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Ausgangssperre in Venedig BILD in der roten Zone Italiens

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Quelle: BILD 3:26 Min.

Venedig – Der Spitzname dieser Stadt ist „La Serenissima“, die Heitere. Aber
Heiterkeit und Gelassenheit sind verschwunden.

Inzwischen ist ganz Italien Sperrgebiet. Venedig liegt im Zentrum der roten Zone. Ist es
gefährlich? Es ist weit und breit kaum ein Mensch zu sehen. Bei wem soll ich mich
anstecken? Es herrscht Ausgehsperre, eigentlich darf niemand seine Wohnung verlassen.

Alles ist geschlossen, die Museen, Geschäfte, Restaurants und Cafés.

Eines, in dem sich beschäftigungslose Gondoliere aufhalten, fand ich doch. Vom Kellner
werde ich ermahnt, 1,50 Meter Abstand zu halten: „Sonst muss ich, wenn ein Polizist uns
sieht, 400 Euro Strafe zahlen – und Sie 300 Euro.“

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Pater Joseph Kramer (l.), Gemeindepriester in Venedig, mit dem BILD-Reporter. Der polizeilich
vorgeschriebene
Abstand von 1,50 Meter wird zumindest auf diesem Foto (knapp) eingehalten. Hier, am Markusplatz,
links der Dogenpalast, drängen sich normalerweise Zigtausende TouristenFoto: Sebastian Karadshow

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Er bietet mir Tramezzini an, kleine Sandwiches. Aber die Seuche „wehrt der Esslust“, wie
es in Thomas Manns „Tod in Venedig“ heißt, in dem er die chlolerageplagte Stadt
beschreibt, „und die Vorstellung drängte sich auf, dass die Speisen mit
Ansteckungsstoffen vergiftet seien“. Ich lehne zaghaft ab.

Auf perfide Weise ist es ein Glücksfall, die schönste Stadt der Welt menschenleer
erleben zu dürfen.

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Venezianischer Humor: Maria (72, Ex-„Miss Venezia“) trägt GanzkörperSchutz. Auf dem Schild steht:
„Ich schütze mich, so schütze ich Sie!“Foto: Sebastian Karadshow

Scharfe Kontrollen bei der Einreise. Inzwischen ist der Flughafen geschlossenFoto: Getty Images

Das größte Freiluftmuseum der Welt – ganz für mich. „Venedig ist ja eigentlich keine
Stadt, sondern ein einziges, prachtvolles Gebäude, in deren Gängen man sich verirrt. Die
einzigartigen Fassaden der Gebäude und Kirchen sind in Wahrheit die Innenräume
dieses märchenhaften Palastes“, sagt mir Anna am Telefon, eine Lehrerin, die mich nicht
treffen will. „Ich habe kein Corona. Nur Schnupfen!“ Ihre Schüler unterrichtet sie derzeit
per Skype.

Selbst die Kirchen sind zu, Gottesdienste verboten.


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BILD-Reporter Alexander von Schönburg mit einem derzeit beschäftigungslosen Gondoliere
Foto: Sebastian Karadshow

„Viele sind empört“, sagt Pater Joseph Kramer (65), „gerade jetzt wollen sich die
Menschen nicht das Recht nehmen lassen, ihren Glauben zu praktizieren. Außerdem
lassen sich Venezianer ungern von Rom sagen, was sie zu tun haben.“ Der Bischof, der
hier Patriarch heißt, habe aber gesagt: „Du sollst nicht töten! Wenn wir also Leben retten
können, indem wir zu Hause bleiben, ist das unsere Pflicht.“

Also gehe ich jetzt zurück ins Hotel. Das „Cipriani“, das „Gritti“, alle großen Hotels
sind bereits zu. Das altehrwürdige „Palazzo Bauer“ hält noch eisern durch. 190
Zimmer.
Ein russisches Ehepaar, der Fotograf und ich sind die einzigen Gäste.

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