgemeinen ist der glücklich, sondern froh, von einem niedri-
Appetit gesteigert. Nach längerer oder kür- gen und zweifelhaften Verbündeten befreit
zerer Zeit (einige Stunden) folgt das Stadi- zu sein. Dagegen steigert die Botschaft des
um der Depression und damit Schlaf, aus Haschischs seinen Zorn auf diesen. Er läuft
dem z. B. v. Bibra ohne jedes Unwohlsein rot an und beginnt, seine Kriegsvorbereitun-
erwachte, andere dagegen berichten von gen zu treffen, Der Ma'dschun, der zur An-
einem tüchtigen Katzenjammer, der aber sicht gelangt, der Wein werde in der kom-
menden Auseinandersetzung den Sieg da- Wein: Ich bin ein Junger, der die Welt ver-
vontrgen, sagt sich vom Haschisch los und brennt.
schließt sich dem Wein an. Haschisch: Und ich bin ein alter Lehrender
Inzwischen hat auch der Haschisch zum und Gelehrter.
Kampf gerüstet, und bald stehen sich die Wein: Mit dir werde ich ein Ende machen.
beiden Widersacher mit ihren Verbündeten Haschisch: Schweig und überschreite
in Schlachtordnung gegenüber. Mazé („Vor- deine Grenzen nicht ...
speise") und Rosine - welch letzterer ja Nach dieser Wechselrede kommt es zum
wohl ein Verwandter des Weines, wie auch Kampf. Zuerst ist das Glück mit dem Ha-
ein Weggefährte des Haschisch ist - versu- schisch, der seinen Gegner hart bedrängt.
chen erst vergeblich zu vermitteln, schlagen Als nun der Sultan Wein seine Niederlage
sich dann auf die Seite des Weines, werden vor Augen sieht, bereut er seine Untaten
aber, wie auch der Spießbraten, vom Ha- und legt vor Gott ein Gelübde ab, wonach er
schisch überwältigt. seine Gefangenen freilassen werden, ohne
Nun tritt der kriegsgewohnte Wein selbst ihnen auch nur Vorwürfe zu machen, wenn
und allein dem Haschisch gegenüber, nach- ihm diesmal der Sieg gehöre. Das Gebet
dem er einige seiner Leute in einem Hinter- des Weines findet Erhörung. Seine Verbün-
halt aufgstellt hat. Folgender Dialog geht deten brechen aus ihrem Hinterhalt hervor.
dem Zweikampf voraus: Der Haschisch und seine Leute werden ge-
schlagen und gefangen genommen.
Wein: ich bin der Enkel der Weintraube. Der Wein löst sein Gelübde auch ein. Er ent-
Haschisch: Du bist schmutzig, während ich läßt seine Gefangenen in Freiheit, weist
rein bin. jedem von ihnen ein Amt zu und regiert als
Wein: Der Tischgenosse des Sultans bin gerechter Herrscher. Aber aus Scham darü-
ich. ber, sich untreu geworden zu sein, entflieht
Haschisch: Und ich bin der meister (pir) der endlich der Haschisch aus dem Dienst des
Leute des Wissens. Weines. Seither ist der Haschisch ein un-
Wein: Mir steht das Urteil über Sinn und steter Wanderer, den die Furcht, vom Wein
Verstand zu. entdeckt und mißhandelt zu werden, her-
Haschisch: Ich bin ein in Blau gekleideter umtreibt. Darum hart er sich verborgen und
Sufi (Mystiker). meidet die Öffentlichkeit und die Stätten,
Wein: Ich besitze die Farbe der Morgenrö- die der Wein aufsucht.
te.
Haschisch: Und ich bin das Symbol der
Himmelssphäre. GEBURTSHELFERIN
Wein: Nur mit mir ist diese Welt ange-
nehm. DES EIGENEN ICH
Haschisch: Ich aber bin gar der Pol dieser Nina Graboi über ihren ersten Joint
Welt. (im Alter von 47 Jahren)
Wein: Ich befreie die Bekümmerten vom
Kummer. Ich fühlte mich noch nicht reif für eine LSD-
Haschisch: Was du kannst, vermag auch Erfahrung. Von Marijuana hieß es, es sei ein
ich. mildes Psychedelikum und ich war begierig,
Wein: Ich erleuchte die Versammlung. es auszuprobieren. Ich wußte, daß Alan
Haschisch: Mich beneidet das Grün der Watts es geraucht hatte und hoffte, durch
Wiese. ihn zu einer Gelegenheit zu kommen. Ich
Wein: Mein Weg führt zum Meister der hatte ihm von meinem Interesse an diesem
Liebe. Kraut erzählt, aber Tage vergingen, ohne
Haschisch: Meine Zufluchtsstätte ist eben daß er auf das Thema zurück kam. Als ich
dieser Meister. mich gerade mit dem Gedanken anfreunde-
te, mich vielleicht anderweitig kundig zu schließlich ein organischer Organismus, der
machen fragte er mich:" Heute Abend findet aus dem Schlamm aufs trockene Land krab-
auf dem Hausboot eines Freundes eine belte. Dann kehrte sich dieser Prozeß um.
Party statt. Würdest du gerne mitkommen?" Ich entwickelte mich durch ungezählte
Als wir den geräumigen, elegant möbelier- Seinsformen zurück in meine menschliche
ten Raum des unteren Decks betraten, sah Form. Und dann gebar ich. Später war ich
die Szene nach einer ganz normalen Party dann ein schwarzes Mädchen, das in einem
aus. Die Leute waren gut gekleidet und at- afrikanischen Kraal zur Trommelei tanzte.
traktiv, eher in meinem Alter als dem von Ich war mir meiner Umgebung völlig unbe-
Hippies. Zur Rock'n'Roll Berieselung wur- wußt, bis ich plötzlich Virginia erkannte. Sie
den hors d'oeuvres und die übliche Auswahl starrte mich mit offenem Mund an
an Likören angeboten. Doch der Geruch in während ich mit meinen Füßen stampfte
der Luft war eigenartig und ich bemerkte, und meine Hüften schüttelte. Mein Selbst-
wie merkwürdig gerolte Zigaretten von bewußtsein schnappte wieder ein und ich
Hand zu Hand gingen. Marijuana! Endlich hörte auf zu tanzen. Die Rückkehr in mein
war meine Chance gekommen. Bewußtsein fühlte sich an, als sei ich durch
Alan wurde von einem attraktivem Spät- einen endlosen Schacht gestürtzt.
dreißiger begrüßt. Die Zigarette in seiner Später stand ich rückwärts an die Reeling
Hand besaß dieses unverkenbare Aroma. gelehnt und bestaunte die Sterne. "Ich muß
"Nina, dies ist Roger," stellte uns Alan einan- mich nur fallen lassen und dann werde ich
der vor. "Nina hat noch nie Grass geraucht. wie ein Vogel durch die Luft fliegen können,
Würdest du sie gerne initiieren?" von jeglicher Schwerkraft befreit," dachte
"Aber mit Vergnügen! Du bist also ein Neu- ich. Gerade als ich loslassen wollte schweb-
ling?" Roger lächelte einladend. "Komm te in der Luft ein Stuhl heran und ich setzte
mit!" Er nahm meine Hand und führte mich mich darauf. Erst später erfuhr ich, daß Alan
in einen Raum am Oberdeck. In diesem mich aufgefangen, ins Zimmer getragen
Raum gab es keine Stühle. Wir saßen, an und auf der Couch abgelegt hatte.
die Wand gelehnt auf Kissen. "Was für Jene Geburtswehen die ich an diesem
Musik hörst du gerne?" fragte Roger mich. Abend erlebte waren so real wie bei den
"Oh, meistens Klassik, aber die Beatles sind Geburten meiner Kinder. Während dieser
großartig," sagte ich. Wehen war mir nicht bewußt, wen ich da
"Okay, ich leg eine Platte auf," Er ging zum gebar. Erst viel später wurde mir klar, daß
Plattenspieler in der Ecke und alsbald füllten ich mich selbst geboren hatte - mein neues
die Klänge von Strawberry Fields den Raum. Selbst. Viel von dem, was ich bislang als
"Tief ziehen," instruierte Roger mich. Ohne gottgegeben akzeptiert hatte, fiel nun von
zu zögern nahm ich den mir angebotenen- mir ab.
Joint. "Halt den Rauch so lang du kannst.
Von da an lösten sich die Bande, die mich an
Fühl, wie er deine Lungen füllt.," erzählte er
mein bisheriges Leben gefesselt hatten. Ich
mir und ich gehorchte. Wiederholte Male
erlebte jene Phase, die Timothy Leary post-
händigte er mir den Joint und jedesmal in-
larval nennt. Es begann die Gratwanderung
halierte ich tief.
jenes delikat ausbalancierten schizoiden Zu-
Beim dritten Zug hatte ich das Gefühl mein
stands, in dem man noch nicht ganz daheim
Bauch schwele an wie ein Ballon. Dann ver-
in der neuen Realität angekommen ist, an
schwand Roger und alles um mich herum.
die alte jedoch nicht mehr glauben kann.
Ich wirbelte rückwärts durch die Evolution.
Das Bewußtsein meiner Selbst als Frau mit
aus: Nina Graboi, One Foot In The Future, A
einem Namen, einer Vergangenheit, einer Woman's Spiritual Journey; Aerial Press,
Familie einer Anschrift - verschwunden. Ich
Santa Cruz, 1991.
war eine Affin, eine Löwin, eine Tigerin,
eine Hündin, ein Fisch, ein Insekt und
nische Cannabis-Effekte am Menschen
CANNABIS-WIRKUNGEN meist fragwürdig, was noch mehr für
psycho-soziale Wirkungen als für die eher
Unter akuten Effekten versteht man die-
jenigen Wirkungen, die direkt mit dem meßbaren körperlichen Effekte gilt.
Einfluß der Droge in Beziehung stehen. Um wirklich korrekte Ergebnisse zu be-
Sie setzen mit der Einnahme der Droge kommen sollte neben einer Cannabis-
ein und klingen nach und nach mit Ab- versuchsgruppe eine neutrale Kontroll-
bau und Ausscheidung der Droge wie- gruppe und eine Placebogruppe (= weiß
nicht, daß sie kein Cannabis bekommt)
der ab. Im Falle von Cannabis ist zu be-
untersucht werden.
denken, daß die lipophilen Cannabinoide
Wer sich mit Forschungen über die Aus-
nicht wie Alkohol im Blut gelöst sind,
wirkungen von Cannabis befaßt, sollte
sondern sich an fetthaltigen Geweben an-
immer sorgfältig zwischen subjektiven
lagern und erst nach mehreren Tagen
und objektiven Effekten unterscheiden.
restlos ausgeschieden werden. Es kann
Es kommt häufig vor, daß eine Versuchs-
daher auch über die Zeit des subjektiven
person eine Auswirkung von Cannabis
Rausches hinweg zu subtilen Auswirkun-
subjektiv anders empfindet als objektive
oen auf empfindliche Funktionen im
Beobachtungswerte (Messungen) den Ef-
Menschen kommen.
fekt beschreiben. Wie eine Person die
Von chronischen Wirkungen spricht man
dann, wenn nach Gebrauch einer Droge Auswirkungen der Droge selbst wahr-
Veränderungen verbleiben, selbst wenn nimmt, ist für das Verständnis der psycho-
die auslösende Substanz (hier THC) be- logischen Veränderungen in der Person
reits aus dem Körper verschwunden ist. interessant, während objektive Beobach-
Die Messung chronischer Wirkungen ge- tungswerte physiologische und allgemein-
staltet sich schwierig, da die Veränderun- verbindliche Schlußfolgerungen zulassen.
gen nicht von einem Tag auf den anderen
auftreten. Vielmehr kann eine signifikan- SET UND SETTING
te Abweichung mitunter erst nach Jahren Die vielstrapazierten Begriffe Set und Set-
fortgesetzten Gebrauches eines Präparates ting mögen in manchen Ohren einen be-
eintreten. Versuche müßten sich also über reits sehr abgegriffenen Klang haben. Das
einen sehr langen Zeitraum erstrecken, ändert jedoch nichts an dem Umstand,
währenddessen würde auch die Wahr- daß sowohl set (= momentane Stimmungs-
scheinlichkeit zunehmen, daß andere Ein- lage, Erwartungen) als auch setting (= Um-
flüsse die Ergebnisse beeinflussen, die welteinflüsse) erheblichen Einfluß auf den
Versuchsbedingungen können über derar- Verlauf eines Drogenerlebnisses nehmen.
tige Spannen nicht gleichmäßig gehalten Dies trifft besonders zu, wenn sich set
werden. und/oder setting jenseits des durchschnitt-
Im Falle von Cannabis müßte man Ver- lichen Rahmens bewegen. Unter extre-
suchspersonen finden, die den Test bei men äußeren Stressbedingungen und/oder
durchschnittlicher Gesundheit beginnen einer stark angespannten emotionalen
und keine Vorgeschichte in Sachen Dro- Ausgangssituation kann es auch unter
gen haben. Sie müßten über den gesam- Cannabis zu einer Verstärkung der Span-
ten wichtigen Zeitraum hinweg möglichst nungsmomente und ihrer möglichen ne-
gleichmäßig leben. Gleichzeitig wäre eine gativen Lösung (z.B. Aggression) kommen.
Vergleichsgruppe nötig, die sich in ihren Auch im Falle beobachteter Psychosen
Voraussetzungen und ihrem Lebenswan- lag immer eine Ausnahmesituation in set
del von der Versuchsgruppe in Nichts und/oder setting vor.
unterscheidet, allerdings kein Cannabis
nimmt. Solche Bedingungen lassen sich
faktisch nicht schaffen, daher bleiben
Versuche oder Untersuchungen über chro-
VORÜBERGEHENDE WIRKUNGEN
- PSYCHE -

SUBJEKTIVE EFFEKTE

Bedingungen:
Versuchspersonen 18-33 Jahre 22,
39 weibl., 61 männl.; 58 Studenten, 24
Berufstätige, 9 Teilzeitarbeiter; 9 arbeits-
los; bezeichnen sich selbst als regelmäßige
Doperaucher (wenigstens 50mal innerhalb
der letzten 6 Monate). 2 bis 3 Stunden
Interview und Fragebogen.21
Die Ergebnisse zeigen deutlich, daß die
„normalen" Effekte von Cannabis sich
bei den meisten Konsumenten sehr äh-
neln.

Die mancher-
orts beschriebenen Psychosen, Durchdre-
hen und Angstzustände wurden fast nie
genannt. Vielleicht liegt das daran, daß
man in dieser Studie ausnahmsweise nicht
Gefängnisinsassen oder ägyptische psy-
chiatrische Fälle als Versuchspersonen
ausgewählt hat.
KÖRPERLICHE EMPFINDUNGEN
Beispiel: Körper fühlt sich leicht, schwe-
bend etc. an, fließendes schwimmendes
Gefühl etc. Hier gibt es eine lange Reihe
von Berichten über allerlei somatische
Sensationen, die allerdings mit Vorsicht
zu genießen sind. Es ist sehr wahrschein-
lich, daß ein Großteil dieser Empfindun-
gen nicht durch Cannabis ausgelöst son-
dern nur durch die von Cannabis ver-
stärkte Wahrnehmung mehr ins Bewußt-
sein gedrungen sind, es sich aber hier um
bereits vorher bestehende Vorgänge han-
delt.

GEMÜTSZUSTAND
Cannabis verstärkt bereits vorhandene
Gemütszustände, weniger ist eine Verän-
derung zu beobachten. Abweichungen
von vorher vorhandenen Gefühlen gehen
meist in Richtung Euphorie. Kurz vor
dem Rauchen änderte sich die Gefühls-
lage hin zu einer freundlicheren Haltung,
da offenbar die Einnahme der Droge als
ein angenehmes Erlebnis erwartet wurde.
Selbst wenn die Versuchspersonen ihren
Gefühlszustand als schlecht bezeichneten,
handelte es sich hier mehr um psycholo-
gische, nicht jedoch psychomotorische
Tiefs.
Es zeigte sich auch hier, daß Cannabis-
freundliche Versuchspersonen in einem
Dauerversuch bei scheinbaren Routine-
befragungen glaubwürdigere Werte ab-
gaben als im Bewußtsein, daß die Ergeb-
nisse in einer Studie über Dope verwer-
tet wurden. Hier trat eine klare Neigung
zur Dissimulation auf, d.h. manche Ver-
suchspersonen wollten die Effekte von
Cannabis als durchweg positiv darstellen.49
SELBSTEMPFINDEN (= SUBJEKTI- THC UND DIE SINNLICHE
VITÄT) UNTER CANNABIS WAHRNEHMUNG
Versuchspersonen haben den subjektiven
Eindruck, daß ihre Leistungen steigen, Sehen:
weil sie offenbar Arbeit und Ergebnis Die Farbwahrnehmung ist intensiviert. Es
intensiver wahrnehmen. Objektiv gese- können gelegentlich farbliche Grundtö-
hen haben sich die Leistungen keinesfalls nungen des Gesehenen auftreten. Vor
in der vermuteten Weise zum Besseren hin allem aber werden die Farben als kräftiger,
geändert. frischer, deutlicher und lebendiger emp-
In Experimenten mit normalen jungen funden.
Leuten wurden Veränderungen im Sehen Auch die Tiefenwahrnehmung kann ver-
(Helligkeitsunterschiede) und Hören stärkt und verändert sein. Beobachtete
(Lautstärke und Tonhöhenunterschiede) Objekte traten deutlicher (3D-Effekt) her-
gemessen.12 Die Ergebnisse der Cannabis- vor oder modellierte Figuren erscheinen
Gruppe unterscheiden sich nur kaum von flach (wie ausgeschnitten aus Karton). In
denen einer Vergleichsgruppe. Dennoch Versuchen 53 schätzten die meisten Per-
haben die unter Cannabiseinfluß befind- sonen Entfernungen weiter als dies tat-
lichen Personen den deutlichen Eindruck, sächlich der Fall war, etwa die Hälfte
ihre Ergebnisse hätten sich gegenüber dem empfand Objekte größer. CLARK und
Vortest (ohne Dope) erheblich verbessert. NAGASHIMA 14 konnten keine Verände-
rung in der Tiefenbeurteilung (eine weiße Körpertemperatur nicht merklich verän-
Stange mußte in einer bestimmten Ent- dert, können subjektiv die unterschied
fernung angebracht werden) feststellen. lichsten Temperaturempfindungen auf-
Objekte scheinen deutlicher gegeneinander treten, von einem Gefühl wohliger Wärme
zu kontrastieren, sie erscheinen deutlicher über abwechselnd warme und kühle Pha-
voneinander abgesetzt. Die Wahrnehmung sen bis zu einer unangenehmen Kalte-
gerader Linien ist nicht verändert. Gele- empfindung.
gentlich (besonders bei hohen Dosen)
werden Bilder von Objekten oder Abläu- ZEITEMPFINDEN
fen in Muster umgesetzt, gerastert, Mu- Das subjektive Zeitempfinden verändert
ster treten auf gleichmäßigen Bildern auf sich unter Cannabiseinfluß stark. Ver-
(hohe Dosierung). Besonders mit geschlos- suchspersonen ohne Cannabis schätzen
senen Augen, noch mehr, wenn durch eine Zeitspanne von 5 Min. auf 5 ± 2 Min.
die Finger ein Druck auf die Augäpfel Nach Verabreichung von Marijuana änder-
ausgeübt wird, werden oft bunte und te sich dies erheblich: 5 min. wurden auf
bewegliche, meist ungegenständliche Bil- 10 Min. ± 2 geschätzt.64 Ähnliche Ergeb-
der und Muster wahrgenommen. nisse berichten auch andere Forscher,26/27
Die Sehschärfe ist erhöht, 25 obwohl sich die von einer „Beschleunigung der inneren
die Fähigkeit, Helligkeitsunterschiede Uhr" sprechen. Die Zeit scheint unter
wahrzunehmen, nicht gegenüber dem Cannabis-Einwirkung erheblich langsamer
Normalen verändert. 12 Allgemein steigt zu vergehen, eine vorgegebene Zeit wird
die Lichtempfindlichkeit etwas, weshalb als erheblich länger eingeschätzt.15
oft grelles Licht gemieden wird. Praktisch alle zu diesem Thema angestell-
ten Untersuchungen zeigen diese Ergeb-
Hören: nisse. Es machte auch keinen Unterschied,
Die akustische Wahrnehmung wird meist ob die Versuchspersonen wußten, wie der
subjektiv als schärfer empfunden, wenn soeben durchgeführte Test verwertet wür-
sich dies auch nicht eindeutig objektiv de oder nicht, die Motivation der Ver-
nachweisen ließ (keine Änderungen64 - suchspersonen spielte also keine Rolle.
schärfer 2 5 ). Keine Veränderung in der Weilerhin trat nach einer 21tägigen
Hörschwelle und der Tonhöhenunterschei- Versuchsperiode eine gewisse Toleranz
dung, geringes Nachlassen der Lautstär- gegenüber diesem Effekt auf. All das läßt
kendifferenzierung. 33/12 Es werden Ge- die Vermutung zu, daß es sich beim ver-
räusche wahrgenommen, die normaler- änderten Zeitgefühl um eine direkte
weise nicht bemerkt werden oder sonst neurologische Einwirkung von THC auf
nach kurzer Zeit der Gewöhnung anheim- Gehirnfunktionen handelt. 50
fallen.9 Die emotionale Wirkung der Dieser Effekt bleibt nicht auf den Men-
Musik auf den Menschen wird meist stär- schen beschränkt. Auch A f f e n 1 6 / 1 8 und
ker. Ratten 63 weisen unter Dope-Einfluß die-
se Veränderungen auf.
Geschmacks- und Geruchssinn:
Die Wahrnehmungen werden insgesamt REAKTIONSZEIT
intensiviert, was häufig zu einem Verlan- Die Reaktionszeit nahm dosisabhängig zu.
gen nach Nahrung führt (Appetit), ohne Dies galt sowohl für Reaktion auf hörbare
daß ein tatsächliches Nahrungsbedürfnis als auch auf sichtbare Impulse.
vorliegt (Hunger). Man könnte dieses Ge-
fühl vielleicht als Heißappetit bezeichnen, GEDÄCHTNIS
selbst wenig feine Speisen und Getränke Es steht zu vermuten, daß viele Wirkun-
werden als der Gipfel der Köstlichkeit gen von Cannabis darauf zurückzuführen
empfunden.8 sind, daß THC Veränderungen im Ge-
dächtnis und im Lernverhalten auslöst,
Temperaturempfinden: indem die Konzentrationsfähigkeit ver-
Obwohl sich nach Cannabis-Genuß die mindert wird. Die Aufmerksamkeit
schweift ab, was nur durch erhöhte Mo- Cannabis rührt nicht an fest eingespeicher-
tivation ausgeglichen werden kann. ten Inhalten des Langzeitgedächtnisses.
Kurzzeitgedächtnis: Informationen wer- Die Einspeicherung ins Langzeitgedächt-
den aufgenommen (Wahrnehmung und nis jedoch funktioniert weniger gut, weil
Wertung) und dann kurze Zeit im Kurz- primär das Kurzzeitgedächtnis unter THC
zeitgedächtnis „gelagert". Die wichtigeren deutlich nachläßt.
Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses gelan- Nachdem sie eine Geschichte gelesen hat-
gen dann ins Langzeitgedächtnis. Dazu ten, konnten Versuchspersonen unter
muß die Information lange genug im THC-Einfluß sowohl gelesene Worte und
Kurzzeitgedächtnis verweilen (meist nach Ausdrücke als auch Sinnzusammenhänge
Wiederholung), um kodiert und eingeord- aus der Geschichte weniger gut erinnern
net werden zu können. Im Langzeit- als die Kontrollgruppe.2
gedächtnis eingespeicherte Informationen Bei einem weiteren Experiment 43 zeigte .
können wieder abgefragt werden. Hierzu sich nicht nur, daß spezifisches Material
werden in Windeseile Schubladen aufge- schlechter erinnert wurde. Obendrein
zogen. Je genauer die Bezeichnung der hielten Versuchspersonen unter THC völ-
gesuchten Schublade bekannt ist, desto lig neue Informationen für ursprünglich
rascher und exakter wird der gesuchte zum Ausgangsmaterial gehörig, das sie
Inhalt herangeschafft werden können. sich hatten merken sollen. Das Einfließen
Aus dem Kurzzeitgedächtnis kann eine, irrelevanter Assoziationen bei Nacher-
Information nur angerufen werden, wenn zählungen wurde zuvor schon von CLARK
sie in der Zeit, die die Suche beansprucht, et al.15 bemerkt.
nicht schon verblaßt ist. Bei einer weiteren Untersuchung4 sollten
vorgelesene Worte (Lesung nüchtern!) noch nicht erreicht. Die Positionen 6-9
aus Listen erinnert und wiedererkannt lFR stehen für das Kurzzeitgedächtnis
werden. Es zeigte sich, daß „alte" (= aus und zeigen deutlich eine Minderung
den ursprünglichen Listen stammende) dieser Fähigkeit unter Marijuana. Auch in
Worte im selben Maße wie bei der Kon- Sachen Langzeitgedächtnis fällt die Lei-
trollgruppe ohne Cannabis erkannt wur- stung der Marijuana-Gruppe zur Kontroll-
den, gleichzeitig jedoch die Neigung er- gruppe deutlich ab. Vor Eintritt in das
heblich zunahm, neu eingeführte Worte Kurzzeitgedächtnis nehmen beide Grup-
für bereits aus der Liste bekannt zu hal- pen die gegebenen Informationen etwa
ten. THC minderte Gefühl und Treffsi- gleichgut auf. Um diese neuen Informa-
cherheit bei der Unterscheidung zwischen tionen nicht zu verlieren, muß man sie
bekannt (= im Gedächtnis) und unbe- sich ständig wiederholen, was unter THC
kannt. Obendrein setzte es die Kritikfä- offenbar weniger gut gelingt (wegen Kon-
higkeit herab, Entscheidungen wurden zentrationsschwierigkeiten). Wahrschein-
weniger reflektiert getroffen. Gleichzeitig lich wiederholen Personen der Kontroll-
ließ die Motivation allerdings nicht nach, gruppe erhaltene Informationen häufiger
die Testpersonen wollten im selben Maße (= einüben), sodaß mehr ins Langzeit-
wie zuvor ihre Aufgabe gut erfüllen. Man gedächtnis gelangen kann.
konnte also einerseits unter Cannabis Wie eine nachträgliche Befragung der
alte Worte als bekannt erinnern, war Marijuana-Gruppe ergab, sahen sie ihre
aber weniger fähig, neue Worte als unbe- persönlichen Schwierigkeiten beim Er-
kannt (= nicht im Gedächtnis befind- lernen vor allem in einem Mangel an Kon-
lich) zurückzuweisen. Dies deutet darauf zentration. Diese Minderung der Konzen-
hin, daß bereits im Gedächtnis befindli- trationsfähigkeit unter dem Einfluß von
che Informationen sehr wohl normal ab- Cannabis dürfte die Ursache dafür stellen,
gerufen werden können.3 Andererseits daß neue Informationen nicht eingeübt
konnten weniger Informationen ins Ge- und im Gedächtnis gespeichert werden
dächtnis gelangen, entsprechend später konnten. Konzentrationsschwäche also
also auch nicht abgerufen werden, wenn als Grund für geminderte Lernfähigkeit
die Person bei der Aufnahme der Infor- und geringere Gedächtnisleistungen.
mationen unter dem Einfluß von Canna-
bis stand.
Um die Frage nach Einspeichern und Ab-
rufen von Gedächtnisinhalten weiter zu
untersuchen, führte Abel3 weitere Ex-
perimente durch. Zu den bereits bekann-
ten Ergebnissen (= die Fähigkeit zwischen
korrekten und nicht-korrekten Bezügen
auf Gedächtnisinhalte zu unterscheiden,
die Vorsichtigkeit, mit der Entscheidun-
gen getroffen werden, lassen beide nach)
ließ sich herausarbeiten, in welcher Art
sich Cannabis auf das Lernen (= speichern
und abrufen können) auswirkte. 10 Listen
zu je 12 Worten wurden vorgelesen. Nach
jeweils 10 Worten sollten die Versuchs-
personen die erinnerten Worte nennen
(IFR= Initial Free Recall = Kurve). Nach
Abschluß der Lesung sollten alle insge-
samt noch erinnerlichen Worte aufge-
schrieben werden (DFR = Delayed Free
Recall = Kurve). Die Positionen 10 bis
12 der IFR-Kurve befinden sich noch in
den Bereichen der sinnlichen Wahrneh-
mung, sie haben das Kurzzeitgedächtnis
Auch wenn unter dem Einfluß von THC stehenden Vortest handele.
die Fähigkeiten des Kurzzeitgedächtnisses Dabei ist interessant, daß unerfahrene
leicht verringert waren, so wirkte sich Raucher allesamt deutlich nachlassende
Cannabis doch nicht auf die Fähigkeit Gedächtnisleistungen- unter dem Einfluß
der Versuchspersonen sich durch Übung von Cannabis erbringen. Man kann daher
zu verbessern 50 aus. vermuten, daß unter THC die Aufmerk-
Inzwischen sind die Auswirkungen von samkeit einer Person stärker von einer
Cannabis auf das Kurzzeitgedächtnis und Sache zur anderen wandert, die Konzen-
auf die Übertragung von Material vom tration also nachläßt.
Kurzzeitgedächtnis zum Langzeitgedächt-
nis60 einigermaßen bekannt.
Unter der Einwirkung von THC ist die Fä-
higkeit, während des „high" gelerntes Ma-
terial abzurufen deutlich vermindert. Dies Ein Nachlassen der Gedächtnisleistung
gilt für ein weites Spektrum sowohl verba- dürfte also nicht aufgrund einer direkten
len als auch graphischen Materials. Bei der chemischen Auswirkung auf das Gedächt-
Untersuchung der Cannabis Effekte auf nissystem auftreten, sondern vielmehr in-
das Kurzzeitgedächtnis wurden scheinbar direkte Folge der Konzentration auf
widersprüchliche Ergebnisse gefunden. andere Dinge (= Ablenkung) unter der
Verschiedene Forscher 2 / 3 / 4 / 1 5 / 3 5 / 3 6 wiesen Droge sein. Hierfür sprechen auch weitere
eine geringere Leistung bei ihren Versuchen Ergebnisse. 26/38/66/64
nach. Andere Experimente zeigten gegen- Zusammengefaßt bedeutet dies:
teilige (= kein Unterschied zur Kontroll- 1. Im Normalzustand eingespeicherte In-
gruppe) oder gemischte Ergebnisse zum formationen können jederzeit abgeru-
selben Fragenkomplex. 1 4 / 1 7 / 2 3 / 2 7 / 3 8 / 6 4 fen werden, auch unter dem Einfluß
Es bieten sich zwei Erklärungsmöglichkei- von THC
ten an: 2. Unter dem Einfluß von THC lassen
1. besonders begeisterte Dope-Raucher, sich nicht so viele Informationen ins
die über die Bedeutung des Experi- Langzeitgedächtnis einspeichern, weil
ments, an dem sie teilnehmen, unter- sie im Kurzzeitgedächtnis (wahrschein-
richtet sind, bemühen sich, unter Can- lich durch Konzentrationsschwierig-
nabis besonders gute Ergebnisse zu zei- keiten) verloren gehen.
gen, um damit zu „beweisen", daß
Cannabis nur günstige Effekte hat. INTELLEKTUELLE FUNKTIONEN
Stärkere Motivation gleicht eigentli- Unter dem Einfluß von Cannabis geschieht
chen Cannabis-bedingten Leistungsab es leicht, daß man im Gespräch oder im
fall aus. Denken den Faden verliert. Die Aufmerk-
samkeit wird auf für die Sache nicht wich-
ODER: tige Teilasoekte oder Assoziationen ge-
lenkt. Es fällt schwer (= mehr Motiva-
2. regelmäßige Doperaucher entwickeln tion wäre nötig), sich zu konzentrieren.
eine Toleranz gegenüber den das Ge- Hinzu kommt das bekannte Nachlassen
dächtnis mindernden Wirkungen von besonders des Kurzzeitgedächtnisses. Der
Marijuana (direkter körperlicher Ef- Sinngehalt des letzten Satzes kann bereits
fekt). wieder verblaßt sein, und während man
Vieles deutet darauf hin, daß die erste sich noch an ihn zu erinnern versucht, ist
Interpretation der Wahrheit näher kommt. die Übersicht über eine Aussage im Ge-
In der Studie von Rossi und O'Brien50 spräch oder beim Lesen eines Textes
z.B. zeigten drei starke Raucher die be- gänzlich verloren gegangen.
sten Ergebnisse, wenn sie wußten, daß der Unter THC ist man auch stärker von
Test direkt mit der Gefährlichkeit von äußeren Reizen beeinflußbar, es ist nicht
Marijuana in Zusammenhang stand. Ande- mehr so leicht möglich, sich unter widri-
rerseits brachten sie die schlechtesten gen Bedingungen zu konzentrieren, man
Leistungen, wenn man ihnen sagte, daß ist leichter ablenkbar. Auch die Gefühls-
es sich nur um einen außer der Wertung lage und Umgebung (set und setting)
spielt nun eine wichtigere Rolle als im 7 Stunden durchschnittlich täglich bei
üblichen Zustand. Gelegenheitsrauchern und 7,5 Stunden
täglich bei starken Rauchern vor der Dro-
gentest-Periode auf 8,7 bzw. 8,4 Stunden
während täglicher Einnahme von THC.
Die Schlafenszeiten erschienen unter dem
Eindruck von fortgesetztem Marijuana-
Akute Effekte auf intellektuelle Prozesse: Genuß auseinandergerissen, hatten Ver-
Verringerung der intellektuellen Fähigkei- suchspersonen (Gelegenheitsraucher) vor
ten konnte beobachtet werden: Ziffer- der Versuchsperiode noch 90% ihres
Symbol-Substitution (innerhalb einer Schlafes in Blöcken von 6-9 Stunden ab-
bestimmten Zeit ersetzt die Versuchsper- solviert, so waren es während der Zeit, wo
son eine Reihe von Nummern durch Sym- sie Cannabis täglich rauchten, nur noch
bole 64 ), die Fähigkeit, eine Zahlenreihe 60%. 48
vorwärts und rückwärts zu wiederholen 37 Die genannten Änderungen erwiesen sich
und die Fähigkeit, im Kopf eine zusam- als nicht dosisabhängig und verschwanden
mengesetzte Substraktionsaufgabe umzu- mit der Ausscheidung von THC im Kör-
kehren 32 , sowie Vorstellungsvermögen,29 per nach Beendigung der Rauchperiode
Fähigkeit, einen gelesenen Text zu begrei- langsam (Abbau und Ausscheidung von
fen 15 , und freie Rede 58/65 waren allesamt THC benötigt mehrere Tage).
mehr oder weniger eingeschränkt, solange Weiterhin dürfte es interessant sein, daß
die Versuchspersonen ,,high" waren. Die THC die Qualitäten des Schlafs nicht wie
verminderten Leistungen in den genann- andere Drogen (z.B. Alkohol) negativ be-
ten Versuchen waren abhängig von der einflußt. Es ließ sich auch kein direkter
Dosis, dem Motivationsgrad (wenn ,,high" Zusammenhang zwischen Einsetzen des
läßt die Motivation für derartige Versuche Schlafes und Zeitpunkt der THC-Einnah-
manchmal nach) und der Vertrautheit der me feststellen. THC kann also nicht (wie
Aufgabe (bei vertrauteren Aufgaben waren Alkohol oder Opiate) als einschläfernde
die Leistungseinbußen nach Cannabis- Droge bezeichnet werden.
Konsum geringer, weil Inhalte des Lang- Mögliche Erklärung: THC wirkt sich
zeitgedächtnisses ohne Einbußen gegen- direkt mindernd auf die dem neurophy-
über dem Normalzustand abgerufen wer- siologischen System unterliegende REM-
den können). Aktivität aus. Es entsteht ein innerer
Druck an REM-Aktivität, der in verlän-
MÜDIGKEIT UND SCHLAF gerten und häufigeren Schlafperioden ab-
Nach einer kleinen Dosis scheint Canna- reagiert wird.
bis sedative (= beruhigende) Wirkungen
zu entfalten, CANNABIS UND HUNGER
Nach hohen Do- In mehreren Untersuchungen hat man sich
sen macht sich eine eher anregende Wir- mit dem vielen Cannabis-Rauchern be-
kung breit, man ist leicht überdreht, der kannten Phänomen des Heißhungers be-
Schlaf ist nicht sonderlich tief und er- schäftigt. Kaum wird die Wirkung des
frischend. 56 Allgemein treten Müdigkeit Cannabis verspürt, setzt sich der Betrof-
und Schläfrigkeit oft beim Abklingen der fene in Richtung Kühlschrank in Bewe-
THC-Wirkung auf. gung oder reißt die Verpackung von der
In einer Reihe von Versuchen 46/47 fand Schokolade. Die Ergebnisse der Tests
man heraus, daß Cannabis die tägliche sind nicht sonderlich eindeutig, was zu
Schlafzeit verlängerte, die REM-Tätigkeit verschiedenen Spekulationen über die Ur-
(= Rapid Eye Movement = Bewegungen sachen des unbestrittenermaßen häufig
des Auges im Schlaf) in der zweiten Hälfte auftretenden Hungergefühls geführt hat
der Schlafperiode minderte und den REM- (Hollister 2 4 vermutet soziale Ansteckung
Schlaf nach einer Periode der REM-Min- durch andere Hungrige in der Raucher-
derung reduzierte. runde etc.) Obendrein haben Tierver-
Die Schlafmenge je 24 Stunden stieg von suche1 kein Mehr an Nahrungsaufnahme
gebracht, wenn THC gegeben wurde. Dies durchaus unangenehme Überraschungen
mag vielleicht aber auch an den unglaub- erleben, wenn er sich stoned in Sachen
lich hohen Dosen gelegen haben, die die Erotik versucht. Auch umschlagende
Tiere bekamen (z.B. 10 mg/kg Körperge- Stimmungen erfahren eine Verstärkung
wicht im Gegensatz zu bei Experimenten mit schwierigen Situationen als Folge.
mit Menschen beispielsweise verwendeten Andererseits kann ein Versuch vielleicht
Dosen von 0,3 mg/kg Körpergewicht). auch zeigen, daß unter dem Einfluß von
Vielleicht unterdrückt Überdosierung die Cannabis erotische Befreiungen möglich
appetitanregende Wirkung von Cannabis. werden, die ersten zaghaften Schritte in
eine bisher verschlossene Sinnlichkeit.
In den 40er Jahren jedenfalls hat man Je nach psychologischer Ausgangslage (=
gute Erfolge damit erzielt, Patienten mit Gefühlslage + Umgebung = set und set-
Psychosen,45 Entzugssyndromen bei Ko- ting) kann Cannabis also als Stimulanz
kain- und Heroinentzug33 und normalen oder das genaue Gegenteil wirken.
durchschnittlichen Menschen6 ihre Appe-
titlosigkeit zu nehmen und sie erstaun- ALBERNHEITEN, LACHEN
liche Mengen Nahrung unter dem Einfluß Vor allem bei den ersten Erfahrungen
von Cannabis mit Genuß aufnehmen zu mit Cannabis kann man oft eine objektiv
lassen. unbegründete Heiterkeit, Ausgelassenheit
und Albernheit beobachten. Kichern und
CANNABIS UND SEX Lachen reißen kaum ab und werden
durch nichtigste Anlässe geschürt. In der
Dies läßt sich eindeutig aut Zärtlichkeiten Gruppe wirkt dies unbedingt ansteckend.
und sexuelle Reize (Tastsinn, Sehsinn,
Geruchssinn, Hören usw.) beziehen. All-
gemein wird der Phantasie freier Lauf
gelassen, was sich auch in vermehrten, PHANTASIEN + HALLUZINATIONEN
eindrücklicheren erotischen Phantasien Cannabis unterstützt die Entwicklung jeg-
äußert. Intensivierte Reizempfindung und licher Vorstellungen und Phantasien, wo-
ausschweifende Phantasien stimulieren hingegen echte Halluzinationen (d.h.
entsprechend mehr. Das Zeitempfinden Wahrnehmen nichtexistenter Dinge) ge-
ist verschoben, man hält eine gegebene wöhnlich fehlen.
Zeit für länger als sie tatsächlich ist. Die
zeitliche Ausdehnung von Zärtlichkeit KREATIVITÄT
und Sex werden überschätzt, 10 Minuten
Lust, obwohl auf der Uhr erst 5 oder
7 Minuten vergangen sind.
THC führt zu einer gewissen Entspan- Es wird oft
nung des Sympathikus, wodurch in ge- berichtet, daß erst unter dem Einfluß der
ringem Maße (psychologische Faktoren Droge schöpferische Akte möglich waren,
sind wichtiger) auch die Ejakulation die den Rahmen des Eingefahrenen und
herausgezögert wird, es also zu einer Bekannten sprengten.
realen Verlängerung des Geschlechts- Die Aufmerksamkeit eines Menschen
aktes kommen kann, wenn nicht zuvor unter THC konzentriert sich nicht in der
Vorstellungswelt und Gefühlslawinen mit gewohnten Weise auf eine Sache, die in
einem durchgehen. ihrem angestammten Zusammenhang
Cannabis verstärkt die bereits vorhande- steht. Sie schweift vielmehr ab, eine vor-
nen Gefühle und Veranlagungen. Wer geplante Richtung im Denken und Arbei-
ohnehin mit Spaß an die Sache heran- ten wird durch unwillkürliche Gedächt-
geht, kann sich ein verstärktes Lustemp- nis- und Konzentrationsmängel nicht
finden von Dope im Bett (oder sonstwo mehr eingehalten.
natürlich) versprechen. Wer allerdings Werden diese Begleiterscheinungen des
mit einer problembelasteten Sexualität Cannabisrauchens bei der Erfüllung einer
oder Beziehung zu kämpfen hat, kann „ernsthaften" Aufgabe (Nacherzählung,
wissenschaftliche Arbeit, kompliziertes lich, daß die meisten reproduzierenden
folgerichtiges Denken, komplizierte vorge- musikalischen Fähigkeiten unter Canna-
gebene Reaktionsabläufe wie Autofahren bis-Einfluß nachlassen, was vor allem auf
usw.) eher als störend und erfolgsmin- eine Gedächtnisverminderung zurückzu-
dernd empfunden, so können sie im Be- führen ist, es treten mehr Fehler auf (WIL-
reich der Kunst eine Möglichkeit darstel- LIAMS et al. 1946). Die Verbesserung des
len, von ausgetretenen Pfaden des eigenen Vortrages durch Übung (= Lernen) wird
Schaffens abzuschweifen und durch eine gemindert. Aufgrund einer höheren Ab-
Art brainstorming neue Möglichkeiten zu weichungs- und Fehlerwahrscheinlichkeit
erschließen. Aus solcher Experimentier- gelingt es den Musikern, vom erlernten
freude öffnen sich neue Ebenen in bil- Klischee abweichende Ideen zu produzie-
dender Kunst, Musik, Sprachkunst und ren. Zu einer veränderten Kreativität
konzeptioneller Kunst. Oft entstehen kann auch der allgemein veränderte men-
künstlerisch verwertbare aus einer (am tale Zustand (z.B. Entspannung) beitra-
Gewohnten gemessen) Fehlleistung oder gen.
einer nicht rationalen Verknüpfung zweier
unter „normalen" Bedingungen nicht als VERHÄLTNIS ZU GEGENWART
zugehörig empfundenen Eindrücken. ZUKUNFT UND VERGANGENHEIT
Hand in Hand hiermit sorgt eine bekannt- Es ist bekannt, daß THC-Einfluß dazu
lich geminderte Kritikfähigkeit dafür, führt, eine objektive Zeit nicht annähernd
Neues, Ungewohntes, Abweichendes eher richtig einzuschätzen, auch eine Verwir-
unvoreingenommen zu sehen und nicht rung der Empfindung für Gegenwart,
sogleich nach gewohnten Kriterien zu ver- Vergangenheit und Zukunft ist zu beob-
werfen. Man interessiert sich stärker für achten. 3 6 / 3 5
das Jetzt und Hier, weniger Bedeutung Aber auch der Stellenwert, den die Ver-
wird dem Ausgang einer Arbeit zugemes- gangenheit, Gegenwart und Zukunft für
sen. Der Künstler erlaubt sich mehr Spon- die Versuchspersonen hat, verschiebt sich
taneität, deren Produkt er erst einmal in deutlich. Die Konzentration auf die Ge-
den Raum gestellt sein läßt. genwart nimmt erheblich zu, die Test-
Die Verwirklichung von Ideen gestaltet personen empfinden die Zukunft als
sich nach dem Rauchen mitunter schwie- „weit weg" und geben sich dem Erleben
rig. Einmal kann der oft ungeheure Ideen- des Hier-und-Jetzt hin. Die Versuchsteil-
stau nicht ausreichend bewältigt werden. nehmer wurden über ihr momentanes
Weiterhin mag die Motivation (aus Ein- Empfinden (stoned) gegenüber zukünfti-
sicht) für eintönige aber notwendige Vor- gen Dingen befragt. „So wie ich mich
gänge nachlassen, was oberflächliches Ar- jetzt fühle würde ich generell dazu neigen,
beiten zur Folge haben kann. Erlernte über zukünftige Dinge nachzudenken, mit
Fähigkeiten lassen unter dem Einfluß denen ich in ein paar Minuten/Stunden/
von Cannabis kaum bis gar nicht nach. Tagen/Wochen/Monaten/Jahren/Jahrzehn-
Meist ist zu beobachten, daß die eigene ten konfrontiert werde." Die entsprechen-
Leistung, auch wenn sie Untersuchungen de Aussage konnte angekreuzt werden.
zufolge nicht über dem Normalmaß liegt, Es zeigte sich, daß die Hauptstreuung des
in etwas euphorischer Weise als besser als Interesses an der Zukunft unter THC-
normal empfunden wird. Dies kann den Einfluß näher an die Gegenwart rückte,
Schaffenden motivieren, weiterzuarbeiten. Gegenwart, nächste Zukunft wurden weit
Aus Erfahrung heraus verlegen sich wichtiger als zuvor. Bei einem gleicharti-
Künstler darauf, mit Hilfe von Cannabis gen Test zur Frage der Wichtigkeit der
neue Konzepte zu schaffen oder Werke Vergangenheit konnte keine Veränderung
anzufangen, die dann in konzentrierter gegenüber dem cannabis-freien Zustand
Arbeit ohne Dope ,,ins Reine" ausge- beobachtet werden. Die Versuchsperso-
arbeitet werden. nen berichteten, daß Marijuana sie die
Zeitachse von der Vergangenheit über die
Zum Beispiel: Musizieren. Obwohl sub- Gegenwart zur Zukunft als nicht mehr
jektiv eine verbesserte Musikalität ver- zusammenhängend empfinden ließ, Ver-
mutet wird, 7/67 ist es eher wahrschein- gangenheit und Zukunft also subjektiv
weniger Bezug zur Gegenwart hatten. schen verursacht, oder ob Menschen mit
Die beschriebenen Wirkungen nahmen Motivationsschwierigkeiten in Cannabis
mit der Dosis zu und wurden am stärk- nur ein Genußmittel ihres Geschmacks
sten auf der Spitze des Rauscherlebnisses finden.
empfunden. Eindeutig verlief diese Ent- Gern wird behauptet. Cannabis sei ge-
wicklung auch parallel zu den euphori- fährlich, weil es zu einem Nachlassen
schen Eigenschaften von Cannabis. der Motivation und damit sozialem und
Die Hier-und-Jetzt-Sicht unter THC-Ein- persönlichen Zerfall des Konsumenten
fluß erinnert an das Zeitempfinden von komme. Diese Behauptungen lassen sich
Kindern, wo jeder Moment frisch und nicht belegen. Nebenbei ge-
lebendig erlebt wird, eher losgelöst vom wonnene Erkenntnisse aus anderen Unter-
Kontext der starken Erinnerungen und suchungen ließen jedoch keine Schlüsse
zukunftsfixiertem Denken.62 Manche in dieser Richtung zu. Selbst unter als
Menschen genießen dieses Hier-und-Jetzt- störend empfundenen Testbedingungen
Gefühl, andere nicht. Vieles deutet darauf ließ der Motivationsgrad der Versuchs-
hin daß eben dieses Gefühl für viele stän- personen nicht nach (ABEL 1970).
dige Cannabisraucher ein wichtiger Grund
ist Dope zu nehmen.34
Man möchte offener sein für gegenwärti-
ge Erfahrungen.
Viele Erklärungen sind möglich. Durch
das nachlassende Gedächtnis oder Kon-
zentrationsvermögen steht der Gegen-
wartserfahrung nicht soviel Ballast im
Wege (Erinnerungen, Erwartungen). Oder:
intisiviertere Wahrnehmungen lassen die
Person sich stärker auf die Gegenwart
konzentrieren (dagegen spricht, daß Wahr-
nehmungen vor allem subjektiv, nicht
jedoch objektiv intensiver werden). Oder: CANNABIS UND SOZIALVERHALTEN
Deutlichere Neigung zum Erleben von Viele Befragungen haben gezeigt, daß
Sinneseindrücken drängen erlernte, sich Cannabis meist nicht allein sondern in
sonst aufdrängende Assoziationsketten in einer Gruppe Gleichgesinnter genommen
den Hintergrund. wird. Cannabis-Konsum kann als ein ver-
87% der Marijuana-Raucher 5 7 jedenfalls bindendes Ritual unter jungen Menschen
sagten (stoned) aus: ,,lch denke wenig verstanden werden, die sich einer ent-
oder gar nicht über die Zukunft nach, ich sprechenden Subkultur zugehörig fühlen.
lebe völlig im Jetzt-und-Hier." Es stärkt ihr Solidaritätsempfinden, ver-
mittelt das Gefühl gleicher Werte in der
MOTIVATION Gruppe, grenzt vom ungeliebten, verhär-
Um irgendetwas zu tun bedarf es einer teten Establishment ab und bestärkt in der
Motivation. Von der Stärke dieser Moti- gemeinsamen ,,lmmer-Locker"-Ethik.55
vation hängt es ab, ob eine Leistung voll, Cannabis muß als deutlich soziogen (= ei-
teilweise oder gar nicht erbracht wird. ne Gruppe schaffend) betrachtet werden,
Oft wird davon gesprochen, daß Canna- hierin unterscheidet es sich deutlich von
bisgenuß akut wie schließlich auch chro- Opiaten, Amphetaminen und Barbitura-
nisch den Motivationsgrad eines Men- ten, die das Individuum in stärkere Isola-
schen herabsetzt. Tatsächlich läßt sich tion führen.
mitunter bei Kiffern eine sprichwörtli- Werden kleinere Mengen Dope geraucht,
che Schlaffheit beobachten, Durchhän- wird das Interesse an Interaktionen also
gen oder wissenschaftlich ,,Amotivations- Gesprächen, Kommunikation, gemeinsa-
syndrom" genannt (z.B. NIMH-Report on men Aktionen etc. größer, während bei
Cannabis 1971). Hier ist die Frage aller- höheren Dosen das Interesse sich immer
dings nicht im geringsten geklärt, ob Can- mehr auf subjektive Erfahrungen richtet. 58
nabis diese Auswirkungen auf den Men- Man hat „genug mit sich selbst zu tun",
die Drogenerfahrung mit ihren reichlichen sich klar auszudrücken oder den Faden
Sinneseindrücken, Assoziationen und nicht zu verlieren. Dies mag an dem unter
Phantasien wird wichtiger. Gleichzeitig Cannabis-Einfluß nachlassenden Kurzzeit-
jedoch wird der Kontakt zur Gruppe ge- gedächtnis liegen, soeben Gehörtes wird
sucht und als angenehm empfunden. Man öfter und leichter vergessen, man kann
sitzt in gemeinsamer Runde oder gibt sich den Überblick über das Gespräch nicht
individuellen Tätigkeiten oder Konsum- behalten, neue Ideen und Assoziationen
aktivitäten (Rockmusik, Fernsehen) hin. drängen sich ins Bewußtsein und lenken
Weniger erfahrene Raucher neigten stärker vom eigentlichen Kern ab.65
zur Kommunikation, Raucher mit größe- In einer Studie20 gaben von 131 befrag-
rer Cannabis-Vergangenheit zeigten sich ten Personen
mehr an mystischen Erfahrungen und 36% an, schweigsamer zu werden,
Einsichten ins eigene Ich interessiert. Bei 19% hielten sich für gesprächiger,
den einen traten die sozialen Effekte, bei 25% hatten beides schon erlebt, und
den anderen die intrapsychischen Wirkun- 20% wußten nicht, ob sie unter THC-
gen von Cannabis in den Vordergrund. 40 Einfluß mehr oder weniger sprechfreudig
Erfahrene Raucher zeigten eine größere wurden.
Tendenz, gelegentlich allein zu rauchen, Aus einer anderen Befragung58 (150 Per-
waren aber auch dem Mitrauchen (= eine sonen wurden befragt) ging hervor, daß
andere Person initiiert) weniger abgeneigt 45% gesprächsaktiver und
als Gelegenheitsraucher. Insgesamt wurde 49% ruhiger wurden
in einer Untersuchung 94% des Dope in In einer beobachtenden Untersuchung10
Gesellschaft geraucht. Obwohl Cannabis- zeigte sich eindeutig, daß die Gesprächs-
rauchen soziogen ( gruppenbildend) ist, aktivität mit dem Einsetzen der Cannabis-
schafft es jedoch nicht gleichzeitig auch Effekte nachließ. Allerdings hatten die
eine soziale Interaktion zwischen den Versuchspersonen Dope geraucht, das po-
Beteiligten in der Gruppe. Die einzelnen tenter war, als sie angenommen haben
Personen wenden sich nach gemeinsamen dürften. Es zeigten sich in der Folgezeit
Rauchen mehr ihren eigenen Interessen
deutliche Unterschiede zwischen den Lei-
zu oder konsumieren gemeinsam, Gesprä- stungen der gelegentlichen und der regel-
che oder andere gemeinsame Aktionen mäßigen Raucher. Erfahrene Cannabis-
finden weniger statt. Dennoch scheint das konsumenten wurden nach einer anfäng-
non-verbale Gruppenempfinden als ange- lichen Abnahme der Gesprächstätigkeit in
nehm und wichtig empfunden zu werden.9 den ersten Tagen des Versuchs dann red-
Es bleibt noch die Frage zu klären, ob die seliger als vor dem Beginn der eigentli-
stärkere Ich-Bezogenheit von starken Can- chen Cannabis-Experimente, während
nabis-Rauchern sich aus dem eher grup- sich die Werte bei den Gelegenheitsrau-
penbezogenen Verhalten des Gelegenheits-
chern im Laufe des mehrtägigen Versuchs-
rauchers mit zunehmender Cannabis-Er- zeitraumes weiter minderten. Die erfah-
fahrung entwickelt oder ob die starken renen Raucher hatten offensichtlich we-
Raucher von vornherein deutlicher Ich- niger Schwierigkeiten, mit dem in den
bezogen waren und ihre Cannabiserfah- ersten Tagen der Untersuchung noch un-
rungen diese Tendenz verstärkt haben. gewohnt starken Dopeerlebnis (5 Tage
Auch ist nicht bekannt, inwieweit sich Abstinenz waren vorausgegangen) klar-
Ich-Interesse und Gruppenverhalten von
zukommen als die Neulinge.
nichtrauchenden Vergleichs-Versuchs- Man konnte eine Tendenz feststellen, daß
gruppen unterscheidet. unter größeren Dosen die Gesprächigkeit
nachließ, was sich besonders gut an dem
SPRECHEN Rückgang versuchter Antworten mit stei-
Auch wenn besonders bei kleinen Dosen gender Dosis ablesen ließ.
(bei denen man nicht zu beschäftigt ist, Gleichzeitig konnte aber eindeutig nach-
die Effekte der Droge unter Kontrolle zu gewiesen werden, daß das Gespräch, so-
bekommen) die Gesprächigkeit oft zu- sehr es oft vom vorgegebenen Thema ab-
nimmt, hat man häufig Schwierigkeiten, schweifte, sich nicht durch einen Niveau-
verlust auszeichnete. Es traten kaum Halpern merkte bereits 1944 im LaGuar-
mehr Fehler in Satzbau und Wortwahl dia-Report 33 an, daß die Aggressivität
auf, die Gespräche konnten keinesfalls von Menschen nach dem Rauchen von
als zerrissen bezeichnet werden, man Marijuana sank, CHOPRA und CHOPRA13
konnte wie zuvor vereinbart sogar zu ei- fanden Doperaucher weniger feindselig
nem Ergebnis finden. und provozierend als durchschnittliche
Die beste Erklärung für die beobachteten Menschen, MURPHY schrieb 1966,44 daß
Phänomene liefert die Hypothese, daß es „die meisten seriösen Beobachter sich
unter Cannabis-Einwirkung nicht zu ei- darin einig sind, daß Cannabis keinesfalls
nem Nachlassen sondern zu einer Ver- per se zu aggressiven oder kriminellen
schiebung der Motivation kommt, die Aktivitäten führt." HOLLISTER et. al.22
Aufmerksamkeit wird nicht mehr so sehr fanden heraus, daß der Aggressionsgrad
dem als trocken und gezwungen empfun- (gemessen an der Clyde Mood Scale)
denen eigentlichen Gesprächsziel gewid- nach der Einnahme von THC nachließ.
met sondern bezieht sich auf andere Din- Gleichzeitig kam es unter dem Einfluß
ge. von THC offensichtlich zu einem ausge-
Weiterhin stellte sich heraus, daß sich die prägteren Empfinden für die eigene Ag-
Versuchspersonen unter THC-Einfluß gressivität. Während vorher nur 42% der
nicht leichter von ihrer Meinung abbrin- Befragten sich als „aggressiv" bezeichne-
gen und manipulieren ließen als zuvor, ten, waren es 88% derselben Gruppe
auch konnte kein Trend zu einer Anpas- wenn sie Marijuana geraucht hatten (Hal-
sung an die Mehrheit festgestellt werden, pern in LaGuardia Report 33 ). Die eigene
so wie dies in einer anderen Untersu- Aggressivität wurde deutlicher empfun-
chung52 einmal angedeutet worden war. den, die reale Aggressivität stieg gleich-
Zusammenfassend läßt sich sagen: Die zeitig nicht sichtbar an, Aggression äu-
Gesprächsaktivität nimmt zuerst ab, je ßerte sich ausschließlich in der verbalen
größer die Drogenerfahrung, desto eher Form, meist als Sarkasmus und Ironie.
geht jedoch der Trend nach einigen Tagen In einer jüngeren Studie 51 wurde die Ag-
in Richtung mehr Sprechen. Die Ge- gressivität im Gespräch zwischen Ver-
sprächsinhalte verändern sich qualitativ suchspersonen untersucht. Vor dem Rau-
(lustbezogen) zu als angenehmer und chen zeigte sich die Aggressivität vorwie-
interessanter empfundenen Themen hin. gend in feindseliger Kritik an den Äuße-
Die Antworten waren weniger sachorien- rungen des anderen Gesprächspartners,
tiert dafür aber positiver. Die Gesprächs- unter Cannabis verlagerte sich diese Ag-
teilnehmer können unverändert an einem gressivität auf das Gebiet des Spotts (=
intelligenten Gespräch teilnehmen. Es
Sarkasmus), in dessen Folge regelmäßig
besteht keine Neigung, sich etwas ein-
gelacht wurde.
reden zu lassen. 10
Weiterhin nahm die gesamte Neigung zur
Aggression ab. Auch die Gesprächspart-
CANNABIS UND FEINDSELIGKEIT ner wurden unter dem Einfluß der Droge
UND AGGRESSION als freundlicher, verständnisvoller, koope-
Als Cannabis vor einigen Jahrzehnten ins rativer und empfänglicher wahrgenom-
Zentrum des öffentlichen Interesses ge- men.
riet, baute sich propagandageschürt sehr Dies entspricht, sosehr man sich auch
rasch ein äußerst schlechter Ruf aus. Da hüten sollte, die Ergebnisse zu verallge-
wurde unter anderem vielfach behauptet, meinern oder auf alle denkbaren Situa-
daß unter der Einwirkung von Dope die tionen anzuwenden, klar für die verbrei-
schlimmsten und grausamsten Verbre- tete Erfahrung in der Cannabis-Szene,
chen verübt würden. Dieser Glaube läßt daß nach dem Rauchen die Lust an ernst-
sich nicht mehr im Geringsten aufrecht- haften Aggressionen, Streitigkeiten und
erhalten. Ganz im Gegenteil scheint Can- Feindseligkeiten abnimmt. Man hat sub-
nabis die auf andere Personen gerichtete jektiv etwas besseres zu tun oder ist ein-
Aggressivität eher zu entschärfen oder zu fach friedfertiger.
nehmen.
CANNABIS UND Denkens handelte. Diese Leistungsver-
PROBLEMLÖSUNGSVERHALTEN besserung stand jedoch nicht in einem
Die Versuchspersonen sollten aus vielen Verhältnis zur eingenommenen Menge.
zur Auswahl stehenden Bildern das her- Man kann also nicht behaupten: je
ausfinden, das der Tester im Kopf hatte. mehr geraucht desto besser kombiniert.
Im Idealfall stellt man Fragen, die jeweils Die erwartete Tendenz hin zum Raten
die eine Hälfte der Alternativen aus- stellte sich nicht ein. Vielleicht ermög-
klammert (z.B.: „Ist das gemeinte Ob- licht Cannabis dem menschlichen Bio-
jekt rund?", wenn nur runde und eckige computer ein ungehemmteres Arbeiten,
Objekte zur Auswahl stehen), die gering- was man als verbessertes intuitives Den-
ste Effizienz weisen Zufallsfragen (- raten) ken oder Gespür bezeichnen würde.
auf. Deutlich ist bewiesen, daß Cannabis die
Im Gegensatz zur Erwartung der Wissen- Fähigkeit nicht beschränkt, durch folge-
schaftler zeigten die Versuchspersonen richtiges Denken und die Koordination
unter Dope-Einfluß bessere Ergebnisse als gesammelter Erkenntnisse (feedback) ein
nüchtern, obwohl es sich bei diesem Test gegebenes abstraktes Lösungsziel zu er-
um den Inbegriff nüchtern rationalen reichen.11
LANGZEITWIRKUNGEN
(psychosozial)

Chronische Auswirkungen auf die Psyche erwartet hohen Potenz des konsumier-
ten Materials liegen. Die Symptome klin-
Die chronischen Effekte lassen sich be- gen mit dem Nachlassen der Drogenwir-
sonders schwer beurteilen. Allein die Tat- kung ab.
sache, daß eine psychisch kranke Person Ebenfalls häufiger treten leichte para-
Haschisch raucht, beweist keinesfalls, daß
noide (= Verfolgungsgefühl) Empfindun-
Haschisch die Krankheit verursacht hat. gen auf, wahrscheinlich vor allem bei
Grundsätzlich aber ist die Neigung psy- Menschen, die sich ohnehin durch stärker
chisch nicht Gesunder zu Drogen allge-
ausgeprägte paranoide Verteidigungsme-
mein zu berücksichtigen. Es darf daher
chanismen (sich ständig angegriffen füh-
auch nicht als Argument gelten, daß etwa len, sich ständig verteidigen zu müssen
unter den Haschrauchern mehr psychisch
glauben) auszeichnen. Je angespannter
kranke Menschen zu finden seien als im vor allem ein unerfahrener Konsument
Bevölkerungsdurchschnitt.
der Cannabis-Erfahrung entgegensieht,
Auch Freunde der Droge Cannabis wer-
desto wahrscheinlicher wird das Auftre-
den nicht bestreiten wollen, daß regelmä- ten von Angst und leicht paranoiden
ßiger THC-Gebrauch unterschwellig vor- Empfindungen. Hier sei auch der sehr
handene seelische Probleme oder Krank- wichtige Einfluß von set (= die das Dro-
heitsansätze zum Ausbruch bringen kann. generlebnis betreffenden Erwartungen
Andererseits kann man unter bestimmten
und die Gefühlslage) und setting (= die
Einnahme- und Behandlungsbedingungen das Drogenerlebnis beeinflussenden äuße-
sicherlich Cannabis therapeutisch einset-
ren Umstände) angeführt.
zen, um Schwierigkeiten stärker zu emp-
Akute Effekte wie Bewußtseinstrübung,
finden und bewußt zu machen. Für eine
Desorientierung, Verwirrung und deut-
Lerntherapie im behavioristischen Sinne
liche Gedächtnisverluste können vorkom-
eignet sich das ,,Medikament" Cannabis men39 , entstehen aber gewöhnlich nur
aber gewiß nicht, da die Lernfähigkeit
bei sehr hohen Dosen (die der durch-
und die Manipulierbarkeit nicht zuneh-
schnittliche Konsument sicherlich als
men sondern eher durch Gedächtnisein-
Überdosis bezeichnen würde). Das Auf-
brüche und Neigung zum Mißtrauen her-
abgesetzt sind. treten solcher Symptome ist mehr von
der Dosis als von der bestehenden Persön-
lichkeitsstruktur abhängig. Die beschrie-
Psychopathologie:
benen Effekte verschwinden mit dem
Die am häufigsten zu beobachtende ne- Abklingen der Drogenwirkung.
gative Reaktion auf Cannabis besteht Der Begriff der Cannabis-Psychose kam
darin, daß der Konsument aufgrund einer mehr durch in Ländern der dritten Welt
unerwartet starken Wirkung der Droge durchgeführte Studien in Umlauf.59 Hier
das Bewußtsein dafür verliert, daß es sich wurden extrem starke Raucher (seit fünf
hierbei um einen nur vorübergehenden Jahren bis zu mehreren Gramm täglich59)
durch die Droge bedingten Zustand han- untersucht. Sehr fragwürdig ist dabei die
deIt (das Individuum verliert die „Per- Diagnose von Geisteskrankheit (als abwei-
spektive"), was zu einer starken Ange- chendes, nicht mehr zum Normalen wan-
spanntheit oder Ängstlichkeit führen delbares Verhalten), die zumindest teil-
kann. Der Grund für diese unerwartete weise von soziokulturellen Faktoren ab-
Sensation mag in der geringen Cannabis- hängig ist. Ob es überhaupt je eine durch
Erfahrung eines Anfängers oder einer un- Cannabis-Gebrauch ausgelöste Psychose
gegeben hat, ist umstritten. Noch weni- heute nicht bekannt, die Effekte bedür-
ger klar ist, nach welchen Gesichts- fen keiner Behandlung und klingen rasch
punkten hier zu entscheiden ist. von selbst wieder ab.54
Es ist weit eher wahrscheinlich, daß ein
bereits unterschwellig psychotischer Auswirkungen chronischen Gebrauchs
Mensch oder ein Mensch, der mit seinen auf intelektuelle Funktionen:
Problemen allgemein nicht fertig wird, Eine Reihe Untersuchungen zu diesem
zu jeder Art Drogen greift, also auch zu sehr komplexen Thema sind durchge-
Cannabis. führt worden, die teilweise zu dem Schluß
Hierfür spräche auch die Ansicht eines kamen, daß Cannabis zu ständigen Ein-
Wissenschaftlers 6 1 , daß Cannabis bereits schränkungen der intellektuellen Funktio-
vorhandene, aber schlummernde oder nen führe. Leider ist sowohl über die in
rückläufige Psychosen bei Schizophrenen diesem Sinne als auch in gegenteiliger
stärker hervortreten läßt, also das Krank- Richtung resümierenden Studien zu sagen,
heitsbild selbst verschlimmert. Nicht nur daß ihr Aussagegehalt wegen der geringen
Schizophrene sollten daher Abstand von Exaktheit der Untersuchungsumstände als
Cannabis nehmen, Cannabis ist keine Dro- gering anzusehen ist. Zuviele Faktoren
ge zur automatischen Problemlösung. wurden in den meisten Versuchen nicht
in das Ergebnis miteinbezogen. Meist
Cannabis führt nicht zu Gewalttätigkei- wurden Cannabis-Konsumenten mit einer
ten, obwohl es sicherlich einige Personen Kontrollgruppe verglichen, was den Aus-
gibt, die bereits zuvor über eine geringe wirkungen von Cannabis-Konsum auf die
Impulskontrolle verfügten oder auch be- intellektuellen Funktionen nicht gerecht
sondere Stress-Situationen möglich sind, wird, sondern nur Unterschiede zwischen
die in Kombination mit bereits existie- zwei vermeintlich repräsentativen Men-
renden Charaktermerkmalen einen Canna- schengruppen herausstellen kann. Schnei-
bis-Konsum von Fall zu Fall unangebracht den die Cannabis Konsumenten dabei
erscheinen lassen. 5a schlechter ab, so ist beispielsweise die
Auf der Basis der Erfahrung von ca. 5000 Frage noch nicht gelärt, ob Cannabis die
drogenbezogenen Psychosen faßt ein intellektuellen Funktionen mindert oder
Autor die in seiner Tätigkeit als medizi- ob nur mehr Menschen mit verminderten
nisch Verantwortlicher bei etlichen Pop- intellektuellen Funktionen unter der
festivals gewonnenen Erfahrungen zusam- Cannabis rauchenden Gruppe zu finden
men. Er bescheinigt, daß stark negative waren. Bisher gibt es keine Untersuchung,
Reaktionen auf Cannabis sehr selten sind. die sich mit den Veränderungen an ein
Er warnt jedoch vor den Gefahren uner- und derselben Person nach dem Gebrauch
wartet hoher Dosen (s.o.). Es seien sehr von Cannabis über einen längeren Zeit-
selten auch marijuanabedingte Psychosen raum hinweg beschäftig (Vorher-Nach-
aufgetreten Er weist darauf hin, daß her). Bei vielen Untersuchungen sind vor
nach drogenbedingten Psychosen etwa allem die Auswahlkriterien der Versuchs-
5-10% der Fälle persistente (= bleibende) personen der beiden Vergleichsgruppen
psychiatrische Symptome behalten. Er rät sehr dubios, Untersuchungen an Gefäng-
daher allen, die früher einmal sehr schlech- nisinsassen dürften ebenfalls nicht als re-
te Erfahrungen mit Drogen gemacht präsentativ gelten und allenfals als An-
haben (,,bad trips" etc.) oder allgemein haltspunkt für weitere Forschungen die-
starke emotionale Verwirrungen erfuhren, nen. Selbst die Autoren derartiger Stu-
Drogen allgemein zu meiden, einschließ- dien äußern teilweise die Meinung, daß
lich Marijuana und Alkohol.5b es durchaus fraglich ist, ob die geringere
Das sogenannte Flash-back-Phänomen ist intelektuelle Funktionstüchtigkeit auf
schon lange bekannt, Wahrnehmungen bereits vor dem Einsetzen des dann chro-
und Gefühle, die typisch für den Drogen- nischen Cannabis-Konsums vorhanden
rausch sind, kehren unvorhergesehen und oder erst durch Cannabis ausgelöst wor-
ohne vorherige Einnahme der Droge wie- den war. Nicht untersucht ist auch die
der. Der Ursprung des flash-backs ist bis Frage der chronisch veränderten Motiva-
tion.
Chronische Auswirkungen auf das schnöde Reize leben). Die deutlichsten
Verhalten: Vorteile kann man mit Cannabis erfah-
Jede neue Erfahrung kann das Verhal- ren, wenn man die Droge als Mittel zum
ten eines Menschen ändern. Je häufiger Zweck bewußt einsetzt, sie als anregen-
er dieselben oder ähnliche neue Erfah- des Element bei der Kreativität und zur
rungen macht, desto stärker werden sie Verstärkung von Empfindungen be-
ihn ändern, er lernt Neues, unabhängig nutzt, Cannabis also zu einem inspirie-
davon, ob es nun zu seinem Vor- oder renden und entspannenden, unbedingt
Nachteil ist. bereichernden Teil seines Lebens macht.
Chronische Verhaltensveränderungen sind
nur schwer zu erforschen, weil sie an ein Motivation:
und derselben Person über einen langen Die Motivationen sind am deutlichsten
Zeitraum sorgfältig beobachtet und aus- von den längerfristigen Auswirkungen
gewertet werden müßten, was sich prak- von Cannabis betroffen. Das Gleichge-
tisch kaum durchführen läßt. Dennoch wicht zwischen den Polen Muß und
können unter Cannabis Rauchern gewis- Möchte = Pflicht (d.h. auch Verantwor-
se Phänomene immer wieder festgestellt tung) und Lust verschiebt sich mit der
werden, die Anlaß zu den unterschiedlich- Zeit meist zugunsten der Lust. Intensivier-
sten Vermutungen gegeben haben. Auch te sinnliche Wahrnehmungen erschließen
die folgenden Ausführungen sind sicher- unerahnte Möglichkeiten von lustbereiten-
lich nicht sehr viel mehr als ein Anhalts- dem Konsum und Kreativität. Die Pflich-
punkt bei dem Versuch, solche möglichen ten werden gelegentlich auf ein absolutes
Folgen von Cannabis zu verstehen. Mindestmaß reduziert. Man erlaubt sich
Es werden hier nur mögliche (niemals mehr Faulheit. Zukunftsorientierung läßt
zwangsläufige) Auswirkungen beschrie- zugunsten eines wichtiger gewordenen
ben, wie sie sich in der Szene beobach- Hier und Jetzt nach. Karriere und Alters-
ten lassen. Je höher der Stellenwert des sicherung treten gegenüber dem eigenen
Cannabiskonsums im Leben eines Men- unmittelbaren Lustgewinn zurück. Unan-
schen, desto höher steigt die Wahrschein- genehme Pflichten werden noch weniger
lichkeit, daß dies klar Einfluß auf sein gern erfüllt, jeder Vorwand, sie zu umge-
Verhalten und seine Einstellung ausübt. hen, wird genutzt, die Selbstdisziplin lei-
Jeder Raucher findet hier ein persönli- det. Autoritätsprobleme tauchen auf,
ches Gleichgewicht. Nicht automatisch man ist nicht mehr so einfach bereit, sich
ändern sich alle Cannabis-Raucher inner- von einem verhärmten, dummen und
halb von ein paar Jahren zu Aussteigern, unfairen Vorgesetzten herumstoßen zu
wie dies mitunter behauptet wird. Die lassen. Pflicht und Weltsicht werden we-
überwiegende Mehrzahl verhält sich kaum niger festgelegt und verbissen aufgefaßt,
anders als andere Personen desselben ein gewisser Fatalismus stellt sich ein. Im
Alters und derselben Stellung. Hier sol- schlechtesten Falle (vor allem wenn schon
len nur Tendenzen aufgezeigt werden, die eine Motivationsarmut ohnehin vorliegt)
sich mit Cannabis-Gebrauch in Verbin- werden alte Pflichten fallengelassen ohne
dung bringen lassen. durch neue Interessen ersetzt zu werden:
Noch einmal sei betont, daß Cannabis gleichgültiges Dahinleben ohne Perspek-
nicht von sich aus einen Menschen ver- tive und Interessen, Durchhängen, „Amo-
ändern kann. Es vermag nur bisher ver- tivationssyndrom". Andererseits können
deckte Impulse (gute wie schlechte) in aber auch verschüttete Interessen und
ihm freizulegen, was den Menschen sich Talente freigelegt und die eigene Kreativi-
zu seinem eigenen Vor- oder Nachteil tät kultiviert werden.
verändern lassen kann. Problematisch
werden die chronischen Auswirkungen Lebenswandel:
von Dope meist erst dann, wenn sich die Entsprechend dem neugefundenen Gleich-
Lebensäußerungen um die Droge zentrie- gewicht zwischen Lust und Pflicht, der
ren, man also für den Drogenkonsum Aktivität und der grundsätzlichen Ein-
lebt (so wie andere Menschen für andere stellung richtet sich das Leben ein. Kon-
sum und Kreativität bekommen einen Interaktion:
höheren Stellenwert eingeräumt, ganz Anderen Menschen gegenüber unterteilt
vorn rangiert direkter Lustgewinn. Man
möchte die nötige Arbeit so rasch und und intolerante Feinde, höchstens Dul-
wenig aufwendig wie möglich erledigen, der. Die durchschnittliche verständnislose
um endlich Zeit für das eigentliche Leben bis feindliche Umwelt wird abgelehnt,
zu haben. Am liebsten würde man ganz man hat Mitleid mit den Unwissenden.
auf geregelte Arbeit verzichten. Es kommt Das bildet ein Gefühl der Individualität
häufig zu einer größeren Annäherung an und Unaustauschbarkeit aus, das man
dieses Ideal (z.B. Jobben), zumal die Zu- höchstens mit Gleichgesinnten aus der
kunftsangst oft nicht mehr so groß ist. „Elite" zu teilen braucht. Das Verhalten
Weiterhin läßt sich ein etwas gesteigertes Anderen gegenüber entspannt sich in
Schlafbedürfnis feststellen, Schlafen und Richtung Friedlichkeit, Aggressionen wer-
Dösen werden als Genuß empfunden und den vermieden oder auf eine mehr kulti-
kultiviert. Der Lebenswandel verliert oft vierten Ebene abgehandelt. Dem Ande-
an Regelmäßigkeit. ren wird eher sein Recht auf Individualis-
mus eingestanden, es sei denn, die eigene
Interessen: Freiheit soll eingeschränkt werden. Man
Lust, Kreativität und Konsum bestimmen ist kommunikationsbereiter, trifft sich
die Interessen. Möglichst keine langwie- gern mit anderen Menschen, auch wenn
rigen Aufgaben, die mit abtötend langwei- dabei nicht unbedingt kontinuierliches
ligen Arbeiten verbunden sind. Lieber Gespräch stattfindet.
direkter Lustgewinn ohne viel Anstren-
gung. Es findet meist keine Festlegung Zusammenfassend: In vielerlei Hinsicht
auf nur ein Gebiet statt, da auch Aufmerk- kann man sich durch Cannabis-Rauchen
samkeit und Interesse oft wandern und langsam in Richtung Kindlichkeit verän-
sich nur kurzzeitig auf eine Sache kon- dern. Weniger zielorientiertes sondern
zentrieren. Eigener Kreativität wird mehr eher lustbezogenes Denken und Empfin-
Wichtigkeit beigemessen, die Begeisterung den, Übergewicht der Gegenwart und der
für eigenes Schaffen ist groß, auch wenn immer neuen Eindrücke. Freude an Kon-
die Werke objektiv nicht so sehr überzeu- sum und Kreativität, Abwendung von
gen. Vorhandene Interessen werden inten- nicht einsehbaren Pflichten und Autori-
siviert und ausgeweitet (= mehr Lustge-
winn). Oft läßt sich die Entstehung von
geisteswissenschaftlichen, religiösen, my- CANNABIS UND KONSUM
stischen und ästhetischen Interessen be-
obachten. Wir leben in einer Konsumwunderwelt,
die uns in Lebensstil und Werbung von
Psyche: den möglichen Genüssen vorschwärmt
Man lernt, sich mehr mit den eigenen und sie allenthalben für uns bereit hält.
Empfindungen zu beschäftigen, da sie Wer Cannabis nimmt, kann die Lust, die
unter dem Einfluß von Cannabis regel- ihm der Konsum bereitet, verstärken. Die
mäßig verstärkt und verdeutlicht werden. Sinneseindrücke (Sehen, Schmecken, Rie-
chen, Hören, Fühlen) sind intensiver, der
Genuß also größer. Die Anteilnahme am
kommt, man wird humoriger. Auch eigent- Konsumgut steigt, man steigert sich stär-
lich ernsten Dingen kann nicht mehr die ker in Musik, Film und Essen z.B. hinein.
alte Bedeutung abgewonnen werden. Die Kein Wunder, daß manche da gar nicht
Aggressivität läßt nach und verschiebt genug bekommen können von Süßigkei-
sich obendrein auf weniger brisante For- ten, Fernsehen, Pop-Musik und allem was
men wie den Spott. man sonst in sich hineinessen, -trinken,
-riechen, -sehen, -empfinden etc. kann.
Leicht nimmt die Begeisterung überhand.
Zwar würde Kreativität genausoviel oder
mehr Befriedigung versprechen, aber Es kann vorkommen, daß eine Arbeit so
das wäre erheblich anstrengender. Und da unangenehm ist, daß man sich sagt: lie-
auch schon kleinere Konsumgüter minde- ber jetzt in einem Zug gut und konzen-
rer Qualität zur Selbstbegeisterung rei- triert als stundenlang mit halbem Herzen.
chen, schaut man lieber mittelmäßige Oder man hat ausnahmsweise eine Arbeit,
Filme und ißt Hamburger als selbst Kunst die Spaß macht. Dann wird es genossen
zu schaffen oder zu kochen. sich ihr hinzugeben und das Soll weidlich
überzuerfüllen.
Im Berufsleben haben die meisten Men-
schen nicht die Möglichkeit, das zu tun,
was ihnen Spaß machen würde. Bei Can-
nabis-Rauchern leidet darunter Motiva-
tion und Leistung noch mehr als sonst
schon. Obendrein wird weniger zukunfts-
orientiert gedacht. Man bekümmert sich
nicht so sehr um Karriere und Rente,
sieht die Arbeit mehr als Job, den man
halt machen muß. Die Arbeitsmoral ist
entsprechend gering. Geld wird als Mittel
zum Zweck angesehen, nicht als Anlage
für später. Mehr Geld bedeutet mehr kon-
sumieren können oder die Möglichkeit,
mit dem Arbeiten einige Zeit aussetzen
zu können.
CANNABIS UND ARBEITEN CANNABIS UND KRIMINALITÄT
Cannabis und Kriminalität sind derzeit in
Überall lauern notwendige Arbeiten auf Deutschland untrennbar miteinander ver-
den Cannabis-Raucher: Geldverdienen,
Haushalt und Steckenpferde. Mitunter auch bemühen mögen, sie stehen immer
lassen sich einfache, eintönige Arbeiten
im kriminellen Abseits, da Besitz, Beschaf-
gut unter dem Einfluß von Dope durch-
fung, Herstellung und Verbrauch ihrer
führen, die Hände machen die Arbeit
Droge strafgesetzlich verboten sind. Die
automatisch, während sich der Kopf mit
Beschaffung von Cannabis läuft zwangs-
etwas ganz anderem beschäftigt. Auf-
läufig über einen in den oberen Verwal-
gaben, die Konzentration erfordern, sind
tungsebenen meist kriminell organisierten
da schon etwas schwieriger zu bewältigen.
Hier hängt alles davon ab, wieviel Übung Handel, die alternative Herstellung im
Garten ist ebenfalls strafbar.
man hat, d.h. auch, wie oft man eine
Arbeit schon unter dem Einfluß von Can- Dies birgt eine große gesellschaftliche
nabis durchgeführt hat. Gefahr in sich. Die Cannabis-Raucher sind
Wie auch bei jedem anderen Menschen be- daran gewöhnt, daß ein wichtiger Teilbe-
reitet es dem Raucher besonders viel reich ihres Lebens kriminalisiert ist. Ihre
Schwierigkeiten, mit wenig Motivation Abgrenzung gegenüber den Kriminellen
zu arbeiten. Zwar kann ein äußerer Zwang an sich ist daher aus der Balance gebracht,
(Geld, Ordnung im Hause, Autoritätsper- sie sind eher bereit, „andere" Kriminelle
son) einige Motivation liefern, aber die oder kriminelle Taten als legitimen Aus-
Arbeit wird als unangenehm empfunden. druck sozialen Außenseitertums (wie das
Je eintöniger die Arbeit ausfällt, desto eigene Kiffen oder Dope-Kaufen) zu ak-
mehr bemüht man sich, sie zu umgehen, zeptieren.
als Hascher noch mehr als sonst schon. Bei der Beschaffung von Cannabis geht es
Oder: husch husch, damit es endlich vom recht zivil zu. Es werden keine größeren
Tisch ist, Hauptsache es hält und sieht Geldbeträge gebraucht und es baut sich
einigermaßen aus. Dann endlich Zeit für keine Sucht auf. Man kauft bei befreun-
Angenehmes. deten Kleinhändlern kleine Mengen ein.
DIE WIRKUNGEN VON CANNABIS
AUF DEN KÖRPER
Hier muß zuerst zwischen akuten und nen in gleichem Maße findet, manche
nach wenigen Stunden wieder abklingen- sprechen sehr stark, andere nur kaum an.
den Effekten einerseits und chronischen Ihrer Arbeit zufolge hing dies jedoch
Auswirkungen andererseits unterschieden nicht von der Erfahrung des Rauchers
werden. In manchen Teilfragen ist es auch (= evtl. Toleranz) ab.
wichtig, den Unterschied zwischen der GALANTER et al.17 konnten feststellen
reinen Substanz delta9-THC und einem so daß die Auswirkungen auf den Herzschlag
zusammengesetzen Produkt wie dem zwar 15 Minuten nach Einnahme ihre
Rauch einer Cannabis-Zigarette, womög- Spitze erreichten, die subjektive Dope-
lich noch mit Tabakanteil, zu beachten. Erfahrung jedoch erst nach etwa 60 Minu-
Bei der Wertung der psychischen Phäno- ten ihren Gipfel hatte.
mene darf nicht verkannt werden, daß es
sich auch hier zuerst einmal um bioche- Herzschlag:
mische Vorgänge handelt, welche dann nahm dosisabhängig beständig zu. Sofort
von der sogenannten Psyche weiterverar- nach dem Rauchen kam es bei hohen Do-
beitet, d.h. gewertet und in das Erfahrungs- sen zu einer Zunahme, die dann nach und
bild des Einzelnen eingebaut werden. nach verebbte, um nach ca. 40 Minuten
In Tierversuchen gewonnene Erkenntnisse wieder Werte wie vor dem Rauchen zu er-
lassen sich nicht ohne Weiteres auf den reichen.12
Menschen übertragen: so beschleunigt THC
beim Menschen den Herzschlag, während
es ihn bei den meisten Tieren verlangsamt! Chronisch:
Obwohl keine ernsthaften Auswirkungen
KÖRPERLICHE WIRKUNGEN auf die Herztätigkeit zu befürchten sind,
Beschleunigter Herzschlag (akut): dieses ist es wahrscheinlich, daß Cannabis-Kon-
Phänomen ist in der Literatur ausreichend sum bei Personen mit einem bereits be-
dokumentiert, wenn auch mit im Detail stehenden Herzschaden das Auftreten von
unterschiedlichen Ergebnissen. Manche Angina pectoris noch mehr begünstigt als
der Konsum von Tabak-Zigaretten. Vor-
Untersuchungen fanden eine deutliche
Wechselbeziehung zwischen Anstieg der sicht also bei Herzkranken!66
Herzfrequenz und Dosis.44/50/87 In einem
anderen Versuch61 (21 gesunde junge er- EEG:
fahrene Raucher, täglich drei Joints über Zunahme im alpha-Bereich (8-13,5 Hz)
94 Tage im Hospital) ließ sich entgegen Abnahme im theta-Bereich (4-7,5 Hz)
diesen früheren Erfahrungen eine deut- Abnahme im beta-Bereich (18,5-24,5 Hz)
liche Dosisabhängigkeit nicht den ganzen
Versuch über nachweisen, weshalb die aus-
führenden Wissenschaftler zu dem Schluß Blutdruck:
kamen, daß sich eine Toleranz gegenüber In vielen Untersuchungen wurden ver-
den cardiovaskularen Wirkungen von Can- schiedenste Änderungen des Blutdrucks
nabis aufbaut. gefunden,26/29/87 ein Forscherteam konn-
RENAULT et al.68 fanden heraus, daß te eine Zunahme sowohl des systholiti-
sich eine Veränderung/Beschleunigung schen als auch des diastholischen Blut-
des Herzschlages als akute Reaktion auf drucks erst bei gerauchten Dosen über
Cannabis-Gebrauch nicht bei allen Perso- 10 mg feststellen. 69/33
Gerötete Augen: Tabakrauch senkt die Tätigkeit des hu-
Man führt diesen Effekt allgemein auf ein moralen 14/63/82 wie zellulären83/84 Im-
Anschwellen kleinerer Blutgefäße in der munsystems. Marijuana wie auch Tabak
Bindehaut zurück. Die geröteten Augen haben eine gewisse Wirkung auf den
verschwinden wieder nach einiger Zeit, Hormonhaushalt (Zirbeldrüse, Adrenalin-
können aber mitunter weit länger beste- steuerung),4/45 was eine gewisse Rück-
hen als der subjektive Rausch. Es ist daher bildung des Thymus auslösen könnte,4/70
gar nicht so naiv, sich den typischen Kiffer welcher allgemein als das wichtigste Glied
mit ständig geröteten Augen vorzustellen. des Immunsystems aufgefaßt wird. Man-
che Untersuchungen fanden ein Nachlas-
Eine Erklärung für diese Wirkung auf sen des zellulären Immunsystems, 10/55
Herz und Gefäße kann nicht schlüssig andere wiederum nicht.40/86 Ein Haut-
gegeben werden, gewisse Daten über das Test verlief ebenfalls negativ.77 Die hu-
Auftreten von unregelmäßigen Schlägen morale Immunreaktion der Lymphozyten
bei hohen Dosen weisen auf eine Verbin- im Blut von Dope-Rauchern war nicht
dung zum Katecholamin-Haushalt hin, verändert.40/86 Andererseits waren die
trockener Mund (ein atropinartiger Effekt) Lymphozyten in der Milz von Nagetie-
und Bindehautreizung, gerötete Augen je- ren deutlich durch THC gehemmt.41/43/71
doch deuten auf eine Gefäßerweiterung.
Hirnschäden:
Immun-System: Hier liegt eine vielstrapazierte Untersu-
Auch die Frage der schädlichen Auswir- chung vor,welche schlußfolgert, daß regel-
kungen von Cannabis auf das Immun- mäßiger Cannabis-Konsum zu Gehirnschä-
system (= der Körper bildet Abwehrstof- den führen kann.5 10 Personen, welche
fe gegen Krankheitserreger um deren Aus- seit 3-10 Jahren Cannabis rauchten wur-
breitung zu verhindern) ist derzeit noch den mit einem neurologischen Verfahren
ungelöst. Es existieren zwar einige recht untersucht, welches zur Feststellung gro-
widersprüchliche Untersuchungen zu dem ber Hirnveränderungen verwendet wird.
Thema, 1 1 / 1 9 / 6 5 / 7 7 Tierversuche mit aller- Die Ergebnisse müssen stark angezweifelt
dings recht hohen Dosen weisen darauf werden, da — 1 . alle Patienten neben Can-
hin, daß eine Herabsetzung der Infek- nabis auch noch andere Drogen benutzt
tionsabwehr denkbar ist.66/90 hatten, wodurch eine logische Beziehung
Bisher liegen allerdings noch keine epi- zwischen Cannabis-Konsum und den Er-
demologischen Untersuchungen darüber gebnissen verwischt wurde; —2. die Ange-
vor, ob Cannabisraucher stärker unter messenheit der Vergleichsgruppe und —3.
Infektionskrankheiten leiden als der die Untersuchungstechnik ebenfalls frag-
Durchschnitt der Bevölkerung. Man kann würdig waren.
aber davon ausgehen, daß Cannabis zu- In einer Studie, die mit dem Verfahren
mindest nicht zu einer Minderung der der Echoenzephalographie arbeitete,
Abwehrfähigkeit führen muß.46 konnten keine Hirnschäden bei starken
In den Forschungsergebnissen finden wir chronischen Cannabis-Rauchern festge-
die bekannte Situation vor: es lassen sich stellt werden. Cannabiskonsumenten und
zwar Wirkungen analysieren, dennoch Nichtkonsumenten unterschieden sich
bleibt gleichzeitig sehr fraglich, inwieweit nicht im Hinblick auf grundsätzliche Ge-
diese oft bei Tierversuchen oder mit Zell- hirnpathologie.15
kulturen gewonnenen Erkenntnisse auf In zwei Studien wurden die Gehirne von
den Menschen übertragbar sind. Auch ver- zwei Gruppen stark Cannabis rauchender
mag niemand derzeit zu sagen, ob sich die junger Männer nach der Methode der
gefundenen Abweichungen nicht in so en- Computerized Transaxial Tomographie
gen Grenzen bewegen, daß man sie durch- (CTT) untersucht, einem hochmodernen
aus außer acht lassen kann. Verfahren, welches das Gehirn rasterför-
mig abtastet und so die Anatomie des Konsumenten gefunden werden.23/30 In
Gehirns sichtbar macht. Bei beiden Unter- der weit mehr gesicherten Laborunter-
suchungen wurden die gewonnenen Hirn- suchung23 normalisierten sich die Werte
Muster von erfahrenen Neuroradiologen der Versuchspersonen allmählich wieder,
unabhängig von der Tatsache des Drogen- nachdem der Cannabis-Konsum für einige
konsums gelesen und bewertet. In beiden Zeit unterbrochen wurde. Selbst sehr
Studien gab es keine Anhaltspunkte für starke Raucher (8-20 Joints täglich23)
cerebrale Atrophie,8/38 (= Schwund an müssen also nicht um ihre Zeugungsfähig-
Hirnsubstanz). keit fürchten, wenn nicht gerade aufgrund
Allerdings darf nicht vergessen werden, anderer Umstände eine bereits stark ein-
daß durchaus subtilere Gehirnschäden geschränkte Fruchtbarkeit vorliegt. ,,Bis
denkbar sind, die mit den geschilderten heute (Ende 1979) ist noch kein einziger
Verfahren nicht nachgewiesen werden Fall eines abnormalen Nachkommen be-
können. „Nichtsdestoweniger ergeben sich kannt geworden, der mit dem Cannabis-
aus keiner der bisher (Ende 1979) durch- Konsum des Vaters in Beziehung gesetzt
geführten Studien chronisch herabgesetzte werden könnte."46
neuropsychologische Testergebnisse beim In der Erforschung der Auswirkungen von
Menschen!"46 Cannabis auf die Fortpflanzungsfähigkei-
Ein Indiz dafür jedoch, daß chronisches ten der Frauen liegen noch keine endgül-
Cannabis-Rauchen zu bleibenden Verän- tigen Ergebnisse vor. In Versuchen mit
derungen im Hirn auf mikroskopischer Rhesus-Affen (sehr hohe Dosen!) wurde
Ebene im Bereich des Möglichen liegen, eine viermal höhere Wahrscheinlichkeit
liefern Versuche mit Rhesus-Affen, denen von ,,Verlusten in der Fortpflanzung"
zu diesem Zweck Elektroden und Sonden festgestellt, die sich meistens als Totge-
tief ins Gehirn eingepflanzt wurden. Wel- burten, Fehlgeburten und Resorption des
cher Art diese Veränderungen sind, ob sie Fötus äußerten.76
sich überhaupt und (wenn ja) in welcher Bei der Untersuchung an Marijuana rau-
Art nachteilig auswirken, inwieweit diese chenden Frauen (26 Personen, die seit
Ergebnisse auf den Menschen übertragbar wenigstens einem halben Jahr mindestens
sind, all dies sind bisher ungelöste Fra- dreimal pro Woche rauchen) traten be-
gen.21/22 deutend öfter Menstruationsstörungen
Bei der Messung der elektrischen Aktivi- auf, wobei die Ovulation (Produktion
tät des Gehirns mittels EEG können zwar eines reifen Eis) unterblieb oder die Zeit-
deutliche Veränderungen während des aku- spanne der Befruchtbarkeit des Eies ge-
ten Cannabis-Konsums, nicht jedoch dar- mindert war. Der Prolactin-Spiegel im
überhinaus verbleibende Abweichungen Blut war ebenfalls herabgesetzt, ein Hor-
vom normalen EEG gefunden werden.15/37 mon, das nach der Geburt die Milchpro-
duktion regelt. Leider ist der exakte
Aussagewert dieser Untersuchung nicht
Fortpflanzung: sonderlich hoch, da die Frauen der Ver-
In manchen Untersuchungen wurde ein suchsgruppe auch mehr Alkohol konsu-
etwas geminderter Testosteron-Spiegel miert hatten als die Vergleichsgruppe und
nach dem Genuß von Cannabis entdeckt, die Veränderungen im Menstruationszyk-
andere Forscher fanden keine Verände- lus sicherlich zum Teil auf Unregelmäßig-
rungen. Auch bei den positiven Ergebnis- keiten in der Lebensführung mancher
sen bleiben die Unterschiede in normalen Cannabis-Konsumentinnen zurückgeführt
Grenzen und daher nicht besorgniserre- werden können.1
gend. THC und andere Cannabinoide gelangen
Während zweier Studien konnten Abwei- in alle Teile des Körpers, auch in die
chungen in der Anzahl, der Bewegungs- Placenta (= Mutterkuchen) der schwange-
fähigkeit und den Struktureigenschaften ren Frau, wo sie sich besonders in den
der Spermien von männlichen chronischen fettreichen Geweben anreichern (ein-
schließlich dem Hirn des Ungeborenen).85 Ein weiterer interessanter Versuch 42/52/53
Allerdings hat man weder beim Menschen ergab, daß in mit reinem THC behandel-
noch bei Tieren nachteilige Wirkungen ten Laborkulturen menschlicher Lympho-
mütterlichen Cannabis-Konsums auf die zyten Zellen mit geringer Chromosomen-
Kinder feststellen können. zahl (Micronuclei mit weniger als 30 Chro-
In der Muttermilch von Cannabis konsu- mosomen) häufiger als normal auftraten.
mierenden Rhesus-Affen konnten Spuren Welche Schlußfolgerungen hieraus zu zie-
von THC nachgewiesen werden.6 hen sind, ist bisher noch ungewiß.
Die genauen Auswirkungen von Cannabis- Menschliche Leukozyten-Kulturen wiesen
Genuß auf die Schwangerschaft und das unter THC-Einfluß kein Ansteigen der
werdende Kind sind noch nicht unter- Chromosomenschäden auf. 59/79 Ebenso
sucht, dennoch sollte vor einem Konsum keine Veränderungen in Zellkulturen von
in diesem Zeitraum gewarnt werden. Dies Ratten64 und Kulturen von Rattenem-
gilt auch für Zigaretten und Alkohol sowie bryozellen und menschlichen Leukozy-
ten.47
Pharmaka etc.
Keine Zunahme von Chromosomenbrü-
Chromosomenschäden chen konnten in Zellkulturen nachgewie-
sen werden, die man mit THC behandelt
In drei älteren Studien wurden solche
Schäden festgestellt. 6 1 / 3 9 / 7 9 Die Gültig- hatte.79 Keine Chromosomen-Schäden bei
„leichten" Cannabisrauchern.18
keit dieser Ergebnisse muß jedoch heute
„Alles in allem gibt es auch weiterhin
als gering angesehen werden, da es sich
(1980) keine überzeugenden Beweise da-
um retrospektive Untersuchungen handel-
für, daß Marijuana klinisch gesehen sig-
te, d.h. eine Gruppe von chronischen
Dope-Rauchern mit Nichtrauchern vergli- nifikante Chromosomenschäden verur-
sacht."46
chen wurde. Variablen wie unterschied-
liche Lebensweise, Viruserkrankungen
Toleranz
und möglicher sonstiger Drogen- und
Medikamentengebrauch, welche alle be- Toleranz (= geringere Wirksamkeit einer
kanntermaßen die Integrität der Chromo- wiederholt gegebenen gleichbleibenden
somen erheblich beeinflussen, konnten in Drogenmenge) entwickelt sich auch im
den Untersuchungen nicht entsprechend Falle von Cannabis. 16/34/36 Sie entsteht
berücksichtigt werden. Obendrein wurden sowohl in Bezug auf den Effekt von Dope
in zwei der drei Untersuchungen die auf den Herzschlag als auch auf die sub-
Abweichungen nur in einer Minderheit jektive High-Empfindung, wie eine Unter-
der Konsumenten gefunden, STENCHE- suchung61 mit 30 jungen Leuten zeigte,
VER 79 zweifelt sogar die Gültigkeit der die 94 Tage lang in einer Versuchsstation
Ergebnisse in seiner Studie selbst an. viel und regelmäßig Marijuana rauchten.
Drei andere Untersuchungen48/49/60 wur- Eine Erklärung für dieses Phänomen konn-
den prospektiv vorgenommen, dieselben te bisher noch nicht gefunden werden.
Versuchspersonen wurden also vor und Manche Wissenschaftler vermuten aller-
nach dem Konsum von Cannabis unter- dings, daß sich im menschlichen Körper
sucht. Es ließen sich keine Unterschiede spezielle Rezeptoren befinden, die auf
hinsichtlich der Chromosomen feststel- Cannabinoide und besonders THC an-
len, was allerdings vielleicht darauf zu- sprechen. Es wäre vorstellbar, daß dieses
rückgeführt werden könnte, daß die Ver- Rezeptorensystem sich bei häufigem
suchspersonen zuvor wenigstens einige Cannabis-Genuß auf die Anwesenheit von
Erfahrungen mit Cannabis hatten. Dann Cannabinoiden im Körper gewöhnt.
könnten bereits bestehende Veränderun- Toleranz entwickelt sich gegenüber so
gen vielleicht den eigentlichen Effekt der ziemlich allen Wirkstoffen und Drogen,
Droge bei der Untersuchung verdeckt ha- meist kehrt die Sensibilität für die Sub-
ben. stanz nach einer gewissen Zeit der Absti-
nenz wieder zurück. Das ist auch bei unter Laborbedingungen und bei für den
Cannabis der Fall. Bei LSD etwa baut sich Normalverbraucher unrealistisch hohen
sehr rasch eine starke Toleranz auf, um Dosen auch Abstinenzerscheinungen ge-
dieselben Effekte etwa am nächsten Tag funden werden konnten: Reizbarkeit,
erneut zu erleben muß eine weitaus hö- Ruhelosigkeit, verminderter Appetit,
here Dosis verwendet werden (ca. das Schlafstörungen, Schwitzen, Zittern, Übel-
Doppelte). Die Toleranz bei den Canna- keit, Erbrechen und Durchfall. 34/35 Leich-
binoiden hält sich hingegen in kaum merk- te Abstinenzerscheinungen konnten auch
lichen Grenzen. in einer Untersuchung festgestellt werden,
Die frühere Meinung, daß der Mensch in der die Versuchspersonen die konsu-
gegenüber Cannabis eine sogenannte um- mierte Cannabismenge frei wählen konnt-
gekehrte Toleranz (= reverse tolerance) ten.51 Bei geringfügigen Erscheinungen
entwickelte, hat sich als falsch herausge- muß immer die Möglichkeit bedacht wer-
stellt. Zwar konnte man feststellen, daß den, daß es sich um psychosomatische
Neulinge nach einiger Zeit des Dope
Symptome handelt, d.h. die Seele äußert
Rauchens subjektiv von derselben THC-
in einem begrenzten Maße ihren Unmut
Menge mehr Effekte verspürten. Diese
über den Verlust der liebgewonnenen Ge-
gesteigerte Sensibilität läßt sich aber auf
wohnheit. Dies entspräche nicht im ei-
die mit fortgesetztem Cannabis-Konsum
gentlichen Sinne tatsächlichen körper-
verbundenen psychosozialen Lernprozes-
lichen Abstinenzerscheinungen, wie wir
se zurückführen. Zwar ist die bisherige
sie etwa von Alkohol, Nikotin, Ampheta-
Erklärung des Phänomens, daß sich Can-
minen und Opiaten kennen.
nabinoide lange im Fettgewebe ein-
Gerade bei den angesprochenen Sympto-
lagern und bei erneuter THC-Zufuhr viel-
men wie Übelkeit und Erbrechen spricht
leicht erneut freigesetzt werden, noch
vieles dafür, daß es sich hier nicht um ein
nicht widerlegt, sie erscheint jedoch sehr
von der Substanz Cannabis direkt ausge-
unwahrscheinlich. Ganz sicher baut sich
löstes Phänomen handeln kann. Schließ-
bei regelmäßigem und starkem Gebrauch
Ich erwägt man nämlich, Cannabis in der
von Cannabis eine leichte Toleranz gegen-
Behandlung von eben Übelkeit und Er-
über den cannabinoiden Wirkstoffen auf.
brechen, wie sie bei der Behandlung
Eine Cross-Toleranz mit anderen Drogen
Krebskranker als Nebenwirkungen auf-
(d.h.: Cannabis setzt die Wirksamkeit
treten, als Medikament67 einzusetzen:
anderer Drogen herab) ist nicht bekannt.
„Patienten zeigten erhöhten Appetit und
weniger Gewichtsverlust", „THC hatte
Abhängigkeit: einen gegen den Brechreiz gerichteten
1. Psychische Gewöhnung: ein vages Ver- Effekt bei 70% der Patienten" in einem
langen, den Konsum fortzuführen, da etwa Doppel-Blind-Test gegenüber 0% Verände-
die Effekte als angenehm empfunden wer- rung bei Placebo.
den. Eine Gewöhnung hängt von den psy-
chischen Voraussetzungen des Konsumen-
ten ab. Da die meisten Menschen Cannabis
als eher angenehm empfinden, ist die
Wahrscheinlichkeit einer Gewöhnung recht
hoch (wie sie bei allen als angenehm emp-
fundenen Dingen - vor allem Konsum-
gütern - recht hoch ist).
2. Körperliche Gewöhnung: zeichnet sich Alle über 250 Quellenangaben aus diesem
vor allem durch das Auftreten von Absti- Buch gibt es gegen 1 DM Rückporto ko-
nenzsymptomen aus, d.h. eindeutige kör- stenlos beim Verlag. Der Abdruck hätte den
perliche Schwierigkeiten beim Absetzen Umfang dieses Buches gesprengt.
der Droge. Neuere Versuche ergaben, daß
dizin. Besonders in asiatischen Heilkünsten
HANF ALS HEILMITTEL genießt er, auch heute noch, hohes Anse-
hen. In der chinesischen wie der tibetischen
Medizin werden seine euphorisierenden,
Soweit ist es schon gekommen: Was Fach- antidepressiven Eigenschaften geschätzt.
leuten schon längst bekannt ist, wurde end- Im Ayurveda wird er als Allheilmittel und
lich zu Weihnachten 1993 auch den Lesern Aphrodisiakum gepriesen. Überall, wohin
der BILD als Nachricht unterm Tannenbaum der Hanf als Kulturpflanze wanderte, wur-
präsentiert: Marihuana als Medizin:"Im den seine Blüten, Blätter, Samen und Harze
Rauschgift Marihuana haben britische For- medizinisch genutzt. So auch bei unsern
scher den Stoff Tetrahydrocanabiol isoliert. germanisch-keltischen Ahnen. Hildegard
Er hemmt Schmerzen, kann nach neuesten von Bingen gebrauchte ihn genauso wie Sa-
Erkenntnissen auch die Übelkeit bei einer muel Hahnemann, der Begründer der
Chemotherapie lindern. Jetzt wird versucht, Homöopathie. In der modernen medizini-
aus Marihuana ein ungefährliches Medika- schen und pharmakologischen Forschung
ment zu entwickeln." (22.12.93) werden nun seine früheren und ethnobota-
nischen Anwendungen getestet und größ-
Zwei kürzlich zu diesem Thema erschiene- tenteils bestätigt.
ne Bücher offenbaren das bislang ungeahnt
große Feld der traditionellen und zeit- Rolf Achteck schreibt über Rätsch's Buch in
gemäßen Einsatzmöglichkeiten von Canna- der taz: "Vor dem Hintergrund des funda-
bis in der Medizin: mentalistischen Drogenkrieges liest sich
Hanf als Heilmittel, von Dr. Christian Rätsch diese Hanf-Dokumentation wie eine schau-
(Der Grüne Zweig 154, ISBN 3-925817-54-9) rige Groteske - angesichts thüringischer
und Hanfsamenfunde aus der Jungsteinzeit
Marijuana - die verbotene Medizin, von Dr. wird nicht nur das Gerede von der kultur-
Lester Grinspoon (Verlag 2001). fremden Droge zur Farce. Die Pionierlei-
stung dieses ethnobotanischen Überblicks
Christian Rätsch schildert in seinem Buch stellt für die medizinische Forschung eine
anhand vieler Beispiele und mit ungezählten Herausforderung ersten Ranges dar, zumal
Quellenhinweisen versehen, wie der Hanf unlängst ein neuronaler Rezeptor im
schon seit mindestens 6000 Jahren vielsei- menschlichen Gehirn entdeckt wurde, der
tig in der Medizin vieler Kulturen eingesetzt einzig und allein auf Cannabis anspricht.
wurde und wird. Hanf hatte einen festen War Mutter Erde bekifft, als sie das humane
Platz in der pharaonischen, assyrischen, an- Betriebssystem auf dieses pflanzliche High-
tiken, islamischen und mittelalterlichen Me- mittel ausrichtete? Wohl kaum..."
DOPE - HANF IN schmerzhaften Muskelkrämpfen. Er hat alle
Arten von Heilmitteln und Therapien aus-
DER MODERNEN probiert, bis er entdeckte, daß ihm lediglich
der Hanfgenuß Linderung verschafft (Grin-
SELBSTMEDIKATION spoon 1992).
Die Ärzte Dr. Lester Grinspoon und Dr.
aus: Christian Rätsch, James Bakalar haben mehrfach darauf hin-
Hanf als Heilmittel gewiesen, daß Patienten aus Gründen der
Selbstmedikation in zunehmendem Maße
zu illegalen Drogen greifen (Grinspoon &
Es ist ein Zeichen der Zeit, daß der Glaube Bakalar 1987). Patienten, die an Quadriple-
an politische Gesetze stark abnimmt. Regie- gie (Lähmung der vier Extremitäten), Para-
rungen, die unverhältnismäßig hohe Steu-
plegie (Querlähmung; spastische Lähmung
ern kassieren, Kriege führen und die beider Beine) und multipler Sklerose
Bemühungen der Umweltschützer unter- (Gewebe- und Organverhärtung) leiden,
drücken, werden von vielen Menschen
behandeln sich oft selbst mit Hanfproduk-
nicht mehr ernst genommen. Die Gesetze ten. Normalerweise rauchen sie dazu Mari-
werden bewußt übertreten, weil sie im huana-Joints.
rechtlichen Empfinden der Betroffenen Ich habe von vielen Kiffern gehört, daß sie
falsch sind. Daß die Drogengesetze von vie- Haschisch oder Marihuana für die besten
len mißachtet werden, ist nichts neues. Die
Mittel gegen Migräne halten. Mir wurden
Betroffenen, z. B. die Kiffer, erachten den sogar Fälle berichtet, bei denen Personen,
Gebrauch von Hanfprodukten als rechtens, die jahrelang an Migräne gelitten hatten,
ihnen fehlt jegliches Unrechtsbewußtsein. von diesem chronischen Leiden für immer
Über die moderne Selbstmedikation mit befreit wurden, als sie das Kiffen angefan-
Hanfprodukten liegen leider keine Studien gen haben. Ähnliches gilt für Asthma. Ein
vor. Hier und da erscheint mal ein Zei- Bekannter hat in seiner Jugend an furcht-
tungsartikel, in dem von Krebspatienten baren Asthma-Anfällen gelitten. Seitdem er
berichtet wird, die illegal Haschisch oder gelegentlich Haschisch raucht, ist sein Lei-
Marihuana zur Erleichterung ihrer Leiden den vollkommen verschwunden. Es wäre
rauchen. Gewöhnlich sind solche Berichte sicherlich ein lohnendes Forschungspro-
nach dem Motto verfaßt: „wer Krebs hat, jekt, diese modernen volksmedizinischen
dem kann auch Rauschgift nichts mehr Anwendungen zu untersuchen.
schaden". Ich habe oft von der erfolgreichen Selbst-
Ein dramatischer Fall der Selbstmedikation medikation bei Hepatitis, bei Schnupfen,
mit Hanf wurde kürzlich von Dr. Lester Bronchitis, Asthma und allgemeinen Ver-
Grinspoon berichtet (1992). Der 35jährige spannungen gehört. Ein begeisterter Kiffer
Kerry Wiley ist in Kuala Lumpur, der Haupt- erklärte mir: „Dope ist das beste Mittel
stadt von Malaysia, mit über 500 Gramm gegen Knoten im Gehirn. Ein Joint kann
Cannabis erwischt worden. Bei dieser wie das Schwert Alexanders wirken."
Menge schreibt das malayische Gesetz-
buch die Todesstrafe durch Erhängen vor. Literatur
Da Kerry den Hanf aus rein medizinischen
Gründen gebrauchte, konnte durch interna- GRINSPOON, Lester, 1992 „A Brief Account of my
tionale medizinische Gutachten und Inter- Participation as a Witness in the Trial of Kerry Wiley"
Jahrbuch für Ethnomedizin und Bewußtseinsfor-
ventionen die Todesstrafe in eine Gefäng-
schung 1, Berlin: VWB
nisstrafe gemildert werden. Kerry ist als
GRINSPOON, Lester & James BAKALAR, 1987
12jähriger von einem Felsen gestürzt. Er
„Medical Uses of Illicit Drugs" in: Ronald HAMOWY
hat zwar auf wunderbare Weise den Sturz (Hg.), Dealing with Drugs, Lexington Books
überlebt, leidet aber seitdem an äußerst
tionen. Sie haften als Gebilde mechanisch
THC UND ANALOGE zusammen, vollbringen alle ihre Lebenslei-
Hanf in der Schulmedizin stungen durch den Betrieb einer mechani-
schen Konstruktion. Alle Lebensleistungen
Die westliche Schulmedizin hat ihre Wur- bestehen letztendlich in der Bewirkung
zeln im späten europäischen Mittelalter. mechanischer Arbeit..." (GUTMANN 1989:
Sie geht auf die italienischen Chirurgen- 33) - In der naturwissenschaftlich orientier-
ten Schulmedizin wird der Mensch als eine
schulen des frühen 13. Jahrhunderts in
Salerno und Bologna zurück. Diese Schulen Maschine mit bestimmten Funktionen
basierten auf den antiken Überlieferungen, betrachtet. Wenn die Funktionen - dem
den arabisch-islamischen Kenntnissen und Weltbild entsprechend - gestört sind, ist
beriefen sich speziell auf Galen und Avi- der Mensch krank. Die Mediziner versu-
cenna. Zudem wurde in Salerno viel experi- chen dann, die Maschine wieder funkti-
mentiert und empirisch geforscht. Da für onstüchtig zu machen. Ein Medikament
die Chirurgie die Betäubung besonders wird auch durch seine Funktion definiert.
wichtig ist, wurden verschiedene grundle- Daraus hat sich ergeben, daß in der Schul-
gende Methoden der Anästhesiologie in rnedizin nicht mehr der Mensch als Kranker
Salerno und Bologna entdeckt: behandelt, sondern ein Symptom medika-
Für die Geschichte der Anästhesie ist mentös beeinflußt wird. Ein Heilmittel soll
von besonderem Interesse, daß in den möglichst spezifisch wirken, d. h. eine
Büchern Theoderichs [13. Jh.] zum ersten Funktion ausführen, die sich steuern läßt.
Mal eindeutig eine Narkose durch In- Da Hanf nicht unbedingt spezifisch, son-
halation erwähnt wird. Es handelt sich dern holitisch wirkt, hat er in der Schulme-
um den sogenannten schlafspendenden- dizin einen schweren Stand.
Schwamm, der bereits an eine Äthernar- Die Grundlagen der modernen Schulmedi-
kose erinnert. Schwämme wurden dabei zin und Materia medica sind im 19. Jahr-
mit narkotisierenden Pflanzensäften ge- hundert geschaffen worden. Um 1827 war
tränkt, zum Beispiel Mandaragora-ÖI (wel- der Hanf ein Mittel der deutschen Schul-
ches auch Nikolaus von Salerno erwähnte), medizin: „Der ölige-schleimige Hanfsamen
und Säfte aus Bilsenkraut, Opium oder indi- ist officinell und gehört zu den lindernden
schem Hanf. Danach trocknete man die und erweichenden Mitteln" (CHAMISSO
Schwämme und bewahrte sie auf. Vor dem 1987: 70),
Gebrauch legte man sie eine Stunde in Der in Indien stationierte britische Arzt Wil-
Wasser. Nachdem sie durchgezogen hat- liam O'Shaughnessy lernte vor Ort den viel-
ten, applizierte man sie dem Patienten auf seitigen rituellen, hedonistischen und medi-
die Nase und empfahl ihm, tief durch- zinischen Gebrauch der Hanfprodukte aus
zuatmen. Die Operation begann, wenn der Cannabis indica kennen. Er stellte eine
Proband schlief, oder vielmehr benommen Tinktur aus Ganja her, die er medizinisch
war... Die Bologneser Schule leistete bei verschiedenen Leiden getestet hat.
jedenfalls einen bedeutenden Beitrag zum O'Shaughnessy erzielte sensationelle Hei-
Wiederaufblühen der abendländischen lerfolge bei Rheumatismus, Hydrophobie
Chirurgie." (FORGUE & BOUCHET 1990: 948) (Furcht vor Wasser), Cholera, Tetanus und
In der positivistischen Naturwissenschaft, Krämpfen. Damit wurden erstmals experi-
die auch die weltanschauliche Basis der mentell die traditionellen Anwendungen
modernen Schulmedizin bildet, herrscht ein bestätigt. Durch die Publikation seiner
mechanistisches Weltbild vor: „Organis- Ergebnisse geriet der Indische Hanf nach
men, die die Erde bevölkern, sind durch- Europa und wurde dort als Tinktur zu
weg und ausnahmslos mechanische Ge- einem berühmten Heilmittel.
bilde und als solche maschinelle Konstruk- In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
waren nach der Pharmacopoea germanica
nicht nur die Hanfsamen offizinell, sondern dell mit Marihuana aus regierungseigenem
auch „das Kraut der indischen, vorzugs- Anbau versorgt wurde. Randell wurde so
weise weiblichen Pflanzen, genannt zum ersten legalen Kiffer (STAFFoRD 1980:
Haschisch: Herba Cannabis indicae)." 44f.).
(PABST 1887: 30) Hanfextrakt aus dem Seit 1971 werden Cannabisprodukte expe-
Kraut (Extractum Cannabis indicae) und rimentell als Medikamente bei Alkoholis-
Hanftinktur (Tinctura Cannabis indicae) wur- mus, Heroin- und Amphetamin-Abhängig-
den medizinisch angewendet: keit, emotionalen Störungen, Muskelspas-
„Der indische Hanf und seine Präparate men und Glaukom getestet (FURST 1988:
beeinflussen hauptsächlich die Thätigkeit 35, HALES 1991: 357). 1990 entdeckte der
des Gehirnes und des Nervensystems. Mikrobiologe Gerald Lancs von der Univer-
Kleine Gaben wirken anregend auf die Ner- sity of South Florida, daß Marihuana den
ven, die Sinnesorgane und das Vorstel- Herpes-Virus tötet (afp-Meldung vom
lungsvermögen; sie erzeugen eine heitere 16.5.90). Damit wird das alte römische
Stimmung. Nach grösseren Gaben tritt Ver- Rezept gegen Herpes wissenschaftlich
minderung der Sinnesfunktionen, Empfin- bestätigt.
dungslosigkeit, Erschlaffung, Delirium, zu- Die traditionelle Anwendung von Hanf-
letzt tiefer Schlaf ein. Als Medikament fin- Präparaten bei Asthma wurde ebenfalls
det der indische Hanf nicht häufige Anwen- inzwischen wissenschaftlich bestätigt:
dung; er wird in Folge seiner einschläfern- „THC erweitert die Bronchien. Es kann,
den Wirkung an Stelle des Morphiums wie andere Medikamente, gegen Asthma
gegeben und wird manchmal noch in sol- Bronchiale als Aerosol inhaliert werden und
chen Fällen mit Vortheil verwendet, wo das wirkt ebenso gut." (MAURER 1989: 48)
Morphium seine Wirkung versagt oder Eine Schweizer Forschungsgruppe um Dr.
nicht angewendet werden kann. Der Same Maja Maurer und Prof. Dr. Adolf Dittrich
wurde früher häufig, jetzt seltener zur Dar- hat inzwischen beweisen können, daß THC
stellung von Emulsionen verwendet." bei zentralnervös bedingter Spastizität
(PABST 1887: 30) (Muskelkrämpfe, z. B. bei multipler Skle-
Bis ins 20. Jahrhundert hinein waren alle rose oder Rückenmarksschädigungen)
Hanfpräparate in europäischen und ameri- krampflindernd wirkt (MAURER et al. 1990).
kanischen Apotheken frei erhältlich. 1915 Die Forschergruppe stellte fest, daß THC
wurde Cannabis in Kalifornien rezeptpflich- (in einer Dosis von 5 mg) ähnlich wie Co-
tig. 1941 werden ca. 30 Hanfpräparate aus dein, aber besser wirkt und zudem verträg-
den Pharmakopöen gestrichen. Seither gilt licher ist. Die Ergebnisse der Untersuchung
der Hanf in der westlichen Medizin als waren so überzeugend, daß einem spasti-
obsolet. Erst mit der Hippie-Revolution der schen Patienten die staatliche Erlaubnis
Sechziger Jahre und der damit verbunde- erteilt wurde, sich die lindernde Droge aus
nen Popularisierung von Haschisch und der Apotheke zu holen (BÜTTNER 1991).
Marihuana tritt der Hanf als Heilmittel wie- Die medizinische Verwendung von Hanf-
der ins öffentliche und medizinische Inter- produkten, namentlich THC und dessen
esse. Bob Randell bemerkte, daß sein Analogen, bei Glaukom hat sich zwi-
heimlicher Marihuana-Genuß den bei ihm schenzeitlich etabliert. Es konnte bewiesen
krankhaft aufgetretenen überhöhten Au- werden, daß es kein besser verträgliches
geninnendruck senkte und ihn so vor dem und wirkungsvolleres Medikament als eben
Erblinden bewahrte. Randell unterzog sich den Hanf gibt (ROFFMAN 1982). In den USA
nach Absprache mit seinem behandelnden gibt es seit einigen Jahren ein THC-halti-
Arzt einer langwierigen klinischen Untersu- ges, verschreibungspflichtiges Medika-
chung. Dabei konnte bestätigt werden, daß ment mit dem Namen Canasol. Es wird bei
seine Selbstmedikation erfolgreich war. Glaukom nach ärztlicher Verordnung verab-
Seine Ärzte erreichten sogar, daß Bob Ran- reicht. 1991 soll dieses Medikament sogar
Präsident Bush verschrieben worden sein. urgie bis zum Ende des 18. Jahrhunderts" in R.
Dennoch geht Bushs Kampf den Drogen TOELLNER (Hg.), Illustrierte Geschichte der Medi-
zin, Bd. 2: 911-1001, Salzburg: Andreas & Andreas
weiter. Im April 1992 wurde allen amerika-
nischen Ärzten die Erlaubnis entzogen, FURST, Peter T., 1988 Hallucinogens and Culture.
(5. Aufl.) Novato, CA: Chandler & Sharp
Joints oder andere THC-haltige Medika-
GUTMANN, Wolfgang F., 1989 Die Evolution
mente zu verschreiben. Bis dahin gab es
hydraulischer Konstruktionen. Frankfurt/M.: Verlag
Joints auf Krankenschein für Krebs-Patien- Waldemar Kramer
ten, die an den schrecklichen Folgen (chro- HALES, Dianne, 1991 An Invitation to Health. (5.
nische Übelkeit, Erbrechen) der Chemothe- Aufl.) Redwood City, CA: Benjamin/Cummings Publ.
rapie litten (MAURER 1989: 48). Die Drogen- Co.
behörde FDA erteilte nur wenigen „Härte- MAURER, Maja, 1989 „Therapeutische Aspekte von
fällen" die Genehmigung, nach ärztlicher Cannabis in der westlichen Medizin" in: M.
Vorschrift Marihuana zu rauchen. Damit ist SCHLICHTING & H. LEUNER (Hg.), 3. Symposion
über psychoaktive Substanzen und veränderte
nun Schluß. Für die letzten 15 Patienten
Bewußtseinszustände in Forschung und Therapie. S.
wird das Programm auslaufen, und neue 46-49, Göttingen: ECBS
Genehmigungen dürfen nicht mehr erteilt
MAURER, M., V. HENN, A. DITTRICH & A. HOF-
werden. Als Grund für die neue Politik wird MANN. 1990 „Delta-9-tetrahydrocannabinol Shows
die in letzter Zeit gestiegene Zahl von Antispastic and Analgesic Effects in a Single Case
Anträgen genannt! (dpa-Meldung vom Double-blind Trial" European Archives of Psychiatry
and Clinical Neuroscience 240: 1-4
7.4.92)
O'SHAUGHNESSY, W. B., [1839] .On the Prepara-
tion of the Indian Hemp or Gunja" in T. MIKURIYA
Literatur
(Hg.), Marijuana: Medical Papers 1839-
BÜTTNER, Jean-Martin, 1991 .Haschisch als Medi- 1972, S. 3-30, Oakland: Medi-Comp Press
kament, ein folgenreiches Experiment" Tages-Anzei-
ger 22.10.91: 80 PABST, G. (Hg.), 1887 Köhler's Medizinal-Pflanzen.
Gera-Untermhaus: Eugen Köhler
CHAMISSO, Adelbert von, 1987 Illustriertes Hei/-,
Gift- und Nutzpflanzenbuch. Berlin: Reimer (Reprint ROFFMAN, Roger A., 1982 Marijuana as Medicine.
von 1827) Seattle: Madrona
FORGUE, Emile & Alain BOUCHET, 1990 „Die Chir- STAFFORD, Peter, 1980 Cannabis: Haschisch &
Marihuana. Markt Erlbach: Raymond Martin Verlag
ZUR CANNABIS-BEHANDLUNG cher. Babra hat vorher nie geraucht. In un-
VON AIDS-KRANKEN serer AIDS-Gruppe trafen wir einen anderen
Patienten. Er gab uns den Tip, es doch ein-
Belegt Rätsch den globalen Gebrauch von mal mit Pot zu versuchen, wenn uns
Cannabis-Medizin durch viele Kulturen, so schlecht würde. Er gab uns dann auch
konzentriert sich Dr.Grinspoon auf die Mög- etwas Gras. Nachdem wir erfolglos sechs
lichkeiten, die ein geballter Einsatz von Ma- verschiedene Anti-Brech-Mittel ausprobiert
rijuana heute für viele Schwerkranke mit hatten, waren wir recht verzweifelt. Also
sich bringen würde, In den USA sitzen probierten wir es aus und es wirkte.
schon ungezählte Eltern und Großeltern im Frage: Wie hilft Marijuana?
Knast, weil sie ihren AIDS-erkrankten Kin- Antw.: Es nimmt dir die Übelkeit. Die Krank-
dern Marijuana zur Linderung ihrer Leiden heit und die Drogen hemmen deinen Appe-
besorgt haben. Illegal. Warum? tit. Du hast einfach keinen Bock, etwas zu
essen. Schon der Geruch oder der Anblick
"Würde Cannabis bei der Behandlung von von Nahrungsmitteln macht dich ganz
Aids-Kranken eingesetzt, könnte die stim- krank. Wenn du aber sechs oder acht Züge
mungsaufhetlende, appetitanregende und gepafft hast, fühlst du dich besser, du be-
schlaffördernde Wirkung dieses Naturheil- kommst Appetit und plötzlich schmeckt es
mittels hervorragend den Unterschied zwi- dir sogar.
schen zwei entgegengesetzten Formen des Frage: Habt Ihr euerem Doktor erzählt, daß
Umgangs mit dieser Krankheit anschaulich Ihr kifft?
machen: an Aids zu sterben oder mit Aids Antw.: Anfangs nicht. Als wir dann aber täg-
zu leben." So drastisch drückt Jack Herer lieh rauchten, sagten wir ihm, daß wir alle
aus, was in den USA laut Berichten zuneh- Anti-Brech-Mittel fortgeworfen hätten.
mend Realität von immer mehr Aids-Er- Seine Meinung war, daß wir das tun sollten,
krankten wird. was es uns ermögliche zu essen. Ich glau-
Dr. Grinspoon berichtet z. B. von Ron be, viele Patienten haben große Schwierig-
Mason, einem 33jährigen Aids-Kranken: Vor keiten damit, ihrem Doktor den Cannabis-
drei Jahren sagten mir meine Ärzte, daß ich konsum zu beichten. Das ist doch immer
einer von nur einer Handvoll Menschen sei, noch illegal. Ich glaube, da schwelt eine
die nun schon seit mehreren Jahren regel- große Angst. Zumal man noch befürchten
mäßig die Aids-Klinik aufsuchen würden muß, daß einem vom Arzt die Medikamen-
und nicht tod oder sterbenskrank seien, sie te gestrichen werden.
als Ärzte hätten keine Erklärung dafür. Ich Frage: Wie wichtig ist Marijuana für Deine
vermute, daß hinter diesem Erfolg mein Therapie gewesen?
Cannabiskonsum steht. Er gibt mir das Ge- Antw.: Ich glaube nicht, daß ich heute noch
fühl, mit Aids zu leben und nicht nur zu exi- hier wäre, wenn ich kein Pot rauchen
stieren. Mein Appetit kam zurück, und würde. Ich muß so viele Medikamente zu
wenn ich esse, fühle ich mich hinterher mir nehmen, das allein macht einen schon
nicht mehr zum Kotzen. Marijuana regt mei- krank, da wird einem ganz übel. Ich kann mir
nen Geist an und das gibt mir auch ein bes- nicht vorstellen, die alle ohne Marijuana run-
seres Körpergefühl." terzubekommen. Ich würde an vielen Tagen
nichts essen können, wenn ich nicht Mari-
Aus einem Interview in der Zeitschrift High juana als Appetitanreger genießen würde.
Times: Babra war oft nicht mehr in der Lage zu
"Frage: Wann haben Babra und Du Euch essen, sie hatte stark abgenommen. Nun
entschlossen. Marijuana auszuprobieren? hat sie dank Marijuana in einem Jahr wieder
Habt Ihr überhaupt schon geraucht? rund 30 Pfund zugenommen, statt, wie da-
Antw.: Nein. Ich hab's mehrfach in der High- mals absehbar, schon vor einem Jahr ge-
School ausprobiert, aber ich war kein Rau- storben zu sein."
nahme. Entsprechend war das allgemeine
Mehr zum Thema 'Aids und Cannabis', auch Wohlbefinden und die Konzentration nach
in Form von Erfahrungsberichten, kann man der Einnahme von THC signifikant besser
in Lester Grinspoons Buch Marijuana - die als beim Codein." (Der erwähnte Zeitschrif-
verbotene Medizin nachlesen. (Verlag 2001, tenbericht trägt den Titel "Delta-9-tetrahy-
drocannabinol Shows Antispastic and Anal-
1994)
gesic Effects in a Single Case Double-blind
CANNAWS ALS ANGEWANDTES Trial", publiziert 1990/240, 1-4, erstellt von
HEILMITTEL DER '90ER JAHRE M.Maurer, V.Henn, A.Dietrich und A.Hof-
mann).
Immer häufiger werden die Nachrichten in
der Tagespresse, in denen Cannabis als In England berichtete der Daily Telegraph
Heilmittel geoutet wird. So berichtet die von großen Erfolgen bei kiffenden Multiple-
Schweizer Sonntags Zeitung vom 7.11.93: Sklerose-Patienten, die sich selbst illegal
"In scharfem Kontrast zu den Gepflogenhei- mit Stoff medikamentieren. Ein beispielhaf-
ten des viktorianischen Zeitalters mußte ter Auszug:"Liz bekam einen Brocken Ha-
sich im vergangenen Monat eine Ärztin vor schisch geschenkt, den sie aber voller Para-
einem englischen Gericht verantworten, noia lange versteckte:'Als aber eines
weil sie ihrer Tochter gegen chronische Abends die Beinschmerzen zu arg wurden,
Übelkeit und Migräne dreimal täglich Ha- biß ich ein Stück vom Haschisch ab, ohne
schisch als einzig wirksames Mittel verab- mir darüber im klaren zu sein, auf was ich
reicht hatte. Der Prozess vor einem Schwur- mich da einließ. Ich war drei Tage high. Das
gericht in Liverpool endete mit einem Pau- war schon außergewöhnlich. Aber auch die
kenschlag: Der Richter war sichtlich beein- Schmerzen waren fort. Außerdem bemerk-
druckt von den medizinischen Studien über te ich, daß mir der Cannabisgenuß für ein
die Heilkräfte von Cannabis, die die Verteidi- paar Stunden meine Blasenkontrolle zurück-
gung vorgelegt hatte. Die Jury folgte seiner gab. Plötzlich konnte ich wieder unbe-
Empfehlung zum Freispruch und hat damit schwert einkaufen gehen, ins Kino oder in
einen wichtigen Präzendenzfall geschaffen." ein Restaurant. Ich konnte wieder ganze
Nächte durchschlafen, ohne bei jedem
Der Tagesanzeiger (vom 22.11.91) berichtet Räkeln von fürchterlichen Krämpfen ge-
fast ganzseitig auf seiner Wissenschaftssei- schüttelt zu werden."
te über "Haschisch als Medikament, ein er-
folgreiches Experiment": Die entkrampfende Wirkung des Cannabis
"Die Resultate, kürzlich in der angesehenen wird auch von vielen Paraplegikern (Quer-
Fachzeitschrift European Archives of Psy- schnittgelähmte) sehr geschätzt. Auch
chiatry and Clinical Neuroscience publiziert, diese leiden meist unter der verlorengegan-
sind eindeutig: Eine Dosierung von 5 Milli- genen Blasenkontrolle, vor allem, wenn sie
gramm THC reicht aus, um die meisten ihr Leid im Alkohol ersäufen. Wenn die klini-
Symptome zu verbessern, ohne jedoch sche Hilfe fortfällt, vernachlässigen sie oft in
einen veränderten Wachbewusstseinszu- der Folge ihren Körper und faulen dann
stand, sprich: einen Haschischrausch, her- buchstäblich dahin. Cannabis würde als Al-
beizuführen. Sowohl Codein als auch THC ternative Geisteshilfe wahre Wunder tun
verbesserten im Gegensatz zum Placebo- und so manches Leben erfüllt verlängern.
mittel Schlafdauer und -qualität und linder-
ten Schmerzen. Da drängt sich natürlich die Frage auf,
Mehr noch: Das THC wirkte im Gegensatz warum Cannabis keine Rolle in der 'moder-
zum Codein auch gegen Muskelkrämpfe nen' Pharmazie spielt. Warum setzt sich die
und verbesserte die Blasenkontrolle, und pharmazeutische Industrie nicht stärker
das auch noch zwölf Stunden nach der Ein- bzw. überhaupt für eine Legalisierung ent-
sprechender THC-Präparate bzw. des unbe- HANFPRODUKTE SIND
handelten Naturheilmittels ein? Für Liebha- PSYCHOVITAMINE
ber von Verschwörungstheorien bietet Dr.
Lester Grinspoon eine einleuchtende Er- Privatforschern bleibt es manchmal überlas-
klärung:"Die Industrie kann damit kein Geld sen, die Wissenschaft durch eigene Überle-
verdienen. Überhaupt nicht. Wenn jemand gungen und Versuche auf neue Wissensge-
eine neue Droge einführen will, geschieht biete zu stoßen. Immo Jalass beschäftigt
das bei uns nach folgendem Muster: Eine sich seit gut 20 Jahren mit der Erforschung
Drogenfirma begutachtet die Substanz und des Gehirns, vor allem des eigenen. Auf
entscheidet, ob sie den hohen Einsatz einer Grund seiner Erkenntnisse über das Gehirn-
Markteinführung wert ist. Lautet die Ant- blutvolumen und dessen Veränderung beim
wort 'Ja', müssen zwischen 80 und 100 Mil- Kopfstand oder dem Genuß psychoaktiver
lionen Dollar investiert werden, um die Substanzen behauptet er nun, man solle
Droge schließlich in die Apotheken und um klar im Kopf zu bleiben, zu jedem Joint
Krankenhäuser zu bekommen. Dafür erhal- Zucker zu sich nehmen.
ten sie ein auf 17 Jahre befristetes Patent
und in diesen Jahren können sie damit Geld Frage ich: Wieviel Zucker? Gibt es eine
verdienen. Aber wie sollte das bei Cannabis Faustregel? Angaben fürs Durchschnittsge-
klappen können?" (3) wicht? Reicht ein Dextro-Energen pro Joint?

Da ist was dran, denn ein Heilmittel, das Seine Antwort: Nun, ein Dextro-Energen
man selbst ziehen kann, wird man kaum für pro Joint ist mit Sicherheit ein gutes und
teures Geld in der Apotheke kaufen wollen. empfehlenswertes Rezept, obwohl ein
Joint im allgemeinen das Rauchen der
Trotz der weltweit vertrackten Rechtslage Cannabisprodukte mit Tabak beinhaltet.
bilden sich weltweit immer mehr medizini- Besser wäre es natürlich, die Cannabispro-
sche Fachkreise, die auf eine Akzeptanz der dukte ohne Tabak zu genießen, da der
Droge THC hinarbeiten und entsprechende Tabak mit seinem Nikotin ein starkes Gift
Forschungen durchführen. Hier Kontaktan- darstellt und die Wirkung der Cannabispro-
schriften: dukte in negativem Sinne beeinträchtigt und
- Stichting Institute of Medical Marijuana, herabsetzt. Auf jeden Fall sollte jedoch
Postbus 2688, NL-1000 CR Amsterdam, zusätzlich für eine regelmäßige Vitamin C-
Tel, 010-435-0096, Holland. Zufuhr gesorgt werden.
- International Medical Marijuana Move-
ment, 3745 Seventeenth Street. San Fran- Meine Frage: Wie kommst du auf diese
cisco, CA 94114, USA, Tel. 001 415 864 Idee?
1961
- Multidisciplinary Association for Psyche- Antwort: Ich möchte aus dem Buch Homo
delic Studies, MAPS, 1801 Tippah Avenue, Sapiens Correctus von B. Hughes zitieren,
Charlotte, NC 28205, USA, Tel. 001 704 358 das 1968 in Amsterdam erschienen ist:
9830, Fax. 001 704 358 1650. (Herzlichen
Dank an Rick Doblin, dem Mastermind von
MAPS, für seine herzliche Kooperation und DIE HANFPRODUKTE
aktive Hilfsbereitschaft bei den Recherchen ALS PSYCHOVITAMINE
für dieses Buch!).
„Drogen: Sucht nach giftigen Drogen (Nar-
kotika) kann bei Entziehung zum Tode
führen, dagegen braucht man von den nicht
giftigen ,Psychovitaminen' (Substanzen, die
zweitweilig das Gehirnblutvolumen ver-
größern, indem sie die Halsvenen veren- venenverengung das Hirnblutvolumen ver-
gen) nie mehr als die gewohnte tägliche größern (auf Kosten des Volumens der Hirn-
Dosis zu sich zu nehmen. Man kann jeder- flüssigkeit), wodurch der Hirnstoffwechsel
zeit damit aufhören, ohne negative Folgen beschleunigt und erhöht wird, so daß es zu
befürchten zu müssen. Synthetische Psy- einer Verbesserung aller Gehirnfunktionen
chviitamine wie Psilocybin, Meskalin und einschließlich des Bewußtseins kommt.
LSD vergrößern das Gehirnblutvolumen Da die Ursache des Drogenmißbrauchs zu
mehr als Indischer Hanf. Die Folge davon ist einem großen Teil in Unkenntnis dieser
beschleunigter Gehirnstoffwechsel, wo- Tatachen zu suchen ist, habe ich als Drogist
durch dem Blut mehr Glukose entzogen von Berufs wegen meine Pflicht darin gese-
wird. Wenn man bei Beginn von Erregung hen, diese Information, diese Entdeckun-
oder Müdigkeit eine Mundvoll Zucker zu gen weiterzugeben und in einigen vertrau-
sich nimmt, verhindert man die schlimme- enswürdigen Fällen auch die Drogen beizu-
ren Symptome von Hypoglykämie, wie kalte geben. Siehe hierzu meinen offenen Infor-
Hände, Kälteschauer, Zittern und Paranoia, mationsbrief an den Bundesminister für Ju-
die dann eintreten, wenn ein wenig Adrena- gend, Familie und Gesundheit, Bonn.
lin als Notreaktion abgeschieden wird, um Aber hiermit ist die positive Wirkung dieser
das Gehirn mit neuer, der Leber entzogener Drogen bei sachgemäßer Anwendung noch
Glukose zu versorgen. nicht erschöpft. Wie ich an mir selbst fest-
Warnung: Wenn man keinen Zucker nimmt, stellen konnte, können Kopf- und Zahn-
dann kann die Wirkung des Adrenalins das schmerzen damit behoben werden, Neuro-
Herz überbeanspruchen, und wenn das Ad- sen zum Verschwinden gebracht und über-
renalin aufgebraucht ist, kann Egoverlust höhter Blutzuckerspiegel gesenkt werden.
eintreten. Durch Aufnahme von genügend Ich meine, daß diese Behauptungen ausrei-
Zucker wird die Erfahrung positiver gestal- chen, um neue Reihenuntersuchungen in
tet," Angriff zu nehmen. Untersuchungen auf
Ich habe hier jetzt das Wort „Warnung"- ein- wissenschaftlicher Basis unter ärztlicher
gefügt. Sollte das nicht schon als Informa- Kontrolle." (aus: l, Jalass - Eine Autobiogra-
tion ausreichend sein? Nein, ich will die phie, Hamburg 1980)
zuckrige Ergänzung, wie sie aus den Halluzi-
nogenen Psychovitamine macht, hier um
des besseren Verständnisses willen noch
einmal mit eigenen Worten zur Formulie-
rung bringen:
„Ich bin der vollen Überzeugung, die Men-
schen mit folgender wissenschaftlicher In-
formation vor unsachgemäß, gefährlich und
verantwortungslos durchgeführten Experi-
menten mit Cannabisharz und LSD bewah-
ren zu können und ihnen eine positive An-
wendung zu Fähigkeitsverbesserung und
Selbstverwirklichung damit möglich zu ma-
chen. Denn daß die Stoffe Marihuana (wenn
es wirklich Marihuana ist), Haschisch und
LSD Psychovitamine sind, wenn sie nur mit
ausreichend Vitamin C, Zucker und mehr
Sauerstoff durch bewußte Atmung genom-
men werden, das kann jeder selbst untersu-
chen. Die physiologische Wirkung dieser
Stoffe besteht darin, daß sie durch Hals-
HANFFORSCHUNG AM HIRN VORBEI verarbeiten, daß einem das High-Gefühl des
Kiffens erspart. Wo kämen wir auch hin,
Über eine neue Studie (von S. Munro, publ. wenn der gesundende Patient sich außer-
in Nature, 1993, 365, 61) berichtet Claudia dem noch geistig wohlfühlen würde... Oh,
Schön in der Zeitschrift Chemie in unserer du bist Laie und wüßtest gerne, worum es
Zeit (27. Jahrgang 1993, Nr 5). Sie merkt an, in dem vorherigen Abschnitt eigentlich
daß Cannabis wahrscheinlich schon mehr ging? Nun, der neu entdeckte Rezeptor
medizinisch genutzt werden würde, wenn könnte uns, wenn einmal ausgiebig er-
es nicht diesen 'überflüssigen' psychoakti- forscht, Hinweise darüber geben, warum
ven Effekt hätte. Cannabis Entzündugen eindämmt und eini-
"Schuld an diesen Effekten hat vermutlich ge Reaktionen des Immunsystems unter
der Cannabinoid-Rezeptor C-BR, der fast drückt.
ausschließlich im Gehirn vorkommt. Einer
britischen Forschergruppe gelang es kürz- Ein Schlußwort zu diesem Thema von Dr.
lich, aus einer menschlichen Leukämie-Zell- Christian Rätsch aus seinem Buch Hanf als
linie das Gen für einen Cannabinoid-Rezep- Heilmittel:"Zu den Grundrechten des Men-
tor zu klonen. Dieser Rezeptor (CX5), des- sehen gehört nicht nur das Recht auf
sen Sequenz Homologien zu dem bereits Rausch, sondern auch das Recht auf Ge-
bekannten Cannabinoid-Rezeptor C-BR sundheit, und damit das Recht auf geeigne-
zeigt, kann tatsächlich Cannabinoide bin- te Heilpflanzen. Wenn es um Heilung und
den, ja sogar verschiedene Cannabinoide Gesundheit geht, hat jeder Mensch das
voneinander unterscheiden: CX5 hat zu delta9- Heilmittel zu bekommen, das ihm wirklich
Tetrahydrocannabinol, Cannabinol und 11- hilft. Deswegen hat ein jeder Mensch ein le-
OH-delta9-Cannabinol nämlich eine größere Af- gitimes Recht auf den Gebrauch von Hanf-
finität als zu dem biologisch weniger aktiven produkten. Werden sie aus dem Sumpf der
Cannabidiol. Besonders interessant waren Illegalität befreit, können sie weltweit -
aber folgende Befunde: Mit einer CX5-ho- denn keine andere Pflanze hat eine ähnlich
mologen DNA-Sequenz als 'Sonde' ließen weltweite Verbreitung - der Weltgesundheit
sich CX5-mRNA-Sequenzen im Milzgewebe in enormem Maße zuträglich sein. Die Men-
nachweisen. Im Gehirn dagegen wurde CX5 schen in allen Ländern können im medizi-
nicht gefunden. Wertere Experimente zeig- nisch sinnvollen Gebrauch der Hanfproduk-
ten, daß CX5 in den Makrophagen der Milz- te unterwiesen werden, ganz im Sinne von
Randzone exprimiert wird. Die Randzone Dr. Peter Baumann, der in der Schweizer
der Milz ist der Ort, an dem die Außenwelt Ärztezeitung (1989) einen Rauschkundeun-
mit dem Immunsystem zusammentrifft. terricht fordert. Zukunftsmusik? Ich glaube
Daher vermutet man, daß der endogene Li- nicht."
gand des CX5 Rezeptors eine 'immuno-mo-
dulierende' Rolle spielt. Vielleicht kann Mari-
juana doch noch in der Medizin eingesetzt
werden. Die Entdeckung des CX5-Rezep-
tors ist sicherlich ein Schritt auf diesem
Weg. Nun gilt es, für diesen Rezeptor ein
spezifisches Cannabinoid mit einer er-
wünschten Wirkung zu finden, das sich nur
an diesen Rezeptor bindet und um das Ge-
hirn einen weiten Bogen macht."

So der wissenschaftliche Text. Man will


also einzelne Bestandteile der Hanfpflanze
isolieren und so zu einem Medikament o.ä.
WIE GESUND- der Erforschung von möglichen schädlichen
Auswirkungen von Substanzen wie MDMA
HEITSSCHÄDLICH IST ES, (Ecstasy) einen Namen gemacht hat, fand
HASCHISCH zu RAUCHEN? nun auch eine artverwandte Droge, die die
negativen Begleiterscheinungen jener Sub-
Grundsätzlich gilt wohl, daß jede Rauch-ln- stanzen nicht hat. Gefragt, warum er dies
halierung die Bronchien und Lungen strapa- denn nicht publiziert hätte gab er die Ant-
ziert. Zu der folgenden Meldung aus dem wort: Ich suche nur nach schädlichen Wir-
Bröckers/Herer Buch muß angemerkt wer- kungen solcher Substanzen. Wenn so eine
den, daß sich die US-Forschung meist auf Droge keine schädlichen Wirkungen hat, ist
den Genuß von reinen Marijuana-Joints be- sie nicht so interessant."
zieht. In den USA wird, im Gegensatz zum Aha.
europäischen Hanf-Genuß, nur selten Tabak
unter das Rauchkraut gemischt. Die im Fol- Donald Tashkin hat im staatlichen Auftrag
genden aufgeführten Bemerkungen bezie- die Mechanismen zwischen Rauchen und
hen sich also nicht auf Tabak/Hanf-Gemi- Krebs untersucht. Zu seinem Erstaunen
sche, sondern auf pures Gras: fand er heraus, daß Marijuana-Raucher ihre
"Zigmillionen AmerikanerInnen rauchen re- Lungenwege auf nur einem von 29 unter-
gelmäßig Marijuana, aber nach Aussagen suchten Abschnitten 15 mal so arg belaste-
von Amerikas bedeutendstem Lungenex- ten, wie die Tabakraucher: auf den oberen
perten, Dr. Donald Tashkin, UCLA, geht auf Luftwegen. An allen anderen 28 Teilgebie-
Cannabis bis Ende März 1992 kein einziger ten der Lunge waren die Auswirkungen
Fall von Lungenkrebs zurück. Er sieht gleich oder geringer als bei Tabak.
das größte Gesundheitsrisiko für die Lun-
gen einer Person, die täglich 16 oder mehr Wie schon beim Thema Radioaktivität er-
große Spliffs aus Blättern/Blüten raucht, wähnt, besteht die gesundheitliche Gefahr
darin, daß durch den Rauch und die damit des Jointrauchens bei uns im mitgerauch-
einhergehende Unterversorgung mit Sauer- ten Tabak. Vor allem bei den Bong-Rau-
stoff im Lungengewebe Sauerstoffmangel chern haut das ganz schön rein. Ein Ge-
entsteht.... Wir fragten Tashkin, wieviele sundheitsproblem scheint auch der Tabak
Menschen in seiner oder anderen Studien zu sein, der heute angeboten wird: fast alle
über Langzeitraucher von Marijuana, zu Tabake sind wegen Farbe, Feuchtigkeit,
denen die Rasta und Kopten zählen, in der Aroma etc. in einer Zuckerbrühe gesoßt. Es
Folge an Lungenkrebs erkrankt seien. scheint einen direkten Zusammenhang zwi-
Dr.Tashkin sah mich an und sagte:"Das ist ja schen dieser Soßung und Lungenkrebs zu
das Seltsame. Bis jetzt hat kein einziger von bestehen (siehe auch das Buch Die süßeste
denen, die wir beobachtet haben, Lungen- Sucht, von McKenna/Pieper, Grüner Zweig
krebs bekommen." - "Wurde das der Presse 163, Löhrbach, 1993).
mitgeteilt?" - "Nun, es steht in meinem Arti-
kel. Aber niemand von der Presse hat auch Jointraucher sollten sich nach unbehandel-
nur danach gefragt. Sie nahmen einfach das tem Tabak, wie es ihn im Orient noch gibt,
Schlimmste an." umsehen. In Deutschland kann man u.U.
den Feinschnitt für Cigarette und Pfeife
So ist das nun mal mit der freien Forschung AKROPOLIS (in der Dose) finden, vor zehn
und der freien Presse. Ein ähnliches Bei- Jahren gab es noch den Türkischen Fein-
spiel wurde anläßlich der Jahrestagung des schnitt in der Goldpackung. Ich suche wei-
Europäischen Colloquiums für Bewußt- terhin Tips, welchen Tabak raucht man bei
seinsstudien im Dezember 1993 in Zürich uns zum Hanf?
erwähnt. Ein bekannter Forscher, der sich
GESUNDHEITSRISIKEN Tabak-Rauch meist nur den oberen At-
mungstrakt erreicht, bleibt weiter unklar,
BEIM MARIJUANA-RAUCH: wie groß das relative Krebsrisiko durch Ma-
DIE KAISER STUDIE rihuana ist.
Wegen des schädlichen Potentials im Mari-
Die Kaiser-Studie bestätigt das Gutachten huana-Rauch empfiehlt NORML Usern ein-
von NORML zu Gesundheitsrisiken durch dringlich, sich sowenig wie möglich mit
Ma