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Pigitalitat als Vorschein der künftigen Welt vonPeterweibei Form der Skyline von Manhattan, ein Schi j
die Form einer Treppe, eine Treppe die Fc
C i f U ) Marylin Monroe, eine Wandbeleuchtung c
ommunikationsdesign ist heute am Schnitt- tale Kunst, welche aber diese transzendiert Fast zu sehen eines Flughafens hat, dann erhalten

K punkt von Kunst und Wissenschaft anzusie-


deln - in dem Sinon, daB es als angewandte
Kunst fungiert und wissenschaftliche Produkte,
sprich: Erkenntnisse und neue technische Verfahren
zahlreich waren dafur die Beispiele. Die Entwick-
lung vom gepunkteten Strich bis zur „blotted line”
(Warhol) landet beim Plotter, einem Zeicherigerât
des Computers. Vom Pointilismus über Divisionis-
Gegenstande eine neue Codierung, eine ai
lente, mehrdimensionale Bedeutung. Der
bare Anti-Funktionalismus von Design-Be
wie Memphis, die Mehrdimensionalitat de
nutzt. mus bis zur Raster-Technik gibt es Punkt-Techniken, Architektur und Plastik, die architektoniscl !
Die neuen Kommunikationstechniken und -medien welche die Malerei als analoge Kunst in Frage Modelle, Môbelstücke und skulpturale Mc j
ftir Bild und Sprache waren Ende der 70er Jahre der stellen. Die synàsthetischen Gesamtkunstwerkvor- der Ebene der Codierung mischt, sind als 1
AnlaB gewesen, den B egrifF Kommunikationsdesign In zwei Phasen hat die Kunst des 20. Jahrhunderts stellungen zu Jahrhundertbeginn formulierten nicht nen auf die numerische S ensibilitât und In
einzufïihren, der die alte Bezeichnung Grafîk-Design die Befreiung des Bildes untemommen. In der nur weitere historische Voràussetzungen ftir die tat der elektronischen Welt zu verstehen
ablôste. ersten Jahrhunderthâlfte imFuturismus, Kubismus, Medienkunst, sondem sogar bereits das Programm
Abgesehen davon, daB die neuen Techniken als Kubofuturismus, Suprematismus, Dadaismus, Surre- der Musikvideos: „to make visible what is audible/1
Ausdrucksmittel - wie in der Kunst oder der alismus usw., die sich ikonografisch und funktionell Die eigentliche Entwicklung elektrischer und elek-
Werbung hierzulande bislang allerdings nur verein- mit den neuen Medien wie Fotografïe und Film aus- tronischer Kunstformen begann in der Mitte der
zelt überzeugend vorgefîihrt - Bildrealisationen mit einandergesetzt haben In der zweiten Phase mit sechziger Jahre. Èinerseits im Bereich populârer
bis dato nicht gekannten visuellen Reizen beinhal- Action Painting, Fluxus, Happening, Popart, Kinetis- Musik: Lightshows, Projektionen mit Filmen, Dias,
ten, gibt es vor allem auch in technischer Hinsicht, mus, OpArt, Ambiente, Arte Povera, Aktionismus, flüssigen Elementen. Andererseits in der Avant-
beispielsweise fur das Druck- und Verlagswesen Konzeptkunst, Performance usw. die mit ihrer garde: Videokunst, die auf die groBe Tradition des
revolutionâre Neuerungen. Schon gibt es Computer- Erweiterung des KunstbegrifFs auf neue Materialien abstrakten Films zurückgreifen konnte, Neonwerke, Die digitale Âsthetik greift also weit über d j
programme, die es erlauben, mehrspaltig zu editie- und Prozesse die Grundlagen fur die Einführung der Installationen usw. In der Medienkunst der Gegen- computererzeugten Bilder hinaus. Die von
ren, gleich proportional und im Blocksatz mit ver- Medienkunst gelegt haben. Der erweiterte Material- wart kommt es vor allem zu Mischformen, sowohl talen Âsthetik der elektronischen Medien, i
schiedenen Schrifttypen in 6 bis 50 Punkt-GrôBen zu b egrifF, ausgedehnt bis zur Dematerialisierung, ent- im Kunst- wie im Populârbereich: Lucas’ Super- solcherart in ihrer Morphologie die Evoluti
schreiben sowie Grafiken zu mischen. Damit ist es hâlt den Keim zu den Medien. Wenn seit Schwitters produktionen wie Laurie Andersons Musicvideos vorausgehenden Medien, wie Fotografïe, F
môglich, am Bildschirm eines P ersonalcomputers bis zu Beuys ailes zum künstlerischen Material verwenden Film, Videotechnik und digitale Techno­ Film usw., vorantreiben, geschaffenen Verâ
Geschriebenes zu setzen, zu gestalten, zu korrigieren werden kann, dann auch die technischen Medien. logie gleichermaBen Wir stehen knapp vor dem gen des Raum- und ZeitbegrifFs, von Ort ui
und das endgültige Layout festzulegen... Die technischen Medien kônnen als Expansion des Quantensprang, wo digitale Bildwerke unabhàngig G egenwart, von Imaginâr und Real, von Ki j
Der Aspekt des gezielten gestalterischen Umgangs MaterialbegrifFs und der Künste aufgefaBt werden. von anderen K-unstformen werden, wo digitale keit und Menschlichkeit (eines Tages wird i |
mit den neuen Bildtechniken hait allerdings nur Die Dematerialisierung des Kunstwerkes, die Kunst autonom wird. soweit fortgeschritten sein, daB der Mensch !
zôgemd Einzug in die Ausbildungsstâtten des Kom- Emphase der optischen, kognitiven, immateriellen Das Malen mit Zahlen, Kunst mit Hilfe von Ziffem letzte Rest an Natur in ihr sein wird) usw. h j
munikationsdesign-Nachwuchses. Aspekte des Werkes haben gleichzeitig mit dem und Programmen stellen einen Vorgriff auf die gesamtgesellschaftliche Folgewirkungen: de I
Zurückzuführen mag dieser Umstand auf die als zu Fortschreiten der Büdtechnologie der Idee des Techno-Welt der Zukunft dar, sind der Morse-Code Access/Zugang zur Welt wird persônlicher j
hoch empfundenen Anschafîungskosten, dem Fest- Bildes eine Leichtigkeit verliehen, eine Unhand- der Zukunft In den âsthetischen Erscheinungs- habe an der Welt wird nicht mehr passiv ui j
halten an tradierten Vorstellungsinhalten, sowie dem werklichkeit, eine Sensibilitât fur Instabilitât, welche formen kann man zukiinftige gesellschaftiiche sehen reprâsentativ sein, sondem interaktiv, die L j
Mangel an fahigen Ausbildungskrâften sein. der digitalen (zifFemmâBigen) Transformation eines Die neuartige pictoriale Reprâsentation, das mathe- der Welt wird eine andere, eine neues audit
Wie lange wird es noch dauem, bis sich heramge- Bildes (definiert als Zahlenfeld) den kulturellen matisch simulierte Bild der Realitât ist nicht nur eine elektronisches Alphabet im audiovisuellen.
sprochen hat, daB die Qualitât von bildzeichneri- Boden bereitete. Scheinwelt, eine Spiegelung des Imaginâren mit sich ment des elektronischen Heimes wird eine
schen bzw. datenverarbeitenden Grafiken von den Momente der Befreiung des Bildes von den Konven- selbst, sondem verweist auf die zukiinftige Struktur toriale Konversation schaffen, eine demokri
Apparaturen urid den Programmen aber auch von tionen der Reprâsentation, vom Zwang der Reprâ- einer geklonten W elt D ie geklonten Bilder der digi­ Renaissance kommt auf uns zu.
der Kenntnis des Umgangs mit diesen Programmen, sentanz, durch die genannten Kunstbewegungen talen Werke sind Bilder der geklonten elektroni- Die hier aufgezâhltén Eigenschaften der kü î
dem Vorstellungsvermôgen und den gestalterischen gehôren auch zu denMerkmalen des digitalen schen W elt sozialen Système sind bereits jetzt zum Teii !
Fâhigkeiten desjenigen, der die Maschine bedient, Bildes. schaften der digitalen Âsthetik und der Cor
abhàngig ist, Computergestaltung auch eine extreme Ich erwâhne nur die Farbfoimen der Abstrakten bis kultür. Dié mathemàtische Simulation von
Frage des Übens ist - analog dem fotografischen zum Informel, die maschinelle Ikonographie des der Realitât korrespondiert mit dem compu
Laien, der trotz phahtastischer Ausrüstung keine Dadaismus (von Hausmann zu Picabia), die synthe- kontrollierten bzw. -simulierten Environme
Superbilder schieBt - und somit in den Verantwor- tischen Bildfindungen und Objekttransformation des Flugsimulator bis zu den Weltmodellen des !
tungsbereich der KD-Ausbildung fallt? Surrealismus (von Dali zu Magritte), die Interaktion Rome). Das ,/esp,onsive Environment", wo j
Zeigt sich nicht auch in diesem Fall das Dilemma und Partizipation beim Happening usw. In den ter unsere B edûrfoisse verspûren imd darar i
ünserer Ausbüdungsinstitute? Wobei im Rahmen Visual-Music-Filmen oder -Videos tauchen die ab­ reagieren, ebenso die interaktïveh Compute
gesamtgesiellschaftlich existierender ôkonomischer strakten Farbimpressionen wieder auf, ebenso die Wenn in der Sprache der elektronischen Medien das Environments zieleh aufeine Verwirkiichux
und politischer Verhâltnisse die Schule bzw. Hoch- surrealistischen Collàgen, denn das digitale Bild ist Reale vom Imaginâren zerstiebt wird: wir befmden Individuation, wo nicht wie bei der bisherig
schulë eine jiachgeordnete Sozialisationsinstanz ist, u. a. eine um die Zeit und mehrere ràumliche uns an einem Platz zu verschiedenen Zeiten (sehen Demokratie durch die Allmacht des Staates
die eben (deshalb) nur sehr verspàtet reagieren kann Schichten erweiterte Collage, die als ein Gestalten in Wien heute und im Femsehen gestem), wir sind zu Aporie, daB nâmlich. sie. im Grande eine Di
und somit (stets) den geseUschaftlichen Entwicklun- der Zeit - âhnlich der Musik - von der Zweidimen- gleicher Zeit überail (in unserem Zimmer und im der Individuen wâre, unterdrückt wird, also
gen binterher hinkt und an den wirtschaftlichen sionalitât der Flâche zur vierten Dimension aufsteigt Femsehen in Rom), diese Ubiquitât und Simultani- ëmén arbeitën, den Staât/der dann wiedera
Erfordemissen vorbei „pr'oduziert“? Die Raster-Technik (Lichtenstein, Warhol, Dieter tât (des Abends sehen wir .Bilder vomvergangenen die Staatsappâratur eine Art Rückverteilung
Rot, Sigmar Polke usw.) gehôrt ebenso stillschwei- Tag aus aller Welt), so deswegen, weil in unserer nimmt, bei der aber der Staatsbürger von d>
Für die Nachdnickerlâubnis des nachfolgenden gendzu den Voràussetzungen des digitalen Bildes Zivilisation das Reale in der Tat immer mehr vom des Staates Und seiner Diener abhàngig ist,
Essays danken wir dem Autorund Franz Xaver wie dié Partizipation desPublikums (Happening) zur Imaginâren duichlochert wird. Die elektronischen zielen auf eine interaktive Individualitât, wc
(Konsüm & Kommunikatidn, Wien 1986). Videokunst (von Installationen bis zu Videogames). Medien betreiben eine neue Çodierung-des BewuBt- der Tat aile ffii einen stehen kônnen, die de
Viele der âsthetischen Momente vorausgegangener seins, deren Anzeichen wir. von der Môbelwelt bis sche Renaissance. ; ,
Kristina M. Votteler ' Kunstformen bilden also die Richtlinien fur die digi­ zur Musik feststellen kônnen Wenn eine Couch die Die Personalcomputer, das letzte Organ in c
Form der Skyline von Manhattan, ein Schreibtisch lution der elektronisch erweiterten Sinne, der Pro-. puteixevolution ist im Grunde ein Potentiàl von
1er künftigen W elt von Peter Weibel die Form e m ^ ^ e p p e , eine Treppe die Form von thesis, sind Metapher für deri^Nteigerten persôn- - ; môgliqhen Beziehungen zwischen Menschen und
Marylin M oniL^éine Wandbeleuchtung das Aus- lichen Zugang zur Welt, sinow odell fur das Indivir môglichen Beziehungen zwischen dem Menschen
taie Kunst, welche aber diese transzendiert Fast zu sehen eines Flughafens hat, dann erhalten diese düum als Terminal, der an das Weltganze ange- und seiner Umgebung (Natur, Geseîlschaft usw.).
Gegenstande eine neue Codierung, eine ambiva­ schlossen ist, so daB die Allwelt zur Personalwelt Der Computer kann als eine universelle Masçhine
zablreich wâren dafür die Beispiele. D ie Entwick-
lung vom gepunkteten Strich bis zur «blotted line” lente, mehrdimensionale Bedeutung. Der schein- wird, das Ail zur Joycesçhen NuBschale. betrachtet werden, die nur insoweit zum Leben
(Warhol) landet beim Plotter, einem Zeicherigerât bare Anti-Funktionalismus von Design-Bewegungen Die augenblickliche visuelle Verânderung durch das gebracht wird, als wir sie programmieren kônnen
des Computers. Vom Pointilismus über Divisionis- wie Memphis, die Mehrdimensionalitàt der neuen digitale Bild, was die Phânomenologie seiner Àsthe­ Ob Sprache und Schrift, ob Laut und Musik, ob
mus bis zur Raster-Technik gibt es Punkt-Techniken, Architektur undPlastik, die architektonische tik in bezug auf das klassische Bild betrifiit, lâBt sich Zeichen und Bild - die Anwendungsmôglichkeiten
ModeUe, Môbelstücke und skulpturale Module auf am besten durch den Übergang vom Bildschirm des des Computers sind noch bei weitem nicht ausge-
welche die Malerei als analoge Kunst in Frage TV-Apparates zum Schirm des Computers beschrei-
der Ebene der Codierung mischt, sind als Reaktio- schôpft Der Computer ist immer noch ein
stellen. Die synàsthetischen Gesamtkunstwerkvor-
nen auf die numerische Sensibilitât und Lmmateriali- ben. Ist die Bildflâche des TV-Apparates zu einer «virtuelles" Instrument
underts stellungen zu Jahrhundertbeginn formulierten nicht
tât der elektronischen Welt zu verstehen. vertrauten Bildquelle geworden, befremdet und ver- Durch die Mikrochips ist es gelungen, immer
der nur weitere historische Voraussetzungen für dië stôrt der computergespeiste Bildschirm. Denn der
ubismus, Medienkunst, sondem sogar bereits das Programm grôBere Netzwerke, Programmiermôglichkeiten auf
eine pflanzt den passiven Konsum konventioneller immer kleinerem Raum zusammenzupacken. Virtu­
us, Surre- der Musikvideos: ,,to make visible what is audible."
îktionell Die eigentliche Entwicklung elektrischer und elek- Bildcodes fort, wâhrend der,andere Interaktion mit elle Funktionsmôglichkeiten des Computers wurden
neuen Bildschirmcodes abverlangt. D ie Transformie- durch die Veiy Large Scale Intégration (VLSI), wenn
Film aus- tronischer Kunstformen begann in der Mitte der
;e mit sechziger Jahre. Einerseits im Bereich populârer rung des TV-Schirms zum Computer-Schirm durch MiUionen Transistoren in einem: Chip verpackt
t, Kinetis- Musik: Lightshows, Projektionen mit Filmen, Dias, die an den TV-Apparat angeschlossenen Video- werden, immer grôBer. Die VLSI-TeChnologie
nismus, flüssigen Elementen. Andererseits in der Avant- games-Displays, die aus einem traditionellen stâti- erhôht die Kapazitât der Computer enoma, auch fur
rer garde: Videokunst, die auf die groBe Tradition des schen Büdobjekt ein Computergerât machen, dèn individuellen Gebrauch.
iterialien abstrakten Films zurückgreifen konnte, Neonwerke, Die digitale Àsthetik greift also weit über die bedeutet auch eine andere Verwandlüng: der Bild­ Gerade die VLSI-Technologie ermôglicht aber auch
trrung der Installationen usw. In der Medienkunst der Gegen- computererzeugten Bilder hinaus. Die von der digi- schirm erhâlt plôtzlich eine neue Àsthetik der Infor­ aus gesamtwirtsçhaftHchen Rentabihtâtsgründen die
Material- wart kommt es vor allem zu Miscbformen, sowohl talen Àsthetik der elektronischen Medien, die mation und Kommunikation, eine Àsthetik des Massenproduktion von Personâlcomputem. Daraus
mg, ent- im Kunst- wie im Populârbereich: Lucas’ Super- solcherart in ihrer Morphologie die Evolution der Künstlichen. ergibt sich zwangslâufïg, daB MiUionen Heimcom-
chwitters produktionen wie Laurie Andersons Musicvideos vorausgehenden Medien, wie Fotografie, Fonografie, puter die Welt überschwemmen werden
■.rial verwenden Film, Videotechnik tmd digitale Techno- Film usw., vorantreiben, geschaffenen Verândemn- Diese beiden Voraussetzungen: 1. dië hohe Kâpazi-
[edien. logie gleicnermaBen. Wir. stehen knapp vor dem gen des Raum- und Zeitbegriffs, von Ort und tât der kotnmenden Génération von Compütem, die
sion des Quantensprung, wo digitale Bildwerkeunabhàngig Gegenwart, von Imaginâr und Real, von Künstüch- virtueU aUe Medien und Anwendungen dieser
verden. von anderen Kunstformen werden, wo digitale keit und Menschlichkeit (eines Tages wird die Kultur Medien in sich speichem, und 2. die hohe Distri­
•ie Kunst autonom wird. soweit fortgeschritten sein, daB der Mensch der bution werden eine neue Computerkultur erzèugen
sriellen Das Malen mit Zahlen, Kunst mit Hilfe von Ziffem letzte Rest an Natur in ihr sein wird) usw. haben Ein Merkmal dieser Computerkultur wird sein,' daB
dem und Programmen stellen einen VorgrifF auf die gesamtgesellschaftliche Folgewirkungen: der der Computer als gleichsam universales Instmment
des Techno-Welt der Zukunft dar, sind der Morse-Code Access/Zugang zur Welt wird persônlicher, die Teil- Wenn es die Besonderheit und der Vorteil der digi- eine neue Renaissance hervorbringen wird, Denn in
îand- der Zukunft. In den àsthetischen Erscheinungs- habe an der Welt wird nicht mehr passiv und bloB talen Kunst ist, daB sie idéal geeignet sei, die ana- der Renaissance haben sich Wïssenschaft und Tech-
t, welche formen kann man zukünftige gesellschaftliche sehen. reprâsentativ sein, sondem interaktiv, die Lesbarkeit logeri Vorgânge der Natur digital darzustellen, wenn nik, Théorie und Praxis, Wïssenschaft und Kunst in
on eines Die neuartige pictoriale Représentation, das mathe- der Welt wird eine andere, eine neues audiovisuelles also eine Bildtechnik seinem Gegenstand anschei- Persônlichkeiten vereinigt, dié Eifinder, Màlër Oder
;llen matisch simulierte Bild der Realitât ist nicht nur eine elektronisch.es Alphabet im audiovisuellen Environ­ nend so adâquat ist, wie es die Digital Scene Simu­ Àrchitekt, Dichter und Bildhauerin einem waren.
Scheinwelt, eine Spiegelung des Imaginâren mit sich ment des elektronischen Heimes wird eine neue pic­ lation (die realistische Simulation dreidimensionaler Wie schon gesagt, der Computer kann sowohl für die
i Konven- selbst, sondem verweist auf die zukünftige Struktur toriale Konversation schaffen, eine demokratische Objekte und Ereignisse in der Zeit) nahelegt, so ist Erzeugung von Formeln wie vori Zeichnungen, Tex-
Reprà- einer geklonten W elt Die geklonten Bilder der digi- Renaissance kommt auf uns zu. die Vermutung bzw. Hypothèse nicht ohne Gründe, ten und Berechnungen herangezogen werden Er ist
tngen talen Werke sind Bilder der geklonten elektroni- Die hier aufgezâhlten Eigenschaften der künftigen daB letztlich ailes Ànaloge digitalisièfbar ist, also’die eine Art Renaissancë-Konzept: et kann virtueU aües.
len schen W elt sozialen Système sind bereits jetzt zum Teil Eigen­ Welt selbst digital organisiert ist, und die digitale Mit dem umyerseUen Anwendungsbereich des '•
schaften der digitalen.Àsthetik und der Computer- Kunst ihr immer vollendeter Ausdruck wird. Computers wird aùch sein Bèüutzër universaler. Er
ikten bis kultur. D ie mathematische Simulation von Bildem In den letzten Jahrzehnten ist unsere Geseîlschaft in wird mitHilfé des Computers seine Fahigkoitcn aus-
e des der Realitàt korrespondiert mit dem computer- hohem AusmaB von der sogenannten Kommunika- dehnen, er wird renaissancehafter.
; synthe- kontrollierten bzw. -simulierten Environment (vom tionsrevolution bestimmt worden, die auf der
.ation des Flugsimulator bis zu den Weltmodellen des Club o f Gmndlage der elektronischen Medien nicht nur im
:eraktion Rome). Das „responsive Environment", wo Compu­ Bereich der Industrie, der Verwaltung, der Technik,
den ter unsere B edürfnisse verspüren und darauf der Information, derMedizin, des Verkehrs, des
die ab- reagieren, ebenso die interaktiven Computer- Tourismus usw. eine unabdingbare Voraussetzung
îso die Wenn in der Sprache dër elektronischen Medien das Environments zielen auf eine Verwirklichung der für die Geseîlschaft geworden ist, sondem auch im
Bild ist Reale vom Imaginâren zerstiebtwird: wir befmden Individuation, wo nicht wie bei der bisherigen B ereich der visuellen Kommunikation und der
ie uns an einem Platz zu verschiedenen Zeiten-(sehen Demokratie dürch die Allmacht des Staates ihre Kultur. ; :
stalten in Wien heute und im Fernsehen gestém), wir sind zu Aporie, daB nâmlich sie im Grunde eine Diktatur Der Computer hat hierbei eine zentrale Rolle Da die Computertechnologie àtich den meisten
idimen- gleicher Zeit überall (in unserem Zimmer und.im der Individuen wâre, unterdrückt wird, also aile für gespielt. Die Kommunikàtionsrevolution ist also im Menschen âigângUch sein wird, siehe Personalcom­
aufsteigt. Fernsehen in Rom), diese Ubiquitât und Simultani- einen arbeiten, den Staat, der daim wiederum durch Grunde eine Computefrévolution, welche in Form puter, wird der Unterschièd zwischen Amateur und
Dieter tât (des Abends sehen wir Bilder vom vergangenen die Staatsapparatur eine Art Rückverteilung vor- der Personalcomputer das Alltâgsleben und die ' Professional falfen, der bisher lautétë: der Prbfessio-
;chwei- Tag aus aller Welt), so deswegen, weilin.unserer nimmt, bei der aber der Staatsbürger von der Macht Zukunft der audiovisuellen Medien bestimmen neÜe hat Zugâng zu den teUren Gerâten, der: ;
Bildes Zivilisation das Reale in der Tat muner-mehr vom des Staates und seiner Diener abhângig ist, sondem wird. Insofem ist es eine Verpflichtung für die Amateur hat nur seibstgebasteltes Zeug. Beim Per­
:ning) zur Imaginâren durchlôchert wird. D ie elektronischen zielen auf eine interaktive Indïvidualitât, wo auch in Kunst, an dieser Zukunft teilzuhaben ünd diese sonalcomputer bestimmt nur das Talent, wer mehr
igames). Medien betreiben eine neue Codierung des BewuBt- der Tat aile für einen stehen kônnen, die demokrati­ Zukunft mitzubilden Der humane Gebrauch des aus ihm herausholen kann, und nicht die Exquisit-
rngener seins, deren Anzeichen wir von der Môbelwelt bis sche Renaissance. Computers wird dabei die einzige Richtlinie sein. heit- des Materials.;Die Computerkultur schafft also
die digi- zur Musik feststellen kônnen. Wenn eine Couch die Die Personalcomputer, das letzte Organ in der Evo­ D enn das enorme technische Potentiàl der Com- tendentieU den Untèrschied zwischen Amateur ünd
Profi ab, deswegen ist sie eiiie demokratische Die numerische Elektronik, die Digitalitat, aus der erzeugt, bedeutet AVA die Loslôsung und Ôf&iung :
Renaissance. • gemeinsam/'~" ,digitale Bild und der digitale Klang der Sprache vom Logos, v<-" "Buchstaben des
In diéser Computerkultur kommt auch der Kunst entstehen, s.__ rTen die eindimensionale und lineare Gesetzes.
eine spezieüe Rolle zu, namlich alternative Modelle Erzâhlung und Lebensweise ab. Klarerweise, da Nicht nur die Büder und Worte erhalten ihr Recht
môglicher Welten zu erzeugen. Durch Simulationen, Ubiquitat und Simultanitàt zu den Eigenschaften auch Selbstàndigkeit, so daB neue Bilder, Worte,
dem Wesen des Computers, wird die Kunst neue der digitalen Àsthetik gehôren, ist die elektronische Welten erschaffen werden kônnen, sondem der
Welten schaffen und den Betrachter ândem. Narration auch diachron. So wie dem Diskurs der Rezipient erhàlt das Recht auf selbstândige indi­
Wir leben sozusagen in einer Aéra,der Transition Ratio eigentlich die Irrationalitàt entsprungen ist, viduelle Interprétation; D ie Mittel zum Ausdmck
vom mechanisch-chemischen 19- Jahrhundert ins namlich die irrationalen Zahlen, so werden der Elek­ humaner Momente werden erweitert- Doch das
elektronisch-digitale 21. Jahrhundert. Die élektro- tronik, dem Herz des 21. Jahrhunderts, die als leb- Mehr von Bits an Informationen stellt auch den
nische Àsthetik kann dabei ein explorativer Leit- loser Zwang und gefühllose Robotik verschrien ist, Rezipienten vor mehr Altemativen und Entschei-
faden, ein Spàher und Guide sein. die Fantasie und Freiheit erweitem und individua- dungen. Die Mehrdimensionalitat der neuen elek­
Die zunehmende Visualisation von Informationen, lisieren, d. h. einem grôBeren Bereich von Menschen tronischen Sprache AVA verlangt vom Rezipienten
wie sie fast in allen Lebensbereichen heute schon zu ihrer Einzigartigkeit ermôglichen. Ein kleines Bei- eine neue, direkte, selbsterarbeitete, unmittelbare
beobachtenist, von derZeitung, über TV-Sprach- spiel aus der digitalen Àsthetik: MuBte beim Film Rezeptionstiefe, die erst erlemt werden muB. Da­
kurse bis zu den Bildsçhirmtexten und Multivisio- der Zuschauer bisher auf die Programmierung durch durch aber erhàlt das Individuum ersf seinen Raum.
nen der Marketing-Leute, beruht darauf, daJB einfach den Verleih und den Kinobesitzer warten, war er Der grôBere Interpretationsraum in der Sprache
eine Informationsverarbeitung über mehrere Sinnes- also bei seiner Wunscheifüllung von ihnen abhângig, AVA macht sie zu einem Medium grôBerer Indivi­
kanâle effektiver, leichter und lustvoller ist. Man so wie er es heute vom Staatsmonopol der ôffent- dualitat und damit zum Vorzeichen der grôBeren
packt mehr Bits an Information, wenn dies zugleich lich-rechtlichen Anstalt TV ist, so ermôglicht ihm Individualitatsmôglichkeiten in der elektronischen
grafisch, textlich und akustisch geschieht, also über Video im Prinzip, jeden Füm zu jeder Zeit und Wélt
das Auge und das Ohr. D ie pictoriale Représentation jedem Ort, wann und wo immer er es wünscht, zu AVA bedingt ein erweitertes Verstehen, ein Denken ■
von Daten auf digitaler Basis, sei es eine Tanznota- sehen. in Netzen und mehrpoligen Zusammenhângen, in
tion oder die Visualisation eines Stadions, zeitigt die In gesamtkunstwerklichen Tendenzen wurde schon Kausalschleifen und nomadischen Zeichen. AVA
pictoriale Konversation,- d.h. eine Konversation, die immer versucht, die drei Medien Musik, Malerei, trainiert den Denk- und Empfindungsapparat auf
nicht mehr allein auf dem Gespràch basiert, sondem Sprache, synâsthetisch zu verbinden. Doch heute ist multifunktionale Korrelationen, wie sie für das
von Büdem begleitet wird. ■ durch die technischen Medien môglich, diese syn- Erleben und Überleben im 21. Jahrhundert notwen-
Diese pictoriale Konversation, die sich anfanglich âsthetische Basis zu überwinden und die drei Ele- dig und entscheidend.sind.
hauptsâchlich über die Tele-Bildschirme abspielen mente zu einer neuen Einheit zu verschmelzen:
wird, über den Informationsaustausch betreffend all- AVA, im Gefolge von Peirces triadischer Semiotik.
tagliche Dinge, wie Einkauf, Wetter, Konto, bereitet Im audiovisuellen Alphabet (AVA) ergànzen ein-
die Entstehung-eines neuen Alphabets vor, das all- ander die diachronen Elemente der Sprache, des
màhlich das alte, rein textliche ersetzen wird. Die Bildes und der MusiL
gesamte, seit 150 Jahren vorhandene Apparatur der Jedes dieser Elemente ist in seiner âsthetischen und
Reproduktion und Verdoppelung, vom Magneto- inhaltlichen Funktion von den anderen abhângig,
phon über die Schallplatte bis zur Kinematographie, weil die Sprache und das Bild und die Musik jede(s)
ail diese audiovisuellen Instrumente haben eigent- fur Sich allein nicht ailes sagen kann. Die elektronische Narration, die àüs Elementen von
lich bereits dieses audiovisuelle Alphabet vorbereitet Jedes dieser Elemente braucht die zwei anderen, AVA aufgebaut wird, schafft Mythogramme in einer
und die Sinne daran gewôhnt, aïs nàchsten Schritt weü sie nur zu dritt einen Sinn konstituieren, eine industriellen Àsthetik, welche Felszeichnung und
der Evolution der Organismen sich auch der Prothè- andere Art von Sinn. Denn dieser Sinn ist nun nicht Bildschirm versôhnt' Die semiotische Sprachlichkeit
sen der Sinnesorgane gleichzeitig zu bedienen, d.h. mehr linear und eindimensional, sondem mehr­ der elektronischen Narration, die ja auf Grund der
über mehrere Sinineskanale gleichzeitig informiert zu dimensional. In der optimalen Vereinigung erhàlt ungeheuren Môglichkeiten der digitalen Manipula­
werden.’D ie Digitalitat, wo jedes Elément von diè Information jedes der drei Medien einen neuen tion von Bild, Ton und Wort den Zeichencharakter
Anfang an ver'einigt ist, ërsetzt also die Synchronitat. Sinn und schafît einen neuen Sinn. der Dinge in viel grôBerem MaBe fordert als die
Dieses neue mehrkanalige audiovisuelle Alphabet traditionellen Medien, érhôht den nomadischen und
ist also mehrdimensional.'- ' energetischen Charakter der Dinge (als Z eichen)
Diese Mehrdimensionalitat des audiovisuellen und damit des Lebensgefühls, typisch für das elek­
Alphabets AVA bedeutet einen grôBeren Inteipreta- tronische Palaolithikum. Wir sind die Hôhlen-
tionsraum des Rezipienten und somit eine grôBere menschen des elektronischen Zeitalters.
Individualité. Dadurch wird die Lesart der Welt Welches Wesen hâtte vor Jahrtausenden gedacht,
individueller und der Zugang zur Welt persônlicher.. geahnt, gefühlt, und wenn es gëdacht hàtte, wàre
Das mit Radio, Plàttenspieler Und TV bestückte ihm die Aufgabe unendlich unlôsbar erschienen,
elektronische Heim ist ein audiovisuelles Heim. In Die Informatiônsgesellschaft der Zukunft, wo in daB es môglich sein wird, mit nur 26 Buchstaben
diesem Heim wird die ÀVÀ-Sprache automatisch jedem Haushalt Computerterminals, Personalcom- und zugeordneten Lauten eine riesige Kultur an
zur gewohnten Umgebung, denn AVA ist die puter neben Video- und Audio-Anlagen vorhanden Ideen, Gedanken, Gefühlen, Werkzeugen zu schaf-
Sprache der elektromschen Medien. sein werden, wird sich mittels des neuen audiovisu­ fen? Doch das gesamte Aüsdruckspotential der
ellen Alphabetes infoifaieren, das mehrdimensional Menschheit ist nicht umfangsgleich mit dem Alpha­
und mehrstrukturiert ist. bet und dem Graphismus, so sehr auch eine reaktio-
Da es in der neuen Sprache AVA keine lineare Ver- nàre Bmt auf allen Ebenen der Gesellschaft dies
engung der Bilder und Wort gibt, sondem auf brutal behauptet und die WeiterentwicHung der
Grund der Mehrdimensionalitat der Diskurs der Ausdmckskraft und -mittel des Menschen mit allen
Ratio selbst Irrationalitâten und Triebmomente Machtmitteln der Institutionen bèkàmpft.

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