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Die Anthologia Graeca, ein Kind der Spätantike, "das Goldene

Buch", die größte und einzigartige Sammlung althellenischer Lyrik


und eines ununterbrochenen epigrammatischen Gedankengutes aus
12 Jahrhunderten, erschien jetzt, nach neuen Handschriften und Pa-
pyri und neuesten Forschungsergebnissen revidiert, in 2. Auflage.
Griechisch-deutsch ed. H. Beckby Band I enthält die Bücher 1-6

, SC L M
Nicht auf beschriebenen Säulen und Bildern steht des Homeros
oder des Platon Ruhm, sondern auf Weisheit allein.
Glücklich, wessen Gedächtnis auf Büchern voll sinniger Weisheit,
nicht auf dem prunkenden Schein leerer Gebilde beruht.
Agathias (IV 3e 7-10)
TUODIDm.Büoberel
Z.. eilpraobile antike Tuobenaulaben
ANTHOLOGIA GRAECA

Buoh I-VI

2. verbeuerte Auflage
Griechiach·Deutlch ed. Hermann Beckby

ERNST HEIMERAN VERLAG IN MüNCHEN


Auf dem TI"'!: Taube' Dldraobme "OD 8IkYOD. um '00 v. Ohr.
Aufnabm .. vnn Ora' T.an.,lroron.lrl

I. Auflage 196'7 ·161 • OedraoU auf DODDdraok Perala QuaIlU'


"OD Sohoeller " Hoe.oh. Olm.baoh • OOl&mtheutolluugl
Dr. F. P. DaUerar" Cle. - luhaber Sellier - Freialug
OBERSICHT OBER DEN BAND

Seite
Zum Geleit. . . . . . . . . . . . . . 6
EinfOhrong in die Griechi8che Anthologie. 10
Siglorom explicatio 117
Buch I. . 119
Buch 11 . 183
Buch III. 213
Buch IV. 233
Buch V . 255
Buch VI. 439
Erlli.uterungen zu Buch I 655
Erlli.uterungen zu Buch II 660
Erläuterungen zu Buch 111 . 662
Erläuterungen zu Buch IV . 663
ErllLuterungen zu Buch V . 664
ErJlLuterungen zu Buch VI . 686
Addenda • • • . . . . . 701
6

ZUM GELEIT

Wenn ich hier eine Gesamtausgabe der Anthologi& GrMes. vorlege,


so geschieht du mit dem Gefühl eines gewissen Unbeh&gens. Die
Anthologieforschung ist in den letzten 150 Jahren so stark in die
Breite gegangen und oft in den verstecktesten Winkeln der wissen-
schaftlichen Literatur verborgen, daß sie kaum mehr zu überblicken
und manchmal wirklich unauffindbar ist.
Eine Geschichte der antiken Epigrammatik fehlt zur Zeit so gut
wie ganz. Sie wurde hier versucht, doch war mir von vornherein klar,
daß bei dem augenblicklichen, noch fr&gmentarischen und manchmal
fragwürdigen Stand unserer Erkenntnisse eine solche Darstellung nur
ein erster, tastender Schritt sein konnte. Immerhin schien mir eine
Zusammenf&88ung der bisherigen, von verschiedenen Gelehrten er-
arbeiteten Resultate von Wert zu sein; Susemihl, Wilamowitz, Ra-
dinger, Geffcken, Preisendanz, Wifstrand u.a. haben, auch ohne daß
dies im einzelnen belegt wurde, hier die Bausteine geliefert; nur wo
Lücken in der derzeitigen Forschung auftraten, glaubte ich, mit eige-
nen Beobachtungen die fehlenden Brücken schl&gen zu dürfen.
Eine Einführung in die weitverzweigten Probleme der Anthologie
hat Waltz vor einiger Zeit gebracht; aber es ist die Eigenart gerade
dieser Probleme, daß sich hinter jeder gelösten Frage oft genug gleich
mehrere neue auftun, die das erstrebte Ziel wieder in die Feme ab-
rücken. So wartet auch hier noch manche Schwierigkeit auf die be-
seitigende Hand.
Die Lesarten der Haupthandschrift, des Palatinus 23, sind seit der
Veröffentlichung des Lichtdrucks bekannt. über die der 2. Hand-
schrift, des Marcianus 481, orientiert für die 1. Hälfte der Anthologie
(bis IX 563) zuverlässig die Arbeit Stadtmüllers; unbekannt dagegen
sind noch die der 2. Hälfte. Stadtmüller hatte sie zwar ausgeschrie-
ben, wurde aber durch den Tod an ihrer Veröffentlichung gehindert.
Preisendanz hat sie in Venedig erneut überprüft und diese Aufzeich-
nungen mir gütigst überlassen, so daß ich sie einarbeiten konnte und
hier vorlege.
Zum Geleit 7

Bei der elgentliohen Textgestaltung war ioh bemüht, unter grund.


dtzlich kOllll8rvativer Haltung auoh die Ergebnisse der neueren For·
schung zu berücksichtigen.
Der kritisohe Apparat besohrAnkt sioh auf das Weeentliohe. Zur
Vermeidung wertlosen Ballastes wurden Niohtigkeiten und Unerheb·
lichkeiten, die für die Erhellung des Textes nichts abgeben, übergan.
gen; ebenso konnte auf eine Notierung früherer Konjekturen grund.
sätzlioh verziohtet werden. Dagegen wurden die Lesarten des Pala.
tinus und de! Maroianus Bimtlioh gebracht, die Varianten der
IOlI.Itigen Überlieferung nur 80 weit, wie sie weni.ptena von einem
gewiaaen Wert erachienen.
Damit iet auch schon gesagt. daß die vorliegende Ausgabe keines·
wegs den AnBpruoh einer umfassenden, in die Breite und Tiefe gehen.
den Edition erhebt; sie will aber, zwar gekllrztes, doch 10 genügende!
kritisohes Material bieten, daß es dem Fachmann zur Orientierung
ausreicht. Wieweit hier das subjektive Wollen den objektiven Er·
fordernissen entspricht, mÜ88en Kenner entscheiden.
Den deutschen Oberaetzungen wurden Überaohriften beigegeben.
Sie wollen kein geistreiohelndes Spiel sein, 80ndern haben zwei sehr
reale Zwecke: Sie soUen eratena in der Fülle der Gediohte die Wieder·
auffindung eines gesuohten Epigramms erleichtern und gleiohzeitig
die für die Anthologieforaohung sehr wiohtige Verwandtsohaft bzw.
Übereinstimmung der Gediohtmotive aufzeigen. Aus dem letzteren
Grund wurde bei entfernt voneinander stehenden Epigrammen die·
selbe Überschrift gewlhlt und bei benachbarten Gedichten das zweite
und gegebenenfa.lla die folgenden mit der Überaohrift .. Ein gleiches"
versehen.
Dank gebührt vor allem dem Mentor der derzeitigen Anthologie.
foraohung, Herrn Profesaor Dr. Preiaendanz, der mir in praktischer
Hilfabereitschaft wie in wiaaenachaftlioher Beratung immer unermüd·
lich und selbstlos zur Seite gestanden hat. Dank auch Freund
Richard Meyenachein, der seinen Beistand als Wissenschaftler und
Überaetzer niemals versagt hat. Und Dank nioht zuletzt dem Heime·
ranverlag, der das WagDia der Ausgabe eines 80 umfangreichen und
kostspieligen Werkes auf sioh genommen hat.
Die Überaetzungen stammen, BOweit im Vorwort zu den einzelnen
Büohern niohts anderes vermerkt ist, vom Herausgeber.
ZUR I. AUFLAGE

Der unerwartet sohnelle Verkauf der 1. Auflage, den man wohl als
erfreuliohes Zeiohen rur das wachsende Interesse an diesem Werk an-
Beben darf, maohte eine Neuauflage notwendig. Da zudem seit der
1. Auflage eine auffallend große Zahl von Aufsätzen kritischen und
exegetischen Inhalte IOwie lOlchen mit bedeutenden entstehungs-
geschiohtlichen Untersuchungen zu verzeichnen war und zwei weitere,
bislang kaum bzw. gar nicht beachtete Handschriften - der Laur. 32, 16
und der Codex Brit. Mus. Add. 16409 - kollationiert wurden (I. 8. 84
und 86f.), hatte lich neues wertvolles Material angesammelt. Vermehrt
wurde dieses noch insofern, als eine abermalige Durchsicht der editio
princepe nicht selten bisherige Fehlangaben fest8tellen konnte. Um 80
dankbarer war es daher zu begrüßen, daß sich der Verlag im Interesse
der Anthologieforaohung entechloß, eine 2., stark revidierte Auflage
herauszubringen, ein Glück, das der Anthologie bisher noch nicht
beschieden war.
Der für die 1. Auflage vorgesehene Charakter der Ausgabe als einer
für Liebhaber des griechischen Altertums blieb auch in der 2. Auflage
voll erhalten, wurde sogar hier und da noch ein wenig verstärkt. In der
Haupt8ache jedoch BUChen die in fast allen Teilen (Einführung, kri-
tischem Apparat, Erläuterungen) jetzt hinzugemgten Erweiterungen
den philologischen Wünschen mehr Reohnung zu tragen als bisher.
Aus drucktechnischen Gründen mußten diese Zusätze manchmal als
Addenda am Schluß eines jeden Bandes beigegeben werden, worauf
durch ein Sternchen (*) hingewiesen wird. An verschiedenen Stellen
hatten die Rezensionen, für die ich zu danken habe und unter denen
ich die von den Profeaaoren Dr. Luck und Keydell als besonders
fördernd hervorhebe, Änderungen verlangt, die ich, soweit sie mir
überzeugend erschienen, vorgenommen habe. Daß in vielen Epigram-
men für uns Heutige manches fraglich ist und daß die Interpretationen
solcher Stellen infolgedessen stark auaeinandergehen und oft subjektiv
bleiben, weiß jeder Kenner; doch kommen abweichende Deutungen,
wo es nötig ersohien, wenigstens in den Erläuterungen zu Wort.
H. Beckby
11

Oberbllok über die KlnfUhrung


Selta
o.ohIahte der Epigrammatik 11
ArcbaiecbeI Episrunm • . 1I
8lmODideiech. Eplaramm • 13
Att.leohea Epigramm '" 111
K1uaiziati8obol Epigramm . 18
Doriach·Pelo~ Sobale • 11
I..midu YOIl Taren~ . • . .
Joni8ob.AIexaadriDl.ahe Sobul•• •n
Aak1epiadea • • • 33
Der DoriamUl • • • 38
Zweitea Jahrhundert 37
Pboinildacbe Sobu1e • 37
Kreia um Qoero • • '1
Kreia um aea- . . '1
Zeßpdioht . . . . . d
AUgUlteieobe Reetauratio
"
8pottepigramm. • • • •
x-idu YOIl A1euadria
NiJIodemGe YOIl Heraldea
"
f8
f8
Orientaliemua . • • • • 111
8t.raton • • • • • • • l1li
Drlttea Jahrhundert n.O. l1li
DIe jangen CbrIneII • 118
PaIladu . . . . . . • • 118
Byun&iner • • • • • • • 8J
Geaobiahte der Ant.hologia 0 _ • es
Die i1teren Sammlungen. • • • 88
Die Anthologie d. Kepha1... . 711
Ea~ung der An\ho1ogla Pelat.lna • T1
Ea~ung der An\hoJosia PlaDudea T1
DIe kleinenm Sammlangen. • • • • SI
SolUltige 'Oberlleferonpn. . • • . • 811
Auageben der Anthologie Plenudea . 811
Der Codex Pelaünua 23 . • • . . • 110
Die Apograpba • • • • • • • • • • 88
AUipben der An&lao1ogla Pela&iDa • l1li
Die Dichter der einzelnen Sammlungen 101
Die moderne lI'onohung • • • • • • • • 1011
Moderne &mm1ungen. • . • . • • • 1011
m-IIaftIIahe Arbeiten. • • . • • 108
Venelohnil der ~oben Literatur 110
O~ungen • • • • • • . • • • • . • • 11'
10

EINlI'OHRUNG
IN DIE GRIECHISCHE ANTHOLOGIE

Das vorliegende Werk ist die Wiedergabe einer griechisohen Hand.


lCbrift. die in Fachkreillen sich einer großen, ja überragenden Be·
rühmtheit erfreut, in Laienkreisen dagegen durchweg unbekannt ist.
Es ist eine Handschrift, die mit der Fülle ihrer Gediohte für den
Grizisten etwa dieaelbe Rolle spielt wio für den Germanisten die
Manessische Handaohrift. Deun wie ohne diOlle UDS ein Großteil der
mittelalterlichen Literatur, Kultur und Gefühlawelt verachlO8l1011 wAre,
80 würde Uni ohne die griechische Handsohrift der Bliok in die An·
tike mit all ihren Werten und Erscheinungen versperrt oder dooh
stark behindert aein.. Ja mehr nooh. WAhrend es sich bei der Ma-
neasischen Handschrift um einen relativ schmalen Auaachnitt aus
vielleicht 150-200 Jahren handelt, umfaßt die griechische einen
Zeitraum von Archilooh08 bis Kaiser Justinian, also von 650 v. C. bis
6liO n. C., das sind 1200 Jahre, ja in Aualiufern reicht sie fast bis zum
Jahre 1000, das sind 1600-1700 Jahre. Es sind Gediohte, die s. T.
noch aus der archaischen Zeit stammen und die, wAhrend Griechen.
land wuchs und zerfiel, während die Demokratie kam und verging,
wAhrend der Römer die Welt eroberte und wieder verlor, wihrend
Eia'iihraa, II

der griechische llieaseitamenach innerlich zerbrach und zum Jenaeita·


menechen wurde, während ringe um die griechischen Grenzen Hun·
nen·, Goten· und Mohammedanerreiche aufblühten und verwelkten,
immer wieder herauf. und heranwuch8en und aus jeder Zeit die Pa-
tina der jeweiligen seelischen Grundhaltung getreu bewahrten.
Wenn heute der literarisch Interessierte ein Epigramm des Simo·
nidea Iieat und in dem dichterischen Gedanken die Prlgnanz des Aus·
drucke bewundert oder wenn er ein feinziaeliertes, in aß leinen Teilen
meisterlich abgewogenes Gedicht des KaUimach08 studiert oder wenn
er die ursprünglich dem Anakreon zugeschriebenen tändelnden Ana·
kreont.een vor Ilch hat, dann fragt er gewöhnlich nicht, woher und
wie wir von ihnen Kenntnis haben. Vielfach ist er sich bewußt, daß
manche dieser Stöcke den Zufallszitaten bei anderen SchriftateUern
verdankt werden. Das triftt allerdinge nur recht selten, vieUeicht einige
Dutzend Male zu; den weitaus größten Teil verdanken wir der
kostbaren Handachrift, der Griechischen Anthologie, diesem "GoI.
denen Buch", wie man lie einmal genannt hat.
Die Griechen waren leidenechaftliche Sammler. Größtem wie Klein·
stem galt ihr Intereaae. Da werden Auaaprüche der Sieben Weisen,
Witzworte berühmter Minner und ebenso berühmter Hetären ange·
boten, da findet man Sammlungen von Staataverf&lJllungen, Merk·
würdigkeiten bestimmter LAnder, Kommentgeaetzo, Briefe, Sonten·
zen, Anekdoten, G10180n usw. in bunter Reihe. Kein Wunder, daß
man auch Gedichte gesammelt hat, Gedichte aller möglichen Formen.
Leider Bind diese KoUektaneen faat aUe zugrunde gegangen; die reich.
Iich erhaltenen Titel mÜ.llSOn une über den VerlOBt trösten. Ein Werk
aber hat alle Zeiten überdauert: die Epigrammel1ll&mmlung.
Sie ist nicht daa Werk einea Mannes oder einer Zeit, sondern daa
Ergebnis einer durch ein Jahrtausend oder mehr gehenden Bammel·
tAtigkeit. Ein Oberblick darüber bietet nicht nur ein Summarium
griechischer Literaturgeaohichte, sondern auch ein Stück Folklore,
Kulturgeschichte, Religionageschichte und nicht zuletzt einen tiefen
Einblick in daa furchtbare Spiel politischer Geachichte von den Jahr·
hunderten vor unaerer Zeitrechnung bis in unsre Tage.
Bevor wir jedoch von dem Werden unaerer Anthologie sprechen,
lOi ein Überblick über die Entwicklung des EpigrammllOlbat gegeben,
soweit du jetzt achon möglich ist.
12

G .. ohioh~e der Epl,rammaUk

Unter einem Epigramm vel'lltehen wir heute ein kurzeII Gedioht, in


dem zuel'llt eine Spannung erweokt und am Ende eine überrasohende,
meist beißend-witzige Lösung gegeben wird. Anders im Altertum.
Seiner Wortbedeutung nach war es zunichst eine Aufsohrift, gleich-
gültig wo, in weloher Form und welohen Inhalte; entaoheidend war nur,
entaprechend dem zur Verfügung stehenden Raum, die Kürze der Dar·
stellung. Daher enthielt eine Grabautiohrift unpr11nglioh nur den
Namen des Toten BOwie den seiner Heimat, eine Weihgabe den Namen
des Spenders und des Gottes, dem man die Spende darbrachte, bzw.
den des Künstlen, der das Bild oder die Statue verfertigt hatte.
Sohon sehr früh, mindestens im 8. Jahrhundert, brachte, wie die
Insohriften zeigen l , eine in Jonien aufkommende Bewegung hierin
eine Änderung: Anstelle der Prosa trat der Ven, wobei der jambisohe
Trimeter und der Hexameter überwogen. Sehr rasch jedoch strömte
hier das Distiohon ein. Die QueUe kann nur die Elegie ge_n l8in,
und bemerkbar wird es sich zunlLohst im Grabgedicht gemacht haben,
da die Elegie ursprünglich zur Totenklage benutzt wurdeI. Dieaea
Arohaische Epigramm 3 ist sehr kurz und knapp. Oft beschränkt
es sich auf einen einzigen Ven, der das zu Berichtende durch
eine Claur in der Mitte nicht nur der Form. sondern auoh dem Ge-
danken nach aufgliedert; auoh da, wo mehrere Vene auftreten, faUen
Gedanken- und Verssohluß gewöhnlioh zusammen: nooh wird diese

1 Beiapiele bei FriedliDder (8.8.108). Du iltee~, QDl 740 engtandene griechiach..


Sohrifwonkmal iaL du Epigramm auf dem jünpt gefundenea 8og. Noatorbeoher voa

i_"
Iaohia (BuOOaer und Ruuo In Rendicont.i Acoad. Lincel 10, 1966, 2111): hÖS S' &(11)
TÖ& '11'[11/(71: 'IIOTIfII[o): CIÜTIJca .. bflllPlos: hQl)ptcm: ..w.Alcrn[fÖlllO:
'Acpp06h~ (wer aus diesem Beoher Uiakt, den wird sofort dio Sehnsucht erf_a
der aohöabekräalltea AphrodiLo). Nur 20-30 Jahrojüagor iaL ein auf einera&tiaohea
Dipyloa_ mhendes Epigramm (10 I" 919): hÖS \1Ü\16pxicn-~ 'll'ävrÖII 6:TaA~
mzIl;n, " Tm 606v 11111 (wer von allen Täazern jet.&t am feiaaLoa spielt, du aol1
dies empfaagen).
1 Hora.: ara poeL. 7/lff., Friedländer Epigr. 1I148,65ff.
• Vgl. eLwa V16,138, 341, VII 177. Die EohLhei~ der Epigramme voa Arohilo-
0008, Sappho und Aaakreon wird beaLri~. - VII 304 ia~ wohl eiae Parodie auf
dieae Knappheit.
Kunst vom Linearen beherrseht. Die Worte selbst sind schlicht nach
ihrer Zusammengehörigkeit einander zugeordnetl. Von dem späteren
Spannungagehalt, der in dem AuaeinanderreiBen Z1IlI&mmengehöriger
Wörter, etwa des Substantiva und seines Attributs, liegt, weiß dieses
Epigramm noch nichts. Es enthillt auch kaum einen Schmuck in
seinen Worten, es lLußert ebenBOwenig einen Schmerz oder eine Trauer
über den Verlust eines Menschen, sondern beschrAnkt sich auf die
notwendigen sachlichen Angaben und UmstAnde, die es der Welt und
Nachwelt mitteilen will. Das Monument, auf dem es stand, gab seiner
Sprache etwas Monumentales. So kommt es auch, daß uns hier nir·
gends ein individuell gefaßter Mensch mit scharf geprAgten Eigen.
zügen entgegentritt. Sichtbar werden, wie bei einem halbbehauenen
Steinblock, lediglich die Umrialle eines Menschen. Von einer Besonder·
heit, die gerade ihn und nur ihn kennzeiohnet und ihn aUII der Maue
heraushebt, ist nichts zu verspüren. Ein llterootypell "archaisohes
LAcheln" scheint über diesen Epigrammen zu liegen. Das Leben
IIchweigt hier und kommt nur in der Anrede an den "Wanderer", der
schon in der frühesten Zeit angerufen wird, zum AWldruck. Denn
reprAsentativ ist trotz aller Einfachheit auch diese Kunst schon. Nicht
für den Toten und nicht für die Angehörigen sind diese Verse gedacht,
sondern einzig für den "Wanderer", den sie oft genug zum Lesen auf·
fordern nnd vor den sie sich, selbst da, wo sie ihn nicht anreden, wie ein
Bildwerk hinstellen. Eine diesem Epigramm innewohnende oder etwa
in ihm verborgene Entwicklungskraft lAßt sich nirgends erkennen.
Erst um 500 setzt, wieder von Jonien her, ein neuer Anstoß ein, der
das Epigramm auf eine andere, höhere Ebene hebt und es zugleioh
mit einer Dynamik erfüllt, die zukunftstrl.chtig sein sollte. Noch be·
wahrt dieses S i m on id eis c h e E pigr a m m die Schlichtheit und knappe
Saohliohkeit der alten Aufsohrift, aber leise sohon streift es seine
frühere Gebundenheit und enge Begrenztheit ab und entwickelt sioh
zu vollerer Rundung. Ein leichter, unauflllliger Redeachmuck biirgert
sioh ein, ein freierer Ton waltet über dem Ganzen, einzelne persönliohe
Züge lassen das Typisierende des bisherigen Stils verblaasen, und
charakterisierende ZUBitze geben dem Bild hier und da ein mehr indio
I Doch vgl •• wie in dem zitierten attiacheo Epigramm die beiden Worte 6px1lO'T&W
1rIlnm.w in der )(lUe des V~. linb UDd rech&. YOIl der Ciieur, lich gleich den
Uhren Im Wappen &1ft Tor von Myune gegenübenLehen.
l' Einführung

viduelles Geprige. Es ist, als ob die Weapenta.ille jener Figuren der


geometrischen Kunst sich mit achwellendem Fleisch zu füllen be·
gldme. Das Lineare wird zur Plastik. Noch wird kein Sohmerz, kaum
eine Klage und nie etwas 'Von Ruhmredigkeit oder heftiger GebArde
sichtbar, im Gegenteil macht sich eine swke Zurückhaltung und eine
soheinbare seelisohe Unbewegtheit bemerkbar, und dooh spUren wir,
daß sich hinter dem Gesagten ein ergreifendes Gefühl 'Verbirgt und
daß unter einer t.ußeren, hfllJenden Decke ein 'Verhaltenes innere&
Leben flutet.
Das führt zu einer Spannung zwischen Außen und Innen, ILhnlich
wie beim griechischen Tempel, der ebenfalls sein Inneres scheu 'Vor den
Blicken der Menschen verbirgt und doch mit seinen weitgeöffneten
SiulengAngen sich 'Vor der Welt wieder aufsohließt. Die gleiohe Span.
nung tritt uns in der Form entgegen. Der Heltameter mit seiner Gleich·
förmigkeit und &einem geruhsamen Ablauf wird jetzt mehr und mehr
zurüokgedringt und an seine Stelle das elegisohe Distiohon gesetzt,
das selbst achon mit dem achwingenden Spiel seiner hin· und wider·
ßutenden und gegeneinander prallenden Krifte apannungageladen ist.
Noch ordnen die Worte sioh für gewöhnlioh naoh ihrer Zusammenge.
hörigkeit einander zu, werden aber manchmal auch achon duroh da·
zwiachen tretende andere Satzteile voneinander getreunt und tragen
daun zur Erhöhung dieser Spaunung bei. Das gleiche erstreben die
Dichter durch das, freilich nioht allzuhiußge, Hinüberziehen des Ge·
dankenaohlU8Bell 'Vom Hexameter hinter das erste Wort des Penta·
meters 1• Aber dieae unter der AußenhfllJe im Spiel und GegenspieJ
sioh treffenden Kräfte und der Kampf des lebendigen lunern gegen
die AußenhülJe Bind mehr zu ahnen als klar zu fiihlen; wie bei dem
Tempel die Antinomien zur harmonisoh auageglichenen Einheit zu·
sammengebunden sind, so werden auch in den Epigrammen die Gegon.
aitzliohkeiten durch einen ernsten Willen im Gleichgewioht gehalten.
Die Raffung der verschiedenen Krifte und Energien führt zur Einheit
einer gezügelten Haltung.
Alles deutet darauf hin, daß wir vor einer Kunst stehen, die bewußt
auf Wirkung und Danrt.elJung abgeatimmt ist, und zwar eine Darstel·
lung nicht bloS im Sinne einer dekorativen Zuraohauatellung. sondern

, L B. VII"". VII 249. IX 7117.


Simonldolaohe. und AUilOhos Epigramm 111

vor allem als Aufruf und Mahnung für Zeit und Zukunft. Ein Bei-
spiel und Vorbild soll der Tote sein noch für die kommende Welt; die
Kräfte, aus denen seine Taten erwuohsen, sollen dem Leben erhalten
bleiben, sein Ruhm soll erneut zur Tat werden. Hinter dem Ästhe-
tischen, dem das Epigramm mit seiner Kunst natürlich zunächst dient,
tut sich also als zweite Bestimmung ein Erzieherisches auf, die Paideia.
Takt und Kunst des Dichters ist es, dieses Erzieherisohe möglichst.
unaufdringlich hineinzutngen, jedenfalls nicht so plump wie Hippar-
ohos, der an allen Bezirkagrenzen Hermen errichten ließ mit selbst-
verfertigten Inschriften, die um das Thema .. Ob immer Treu und
Redlichkeit" variieren.
Gerade dieses PAdagogiaohe aber zeigt neben der Verhaltenheit des
Sohmerzes, daß es sich hier weder um Primitivität noch um den Sturm
und Drang eines jungen, au&chiumenden Herzens handelt, sondern
daß hier reife, abgeklArte Kunst am Werke ist, deren monumentale
Größe wir heute noch verspüren: eine herbe Hoheit schwebt über den
Versen, eine strenge Feierlichkeit, die den Toten heroisierend bis in
die Ferne einer unerreiohbaren Stemenwelt von uns abrückt und eben
dadurch wieder dem Epigramm eine erhabene Sohönheit verleiht, ohne
es doch zu einer toten Maske erstarren zu 1aaaen. Das ist im Grunde der
gleiche Vorgang und stilistiaohe Fortschritt, wie er auch in der Plastik
zu finden ist, wo du bisherige starre archaisohe LI.oheln nun von einem
ernsten, herben und fast sohwermütigen Gesiohtsausdruck abgelöst
wird 1.
Es ist das Epigramm, wie es Simonides pflegt und wie es durch
Kürze, Sohliohtheit, Ruhe, Würde und stolze Besoheidenheit zu Welt-
ruhm gekommen ist·, und zugleich das Epigramm, dem wir mehr als
dem folgenden das Prldikat des Klaaaiaohen zuerkennen können.
In dieser Sohliohtheit lebt das Epigramm einige Jahrzehnte fort
und erhilt sich auch noch in spAteren Zeiten. Zu mm gesellt sich etwa
seit 450 das A ttisohe Epigramm. Hier in Athen hatten die kriege-
rischen Auseinandersetzungen mit den Persern zu einem starken Be-
darf an amtliohen und privaten Grabinsohriften geführt, und dieser
Bedarf lieB auch in der zweiten H&lfte des Jahrhunderts, als die inner-
griechischen Auseinandersetzungen begannen, nioht nach. Aber die
1 VgL etwa ..das MIdcheo mit den Sphiuaugen" ud die Eutbydikoekore
(Lllblrel f Nr. 213 f.). • VgL etwa VI 135, 111'7, vn ua, xm 13.
16 Einführung

seelische Haltung des Volkes war jetzt nicht mehr die gleiche wie
zu Beginn des Jahrhunderts. Das Selbstgefühl der Menachen war durch
die siegreiche Abwehr des gefürchteten Peraera außerordentlich ge-
wachsen. Alle Künste. voran die Tragödie, waren mächtig aufgeblüht,
das geistige Leben wurde bald durch Rhetorik und Sophistik weithin
bestimmt, auf der Akropolis entstanden Kunstwerke von nie geahnter
Schönheit, und das attische Reich griff weit über Griechenland und die
.ÄgAia hinaus. Der Stolz des Mannes in der Metropole war begründet
und fand seine .Äußerung im Glanz der Stadt wie in der Pracht des
Privatlebens.
Auch die Dichtung blieb nicht unbeeinfiuOt. Nun hatte man den
Wunach, mehr zu geben &Je das bloße Tataachenmaterial. Der bisher
nur sparsam verwendete Schmuck wird daher stärker aufgetragen,
Bilder fügen sich ein, und alles erscheint jetzt reicher und großartiger.
Die Wortstellung wird aorgflltig bedacht, man sucht harmonisch aus-
gewogene Gruppen zusammenzustellen i Substantiv und Attribut neh-
men ihre Präposition zu geschlOBBener Einheit in die Mitte. zwei solcher
Ausdrücke werden chiaatisch.kontrapoatisch nebeneinandergerOckt 1,
oder ein ganzer Vers tritt ala eine einzige verklammerte Gruppe
auf l • Man strebt nach Harmonie und in sich selbst ruhendem Gleich-
gewicht.
Aber dieaea klasaische Element ist seltener, als man erwartet. Schon
früh mischt sich in die Harmonie und Ruhe cin Zug von barocker
Steigerung, der die k.laaBische Ausgeglichenheit auflockert, ja z. T.
sogar aufhebt und an ihre Stelle eine bis zum leidenschaftlichen Un-
gestüm gehende Bewegtheit setzt. Immer mehr dehnt sich die Sprache
der Tragödie mit ihrem Pathos im Epigramm aus, das Reiche und
Großartige wird aIlmAhlich zu pompöser Fülle, das Bildhafte neigt
zur überladung, übertreibende Worte wie "unerme8lich, unverging-
lieh, unau8löschlich, niemals alternd" zeigen das Streben zum Gren-
zenlosen hin, und selb8t der Umfang des Epigramms 8chwillt, keines-
wega zum Vorteil dieser Dichtungaart, bisweilen gewaltig an l • Oft
begnügt man sich nicht mehr mit einem einzigen Epitaphion, sondern
setzt gleich zwei Gedichte auf denselben Stein oder versieht sämtliche
vier Seiten der Stele mit Epigrammen, ja, einer vierzeiligen Grab-

I VII 257. • VII !al, I. • 11 V_ iA xm 18.


AUiaoh ... Epigramm 17

BChrift auf einem um 485 errichteten Mal fUgt man Jetzt nachträglich
noch vier weitere Ver&e hinzu'. Das Lob dee Toten knüpft an das im
Simonideischen Epigramm liegende erzieherische Element an, kommt
aber jetzt viel breiter, intensiver und rauschender zum Ausdruck.
Der bescheidene Stolz, der bisher in den amtlichen lnachriften
herrschte, weicht großen und hochfahrenden Gesten, und in den pri-
vaten Inschriften bricht der Schmerz um den Verlust eines geliebten
Menschen so heftig und hemmungslos hervor, daß man sich an die
wilden Bewegungen und Gewaltaamkeiten in den Kampfazenen zwi-
schen Lapithen und Kentauren auf den Parthenonmetopen erinnert
fühlt. Es ist die Zeit, in der Pheidias die KolO8B&lstatue des Zeua in
OIympia und die zwölf Meter hohe Gestalt der Athene Parthenos,
gold- und elfenbeinumkleidet, geschaffen hat.
Gegen Ende des Jahrhunderte dringt auch die Rhetorik und Sophistik
ein. Die Grab- oder die Weihinachrift encheint in der Form eines
ZwiegeaprlLclta, oder das Denkmal bzw. das Votiv redet selbet. Viel-
fach erkennt man don Wunsch, kunstvolle Formen zu bieten. Seltene
Venzuaammenstellungen werden gewählt·; Dionyai08 Chalkua bildet,
völlig barock, in der verwandten Elegie das Distichon nicht aus Hexa-
meter und Pentameter, sondern umgekehrt aus Pentameter und Hexa-
meter, und bisweilen greift das ente Distichon mit seinem Satzschluß
in den Anfang des zweiten Distichona überl und zentört damit alle
Ausgeglichenheit der IItrophiachen Bildung und Bindung. Der Name
des Toten rückt immer mehr ans Ende des Epigramme', der Gedanken-
bau wird ausgeklügelt, sophistische Spitzfindigkeiten werden selbst
im Grabgedicht nicht gescheut', und beateohende,oft acharf anein-
andergedrii.ngte Antithesen geben dem Ganzen zuweilen einen fun-
kelnden Glanz'.
Der Höhepunkt der KJaaaik ist offenbar Ilberachritten.
Zwiachen dem 5. und 4. Jahrhundert lAßt sich ein Einachnitt nicht
ohne weiteres machen. Was die Früheren begonnen hatten, führt das
neue Jahrhundert fort. Pathos und Übertreibung, Rhetorik und Sophi-
stik laaaen lieh daher auch weiterhin noch feetBte1Jen, aber Bie werden
doch seltener und verlieren sich zuletzt fast ganz. Neben dem Atti-

, GV 20. Oell'cken (a. 8.108) 98, 66; vgl. VII 250. • L B. XIII 11. • OeII'oken 7<&.
• VII 710. • VII W. • VI 2. VII 43. 251. W. 296.
18 EiDführuDg

lOhen hebt lioh dann langsam ein neues, das Klassizistisohe Epi.
gramm, ab, das in seinem Stimmungagebalt sich wesentlich von dem
vorigen unterscheidet und bald auoh im Gegensatz zu ihm steht. Das
Hoheitsvolle und Heldisohbetonte, das die vergangene Zeit bevor·
zugt und du auch z. T. den privaten InsohriCten ihr Geprl.ge gegeben
hatte, schwindet nun naoh und naoh. An die Stelle der stolzen, könig-
liohen Sohauspielergeate tritt etwas Einfach.Natürliohes, etwas Phra·
senl08·Menaohliches. Wie die bildende Kunst die Götter des Erhabene~
entkleidet und den Heros ina Irdisch.Alltägliche hineinrückt, 80 weist
auch die Dichtung das Posenhaft.e zurück und begnügt sich mit dem
Menachen IOlbst. Für Platon 1 ist Dion in seinem Nachruf' nicht der
einflußreiche Staatsmann in Syrakus, sondern einzig der Freund, der
ihm nun entrissen ist. Damit verliert sich der politische Einschlag, den
das Simonideische wie du Attiaehe Epigramm 10 sehr bekundet hatte,
und selbst da, wo er noch erscheint, hat er sioh seines eigentliohen
Charakters meist völlig begeben und deckt lediglich du mitleiderwek·
kende Menaohentnm aufS. G1eiohzeitig verliert sioh damit die erziehe-
rische Komponente, die in den Alteren Gediohten mehr oder weniger
verhüllt siohtbar geworden war. Ja., im soharfen GegeDl&tz zu der
früheren Diohtung, die den Toten idealisierend in Weltenfeme von
uns abgerückt und das Menschliche zu vergöttlichen gesuoht hatte,
tritt der Tote jetzt aus der Ewigkeit in unsere Kreise herüber; die
abgeschiedene Seele wird wieder zum Menaohen.
Verbunden mit der großen Schauspielergeste war früher ein gewisser
Prunk in der Außeren Erscheinung. Auch dieser fällt jotzt fort. Die
vornehme Schlichtheit, die gemessene Natürlichkeit des Siohgebena
wird das erstrebenawerte Ideal. Du knüpft an die ..edle Einfalt und
stille Größe" des Simonideischen Epigramms an, dem das neue über-
haupt nAher steht als dem Attischen; aber die frühere Einfalt und
Größe ist jetzt aus der Sphäre des Oberirdisohen, dem Reioh der Pla·
tonischen Ideen in die vertrauteren Bezirke des Mensohlioh-Gesell.
IOh&ftIichen herniedergezogen. Nicht Ruhm und KraftAußerung, über·
haupt nichts, wu auf Wildbewegtes oder Durch·Schweiß.Erworbenes
schließen l&ssen köunte, ist das Ziel, sondern Ruhe, Maß und Harmonie.
Hatte Pheidiu im vorigen Zeitraum du Gigantische und Pracht·
I Die Echt.holtdrage _ bei PI&tou EJlilrammea noch Dicb~ ent.chiedeD. DiehJ
118~ jet&t 17 Epigramme aIIa eoh~ geI~. • vn 99. • vn 266. 2119.
KIA .. i&i.~iaaho. EpigrAmm 19

aufwendige geBullht, IIU IIlMllt PralÜt.elee jetzt den eideohaentöt.enden


ApolIon du, wobei er den im Mythos zugrunde liegenden heroischen
Vorgang inB SpieleriBoh-GraziÖlle umwandelt. Hatte Polykleitos als
weibliches Ideal die männlich herbe Geatalt der Amazone geschaffen,
so werden bei Praxiteles nun die weichen Formen der KnidiBohen
Aphrodite das bestaunte Leitbild. Das Brausende weicht dem Sanf-
ten, das Dionysische dem Apollinischen. Das gilt vor allem für das
Auftreten in der Öffentlichkeit. Noch Parrhaaios hatte um 420
prahlerische und dünkelhafte Worte für sich gefunden und sich selbst
inB Rampenlicht gestellt, Aphaleua tritt in seinem Epigramm, obwohl
er eich in der Wortwahl auffallend an Parrhaai08 anlehnt, selbst
völlig in den Hintergrund l • Durch die Worte der alternden LaiB,
die um ihre geschwundene JugendacMnheit trauert, zittert weniger
ein Schmerz als eine stille und verhaltene Wehmut-. In den Grab-
gedichten verblaßt alles Stürmische und Ungestüme; das Leid
wird gedämpft vorgetragen, der bisherige GerühIaaufruhr wandelt
lich zu tiefer, aber milder Trauer. Eine rührende Klage atmet aus
Erinnaa Gedichten', und Platons Entsetzen über die Ermordung
Dions verklingt am Schluß nicht in eine Verwünschung der Mörder,
sondern in das Bekenntnis seiner großen Liebe zu dem toten Ge-
fihrten. Ja, oft gedenken die Inschriften weniger des Schmerzes und
Verlustes, der die Hinterbliebenen getroffen hat, als des glück.
lichen Lebens, das dem Verstorbenen zuteil geworden wut. als ob
man sich fürchte, durch Bekundung eines Schmerzes die Grenzen
der gemeaBenen Haltung zu überschreiten. Denn das Äußere behält
auch jetzt noch seine Gültigkeit, sofern die sichtbar werdende iunere
Ruhe und Gelaaaenheit dadurch nicht beeintrichtigt wird. Das be-
weist auch die Sprache, die allem Bombast und überflüaaigem Putz
abhold ist und zwischen der Ruhmredigkeit des vorigen und der Ober-
ladung des folgenden Jahrhunderts etwas wohltuend Schlichtes er·
kennen läßt. Ein sichtliches Bemühen um knappen, prägnanten Aus-
druck geht durch die Verse. Es ist, als wetteiferte man mit einem
andern um den Preis der Kürzel. Die Worte werden wieder nach ihrer
Zusammengehörigkeit einander zugeordnet; schmückende Beiwörter,
besonders die der griechischen Sprache so sehr liegenden Adjektiv-
I DIeh1 P B. llO, 114. I VI I. I Vß 710, 712. 'VII 99, 117, GV 1987.
• V BO, VII 269, IX 4ff.
20 Einführung

komposita, werden nur 8p&re&UllIL verwendet, Ja In zahlreichen Ge·


dichten finden wir überhaupt keine Beiwörter mehr'. Das führt zu
einer durchsichtigen Klarheit und zu einem durch keine rhetorischen
Versohnörkelungen und KÜIlIIteleien gehemmten Gedankenbau, des·
sen natürlicher Fluß ein Stück wirklichen Lebens darstellt; zugleich
aber gibt diese Leichtigkeit und die spielerische, scheinbar liBaige
Gewandtheit uns MuterbeispieJe von der heiteren Anmut und der
zwanglosen Eleganz, die jene Zeit liebte und an der die spätere A1ex·
andrinische Schule ihren Ausgangspunkt luchte.
Wichtiger noch am die natürliche Grazie, die diese Schöpfungen um·
spielt, ist die Verinnerlichung, die aUB manchen von ihnen spricht.
Sie ist der Ausdruck des neuen LebenagefühlB, in dem der Mensch das
luBere Gepringe einer überwundenen Zeit ablegt und sich auf seinen
Geist, seine Seele und sein Gemüt besinnt. Diese Verinnerlichung wurde
oben BOhon erkennbar durch das Zurüoktreten des politischen Ein·
sohlags und duroh das Streben nach Maß und Harmonie. Sie zeigt sich
aber auch in der Entstehung des Idylls', von dem die spätere Pelo-
ponneaische Schule ausgeht; sie zeigt sioh in der Verherrlichung der
Dichter, alBo der geistigen Größen - Pindar, Ariatophanes, Sapphol -,
sie zeigt sich ferner darin, daß Erinna ein Weihepigramm aUB zwei
Distlohen dichtet, in denen sie ganze drei Worte dem Gott widmet,
die übrigen dagegen zum Lobpreis des Weihbildes bzw. seines Malers
verwendet', und sie zeigt sich ausdrucksvoller noch darin, daß auf die
bekannte materialistisohe Sardanapalgrabsohrift der Kyniker Kratea
mit dem Hinweis auf die geistig.seelischen Werte antwortet'. Am
bedeutsamsten aber ist es, daß das Epigramm sich jetzt zum ersten·
mal, wenn auch noch schüchtern, dem weiten Gebiet der Liebe auf·
tut'. Doch das weist schon in die neue Zeit.
Immer noch dient das Epigramm auch in dieser Epoche - wenn man
von einigen wenigen die Entwicklung vorwegnehmenden Gedichten
absehen will - einem praktischen Zweck: Es ist an den Zwang der
Aufaohrift gebunden. Das lndert sich erst gegen Ende des Jahrhun.
derts, und wieder kommt die Neuerung vom Osten her. Philitas von
K08 (um 310) scheint der Wegbereiter zum neuen Epigramm gewesen

I VU 268, _ , IX", &09, XVI un, 248. • IX 823, XVI 13. • vn 35, Diehll.
8. 108, IX 606. • VI 352. • VII 326f. • V 781r., VII 217, 869f., XVI !(M.
Dorilch.Peloponneallche Sohule 21

zu sein, das zwei Ämlerungeu tn"f'iIhr": Rein äußerlich trat es an dio


Stelle des Skolioll8, wurde also beim Symposion vorgetragen, und
zwar wurde es nioht mehr gesungen, sondern vorgelesen I. Ferner ging
man jetzt unter der Fiktion einer Grabinschrift - denn auoh Epitaphia
gehörten zu dieser Gelagepoeaie - dazu flber, einen groBen Mann der
Vergangenheit zu rflhmen oder unter der Fiktion einer Weihung ein
sohon oft behandeltes Thema neu aufzufrischen. Zugrunde liegt die·
sem Epigramm also nioht mehr ein praktisoher Zweok, sondern ledig.
lich literarisoher Ehrgeiz: Das Steinepigramm wird - dies die zweite
Änderung - zum Buohepigramm.
Aber es hält wenigstens in der VOl'lltellung noch an der Aufschrift fest,
und so bleibt es auch während der folgenden Zeit in der im Mutterland
herJ'llohenden KUll8trichtung. Hier entsteht die Dorisch.Pelopon.
nesisohe Sohule', deren Vertreter vorwiegend im Peloponnes be·
heimatet sind, während ihr Einfluß auf ganz Grieohenland, ja nach
Westen hin sogar auf Unteritalien und nach Osten auf die Inselwolt
bis nach Rhod08 und Byzanz aU88trahlt. Dazu gehören Simias von
Rhod08, N088is von Lokroi, Anyte von Tegea, Moiro von Byzanz.
Ariatodik08 von Rhodos, Leonidas von Tarent, Alexandros von Pleu·
ron, Perses von Theben, Mnasalkes von Sikyon, Phanias u. a. Hier hält
man grundsätzlioh an der alten Auff&88ung des Epigramms als einer
Aufschrift fest. Infolgedessen herncht das Weih- und Grabgedicht
weitaus vor, wenn es auoh vielfach nur fingiert ist. Vier Erscheinungen
sind es, die die Dichtung der Peloponnesier kennzeiohnen und ihre
Kunst z. T. als Fortführung des kl&88izistischen Epigramms, z. T. als
WideJ'llpruch dagegen oharakterisieren.
Der Klassizismus hatte das heroisoh-aristokratisohe Mensohheits-
ideal fallen lasaen; alles Hoheitsvolle und an die Grenzen des Tran·
szendentalen Reiohende war gesohwunden, und übrig geblieben war
nur noch ein schlichtes Mensohentum; doch befand man sioh dabei
wenigstens nooh in der sog. guten Gesellsohaft. Die neue Zeit geht
einen Schritt weiter; man stellt nicht mehr denjenigen Menschen dar,
der sich aus deI' ltI&8IIe heraushebt, sondern gerade das einfache Volk:
man proletarisiert den Menschen. Wie die bildende Kunst jetzt ihre
I Reiu-tein (88). (DIe eingeklammerten Zahlen verwelMn auf die Obenioh~
8. HO.) Daß du Epigramm daneben büo in die späteren Zelten noch ala Auflchrif\
lebendill blieb, braucht nlch~ lIes&I!t IIU werdcn. I Dio Bozeichol1ll8 stammt voo
ReiWenatein, I!8billlg~ VOD Knaack, Oelfoken U.I.
22 Einführung

Motive im Bettler, im Marktweib, in der Säuferin, kurzum im Uned-


len oder Gemeinen sucht, so bewegt sich die Epigrammatik der
Peloponnesier mit besonderer Vorliebe in den Kreisen des "kleinen
Mannes". Das ganze Leben dieser Leute - des Fischers, des Bauern,
des Handwerkers usw. - wird mit all seinen Arbeiten, seinen Sorgen
und Mühen, aber auch mit seinen Freuden und Genugtuungen vor
uns aufgedeckt. Wir werden in die Welt der Spinnerin, der Musikantin
und selbst des Freudenmädchens hineingeführt und gewinnen - echt
naturalistisch - einen intimen Einblick in ihr äußeres Tun und ihr
inneres Erleiden. Erreicht wird damit zweifellos ein plastisches Bild
der niederen Volksschiohten, aber es fehlen darin die individuellen
Züge. Wir lernen weniger den Mann namens Kraubis oder Kleolaos
kennen a.ls den Typus des Schmiedes, des Jägers, der Weberin usw.
Nicht der einzelne in seinem nur für ihn charakteristischen Denken
und Sichgebaren wird uns dargestellt, sondern der Beruf an sich, im
Grunde also die Masse. Das führt zu einer Verblassung, zu einer Ent-
individualisierung und damit zu einer Typisierung, wie wir sie schon
bei Theophrast und der neuen Komödie finden. An eine Rüokkehr
zum politischen Aspekt oder gar zum erzieherischen Faktor der frühe-
ren Zeit ist unter diesen Umständen natürlich nicht zu denken! eng
und niedrig wie das Milieu ist auch der Gesichtswinkel, aus dem wir
in die große Welt hineinblicken.
Es ist daher nur ein folgerichtiger Schritt weiter, wenn man die
große Welt überhaupt nicht mehr mit den Augen des Erwachsenen,
sondern mit denen des Kindes sieht. Tatsächlich entdecken diese
Menschen auch den Reiz der Kinderseele und des kindlichen Tuns
und haben - merkwürdig genug in einer Zeit, in der der Geburten-
rückgang sich immer mehr zur Katastrophe auswuchs - ihr offenkun-
diges Vergnügen damno Mit welcher Freude betrachtet N088is das
Bild eines Kindes! 1 Mit welohem Entzücken sieht Anyte die Kinder
auf einem Wägelchen stehen, mit dem sie, einen Bock im Vorspann,
Pferderennen spielen um den Tempel herum II Das sind Züge, wie wir
sie an den eben damals entstehenden Tanagrafigürchen, an dem
prächtigen Jockeiknaben und anderen Plastiken finden und die uns
daran erinnern, daß sich in dieser Zeit auch Eros in die unendliche

1 VI 353. • VI 312.
Doriaoh-Peloponneliaohe Schale

Schar der Eroten aufspaltet1 _ Das aber führt zu einer Vernledlichung


dor Kunst und schaftt in Verbindung mit der Volkstümlichkeit der
Motive etwas durchaus Neues in der Literatur: die Genrepoesie.
Sohon aus dieser Verniedlichung lAßt sich entnehmen, daß uns hier,
und ZW&l' hier zum erstenmal in der antiken Literatur, das Gemüt des
griechischen Menschen entgegentritt. Jetzt ist die Verinnerlichung,
die sioh im vorigen Zeitraum keim haft ankündigte, voll entfaltet. Ja,
die Empfindsamkeit und Gefühllllleligkeit ist so stark, daß man sogar
von einer feministischen Epoche gesprochen hat. Mit Recht. Hat die
Bezeichnung doch schon insofern ihre Außere Berechtigung, als gerade
Frauen (N088is, Anyte, Moiro) die Dichtung z. T. führend beein·
flu88en. Aber man schwelgt auch wirklich weiblich-weichlich in Ge-
fühlen. Rührende Liebe, rührender Schmerz, rührende Hilfe und rüh-
rende Worte eines Sterbenden sind jetzt gern gesuohte Themen l •
Gegründet sind diese Gefühle in der Hauptsache auf der Sehn·
suoht nach dem Primitiven, in dem die Harmonie und Ausgegliohen-
heit nooh naturhaft zu HaUBe ist und in dem man das Komplemen-
tlrbereich ahnt für das eigene Innere, das mit seiner kulturellen
'ObersiLttigung und vor allem mit seiner Spannung und Unruhe nioht
den erwünschten Frieden zu bieten vermag. Dahor bei der Wahl der
Motive der Anachluß an das kleine Volk, da man im Denken und Füh·
len der niederen Stl.nde das Naturgegebene und Ursprüngliche wieder
zu entdecken glaubte. Das tritt auch deutlich in der gleichzeitigen
Philosophie zutage, in der Dik.aia.rCh08 (um 300 v.C.) sein "Zurück zur
Natur I" predigt und den Blick in die Urzeit richtet, wo "die Menschen
den Göttern nahe waren"'. Nioht minder deutlioh wird es bei dem
etwas älteren Historiker Ephoros (um 340), für den das Ideal im
Dasein der wilden Tiere liegt, da sie allein nach der Natur, der
SohOpfung Gottes, lebten·.
Am schönsten findet man diesen unschuldig-glüoklichen Zustand
bei den Menschen wieder, die abseits der überfeinerten Stadtkultur
ihrem Beruf nachgehen: beim Bauer, Fischer, Jäger, Holzbauer und
natürlich beim Hirten, dessen stille, ländIich-einfache T&tigkeit den
Seelenfrieden am klarsten wiederzuspiegeln scheint. So entsteht in der
epischen Poesie die Bukolik, die in die idyllische Welt der Schäfer

I V 11M. • VII 13, 4861F., M61., 6621. • Porphyrioa: de ahitlnentia .,2.


• Dlodor 9,28.
Einführung

führt und deren Klassiker Theokrit wird. Doch zur gleichen Zeit
ertönen dieselben Klänge in der Epigrammatik. Auch ihr gibt die
sentimental-idyllische Grundstimmung des Zeitabschnitts Inhalt wie
zarte Färbung. Ja, man idyllisiert die Epigrammatik sogar weithin)
und scheut auch bei der Grabdichtung nicht davor zurück'. Man
zeichnet ein Tier (einen Bock, einen H&8en, einen Frosch, eine Grille)
oder eine Pflanze (Weinstock, Fichte, Nußbaum) und hat seine Freude
an der Unschuld ihres Lebens oder klagt über ihr Sterben. Wie wir
heute einen Kanarienvogel, so hält man sich dam&ls eine Grille im
Käfig zu Hause, um sich an ihrem Zirpen zu ergötzen 3 ; man entdeckt
schon die Seele des Tieres'. D&8 Tierepitaphion entsteht. Anyta geht
(nach Herrlinger) hier voran.
Schließlich kommt man, parallel mit der eben einsetzenden Tier-
und Landschaftsm&lerei, zu einer wundervollen Naturlyrik, besonders
in der Einstellung zu Meer und Gebirge. Ein unendlicher Friede liegt
über diesen kleinen, zierlichen und anmutigen Nipps&ehen, und viel-
leicht nirgends in der ges&mten griechischen Literatur geht der Ge-
danke der Ruhe öfter und anheimelnder durch die Zeilen als gerade in
diesen Stimmungsbildem&. Es ist die schönste und beste Leistung der
Peloponnesier. Und auch hier herrscht, echt idyllisch, wie in den klein-
formatigen La.ndschaftsreliefs d&8 Niedliche vor. W&8 wir sehen, ist
immer nur ein kleiner und kleinster NaturaU98chnitt: ein Vogel, ein
Baum, ein Quell, ein Ruheplätzchen. Die große, aU89chwingende
Linie, ein gewaltiges Panorama wird nirgends sichtbar; die Höhe und
weite Schau der klassischen Dichtung ist geschwunden. Aber alles
atmet Ruhe. Doch selbst in dieser seit Simi&8 und Anyte nachweis-
baren Naturlyrik hält man formal an der alten Aufschrift fest und
läßt die Naturschilderung wenigstens fiktiv als Inschrift zu dem Wan-
derer sprechen: dem Epigramm fehlt in seiner äußeren und inneren
Gestaltung zur eigentlichen Denkmalinschrift nichts als d&8 Denkmal
selbst.
Alles atmet Ruhc, wurde ges&gt. So scheint es wenigstens. Und
doch ist es eine Täuschung. Die Schlichtheit der Stoffe ließe auch eine
schlichte, dem Milieu angepaßte Sprache erwarten. Tatsächlich aber
1 Vgl. VI 336, VII 192, 194, 198, 200, IX 432f.,437, 744. XVI 228 UBW. • VII
190, 202f., 215 usw. • VII 189f., 194, 19if. • IX 745. • IX 313ft., XVI 228,
231 usw.
Doriaoh· Pelopoaaeaiaohe Sohulo

ist das Gegenteil der Fall. Der AWldruok ia~ sogar IIOhr pnmkToll,
bisweilen lohwer ventAndlioh und erinnert an die theatraliaohe Stei·
gerung, wie wir lie im Attisohen Epigramm gefunden haben, aber
auoh an die Größe dea Maßstabi und die prunkhafte Aufmachung, in
der die Plutik der neuen Epoohe lioh des öfteren gefillt. Kühne
Zuummenaetzungen und barocke Neubildungen, 8Og&r Hapaxlego-
mena, lind lehr hJ.ufig und zeigen, gleioh dem zur leIben Zeit in der
Rhetorik aufkommenden Aaianiamua, die Neigung, lioh mit einem
gerihJten Stil zu drapieren. Man achwelgt in Sohmuokgebung1• Wie-
der, und diesmal mit veratArkter Kraft, dringt did Sprache der alten
Tragödie in die Epigrammatik ein. Dazu kommt du Bestreben, durch
KODlonantengleiohklang und duroh eine aufs feinste, oft auf Reime,
oft antithetisoh abgestimmte Folge von Vokalen, die von Vers zu
Vera versohieden. aber immer sorgfiLltigst abgewogen ist, der Diktion
einen beaonderen Reiz zu geben und die Sprache aelbat achon zur
Mulik zu machen. Das erglDt eine ungemein feine Filigrana.rbeit, ein
Spra.ohgeaohmeide, eine Polyphonie rausohender KlI.nge. Das Epi.
gramm wird, wie du jetzt entstehende Moaa.ik, zu einem aus glJ.n-
zenden Farben z1l8&mmengeaetzten leuohtenden Teppioh. Das Monu·
mentale, du dem Epigramm bisher angehaftet hatte, findet leinen
Ausdruok jetzt in einer aprachliohen Pomphaftigkeit, die den stoff·
lichen Tiefstand nur noch mehr zum Bewußtaein bringt. Der kleine
Walda.rbeiter aber wird aus der Sphäre des Niedrigen herausgehoben
und durch den Schimmer dieaer Poesie in den Kön!gspurpur gehdlltl •
Götter waren zu Menachen geworden, der Mann aus dem Volk, der
Arme, der Unbedeutende, der Sklave, wird heroisiert und mit
einem Glorienschein umgeben.
Zwei unvereinte und wohl auch unvereinbare Gegenaitze gehen
durch dieae Dichtung: kluaisohe Ausgegliohenheit und barocke Ober.
steigerung. Hatte du vergangene Jahrhundert die harmoniache Kon-
sonanz gesuoht, so herrscht hier die Dissonanz. Aber eben dieaer zu
keiner Einheit verachm~de Doppelklang ist bewußt und gewollt.
Das unaufhörliche und vielleicht a1a neokiach empfundene Spiel um
dieaen Akkord erregt du besondere Wohlgefallen der Zeit; er deokt

I Auf die Veruahl berechaot, finden eich bei Anyt.e rund 80% Adjektive, bei
Aaklopiadea und KaUimaohoa etwa 30% (Knauer); bei Platoa waren 01 18%. • Vg\.
aurh VII 638.
jedenf&lls für uns SpAte noch die Spannung auf, die in den damaligen
MeDlOhen lebendig geweeen sein muß.
Uns Heutigen sagen von all diesen Dichtungen am meisten die
Bohöpfungen der Frauen zu. Aber damals und auch spAter noch galt
Leonidaa als Hauptdieeer Riohtung. Eratammte aus Tarent,hatte
auoh dort sohon gediohtetl, mußte aber wegen seiner politisohen Über·
zeugung ßüchten und lebte fortan in Epirus, wo er für du dortige
Königahans t&tig war, zunAohat für NeoptolemOB (t 296)' und danach
für PyrrhOB (t 272)'. Dann führte er als fahrender Poet ein unstetes
Leben', das ihn nach dem Peloponnes l und nach Asien' versohlug,
bis er schließlioh, unverheiratet 7 und bettelarm', voll unerfüllter
Sehnsucht nach einer eigenen besoheidenen Hüttei, fern von der
Heimat (nach unsioherer Überlieferung in Alexandria) Bein Leben
beschloßto. Seiner eigenen Zeit sohien er ein großer Stern zu seinlI,
doch ist er für uns heute keine erfreuliohe Erscheinung am grieohi.
schen Dichterhimmel. Am angenehmsten wirkt er da, wo er von sioh
selbst, seiner Not, seiner Krankheit und seiner persönlichen Stimmung
sprichtlI. Aber sein ganzer Stolz waren die Grab· und mehr noch die
Weihgediohte, deren Stoff er aus der Welt des kleinen Mannes nahm.
Gerne zählt er hier in teohnischen Ausdrücken die verschiedenen
Gerf.tBChaften und Handwerkszeuge des J&gera. des Zimmermanns,
des Bauern, des Webers auf oder UIDBChreibt sie in kuDatvollen Wen·
dungen und versieht den simplen Hau.arat mit hochtönenden und
barooken Beiwörternt'. ObelT8ollohende Situationen und verblüffende
Erfindungen in immer wieder variierenden Wendungen darzustellen
und prunkvoll auszuschmüoken, war sein dichterisches Ziel. Auf Be·
stellung sind diese Verse gewiß nicht gemacht, da der Bauer und Ar·
beiter an solohen ihm unverständliohen Klängen kaum Geschmack
finden konnteu. Er selbst aber brachte durch solche Künateleien sehr
viel Frostiges und Schwülstiges in eben die Dichtung, die von früher
her die größte Schlichtheit in sich getragen hatte. Sogar du einfache
Tierepigramm, wie es Anyta handhabte, entartet bei ihm, wird ge·
I VI 129,131. I VI 334. I VI 130. 'VI 300, Vll 736. • VI 188, IX 320.
• VI llO. 'VII MB, 736. • VI 300, 302. • VII 736. .. VII 716.
u VII 716. 11 VI 293. 298, 300, 302, VII 716, 736. X 1. 11 Vgl. et_ VI .,
!Off•• 211, 300, 30Ii ... w. .. \'on Leoaidaa' t8 Orabepigrammen bat Peek (auSer
den wohl unechten VII 1168-863) nur eiDea (183) in die OV aufgenommen.
Leonida. von Taren~ 27

spreizt und neigt zur Rhetorik'. Dabei fließen zwischen diese pom·
pösen Beiwörter hier lind da Vulgarismen, Flickwörter und sprach.
liche Nachlässigkeiten·, die uns deutlich da.s Gequälte dieses Stils
vor Augen führen. Er kann auch den Ruhm für sich buchen, die ersten
Priapeen, ganz nach Art der späteren lateinischen, geschrieben zu
haben'. Leonida.s war kein Dichter, auch kein Sprachkünstler, son·
dem nur ein Formvirtuose, der da.s mangelnde Gefühl durch über-
steigerung des stofJIichen Hintergrundes und durch Häufung äußerer
Redemittel zu ersetzen suchte 4 , und er verdiente weniger Beachtung,
wenn nicht seine Wirkung, keineswegs zum Vorteil der Dichtung, so
groß gewesen wäre. Seine Gedichte wurden immer wieder nachge-
ahmt', noch 200 Jahre später gehörten sie offenbar zur Schullektüre
in Rom; Cicero und Atticus kennen sie auswendige; Properz und Ovid
benutzen sie, und in Pompeji finden wir ein Wandgemälde, dessen
Motiv aus einem seiner Epigramme geschöpft ist und unter dem dieses
Epigramm auch inschriftlich stand 7, ja sein Einfluß ist noch 800 Jahre
später bei den Byzant.inern nicht völlig geschwunden.
Ganz anders die gleichzeitige Jonisch-Alexandrinische
Schule, deren Vertreter meist in Jonien oder Alexandria wohnen.
Dazu gehören Menekrates, Asklepiades, Poseidippos, Hedylos, Ant-
agora.s, Ara.tos, Thea.itetos von Kyrene, Herakleitos von HaJikarna.ss,
Kallima.chos, Nikia.s, Diotimos von Adramyttion und Phaidimos, wäh-
rend Theokrit zwischen dicser und der vorigen Schule vermittelt. Auch
die Alexandriner gehen vom kla.ssizistischen Epigramm aus. Da.s läßt
sich an der Knappheit, die auch hier gewahrt bleibt, erkennen. Die
Knappheit war ja ursprünglioh eine aus räumliohen Gründen not-
wendige Forderung der Aufsohrift, hatte aber in dem jetzt entstehen-
den Buohepigramm keine sachliche Berechtigung mehr. Es mußten
aJso innere Gründe für die Alexandriner bestimmend sein. Sohon
Platon 8 hatte als Höohstgrenze für Grabgedichte vier Verse festge-
stellt, und Kallimachos sprioht jetzt da.s berühmte Wort "ein großes
Buch, ein großes Übel" aus und erklärt, man dürfe die Dichtkunst
nicht nach Meilen messen'. Das bleibt Gesetz für diese Zeit, wird
I VI 120. • Belege bei Wilamowitz (91) 11 S. 10311'. • XVI 236, 261.
• Du Urteil des Theodoridao über Mnasalkes, Leonidas' Zeitgen088en (XIII 21),
könnte man auch auf Leonidu aelbat beziehen. I Vgl. zu VI 13, 1M. 205, 300,
VII 422, XI u.a. I s. zu XI.' VI 13. • Gesetze 958 E. • Frg. 1,18; 465 Pf.
28 Einführung

aber auoh in der Folgezeit nioht nur praktisch be&chtet, sondern zu-
dem mehrfa.oh wieder als Forderung ausgesprochen, so von Parmenion,
Kyrill08 und Leonidas von A1exandria l , und erst vom zweiten nach-
christlichen Jahrhundert ab macht man sich von diesem Grundsatz
frei. Die gleiohe Annäherung an die k1assisohe Stilform wcist die
Sprache auf. Wie die Epigrammatiker des 4. Jahrhunderts ergehen
sich auoh die Alexandriner, im Gegensatz zum prunkvollen und über·
Iadenen Ausdruck der Peloponnesier, in einer zwar durchaus poeti-
schen, aber mehr natürlichen und ungekünstelten Diktion l • Eine
sohlichte, unaufdringliche Vornehmheit, eine fast lii.ssige Eleganz
liegt über den Versen. Wohl strebt Kallimaohos eine nach Satzstel.
lung und Wortwahl etwas pointierte Sprache an, andere dagegen, vor
allem Asklepiades, Poseidippos und Hedylos, verwenden einen so
frischen, lebensvollen und von aller Verstiegenheit freien Ausdruok,
daß man die Mensohen selbst glaubt reden zu hören. Das Epigramm
öffnet sich entschieden der unter Gebildeten gebräuchlichen Ausdrucks-
form des täglichen Lebens.
Damit abor ist ein Realismus erreicht, der den Peloponnesiern
fremd ist. Wohl suchen die Peloponnesier das Volkstümliche, aber sie
betraohten die Volkstypen nicht mit den offenen Augen des wirklich-
keitsnahen Menschen, sondern in einer gewissen Verklärung. Was sie
zu diesem Milieu hinzieht, ist nicht die Freude an der Darstellung
naturverbundenen Lebens, sondern im Gegenteil die Verzweiflung an
der Gegenwart, der politische Jammer, die romantische Sehnsucht
Il&ch dem goldenen Zeitalter. Der letzte Grund für ihre Naturlyrik
liegt in dem Wunsch, der eignen unbefriedigenden Zeit zu entfliehen
und die Ereignisse des Tages zu vergessen. Bei den Alexandrinern ist
von Landschaftsfreude und Landschaftsstimmung niohts oder dooh
kaum etwas zu bemerken. Sie leben in der Großstadt, wo zwar präch-
tige Grünanlagen sind, wo aber Schäfer und ländliche Bukolik grund-
sli.tzlich keine Berechtigung haben, sondern wo der Umschlaghafen
des Welthandels täglich pulsierendes Leben mit sich bringt und den
Menschen einerseits in den Strudel der Gegenwart hineinreißt, ande-
rerseits seinen Blick über Länder hinweg in dic Weite öffnet. Infolge-
1 IX 342. 369. VI 327. vgl. auch IV 2 (6). VII 447, MartiaJ 9,60. I Reime
6nden lieh in den Pentameterhälften bei Leonidaa 21 %, bei Anyte 20%, bei Aaklo.
piadee 11 %, bei Kallimach08 10% (B. Hamon).
Jonisoh. Alexandrinisohe Sohule 29

dessen fehlt hier auch die im Mutterland beliebte Verniedlichung.


Gleich dem bunten Gewimmel und geschäftigen Treiben in ihrer Stadt
ist ihre Dichtung erfüllt von kraftvoller Wirklichkeitanähe, vibrieren·
der Bewegung und rastlosem Stimmungs wechsel. Fragen, Ausrufe,
Interjektionen verlebendigen die aus dem Alltag dargestellten Szenen.
Der Mim08 mit der packenden Realistik seiner häuslichen und außcr·
häuslichen Situation wird für die Epigrammatik fruchtbar gema.chtl.
Alles ist aktualisiert. Unterhaltungen des Dichters mit sich selbst
oder mit anderen, Aufträge, die man Dienern erteilt, u. dgl. geben der
Sprache ebenso Tempo wie Blut und Kraft und steigern den Inhalt
und manchmal auch die Form ins Dramatische. Alles atmet sprühende
Lebenslust, und als bezeichnendes Symptom läßt es sich werten, da.ß
die Epitaphiendichtung von den Peloponnesiern mit idyllischen Zügen,
von den Alexandrinern dagegen mit Skolienmotiven gefüllt wird2•
Dieser Drang zur Verlebendigung der Darstellung wird auch durch
die Handhabung des Versmaßes unterstützt. Bei den Peloponnesiern
übte der schwere Spondeus mit seiner retardierenden Wirkung noch
eine starke und gewiß dort berechtigte Herrschaft aus; bei den Alex·
andrinern dagegen trat der Spondeus merkbar zurück und überließ
dem rascheren und leichtfüßigeren Daktylus den Platz 3 • Das dadurch
erreichte glatte Dahingleiten gab dem Vers nach außen hin zweifellos
einen zügigen Fluß und eine gefällige Eleganz, wie sie zu der Eigenart
dieser Männer durchaus paßte. Verfehlt wäre es allerdings, aus dem
äußeren Schein auch auf eine innere Glätte und Gelöstheit schließen
zu wollen. Im Gegenteil ma.cht sich hinter der Oberfläche, besonders
in der metrischen Gesa.mtgestaltung des Distichons, eine außerordent·
liche Spannung bemerkbar. Bisher nämlich trug der Hexameter wie
der Pentameter seine Zäsur normalerweise in der Mitte des Verses;
dadurch zerfiel das Distichon in vier ungefähr gleiche Teile; jeder der
beiden Verse war in sich ausgewogen, doch auch alle vier Teile waren
in etwa gleichlang. Jetzt dagegen setzt ma.n den Haupteinschnitt im
Hexameter mit Vorliebe nach dem vierten Daktylus, in die buko·
1 V 167, 181, 183, 185,213. I z.B. VII 28, 725. • Das Verhältnis von Dakty.
lu. zu Spondeuo ist bei Leonidas 2: I, bei Asklopiade. 3,6: I, bei Poooi<\ippoe 4,4: I,
bei Kallimachoo 4,7: 1. Rein daktylische Hexameter giht es bei Leonidao 10%, bei
Kallimaohos 30%. Hexameter mit drei Spondeen gibt es bei Leonldao 19%, bei
Kallimach08 2% (Knauer S. 62f.).
30 EInführuni

liaohe Di&rese, und lAßt von dort ab den Gedanken bis zum Schluß
des Pentameters ungehindert ausatrömen, so daß das ganze Disti·
ohon in einen ersten kleineren und einen zweiten längeren Teil zer·
fälltl; oder man gliedert den zweiten längeren Teil nooh einmal nach
dem Beginn des Pentameters, so daß das Distiohon entgegen seinem
eigenen Formgeaetz in drei Teile zertällt l • Das zerreißt die ihm ur·
sprünglich innewohnende Eigenbewegung an völlig unerwarteten
SteUen und bringt eine fortwährende stoBende Unruhe in den Vers·
ablauf: es hemmt, wo die rhythmische Folge nach vom reißt, und
reißt nach vorwärts, wo das formale Ende ein Halten gebietet. Ver·
stärkt wird diese nervöse Unruhe nooh, wenn der Gedanke vom ersten
Distichon ins zweite übergreift', also sogar den Strophensohluß und
die Stropheneinheit durohbricht, oder wenn das ganze Gedicht über·
haupt nur aus einem einzigen Satz besteht· und die eigenwillige und
unerwartete Form das Gefühl des Lesers von Anfang bis Ende in
dauernder Unsicherheit und Erregung halt.
Aber trotz der Ähnlichkeit, die die Verinnerlichung bei beiden
Schulen aufweist, ist ein grundlegender Unterschied vorhanden: die
Weltanschauungen beider Sohulen stehen sioh schroff gegenüber. Die
Peloponneaier hängen in ihrer Denkweise mit der Stoa zusammen, die
als höchstes Ziel das Aufgehen des Individuums im Allgemeinen an·
sieht; daher die Typisierung und das HinauBStrömen des eigenen Ichs
in die Natur. Die Alexandriner lehnen sich in ihrer Auff'aaaung an
Epikur und vielleioht mehr noch an Ariatipp' an, der wie Kalli·
machoe, der Führer der Alexandriner, aus Kyrene stammte und in
seiner Lehre von der Lebenskunst zu einem scharf ausgeprlLgten
Individualiamus, der Philosophie des Egoismus, gelangt war: das
Ziel alles menschlichen Strebens ist der heitere Genuß. So pflegen denn
die Alexandriner zwei Dichtungsmotive, die sioh bei den Peloponne.
siern so gut wie gar nioht finden: Wein und Liebe. Von diesen beiden
Leitgedanken ist der weitaus größte Teil ihres Schaffens erfüllt, und
es ist bezeiohnend, daß die Anthologie die meisten ihrer Gediohte in
den Büchem 5, 11 und 12 bringt, in denen die Liebes· und Trink·
poesie zusammengesteUt ist.
• z.B. V 169.lf. I z.B. V 162. H. Sitze. die im Hexameter becinnen und Im
Pltnt.ameter enden. finden lieh bei Anyta zu 7%. bei Aakleplad81 und KallimachOl
zu 29% bzw. 30% (Knauer S.II6). I z.B. VI 310. VII 208. • z.B. XII 77.
• V 134.
Joniloh. Alexandrinilche Sohale 31

Aber Aristipp hatte nicht. nur den LebeWlgellUO s"predigt., er hatte


gleiohzeitig auch die Herrsohaft über den Genuß gefordert. Auch du
prI.gt sioh in den Versen der Dichter aus: Bei aller Freiheit und allem
Leiohtsinn dieser WeltmAnner herrscht hier nioht Liederliohkeit und
Skrupellosigkeit, sondern immer eine höfisohe oder dooh erzogene
Haltung, nioht Grobheit und Frechheit, sondern liebeJl8Wilrdi.ge
Sohalkheit, nicht Gemeinheit oder Zweideutigkeit, nicht einmal Pikan-
terie, sondern der geistreiohe Einfall eines wein· und liebesfrohen
Kunstjllngers. Denn beim Symposion trifft sioh diesea Dichtervölk·
ohen, wo man, ganz unter sioh, aeine eignen Erzeugnisse sioh gegenaeitig
vorliest. Du stellt, wenn man so will, einen literarischen Klub dar,
aber einen Klub, der sioh aeiner Auserleaenheit aehr bewußt ist, eine
geistige Elite, eine Aristokratie, die - im Gegensatz zu den Peloponne-
siem - vom kleinen Mann aus dem Volk und von der Masse niohts
wisaen will. sondern sich aoharf von ihr distanziertl. Die eben be·
sprochene PrAgnanz eraoheint uns manchmal sogar übertrieben. Du
Distichon vn 447 zeigt deutlich, wie man in aelbatgegebenem Geaetz
mit der Knappheit der Worte ringt, 80 ringt, daß der Sinn bisweilen
dunkel bleibt. Du ist, wenigstens in den Augen dieser Dichter, er·
lesenste Kunst, die Apartes suoht, die sich vom Gesohmack der großen
Menge 1088&gt und nur auf den Beifall einiger Kenner hofft. Du gleiohe
erstrebt die Gestaltung des Verses, die. über du oben Gesagte hin·
aUB, in ihrem Verhiltnis von Wortachluß zu Fußende an 80 feine und
fut kleinliche Regeln geknüpft ist, daß z. B. von den sieben Venen
des Iliaaprooimions nur zwei Hexameter für sie ala erlaubt gelten:
der Individualismus der alten Zeit übersteigert sioh hier und führt
den Diohter gewissermaßen aus der menachliohen Gesellschaft her·
aUB einer Vereinsamung zu.
Wein und Liebe sind die Hauptquellen, aus denen die Alexandriner
ihre Themen aohöpfen. Du Skolion. die eigentliohe Gelagepoesie, war
in vierten Jahrhundert verklungen. Jetzt nimmt die neue Schule die
Stoffe dieser Dichtung in die Epigrammatik herüber und erweitert
dadurch den Motivkreis des Epigramms um eine ganze poetische
Gattung. Die Liebe war bisher, im großen gesehen, der Melik und der
Elegie vorbehalten; jetzt wird der Stoffkreis auoh dieser Diohtungs.

& XII 63, 102.


32 Elnfilhrang

arten für die Epigrammatik gewOWlWJ. Daa führt zu zwei für die
Entwicklung des Epigramms bedeutsamen Auswirkungen: Mit der
übernahme des Elegiestoffa nähert sich das Epigramm inhaltlich
der Elegie; da aber die Elegie sich auch Cormal mit dem Epigramm
deckt, Callen beide eigentlich innerlich und äußerlich zusammen, und
der einzige Unterschied zwischen ihnen bleibt lediglich noch der
Umfangl • Nicht mit Unrecht wird daher das Epigramm, wie es seit
der alexandrisehen Zeit besteht, als Kurzelegie auCgeCaßtl • Und ein
zweites: Für das vierte Jahrhundert war das Epigramm noch wirk.
liche Aufachrift; daran ändern auch die Peloponnesier trotz ihrer
Naturlyrik nichts. Ebenso spielt das Epigramm bei den Alexandri·
nern seine Rolle als Aufachrift weiter; man dichtet auch jetzt noch
nach herkömmlicher Weiee Inschriften Cür Weihung und Grab, man
greift wohl auch zum fiktiven Weih- und Grabgedicht. Aber durch
die Aufnahme von Gelagepoesie und Liebe, von Lebensweiaheit und
Ritaelapiel, von Spott und Alltagsaituationen in das Epigramm sind
die Fesseln. die das Epigramm an die Aufschrift binden, im Grunde
schon gesprengt. und es ist nur ein unvermeidlicher Schritt vorwirta,
aber auch die große, entscheidende Tat der Alexandriner, daß sie die
Bindung an die Aufachrift nun auch äußerlich rücksichtslos abstrei-
Cen. Müßig zu sagen, daß dies nicht der Einfall eines einzelnen Mannes
und nicht die Tat eines Augenblicks, sondern das Ergebnis längeren
Wachstums ist. Das Epigramm vrr 442, das noch halb Aufschrift,
halb schon Trinklied ist, steht in der Mitte dieser Entwicklung und
zeigt, wie das Alte sich allmählich umCormt und das Neue herauC-
bringt. Dann aber, d. h. seit Ende des vierten Jahrhunderts beginnt
das Epigramm sich voll zu entfalten; rasch erobert es sich einen Be-
reich von ungewohntem Ausmaß und entwickelt sich nun zur eigen-
wertigen Ausdrucksform für alle persönlichen Gefühle. Jetzt "wird
das Epigramm geradezu das. was die modeme Theorie das lyrische
Gedicht nennt. Es gestaltet sich dem Dichter ein inneres oder äußeres
Erlebnis zum Gedicht, der Eindruck. den eine Gegend auf ihn macht,
ein achwO.ler Mittag, eine Sturmnacht, aber auch ein Menachenachick-
aal, ein Buch und vor allem jede Regung seines Herzens; hier kann

I Die meiaten Epiaramme der Anthologie umf_ 2-12 Vene; nur 7 haben mehr

.1.24 Vene: liD (Iilngates: 76 VOlBe). 119, IX 362.440,482, XV 25, 40. • Kaegi(33).
Jonisoh.Aloxandriniecho Schule, A.klepiades 33

Hieh Galanterie und Bosheit gleichermaßen äußern, hier erst gibt es


eigentlich die ganze individuelle Liebespoesie" (Wilamowitz)l. Wir
sehen, hier ist nirgends ein Zeichen von Verfallskultur zu erkennen,
im Gegenteil, der griechische Geist ist in dieser Zeit der eigentlichen
Hochblüte des Epigramms noch ebenso kraftvoll schöpferisch wie
in den vorigen Jahrhunderten.
Der menschlich Liebenswerteste und dichterisch Anziehendste
dieser Poeten ist wohl Asklepiades. Von seinem Leben wissen wir
nur, daß er in Samos geboren war, wahrscheinlich eine Zeitla.ng in
Alexa.ndria. gelebt ha.t und mit den Dichtern Poseidippos und Hedy-
los eng befreundet wa.r. Sein Motivkreis ist nicht weit und erschöpft
sich in den Begriffen (oder a.uch dem Begriff) Liebe und Genuß.
Selbst da, wo er ein Weihepigra.mm schreibtl, glaubt man Eros im
Hintergrund zu sehen, wie er lächelnd in das ernst-übermütige Trei-
ben der geliebten Knaben blickt; und noch in dem Grabgedicht XIII 23
bricht durch die Klage am Schluß der Gedanke durch, wie viele
ungen088ene Freuden der Jungverstorbene nun verloren ha.be. Ewig
empfänglich ist sein Herz für die Reize der weiblichen und mehr noch
der männlichen Jugendschönheit. Wie eine Wunde erleidet er diese
Liebe, und schmerzhaft verspürt er sie bis in die Fingernägel hinein 3 •
Brennendheiß pa.ckt sie ihn mit ihrer Sehnsucht, ihrer Eifersucht und
ihrem Genuß' und versengt ihn im Innern derart, daß er mit zwei-
undzwanzig Ja.hren sich schon lebensmüde fühlt 5• Die Verse selbst
fließen leicht dahin und führen uns in kurzen, manchmal 8Oga.r unvoll-
ständigen Sätzen' schnell das Gesamtbild vor. Mit wenigen einfachen,
1 Sehr gut bemerkt auoh Couat (La pOOaio Aloxandrine, Paris 1882 S. 189):
L'6pigrammo peut &tre autre choae qu'un badinage sana ~. Dana ce cadre si
restreint, l'~egie. Ia com6die, la eatire, la po6aie did&otique et philosophique eo meu-
vent &1'1Üso. EUe a dej&, au In. eieoIe a. J .. C., toueM les aujote les plus divers, prie
lucceseivement tous les tona, epuise toutes lea reaourcea. See ~6a eont des
plus vari6a: tantöt o'est un dialogue, tantöt une oomparaieon, tantöt une tlnume·
ration: quelqueafoia eile nut Beulement par un heureux lUlCord de mote harmonieux,
aiIIeurs eUe repoae aur dea rapprochemonte lnattendul de mote qui, se reeeem-
blant par le son, difFerent par le lens: eUe viae au trait ot le trouve: eile descend
jusqu'au calembourg: elle occupe & eile seule Ia place que tiennent dana notre
Iitttlrature I'opigranlme et le lonnet: eUe ae rapproohe mame du sonnet plus
oncore que de I'epigramme par Ia nature des .ujete comme par le lini du
travail ••• Call1maque lui a donne ea forme dtlfinitive.
I VI 308. I V 162. ' XII 166. t XII 46. • V 210,3, IX 752,2f., XII 50,5:
135,1: 153,3.
Einführung

abtsr lliuhtmm Bt.cicbell skizziert. er zu AnfallS d .. Gedicht.. meistorhat\


die Situation: "Winter ist'a,lang ist die Nacht, die Plejaden BChon sin·
ken hernieder, und vom Regen durchnäßt,lItehe ich hier an der Ttir,"
aagt er V 189. "Nacht und Regen und - Wein, die dritte Plage der
Liebe••.. Eisig von Norden ein Sturm, ach, und ich selber allein"
(V 167). Ruch und plastisch treten hier Ort, Zeit und Pel'8On vor unser
Auge und bringen gleichzeitig dem Leser die erwünsohte Einstimmung.
Manohmalläßt er die Angabe von Ort und Zeit auch beiBeite und stößt
8Ofort ins rein Gefühlsmäßige vor: "Aaklepiades, trinkl Wozu deine
Tränen?" (XII 50). "Wund bin ich worden vom Vampir Phil&inion"
(V 162). Du sind nur kurze Worte, und dooh ist mit ihnen die Stim·
mungagrundl&ge des Gedichtes gegeben. All seine Kunst ist, wie schon
du Zitierte zeigt, unmittelb&rer AUBdruok seinel! Gefühlslebens und
einer Augenblickaatimmung. Nirgends ist hier etwu Gesuchtes, etwas
Zurechtgedachtel! oder g&r etwas Bestelltes zu finden, wie wir es bis·
weilen bei Poaeidippos erkennenl • Er geat&ltet unter einem ursprüng·
liohen und von keinem kühl abwägenden und Btilisierenden Verat&nd
gelenkten Soh&ffenszwang. So Bcheint er die VorauBBetzungen zum
g&nz großen Künstler in Bich zu tra.gen, und wirklioh ist er unter den
Lyrikern zwisohen Sappho und Catull der einzige, deBBen Gefühls·
reiohtum mit diesen beiden einigermaßen den Vergleich aU8hält.
Und doch vermag seine Kunst nioht die letzten Tiefen der Seele aU8-
zuloten; er besitzt wohl große Feinfühligkeit und leichte Aufwühl.
b&rkeit, aber der Feinfühligkeit steht nur geringe Urteilakl&rheit
und seinem GefühlBreichtum nur eine schwache Leidenscha.fUichkeit
und vor allem eine schwache GefühlBdauer zur Seite. Unbewußt und
oft noch unentwirrt brechen die Gefühle und Gedanken bei ihm her·
vor und ldJ.ren Bich ihm manchmal erst im Ablauf der VerseS oder
laBBen selbst am Sohluß noch Dunkelheiten übrig und Fragen offenl •
Mit einem Hoohmaß von Leidenschaft eröffnet er sein Gedicht:
"Sohneie nur, hagle nur zu, mach FinsterniB, donnre und blitze.. ••
Aber er vermag den Übersohwang dieses GefühlB&UBbrucba nicht
festzuhalten, geschweige denn zu noch BtA.rkerem dramatisohem
Leben zu steigern, im Gegenteil, er lohwAoht diese Gewalt von Vers

I V JOe. I ID V M Idin üoh era& im 8. Ven, _ eigeDtlioh aogerede& MI..


I V 11'1. • V M.
Aaklopiade. 36

zu V61'8 a.b, 110 da.ß die letzten Worte; " ..• als golden du einst eherne
Wände durchdra.ngst" auf einer ga.nz anderen, flacheren Gefühls-
ebene liegen. Das gleiche läßt sich bei XII 46 beobachten. Im Grunde
genommen gehört Asklepiades nicht zu den Lauten, er ist ein stiller
Mensch voller Gefühlsschwankungen. Welch ein Fluten und Ebben
der verschiedenen Gefühlswallungen geht durch das Gedicht XII 50!
Auch seine Lebensmüdigkeit ist sicherlich keine Phrase, sondern ein
Ausfluß seiner seelischen Unkraft. Eben der Zweifel, der ihn zwischen
Bejahung und Verneinung setzt und der keine Anforderungen an
seine Entscheidungskraft stellt, ist ein häufiges und charakteristisches
Motiv seiner Epigrammel. Robustheit liegt ihm fern a, im Gegenteil,
Za.rtheit, Weichheit nicht ohne SentimentalitätS, scheue Zurückhal-
tung und eine neckische Schalkhaftigkeit sind die Grundzüge seiner
besten Gedichte. Mit welcher stillen Feinheit malt er das erste, jähe
Von-Liebe-ergriflen-Sein des jungen Mädchens 4 ! Welch überraschen-
des impressionistisches Bildehen zeichnet er in XII 135, das die glei-
chen seelischen Erschütterungen bei einem jungen Mann darstelltl
Welche Grazie spricht aus dem kecken Schnappschuß, den er in xn
161 festhältl Als DarsteUungsmittel zur Kennzeichnung der seelischen
Bewegungen dienen ihm dabei gewöhnlich physiologische Begleit-
umstände und Umwelterscheinungen, die von der äußeren Wirkung
der inneren Erschütterung Nachricht geben und das aufgewühlte
Gefühl zwar ahnen lassen, aber nie aussprechen. Begründet liegt das
z. T. in der Gepflogenheit der bisherigen Lyrik, z. T. aber auch in der
Verschämtheit des Dichters, der seine letzten Gefühle nur ungern
preisgibt 6 oder lieber ganz verschweigt'. Oft auch sucht er Motive, die
vor dem eigentlichen Geschehen liegen und die kommenden Ereig-
nisse lediglich erraten? oder aus vergangenem Geschehen erschließen
lassen 8 ; so kommt es, daß seine Poesie eine eigenartig herbe Schön-
heit in sich trägt, die auch für uns Heutige noch sehr anziehend ist.
Um 240 etwa sind beide Schulen erlosohen. Doch treten im Osten
wie im Westen noch einige Nachzügler auf, die weniger dadurch be-
deutsam sind, daß sie das künstlerische Wollen ihrer Vorgänger im
Sinne einer der beiden Richtungen fortzuführen Buchen, als dadurch,
daß sie ohne Rüoksioht auf ihre sohulisohe Zugehörigkeit sich alle
1 XII 75, 77, XVI 68. • Er ist ein schwacher Zecher (Cougny IV 25). • V 145.
• V 153. • V 185. • V 150. • V 185. • V 181.
36 ElnfUhrung

auf einer Ebene zU8&mmenfinden. Zu Ende des dritten Jahrhunderte


hallte die Welt von WatIen1A.rm wider. Hannibal st&nd in It&lien,
in Griechen1a.nd erhoben sich die Aitoler gegen die makedonische
Herrschaft, und in Kleinasien tobten die Gallierkämpfe. Noch ein·
mal erwachte in Griechenland der Freiheitsgedanke zu neuem Leben.
Du dorische Rhod08 lieh seine Hilfe, die Augen aUer waren hoffnungs.
froh auf Sparta gerichtet, wo man sich Beit einigen Jahrzehnten der
großen Vergangenheit wieder mit Stolz bewußt geworden war und wo
Agis und Kleomenes eine politische Reform anstrebten. Eingeleitet
wurde dieser Dorismus von dem Grammatiker Sosibios aus Sparta
(um 285), der einen Komment&r zu Alkman verfaßte, FOl'llChungen
über lakonische Altertümer ansteUte und sich die Verherrlichung
Spartas zum Ziel setzte. Die zeitgenössische Philosophie griff nach
ihrer Weise den Gedanken auf: Teles (um 240) schrieb Diatriben, in
denen er Genügsamkeit und Bedürfnisl08igkeit vom kynischen Stand·
punkt aus predigte!. Die bildende Kunst gab den bisherigen prunk.
voUen jonisch·korinthischen Stil auf und griff auf die schlichte dorische
Form zurück. In den Prosainschriften befleißigte man sich einer auf·
faUend lapidaren Knappheit', und in der Epigrammatik klangen
jetzt Töne auf, wie wir sie von den Penerkämpfen her kennen.
Dioskorides, Tymnes, Nikandros, Damagetos, Hogesippos, Hegemon,
Phaenn08, Chairemon und AlkaiOB von Messene verherrlichen jetzt
spartanische Taten und Charakterzüge. Man singt von dem Helden,
der seine Wunden in der Brust empfing, von dem Vater, der uno
erschüttert seinen gefallenen Sohn auf den Scheiterhaufen legt, von d81
Mutter, die ihren eigenen aus der Schlacht geHohenen Sohn nieder·
sticht, und dergleichen. Ja, in den Händen eines Alkaios, der neher
Dioskorides wohl der bedeutendJIte dieser Epigonen ist und dell861
Verse nach einem Zeugnis aus dem Altertum damals in aDer Mun(
waren, wird das Epigramm sogar zur genirchteten politischen Wafli
gegen die Makedonen, und der dortige König hält es nicht für unte
seiner Würde, Alkai08 zu antworten'. Doch bleibt der Dorismus, wi
in der Politik und der bildenden Kunst., 80 auch in der Epigrammati
• p.1I7,IOIF. H. • Die Inachriftaur8\lftungdlll AaklepiOllfllltea v.J.242 ber.eicl
Det HtII'IOg ala "ein bisher einzig du\ehend... Beiapiel einer alFelltienen lakoni8cbt
Küne" (Henos·K1aIFenbach: Aayllearllunden au Ka., Abb. d. Dt. All. d. Wb
zu BerIIn, 1l1li2, I). • Vll247, Cougny 11, 10.
Doriamu8, 2. Jahrh., Pholnikiaohe Sohule 37

nur eine kurze Episode. Im Jahre 196 erhält Griechenland durch das
Eingreifen der Römer die "Freiheit", und Alkaios jubelt dem Sieger
zu I. Der Dorismus stirbt wie der Freiheitswille der Griechen; das Wort
"Hellene" hat, wie schon Isokrates (436-338) vorausgefühlt hattet,
von nun an seinen politischen Inhalt verloren und enthält nur noch
einen kulturellen Wert.
Aber mit dem Absterben des Dorismus verklingt auch für einige
Jahrzehnte das Epigramm. Das zweite Jahrhundert ist nicht
sonderlich fruchtbar, auch nicht in der übrigen Dichtung. Der jetzt
entstehende, aber von der literarischen Kritik abgelehnte und tot-
geschwiegene Roman mit seiner Reise- und Abenteuerfabulistik genügt
den breiten Volksschichten als Lesefutter.
Erst die zu Ende des 2. und zu Anfang des 1. Jahrhunderts blü-
hende Phoinikische Schule, zu der Antipatros von Sidon, Me-
leagros von Gadara, sein Landsmann Philodemos und Archias von
Antiochia 3 gehören, ergeht sich wieder in Epigrammen.
Der älteste dieser Dichter, Antipatros von Sidon (um 170-1(0),
nimmt eine Sonderstellung ein. Er steht der Pelopounesischen Schule
näher als der Alexandrinischen. Zum Teil machen sich auch noch
Nachklänge des Dorismus bei ihm bemerkbare. In der Hauptsache
jedoch geht sein Sinn nach dem Seltsamen und Abenteuerlichen, wie
es Leonidas gesucht hatte, und versteigt sich sogar ins Allegorische&.
Er ist ein ernster Mensch, der von einer für seine Zeit auffallenden
Religiosität erfüllt ist. Das Liebesgedicht liegt ihm wohl kaum, ob-
schon er sich darin versucht hat und auch gerühmt wird', ebenso-
wenig das Zarte und Anmutige. Seine Sprache ist reich von Bildern
durchsetzt, aber fast immer sind es Bilder vom Kraftvollen, Urwüch-
sigen und Gewaltigen: der Amboß, der Schmied, der Löwe, der Ky-
klop, der Gigant gehören zu seinen Lieblingsmetaphem. In die gleiche
Richtung weist seine Vorliebe für apokopierte Formen?, die durch
ihre Kürzung im Wortinnern und die dadurch hervorgerufene Zu-
sammenballung besonders schwer und wuchtig wirken. Seine Be-
deutung liegt vorzugsweise darin, daß er das Epigramm, das in den
1 XVI 5. I Paneg. 50. I Es gibt nur einen Archiaa. I VII 146, 246, 252,
426, 493. • VII 423-427. I Vgl. VII 428, 15f., XII 97. 'Wie &yWI.lQ., QyKpE-
!Aäa~, &\.11TaVC71J, QvC7)(61.llVO' (VI 159, 3; XI 323, 3; 567,8; VII 711,4; vgl. nooh
VI 47,2; VII 423,4; 464,8; 498,6; 748,71).
38 EiDführuDg

letzten Jabrr.ehnten wtm.ig Beachtung gefunden hatte. durch An·


nAherung an die in dominierendem Ansehen stehende Rhetorik
erneut dem literarischen Leben zuführt. So ist er ganz Deklamator,
wie er auch glänzender Improvisator war. Das Epigramm tritt bei
ihm in Wettbewerb mit der Prunkrede und gestaltet sich mit seiner
WorteüDe und dem Ematgewaltigen seines Ausdrucks zum echten
oratorischen Schaustück. Auch für uns Heutige ist er nicht ohne Reiz:
auf seine Zeitgenoaaen muß er eine ungemeine Anziehungskraft aus·
geübt haben. Mehrfach erfuhren seine Epigramme die Ehre, in Stein
gemeißelt zu werden: wir wiaaen heute noch von einem in Rom,
einem in Pergamon und einem auf DeI08 1• Ja, sein EinHuB über·
dauerte noch sein Leben und kam später unter Augu8tus noch einmal
zu 8tiLrkster Geltung.
Andera die andem, vorab Meleagroa (um 130-60). Sie 8chließen sich
enger an die Alexandriner an: Wein und mehr noch Liebe Bind ihre
Hauptthemen. Aber die Schlichtheit und Natürlichkeit, die sich im
Fühlen und KunstwoDen bei den Alexandrinern gezeigt hatte, ist hier
geachwunden. An ihre Stelle ist jetzt allenthalben eine Überateigerung
getreten, wie Zeit und Ort es erwarten laaaen. Das Hofleben in Se·
leulda und Antiochia mit seinen Balletteusen und Hetären, seinen
Gauklem, Musikanten und MURikantinnen war weithin bekannt und
berilchtigt·. Die üppige, pikante Arohitekturmalerei zu Beginn dea
1. Jahrhunderts vermittelt uns heute noch den Geist, der von hier
auaatrahlte und im Witz und Spott, im Leichtsinn und der Ungebun.
denheit des 8)Tisehen Volkacharaktera seine Nahrung fand. So zeigen
auch diese Dichter in ihren Vorwürfen nicht mehr wie die früheren
eine natürliche Einstellung, sondern haben ihre Freude mehr am
Kecken, am Prickelnden, an pikanten Situationen. Nicht mit Uno
recht hat man Meleagroa den griechischen Ovid genannt. - Eine
ähnliche Verschiebung lAßt sich im Sprachatil feststellen. Das große
Vorbild der Neuen ist weniger der schlichte Aaklep1a.des als der an·
spruchsvollere KallimlLCh08. Seine Sprachkunst, besonders das Poin·
tierte, das er gesucht hatte, findet sich bei Melea.groa, aber auch bei
Antipatroa wieder. Dooh die Phoiniker übersteigern diese Kunst

I VII 8, CI, P. Ro_I: IDIcrlptJoDa de DelOlI 1937, Nr.2M9. I Vgl. auch


XVI 202, 288.
Phoinikisohe Schule 39

nooh. Fein abgewogene Mischungen von epischen, attischen und do·


rischen Bestandteilen verleihen der Sprache einen wundervollen
Klangzauber. Orientalische Bilder verbreiten ihren Duft1 • Kräftig
a.ufgetragene rhetorische Mittel sorgen für Leben und Schmuck.
Fragen, Ausrufe, Aposiopesen, Wortspiele, Anaphern und andere
Redefiguren geben den Worten starke Eindringlichkeit'. Antithesen
funkeln auf. Eine raffinierte Grazie, eine gewollte Eleganz spielt
durch die Verse. Die Pentameterhälften werden zum Reim benutzt3 •
Kunstvoll berechnete Zusammenstellungen von Worten überraschen
den Leser; man vergleiche etwa die Schlußworte von V 143, 148f.,
154, 196, XII 54, 72 oder den Schluß der Pentameterhälften in V 140,
4, um zu begreifen, daß in die originelle Pointe des Kallimachos
(V 146) nun ein gehöriger Schuß ausklügelnden Wollens gekommen
ist. - Aus den letzten Beispielen ersieht man auch, mit weloh erstaun·
lioher Sorgfalt der Gedankenaufbau ausgedacht und zugespitzt ist,
um die Endwirkung erreiohen zu können. In anderen Fällen treibt
man die Gedankenfolge auf eine Schlußsentenz' oder häufiger noch
auf eine Reflexion hin6 ; andere gipfeln in einem verblüffenden Witz
oder einem Oxymoron'. Der Unmittelbarkeit des Gefühls bei einem
AskIepiades steht hier Verstand und Überlegung, dem zwanglos.
burschikosen Sichgehenlassen einea Hedylos berechnete Feilung und
rhetorische Absicht gegenüber. - Die gleiche übersteigerung weist
die Form auf. Der Dialog, der sich ursprünglich auf Grab· und Weili.
dichtung beschränkt und im 3. Jahrhundert leise auch in die anderen
Arten eingedrungen war, wird nun voll entfaltet in die Liebesdich.
tung eingeführt?, hier spielt Philodemos eine keoke Rolle. Gehäufte
und manchmal sprunghaft sich drängende Anreden, die uns, oft völlig
unvermittelt, immer wieder ein neues Vorstellungsfeld herbeizaubern,
dramatisieren das Epigramm und geben ihm einen von Vers zu Vers
fortwährend sich ändernden schillernden Reiz. - Entsprechend sind
die Gefühle dieser Dichter. Zarte, oft sentimentale Rührung, aber
auch leidenschaftlicher Überschwang, die Wirrnis de.~ Odi et Amo,
die den Menschen ein willenloses Objekt der eigenen Gefühle werden

1 V 214. I Vgl. vor allem V 184, VII 476. • V 13, 2; 24,4; 25,4; 123,2 U8W.
, V 160, VI 219. • VII 8, 14, 172, 213, 468, 745 U.8. • V 121, XII 68, 109.
T V 46, 101, XII 101, 117; vgl. auch V 136f., 15lf., 182, 184, XII 119, 132, 144.
Einführung

läßt l • und die F.kRtAse einer erotiaohen Stimmung, die eich nur
noch im Wortgeltammel Luft machtl, Bind bezeichnend für dieae
Schule. An der Echtheit der Empfindungen ist gewiß nicht zu zwei-
feln, und wenn recht oft der Eindruck der Gcfühlsspielerei aufkommt,
80 liegt das z. T. an der starken Rhetorisierung des Ausdrucke, z. T.
aber auch an dem Charakter der Syrer, die wohl der Leidenschaft
fähig sind, deren unruhigem und flackerndem Innenleben aber die
Stetigkeit und seelische Tiefe fehlt. Mehr a1a das G~fühl gilt ihnen
Geist und Witz, und es ist sicher kein Zufall, daß wir, ganz wie bei
Hl'ine, die Dlusionszerstörung auch bei ihnen schon vorgebildet
finden'.
Übersteigerung des Vorgefundenen ist das Hauptkennzeichen, das
die Pholniker von den Alexandrinern scheidet. Außerdem bereiten
Bie, wenigstens anbahnend, noch etwas Neues vor, die Parodie. Ange-
deutet ist dieae schon in der Art des hier herrschenden Tierepigrammsl ,
das Bich mit seiner Geistreiehelei und seinem Effektha.schen stark
von der schlichten Gemütatiefe der Peloponnesier entfernt 5• Klarer
noch sind die Spuren der Parodie im Weih- und Grabepigramm er-
kennbar, besonders aber im Tierepitaphion, das diese Dichter im be-
wußten Gegensatz zum ernst-sentimentalen Tierepitaphion der Pe-
loponnesier entwickeln'. Besonderen Vorschub aber leisten sie der
Parodie, wenn sie die bisher reinliche Scheidung zwischen Erotikon,
Epitaphion und Weihgedicht allmählich beseitigen und die Grenzen
zwischen ihnen verwischen. Man triI.gt erotische Motive ins Weihge-
dicht? und umgekehrt Votivelemente ins Erotikon'; man füllt das
Grabgedicht mit Liehesgehalt' und andererseits das Erotikon mit
Epitaphienbestandteilen 10. Selbst die Naturlyrik, die im Grunde
ans dem Weihgedicht heraUBge8pOnnen war l l , erhält jetzt eine
Dosis erotischen Stoffesli. Daß dieae neue Kunstga.ttung, die sich
mehr an den Verstand als an das Gefühl wendet, gerade von den
Syrern inauguriert wird, dürfte nach dem oben Gesagten begreif-
lich sein. Später haben dann die Römer dieses Bereich stärker
aUBgebaut.

, V 1M. I V 132. 182. I V 121, 180. VII 85, xn 88. • HerrliDger (281.
1 V 1511.• 163. 1 VII 207. 'VI 182. 1 V 191. XII 23. 1 VII 478, 5311.
'0 V 215. XII 74. 11 Vgl. etwa IX 314, XVI 231. '" VII 1951.
Pholaikiaohe Sohule, Krel. um Cloero uad Seaeoa '1

Seit dem Anwachsen der römischen Macht zogen die Dichter gern,
wie früher nach Alexandria, 10 jetzt nach Rom hin. Um Cicero bildete
sich nun ein literarischer Kreis, dem Arohiu, Philodem08, Mucius
Scävola, Tullius Laureaa, ThyilloB u.a. angehörten. Eine eigentliche
Schule erwächst allerdings nicht daraus. Der bedeutendste von ihnen
ist zweüell08 Philodem08, der die Tradition der Phoiniker weiter·
führt und in kecker Weise steigert. Seine Leidenschaft ist auch echter
und größer als die des Meleagros. Er sucht die Liebe in der Öffentlich·
keit und zeigt uns Btraßenazenen voll entzückender Frechheit, aber
auch voll packender Wirkung. Die übrigen nähern sich mehr oder
weniger der Kunst des Leonidas von Tarent.
Die Mitte des 1. Jahrhunderte v. C. bildet entschieden einen Ein·
schnitt in der Entwicklung des Epigramms. Du Liebesgedicht ver·
klingt a.11mAhlich, wenigstens verliert es, soweit es noch gepßegt wird,
seine Leidenschaft.lichkeit und verbindet sich gern mit der Trink.
poesie. Größerer Beliebtheit erfreut sich das Leonideische Epigramm.
Wunderliche Erfindungen, abenteuerliche UnglücksfAlle und selt-
same Errettungen, wie sie Leonidas geancht hatte, werden jetzt wieder
aufgefrischt und in glanzvoller Rhetorik vorgetragen; man hat eine
Schwäche für starke Gebärden l • Du verwundert in dieser Zeit um 80
weniger, als viele der jetzigen Dichter von Beruf Rhetoren sind, 10
Adai08, Ämillanus, Argentarius und Dioklea. Bezeichnend auch ist
es, daß sich, wie kurz zuvor um Cicero, nun um den Rhetor Se ne ca
ein neuer Zirkel von Epigrammatikern schart, zu dem Marcus Argen.
tariua, Lolliua Bauus, Jullus Diokles u. a. gehören. Damit tauchen
römiaobe Namen in unaerm Blickfeld auf, und die griechische Epi.
grammatik kommt nun in engere Berührung mit römischem Geist;
aie hatte übrigens IChon seit Enniua (239-169) auf die Römer einzu·
wirken begonnen. Von Bedeutung erscheint diese Poesie nicht. Es
sind ersichtlich ausgetretene Bahnen, auf denen die Dichter wandern,
und diese Bahnen werden auch dadurch nicht neuer, daß man du
Paradoxe der Anekdoten z. T. bis zum ungewollt Komischen hinauf
steigert. Aber wenn auch die bloße Imitat ion eines älteren Musters das
Eigenschöpferiache jetzt eJ'letzt, 10 finden diese Poeten doch ein
bewunderndes Publikum. Wu man freilich bewundert, ist nicht 10

I VII. vn 3711, eu, IX M, IN, 228, U3f., 264f. u .•.


42 Eln'ühruns

sehr ihre Kunft als ihre Kunstfertigkeit, nicht die Originalität, sondern
dae handwerklich Erlernte. Damit aber setzte man dae Epigramm der
Gefahr aus, daß es sich allmählich im rein DarsteUerischen (Epi-
deiktischen) erschöpfte und schließlich erstarrte.
Doch gelang dieser Epoche noch einmal ein guter Wurf, indem sie
dae Zeitgedicht schuf. Schon Archiae hatte nach Cicero 1 ..aus-
gezeichnete Verse über aktuelle Themen aus dem Stegreif vorgetragen
und auf die Dakapo-Rufe seiner Zuhörer hin dae gleiche Thema mit
anderen Worten und Gedanken variiert." Die neue poetische Art
griff dann vor allem Krinagoras aus Mytilene auf, der als der bedeu-
tendste dieser Dichter gelten kann und der in den Jahren 45 und 25
als Gesandter seiner Heimatatadt in Rom weilte. Aber bald schlosaen
sich ihm auch andere an, so Antipatros von Theesalonike, Phi-
Iippos, Lollius Basaus, ApoUonidae, Boethoe, A1pheioe, Antiphil08
u. a. Die Themen Liebe und Wein ebenso wie Weihung und Tod
wiederholen sich ja in jedem Menschenleben immer wieder, sie
boten an und für sich keinen neuen Stoff mehr. Auf der Suche nach
Neuem, Noch-nie-Dageweaenem und Einmaligem hatte man zuletzt
den alten Stoff in sich selbst steigern woUen; nun aber entdeckte man,
daß dae Einmalige unbenutzt und griffbereit gewissermaßen auf der
Straße lag. Es waren die Geschehniaae des Tages, Ereigniaae. die nicht
bloß dae EinzeUeben, sondern das Interesse eines großen Kreises be-
rührten, ja sogar dae Gesamtleben des Volkes beeinßußten. Man glaubt,
dae Tisohgesprich bestimmter GeaelIschaften zu hören, wenn man
hier Äußerungen liest über Ärztei, Literaten' und Redner· oder auch
über Musiker', Schauspieler' und Tänzer' oder gar über Sportgrößen'
und selbst über Gladiatoren'. Neue technische Anlagen und Errungen-
schaften, die Erfindung der Wasseruhri', der Wassermühlell, des
Lederschiffall, ein mächtiger MolenbaulI, die offenbar dae Stacitge-
sprich bildeten, werden nun im Epigramm besungen. Erdbebenu,
Stadtgründungen 15, aber auch der trostlose Zustand alter berühmter
Städte, die man auf einer Reile sahi', gehen in die Dichtung ein. Vor
• Pro Archia 18. Seine in der AnUlolOflle erhaltenen Epipmme deuten allerdinp
Dioht in eile R1chtUßS d ... Zeitgediohtee. I XVI 273. • VII 646, IX 613, 1142.
t VII 382, 376, X 23. I VI3IiO, IX 266,429,617. I IX 567. 'IX m. I VII
*, 692, XVI 25,62. I IX 1143. .1 VII MI. 11 IX 418. .1 IX 306. .. VII
379, IX 708. H IX d3. Ja IX IN, M3. .. VII 706, IX 28, 101, 1031., 100,
408, 421, 236, 6110.
aUem aber ist es die welt.bewegende Politik I und der menschen·
schlachtende Kriegt, die Geist und Herz erregten und Anspruch auf
Allgemeininteresse machten. Damit hatte man den Weg zur römischen
Hofdiohtung eingeschlagen, der um so leichter gegeben war, als etliche
der Diohter sich nicht soheuten, in die Klientel einflußreicher Leute
zu treten; 80 war Krinagoras der Klient Octavias, der Schwest.er des
Augustus, und Antipatroe von Thessa10nike der Klient Pisoa. Es
fehlte denn auch nicht an Huldigungsgedichten rnr den Kaiserl , die
Prinzen. und hochstehende Persönlichkeiten, die im Brennpunkt des
öffentlichen Lebens standen. Besonders gern aandte man ihnen zu
einem Geschenk, das man ihnen persönlich oder von Staats wegen
machte, ein aus dem Weihepigramm entwickeltes Begleitgedicht, das
Gruß und Huldigung enthielt·. Wir sehen, mit diesen Themen be·
kommt das Epigramm eine starke Gegenwartsbezogenheit, durch die
es selbst zum aktuellen Ereignis, ja bisweilen sogar zu einer nicht
zu unt.erschAtzenden Macht wird, die im GesellschaCtsIeben wie in
innen· und außenpolitischer Hinsicht von starkem Einfluß ist. Zwar
waren solche Klänge auch früher schon angeschlagen worden, aber
zu einer bewußten und systematischen Ausbeutung dieses Bereichs
war es bisher noch nicht gekommen. Gleichzeitig drang dadurch etwas
Zweckhaf'tes (man möchte aagen, etwas Kunstgewerbliohes) in die
Poesie ein. Das war zweifellos ein Entgegenkommen, das die griechi.
schen Dichter dem römischen Geist machten; denn dem Römer, dessen
Kunstübung von jeher viel mehr im Praktischen und T(",hnischen als
im rein Asthetischen und Freischöpferischen wurzelte, sagte gerade
diese Zweckgebundenheil. besonders zu'. Neben der Knappheit der
Form war es nicht zuletzt die praktische Verwertbarkeit, die dem
Römer das Epigramm so willkommen machte. Mit dem übergang zur
"Gelegenheitspoesie" aber erhAlt das Epigramm nun ein ganz anderes
geistiges Gepräge. Das althellenische Gedicht hatte auf die Töne des
eigenen Herzens gelauscht und die subjektive Empfindung des Dich·
ten ausgesprochen. Daran hiLlt scheinbar auch das neue Epigramm
fest. Noch wird äußerlich ein "Wir" nicht sichtbar, überall blickt
I VII 380, 401, IX 81, 178, 2311, 287, XVI 711. • VI 181, VII 233f., IX 291,
XVI 81. • VI 23l1f., 240, IX 224, 2811, 291, 297, 307, 419,1128,1182, X 25. • VII
391, 833, IX 178, 287, XVI 40, 81. • VI 229, 241, 249f., 262, 335, IX 93, 239
CI. zu VI 227). • Vgl. Leonldu von Alexandria 8.48.
Einfilbranl

weiterhin das .. Ich" durch; und doch schwingt durch diese Vel'le,
wenn auch unausgesprochen, die Sthrune der Masse hindurch. Sohon
bei Philodemos war das Epigramm aus der Studierstube und der
HetArenkammer auf die Straße hinausgetreten, ohne jedoch die alte
Intimität und persönliche Begrenztheit abzustreifen. Jetzt aber zer-
reißt es die engen Bande persönlicher Bezogenheit und jene splendid
isolation der alten Alexandriner, es stellt sich hinaus in die volle
Öffentlichkeit und fordert, wie ein Schauredner, Gehör vom ganzen
Volk. Damit Andert sich auch der Ton, in dem der Dichter sein Epi.
gramm sioh vorgetragen denkt. Die vergangenen Jahrhunderte hatten
teils ernst-verhalten, teils empfindsam, teils schwermütig. teils lustig
oder keck gesprochen, das neue Epigramm verlangt eine andere Wirk.
weite, es sprioht laut und hallend, damit es von allen Ländern noch
über die Grenzen des weiten Imperiums hinaus gehört werdel. Was
Wilamowitz von der einen Riohtung frühhellenistischer Kunst ge.
sagt hat. hier herrsche ein rauschender Stil, der am liebsten über die
ganze Welt hintönen wolle, trifft mehr noch für das auguateisohe
Epigramm zu: es wird, wie Antipatroa von Sidon es seinerzeit einge-
leitet hatte, zum Sohaustück wie die Prunkrede, es spricht mit dem
Volk und zu dem Volk. Das gleiohe erstrebt auch die Technik, die
bei allem Anschluß an die alexandrinische doch freier gehandhabt
wird und gern das großartig Improvisierte durchblicken lAßt; das
gleiohe erstreben die Stilmittel, da man in wahrhaft verschwenderi-
scher Weise mit den Antithesen umging· und ausgeklügelte Pointen
suchte, die die Wirkung der Worte kraftvoll unterstreichen sollten.
Aber um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. C. verliert sich diese Rioh.
tung wieder. Wohl gehört das Zeitgedicht auch fernerhin noch zum
Repertoire der Epigrammatik, doch gibt es seine beherrschende Stel·
lung auf. Keiner dieser Dichter hat auf die spltere Epigrammatik
einen nennenswerten EinHuß ausgeübt mit Ausnahme von Anti-
philos, der mit seiner preziösen Ausdrucksweise noch den Byzantinern
imponierte-.
Spuren der Augusteischen Restauratio, die eine Wiederher-
stellung altrömischer Sitten anstrebte und die Dichtkunst in den
Dienst der Besserung und Sittigung der Völker stellen wollte, zeigen

I VII. etWA IX 291. 626, XVI 334 u... • VII. etWA IX 222. I Müller (49).
Zeitgedioht, Augusteische Rostauratio 46

sioh auoh im Epigramm. Die bukolisoh-idyllische Dichtung der 1:'e10-


ponnesier, die durchaus im Sinne des Kaisers lag und die Vergil auf
Wunsch des Augustus in Angriff nahm, findet auoh im Epigramm ihren
Niedersohlag. Aber was Krinagoras, Antipatros von Thessalonike,
Philippos und Antiphilos hierin boten, entsprach, so Beachtliohes sie
auoh in melodiöser Sprachgests.Itung leisteten, weniger dem Wollen
der alten Peloponnesier, es neigte eher zur parodierenden Dichtung
der Phoinikischen Schulel • Gern predigte man Genügsamkeit und be-
sang die bescheidenen Freuden des kleinen Mannesi ; gern griff man
auoh wieder auf die früheren Motive der Thermopylenkämpfer und
der heroischen Frauen zurück, man gedachte der Ilia.s und der Helden
von Troja, man besang Reliquien von Heroen3 und feierte Roms
Weltherrschaft, ohne zu bedenken, daß man damit auch seine eigene
Knechtschaft pries. Bei der Wortwahl richtete man den Blick wieder
in die alten Zeiten. Die in der Peloponnesischen Schule so beliebten
Adjektivkomposita tauchen, oft bis zur überladung', wieder auf&.
Die kl&S8ischen Tragiker und andere entlegene Quellen durchstöberte
man nach seltenen Substantiveni. Längst ausgestorbene und in dieser
Zeit schon unverständlich gewordene Wörter oder Wortformen wollte
man in die lebende Sprache wieder einführen 7 , und sogar bei Homer
machte man unbedenklich Anleihen 8 • Die erhaltenen Steininschriften
dieser Epoche unterstreichen nur noch das eben Gesagtes. Der Stil
selbst suchte Klarheit und schwang in großen Linien aus, wie es
die griechische KI&S8ik verlangt hatte. Gern brachte man auch eine
kleine Erzählung und hängte ihr, wie bei der Fabel, eine Moral
als Schluß an 10: das Epigramm sollte belehrend wirken. Doch können
diese rhetorisoh oft recht wirkungsvollen Erzeugnisse nicht darüber
hinwegtäuschen, daß es sich um gelenkte Kunst handelt. Die Zeit

1 Vgl. etwa VII 216 mit VII 216 und IX 222. • VII 636, IX 23, 71, 1l0, 242,
413, 646, XVI 3331. • VI 241, IX 662. • Vgl. etwa VI 96, 233. • z. B. }.a8po.
1l6}.e>; IX 824. ",apOy}.waC705 VII 377, Ilvp.6j30.oS IX 237, Ilvp.6\1Q\/S VII 237 uaw.
• z. B. ävllvIllla IX 644, ärr}.vcria VII 377, ärrollolp.a VI 187, yäve>; VII 36,
ytpäv6pvov IX 233, 60üpas VI 97, =?IiiT.S VII 368, a'PlYK"fwp VI 233, Tpl\ICX~
VI 104, x,"apoaopaKTf}p IX 668, ~Ila VI 233 U8W. • z. B. 6TTa, Illv, IlWV,
aoplll, TauTl XI 142, 6allQ XI 167, 1Tha!la. XI 208. uaw. • z.B. äm.}.rrn'lp VI 95,
1l}.w6p6s VII 174, KapKalpw, KovaIliw. aR;w XI 144: vgl. Kovall1l66v VII 631 UIW.
I Pfohl (64) S.44. 10 VII 630, IX 295, 308, 310. 430.
Einführung

ließ sich nicht, wie der Kaiser es wollte, um Jahrhunderte zuruok·


drehen l • Daa herrschende Lebensgefühl war, wie sohon das Zeit-
gedicht beweist, durchaus modem und wollte von romantischer
Verblasenheit nichts WÜlsen. Waa Augustua mit seiner Bestrebung er·
reiohte, war lediglich eine Kluft, die sich jetzt zwisohen Gegenwarts.
ethos und künstlerischer Darstellung auftat. Die gerade in diese Epoche
fallende Entstehung der ersten Anakreonteen, die mit ihrem leiohten
Getändel und Getinzel im Volk Anklang fanden·, zeigen nur zu
deutlich, waa den Graeculus dieser Periode in Wirklichkeit aUBfüllte.
Auoh in der bildenden Kunst hat der Wille des AugustUB seinen Aus·
druok gefunden, wie wir es in Pompeji trefflich verfolgen können.
Hier folgt auf den prunkvollen maleriaoh·omamentalen sog. 2. Stil
des 1. Jahrhunderts v. C., der bei Meleagros und PhilodemOl sein
dichterisches Gegenstück gefunden hatte, etwa seit 115 v.C. als 3.Stii
eine kühle und klassisch ruhige Richtung, deren gewollte flächige
Einfachheit einen etwaa altertümelnden Charakter trägt und auf die
von AugustUB inaugurierte Reatauratio hinweist. Dann aber schließt
sioh an diese um die Mitte des l.Jahrhunderts n.C. ein'. Stil, der mit
seiner sprühenden Phantasie, seiner Farbenfreude, seiner prickelnden
Darstellung und seinem Schwelgen in nackten Figuren den 2. Stil
nicht nur wieder aufleben läßt, sondern ihn sogar ins Phantastische
steigert.
Dem entspricht auch die Poesie dieser Zeit.
Noch einmal nämlich und zum letztenmal schenkte das Grieohen·
tum der Wt'ltliter&tur eine neue Dichtungsart und gab gleichzeitig
der Epigrammatik eine neue Richtung, als es um die Mitte des 1. Jahr.
hunderts n. C. das im Eingang beschriebene Spottepigramm schuf.
Hervorzuheben unter den Diohtern dieser Periode sind Ammian08,
AntiochoB, Apollinari08, HelIadiOI, Killaktor (Kallikter), Lukillios und
Nikarchos 11. Die Initiative ging von Lukilli08 aus, den man gewöhn.
Iich mit dem Freund Senecaa identifiziert. Der Hauptvertreter dieser
Richtung wurde allerdings weder LukiUi08 noch sonst ein Grieche, son·
dem der Römer Martial. Jetzt wird das Epigramm zu einem kurzen
Gedicht mit witzigem Schluß, wie es Martial definiert' und wie es 300
bis 400Jahre später noch PaUadaa versteht·. Damit strömt, im Gegen.

I Vgl. XI 144. I Vgl. IX 239. I 1,3,6. • AG XI :WO.


Augusteische Reatauratio, Spottepigramm 47

satz zu den vorhergehenden Entwicklungsstufen, doch leise von den


syrern schon vorbereitetl, kräftig die Welt des Verstandes in das Epi-
gramm ein, das bisher immer noch wenigstens vorwiegend vom Gefühl
beherrscht war. Rein formal betrachtet ist auch das elegische Disti-
chon, das über starke innere Spannungen hinweg zu einer organischen
Einheit hinstrebt, dem neuen witzigen Inhalt außerordentlich gut an-
gepaßt und hier sicher besser am Platz als etwa im erotischen Epi-
gramm. Zu Spott oder besser zum Hohn hatten auch die früheren
Epigrammatiker bisweilen schon gegriffen I, aber ihre Gedichte waren,
von wenigen Ausnahmen abgesehen, Pasquille, rein persönliche Invek-
tiven, durch die man einen bestimmten Menschen vernichtend zu
treffen suchte. Ihre seelischen Wurzeln lagen im Haß und oft genug in
Schmähsucht. Mit diesen Hohngedichten hat das neue Spottepigramm
nichts zu tun. Jetzt sucht man als Objekt für seinen Spott rocht einen
persönlichen Feind, sondern greift, frei von allem Persönlichen, einen
Typus an, etwa den des Arztes, des Grammatikers, des Dichters, Bar-
biers, den des Geizigen, Eiteln, Feigen oder den des Kleinen, Mageren,
Langnäsigen u. dgl. Ja, man verwischt geflissentlich alle Möglichkeiten
einer persönlichen Ausdeutung, indem man dem Angeredeten einen
Allerweltsnamen gibt, wie Diodoros, Gaius, Marcus, Sextus', oder
einen "sprechenden Namen", indem man etwa den Geizhals Knicker
neunt, den Erotischen Verliebter oder den kleinen Mann mit dem
Namen Groß versieht e usw. Die seelischen Wurzeln dieser Epigramme
liegen nicht in der Bosheit, sondern in der Freude am Witz und in der
Absicht zu erheitern; diese kleinen Schöpfungen sind nicht gehässig,
sondern ergötzlich, nicht hämisch, sondern gutmütig. Sie setzen die
Typisierung, die in der Peloponnesischen Schule andeutend begonnen
hatte, fort, ja sie steigern sie noch und zeigen dadurch, daß die Wand-
lung der griechischen Volksseele vom Individualismus zum Univer-
salismus einen guten Schritt vorwärts gekommen ist. Zwar ist das
lateinische Epigramm ersichtlich nur eine, wenn auch national ge-
färbte Abart des griechischen; beachtlich dabei aber ist die Tatsache,
daß das griechische Spottepigramm noch um ein Bedeutendes blasser
und wesenloser erscheint als das gleichzeitige lateinische eines Martial,

1 s. S. 40. • z.B. XI 1911,218,275, 362f., 437 UBW. • XI 120, 100, 194, 145.
, XI 170, 219, 911.
48 EIDführDDI

der seiner Dichtung durch Einstreuung von zahlreichen treffenden


und anschaulichen Einzelzügen doch noch ein mehr individuelles
GeprAge gibt, ein Beweis dafür, daß der Ethoswechael im antiken
Menschen vom Griechentum ausging und daß der römische Mensch
mit aeinem sicheren und auf greifbaren Dingen beruhenden National·
atolz dieaem Umbruch länger Widentand geleistet hat als der grie.
chische Menaoh mit seinem feinen, aber auf dem Grenzenlosen be·
ruhenden Kulturatolz. Der Stil BOlbst wird jetzt einfach, die Sätze Bind
"bisweilen knapp, abgehackt, fut lapidar': der Eindruck dea Unmittel·
baren und Improviaierten sollte bleiben. Dieaer Stil greift dann auch
auf andere Gediohte über·. Übrigena erlebt du Epigramm jetzt, da
MartialB Dichtung den bisher noch wenig erachlOlllellen Westen Euro·
pali erobert, auch rein räumlich seine weiteste Verbreitung; es wird
zum Gemeingut der literarischen Kulturwelt, es wirkt von den Säulen
des Herkules bis tief nach Asien hinein und wird aelbst in Britannien
und bei den Geten in Rumänien vorgetragen.
Eine unverdiente Bedeutung' erlangte in dieaer Zeit Leonidas
von Alexandria. Er war von HaUBe aua Mathematiker und Aatro·
nom, bis er plötzlioh sein dichterisohea Talent entdeckte und seine
mathematische Wissenschaft mit der epigrammatischen Poesie in
.. isopsephen" Gedichten verschmolz. Da die Buchstaben im Griechi·
sohen gleiohzeitig Zahlenzeichen sind, legte er seine Epigramme so an,
daß die Summe aller Zahlen im enten Diatichon gleich der im zweiten
war. Er schrieb anfangs nur Epigramme, die zwei Distichen umfaß·
ten, spAter auoh solche, die aus einem Distichon bestanden, wobei die
Summen der Zahlen beider Verse sich entsprachen'. Die Alten, be·
sonden aber die Römer, hatten an solchen Spielereien große Freude;
auch bei Homer hatte man, wie GelliU8 bemerkt', schon isopsephe
Verse entdeckt'. Leonidu ist mit seiner Art im Grunde genommen nur
ein Nachfahr des zweokgebundenen Zeitgediohtes 7• - In ähnlich apiele-
rischer Weise hat Nikodemos von Heraklea anakykliBohe (palin.
drome) Epigramme gedichtet, d.h. solohe, die man auch von rück·
u....
I XI 23. 26. 83, 73, 324, XVI 147 I V,I. V 111, 307f., IX 2M, 649. I IX
344. • &. B. VI 327. I a, 8, 4. "IUu 7,2Mf. (Summe 3498) und 19, 308f.
(Summe 2848). l>&m&Ia entdeckte man ..uch, d&8 der N&me Ntpc.w gleichen Zahlen.
wen (1008) hAt wie 161av lI!lripa äriJc'mw (Mutt.ennörder) (S~ Ner. 39).
' •• 8.42.
Leonid .. .,on Alexandria, Nikodemol 49

wärtB nach vorwlirllll_. kam.', Und Doch8pätere "dichteten" Vcree,


die du ganze Alphabet enthielten·.
Die folgenden Jahrhunderte vermögen keine nouon Wege mehr zu
finden, sondern bleiben in den eingefahrenen Spuren stecken. Das
Epigramm selbst blühte zunächst unter dor Rogierung Neros weiter.
Aus den anachließenden Jahrzehnten ist allerdings kaum etwas erhal·
ten. Du dürfte kein Zufall sein. Tatsächlich haben die nächsten Kaiser
keinen anregenden EinJluß mehr auf die Literatur ausgeübt, sie haben
im Gegenteil den geistigen Fortschritt, wo er sich bemerkbar machte,
eher gehemmt als gefOrdert. Doch scheint darüber hinaus auch eine
allgemeine Epigramm.Müdigkeit eingetreten zu sein. Das epideik.
tische Gedicht, das noch um die Zeitenwende einen kräftigen Auftrieb
erfahren hatte, war wegen seiner Gefühlsunechtheit und der Über.
spitz~ seiner Motive der .Li.cherlichkeit verfallen. "Niemand ist
'heute patorben", spottet Lukilli08I , "hier hat der Dichter nur je:
manden eterben Iaaaen, um eein eigenes poetiachesTalent zu beweisen".
Ein anderes Mallä8t er einen Jäger, der nichts erbeutet hat, zur Weihe
Beine Hunde aufhingenl u. dgl. l • Selbst die beliebten Gedichte auf
Kunstgegenstände werden jetzt parodiert'. Das deutet darauf hin,
daß man die bisherige epideiktisehe Spielart nioht mehr ernst nahm.
Klar ist, daß das Weih. wie du Grabepigramm, soweit sie zweclt·
gebunden waren, auch in den kommenden Jahrhunderten noch, wie
die Inaohriften zeigen, weiterexistieren ; als freisohöpferiache Dioh.
tung dagegen versohwinden beide seit der Mitte des 1. Jahrhunderte
endgftltig aus dem literariaohen Leben 7 • WohllLußert man hier und da
nooh auf einen Großen der Vorzeit - etwa auf Archilooh08 oder Sap.
phot - einen kurzen, geistreiohen Gedanken in der alten Form, weil
eine neue dafür nioht zur Verfügung stand. Vergebens aber suohen wir
von nun an nach Epigrammen, die die Dlusion einor eohten Weihung
oder Grabinschrift geben wollen. Auoh die spl.teren Spielereien der
jungen Byzantiner stellen durchaus keine Neubelebung, sondern eher
die Galvanisierung eines Toten, d. h. also eine Parodie dar. Damit war
die Epigrammatik zwar nioht zum Tode verurteilt, wohl aber waren

, VII. zu VI 314. • IX 1138f., 1147. • XI 312. • XI 194. • VII. noch VI


17,601.,811,184,166, VII 607. • XI 178, XVI 238. 'Hertba Cbuelon: Mytbol.
Stud. &U lpiitgriech. Epigrammaamml., Dill. Münoben 19118 S. 23. • VII 674, 16.
50 Einführnng

ihr Großteile, Ja sogar die ältesten und eigentJichsten Teile ihres


Motivbereichs entzogen. Was blieb, war neben der alten Spruchweis-
heit und dem neu aufgekommenen Spott vor allem das ewigjunge
Erotikon.
Zu Beginn des 2. Jahrhunderts sprudelt die Dichtung erneut wieder
auf!. Der materielle Wohlstand, den das ganze Reich unter Trajan
(98-117) erreichte, verlieh damals den Völkern einen außerordent-
lichen Lebensimpuls, der auch der Dichtung dieser Zeit einen ent-
sprechenden Stempel aufdrückte. AufTrajan folgte Hadrian (117-138).
Seine Neigung für alles Griechische, seine Prunkliebe, die Unterstüt-
zung, die er den Künsten angedeihen ließ, und seine eigene künst-
lerische Betätigung gaben der Poesie einen weiteren Antrieb. In seiner
Villa zu Tivoli waren orientalische und ägyptische, archaische und
archaistische, klassische und hellenistische Bauten und Bildwerke in
bunter Fülle vereinigt. Eben dieses Gemenge aber ist ein Symptom für
das Widerspruchsvolle in Hadrian wie für die Uneinheitliohkeit der
Kultur dieser Zeit und für die Unsicherheit ihres Stilempfindens ins-
besondere. Es zeigt zugleich auch die Schwierigkeit, dieser Kultur
und Kunst wirklioh gereoht zu werden. Man erkennt wohl das Be·
streben der Dichter, in Geschlossenheit der Form und in der Prii.gna.nz
des Ausdrucks das Wollen der Klassiker wieder aufzunehmen. Da-
neben aber bahnt sich eine Richtung an, die der bisherigen Entwick-
lung zuwider läuft. Hadrians Blicke waren viel weniger nach Rom als
nach dem Osten, nach Griechenland und mehr noch nach Kleinasien,
nach Syrien und Ägypten, gerichtet, wo er die Kultur im hellenischen
Sinne zu beleben sich mühte. Äußerlich betrachtet, schie'l sein Unter-
nehmen auch von Erfolg zu sein; in Wirklichkeit aber trac das Gegen-
teil ein. Schon längst hatte die seit dem großen Alexander einsetzende
Hellenisierung des Orients zu einer machtvollen Ausbreitung des
griechischen Geistes im Osten geführt, hatte aber als Ergebnis ledig-
lich eine kulturelle Überlagerung gezeitigt; einer Durchdringung und
Überwindung des morgenländischen Wesens durch hellenische Eigen-
art hatte der Orient seine alte Zähigkeit so stark ent,Jegengesetzt,
daß es zu einer endgültigen seelischen Durchfremdung nicht kommen
konnte. Unter der dünnen Oberfiäche einer griechischen Kultur

I Vgl. besonders IX 137.


61

wucherte dort die ÖIItllohe aefühlallluLuug kraftvoll weiter und drüokte


umgekehrt Bchon seit langem auf die Peripherie der europäischen
Geisteswelt. So wird es verstindlieh, daß jetzt, da der Osten immer
mehr in den Blickpunkt der abendlAndischen WeltaufTUBung rückte,
seine eigene Denkweise sich in starken Fluten über den europäischen
D&seinsbereich ergoB. Du, was sich bisher nur als Unterströmung in
der KultursphiLre des Westens bemerkbar gemacht hatte, beginnt
jetzt langsa.m zur Hauptströmung zu werden. Es kommt zu einem
Orientalismus auch in der Poesie, der um 80 nachdrücklicher wird,
als die bedeutendsten Vertreter der Dichtung aus dem Osten stam·
men: Rufinos von Jonien, Straton von Sardee und Lukianos von Samo·
Ata (Nordsyrien). Damit kehrt die Epigrammatik wieder auf den
Kulturboden zurück, von dem sie einst ausgegangen war. Aber sie
hatte lieh in der Zwischenzeit aus kleinen Anfingen fest entwickelt:
Griechischea Empfinden, griechischea Denken und griechisches Form·
pfühl hatten sie durchtrAnkt und ihr Geat&lt gegeben. Nun aber emp·
fingt sie vom Osten Wesenszüge, die ihrer bisherigen EntCaItung fremd
lind und ihr ein neues, ungriechischea Gesicht verleihen. Die Grund·
züge des Orient&len, die wir bei der PhoinikiBchen Schule bereits
kennengelernt haben, seine Sinnliohkeit, O'bersohwenglichkeit und
Zügellosigkeit, werden jetzt auch für das Epigramm beatimmend.
Es ist bezeichnend, daß das Weih. und Grabgedicht, zUllllll in seiner
fiktiven F&88ung, 80 gut wie ganz zurücktritt und daß neben der
gnomischen Poesie das erotische Epigramm, d&B seit Philodemos fast
verklungen war, als einziges gepflegt wird. Anschluß sucht es, wie die
Nachahmungen beweisen, an der Phoinikischen Schule. Aber die Sinn·
liohkeit der Neuen wird durch keine klassizistische Glitte mehr ver·
hüllt, der Gefühlsornst, der ehemals geherrscht hatte, wird zur Leicht-
fertigkeit, die Grazie zur Derbheit, die Dezenz zur Hemmungslosigkeit
und d&B Geiatreichwitzige oft zur Grobheit. Ja, man läßt sich sogar
ein Erotikon oder ein Kneiplied l , bisweilen mit den Musiknoteni,
auC. Grabmal einmeißeln. Die Knabenliebe, die in fraben Zeiten
vom Orient her nach Griechenl&nd eingeaickert war und achon bei
dem Syrer Meleagroa eine bedeutsame RoUe geapielt hatte, die lie
aber nach ihm hatte aufgeben milMen, bricht jetzt mit solchem

1 XI 8. VgJ. GV 378, 1219, 1367 u... •GV 1955.


112 Einführung

OOOl'1lChw&Jl herein, daß St.raton ein eigenes, nur aua paideroti.achen


Gedichten bestehendes Buch herauBbringen konnte. Dazu mag
Hadriana Neigung und seine echließlich zum Kult entartende Liebe
zu dem Bchönen Antinoos, der bezeichnenderweise aus Bithynien
stammte, wesentlich beigetragen haben. Hiermit aber ist dem
Orientaliamus ein starker Einbruch in den Gefiihlawert des Epigramma
gelungen.
Hand in Hand damit geht ein Einbruch in die Versform. Der Weaena-
kem griechischer Geisteshaltung war nicht die Freiheit, sondern das
Maß, nicht der Gedanke, sondern die Form; alle freisohweifende Phanta-
Bie mußte erst durch den Logos gebändigt, aller Gehalt eratdurch straffe
Komposition geordnet werden, bevor er Kunst wurde. Der Kampf, auf
dem jedwedes Kunatwerden beruht und in dem die beiden Grund-
mAohte Freiheit und Bindung miteinander ringen, mußte seine Löaung
und seinen Auagleich im Sieg der Bindung erreichen. Dementsprechend
hatte man die Geachl0888nheit in der Form gesucht und diese nach
tutenden Versuchen in großer Vollkommenheit im elegisohen Disti·
chon gefunden. Nun aber beginnt, zunächst langsam, der Hexameter,
der in der archaischen Epoohe das Epigramm beherrscht hatte und
in der klaaaisohen sowie hellenistischen Zeit so gut wie ungebräuohlioh
war, wieder vorzurüoken. Das lag gewiß z. T. an der augenblioklich
Mode geworrlenen archaiaierenden Richtung. z. T. auoh am römiacheD
KunatwoUen, dem der gedankliohe und Bittliche Gehalt höher stand
als die Form, mehr aber noch an der orientalischen SchrankenJoaigkeit.
Denn dem Orientalen kam der Hexameter, der nioht wie das Distiohon
eine abgerundete und streng komponierte Form hat, sondem seinem
ganzen Wesen nach keine Grenzen kennt und ins Endlose fortatrebt,
viel mehr entgegen. Das gleiohe Bestreben zeigt sioh auoh in der übri·
gen Dichtung, in der die alte Polymetrie zugun.sten des Hexameters
und des Trimeters aUmAhlich aufgegeben wird und in der auch die aua
verschiedenen Versen zusammengesetzte Strophe durch eine recht
eintönig aus den gleichen Versen bestehende Strophenform ersetzt
wird, wie sie aus den .Anakreonteen und den splteren ohristliohen
Hymnen am bekanntesten geworden ist. Es zeigt lioh ebenso im
Roman, deaaen Blütezeit in diesem Ja.hrhundert liegt (Ia.mblichos,
Xenophon von Epheaos, Achilleus Ta.tios). Hier führt der Aufba.u nicht
zu einem aus der Entwicklung der Person oder der Handlung zwangs·
Orientaliemue

läufig resultierenden Abschluß; lUlle EpillOden reihen sich vielmehr,


kaum umklammert und nur durch knappe, anspruchslose Übergänge
verbunden, wie Perlen auf einer Schnur äußerlich aneinander und
könnten ohne Störung des Ablaufs der Gesamthandlung weggelaasen
oder ins Endlose gehäuft werden.
Mit dieser Auflösung der Versform verbindet sich eine Auflösung
des Sprachstils. Auch hier hatten Kla.88ik und Hellenismus sich der
Forderung des Maßes unterworfen, sie hatten um Knappheit und
Pl&lltik der Darstellung gerungen und alle Beigaben auf ein Minimum
beschränkt. Das gleiche Bemühen macht sich auch in dieser, dem
Archaismus zuneigenden Epoche durchaus bemerkbar. Daneben aber
geht gleichzeitig das entgegengesetzte Bestreben, den Ausdruck auf-
zulockern. In manchen Gedichten bürgert sich ein größerer Wort-
reichtum ein, der die Epigramme lä.nger und ausführlicher, aber damit
auch matter und farbloser werden Iä.ßt1 • Die bisher sparsam verwen-
deten Epitheta häufen sich wie die Gruppen in den Reliefs der Trajan-
sä.ule; man malt gern in Worten, wie man gern auch Kunstwerke be-
schreibt: man neigt zum Schildern und zum Erzählen, Züge, in denen
allerdings römisches und orientalisches Wesen einander begegnen.
Immerhin beginnt dadurch die alte Prägnanz der Darstellung sich
ebenso zu verflüchtigen wie die Formbestimmtheit der Klassiker und
an ihre Stelle eine Aufschwellung und Ausweitung zu treten, die sich
nicht auf den Hexameter beschränkt, sondern auoh das Distichon
ergreift.
Eine ä.hnliche Veränderung erleidet die Sprache selbst. Der Helle-
nismus hatte, wie erwä.hnt, um des Wohlklangs willen eine Mischung
aus homerischen, attischen und dorisohen Bestandteilen angestrebt.
Die neue Zeit läßt diese Eigenart fallen und wendet sich dem be-
quemeren epischen Stil zu. Dieser war zweifellos die dem Hexameter
am besten eignende Sprache, aber man ging noch weiter: so wie man
die Prosa seit dem Ende des 1. Jahrh. n. C. gern mit dichterischen
Worten und Wendungen schmückte und dadurch die Scheidewand
zwischen Prosa und Poesie niederriß, so durchsetzte man jetzt auch
umgekehrt den dichterischen Stil mit Wörtern des Alltags und scheute
selbst vor Ausdrücken des Ungebildeten nicht zurückt, d. h. aber,

1 Vgl. besonders V 78 und Erliiut. I z.B. V 61, 2.


Einführung

man tat. auch von der Poesie aus einen Schrit.t. auf die Prosa. zu. Daa
war haupt8ächlich ein Ausfluß des orientaliachen Mangels an Stilge.
fühl, wie er an der aus morgenlAndisehen Literaturen geschöpften
Menippeischen Satire mit ihrem Gemisoh aus Vers und Prosa. zum
erstenmal im griechischen Schrüttum sichtbar geworden war. Der
Name dieser Satire ist an den Syrer Menippos (um 270 v. C.) geknüpft,
dann hatte sie - bezeichnenderweise - sein Landsmann Meleagros ge.
pftegt, und nun griff der Syrer Lukianoa sie wieder auf. Eben diese
Versohmelzung von Poesie und Prosa tritt jetzt auoh im Epigramm
zutage, nur daß sie sich im Gegensatz zur Menippeischen Satire, bei
der sie Außere Gestalt geworden war, lediglich auf die Sprachform
besohrAnkt. Inwieweit aus einer solchen Hinneigung zur Prosa &uoh
die Ab8ioht einer allgemeinen Entfesselung des Stils von den alten
konventionellen Schranken zugunaten einer volkamißigeren Poesie
und der Wunsch nach einer AnnAherung der bisherigen volksfremden
Sprachkünatelei an die Ausdrucksweise der großen Menge entnommen
werden darf, mag dahin 8tehen. Jedenfalls vollzieht der Orientaliamus
nun genau wie der Archaismus der lateinischen Literatur dieser Zeit,
der mit der Hinwendung zu Plautus auch eine Hinwendung zum Vul-
gärlatein herbeigeführt hätte, einen Anschluß an die Sprache des ge-
meinen Mannes. Unterstrichen wird diese Tats&ohe noch dadurch,
daß man die kunstvolle Periodiaierung. die man in hellenistischer Zeit
geancht hatte und die dem Epigramm eine lang aU880hwingende, uno
gebrochene Bewegung verliehen hatte, nun aufgibt und sich, wie früher
schon beim Spottepigramm, in kurzen. der Umgangssprache entnom·
menen SAtzen ergeht. Metrik und Prosodie, die man bisher sorgfil-
tigat beachtet hatte, werden nun recht unbekümmert geh&ndh&bt,
eine Zwanglosigkeit, die in der Folgezeit noch zunimmt. Hier bahnt
sich also, zuniohat keimhaft, ein Wandel an, der einerseits eine Ab-
kehr von der jahrhundertelang geübten griechischen Kunatform an-
zeigt und damit die im Orient herrschende Körpe"erachtung herbei-
bringt, andererseits aber auch zu einer stärkeren Verbundenheit mit
dem Volk hindrängt.
Gewonnen wurde mit diesem Wandel zugleich eine größere Ro&·
liatik und Lebensnähe. Daa Pathos und die Rhetorik, wie sie noch vor
hundert J&hren da.s Zeitgedicht benutzt hätte, verschwinden jetzt,
man spricht von dem, waa da.s eigene Herz bewegt. Mögen einzelne
Orienbliamua. 8~ra~oD. 3. Jabrb.

dieser Gedichte auch "gesteUt" und lediglich um des prickelndem


Stoffes willen erfunden sein, der größte Teil der Vel'll8 ist kein Spiel
mit unwahrem Gefühl, sondern lAßt den Wellenschlag echten _ti·
sohen Empfindens erkennen. Dooh Bind gerade bei dem begabtesten
Dichter dieser Zeit, dem vielgerfihmten und vielgelAsterten Straton,
Eill8chränkungen zu machen. Prüft. man seine Gediohte ohne Rück·
sicht auf moralische Bedenken (die hier außer Betracht bleiben müs·
sen), BO verspürt man oft genug die Leidensohaft, die hinter seinen
Worten steht. Frei und keck stellt er sein ganzes Innere zur Schau.
Von Verschämtheit, wie wir sie bei Aaklepiadea finden, ist hier niohts
zu bemerken, aber auch ebensowenig etwas von SohlUpfrlgkeit, die
Verbotenes absichtlich verhüllt. Und doch stößt hier manohes ab.
Was wir bei Straton vermissen, ist vor aDem das Gemüt. Anstelle
einer zarten Sehnsucht hemJCht hier nackter und grober Genußwille,
der selbst vor Gemeinheit nicht zurüokschriokt 1• Häufig ist seine Dioh·
tung auch nioht der Ausdruok einer lyrisohen Grundstimmung, IOn·
dem erwll.chst wie das Spottepigramm aus dem Verstand', und es ist
gewiß kein Zufall, daß einzelne seiner Liebesepigramme gerade unter
den Skoptika des 11. Buohes zu finden sind. Straton wird niemala er·
Ichüttern, auoh selten nur ergreifen, durch seine geistreichen Ein·
fille aber immer anziehend wirken.
Es ist ebell80wenig ein Zufall, daß gerade die Lehr· und die Spruch.
diohtung, die, im Gegensatz zur echten Lyrik, vom Gedankengehalt
ala dem Primiren ausgehen, in dieser Zeit zu neuem Leben erwachen.
Auch hier bricht mit dem Geistvollen zugleich der Verstand in die
Lyrik ein. Das war, wie schon bemerkt, eine Wirkung römischer Eigen.
art; genlLhrt aber wurde dieser Zug zweüellos noch duroh den Einftuß
des Orients, dessen Spruohpoesie von jeher in großer BlUte gestanden
hatte. Jetzt ist der Syrer Lukian08 der Vertreter dieser epigramma-
tischen Gattung, die sich, wie das gleichzeitige Gnomologion des Favo·
rinus zeigt, in dieser Epoche eines ganz besonderen Interesses erfreut.
Von einer Epigrammdichtung des dritten Jahrhunderts wis·
sen wir so gut wie niohts. Die Zeit kennt keine Kultur mehr. Die wirt-
schaft.liche Not und Verarmung und die furchtbaren, dezimierenden
Epidemien geben dem Volk keine Besinnlichkeit zum Kunstgenuß.

• XII 231. • Vgl. &. B. Xli 188.


Einführung

Es h8lTllUht. VurwilcLmwg und Barbarei.


Wir sehen, es ist zuletzt tratz aller Reize und Variationen, die die
Diohter dem Epigramm immer nooh abzugewinnen verstehen, eine
eigentlioh neue Wesenaentwioklung hier nioht mehr zu verzeiohnen.
Und doch hätte in den folgenden Jahrhunderten, als die jungen
Christen, der Widerpart des sinnenfrohen Grieohentums, sioh der
ehrwürdigen Form bedienten, noch einmal neuer Wein in die alten
Schliuche fließen können. Aber war nun die Tradition zu stark oder
waren die KrI.fte dieser jungen Bewegung zu schwach oder zu ein·
seitig in Anspruch genommen, jedenfalls vermochte auoh Gregor von
Nazianz im 4. Jahrhundert und die spitoren christliohen Dichter,
deren Erzeugnisse im 8. bzw. 1: Buoh unsrer Anthologie zusammen·
gestellt sind, trotz ihrer andersgearteten Gefühle und tratz der uno
bestreitbaren Echtheit und Tiefe dieser Gefühle dem Epigramm keinen
Deuen Impuls mehr zu geben. Was hier entsteht, ist immer nur das
alte Weih· und Grabepigramm, lediglich mit ehristJieher Geschmacks·
zugabe.
GröBer waren stellenweise noch die Krifte, die aus dem versinken·
den Heldentum heraufwuebaen. Mit Palladas von Alexandria setzte
um 400 noch einmal eine neue eigenartige Blüte des Epigramms ein.
Den Diehter selbst hat man in der Neuzeit sehr ungleich beurteilt,
teils zu hoch, teils zu niedrigl • Vor allem bemingelte man bei ihm
die Vemachlissigung der Form und die OberflJ.chliohkeit seiner Sinn·
sprüohe. Doch übersah man, daß Palladas nach der künstlerischen
Armut und Verwilderung des 3. Jahrhunderts zweifellos einen kraft·
vollen Wicderaufstieg bedeutet. Es ist auoh nicht zu leugnen, daß er
sich zu seinen Lebzeiten einen berühmten Namen gemaoht hat, dcr
keineswegs auf seine Heimat besohränkt blieb-. Ebensowenig ist es
zu leugnen, daß der Dichter gerade in den breiten Massen des Vol·
kes einen 80 starken Nachhall gefunden hat, wie ihn kein griechischeor
Dichter zu nnd nach seiner Zeit erreichte.

I Opeopoetl••tellt ihn unmittelbar neben Martial. während Cuaubonua ihn einen


wlt&loeen Venifex (inaulai..lmua venlAcator) nennt. Erasmua bozelohnet Ihn gar ale
Splt&bubon (fur) (Hutton: Or. Anth. In Fr&nce 133). • X 87 fand .ioh auch an der
Wand einer Latrine in EpheiOll. X 118 auf dem Grabmal elnre ehri.tliohen Heiligen;
vgl. auch IX 380.
Junge ChriBten, P.II.daB 117

PaUadatt truL:t;L in der Haupl.t!lWh.. di.. KUlllsLrichtunK, die der im


2. Jahrhundert aufkeimende Oricntalismus begonnen hatte, fort,
schließt sich aber weniger an Rufin09 und Stratan als an Lukian09
an. Wie diescr schreibt er keine Erotika, auch keine Weih· und Grab·
gedichte; seine Epigramme gehören wie die Lukians durchweg der
Spruch., Lehr· und Spottdichtung an. So kommt es, daß das die
Gnomenpoesie enthaltende 10. Buch unsrer Anthologie vorwiegend
mit den Versen Lukians und weit mehr noch (fast zur Hä.lfte) mit
denen des Palladas gefüllt ist. Aber das Gnomische und Didaktische
waren bisher reinlich geschieden, bei Palladas dagegen vermischen
sich beide Arten jetzt zu einem unscheidbarcn Ganzen.
Auch in der Versform führt er die Eigenart des 2. Jahrhunderts
weiter. Der archaische Hexameter wird noch reichlicher angewendet
als damals, und ihm gesellt sich jetzt in starkem Maße der ebenfalls
archaische Trimeter zu. Von der subtilen Künstlichkeit des Versbaus,
wie ihn der wenig jüngere Nonnos (5. Jahrh.) ausübte, ist noch nichts
zu verspüren, selbst die Gebundenheit alexandrinischer Verskunst ist
aufgegeben, die Hexameter fließen mit homerischer Freiheit da.hin.
Die Regeln über den Hiat werden nicht mehr BO ängstlich eingehalten,
ja sogar in der Prosodie erlaubt sich der Dichter große Freiheiten:
alles Schablonenhafte und Pedantische bleibt unberücksichtigt, und
nur das Schlagkräftige mit seinem gesteigerten Gefühls· oder Gedan·
kenwert hat bedingungslose Geltung.
Das zeigt sioh auch in der Sprache, die erneut und nooh stärker als
bisher eine Neigung zur Proaa aufweist. Kraftvoll derbe Ausdrüoke,
wie sie im Volk zu Hause sind 1, treten auf, abgebroohene W ortbildunge~
werden benutztl, lateinische', aber auoh barbarische Wörter dringen
ein und geben dem Stil ein etwas buntscheckiges Gepräge'. Dieser
Zug zum Sohlagkräftigen lä.ßt ihn auch gerne auf bekannte Zitate aus
anderen Diohtern zurüokgreifen, besonders auf solche VOll Homer',
Menandros 8 und Pindar', aber auch aufSpl'iohwörter 8 • Ja, er arbeitet
sogar ein älteres Anakreonteion in ein EpigrammS und ein pa.a.r uralte
volkstümlich gewordene Hinkjamben in ein r Istiohon1o um. Ob frei·

I VII 683. I VI 86, XI 383. • IX 502, 528, X 44. • Franke (16). • IX 1611,
1681., 1731., 395, X 47,50, XI 351. • X 52, XI 286. , XIII. • IX 379, X 48.
I XI M. 11 Xl 381.
58 EinführuDg

lieh 11"1" alLe Spruch X 32 wirklich unter IIcinen Gedichten stand, wird
zweifelhaft bleibcn. Eben dies Ungekünstelte aber, dies bedenkenlos
Zupackende, dieses Unmittelbare und naturhaft Frische, das er selbst
als unwiderstehlichen Drang, als .. Krankheit" empfindetl, gibt seinen
Gedichten trotz aller Derbheit und zugleich wegen dieser Derbheit
sowohl literarischen Wert wie Widerha.II beim Publikum.
Aus dem Gesagten geht zweierlei hervor: Gleichgültigkeit gegenüber
detr Form, wie sie der Orientalismus aufgebracht hatte, gehört jetzt
zum Wesen des Griechen. Die alte Harmonie von Geist lind Form war
in den Dualismus von Seelischem lind Körperlichem zerfallen, ja
mehr noch, der geist.ige Gehalt drängte nun die künstlerische Formung
stark in den Hintergrund. Das Innere triumphiert über das Äußere. Die
frühere Gutschönheit, die jahrhundertelang die antike Geisteshaltung
bestimmt hatte, hat jetzt ihre Kraft verloren I, Das Gute, d. h. das
Seelischc, wcrtet höher als äußere Schönheit. Daß dies nicht auf cinen
Mangel an technischem Können, sondern auf eine (bewußte oder un-
bewußte) Abkehr von der bisherigen Formbewertung zurückzuführen
ist, zcigt die übereinstimmung in der bildenden Kunst, in der, ganz
naturalistisch, das Häßliche nun nicht mehr gemieden oder auch nur
gemildert, sondern eher noch gesucht wird: Der Maßstab zur Beur-
teilung eincs Menschen ist lediglich sein sittlicher Wert, und der Wert
der Poesie beruht nun vorzugsweise auf ihrem geistigen Gehalt. Das
ist unantik, und insofern ist auch Palladas, trotz alles klassischen
Gcdankengutes, unantik. Ansätze zum Symbolischen oder Eschatolo-
gischen, wic wir sie bald bei den Byzantinern antreffen, lassen sich
jedoch bei Palladas nicht erkennen, und insofern bleibt er der Antike
mit ihrem Diesseitsgefühl verhaftet.
Und ein Zweites: Die gleiche Formverachtung, besonders die pro-
saisch nüchterne Sprachgestaltung, gibt dieser Dichtung auch einen
engen Anschluß an das Volk. Beigetragen hat dazu sicherlich der Um-
stand, daß Palladas, der in bescheidenen Verhältnissen groß geworden
war, zeitlebens ein armer Schlucker geblieben ist und aus wirtschaft-
licher Not noch mit 72 Jahren seinen Grammatikerberuf ausüben
mußs. So wendet er sich in seinen Epigrammen auch nirgends an die

1 XI 340. I X 56, XI 286. I X 97.


Pallada. 59

höheren Gesellschaftsschichten oder gar, wie die auch !lonst im Gegen·


satz zu ihm stehenden Alexandriner, an ein Häuflein Exklusiver, son-
dern stets an die breite Ma.sse, als deren Exponenten er sich fühlt.
Daher seine zahlreichen Epigramme über die Schlechtigkeit des Reich.
turns und das Lobenswerte des Maßhaltens, daher das Derb·Reali·
stische des Ausdrucks. Geleitet haben mag ihn dabei die gleiche Übcr·
legung, die seinen großen Zeitgenossen drüben in Hippo, den Bischof
Augustinus, zu den Worten veranlaßte: "Besser, ich mache einen
grammatischen Schnitzer und ihr versteht mich, als ich spreche eine
elegante Sprache und ihr seid verla.ssen" und .. Oft gebrauche ich
auch nichtlateinische Worte, damit ihr mich begreift"l. So ist sein
Denken im "Wir", das jetzt überall durchschimmert!, zu erklären.
Denn wenn seine notorische Armut auch nicht die Kraft fand. zu
der "Armeleute-Religion" überzutreten, so verband sie ihn doch um
so fester dem Volk, in dem, auch abseits vom Christentum, das Ge-
meinschaftsbewußtsein und das Zum-Typus-Gehören schon Iä.ngst
Platz gegriffen hatte.
Wir haben oben gesehen, wie am Anfang der Epigrammdichtung im
Archaischen Epigramm du Typische und Verallgemeinernde im
Vordergrund stand und wie dann der Mensch sich allmä.hlich aus der
Namenlosigkeit der Masse loslöste und absonderte und zu einem indio
viduellen Gepräge hinstrebte. Hier hatte sich der Hauptwesenszug
des Griechen, sein kraftvolles Ichgefühl und der Trieb, sein Leben
nach eignen, selbstgegebenen Gesetzen zu gestalten, offenbart. Jetzt,
bei Palladas, sehen wir den umgekehrten Vorgang, der wieder zur
Entindividualisierung führt und zur archaischen Typik zurückleitet.
Gerade die Spruchpoesie, wie Palladas sie liebt, geht ja zunächst vom
Einzelfall aus, aber sie rückt diesen dann aus dem Bcsonderen, der
Ich-Pcrspektive, heraus und hebt ihn in die Wir-Perspektive des
Übersubjektiven hinein. Das war schon in der Dichtung Lukians er-
kennbar geworden; bei Palladas dagcgen ist der letzte Schritt einer
Rückkehr ins Allgemeine getan. Hier hat der alte griechische Indi-
vidualismus alle Selbstbezogenheit, die für den Hellenen nun keinen
Wert mehr hatte, abgestreift und sich ins Gemeinschaftsbewußt-
sein hineingeflücbtet. Daher seine Vorliebe für Lebensweisheiten,

I Psalm. 36; 123,8. • X 75, 79, 81, 85. XI 304,377 us\\'o


60 Einführung

die immer eine allgemeine Erkenntnis aussprechen und auf der Er-
fahrung von Generationen beruhen. Ja. selbst da, wo er einen Sonder-
fall darstellen will, gchen seine Gedanken gern vom Typischen aus1
oder spielen abschließend ins Typische hinüber'. Daß solche Lebens-
weisheiten vielfach Alltäglichkeiten sind, liegt im Wesen der Sprüche,
die dem VolI{sgeist angepaßt sind; sie finden sich zur Genüge schon
bei dem um 900 Jahre älteren Theognis.
Ihre Wurzel haben diese Sprüche in der Hauptsache im Allgemein-
Sittlichen, nur selten wird darin (auch dies ein Zeichen seiner geringen
eschatologischen Bindung) die religiöse Seite sichtbar. Er glaubt wohl
auch nicht mehr an die alten Volksgötter ; dafür spricht er mit zu viel
Respektlosigkeit, ja. mit Hohn von ihnens• Im Grunde ist Palladas ein
zwiespältiger Mensch. Die skeptisch.kynische pessimistische Diesseits-
auffassung·, die damals schon allgemein zur griechischen Seelenhal-
tung gehörte, bleibt seine Grundanschauung. Aber diese Einstellung,
dic, konsequent durchgeführt, in der Lebensverneinung endet, findet
bei ihm ihr notwendiges Korrelat in einem leichten Epikureismus, der
ihn zu frohem Genuß und zum Amor fati hinweist'. Doch dürfte auch
der Neuplatonismus, der damals in Syrien und Alexandria Schule
machte, nicht ohne Einfiuß auf ihn gewesen sein. Darauf deutet die
Tatsache, daß seine Lehrerin die neuplatonische Phil080phin Hypa-
tia gewesen ists.
Im ganzen erscheint Palladas als der Typus des Spätgriechen, in dem
sich der tragische Todeskampf der Antike vollzieht, und allgemein als
der Typus des übergangsmenschen, der, an der Nahtstelle zweier
Weltanschauungen stehend, in Wirklichl,cit keiner von beiden ange-
hört. Er selbst ist sich auch sehr wohl bewußt, inmitten eines unge-
heuerlichen Kultunlmbruchs zu leben, und trägt das ihn zutiefst
erschütternde Gcfühl in sich, aus einer vergangenen Gesellschaftsord-
nung losgelöst zu sein, ohne doch in der neuen Fuß gefaßt zu haben?
Noch geht seine ganze Sehnsucht zurück in den Lebenskreis, dem seine
Sprache, Bein Herz, seine Wissenschaft und seine Kunst angehören.
Voll bitteren Spottes sieht er, wie alte Götterstatuen zu christlichen
Heiligen uffistilisiert werden 8 und wie ein Tychetempel zur christ-

I VII 683f., XI 289,304. I VII 686, 688. • V 267, X 113. • z.B. X 68f., 84,
XI 282 uaw. • z. B. X 34, 73, 77f., XI 64f., 62 U8W. • IX 400, (176). 7 X 82.
'IX 528.
Palladas 61

lichen Schenke winP. Müd·resignierend fragt er sich selbst zuwoilen,


ob es nicht ratsam sei, sich der neuen, in die Zukunft weisenden Be·
wegung anzuschließen I. Aber er tut diesen Schritt nicht, obwohl er
erkennt, daß die Gottheit sichtlich aufseiten der jungen Bewegung
steht. Das ist zweifellos ein Widerspruch; aber eben dieser Wider·
spruch ist das Kennzeichen der Polaritä.t, die den Ethoswechsel der
Zeit begleitet und die in der damals wieder frisch aufsprudelnden ana·
kreontischen Dichtung gleichfaJls erkennbar wird. Gerade von hicr
auS sehen wir gut in die geistigseelische Struktur dieser Menschen hin-
ein, die, vom alten Ufer hinweggedrängt, noch unschlüssig auf der
Brücke zu einem neuen Lebensgefühl stehen und nicht an das andere
Ufer zu den neuen Göttern gelangen können 3 •
Aber er steht dort nicht aJlein; seine Persönlichkeit ist nur der
Typus der vielen ..HeJlenen", wie die damaligen Christen die Heiden
nannten·. Das zeigt der WiderhaJl, den seine Dichtung auch über die
Grenzen seines Landes hinaus gefunden hat. Gerade seine Spruch.
poesie entsprach den Wünschen seiner Mitwelt, und seine Erfolge
mögen es wohl gewesen sein, die bald darauf zwci jüngere Zeitgenossen,
Stobaios und Orion, veranlaßt haben, ihre großen Sentenzensammlun·
gen anzulegen. Doch auch seine Spottdichtung muß auf ein starkes
Interesse des damaligen Lesepublikums gestoßen 8('tin, da TorquatuB
Gennadius i. J. 401 eine neurevidierte Ausgabe der Epigramme Mar·
tiaIs herausbringen konnte. Aber noch 100 Jahre später hielt Agathia.s 5
ihn für so wertvoJl, daß er seine Epigramme in die von ihm veran·
staltete Sammlung aufnahm. obwohl diese nur zeitgenössische Dich.
tungen enthalten soJlte. Selbst die späteren J altrhunderte hielten noch
sein Andenken wach. Denn Verse des PaJladas fand Kephalas wahr-
scheinlich in einer von ihm benutzten jungen Gnomensammlung, und
im 9.Jahrhundert hat die Nonne Kassia ihn eingehend gelesen, ihn
z. T. wörtlich nachgeahmt und sich mit seinen Gedanken auseinander·
gesetzt. Ja, noch in den Sprichwörtersammlungen des Georgides
(10.-I1.Jahrh.) und des Apostolios (um 1450) fanden einzelne seiner
Aussprüche ihren Niederschlag, ein Beweis, daß sich seine Worte in

I IX 180-183. • X 9Of., XVI 282. • Dio meisten Forscher seit Reiske und
Jacob. halten Palladas für einen Heiden; Waltz betrachtet ihn al8 Christen, Luck
als Scheinchriaten, Irmacher hiilt ihn für areligiös. • a. \" orwort zu I. • Doch
vgl. S. 73.
82 Elafllbroac

manchen FäDen jahrhundert.elang ahs "WeWltlit. lIour der G_" erhal·


ten haben.
Palladu i8t der letzte Epigrammatiker, der am Ende einer 8tetig
fortsohreitenden, natürliohen Entwicklung 8teht. Wie anders würde
sich die griechische Epigrammatik (und Literatur) entwickelt haben,
wenn die folgende Renai88&noo unter Justinian nicht die Reinkultur
einer kl&88ischen Dichtung angelegt hätte, sondern dem volkstüm·
lichen und daher gesunden Wollen eines Palladas nachgegangen wäre.
Aber das bleibt sehließlieh eine müßige Überlegung.
Etwas über hundert Jahre später nahmen die Byzantiner die
Epigrammdichtung wieder auf. Die wichtigsten Vertreter sind Aga.
thias, Arabios, Damoohari8, Eirenaios, Erato8thenes Scholastiko8,
Johannes Barbukallo8, lsidoros Scholastikos, Juliano8 Antecell8or,
Kyros, Leontios, Makedoni08 H., Marian08, Paul08 Silentiari08 und
Theaitetos Scho1astik08. Trotz mancher zeit., religions. und geaeU.
sehaftebedingter Gemeinsamkeiten - sie waren wohl alle Christen I und
gehörten sämtlich gehobenen und höchsten Volk88Chichten an - fan·
den 8ie 8ich zu einer eigentlichen "Schule" nicht zusammen.
Mit Recht betont die heutige Kritik, daß die Poesie dieser Spätlinge
sich im No.chgesta.lten der alten Motive und Ausdrucksformen gefallen
hat. Verfehlt aber ist es, ihre Dichtungen als einfache Kliachees abzu·
tun und ihnen jeden künstlerischen Wert zu versagen. Die meisten der
Dichter tragen, wie das auch zu erwarten ist, je nach GeiBtearichtung
und Temperament, bi8weilen auch nach beruflichem Standort in ihre
Nachbildungen eine nicht zu übersehende persönliche Note hinein'.
Man betrachte den moralisierenden Agathias, den bursehikosen, an
Hedylo8 erinnernden Makedoni08, den lüsternen Paulos Silentiari08
und den eichendorffZ&rten Marianos, um zu erkennen, daß a.uch die
byzantinisehe Poesie nicht ohne individuelle Prägung und differen·
zierte Färbung ist. Das im besonderen festzustellen, muß Einzelunter·
8uchungen vorbehalten bleiben; hier soU nur aus der Geeamtechau der
Dichter dieser Periode auf einige Punkte hingewiesen werden, die das
byzantinisehe Epigramm von seinen Vorgängern abgrenzt und in
seinem Eigenleben kennzeichnet.

I C'hri.tlicht' Epigrammo .ind K.B. \'11 690, 608, 6721., 889, IX 682, 816, 81111'.,
XV:W, 40, X\'l 21. • "gl. Corbal.o (131.
Byzantiner 63

Schon rein äußerlich fallen die GedichLe, :t.uwa.l di" dtlll AgaLhi&ll,
Makedonios und Paulos Silentiarios, durch ihren großen Umfang auf.
Epigramme von 12 Versen gehören nicht zu den Seltenheiten, doch
schwellen sie auch zu 20, ja sogar zu 28 Versen an 1. Damit aber gibt
das Epigramm seine alte Prägnanz, deren Nachl&88en schon im 2. Jahr·
hundert n.C. begonnen hatte, auf; es überschreitet die seiner Wesens-
art gesetzte Grenze und wird offensichtlich zur kurzen Verserzählung.
Was die Dichter zu dieser Ausweitung bewogen hat, ist unverkennbar
die Freude am Darstellen und Schildern, die spielerische Lust am
Fabulieren. Dadurch bekommt diese Poesie, häufiger noch als früher,
einen erzählenden Einschlag, so daß Franke sie als epische Epi-
grammatik bezeichnete. Das hat, im allgemeinen betrachtet, zweifel-
los seine Berechtigung. Manche dieser Stücke aber haben in Wirklich-
keit die Hülle des Epigramms ganz abgeworfen und sind in eine andere
Form hineingewachsen. Denn das alte Epideiktikon tritt nun bis-
weilen als Epyllion l auf, das Erotikon rückt in die Nähe der Liebes-
romanze 3 , und das Skoptikon, das jetzt ohne persönliche Invektive
zur reinen Typisierung des l.Jahrhunderts zurückkehrt, wird zum
satirischen Schwank'.
Liest man die poetischen Erzeugnisse der Byzantiner, etwa die
des 5. Buches (Nr. 216-302), dann ist man zunächst erstaunt über die
Weltaufgeschlossenheit und Weltlust dieser Männer, deren wirkliche
Grundhaltung gewiß auf einer Jenseitsgebundenheit basierte. überall
weht uns hier eine Diesseitsbejahung entgegen, die ihre Freude offen-
bar an den Genüssen der Erde hat, die behaglich, ja manchmal keck
und frivol mit ihren Worten und Gedanken prunkt und ersichtlich
ein Wohlgefallen an ihren eigenen Ausmalungen hat. Alliterationen 6 ,
Assonanzen und eine Fülle von Reimen tragen einen oft überreichen
Putz auf. Die Verstechnik, die Palladas noch sehr locker gehandhabt
hatte, war inzwischen von Nonnos (5.Jahrh.) aufs feinste ausgebildet
worden und wird nun auch von diesen Dichtern mit größter Sorgfalt
angewandt, die z. T. sogar die Strenge des Nonnos noch übersteigt,
ein Zeichen, daß die Gestaltungslust dieser Männer auch theoretisch

I V 302, XI 354; XI 382, V 294, IX 482. • VII 614, IX 362, 482, XV 40.
• V 269, 275, 294. • XI 352, 354, 365, 376, 382. Im Keim vorgebildet findet sich
du Schwankhaftc echon bei Nikarch (z.B. XI 251), Lukillios (z.B. XI 163f.) und
Lukian (z. B. IX 367). • Vgl. besonders V 246,5'.
Einführuni

gut unt.ermauert. Ist.. Vergleichen wir nun diCllC! Gedichte mit den etwa
gleichzeit.igen christlichen Epigrammen des I. Buches, 80 überr&8Cht
uns das Gegeneätzliche dieser andern Kunst- und Denkweise. Hier,
im I. Buch, herrscht ein erschreckender Mangel an technischer Quali-
tät. Alles Notwendige wird kurz und knapp und nicht. selten ungeformt
vorgetragen. Kein Schmuck, keine Weltlu8t, keine Freude am Schil-
dern BUoht das Dargebotene zu verlebendigen. Du einet 80 beliebte
Enjambement, das die Vene mit zitternder Unruhe erfüllt hatte,
weicht jetzt dem Zeilenetil: Flach, 8chablonenhaft' und in 8teifer,
feierlicher Hoheit stehen die Gediohte vor une, genau 80 wie die
Skulpturen dieser Zeit, in denen das frühere vibrierende Leben nun
zu maakenhaf\er und unbewegter Frontalität erstarrt ist. Dafür aber
waltet in den Versen eine starke Verinnerlichung, die eich häufig genug
in Allegorien und Symbolisierungen verliert.
Es ist nicht unsre Aufgabe, die geachichtaphilO8OplUsohen Hinter-
gründe dieses Gegensatzes aufzudccken, denn dieser Gegensatz
herrscht auoh in den bildenden Künsten. Auch hier 8teht der Welt-
entrücktheit eine frohe Diesseitsbejahung gegenüber, die in der be-
kannten römisch-orientalischen Dekoration8- und Repril.Bentations-
kun8t (bei der Ausstattung der Kirchen, der Pracht ihrer Mosaiken
und dem Goldgrund der Bilder) cbenao ihren Ausdruck findet, wie sie
auch im 80nstigen Leben, z. B. in der Titelfreude, im Zeremonien-
wesen und in der prunkvollen Tracht' am byzantiniBcben Hof, sicht-
bar wird. Aber es wlre verfehlt, bei den weltlichen Dichtem lediglich
das Daratellungsgepringe und bei den religiösen des 1. Buches ledig-
lich die Selbstbesinnung des christlichen Tranazendentaliamus BUchen
zu wollen. Auch hinter der dekorativen Fassade der weltlichen steht
deutlich bemerkbar die Verinnerlichung.
Vor allem gilt es zu erkennen, daß die Weltfreude, der sich die
Dichter scheinbar hingehen, ein Spiel ist, du nur an die Peripherie
ihrer Seele heranrührt. Sie vergessen wohl in den Augenblioken ihres
Schaffens die eigene Überzeugung: sie tauchen in Brauchtum, in
TiachBittenl , Spiele-, KulturhaItungen, ja 80gar in religiÖ8e Anschau-

1 So B. I 28. SOf. • VIII. V 280. 278. XI 68. • In V 2891i~ man noch zu n.ch.
obwohl man in byzanUru.cber Zeit. eohon aaII. - V m nimmt noch Bezug auf den
~ Du Piche Gedicht beechreibt die l.afIe der Frau in der kluaiechen ZeiL.
• 80 et.... V 288.
Byzantiner 66

ungen einer vergangenen Zeit hinein, aber ihre Gedanken und Gefühle
sind wirklichkeitsbar. Die Geliebten, die sie besingen, sind, minde·
stens zum großen Teil, Geschöpfe einer fröhlich gestaltenden Phan·
tasie, in die Außenwelt projizierte Schemen eines dichterischen Spiel-
triebs. Die scheinbaren Lebemänner und Genießer dürften meist brave
Ehemänner und Verlobte, solide kaiserliche Beamte, gute Christen
und fleißige Kirchgänger l gewesen sein: die Weltlust, von der sie
sprechen, ist ein Traum, aus dem sie zur Weltverneinung erwachen.
Denn auch ihnen ist das Diesseits, das für den klassischen Griechen
das Paradies war, nur noch der Ort der Vergänglichkeit l und ein
JammertaP. Die heroisch-aristokratischen Ideale der früheren Gei-
steshaltung (Heimat, Mannestum, Selbstbewußtsein und Ruhm) sind
ihrem Gegenteil (dem Kosmopolitismus, der Selbstvergessenheit, der
Demut und dem Aufgehen in der Masse), das sich in der Peloponne-
sischen Schule bereits ankündigte, gewichene; körperliohe Ertüchti-
gung wird, wie die Abschaffung der Olympischen Spiele i. J. 394 zeigt,
verachtet; es gibt jetzt nur noch einen Heroismus, den der Tugend'.
Ehre und Ruhm, die noch für Gregor von Nazianz etwas Glanzvolles
bedeuteten', sind grundsätzlich Schall und Rauch und sollten sich,
soweit man sie achtet, nicht mehr auf Äußerlichkeiten, sondern ledig-
lich auf eine umfassende Geistigkeit gründen7 • Der Tod aber, früher
das Grauen der Menschen, ist tatsächlich ein wünschenswertes G1ück8 •
Damit erhebt sich das Wir-Gefühl, das schon z.Z. des Palladas ganz
augenscheinlich das klassische loh-Gefühl abgelöst hat, zu einem AII-
gefühl, das über das Menschenleben hinausgreift.
Zwar wird die erotische Dichtung durchweg noch vom alten äußeren
Sinnenreiz und Genußwillen getragen, wie man es bei den großen Vor-
bildern - Asklepiades, Meleagros, Philodemos8 - bewundert hat; doch
machen sich bei näherem Zusehen auch hier Zeichen einer Vergeisti-
gung und seelischen Vertiefung bemerkbar. Die Liebe, die einst gleich-
bedeutend mit Leben warlO, dient nur noch der Erhaltung des Men-
schengeschlechtsl l ; von der Knabenliebe wendet man sich mit Ab-

I V 286. • VII 220, 661, IX 74, 677, 768. • X 71. • VII 307, 590, IX 644.
I VII 573, 614, X 74. • Vgl. VIII 114, 116, 129, 162f. uaw. ' IV 30, VII
694,603,609, X 76. • VII 574, 606, X 69. I Corbato (13) S. 18. '0 V 72.
11 IX 446.
66 Einführung

scheu ah ' ; tIllII Walmm tIer KewlI.:Wlei~, die wan früher wügliclUiL haltI
wegzuwerfen gepredigt hat a ist jetzt ein erstrebenswertes Ideal 3 ,
und Eros, der ungezogene Liebling, verflüchtigt sich zum transzenden·
talen Begriff·. Ja, über die bisherige hedonistische und sensuali·
stische Auffassung hinaus geht, wenn auch vorerst nur schüchtern,
hier und da durch die Verse das Suchen nach dem Innem des geliebten
Menschen. Was wir, von Sappho abgesehen, in der gesamten antiken
Lyrik (das Wort im modernen Sinne) vermiesen, ..das Belauschen
jeder zartesten Regung der Seele, ihrer leisesten Stimmungen, den
künstlerischen Ausdruck des Unau88prechlichen und doch oft bis zur
Qual drangvoll Empfundenen"s, das wagt sich jetzt keimhaft, aber
immerhin doch spürbar ans Licht' und gibt dieser Diohtung eine
gewisse Eigenart. Überall schimmert durch die Hülle der Weltlust
eine tiefe Verinnerlichung duroh. Hatte der hellenische Plastiker den
vollkommenen Körper darzustellen versucht, so reizt den byzan.
tinischen überhaupt nicht mehr der nun sündhaft gewordene Leib,
sondern das seelenvolle und vergeistigte Antlitz. Auf die gleiche
Vergeistigung deutet auch in der Dichtung der häufige, teils vom Rö·
mischen, teils vom Orientalischen entliehene Gebrauch von Allego.
rien, Symbolisierungen und blassen Abstraktionen 7 ebenso wie die
Neigung zum Didaktischen 8, das sogar ins Grabepigramm' und die
erotische Dichtung 'O eindringt; auf das gleiche deutet endlich auch
die Aufgeschlossenheit für die Natur.
Die Naturlyrik war am schönsten bisher in der Peloponnesischen
Schule des 3. Jahrhunderts v. C. zur Entfaltung gekommen. Drei·
hundert Jahre später, unter Augustus, waren die gleichen weichen
Töne wieder angeschlagen worden. Dann aber waren sie verstummt.
Erst die Byzantiner des 6. Jahrhunderts, deren Hauptvorbilder neben
den Römern (Tibull, Properz) auch die hellenistischen Diohter (vor
allem Theokrit) waren, lassen diese Motive erneut aufklingen und
entwickeln hierin eine sehr beachtliche und durohaus selbständige
Leistung. Was sie von den früheren Naturlyrikern unterscheidet, ist
1 V 277f., 302, X 68. Unter Juatinian wurde oie mit der Tod_trafo bedroht

(Inetit. 4, 18, 4, Nov. 77, 1; 141). I V 811. I IX «4, XVI 272. • XVI 201.
I E. Bothe: Grieeh. Lyrik, 1920, 103. • V 276, 292, IX 770. ' V 291, 301, vn
563, IX 482, 76:1, 767f., XVI 314. • IX 482, 767f., X 64, 66. I VII 572.
10 V 216, 267, IX 4431.
B1·an~inar 87

ZWtlitlrlei: Vor IIolltlJU kommt bel Ihnen Jetzt die Freude a.m Eigenbesitz
und da.s Gefühl der Verwurzelung mit dem Boden zum Ausdruck.
Das ist ein typisch römisches Gefühl, das IChon die Dichtung des
Hora.z mit ihrer Freude am 8&binum durchklungen, da.s Vergila
Klage um den Verlust seines Gutes bestimmt' und da.s auch Catull
bci der Erinnerung an sein Heim in Sirmio 80 warm ergriffen hattet.
Jctzt ist dieses Gefühl bei den späten griechisch. römischen Misch·
lingen wach geworden'. Ein zweites ist ihre Sehweite. Hatten die
Alteren Dichter sich darauf beBCluii.nkt, ein Vögelchen, eine Quelle
oder ein Ruheplätzchen zu besingen, 80 schweifen die Blicke der
Byzantiner in die Ferne, sie umspannen einen weiten Raum, ein
Landhaus mit seinen Gärten, einen großen Park, die riesige FlAche
des Meeres, und reichen bis zum hohen Himmel hinauf'. Das erinnert
an die Porträts dieser Zeit, deren Blicke eoonfaJla in die Unendlichkeit
geriohtet zu soin scheinen und die sohon äußerlich die Tiefe ihres
Innenlebens siohtbar werden laaaen.
Damit können wir die Geaohichte der Epigrammatik beschließen.
Zwar bringen die nAcbaten Jahrhunderte nooh Epigrammatiker hervor,
80 die Nonne Kassia' (9. Jh.) Johannes Geometrea (10. Jh.), Christo.
phoros von Mytilene und Johannes Mauropua (11. Jh.), Manuel
Philes (14. Jh.) u. a.; seit dem 9. Jahrhundert bahnte eich im Kultur·
kreis von Byzanz auch nooh einmal eine liter&riache Renaiaaance an,
deren Interesse für die antike Literatur nicht nur zu großen Enzy.
klopiLdien für die verschiedenen Wissensohaften führte und der wir
auoh die Erhaltung der Anthologia Graeoa zu verdanken haben,
80ndern die ihre eigenen derzeitigen WiaseDICbaften auch im antiken
Sinne wieder befruchtete. Doch beBChriokte sich dieaea Intereaae, wie
Ichon unter J uatinian, auf eine kleine geistige Aristokratie, deren
Spraohe und künstlerisches Schaffen der breiten MaBBe des Volkes
fremd blieb': die Diohtung, die in der früheren Zeit einen da.s ganze
Leben durchdringenden und beherrachenden Wert dargestellt hatte,
nahm jetzt nur noch eine Randatellung im Leben ein; sie fand keine
Wurzeln mehr im Volk und hatte 80 ihren nährenden Boden verloren.
I Buo. I und 9. "31. I IX 1i8II. 848-663, 887. 877. (X 88). • IX 661. 866.
88U•• 782, 808. XVI 66. • 80 (nicht Kaaia. Ikuia oder ihnllah) nenn~ eie eeI!Jet
aioh in einem AIuoßiahon (Diotion. d'hiet. et de ~. ecoI... 11. 1939. 1312).
• VII. den melUloholleohen Rückblick XVI 386.
88 Einführung

Geschlohte der Anthologla Graooa

Die iluren Sammlllngen

Sohon oben wurde erwähnt, daß die Grieohen von jeher die Neigung
hatten, Gediohte zu sammeln. Das trifft für alle mögliohen Dichtunga.
arten zu, doch hat sich von sämtlichen nur eine Epigrammenantholo·
gie bis zu uns herübergerettet. Es fragt sich, seit wann solche Samm·
lungen naohweisbar sind.
Tatsächlioh waren Epigrammsammlungen schon sehr früh vor·
handen. Der Umstand, daß die Maaae der dem Simonides bereite in
klusischer Zeit zugeaohriebenen Epigramme zweifellos tmeeht ist',
hat in unseren Tagen zu der Behauptung geführt, daß schon im 6.Jahr.
hundert v.C. eine ihm zugesprochene und für echt geltende Samm·
lung existiert habe l • Platon ist der erate Schrifteteller, der erkennbar
eine (um 400 entstandene) lnachriftenaammlung benutzt'. Im 3.Jahr·
hundert veröffentlichte PhUochoroe attische Inschriften, um 200
sammelte der Perieget Polemon auf seinen Reisen Insohriften, die er
örtlioh geordnet herausgab, und ähnlioh 10heint AristodemOi im
l.Jahrhundert thebanilOhe Inachriften publiziert zu haben. Du wa·
ren sicherlich meist Adespota, da die Dichter sich hierbei ursprünglioh
nicht nannten·.
In hellenistisoher Zeit tauohen auoh sohon Sammlungen bekannter
Autoren auf. So haben KallimaohOl, Poaeidippoe. HedylOl, Aakle·
piades, Nikainetos, Leonidas von Tarent. Nosais, Moiro, ADyte u. a.
ihre Epigramme gesondert herausgegeben. Das waren jedoch nur
Sammlungen, dio ein Diohter von seinen eigenen Versen gemacht hat.
Es fragt sioh: Haben daneben auoh sohon solche von verschiedenen,
und zwar benannten Dichtem existiert?
Auch diese Frage läßt eich bejahen. Reitzenatein' nahm, gestützt
auf eine Bemerkung des Grammatikers Aristaroh (2.Jahrh. v.C.)',
1 Allch wohl VII 249:"n ~t\l', 4yya).0II. • Preger. Andere. wie Kübel lind
Reit.uDatein, pftlchten dem bei, halten die Sammlang jedooh fUr jüllj!V (8). • W..
ber (83). • Der ente, der Geh MlhA DeDIIt, Iß Ion von &zoo. in einer I-uift
.... J. 4M .... C., dooh bleibt du eine Seltenheit.. • (88) 8. Nil'. • 8ohoI. 10 I1iu
11, 101.
Altere Sammlungen

eine von Aoklepiades, Poeeidippoe und Hedyloe veranstaltete gemein-


same Auagabe ihrer Epigramme mit dem Titel ..Haufen" (l:oop6s) an,
was Zustimmung (Peek, Lasaerre) und Widel'llpruch (StadtmüUer
Waltz, Gow) gefunden hat. WaUace1 glaubt sogar, Meleagroe habe bei
der Zusammenstellung seiner Sammlung von V 134-215 den Soros
benutzt, und LasserreJ suoht r,I\ohzuweiaen, daß das El'llcheinen dell
Soroe von Theokrit in seinem 7. Idyll begrüßt werde, wo hinter den
peeudonym'ln Hirtennamen die im Soroe vertretenen Diohter ver-
steckt seien. Tateächlich gewinnt Reit.zensteina Annahme eine stil'-
kere Wabl'lloheinlichkeit, naohdem ein weiterer, um 2liO v. C. geschrie-
bener Papyrus' Kunde von einer Sammlung braohte, die den Titel
IVI1I1IIKTQ trnypal1l1CXTQ führte und Epigramme von P08eidippoa und
anderen Diohtern (Hedyloe, Leonidas, Anytef) enthielt. Auch sonst
haben sioh auf Ostraka· und in Papyri' Reste vormeleagriacher
Sammlungen gefunden, die beweisen, daß der Gedanke, Gedichte
venKlhiedener Verfasser zu einem Corpus zu vereinigen, nicht von
Meleagroe stammt.
Den eigentliohen Grund8took zu der uns vorliegenden Anthologie
soheint aber dieaer Meleagros von Go.dara gelegt zu haben, als er
um daa Jahr 70 oder 60 v. C. auf der lnael K08 eine Blütenlese veran-
staltete, die er unter dem Titel .. Kranz" (Stephan08) herausgab. Darin
vereinigte er eine große Menge von Epigrammen teils der alteren
Dichter (Archilochos. Sappho, Anakreon, Simonides, Bakchylidea),
teils der Zwiachenperiode (PIaton, Erinna), teils, und mehr noch, der
rein literarischen Richtung von Simias und Ka.llimach08 bis auf seine
eigenen älteren und jüngeren ZeitgenOBBen, vor allem Alltipatros von
Sidon. In seinem Einleitungsgedichtl führt er selbst 47 dieser Diohter
an 7, von denen 8i"h allerdings in der jetzigen Anthologie keine Ge-
dichte mehr von Euphemos, Melanippidea, Parthenis und Polykleitoa
vorfinden; zu den Epigrammen dieser 47 Dichter fügte er noch, ohne
damit zu kargen I, seine eigenen Produkte hinzu'. Auch Adeapota

I Tranaactlona and Prooeed. of Ammo. Philol. Aaaoo. 1939. 191. • Rhein. Mus.
102. 19119, 307. • Pap. Brlt. MUI. 1189 (Pack 1121); darüber zuletzt Lauerre:
Rhein. Mus. 102, 1959.222. • Wiloken: Gr. O.tr. 2. 1148 und 1488, aus dem
2.Jahrh. v.C. • Grenfell.Hunt.Smyly: Tebtunia Papyri Nr.I-2 (um 100 v.C.).
Nr. 3 (Zoit des Meleagroe). I IV 1. • Vgl. S. 102. • In unserer Anthologio
.teben nooh etwa 130. • Ob er auch Archiu aufgenommen hat, bleibt unbo.
otimmt; Reit.zenalein nimmt"" an, Relnach bezweifelt 01.
70 Einführung

waren darin enthalten. Angeordnet waren die Eplgra.mme nicht In


einzelnen Büchern oder Kapiteln. sondern nach einem Scholion des
PalatinusI fortlaufend in der alphabetischen Reihenfolge ihrer An-
range. Du wird zwar von verschiedenen Gelehrten neuerer Zeit be-
Itritten, die glauben, eine thematische oder eine nach Dichtem ge·
troffene Anordnung annehmen zu mÜllen, doch halten a.ndere an der
wohl auf guter Überlieferung beruhenden Notiz des Palatinus fest',
die auch durch erhaltene kleine alphabetische Reihen' und die Ikla·
vische Nachahmung des IpAteren Philippos beetitigt wird. Du
Schlußgedicht war XII 257. Eine besondere paiderotisohe Sammlung,
die man früher für Meleagroa annahm und deren Prooimion Reiske
in XII 256 sah, wird heute allgemein abgelehnt. Meleagroe' Werk, du
entsprechend der politischen Lage in Griechen1and in den letzten
Jahrhunderten und dem kosmopolitischen Denken in Alexandria
vorwiegend Weih· und Grabpoesie sowie Trink- und Liebeadiohtung
enthielt, acheint sehr großes Interesae hervorgerufen zu haben, ja,
man hat noch im gleichen Jahrhundert einen Auszug daraus veran-
staltet, von dem lieh Reste vor kurzem in Papyri gefunden haben'.
Bestätigt wird dieses Interesae duroh die Tatsaohe, daß um 40'
(vielleicht i. J. 40) n.C.' Philippos von Theaaalonike eine zweite
Sammlung herausbrachte, die er ebenfalls "Kranz" nannte und in der
er Gedichte aeit Meleagroa aufnahm. Er aelbst zählt unvollständig in
aeinem Prooimion 7 13 Dichter auf', denen er wie sein Vorgänger eigene
Produkte zufügte'. Dieses Werk, dessen Anordnung, wie nooh er·
haltene Reihen zeigen lO , unstreitig nach alphabetischem Grundsatz

I S. 81: crvvtra~1\I 6l aVM KQTG CJTOIX"'''''. Siebe Vorwort su Buch IV. • Daß
diN du damala Obliche war, Rist auch die Tateacbe, daß die Titel der Dramen
d.. Ailchyloe, Eurlpides, Piautul und Naevlul sowie der Reden Ciceroe und
die Sprüche dea Publiliua Syrua In alpbabetlaeber Folge überliefert lind. • VI
133-1'2, nl 194-203. 2M-271, 1507~13. 1118-622 u.a. Weilert', wenn auch in
Ibn'r Anordnunguntör&e Reihen lind V lU-2111. n 109-1117, 210-226. 262-313,
3111-3118, "11 192-203, ~273, ~29. N6-8e5. 707-7.0, IX 313-338, XII
37-171. • Oxyrhyncboe.Papyri 882, Bd. IV N (enthält "11 183f. und 11 neue),
lind Berliner Papyrul 10671, Ber!. KI ..... Texte V, 1907, 711 (entbilt XII 780'.,
IX 111. XII Iot!, ,. 1112, XII 19 a. d. I.Jb. n.C.!; der letztere ltammt nach Wifatrand
8ua einem AUIZug vom Me\eacroel<r'am. • 80 Cichoriua. • NeuerdillJl nimm~
K. Mülwr ('9) friihlll'fOlliaebe z..lt. Gow (24) die 2.Hälfte dN l.Jh. n.C. &11; I. au
IX 178; vgl. aucb XI 185. ' 1\' 2. • •• 8.10.. • In der jetzigen Anthollllie
lteben noch 811. .. ,. 104-133, \'1 87-108, 227-281, VII 233-2.0, 3N-4OIi, 822-N1i,
Altere Sammlungen 71

erfolgte, entWelt, der römischen Vorliebe entBprechend, weniger


Erotika (vor allem weniger Paidika) als Dichtungen gnomischen und
anekdotischen Inhalts. Der Umfang des Werkes war bedeutend kürzer
als der des Meleagroskranzes. Das tritt auch heute noch in etwa zu-
tage, da die nachweisbaren Reste des Philipposkranzes an die 3000
Verse umfassen, während wir aus dem Meleagroskranz noch über
4000 Verse besitzen.
Wieder hundert Jahre später folgten eine oder vielleicht auch
mehrere neue Sammlungen. Um 140/50 n. C. 1 brachte der Gramma-
tiker DiogeneianoB von Herakleia am Pontos eine solche heraus,
die er Anthologionl nannte. Er nahm aus den Sonderausgaben der
Autoren Gedichte seit Philippos auf, ohne eigene hinzuzufügen. Es
handelt sich meist um satirische und sympotische Epigramme, wie
das Interesse der Zeit, das in der überragenden Bedeutung der Person
Martials sichtbar wird, es bedingte. Sie stehen meist im 11. Buch der
Anthologie. Die Anordnung war alphabetisch, wie im Suidas be-
merkt ist3 und wie die noch erhaltenen Reihen' bestätigen.
Problematisch ist die Person und die Sa.mmlung des Rufinos.
Einige, wie Geflcken, identifizieren ihn mit Rufos, dem Verfasser
von V 284, der ins 6. Jahrhundert gehört. Richtiger wohl ist die An-
nahme derer (wie Weigand und Sakolowski), die ihn um 130 n. C.
setzen. Manohe, wie Weißhäupl5, Stadtmüller8 und Radinger 7, spre-
chen ihm eine Sammlung zu, die in der Hauptsaohe aus eigenen, vor-
wiegend recht derben Liebesgedichten bestanden habe, die aber ver-
mehrt gewesen sei durch Epigramme Fremder, besonders durch Bolohe,
die er den Florilegien seiner Vorgänger entnommen habe. Dem wider-
sprechen andere (so BoasS), die eine Ausgabe lediglich eigener Ge-
dichte annehmen und die Aufnahme des Rufinos in die Anthologie
erst duroh Kephalas erfolgen lassen. Auffa.llend, aber noch ungeklärt
ist die Tatsache, daß die Gedichte des Rufinos selbst nur im 5. Buch

IX 81-90. 215--312, 403--423, 541-562, X 17-25, XI 23-46 (hier in umgekehrter


Reihenfolge), 318-327 (ohne 323).
1 Sakolow.ki (70). • Hier taucht das heute vielgebrauahte Wort in die8er Form
zum erstenmal auf, wiihrend Anthologia im übertragenen Sinn viel später ist. ' •. v.
1110YEV1av6<;. • XI 388-398.399-413, 417-436. • (86). • In .einer Ausgabe S.
XXVI. 'Rh. Mus. 57, 1903, 294. • (9).
72 Einführuni

der Anthologie und dort auoh nur im ersten DritteIl und dabei Cut
überall nur in kleinen Gruppen zu zweien, dreien oder vieren auf·
treten.
Ebenso problematisoh ist die Sammlung des um 150 tltigen S traton.
Dieser gab ein Werk unter dem Titel Musa paidik6 heraus, das, wie
lohon sein Titel besagt. Liebesgediohte auf Knaben enthielt und deaaen
erste Gedichte XII 1 und 2 und deaaen Sohlußgedioht XII 258 war.
Heute liegt dieees Werk, im groBen gesehen, im 12. Buoh der Antho-
logie vor, das 258 Nummern, darunter 94 von Straton aufweist.
Strittig ist nur, ob es uraprfinglioh lediglioh Gedichte von Stratona
eigener Muse enthielt, die erat bei der Aufnahme in unsre Anthologie
mit fremden Produkten durchsetzt wurden, oder ob Straton selbst
zu seinen Gedichten solche aus älteren Anthologien, besondera von
Meleagros und seinem K~nz, hinzugefügt hat. Die erste Annahme
stützt sich im wesentlichen darauf, daß Straton in XII 2 und 258
nur von "meinen" Gedichten spricht; die zweite fußt hauptsiohlich
auf dem Scholion des Palatinus vor Buch xn, daß jetzt die Musa
paidike des Straton folge, worin eben fremde Epigramme vorkom.
men. Wieder andere! glauben, daß ein späterer Herausgeber der Musa
diese noch einmal aus den Kränzen des Meleagroa und Philippos
vermehrt habe.
Einig jedoch ist man sioh heute danlber, daß das Jugendwerk, du
Diogenes Laertios um 225 n.C. unter dem Titel Pammetroe, d.h.
Gedichte in verschiedenen Veramaßen, herausgab und von dem sich
einzelne Epigramme in unsrer Anthologie, meist zwischen VII 85
und 133, vorfinden, nur eigne Pocaie umfaßte. Diogenes hatte diese
Gedichte z. T. selbst in seinem api.teren Werk "Leben und Melnun·
gen" zitiert. Da nun du Jugendwerk bald in Vergessenheit geriet,
entnahmen die byzantinischen Sammler die Gediohte seinem Haupt-
werk, 80 daß diese in der Anthologie oft als anonym auftreten. Auoh
V 78ff., vn OOf., 669f. sind, wie Weißhiupl zeigte, erstspitaus Dio·
genes La.ertios in die Anthologie herfibergenommen worden.
Ebenso enthielt das Werk Gregon von N azianz (um 329-390),
das sich im 8. Buch der heutigen Anthologie darstellt, nur eigene
Dichtungen.
I "11. Vorwort KU Buch V. • (72).
Altere Sammlungen 73

Schwieriger steht es mit Palladas (um 400). Hier handelt es sich


um zwei Fragen. Die eine: Hat Palladas nur seine eigenen Gedichte in
einer Sonderausgabe veröffentlicht, oder hat er eine Epigrammsamm-
lung verschiedener Dichter zusammen mit seinen eigenen Erzeugnissen
veranstaltet? An das erstere glaubte schon Jacobs, und dieser Ansicht
sind heute wohl noch die meisten Forscher; doch mehren sich neuer-
dings abweichende Stimmen. Schon Hecker nahm unter Hinweis auf
das Lemma von VII 339 eine Sammlung verschiedener Dichter an.
Einen ganz neuen Schritt tat Franke. Er vermutete aus triftigen
Gründen, ein Späterer habe aus den Epigrammen des Palladas sowie
anderer Dichter - Lukianos, Eutolmios, Nestor von Laranda, Tiberios
Illustri08, Kaiser Julian und Kyrillos, aber auch aus Theognis, Hero-
dot, Diogenes Laärtios, Sprichwörtern und Inschriften - eine Samm-
lung, die Sylloge Palladana, angelegt. Dem stimmt jetzt auch Irmscher
zu, während Bowra 1 glaubt, Palladas selbst habe vielleicht die Sylloge
Palladana herausgegeben; sie habe zunächst keine erklärenden Ein-
führungen oder Anmerkungen gehabt, doch seien diese in einer Aus-
gabe der späteren Zeit, allerdings dürftig und oft fehlerhaft, hinzu-
gefügt worden. - Die zweite Frage will wissen, durch wen die Gedichte
des Palladas bzw. der fraglichen Sammlung in die Anthologie gekom-
men sind. Manche, so Weißhäupl, nahmen an, Agathias habe sie in
seinen Kyklos eingereiht. Andere dagegen, so Weigand und auch
Franke, glauben, erst Kephalas habe die Gedichte seinem Werke ein-
verleibt. Eine eindeutige Klärung ist noch nicht erreicht; möglicher-
weise haben beide Sammler ihn ausgezogen.
Einfacher steht es wieder mit Christodoros von Koptos, der
um 500 Beschreibungen der 180 Statuen in den Zeuxipposthermen zu
Konstantinopel verfaßte, die das 2. Buch der Anthologie ausmachen.
Müßig zu sagen, daß es auch in diesen Jahrhunderten gewiß noch
Florilegien aus verschiedenen Dichtern gegeben hat; doch sind sic
für uns nicht mehr klar erkennbar. Angenommen wird vor allem, daß
in dieser Zeit noch eine die Kränze des Meleagros und Philippos zu-
sammenfassende Epitome veranstaltet wurde.
Sichtbar wird erst wieder eine Sammlung des Agathias (nm
536-582), die Snidas unter dem Titel Kyklos l zitiert, während sie in

I Byz. Ztachr. 53, 1960,4. • •.KI'Cis"; vgl. unser ..Liederzyklus".


74 Einführung

einem Scholion zu IV 3 als SyUoge und in einem zweiten aJs Syn.


agoge bezeiehnet wirdl • Der unter Justinian erstehende Humanismus
veranlaßte Agathia.s. seine Bekannten zur Einsendung von Epigram.
men aufzurufen', die er dann erscheinen ließ, wobei er Gedichte der
unmittelbar vorhergehenden Generation aus Sonderausgaben hinzu·
nahm. Das gesohah, wie IV 3, 53-57 zeigt, nach der Eroberung Roms
durch Na.rses (553), wie SakoloWBki glaubt, in den Jahren 558/59.
Die Anfangsgedichte des KykJ08 liegen in IV 3 vor. Neu daran war
die später auch in unsrer Anthologie auftretende sachliche Einteilung'
in 1. Weihepigramme (Anathematika), 2. Epideiktikat , 3. Grabepi.
gramme (Epitymbia), 4. Ermunterungen (Protreptika), 5. Spottepi.
gramme (Skoptika), 6. Liobesepigramme (Erotika) und 7. Trinkepi.
gramme (Sympotika)l. Dieses Sammelwerk erschien nach Preisendanz
bereits als Pergamentcodex.
Knappe hundert Jahre überdauerte der neue Humanismus, der
sioh überhaupt nur auf eine kleine gebildete Oberschicht beschrA.nkt
hatte, den Tod JUStinilIons. Noch zeigten sich einige MAnner von Ta·
lent, die auch das Epigramm pflegten, 80 Georgi08 Pisides (um 630),
und in dieser Zeit erlebte auoh der Kyklos, der einen großen Erfolg
hatte, zahlreiche Auflagen und Ausgaben'. Dann aber fand unter den
anders gerichteten Intereaen des jungen Christentuma auch der jih
aufgeblühte Humanismus ein ebenso jähes Ende. Erst als unter Kai·
ser Bardas i. J. 858 die Universität in Koustantinopel wieder ihre
Tore öffnete und Gelehrte von al1en Seiten herbeiströmten, erwachte
die Freude an der Literatur der großen Vergangenheit zu neuem
Leben. Damals trieb auch die epigrammatische KUMt unter den
Rinden der Nonne Kassia frische Blüten, und damals, um 890, ent·
stand von der Rand eines unbekannten thesaalisohen Geleh~n in
Konstantinopel die nach dem Adressaten benannte S y 11 0 ge Eu p h e •
miana, die älteste der Spätanthologien'.

• •. "unrurt zu 1\'. • 1\' 3. 23 f. • KaTe. 1115T). • EpideikUka (.. worin man


lieh zeigt. zur Schau ltellt"), lind lolche Epigramme. die nicht a" AufsohrifUon
dl~nUon. allO .. Buohol.igrnrnm,,"; doch .ind d .. Auch viele Weih· und Grabopi,
g",mme, "gI. die "enpoUung dieorr Epigramme> XI 194 und 312. • I. IV 3.113-133.
• Er tcheint übrigt'no noch im 12.Jahrh. exial.it'ß zu habt'n, ,,·i.. die NachahmunI
lIt'radt' di_r Epigramm~ dllrch EUIl~ni&ßOl Nik..taa in ..,inem Roman von CbariklN
und l>rosiilo zrlllL; "uch dl'r Imum des ZUnArU in IX 657 deu .... t darauf hin,
r .., S.82.
Anthologie des Kephalaa 711

Wichtiger ala diese und die anderen kleinen Sammlungen i8t die
von dem Protopapal Kon8tantino8 Kephala8 1 vielleicht auf
Anregung Kaiser Leoa VI. des Philoeophen kurz vor 900 in Konstan-
tinopel hergestellte Anthologie. die zwar verloren ist. die aber durch
ihre Einwirkung auf die 8päteren Blütenlesen und durch mehrere
Scholien im Palatinusi. vor allem durch ihre Einwirkung auf die
Anthologia Palatina noch weithin rekonstruierbar ist. Kephalas fußt
nicht wie Agathiaa auf der Gegenwart. 80ndern will die gesamte.
jahrhundertealte Vergangenheit in seinem Werk aufschließen. Ala
Vorlagen dienten ihm die Epitome aus den Kränzen des Melea.grost
und PhiIippos', die Anthologie des Diogeneian08', die AWIg&be des
Leonidas von Alexandria. die Gedichtaammlung des RufinOll, die
MU8& paidikt\ Stratons, die AWIg&ben des Theokrit, des Diogenes
La.ertiOll, des Nikodem08 und Palladas und, neben andern unbekann-
ten Florilegien, der Kykl08 des Agathias, d8888n sachliche Einteilung
er, wenn auch in veränderter Form', beibehielt. Vor der ZU8&mmen-
stellung der Anthologie hatte Kephalas zudem durch Gregori08 Ma-
gister von Kampsa (Makedonien), den Leiter der Schule, die mit einer
von BasiIi08 1. i. J. 876 erbauten und 881 eingeweihten Kirche ver-
bunden war, Inschriften sammeln lassen', die er ala Anonyma seiner
Anthologie einverleibte. Nach dem Scholion S.81 des Palatinus

1 Oberster Hofpletlicher. • d.b. der OroDköpfige. • B. 81 zu IV 1. B.207


aum Anfang von VII. B.25IIzu VII 3M. 8.273 zu VII "28 UlW. • Wifatrand (88)
glaubt. KepbaIu habe aue dem 0ripIalkram Moleacere. ohne die Reihenfolp zu
ure&ann. ~öpft. • s. 8. 73. • SakoIowald.
• Ba entapreohen sich wohl [vgl. WoIt.ere (93)] die Biicher:
1 2 3 11 8 7 bei Aptbiae
2 " 3 8 1') 1 bei Kepbalaa
8 8 7 10 11 11 in der Palatin&.
• ONßOrioa beaacllto auf 8eIner Relae na-Joolke (VII 30&0), LariMa (VII 327 f.),
11..... (VII 337). Korintb (VlI 30&7), Mapeaia (VlI 338), Kyziko. (VII 3Mf.) und
PhrygIen (Vn 330-333).
78 Einführung

umfaßte die Sammlung des Kephalae nur ~tika, Anathematika.


Epity>nbia und Epideiktika, was den heutigen Büohern V, VI, VII,
IX entspräche. Doch glauben die meisten der modemen Forscher,
daß Kephalas' Anthologie auoh die Bücher X-XII, wahrscheinlioh
auoh Buch IV umfaßt habe l • In der Anordnung der Epigramme
befolgte Kephalas eine gewi8lle Regel, indem er 8toftlich zusammen·
gehörige Gedichte nebeneinander&teUte, z. B. Weihinechriften auf
Pani, Grabinecbriften auf Heroen, Dichter, Kinder, Tiere, Epigramme
auf das gleiche Kunetwerk ' , Spottgedichte auf alte Hetären, auf
Arzte, Boxer UIW. Doch ICheint er später diese Methode aIB zu müh·
sam wieder aufgegeben zu haben.
Eine neue These stellte kürzlich PreiBendanz in zwei Vorträgen, zu
Wien bzw. Heidelberg, auf. Nach seiner Ansioht wurde Kepha\as aU8
unbekannten Gründen an der Vollendung seines Werkes gehindert.
Beab8lchtigt hatte er, wie Agathiae, eine Epigrammeammlung in
8ieben Büohern, hatte auch IChon, wie später Planudee. eine Gruppie.
rung der Gedichte im Auge. Ereignisse, die wir nicht kennen, ver·
wehrten ihm aber die endgültige Redaktion. Was er hinterließ, war
nur der Rohbau einer Sammlung, dem die nötige feinere Durcharbei·
tung und selbst der Titel noch fehlten.
Die Anthologie des Kephalas hatte einen außerordentlichen Erfolg.
Einen Maßstab für die Beliebtheit des Werkes kann man in der Tat-
eache finden, daß im Suidas (lO.Jahrh.) von allen griechiBOhen Texten
die meisten Zitate aus der Anthologie gebracht wurden'. Aber diese
war auch bestimmend rtir die 8päteren gleichgeriohteten Werke. Eine
gekürzte Abschrift der Sammlung bzw. nach anderen das Bruchstüok
einer Absohrift war das Buoh des Michael Chartophylax, das der
Korrektor des Palatinus bill VII 432 benutzte 5 • Andere Bearbeiter
erweiterten die Anthologie des Kepha\as, 80 der Palatinus. oder 8tell·
ten eine Epitome daraus her, 80 Planudes.

I ZII XV vgl. du Vorwort ZII dl_m :blich. I VI 11-18,179-188. I IX 713-742,


793-798. ' •• S. 1Iti. I •. S. 1Iti, 96.
Enhtebung von Palatina and Planadoa 71

EntetehUD, der Antbologia Palatina

Auch der unbekannte Redaktor der Anthologia Palatinal, die um


980 entstand, baute auf der Anthologie dee Kephalaa auf. Zugrunde
gelegen hat ihm, wie Finaler an Hand der Schreibfehler glaubt, ein
Exemplar, das in Majuskeln geschrieben war. Doch sind nach neueren
Untersuchungen wohl mehrere, mindeetena zwei, Archetypen anzu·
nehmen. In der Hauptsache ist die Arbeit dee Redakton nicht8 an·
deres als eine verbeeaerte Neuauflage der Sammlung dee Kephalas.
Das trifft, wie oben geaagt, bestimmt zu für die Bücher' V, VI, VII,
IX, wahrscheinlich auch für IV, X, XI, XII. Dabei hat der Redaktor,
ohne im wesentlichen die Ordnung zu indem, das Werk des Kephalaa
noch um eine größere Anzahl von Gedichten erweitert, und zwar um
die Bücher 1-111, VIII, XIII, XJV8. Buch I enthAlt christliche In·
schriften des 4.-10. Jahrhundert8, Buch 11 die Verse des Christo·
dor08 von Koptoa, Buch m zeitlich nicht bestimmbare Inschriften aUI
einem Tempel in Kyzikos, Buch VIII Epigramme aus einer Epitome
der Gedichte Gregon von Nazianz; die Bücher XlII-XIV steUen
einen Anhang dar teils von IJteren Gedichten, die Kephalas übergangen
hat.te, teils von Gedichten, die jünger als Kephalas sind. Im ganzen
handelt es sich um etwa 3700 Epigramme mit rund 23000 Versen.

EntstehUDI der AntboJosIa Plauude.

Etwas kleiner (etwa 2400 Epigramme mit rund 16000 Versen) ist
die am l. September 1299' abgeacblOlllleD8 Anthologia Planudea, von
der wir, eine kostbare Seltenheit in unserer gesamten Literatur, das
eigenhändigel Exemplar des Redakton, des Mönches MaximOl Pla·

I Beawmt nach ihrem Aofbewabrunport, der BibUotbeea Pala&ina in Heidel.


bezJ (P 23). I DIe BeziB'enml der Biieber lat modem. I Doch vgl. Vonron
zu XIII und XIV. • So P. )laaa (Or. PaIäogr. in Geroke.Norden: Ein!. i. d. Alt.
Bd. I H. 9, 1924, 74). Zanetti, Trou und Mewaldt hatten Planudea' Jahresangabe
(lv8um&\1IOS IY'. Abbild. bei Kugw) in 1m, Radinger (Rb. MOl. 67, 1903, 303)
und Ku..... (Byz. Ztachr. 18, 1907,8(8) in 1301 auag"reehnet. • UrapruDlllieb
glaubte PreiRndanz (Wendel) f. 181' &-f. 19' und 201"-230' ecien von einer andrren
Hand geaehrieben. Yaun, dagegen Ipracla kürzlich &lieh di..... &i",n Planud... zu;
ihm achließt sich Preiaendanz jetzt an.
78 Einfiihrung

nudes in Konstantinopel, des "letzten Griechen" (1255-1305)1,


besitzen: den Marcianus 481 in Venedig.
Eine kurze Beschreibung des Autographons wird von Interesse
seinI.
Die Handschrift besteht aus Quaternionen von ursprünglich ins-
gesamt 137 Blättern, von denen jedoch 14, nämlich die letzten 5 Blät-
ter vom Quaternio 10, der ganze Quaternio 11 und das erste Blatt des
Quaternios 12, ausgeschnitten sind. Es handelt sich um Pergament-
blätter, denen 2 Papierblätter vorgeheftet sind; ihre Durchschnitts-
größe beträgt 27: 21 cm. Die Folionumerierung, beginnend mit dem
zweiten PapierbIa.tt, wurde wahrscheinlich erst im 18.Jahrhundert
ohne Berücksichtigung der herausgeschnittenen Teile vorgenommen,
während die Buchnumerierung noch von Planudes selbst stammt.
Jede Seite umfaßt 36 Zeilen, die in zwei Spalten derart geschrieben
sind, daß links der Hexameter, rechts der Pentameter steht. Die
Schrift ist in Minuskeln gehalten, nur die Anfänge der Epigramme
sind durch rote Maj uskeln gekennzeichnet. Die Handschrift kam 1469 8
durch das Vermächtnis des Kardinals Bessarion an die Marciana; der
jetzige Ledereinband datiert aus dem Jahre 1728. Die Innenseite des
Deckels und das Rekto des ersten Papierblattes tragen Katalog-
angaben. Das zweite Papierblatt (f. 1rv) enthält Alphabetübungen und
Inschriften'. Ab f.2 r (erstes Pergamentblatt)5 folgt der Text der
Anthologia Planudea..
Die Einteilung ist die sachliche: 1. Epideiktika, 2. Sympotika und
Skoptika, 3. Epitymbia, 4. Beschreibungen, 5. Christodoros von
Koptos, 6. Anathematika, 7. Erotika. Aber jedes Buch (außer 5 und 7)
ist in sich wieder in einzelne Gruppen untergeteilt', die alphabetisch

• A. Turyn: Byz. trad. of Eurip., Urbana 1957, 33 A. I Zum Folgenden vgl.


Pr~i8Cndanz (59); C. Wendel: Planudea (Byz. Zuohr. 40, 1940,406) und Planudea
(RE 2QI, 1950, 2236); D. C. C. Young in Scriptorium 7, 1953, 3 und Parola dei
PlI88. 10, 1955, 197; C. Gallavotti: Planudea I (Bollett. Aocad. Nazion. dei Linoei,
nuova sero 7, 1959, 25) und Planudea 11 (ib. 8, 1960, 11). I Gallavotti Plan. I
S. 36. • eIL IX 5894, CIG 2584, 2674,2581 f., 3565 (= AG VII 15). • Der Anfang
(r. 2r) lautet: 'AII&olloyla 6,a.6pc.1II trnYpa\JIICrrc.>1I äpXa(o.S avvTE&E,IIWc.>1I o~olS
hrl 61~6po1S W06faEOIII tplillIIEIas tx6\ITc.>II hrI6E1~11I Kai lTpayllCrrc.>1I i\ YWOIIWc.>1I
i\ Ws YEIIOllfvc.>1I ä.f)YIlOIII. 1hnlioh der Palatinus (8. \'orwort zu Buoh IX).
• Buch I in 91, II in 53, IU in 32, IV in 36, \'1 in 27.
Entstohung der Planudea 79

geordnet lind 1. Dabei bat Planudes nach Abschluß des Werkes die vier
erBten Bücher noch einmal aus einer anderen Vorlage, wie er selbllt
in einer Vorbemerkung' sagt, ergänzt, so daß in seiner eigenen Hand-
IIChrift die Reihenfolge der Büoher ist: la (f. 2r-2tr), IIa (f.21 v-29'"),
lila (f.3O'-43'), IVa (f.43L 58V), V (f. 58'"-61'"), VI (f.61 v--68'"),
vn (f. 68 Y -76,), Ib (f. 81 v -86 V ), nb (f.87r-90'), llib (f.90r-96V ),
IVb (f.97 r-l00r). Seinen in der Notiz an zukünftige Bearbeiter
gerichteten WUDIIOh, die beiden Teile zu V6l'11Ohmelzen, enullte a111
erster' Joh. Laskari8, als er im jetzigen Vat. 63 die Planudea-Samm-
lung des Maroianus abaohrieb', darauf Mich. Apostoli08 in seinem
um 1.70 aus dem Vat.63 abgeaohriebenen' codex Par. 2739, und
diesen folgten dann die späteren Druokauagaben, in denen also die
Ordnung la + b, Ha + b, lIla + b U8W. herrsoht.
In der Lüoke nach 76 r bill 81 v 8tand, wie Young nachwies, zunächst
auf den oben erwähnten herausgeaohnittenen Blättern urspriinglich
der Text der Theognidea. E8 folgen f. 77 r-8Or Mon08ticha Menandri,
f. 8Ov -8I" die Gedichte Cougny IV 75, VII 2, 111 147, 1.0, IV 47;
f. 81 v unten steht Planudea' eben zitierte Vorbemerkung für die Nach-
träge zu den vier ersten Büohern, also zu Ib-IVb, die sich von der
nächsten Seite ab anaohließen. Am Ende bringt die Handschrift. auf
f.l00 v-122'" Nonn08' Paraphrase des Jobannesevangeliuma' und
f. 123rv Übersichten über Plutaroh und nooh einige Epigramme.

I &.B. Buoh Vß: ~~~,dSoiyc.wI~, ••• lIs ~.lls ~ Ils


ywatKos. als 6o<IA~ uew. Duu bemerkt PlanudOl f.2I' am oberen Rand: Icrrlov.
!ÖlS Iv Tals "'oval ~ala T\lfllIQC71 1CaT' Q).~"TO" TaVTa iKTIhtTal "~v ~
TCIOTo ,~. xU6tJv yäp I\aav' IC(I\ ~Ia lvnü8Ev ~ I';'1TOÜ1m"
"TOÜTc.w NpatS. Am unteren Rand wiederholt .... den erwten Satz und fährt dann
fort: XV5'1v yc!rp 1\" KaI 6vap1~ ßavTa iv T4\ c!rIrnypa.~. ICÖIm08IV oV j!>a6la
T4\ I';T)TOÜVTI "lKc!rcrrov T&W KEfCV.aIWll El'ipralS I\v, VÜV 6l j!>a61a Ti5 T~II n;;" aTOl·
Xdc.w ~ (aie; errst. SYd\m. I p. XI). I ~ta TOIS Iv ~ ~ T1n'lIlC1n.
1IITc!r W YPCIf~ ....lva ~ htpov ~1j».lov awaGPOlaeMa KCXTc!r ~ata, ,.1.
A_ 6l aW bwillOIS ypa..a8aI, lKacrrov ~alov aW T4\ äplJ6l;OVTI KI!.,w.aI~.
'Oallavotti letzt eine aolcbe Handeohrlft ..,hon für die Zelt kurz nach 1300 voraue.
I YOWlf! ScrIp\.; Kopien der P1anud.ea von der Hand dOl Lubria sind nocb
Barb. 123 (Oall. Plan. I S. 35) ud Laur. 31, 28 v. J. 1488 (Oall. Plan. 11 S. 19A.).
I Young Sorlpt. • Auf I. 122v .teht nocb ein Soholion, d.. apeziell die Paraph....e
doe NonnOi im Auge hat, darüber hlnaue aher lUch dea a-mtinbalt des CodOll
berüobiobt.igt.: Icrriov s.. 6n aIIl1fp6awn TOIS ,~ noem.ov\Cal ipöaIIlOV
80 Einführung

Vergleicht man die Palatina mit der Planudea, 80 scheint. es zu-


nlchst, als hätte Planudes die Anthologie des Kephalu stärker aus-
gebeutet als der Redaktor der Palatina, da er ein Plus von 388 Ge-
dichten bringt. die unseren Anthologieausgaben angehlngt und als
Appendix Planudea oder als Buch XVI zitiert werden. Doch
glaubt man, daß zum mindesten ein Teil dieser Gedichte auch in
der Palatina gestanden habei. Andererseits ließ Planudea aber auch
eine Menge von Gediohten, die in seinen Vorlagen standen, weg. Die
Gründe hierfdr waren venchieden. Zum Teil handelt ea aich um
Gediohte, die verderbt überliefert waren, so daß ihr Sinn nicht mehr
klar erkennbar war. Zuweilen überging er auoh Epigramme, deren
Motiv allzu häufig wiederholt war, wobei er, der Zeit nachgebend,
Stüoke mit stark rhetoriachem Einschlag gegenüber solohen mit
schliohtem Ausdruok bevorzugte. Zumeist aber liegt der Grund in
seinem aittlichen Empfinden. das vor allzu Derbem zuruckachrak l •
So ist ea auch zu verstehen, daß er einzelne Epigramme zwar aufnahm,
aie aber plötzlioh abbrach oder nach eigenem Gutdünken ins Dezente
abänderte, wobei ihm dOll öfteren metriache Schnitzer unterliefen;
manohmal aber hat er auch ganz Harmloaea, das er mißverstand,
unterdrückt, bisweilen umgekehrt sehr Bedenkliohea, das er gleichfalls
nicht verstand, achtloe stehen laaen.
Im allgemeinen machte Planudes 811 sioh keineawega leioht. Oft ließ
er, wenn eine Lesart ihm verdiohtig enchien. das Wort mit einer
Lücke weg, setzte wohl auch ein Merkzeiohen an den Rand und rollte
die Lüoke später aus. Du gesohah, wie die anderafarbige Tinte zeigt,
bisweilen längere Zeit hinterher. Dann, nach Gallavotti ' in den Jahren
1301-1302, sah er den gesamten Text noch einmal durch und nahm
mannigfache Korrekturen darin vor. Sicherlioh hat er dabei mitunter

tI ~II 'OOI\II.K&W CJV)')'pa\lII(m.w ~\IfA)(7'S Kai 1Ia1.ICTTa tI -n;;11 'OIlI\PIK~II lIulr TO


~ Kai 1I'01IC1Mv 'f(;;v ~' oU lwKw Kai tI napoOaa lIfTa.paalS ~
.., i\pwIlCOlS ty.y~ CTTlxo\S ttpbs TfP'fl'll 'TOts ,~ m\ ,1MMyo\S' m\
1rtIpIlr TlCJ\ lIiv Mynal 1l\la1 tI ~t1 'AI!\ICoWlav 'MII;ClII6p1ws .IA~,
ttap' 4MolS 6l N6II(II>ou 1I'01I\ToO ToO navottoAlTav.

I Vgl. duu Vorwort zu Buch IX. • Er nahm, wie er llelbe\ zu V 1 bemerkt,


nur auf, 6cra 111'\ ,..pbs Tb 6cn\lv6'npoll Kai alO')(p6-nPOII änoMlIIITaJ (vgl. Vorwort
zu Buch VI, • Plan. I S, 30 Anm. 10.
Entet.hang der Planadea 81

andere Handschriften zu Rate gezogen, 110 daß wir llII in diesem Fall
mit echten Lesarten zu tun haben. Öfter aber 80heint er sich bei sol-
chen Änderungen auf persönliche Vberlegungen verlassen zu haben;
dann aber (und das dürfte rur die Mehrzahl der Fälle zutreffen) haben
seine Schreibungen lediglich den Wert von Konjekturen, wenn auch
denjenigen eines griechischen Humanisten. Aber so eifrig und beflissen
er sich bei der Textkonst.ituierung zeigte, ebenso IIOrglos und fast
leichtfertig war er bei der Einsetzung der Dichternamen 1, faUs er nicht
vorzog, sie überhaupt beiseite zu lassen. Zweifellos besaß Planudes
ein großes und echtes humanistisches Interesse sowohl am Herbei-
schaffen des handaohriftlichen Materials wie an der textkritischen
Bearbeitung des Vorgefundenen, doch wandte sich dieser Drang in der
Hauptsache dem Stoft1ichen, der Dichtung, zu, während die Person
des Dichters rur Planudes nur von untergeordneter Bedeutung war.
Das ist die gleiche Einstellung, die wir in dieser Zeit auch sonst finden:
die Sylloge S und die zwei kleinen Sammlungen im Laur. 32,16 brin-
gen ihre Epigramme ohne Angabe auch nur eines einzigen Autors. Im
Widerspruch zu diesem mangelnden Intereeae am Dichter scheint eine
von Gow beobachtete Tatsache zu stehen. Wie oben berichtet, hat
Planudes die einzelnen Bücher seiner Sammlung in eine Menge von
Gruppen und Grüppchen untergeteilt, mit Aumahme von Buch 5 und 7
(= Buch 11 und V der Palatina). Das erstere konnte, da der Dichter
die Statuen in einer fortlaufenden Erzählung beaohrieben hatte, nicht
umgeordnet werden. Im letzteren dagegen nahm Planudes wieder eine
Umstellung vor. Doch herrscht bei ihm, trotz des Wegfalls der thema-
tiaohen Gruppen, keineswegs eine Regellosigkeit vor, vielmehr findet
sich auch hier ein, allerdings nicht streng Systemati80h durchgeführtes
Ordnungsprinzip, da die veraohiedenen Sektionen überraschender-
weise nach Autoren gebildet sind, wobei die zahlreichen Anonyma im
letzten Abschnitt auftreten'. Doch wäre es verfehlt, daraus auf ein
literarhistorisches Intereeae des Planudes 80hließen zu wollen: auch

I Oow (24) 8. 39f. • BerüakalohUgt man nur die groBen Reihen. 10 stammen in
Buoh 7 der Planud.... (vgl. die Oberaioht am Endo von Band 4) naoh der Ansiaht
des Redaktora die Epigramme Nr. 1-24 von Moloagroa (außer 3. 12. 14. 19. 221.
~ 'I0Il Pul.. 8ilentiari... M-8O von AgatJaiu (aaßer 771. 86-101 von Philo·
dom... 103-115 wieder von MeIoatIr... 124-151 von Rulln... 174-210 von anbebnn.
wn Diohwm (außer 185).
82 Elnfübrung

die Anordnung nach Dichtem entsprang, wie bei den übrigen Büchern,
lediglich dem Bestreben des Red&ktol'll, dadurch daa leichtere Auf-
finden eines gesuchten Epigramms zu gewährleisten.
Daß Pllmudes bei der Zusammenstellung seiner Sammlung auf
einer zeitlioh vor Kephalaa liegenden Anthologie fußt (so Sohmidt),
wird heute nioht mehr geglaubt. Nach seinen eigenen Worten standen
ihm zwei Vorlagen zur Verfügung. Die erste war zweifellOl eine ge-
kürzte Ausgabe des Kephala.s 1 • Über die zweite besteht noch keine
Einigkeit. Jaooba hatte vermutet, Planude8 habe die jetzt in Heidel-
berg befindliohe Handschrift benutzt. Spitere (wie Baaaon und noch
Wifstrand, Waltz und Wendel) lehnten diesen Gedanken ab, da dieLes·
arten des Planudes zu häufig von denen des Palatinus abwichen und
mehr mit denen des Palatinus vor der Überarbeitung durch den
Korrektor übereinstimmten. Diesen achließen sich jetzt Preisendanzl ,
Gow' und Gallavotti an. Tat.aächlioh kann auoh, worauf Wendel t
f>l.'lbst hinweist, nicht geleugnet werden, daß die zweite Vorlage des
Planudes, der aufIa.Uenderweiae in l16inem Marcianus 17 und im Lau-
rentianul 32, 16 (s. S.84) 25, im ganzen also 42 verachiedene Epi-
gra.mme aU8 dem 14. und 15. Buch des Palatinull bringt, zum minde·
llten eine ähnliohe Appendix wie dor Palatinus selbst enthalten hat,
Planudes' Anthologie war in der Folgezeit außerordentlich beliebt
und wurde viel gelesen. So kam es, daß lIie im 14. und 15.Jahrhundert
auoh mit Scholien versehen wurde, die &m besten im Ambr. 333
(F 30 sup.) überliefert und (weniger gut) in der AUilgabe von Weohel
(8. S. 88) gedruckt sind.

Dia kleineren Sammlungen

Neben den beiden großen Anthologien existieren noch einige klei-


nere, z. T. achon erwihnte Sammlungen, die hier kurz aufgeC6hrt
seien.
1. Die Sylloge Euphemiana (E), entstanden um 890 (8. S. 74),
enthllt 82 Epigramme, meist Epideiktik&, fast alle auch in Palatina

I •• 8.78. I Deut&che Lit•• Ztg. 80, 1969, 2. I (24) 1501. • Wendel (Byz.
Ztachr.40. 1940. "26) liebt in der 2. "orlage du AntbolotPeexempiar dea Tbeodoroa
Xantbopuloa.
KleiDere Sammlungen 83

und Pla.nudea. Bi., wW aWl AllAsren groDen Sammlungen gespeist.


Einige neue Stücke. Erhalten in 3 Ha.ncischriftcn dcel5. Jahrhunderta:
Parisinus 1773 (EP), Florentinus 57, 29 (EI'), Parisinus 2720 (ER).
Kritischer Wert nicht a.llzu groß. Hrsg. v. F. W. 8chneidewin:
ProgymnllBmata in Anthologiam Graecam, Göttingen 1855.
2. Die 8y11oge Crameriana (S), erhalten im Parisinus 8uppl.
Gr. 352 (13. Jh.). 114 Epigramme, meist Epideiktika und Paidika,
von denen 23 nicht in Palatina und Planudea enthalten sind. Der
Autorenname fehlt bei allen Gedichten. Veröffentlicht von J. A.
Cramer: Anecdota Parisina IV (1841) 265ff. Die Sammlung floB aus
einer guten Bearbeitung des KephaillBwerks.
3. 8y11oge B, erha.lten im Parisinus 1630 (14. Jh.). 53 Epigramme,
von denen 9 nicht in 8 stehen. Mit 8 verwa.ndt, dooh keine Abschrift.
Hrsg. v. Dilthey (s. S. 110 Nr. 14).
4. 8y11oge 1:: 121 Epigramme, meist Epideiktika und Epitymbia,
von denen 2 neu sind. Entstanden im 13. oder 14. Jh.; erhalten vor
der Euphemiana., und zwar im Florentinus 57, 29 (V') und Parisinus
1773 (1:P). Beide gesohrieben von Bartolomeo Comparini de Prato
Ende des 15.Jahrhunderta1•
5. Sylloge L": Entsta.nden nach C. B. Hase und Preisendanz im
13.Jahrhundert, während Gallavotti eher naohplanudeische Zeit a.n.
nehmen möchte; aufgezeichnet im Palatinus (s. S. 93). 34 Epigramme,
davon 4 neu. Vgl. Preisenda.nz (58) p. XXIII.
6. Appendix Barberino-Vaticana (App. B-V): Entstanden
im 15.Jahrhundert offenbar zur Vervollständigung der Anthologia
Planudea; erhalten in zwei Handschriften: Barberinus Gr. I 123
(App.M), geschrieben nach G. Mercati und C. Gallavotti von Joh.
LaskariB, und VaticanuB Gr.24O (App.V). Sie umfaßt 54 Liebes-
epigramme, von denen zwei neu sind. Die Sammlung, kritisch un-
bedeutend, floß wohl aus der Anth. Palatinal. Veröffentlicht von
L. 8tembaoh: Anthologiae Planudeae appendix Barberino-Vaticana,
Lpe.1890.
7. Matritensis XXIV ist ein von Konstantin Laskaris (s. S. 88)
verfertigter Auszug aus der Pla.nudea u.a. Ha.ndschriften; brsg. von

I Vgl. Stadtmüller: N. Jbb. I. Phil. 134. 1889. 76911'. • Stadtmüller: Her!. phil.
Wacb. 10. 13911.
Einführung

Juan de Iriarte In Regiae Bibliothecae Madrllensls codices Graecl


p.89.
8. Laurentianus 32, 16 enthält in zwei Gruppen (f.3 r-6v,
381 v-384r) 105+ 62 Epigramme, ein Gemisch aus den Büchern V-XI,
XIV-XVI des Palatinus, geschrieben 1280-1283. Für jede Gruppe
nimmt Galla.votti einen besonderen Schreiber an, de8l!en Arbeit
Planudes hinterher leicht vermehrt und stark durchkorrigiert ha.be.
Preisendanz dagegen glaubt, daß Planudes selbst die beiden Gruppen,
Text wie Korrekturen, allerdings zu verschiedenen Zeiten, mit ver·
schiedenen Tinten, Federn usw. geschrieben ha.be. Die Handschrift
erwarb Franciscus Philelphus 1423 von der Witwe des Joh. Chryso-
loras in Byzanz. Die Sammlung geht, wie die Reihenfolge der Epi-
gramme eindeutig beweist, auf die Anth. Palatina zurück, doch
fehlen übera.ll in ihr die Dichternamen. Die z. T. sehr beachtenswerten
Lesarten, deren Herkunft unbekannt ist, die aber schwerlich bloße
Konjekturen darstellen, wurden 1961 von Preisendanz exzerpiert
und jetzt hier eingearbeitet. Ein Auszug aus dieser Sa.mmlung mit
22 Epigra.mmen findet sich im Barb.4 (um 1300). Vgl. A. Chiari in
Pubblic. Univ. Cattol., ser. 4, vol.7 (1920) 568; C. Wendel Byz.
Ztschr.40 (1940) 418; C. Gallavotti Plan. I (s. o. S.78) S.37ff. l •
9. Sylloge Va.ticana, mehr oder weniger vollständig erhalten
in sehr verschiedenen Handschriften: Vat. 18, 20, 87, 98, 100, 123,
926, 1404; Va.t. Urb.152; Ambros. 295; Laur. 55, 7; Marc. 11, 1
(nach Mioni und Gallavotti entgegen bisheriger Ansicht nicht von
Planudes' Hand, doch aus seiner Schule); Par. 2562; Par. Coisl. 341
u.a., sämtlich aus dem 14.-15.Jahrhundert. Ältester Codex Vat.20
und Laur. 55, 7. Die Sammlung enthält (a.ußer Cougny 4,75) 75
mit kommentierenden Anmerkungen versehene Epigramme, meist
Epideiktika. Sie wurden aus dem Marcianus 481 (bzw. einer von
Gallavotti vermuteten, die Teile a und b des Marcianus schon ver-
schmelzenden Abschrift, s. S. 79 Anm. 3) abgeschrieben und sind
ein Auszug aus Planudes' Buch I (außer XI 79, das aus dessen
Buch II stammt). Lesarten größtenteils unbekannt, auch kaum
bedeutend. Vgl. Gallavotti Plan. II (s. o. S. 78) S. 11.

I Hiu lies S. 46 Z. 3,291 vv. 6-6'; Z. 4 ,X 37, 38, 40, 41'; Z. 20 ,362' statt ,361
(bis)'.
Soutige OberlIderangen, Planudea.Auagabeu

Von Bedeutung sind auch diejenigen Überlieferungen, die uns


auBerhalb der groBen und kleinen Sammlungen überkommen sind.
Hierhin gehört eine Anzahl Epigramme, die sich bei antiken Auto·
ren als Zitate finden. Unter diesen stehen Diogenea La&ti08, Plu·
taroh, Herodot und Athenai08 an erster Stelle'. Ab und zu führen auch
die Scholien zu Homer, Pindar, Theokrit 118W. einzelne Epigramme
an.
Die Papyri liefern knapp 20 Epigramme, die sich in unserer
Anthologie wiederfinden, 80 V 152, VII 163e., IX 15, 357, 588, 743,
XII 19, 76lf., 106, 149, XIII 7, XIV 100, XVI 119.
Weitere sind vollständig oder verstümmelt durch Inschriften
erhalten, z. B. I 92, VI 13, 138, 144, 343, VII 3, 6, 15,245,254,553,
593, IX 75, 448,610,682, 7<U, X 43,58,87, lU, XI 8, 38, 193, XII
118, XIII 13, 16, XIV 113, XV 11, XVI 340.
Im 8uidas (10.Jh.) werden 430 Epigramme UDlltlnll' Anthologie
zitiert, einzelne sogar mehrfach, z. B. VII 218 zwölfmal, VI 165
elfmal uaw. Seine Leaarten stimmen durchweg mit denen des Pala·
tinua vor der Tätigkeit dll8 Korrektors überein ; doch hat der Pala·
tinus ihm kaum vorgelegen, da von den zitierten Epigrammen 419
Rich auf die Bücher V-VII 259 verteilen und nur 2-3 in den ersten,
ein Dutzend etwa in den api.teren Büchern auftreten. Man vermutet
daher, daß ihm eine gekürzte Ausgabe, ähnlich der des Michael
Chartophylax (s. 8. 76) vorlag.
Ohne Wert iat daa Lexikon dea Zonaraa (um 1100), da dieser
ganz aus 8uidaa achöpft.

Entscheidend für daa Bekanntwerden der Anthologia Planudea war


die Arbeit dea gelehrten Johannea (Janoa) Laakaria (um 1445-1535).
Dieser, in Rhyndakos (Kleinaaien) als Nachkomme einea alten Kaiser·

1 Vgl. Preger (8. 1(6).


88 Einfübrunl

und GelehrtengeaohleohteB geboren, hatte nach der Eroberung Kon-


cJtantinopels duroh die Türken seine Heimat verla.saen und war nach
Italien geflüohtet, wo er in Padua Schüler des Demetrios Chalkon.
dylu war und lpäter in Florenz am Hofe Lorenzos de' Medici lebte.
Dieser schickte ihn zum Einkauf von Handlf'hriften naoh der Levante.
Tatsäohlich braohte Laskaris auch von dort, besonders aber vom
Kloster AthOl, eine Menge von Handschriften mit. Nach seiner Rüok.
kehr ließ er dann die Planudea zum erstenmal im Druok erscheinen:
Anthologia epigrammatum Graecorum, oura Joannil Lascaril. Im·
pre8llum Florentiae per Laurentium Franoiloi de Alopa Venetum III.
idu8 Augusti 1494. Hinzugefügt war ein Epigramm LukariB' 80wie
ein Widmungsbrief1 an Piero de' Medioi, den Nachfolger Lorenzos.
Wenn in einigen Exemplaren Epigramm, Brief und Datum fehlen,
80 deshalb, weil im September des gleiohen Jahres Karl VIII. von
Frankreioh in Italien einm&r80hierte und Piero 8türzte und verbannte.
Daher ließ LukariB diese Zutaten aus den noch nicht verkauften
Büchern wieder entfernen.
Merkwürdigerweise stimmt aber diese Editio prinoops keineswegs
mit dem Maroianus völlig überein. Es Bind nioht nur in der Anordnung
der Gedichtei, IOndem auch in der Textgeataltung gewisse Unter·
80hiede vorhanden, die den Maroianus als direkte Quelle aUl8Chließen.
Auf welche Vorlage LaskariB lich bei der Ausgabe stützte, steht dahin.
G. Pesenti l glaubt, im Vat. Gr. 1373, der Bruohstüoke der Planudea
enthält, einen Vermittler der Vorlage gefunden zu haben.
Ab80hrUten der Planudea waren allerdings lohon früh im 15. Jahr·
hundert in Italien verbreitet. Die wichtigsten Bind der Laorentianus
31,28, gesohrieben von Demetrios Chalkondylu (8. 0.), durchgesehen
und korrigiert 1466 von Joh. Laurentii; ferner der Ambrolianu8
A 161 Suppl. (15.Jh.), der AmbroBianu8 F 30 Suppl. (15.Jh.) und
der Vatioanus 1372 (16.Jh.). Doch haben diese gegenüber dem Mar·
cianus naturgemäß geringere Bedeutung. - Eine Sonderstellung
nimmt die im Codex Brit. Mus. Add. 16409 überlieferte Abschrift
ein, deren Sohreibungen jetzt auch auf den Maroianul ein gewi8&el
neues Licht werfen. Wie oben gesagt, hat Planudea in den Jahren

I Seide auch alJsedruckt bei Bandini Cat.al. cod. Gneo. Bibi. Laur. 2. lGe.
" •• 8. 711. I BoIlettino di 6101. cw.. 26. 1920. 32.
PlaDudea.AullabeD 87

1301-1302 eein Autograph noch einmal durchgoeohon und hier und


da Änderungen vorgenommen. Der genannte Londoner Codex sei
nun, meint Young 1, nicht nur eine direkte, durch keine Zwischen·
glieder getrennte Kopie des Marcianua, BOndem gebe auch dessen
unprüngliche, noch nicht geänderte Lesarten wieder, müsse alao
i.J.I300 geschrieben sein. Die von mir durchgerlihrte Kollatio·
nierung des Londoner Codex ergab inaofem eine Bestätigung dieser
Entdeckung, als die Londoner Kopie tatsächlich die noch nicht
korrigierten Lesarten des Marcianus wiedergiht', alBO auf dessen
Status vom Jahre 1300 zurückgeht. Sie brachte auch mehrere andere
Ergebniaee. Aufgenommen in den laufenden Text der HandachriCt.
sind nämlich auch diejenigen Verbeaaerungen im Marcianua, die
Stadtmüller einer manus recona zuschreibt-; sie können also keines·
wegs einer manus recens gehören, BOndem mü88en vor Planudes'
letzten Korrekturen im Marcianus eingetragen sein, stammen a\BO
entweder (was das Wahracheinlichere ist) von Planudee selbst her
oder wurden mit seiner Einwilligung von einem anderen in seiner
Handschrift angebracht. Im Unterschied von Stadtmüller bezeichne
ioh daher diesen Sohreiber (mit Vorbehalt) als manus altera (man. I).
Daneben ist allerdings tatsächlioh im Autograph des Planudes nooh
eine jüngere Hand anzunehmen, da deren im Marcianus gemachten
Änderungen im Londoner Codex keine Berücksichtigung gefunden
haben'. In sehr zahlreiohen Fällen (mehrere hundertmal) weichen
überdies die Schreibungen der Londoner Kopie von denen des
Maroianus ab 5 , Das kann kaum duroh die Annahme einer Vielfalt
von sonstigem Vorlage.Material erklärt werden, BOndem weit eher
durch die Vorauaaetzung, daß der Londoner Codex, entgegen der
Ansicht Youngs. sich nicht direkt aua dem Marcianus ableitet, BOn·
dem auf eine Kopie zurückgeht, die, i.J, 1300 vom Marcianua an·
gefertigt, erst durch verschiedene Zwischenglieder der Londoner
AbsohriCt. vermittelt wurde. Die Frage steht noch offen,
Alle diese Abschriften stimmen jedoch weder mit dem Marcianus
noch mit der Editio princepa völlig überein, stehen aber der letzteren
I Par. deI PUl. 10. 1966, 181. • Die Hancbchrlft bat L B. V :se, I Neüs. V 192, 1
)'WVi\v.V 268,5 M~. VI 71,4 'AvaI;ay6pa ua..... • z.B. VI 19,1 Ku8ipE1cr, VII
229,8 Kai. VII 319. I 611W. VII 447. I TOtoS BUP" crrlxO'l ua..... • So XVI 128
(Lemma); 147.5; 1911.2; 301.2 UlW. • z. B. VII 388. 1 lllol. VIllK7. 3 'lrap8lvIK~,
IX 1. 2 ol5oUcnls. IX 182. 3 611ialiov uaw.
88 Einführung

relativ nahe, Jedenfalls näher als dem Autograph des Planudes.


Ort und Zeit des Erstdrucks waren sehr günstig. In einzelnen
Bezirken Süd italiens, besonders in Kalabrien, war damals (wie übri-
gens auch heute noch in den Schluchten des Aspromonte bei Reggio)
das Griechische lebendig geblieben. Seit Petral'ca und Boccaccio, also
seit etwa 150 Jahren, war in Italien auch das Interesse an der grie-
chischen Sprache und Literatur neu erwacht. Vor hundert Jahren
war in Florenz der Grieche Emmanuel Chrysoloras Lehrer in seiner
Spraohe geworden. Vor kurzem erst, i. J. 1476, hatte Konstantin
Laskaris (1434-1501), ein Bruder (1) des Johannes, zu Mailand eine
griechische Grammatik, die erste gedruckte, erscheinen lassen. Fünf
Jahre vorher war die Editio princeps der Epigramme Martials er-
sohienen. In Florenz hatte Lorenzo de' Medici (gest. 1492) die Kunst
stark gefördert. Er hatte Dichter und Gelehrte an seinen Hof gezogen,
hatte Platon und Plotin ins Lateinisohe übersetzen lassen, hatte die
sog. Platonisohe Akademie gegründet und war selbst erfolgreich auf
manohen Gebieten als Dichter aufgetreten. Es war die Zeit, in der
Pontano, Ariost, Bembo, Michelo.ngelo, um nur einige zu nennen,
lebten.
Kein Wunder, daß die Veröffentliohung überall höchstes Intere88e
erregte. Schon bald erschien eine Neuauflage unter dem Titel Flori-
legium! diversorum epigrammatum in septem libris, Graece. Venetiis
in aedibus Aldi 1503. Die folgenden tragen sämtlich den gleichen
Titel: die von 1519 (Florenz bei Junta), 1521 (2. Aldino.), 1531 (Paris
bei Ascensius), 1549 (von Johannes Brodaeus in Basel), 1550 (bei
Johannes und Petrus Nicolini in Venedig), 1551 (3. Aldina), 1566
(von Henricus Stephanus in Paris). Die Ausgaben von Brodaeus, dem
besten der älteren Kommentatoren, und von Stephanus, der den
Text allerdings zu willkürlich gestaltete, braohten noch kritische
und erklärende Anmerkungen, die von Brodaeus auch zahlreiohe
teils alte teils jüngere Scholien von verschiedener Bedeutung. Auf
der Ausgabe von Stephanus fußte die näohste: Epigrammatum
Graecorum libri VII, Graece, annotationibus Joannis Brodaei Turo-
nensis necnon Vinc. Opsopoei etc. illustrati. Accedunt annotationes
Henrici Stephani, Francofurti apud Andreae Wecheli heredes 1600.

I Hier ist dieses Wort (wohl von AldU8 ManutiU8 gebildet) zum erstenmal belegt.
Planudea· A ulga ben 89

DieBe Ausgabe blieb far die folgvodcn zwei Jahrhunderte dio faat
allein herrschende. Die Ausgaben aeit 1503 gründen sich dmtlich auf
der Editio prinoeps, wenn auch hier und da eine neue Konjektur oder
ein neues Gedicht hinzugefügt iat l •
Auszüge Bua der Planudea waren achon früh erschienen, so von
J. Oeoolampadiua (1521), J. Soter (Epigr. Graeca veterum elegan-
tiaaima 1525), Comariul (Seleota Epigr. 1529), H. Stcphanua (1570)
u.a., später auch von Th. Johnson (1706).
Die erste Iateiniaohe Übersetzung lieferte Paul Manutiua (gest.
1574), die, noch unveröffentlicht, in Venedig aufbewahrt wird'.
Eine griechische Auagabe mit lateiniacher Proaaübersetzung brachte
das 1603/04 in dreimaligem Drucle zu Heidelberg erschienene, heute
sehr seltene Florilegium .•• interprete Eilhardo Lubino, in biblio·
polio Commeliniano. Im Jahre 1630/31 fertigte Hugo Grotiua' eine
glJ.nzende und vielgerühmte lateinische Übersetzung der Planudea
an, doch wurde diese, zuaammen mit dem Urtext, ent viel api.ter
publiziert: Anthologia Graeca cum venione Hugonis Grotii, ab
Hieronymo de Bosch edita, Ultraieoti 1795-1822, Band 1-5 (Bd.5
nach de BOBcbe Tod von J. van Lennep). Dies die letzte Planudea·
Ausgabe. Inzwischen hatten zahlreiche HumaniBten einzelne Gedichte
ins Lateiniaohe übenetzt. Ich nenne nur Othenar LuaoiniuB (Nach.
tigall): Ioci ac aalea mire feativi, 1524, und Epigrammatum Graeo.
veterum centuriae duae Latinitate donatae, Straßb. 1529, Andrea
Alciati: Epigrammata seleota ex anthologia Latine vel'BB, Basel 1529,
sowie Joh. Lauterbach: Epigrammatum libri VI, 1562. Bedeutsam
war die Sammlung von H. Megiser: Anthologia seu Florilegium
Graecolatinum, Frankf. 1602; einen unberechtigten Nachdruck da·
von besorgte Poniua: Qmnium horarum opsonia, Frankf.1614.
Andreaa RivinuB (Bachmann) brachte in seiner Sammlung: Flori-
legium Graeoolat., Gotha 1651 aohon 331 übersetzer bei; zwei weitere
Bände von ihm liegen noch unediert in der Leipziger Univ8nitätl·
bibliothek·. Fabrioiua zählt in der Bibliotheca Graeca III im ganzen
701 Übersetzer und Nachahmer der Anthologie auf.
I Oallavotti glaubt, daß dio 1. Aldlna v. J. 1503 auf ein von Planudes noch nicht
korrigiertoa Apographon zurückgoho. I Preiaendanz: Woch. f. kl. Phil. 1916, 1077.
I Vgl. 8. 101. Orotiua hatte auch eino textkritischo Anagabe der Planudca fertig·
geeteJlt; aie iIt verocbollen (Dübner Bel. 1 p. XX, Kol. 2). • Diiboor Bel. 1 p. XX,
Kol. 2, Anm. 1.
90 EinführuDI

Der Code" P&latillaa 23

Um 1600 taucht in Heidelberg der Codex Palatinus mit seiner


Griechischen Anthologie auf. Welches seine früheren Schicksale
waren, wer ihn vorher besessen, wo er aufbewahrt wurde, wer ihn
nach Heidelberg brachte, und alles Wie und Wann sind einige der
vielen ungelösten Rätsel, die sich um diese kostbare, geheimnisvolle
und schiokaalasohwere Handschrift weben.
Ein leioht.ee Lioht fiel allerdings in der letzten Zeit in dieses Dunkel.
Preisendanz glaubt, wie weiter unten noch genauer auszuführen ist,
Schreiber J sei um 970/SO der eigentliche Hersteller und auch der
erste Eigentümer des Codex gewesen; nicht viel später sei der Codex
in den persönlichen Besitz des Gelehrten übergegangen, den man
gewöhnlich als den Korrektor der Handschrift bezeichnet. Dann
aber verliert sich die Spur des Palatinus auf lange Zeit im völlig
Ungewiaaen. Erst 400 Jahre darauf zeigt sioh wieder ein, wenn auch nur
schwacher Lichtschimmer. Nach R. Sabbadini war der gelehrte Gio·
vanni Auriapa i.J.1421 nach Konatantinopel gereist und brachte zwei
Jahre später bei seiner Rückkehr zahlreiche griechische Handschrif.
ten, darunter auch den Palatinus und die Planudea, nach Venedig
mit. Von dort gelangte Auriapa dann über Verona, Mailand und
Bologna i. J. 1427 nach Florenz und war nach Sabbadini 1 damals
noch im Besitz des Palatinus. Um die Wende des Jahres 1427/28
begab er sich nach Ferrara. Nun erwähnt Scaliger in einem Brief
an Jan Gruter a. d. J. 1607 eine Handschrift, die dem gelehrten
Nikolaus Sophian08 in Ferrara gehört habe l , dem Großvater (Vater?
Onkel?) des Michael Sophianoa, der, um 1515 auf Chi08 geboren,
i. J. 1565 als ~feaaor an der Universität Ferrara starb. Ob es sich
hierbei um del:~Palatinus handelt. ateht freilich nicht fest. Nach
einer geiatreichen Vermutung P. Herbem könnte aber der von
Aurispa mitgebrachte Palatinus zu Ferrara in den Besitz der Familie
Sophiano8. dann in den des Franceaco Porto (1511-81) gekommen sein,
der ebenfalls Dozent an der Universität Ferrara war. Von diesem

I BoIIt'u. 6101. ('I... :Ja. 1928. 99. Ihm widenprieh\ HuUon (ComeU Studiea 23
1935. 86). • Audiyj u Fr. Porto Cret.enai ""no oe in maniba Nieolai 80phiani
•AII8oAoyICl'l codicem aummae YI!\uatMia yjdialll!.
PalaUnD8 23 81

hl1t.1M i1m Wwlll 118in Sohn Emilio (1550-1615) erhAlten, der von
1593-1609 an der Heidelberger Universität lehrte l • Fest steht nun
wieder, daß die Handschrift i. J. 1591 noch nicht in der Heidelberger
Bibliothek war, da sie in dem damalsl angelegten Katalog nicht auf-
geführt wurde. Fest steht ferner auf Grund eines Eintrags, den
Gruter in der Heidelberger 2. Aldina gemacht hata, daß Sylburg -
der aeit 1592/93 als gelehrter Verlagsberater des Druckers Commelin
in Heidelberg weilte, sich nachweislich erst seit 15~ mit der Grie-
ohilOhen Anthologie beschäftigte und im nächsten Jahr als Ersatz
für den kranken Lambert Pithopoeus Verweser der Unive1'8itäts·
bibliothek wurde - die Handsohrift in seinem Privatbesitz hatte.
Er könnte sie also von Emilio Porto erworben haben. Sicher ist, daß
sie aus Sylburgs Bücherei für die Bibliotheca Palatina angekauft
wurde. Der Zeitpunkt des Erwerbs bleibt ungewiß. Sylburg starb
im Februar 1596 an der Pest; aber erst Gruter, der seit 1602 die
Bibliothek leitete, machte in die Handschrift die Eintragung "Est
Bibliothecae Palatinae": Jedenfalls hat schon Sylburg die außer-
ordentliche Bedeutung der Handschrift erkannt und auch eine recht
gute Abschrift der nun neugefundenen Epigramme fertiggestellt; das
gleiche gilt von Gruter, der sich ebenfalls eindringlich mit der Antho-
logie beschäftigte, in Briefen an Gelehrte v81'8Chiedentlich Auskunft.
über diese erteilte und Abschriften einzelner Epigramme verschicktet.
Die Handschrift besteht aus 44 Quaternionen zu insgesamt 351 BIlLt-
tern; vor diesen angeheftet sind 4, EinzelbllLtter (A-D), und am
Schluß (S.707-710)1 sind 2 Blätter angeklebt. Jede Seite hat 33
(auch 34) Zeilen.
Ar enthält einen alten Index (Schreiber J), der folgendermaßen
lautet:

I Eine andere ""rmuLu", a. 8. 98 Anm. 3. • Die AnIegu", d.. Katalop Iat.


,.ruch' vor 1581" .........wn (~brieflich). • Liber wie urumnabill
labore eoIlat. . . .t cum MB exemplar!. quod . t in Bibliotheea Palatina, empto
(nicht ampla!) ex librarla Sylburgli. et infinita habet correcta ex eodem (vgl. Prel •
• endanz in ZentralbI. für Bibl.·Weaen 34. 1917. 20). • PreiBOndanz (61) S.91.
• Die Handachrift Iat. (nach 8tadtmüller von 8ylburg) paginiert. doch sind die
zurem im Parioer Teilallllradlert. Im HeideIberger Tcdl sind dem PAßini"...,.. mehrere
Fehler unterlaufen. da er die Seiten 177. 188. 189. 276 und 277 beim Rechnen über-
aprungen hat.
92 Einführung

Ta6e fWaTIV tv Tij6e Tij ~1(371.9 TG)V tTnypallllO:T(o)V'


A'. Novvov lTOI11TOO naVOlTo~lTov lKeppaalS TOO KaTa 'I(o)CxVV1lV äylov
Evayye~lov.

B'. ncx\JAOV lTOI11TOO !IMVTlaplov vloO Kvpov EKeppaalS EIS -n;v llEya-
~11v lKKA11alav ftTOVV -n;v äylav !oeplav.
r'. !v~~oyal llTlypallllCxT(o)V xplaTIaVIKWV eis TE vaoVs Kai ElKovas
Kai EIs Slaepopa aVaeTlI.laTa.
A'. XPlaTOS~pOV lTOI11TOO 911ßalov EKeppaalS TWV O:ya~I.ICxT(o)v TWV
EIs TO S11l.1oo10V YVl.lvaalov TOO llTlK~oVl.livov Zev~llTlTov.
E'. Mwaypov lTOI11TOO n~alaTlvov aTtepavos Slaepop(o)v llTlYpal.l-
I.ICxT(o)V.
1;'. <J>J~llTlTOV lTOI11TOO geaa~ovIKt(o)S aTtepavos ol.lol(o)s Slaepop(o)v
llTlypal.ll.lCxT(o)V.
Z'. 'Aya6lov axo~aaTIKOO 'AalavoO Mvpllva(ov 0"V~0Y'i vt(o)v llTl-
ypal.ll.lCxT(o)V lKTe6t\IT(o)v lv K(o)vaTallT(vov lTOMI lTpOS geoS(o)pov
AeKovp((o)va.
"EaTI S~ n Ta~IS TWI! llTlypal.lllCxT(o)V ,;yovv Sla(pealS OVT(o)S'
a'. lTP~Tll I.llv n TWV XplaTlavwv.
13'. SeVTEpa st n Ta XPlaTOS~pOV lTepIEXOvaa TOO 91lßcxlov.
y'. TplTT] st apxl'Jv l.Iev €xovaa -n;v TWV EP(o)TIKWV ElTIypal.ll.lCxT(o)\I
\nro6ealv.
5'. n TWV ava6el.laTIKwV.
E'. ml.llTTT] ,; TWV llTlTVI.IßI(o)v.
~. n TWV llTlSelKTIKwv.
~'. lßSol.lll n TWV lTPOTpElTTIKWV.
11'. n TWV C1KOlTTIKWV.
S'. n 'rwv !TPCxT(o)VOS TOO !apSlavoO.
, I'. SIacp6p(o)v I.lh~v 61acpopa llTlypal.ll.laTa.
la', &PISl.IllTIKO: Kat yp1'!cpa (I) aVI.II.IIKTa.
113'. 'I(a)(xvvov ypal.ll.laTIKOO ra~llS IKcppaalS TOO KoalllKOO mVaKOS TOO
tv Tt;) XE1IlEpl9 ~OVTpt;).
IY'. !VPIY~ geOKpITOV KallTTEpvyes !ll.ll.llov, AoalaSa ß(o)I.l6S, BllaallT1-
vov cj>OV Kai lTEMKVS.
15'. 'AVaKPEOI/TOS Tlllov O"Vl.llTOalaKa nl.l1al.lßla Kai 'AllaKpe6VT1a Kai
Tp1llETpa.
Palatlnu 23 113

I!'. "TW dylQU rp'lyoplov ToV OeoMyov lK,wv bTii1»v lKAoyal 51&1'0-
pol, .11 als KCrl Ta 'Ap&&ä KCrl 'A~crlov Kai 'Iyvcrrlov KCrl KWII-
crrallli I/OV Kai Geotävovs ICIl\l1'CXl bnypal1l1CXTa.

Dieser Index fällt dadurch auf, daß er einel'lleits des Nonnos


Paraphraais des Johannisevangeliums anzeigt, die im Codex fehlt,
andererseits Stücke. die sich tatdchlich in der Hand8chrift befinden.
nioht auf'ählt, im übrigen auch die Reihenfolge nioht genau wahrt;
er dürfte wohl aOB einer anderen ihnlichen Hand8chrift abgeschrieben
sem.
An den Index BChließen sioh auf AV-D zunäohst 34 Epigramme
(l:"") an1 ; dann folgen zwei Gedichte des Paul08 Silontiari08 (auf die
Sophienkirohe nnd den von Justinian erstellten Ambon) und eine
Auswahl aus den Gedichten Gregors von Nazianz. Daran schließt
sich unsere eigentliche Anthologie. Zwischen Buch XIV und XV
der Anthologie steht die .. Beschreibung des Weltbildes" des Johannes
von Gaza. Den Schluß des Codex (S. 664-709) bildet Buoh XV mit
starken Einschaltungen: S. 664-674 stehen die Epigramme XV 1-27,
S. 675-690 die Anakreonteen, S. 61Hf. und 695-704 folgen Gedichte
GregorB von Nazianz, die größtenteils schon in Buch vrn enthalten
sind: Die Seiten 693-695 und 706-709 bringen die Epigramme XV
28-61. S. 710 ist unbeschrieben.
Gesohrieben ist die Hand8chrift auf Pergament, das in den einzel-
nen Teilen des Bandes allerdings große UnterBChiede aufweist. Glei·
ches Pergament stellen einel'lleits die Blätter von S. 1-50 und 62-63,
anderel'lleits von S. 51-61 und 64-436 dar; aus allen anderen aber
heben lieh durch ihre Dicke die BlAtter von S. 453-64:2 heraus.
Wenn die Handschrift auch um 980· entstanden ist', 80 haben doch
mehrere Schreiber in längerem ZwiBChenraum daran gearbeitet. Frei·
sendanz unterBCheidet in der Hauptsache vier Schreiber: Bund B2 c,
A und J. Die beiden ersten lind Zeitgenoaeen und achreiben abwech·
aelnd, ebenso die beiden letzten, die etwa 50 Jal1re jUnger sind ala

1 •• 8. 83. Die Anakreonteen wurden ent um 1100, I'n' ent im 13.Jh. geschrieben.
• 80 Ichon 8pallcttl ö Jaeobe nahm du 11., Val. Rose du IO.-12.Jh. an. • 8. S. 71.
• B und B 2 lind zwei Schreiber, deren Schriftzüge .ich aehr ähnlich, aber doch
voneinander zu untencheiden lind: ebenao steht ea mit A und A 2.
9. EIDfilhrUDB

die belden ersten, von denen aber J den 8ch."iber A V~LI.


Preiaendanz teilt folgendennaBen ab:
S. 49-50 (Buch I 1-10..): J
S. 51-61 (Buch I 1010-116): A
S. 62-63 (Buch I 117-123): J
S. 64-42316 (Buch lI-IX 384,): A
S. 423.-452 (Buch IX 384,-563): J
S. 453-48811 (Buch IX ~22): B
[So 488.1 _1« an leerer Stelle (B. IX 823-827): Schreiber von l:W]
S. 489-517 (Buch X I-XI 661 ): B
S. 518-52411 (Buch XI 66.-1181 Mitte): B 2
S. 524..-568. (Buch XI 118. Mitte - 441): B
[So 568.0-19 an leerer Stelle (Wiederholungen und XI 442) : Schrei·
ber von Ilf]
S. 569-621 (Buch xn 1 - XIV 49,): B
S. 622-642 (Buch XIV 49,-149): B 2
S. 643-648, (Jobanues von Gaza Vers 1-164): J
S.648. 0-66420 (Johannllll von Gua Vers 166-716): A 2
S.664..-674 (B. XV 1-27 nebst Wiederholungen; s. Vorwort zu
B. XV): J
S.676-692 (.Aua.kreonteen und Gedichte Gregors von Nazianz): J
S. 693 am oberen Rand (Buch XV 281-.): J
S. 693-695.1 (Buch XV 28 ..-39 b): B 2
S. 695•• -704 (Gedichte Gregors von Nazianz): J
S. 706-706 (Buch XV 40 und 281_.): B 2
[So 707-709 auf leeren Blättern (B. XV 41-51): Schreiber von l:W]
Dabei verfügten die einzelnen Schreiber über verschiedene Vor·
lagen: Nacb Stadtmüller und Preiaendanz besaß A mindestens zwei,
Bund B 2 eine andere und J wiederum eine andere Vorlage. Wie man
sich nun die Entstehung der Handschrift zu denken hat, ist ein Räteel,
das aucb die verschiedenen bisher vorgebrachten Deutungen nicht
einwandfrei zu lösen vermochten. Neuerdings gibt Preiaendanz fol·
gende Erklärung: Den Grundstock des jetzigen Palatinus bildet eine
kurz nach 900 entstandene Kopie des Kephalaawerkes. Die Kopie
wurde bald nach 970 vom Schreiber J, einem Gelehrten aus Kon·

" •• IU X"" 40.


Palatlnus 23 95

eta.ntinopel, ale persönliches Eigentum erworben. Dieser vereah dae


Exemplar mit zusätzlichen Quaternionen, die eigens zum Zweck der
Erweiterung des Codex im gleichen Format wie die alte Kopie ge-
halten und vorbereitet waren, und beteiligte sich selbst auch eifrig
an der Niederschrift der Texte. Dadurch wurde er zum eigentlichen
Hersteller des Palatinus.
Der ganze erste Teil bis S.452 wurde von einem Corrector (c) durch-
gesehen, dem für seine Arbeit, wie er selbst bemerktl, bis zu VII 432
das Exemplar des Michael Chartophylax (10.Jh)1 vorlag; auf welche
Quellen er sich im weiteren stützte, ist unbekannt. Stadtmüller und
Preisendanz nehmen an, daß er für VII 433-497 ein anderes und für
VII 498-748 ein weiteres Exemplar zum Vergleich hatte, was Basson
und neuerdings Gow ablehnen. Seine letzte Bemerkung steht auf
S. 437 bei IX 460; von da ab sind keine Korrekturen von seiner Hand
mehr zu verzeichnen, wohl aber noch Autorenangaben und Lemmatn 3 •
Die letzteren stammen teils von den verschiedenen Schreibern,
teils von c, teils von einem Spezialisten, dem Lemmatisten (l)c, der
etwas älter als c ist. Die Scholien, die von sehr ungleichem Wert sind,
gehen auf die verschiedenen Mitarbeiter der Handschrift zurück.
Dieser Codex erregte zunächst in Heidelberg großes Aufsehen. Das
Aufsehen wurde noch stärker und breiter, als Jan Gruter i.J. 1606
den damals noch jugendlichen Salmasius (geb. 1588) z.Z. eines Auf-
enthaltes in Heidelberg auf die Handschrift aufmerksam machte'.
Salmasius, der die Handschrift i.J. 1615 leihweise in Paris und Dijon

I Zu VII 428 und 432. ' •. S. 76.


I Lemmata sind weder für Meleagl'08' noch für Philippos' Kranz anzunehmen;
Meleagr08 setzte wahncheinlich auch keine Gentilia zu den Verfaasernamen, wohl
aber tat dies - wenigstens bei homonymen Dichtem - Philippcs. Bei unbekannten
Dichtem bezeichnete man das Epigramm als 6;S",-ov bzw. ale &StO'1TOTOV. Das entere
beaagte, daa der Dichter zwar unbestimmt, doch vielleicht noch zu ermitteln sei;
das zweite drückte au., daa der Dichter unbekannt und auch nicht mehr featetellbar
sei. Inschriften galten daher a1e &StO'1TOTa. In späterer, byzantinischer Zeit gcbrauchte
man die beiden Worte allerdings ohne jeden Untenchied. Der Titel 6;71710 bezeichnet
eine Weiterführung des vorherigen Falles und kann sich ebenaogut auf den Diohter
wie auf das Thema beziehen. Mit ÖIlO(WS und c511010V aohließlioh verweist man rein
oaohlich auf das Vorausgegangene (Gow).
• Nach Preiaendanz ist I mit J identisch.
• Salmasiu. hat al80 keineswegs, wie vielfach behauptet wird, die Handschrift
in der Heidelberger Bibliothek "entdeckt".
96 ElnfOhrung

hatte, zog daraUl5 die in der I'lanudea fehlenden Epigramme (aller-


dings oft in falsoher Lesung) aus, und Absohriften dieses Auszugs
zirkulierten in den folgenden Jahren unter den europäisohen Ge-
lehrten. Weniger bekaunt wurde die von Gruter selbst (gest. 1627)
besorgte und später in Leipzig aufbewahrte, nahezu vollständige
Abschrift der Palatina. Nach der Eroberung Heidelbergs durch
Tilly i.J. 1622 bot Maximilian I. von Bayern l mit dem Beutereoht
des Siegers Papat Gregor XV. als Teilentschädigung für die von die-
sem an die Liga gezahlten beträchtlichen Subsidiengelder die Kost-
barkeiten der Heidelberger Bibliotheken an l • Tatsächlich erklärte
sich der Papat mit der Annahme des Beutegutes einverstanden. Als
sein Abgesandter erschien im Dezember 1622 Leone Allacci in Heidel·
berg und empfing hier rund 3500 Handschriften und 5000 Drucke.
Allein aus der Bibliotheca Palatina, die ganz nach Rom kam, er-
hielt er (neben den Drucken) 1956 lateinische und 432 griechische
Handschriften, darunter auch den Anthologiecodex, den Pa1atinus
23. Zum besseren Transport nahm Allacci von sämtlichen Büchern
die Einbanddecken (außer den künstlerisch wertvollen) weg. Das
widerfuhr auch dem Anthologiecodex, eine schmerzliche Tatsache,
da mit dem Verschwinden der alten Hülle auch die Möglichkeit,
Schlüsse auf die Herkunft ziehen zu können, verlorenging. Die Ent-
fernung des Einbandes war vermutlich die Gelegenheit, bei der die
Handschrift in zwei ungleiche Teile zerfieJ3: S. 1-614 und 615--710.
ein Bruch, der zwischen dem XIII. und XIV. Buch liegt. Seit 1623

1 Zum Folgenden vgl. A. Friederioh: Gesch. der nach Rom entführten Heidelb.
Bibi., Karlsruhe 1816. - Frd. Wilken: Gesch. d. Bildung, Beraubung und Vernioh-
tung der Heidelb. Büohersammlungen, Heidelb. 1817. - Aug. Theiner: Schenkung
der Heidelb. BibI. durch Maximilian I. an Papst Gregor XV. und ihre Veraendung
naoh Rom, München 1844. - J. Fr. Hautz: Gesch. d. Univ. Heidelb., 2, Mannheim
1864. - Preisendanz (61).
I Von größeren Büoheraammlungen hatte Heidelberg damals die Bibliotheoa.

Palatina (..die Mutter der Bibliotheken"), die UniveraitiitB. und die Sohloßbibliothek.
• Der Zeitpunkt dieaes Bruohs steht nicht foat. Gallavotti daohte kürzlich (s. S. 84
zu 9) an eine viel ältere Zeit dafür und knüpfte eine neue Hypothese über die frü-
heren Schicksale des Palatinua daran (8.S.90f.). Nach ihm bestand der Codex schon
um 14ro aus zwoi Teilen: der erate befand sich im Besitz des Nik. Scphia.n08, bei
dem ihn Franc. Porto sah. Dann war er Eigentum (nicht des Emilio Porto, sondern)
doa Angelo Colocci (1467-1549) und kam später in die Hände des Fulvio Oraini
(1529-1600). von dem ihn Sylburg in Rom erwarb. Der zweite Teil kam durch
John Clement nach Löwen. wo Stephanu8 ihn 1550 einsah.
Palatinue 23 97

war die Handsohr1ft im Vatikan, wo die beiden Teile gesondert ge-


bunden wurden. Dort studierte sie vor allem i. J. 1651 der Hamburger
Lukas Langermann, der eine Abschrift anfing, sich auch mit dem Gc-
danken trug, die Palatina herauszugeben, diese Absicht später aber
wieder aufgab; dann (1723-29) beschäftigte sich J. P. Dorville mit
ihr, und schließlich fertigte der Abt J os. Spalletti 1776 eine ausgezeich-
nete Abschrift an, die de Bosch als .. non dcscriptum, sed depictum"
bezeichnete.
'Ober 150 Jahre lag die Handschrift in der Vatikanbibliothek.
Zwar versuchte man mehrmals1, das Beutegut v. J. 1623 für Heidel-
berg zurückzugewinnen, doch führten die Versuche zu keinem posi-
tiven Ergebnis. Gegen Ende des 18.Jahrhunderts marschierten die
Franzosen in Italien ein. Als der Krieg dann mit der Niederlage
Italiens endete, verlangte Napoleon im FriedenBBchluß von Tolentino
(1797) die Auslieferung von 500 Handschriften der Vaticana; darunter
befanden sich außer den beiden Teilen des Anthologiecodex weitere
37 lateinische und griechische Handschriften der Bibliotheca Pala-
tina aus dem Kriegsraub v. J. 1623. Zwar bemühte sich Papst
Pius VI., wenigstens die Anthologie für sich zu retten, und flüchtete
sie auf sein Landgut in Terracina. Doch paßten die französischen
Abgesandten scharf auf. Als Pius schließlich gezwungen war, die
Anthologie abzugeben, lieferte er zunächst nur den ersten Teil und
erst auf weiteres Drängen auch den zweiten Teil aus2 •
So befanden sich die beiden Bände denn in den nä.chsten Jahren
in der Pariser Nationalbibliothek. Erst als nach dt'n Befreiungs-
kriegen die verbündeten Heere Frankreich besetzt hielten, trat eine
neue Situation eins: 1815 forderte eincrseits Papst Pius VII. die 500
von Napoleon aus Rom entführten Handschriften zurüok, anderer·
seits verlangte Heidelberg die Restitution der erwähnten 38 pala-
tinischen Codices. Es begannen Verhandlungen, die damit endeten,
daß der Papst das Eigentum der Vaticana zurückerhielt, gleichzeitig

I K. Preieendanz: Alte Versuche zum Wiedergewinn der BibI. Palatina (Noue


Heidelb. Jbb. 19M, 90). • Chardon de la Rochette: lI1elangee de crit. et de phiI.,
I, 1812, 289. • Zum Folgenden vgl. Hub. Baatgen: Vatikan. Dokumente zur
Herauegabe der codices an die Heidelb. Univ. i.J. 1816 (Neue Heid~lb. Jbb. 1929,
112). - WiJh. Port: Deutache Akten über die Rückgabe der BibI. Pa!. durch den
Vatikan i. J. 1815/16 (ehde.. S. 100).
98 Einführung

aber auf die 38 Handschriften der Bibliotheca. Palatina zugunsten


Deutschlands verzichtete. Die letzteren empfing der deutsche Unter·
händler Friedrich Wilken im Januar 1816 auch tatslichlich in Heidel-
berg. Dort aber merkte man &JlIICheinend nicht, daß die Franzosen
von der dazu gehörenden Anthologiehandschrift nur den ersten Teil
abgeliefert, den zweiten Teil dagegen zurückbehalten hatten. Genau
das Gleiche also, was dem Papst 1797 mißlungen war, war jetzt den
Franzosen geglückt. 1825 fragte Fr. Mehlhorn wegen der im zweiten
Teil stehenden Anakreonteen in Po.ris an, erhiolt aber die Antwort,
die Handschrift sei 1816 verlorengogangen oder gestohlen worden.
Erst als Dübner die Handschrift i. J. 1839 zum Zweck der Heraus-
gabe benötigte und in der Nationalbibliothek suchte, fand sie Rich
wieder: sie stand noch an dem alten Platz, als wäre sie nie verschwun-
den gewesen .... Noch einmal, i.J.1873, versuchte man deutscherseits
auf diplomatischem Wege die Rückgabe auch des zweiten Teils zu
erreichen, doch scheiterten die Verhandlungen. Gleichzeitig begannen
von deutschßr Seite aus Bemühungen um die Erlaubnis, eine photo-
graphische Wiedergabe des zweiten 'l'eiles auf deutsche Kosten her-
stellen zu dürfen. Nach ebenso langwierigen wie überaus schwierigen
Verhandlungen wurde diese Erlaubnis von der französischen Regie-
rung auch erteilt und die photographische Wiedergabe unter Leitung
von K. Zangemeister durchgeführt. Während der Besetzung Frank-
reichs im Zweiten Weltkrieg bat die Universitätsbibliothek Heidel-
berg zwar in einer Eingabe an die deutsche Regierung, außer anderen
Handschriften auch den zweiten Teil des Anthologiecodex von der
Pariser Nationalbibliothek zurückzufordern, doch kam die deutsche
Regierung, wohl um in der heiklen Lage dic frll.llZösische Empfind-
lichkeit nicht zu verletzen, dem Wunsche nicht nach, so daß das Rest-
stück der Handschrift sich heute noch in Paris befindet (Pariainus
Suppl. Gr. 384).

DI. Apographa

In der Zwischenzeit waren versohiedene Abschriften der Palatini-


achen Handschrift, die sog. Apograpba, angefertigt worden. Sie wur-
den z. T. schon erwähnt. Da sie ab und zu eine Rolle spielen, eeien von
den zahlreichen hier die wichtigsten zusammengestellt. Die ll.ltellte
PalatlnUi 23, Apographa, Palatlna.Aulgaben 119

i8t dio von Salmalliua) 11. S. 96), .ur die viele andere ZUl'Üokgohon.
Daneben sind bedeutaam:
1. Barberinum, eine i. J. 1626 von Lukas Holetein angefer.
tigte Absohrift dea von SaJmasiUII gemachten Auszugs; vom Barbe·
rinum leiten lich wieder die Schedae Goetzianae her.
2. VOllianum von Fr. Sylburg (I. S. 91)1; dieses wurde wieder
abgeschrieben von Ed. Bernard (= Oxoniense, jetzt Bodleianum
Miso. 98)', L. K. Valckenaer, J. van Lennep und Ez. Spanheim; aUII
Spanheims Abschrift floasen die BOg. Laorozianae,
3. Liplienle von J. Gruter (I. S. 91)·.
4. Parisinum Suppt 886 von Fr. Guyet (1600-64)·. Guyet
baut auf Sa1maaiUII aur. Auf Guyet fußen wieder andere Apographa,
80 das Parisinum Suppl. 1168 und das Bigotianum.
~. Parilinum Suppl. 557 von Bouhier (1673-1746)·, das auch
Angaben von SalmaaiUII und Guyet enthält.
6. Gothanum von J. SpaUetti (I. S. 97)1.
7. Ruhnkenianum von David Ruhnken (1723-1798).
8. Gottingenae von J. G. Schneider (Abachrift von Nr.5).
Daneben du Heinaianum (geht über Scaligera Abachrift auf 811.1-
muiua zurück), Thryllitzachianum u.a.m.

Augaben der Antholosla Palat.lu

An eine Ausgabe der Anthologia Palatina hatte man lieh lange


Zeit nicht gewagt'. Erst Johann Jakob Reieke ließ nach der von
Gruter besorgten unvolleti.ndigen Abschrift zunAchat (1752) die Ero·
tika, dann die übrigen im Druck eracheinen: Anthologiae Graeca.e a
Constantino Cephala conditae libri tree, Lpe. 17M. Hinzugefügt waren
eine wörtliche lateinische Oberaetzung BOwie knappe Anmerkungen.

I •• Blblioth. Unlvel'1l. Leideneis VI codicea VouIanl Gr., Leiden 1955 p. 208f.


I Benutzt von Bentloy. I Von Reiske benubt. • "on Brunek benutzt. • "on
Brunek benut&t. • "on Jacoba benutzt. 'Schon Balmulul, L. Langermann,
lpäter A. Don·lIIe. Chardon da la Roehetto (seine Arbeiten beßndrn .ieh jebt in drr
Parilor NaUonalblbl.) U.I. hatten sieh mit dem GedlUlken an eine Herausgabe der
Palatina get...,.,n. waren aber zu keiner '·..rwirldiehung ih ..... Plan.., bz..... nur zur
Auaarbeitung einN kurun Bruehatüeka gekommen: •. Dübner 1 p. XII, XXI
KaI. I, XXII Kai. 2, PreilPndanr. (59) S. U, 27f.: (61) S. 93,97, 100.
100 Einführung

Vollständig jedoch gab eI'lit Philipp Brunok das Werk heraus:


Analect& veterum poetarum Graecorum, Straßburg 1772-76, 3 Bde.;
2. Auf!. 1785. Zugrunde legte er dabei, neben den Ausgaben von
Weohel und von Stephanus, das Apographon Guyets und das Bouhiers
(s.o.) sowie mehrere andere, die aus diesen beiden abgeleitet waren,
wobei er die bisher erschienene kritische Literatur berüoksiohtigte.
In dieser seiner Ausgabe sah er von der ursprünglichen Einteilung in
Weih-, Grabgedichte usw. ab, ordnete die Epigramme nach Dichtern,
die Dichter wieder nach ihrer zeitlichen Abfolge, wobei die anonymen
Gedichte am Schluß auftraten, und fügte sonstige Epigramme, auch
die Fragmente der älteren Meliker und selbst die Bukoliker sowie
die Hymnen des Kallimachos hinzu, während er die christlichen
und die späten Stüoke (auoh die Epigramme des Diogenes Laerti08)
aU88chied.
Dann, 1794f., erfolgte in Leipzig die große, auoh heute noch nioht
überholte Ausgabe von Friedrioh Jaoobs: Anthologia Graeca sive
poetarum Graeoorum lusus ell: reoensione Brunokii, 4 Bände und
'1 Band Indices. Jacobs stützte sich dabei auf die Brunoksohe Aus-
gabe, behielt auch deren Ordnung bei. Daran schloß er 7 Bände
Anmerkungen und 1 Band Register und Paralipomena: Friderioi
Jacobs animadversiones in epigrammata Anthologiae Graecae, Lps.
1798-1814. Aber nooh bevor seine eigene Ausgabe beendet war, be-
gann Jacobs eine zweite Textausgabe: Anthologia Graeea ad fidem
codicis olim Palatini, nunc Parisini ex apographo Gothano edita, Lps.
1813-17,3 Bände. Bei dieser zweiten Ausgabe stützte er sich also auf
die von Spalletti gemachte Absohrift, die er duroh A. J. Paul88en mit
dem Original vergleiohen ließ, und folgte jetzt der 8&Chliohen Ein-
teilung der Palatins.. fügte im Ansohluß an Buch XV jene 388 nur in
der Planudlla überlieferten Epigramme hinzu und ließ auf diese noch
394 teils insohriftlioh, teils literarisch überkommene Gediohte folgen,
die sog. Appendix.
Bald darauf veröffentlichte der Buohhändler Tauohnitz (später
bei Holtze) naoh Jaoobs' 2. Ausgabe die Anthologie in einer billigen
Stereotypausgabe: Anthologia Graeoa ad Palatini codicis fidem edita,
Lps. (1829), 3 Bde.
Die zahlreichen textkritischen Untersuchungen und Ergebni88e, die
in den folgendcn Jahrzehnten verzeichnet werden konnten, veran-
Palatina.Aulgaben 101

blUten den deutachen Schulmann Friedrich Dübner (geet. 1867),


der splLter Verlagadirektor bei Didot in Paris wurde, eine neue Aus·
gabe erscheinen zu lassen: Epigrammatum anthologia Palatina cum
Planudeia et appendice nova epigrammatum veterum ex Iibria et mar·
moribul ductorum, Paris. Didot, 1864-72,2 Bele., denen E. Cougny i. J.
1800 einen dritten, die anderweitigen Epigramme umf&88enden Band
nachfolgen ließ. Sie bot den griechischen Text. und eine lateiniache
Prosaübenetzung von Boiasonade, Bothe und Lapaume 80wie die
lateiniache Versübertragung von GrotiuI (I. S. 89).
Aber nach einigen Jahrzehnten war auoh diese Arbeit überholt. Nun
begann Hugo Stadtmüller mit umfasaender Gelehrsamkeit und
minutiÖ8er Sorgfalt, allerdings auch mit ltark umstrittener Text·
gestaltung eine neue AUlgabe: Anthologie. Gra.eca epigrammatum
Palatina oum Planudea, Lpa., Teubner. Bevor diese Arbeit jedoch zu
Ende geführt war, ltarb Stadtmüller (1906), und eine Weiterführung
des Werkes erfolgte nicht, 80 daß bis heute nur 3 Bände vorliegen:
Buch I-VI (1894), Buch VII (1899), Buch IX 1-363 (1906).
In England enohlen: The GreekAnthologyby W(illiam) R. Paton,
LoDdon. Heinemann 1917fT., 5 Bele. Es handelt sich um eine voU·
It&ndige Ausgabe (ohne kritiachen Apparat) mit englischer Prosa-
übersetzung.
In Frankreich erscheint lIl"it 1928: Anthologie Grecque, Paril,
SocieU d'lldition "Los Beiles Lettrel", eine kritische Ausgabe von
Pierre Waltz mit französischer Prosaübersetzung von verschiedenen
Gelehrten: Bel. 1-6 = Buch 1-8, 1928-44; nach Waltz' Tod (1946)
fortgesetzt von A. Dain: Bd. 7 = Buch IX 1-368, 1957. Doch starb
A. Dain i. J. 1964.
Daneben waren auch einige Auszüge aUI der Palatins. veröffent·
licht worden. Das hatte Ichon Wolf 1734 getan, JenaiuI 1742, Leich
1745 (Carmina sepulcralia), Dorville 1750, Klotz 1764 (Gedichte
StratonI), Harles 1768, Man80 1789 (Gedichte Meleagers), Meinecke
1791 (Gedichte der beiden Leonidas). Später brachte Jacobl noch
einen: Delectus epigrammatum Graecorum in usum scholarum,
Gotha-Erfurt 1826. Bedeuteamer war ein weiterer-von Aug. Meineke:
Deiectul poetarum Anthologia.e Graecae, Berlin 1842. Daneben liefen
andere, 80 von A. Weichert (Meißen 1823), E. Geist (Mainz 1838)
und Burchard (1839).
101 Blafllhraa,

Von größter Wichtigkeit aber wurde ein von.Karl PreJaendanz ein·


geleiteter, die beiden Teile der Handschrift nmf_nder Li eh tdru c k:
Anthologia. Palatin&, codex PaJa.tinua et codex Pariainus phototypice
editi, Leyden 1911.

DIe Dichter der oImeta..n Sammhmgea

Schon veraah.iedentlieh wurde auf die Bedeutung des Anteils der


einzelnen Anthologiaten hinge\\ieacn. Bei den mangelnden lite1'&l'iachen
Angaben des AltertulU8 kann die Lebenazeit eines Dichters hJ.u6g
genug erst auf Grund seiner Zuteilung zu dem einen oder anderen
Sammler in etwa ermittelt werden. Mele&gI'Oll und Philippoa fdhren
in ihren Prooimien zwar eine Anzahl der von ihnen auagewiLhlten
Epigrammatiker an, doch ohne auf VollatiLndigkeit Anspruch zu
machen. FA handelt aich für die moderne Forschung &Iso darum, auch
über die in den Prooimien genannten hinaus die andem festzustellen.
Ein Abachluß iat naturgemiß noch nicht erreicht, doch kann heute
folgendes &la einigermaßen gesichert gelten:

L 1IeIID\ Ia IV I folpncle DIohter:

1. Aleundroe (Aitoloa von 13. DioakoridOl (24)


Pleuron) (Vers 39) 14. Diotimoa (von Adramyttion)
2. A1k&ioa (von Meaaene) (13) Diotimoa (von Athen) (27)
3. Anakreon (35) 15. Erinna (12)
4. Antagoraa (52) 16. Euphemoa (20)
5. Antipatroa (von Bidon) (42) 17. Euphorion (23)
6. Anyte (5) 18. Hedyloa (46)
7. AratoB (49) 19. HegOlipPOB (25)
8. Archilochoa (38) 20. Hermodoroa (44)
9. AsklepiadOl (= Sikelidea) (46) 21. K&llimachoa (22)
10. BakchylidOl (34) 22. Leonidaa (v. Tarent) (15)
11. Chairemon (51) 23. Melanippides (7)
12. Dam&getoa (21) 24. Meleagroa (3,55)
Pala&laa.Aaa,aboa, Dlohhr der BalDlDlaa,oa 103

25. Menetratee (28) 38. l'Jaton <'7)


26. Mnaaalkes (16) 39. PolykleitoB (.0)
27. Moiro (6) .0. PolyatratoB (41)
28. Nikainetoa (29) 41. PoaeidippOB (45)
29. Nikiaa (20) 42. Rhian08 (11)
30. NOIIJia (10) .a. Samoa (14)
31. Pamphiloa (17) ". Sappho (6)
32. Paokratea (18) Sikelides - Aaklepiades
33. Parthenia (32) ~. Simias (30)
34. Pe1'le8 (26) 46. Simonides (8)
35. Phaenn08 (29) 47. Theodoridas (53)
36. Phaidimo8 (52) 48. Tymnea (19)
37. Phaniaa (54)

b. Boaatise Dichter

Agia Nikandroa
Aiaohyloa Nikarch08 I.
AndrOnikOB (7) NikomachoB
Archimeloa (t) Peiaandroa (t)
AriatodikOl Phalaikoa
Ariaton Philitas v. Samoa
.Artemon Philoxenoa
Demetrioa (t) Ptolemaioa
Dionyai08 v. Kyzikoa Theaitetoa v. Kyrene
Dionyai08 v. Rhodoa Theodoridaa
Glaukoa v. Nikopolia Theodor08
Hegemon Thymokles
Hekataioa Xenokritoa
Heraldeitoa v. Ha.lika.rnaaa Zendotoa v. Ephesoe
Hermokreon Zoaimoa (t)
Karphyllides
IOt

Phillppoe

.. neDDt In IV 2 foIpnde DIchter

1. Antigon08 (Vers 12) 10. Krinagoras (8)


2. Antipatro8 (v. Thessa1.) (7) Laureas 8. Tulliu8
3. Antiphanee (10) 11. Parmenion (10)
4. AntiphiJos (8) 12. PhiJodem08 (9)
IS. Automedon (11) Sabinus 8. Tulliua
6. Bianor (11) 13. Tulliu8 (Geminus) (9)
7. Diodoros (v. Sardes) (12) Tullius (Laureas) (9)
Diodoros (v. T&I'II08) (12) Tulliua (Sabinus) (9)
8. (Diodoros) Zonas (11) Zonas I. Diodoros
9. Euen08 (13)
Geminus 8. Tulliu8
b. 8onat.ige Dichter

Adaios von Makedonien Honeetos


Aemilianus Ieidoroa von Aigeiai
Aischinee Juliua Diokles
Akeratos (!) Julius Polyainos
Alphei08 von Mytilene LolliuI Ba8IIus
Antiatios Maeciua
Antoni08 8. ThaU08 Makedoni08 v. Thesealonike I.
ApoUonidas Mundul Munatiua
Argentariua Myrin08
Baseus 8. Lolliua Philippos
Boeth08 Polemon
Diokles 8. Julius Polyain08 8. JuJiUI
Diophanes Pompeiua Junior
Diotim08 von Milet Satrios
Epigon08 Secundus
Eryki08 Serapion
Etrusko8 von Messene Statiliua FIacous
F1accus 8. Statilius Antonios ThaUos
GaetuJicua I. (!) Thyillos
Herakleides von 8inope
Diobhr der S&mmlungen, Moderne Foraobang 106

Diogenel&nOl

Ammianoa Long(in)us I. ComeUua


Antiochoa Lukian08 (?)
Apollinarioa LukilUoa
CorneUus Long(in)us Nik&rchoa ll.
Dionyaioa Sophistee Philon
GaetuUcua 11. Pinytoa (?)
Hadrian Piao
Hel1adioe Trajan
Killaktor

Apt.hlu

Ablabioa Kyroa
Agathiaa Leontioa
Arabioa Makedonioa v. Thll8ll&lonike 11.
DalD88kioa Marian08
Damoch&ril MiohaeU08
Diogenea (Bilohof) Palla.d&a (')
Eirena.i08 Pauloa Silentia.rioa
Eratoathenea Soholaatik08 Phokas (?)
Eutolmioa (?) Ruf(in)08 Domeatik08
Joha.nnea Barbuk&lloa Theaitetoa Soholaatikoa
Iaidoroa von Bolbythia Theodol'08 Dluatri08
JuUanoa von Ägypten Theoeeheia
Kometaa ChartuIarioa
Zu Kephalal vgl. S. 75, zu dem Redaktor dee Paiatinul S.77.

Die moderne Foraobung


Modeme 8&mmlunpn

Die Epigramme. die UD8 auOerha.lb der heiden großen Anthologien


erha.lten blieben, Bind sehr zahlreich. Schon J aoo bl fügte seiner
zweiten Ausgabe eine Appendix von 394 Gediohten hinzul • Später gab

1 8.8.100.
106 BIDfllhruDI

F. G. Weloker eine gesonderte Sammlung heraus: 8yl1088 epigram.


matum Gr&eoorum ex marmoribus et libris oolleotorum, Bonn 1828.
Dann veröffentliohte Piooolos: Buppl~ment al'Anthologie Greoque,
P&ris 1853, und kurz darauf F. W. Sohneidewin: Progymnasmata
in Anthologiam Gr&eoam, Göttingen 1855. Der Dübnersohen Aus·
gabe bAngte E. Cougny &Ja 3. Band eine Ihnliohe aus rund 2200Ge-
diohten bestehende Sammlung an l • Aber vorher war mon eine Spe-
zi&lsammlung von Gg. Kaibel ersohienen: Epigrammata Graeoa ex
lapidibus oonleot&, Berlin 1878 (1200 Epigramme). Als Gegenstüok
dazu folgte die Sammlung von Tb. Preger: Insoriptiones Graeca.e
metrioae ex sorlptoribus pr&eter Anthologiam oolleotae, Lps. 1891,
dann die von E. Hoffmann: Syl1088 epigrammatum Graeoorum,
quae ante medium B&eOulum a.C.n. TI!. inoisa ad DOS pervenerunt,
Halle 1893. Aber auoh seitdem hat der Zuwachsstrom aus Insohriften,
Papyri und Handschriften nioht abgenommen. Aus der Gesamtff1lle
las aus Joh. Geffoken: Griechisohe Epigramme, Heidelberg 1916
(400 Epigramme). Die ältesten inschriftlich erhaltenen Epigramme
bis zu den Peraerkriegen sammelte P. Friedländer: Epigrammat&,
Berkeley 1948. Epigramme, die wirklioh auf Steinen gefunden wurden
bzw. nach Ansicht des Herausgebers einst auf Steinen standen (dar-
unter auch Ant.hologiegedichte) werden zur Zeit, nach Formtypen
geordnet, in einem umfangreiohen Werk zusammengestellt von W.
Peek: Griechisohe Versinsohriften (abgekürzt: GV); zunächst er-
IChienen ist Bd. 1: Grabepigramme, Berlin 19M.

Die eigentliohen kritisohen Forsohungen waren bis zur Veröffent-


lichung von Brunck relativ gering. Zwar hatten auch die Alteren Ge-
lehrten, besonders die Herausgeber der Planudea den Text kritisch
bearbeitet.. Vino. Opsopoous hatte auoh sohon eine kritisohe Sonder-
schrift erscheinen lasaen: In Graecorum epigrammatum libros IV
annotationes, Basel 1640. Ein neues Leben war in dieser Hinsicht nach
der Entdeckung des Palatinus erwacht. S&lmasius, spAter Toup und
Dorville hatten Vortreffliches geleistet. Daniel Huet ließ eeine For-

I •• R. 101.
Moderne Forsohung 107

sohungen im Anhang an seine Poemata. (Utrecht 1700) erscheinen,


und A. Heringa brachte 1749 seine Observationes criticae, J. G.
Schneider 1772 sein Periculum criticUlD heraus. Im übrigen aber
blieb ein großer Teil dieser Beobachtungen in Handschriften und als
Randbemerkungen verborgen und ist bis heute noch nicht ganz ver-
öffentlicht.
Sieht man jedoch von diesen engbegrenzten Fa.chkreisen ab, so war
die Anthologie noch bis tief ins 18. Jahrhundert hinein so gut wie
unbekannt. Das lag z. T. dara.n, daß man kein Griechisch konnte (erst
seit 1780 trat hier ein Umschwung ein), z. T. aber auch damn, daß
man mit dem Wort Anthologie den Begriff des Obszönen verband.
Das ging so weit, daß in Deutschland manche Verleger sich aus "sitt-
lichen" Bedenken weigerten, auch nur griechische Auszüge aus der
Anthologie zu veröffentlichen, und daß die Herausgeber selbst sich
in Entschuldigungen und in Beteuerungen ihres eigenen lauteren
Lebenswandels nicht genug tun konnten. Brunck allerdings erklärte
in seiner Vorrede, daß der Zeitgeist durch diese Gedichte nicht noch
mehr verdorben werden könne, als er schon sei.
Tatsächlich war die Anthologie in der großen Welt der Gebildeten
bis dahin eine terra incognita.. Bezeichnend dafür ist, daß Reiske seine
1754 erschienene Ausgabe in Selbstverlag übernehmen mußte und daß
in den folgenden 20 Jahren keine 50 Exemplare davon verkauft wur-
den. Bezeichnend ist ferner, daß die Kasseler Bibliothek die Anthologie
unter dem Titel Florilegium bei Botanica rubrizierte. Noch Herder
zeigt sich der von Klotz herausgebrachten Ausgabe Stratons gegen-
über (s. S.101) sehr besorgt; erst Lessing 1 begrüßte 1766 energisch das
Buch, und ein römischer Kardinal erklärte, daß die Anthologie das
Entzücken seiner Jugendstudien gebildet habe. Ein wirkliches AUge-
meininteresse fand die Anthologie jedoch erst seit Bruncks Veröffent-
lichung, das dann allerdings gewaltig anwuchs und in den neunziger
Jahren seinen Höhepunkt fand. Damals (1799) konnte Chardon de
la Rochette l des Planudes Scheu vor der Aufnahme anstößiger
Gedichte schon als asinalis verecundia bezeichnen.

I Allerdings hatte 8chon Lukaria in seinem Brief an Pietro de' Medici gegen
Planudea' Methode scharf Stellung genommen: Planudea ... mutilavit et, ut ita
dice.m, caatravit hune librum. I Melangea de erit. ot do phil. I, 1812, 229.
108 Einfilhrnnl

Dieses Intel'e&88 wurde in der gelehrten Welt selbst duroh Jaoobs'


Ausgabe noch Itl.rker gefördert. Bald bildete lieh eine sehr umfa.ng-
reiche Literatur, die heute unübersehbar geworden ist. Genaueres dar-
über bringen die ..Jahresberichte über die Fortschritte der kla.aaiachen
Altertumawialenlchaft"l.
ZunAchat galt es, die Oberlieferung zu prüfen; 80 kamen von aJlen
Seiten textkritilche Arbeiten, aus denen die von Finaler und Dilthey,
IpAter die von Jahn, Roßbaoh, Kaibel, van Herwerden, Ludwich,
EUis, Kna.a.ok, Sternba.ch, Hea.d1a.m und in jüngster Zeit die von
Wilamowitz, Preisendanz, Lumb, Agar und PoweU hervorzuheben
sind.
Mit der Beachreibung dea Pa.la.tinua, seiner Entlltehung, seiner Zu-
sammensetzung, den verschiedenen Schreibern u. 1. beschäftigten
lich Finaler, Grau, Stadtmüller, Preiaendanz (58ff.)1 und Gow (24).
Vom Naohlllben der Anthologie handelten Ma.x Rubenaohn (Grie.
chische Epigramme und andere kleine Dichtungen in deutlichen Ober-
setzungen deal6. und 17. Jahrhunderts, Weimar 1897), Ernst Beutler
(Vom griechisohen Epigramm im 18. Jahrhundert, Lpz. 1909) und
Jamel Hutton (The Greek Anthology in ltaly to the yea.r 1800
[Itha.ca. 1935] und Tbe Greek Anthology in Franoe and Netherla.nda
to the yea.r 1800 [Itha.ca. 1946]).
Andere Gelehrte Buchten das geschiohtliohe Werden unaerer Antho·
logie und den Anteil der verschiedenen Sammler featzuatellen. Von
Wiohtigkeit war es, die Tätigkeit des Kepha.las abzugrenzen. Das
taten achon Paaaow, Weigand und Hecker, apäter Finaler, Wolters
·(92f.), Henrichaen, Sternbaoh (78), Weißbäupl (86), Krumbaoher,
Wifatrand (88) und zuaammenf&llllend Preieendanz und Baaaon (3).
Einzelne Forsoher bemühten aich, Zeit und Umstände der Epigramme
von Kyzikoa (Buoh 111) zu bestimmen (48). Andere richteten ilir In-
tereeaeauf ältere wirkliche oder angebliche Anthologiaten, a.ufPaJla.daa,
Rufinoa und Diogeneianoa (70, 16, 9, 3, 71) IOwie auf Melea.groa (lU,
65), oder gingen noch über Melea.groa hinaua und suchten vormele-
agriaohe Sammlungen festzustellen (56, 87, 68, 8, 90, 22).

I Bel. 75 (1893) 248; 92 (1897) 1118; UM (11100) IM; 133 (1907) 296; 178 (1919) 1116;
191 (1922) 118; 272 (UNI) 60 IOwie die Ven.eichru- bei lIIaroauau: L'U!Me philo.
100ique, Paria 192711'. I Die Zahlen be&iehen lieh auf 8. 11011'.
Moderne Fouchung 109

Schwierig war und ist es, die Zugehörigkeit mancher Gedichte zu


einzelnen Dichtem zu bestimmen, wenn die Epigramme als Anonyma
überliefert sind oder von der Überlieferung einem Diohter offenbar
mit Unreoht zugesprochen werden oder wenn es sioh um gleiohnamige
Dichter handelt wie die beiden Leonidu und Antipatroa. Hier arbeiteten
vor allem Gelfcken, H&IllIen und Bevan (21, 26, 6) sowie Weigand,
Setti und Waltz (82).
Dazu geaeUten sich Arbeiten über du Epigramm. Nach den mehr
ästhetiachen Abhandlungen von Leasing (.. Zerstreute Anmerkungen
über du Epigre.mm"p und Herder (.. Über du griechische Epi.
gramm")', die Oehler weiter vertiefte, lieferte Hänel die erste literar·
historische Studie (25); das gleiohe versuchte der Artikel von Schmidt·
Reitzenatein (72). Verdienstvoll für die älteste Zeit war die Arbeit
von Oelfcken (22) und für die Spätzeit die von Wifstrand (88f.) und
KeydeU (36). Andere achränkten ihre Arbeit örtlich oder zeitlich ein
und behandelten die Epigrammatik in Großgriechenland und Sizilien
(50), im HeUenismus (68, 79, 27, 38), im 3. Jahrhundert v.Chr. (81,
91,41) und in byzantinischer Zeit (39). Man untersuchte Weih- (40),
Grab- (47, 86, 54), Spottepigramme (10, 63) und Epigramme auf
Dichter (19). Man prüfte den Stil (89), die Form (40, 52, 66) und die
Beziehungen zum Skolion (68), zur Elegie (33), zum Sprichwort (64),
zum Steinepigramm (83), zum Pantomimus (84), zu römischen Dich-
tem (63, 31), zu Kunstwerken (5) und die geschichtlichen Ereignisse
(11).
Zahlreich sind die Sonderausgaben und Monographien von einzel-
nen Dichtem. Eine Auswahl mag hier in alphabetillcher Folge stehen:
Agathiu (46), Antipatros (75, 82), Antiphiloa (49), Anyte (2, 12, 43),
Archiaa (67), Aaklepiades (52, 37, 77), Christodoros (4), Erinna (43),
Etruakos (50), Euenoa (57), Gätulicus (45), Hedylos (52), Honestoa
(62), Ka1limachos (53), Krinagoraa (69), Leonidaa von Alexandria
(55), Leonidu von Tarent (21, 26, 6, 50, 77), Lukianos (76), Lukillios
(42), Meleagroa (51, 65, 27, 77), Mnaaalkes (74), Moiro (43), N088ia
(43), Palladaa (16, 77, 94, 32), Paulos SilentiariOll (18, 80, 13), Philo-
demos (34, 77), P086idippoa (73, 52), Rufinos (9, 71), Simiu (17),

I SimtUche Werke hrag. v. Laohmann, Bei. 11, 1895, 21.. • SÄmtliche Werke
hrag. v. 8uplwa, Bel. 15, 1888,205 und 337. ' •. 8. 115.
110 Elnfilhrung

Simonidee (56, 8, 90), Tbeodoridae (50, 74), Tbeokrit (35, 50, 23, 20);
dazu Collectanea Alexandrina 00. J. U. Powell, Orl. 1925: enthält
die Gediohte von AlexandroB AitolOl, Antagoras, ApolloniOl Rho-
dios, DOIiadaa, Euphorion, Moiro, NikainetOB und RhianOl. Dazu die
veraohiOOenen Artikel bei Pauly-Wi880wa.

VeneicluWo der wlaeDtlChaftlwum Literatur

(in Auawahl)

1. Agar, T. L.: Notea on the Greek Anth. (Claaa. Quarterly 17, 1923,
82).
2. Ba.a.le, M. J.: Studia in Anytea poetria.e vitam et ca.nninum reli-
quias, Dias. Amaterdam 1903.
3. Basaon, J.: De Cephala et Planude ayllogiaque minoribua, Berlin
1917.
4. Baumgarten, F.: De Chriatodoro poet&. Tbebano, Dias. Bonn 1881.
5. Benndorf, 0.: De Anth. Graeoae epigrammatia, qua.e ad artea
speotant, Dias. Bonn 1862.
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7. Bieae, A.: Die Entwioklung dea Naturgefühla bei den Griechen
und Römern, Kiel 1882-84.
8. Boas, M.: De epigrammatia Simonideia oommentatio critioa,
Groningen 1905.
9. Dera.: De aylloge RuJiniana, Philologua 73, 1914, 1.
10. Brecht, F. J.: Motiv- und Typengeechichte des griech. Spott-
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11. Ciohoriua, K.: RömiBohe Studien, Lpz. 1922.
12. Colangelo, S.: Anite da Tegea (Stud. it. di Fil. 01. 21, 1915,280).
13. Corbato, C.: La poeaia di Paolo Silenziario, Trieat 1951.
14. Dilthey, K.: De epigrammatum Gra.ecomm syllogia quibuadam
minoribua, Pgr. Göttingen 1887.
15. Finaler, G.: Krit. Untersuch. zur Geach. der groh. Anth., Dias.
Zürioh 1876.
16. Franke, A.: De Palla.da epigrammatographo, Di88. Lpz. 1899.
17. Fränkel, H.: De Simia Rhodio, Dias. Göttingen 1915.
18. Friedländer, P.: Johannc. von Gaza und Paulus Silentiariua,
Lpz.1912.
Vonoichni. dor willonaohaftllohon Literatur 111

19. G&bll.Lhulur, M.: Hellenlstlache Epigramme auf Dichter, DilII.


Basel 1937.
20. Gallavotti, C.: TheocritUB, Roml 1955.
21. Getfcken, J.: Leonidaa von Tarent, FleckeiB. Jbb. Suppl. 23,1897.
22. Dera.: Studien zum grieche Epigramm, N. Jbb. f. d. kl. Altertum
39, 1917, 88.
23. Gow, A. S. F.: Buoolici Graeci, Oxford 1952.
24. Dera.: The Greek Anthology. SourceB and .Aacriptiona (Society
for Promotion of Hell. Stud. 1958, Supp!. Pap. 9).
25. HäDel, J.: De epigrammatiB GraeciB hiBtori&, Pgr. Brealau 1852.
26. Hanaen, B.: De Leonida Tarentino, DiaB. Lpz. 1914.
27. Harberton, V.: Meleager and the other poetB of Anthology from
Plato to Leonidaa Alex., London 1895.
28. Herrlinger, G.: Totenklage um Tiere in der antiken Dichtung
(Tübinger Beiträge z. AltertumBwiBB. VIII), Stuttg. 1930.
29. Herwerden, H. van: Ad Anth. Pa!. (MnemOB. 2, 1874, 302; 14,
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30. DerB.: Studia crit. in epigr. Ora.eca, Leiden 1891.
31. Hezel, 0.: Catull u. d. grieche Epigramm, DiBB. Tübingen 1932.
32. IrIDBcher, J.: Palla.daa (WiBB. ZBchr. Humboldt-Univ. Berlin GR
6, 1956/7, 163).
33. Kägi, P.: Nachwirkungen der älteren grieche Elegie in den Epi-
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11' BIDfübrDDg

Übertragungen einzelner Gedichte sind schon früh gemacht worden.


Die ältesten stammen von Wolfgang Hunger 1542 und Jeremias
Held 1666. Doch gehen diellO übertragungen nicht auf den Urtext,
sondern auf die von den Humanisten angefertigten lateinischen
tl'bersetzungen zurückt.
Erst im nAchsten Jahrhundert ging man, vorab Opitz und Weck-
herlin, vom Griechischen aus. Ihnen folgten im gleichen Jahrhundert
Tscheming, Gryphius, Philipp von Zesen, Schirmer, Schoch u. a.
Man bevorzugte dabei Epigramme von didaktisch-gnomischer Ten-
denz, bearbeitete aber auch Spottepigramme, Anekdoten, Erotika
und, der Neigung der Zeit entsprechend. Schiferpoesiel • Sehr zahl-
reich waren diese Übertragungen in Deutschland nioht, im Gegen-
satz zu Frankreich, das schon 1689 eine metrische Übersetzung von
768 Epigrammen aufweisen konnte.
Das folgende Jahrhundert bemühte sich st.I.rker darum. Gleim
übersetzte seit 1756, Kleist seit 1758, Grillo und J. Eust. Goldhagen
seit 1767; auch die Übertragungen von Weiße und Hölty fallen in
diese Zeit. Es handelt sich überall um gereimte Umdichtungen im
Sinne und Stil der Anakreontik. So hatte auch Herder, der die An-
thologie 1766 keunenlemte, zunichst gearbeitet. Dann aber, i_ J.
1780, vollzog sich in ihm die große Wendung, die ihn zum elegischen
Distichon führte; und seit dieser Zeit übersetzte er einen großen Teil
der Anthologie, der heute am besten in Band 26 der "Sämtlichen
Werke" hrsg. von Suphan, Berlin 1882, nachzuschlagen ist. Sein
Einfluß, der durch Leasings i. J. 1771 erschienenen Aufsatz über das
Epigramm noch verstärkt wurde, machte sich sofort bei Goethe und
Tobler geltend. die seit 1781 im antiken Versmaß dichteten und auch
übersetzten. Schon 1782 enohien zu Hamburg von Christian von
Stolberg ein Band "Gedichte aus dem Griechischen". Noch in den
achtziger Jahren schlug Knebel die gleiche Riohtung ein, während
Wieland in seinen Übersetzungen 1788 noch einmal in den Stil der
Anakreontik zurück verfiel. In den neunziger Jahren traten Conz,
Voss, A. W. von Schlegel, Schiller und F. von Haug mit übersetzungen
I a. 8. 88. I Näb_ darüber bei Rllbemoim (s. 8.1081.
Moderae Foraobaag. OberaeLzuagea 1111

von Anthologie-Epigrammen 1m ant.ilum Venuuu.ß hervor. Im


Jahre 1800 ließ Sockendorf leine Übertragungen erscheinen. Einen
beeonderen Vorzug genosaen in dieser ganzen Zeit die Epigramme auf
KUJl8tgegenati.nde. All das waren jedoch, bis auf die Sammlungen
von Herder, immer und überall nur wenige Gedichte, die ein einzelner
übertrug.
Im 19. Jahrhundert verebbte allmililioh das Interesse, das die
Dichter an der Anthologie nahmen. Riemer, Humboldt, Rückert,
Daumer ("Polydora" Frankfurt 1855) und Geibel ("Klaaaisches Lie-
derbuoh" 18715) haben sioh im 19. Jahrhundert zwar darin betätigt;
Platen und Mörike begeisterten sioh an der Anthologie, ebenso wie
Huge von Hofmannsthal es noch einmal im 20. Jahrhundert tat.
In der Haupteache aber versickerte das außerordentliche Interesse,
das die große literarische Welt in den zwei letzten Jahrzehnten des
18. Jahrhunderts an der Anthologie genommen hatte, und überließ
das Gut der philologischen Welt. Von dieser Seite aus erschienen jetzt
auoh lehr zahlreiohe Überaetzungen, unter denen ioh nur erwähne:
J. Eriohson: Griechischer Blumenkranz, Wien 1810, K. Bruch: Hellaa,
Brealau 1879, J. Mähly: Grieohisohe Lyriker, um 1880, Schultz-
Geffoken: Altgriechische Lyrik, 1895.
Auch das 20. Jahrhundert hat hierin weitergearbeitet. Hervorzu-
heben ist August Oehler (Pseudonym rar August Mayer): "Der
Kranz des Meleagros" Berlin, Propyläonverlag 1920, eine doppel-
8praohige Ausgabe mit Epigrammen bis Meleagroa. Ferner Karl Prei-
lendanz: "Griechische Liebeaepigramme" Zürich, Seldwyla o. J.,
J. M. StoW&88er: "Griechenlyrik", Heidelberg (1908), E. Staiger:
"Griechische Epigramme" (Griechisch-Deutach). Zürich (1946), W.
Peek: "Griechiache Grabgediohte" (Griechisoh-DeutBCh), Berlin 1960.
Die erste größere Sammlung hatte, wie bemerkt, Herder geliefert.
Eine zweite größere Sammlung erfolgte durch Jaooba: "Tempo"
Lpz. 1803, 2 Bde. Dieae Sammlung arbeitete er leibst apiter um:
"Griechische Blumenleae" (Vermischte Schriften, Teil 2: Leben und
Kunst der Alten, Bd. I 1) Gotha 1824, 2 Bde. Dann wurde sie neu
bearbeitet von E. Boeael: Anthologie lyrisoher und epigrammatisoher
Dichtungen der alten Griechen, Lpz., Reolam (1884).
Am umfangreichsten ist die von W. E. Weber begonnene wld von
Gg. Thudichum fortgeaetzte Auswahl: "Griechische Anthologie",
118 Einführung

Stuttprt, Met&ler 1838-70. JtIeiDer ist die AIlIWIohl N.I!."PigrammO der


griechlaohen Anthologie", verdeutscht von J. G. Regis, Stuttgart,
Hoffmann 1856 (später Berlin, Langenscheidt).
Eine vollständige deutsche Übersetzung liegt bis heute nicht vor;
wohl aber eine französische von F( ~lix) D(eheque) : Anthologie greoque,
Paris 1863, 2 Bde. Neuerdings erscheint eine weitere: Anthologie
grecque, traduite par M. Rat, Paris, Garnier o. J., 2 Bde.; ein dritter
(vervollständigender) Band IOll nicht erscheinen. Daneben die doppel.
sprachige Ausgabe von Waltz (s. 8.101). In Italien brachte E. Roma-
gnoli eine (nicht vollständige) 'Obersetzung heraus: I poeti della
Antologia Palatina, Bologna, Zanichelli (1932-36), 6 Bde.; dann
folgte eine zweite: Antol. Pa!., a cura di Presta, Rom 1957. Über eine
vollständige englische Übersetzung 8. S. 101; bezüglich lateinischer
'Obersetzungen 8. S. 89 und 101.
117

SIOLORUM BXl'LIOATIO

A videP.
App. B·V = Appendix Barberino·Vaticana, vide p. 83.
App.H == Barberinua Gr. I 123.
App.v ... Vatioanua Gr. 240.
B vide P.
B = Bylloge Bin Parisino 1630, vide p. 83.
Brit. = Brit. MUI. Add. 16 409, vide p. 86.
c vide P.
E = Bylloge Euphemiana, vide p. 82.
EI' "" Florentinua 67, 29.
EP = Pariainul 1773.
ER == Pariainua 2720.
J vido P.
Ir. = Regiae bibliothecae Madrilenaia codices Graeci, ed. Iriarte,
vide p. 83.
I vide P.
P = Palatinua 23 + Parilinua SuppI. Gr. 384.
A = librariu8 Palatini.
B = librariU8 Pala.tini.
o = oorreotor Pa.la.tini.
J = librariua Pa.la.tini.
= Iemma.tiata. Pa.la.tini.
pt = prima ma.nU8 Pala.tini a.nte oorreotura.m.
PI = Anthologie. Planudea. = Ma.roianua 481.
S = Sylloge Pariaina vol Cramerie.na. = Pariainua SuppI. Gr. 352
et Pariainua 1630, vide p. 83.
1: = Sylloge pra.emiaaa Euphemianae, vide p. 83.
1:1' _ Florentinua 67, 29.
1:P = Pariainua 1773.
l:1r = Sylloge praemilaa Pa.1atino, vide p. 83.
Suid. = Lexioon Suidae.
Zon. = Lexioon Zona.rae.

Boiaa. = Boiaaona.de. Soa.l. = Sca.liger.


Dear. = Dearouaaeaux. Steph. = Stephanus.
Aat.eriaoo (*) ad Addenda. (in flne voluminia) delegatur.
BUCH I
Vorwort zu Buoh I

Das 1. Buch umfaßt 123 Epigramme christlichen Inhalts. Sie sind


nur im Palatinus (8. 49-63) enthalten. Geschrieben sind die Num.
mern 1030-116 von A, die andern von J. Die Autorenangaben und
Lemmata stammen vom jeweiligen Schreiber, sind aber oft vermehrt
von I bzw. J.
Zu Beginn des Buches schrieb J: "Die frommen und heiligen christ-
lichen Epigramme seien vorangestellt, auch wenn es den Heiden miß·
fILllt. "1
Mit Ausnahme von wenigen Gedichten, 80 10 und 119, handelt es
sich durchweg um solche, die als wirkliche Aufschriften Verwendung
gefunden haben'. Sie mußten also einmal gesammelt worden sein. Du
ist, wic die Bemerkung des Lemmatiaten zu 10, 29 zeigt, anscheinend
am Ende des 10.Jahrh. geaohehen. Doch besteht die Möglichkeit. daß
der letzte Redaktor eine achon vorhandene Sammlung abgeschrieben
hat. Das wird sogar wahrscheinlich, wenn man die Ordnung der Epi.
gramme betrachtet. Nr. 1-18 beziehen sioh auf Kunstgegenstande
in Konstantinopel, 19-31 sind Gebete, 32-94 sind wieder besohrei.
bende Epigramme, wAhrend dcr Rest eine ungeordnete Appendix bil·
det. Es scheint also, als habe der Redaktor die Sammlung bis 94 ab·
gesohrieben und den Rest selbst hinzugefügt.
Die Entstehungazeit läßt sich nicht immer bestimmen. Doch helfen
außer den Verfaaaerangaben hAufig die Erwähnungen geschichtlioh
bekannter Persönlichkeiten, zu deren Lebzeiten die Epigramme ge.
10hrieben eein milaaen. Danach gehört eines noch ins 4. Jahrh.I ,
andere ins 5.-6.', weitere ins 7.' bzw. 9.' und eines ins 10. Jahrh.'.
Zur Würdigung der Gedichte vgl. 8.64.
I ~ n;w XP~ 11'~ ~i'i 'TI KaI e.ta hnypdralllCl'TU. l14li 01
°ru'IWS~. • VII. die 1A1DIData. KU 7 und 10. 81. • 81. • 2-17.
111. 98-101. 108. '110, 1201., 123. • I, 1081., 1011. • 122.
122

A. TA TWN XPIITIANWN ETTlrPAMMATA

EIS Tb KI~OUPIO" Tils lItylas I0'PlaS


•As OllTAal101 Ka&iAOV ~veaS' dKOvas,
&VCXK"TES lcrn;1..waav evcnßeis lTaAlV.
Lemm&: KI~OVp(I") P.

2
'E" TalS IllIl'lal Tc;)" B1.aXEp"CiI"
9Etos 'IOVCTTlllOS, IocplTlS lTOalS, cl> lTOpe XplCTTOs
lTaVTa SIop6oiiO'6al Kai KAros tv lTOAEIlOIS,
IlTlTPOs amlpoyallOIO SOIlOV aKa~OVTa voftaas,
.a6pov anOaKESaaas TEii~E IlIV aacpaMc.>s.

3
EIS 'Tb aUTb h TalS aUTals
'0 lTplv 'IOVCTTiVOS lTeplKaAAm SeillCXTO VflOV
TOiiTOV IlTlTpl 9Eoii KaAAEI 1..alllToIlEVOV·
61rMTEpos st 1lET' aüTov 'IOVCTTivOS ßaaIAEVc..>V
Kpelaaova Ti1s lTponPTlS c:'macnv äy1..atT'lv.
• 61\\1aTO "'lclw pi em. 0; of. 8,2.

4
EIs Tb" vabv TOO npo6p6\1ov {v TolS ITov61ov

ToiiTov 'lc..>allVlJ, XpICTToii IlEYaACj> 6epanoVTl,


ITOVSIOS äyAaov olKOV lSelIlCXTO' KaplTaAlllc..>S st
TalV KallEV eiipETO IllO'60ll, v.~v \rrraTfllSa paßSov.
:&-3 Suid. B. IToU61OS 3 cr." K. rGpaTO Suid.
123

I. DIE CHRISTLICHEN EPIGRAMME

Aaf dem C1borlam der 8ophleaklrohe


Die Bilder, die verirrte MeDlChen hier gestürzt,
gottlelge Herl'IIOher IItelJten a1e VOll neuem auf.

Aaf dea Ap.ldon In Blaoheraai


Als der hehre J ustinoa. der Gatte Sophiaa, dem Christus
alles zu ordnen und Ruhm sich zu erkAmpfen verlieh,
das zerfallende Haus der jungfriuliohen Mutter bemerkte,
trug er das wankende ab, um es dann fest zu erbaun.
Anonym

Am ,Iolohea Geblade, au ,Ieloher 8telle


Hat der alte Justin für die Gottesmutter das achöne,
heilige Haus hier erbaut, strahlend in köstlioher Pracht:
nun hat der jüngre Juatin08, der spiter die Herraohaft geführt hat,
höheren Glanz ihm verliehn, ala es dereinatena besaß.

Au der Kirohe do. Vorliafer. bol 8hdloa


Hier diesen herrlichen Bau ließ Btudi08 einet für Johannea,
Christi erhabenen Diener, errlohten; es folgte der Mühe
raach auoh der Lohn: ihm wurden die Faazen des Konaula verliehen.
A_ym
124 Anthologia Graaoa I

li

EiS T6v va6v TOO 6:ylov a'lrOaTo1.ov eWllä 'v TolS 'AllaVTlov
T6v5e eeCj) KallE5 OlKOV, 'Al1aVTlE, IlEO'O'661 lT6VTOU,
,.oi5 lTOAu51\11;TOIS KVl1acn l1apVallEvos.
ou v6.05, ou I'optT\5 lep6v atlo 5c;:,l1a TIVa~el,
V11Cj) 6ECT1TEO'ICj> ,.Cj)5e cpuAaO'O'6llEvov.
~OOOI5 fll1aTa lTOAAa' CTÜ yap veo6f\Ata 'Pool111V
lT6VTCj> rnat~as 6f1KaO cpCXl5pOTtp11V.
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6
EiS T6v va6v TOO 6:ylov elo5wpov 'v Tols I,wpaKfov
!cpOOPCxKIOS lTol11CTE cpvywv cpMya l1apTUpl Vfl6v.

7
EiS T6v aUTov, Iv 41 T6 l.oy6:Plov ,Opi8T1
!cpooPCxKIE, ~OOoVTI cplAa 6pE1T"TTtpla TI VOOV
Yfl6eev 'A VT6AIOS, O'Os aVEIfJI6s' olxolJtvCj> 5t
ale! 0'01 yepap,;v TEAul XaplV, c:xm: Kai &AAT\V
eöpe Kai &V VflCj) 0" aVE6f1KaTO, TOV KallES aüT6s.
Lemma: 1.oyap(lv) P.

8
EiS T6v va6v Tc;)V &ylwv &'lrOaTo1.W\I 'lr1.Tlalov TOO &ylov
Ilpylov, IIs Ta 'Opllla50v
XPICTT~IV lTal1!'aO'IAi'ja CP(AOI5 Kal1CxTOIO'I yepalpto)V,
,.oiFTov 'IOUCTTIVlavOs cXycxKAta Sell1aTO VflOV
nhpCj> Kai naVACj>' 6epernOUO'I yap eÖX05 6lTa~oov
aüTCj) 5f1 "1"15 &VaKTI cptpel lToAVKu5ta "I"Il1f1v.
b6a5e Kai lfNXij Kai 61111aO'I Ktp50s mil1ov'
ruxatO'lv IItv l1caCTTos, 6 "1"1 xpros &CTT(V, v.t0'6oo,
TEpm0'6oo 5t opc;:,v KaAAOS Kai 500llaTOS atYAT\v,
• I Ylpalpw" ex yipc.w P I "TI6v 8X "TI':'" P S Kali man. reo. K~n P.
Au~hololl. Graec. I 126

Au der Kirche du hl. Apo.~el. Tholll •• 1111 AIII.u~lo.. ler'cl

Mitten im brauaenden Meer, im Kampf mit den rollenden Wogen,


hut du, AmantiOl, Gott dieaea Gebiude erbaut.
Weder der Süd noch der Nord erschüttert dein heiliges Bauwerk.
hier dieaee göttliche Haus hAlt 811 für immer in Hut.
Lange noch mögoat du lebenl Du hast, in die Wellen dich stürzend,
ja dem erneuerten Rom höhere Schönheit gebracht.

Au der Klrohe dei hl. Theodoro. 1111 Sphor":lonlertel


Flammenentflohn ließ die Kirche SphorakiOl dem MArtyrer bauen.
Anonym

Au deraelbeu Klrohe, lu dor dle.er Spruch gefuudeu wurde


Als du, SphorakiOl, lebtest, da gab Anatoliol gem dir
als dein Neffe den Lohn für die Pflege, und nun du gestorben,
dankt er dir weiter dafür; doch dankt er dir anders, indem er
in die Kirche, die selbst du erbaut, deine Statue stellte.

Au der Klrohe der hl. Apoetel bel der Klrohe du hL. Sergioe 1111
Horllll.de .. lerhi
Christus, der Könige König, mit lieben Werken zu ehren.
ließ dieses herrliche Heiligtum hier für Petrus und Paulus
JuatinianOl errichten; denn lIChenkt man Ehre den Dienern,
wahrlich, dann bringt man dem Herrn die Huldigung aelber entgegen.
Hier liegt für Seele und Auge der Nutzen offen zu Tage:
Jeder mag mit Gebeten erhalten, wu er benötigt,
und lieh erfreuen zugleich am Glanz und der Pracht des Gebäudes.
Anonym
116 Aa~bololia Graeoa I

o
Eis TOll IIaoll 'ToO drPXayyO.ou '" B08phl'TCj)
Kai TO& o'(;)v lCalla-r(,o)v 'lTavaolSlllov Ipyov tnIx&r!,
r.",,&SIE IV.VT61l1)TI· o'v yap 'lTEpIKaA~ta v1)~w
~llCils O'TpaTlf'jS a1)Il&VTOpos avns 1&I~as.
I 'II'aIIaOISt!.- p. em. 0 I Trppdrall P em. WaIt&.

10
EiS TOll IIaoll TOO 6ylou I1drPTUPOS noAullinou
EVSOK(1) Iliv &vaO'O'a, Seov O"ITE\JSovaa yspalpElv,
'lTpc.:,TT) V1)OV tnv~& 8ao,paStos no~veVlCTOV'
äA~' oV Tolov tnv~e Kai OV T6aov' 00 TIVI ,uSoI,
OV 1CTI:a-r(,o)1/ XaTtovaa (TIVOS jXxO'IMla XaTltEI ö)
äXA' Ws 8vpov fxovaa 8Eo'ITp6lrOV, 6Tn Ylvte~TlI/
ICaAMI'fIl1 &8avtav 6i.tEll/Ova K6allov lnr&tEIV.
fv8rv 'IOU~Icm\, t~(,o)V &iJ&pVYJ.ICX TOk1'\(,o)V,
mpaTOV ~ ICEl\I(,o)v ßaO'l~t\lov atlla ~oüaa,
IAmSas OVK l'fIlVO'Ev 6:PIO'Tc.:,SIVOS 6:v&O'O'1)S,
äXA& IlIV ~ ßaloto Iliyall Kai TOtOll lyrlpel, I(
ICÜSos 6:e~aaO'a 'lTO~VO'Kt\'ITT~1I YlVITt\~\I'
'IT&lITa yap, wO'a TlAEaaeIl, IhrtpTlpa TIÜ~ TOICt\"'I/,
6p&i11/ manl/ fxovaa ,tAoxplO'TOIO IIfVOlvllS.
Tts yap 'IOU~I<XViI1I o\nc hl\lfV, 6Tn KaI cxIiToVs
eVKall6:TOIS IpYOIO'lV laUs !pCXISpvvr TOKf'jas, 11
eliaeß(1)S äAtyouaa ö 1l6VT) S' ISp(;)TI SllCalCj)
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An\hologla Or88oa I 127

An der Klrohe dei Erzengel. ()(Iohael) 10 Bothrep\on


Wahrlich, auch dies deiner Werke ist, kluger Gennadi08, würdig
jeglichen Lobes und Preises. Du hast für der englischen Scharen
waltenden Führer den Tempel voU strahlender Schönheit geschaffen.
Anonym

Aa der Klrohe dei hl. MArtyrers Polyeuktol


Fürstin Eudokia ließ zu Gottes Preis eine Kirche
für Polyeuktoe, aus welchem Gott aelbst sprach, als erste erbauen;
doch Dicht so schön und so groß; Dicht. daß sie zu spa.rsc.m gewesen
oder an Geld es gemangelt - was könnt einer Kaiserin mangeln? -
sondern es ahnte ihr Geist prophetisch, sie werde ein Kindlein
einst hinterlassen, das besser als sie zu schmücken verstÜDde.
Spiter trog JuUane, der Lichtstrahl göttlicher Eltern,
die das Kaisergeblüte als vierte von ihnen empfangen,
Dicht die Hoffnung der Fürstin, der Mutter hoohadliger Kinder,
sondern sie formte die Kirche aus Kleinem so mAchtig und herrlich
und vermehrte den Ruhm der weithinherrschenden Ahnen;
denn in allem, was stets sie getan, übertraf sie die Eltern,
treu den Glauben bewahrend in christuaUebender Seele.
Denn wer wüßte es Dicht. daß Juliane mit ihren
stolzen Werken sog&l" noch die eigenen Eltern verklA.rte,
sie, die Fromme! So schuf sie allein mit edelstem Sohweiße
für Polyeuktoe' ewigen Geist eine würdige Stltte.
Immer verstand sie 88 ja, die tadellosesten Gaben
aßen Streitern des KöDigs im Himmel als Spende zu reichen.
Überall künden die Linder und künden die Stldte, sie habe
mit ihren herrlichen Werken den Glanz ihrer Eltern gesteigert.
0, wo kann man nicht schauen, daß Juliane die schönsten
Kirchen den Heiligen baute! Wo kann man die Spuren von deinen
gottesfürtlhtigen BAnden, von deinen alleine, nicht sehen?
Wo ist das Land, das Dicht es erfuhr, daß stets deine Seele
voll von Frömmigkeit ist! Der ganzen Erde Bewohner
preisen im Lied deine Werke, dran ewig die Menschen gedenken.
128 Antbologla Ora.oa I

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005 qJVaIS all61'\aaaa llfaolS Iv! ß4116Ecn 1ThP1\S
Authologla Graeca I 129

Wahrlich, der Frömmigke.it Tun bleibt nimmer verborgen, und niemals


Illeoht die Vergessenheit aWl. was treffliche Tugend geschaffen.
Wie viele Stätten, drin Gott m3.n verehrt. deine HAnde erriohtet,
weißt du selbBt nioht einmal; ioh glaube, du, du allein Bchon
hast auf der ganzen Erde unzählige Kirchen gesohalfen,
da du immer die Diener des himmliBchen Gottes gefürohtet.
Wie sie die treffliche Spur der Eltern in allem verfolgte,
a1ao schenkte sie auch einem ewgen Geschlechte das Leben,
ist Bie doch immer der Frömmigkeit Weg bis zu Ende gewandelt.
Drum, ihr Diener des Königs, der oben im Himmel gebietet,
denen Bie Gaben verteilt und denen Bie Kirchen erbaut hat,
nehmt sie gnldig in Sohutz, Bie selbst mit dem Sohn und den Töohtern.
Möge unendlioher Ruhm dem edlen Geschleohte der Fürstin
bleiben, solange die Sonne im feurigen Wagen dahinzieht.
Am Blugaug denelbeu Kirche au der AuBeueite dea Narthes
uach deu Apaideu &U
Weloher Chor wohl genügt, Julianes Werke zu preisen?
Siehe, nach Konatantin, der sein Rom 80 köstlioh geschmückt hat,
nach Theodoaioa dann, dem goldenen, heiligen Liohte,
nach dem gewaltigen Stamm 10 fürstlioher Ahnen hat diese
nun ein erhabenes Werk, des Geschlechtes würdig, in wenig
Jahren vollendet, sie hat als einzge die Zeit überwunden,
hat übertroffen die Weisheit des ruhmvollen Salomon, da sie
haute ein gottempfangendes HaWl. dessen kUDltvolle, lichte
Schönheit ein ganzes Jahrhundert genug nicht zu preisen vermöchte.
Sieh, wie es aufwärts sich hebt aus tiefgewurzelten Gründen,
hoch sioh sohwingend von unten, die Sterne des Äthers verfolgend I
Wie fIII 80 breit sich dehnt und streckt von Morgen nach Abend,
wAhrend in PhaethODl Lioht 10 hier wie dorten die Seiten
un&Ul8preohlich eratra.hlen I Und unzerstörbare SAuten,
stehend auf Siulen zur Rechten und Linken des mittleren Ganges.
tragen den funkelnden Glanz von der goldenen Decke der Kuppel.
Hüben und drüben erschließen Vertiefungen sich zu Apsiden
und entbinden des Mondes beetändig wechselnden Sohimmer.
Gegenüber die Wände umfaaaen auf endlosem Pfade
einen Gürtel der prächtigsten Aun aus marmornen Platten,
die die Natur tief innen im Felsen hat aufblühen Jau,m;
130 ADLbololla Ora.oa I

ciyMd1'\1I fKMrrrI, e.oo 5' ~AcNaI \lEAQepoIS


M)poll 'lovAlavi\s, tva eicncEAa !pya nMC7<71J,
~pa\lTOIS KpCX511'\S wo \lEVI.I~at TCXÜTa KCXI.IOOaa.
TIS 5e cpipClJII 6001/ 'XI/OS hrt ~ecpvp1'\l5as cxOpas
~I.I\1Ol1'6AOS aOfI1'\S, iKaToII ~Aecpapolat 1ITITOI&~,
TO~I b<anp&a 1I'OAVTpotTa 5t'tvea TixllT\s.
ol\COII 166>11 Ac!qmollTCX, mpl5pol.lOII, c5:AAOII hr' c5:AACt',
M' tva tcal ypacpl6C!JII 1&p6)11 \nrtp 6vTvyos ~A~ 70
lanll ISetIl l.Iiya 6aOtJa, 1I'OAv.,pova KClJvaTall'\i\lOlI,
1T(Z)s 1TPOfVYWII .t6C!JAa 6&rt1.l~OIl !a~cn AVaaav
tcal Tpla60s cpaOS EUp(EI/) Iv 06aal yv1a \Ca&t'\pas;
Tolol/ 'lovAlavt't. ~ I.Ivploll 101.1011 ~&AClJII,
f\1IVaI TOOTOII c5:E&AoII VrrEp \fVXi'is ysll&Tl'\PC/J1/ 76
\Cat acpE"ripov ~16To10 tcal 1oaa.,.t\IC!JII KaI t6\ITC!JI/.
. . . 'Il'OO JM. 06 111: lIivoucnv aplCnl1RWTa tIfxpt ~ crfuaIpov Incn 'InV"RIICOOIoI
.. TaOta • Iv ~ lIait\ Mo8Iv IIW).ctt 'IrIpIyp6IfovTcn It "'lOÜS SLembaoh -:-s
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.1 add. P: ~ den 'Irl\ICIICIS,1v olS [41 P] TaOTa 'lTlplYpöpovna 6vc!I crrlXOUS
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ypcnrnn TaOTa. " TIMc7cnJ Jao. -a6f5 I8lh'lIllCl Jao. 1.IIllCl 11 oTICOII 8' P em. Jao.
TI 'AVtnCIII 0 1.fl&rJII pI TS 1ÖP(1II) Jao.

11
Eis TOUS cltylovS •... IIClpyupOVS TOUS ds Ta BClcu1.lalCov
TolS aalS &&parrovatll t'l8epamxtva 1Tpoacpl!PC/J
lDfla Tl! M\poll. XPIan, 1Tpoa6l!xOV Tä aa
Kai T~ ~aalAellJOv I.llaeOI/ 'Iova-rll/~ 5160v
I/IKCXS hrl I/IKaIS tcaTC!c v6aCIJI/ Kat ~ap~apCIJI/.

12
Eis TillI cltylClII E6,,,,,IClII TillI '01.vjtplov
EII.II 66I.1OS Tpla60s, Tplaat'\ Si I.IE TEO~ yerieA1'\.
1TpW-rrj tJEII 1I'OMl.lovs KaI ~ap~pa cpOAa cpvyoOaa
TlV~aTO tcaI 1.1' äv~1<I ea~ ~ClJaypla tJ6X&ClJI/
8N6oaIov evy~p E~60~la- b< 5i I.IE I<EIIIT\S
ID.atct511'\ K6atJ1'\C7I aVv ~laT~ 1TapaICOIT1J-
Autbololla Oraeo& I 131

dooh aie verhehlte den Glans, ihn wahrend f'üra Heiligtum Gottes
als Julianee Geechenk, daß göttliche Werke sie schüfe;
und sie vollendete sie, da rein war der Wille des Herzens.
Welcher Säuger der Weisheit, vom hurtigen Bohritte zur westwärts
blickenden Seite gebracht und mit hundert Augen gerüstet;
faßt wohl die Fülle der Stoffe, die rings die Kunst hier geschaffen,
wenn er zwei Bauten bemorkt, im Umkreis, übereinander!
Kann man doch dort in der Wölbung des Narthex ein mAchtigea
heiliger Bilder erblicken: wie Konstantinoa, der weise, [Wunder
ßieht vor den Bildern der Götzen, das gottlose Raaen beendet,
rein wird im Wuaer und endlich das Licht der Dreifaltigkeit findet.
Siehe, so hat J uliane nach zahllosen anderen Werken
dies auch vollbracht für die Seele dor Eltern, fürs eigene Leben
und für das Leben der Menschen, der MeMChen von heute und fürder.

Au der St. Auarl1rolklrabe Im Ballll.kolbesirk


loh, deine Dienerin Sophia, bringe dies
als Gabe deinen Dienern. Nimm das Deine, Christ,
und schenke meinem Könige Juatin dafür
Sieg über Sieg ob Krankheit und Barbarenvolk.
A_ym

Au der YOU Ol1brlol lu"'teteu St. Bupbemiaklrobe


Bin der Dreifaltigkeit Heim, mich aohufen drei Menaohengeaohlechter.
Als Theodoaios' Tochter Eudozia Kriegen und wilden
Horden entronnen, da ließ sie als erste mich bauen und weihte
Gott mich zum Dank für die Rettung aus FAhrlichkeiten; nach dieser
zierte Plakidia mich, sie aelbet und ihr aeliger Gatte.
132 Anthologia Oraoo& 1

el !W lI'OU dryi\atllS hreSeUno ~ 111&10,


Tilv& 1101 6~10&>p0s Vnip 11an'!IU1S yrW'rl')fXo)II
~II 'lou).KXII1') Kai \nripTaToII c:nrClOE ac080s
I11lnpl Kai yrllh1:l Kai ayaacMl I1'lTp\ TIKOIicnls,
KOaIloII 6I9'Iaaoa lItWxhEPOII EiS 111011 fpyo". 10

.1 IIS _ '1cJa' 11 afcnllOV IP'YO" Jao. Is wa' lvtpyoO Lumb.

13
Eis TlI" a6TlI" "all" b60ftlll TOO 1T.pI6p6110U
KQUos 1)(011 Kailfp60GEII tm'!pcrrOll, äÄÄ' trI\ lJOPfi:i
Ti5 lfplII .'ariptJII 11011 ).&)(011 ay).at'lll.

l'
"A).),o

OOTw yf'\pas 111011 \lETa I1'lTipa Kai lIITc!i Tfleil 11


~II 'IOU).ICXII1'!, Kai Woll civ80s 'xw.

111
"A~~o

'HII 6pa KaiKäÄÄOUS rn ICäÄÄI0II' NT' lI1011 fpyo",


acalnp\II 1011 lI'EpllIUOTOII, 6016111011 's X86va lf&rav,
ay).afTlS lfpcnipt)s 's Vtrip'npoll ilyaya KQUos
T6aooll 'IOV).ICXII1'!, c5a0ll &rrpaalll avn..pl~III.
I: mI TaOTa Iv T/j\ va/j\ Ti\s &y~ IIÖP'NPOS ~aalas Iv TOIS 'O~ußplou.

18
"A~~o

AVn'lII IpY0lI611OIenll m.lfIIElouaall &PWyfJII


.IX.II 'lou).I<XIriIllIXpTupa \IflOlI6).Oll·
Wnvn yap T01611 TE TOOoII T' 1Ü6cd6a).oll fpyo"
ill/UC7III, o{tpaviTlS '"lIMoII ay).afTlS.
I DOY1UD Jemma ~ adcL P.
Aatbologla Graeoa I 133

Waa meiner Sohönhelt aodann an weiterem Glanze noch fehlte,


hat Juliane voll edlem Sinn, ihrer Eltern gedenkend,
treu mir gegeben und hat den Ruhm von Vater und Mutter
und der erlauohten Mutter der Mutter aufs höchste gesteigert,
mehrend an meinem Gebiude den Schmuok der früheren Tage.
Anonym

Aa der glelobea Klrobe, laaealelto der Galerie


Liebliohe Sohönheit beeaß ich auoh früher aohon, jetzt aber fand ich
zu der frilheren Pracht einen beaonderen Glanz.
Anonym

Ela .adorel
Also ern"uerte mioh naoh Mutter und Mutter der Mutter
Juliane: verjüngt lteh ioh in blühender Praoht.
Anonym

Ela aaderel
Sohöneres pba also noch alI Schönheit. War dies mein Gebiude
früher Ichon weit auf der Erde umher berühmt und besungen,
hat Juliane ihm jetzt noch stolzeren Glanz alI die alte
Schönheit gegeben, 10 sehr, daß nun es sich mißt mit den Sternen.
Anonym

Bla .adere.
Sie, die Mirtyrerin, der Kirche Beechiltzerin, leiber
half Juliane, des Baue SohaJfnem den Geist zu erhöhn.
Nie hitte diese allein IOloh wunderbares, IOloh lohönes,
großes Gebiude voll Glanz himmlischen Lichtes vollbracht.
Anonym
134 AnLbololia Gra80a I

17
"A'-'-o
O\nctn &aupa~EIS 'll'po-ripc.>v KMOS' o\J Sul! UxIlTlS
EVxOS Iv 6Ifny61101S M'II'ov Wrnnov, 6aacht6v 'II'Ip
KÜSOS 'lov"lavi\s 'II'IVVT6q>poVOS, " XaPIV (pyCo)V
apXEy6VCo)v vlKTlO'l! vo1'\llCXTa 'll'avaofCX CPCo)TWV.
I 06: 01 SLadms. I DOY1UD lemma ~ add. P.

18
EiS 6:KoülhTOV, Eis Ba1\v

Tijs ayaei'\s &ya6Os I1lv tyw lt\'1Mos 'Aya60vIKTlS

P..L I ...a.iUJII , _am reI. P.

19. KI\AYAIANOY
Eis Tbv CJCo)Tf\pa
YW 'll'VpOs 6!vaolo aocp""v c:,STva cpv'-&aawv,
~(XIWs K6a1.1010 'll'cV.IVSIIITlTOV dtv~v,
Xplcrri, 8Iopp1'\T010 ~Iov cpvaI~OI 11'11y1'\,
'll'aTpOs dtattlJlMoIO 8Eoii 'll'pc.>T6cnropE cpwv1'\,
as IIITIlI I1I'\Tpctx..>V TO\CITWV tyKUpova cp6pTOv a
KCXl y6vov aVroTlMaTOV &wl1q>EVTWV öl1Ellalwv
aT1'\aas 'Aaavp11'\S Ylwi'\s rnp6cppova Maaav,
6pyta S' d~~v IClve(;)V ~vvpa "Was.
aletpos &PCP1~1'\1CCIS Icp' hna~Co)\I01I 6Xila.
~IKals 'II'T1!pVyiaalll Iv dtpp1'\TOlaI 6aaaawv, 10
v.a&I, 'll'a)')'Ellhao 9100 'll'pEa~1'\lov &I111a,
cppovpi ~Iov, a&mp IIIp61rwV, alwvos cb&aawv.
I: WTos 6 1QauB\cw6s Icnw 6 yp6:IfIas T6: riTpta TapooO, 'Avar;~, BflPÜ'OU,
NllcalCl'$. - I IlIoPP1\WIO P'-püTOIO 0 II!nGJao. ~ "AcruplllS P.
An~bologia Oraeoa I 131S

Ein anderes
Wahrlich, nun staunst du nioht mehr ob dem Ruhme der Alten; ihr
[Sohaften
hat ihnen nie bei der Naohwelt soloh leuohtenden Namen errungen
gleioh dem Ruhme der klugen J uliane, die heute durch ihre
Werke die weisen Gedanken der Menschen von einstmals besiegt hat.
Anonym

Anf einem (ronden) Se .. el in Bai


Bin der vortreffliche "Kreis" der vortrefflichen Agathonike

Trophim08, MArtyrer, dir Heiligem weihte sie mich.


Anonym

An den Erlöser
Du, der den weisen Schoß des ewigen Feuers behütet,
der in des Weltalls Wirbelgesetz du stiegest, 0 Christus,
lebenspendender Quell des gottgesprochenen Lebens,
erstgeborenes Wort von Gott, dem unnennbaren Vater,
du, voreinstens die Bürde im Leib der gebärenden Mutter,
selbatvollendete Frucht der Brautnacht ohne den Gatten,
du, der die rasende Wut des a.ssyrischen Volkes beachwichtet,
der die falsohen Mysterien der eitlen Götzen verniohtet
und den aiebenzonigen Halt des Himmels umwandelt,
hingetragen von Engeln auf unaussprechliohen Flügeln:
sei uns gnädig, ehrwürdiges Licht des allschaffenden Va.ters,
Hüter dea Lebens, du Heila.nd der Menschen, der Ewigkeit König.
KlaudianoB
136 Antbologia Oraoaa I

20. TOY AYTOY KAAYAIANOY

•Ap-nfCXWs, 1r'OAooOxe, 11"w.myeWs, uD lIEOyW,


alb '~II 11"poEt:lll "Te, ömp-rCXTe, W'Tan, Xplrn,
äealllrrolo 11"aTp6s "TE 0110XPOW, 11"al11Tall 011011.
I: ds "TÖll1Iro-Ir6n!v XplCI'T6v. - • wo'AttJOxI P em. Jao./II11OT'riJeep. IIt:w excdC:W P.

21
Eis T6v a(,T6v

nat. yipoll. alt:lIlWII 1fPOYEIIiaTEpI, 11"<XTp6s 6pfl"I~.

22
Eis T6v a(,T6v
naTp6s hToupaIIIou Mye 11"avaOfl, ICOlpaIII KOapou,
o ~II yellrllll Tll1itaas ElKO'" aeto,
O"tIII Xaplll c5:1111111 c51Ta~E Kai ö"~lo6wpo" apwyf",·
EIs ai yap ElaopowCI'III .11 1'-11"10111 61111<XTa 11"aIlTWII.

23. (MAPINOY)
Eis T6v a(,T611
•AealläTOv 11"aTp6s vt! avvaxpow. Kolpaw 1TaIlTWII.
al8eplwII ~II. ElllCÜJwII. xeolllwII.
6pwl TE~. TCf) Titv& ~1~AoII y~\ITI Mapl~,
6ös Xäplll NmiTJS KaI AO)'lKflS C70fITJS.
alarlno tribnlt J ao.

EiS T6v a(,T6v


Ivv9pow Kai ClVllävaPXE TE4> 11"aTpl 11"1I&Ü\.IaT1 T' 10&'-4>,
OIXO!dIlWII 611TWII "TI Kai Wao!dllWII ~atMVWII,
T4I TaOTa y~ -m'JII Xäplll aVr6s Ö11"a~OIS,
6fpa KE ai)s ~flat tcaMls ~Iov 0111011 66No1.
Anthologl& Graeaa I 137

An denIeIben
Himmelaherr, ebenerachienen, Uralter, jüngst erst geboren,
Ewigwährender du, Vorzeitlicher, Höchster und Letzter,
Christua, dem ewigen Vater gleiohaltrig und gleich ihm in allem.
KlatulÜJ1IOI

An denIeIben
Kindlein und Greis, Vorzeitlicher du, gleichaltrig dem Vater.
Anonym

An deDielbon
Himmlisohen Vaters allwissendes WORT, du König des Weltalls,
der durch sein Bild der Sterbliohen Volk zur Ehre gebracht hat,
gIb uns Gnade und sohenke uns segenspendende Hilfe I
Siehe, auf dioh hin blioken voll Hoffnung die Augen von allen.
Anonym

An don.elbon
Sohn. der an ewigen Vaters Unsterbliohkeit teilhat, Allherracher,
Walter im Himmel und Meer, Walter auf Erden: verleih,
daß dein Diener Marinoa, der dieaea Werk hier geaohrieben,
herrlioh zu reden und stete weise zu denken vermag.

An doneelben
Throner mit Vater und Heiligem Geist, du Ewger mit ihnen.
Herr ob den Wesen, die tot lind, die leben und fürder erst werden,
gieße du selbst deine Gnade auf den, der dieaee geaohrieben,
daß er mit deinem Willen den Lebenspfad glücklioh durchwandle.
Anonym
138 AD~hologia Graeoa I

16
EIS Tbv a6T6v
Xplcrri. &00 O'oq.IT'I. KOa\1OV 1lE5iCAl" Kai d:"aO'O'CAl".
1I1E'riPT'1" -rO 1fCxpol8E '11'~ IJEPO'I1"I1ISa f\h'-1'l'"
56s llE 8UIV ~Iov 011010" I" \1l!1TipatS l'fIITlIi5at.

Je
EIs Tbv a6T6v
'Y1fl11olt5CAl" 9toO vii. fCXEO'cp6po" 6:151011 .,ws.
cn'\" \101 6'11'a~ XapIV KaI 110" Kai mlTa Kai aill.
Ws 'ITp08O.Vj.lVO" ioüaaII 6TCf) KaI c5TnJ KCXTCX\IEVcmS.
I paf. S~~m.~. S 6wav P em. Jao.//6Tct' Jao. oiITc,).

27
EIs Tbv a6T6v
naweevts vii &00. Xplcrri. 'I1'poavapX' arraVTCAl".
'I1'äO'IV nl'lXeo"lolS O'c.m;pla v&IoIaTa ~,-vtCAl".
IoITlTpOs mlpoylq.tolo TEijs '-1'fi<.)" hrcxKo\K.)".
0"1\" XaPI" ~IoIIV 6'I1'a~ Kali" IoIveolS Kai Iv (PYOIS.

Ja. (MAPINOY)
EIs Tbv a6T6v
Xplcrri. e,oo 0'0,1'1. 6'11'aao" Xapl" Mm&CAl"
TO.&ao".
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lkriDo tribuit J-. - I x6pnl ~ P - . St.adUD. I X'fIGI P _. J-.
AD'llololla Oraeoa I 139

AD deDlelbeD
Christus, Weisheit von Gott, du König und Walter des Welta1la,
der du in einstigen Tagen uns sterbliche Völker gesohaffen,
laß mioh die PCa.de des Lebens nach deinem Willen durcheilen.
Anmaym

AD deDlelbeD
Gottes hoohwaltender Sohn, liohtbringende, wAhrende Leuchte,
gieß deine Gnade auf mioh BO heute wie fürder und immer,
denn Iie ist fest und gegründet, wem immer und wie du sie ZUIIIopt.
AlIOrIym

AD deDlelbeD
Gottes allmIohtiger Sohn, vor aUen ewig Geweaner,
gießest die Tropfen des Heila auf die Irdiachen alle, 0 Christus,
höreat die Behenden Bitten der reinen, jungfrAu1ichen Mutter:
sende uns Gnade hernieder und segne uns Worte und Werke.
Anmaym

AD deDlelbeD
Chriatua, Weisheit von Gott, 0 gib, daß MarinOi su reden
trefflich versteht und zugleioh weise Gedanken beherrscht,
er, der hier dieaea Werk mit eigenen BAnden gesohrieben,
wehrend dem törichten Wort, lehrend zur Rede die Kunst.
(MtJri_>
ltO ÄDtbololla Gruca I

29
EiS T611 a6T6v· 1I0116CJTIxa
Xplrn. -m'Iv 'I1'pot~ XaplV ICCXll6:Tol'OIV IIIITo.
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30
EiS T611 a6T611
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31
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pliEo avl/TTlpoüaa arrl!l1Ovo KÖO\.IOI/ 4'I1'allTQ.

32
EiS T611 6Pxdlyye).oll M1xal'l).
'W5a TaAal'l1'a8iCl)I/ xpal'Ol11'tla etcncEAa KElTal,
fl SiIAQS fl Kpa61Tlv TlIPOIHVCI)V I.IEp6'I1'CI)v·
KCXI yap avla~ovaa 'I1'O\l(o)V qNcnS CXÜTlKCX ~
00110110 'Oov, M1xa1\A. fl TÜ'll'OV fl 6aMI10VS•
• J(paIIII'lIG P Am. Jao. 4 TVmw es Wwou P.
Anthologia Graeoa I 141

An denselben. Elnzeiler
a
Christus, gieße du Gnade auf meine Werke hernieder I
b
Christus wird künftig auch mir die Arbeit beschützen und schirmen.
c
Christus, 0 h&lte die hilfreiohe Hand ob all meinen Werken!
d
Christus, gieße mir Hilfe und reichliohen Segen hernieder!
e
Christus, 0 spende du selbst mir Gnade auf all meine Werke!
Anonym

An denselben
Seliger Christ, unser ewiges Licht, du Hoffnung von allen,
gib den darbenden Menschen da.s Gute und wehre dem Übel.
Anonym

An die hoohbeilige Gottesmutter


Die auf den Armen du trägst dein Kind, 0 Königin, Gottes
hochaUmächtigen Sohn, vor dem die Engel erzittern,
du, die sein Herz voll Huld für die Erdengeborenen stimmet:
schirme die ganze Welt und wahre sie gnädig vor Schaden I
Anonym

An den Erzengel Miohael


Göttliche Heilmittel liegen dahier für leidende Menschen,
ob nun die Schmerzen der Leib oder die Seele erfährt.
Denn die quälende Kraft der Schmerzen weioht, Miohael, eiligst
vor deinem Namen und Bild und deinem Hause hinweg.
Anonym
lÜ ADtbololla Oraeoa I

33. NEIAOY ~XOAAITIKOY

EiS IIdva TOO 6pXayyi1.ou


'Ws &paaV ~ Tbv eWWj.ICXTOv. ~a Kai ElKc:,V
ls vorp1'Iv cDaytt 1lvi\CTT1v hroupavfc.:lv.

34. ArA810Y IXOAAITIKOY


Eis Tbv a6Tbv 'v n),6T1J
-Acnc:onov 6yyIt\lapxov, aawl1aTOv d5e1llOPfflS,
a Iliya TOt\IIi1EIS, KT'lpbs ärmTMaaTO.
(1111T1S cMc 6x6plaTOv, hrel ~pcn6s ElK6va MVaac.:lV
~v 6:me\nm KpiaaoVl ~1J'
oUdn 5' ~p6aa).t\ov !xII atpas. ~' Iv lavT4\
Ti)V 'TVrroV tyyp6lflas ~ napE611T1X TfHlIIl •
6~ 5' 6Tpuvovcn ~v v60v' ol6e 56 "'XVfl
)(PWj1CIaI nop8llNacn ,",v 4ppIIvb$ ElKaCrlT'lv.
I-I Su1d••. ~. I L 6 4; 6 .•. lt1lP6s L ~ 11 c!rvmMIJ· Sald. I MIiocw ot
• ~ P em. Ju. • ~ PoweIIllClcrbl".

36. TOY AYTOY


Eis Tbv a6T6v
KaplKbs AII1It\lavb$ 'lc.:IavVflS TE aVv aVT4'l,
'Po",IVOS GlaplT'lS, 'AyaelT'lS 'AalT'IS,
mpaTOv, 6yyIt\1ap)(E, v6l1c.:1v t\~a t\ax611'TES,
cbeEaav Eis cri, p6Kap, ,",v ~v ypafl6a,
alTOOvrls Tbv Immx KCUJ)v xp6vov. ~a .,aIllIT'lS
D.1rl6as l&Vvc.:Iv laaollivov ~16TOv.
Lemma: add. I: iv T/j\ Iwcrecvlft).
Anthologia Graeoa I 143

Auf ein Bild des Erzengels (Miohael)


Ihn, einen Unleibhaften, zu formen! Wie kühn! Doch das Bildwerk
führt zu geistigem Schau'n himmlischer Wesen hinan.
NeÜO& 8clwla8lik08

Auf denselben in Plate


Ihn, den Unleibhaften, den Unsichtbaren, der Engel
Obersten brachte das Wachs (welch eine Kühnheit!) im Bild.
Doch willkommen auch dies; denn wer das Gemälde betraohtet,
führt seine Seele sofort aufwärts zu höherem Flug.
Nicht mehr schwankt sein frommes Gefühl; wer das Bild in sich auf.
Furoht erfa.ßt ihn, als stä.nd leib haft der Engel vor ihm. [nimmt,
Schon seine Augen erregen das Herz in der Tiefe: Wie sinnig
führt mit den Farben die Kunst Bilder der Seele herauf!
Agathias 8cholastiko,

An denselben (im Soathenion)


Aimilian08 von Karien, Rufin08 von Alexandria,
ferner Johannes sowie Asiens Agathias auch
weihten dir, seliger Herrscher der Engel, nachdem sie nun glüoklich
vier Jahre Reohte studiert, dieses ihr Bild mit dem Wunsoh,
daß ihr zukünftiges Leben voll Segen und Glück sei. 0 steure
auoh in der kommenden Zeit ihre Erwartung ans Ziel!
1" Anthololia Graflea I

38. ArA910Y l:XOJ\AITIKOY


EiS .IK6I/a 9.oli~pou '1>'>'ouoTplou KaI lils äl/8umhou, '" ~ Y'ypa.
WTal wapa TOO äPXayyt>.ou Ii'X611.IIOS Teils ä~las· .11
'E,toct!
"IAae, ~IS. äpxc!ryylAl· cni yap Ö'rrc.nni
&o1cO'lTOS. ~a ßpcrr(;)v S(;)pa 'TTO.ovC11 TaSe.
lle crio yap 9E68c..>pOS rxa tc.xrriipa j.la)'iaTpov
Kai Sis 6E6M1nI lI'pOs 6pövov aIl6V11'O:Twv.
TiW S'lIiyvwlJOCJ'ivrls ~ ypa,IS' IiIl"ipT}v yap
Xp6>l1aat 11111T}A",v all'TET\rrrwaE XapIV.
I: TaOTa w .~ yfypcnrral w T4\ väp8tJIa TOO e.o>.6you.

S'7
Eis T1'\V XPIOTOO y611VlloIII
IaAmyyss. crnpcmal. yala Tp4In. ~. 111'1 IIl'rrPT}V
lI'ap8eVIK1'Iv KCni!3T}S &vofOV 'XVOS (XWV.

38
Eis Tb a(,T6

OOpavOs ft tO:TlII'I. KaI oIipavoii flrkro IAEltwv·


olipav6s lpycxalT) T008e 'TTO.e1 ßpifEOS.
Lem_I.
39

Eis TOUS 1rolllbas Kai TOUS äyy'>'ovs


ElS xop6s. lv ~OS av6pw1I'Olat Kai &yyeA1WTatS.
oOvexEv ~ KaI 6EOs Iv ~VEV.

Eis T1'\1I XPIOTOO y6111111ol11


00pav0s ft t6:TIII'I. Kai oIipcxvoO flrkro IAEltwv.
OOVEKEV 6vmp 18eKTO 6\1C1~ mMV olipavlwvwv.
Anthololla Gr&eoa I 146

Auf einem Bild des Theodorol I1luatriol. der ... eimal Prokonlul
.. ar: darauf iet er darleatellt. wie er von dem ErzenleI (Miohaol)
lOine Amtnbaeiohen empfinlt: in Ephelol
Erzengel, nimm denn in Gnaden die Form an; dein Antlitz ist nimmer
aichtbar, hier liegen jedoch Gaben von aterblioher Hand.
Daß Theodoroa den Gürtel dea Kanzlers beaitzt, daß er zweimal
zu dem Prokonaulatuhl hingelangt, danket er dir.
Zeuge dea dankbaren Sinnea ist dieaea Gemälde: er drüokte
da&, was du gütig ihm gabst, treulich in Farben hier aus.
AgatAilu Schola,tileo,

Auf die Geburt Chri.ti


Blitze! Trompeten! EI zittert die Erde .•• ! Doch aIa zu der Jungfrau
SchoBe hernieder du atiegat, war er geri.uachloa, dein Schritt.
AftOftym

Auf dal Ileiohe


Einet ward die Krippe zum Himmel und war nooh größer ala dieaer;
hat doch den himmliaohen Bau selbet erst ersohaffen du Kind.
Anonym

Auf die Hirten and die Enlel


Nur einen Chor, ein Lied von Menaohen und Engeln vemehm ioh.
Fraget du weewegen f Weil Eine Menach ist geworden und Gott.
ÄftOftym

Auf die Gebart Chrieti


Einet ward die Krippe zum Himmel und war noch gröBer aIa dieser;
denn der, den sie empfing, war der Herracher der bimmliachen Scharen.
ÄftOftp
168 Anthologfa Oraeoa 1

41

Eis TOUS IIdryouS


ou.cm 6(;)p' 6vayoUUl IItryollNpl i1u.(~"TE'
flo.lOII yap fnv~ T6& ~pi~. Ws lNpbs cNy~.

42
Eis TO B'le~"11

~ixwao. B'l9i\&1I, all Tl'potellTe Tl'poqll'lTTJS taeMs


1~a9a1 MxWII flYOVIIEIIOII iK aoii äTr6:IITWII.
I n;.aea. P em. Jao.
43
Eis Tilv 'PClXI\~

TllM'I. ·Paxtv.. yo6c.xra mKpÖII KaT<!l 6aKpUOII e1jXtS; -


.:OAAVIll"'lll 6p6waa yovflll KCrTa 56:KPVOII e1~."
I yOwacr P em. Jao.
44
EiS TOll .IiClYYI~I~1I611

Xalpe. K6p'l xapleaaa. \.ICXI«XPTäTTJ. 6:,9opI WII''l'


via e.oo MxyOIIEO'C7I11 6:Tep Tl'aTpOs III~PVOII IfriS.

Eis TOV dr~wCI~1I6v

-EII808I yaenpbs fc:,11 C7KIPTfI\.ICXcnll EITrE Tl'~TTlS


aöll yO\IOII Ws ge6s lern. Kai {Il1Eae Tl'OTIIla IIt'1TTJP.
I Ihn Dear. II8e.

68
EIS Tilv üWClnl\v
n~. Tral8a 6txOIO•• A5c!q& Tl'poyeWa"TEPOII 611Ta,
6s C7I ~Iov ).UcrEI "TE Kai fs ~Ioll ~ITOII 6:~I.

I ~ücm 'fI Jao. MNmI [det.ad. Ke,delI.- 01. ~).


Aa&bologla Oraeoa I 147

Aal die Hagler


Keine Geschenke mehr bringen die Magier flir Feuer und Sonne,
denn dies Kindlein eraohuf 10 Sonne wie atrahlendee Feuer•
.,471O'/1ym

Aal Be&blebem
Nimm denn, 0 Bethlehem, den, von dem ein Prophet 80 treffiioh
sagte, er komme aus dir, um dmtliohe Völker zu führen.

Aa Babel
Bahel, weswegen vergießt du voll Klagen 80 bittere TrAnen? -
,,Beh ioh mein eigenes Volk doch vergeho; drum vergieße ioh Trinen."
.,471O'/1ym

Auf die Vertiladigaag


Heil dir, holdselige Jungfrau, du Glüokliche, Braut ohne Makel!
Siehe, du wirst in dem Leib ohoe Vater den Gottessohn tragen •
.,471O'/1ym

Aaf die Hehaeaolaaag


Der Prophete bekannte durch Hüpfen im Leibe der Mutter,
Gott sei dein Kindlein, und Beifall bezeugte die würdige Mutter.
AnOll""

Aaf die Beielaaag


Nimm denn deo K naben, mein Alter, ihn, der Bchon vor Adam geWeI8D,
der dioh vom Leben erlöst und i09 ewige Leben dich hinführt.
AftOIIgm
148 AD~bolollla ara.oa I

t7
Eh Tf\" ~6'1\'Tlcrl"
TTCrTpOs !trr' 68ava-rolO loI!ya ~IIOS i\"vIIE lfll&OlJ(X.
ul6s lml JXrmi~n' 'Iop&avov lrp.,1 fJ&&pa.
I lIiya o8ivos ~MI. pI JIIYGCI8Ms ~~u811 o.

.
Eis Tf\" IIlTcrIlOp,wcrl"
'A5c!q.J ~II ~O •••

FiDem 'I8nDI om. ~ apat.lDm a1ter1u "enu rot P.

49
EiS Tbv A6t;crpo"
Xplcn6s "'1' "TTp6J,lO'" c'l)5s", Kai ""'111'& MtapOS {t5'lv,
aVcxM~ I.lVl<Ti'\PI 'Il'aMvaoov äa6J,la KOJ,lltwv.

I ~ex6vclr~P.

60
Eis TO" cr6Tb" h 'E,.crc,
'f'vx.T\1I aVrOs mv~, 5tiJQ'S ~1I6 aüT6s.
A6:tapoll IK lIIlCÜwll fs .aos aVrOs ~I.

61. (rPHrOPIOY TOY 9EOAOrOy)


Eis Tb" cr(ryo"
ThpCrTOv ~IIGP 1'111, Kai M~apos Iypno ~.
Mipe Patr. Gr. 37, 494. - Ti~. om. P.
Antbologla Otaeea I 1411

Auf die Taufe


Siehe, voll StArke ersohien der Geiat vom onsterbliohen Vater,
als die Taufe empfing der Sohn in den Fluten des Jordan8.
Anonym

Auf die VetkliLtunK


Adam war .•.
Anonym

Auf Lazatul
"Komme hierher 1" sprach Christus, und Lazarua stieg aU8 dem Hades,
und durch vertrocknete Nüstern ging wieder beseelend der Atem.
Anonym

Auf denl8lben; in Epbeaol


Wie er die Seele gesohaffen, 10 hat er den Leib auoh gestaltet,
führt den Lazarua auoh her von den Toten zum Lioht.
Anonym

Auf den.elben
Siehe, vier Tage schon warens. a.la Lazarus wach ward im Grabe.
<Gregor tIOft Naziam)
laG

u
Eis Tl! Bafa
XaTpE. IIC:)\/ &Vyenap. Kai 5ipKEO XPICM'OIl ~\IQ\CTa
'ITw).rtI fq>E'OIlEIIOII Kai Is 'ITa6os alljIQ KIOI/Ta.
Lemma: add. J: i\TOW '"''' ~Of6pcw.

63
EIS Tb ntroXa
•AllIIOll rna\I<JI vOllOV Kat 6IoIßpoTOII (;)'\TaeJI BüIlQ
XPICM'Os. fWII IEpeVs. aVT6s fWII &val,!.

EIs TiI" oTaupCo>oll/


'W 'ITa60s. er, cmxvp6s. ~II f).cm'aPIOII allJCI,
'ITMillOlI flli'is 1fIVX~ 'ITäaa\l a-raa8a).I,!II.
I maet_ Jao. 1I'CI6W",
66
EIs Tb" aClT6"
napetllOV vlOII fq>,! TOll napetllOlI. 6:Uoll favT611.
t).a61. Ti'\s Ka6api'is 5tcmvra 'ITap8EvI'lS.

"
EIs TiI" 4,,4oTaol"
XPlcrrOs .wll e.os .IM mcus
f~ ~5ov 'ITQ\ITaS'
IlOÜIIOII & ~IYOIl6K1\PIOII I).).l1t'111 "AIS'!II.

67
EIs Tb" 411"b" TOO 9'00
't'vxfls b q>AI1lalll IIli'is ac.m'!ploll alllQ
QIlIlOÜ' 6).06pNWII. fEÜYI. Ill'\ ~ t81.
AD&bologla Graeu I 161

Aaf Palm.oDD&ag
Tochter Ziona, 0 frau dich I 0 sieh, wie Christus, der König.
sich auf das Fohlen geaetzt und raaoh nun zum Leiden lieb wendet.
Aftmlp

Aaf da. OBterlamm


Ab Bohuf ChristuB das Lamm des Gesetzes und weihte ein ewgee
Opfer, darinnen er selbBt Priester und Sohlachtopfer ist.

Auf die Kreualgang


o du Leiden, du Kreuz, du Blut, das von Leiden erlöste,
waeohe von Bündigem Fehl pnzlich die Seele mir reiD.

Auf (Cbrieh.)
Sohn der Jungfrau, ein anderes Selbat, 80 nannt er den Reinen.
Sei une gnidig, der du keullohe8tes Magdtum besitzt.

Auf die Aaferetehanl


SiLmtliche Toten hat Christus, der Gott, aus dem Hades genommen;
lebend nur lieB er zurück den mIlDSchenvertilgenden Hades.
Aftmlynt

Auf d •• Lamm GoHe.


Lammes beschirmendes Blut, ioh habe an die Pf08ten der Türe
meiner Seele getan: nah nicht, Verderber, - geh fort!
152 Antbologla Graeoa 1

58
EiS T~I\I 11'6KO" reseC:",
EIs lTOKOS ~IJßpov C)(EI, Mi<allTJ SpOaov C:maocv CXliTOs'
äßpoXOS CXliTbs ~SE' KP\m-re v0ct> Kpvq>la.
I /l6r Jac. C:>6r.

119
Eis TÖ" MCoIafl Kai Ils Til" 6vyaT'pa ~apa&;

Alyvn-rl" KpVq>IOV 'TE ßptq>as Kai tyyVeev OSoop'


ä lTp0'TVlToT IJOVVOIS roocßteaal i\6yov.
I 1.6yo" Boil8. -OIS.

60
Eis TÖ" a~T6". /In Tas 11'a;>.6tllas '~'Te"'l" Tp011'o(,Ile"os TÖ" 'AIla;>'1\1C
ITavpOq><XVWS TavVelS lTcV.alJas Tlvos EiveKa, Mooai'j; -
"Tc;>SE TWct> 'AIJcV.t'!K ~~\1Tal &1Jq>O'TEpas."
I MCoIO'TlT P em. Jao.

61
EiS TÖ" a('T6"
'PVeo at'Jv t6VIK1)V vVlJq>11v lTapa OSaal, Mooai'j,
VVlJq>(ov &lfievSoVs oOvetctv Wal TWOS.
I MCoIO'T)T P em. Jao.
62

Eis Til" KIIlCoIT6", 6Te Tc!1\I 'lopS6t,,'l" '11"paae"


AapvaKl XPvoc(ll (loos etKcxOeV' tha9I, Xplrn,
abs TW05 '" i\äpva~ TijSE }.oeaaolllvov.
I )(pvarl'l et I ;>.oeaa6lJwo" P em. Jac.

63
'E~ t6vwv Kai • Ayap. TI S~ äyyE}.OS: 1'1 TI Tb OSoop ;
t~ t6vwv Kai ty~' TOOVEKEV olSa TaSe.
I ol6a C ol&.. Pi.
Aatbolo,la Graoea I 163

Auf das Sobaffoll Gideoal


Nur auf dns Sohaffell regnete Tau; der füllte die Schale.
Hier blieb es trocken vom Tau. Birg dies Geheimnis in dir•
.AftOIIytIl

Auf MOles uad dio TooUor Pbaraol


Eine Ägypterin nah an der Flut und verborgen ein Kindlein:
nur für die Frommen besagt di_ prophetisch: das WORT•
.Anonym

Aa dealelbea, all dleaer durob AUlltreokoa der Arme d"a Amalek


la die Fluobt loblu,
MOI88, was 8tlecbt du die Arme 80 aus in Form eines Kreuzes!-
.. Riohtet die Amaleka doch beide zugrunde dies Bild."

An deaaolbea
Schlitz deine heidnische Braut an den Fluten des Waaeera, 0 MOI88,
du, der das Muster und Bild ehrliohen BrAutigama ist.

Auf die Buadellade, all .10 dea Jordaa überquerte


Siehe, es wioh der Strom vor der goldenen Lade. Sei gnIdig,
Christus, die Lade biat du, da du ins W&llller hier tauchst.
Anonym

Auf Ha,ar
Auoh die Hagar war Heidin. Wa. Engel und Waaer hier sollen!
loh auch war Heide, daher weiß ioh die Antwort darauf.
Anonym
1M Aatbologla Oraeoll I

M
EiS ToilS o' ,olvlltas .al TclIs I~' 1nly6S
'E'lTTclacl TcM &t1ca to1vIKClS. 6UOKCXI5o<a 'ITTIycis
XplcrroO T0<n7crrl(o)v lael 'T\irrovs häjx.)v.
I l1mDa u '11 P.

65
EiS T6v 'A~pa611

'A~lq.I ulbv 6yll 9va1'lv geCj)' 1M81. 'If01'lv


voOs 6pOq 8uaI'lv. fls 'T66e y~ Wrros.

es
Eis T6v M.AXICJlIU. 81800VTa T~ 'AfSpacllll olvov .al I!PTOUS
Mü.Xlcn6hc ~acnMO. IEpN. 6pTovs TE Kai olvov
~ Tls jc\)v 1Tapix.IS; - .:Ws
Wrros äTpnd'lS."
I ftIw Jao.lxwv.

87
EiS T6v 'AfSpa6l1, 6T1 011'18'~aTo T6v 9.6v
M~v Mä6e ~oOvov 'X'I gees' IioTEpov cxim
is 'Vcnv äT~ i\).u6&v &v6pollhlv.
J IIOIMIv P em. Jao.

EiS T6v 'Icracll •• al T6v 'laKcltfS. 6T1 ailT6v "ilA6y"criV


nvolilv ~v 61& 1TVIÜ)Ja, 54pas 54 ).axov 61& yp6wa'
EÜfpafViI mrripa voOs gebv EI~v.

88
Eis TI\V 'P'fS' .. av
NUJlfle \.IOVVOYlvis. W~'l levIKt\ cn ,lAoücra
KäTeopev'~ ÜIfIouS. awJ,lCrTOS o(J KCX6apoii.
Anthololla Grae .. I 165

Auf die 70 Palmen und die 12 Quellen


Siebenzig Palmen, zwölf Quellen; doch wisse, Sinnbilder lind es,
nehmen auf ebenaoviel Jünger des Heilands Bezug.

Auf Abraham
Abraham führt Beinen Sohn, um Gott ihn zu opfern. Welch Opfer
ahnt man, wofür dicBea Bild, gütiger Himmel. Symboll

An Melohlledek. al. er Abraham WeIn und Brote Ilbt


König und Priester Melchisedek, sprich, wer bist du. 10 daß du
Wein und Brote gewAhrst! - "Sinnbild der Wahrheit bin ich."
A_p

Auf Abraham. al. er Gott empfiDI


Gott hat nur äußerlich hier Gestalt eines Menachen, in wirklich
wahre MellllChennatur etieg er erst apAter hinab.

Auf Iaa.k. als er Jakob lelnete


Geist gab ihnen Geruch, der Buchstabe führte zum Felle,
gotterblickender Sinn wurde dem Vater zur Lust.

Auf RebC'kka
Briutigam, einziger Sohn, von der Höhe des UIIl'einen Tieres
sprang deine heidnische Braut ob ihrer Liebe zu dir.
1116 .\D'lIolo,la OraeGa I

70
EIS TiI" cr6Tf)"
T"M8&v oÖ)( ü6äTc.lv IlV"crmino 1T6Tva 'Pe~ilo<a,
W\.I,,,S l~ &ev~v oi'IvelCiv lern "IVrrOS.

71
Eis TiI" IWIIClYITI"
EÖ)(it 'EAtaaalov, ~l.ICIvht, 61S 1T6pev v16v,
1TpCrra I.tb IK yaOTp6s, 6e\mpa 6' IK VI1<Iiwv.

72
EIS TiI" IIIl).wTiI" 'H)'lou
ToO'ro 6tpas 1TpoMyet 6pvOv 6Eoii etvaca nävrc.>v
6v8pc:rn6)v t6)ilS Til6l1.oeacr6l.levov.

73
EiS TllY I1crlHIi XP10lIlIIO"
'Ev v4> I)(6)V 1Tttptt<a, 1Tcrri)p -rlvos IMve &x~16
0Ö'r0S. 61/ d~ b6ä6E xpt6\.IEvol/.

74
Eis Tb" TUOP},O"
()(iVOI.ta Til1T1l~ 'ECM'CX1.l.Iivos· ä1.1.a Tis IK TOÜ
Icrra1.Tat, voGtS, 6fPa TtMta ~1.rnotS;

76
EiS TiI" Icr1lcrpElT11I
OV "IVrrOS, &1.1.a geÖS Kai w\.I,IOS tv6a6e W\.I,,,II
a~tet, 'ri\1I tel/\la'lv, 06aTOS tyyVs 16wv.
Aa'bolo,la Graeoa I 167

Auf dle.elbe
Unfem der Wasser wurde gefreit die hehre Rebekka,
ist sie doch Sinnbild der Braut &U8 einem heidnischen Volk.

Auf die Buaaml\la


Zweimal gab dir Elisal Gebet einen Sohn, 8unamitin:
einmal raog er vom Schoß, dann von den Toten sich los.

Auf Eil •• ' Bobalfell


Dieses Fell prophezeit: fUr das Leben der s&mtlichen Menschen
taucht dereinst hier das Lamm Gottes ins Wasser hinein.
Anonym

Auf die Balbun, Duld.


Sohauer erfaßt mich, bedenk ich, als wessen Vater man David
einst bezeichnete, ihn, den man, du siehst es, hier salbt.

Auf dea Blladoa


Zwar, der Quell heißt ..Gesandter". Doch weißt du. wer und von wem
denn ~dt ist, daß ganz licht es im Auge dir wird , [er
Anonym

Auf die Bamari'orla


Sinnbild nicht ista, sondern Gott; ein Brt.utigam ist es, der seine
heidnische Braut hier beschirmt, die er am Wasser erblickt.
Anonym
1118

7.
EiS TII" y611ol/
TN~ 11111 c!rrp0ic.3s 0111011 SEils· 6aaa ~ lCpV1m!I
~, EI XplaTOÜ 1T\IEÜpä a' lxiI, voHIS .
• 1TVIOp6 tI' Heoker 1n/IOtIa.

71

Eis Tilv xl'\pav Tilv TlIv 'HAlav ep'lfIacrav


B?utel D.cr1'lPt'! K&).ms Kerl KICTTT) 6MUpou,
IlIm6011 " X""P'l oIivaca mcrnll lxiI.
I ~ pi MlIfll'lPiI a em. Boia

EiS nhpov TIlI/ 6,,6crTOAol/


nalmo)II QpXllpNs nhpos 9Eoü apXllp""wlI,
6s SEoO fK 9WIIi'IS I},ACXXE TOÜTO ytpas.

79
EiS naO).ov TlIv 6,,6crTO).OV
na01.OS tmlllEloII aO.as OVpallOÜ 'SpaKEII 6\1TT)II,
~ 6:ntlpealou yalall rn?'laEII 61\'111.

80
Eis 'lw6vv'lv TlIv 6,,6crTO).OV
'ApxllpiVs 'Etiaolo llET)y6pos !K SEoO IImll
'I\"~OS 'lwäll"'lS, Ws SEils ~II 6 Myos.

81
EiS TlIv a\lT6v
KaI AWJoIlTOS 6:Kouae Myou Kai 'lritpa5E1I aUT6s
'l\"pWTos 'lwävIIT)s, Ws geils ~II 6 1\oyos.
Aatbologia Oraeoa I 169

Auf die Hoohzeit (&0 Kaaaaa)


Gott machte wirklioh den Wein; jedoch du Geheimnis dea Wunders
merkst du ent dann, wenn der Geist Christi in dir sich enchließt.

Auf die Witwe, die den Ella. speiate


Voll vom Öl ist der Krug und voll vom Mehle der Kasten.
weil die Witwe getreu sicheren Glauben besitzt.

Auf deo Apoltel Petral


Hochprieater über die andem Hochpriester Gottee ist Petrus,
der aus göttliohem Mund dieses als Vorreoht empfing.

Aaf deo Apo.tel Paalu.


Dafür, daß Paulus den göttlichen Glanz des Himmels geaehen,
goO er unendliohes Licht über dEIn Erdball hinweg.

Aaf deo Apoatel Jobaaae.


Bischof von EphelOl war er, der gottesgelehrte Johannee,
der Als erster von Gott sagte: "Du WORT war der Gott".
Anonym

Aaf deo.elbeo
Siehe, Johannes vernahm mit den Ohren die Reden des WORTES,
und als enter BOdann sprach er: "Du WORT war der Gott".
AftDIIY'I'
UIO Aothologia Oraeoa I

S2

EiS 'f611 a(,'f611


OOpavlllS CJOfI1\S 8Ecmprrts 5W1JCJ Klx"'a~
elmll 'I~, 6>s 9KIs ~II 6 ;\oy~.
Lemma: add. I: clrn'6cnoMII '1c.xMrr!1I.

83
EiS 'f611 Ma'fealoll
r~ 9EoO aapK&xn~ r~oxa eavlJQTa 1TallTlX
Mcrreal~ cn).I&ao1I1, hrEl ;\Im 5W1J(I nM)l/ov.

M
EiS 'f611 l\oulC611
'A8avarov ~IÖTCIIO nMafOpa fpYIJCITa XPICT1'OO
TrVKTIov 111 ;\ayOIlEC7Ul aa~ lriTr~ YI AOVK(%.
I 48aväTou Jao. 4to1 I MIr_' 68a Stad~.
811
EiS 'f611 Mcl!PICOII
00 KaT' hn,)wpllll1 AIyÜ'rmoll l1.).axl ;\a611
6pf"'l, lml ~1Ii'js MQpKov f8acTo ~.

86
Eis 'f611 aYIOII BaalAuoII
napealll'lll BacrlMI~ '1c..xUlIOv aoq»lll11 ,..
D.>.axill. laa ~c:,11 Kai Ta!). rpllyoplCj).
I rp.,yopl~ pi -6PIOS o.
87
Eis 'f611 aYIOII nOM/I,aplfOll
ObCTIp1l(o)1I noMllcap~, tI Kai 6pOIIOII apxUipii~
lax' Kai ärpEKiCo)S 1JCIPTVP11\S C7TItlrllOVS.
I 6 [- 6s] Bola. 6.
Antbologla Oruc" 1 161

Auf deaulbea
A1a Johannea den Fuß in die gotterfreuende Hauaung
himmlischer Weiaheitgeaetzt. sprach er: •• Das WORT war der Gott" .

AMnym

Auf KaUblaa
Sl.mtliche herrliohen Wunder der FleiIchwerdung Gottes beschrieben
hat MatthAue im Buch. uaohdem er das Zollhaus verlaesen.

Auf Luka.
Sämtliche Taten in Chriati uusterbliohem Leben hat Lukas
auf den Seiten des Buohes genau und verständlich geschildert.
Anonym

Aaf Karku.
Trotz seines Namens erkor das Volk in Ägypten kein Dunkel.
tönte von Markus ihm dooh louohtend entgegen das Wort.
Anonym

Aaf deD bL Ba.llelo.


Baailei08 erloate vom Himmel die Keueohheit und Weisheit
des Johannes - genau. wuuch auoh Gregor erloat.

Auf dea bL Polykarpo.


MitJeidig war Polykarpoa. er. der den Thron eines Biechofa
und des MArtyrertums KrAnze in Wahrheit besaß.
182 Adhololla Graeoa I

lIII

EIS TOll 6y,oll 6.0IlUa.OIl

Oüpalllc.>11 81aac.>11 tepaPXIKa TclyllCXTa ~lfIas,


IlOP'O~IIWII TI TVrrc.>1I KPV'IOII 116011 EIs ,aos IAKc.>II,
tC0)()(7~1I 1.oylc.>11 8EoTlpma 'l\VpaölI allinr'TlIS.

Cod. PIor. apud Baod. I 31 (plut. \" 11). - I kp6px.a P -6pxuca Flor.

1'19
Eh TOll 6y,oll NII,6~aoll

NIK6Mic.>II no1.liKap'll'OS 'xEI axes611, OVIlEICIII 61l'c.>


Eis CMoII 'II'a1.äI!as laxoll flollJC)TäTas.

110. IA$PONIOY nATPIAPXOY IEPOIOAYMAN


Eh KOpolI KaI 'lwo5<l1l1'111
KVfKt), 6KEaToplTlS 'II'allVTTtPTCXTa Ilflpa 1.ax6\1T1,
Ka\rrCj) 'lc.>allllT,), llap"T\lal 8Ea'll'EaloIS,
I~VlOS, ~M~II lfIV)(a1.yta IIOiiaOll ä1.v~as,
~ÖII 6J.tE1~IIIVOS "",115' 6vt9t)1CI ~1~1.oll.
Kali epiciles. 3,96. - 'nt...teL I, IMIca 1aTpoaof1C7TOO aplo. I Mx6vn 0 -Ta PI.

91
Eh 'louaT.II.avolI TOll paa.Ma '" 'E"aCfJ
'IOUCTTllllallÖII Kai flyaetTlII geost:>p1)11
CTriIfIell 'lc.>ällIl1)S XPlaTOÜ Iq!TlllocrVvalS.

U. (rPHrOPIOY TOY 9EOAOrOY)


'Eil Ka.aapElq ,Is TOll lIaOIl TOO 05<ylou Baa.~"ou

9HII &n XplaTOs tCMII ',' 61.Kasos IIl'VTOII Wvoll,


6.
TlTp1'lxel 8ä1.aaaa KVsOIllOT6Kolalll a1'lTaIS,
6E11J(XTI TI 'II'1.c.>"ri\peS ävlaxOll' ,,"EypEo, aWTlp'
611\ll1hlols rniq1uIIOII." 6va~ 5l KV.eu€,' &vaaTas
Anthologia GraeeR. I 163

An den hl. Dionyaioa


Hast die heiligen Ränge der himmlischen Chöre besungen,
hast den verborgenen Sinn der symbolischen Bilder beleuchtet
und das göttliche Feuer der weisen Orakel entzündet.
Anonym

Auf den hl. Nikola.u8


Nikolaus' Bild ist nahe dem Bild Polykarpos', weil beiden
immer die Hände bereit waren, um Gutes zu tun.
Anonym

Auf Kyro8 und Joha.nnea


Kyros, dem Arzte, der Höchstes erreicht, und Johannes, dem heilgen
göttlichen Märtyrerpaar, ward von Sophronios nun,
da er die Krankheit der Augen, die Qual seiner Seele, beseitigt,
als ein schwächlicher Dank hier dieses Büchlein geweiht.

Sophronio8, Patriarch von Jerusalem

Auf Ka.iser Juatinlan; in Epheaos


J ustinianos sowie Theodora, die göttliche, wurden
von J ohannes gekrönt, wie es ihm Christus befahl.
Anonym

Zu Kaiaa.reia in der Kirche des hl. Baalleioe


Einst lag Christus zu Schiff' im Schlaf, wie Natur ihn gegeben,
raub und hoch ging die See, durchwühlt von tosenden Stürmen,
siehe, da bangten die Schiffer und riefen: "Heiland, erwache I
Hilf uns I Wir gehen zugrund. "Da erhob sich der Herr, und den Stürmen
·M
chpe!li&lV 6IVEI10US lCal trol1CXTa, Kai '1V-E1I oliTo3$'
&aU!1cm 8i cppc!rtoVTO 9Eoii cpvalV 01 "lTape61mS.
• 1Amma: edeL I: ~ ~ TilIIIII)'6AI11' iu).1!crIav. - Mipe 37, G08 [- X]; u-nptio
.pud sm-c.ppadooeDaM inYOIIta (~Grigoire, R..... Inat.r. Pnbl. BeIg. 1909,184].-
AnoD)'lDO trlb. P, Oresorio M • l,' 6AK- M S c!nIlCJ)(01I 0 M c!nIlCJ)(01I Pi.

93
Eis T611 a6T611 IIa611
Zwoy6vwv apnG)v TlTpcx1<'TVos EI1C6va MVaawv
aeOI v60v "lTpOs 116Xeov lICoWIOV' Eliae~IT\S yap
1SpC.;ms 8E86aaw lxyl'\paov ls ~Iov o.tcEIV.
I ~ JBo. MVcn.w.

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Eis T#\II lCollI'lCJIII TljS ':'lupaylas eeoT6ICou
NEIiJ,Jacn 8wma[010 lIlTäpcnOl f\;\u60v 6p8IlV
ls 86110V äxpc!rvTolO lxI1wl1t'!T010 yvvcnK6s
ICEICMI1IVOI l1a6T\Tal ~t'!;\olalV aIY;\t'!EVTES,
01 \1iv &"1\"' lxvTo;\IT\S, 01 8' lamplolo yalT\S,
6UOl JI&O"TI~plT\S, hEpol ~vov 8' &"1\"' lxpIcTcj)wv,
81tilJllVOl K1"\&Oaal aG)11CJ TO awalK6crl1010.
• 1cnnp1010111 P em. Bo.... • CJCoI01CJK6I1OIO pi am. J.

95
'EIl 'E,lCJC9
Iol, l1cla<ap, IK aEo 8G)lCa, Tamp "lT6pes &!1l1lv 6p1l1.

96
Eis CJKljlrTPOII
TOÜTO yEpas ;\äxEV ta9;\ÖS ' AII4VTIOS, Ws JXxcnMll
rnaTÖS K;)v, XPlaTOV & 8tou&11JO"1V Ialvwv.
I e.oo 61'l0"III oorr.ln 8Iou61'lCJIII P am. Jac.
ADtbologla Or .. oa I 186

und den Wogen gebot. er zu schweigen, Wl\l &hsu glllluhah eil.


Doch die MAnner erkannten am Wunder aein göttliches Wesen.
(Ot-egor t10ta NaziaftZ)

ID de,.elbeD Klrobe
Sehend du Bild der vier belebenden Tugenden, treibe
selber dio Seele dir an zur Mühe; denn Tropfen des Schweißes
ob des Guten verstehen, zum ewigen Leben zu führen.
Anonym

Auf deo Tod der boobbeiligen Gottesmutter


Hoch von oben ersohienen, geheißen von Gott.ea Gebote,
in dem Hause des reinen, von keinem Makel berührten
Weibes die JUnger, bellatrahlend und ort einander sich rufend,
diP.80 von Osten herüber und jene vom L&nde des Abends,
andere kamen von Mittag und wieder andre von Norden,
um den Leib zu bestatten der Frau, die das Welt&ll gerettet.
Anonym

IDlobrUt aOl Bpbeaol


Was du im Krioge mir IOhenktest, dir, Seliger, h&b iohs gegeben.
Anonym

Aaf eiD Saepter


Dieses zur Ehre erhielt Amantioe, weil er dem König
Treue bewiesen und Christus durch Frömmigkeit Freude bereitet.
Anonym
UMI ADtbologia Gra.oa I

97
'Eil TfJ M1Ahll
N'lbs Iyw KV&lCrros 'loverrlllOlo &ocrKTos,
JCCXI 11' wenos ~, 6 ltCXp1'&p6s, 6 TplS wapxos,
6v8n0 ltCXI ~O'I;\fjl ltCXI vlb 'lTCX1lj3aaIM'jos,
'IOVO'TlJ/lall4', crrpcrnfjs IIY1'lTopl lTa~.

118
Eil Tli\ aUT{j> TÖ1T~

-EpYOJ/ bp~ mpllTVaTOJ/ 'lovcrrillOv j3aO'lMios


'IOVO'T1J/ICXJ/OÜ 'ti, ~aa9EIlEOS crrpanapxov,
MxIl'n'61l111011 aupcmi3alll t\pnp1\TOIO ~.
TOiiTO Kcl!pEII ge6SCt)pos cml511lOS, as
lT6;\1\I 1P11"
TO TpITOJ/ &Il'Iß~ß'lKlJ/ fxCt)1I VrraT1lISa TlIl1\J/. G

4 ~III 6pas 0 1I'OAM'lP'lS (') pt um. Gnpire.

H, (KYPOY)
'Eil T/II KloII' TOO 6alou äall.ilA Iv T/II 'AIIG1T"~

MEaO'T\y\Is yal'lS TI Kai OIipallOÜ tcmxTCXI &v!\P,


lTmo8EII bpwpivovs oU TPO~" lMl.\OVS.
TOOIlOIola IJiIl 6alll1\;\, ~~Ct> I\IIl&G!l1II 5' ipl~I\,
tXllla ~I~t:>aas KloJ/1 51x8a51Ct>,
AI~ S' ~poaIqr TP'cpnat tcaI &vaI1lO1II &1'I"l.
vUa K1lpUaaCt)1I Il'lTp6$ 6:mIPOY&llov.
• VitaeDuüella oodd. [v: R = Iv CNI/TÖiKtl: M = Metaplaruthi"), - I ... oüpavoO
om. va R M 3-6 • 1TCIVTQxo8tll V 1,3 R 1/6pIIÜ\IMIS P' V3 I( 3-3 S om.
P lpatiO reI. III/J11et IIIY~ add. Delebay. 1/ IIJI)IC;W V2 MI/Bi ~1r;TI V3 M
4 'ftÜXICI V3 R M I ),1114\ PV hpG9l5 rel./1 am.\JOIII PR 4val1IOIII VI( Suld. I. 4val1IOIIIS
• "fIPÜ'M'wII v I RM I, 2.

100
Eis NII),o" Ilovaxöv
NEI;\ov IJiIl lTOTallOto i>6os X66va 01& 'TI'O'rl~EIJ/,
NEIAov S' cN IlOl/aX0to A6yos ,pivas 01&11 lalllEIlI.
Lemma: add. I: TIW plyav '" 6atcTJTaT~.
Anthololla Oraeoa I 187

In der Helete
Bin die ruhmvoUe Kirche des K&i.sen J\J8t.m08; der Konsul
Theodoroe. der starke. der dreimal Verweaer des Fe1dherrn
war, er hat mich geweiht dem K&i.ser, geweiht auch des KaiIIera
Sohne Juatinian08, dem Führer ob almtlichen Heeren.

Ebenda
Sieh hier du herrliche Werk des Kaiaera Juatin und des großen,
ml.chtigen Juatinianoe, des Herrschen über den Heeren,
funkelnd von Blitzen, die zucken von Erzes unendlicher Füße.
RuhmvoU 8l'IIChufa Theodoroe. der treu die heilige Stadt hier
ringe WD8Chirmte. indes er zum drittenma1 Konaul geweaen.
A7I07Iym

Auf der Slale du hl. Daniel bel der Einfahrt in den Pontoe
Siehe, es steht ein Mann inmitten von Himmel und Erde
ohne Furcht vor dem Wind, der ihn von ringaher bedringt.
Da.niel wird er gena.nnt, wetteifernd mit Symeona Größe;
doppelt der Siule Schaft, drauf er die Füße gesteUt.
Er ernihrt sich von leibloeem Durst und ambroeiachem Hunger
und verkündet den Sohn, den eine Jungfrau gebar.
K~

Auf den K6noh Nello •• (den ,roBen A.td"n)


Wiaaen die Wuser des NeUOI, des Fluaaes, die Erde zu trAnken,
wiaaen die Worte des NeilO8, des Mönches, die Herzen zu wArmen.
A7I07Iym
11111 ADtbolo,l_ Graeo_ 1

101. MENANllPOY npOTIKTOPOI


EiS nipa'lll "GYOll Y11I6"IIIOII xplaTlallbll ICal "apTupl\aallTa
~II 'II'0p0s 111 nipcnJcnll lyt:> aKryos '1~~flTllS,
Eis 61.crlall lrn6-nJII D.'II'I5as 1KKpe1olÖOaS.
Eine 86 1TVpaOs 15<nrTa1l IIl1'\1I '11'01.111, ~Moll &pf'\~al'
~1.e. 81 Kai XPlaToO 1I'CXIICI'9Evios 6Epärrc.>I1·
1Cd~ 8' ~toeT} 8u\ICXIlIS 1TVpOs, ält.Aa Kai (1l1TT\S 6
IIIKTjIllIS "'KTjIl f)waa 8rtcnip'lll.

FHG " 238 [- 1']. - I 'laao!;lTI'IS I' S 'INp6s P ,"oy6s F.

102
EiS Tbv acnf!pa
'LI) 'II'allT(o)1I ~Iva (TI yap 'II'1.fo1l 6XA.o aE 1liJI'I'(o);)
tv 'II'allTEaa\1I Ü1TflpoxolI l~ol/Ollfl\l(o) ;
'II'(;)s cd Tbll
~ Si ~ IIßIfM cd Tbll o66A lIÖctl mp!).'11n'ÖII;
Lemma: add. I: tcal KÜPIOI/ I\\IGII 'l'IaoOv XPlaT6ll, TÖII ulbI/,'fOO &00.- Olympio-
dorua ad Plat. Gors. [N. Jbb. 111'8.128 (01&) et 532 (Olb)]. - Iteovo"l\_ P (,11110-
~ 01 I w~ ... cri: w. aa ". ~'I'GI"I 01- TlS III Myos ~1f'II aa Olh 1/
~ 01 ~ P [01. Empedool. 1,8: oOTa ~ ~q1I'Iä].

103

Eis öw'p8upoll olICou Iv Kul;IICCj)


MWIlE Illat.,ove. a6s aE lCa'riKTcrIII 'II'IxpOs 61aTOs'
(>Wa:ro yap I!all'TJS llE -m;S EkOs 61.~IOII oIKOII.
Lemma: add. I: crw81trros Gwb 'INp6s. - 1111 u: TI vel aa P.

1M
EiS TI\II 8t\IC'I1I TQv "UIjIGIlc.l1l Toii 6:ylou ,,6:PTUPOS 'AICaIClou \Cal
'A"I~GIISpOU

M&p-rvpos 'AKaKlolo 'AM~cltv8pov e' kpi'los


be6s. aWl1CXTQ ICIlTat, Tamp )(POlIOS 6~IOS 'löpe.
1 ICdTal: 01. 'ITtrilIJcn In 3, 2, tcN8na1 XV 31,1.
Anthologia Graeoa I 169

Auf .. inen persisohen Zauberer, der Christ wurde und den Märtyrer.
tod fand
Zauberer Isbozetes war einst ioh im Lande der Perser,
und auf verderblichen Trug war meine Hoffnung gesetzt.
Als meine Stadt nun vom Feuer verzehrt ward, da eilt ich zu helfen;
auoh vom allmächtigen Christ eilte ein Diener herbei.
Dieser erstickte die Macht des Feuers; doch war ioh besiegt auch,
ich errang einen Sieg, welcher noch göttlicher war.
M enandros Protelctor

An den Heiland, (unsern Herrn Jens Christus, Sohn Gotte.)


o du Höchstes ob allem - wie könnte ich besser dich preisen? -
ach, wie soll ich dich nennen, Erhabenster du unter allen,
wie dich preisen im Wort, der selbst dem Verstand nicht erfaßbar?
Anonym

Auf dem Türsturz eines HaUies in Kyziko8, (das vor dem Feuer
gerettet wurde)
Blutiger Bube, dich traf dein eigener bitterer Mordpfeil,
vor deinem Wahnsinn hat Gott mioh glüokliohe Hausung gerettet.
Anonym

Anf der Lad .. mit den Reliquien des hl. Märtyrers Akakios und dei
Priesters Alexandrol
Priester war Alexandros, Akaki08 MArtyrer: ihre
irdisohen Reste sind hier, von glückliohen Zeiten gefunden.
Anonym
170 AD'laologl .. Graea .. I

lOG
EiS E06ox(av. Tilv yuvalKa 9Eo6oalou ~aaIMCt)S

'H II!II aOf'll 5icnroIVQ Ti'\s OIKOVIJiVTlS.


w' EÜ<nßoOs IpWTOS flpe&taIJiVTl.
1I'äpEa-n SoU?", 1I'poaKVI/Et 5' lVÖS Ta~1I
~ 1rÖ:at1l 6:vepW'I\'Otat 1I'poatMIOvlJiVTl.
6 yap 6E&>tcc:ls TOll &pOlIOll Kat TOll y6:!.ao1l
'1i6VTltcEII ~ c!iv&pc.nrOS. &Uä ~ij SEÖS.
t«!rTw lI!v ~vepc.:nn~EII· i\1I 5'. ~ i\1I c!i1lW.
Lemma: add. I: TOO IJIICPOO.

108
'Ev T4\ xpuaoTpllcA(v't> Mal;aplvoO

-E}.al1\fIE1I 6tcTIs Ti'\s 6?,,8Elas 1I'6?tll


Kai Täs KOPOS i\11~?VIIE TWII 'llE\J5"yopwlI'
"O~aEII EVat~'ta. 'lTtmwtcE 11'?6:Vf\.
Kat maTtS cD8al, Kat 1I'?cmillmxt XaptS.
160V yap cNets XptcrrOs dKOlllalJiVOS •
?äinm 1I'pOs liIjIos Ti'\s ~pas TOÜ tcpäTovs
Kat Tas aKO'TItvQs alpiolts ävaTpnnt.
Ti'\s ela660v 5' Omp8E1I ~ SEla mJ?'"
CTr1l?'oypacpelTat Kai cp\l?a~ ~ 1I'apetllos.
c!i1lO~ 6t Kal1l'p6e5pos Ws 1I'?a\lOTp61I'Ot I~
aVII TOIS avl/Epyo1S la-ropoüIITat 1I'?'T\alOII.
taItc?~ 6t '\TQI/T0s oTa cppovpol TOO 6611QV
v6es, I106TITCXI. ~, 8vrt1l'OMt.
6&11 tca>.o\i!1EII xptCM'OTplK?tllOlI Woll
TOll 1I'plll ?axO\lTa K?ilaEc.>S xpvawW!1ov. 11
Ws TOll 6POllOII 1x0llTa XptaTOü KVplov
Xptcrroü 'TI I1'lTPÖS, XptcrrOK'lPWWII TWoVS
Kat TOÜ a~vpyoü Mtxait? 'rl\1I ElKOIlO.
• I.mma: add.l: TOO pryä).ou mWrrIou lMW9 TiIs 6poft\s. - .1 XptO'TOO Jaa. -öv.
Alltholo,la Graeoa I 171

Aaf Budokla. Gattlll deI Kallen Theodolioa


Die weile Königin der ganzen Erdenwelt,
von einer frommen Liebe angespornt, erscheint
als Magd und kniet hier vor des einen Grabe, sie.
vor der die andern Menachen alle niederknien.
Denn der ihr Ehe und den Thron gegeben hat,
er ist als Menacb gestorben, doch er lebt als Gott.
Hienieden Mensch, ward oben er ao. wie er war.

Im Gold .. al dei Maaarillol

Nun leuohtete der Strahl der Wahrheit wieder auf


und blendete der Lügenredner Augenlioht.
Die Frömmigkeit stieg hoch, Irrlehre sank dahin,
der Glaube blüht, und Tugend breitet rings sioh aus.
Denn sieh, es prangt nun Christus wiederum im Bild
hoch oben überm Thron der Ka.iaerliohen Macht
und treibt die Finsternis der Ketzereien aus.
Über dem Eingang hebt sioh, wie ein göttlioh Tor
und eine WAchterin, der reinen Jungfrau Bild,
und bei ihr sind der König und der Patriarch
mit ihren Helfern, Ketr.ereinbeendiger,
und rings im Kreis als Schirmer des Palaatea atehn
die Geister, JilDger, MArtyrer und Priester da.
Deswegen nennen wir die Halle, die voreinat
den Namen naoh dem Golde trug, jetzt Chriatusaaal ö
enthAlt sie doch den Thronatuhl Christi. 1UUIer8 Herrn,
den eeiner Mutter auch, der Chriatuaklinder Bild
sowie das Bildnis Miohaela, der Weiaea tut.
172 Aatbolo,la Ora.oa I

107
EiS 'fllv a6'f6v
'Ws -n;v PIV""V äelav ,;;s E1Kovos
Ti'\s 'trplv ,v"ciTTwv, MIXa'I'I" aVrOKpO:rWp,
t<p<XTwv "ti 'tranwv aapICIKWv \1O"WIlO:TwV,
leelKOvltEls KaI ypari WV 8E<nr6TTjIl,
IpyCf> KpCXTVIIWV TOUs MyOUS ~II 8o}1lC!rrWII.
Lemma: add. I: XfMIOTpIK)..-. - • ypaffJ J.". -fl.

108. AfaEInOTON
EiS 'fbv 'A6"'1I
Oü aotl1l$ crnawve.1I 'A&ap. 'trpllllKcWl"To, w
Ttaaapa y~' CxWII Eis Ttaaapa .v.11I'TM KOapov'
41.fCI yap äV'JoMllS ßa)(EII, 5WEws ~ w 5iATa,
41.fa 'tr~IV 5' C!PKT010, 1JEa"I1~plllS 5A W "OI1rOII.
Tit.1 "'11 [quod 'AII~ _ puta, Stadtm.] pI io-rroTov IIS"fÖII 'A~ add. I.

109. IrNATIOY
TOY MArJITOPOI TAN rPAMMATIKAN
Eis 'fbv vabv 'ffiS 1ravaylas eIO'f6ICOU IIs 'ft'\v n"yl\v
ßTweina KOajJEl WII vaOIl Ti'\s 'trap6illOv
BaalMIOs "ti aVII KWV<7Tam IICf), MWII.
Ti,. I. - I (In marg.]: Iv "f4!I ~ 'Jfis 'IT1'IyfIs.

110
Eis 'fllv a6'f6v
'EK yi'is ällEM~1I 'traTpIKOll aov 'trpOs 6POllOII,
TOll 111lTPIKOII aov, aW"tip, OIKOII &IKvUalS
'n'TIY'I'III 1I01l-n;1I KpllTTOIIWII xaplal1O:rWII.
Lcmlll&: add. I: als Wv 'fpoO~, 1v"rG 6vW."""".
An\bolo,la Ora.oa I 173

Auf den •• lbn


Da du dee alten Bildee lichte Würdigkeit,
o Ka.iaer Michael, getreu bewahren und
jedweden Schmutz dtll F1eiaohea überwinden willst,
stel1st du auch Gott den Herrn in einem Bilde dar,
das Wort der GlaubeD88ltze at&rkend durch die Tat.
A_ym

Auf Adam
Weisheit war es, die Adam vorzeiten den Namen gegeben,
gehn die vier Buchstaben doch auf die vier Regionen das Himmels:
Alpha bezeichnet den Osten, das Delta weist auf den Westen,
zweites Alpha auf Nord und die letzte Letter a.uf Süden.
Anonym

An der KIrob. der boobbelll,en OoUeamuUor am Quell


Der reinen J ongfrau schon zerfallnes Heiligtum
baun Baaileioa, Konatantin und Leon auf.
I gftGtioI, KtJllZkif1Of'aWw

An deneiben Klrobe
Da. du von Erden dich erhobst II\U Vaters Thron,
wieaeat du. Heiland, uns auf deiner Mutter Haus
als geistigen Urquell höcbater Gnadengaben hin.
174 An~bololla Graeea I

1lI
'Ev TIj\ a6TIj\ lIalj\, alS Tilv aTaüpwal1l
'0 \IEl(POs •AIST\S 1~llEl n6VT)KOTCXS,
Ka&apalV NPC;)V aapKCX"",V TOO SlcrnOTOV.

112
EiS TOll a6TOil lIa611, alS Tilv IIETall6p,walll
A~ 6 XPlaTOs Iv ~ cpc..n0s 1fMov
aKUXV 'lTtrrCIVKE TOO 1fa).aITc!tTov vOIlOV.

113

'0pW1JEVOS vOv )(Ipcrl1fpeoß\rrou ~fOS


'lfa).m6s 1C7TI ST\IlIOVPYOs TiÄ)v xpc!llICI)v.

114
'Eil TIj\ a6TIj\ lIalj\, alS TOll xa1pIT1all6v
TIpoo11llatEt \COCFJ.l1K1'\" aComlplav
EI-m:,,, Tb ,,xalpc" TalS yvvm~ 5ecrn6nts.

1111
EiS Tilv 8aoT6KOII
TIapetvos vita Tbm· 1ldI' vUa 1fap6ivos IIlv.
TIIm Jac. TIImI.

118
Eis TOll a6T611
[Xplrn 1lc!tKCXp, 1lEp61f(,o)V 4p&os 6t6ITOV, vll 9&010,
SC;;p' c.mö KPVaT~(,o)V, Swp' c.mö aap80Wx(,o)v.]
tJxwao, 1fCXp6evIKf\S nKOS 6,6ITO". vll 91010,
S&;p' c.mö KpVaT~V. SWp' c.mö aapS0Wx(,o)v.
J.DIaa: oorr. es a\IJmIc6 [cf. 30].
Aatbololla GraDOa I 1711

In dDrlDlbDn Klrobe. Bel der Kreusllual


Der tote Hadea speit die I&ngat Oeatorbnen aua.
nachdem das Fleiaoh des Herrn er fand zur Reinigung•
.A_ym

In derlei ben Klrobe. Bel der Verklirual


Da Christus leuchtender als Licht auf Tabor stand,
verflog der alten Satzung Schatten raaoh in nichts.

In der.elben Klrobe. Aaf die Bele,aaa,


Den man als Kind nun auf dem Arm des Greises sieht,
er ist uralt schon und der Schöpfer aller Zeit.
Anonym

In denolboa Klrobe. Am Bild der Bo,r6Ban,


Es kündigte das Heil des Weltalls an der Herr,
als zu den Frauen er das Wort sprach: "Seid gegrüßti"
Anonym

Auf die GoUe.maUer


Jungfrau gebar einen Sohn, war nach dem Gebiren noch Jungfrau•
.Aacmym

Aaf denIeIben (Cbrldu.)


[Seliger Christ, unser ewiges Licht, Sohn Gottes, 80 nimm denn
dieses Geschenk aus KriataU, diea aus Sardonyx hier an.]
Nimm denn, du Sohn von Gott, du ewigea Kind einer Jungfrau,
dieaea Geschenk aus Kristall, dies aus Sardonyx hier an.
Anonym
178 AD\bolo,la Oraeoa I

117

EiS TOll Tv,A611


·E~1\eIfIe TVq>~Os
IK TOKOV IlEl1valJivos'
XPlaTOs yap ijMev. 1'I1TavOl1l1crros XapIS.

118
E6KTIK6:
-HyelpEV 1'II1Iv TI,;)V 1Ta8(;)V TplK\II.llav
1x6pOs K&xlaTOS 1Tvev~as Tbv a~ov.
6eEv Tapaaall Kat ~veltEI Kat ~plxEI
Tbv q>OPTOV 1'I111,;)v 'lNXIKi'iS Ti'js 6~KaSos.
~', er, Y~"''''l Kat crropEO'Ta Ti'js t~T\S,
aV, Xplo-ri, 5e1~IS ~p6xovs &pcrpTfas
Tetl actl 1TpOs 6p1JCt> 1Tpoa~ 1TpoaopIlIaas.
1x6pav Si TOOTov ~ ~lJivov.

119
'Y'II'6Slc7IS T/i\II 'OllllPo!tiIlTPWII
BI~~OS ITcrrpllaolo 6eovStos apT\Ti'jpos,
~ idya Ipyov IpE~v, 'OI1T\pElT\S ano ~I~~ov
KV5cxAfj.lCo)v mwv TEÜ~ lplTll10v chnS",v,
1TP"I~lClS ~av 6:V1la'IT010 9&010·
&s I16Mv &vepc.:mwv Is 6I1"'yvplV, &s M~ I1OPq>f\v
dtvSpoJJi1'\v, Kat YaaTpOs dtllEl1q>tos Iv50el KOVPT\S
KPV1TTeTO TVT60s 16)v, ~v dtmlplTOS Oll XdtSe ~OS·
1'IS' &s 1Tap8evIKi'iS 8eOKllI1OVOS lanaae I1atbv
nap8evlolo Ydt1.atc-tos dt~~vtoVTa {>U6pov·
&s KTdtvEv 'H~1'\S dtTa).6:q>pOvas Elanl 1Tat5as.
v1'!mOSo dtecxv6:rolO e.oo Slt"'IIEVOS olTOv·
c%Is 111V 'lwdtvVT}S MOatv 1T0Ta11010 jW6POIS·
c%Is Ti Svt:>5eKa q>iö)Tas dtiAVIlOvas OOa~' halpovs·
ooawv T c!ipTIa 1TaVTa 9E0s T&lCT1'!verro yvta,
voVaovs T' .~aaas aTVye~ ~Mq>apwv T' ~awTV\I·
1'IS' c51T1TWS ~IOVTas dtma~v a(1lCXTOS b~Vs
~"'lS lavolo 1TO~VKNx\nCIl0 YVVCXIICOs·
Aolbololia Graeoa I 177

Aof deo Bllodoo


Der Blinde, lichtlos von Geburt an schon, er sah;
denn ChriItua kam, die Gnade, die ganz Auge jat.,

Gobe'
Er weckte einen Sturm von Leidenschaft in uns,
der böse Feind, der aufgebliLht den Wogenachwall,
mit dem die Ladung unsre8 Seelenschiffes er
verwirrend durcheinanderatflrzt, versenkt und nUt.
Doch du, 0 Meeresruhe, Wogenstiller du,
o schirm die Sünder, Christus, vor der Wasaerftut,
laß glücklich sie vor Anker gehn in deinem Port
und laß zu ihrem Glück ertrinken ihn, den Feind.

Iobalte.ol.be du Homerooeotol
Dies ist Patrikios' Buch, des göttliohen Priesters; ein groBes
Wcrk vollendete er, aIa aus den Homerischen Büchern
er einen kostbaren Sang von herrliohen Venen geschaffen,
drin er die Taten verkündet des unbezwinglichen Gottes:
Wie er zum Volke der Menschen gekommen, wie Menschengestalt er
annahm und wie er, im Schoße der reinen Jungfrau verborgen,
klein nun geworden, er, den ein unendlicher Kreis nioht umfaßte;
wie er am Busen der Jungfrau, der Gottesgebirerin, saugte,
draus von jungfriulicher Milch ein sprudelndes BAohiein gekommen;
wie Herodes die Kinder, die schuldlos noch waren, getötet,
er, der töricht versucht, den unsterbliohen Gott zu verderben;
wie in der strömenden Flut des FlU88e8 Johannes ihn taufte,
wie er zwölf treftliche MI.nner zu Jüngern genommen, wie vielen
Gott die sl.mtlichen Glieder gesund wieder machte, indem er
sohreckliche Leiden vertrieb und heilte die Blindheit der Augen;
wie einem klagenden Weib, du einst du Gewand ihm berührte.
er des Blutes fließenden Strom zur Beruhigung braohte
178 Anthologia Oraeoa 1

"'S' wO'OVS l1olplJO'lv W' äpyaMlJO"I 6UI1'VIClS


iiyayell ls cpaas cxV6IS Ihro XeOIl(OIO ßeptepov'
~ TE 1T&eO\lS äylov I.IlIlll.1f}la KcXA).l1Tell c5:I.II.IIV· 20
WS TE ßPOT6lV WO XepC11 T&ell KpVEpoiS M SeC1l1ois,
a\rrÖ5lK~v' ou yap TISl1Tlxeovloov 1TO~EI.II~OI
Ö\fill.leSOIlTl 9E~, ÖTE I1Ji a\rr65 YE KEMVOI'
~s 6eX1lEv' W5 'AISao C1ISf}pea pfi~e eVpETpa,
KEleev S~ 'fIVX<X5 &e01TEleta5 OUpallOV eiC100 2ö
1\yayEII O:xpaVTOIC1IV w' fVIIEa(1)C11 TOKfios,
aVaT<X5 III TplTc!xTIJ cpaeall1ßp6T~ TJplyellEi1)
apxeyollOv ßAaC7TTjl.la geoii yellETfipos c:Xllapxov.
Mut. 388 [= M], Pal. 326 [= V]. - Lemma: ·Y1\'. lrno?'oyla EUcp\1 [EOcp'l\1osY Eücp1\.
llouT] '0\1. ex 'Y1\'. 'O\1'lpoKtIlTpc.lll '0\1. P W. TWII '0\1. M. - I naTplKlou M / /
as
8al€15- MV .. ayyeMouaav MV S [bis] M 7 lrndpaTOS V 8 \1aaToII V 91\'ap·
eillolo et ~tE8pa MV 11 eEoTo JllV 13 Ws TE: ml V U aTUyEp1'\II V 11 &?awTÜs
M -T1\V V 16 6mrwS Jao. cmws 11 ~ÜOlITas V n om. MI / 1I'O?uAAaVaT. V 18 \1olp1)'
011/: lIapTUpl'lOlV M 19 XeOllOIO ~apae. V 23 -lITa GE,," et I11\T' 101 11 KEMV.I V
U ~Il~a\ P / /8üpaTpa V 26 -VT1)CJlII i1\" alVEOI1)al \" 21 o.IIaaT. M //1\Plytwl V.

120
'Eil B?axipvaIS. ta\1~ol

EI CPPIKTOII Iv ylj Toii 9Eoii ~I1TEls epOlIOV,


IS~v TOV olKOV &aVl.laaoll Tfis 1Tapeellov'
'" yap cpepovC1a TOV 9Eov Tals äyK~alS
cpipEl TOV a\rrOIl Eis TO Toii Tcrnov C1eßas.
IVTaiiea Ti'\s Yfis 01 KpaTElv TETayllivOI
Tex <TKfi1TTpa 1T1<TTEVOVC11 Ti'is IIIK11S fxelV'
IVTaiiea 1T0~<X5 KO<TIJ.IKeXS 1TEplaTa<TEIS
6 1Tcrrplapx"s äyPV1TV6l11 c:XllcrrpEmI.
01 ßapßapol S~ 1TpoC1ßaMVTES Tij 1T6MI,
aVTJill aTpaT1lyf}aaaall ~ elSov 1.16Vll11, 10
(Kal.l\flall roevs TOUs äKal.l1TEls aVxevas.
Par. 1630 p. 166 [= B]; Par. 690 [= 101], ubi lemma: EIS TOll väp8'lKa aylas aopoO
TIiW B?axepllwv. - Georgio Pieidae trib. B 3 1'\ yap BM aüTtt yap'" plITalS
BM wP 9 1I'EpV.~VTES P 1\'apa?~- M 11 T1'\1I 1\'0?11I PM 10 \1011011 Duoange.
Anthololla Graeoa I 179

und wie viele er dann, die ein grausiges Schicksal bezwungen.


aue den Tiefen der Erde zum Lichte herauf wieder föhrte;
wie an sein heiliges Leiden Erinnrung er une hinter1aaaen;
wie ihn die Binde der Menschen an furchtbare Bande gebreitet
mit seinem Willen; denn keiner der Irdiechen Itritte mit einem
hoobgebietenden Gott, wenn d.ieaer nicht selbst es geböte;
wie er dann starb, wie er brach die eiaernen Pforten des Hades
und auf den unbeßeckten Befehl seines Vaters von dorther
rJl die Seelen, die frommen. hinauf zum Himmel entführte;
wie er dann aufstand am dritten, den Sterblichen leuchtenden Tage.
vorzeitgeborener Sohn des Gottes. des zeitlosen V&tors.

An der Blaohernenklrohe. Jamben


Suchst du auf Erden Gottes fürchterlichen Thron.
dann schau der Jungfrau Tempel und bewundre ihn;
denn sie, die einat den Gott auf ihren Armen trug,
sie tl'Igt den gleichen in der Hoheit dieses Orts.
Hier findet, wer als Fürst auf Erden eingesetzt,
Gewißheit, daß sein Szepter Stab des Sieges sei;
hier wendet manohen Sturz und manches Leid der Welt
der Patriarch durch Beten. n10htlich wachend, ab;
und als Barbaren stürmten wider diese Stadt
und Bie allein vor unaem Heeren walten aaIm.
da ward ihr unbeugsamer Nacken straob gebeugt.
Anonym
180 Aatbololia Oraeoa I

121
EIS TOV a6Tov vaov
-E&t YEWoea1 Sarripcxv 9Eoü miArty
Tfls 1TapetllOU TOV oIKov Ws tcaI TOV TOKOV'
K1~bs c:t,6r) Tiis 1Tplv Mucrripa,
o(J TQs 1T),~ tipowa TQs 8IoypafOVS,
äA).' eniTov (vSov TOV geov SeSey!JillTl.
bTaOea Kpovvol aapKIKG)v Kcx6apaiColV
kai IJNXlkWV ),~PCola!S dcyVOTl!Kn'ColV'
&Jal yap da! TWV 1TaewV mplaTQasIS,
~),(J"I T~ SColpEQs TWV Gawa-rColV.
IiI'TaOea vlKilaaaa TOUs baVTlovs 10
äwIMv ~1Is civTl ),6YXTlS da' O&lp'
Tpcrni'\S yap äMolc..xnv cMc Ixel aWIITlV,
XPlaTOV TEKoOaa tcaI Movoüaa jXxp~.
-Bp.I88.-OeorJIoPr.ldaetrib.B .,161.111 B haI: SU 'MITpc.xnsBIlMA';CMmIP
• TGW w. w. P wpoajlo1.a\ 'II'a6!111Ö:T- B .1 T~ w. P [la mars.], B TGW fvavTI_
P [Ja textu] 11 IIÖVTI B .S XP'aTÖII: 8söv B.

122. MIXAHJ\ XAPTOCIIYJ\AKOI


EIS TI\II 810TOICOV lIaCJTät;ouCJav TOll XPICJTOV
AOTrt TEICOÜaa napetvos mv.IV !Jillll'
tcaI ~'" epo"eijS' laTi yap Tb 1TCX\Slov
9Ebs eu.ilaas 1Tpoa~ aaptdov.
Gott. phll. 4 (bla). - In P bio 8\ pm XV 17.

123. IACIIPONIOY
EiS TOV Kpalliou 1.180v '" 'hpouCJa1.I\1I
nhpa TPI~laTE e.6aovrov aI~ Aaxoiiaa,
o(Jpavf'l YEm'I ae nvplnvoos ~11TOMVrI,
tcaI xeovas '~pes ~ ~V01ToMücn.
Anthololla Graeaa I 181

An denelblln Kirabe
Ein zweites Gottestor noch mußte uns erstehn:
du Haus der Jungfrau, wie ihr Sohn bereits es war.
Es kam die Lade, göttlicher als die von einst;
sie trug die gottgeechriebnen Tafeln nicht in sieh,
nein, wu im Innern sie empfangen, war Gott selbst.
Hier ist der Quell der Reinigung des Fleischs, hier ist.
ErlÖlung von den Sünden, die die Seele tat.
Denn wenn UDS Leid und Not bestürmen, jederzeit
dann läßt sie sprudeln ihrer Wunder Gnadenborn.
Hier hat die Feinde sie im Kampf besiegt, doch nicht
sie mit dem Speer vernichtet, nein, ins Meer gestürzt.
Denn nicht nur einmal kehrte sie den Weltlauf um,
lie, die den Christ gebar und die BarbareD Ichlug.
Anonym

An einem Bild der Gone.maUer, die Cbrldam trlgt


Sie bleibt die Jungfrau, ob sie gleich geboren hat.
Erstaune deshalb nimmerl Denn du Kindlein ist.
ein Gott, dem Fleiaoh zu werden eigner Wille war.

Aaf den Kal"arlenberg in Jeranlem


Dreimal seliger Felsen, befeuohtet von göttliohem Blute,
himmliaohe Scharen mit Odem wie Feuer umfliegen dioh immer,
und dich preisen in HymDeD die erdebewohDeDden Fürsten.
8~
BUCH II
184

Vorwor' &u Buob 11

Verfuaer des vorliegenden Gedichtes ist Christodoroe von Koptoe


(im Gebiet des igyptiachen Thebens), der Sohn des Panisk08, der
unter AnaatasiOl I. (491-618) lebte. Außer der hier angeführten Be-
sohreibung (Ekphruia) verfaßte er ein Epos IB8.urika1, Vel'8dichtungen
der Urgeschiohte versohiedener StAdte, Lydiaka, drei Bücher Epi.
grammel u. a.
Die Ekphrasia selbst, die einzige erhaltene Schrift, die im Pala.
tinua& 408', bei Planudes 416 Verse umfa8t, beschreibt die Statuen
im Zeuxippos zu Konstantinopel. Den Namen Zeuxippos deuten die
byzantinischen Gelehrten als Epitheton eines Gottes, dooh scheint es
sioh um einen, im übrigen unbekannten Menschen zu handeln, denn
der Name kommt auoh SODBt für Personen vor. Sachlich stellt der
Zeuxippoe auch nioht, wie Palatinua und Planudes sagen, ein Gym.
nasion, sondern Thermen' dar, die zwischen dem Hippodrom und der
Sophienkirche lagen. Ursprünglioh von Septimiua Severus (193-211)
erbaut, waren sie von Konstantin glänzend erneuert und mit antiken
Statuen aus Griechenland, Asien und ItaJien überreich geschmückt
worden. Doch hat schon i. J. 532 beim NikaaufBtand ein Brand die
Anlagen völlig vernichtet.
Im ganzen zAhlt Chmtodoroa, offenbar in der vorgefundenen Rei-
henfolge, 80 Statuen auf. Einige von ihnen scheinen Gruppen gebildet
zu haben, so Menelaos und Helena (165), Pyrrh08 und Polyxena (192),
Oinone und Paris (215) sowie Da.rea und EntellOl (225), vielleicht auoh
Amymone und Poeeidon (61), Aineiaa und Kreuaa (143) sowie Odya-
&eua und Hekabe (171).

I •• &u Va", 404.


V. 61-IU, 222-2.24. 380.
• •."11 697f. • S. 64-71116 , Sobreibor A.
I Vgl. IX 61 •• 660,803.
• Es febleu
Vorwor~ &0 Booh IJ 185

Auch andere Schriftsteller haben die HerrUchkelt.en der Thermeon,


den farbigen Marmor, die Mosaiken, die SAulenhallen UBW. begeistert
gerühmt, doch ist die Ekphrasia des Chriatodoroe die einzige zeitge-
nÖ88iache Darstellung und geht zweifellos aufperBÖnlichen Augen.
schein zurück; denn der fast überall herrschende Gebrauch des Ver·
gangenheibltempua ist keineswegs ein Beweis dafür, daß die Besohrei-
bung erst naoh der Vernichtung der Thermen verfaßt wurde. Übrigens
scheinen, wie Ba.umgarten erkannt hat, Anfang und Sohluß nicht er·
ha.lten zu Bein.

A1phabeti.olae Obenioht über die enrihDteo 8w.tollll

Aahiß (Ven lI9l) DemoetheDea (23) Meualaoe (165)


Alu Oll. (209) EDtelIoe (226) Ody.eu (171)
Al.. Tel. (271) Erinna (108) Olnone (215)
Alneiaa (143) Euripld81 (32) Palaiphatoe (38)
Alaehinee (13) Hekabe (176) Pantbooe (m)
Alldbiad. (82) Halen& (188) Parl8 (219)
AlkmuI (383) Haleuoe (1l1li) Perild81 (117)
AmJlhiar- (268) Heraldeitoe (3M) Pherekydee (351)
Amphit.ryoD (387) Heraklee (138) PiDdar (382)
Amym_(81) Hermaphrodit (102) Ptat-(97)
~(I5O) H_(297) PoIykb(40)
.\udromaohe (180) Herodo& (377) PoI,X_ (197)
Aphrodite (78. 99, 288) Heaiod (38) Pompeiua (398)
ApoU (72, 2M, 283) HOlDer, Dram. (407) Poea1doo (65)
Apulelu (303) Homer, Ep. (3U) Pyrrboe (58, 192)
Arilt.oteI8I (18) IaoIuaW (2116) P7tbasoru (120)
Artemla (306) Kalohaa (62) Bappbo (89)
Aup(I38) Kaaaandra (189) Barpedon (277)
Caeear (92) K1ytioe (264) Simonld81 (U)
Ch&ridemoe (2-&1) Kolranoe (263) Steaiohoroe (126)
awoat (228) KraÜDoe (367) TerpaDdroe (lU)
au,-(M) Kriuaa(I48) Thuk7didee (372)
Duw(222) Lampon (261) Thymoi~ (248)
Delpbohoe (I) Melampaa (243) Vergil (414)
Demokritoe (131) X-Odroe (381) XeDOphOD (3881
186

B. XPIl:TOLHuPOY
'lrOI1lTOO 9'1!:1alov KO'lrTITOV

EKCl>PA!I!
T~V &ya711IQTc.>V T~V EIS TC 6'11160IOV YV\lVQOIOV
TOÜ t'lrlKO?.OV\lhOV ZEV~I'Ir'lrOV

t.Tlt~OßOS ~II 1Tp(A)TOS lvy;\Vrrrct> trTl ßCA)IlCj)


io-rCXTO, TO;\Ilt;EI5. KEKOpv6lltIlOS. 6ßp1llos ~pCA)5.
ToTOS tWII, 016s 1TEp !1TOPI/V~IIct> MEIIE;\&ct>
1TEpeo~IICA)1I i\1I'TT\0'E1I !OOV 1TP01T<XPOI6E IlEMOpCA)v.
to-rCXTO 6~ 1TpOßIßOOVTI 1TaveI.w..os· EU 6' trTl KOaIlct>
66XIlIOS ~v, llavlTJ 6~ 1<EI<V~6Ta vooTa avv~KCA)V
6p1llv IltvOS ~VVayElpEV· v.laO'E 6t ~tyyOS 61TCA)1ri'\S,
oUt TE 6vaj.lEvtCA)v IlEp61TCA)V 1TE~V;\ay~vos 6pllt;v.
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181

Il. CHRISTODOROR',
d .. Diohhre yon Kopto. in der Tbeba'.,

BESCHREIBUNG
der Statuen In dem öffentlichen 0YlDna.lon.
da. Zeullippo. hieß

Auf gemeiOeltem Sockel als erster erhob sioh der kühne


Heros Delphob08 dort, gewaltig, den Helm auf dem Haupte,
wie an dem Tage er war, da einst or dem stürmenden Feinde
Menelaos &BI Rand des zertrümmerten Hausee begegnet.
VorwA.rt8 sohien er zu sohreiten; vortrefflioh im Sohmuoko der Waffen
bot er die Flanke; vor Ingrimm goduokt und krümmend den Rücken,
8&DImelte wild er die Kampflust; er spähte mit blitzenden Augen,
gleiohsam als wahrte er sich vor dem Ansturm feindlicher Minner.
Hielt seine Linke den michtigen Schild vor die Brust sich, die Rechte
sohwang das Schwert in die Höhe, und eben war ihr Boginnen
voller Wüten, den Stahl ins Fleisch eines Gegners zu stoßen;
doch die Natur erlaubt nicht dem Erz, dem Ingrimm zu folgen.
Licht stand AiBchines da, der Athener, die Zierde der klugen
Peitho, und spannte das Rund der birtigen Wangen zusammen,
gleiehsam als ringe er heiß mit reichlich strömenden Worten;
denn es drängten in ihm sich die weisen Gedanken. - Daneben
hob AristoteIes sich, der Fürst der Weisheit; er stand da
mit zusammenvereinten, verschlungenen Händen; im stummen
Erz noch ruhte mitnichten sein Geist; er glich einem Manne.
der eine Frage erwägt; die zusammengezogenen Wangen
sprachen vom Denken des Mannes, das hierhin eilte und dorthin,
und die beweglichen Augen verrieten die Flut der Gedanken.
Darauf sah man den Redner. Paianiens Trompete, den klugen
Vater harmonischen Wortes, der einst den Athenem die weise
Fackel der Peitho entzündet, die Herzen und Sinne bezaubert.
Adnot. orit.: 11 ~Iou 8& D.duImv PI IS !S' Gm. P 11 ~ o4vh:r pi
14 A1crxl"'lS 8lI -f\Y PI 1/ mxpnfk 0 PI ~ pi I' &yopiJcn PI.
188 Antbologia Graeoa 11

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XClVTOS. 116 EIs 6:. nüppou.
189

Doutlioh WBl' Oll, er rastete nioht I die Füne der Pline


wog er und bog er und sohien in Fülle Gedanken zu wAlzen,
gleich als sei er gereizt zum Kampf mit Emathias Kriegern.
Sioher erhöbe er auoh im Groll seine eilenden Worte
und begabte mit Stimme das leblose Bildnis, indessen
BohloB die Kunst ihm den Mund mit dem Siegel des ehernen Sohweigena.
Und es stand da der Mann, der Euripos' Namen getragen;
heimlich verkehrte er, glaub ioh, im Herzen mit tragischen Musen,
eifernd für Werke der Sitte; denn wahrlioh, man konnte ihn sehen,
wie zu Athen im Theater er einstene den Thyraos geschwungen.
Siehe, es stand dort der Seher Palaipbatos, Lorbeer im Haare,
und es schien 80, als strömten ihm Worte prophetisoh vom Munde.
Doch Hesiod von ABba sprach, schien's, mit den Musen der Berge.
suchte in Diohterbegeistrung das Erz zu zwingen und wiinsohte.
Verse, die Gott ihm gegeben, erklingen zu lassen. - Daneben
war noch ein anderer Seher, der auoh seine Looken mit PboibOdl'
Lorbeerkranze schmüokend bedeckt, Polyidoe; vom Munde
wollt er prophetisch ein Wort entschweben laasen; indessen
hemmte die Kunst ihn mit stillendem Band. - Du ließest die zarte
Liebe zum Sange desgleiohen nioht mhn, Simonides; sehnend
BUChst du die Saiten, doch 8chligt deine Hand nicht die heilige Leier.
BItte. Simonides, doch der Künstler, 0 hltte mit süßem
Lied er die Bronze gemischt! Dann bitte die Klinge der Leier
auoh das fühllose Erz gefühlvoll mit Singen erwidert.
Anaximenes stand hier, der kluge Denker; im Geiste
wAlzte er bunte Gedanken von göttlich erhabener Einsicht.
Kalchaa stand hier, der Sohn des Thestor, der treffiiche Seher,
wie er die Zukunft verkündet, doch schien er noch Hohes zu bergen,
weil das hellenische Heer ihn dauerte oder im Herzen
eine Furcht ihn gefaBt vor dem König der reichen Mykene.
Sieh hier des Aiak08 Enkel, den Sohn des Achilleu8, den jungen
Pyrrhoe, den Stidtezeratörer. Wie wollten 80 gern seine Hinde
wirbeln die ehernen Waffen, doch hat es die Kunst ihm verweigert,

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cpalllETo Il~v, cpäpos Se avvftyayev cXVTVYt IlTJPc;,;v, 80
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KhEIVlcX5TJV 5e T~lTa mpta-r!hßOVTa voftaas
ayhatlJ' xahKij) yap avrnheKE K~heOS allytiv
Totos l~v o(as mp lv 'AT6ISt, IlTJT~pt 1lV6(.o)v,
av5pcXaI KeKpolTI5lJat lToMcpPOI/a Ilf\TlV &yelp(.o)v. 811
XpUaTJS 5' aöe' lepe\is ".o.as Ta-raTo, 5e~lTEpij I1Ev
aKijlTTPOV avaaxollEVOS <I>OtßfttOV, lv S~ Kapftv,?
a-r~lllla Cp~P(.o)v· Il~eet S~ KEKaa~\lOS rnpem 1l0pcpijs,
o(cX lTEp f)poo(.o)v lepov y~vOS' ~S 50K~(.o) 5~,
'ATpelSTJV IKheve' ßaeVs S~ 01 ilv6ee lTooy(.o)v, 90
Kai Tavaijs änheKTOS laliPETO ß6Tpvs leelpTJs.

61 PI: EIs 'AIlVll6>\lTlv. 811 EIs 4. noaEISc;)VOS. 61 Eis 4. IatTopoOs (I: Tils l..vpIKfls).
n EIs 4. 'A1T6M6lvOS (I: TOO nuelov). 78 EIs 4. 'A,poSITIls. 83 Eis 4. TOO (ToO
deleto I add.: 'AMI~\(ISov, TaO ipc..>lJ!vov I6lKpa-rOVS). PI: EIs (cet. om.). 81 Eis 4.
Xplioov TaO IEpo!6lS.
Antbololla Oraeoa 11 Ull

die ihn htillenl08 schuf; noch bllckte er sichtlich zur Hüb",


gleich als zielte sein Auge zum windumfangenen Troja.
Dort auch saß Amymone mit roaigen Fingern; aie knüpfte
ohne Binder die Locken des Haares nach hinten ZWl&lDD1en,
während die Stirne ihr frei war, und hob ihre Augen und spähte
nach dcm Gotte des Meers, dem dunkelgelockten Gemahle.
Bei ihr erschien mit michtiger Brust der Bläulichgelockte
ohne Gewänder; ihm fl088en die Strähnen des Haares hernieder,
und er hielt in der Hand vor sich hin als Hochzeitsgebinde
einen feuchten Delphin für das vielumworbene Mädchen.
Still und in seliger Ruhe saß dort die pierische Biene,
Singerin Sappho von Lesbos; sie webte, 80 schien es, ein herrlich
Lied und hatte das Herz den schweigenden Musen erschlossen.
Phoib08 stand da, der Seher; er hatte die Locken des Haares
bandl08 nach hinten gestrichen; das Erzbild zeigte ihn naokend,
weil es ApolIon versteht, den Menschen, die ihn befragen,
nackt und in lauterer Wahrheit den Ratschluß der Moire zu künden,
oder weil allen er leuchtet gleichmißig; denn Phoib08, der Herrscher,
ist die Sonne, und rein entsendet er fernhin die Strahlen.
Bei ihm erglänzte die Kypris; im funkelnden Erze verströmte
sie die Tropfen der Schönheit; wohl zeigte vom Busen hernieder
sie aich nackt, doch hielt sie das Kleid vor die Rundung der Schenkel,
und sie hatte ihr Haar mit goldenem Schleier umwunden.
Staunend erblickt ich den Sohn des Kleinias, wie er in Schönheit
prangte; er hatte dem Erz seinen strahlenden Schimmer gegeben,
wie in Athen er gewesen, der Mutter der redenden Künste,
und erteilte den Söhnen des Kekrops vortrefflichen RatschluO.
Neben ihm wiederum stand der Priester Chryses; er hatte
in der Rechten das Szepter des Phoib08, trug auf dem Haupte,
einen Kranz und ragte ob allen an Wuchse, wie jenem
heiligen Volk der Heroen geziemt. Er flehte, so scheint's mir,
eben zum Sohne des Atreu8; tief wallte der Bart ihm hernieder,
und es fluteten lang und gelöst ihm die Strähnen des Haupthaars.

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axi'll1a 5~ 'll'äcnll IcpalllE CP\Tl'Oa'lTOpoll &paellOS alSoVs,
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napeelllK1't 6' "HpllllIa 1.l'yV6poos Itno KOUpTl,
OV IoLITOII äilcpacp6waa 'II'01.wAoKoII, 6).).' M cn)'i)
nllplKi'lS !Xx6äIoLIYY~ ä'II'OaTaMovaa IlEMaaT}S. 110
M1'lTE M1T1JS Ttp'll'Qll5poII fV6POOII, O~ Taxa cpalTlS
111'11'YOOII, OÜK &f8oyyo", 1&111 ßpnas' Ws yap 61w,
KlIIV~\IaIS 'll'pcmi5eacnll cbtrrMlCf I1VcmSa 1101.'II'1'lll,
c:)s 'll'0TE 51111\EIITos rn' EvpwTao ix>QWII
IoLVaTI1T61.'i> cpOpl1lYY1 KaTE'll'p1'lVI/EII äel5wII 1111
äyxel1äxwII KaKC7rr}~ 'All\llWxlwII IICIETl'\PWII.
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Xa1.K~ ällav51'lT'i> 5Tll1TlyopoII "60s ällä'll'TElS,
Ws tn KeKpo'll'151Jcn 8EI1ICM'1Ut,.)II 'll'01.I1'lTCXIS
fJ 1166011 IVTÜ\lwll n"'o'II'1'lIOll. - 'lcrräI1ElIOS & 120
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In 115 4. I1ePIIC1Jous. "I ds 4. wO ,~ J1u8cry6pa.
193

Strahlend reihte an diCJlCln eioh Juliua CäsM, dor oirwtona


Rom mit unzlhlbarer Fülle von feindlichen Schilden bekrinzte.
Ihm auf den Schultern lag - ein Grauen den Augen - die Aigis,
und in der Rechten sohwang er mit stolzer Gebärde den Blitzstrahl.
er, der ein zweiter Zeus im ausonischen Lande genannt wird.
Einem Gotte vergleiohbar stand Platon, der einst den Athenpru
die verborgenen Pfade der göttlichen Tugend gewieaen.
Noch eine goldene Kypria erlauchten Geblütes in lichter,
strahlender Nacktheit gewahrt ich; hoch oben vom Halse der Göttin
I&nk eine Binde herab und umschlang ihr im Kreise den Busen.
Lieblioh stand dort ein Hermaphrodit. Er war weder völlig
Mann nooh Weib; die Statue trug beides vereinigt. Leioht wirst du
Kypria mit herrlichem Busen und Hermes als Eltern erkennen:
wies er doch schwellende Brüste gleich Midchenbrüsten, doch zeigt~
er auch allen das Rüstzeug des zeugenden mAnnlichen Gliedes
und offenbarte vereint die Reize der heiden Geschlechter.
Und es 1&8 da Erinna, die Jungfrau voll herrlicher Lieder.
Nioht den geflochtenen Faden berührte sie, sondern sie träufte
still und sohweigend den Seim der piäriachen Bienen hernieder.
Nioht vergessen auch sei der Sänger Terpandroa; die Statue
war für das Auge lebendig, nioht stumm, so möchte man I&gen;
denn er flocht wohl ein mystisches Lied mit brünstigem Herzen
wie in den Tagen voreinat, da am strudelnden Strom des Eurotas
er mit den Klängen der Leier, der l\Iystengefihrtin, die böaen
PlAne von AmykJais Wohnern, die selbst sich bekimpften, befriedet.
Staunend erblickte ich dich, 0 Perikles; denn auch das stumme
Erz nooh hast du geprägt und belebt mit der Kraft deiner Wortkunat,
gleioh als herrschtest du heute aueh noch ob den Enkeln des Kekropa
oder als gälte es Krieg gegen Pelopa' Enkel. - Es atand da
herrlich Pythagoras auch, der Weise von Samoa, doch schien er
auf dem Olympoa zu leben; er tat mit der klugen Gedanken
Fülle dem Weaen des Erzea Gewalt an; denn einzig den Himmel,
wie es mich selber bedünkt, ermaß er mit lauterem Auge •

• •• 4ty.Ipc.lV P PI em. LUG. 17 1C7T~1Cl1 P IIS oUTa PI IM l,allllTo P 11 a16~ 0 PI


&\1 ~s pl 1&7 KtlCEpac:rJJMl P 11 ~I\lO\l PI 11. -IIIYYOS P 111 ...1\ .... P
IIJ 1<11l0II\I' P 111 'ApvtcM_ P In-Ilt echol. in Arlatid. 111 439 Dind. 11
"'~'l\l 6p- aohol. Ilt (\/TII""", .ohol. 1I1 nu8ay6pas P 111 tUcns PI.
194 AnthoJogia Graeoa I I

l:TTjalxoPOII !S' '"6T)aa hl'yv6poOII, ÖII TrOTE yaia 126


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apl1olllT)lI, tl"l I1T)TpOs M aTTACtyxllOlalll tO\ITa.
TOO yap TIKTOl1tllOIO Kai ~S ~O:o5 äpTl 110MIIT05
IKTTo6e1l 'fJepo~ITOS rnl aTOI1O:TEaalll &T)SooII
M6plJ t~~O~1IT) Alyvp1'}11 älleß6:AAeTo 110h'lT1'}lI. 130
Xatpt 1101 'AßS1'lPWII, ll.T)110KpITE, KiiS05 äpovpT)S,
6TT1 aV KaAAlTOKOIO ~viis t~po:aaao 6eal1oVs,
ArnTa SlaKpillWII TrOAvfSI10l105 6pYla MovaT)S,
ale! S~ a~aAepcXs tytAas ßIOTOIO ICEAeVeo~
EU e\SooS, 6n Tr6:llTa ytPWII TrapallE1ßETaI Alooll. 136
'HpaKAtT)s 6' ällloVAOII t6dK\IUE KliMolI Ihn')IIT)S,
I1fjAa Aeo~OIlCj> TTCXAO:l1lJ xpvaela KOI1I~WII,
yalT)S 6Aßla Swpa I\IßVaTlSOS. - 'EyyV61 6' aliToO
naAAO:s05 äp1'lTElpa TraplaTaTo, Trap6tvos AOyT).
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Anthologia Graeca II 196

Auch den Ste&ichoroa aah ioh, den treffliohen Sänger; Siziliens


Erde ernährte ihn einst, und ApolIon lehrte der Leier
Kunst ihn in Tagen bereits, da er lag noch im Schoße der Mutter.
Denn als das Kindlein geboren und eben zum Lichte gekommen,
flog eine Nachtigall irgendwoher, sie setzte sich heimlich
auf seine Lippen und ließ ein melodisches Liedehen erklingen.
Heil, Demokritoa, dir, du Ruhm von Abdera! Erforscht hast
du das Gesetz der Natur, vortreffiiche Sprossen zu zeugen,
drangst in die feinen Geheimni88e ein der wissenden Muse,
aber du lachtest auch stets ob den trügenden Pfa.den dC8 Lebens,
wi88end, es wandelt die Zeit, die Greisin, an allcm vorüber.
Herakles zeigte das Rund des bartlosen Kinnes und führte
in der löwenerschlagenden Hand die goldenen Äpfel,
kostbare Gabe aus libyschem Land. - Und diesem zur Seite
hob sich Auge, die Jungfrau, der Palla.s Priesterin; nieder
senkte der Schleier sioh ihr auf die Schulter; sie hatte mit keinem
Band ja die Looken umbunden. Sie reokte die Hände nach oben,
gleioh als rief' sie zu Zeus' blauäugiger Tochter am Fuße
der arkadisohen Höhen von Tegea. - Schwinger des Schildes,
sei uns gnlj.dig, du troischer Sproß, sei gnädig, Aineias,
du, der herrliche Rat der Troer I Denn rings um die Augen
strömt dir die Hoheit voll Ernst und atmet Sohönheit und kündet
deine göttliohe, hohe Geburt von der goldenen Kypris.
Staunend sah ich Kreus&, Aineias' Ehegefährtin,
dunkelgekleidet im Trauergewand. Sie hatte das Kopftuch
über die beiden Wangen herübergezogen und ihren
ganzen Körper ringsum bis zum Fuße verhüllt mit dem Kleide,
wie es Weinende tun. Die ehernen Tränen des Weibes
sagten, daß Troja, das einst sie genährt, von den Sohlägen des Ares
niedergebrochen, umdrängt von den schildbewehrten Argivern.
Aber auoh Helenos hemmte den Groll nioht; hart für der Heimat
Leiden, erschien er nooh immer voll kochenden Grimms j eine Schale
hob seine Rechte zur Spende; er kündete Gutes, bedünkt mich,
den Argivern und flehte zum Himmel, er möge die Zeichen
-128 TlICTOpWCII P /lIIOMlWrOS P 114 tyO.cns P IST )(pWIla c PI om. pI ISS ?IPU-
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18. ds <i. ~ Kaaäv6~ 1.1 Ils 6:. lTtpou n\lppou.
"D~boIOli& Oraeo& 11 197

endlich erfüllen zum Sturz des Landes. das ihn geboren.


Auoh Andromache at.and dort, Eetiona Tochter mit roa'gen
Feaaeln, doch ohne zu klagen und ohne zu weinen; noch war nicht,
glaub ioh, im Kampfe gefallen der helmbuaohBohüttelnde Hektor,
und die trotzigen Söhne der Bohildeaohwingenden Grieohen
hatten Dardanien, die Heimat, noch nicht ihr ginzlioh verwüstet.
Dort "'ar zu Behen der Held Menelaoe, doch dieaer voll Frohsinn
über den Sieg; warm war es uma Herz ihm vor Freude, da bei ihm
des Tyndareoa roaigea Kind voll Liebe erachienen.
Helenu liebliches Bild bewunderte ioh; ihre holde
Anmut hatte Bie noch dem Erze verliehn, und ihr Schimmer
atmete glühende Liebe aogar noch im leblosen Kunatwerk.
Ob der Fülle der Listen war Btolz der hehre Odyaaeua,
denn er at.and nicht am Ende der vie\verachlungenen Kniffe;
noch erg1Anzte Bein Antlitz von findigen Plinen; im Herzen
jauchzte er auf voll Freude, daß Beine eigene Schl&ue
Troja nun glLnz1ich verniohtet. - 0 sage mir, Mutter des Hektor,
arme Hekabe du, wer war'a von den ewigen Göttern,
der dioh im Btummen Gebilde nooh TrAnen zu weinen gelehrt hat Y
SelbBt nioht das Erz besohloß deine Pein, und du leblose Kunatwerk
hemmte erbarmend dir nioht die unheilbare Verzweiflung.
Immer noch Btehest du da und weinat,doch bejammerst du, ddnkt mich,
nioht mehr des tl'aurigen Hektor Geaohiok und nicht mehr das achwere
Leid, du die arme Andromache traf, du weinst um den jAhen
Sturz deiner Heimat. Der Mantel, der über dein Antlitz herabhingt.
tut deine Leiden una kund, und das Kleid, das bia zu den Sohlen
ohne Gürtel dir fließt, bezeugt una die Tiefe des Sohmerzes.
Furohtbarer Kummer umf'ingtdeinen Geiat, von der Wange noch rinnen
TrAnen, nur wurden durch Kunat diese TrAnen gehirtet und künden
duroh die achreckliche Starre die unheilbare Betrübnia.
Und ich bemerkte Kaaaandra; zwar Seherin war Bie, doch achweigend,
voll verhaltener Wut, erhob Bie zum Vater den Vorwurf,
gleich alB orakelte Bie der Heimat die Außersten Leiden.
Noch ein PyrrhOB war da, dooh hatte der StAdtezorstörer
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(I: ywooKb$ 'AM~ 'NO n~II5os). 11. ds 4. '~dnr&pov. 111 als 4. TOi)
1I\I)'\IÖXou MpTJ-ros.
An~bololia Graec& 11 189

keinen Helm mit dem Buach auf dem Haupt und schwang keine Lanze,
sondern erstrahlte in Nacktheit, und bartlos war Kinn ihm und Wange.
Hoch erhob er die Reohte als Zeichen des Sieges und wandte
seitwl.rta den Blick zu Polyxena hin, die bitterlioh weinte.
o Polyxena. sprioh, unglüokliche Jungfrau, was zwang dich,
noch in dem stummen Erz geheime Trinen zu weinen'
Sag, warum stehest du hier, das Antlitz verhüllt mit dem Kopftuch,
gleich als schimtest du dich, und trAgst doch im Herzen 80 schweren
Kummer' Vielleicht, weil dcr, der jih dir die Heimat vernichtet,
PyrrhOl von Phthi&, zur Beute dich hat? Oder weil deine Schönheit
nicht Neoptolemos' Herz verwundet und so dioh gerettet?
Die deines Mörders Vater sohon einstens verlockt und für die er
selbst in die FAden gegangen des nimmererwart.eten Todes?
Traun, bei dem sinnigen Bilde aus Erz, wenn 80 dich der Herrscher
Pyrrhos geeehen, er würde gewiß dioh als Gattin ins Bette
zu sich nehmen und sicher das Los seines Vaters vers-n.
Staunend erblickte ioh Aias, den einstens der kfihne Olleus
als einen mlohtigen waU für die lokrische Erde gezeugt hat.
Strahlend vorJugood ersohien er; kein FlAumohen nooh hatte sioh schat·
ihm auf die Wange gelegt, die Blüte verdunkeind; sein ganzer [tend
kraftvoller Körper war nackt, und strotzend vor minnlichem Mute,
schwang in der Hand er den Stachel der kampfesfrohen Enyo.
Ingrimm kochte Oinone im Busen, die Eüersucht kochte.
bitter das Herz ihr verzehrend; sie schaute mit rasendem Auge
heimlich zu Paria hinüber, sie sprach verborgene Drohung
wider den armen Gemahl und stieß ihn zurüok mit der Rechten.
Sohamvoll Bohien dieser Hirt; ab wandt er sein irrendes Auge,
er, deuen Lieben nur Unglück gebracht; er schämte sioh, glaub ich,
jetzt die Tochter des Kebren, Oinone. in Trinen zu sehen.
Darea umwiokelte sich die Hlnde mit trockenen Riemen,
Grimm, den Verkünder des Faustkampfs. im Herzen; den feurigen
seines minnliohen Sinns verhauchten die huachenden Augen. [Atem

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1rW\lOS. 114 ols 6. TOÜ IO.UTlou. ISI rls 4. TOÜ ~I\TOPOS ·100ICpCh0us.
Aatbolo,l& Oraoo& IJ 201

Zornige Blicke vel'llchoß EntellOl auf Dares, und wütend


wand um die Hände er sich die gliederzel'llChlagenden Riemen,
trichtig von Drohung zum Faustkampf und dÜl'lltend im Herzen nach
Auch ein erfahrener Ringer war da, ein gewaltiger KAmpfer. [Mordblut.
Ob es der riesige Philon, ob etwa Philammon gewesen
oder Milon, der Sikuler Schutz: ApoUon nur weiß es.
Denn den ruhmvollen Namen des mutigen Mannes vermag ich
selber nicht zu erkennen noch auch ihn zu preisen, und dennoch
atmete Kraft dieser Mann; wildbuachig wallte der Bart ihm,
seine Wangen vel'llChOl8en gleich Speeren den Schrecken des Krieges,
sWrend ragte sein Haar auf dem Haupte empor, an des Leibes
D1&88igen Gliedern schwollen gestrafft und hart ihm die Muskeln,
seine BAnde waren vereint, es schnürten die heiden
mAchtigen Arme sich eng ihm zusammen, als wAren es Felsen,
und über kraftvollem Rücken hob feist eich und fleischig der Nacken,
der am gedrungenen Rund des gebogenen Balaes heraU88tand.
Sieh CharidemOl, den Feldherm des attischen Landes, der unter
seinem Befehle das Heer der Kekropiden gebAndigt.
Staunend hAttest du wohl Melampus gesehen. Den heilgen
Anblick des Sehers geWAhrend, spraoh sohweigenden Mundes-so Hchien
er ein prophetisohes Wort, das göttliohe Stimme ihm eingab. [es-
PanthOOB war der Berater der Troer. Er ruhte auch jetzt nicht,
kluge PlAne zu Hagen zum Kampf mit dem Heer der Argiver.
Volkes Ältester war Thymoites; sein Hohlauer Gedanke
ward von der Woge des StummaeinB gehemmt; er glich einem Manne,
der einen findigen Plan für die Troer zu zetteln gedachte.
Einem Verzweifelnden II.hnlich war Lampon dagegen zu sehen;
denn indes Hich das Ringen entrollte. vermochte er nicht mehr,
für die bedrAngten Troer den rettenden Ratschlag zu zeugen.
RatlOl stand KlytiOl da, und fest ineinander vel'llChlungen
hielt er die heiden BAnde, vel'llOhwiegenen Kummer bezeugend.
Heil dir, du Leuchte des Wortes, I80krateB, der du dem Erze
herrlichen Glanz gibst ; du scheiDBt Gedanken voU Klugheit zu sprechen,

- - ~ P In t6- &1If'6waav P m illlopitJlI PI IM ~ P


1St m.c.w 0 PI TaI_ (1) pI 14. fv yvcnrroto P 141 I~ w. -~ Bnmok ~ w. f\s
US 1IQV'II1t6A0I/ PI 144 a. 0 PI om. pI 141 nTalllllll PI .... lId 6M' cf. 189
N'I \(QTap)lllGc.w P UI-UJ in P bio fit poet ,.. 26R Ist IIXIV P tu lcm'iKlI P_
Aaihololia Graeoa 11

EI tcal I5IqKo)~ GI 'ITOIICj) XcV.xWaaTO -Rx1l1'\.


wEO"I1!IIE S' 'Al.lcplapTlO5 I){CA>II 'II'Ipl;\al.l'ITia XalTTJII
cml.ll.laTI Sacpval",· KpvcplTlII S' DJ).I'EII &vITlII 280
8Ecnrl'CA>II, 6n 'ITäcn floOKT1TOS Iv 5pval9l'!~Tl
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203

ob der Ktlllst1er dich auch zu stummem Gebilde geg088en.


Seufzend stand Amphiaraoa. Ein Kranz von Lorbeer erstrahlte
ihm auf dem schimmernden Haar; er wälzte verschwiegenen Kummer,
mahnend, daß Theben dereinst, vom Rinde im Eiohwald gegründet,
allen argiviachen MArmem den Tag der Heimkehr vernichte.
Herrlich erhob sioh der Deuter der Zukunft, der Vater - 80 sagt man-
des Polyeid08, des Sehers. der göttliohes Wort prophezeite.
Prl.chtig umkrAnzten sein Haar die liebliohen Blätter des Lorbeera.
Phoiboe mit wallenden Locken. den FemtreIJer, sah ioh, des Sanges
Herrscher; es prangte sein Haar in ungebil.ndigter Blüte.
Nieder fielen geteilt auf beide Schultern die Strähnen,
die lioh von selber gelookt; weissagend hob er die Augen,
gleiohsam als wollte die Welt er duroh Sprüche von Leiden erlösen.
Naokt war des Telamon Sohn, der kühne Aiu; noch deckte
nioht ihn der erste Flaum, doch schimmerte atrahlend des Vaters
Blüte auf seiner Gestalt; eine Binde umfing seine Locken.
Denn er trug keinen Helm, er achwang keine Lanze und hatte
nioht auf der Schulter den Schild aus sieben Hluten, doch zeigte
er die männliohe Kühnheit des Telamon, seines Erzeugers.
Dort erhob sioh Sarpedon, der Führer der Lykier; ein Sohreoken
Itieg aus der Mannheit herauf, und dennoch zog eben erst dunkel
über die Wange ein zarter und junger Flaum ihm; er hatte
einen Helm auf den Locken; nackt war er, doch zeigte die Schönheit
seine Herkunft von Zeua. denn funkelnd entsandten die beiden
Augen den feurigen Glanz, wie dem edlen Vater er eigen.
Und ein dritter Apollon war da mit herrliohem Haare,
präohtig zu sehen; es rannen dem Dreifußpropheten die Locken
ringelnd auf heide Sohultern, und lieblich strahlte Bein Körper,
Glanz dem Erze verleihend. Es blickte der Gott. in die Feme,
gleich ala lILh er die Zukunft. auf seinem prophetischen Dreifuß.
Und ioh bewunderte auoh eine dritte goldene Kypris,
der ein Gewand die Hüften umschloß, doch rings um den Busen
wand lich ein lockeres Band, und Anmut achwamm in dem Bande.

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ADtholOII& Oraeo& Jl

Noch als bartloser Krieger erstrahlte der hehre Achilleua.


Stand er auch waffeniOl da, er schwang doch, 80 sohien es, die Lanze
mit der Rechten und hob den ehernen Schild mit der Linken:
also formte ihn Kunst. Gelockt vom verwegenen Mute,
drohte er, Kampf zu beginnen; denn funkelnd lag in den Au~n
ihm der echte kriegrisohe Geist der AiakOllÖhneo.
Auoh ein Hermes war dort mit goldenem Stabe; im Stehen
zog mit der Rechten er fest die Bänder der Flügelsandale,
um sioh zur Reise zu heben; denn eben schon hatte sein rechtes
hurtiges Bein sich gebeugt. indes er, die Linke auf dieses
niedel'Btützend, die Augen zum himmlischen Äther emporhob.
gleioh als lauschte er noch auf des waltenden Vaters Befehle.
Soheu erwog Apuleius der klugen latinischen Muse
unauBBprechliohe Weihen, er, den die Sirene Ausoniens
in die Mysterien flihrte, die keiner das Recht hat zu künden.
Drauf die juugfriuliche Schwester des bergebewandeolnden Phoiboll.
Artemis. Aber sie hielt nioht den fernhintreffenden Bogen
noch den Köcher mit Pfeilen auf ihrer Schulter; geschürzt war
bis zu den Knien ihr reines, WDslumtes Gewand, und es wehten
ohne Blnder ihr flatternd die Strlhnen des Haares im Winde.
Und Homeros ersohien im beseelten Erze, dem weder
Geist noch Sinne gebrachen, nur fehlte die göttliche Stimme,
doch offenbarte er ganz der Diohtkunst heiße Verzückung.
Wahrlich, es goß wohl ein Gott dies Erz zu mensohliohen Formen,
denn ioh kann es im Herzen nioht glauben, daß es ein sterblioh
Wesen in mühsamem Werk, am Ofen sitzend, gegoasen.
Nein, es bildete wohl Athene mit kunstreiohen Händen,
da sie ihn kannte, den Leib, darinnen sie wohnte; denn llelber
war in Homer sie und ließ die sinnigen Lieder ertönen.
Also stand er, der hehre Homer, ApolIons Geflhrte,
er, der göttliohe Mensoh, mein Vater. Er glioh einem Alten,
aber sein Alter war mild; denn eine unendliohe Anmut
goß es über ihn aus, einen glA.uzenden Schimmer, in dem sioh

• 111 crc:aciwv P PI em. Boi8I. IN aI PI W P m 'Ewd'lS PI HI TaGdCJCI\I hrQnmI


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AnLbololia Graeoa 11

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6~vils, äM.' EÖPVs mrn-rcrro, KQ).).OS öqlalV(o)v
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~OTO aaoqlpooVlI'I\ KOVpoTp6qIos' 6IJqll S' äp' 6qIpiis
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oOn llirTT)v' 4pCI1!(o)v yap lplllla6es ~aav 61I'(o)'TI'al.
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r~ yap KEVEOtS xaplS ~llj.laalV· ~ 6l So\CEÜc.),
Tixll'l\ TOÜTO TtAEaaEv, 611'(0)5 1I'aV"TIaal qlavalll
~yyos wb KpaSlllv aOqlil1S &aßeOTov 6E1~v.
Selal jJlv 1I'OTI Iknbv OO)\).aI VOVTO 1I'CXpEiai
YI'lpat ~IKvileVTI KcrraaxETOI' äM.' lvI KEI \laIS
cx\rroYlvilS, Xapl"TIaal awtOTIOS, t'aVEv AISWs.
n1&pIK1'I St Ilt~laaa 1I'Ipi OT61la Octov Q).äTo,
Kllplov wSlvovaa 1lE~IOTayts. &lltpoTEpas Sl
Xetpas rn' äM.").1Jal TlOels mepdSETo pxßS'tl
ola 1I'Ip b '(o)Otalv' l1'Iv 5' fK).lvav &Kov!')v
SE~I"TIP"V, S6KEEV S~ Kai 'A1I'6~(o)vos &KOÖEIV
i\ Kai nleplS(o)v TIVbs tyyVOev. b 5' &pa evll~
aKE1I'TO!iE~ jJlv CIKTO' v60s Si 01 bOa 1<CXI 1v6a
l~ &SÖT(o)V lTEmTO 1I'0).VOTpi1I'TOIO IJI'VOlvf\s,
nlEplK/1S IelPi'jVOS aPillov fpyov öqla!V(o)v.
Kai Ivplos aE~ayl'& aaoqlpoaV"1J CllepEKVSllS
IOTaIll'VOS' aoqlll1S Sl8eovSea dVTpa voj.ll:\l(o)v
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Kai C70qIÖs 'Hp&K~E1TOS Iftv, 8eoelKEAos &vi!P,
(\I&ov &PXall1S 'Eqliaov 1VJos, 6s 1I'OTE lloOVOS
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• »4 man. ree.: ""'~ ~II 6 lI'Mo~ Milli, Iml "0inIp0s ~ ~II fI!Ann
IIpctnOll. W I: d~ 'f6 6. 'O!a1\POU' "'~ ToO f\8ous mI ToO axflll(rt?5 cRrroO.
144 I: ~ 8avllGQ'Tbll Tb Tils 11,,6\Ios axi'il'o. Sli IIS 6. TOÜ 'IMcr6fou ~.
S54 dS a. TOÜ ,,?oa~ 'HpatcJ.IITOV.
Antbologia Grasea IT 207

Hoheit. und GUIA! vtlreinten, und Ehrfurcht strahlte sein Antlitz.


Auf dem gebeugten Nacken des Greisl.'s schwebten d08 Haares
Locken, sie fielen nach hinten und glitten im lockeren Falle
wallend ihm rings um die Ohren; in weichem, geschmeidigem Flusse
st.ürzte ihm lang und breit. der Bart hernieder; er war nicht
spitz geschnit.ten, breit. strömte er hin und legte um seine
nackte Brust und das sanfte Gesicht einen Schleier von Schönheit.
Frei war die Stirne von Haar, doch rings um die offene Stirne
thronte die Weisheit, die Kinder erzieht. Das Paar seiner Brauen
hatte der Künstler voll Feinainn mit mll.ohtigen Wülsten gestaltet,
nicht ohne Grund, denn die Augen entbehrten heide dea I.ichtes.
Aber man konnte trotzdem ihn nicht. eint1m .Blinden vergleichen,
denn in den Höhlen der Augen saß Anmut; ich glaube, der Künstler
gab ihm diese Gestaltung, um allen zu Ztligen, der Weillheit
unauslöschliohes Lioht ha.t Homeroa im Herzen getragen.
Hohl aber waren ein wenig die beiden Wangcn, das Alter
hat.te sie schrumpfend befallen, jedoch ein natürlicher Adel,
der vertraute Genoß der Grazien, war drinnen zu Hause.
Flatternd flog um den göttlichen Mund cine Biene der Muse,
triohtig von Tropfen des honiohten Seims. Er ha.tte die HAnde
a.ufeinander gelegt, indes auf den Stab cr sioh stützte,
g1eiohaa.m als lebte er noch unter lebenden Menschen. Er neigte
lauschend sein reohtes Ohr und achien auf ApolIon zu horchen
oder auf eine der Musen bel ihm. So glich er denn einem,
der sich im Herzen bedenkt, und es sprang aus dem heiligen Raume
seines geachJ.ft.igen Geistes sein Sinnen nach hierhin lind dorthin,
da er das kriegriache Werk der Sirene PiCiriena webte.
Auch Pherekydes von Syros erhob sioh im Glanze des Wissens,
und vom göttliohen Stachel des Weisheitverlangena getrieben,
schaute er still in den Himmel und sah in die Femcn dort oben.
Auch Heraldeitos, der weise, der göttliohe, stand da, des alten
Ephesoa Ruhm, got.t.-trunkon; der einzige war er, der einBtena
über die Mühen geweint des armen Menachengoachleehtea.

U' dmmaWro es hrhr.:.tV'TO PI ISI-Ut brI (alo) 4ttA ... lCOUpOTp. Cram. An.
Os. 4, 410, 15 Sä M ['''' IIWI. "",.) q(\IaIS P lv 0:. PI U4 aAAflMncn P
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I.II~as e\JE1ThlO'IV 'lwvI50s 6:v6Ea cpwvTis.
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"n~bolnRI. Gr•• ca J I

Dort. auch Xle.uzte entzückend das Bild doe gcnia.lon Kratin08,


der auf die Stadthenn der Jonier, die Volkavermögenaverprasser,
einst gleich spitzigen Speeren herzbeißende Jamben geschleudert
lind die Komödie veredelt, das Dichtwerk voll heiterer Späße.
Drauf das Bild des Menandros, der einst der athenischen Feste
sl8 ein schimmcrnder Stern der Neuen Komödie erstrahlte.
Oftmals hat pr die Liebe der Mädchen, die Tollheit der Männer,
die ohne Mitgift die Keuschheit der Jungfrau sich nahmen, gestaltet.
hat auch die Diener der Grazien, die Jamben, als Söhne geboren.
einend die heilige Blüte des lüBen Gesangs mit der Liebe.
Sieh, wie Amphitryon glänzte I Sein Haupt WILl' bedeckt mit dem keu.
Lorbeer, und aUen erschien er als Seher voll trefflicher Ahnung, [schen
ohne doch Seher zu sein; als Zeichen des Sieges ob TaphOl
hatte der streitba.re Gatte Alkmenes, der Mutter 80 edler
Kinder, das lockige Haar mit diesem Kranze umwunden.
Tief in Sinnen versenkt war Thukydides; deutlich erkennbar
spann er Charakter und Haltung der Reden in seinem Geschichtswerk.
Hob er die Rechte doch hoch wie damals, als er den harten,
bitteren Krieg zwischen Sparta und Kekrope' Bürgern besungan.
dar die blühende Jugend der Mutter Hellas gemäht hat.
Und ich gewahrte die Nachtigall auch von Halikarnassos,
den gelehrten und hehren Herodotos, der das Vollbringen
iLltester Männer. das zwei Erdfesten geleistet und rollend
einstens gesehen die Zeit, den neun Pieriden geweiht hat,
mischend den Reiz seines Stils mit den Blüten der jonischen Sprache.
Der helikonische Schwan des alten Thebens erhob sich,
Pind&l', der köstliche Sänger, den Phoiboe mit silbernem Bogen
auf der boiotischen Warte dei Helikonl einstena genlLhrt hat
lind im melodischen Sange gebildet; denn bei der Geburt schon
setzten Bienen sich ihm auf die tönenden Lippen und bauten
drauf ihre Waben aus Wache, dem Zeugen der sinnigen Lieder.
Licht stand Xenophon da, der Bürger der Itreitbaren Atthia.
der den mutigon Kyros, Achaimenes' Enkel, bORungen

• 111 lcrn'lm P tOT' 1'1 em. W..micke H4 poet SIS poauit Waltz aa TplXCII P
111 1TOAuo-rtn-r. P // ~ [ox ~.J PI ~. P StI-S1I Vita Thuo. 2 p.
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210 An~bolocia Oraooa 11

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ToVTO 1St lTäalV 1&I~v lllOs aKTJlTToVxOS äJ,IullwlI
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6tO"1CEi\ov via Mt"TJTOS tvppElolITOS 61w,
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MOlpW KV5<V.IIlTJ Bv'avnas, "v In lTal5""'v 410
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KOO"Il1\aas tnUaalv b'\v Bv'allTl5a mrrpTJv.
Kai ,I"OS AVaovlolal "lyUepOOS rnpme IMcVOS,
lTllElwv EÜrnITJS Bepyli\i\IOS, 611 lTOTE 'PWIlTJS 4111
eußPIQs äi\i\Qv "OIlTJpov &V"PlfE lTclcTplOS flxw•
sn .~ 4. TOÜ ).vp111oO .~. PI: IIs 'AAIq!alc.wa. IM IIs 4. Jloinnllou
Kalgapos [abourde pro nO\.l'IT'llov, ~ 'A,'CIG'I'CJOIOII TOO Kalgapos]. PI: IIs
nOIl'lTl\IOII. . . I: MI 6 8a1.1\1aaT6s 0ITr0s Xplo-r05(o)po$ hrI 'Allao-raalou ~v
~ouIMCo>S 'ToO l5,a~ClllillOII 'T6v Zf!lI(o)lIa 'IlTIl'Il5T!lIl11ov 41111crn. 41" .15 4. 'TOV 1T01'lTOÜ
·OIlf!poU. 414 EIs 4. TOÜ 1T011l'ToO BIPYIMou (I: 'ToO Y~II'TOS 'Tt5 '"'"' 'P(o)II<%I(o)1I
l5,aMlc'TltI ,",11 ~II1IV ~11II6I5a W fmcn 8awou!olS).
ADthologla Graeoa 11 211

und beim Sch&ffen dem Brauoh der Platonischen MWIO eich fügte,
da er die trefflioh geborene Fruoht der Kriegesgesohiohte
mit dem Getrl.ufel gemisoht hat der niohtedurohwachenden Biene.
Drauf erhob lich der Seher, Alkmaon geheißen, doch war es
nioht der gepriesene Seher: er trug auf dem Haar nicht des Lorbeera
Blütentrauben als Kranz. Ich möchte für Alkman ihn halten,
der vorzeiten die Kunst der raUlchenden Leier gepflegt hat
und das dorisohe Lied auf klingenden Saiten gewoben.
Drauf Pompeius, der Führer der mühegekrönten Auaonicr,
der, ein funkelndes Mal iaauriermordender StArke,
unter den Füßen zertrat die Schwerter isaurisoher Männer,
kündend, daß er ins Joch der Knechtschaft gebeugt und mit Nikes
unzerreißbarem Band gefeaselt den Naoken des Tauroe,
eben dieses der Mann, der aUen ein leuchtendes Licht war
und den heiligen Stamm Anaat&aioa', des KaiaerI, erzeugt hat.
Denn dies zeigt41 der Welt mein Herr, der treffliche Herrscher,
&la er die Völker Iaauriena mit seinen Waffen vernichtet.
Noch ein Homeroa war da, doch glaub ioh, es war nicht der Dicht-
König, der göttliche Sohn des herrlich atrömenden Meles, [kunst
sondern der Mann, den einst am Strande von Thra.kien die Mutter
Moiro, die ruhmvolle Frau &Da Byzanz, zum Lichte geboren,
die, nooh ein Kind, von den HUBen heroische Dichtung erfahren;
denn er pflegte die sinnige Kunat der Tragödie und wurde
ob aeiner Vene der achimmernde Schmuck der byzantiaohen Heimat.
Und es erglAnzte der aingende Schwan, der, lieb den AUloniem,
herrliohe Worte geatmet, Vergil, den die drüben am Tiber
heimiaehe Sprache dereinat zum zweiten Homeroa geschaffen.

IIS &oIcM.w PI 4M 61c:,,0'C!S P 418 IvjlpllEVTOS PI." 1TCIfl1'IIOS P 411 BvI;avr(1l


P1l/lII&vi\V P PI em. S&ftph. .1...1. eu\. III I DO 11 415 B'PyIMIOS 1'1 [~X
Btpy·1. I 41. ~ PI I.
BUCH III
216

Vorwort zu Buh IU

Buch 111 bringt 10 nur im Palatinusi erhaltene Epigramme, die


im Apollonistcmpel zu Kyzikos sollen gestanden haben. Der Tempel
war von den Söhnen der Apolloni(a)s erbaut worden. Diese, die Witwe
Attalos' I., des Königs von Pergamon (t 197 v. C.), hatte mit ihren
vi('r Söhnen in einem besonders schönen VerhlJtnia gelebt. Nach
ihrem Tode (166/159) ließen ihre Söhne Eumenes 11. und Attalos H.
ihr einen Tt'mpel in ihrer Heimat Kyzikos errichten und aohmückten
dic Säulen mit Reliefs, die von Kindesliebe in Mythos und Sage be·
l·ichteten. Zum Teil sind diese Stoffe allbekannt, z. T. aber - und das
macht die Darstellungen recht bedeutsam - bringen sie Varianten. die
uns sonst. in keiner Weise bekannt sindl •
Die Epigramme selbst sind anonym überliefert, dilrften aber, wie
stilistischt', sprachliche und metriaohe Untersuchungen dartun, alle
"on demselben Verfaaaer herrilhren. Zu erwarten wAre, daß sie aus
dcr gleichen Zeit, dem 2. Jh. v. C., stammten. Das trifft aber nicht
zu. Schon der erzihlende Einschlag weist sie in römische Zeit; Sprache
und Wortschatz deuten ebenfalls auf SpA.tzeit; Prosodie und Metrik
erscheinen gegenüber den klassischen Forderungen 80 Terwahrlost,
daß man Verfa11azeit anzunehmen gezwungen ist. Einem schlechten
Dichter einer frIlhen Zeit aber die Verfaaaerachaft zuzusprechen,
hindert die hohe Stellung der reichen Bauherrn. So nimmt Sitzler als
Entstehungszeit frühestens das 4., Meyer frühestens das ·6.Jahrhundert
an. Die Entscheidung darüber ist aber um 80 schwieriger, als der
Zustand. in dem die Gedichte überliefert sind, lehr traurig ist und
stellenweise die Frage, was auf Kosten des Verf&88Crs bzw. des Ab·
schreibers zu setzen sei, offen lABt.
ErwiLhnt werden 19 SiLulen des Peripterostempela, eine auffallende,
unregelmiLßige Zahl, die uns die Frage nahelegt, wie diese in den Tem·
pel einzugliedern seien. Nach verschiedenen anderen Vermutungen,
so von Radinger, der 20 SA.uleol annahm und ein Epigramm als ver·
loren betrachtet, hat Meyer wohl das Richtige gefunden. Es gab vier
216 Vorwort zu Buoh 111

Ecbiulen (I, 7,10,16), von denen der Verfasaer der Lemmata wenig-
stens die 3 letzten als solche dadurch kennzeichnet, daß er beim Gang
um den Tempel jeweils die neue Himmelsrichtung angibt: 1-7 stan-
den nach Osten, 7-10 nach Norden, 10-16 nach Westen, 16-1 nach
Süden; dort befand sich auch das Tempeltor. Sieht man von den
EcksiLulen ab, dann hatte der Tempel an den Breitseiten je 5, an den
Schmalseiten je 2 Säulen; insgesamt also 18 SAulen. Mithin ist ein
Epigramm zu viel überliefert, und zwar das 18. oder 19., da an der
Südseite auch eine Säule zu viel erscheint!.
Wo standen nun die Reliefs und die Epigramme? Die ersteren wohl
auf der Basis oder am unteren SAulensohaft. da der Lemmatist I am
Rande von Nr. 3 sagt: "Die 3. Tafel des 3. Stylobaten" und entspre-
chend bei Nr •.
Schwieriger ist die zweite Frage. Nach der überschrift zum 3. Buch
standen die Epigramme auf Stylopinakien; das ist wohl eine Art von
Metopen, Tafeln, die man in ausgesparte RAume an den SAulen einge-
lassen hatte. Dann müßten sie aber um der Symmetrie willen alle
die gleiche Verszahl haben; tatdchlich schwankt jedoch der Umfang
der Gedichte zwischen 2 und 6 Versen. Dann mUten ferner die Ta-
feln gleich bei Erbauung des Tempels eingelassen worden sein; tat-
llichlioh sind die Gediohte aber, wie oben gezeigt, erst viele Jahr-
hunderte später entstanden. So drängt sich der Zweifel auf, ob die
Epigramme wirklich, wie die Überschrift des 3. Buches behauptet,
Inschriften waren und nicht vielleicht spAtere Buohepigramme sind_
Auffallend sind die ausführliohen Lemmata', die überdies in unge-
wöhnlioher Weise hier nioht am Rande stehen, sondern in den Text
aufgenommen sind. Meyer hält diese Lemmata für einleitende Worte,
die der Dichter selbst seinem Epigramm vorgesetzt hat. Boi8lOnade
und Radinger dagegen setzen einen von dem Tempelküster verkauf-
ten "Führer" voraus, der neben der Beschreibung des Tempels auch
diese Prosanotizen (doch nicht die Epigramme) als ErklArungen der
Reliefs enthielt. Der gleichen Ansicht ist Waltz. Er glaubt, daß dieeer
"Tempelführer" in die Hinde eines SpAtlings kam, der die ErklArun-
gen versifizierte, die Prosanotizen aber in seinem Büohlein mitauf-

J Nach Meyer Nr. 19. w/ihrend Sibler du 8. Epigramm VlIrdiehtig enoheint.

• Schn-ibtor A. dazu .. inige Zuaiitze von J.


Vorwort &u Buob 111 217

nahm. So ware es auoh zu ventehen, daß die letzteren den Epigram·


men selbst bisweilen widenpreohen. Die Aufzeiohnungen dieses Splt.
lings hat dann der Redaktor der Palatina in die Anthologie über·
nommen, und zwar einachließlioh der Proeabemerkungen, die in die·
sem Falle alao überhaupt keine Lemmata Bind, sondern im Gegenteil
du PrimIre darstellen.
Vielfach lehnen sich die Motive der Epigramme auch an (verlorene)
Tragödien der alten Zeit an, 80 Nr.4 und 9 an den Phineus bzw. die
erste Tyro des Sophokles, Nr.5, 7, IOf., 15f. an den Kresphontea,
die Antiope, die Hypsipyle, die Danae, den Bellerophon bzw. die
Melanippe des Euripides. Nr. 13 auoh, wie Preller glaubt, an dessen
Rhadamanthys.
218

r. EN KYZIKWI

EmrPAMMATA,
a .Is Ta aTVh01fIVchla lytypa1fTO 1fEPltxovTa chaYhV'OVS
laToplas, WS 61fOThaKTal

EiS AI6vvaov IEllthTlV TI'IV IITlTipa eIs ovpavbv 6:\layona, 1fpoTlYov·


IItvov • EPIIOO, IaTvpw\I Si Kai IlhTl\l~\I IIlTa hall1fa6w\I 1fP01fIIl1f6v-
TW\I a6TOVS
Tal/Se fllOs SIla6daal/ tJ.. wSlveaal KEpavl/Cj),
KaÄ1o.lKOIlOI/ KaSIlOV Tl'aiSa Kai 'APIlOvlllS,
Ilcrnpa 6vpaoxap1')s äVc:lyE1 y6voS ,~ 'AXfpoVTOS,
Tav ä6eov TTev6eOs Iißplv ä1lE1ß61lEVOS.
I 611<26- 0 611Tl6- pi l1fal6a Ka6110v et 'ApllOv6'ls P em. Jao.

'0 B Klwv (XII Tl\h"OV 6:\I'yvwplallt\lo\l Ti) laVTOO IITlTpl


Tov ßa6Vv 'ApKaSlllS Tl'po1o.ITI'WV Tl'c:lTOV dveKa llaTPOs
AVyllS TaaS' rnfßllv yäs TeOOpaVTlaSos,
T';ÄEcpos, 'HpaKMoVS cpl1o.os y6vos aVTOs wapxCAlv,
6cppa IlIV ä\jI ö:yö:yCAl ls mSov 'ApKaSlllS.
4 6:IfI 6:v yayw es m61011 P em. Jac.
3
'0 r 'XII TV'hovIIIIIOV 4IoIIIIKa v1fb 1faTpbs 'AIIV\lTOPOS Kai KWhVOV-
aav 'AhKlllt6TlV Tbv OIKllo\l cb6pa
'A1o.KlllfSll ~VVEVVOV 'AIlVVTopa Tl'aISOs lpUKEl,
<I>OIVIKOS S' t6EÄEI Tl'aOaal X61o.ov yemov,
6TII Tl'Ep iiX6ETO Tl'aTpl aa6cppovos dVEKa llaTp6S,
Tl'aÄÄaKlSoS 5ov1o.llS MKTpa Tl'poo1EIlEVCt>·
KEivoS S' aV 501o.lols 'l'16vplallaalv flx6ETo KOVPCt>,
1'jYE 5' fS 6cp6aÄIloUs 1o.allTl'a5a Tl'aI50Ähtv.
Z 6' Jac.1\ 6' l/=OaC7.\: cf. KElTaI I 104. 2 III'1TP~P um. Jao. 4 Tl'POIE""V~P em.
H~yne 6 ts Heyne EIS 1/
1fal60MTTJv P em. Heyne.
2111

m. EPIGRAMME AUS KYZIKOS,


dlo In dem Tom pel der Apollonil,
der MuUer du AUalo. und Eumenu,
auf die Styloplnllklll eingemeißelt waren,
die Flaobrelieh trugen mit folgendeD Szenoa

Auf Dlony.oa. wie er &eIne MuUer Semeie ia dea Himmel binauf.


fübrt. Herme. gebt voraD, Satyra uad SlleDe geleltea aie mit Faokela
Dies ist die lockige Tochter des Kadmos, Harmonias Gatten,
die der Blitzatrahl des Zeus wAhrend der Wehen bezwang.
Dooh aus dem Hades entführt sie ihr Sohn, der thyrsoserfreute:
also richte er nun Pentheus' unheilige Tat.
Anonym

Die zweite Siule &elgt Telepbol. wie er von leiner MuHer wieder·
erkannt wird
Mutter Auge zu suchen, verlioB ioh meines Arkadiens
tiefe Täler und kam her nun zu Teuthraa ins Land.
loh, des Herakles teuerster Sohn, ioh Teleph08, führe
meine Mutter nunmehr heim ins arkadische Land.
Anonym

Die dritte seigt PboiDh:. wie aelD Vater Amyator IhD bleDdeD will
IIl1d Alklmede IbreD GaUeD biDdert
Siehe, Alkimede trennt von dem Sohn ihren Gatten Amyntor,
sänftigen will sie den Grimm, den er ob Phoinix gefaBt.
War ob der züohtigen Mutter doch dieser erzürnt auf den Vater,
der zu dem Lager der Magd, die seine Kebse war, ging.
BÖBeB Gezisohel verriet es dem Vater: der grollte dem Jungen,
und die Augen des Sohns wollt er ZOl'IItören durch Brand.
Anonym
220 Anthologia Graeoa III

'0 Il fXE! nO?VI11\61'\1I kaI K?'VTlolI, TOUS vlous C!>lIIic.>s TOO 9pQtk6S,
OITIIIES TI'l1l C!>pvylall YVllafKa TOO 'll"aTpOS lcp611Evaall, 6TI T;:j I1I'\Tpl
aUTWII K?EO'IT,hpQt aUTI'l1l l'ITE!ai'jYEII
M'lTPVICxIl KAVTlos Kai KAVTOllOOS TTOAVIl1')S'lS
KTelllOVal <l>pvyl'lV llaTPOs Ü'TTtp acpETtpas.
KAelolfCrrp'l S' rnl To1alv ayclAAETal, f}lfplv hreiSev
TCxIl <l>lvtc.>S yallETav Sallvalllv'lv oalc.>s.
t mrTpOs P em. Uhden.

Ii
'0 E 'XE! KpEa'P6I1TI'\II ällalpoOllTa no?'v'P6I1TI'\II, TOO lI'aTpOS TOll 'P0-
lila· faT! 6l Kai Mrp611'1'\ ~QKTPOII KaTixovaa Kai aVIIEpyoOaa Tl;I
viii) 'lTPOS TI'l1l TOO QII6poS h61'\111all
KpeacpoVT~V yevrn,v mcpves TC lfCXpOS, TTOAVcpOVTa,
KOvp1SI'lS ClI.oxov AtKTpa 8tAc.>v lIlaval'
61ft st 01 lfCns f\KE CPOII<t> yevh1:!lfpoaallvvc.>v
KaI aE KaTaKTEIVEI llaTpOs ump MepOlfas.
I
TOUVEKa Kai Sopv lfi'j~e llETacpptv<t>, ä S' rnap1')yel, 6
ßpl8V KaTa KpOTacpc.>v ßmpov tpelSolllva.
3 /lK' 1\1 P em. Jao.

6
'0 s' fXE! nv6wlla ~l1I'o
'A'lT6??c.>lIos Kai 'APTil116os ällalpOVI1EIIOV, Ka8-
6TI TI'l1l AI'\TW 'lT0pEvol1illl'\lI EIS IlE?'cpOUS l'ITl TO KaTaaxEfIl l1allTdoll
11l'Icpallrls 61EKw?vaEII
r 'lyevta TTv8(;)va, IlElllYlltllov lplfETOV OAK01S,
fKVEvel AaTW lfcXyxV IlvaanolllVT)'
aKVAäv yap lfIVVTav tetAel &OV· ä}.}.a ye TO~<t>
8fjpa KaealllaaaEl <1>011305 äTTO C7KOlfli'jS.
l1eAcpov S' ovv 81'JaEl TpllfOV fv8eov' lK 8t SpaKOVTc.>V
lfIKPOTaTOS lfVeVaEl ~o1~ov 6Svp01lEVOS.
3 aKV?av P cm. Ghardon " 18l?EI 1I'1IIVTQv et TOI;OIl P em. Jac. I oW Jac. oV 11 iK
iungt' cum 'II"IIEVan 6 'ITIKp6TaTOS 'l1"li. noe 'lTIKpOlI d:'JTo'll"ll. [of. IX I. 2].
Antbologia Graeea 111 221

Die vierte zeigt Polymedes und Klytios. die Söbne des Pbineus VOD
Tbrakien. die das pbrygisobe Weib ihres Vaters töteten. das dieser
anatelle ibrer Mutter Kleopatra ins Haus gebraoht batte
Klytios und Polymedes, der kluge, hier morden sie ihre
phrygische Sticfmutter hin, rächend die Mutter; darob
jubelt Kleopatra auf; sie hatte zuvor ja gesehen,
wie mit Recht hier Gewalt Phineus' Gemahlin erlitt.
Anonym

Die fiinfto zeigt Kresphontea. wie er den Polypbontos. den Mörder


inoa Val.ers. tötet. Auoh Merope ist da. die einen Stoek trägt und
8 ..
ihrem Sohn bei der Eracbl&gung des Mannes hilft
Einst, Polyphontcs, hast du Krcsphontes' Vater getötet,
um seines ehHehen Weibs Bett zu besudeln; doch kommt
später ihr Sohn, um den Vater durch deine Erschlagung zu rAchen,
und er tötet dich auch Meropes halber, des Weibs,
das ihn geboren: er wirft dir den Speer in den Rücken, sie selber
hilft ihm und schmettert den Stab schwer auf die SchlAfen dir hin.

Anonym

Die sechste zoigt Pytbon. wie er von ApolIon und Artemie getötet
wird, weil or vor Leto, die naoh Delpbi geben wollte. um dort ein
Or&kel zu gründen. plötzlieb ersohien und eie aufhielt
Voller Ekel vor Python, der erdentsprossenen Schlange.
die in Windungen naht, wendet sieh Leto hinweg.
Wollte das Tier doch die Göttin, die kluge, entehren; doch Phoibos
von einer Warte herab rafft es mit Pfe~en dahin,
wird den prophetischen Dreifuß in Delphi nun setzen; der Schlangen
tückischste aber verhaucht zischend und klagend den Geist.
Anonym
222 Aothologia Graeoa III

'0 Z 'XEI '!npl Ta &pKT~a l1ipTl 'Allopiollos Kai Zil&ov IcrToplall' 1TpOcr-
&1TTOllTES TavpCt> T1'\1I t.IPKTlII, /lT' T1'\1I I1TlTtpa aVTC,1I 'AIIT.61TTlII,
6.a T1'\1I op&opall I\VKCt>, TI;l &1I6pl aUTijs, u1Tb NVKTtws, TOÜ 1TaTpbs
aUTijs, (1Tapa60&slcrall), 6pyij !;;Tl}.OTV1TCt> tvlx&elcra, &l1hpws h.-
I1 w pilcraTo
'Allcplc..>1I Kai Zfj6e, tuOs C7K\1ACXKE1iIlCX'Ta, ~lpKTlII
tm:11ICX'TE TallS' 6MTIII llCX'Ttpos 'AllTlo'!Tas,
StallIoll TJII '!TapOS dxe S\I% ~T\A1'tIlO\ICX Ili'jlllll-
WII S' IKhls a\mi AlaaeT' 6Svpo!lfIlT\'
~ ye Kat ~ TaVPOIO Ka66:Trre-re SI'!TAaKa aelp1'tIl, 5
6cppa SEllas eniPTl Ti'ja5e KCX'Ta ~Mxov.
• Lemma: 'lrapa6. add. Heyne I t..bs Wil. 6vo /I C7KVMVl1aTa P em. Ja.o./I t.lpK'111
Chardon -TlS S 1\11 Jao.1\ • "wns Jao. -TTlS .. ~ YE nos &y6// Ka&Crnttra. P cm.
Chardon.

8
'Eil Tij> H fI TOÜ '06ucrcrtws IIEKUOl1aIlTEla' Ka&tcrT'1K1II TfllI 161all I1Tl'
Ttpa 'AIITIK}.uall 1TEpl TC,II KaTa Tbll OIKOII &lIaKplllwlI
MäTEp 'OSvacrijos m1lVT6cppolios. 'AIITIWIQ.
~c;)aa 1l~1I EIs '166:KT\1I OVx \nrtSe~o '!TalII'
&AM ae IIÜIl •AXtpoIITOS hrl pT\Ylllal yeywaall
6aIlßEI. alla YAVKEpali llaTEpa SepKo\lEIiOS.
:e üm~aTO P em. Heyno 3 P'YI1IC71 P em. Jac.

9
'Eil T~ e na}.las Kai NTl}.EUs 1}.}.E}.&eavlITa •• 01 nocruSc,IIOS 1TaI6ES.
IK 6acrl1C,1I T1'\1I lauTC,1I I1'1T1pa ~U6I1EIIO', 1\11 1Tpc:,TlII 6 1TaTflp 11111 Ia}.-
I1WIIIUS 6.a TillI op&opall '6'1crEII. fI 61 I1TlTpv.a aUTijs I.6'1pc:, Tas pa-
cr&IIOVS aUTij hrhllvlv
M'; TVPQ TPVx01 aOIl c-n amlpT\lla. !IST\pol.
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oliKhl yap SOVAc.OOel Iv IpKEalll, tyy\I6l Aevaac..>11
NT\Ata Kai neA'all TovaSe Ka6e~O!lfllOVS.
I 11'1 Tlpa TPTlXdo.C7IIIIm cr1T. C716ilp'tl P em. Stadtm. :e Ü1ToTacrcrolAlvav Jac. -1I'tl.
AnLbologia araeca I11

Die liebte, an der Nordleite, seigt die a ... obiobte Yon AmpbioD und
Zethol; lie binden Dirke an einen Stier; donn diese hatte ibre HuUer
Antiope, die yon Ibrem eigenen Vater Nyk&eul an Dirkes aaUeu
Lykol aur Bestrafung für ihren FehltrlU ßbergeben "ar, anl Eifer.
luobt in grausamater Wei .. mlßh .. ndolt
Tötet, ihr Söhne des Zeus, Amphion und Zeth08, die Dirke,
tat aie dooh Sohlimmstes dereinst Mutter Antiope an,
hat aie aua eifersüohtiger Wut in Feaaeln gehalten;
jetzt aber tritt aie an euoh flehend und wimmernd heran.
Knüpft an den Stier aie nun an mit doppeltgewundenen Strioken,
daß er den Körper ihr achleift bis in die waldige Schlucht.
Anonym

Auf dor aohten Ist die Totenbeaoh"örullg dos OdYlloua dargestollt;


or befr .. g' lorade leine eigene Mutter AntIklei .. ßber die Verbältnilse
in eeinem H .. us
Antikleia, 0 Mutter dca klugen Odyaaeua, du konntest
nicht in Ithaka mehr lebend empfangen den Sohn.
Ach, an des Acherona Flut nun blickt er voll tiefer Bewegung
zu der Mutter Wnauf, die er 80 zirtlich geliebt.

Auf der neunten lind Peli ... und Neleaa, die Söhne POleidona, dar.
geatellt, wie lie ihre Mutter aua den FelIein bofreion. Dieae hatte Ibr
Vater Saimoneul einat wegen ibrea Fohltrltts in Kotten geiegt,
und Ihre Stiefmutter Bidoro hAttO lio go martert
lAnger 8011 deine Feaael die Tyro nioht quAlen, Sidero;
unter SaJmoneua' Gebot duckt aich die Tochter nicht mehr.
Denn er bindet aie fürder nicht mehr 80 sklavisch, dioweil er
Neleua und Peli&s sieht, die aich hier zu ihr gesetzt.
Anonym
AnLbololia Ora.oa IU

10
'EIl &. T/II KaTa &üal\l 1I'}.IUp4\ laTlv 111 6pxi:! TOÜ I 1I'lIIaKOS EOllooS
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11
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tKw'll'l'as TOOTOII 111'1 TilII Tfls ropy611oS KI,a}."'v, KaI 611 KaB' lT,pou
BallaTov '11'111611 YlviaBal, TOÜTOII aOTbs KaTa TI\II 1I'p6110lall Tfls
61KIlS '&'~aTo
-ETA1lS Kai aV Mxll Aav&11S, TIoAu6EtcTa. IJlaf\lllll,
6vacpftIJ01S Elivats T~ tul 1JE1J'fKl1Jl1/OC;'
&116' (r)1I 61J1JQT' D.U01 Ta ropyoVOS lve&6e nepaeus.
yuta AI60vpyftaas j.I(ITpl Xaplt61JE1IOS.
Lemma: &pIfI_ SLlldLm. 1rIpIf(o)II.

12
'Eil T4\ 18 'I~I(O)II cD6p!SaVTa KaI nO}.Vllll}.Oll 611alpolh &Ia Tbll EIS TilII
IlllT'pa Tilv 1&lall MEyapall y.Ylllllllivoll ,6voll' 11116' b1l'6T1poII yap
aUT&II 1I'pol}.OP'Vll yf\llal, 6yallaKT"'aallTiS 111'1 TOOTO 1,6vluaall
CZI6p~ Kai noAVlJllAoII 66' '1~I(.o)1I ~ yal1J,
1TOlväv Täs 161as j.I(ITpOs &&.tvv611111OS.
Anthologia Graeea II [ 225

Auf der Westseite sind zu Beginn der zehnten Tafel Eunoos und
Thoas, die Söhne der Hypsipyle, skulpiert. Sie werden von ihr ... r
Mutter erkannt, zeigen ihr die goldene Rebe, das Zeiohen ihrer Ab.
stammung, und retten sie dann vor dor Eroohlagung, die sie bei
Eurydike wegen des Todes des Arohemoros erdulden sollte
Thoas, zeig das Gewächs, das Bakchos lieb ist I Du rettest
Sklavin Hypaipyle ja, die dich geboren, vom Tod.
Grollt' ihr Eurydike doch, denn die erdent8pro88tlne Schlange
biß ihr das zarte Kind, ihren Archemoros, tot.
Geh, verlasse auch du Asopos' Fruchtland und führe
Lemnos' glücklicher Flur bald deine Mutter nun zu.
Anonym

Auf der elften ist Polydektes dargestellt, der König von Seriphos,
wie er von Perseul mit Hilfe deI Hauptel der Gorgo in Stein ver·
wandelt wird. Um Perseus' Mutter heiraten zu können, hatte er die-
len ausgesandt, das Haupt der Gorgo zu holen; aber den Tod, den er
einem andern zugedaoht hatte, erlitt er selbst naoh der Vorlehung
der Dike
Du auch hast, Polydektes, der Danae Lager besudelt,
hast mit schändlicher Lust frevelnd gelästert den Zeus.
Nun hat Perseus dafür die Augen der Gorgo entschleiert
und seiner Mutter zulieb ganz dioh verwandelt in Stein.
Anonym

Auf der zwölften ist Izion dargeIteIlt. wie er Phorbas und Polymelol
wegen der Ermordung seiner Mutter Megara tötet. Diese hatten lie,
weil eie keinen von ihnen heiraten wollte, in ihrer Wut umgebracht
Polymelos und Phorbas, sie sohlug hier Inon zu Boden,
Raohe nehmend für das, was seine Mutter erlitt.
Anonym
Anthologi& Gruo& 111

13
'0 ai Ir (lXII) 'HpaK?la ayona Ti!II Il'lT'pa aliToO 'Abll~II'lll als Tb
'H?licJloII 1r.llloII, aVllo'KII~ona aOTi!II 'Pallallc!Iv&vt, aliTbll lIi Eis &Iolis
aI\8," iYKP,"61l1"0"

'AÄKISas 6 epaaVs 'PaS~avevi IJcrdpa Tav&


'A).KIJ!\vav &nov 'll'pOs ÄEXos l~5oTo,
Lemm&: 'Xllinser. Btadtm. I 1~60T0 J -&To PI.

14
'Eil lIi TQ 16 TITVbs li1rb 'A",6?'?'wllos Kai 'ApT'"lllos TO~IV6IlE\lOS,
'1rulli! Ti!II Il'lTlpa aliT&)II A'lTW hb?ll'lalll Oll pi aal

Mäp)'l Kal acppoaVV1J ~~w. TI'II'TIi ßlalWS


EIS EVväs hpä-rn,s Täs l110s &Vl/mSOS i
6s en SI'I atlJCXTl «pOpen KaT6:~la, &rtpal Sä ßoppäll
Kai 1mXvolS rnl y(i daen \IÜ1I 6aIWS.

111
'EIl lIi TQ IE B'??IPO,6I1T'lS li1rb TOO 1ralllbs r?'aliKOV acpa;61l'"oS,
1'\lIhca KaTElIIx811S li1rb TOO n'lyiraov ,Is Tb 'A?~lo\l "'161011- '"l?'?""
1i1r6 M,ya",h&ovs TOO npolTov ,oll.lila&al

00 d Tl npolTov (mal cp61101/ CaxE8e BUV.ep0cp6\1TT1S


OOS' IK ToV 'll'aISOs TElpOll8l1OS eavaTOl/,
n.aüK', 4KpanOI/, ä)'IlIIIOÜS 'Io~ s' Wa).v~·
o\iTc..)s yap MOI~I/ (T4'>5') briKÄCo)01 )Jva.
Kal aV 'll'crrpOs cp6VOI/ cxVT6s ä'I!'1\Äaaas lyyV8E1/ Ue~I/,
KaI 1Jvec..,1/ laeÄWI/ lJ6:pTus mcppäaao.
I 00 d n...r. WTiIl \mal -1TGI66s I cNII' P&ton TOOa' 11 Tllp6IJIvos Heck. -ou
S n.ca:-, ICfICIIITCIYWous P.m.
DelIr. et Hecker .. TQS' ecld. J&O. I 4m'I?cxwos
P em. Hp)"nll 8 '~p6aao Royn. -aTO.
Antbologia Graeca 111 227

Die dreizebnte zeigt den Herakles, wie er Beine Mutter Alkmono zu


don elYlbcben Gefilden fübrt und sie mit Rhadamantbya verbeiratet,
wäbrend er .elbst dann unter die Götter aufgenommen wird

Sieh. der kühne Alkide gab hier seine Mutter Alkmene


dem Rhadamanthys zum Weib. knüpfend ein heiliges Band.
Anonym

Auf der vierzebnten ist Tityos darge.tellt, wie er von ApolIon und
Artemla mit Pfeilen durcbbobrt wird, weil er ihrer Mutter Leto
Gewalt anzutun wagte

Sag, wie kam dir. Verwegner. der trunkene Mut zur Gewalttat.
der zu der Gattin des Zeus rasend ins Bette dich trieb?
Wahrlich. der hat nach Gebühr in Blut dich gebadet und ließ dich
Tieren und Vögeln zum Fraß jetzt auf der Erde - mit Recht.
Arnmym

Auf der fünfzehnten iat Belleropbonte8 darge.tellt, wie er von .einem


Sobn Glauk08 gerettet wird, als er in der A16iloben Eb",ne vom Pega •
• 01 abgeworfen wurde und Megapentbe., der Sobn des Proit09, ihn
eben töten will

Nie hätte Bellerophontes nach seinem Sturze von Proitos


und dessen Sohne den Tod. Glaukos. erfahren. da ihm
dies nicht bestimmt war; er bleibt auch vorm feigen Iobates sicher;
spannen die Moiran ja doch also die Fäden ihm zu.
Eben erschienst du. da war schon dein Vater vom Tode errettet.
und gleich warst du der Held solch einer herrlichen Mär.
Anonym
228 Anthologi& Gracca JJI

16
KaTel< st Tel<S 8upas Toii vaoii 1fpoaI6vT"'v 'aTlv Alo},os Kai BOI"'T6s,
noauSwvos 1faISES, ~V6I1EVOI 'K SEallwv Tftv III1Tfpa ME},avl1f1fl1v,
TWV 1fEPITE8fvT"'V aUTij SIel< TftV tp80pel<v u1fb Toii 1faTpbs aUTfjS

ATOM Kai BOIWTe, ao~6v CPlhOllfITopa llii60v


'll"PfI~aTE, Ilf\Tep' Eilv hv61lEVOI 6avO:rov·
TOVllEKa yap Kai (acp(;)l) m~fIvaTE eXhKlllol ä"Spes,
ÖS Iliv 6:rr' Alohlf\S, ös S' 6:rr6 BOIWTIf\S.

17
'Ev SI Tl!> li "AVa1flS Kai 'Alltp1vOIIOS, 01 fKpayhT"'v TClv KaTa IIKE-
},Iav KpaT1'\p"'v Sla Toii 1fVpbS ouSh hEPOV i'} TOUS 'avTwv yov&lS
j!laaTaaavTES Ca",aav

TlvpOs Kai ya1f\S ...


Srquitur lacun& "' vuntuum.

18
'Ev s.Tl!> IH KMoj!lls taTI Kai BIT",v' TftV lavTClv III1Ttpa KvSI1f1fI1I1,
IEp"'lItvl1v lv "Apyu "Hpas, aUTO I u1foax6VTES TOUS auxfvas Tl!> .l;vyl!>
SIel< Tb j!lpa6iillal Tb l;EiiyoS TWV j!lowv, hpovpyfjaal [TftV III1T1pa]
t1foll1aav' Kai ftaGElaa, tpaalv, '1f1 TOUT", 'KElVI1 11(i~aTo Tij GEl!>, iI
TI taTI "a},},laTOv tv avGpW1fOIS, ToiiTO TolS 1falalv aUTfjs U1favTfj-
aal' kai ToiiTO aUTfjs EU~allivl1S 'KetVOI aUTovvKTI Gv(laKovalV

Ou IjJtVSlis öSe Ilii605, 0:Af\6e1lJ S~ KEKaaTal


KvSI'I\"'I\"f\s 'll"alSwv Euae~If\S 6valf\.
"Svxaplis yap (f\v aKO'll"Os avSpacnv ",PI05 o11lO5,
Ilf\TPOs l'll"' EÜael'llJ WIVOV (6evTo 'll"6vov.
Xa1POIT' ouv lepoialV rn' EÜael'llJ, !<hUTol ävSpes,
Kai TC)\! 6:rr' al&>"wv llii60v (xOITE 1l6vol.
I clI}.l1Gd1J Jac. -11 :a 8vcrll1 Walb -1111 S ft6u XaPls P em. Jac.1I 011105 W&ltz MOS.
Anthologia Graoca T[J 229

An der Seite deI Tompeltorea sind die Poseldoneöhne Aiolol und


Boioto., wie sio Ihre Mutter Melanippe aUI den Feueln befroion, in
die ihr Vater sie zur Beatrafung für ihren Fehltritt gesohlagen hat

Herrlioh das Beispiel der Liebe, BoiotoB und Aiolos, das ihr
gabet, indem ihr vorm Tod euere Mutter bewahrt.
Deshalb zeigt man euoh auoh als Männer von tapferem Mute:
den vom boiotiaohen Land, den von aiolischer Flur.
Anonym

Auf dor siebzehnten sind Anapis und Amphinomoa dargeetellt, die


bei einem Vulkanaulbruch auf Sizilien nichts anderes als ihre Eltern
rettend durchs Fouer forttrugen
Feuer und Erde ...
Anonym

Auf der achtzehnten sind Kleobie und Biton dargeetellt; eie luden
eich selbst das Joch auf don Nacken, weil das Ochsengeepaun zu
langsam ging, und erreichten so, daB ihre Mutter, die Hernpriostcrin
Kydippe in Argos, (rechtzeitig) das Opfer darbringen konnte. In
ihrer Freude darüber, so heiBt es, betete die8e zu der Göttin. aie
möohte ihren Söhnen dal Beste bescheren, was 08 für !denechen Kuh ...
und nooh In derselbon Nacht nach dem Gcbllt ehrben ihre KIndcI'

Nioht ist erdiohtet die Sage; das Liebesopfer der Söhne


dieser Kydippe erhält duroh ihre Wahrheit den Glanz.
Herrlioh das Ziel dieser Männer, reohtzeitig die Mutter zu bringen,
nur die Liebe zu ihr sohaffte dies rühmliohe Werk.
Nehmt denn, gepriesene Männer, für eure Liebe dies Opfer,
und auf Äonen hinaus leuohte die Sage - nur euch!
Anol/gm
230 An\bololla Oraooa III

19
'Ev lil T/j\ 18 'Pi\IIoS Kai 'PWIII'I)'OS IK Tfls 'Allo).lou Ko).aa.ws t»u6l1evol
TI\V II1\T'pa. Ilp~I\).lIav 6v611aTI- TaI'lT1\V yap 6 "Ap1\S ,all pas I~
al'lTi\S ly(vv1\aev, Kai IKTlOIVTas aliTous )'I'IKalva COp .... lV. av5pw'lv-
T.S o~" TI\V II1\Tlpa T~V 5.all~V ').uaav. 'P~II1\V 51 KTlaavTlS NOIIl\-
TOPI TI\V ~aal)'lIa" dt,uKaTiaT1\aaV
T6v& aV IJ!II 'lt'af6c,,)11 ~IOII y611011 -Apel ThmilS
'Pf\1!611 TE ~ Kat ·Pc..>III:tMII ?&xic..>lI.
6i!p 5t ~\n<alll' ~II \nr6 cnn'\~V)'YI TI&llvOs.
ot a& SUlJ'TlldaTc..>1I i'lp'lt'acrall i1c Kallc!rrc..>\I.
Lemma: add.1 p.80: 1TIpi 'Pi\lOU [ex 'p!\\IOU) Kai 'PwlIl'lMu, TWv ulWv ~IAI~,
OITlVlS ~I ,""v 'PWII1\V lImaav e\ p. 81, mpl 'PwlIl'I)'OV Kai 'PI\IOU T~V alll)..
~. OITIVlS ,""v 1IlYdt).1\V 'P~1\V Iomaav, - I y6vov SobIIer 1I6vov I pw Il'iUwv
P em. Jao.
Anthologia Oraeoa 111 231

Auf der neunzehnten sind Remus und Romulus dargestellt, wie sip
ihre Mutter Senilia &US der Mißhandlung dureh Amulius befreien.
Denn Ares hatte .ie verführt und von ihr diese Kinder erh&lten. Sie
w&ren dann ausgesetzt und von einer Wölfin genährt worden. Als
.ie nun her&ngewachsen waren, befreiten sie ihre Mutter aue den
Feaeeln, gründeten Rom und br&chten Numitor wieder auf den Thron
Ares in Liebe vereint, hast du die Zwillingsgebomen
Remus und Romulus ihm heimlich als Söhne geschenkt.
Doch eine wilde Wölfin zog säugend sie groß in der Grotte,
dann aber retteten sie dich aus der grausamen Qual.
Anonym
BUCH IV
Vorwort zu Buch IV

Buch IV ist nur im Palatinus (S. 81-87) überliefert; es enthält die


Prooimien, die Meleagros, Philippos und Agathias ihren Sammlungen
vorangestellt haben, im ganzen 215 Verse.
Zu Anfang steht das Einleitungsgedicht des Meleagros. Über den
Dichter, sein Werk und seine Lebenszeit orientieren uns 3 hier be-
findliche Notizen, die von großer Bedeutung sind: .. Dieser Meleagros
war ein Phoiniker aus Palästina. Er stellte den wundervollen Epi-
grammenkranz zusammen. Geordnet hat er die Epigramme alpha.
betisch, doch zerstörte Konstantinos mit dem Beinamen Kephalas
die Ordnung und verteilte die Epigramme auf verschiedene Bücher,
nämlich nach Liebes., Weih., Grabepigrammen sowie Epideiktika,
wie sie in dem vorliegenden Werk heute vorhanden sind." - "Melea-
gros war ein Syrer aus Gadara. Er starb auf der Insel Kos_" - "Er
stammte aus Gadara, wie er selbst weiter unten [VII 417-419) von
sich bemerkt. Er blühte unter der Regierung des letzten Seleukos. "1
Der "letzte Seleukos" war Seleukos VI., der von 96-95 regierte; mög-
licherweise handelt es sich aber um den letzten "Seleukiden"; das
wäre Antiochos X., der von 95-83 regierte.
Aus dem Prooimion selbst erfahren wir, daß der Dichter seine An-
thologie einem auch in XII 257 genannten Freund Diokles widmet,
unter dem einige den Philosophen Diokles von Magnesia, der etwa
30--40 Jahre jünger als Meleagros war, verstehen, während andere
an einen von dem Dichter geliebten Knaben von der Insel Kos denken,
wo MeleagroB damals lebte.
In der Hauptsache beschränkt dieser sich darauf, die Dichter auf-
zuzählen, die er seiner Sammlung einverleibt hat. Eine besondere
1 S. 81: 1: QÖTOS 6 MÜliaypos <Ilolvl~
i\v TaoV lmO ncV.alcrri"'lS lTOM(o)V. IlTollltml
61 TOV 8aullaalov TOUTovl TOV Taov rnlypallllcl<T_ aTtopavov. avvha~Ev 51 Me.
KQTclI. aTOIXdov, a1Jle. K(o)VaTavTlVOS 6 ilTOvollat;ollEvOS KEcpa1\ö:s avviXEEV Me.
afOplaas EIs ta;cp~ala 5lafOpa· 1\yow tP(o)TIKe. 151(0)5 Kai avaBEIlQTIKe. Kai tmTlill-
lila Kai Im6EIKTlKa, Ws viiv 1ilT0000aKTat Iv TcjI lTapOvn 1TTUKTI'lJ. - -ÜTI 0 MEM-
aypos ra5apllvOs i\v, TO ylvos Iupos· hÜlEUTl}tmI Iv KcjI Tij vt\a'lJ. - S. 82: 1: ra-
5apllvOs i\v, Ws tv TOlS IlllT~V a\rrOs kNToii IIiVIlIiOVEVaEV·1\KIlO:aEV rnl Ie",,"IKOV
Toii taxcl<Tov.
238 Vor.orL &D Buch IV

Ordnung herrscht in der Aufzählung nicht vor; doch scheincn wenIg-


stens Anyte, Moiro und Sappho als Frauenl , Melanippid611 und Simo-
nides' als Zeitgenossen des 5. Jahrhundcrts, Euphorion und Diosko-
rideal als solche des 4. Jahrhunderts, Polystratos und Antipatroa von
Sidon' sowie Thoodoridas und Phanias' als lolche des 2. Jahrhunderts
und Poseidippoa, Hedylos und Aaklepiades' als persönliche Freundo
absichtlich zusammengestellt zu sein.
Im ganzen nennt Meleagroa, von seiner eigenen Person abge&ehen,
47 Dichter, ohne, wie er sei bIt aagt.7, auf Vollständigkeit Anspruch zu
machen. Tatsächlich hat die moderne Forschung auch noch eine be-
trächtliche Anzahl nicht genannter Epigrammatiker in dieser Blumen-
lese nachgewiesen. Umgekehrt lind vier von Meleagros genannte
Dichter in UD8eI'Cr heutigen Anthologie gar nicht mehr vertreten,
nll.mlich Euphemos, Melanippides, Parthenis und Polykleitos_ Wenn
Meleagroa auch einige ältere Epigrammatiker, und zwar nur solehe
von klangvollem Namen, aufnimmt, 80 beutet er doch vorwiegend
solche der hellenistischen Zeit und seiner Gegenwart aUI.
Er nennt seine Sammlung "Kranz"'. Das war an und für sich nichts
NeUCI. Denn Ichon Sappho hatte von den Rosen Pierienl, Pindar
von den Blumen der Lieder' und Antipatros von dem Kranz der
MusenlG gesprochen. Aber Meleagroa gellt insofern weiter, als er jeden
cinzelnen Dichter mit einer besonderen Blume vergleicht und aus
der Gesamtheit dieser Blumen einen bunten Kranz ßicht. Darin bleibt
01' original. Wieweit allerdings die einzelnen Blumen für den betreffen-
den Diehter eharakterisierend lind, mag dahinstehen. Der Pinien-
zweig, die Ehrengabe der isthmischen Sieger, paßt durchaus für den
heroischen Dichter Mnasalkesll, die Aphroditeblume Lychnis für den
Liebesdichter Euphorionl l ; die Distel eignet lich gut für den boshaften
Archilochos1 3, die hohe Palme für Arat, den Dichter der SterneU, untI
der zur Aromatiaierung von Wcin verwandte Quendel für Theodoridas1'.
Bei einigen nahm Meleagroa anscheinend die spezifische, für die Hei-
mat des jeweiligen Mannes bezeichnende Pflanze, so Henna für Anti-
patros von Sidon1' und vielleicht Narde CUr Hermodoroa17• Doch die
schönsten Blumen, die Lilien bei Moiro und Anyte, die Rosen bei
IV. 5f. I V 71. I V.23f. • V. 41f. • V.63f. • V.46f. 'V. 65.
• r. 2. • 01.6, 10:;. " AG VII 14. 11 V. 16. .. V. 23. JIV. 37.
" r.40. .. \'.11:\. " V.42. "V. 43.
Vorwort zu Blich lV 237

Sappho und die Iris bei N08llist, dürften weniger eine Charakteri·
sierung der Dichterinnen als eine Galanterie des Anthologisten dar·
stellen. Aber wenn wir bei den übrigen Dichtern auch eine Bezug·
nahme zwischen Blume und MenBch nicht erkennen, so wäre es doch
voreilig, diese ohne weiteres zu leugnen, da wir einerseits zu wenig von
dem dichterischen Schaffen der einzelnen erhalten ha.ben und uns an·
dererseits viel zu wenig von der "Blumensprache" der damaligen
Zeit beka.nnt ist, um eine vielleicht doch nur leise Andeutung be·
greifen zu können.
Du zweite Gedicht ist du Prooimion zu der Sammlung des
Philippos. Dieser ahmt, wie er selbst gestehtZ, Meleagros nach, und
zwar sklavisch. Auch er nennt seine Sammlung "Kranz.. •• Auch der
Inhalt dieses Gedichtes ist dem Prooimion des Melea.gr08 nachge.
bildet. Der Adressat ist Ca.millus'. Ob es sich hierbei um L. Arruntius
Ca.millus Scribonianus ha.ndelt, der i. J. 32 n. C. Konsul war und im
Verlauf eines Aufst&ndes gegen Claudius i. J. 42 hingerichtet wurde,
ist strittig und scheint na.ch den neueren Forschungen von K.Müller&
ausgeschlossen. Philippos zählt dann, ebcnfalls ohne AnBprueh auf
Vollständigkeit' und von ihm selbst a.bgesehen, 13 Dichter auf, deren
Werke er ausgezogen hat, wobei er sich nur a.uf die Dichter seit Mele&.·
gros, also a.uf die der letzten hundert Jahre beschränkt. Auch er ver·
gleicht jeden dieser Dichter mit einer Blume, aber eine Deutung der
Blumen als Charakteristika der einzelnen Dichter ist hier noch viel
weniger möglich als bei Meleagr08.
Du dritte, umfa.ngreichste Gedicht leitet den Kykl08 des Agathias
ein. Dieser widmet seine Anthologie, wie der Lemmatist notiert?, dem
Dekurion' Theodor08, dem Sohn des Kosmu 8, der wohl mit dem Pro·
konsul Theodoros Illustri0810 identifiziert werden bnn.
Agathiu gliedert sein Prooimion formal und inhaltlich in 3 Teile.
Im ersten, der in ja.mbischen Trimetern abgefa.ßt ist, vergleicht er seine
Sammlung mit einem Nachtisch, den er einer schon reichlich gesättig.

I V. 5f., 01. • V... • \'. 7. • V. 5. • Antlphiloa von Byzanz, 1935.


• V.13f. 1 S. 83: 1: 'AyaGlou axo~aCTTIKoV 'AalCXllOV Mupl\lalou o<t crrt,avos,
6~~a ovvay"'yl) vi",,, tmypa~~6:T",,,· l\K~aaE\l 5' OÖTOS 6 'AyaG1as rnl 'IOVCTTI.
"IQVOV TOU I1EYä},ou' fYP<lI+'E\I 5t Kai Icrroplav Kai Ta hTo~at;6~a lI~"ICD<a'
fyfX1'l'l 6e TaüTa Ta rnlyp6l.a~aTa 1T~ 9E66",pov 6EKovpl",va. Vgl. auch das
Scholion zu IV 3a. I Vorstl'hor von 10 SilentiBrii. I V. 101-112. 10 AG I 36.
238 Vorwor' aa Baob IV

ten Gesellschaft vorsetzt. Die lustigen, der Komödie, besonders Ari·


etophanes1 nachgebildeten Verse heben eioh wohltuend von den fol-
genden Hexametern ab, die einen prunkvollen und eohwiilatigen
Panegyrikus auf Justinian darstellen, vollgestopft. mit militärieoh-
geschiohtlichen und mythologisohen Anspielungen. Am Schluß dieeea
Teiles zählt Agathiaa die einzelnen Büoher seines Kykl08 auf; danaoh
handelt es sich um 1. Weihgedichte (Anathematika), 2. Epideiktika,
3. Grabgedichte (Epitymbia), 4. Ermunterungen (Protreptib),
5. Spottepigramme (Skoptika), 6_ Erotika und 7.Trinkgedichte (Sym-
potika). Der letzte Teil dea Prooimione ist das schöne, in elegischer
Form abgefaßte Gedicht auf die wahre Unsterblichkeit.
Für uns erhebt lieh nun die Frage, ob diese Prooimien achon in der
Anthologie des Kephalu gestanden haben. Die Frage ist achwer und
mit unaem jetzigen Mitteln nioht ohne weiteres Ida.r zu beantworten'.
Gegen die Annahme sprioht du einleitend angeführte Lemma des
Palatinus, in dem ala Einteilung des Kephalaa Erotika, Anathematika,
Epitymbia und Epideiktika genannt werden, also die jetzigen Bücher
V, VI, VII und IX; von Prooimien ist nicht die Rede. Aber da die
letzteren weniger ein eigentliches thematisohes Gebiet umf_n, als
ein Vorspiel darstellen, besteht die Mögliohkeit, daß der Schreiber
dieeea als belanglos beiseite gelasaen hat. Dagegen spricht ferner du
Epigramm V I, das lieh ausdrücklich als erstea Gedicht der Anthologie
prl.aentiert; tatllAchlich lasaen sich die Prooimien in der Oeaamtanlage
der Anthologie auch kaum an einer andem Stelle als zu Beginn der
Sammlung denken. Aber hier läßt sioh die gleiche Erwägung wie bei
dem vorigen Punkt anstellen. Gegen du Vorhandenaein von BuohIV
bei Kephalaa spricht letztens die Tatsache, daß der Korrektor c,
der von Buch V ab peinlioh genau alle Fehler verbessert, in den
Büchern I-IV nur sehr wenig korrigiert hat; dann mü_n, so sohließt
man, diese Bücher auch in dem Vergleiohaexemplar des Korrektors,
du eine Abschrift der Anthologie des Kephalas war, gefehlt haben.
Doch zieht dieser Grund nicht recht, da der Korrektor, wenn auch
wenig, so immerhin doch auoh hier tätig war. - Macht man sich von
dioaen Bedenken frei, 80 apricht die Wahrscheinlichkeit VOD vom-

I VII. V. 14,16, 29a. • AaafilDrlicb dariibor Preiaendau: Antbologia PaIa-


tina. Codex NaLID\III oL Codox Pariainllll photographice editi I p. LI-LV.
Vorwort BQ Buoh I V 239

herein dafür, daß KoplurJaa an dioaon Godiohton, in clonen jeder der


Sammler leiD Werk charakterisiert ha~ nicht ganz vorbeigegangen
eein kann. WAhrend daher Henrichsen noch die Zugehörigkeit des
Baches IV zur Anthologie des Kephalas grundsätzlich verneinte
und Sternbach sie grundsätzlich bejahte, dürfte Sitzler die heute herr-
schende Ansicht richtig 80 formuliert haben, daß Kephalas das Buch IV
..wahrscheinlioh" aufgenommen hat.
Ein Titel ist für Buch IV im Palatinua nioht angegeben.
Nachtrag:
Geschrieben sind die Epigramme im Palatinus von Schreiber A.
Wertlos ist das Scholion des Lemmatiaten zu IV 2: rnpos crri~VOS
Cl>lAhrnov e.aaa).oVl~, öv rnolflO'EV KaTa 1I111'lalV MeMaypov·
~~v 5t Kai a\rrös arro T6:lV IlIcpEpol!ivwv 1I"ol'lT6:lv·l~ 'AVT11I"O:rPOV,
['AVTl1l"O:rPOV,J KpIVay6pov, 'AVTlcplAov, TvAAlov, Cl>IAoSfJlIOV, ßap-
..vlwllOS, 'AVTlcpävovs, AIhoI!iSwIlTOS, Zwvä, BICvopos, 'AVTlYOVOV,
tuo5Wpov, EüfJvov Kai a\rroii Cl>IAl1I"1I"OV· Iypcl\tllv S' OÖToS 0 Cl>IAnrnos
TOV crricpavov 1I"pOs TIVCJ KalllAAov.
a. (nPOOIMIA)

I. MEI\EArpOY ITECIlANOI

MOÜCJa ,IM, TlV1 Tall& ~IS lT&yxap-rroll 6015c!111


" Tis 6 kCXl -mifas 1I~lIo6näll rncpal/OII;
!wcn IÜII MUJaypos' äplt&1.<t> 5t 610K~.d
~\la1J6av1/01I TCIIiTaJI ~frnO"'lat Xäplll'
1TO~c!lIÜIII~lTMfas 'Av<rn,S Kplva, 1TO~c!l6i MOlpOÜS 11
Mlpla, Kai IalT'OÜS ßalc!lllill, ~c!I ~o5a,
vapKlaaWII TI X0p611 Me1\avl1T1T16ou fy1cvoll U~JI(o)II,
kCXl riOIl ol~ Mi'i~ II~wlII&w'
alllI 5' ällalll~ lTM~as ~VPOlTI/OVII wave.llo11 Iplll
Noaai60s, ~S 6O.TOIS K1lp611 tnJ~EII "Epws' 10
Til 5' ~ kCXl a~oJl a.' 1'I5V1TIIOc)JO 'P1avoü,
Kai yi\VKllII 'Hplll"'lS lTap8EvOxpWTa KpOKOII,
'Ai\Kalov TE i\&1.Tl&POII b IIIlJlOlToi\oIS 1I&KIII&OIl,
Kai ~Iov sa''''lS JCM)\Ia lJEi\aJ,l1Thai\oll'
111 6t J\&w1I15EW eaMpo\is Klaaolo Kop\IJ.JßOVS, 15
Mvaa&1.KOV TI K6~S 6~pov lThvos'
ßi\CXIcn;1I TI lTMTaV1aTOli &mePlat ß~li\ov Orl11'1S,
aIIIllTMKTOIi KapUt,S Ipwal ßCX)'KpC!mos,
TVlJlIE~ T' Ewhai\oll MVKTlIl, Xi\OEPOIi TI alav!1ßpoli
Nndov, EII,nl1Ov T' ~6Tpoq!OlIlTäpai\oll' 20
Iv 5' !pa 6allcXyTJTOlI, rOll JÜi\aIl, 1)5v TI I1UpTOIi
Ka~lllaxov, aTVfEi\oO llEaT611 äd l'ii\nos,
i\VXIlI6a T' Ev~lwlIOS IS' lv MOVa1JO'IIi ~I10Il,
&s 616$ ~ KoVPWIl faxEIi rnw~ITlIl.
Tilal 5' !I1' 'Hyflal1T1T01i lrilTMKE, ~lvä6a ß6TPVII, 25
ntpaov T' w~5Tl axoilloll äl1TlC7&1lElIOS,
alllI 5' ~ kCXl yi\\IKÜI1T}AoII ätr' 6:!cpr!1OJI(o)JI 61OTlIlOV,
Kai ~Ii'is av&TJ lTpWTa MEIIEKp6:nos,
C7llvpvaloVS TI Ma50VS NIKalmov, 1151 <J>atlil/Ov
Ttpl1lveoll, ßi\wElpiI" T' &xP&6a IIIJIIW' 30

• 18 So.'TOIS Reiske -os 11' ollillS Graefe olll1lS 1I xAOfp6v Gruter)(po- D ~IIOY
Hoyne 6\111lI0II 17 yAUKÜ,,1)Mv Stadtm. yAwü lliAos pt y. "f\Ao\I 0 U O'\IvplICIl~
Salm. J1UPP'I". se~" H...,kl.'r ~",
241

IV. pnOOIMIEN

Kranz des Meleagros


Liebe Muse, wem bringst. du den Korb voll kÖlt.lioher Lieder?
Sprich, wer flocht. diese Schar herrlicher SlLnger zum Kranz'
Wirker war Meleagros; dem edlen Diokles weihte
er dies traute Geschenk, daß es Erilmerung sei. -
Viel wciße Lilien von Moiro, viel rote von Anyte nahm er,
schlang auoh von Sappho, nicht viel, aber doch Rosen hinein.
Von Melanippides brach er Narzissen zum klingenden Strauße
und von Simonides drauf blühendes Rebengerank.
Bunt drein wand er die schöne, holdduftende Iris der N088is,
deren TAfelchen einst Eros mit Wachs überzog;
band vou Rhian08 hiuzu des Meirans duftende SIlBe,
Safran, wonnig und kcusch, wie ihn Erinna gepflegt,
die Hyazinthe aodann des Alkai08, die redet in Hymnen;
dunkles Lorbeergerank flocht er von Samos darein;
tat von Leonidas dann die strotzenden Trauben des Efeus
uud von Mnasalkes das Ha.a.r stechender Pinien hinzu;
legte von Pamphilos' Lied die Zweige der breiten Platane
und von dem WaInußbaum Sprossen für Pankrates bei,
Weißpappelbli.tter von Tymnea, von Nikias grünende Minze,
von Euphem08 aodann Wolfsmilch, der DÜDe Oewl.cha;
drauf Damagetos, dic dunkle Viole; die würzige Myrte •
von des Kallimachoe stets bitterem Honiggesang;
von Euphorion Lychnia und Sangea·Amomon von jenem,
dem ihren Namen dereinst die Dioskuren geschenkt..
Auch Hegesippoa flocht er hinein, die mainadiache Traube,
legte von Persea darauf duftende Biusen hinzu;
brach einen SUßapfel ab vom Baum Diotim08' und pftückte
aus des Menekrates Hag erstes GranatengeblUt;
nahm von Nikainetoe Myrt.engezweig, von Pha6nn08 Pjstazie,
ragenden Birnbaums Zweig tat er von Simias zu.
242 Anthologia Graeca IV

!v SE Kai 'K Äl:IIolC",oS alolwlolf]TolO oD\l\Ia.


ßalO: SlaKvl~e.>v av6Ea. TIap6evISoS.
;\eIlflava T' eVKapmiiVTa IJfAla-r<XKTe.>V ano MovO"Ee.>V,
~av60vs ~K KaMIlTJS BaKxv?ISEe.> a-raxvas'
~V S' ap' 'AVaKpe!oVTa, TO ~v YAVKV KeiVO ~IO"lla 3~
vmapos, Iv S' IAEYovS acnropov avOElllov·
Iv S~ Kai IK 1jI0Pßi'is 0"K0AI6TPIXOS av60s äKav6TJS
•ApXIA6xov, IlIKpas a-rpayyas an' ooKE<Xvoii'
TolS S' all' 'A;\e~avSpolo VEOVS 6p'lTTlKaS l?alTJS
f1S~ TIOAVKAelToV lTOPIjIVPEOV KliailOv. 40
~V S' ap' ailapaKOV tiKE TIoMa-rpaTOV, av60s aOISwv,
IjIOlvlO"O"av TE VET)V KVlTPOV an' 'AVTllTciTpov'
val ll1'lv Kai Ivplav a-raxv6Tplxa 6ftKaTO vapSov
vllvo6hav 'Eplloii Swpov &EIS6IJfvov.
Iv S~ TIoaeiSIlTlT6v TE Kai 'HSVAOV, cS:yPI' apovPTJS, 45
IIKEAISE&l T' aVEIlOIS av6ea IjIv6llEva·
val ll1'lv Kai XPVO"EIOV &EI 6dol0 mciTe.>vos
KAWva, TOV ~~ apETi'js lTaVT061 AalllT6lJfvov.
aa-rpe.>v T' iSplv •ApaTOV 61l0ii ßciAev, OVpaVOlleXKEVS
IjIOIVIKOS KEipaS lTpe.>Toy6vovs V,IKas, 60
?e.>T6v T' EUxalTT)v XalPftllOvoS, Iv IjIAoyllll~as
Cl>alSlllov, 'AVTay6pov T' Na-rPOIjIOV 61llla ßo6s,
Tav TE IjIIAeXKP1'\TOV 9EOSe.>pISEe.> VE06cx).i'i
~PlTV~OV, KVave.>V T' av6ea <!>avIEe.>,
~e.>\1 T' (pVEa lTO~a vE6ypaljla' TolS S' alla MovO"1'\S 1i5
Kai O"ljIrnp1'\S rn lTOV lTpoollla AevK61a. -
aAM IjIIAOIS ~V ~1l0iO"I IjIEpe.> xaplv· (Oll S~ Ilva-ralS
KOIVOs 6 TWV MovaEe.>v 1'\Svmtis a-rEljlaVOS.
SS EÖKap1T\lEilvTa P um. Gruter / / 1I0Va(;)V P em. Jao. 36 tv Jao. EiS sr w Gruter tK
31 TolS 5' Hecker TOÜaS'II6pmKas o.hU P em. Glllter 4. nopqoupn,v P um. Stern.
baoh / / KllalJOII P' KÜa\IO\I 0 um. Bothe 43 val Salm. Kai 53 tiAa.cp'lTOV Reiske operA-.

2. 4IIAIn"OY ITE4IANOI
• AvOea 0"01 Spllflas 'EAIKooVla Kai KAVToSEVSpoV
TIIEplTJS KElpas lTpe.>TOIjIVTOVS KaAVKas
Kai mlSos VEapi'is 6EplO"as a-raxVV aVTaVElTAE~a
TolS MEAeaypelolS OOS IKEAOII O"TEljlaIlOIS.
An~bologl& Oruo& IV

Drein auch ßucht. er uin .-c dur blühenden Stengei des Eppichs,
wie sie auf prächtigem Beet Parthenis' Garten gehegt;
Reste der reichlichen Ernte, draus Musen den Honig bereiten:
blonde Ähren, gerupft auf des Bakchylides Feld.
Von Anakreon wand er die nektar8üßen Gesänge
und des elegischen Lieds wuohernden Kümmel hinzu;
von des Arohiloch08 Weide die Blüten krausblättriger Disteln,
wenige Tropfen der Flut, die einen Ozean füllt.
Von Alexandros gesellt' er die jungen Triebe des Ölbaums,
von Polykleitos sodann purpume Bohnen hinzu.
Diptam, die Blume der Diohter, Polystratos, nahm er; der Henna
junger phoinikisoher Strauoh atellt den Antipatr08 dar;
pflüokte die syrische Narde mit Ährenblä.ttem für jenen
Singer, den man im Vers Gabe des Hermes benennt;
schlang Poseidippos und Hedyl08 drein, die Blumen des Feldes,
drein für Sikelidas auch Röschen, gewachsen im Wind.
Nioht vergaß er den goldenen Zweig des ewig erhabnen
Platon, den immer der Glanz höchster Vollendung umgibt;
legte die Erstlingstriebe der himmelerstrebenden Palme
von Aratos hinzu, der von den Sternen erzählt.
Phaidimos' Phlox, Chairemona achönlockigen Lotos gesellt' er,
nahm von Antagoraa noch biegsame Hauswurz hinzu,
flocht Theodoridas' Blume, frischblühenden Quendel, des Weines
Freund, und von Phanias dann blaue Zyanen hinein
neben viel anderen Spl'088en, die JÜDgst erst geschrieben. Von eigner
Muse auch fügte er noch frühe Levkojen hinzu. -
Bring ioh die Gabe jedoch dem Freund nur, ao ist doch der Musen
köstlioh redender Kranz aUen Geweihten bestimmt.

Kranz deI Philippoa


Blumen, die ich für dioh am Helikon pflückte, und Knospen,
die ioh aUB herrlichem Hain jüngst in Pierien bl'ach,
Ähren, die ioh geerntet aus neuester Dichtung, ich flooht sie
zu einem ihnlichen Kranz, wie Meleagroa ihn wand.
Antbologla Oraeea IV

d:1.M: naAalCnipwlI el8Ws Mios, kJOM K~!ME, 6


yv<ö)81 KCd 6n~pwll Tilv 6AlyoaTIXIT'lv.
'AVTI1TCXTp<>S 1T~1 cm;~vct> crraxVS' Ws 5i KOPVI-I~OS
KPlvayOPCXS, MI-I\fIEI 5' Ws ~6TpVS 'AVTI,IAoS,
TvAAIOS Ws jJÜ.IAwTOV, al-lapaKov ~ <1>IM5T'1I-1OS'
I-Ivp-ra 5' 6 naplJlvlwv, Ws p680v 'AVTI~lI1'Is' 10
KIC7C76s 5' Av-rolli5wll, Zw~ Kplva, 5pVs 5i B\C!cllWJ),
'AVTlyol/OS 5' D.ärt kai tu65wpos 1011'
EVflvct> 5a,lI1'I" avvrnl1TMKE' TOUs ~ mplC7C7oVs
dKaaov olS feV.sIS 6:v8e<nv apn,IiTOIS.
3 IIIClIIfIs P em. Orutet • 'TVMI~ P em. Oruter 11 D.aI'l P em. Gruter 13 EÖ11V~
P em. Orul.tlr.

3. ArA910Y IXOI\AITlKOY AIIANOY MYPINAIOY


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OIIJCXl IJiv Ü\.I&S, 6:115pES, ll-l1mTAT}alJivovs
lK "Ti'js TOO'aVT11S TWV Mywv 1Tav5alalcxs,
rn 1TOV ,.a alTla 1TpoaKOPWS lpvyyallllll'
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MywII y&p t'!l-Itv 1ToAvnAwII Kai 1TOIKIAwl/ 6
1TOAAoi 1Tpoei~ 1TaI-lI-lIYEiS NwX1as,
mplfPOlIIlII ml80vcn TWI/ El6tallivwv.
Ti & IlÜV 1TOlftaolJlII j ,.a 1TpoV~pyaalliva
0IiTws Maw O'VIIT'ETf\x8a1 ICEIIJlva,
i'J KCd 1Tp08Wj.la1 Tfls ayopäs b T~ 1liaCj) 10
1TaAlYKalTftAo1s WnAwS ä1TEI-I1TOAG)1/ j
Kai Tis lJETaaxelll TG)I/ ll-lwII avt~nal j
Tis 6' cIl/ 1TplalTO TaUs MyOVS TPIW~Aov,
EI 1-11'\ cptPOI 1TWS WTa 1-11'\ TETpT\lIiva j
'AJ\A' laTil/ D.1Tls eVlJlvWs TWV 5pwllivwl/ Ui
Ü\.Iäs iJETaAaj3etll, KoV ~AcxIcEvIJ'VWS.
l60s yap IIl-1tll "ri.I 1Tpo6vIJlq: I-IOIl1J
A: CN1.1.0~ vl",v hnypalillclrr",v I1mettaa'" K"'\IO'TQVTlvov Tr6"11 Tr~ eeos"'pov
&Koupl",,,a [&OK- Pj TCV Koalla • dP'lTCII 6t TIII Trpoo11lia ,,"111 Täs CMII)(IIS 6Kpoäenls
Täs KaT' IKilvo ICalpoü yt\IO"'v~. - 3 'puyKdrvliV P em. ViRonti I 8l Salm. ISaI
n 11111" llnr. Wlv.
Antbololla Gra.,oa IV

Du, der du kenneet den Ruhm der Altoron, odIor CamiUus,


lern auch die knappere Kunst jüngerer Dichter nunmehr.
Ähren im Kranze geziemen Antipatros; gleich dem Korymbos
leuchtet Krinagoras, gleich Trauben Antiphilos auf.
Tullius sohimmert wie Süßklee, der Dosten mag Philodem08,
Myrte Parmenion sein, Rosen Antiphanes' Bild.
Zonas ist Lilie, Bianor die Eiche, Automedon Efeu;
Veilchen stellt Diodor, Ölbaum Antigon08 dar.
Flicht für Euen08 noch Lorbeer hinzu I Doch die andem vergleiohe
ganz nach eigenem Wunsch Blumen, die eben erblüht.
Philippo"

Kyklos des Agathias


An dl., La • .,r
leb glaube. Leute, ibr seid satt und überaatt
von diesem großen literarisohen Bankett,
vor Sattheit stoßen euch die Speisen gar sohon auf;
nun sitzt ihr da, und eng wird's euch vor überfluß.
Denn viele setzten uns den reichgemiaohten Schmaus
kÖlltlicher, bunter Verse vor und lasaen uns
verachten, was der Alltag 80 an Atzung bringt.
Was tu ich nnr! Laß ich's, 80 fertig wie es ist,
nun einfach weg und wer! es schweigend untern Tisch!
Oder stell ioh'. mitten auf dem Markte ans, damit
der Trödelhl'mdler billig es verramsohen kann!
Wer hat denn überhaupt Verlangen nach dem Zeug!
Wer gibt nnr drei Obolen aus für 80 'ne Schrift?
Dem müssen seine Ohren ja verstopft schon sein.
lob glaub jcdoch, ihr nehmt, was ich gerichtet hah,
noch gnädig, ja sogar mit heller Freude auf.
Den Küohenzettel paß iob nämlich jederzeit
Anthololli. Graee. IV

Tfl TG)v tcaAOVIITWV Il1llETpelv Ta CTITla.


Kai 11'POs ye TOVTO Sel11'vov 1'\palllalltlloll
i\KW 11'~awv IK wwv 1'\Sval1cX-rwlI.
brel yap oVtc CuEO'TIV l~ 11100 IJ,6vov
üJ,lÖ:S ~Tv. 6115pes. 6:~I~ TpoqIi\S.
1T01.AoUs hmaa avll~lv 1101 TOÜ 'TI'ÖVOV
KaI avyKaT~Tv Kai avVEO'T\äv 11'1JOll.
Kai S1'\ 11'aptC7)(Oll 6:cp6ollwS 01 11'AoVaIOI,
l~ 6>V TPVcpWal, Kai 11'apaAaßWV YllTlalWS
b TOIs IKeI VWll 1IiI1I1acn cppvcX-rTOJ.ICXI.
ToVTO 54 TlS CXliT{;)v 11'poacp6pws. &IKWs tllt,
taws lpll11'pOs ~OV· .,'APTlws 11100
11&~av IlEI1CX)(OTOS I1OWIKl'\v TE Kai wav,
OÖTOS 11'apteTlKell Tl'\v w' 11100 IlEl1aylltvTllI."
TauTl II1v <NV &peT TlS, olSa, TG)lI aocpwv
TWV 6If!on'OlWV, 6>V XaplV 50KW IJ,6vos
dvat ToaaVTT)s lI)'EilWv mxll5a\O'I~.
8appC>v yap CXÜTOlS AITOV otK06Ev Iltpos
KaVT6s 11'apl!l1l~a, TOO 50Kelv 11~ 11'avnAG')s
~I!VOS TIS elllal TWlI W' 11100 aVlITJylltllwlI.
äKA' ,~ lKÖ:aTOV C7I1IKpOV l~cXyw Iltpos,
Wov 6:rroyeüaat· TWV ~ i\omwv EI el!i\01
TV)(dv TIS 61r6:llTwv KaI IIITCXO)(Eiv EIS KOPOV,
taTe.> ya TClVTa KaT' cXyopäv ~TJTTlTta.
KOal1ov 51 11'poagelS TOlS IlioTS 11'ov1'!l1aal,
IK TOO Baati\l!ws TOUs 11'poi\6yoVS 11'olt'!aol1Ql'
&mxl/Ta yap 1101 &~IG')s 11'poßt'!anal.
JCal 1101 lJ!)'IaTWV 11'pcxyI1C!rTwv ÜIlllOVl1tvwv
EÜpelv ytVOITO KaI A6yovs tTrrtplltVOVS.

b. TOY AYTOY
Mt'! TIS i11'avxEvloIO Amwv ~c..xni\pa i\rn&Svov
ß&pßapos ts Baati\i'ja ßITll16:xov ~ TaWaC71J .
I111S' rn nEpalS 6vaÄKlS 6:vaanlAaaa Ka),Vn-TPTlV

U olSa T. CJOIfIWII Jac. ~8i T. CJOIfIWTOTWII 41' rnaux- Huschko w"


ADthologia Graeoa IV 247

dem Gaumen derer, die miuh 1111 sieb rufen, an.


Und dann, es ist ein Mahl, wo jedermann sein Teil
selbst beitrllgt, und ich komm mit neuen Würzen her.
Denn da ich, Leute, eine Atzung, wie für euch
sie paßt, unmöglich doch alleine schatten kann,
hab viele ich gewonnen, die mit mir die Mdh
und Kosten teilen, daß der Schmaus noch schöner wird.
Da gaben denn die Reichen auch vcl'llchwenderisch
VOD ihrer Labe, und wahrhaftig, stolz bin ich
auf diese Leckerbissen, die sie hergebracht.
Doch ihrer mancher deutet wohl mit Recht auf mich
und raunt dem andern zu: ..Da hab ich eben erst
ganz frisoh und kunstgerecht den Teig geknetet, und
der trAgt Dun auf den Tisch, was ich geknetet hab."
So raunt, ich weiß es, mancher von der Künstlel'llOhaft
der KüohenmeiBter, derenthalben ioh allein
der Leiter dieses festlichen Banketts will sein.
Und doch, sie gaben Mut mir, als ich eelbst mein Teil
von Haus herbeigebracht; nioht viel war's, nur 110 viel,
daß ioh nicht ganz der Gast der eignen Gästb Bohien.
Von jedem aber nohm ich nur ein kleinee Stück,
Kostproben nur; will einer den gesamten Rest
besitzen und sioh völlig sättigen daran,
dann mag er wissen, daß es auf dem Markt ihn gibt.
Doch Glanz und Schimmer meinem Werke zu verleihn,
heb ich das Vorwort jetzt mit meinem Kaiser an,
dann wird gewiß mir alles Bchon nach Wunsche gehn.
o möcht ich, um 110 Hohem lobzusingen, nun
auoh Worte finden, die erhaben sind und groß.

An deo Kalaer
Niemals soll ein Barbar den Nacken vom Riemen des Joches
reißen und gegen den Kaiser mit drluendem Blioke sich wenden.
Niemals soll Persien mehr den Schleier erheben, den Kaiser
A nthologia Graeoa I V

6peIOV dept'\O'E\EV' hroKAa~OUO'a 1St yal1J ao


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KavKaalCf) 8l ,-tVOVTI Kai ~V ~I'IYlltVI KVTal1;l.
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aKAl'lpa al81'1pell'lS o.mdtETO vGmx KovlllS, SO
aüllVOI1OV 'A8pva8Eacnv 6va1rAi~aaa xopEll'Ill (105)
cJ)acnas ElAlaaolTO cplACf) 0'KIPTf\1lQTI II\IJJCPI'I,
Kai ICCXI.IOTOVS lIiA'fIlIE 1foAucna'!1fTpov BacnAi'ios.
1l0X80v 61roppllflCXO'CX Y1yaVTElov TOKITOtO.
1l1'18l yap aVxi)cnIEII 'lwAKl80s fli/XIAoII 'Apyoiis. 85
ÖTTI 1fOVOVS ~pwos äyaaaalli"l'l nayaaalov (20)
OVKtrI KoAXIS &povpa, yo~ 1fAI'la&laa rlyaVTWV.
eÜ'TTToAtl1OlS aTax~acn llaxi)1l0va ß~Aov 6volyel.
KElva yap i\ Il06ÖS TIS 6vrn1.aaev i\ 81a nx"l'lS
ou)( OaITlS TETtMaTO, 1foewv c5TE AUovav lAoOaa '10
1fap8&VIK'" 80Aöeaaa Il&yov K1"I'Iaev 6v&yK"v· (!13)
aAAa 8ö1.wv lKToaee Kal 6pcpvalov KVKEWVOS
BclocTplOS 1'\tJETtpolcn rlyQS 80Vmtae ~VOIS.
0IiKtn 1101 XWpOs TlS ävt~. aAA' bl1fÖVTCf)
'YpKaVlov Ko1.1f010 Kalis ~v6bv AI&I01fi'ja 7.5
'ITaAncaTS vi)eacnv ~<7ETaI ~llEpov 08wp. (30)
'MA' t&1 VÜV 6cpuAaKTQS 61.l'lv ~mlpov 6&Vwll.
AüaovI&, aKlPT11aov, b80mope' Maaaayt,."v 8l
6llcpI&twv 6yK~va Kai &~va Ttllma IoVawv
'Iv84>TlS tni~Tl&1 KaT' 6pya8os· Av 8l KÜleV80IS 80
EI 1f0'Tl 811f11'1aelQS, 6p~0 8001.ov ·Y8~v. (35)
valll"'V Kal KVavW1fbv Ü'nip 8VaIV c!iTpoliOS Ip1fWII
KÜpßIQS 'AAKel8ao I!ETipxEO. &apacrAiws 8t
• SI yal'l P 54 8oU»'IIV P em.J8C. SI 1COIII'l P 11 ~ pi SI WI<1Uf1)
P em. Salm. Q \IÜIIft P IS 6pyos P em. v.... .. ~~ lIl( -11010 P
,. lAoOcJa Vilo. -av I. Gacnnv P em. ViBo.
AnthoJogia Oraeoa IV 249

lIouselm, Auge in Auge I Sohwach BOi Cl8! FA knie zur Erde,


beuge don stolzen Helmbusch des starren Nackens, freiwillig
mög es sich fügen dem Los, das ausonischo Waage ibm zuwägt.
Du aber, Sklavin Hesperien bis hin zum Gestade von Gadea,
bis zur iberischen Furt und dem ozeanischen Thule,
atme in Ruhe und Frieden: Du konntest der folgenden Zwingherrn
Häupter, die heut deine Erde bedeckt hAlt, richtig bewerten;
nimm nun dein liebes Rom in die starken, mutigen Hände I
Doch an des Kaukasus Bergen und Kytaa umbrandeter KfiBte,
wo der Stiere Gespann mit dröhnendem, ehernom Fuße
einstens den harten Rücken der eisernen Erde zerriaaen,
mögen die Nymphen des Phaaia mit Hamadryaden gemeinsam
ihre Reigen nun schlingen und tanzen in fröhlichen Sprüngen,
singen die Taten und Werke des azepterumgebenen Kaisers
und auf die Mübe verziohten, Giganten zum Licht zu gebären;
sollen sich rühmen nicht mehr, sie hätten den SchiJJsporn der Argo
aus IoIkoa gesehen; denn KolchiB, das einst, von der Riesen
Brut erffll1t, ob der Taten des Helden von Pagaaai staunte,
öffnet die kriegriache Scholle nioht mehr für Saaten von Kämpen.
Glaubt es, Märchensinn heckte es aus, oder ruchlose Künste
haben's zuwege gebracht, als. ergriffen vom Wahnsinn der Liebe,
jene verschlagene Jungfrau die Macht ihres Zaubema gebrauchte.
Ohne Versohlagenheit aber und ohne ein finsteres Tränklein
krachte der baktriaohe Riese vor unsern Gesohoaaon zu Boden.
Nun ist kein Ort mehr versperrt; in der Flut dc.-s Hyrkaniachen Golfes
bis ?ur Tiefe hinab des Aithiopischen Meeres
schlagen auf friedliches Waaaer die Ruder italischer Schiffe.
Auf denn, ausoniacher Wandrer, tanz fröhlich! Nun kannst du das
Festland ohne Geleite zu Fuße bereisen. Durchwandre [ganze
die maaaagetiachen Sohluchten und Suaaa ungastliche Täler,
tritt in die fruchtbaren Marschen von Indicn, und kommt auf der Reise
dich der Durst an, dann schöpf aus der Flut dca bezwungnen Hydaspea.
Pilgre auch, ohne zu bangen, zum dunklen Auge des Abends,
ziehe zu Herakles' Siulen und habe Vertrauen im BUllen,
250 Anthologia Graeca IV

lXIIIOll d:l1lTaVO'EICXS trrl IjI<XI1d:eolalll '1131')pt')\I.


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ADtllololla Graeoa IV 2111

ruhat du die Schritte dir au in lborioaa Dünonpl&nde,


wo ob der strömenden Pracht am Rande des Meeres die Spitzen
beider Erdkontinente einander begegnen und alle
Hoffnung, noch weiter zu kommen, im Herzen der Mensohen ersticken.
Wandre zum Saume von Libyen, den Na.aa.monen bewohnen.
zieh an der Syrte vorbei, wo das göttliche Meer, von des Südwinds
mächtig brausenden Stürmen nach Boreas' Reich hin geschlagen,
mit der brandenden Flut den Menschen bis über der Ebbe
sandige Dünen hinaus die Wege zu Lande eröffnet:
nirgends wird dich ein Haus auf fremder Erde empfangen,
sondern wohin du die Schritte auch lenkst, du wirst in des weisen
Kaisers Besitztum verweilen, der ringsum die Erde mit seiner
Herrsohaft umschließt; umsonst gibt Tanala Grenzen dem Festland,
wenn er durch Skythien bis hin zum Maiotiachen Meere sioh schlängelt.
Nun drum, da alles im Kreis von traulich heiterer Ruhe
voll ist, da alle Erwartung auf Waffengeklirre 80 außen
wie auch im Inneren selbst. unter unserem Kaiser zerschellt ist,
laß, Theodoroa, uns denn, Gesegneter, nun den gelehrten
Wettstreit erheben, die Spiele des Sängerchores beginnend.
Hab ioh für dich doch don Kampf unternommen, für dioh auch der
Werk geschaffen und, alles in einem Buche vereinend. [Diohtung
diese Ernte der Biene aus vielen ßcauchen gesammelt.
Als ich gepflückt nun die vielen zerstreuten elegiaohen Blüten.
docht ('inen Kranz ich für dich aus Kalliopea herrlichen Versen,
wie man Kronion die Eiche, Poaeidon Schiffe wohl widmet,
wie man Apollon den Köcher, dem Ares des Schwertes Gehänge,
wie man die Reben Dionysos gibt und Hermes die Leier.
Denn ich weiß es, der Name des Theodoroa entbietet
unvergänglichen Ruhm der Frucht meiner Sorgen und Mühen.
ENtIich möcht ich dir sammeln im Wettstreit mit unseren Alten
sämtliche Weihegedichte, die einst die Väter des nauen
Sanges den früheren Göttern gewidmet haben; denn schicklich
war es, vom einstigen Schrifttum ein weiaea Abbild zu wahren.
Doch nach diesen erhöht den Ruhm der Älteren wieder
262 Antbolog'a Or.eo. IV

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TfxIl11S tpY0l1'OllOIO l1'OAVCJ'l1'EPUcrcrlll &E6~OIS. 120
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.«.!16"'1 CIOfI'I P.
Anthologie Greeoe IV 253

alles, was wir geilichtet auf Bilder, auf Orte der Landschaft,
auf eine Statue, trefflich geformt, oder eines der vielen
weitverbroiteten Werke der mühvoll sehaffenden Künste.
Und die dritte Abteilung des neuen Buches erlangte.
was man auf Grabmäler sohreibt. Geb Gott es, daß wir im Sange
ganz es erfüllen lind wahrhaft. in uIl8erem Leben ihm nachgehn!
Was wir geschrieben sodann auf die bunten Pfade des Lebens
und auf die schwankende Waage des unstet wandelnden Glüokes,
wird in dem vierten Abschnitt des Buches dein Auge bemerken.
Dich aber locken vielleicht die Reize des fünften der KAmpfe,
drin wir den spöttisohen Ton des Sanges biesig erhoben.
Doch du aechste Buch errang sich Kythere, die ihren
Schritt zum Herzensgeplauder der Elegie und zu silBen
Liebesgefühlen nun wandte. Im siebenten Beitrag der Biene
endlich wirst du die Freuden des BakchOll, des lauteren Trankes
Chöre, den Wein, dcn Misohkrug und reiohe Bankette gewahren.
Agalhia.t

Wehre Ua.torbJiobkeU
Säulcn und Bilder und Schriften gewAhren die Fülle der Freuden,
ward einem Manne du Glilck soloh eines Lohnes zuteil,
doch nur solange er lebt. Der Sterblichen nichtige Ehren
folgen der Seele ja nicht bis zu den Sohatten hinab.
Gaben des Geistes allein und Tüchtigkeit folgen uns dorthin,
wie sie ein bleibendes Mal uns auch auf Erden verleihn.
Nioht auf beschriebenen Siulen und Bildern steht des Homeros
oder des Platon Ruhm, sondern auf Weisheit allein.
Glüoklioh, ,veesen Gedäohtnis auf Büchern voll sinniger Weisheit,
nicht auf dem prunkenden Schein leerer Gebilde beruht·.
BUCH V
Vorwor' IU Buch V

Das 5. Buoh enthAlt im Palatinus 311 Epigramme (einsohließlich


195b), die dort auf S. 87-141 stehen.
Planudes bringt diese Gedichte in seinem 7. Buch; lediglich Nr. 161
steht im ersten. Dooh hat er, wie er selbst einleitend bemerktl, eine
größere Anzahl davon, nAmlich 117, aus sittlichen Bedenken über-
gangen. Wir finden daher nur 194 dieser Gedichte bei Planudes wieder.
Von den kleineren Sammlungen bieten E, S und I je 1 Gedichtl,
die Appenda Barberino-Vaticana dagegen 31.
In den sonstigen literarischen Überlieferungen werden nur wenige
Epigramme zitiert: Diogenes Lairtioa hat 31, Macrob und Stobaioa
je 1·; 3 weitere werden noch in Scholien angeführt'. Im Suidas dagegen
finden lieh 69, wenn auch bruchstückhaft, in Papyri eins (152).
Die Epigramme lind im Palatinus von Schreiber A geschrieben;
nur 1 und 310 stammen vom Lemmatisten.
Auch das erste war zunichst von Schreiber A niedergeschrieben,
wurde dann aber bis auf die beiden ersten Worte ausradiert und spAter
vom Lemmatisten erneuert. Da nun Buch I der Anthologie des Kepha.
las die Erotika enthielt, 80 betrachtet man gewöhnlich Nr. 1 als ein
von Kephalas selbst verfaßtes Motto für seine Sammlung, eine An-
sicht, die Jacobs zuerst aussprach und der sich die meisten Gelehrten
anschlossen. Andere glauben, was weniger wahrscheinlich ist, die
Verse dem Manne zuschreiben zu dürfen, für den der Palatinus her-
geatellt wurde.
Nr.310, vom Lemmatisten geschrieben, ateht auf S. 141 des Pala-
tinus nach dem Titel des 6. Buches.
Die Dichternamen rühren durchweg von Schreiber A her. Wo dieser
jedoch den Autor wegließ, hat der Lemmatist oder der Korrektor
den Namen eingetragen bzw. ergAnzt.
Der Anteil der Bearbeiter an den Lemmata ist sehr verschieden.
Im großen gesehen, reicht die TAtigkeit des Lemmatisten hier von

I 8.68: 'Eil Tl;I& TijlIP&6I1Cjl T111\IIQTI 1TlP1tXETaI lTalPIKa TII/a 61roqI8tyllQTcr, Ta


\IhI cIIs lyKWlllcr, Ta IS' cIIs hnawMd, Ta S' cIIs äv lKaoToII truxlll, 6crcr1&1'\ 1TpÖS ,.0
&cIa&wCmpov accrI crlCJXPlmpov cmwJvncn· Ta yäp TOIcMa 1rOAAä 111 ~ 6vn-
y~ 6vTcr lRIpIAhrO\llll. I 68, 78, 81. I 78U. • 78 baw. 8. I 42. 831.
"orworL zu Buch V 267

Nr. 2-121. die des KOlT@kton von 1~238, wAhrPnd dAr Rest ohn..
Lemmata ilIt. Ihrer Qualität nach sind diese m"ist wertlos. da sie
lediglich aus dem Inhalt geschöpft. sind und ihn recht oft noch falsch
ausdeuten. Nur die Lemmata von 292f. geben mehr, als der Inhalt
besagt, und sind sicherlich älteres Gut. Die letzteren sowie einige
andere, die für den Text oder die Entwicklung der Anthologie von
Bedeutung sind, wurden daher hier beigegeben, während die groBe
Masae weggelassen wurde.
Sieht man von Nr. 1 und 310 ab, so setzt sich das Buch aus 5Teilen
zusammen: I) 2-103, 2) 104-133,3) 134-215, 4) 21~2, 5) 303-309.
Der 2. atammt aus dem Kranz des Philippos, der 3. aus dem Kranz
des Meleagros, der 4. aus dem Kykl08 des Agathias, der 5. ist eine
Appendix aus 3 Anonyma und 4 Epigrammen aus dem Philipposkranz.
Unklar ist die Herkunft. des 1. Teiles (2-103), deaaen Epigramme aus
den veraobiedensten Sammlungen herrühren, deaaen Anordnung je.
doch völlig verwirrt erscheint. Einige Gedichte, vor allem die k1einen
Reihen 6 ff., 23 f. und 52-57, sind aus dem Kranz des Meleagroa ge.
schöpft, andere aus dem des Philippoa, so 3ff., 30-34, wobei Sp1lnln
der ursprünglichen alphabetischen Reihenfolge noch erkennbar sindl ;
wieder andere stammen aus der Anthologie des Diogeneian08, 80
29, 38 ff., 45, 81; auch hier läßt sich die alphabetische Anordnung noch
erkennen. Rufinos gehören etwa 40 Epigramme, und drei weitere
stammen aus noch spll.terer Zeit·. Eine plausible Erklänmg dieaea
I. Teils iat noch nicht gefunden.
SAmtliehe Epigramme des Buches sind Liebesgedichte, doch atehen
einige nur in etwas losem Zusammenhang mit dem Thema. Acht Epi.
gramme sind ihrem Inhalt nach Weihgedichte und gehören eher ina
6. Buch', eines ist ein Grabgedicht', und drei, die den Vorbereitungen
zu einem Fest gewidmet sind I, sowie ein Bpottepigramm' passen mehr
ina H. Buch. Übrigena Bind Nr. S, 28,H7, 122, 142 und 145 Paidika.
Der Außeren Form nach handelt es sich fast überall um elegische
Distichen; einmal erscheint der jambische Trimeter', einmal der pha.
laikiache Hendekasyllabos' , mehrmals ist daa ganze Gedicht auch nur
in Hexametern abgefaßt'.
Nr. 101 und 259 sind von Riohard Meyenachein übersetzt.
I Vgl. 13, 16,20,25, 3Of. • 711•• 86. • 17,199-203, JOGI. • 108. • 181,
183, 186. • 71. • 1. • 3011. • 72, 77, 86. 306, 310.
2118

E. EmrPAMMATA EPWTIKA

~IACl>OPWN TTOIHTWN

Niols ävCnrrwv KapSlas a~flv ~ialv


äpXflv "Epc..>Ta Te;;V Mywv nOlilaollal·
lTUpac!w yap OVTos l~avCnrreI ToiS MyoIS.
A: ,Nynr, lIiol, "lTaT6a Ku6i)P'ls. TOI;oll6Ao1I "Ep(O)Ta. - 3 MyoIS ex lIiolS P.

2(W

Tflv KaTa1pAe~lno;\lv I6ellEAatSa TflV ßapullla6ov,


TflV TolS ßov~ollivols xpvaov ällEpyolliv1lv,
YVllvilv 1101 Sla IIVKTOs Ö~1lS napiAAll'Ev övelpas
li)(pl 1p1~1lS 1'!oVs npoiKa xapl~olli"1lv.
OVKhl yovvaaollal TflV ßäpßapov ouS' rn' lllavTC;;
AAaVaollal Vrrvov €xwv KElva xapl~6IlEvov.
• PI VII 1111 f.73 v • - Meleagro trib. PI I 'IrOMllla8ov[euprucr. lIapö] PI :I 6ilep-
YOIIW'l1l Jao. lpEVyo- 3 6IItlPOS c P161l'lpos pI li-I ••..v.ava. Suid. 8. yowäaOIlCX1.

3 (2). ANTIßATPOY 9EIIAAONIKEnI


"Op6pas (ß1l, XpuO"\;\;\a, nCUl.a\ 5' Iic;;os <iMKTwp
K1lpuaaWV 1p60vepflv 'Hplytl'Elav äyEl.
6pvl6wv IppolS 1p601'EpclrraTos, 15s llE SIc:,KEIS
OiK06eV EIs no;\;\oVs 1'!16iwv 6cXpoVS.
Y1lpäcn<EIS, Tl6wvi. TI yap O"1'tv eVvhlll 'He;; G
OVTWS 6p6plSI1lv 1\;\aaas lK AeXiwv;
PI VII 162 f.761". - 3 ,eollEpc:yrcrn; PI • 6p6pl 61K'l1l PI.

• Adiootllunt numori editlonia Hugonil Stadtmiiller.


259

V. LIEBESEPIGRAMME

VERSCHIEDENER DICHTER

Das Fanal
Den jungen Herzen zündend weise Wallungen,
beginn ich mit dem Liebesgotte dieses Werk;
er ist's ja., der die Verse auch mit Flammen füllt.
<Konstanti7W8 Kephalas)

Im Traum
Städte verbrennt SthenelaIs, die sündhaft teure Hetäre;
jeden, der sie besucht, rupft sie um sämtliches Geld.
Nun aber hat sie ein Traum heut nacht bis zum strahlenden Morgen
hüllenlos zu mir gelegt und sie umsonst mir geschenkt.
Wahrlich, jetzt knie ich nicht mehr vor dem harten Geschöpfe und weine
nicht mehr im stillen: mein Schlaf schenkt mir das alles umsonst.
Anonym

Taglied
Grau schon dämmert's im Ost, schon krähte, Chrysilla., im jungen
Morgen der Hahn und rief Eos, die neidische, her.
Tausendmal sei mir verflucht, du neidischster unter den Vögeln,
der zu der Knaben Geschwätz fort aus dem Hause mich treibt •..
Alt nun wirst du, Tithonos. Denn hättest du sonst deine Gattin
Eos so früh schon am Tag aus deinem Bette gejagt?
AlIlipatr08 txm The8aabmi~
ADtholollia Graooa \'

, (3). GlII\06HMOY

Tbv cnyWlI'TlX. CIIWnvt, CJ\I\IIcnopa -n;)v äMAiaTWV


ÄVxIlOV lÄcn"pTis ~ 6p6aov,
ffl&1' IJCXImIpl"v yt!rp -Ep<o)S 1J6~ oOK t''''''O'EII
f~wllOvv' Kai ~v MdE, CIII"alvt, 8VPTlv.
KCXl aö ,IMI, lav8w, ~. aö 6', er, 'IMpOaTpla KolTT\, 11
f\6" Ti'ls TTa,l"s tael Ta MIWOj.l8va.
PI VII 88 1.72 v. - '"nIIC'rilv PI 1N. P 11 ~pcrII PI IH om. PI I ,11." pI II,I?'I'
p617Tpla \COI,." J. G. SohDOider ,. \COITTIS pI -Tp1' &com~ o.

1('). ITATYI\I\IOY GlI\AKKOY

'ApyVpIOV WX1wv ~ CJ\I\IIOTopa mOTov IpWTwII


cW mCMil "VxIlOV CIIÄc!ocKos 16(0)1(1 Nc!nn:I,
~S wapa vOll "'xtEC7I71 ~apalllO~' 6 Ti'ls tlTlOPKOV
waVTO'Yra6f\ KOVP"S atO'){Ea 6ePKO~~,
CII"a.ac&, al 6' äyPV'YrVOII xaMwal TElpoWI IoIEPI~val' 11
6iJ,w 6' auia"WII äv61xa KCXlO~ea.
I . . . . Nbt;J Salm. -\CIII &nv" S papallIO\IIII "*
P um. Polak H bia mpti, 0\
ab A Iaouoa poet •• Z n1. ot ab J in lao.

8 (6). KAI\I\IMAXOY

·W~oaa Kcx1.1.lyVWTOS 'lwvt61 ~iaWOT' IKaI"1'1S


IfalV ~ia'TI ,I"ov Kptaaova ~"'TE ,1",,".
~IJOC7IV' aua Ätyovalv 6:)."eta, TOVs '" fpwTI
6pKOvs ~'iI 6VvEIV oOcrr' Is äeall6:TWII.
vOll 6' 6 ~II äpenlllKij) 9tpna1 'YrVpl, Ti'ls 61 TCWxI"1'1s 11
~,,,s Ws M&yaptc..>v cW "oyos oV6' aple~6s.

• PI VII 186 1.7/11. - I Ka??lyvwcrros P I Kpdaaova PlI-' Stob. 28. 916pcmmcl;\


P &u~ 8fI PI I-I "* ...Suid .•. ÜIIrii.
Authologia Graeca V 261

Heimliche Liebe
Wenn du, Philainis, die Lampe, die schweigende, stille Vertraute
heimlicher Liebe, mit 01 neu wieder trunken gemacht,
geh dann hinaus aus dem Zimmer - denn Eros alleine sieht ungern
lebende Zeugen - und schließ sorglich, Philainis, die Tür ...
So, nun küsse mich, Xantho; und du, mein Bettchen der Liebe,
ach, du weißt ja, was jetzt Kypris noch weiter sich wünscht.
Phüodem08

Die Treulose
Mich, die silberne Lampe, der Liebesnächte getreue
Zeugin, gab Flaccus dereinst Nape, der treulosen, hin.
Heute verzehre ich mich beim Bette des Mä.dchens, derweil ich
all das Schä.ndliche seh, was diese Falsche hier tut.
Dich aber quä.len nun ruhlos in Nächten die schweren Gedanken;
ach, voneinander so fern, Flaccus, verflackern wir still.
Statiliu8 Flaccu8

Liebeseide
Ach, wohl schwur Kallignotos der Jonis, nie werde er andre
inniger lieben als sie, nicht eine Freundin noch Freund.
Ach, wohl schwur er. Doch wahr ist das Wort: Es dringen die Eide,
die in der Liebe man schwört, nicht an der Himmlischen Ohr.
Denn nun brennt für den Knaben sein Herz, und das Brä.utchen, das
zählt und rechnet nicht mehr, so wie der Megarer Volk. [arme,
Kallimacho8
1I62 Anthologia Oraeoa \'

7 (8). AIKAHnIAllOY
AllxlJf., oi yap 1TapEOÜaa TplS WI'QCnIl 'HplucAela
"~lll KoVx i}lCE1' 1.llxlJf., aV 5', El8E6s EI,
~II 501.1T'1II arrOJ,tuvoIl' ÖTaIl ,11.011 Cv50lllxoV<Ja
lI'aI'lJ, ~a6Els IlTJKE'T'1 cpG)s lI'QpEXE.
PI VII 117 1.73v • - I 'lTClpIWra PIatnauer I hr6J,IlI\ICW PI.

8 (7). MEAEArpOY
Nv~ lepl'a Kai 1.llxlJf., avlllcrropas oCmvas ~OVS
6pK01S, äJ\A' ~, dMIJE6' ~P01'
XQ ~II i~ o-rip~lll, lCEll/OlI 5' Iyt:) oOTrcm MilflE11I
~II' KOlvl'a1l5' dXETE IJCXPTVpITJII.
WII 5' 0 ~II 6p1Cl0: 'TJ01I1 iv 05aT1lCilva ~,
1.llxlJf., aV 5' iv K61.lI'OIS CXliTOII ~ htpc.>1I.

I: .Is tTalpav "T1va. - PI VII 89 r. 72 v. - PhiIocleaao trlb. PI.

9 (8). POYCIIINOY
'Pov,ll/OS Tf.I 'Ilf,i y1.VlCEpc..>T&Tr:I 'EA'I1'151 1I'OAAa
xalpelll, EI Xa1pelll xwplS ij.lOO 5WaTCXl.
cMcht paa-ra,w, lJ.c!c Ta g' 6jl1J.Crra, ~II '11Jp1t1J.01I
KaI ~II IJ.OVIIOAExi'i aEIo 51a'vyfTJII'
äJ\A' alEl 5aKpUolO1 1I'EtpUPIlivos f! 'm KopTJaabll I
IpxOIJ.CIl f! IJEYä1.TJS IITJOII is 'Ap'ri1l15o$.
aOplOIl äAAa mrrPTJ llE &&~, is Si aOlI 6IlIJ.(I
'IT'riIaoIJ.(rl, ipp6)a6a1llvpla a' e\ixolJll/OS.
PI VII 137 1.74r [v. 1-2), 174 1.75 r [v.3-8). - I-I &nSno, 3-8 &DOllymo trib. PI
I SWaaca PI • ''!TI Kopt)acrbv Hecker nl'lopKflcrwv 8 IIvpla er' Luo•• Ias P' PI .Ios e.

10 (9). AAKAIOY
'EX9a1pw TOll wEpc..>Ta. TI yap ~Vs oVK ml 6i'\pas
6pIl\lTCX1, äJ\A' W illl'all IO~MI tcpa51TJII;
TI lI'Aioll, EI 9Eös 6v&pa KaTa,Myll ; f! TI TO aEllllÖlI
5lJQaas ä'!1" iIli'is ÖS1.oII lxEI lCEtpaAi'iS;
PI VII 1M I. 76 r . - Tit.: 'Mxalou ex IDC' PI t I~ 0 PI _ ('I pt.
Anthologia Gra80a V 263

An die Lampe
Lampe, dreimal beschwor Herakleia bei dir es, sie wollte
kommen, und kommt nun nicht. Bist du, 0 Lampe, ein Gott,
0, so strafe die Falsche I Schließt drinnen sie kosend die Arme
um einen Liebsten, erIisch! Leuchte ihr fürder nicht mehr.
A8klepiadu

Ein gleiches
Lampe und heilige Nacht, bei unseren einstigen Schwüren
haben wir beide nur euch zwei als Vertraute erwählt.
Und wir gelobten es fest: er, stets mich zu lieben, ich aber,
nie ihn zu lassen; ihr wart Zeugen des zwiefachen Schwurs.
Und nun kündet er mir, im Wasser trieben die Eide,
ach, und, Lampe, du siehst andern am Busen ihn ruhn.

Brief aus Ephes08


Liebste Elpis, es sendet dein treuer Rufinos dir Süßen
Freude und Grüße, sofern Freude dir ohne mich winkt.
Ach, ich ertrage nicht mehr, bei deinen Augen, das Fernsein,
das Getrenntsein von dir, dieses Alleinsein im Bett.
Ob zum Koressos hinauf oder ob ich zum Tempel der großen
Artemis gehe, ich bin immer von Tränen benetzt.
Morgen, morgen jedoch empfängt mich die Heimat, ich fliege
zu deinen Augen. Indes grüß ich dich tausendemal.
RUfi,7W8

An Eros
Eros ist mir verhaßt. Warum jagt er nicht Tiere des Waldes!
Immer schießt er nur mir grausam die Pfeile ins Herz.
Hat denn ein Gott was davon, eInen Menschen zu sengen? Und ist das
80 ein erhabener Sieg, wenn er den Kopf mir verdreht?
Alkai08 von MU8fl1U
Anthologia Graeo .. V

11 (10). A6EznOTON
EI TOUs b mAayel acgEIS, KliTrpl, Kajd TOll All yq:
lIavay611! qJl1..ITl. aWaoll crrrO?v'Vj.lEIIOII.
PI vn 199 I. 7er. - I llauT}y6I1, ,00I'1S PI.

12 (11). POYCIIINOY
AOVaaj.IElIOI, TIpo61KTJ, 1TVKaawj.lE6a Kai TOll &cPaTOII
v.KCtJj.lElI K\i1..IKas j.lEl~ollas alp6j.IEl/Ol.
j3alOs 0 Xalp6\ITCtJII fa-rlll ß10S' ElTa TO: 1..omO:
yi\pas KCtJ1..vaEI, Kai TO Tt1..OS eallaTOS.
PI vn 143 1.74 r. - I-I ••• lAll. Suid. I. 1T\IK~EI I npoSlKTj C PI ·661<'1 pt Suid.
I 6pä\lWOI PI.

13 (12). CIIIA06HMOY
'E~i1Ko\ITa TE1..EI XaplTC;., 1..VKaj3a\IT16as wpas,
6:1..1..' fTl KValltCtJII aUPlla \Jt1lE1 1T1..oKaIlCtJII,
Kali a-rtPIIOIS "I KElva TO: 1..Vy6111a KWllla llaa-r(;)11
EaTTJKEII, IlhpTJS YVIlIIO: mpl6polla60s,
Kai XpWs appVTI6CtJTOS fT' allßpoalTJII, fTl mIet:>
1Täaall, lTI a-ra~EI IlVPla6as XaphCtJII.
6:?V.a 1T660vs 0PY(;)\ITas 60-01 Ilti qJWyeT', fpaa-ral,
6eiip' he, TIis htCtJII 1..TJ66j.IE1I01 6EKa60s.
• PI VII 93 1.72" rom. v. 3-4]. - I X6PITI pt /I'AVI(Oßavros ~PI 3-4 Suid. 8. 'A\iy6I\1a
et 1C6v ••• 1aTTj1CE1I1. K(,o)\IO&I6tls S 1C6v Kaibel IC' '" 4 IJITp'1S Soid. IJt'}T- P 1/ 'ITlplTpolJ-
Suld. 6 "lRiaall pI -alV 0 'Irlraas PI 'I' cpE\IyET' Salm. ,MyET'.

14 (13). POYCIII NOY


EllpW1TTJS TO qJl1..TJlla, Kai f)1I &x,PI XelAEOS 11.61),
";6v ye, Kali lf'aVO'lJ 1l0UIIOII &cpOV a-r6IlaTOS·
lf'aVel 6' 01lK &cPOIS ToiS xel1..ealll, 6:?V.' fplaaaa
TO a-r61la -rtill IfIVXtill f~ 0WxCtJII aIlCcyEI.
PI VII 144 f.7~. - I ,I'AalJa P /I 1'j1l vel 1\11 pi :11 t'\6v )'E P 1i6EI PI :11 'fIaVTJ PI/I
6xpov Jac. lIxPI S tplaaaa [corrept.. 8eD. 8yllaba] P tp\ia- Cl< tPElcr- PI tm'Piiaa
Bury.
AnthoJogia Graeca V 265

Gebet an Kypris
Kypris, rettest du Sohiffer im Meer, 0 rette auoh mich hier,
den im Sohiffbruoh zu Land, Teure, der Tod sohon ereilt.
Anonym

Lustreise ins Alter


Prodike, nun wir gebadet, nun laß uns mit Blumen uns krä.nzen,
laß uns den lauteren Wein sohlürfen aus hohem Pokal.
Kurz sind die Jahre der Lust. Den Rest des Lebens verkümmert
UDS das Alter, und dann ruft UDS am Ende der Tod.

llufi1lOs

Mai im Herbst
Sechzig Sommer bereits hat Charitc ebeu vollendet,
noch aber flutet ihr schwarz über den Nacken das Haar.
Marmorn stehen ihr noch am Busen die Kegel der Brüste,
und keiner Binde bedarf's, die ihr die Hügel umsohließt.
Glatt nooh strafft sich die Haut, ambrosisch umsohwcben sie Düfte,
und myriadenfach spielt Grazie und Lockung um sie.
Kommt, ihr Verliebten, die ihr nicht flieht vor dem Knospen der Liebe,
kommt zu ihr her und vergeßt, wieviel Jahrzehnte sie sah.
PlIilodemc8

Kuß in die Tiefe


Süß ist der Kuß der Europa, auch wenn sie den Mund mir nur anrührt,
ja, und wenn sie auoh nur leis auf deu Lippen mir spielt.
Aber sie spielt mir nicht nur leis über die Lippen, sie preßt sich
fest auf d('n Mund mir und zieht tief mir die Seele herauf.
Antbololia Oraeoa V

111 (14). TOY AYTOY


TToü VÜll TTpa~l'ra.,,~; '11'00 5' al xtpE~ al TTO).VKMhou,
a\rraY~ '11'p6aeE TEx"al~ '11'\lEÜIKl Xapl~O!JE\ICXI;
Tf~ '11').oK&!JOVS MVJT1'\~ EIic:>6Eas i\ 'TTUpOeVTa
611j.1Crfa Kai 6api\~ ~ 6:TrcrrrMOETaI ;
'TTOÜ '11').6tCTTal, '11'00 5' da! ).leo~60I; rnprne 'ri5& 11
l10 Pfil 111'\611 I)(EIII W5 j.\a1C0P(o)II ~ocXvct>.
PI VII 1415 f. 74 r. - I cNTalS P aJ TalS PI I ~& PI 'ri\ pI T01'l 0 • ~oäII<j)
Salm. __ P ~6cMw PI.

111 (111). MAPKOY APrENTAPIOY


Mtill1'\ xpua6lcEpc.>S. 6ip1ClJ Tä&, Kai 'TTUp\ÄaJnTEY~
cicrri~, oVs KO).'TTOI~ '~ 6t)(ETaI,
~ !JE 110\1011 '11'po).l1roiiaa I1UPo".~ ~XET' 'AplCTTT\,
lKTal"II 5' NpEYII 'ri)II ",ayOll ou 5vllalKll.
äJ\A' fl1"."S aV'ri)II t",,;aol1lll' " ~' hrl'11'tl1'11(o) &
Ku".pl60s IXI/EV'l'Os 6pyuptous aKV~.
PI VII 1157 f. 7f •• - I a.pcn P 11 ~1fII P I ~ P I 111 PI YE P /I1JUP1.
'IMIOSPI I ~ tJ' Jac. r."
0 PI r."
pi • t7K1i).QXQS PI acQ).uacas P.

17 (IS). rAITOYAIKOY
'AYXIäJ...ou ~"YI1YIIOS hrlC7lCO'TTE, aol To6E tri",'11'(O)
~ICTTla Kal ).1Ti\S 5G)pa eu"'11'o).l,,s·
cxOP10II 'Iolliou yc!ip hrl '11'MrN KOJ1(X mptia(o),
a'TTWSColII I!I1EripT)s KOA'TTOII ls EI606b}~.
o<iP1OS äJ...A' hrlAcx\llflOII l",~ tcaI fp<o7T1 tcaI ICTT~,
5Ea'TTOn tcaI 8aA&!J(o)II, Ku".PI, tcalI!IO\l(,o)II.
I-I aoI •.• Suid••. IjIGllTTa :e ).1'ri\S 0 Suid. AniS p l 3 '1c.wIOll pl 4 1'\IIlT1p'lS
HoIllliua (,11- 0 (,I!lTiPOIS pI 5 m).CI\l'l'Oll PI.
Anthologia Graeca V 267

Schönheftsmodell
Wo ist Praxiteles nun, wo ist sie, die Hand Polykleitos',
die den Werken dereinst Leben und Atem geschenkt?
Ach, wcr bildet mir jetzt der Mellte funkelnde Augen
und ihr duftiges Haar und ihren schimmernden Hals f
Bildner. wo sind sie? Wo sind sie, die P!&stiker7 Solch eine Schönheit
müßte im Tempel doch stehn wie von den Göttern ein Bildl
Ru{i'n08

Spürhunde der Liebe


Mond mit dem goldenen Horn und ihr, die Oke&nos treulich
an seinem Busen empfängt. funkelnde Sterne, ihr seht,
wie mich da.s duftende Kind Ariste so schnöde verl&8Sen.
Ach, secbs Tage bereits sah ich da.s Hexchen nicht mehr.
DennochI Ich suche sie weiter. 0 wartet, ich hole der Kypris
silberne Hunde, und sie hetze ich hinter ihr her.
MarC'U8 ArgentarifU

Reisegebet
Hort vor Klippen im Meer, dir leg ich den wenigen Kuchen
und dies schlichte Geschenk meiner Verehrung hierher.
Morgen will ich die Wogen des Jonischen Meeres durchfahren,
meine Eidothea ruft zu ihrem Busen mich hin.
Fächle mir freundlichen Schimmer aufs Schiff wie über die Liebe,
Herrin des Ehegemachs, Kypris. und Herrin der See.
GaetulicUB I.
18 (17). POYCIIINOY
MäUov Tli.SV ao~v TOs 5ovM6as 1!cMy6111a8a.
01 P1'I TOtS ~ts ~ Tlp1'C6IlEVOI.
Tats ~V ~ \hr6&,)8e llIipov a~p6v TE cpp\IayllCl
KaI IIi)(PI KIVSVvoU maaolliv., aVvoS05'
TalS SI XaplS KaI xpc:,s ISI05 KaI MlcTpov hotllov, Ii
S6>POI' lK O"TI'aTäA.,S cMc äMyI~6IlEvov.
IlII1OO11at ßlippov ~v 'AX~, ~ 1I'pOOcpIVlV
'Epll16111lS äA6xou '"'V AcXTPIV 'AvSpol!äx.,v.
• App. B.V 48; Laur. 31, 28; Ambr08. A 16lauppl.; V.tic. 1372. - I Ta.;: T1S App.M/I
~ 0 ~ pi -O\IIIIa cet. I cnro:TaAols [-6MIs 0] 0 Laur. Ambr. VaL.
./iAuN App. cbaTcU.ofs pi S ms: TOts App.)( Ti\s App. v 4 ~ P App.1I
[..] bio- cet. I Tf\alll App.1l 10m. App./1 ~fIS war. -otS oe&. f ' AX1Mtc.Js
App. 8 r:iA6X!N App. H.

19 (18). TOY AYTOY


<Xncm 'll'aISoll<XlrilS Ws 1I'pl V11'0'11, vOv Sl KaAoOlICI1
&.,A\lllCXIII'IS, Kai vOv SlaKOS 11101 Kp6TaAov,
aVTl Si 1101 mxI&.lv d:S6Aou xpo6s flpan y\IIfIov
XP6>1JCXTCI Kal 'VKous civ90s mla6Slov'
POO1a'!C7II SEA,tvas 6 SevSpoK611.,S 'Epullav90s
KaI 1I'OAI6v 1I'6VTOU KVlla 8od:s fA6:cpoUS.
PI vn 138 f.74 r • - I-I vOv ••• Suid .. !Cp6Tw.os. 2 KGI ••••• 61cncNwv,
3-4 f\fIICN ••••• m.lcrOaaav I vOv 81: KGI vOv Suid. 4 ~ P Suid. )(lKap- PI.

20 (19). ONEITOY
O<m 111 1I'ap8evl!dts npml yal105 oOn yepali'lS'
'"'v ~v i1I'olKTElp<.o), ,",v Sl KaTaISioIJQl.
EI., II11T' 611ta~ II11T' d:a'TCI,IS, " Sl 1I'hmpos
los KwplSos 8aA6:1JOUS Wpla ~.
PI VII 167 f. 76 r • - • YTlpaafls P 3 4aT~ls 0 PI Co) Ta· PI.
Anthololla Graeoa V

Herrin oder Magd


Mehr als die große Dame gefallt mir die kleine Bediente,
denn eine heimliche Lust ist nicht nach meinem Geschmack.
Jene duftet nach Myrrhen, voll Hochmut ist ihr Gebahren,
und wer sie liebhält, genießt nur unter vieler Gefahr.
Doch die andre besitzt natürliche Reize, sie bietet
willig ihr Bettchen und wilnscht kein übertriebnes Geschenk.
Mein Ideal ist Pyrrhos, der Sohn des Achill, der für seine
Gattin Hermione sich Sklavin Andromache nahm.
RufitlOll

Wandlung
Tot ist der Knabenverehrer, der sonst ich gewesen, heut bin ioh
Frauenverehrer : es ward Klapper der Diskos von einst.
Statt der I{naben natürlicher Haut Ist die Farbe des Puders
und der geliehene Glanz sohimmernder Schminke mir lieb.
0, nun grasen Delphine im Wald erymanthisoher Höhen,
und im Ichiumenden Meer weidet der ßilchtige Hiraoh.

Reohte Mitte
Frei' ich ein Weib mir zur Ehe, dann will ich nicht MAde) noch Alte:
Mitleid ruft jenes mir wach, diese erregt mir nur Soheu.
Nicht einen Herbling begehr ich noch eine Rosine; die fOÜe
Frau nur in blühender Pracht paßt für der Kypria Bett.
HonukM
270 Antbolo,ia Graaaa V

21 (20). POYCIIINOY
0öK 1Myo", ßp08IK1l' .. r"~,, oiJ "lTpoe,c:,I/OUV' .. ;
,;H~v "Ta)(t(.o)S al SIcV.UCJI,IMI" ;
vOll jWrl&s tcal 8pl~ "lTo).l1'1 tcal a~1ICI {laK~&s,
Kai 0'T61la Tas "lTpOTtpCXS oÖKtT' fxo" XaplTQS.
llilTis aol, 1JE"ri~, "lTpoatpxETal i'I KO~"
S,
).Iaanat; ~ ,..v VÜ" 01 1fapEpX~'
PI VII 146 f.74 Y. - • ßp05IK!) 0 PI -36Kt! pi IICCIAaacatTl.W P.

22 (21). TOY AYTOY


Iol 111 )'6TPIV y).UICÜ6co>pos -Ep<.o)S ~, BcXArm,
TaÜpo" Vrro~&V~as EIs "It'68o" aVr6J,1O).O",
cnrro8aM'I, "lTa"Sov).o", ltcOVatO", cnrrotdMvo-ro",
alTilaol/Ta ml<P1'lv llil"!TOT' IMveEpl"".
6xP1 ,I)."s 1TO).ti'lS tcal yi\paos' 61l11C1 JX'U.oI 5l
llil1TOT' lf' fllJE"ripats D.niat ~".
PI VII 147 f. 74 Y. - :I TCIOpov Brunak yaOpcw I-t 6!l1ICK ••• Buld••• ßaMI\If\S1lJ.

23 (22). KAAAIMAXOY
O\iT(.o)SIi1rvc.:>aatS, Kc..>!Mmo", ~ ~ 1TOlEtS
KOlllaaeal IJIVXpotS TOta& "lTapa "lTpo8vpols'
oVT(.o)S w"c:,aatS, aSIKc..>T6T", ~ T6" tpaO'Tflv
KOl"'~S, Wau S' oiJS' 6vap flVTlaaas.
yElTOIIES obrnlpovcn. aV S' oiJS' 6\1ap' fI 1TO).lfI ~
cnrriK' avaj.lln'tOiI TaOTa 01 "lTal/Ta 1<61l".
PI VII 140 f.741". - Rufino trib. PI :I 'lN)(p&\s O. Babneidor.

24 (23). (MEAEArpOY)
'fvxil Ilol "lTpo)Jyll fNyEIV "lT6eo" 'H).IOSc:,pas,
5aKpva tcal ~iI).ovs TOUs "lTplv tmOTCXJJt"1l.
,,,aI Ill", &).).a ,vyet" 00 J,101 aetVOS' fI yclcp a\lalSfls
aVTfI tcal "lTpo)Jy&1 tcal "lTPO).fyovaa ,wt.
PI VII 91 f. 72 Y. - PhUodemo trib. P PI, KeJO&IIfO Ja.a. 4 aGTT! PI.
AII\boloCia Ora.oa V 271

Soheuohe geworden
Prodike. sagte ioh's nioht: "Wir altem", Hab ich nioht lAngst eohoD
dir prophezeit: "Bald kommt'., WBII dir die Liebe verwehrt"?
Nun -? Jetzt hast du die Runzeln, grau eohimmern die Haare, dein
ist verfallen, und kein &iz mehr ulDlpielt deinen Mund. [Körper
RAldet noch jemand dich an, du Stolze? Sohmeiohelt dir jemand!
Bittet noch einer ••• ? Man flieht wie vor dem Grabe vor dir.
Rufi,no.

In freier Fron
Eros, der Sü8ee entbeut, gab dir mich als Sklaven, Boopia,
8pannte in Kypriaa Joch als einen Stier mioh, der gern,
selbergeheiBen, selbBtwollend und frei zum Fronen gekommen
und bis ins Alter hinein nie mehr die Freiheit begehrt,
die ihn nur bitter bedünkt. 0 werfe kein boshafter Zauber
leinen giftigen Blick auf meine Hoffnungen hin!
Rufi,flOI

So sei verwlln80ht
Möglt du selber 10 ruhn, Konopion, wie du mich bettest
in der KAlte der Nacht hier vor der Türe am HaUB!
Mögat du selber 10 ruhn, wie, Harte. du mioh, den Verliebten,
herzlos hier bettest! Dir ist Mitleid im Traume noch fremd.
Nachbarn haben Erbannen, doch du nioht im Traume ••. 0 warte,
bald gemahnt dioh an dies alles dein bleiohendes Haar.
KaUimacliol

Dumme. Herz
Mahnt auch das Herz mich, die Liebe zu Heliodora zu fliehen,
da es die TrAnen von einst und meine Eifersucht kennt,
ach, es warnt wohl- doch ioh? Wer gibt mir die Kraft denn zu fliehen?
Frechheit, daß es mich warnt. Liebt denn der Warner nioht selbst'
Mekagrol
272 AD'bolo,la Oueoa V

16 (U). ~I"OAHMOY

'0aa6Kt KuSlAA'lS 1iTr000"mos, EIn lClXT' ~1.Iap


dT' 6:noTo""i1aas i'l"veoll tO'"1riPIOS,
015', &n 'Trap ICP'lI1I1011 Ttl111e.> 1T6poll, 015', &n ~I'TTTW
m!nrra ~II 1Clta"i1s altll Omp8ell 111i1S.
(rMa TI IJOI 'Tr>JoII fOT'; ~ yap 6paoVs 1'\5', &rall D.Ic1J, 6
1Tavwr' -Epc.>s 6px1'\11 oVS' 6111Xp onil ~.
PI VII 02 f.72 ". - l-4 0111..... Buld... KUpos I 'II'Mcw In'; ~ yäp 8p. Lamb
wMov. laT1 yäp &p. P wMcw; lern yäp oW 8p. PI.

26 (25). AAEInOTON
Ehe CJI KVCXlIi1:lcnll &1ToaTf"~OVO"all i811pcx1S,
EIn 1TaAIII ~S 115011, &IIaava. IC6I1C11S,
IOTI 6:rr' ~II MInm XaplS. ~ ~ YI TaUTalS
epl~ ovl/OlKilcm \CaI 'TTOA1i5cnll -Epc.>S.

PI VIl175 f. 76r. - IIt'II" PI 1'11" P.

27 (26). POY~INOY

noO aol 1CE1va, MtAlaaa, Ta xpV<mx Kai 'TTIplo'TTTa


Ti1s 1TO"v9puMTOU lC&Mea ~1'lS ;
1TOÜ 5' 6qIpUEs lCal yaOpa tpovil~ lCal lJ4yas aVx'lill
lCal ~II -rapaCO)II )(I)VOO96pos amrraA'l ;
vOv 1TIIIIXP'Ii lfICX9CXpiI n 1C611'l, 1Tapa 1Toaol Tpaxda· I
Ta\rra Ta TWII anaTaAwII Tip~ 1TaMaxI5e.>II.
PI VII 178 f. 711 1'. - ADODymum ap. PI 11TO~uepv?V.t\"TOu P PI em. DübD. I 'IRI~
_ I Tp. PT' Im mhn ~paxdCl PI.

28 (17). TOY AYTOY


NÜII IJOI ..Xatpe" ~IS, 6T& aou TO 1Tp6aCA)'TTOII c.hriiA&II
1CE11/O TO Ti1s "liy5ou, paa.caw, AI16T&poll·
vOll 1101 1Tpoanal'&lS, 6T& Tas TplXas 1'\P,\Cc!ts aou
Tas l1rl TOIS ao~polS aVxtcn 1T"a'ollivas.
11'l1Cht 1101, J.IITte.>pe, 1TpoatPXEO 11'156 OVllallTa·
allTl fJ650u yap Iyw T1ill parOli Oll 5tx0l1at.
PI VII 177 f. 761'. - AAooymam apud PI.
Aatbologia Grlleca V 273

Ich setz das Leben ein


Immer, 100ft. es bei Tag, 100ft. es zu nAchtlioher Stunde
in den zlrtlichen Arm meiner Kydille mich lookt,
weiß ich, es führt mich der Weg am Rande des Abgrunde vorüber,
weiß ich, ein Würfelapiel ist'&, und um den Kopf geht das Spiel.
Mag's denn! Was liegt sohon daran ••. ! Ein Waghala ist Eros, und
treibt's ihn,
weiß er bei Tage und Nacht auch nioht im Traum was von Furcht.
PliiloclellKM

Blond und sohwarz


Ob dir, Herrin, das Haar in tiefem Dunkel erachimmert,
ob ioh blondes Gelock lioht auf dem Haupte dir seh',
immer ist Scharm und Schimmer darum. Und bleioht dir das Alter
einmal die Locken, es wohnt Eros auch dann noch darin.

Dirnenende
Sag. Me1iaaa. wo ist die goldne, bewunderte Sohönheit
deiner Erscheinung nun hin, die man 80 vielfach gerflhmt!
Sag, wo ist deine Hoffart, dein eitles Getue, dein Hochmut
und der goldene Schmuok, der dir am Fuße geprunkt'
Arm ist und glanzloa dein Haar, diok sind deine Knöohel geworden:
Ja, 80 findet der Stolz üppiger Dirnen ein End.
Bufi.ftOI

Rose und Dorn


Ja, nun gr(lßeat du mich, du Falaoher, nachdem dir das glatte,
einer Marmorfigur ziemende Lirvohen verging.
Sohli.kern möchtest du jetzt, nachdem du die Looken verloren,
die dir 80 hochmütig einet über den Nacken gerollt.
Komm nur nioht niher heran, du Stolzer, und bleib mir vom Leibe:
Glaubst du, ioh nehme vielleicht für eine Rose den Dom!
Rufi.aoa
Antbololia Oraoea V

29 (SII). KII\I\AKTUPOl:
'A5v TÖ ~llIElv tern. Tls ov MyEI; ä:J\A' 6Tav alTij
X~K6v, lr\l<p6"TEpov ylVETaI D.Mß6pov.
Suld. I. p.wr". - I IAMp. Suid.

30 (29). ANTInATPOY 9EUAI\ONIKEAI


nlwra K~Ws, Ti» ya "I\v, xpuoi'jv bn ~v 'A,p05h1'\v,
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ol1t'AoVTov, mvl1'\v ~ a5llCEin I16vol.
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31 (30). TOY A YTOY


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App. B.V 10. - Cillaotori trib. App. • KlNpi.a App. M I bill Kai P ft App. M 11
App. V • Kai: ftApp. v I Tfl "129113 App.I/Z'lSApp.M • )(PIICIOOscApp.XpuaoGP'.

32 (31). MAPKOY APrENTAPIOY


nOIEIS 1t'cXvra. ME),laaa, cptAavetos Cpya ~Ma~'
ol5a KaI Is Kpa511'\v ToOTo, yVYal, TI6aIlQI'
Kal ~I \.Wv aTa~elS wo xElMalv 1a5v cplMOaa,
flv 5' a\~s, KtVTp<j) TIi~ ~pEIS ä5IKOV.
'1\11 P.
Anthologia Ora.aa V 275

Liebe und Geld


Süß ist's. Liebe genießen. Das leugnet niemand. Doch wenn man
Geld für die Liebe verlangt, wird sie wie Nieswurz 10 herb.
KillaA:tor

Die "goldene" Aphrodite


Alles ist trefflloh gesagt beim Maioniden, doch daß er
Kypris die goldene nennt, ist wohl das Treffliohate dooh.
Kommst du mit Geld, dann bist du ein Freund, und kein Hund und
steht dir im Wege; es liegt aUes an Ketten im Flur. [kein Pförtner
Hast du das nioht, dann wint du sogar auf den Kerberoe stoBen •••
Habsucht, Habsucht, wie weh tust du der Armut - nur dul
Amipalro.t von TMMalonike

Die drei Zeitalter


Golden war einstens die Zeit, die nächste aus Silber, die dritte
wurde aus Erz; jetzt sind alle in Kypris vereint:
f'..olden liebt sie den Mann, sie schAtzt auoh die ehernen M&nner,
aber sie weist auoh gewiß silberne Minner nioht ab.
Paphia wurde ein Nestor. Mioh dünkt, auoh zu Danaä sohwang sioh
Zeus nicht im Golde, er bracht hundert Dukaten nur mit.
Amipatro.t von Tl&uaJloJIib

Die Biene
Alles tust du genau wie die Freundin der Blumen, die Biene,
Binohen; ioh weiß es und sohrieb's, Mädohen, ins Herz mir hinein:
Küßt du mioh sü8, dann tropft vom Munde dir Honig, und wenn du
Geld von mir forderst, dann fährt schmerzhaft der Stachel in mioh.
MaretU Arge7llar6tU
276 Anlholo,ia Craeca V

33 (32). nAPMENIRNOl:

'Es ~avcn,v Ipprvcras. ·O~W1T1E. Xpva6s. Iv' ";1Ta1s


Ws S6>(Xt) 1TE1a8i5. Il"; TptO'lJ Ws KpovlSl1v.
PI VII 163 I. 71lr. - I EIs PI [Iorl. reale] I Tpi'"l c PI Tpifl PI.

:u (33). TOY A YTOY


'0 ZNs TIJV ~avcn,v XpVO'OÜ. Käyc:, Sl cri xpvaoO·
1TMlova yap soo\IcxI TOO ~\C~S OV SVva~l.
PI VII 1M 1.7/1 r •

3/1 (34). POY~INOY

nvyas aVTOs fKplva TpIWV' d~OVTO yap aVTal


BEI~<XOa1 )'VIJv1'\v 6crnpo1T1'\v IIEMwv.
Kai p' ..; ~v TpoX~oIS acppa)'l~o~VI'l y&~aalvoIS
MvKij äTro y~OVTwV f1v6EEv EÜacpl1J'
Tfls Sl Slalpo~VI'lS cpolvlaano Xlovtl1 aap~
1Topcpupicno posou lläMov fpu6pcnipl1'
..; St ~1'\vt6waa xapixaano KIiJ.I(JT1 KWcp<j).
aüTOlI6.-nl TpucpE~ xpw-rl cnWvo~VI'l.
EI TaVTas 6 KpITIJS 6 ~v ~ wvyQs.
o\nctr' äv OVS' falBElv f18W TCs 1TpoTlpas. 10
• PI VII "1 1.74r [om.l'.I-8]; App. B.V 13.- I cNTal0 App.1-4 Suid.8.ye).a-
OIIlOIS lI'Tpo)(aM'cn App.// o",ay(o- P PI ~o- App. M ~IYYo- App. V 4 MvK~
App. -fI P Suid./!NaitIIJ App. V -fl App. U -flll P Suid. f xa~crro App. • TaU·
TalS App. 'AI /Iletäacrro PII!~: ICOÜ~ PI.

36 (311). TOY AYTOY


"Hplaav äMt'I~CXls ·PoSo1TTl. MEMTI'l. ·PoSowla.
TWV Tplaawv Tis IXel KpElaaova IlI1PI0Vl'lv.
KalIIE KpITIJV dMVTO' Kai Ws 8Eal al1TEpl~M1TTOI
lcrrrtaav YUl'val. ViKTapi MißQllEval.
277

D&U&t;

Zeua, du strömtest als Gold a.uf Da.na.e nieder; gewinnen


sollte sie dir dein Geschenk, nicht ihre Furcht vor dem Gott.
Parmtnion

Ein gleiches
Zeus gab Dana.e Gold; so achenke auch ich dir ein Goldatllek;
denn ich kann doch gewiß mehr dir nicht geben als Zeus.
Pannenion

Schönheitsurteil
's zeigten drei MJ.del inir JÜDgst ihre blitzende Nacktheit. Wem seien,
fragten als Richter sie mich, achöner die BAckehen geformt.
Weiß wie 8chimmernde Blüten und weich und 8chwellend erhob es
sich bei der einen, und rund ·lachten die Grübchen darin.
Schneeweiß die Formen der zweiten; doch als sie sich regte, da. färbte
purpurn ihr Fleisch sich, 80 rot, wie a.uch die Rose nicht blüht.
Ruhig die dritte wie's1deer; von selbst nur flog eine leichte,
8chauernde Woge ihr leis über die wonnige Haut.
HAtte der Göttinnen Richter 8ich je diese MAdeI betrachtet,
nie mehr hAtte er dann jene zu sehen begehrt.
RufinOl

Ein gleiches
Jüngst stritt Rhodope eich mit MeHte und Rhodokleia,
wem wohl das schönste Juwel unter den dreien gehört.
Ich ward als Richter bestellt. Nackt standen sie da wie die hohen,
göttlichen Frauen, ein Duft ging wie von Nektar um 8ie.
278 An&holosia Oraeca V

Kat 'Po86mjs IJ,lIl fAajm'E lJ.laos JJ'1pG)1I lToAVnJJOS ,


oIa po56>l1 lTO~4> axl~OJJEIIOS ~EfVfXt> •..
Ti'\s st 'PoSowl'1S ~äÄct> 1000s Vypo!Jhc.mos
ola Kat 111 "'l4> lTpCo)Toy"vcpls ~OcxIlOII. I
aAAa O'acp(;)s. & lTilTOllee TIO:PIS Sla Tt'", KpIO'III. elSWs 11
TcXs TpEiS 6eaII6:Tas lIi&V O'VIlEO'TEcpO:IIOVII.
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~ yel {>o&I\Ke> [eI: IIOIivrt>I PI 11 M'~ Jae. Mm6· • ~ Hf'eker 'IrOA./j>
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37 (36). TOY AYTOY


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I: 6110IWS [flll1llae antAlcelll8antep. Öl. - App. B·Y 19. - I nax.l'lv App. S oapKbs
AIIP' M 4 dlcTaTm App. M.

38 (37). NIKAPXOY
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38 (38). TOY AYTOY

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"" TE Spo~ ytyovWs EIs •AIS'111 WO:yW;
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TClIIS' l\lElCl!lI. X6:pl. O'o~ OOlfOT' ICI el6:aOVS.
1: 'lfp6s Ipwra KaI TOUs e.=CM.- PI VII 168 f. 75 r. - :I 6poOaIv Meiueke alp- P
tpiouo11/ PI 4 X., CIOÜS Unav y\\P Icrws.
Antholo.l. Graeo. V 2711

Leuohtend im Mittelpunkt strahlte der Rhodope kÖBtlJohes Kleinod


wio von Rosen ein Buaoh, der lioh im Windstoß zerteilt •••
(Licke im ~n TezI)
Einem Kristalle war gleich Rhodokleial Geechmeide, 10 gli.nzend
wie eine Götterfigur, frisch für den Tempel geschnitzt.
Doch da ward mir bewußt, was Paris sein Urteil gekostet;
ra.aoh drum aprach ich: "Den Kranz, himmlische Frauen, - euch
drei'nl"

Die Taillenweite
Nimm dir kein MAde! zu dünn und keines zu dick in die Arme,
nur in der Mitte der zwei winkt deinen Wünaohen du Glüok.
Fehlt ca der einen an Fülle, die andre quillt über von Maaae:
Such nicht zu wenig an Fleiach, aber - luoh nie auch zu viel.
Rufi-

Liebe nach Maß


Groß muß die Frau sein und hübaoh, soll sie wirklich mioh, Simylos,
ob aie in Blüte noch ateht oder bei Jahren aohon ist. [reizen,
Ist aie noch jung, dann umarmt lie mioh aüß, und ist'a eine Alte,
nun, auch die Runzlige kann, Bimylos, eine noch: sie leckt.
NjlcarcAol

ZUlage zum Umtrunk


Muß ich nicht doch einmal lterben! Wu kümmert'a mich, ob ioh
oder ala Sieger im Lauf nieder zum Aoheron fahr! [podagriaoh
Viele tragen mich dann. Drum laß mich nur hinken, mein Lieber.
OIaubat du, ich fehle deahalb, Charis, bei deinem Bankett?
Ni1v.TcAoI
AD~hologla Oraeoa V

40 (39). TOY A YTOY


T~ I11'\TpOs 111'1 6KovE. <1>1).0VIJi1l1l· Itv yap 6:rrt).8fA)
Kai ~ 61ra~ f~fA) TOV 11"6&a Tils 1I"OMws.
T6)V KQTQ1I"cn~OllTfA)V 111'\ ax~s ).oyov. 6}.).' fs ÖCEllIOvs
'1111"aI~aa' 6p~cn 1I"1.Elov '1100 Tl 1I"011v.
mXl/TQ ).160v KllIE1' aCXVl'1't VTpt~ Kai yp6:~ 1I"POs IIE.
ds 1I"011'\v 6:lm'!v EVCPPOavllOV yiyovas.
eliTCXKTIlv lI"Elpc;:,· TO S' 'lIOIK10V. "V Tl lI"EplaaOV
ylll1lTal. Kai '1101 CPPOllTlaOV f\l1lmov.
Itv.v yaaTpl ).~s.1iKE, lIQI nKE' 111'\ 6opV~Tl6ijS'
e1ipl'lenl. '1TÖ6Ev faT·. l).60v fs f\).IKITlv. 10

PI VU •• 1.761 [001. Y. 1-4]. - I li" PIls add. Reiake ., 8' add.J_1I "" J_
a.. I"~ Lumb I.... PI I.... P . . . . . P MjSI PI 11 val8alm. m1.

41 (40). POY$INOY
Tls YVI1111'\v OVTCI) ae Kai .~t~.v KaI rSelpev;
Tis 1jIV)(1'Iv ).161l1TJv eIXE Kai OVK I~).emv;
1101XOV taCl)S TllipTlKEV 6:Kalpws KEIvOS 'ae).8wv;
YlllOllElIOV' 1I"äacn TOÜTO 1I"OOÜal. nKVov.
1I").I'\v 6:1rO M. ÖTaV 'aTlv laCl). KEIVOS S' Mav l~CI).
TO 1I"pOevpov acpilvov. 111'\ 11"6:).1 TaVTO 1I"6:6r;)s.
PI VII 148 1.74Y; App. V (Y. 1-2). - I ~M1n P App. I lOptpcsv PI 4 ~
e& _1OOIn PI I loTIv P PI [DOD mutaDdum).

42 (41). TOY AYTOY


Mla6) T'I'Iv 6:cpE).fi. 111ac;:, T'I'Iv awcppollQ ).fav·
f\ !lAv yap ~paSEWS. '" S~ 6tMi TCl}(tws.
I: 11$ -rr6pvas [lallum]. - PI VII 200 l.7er. - Tl~. om. PI I Suld ••• ~u.1s et 1110(;);
8OhoI. Ald. ad AriI~ph. Equ. 527 11 M'I" aohol.

43 (42). TOY A YTOY


'EK~1 yv\Jvi!v TlS. rnl')v Np1J 1T'O'rl 1101XOV,
&s 111'\ 1101Xeliaas. &s 6:11"0 nu6ay6pov;
Anthologla ara.ca v 281

Abllchiod
lAß deine Mutter nur reden, Philumenel Wenn ich jetzt weggeh
und den Fuß nun einmal hier aus dem Städtchen gesetzt
und lie dann lachen - was tut's? Am beeten, lach über die Leute!
Dann aber - ach&ff auch mal was, mehr, als ich acIber geschafft.
Nur keine Arbeit gescheut! Sieh, daß du dich durchbringst! Und schreib
wo dioh das Schicksal am End glücklich ans Ufer gebracht. [mal,
Halt deine Groschen zu Rat, und bleibt dir vielleicht mal was übrig,
denk auch an mich, ich brauch täglioh zur Miete was Geld ••
Ja, und - spürst du ein Kind, trag'l ausl Und nur keine Sorgen!
Wenn das zu Jahren erst kommt, findt.'1 schon, wohin es gehört.
Nikm-cAol

COli fan tu tte


0, wer schlug dich denn 80 und warf dich 80 nackt auf die Straße?
War er denn blind? Oder trAgt er einen Stein in der Brust?
Kam t'r zur Unzeit vielleicht und fand deinen Liebsten im Zimmer••• ,
Nun, das kommt vor; das tun a&mtIiche Frauen, mein Kind.
Nur - wenn's wieder 80 ist: er geht, und es kommt dein Geliebter,
riegle die Türe schön zu, daß dir's nicht noch mal paaaiert.
RII.!i:noa

Temperament
Allzu hemmungalOll nicht, noch zu zimperlich will ich das MAdeI:
ziert sich die eine zu lang, sträubt sieh die andre zu kurz.

Darf ich dich trölten?


Warf er dich nackt vor die Tür, da er drin deinen Lieblten gefunden,
er, ein Pythagoraafreund, der keinen Seitensprung macht?
282 Anthologl& Graeo& V

eho, .. iKIIOII, Molouaa 1CQTa~ TO 11'pöawrroll


1«X111'apaplywcnlS lJalllol!illOv 11'po6Vpol$ j
IKJ,Ia~a\, 1J1'I tV.all, TitcIlOII' XEÜpi}aOIJEII 61.).011,
TOll 1J1'I1«XI TO PMmlll d56Ta I«XI TO SipEIII.
I:6"ol~ [.peot&t &cl ep. 'I, lnuno ep. '2r or. &cl .p. 37]. - PI VII 1'9 r."v. -
J JaZTaTpI~ P I ""1\11 pi • Ttw ,," 1CGI T6 JIUI. Ttw lIfIdn P Il1lml T6v T6 l'I.

« <'3}. TOY AYTOY


AfIJPIOII. t'I 5' hfpa KePKOVPIOII. at 5v' haTpal
allll .'POPlJoOalll Tetl IaIJlwII ).Il!illl.
äJlAa. WOI, 11'av5'lJJl Ta ).1JaTpIKI!c "ri\s 'AfPOSlTTIS
~" 0 avlJlJl~cxs Kai 1CQTa5ös mnal.

'11 CU}. KII\I\AKTOPOI


ßap8EIIIKI!c KOVpa TI!! a: dplJaTa 11'Mlol/a 1I'01ET.
oVac ä!ro Täs nxllCXS, äJIA' ä!ro Täs q»VaIOS.
• a &dd. Bl"IIJIOk.

'6 C'tI}. 4III\OtlHMOY


XalpE aV. - "Kai aV YE XaTpE." - TI &T ae KaMTlI; - "D Si j" - Mi}lTW
TOÜTO' q»IMc71I'OV5QS. - "M'l5l aV." - Mi} TlII' fXEIS j -
"AIEI TOll q»1).tOllTa." - etMIS &lJa afllJEPOII t'llJlII
&l1f1llTII j - "EI aV etMIS." - EUrE' lTOaov 11'apialJ j -
.,M'l5tll IJOI lTp05l50v ••• " - ToiiTo ~tIlOII. - "äJIA' 60"011 &11 aal . 5
KOIIJ'l8t\ITI 5oKi5. TOiiTO 56s." - OVK ä5IKETS.
11'OÜ yllIIJ j mlJljICa) ••• - "KaTaJ,Iäv8ow." - ß'lviKa 5' i\~IS; -
.;HII aV 8tMIs WPT'I"." - EV8v et).w. - "ßp6aye."
11l1l6i DUbo. "Im J cd&\ 0 eill Pi.
An~hololla Graeoa V 283

0, und da weinst du, mein Kind, und wUlat dir die Bäckchen zer-
und erkältest dich noch hier vor des Wütenden Tor? [kr&tzen
Weine nicht, trockne die Trlnchenl Wir finden gewiß einen andern.
der 80 geD&U es nicht sieht und auch nicht prügelt, mein Kind.
Rufin08

Harenhetiren
Zwei HetA.ren, Schalüppohen und Barke geheißen, die ha.ben
lich in Samoa am Kai da.uemd vor Anker gelegt.
Flieht in Haufen, ihr Knaben, vor diesen Korsaren der Kypris;
wer hier anlegt, der sinkt wasserversohluokend hinab.
Rufi'M'

Kunst und Na.tur


Ist ein MAdel noch jung, dann erhilt sie die beste Bezahlung;
doch das ma.oht nicht die Kunst, IOndern du wirkt die Natur.
Killaklor

Begegnung
'n Abend! - ..Schön guten Abend I" - Wie heißt du denn?-
"Ja, wie heißt du denn?" -
Nur nicht 10 eilig da.mit! - ..Gleichfallal" - Du biBtschon besetzt?-
..Liebhaber gibt es genug." - Sag, ißt du mit mir heut zu Abend? -
..Wenn es dir Spaß ma.oht. "-Na schön! Und wievie1 koatet's bei dir?-
..Gar nichte im voraue •.. " - Nanul- ..... sondern wenn wirzuaammen
geachla.ren,
schenkst du na.ch Wunach mir 80 viel, wie es dir wert acheint." -
Nicht schlecht 1
Und wo wohnst du? Ich achiake •.• - "Krieg's rauei" -
Wann willst du denn kommen t -
..Ganz wie du selber es WÜDllChatl" - Ich möchte gleich. -
"Denn man los I"
PAilotUmoI
Anthologia Graooa V

n (46). POYCI>INOY
no1.1.CxKIS iJpaO'O:IlT)v cn 1.aß~v ~v IIVK'TI, 86:Mla,
'lT1.T)pc;x,.al 6cxMpij 6vllov ~poollavllJ'
vvv S', 6TE 1101 YVllvti y1.VKEpois llE1.uO'O'I ntrr1.T)O'al,
ll<1.VToS wva1.l!~ yvia 1<1!1<1lT)l<a KO'IT~.
6V1l~ T~, TI ntrrov6as; o:vl!ypEO IlT)S' &1ToKallVE,
~T)",cnIS TaVTT)V Tliv WEPEVTV)(IT)v.

3 !l01 add. Reiake S T~as P [v Rupra S], Cramer An. Par. 4, 287,15.

48 (47). TOY AYTOY


·OllllaTa Il~V xpvO'ela Kai vaMeO'O'a 'lTapElli
I<al O'Tolla 'lTOpcpvptT)S TEP'ITVOTEPOV K~VKOS,
Selp,; 1.VYSlvtT) Kai 0'TfJ6ea llapllalpoVTa
Kai 'lTOSES o:pyvpl!T)S MVKOTEPOI 8hlSos'
EI SI! Tl Kai 'lT1.oKalliO'I SlaO'Tl1.~vO'IV äKaveal,
Tfis MVKi'jS K~cXllT)S ovstv bnO'TpecpOllal.
PI VII 201 f.76J'. - Tit. om. PI I xpvata pt S 6KavGas P • rnIOTpiq>O!lal ex
-o1lEV P.

49 (48). TOYlllKIOY rAl\l\OY


'H TplO'I MITovpyovO'a 'lTPOs EV TO:x0S O:VSPO:O'I !\vST),
TC;; ~V vmp VT)SIiv, TC;; S' WO, TC;; S'6"..6EV,
elO'Sl!xollal cplM'lTalSa, yvvalKollavi'i, cpl1.VßpIO'TfJV.
EI O"ITEVSelS tM~v cruv SvO'l, Il'; KaTi)(ov.
I: rnlypalJpa äSI~TQTOV [titu1o allud.]. - Tit.: ToVSIKalOV r. P em. Deor. :11 S"
add. Salm.

50 (49). AllEInOTON
Kai 'lTEviT) Kai [pe..><; SVo 1101 KCXKO:' Kai TO Iltv 010'00
KOVCPOOS, 'lT\ip st cpl!PEIV KwplSos ov SVllallal.
App. B· V 46. - Rufino kib. App. I !l01 Bdd. o.
Anthologia Graeoa. V 285

Das ~'leisch ist schwach


Tausendmal sehnte ich mich, dich nachts zu umfangen, Thaleia.,
und mir in blühender Lust endlich zu stillen den Durst.
Nun, da hüllenlos-süß deine Glieder zur Seite mir ruhen,
ach, nun sinkt mir der Leib kraftlos und müde in Schlaf. __
Herz, mein armes, wa.s ist? Wach auf! Wirf ab deine Schwere!
Bald, bald suchst du umsonst aU dies unendliche Glück.
Ru/inos

Jugend ohne Grenzen


Leuchtend ihr Auge wie Gold, kristallklar die strahlende Wange,
und in purpurner Pracht lacht ihr die Rose am Mund.
Blendend wie Marmor ihr Hals, alaba.stern blinkt ihr der Busen,
und in blitzendem Weiß glänzt wie bei Thetis ihr Fuß.
Leise schimmert ihr wohl ein silbernes Fädchen gleich einem
bla.ssen Hälmchen im Hur, aber - ich sehe es nicht.
Rufin08

Dienst am Kunden
Ich, die Lyde, bediene geschwind drei Minner auf einmal;
oben und unten und selbst hinten noch nehm ich sie auf:
Knaben- und Frauenverehrer und Freunde wüsten Verlangens.
Bist du in Eile und ha.st zwei Kameraden - komm 'rein!
Tudici'U8 GaU'U8

Armut und Liebe


Armut und Liebe, sie bringen mir beide wohl Qualen; doch trag ich
leicht auch die eine, die Glut Kypria.s halt ich nicht aus_
Anonym
288 Anthololla Orael. V

111 (SO). A6E:EnOTON

'HpäaeTJII, 1,I?ovv, hvxOIl. KCXTtrrpa~', äycnrW\JCX1.


TlS 5t KaI ~S Kai 'TrWs, '11 8&ÖS 01& 11Ö"'l.
PI "112011 f.78'.

61 (61). 610IKOPI60Y
·OpKOlI XOlvl>1I -Epc.rr' &wet'I~II' 6pKos 61'11C7T'ia1l
'Apcnv6tJs eilllVOS Iwcn'Tra-rrxt> ,"'ITlII.
älIA' '11 IilllljllVSils, ICEva S' 6pKla' T~ S'IfvAäx&Tl
IlIEpos' '11 5t 8IwlI o{J fCXIIIfrlI SVIICIJ.IIS.
epil~. er, 'Y!dvall. 'Trapä MTltCJ\1I 6JcoWaJs I
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63 (62). TOY A YTOY


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M (63). TOY AYTOY


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Anthologia Oraeca V 287

Nur Kypris weiß es


Habe geliebt und geküßt, erreicht und ein Herz mir gcwonnen.
Wer aber, wen und wie - Göttin, du weißt es alll'in.
Anonym

Verräter in
Eros riefen wir an in gemeinsamem Schwure; wir schworen,
treu für Sosipatros stets schlage Arsinoiis Herz.
Ach, sie hat ihn verraten, und leer war der Eidschwur; er aber
liebt sie auch heut noch. - Und wo zeigt sich der Himmlischen
Hör, Hymenaios, denn du an Arsinoes Türe den Wehruf, [Macht...?
0, und schleudre den Fluch auf der Verräterin Bett.

Diosko,.ides

Dann sterb ich gerne


Reizend verwundete mich Aristonoe, lieber Adonis,
als sie vor deinem Gelaß neulich den Busen sich schlug.
Will sie mir, wenn ich verscheide, den gleichen Gefallen erweisen:
ohne Bedenken, dann nimm gleich auf dem Schille mich mit.
Dioskorides

Liebesrat
Ist deine Gattin gesegnet, dann freue dich niemals in Liebe,
die nach Kindern verlangt, Auge in Aug deiner Frau.
Groß ist inmitten die Woge, und klein wird gewiß nicht die Mühe,
hebt das Rudern erst an und das Geschlingl'f beginnt.
Umgekehrt mach es, werd froh an den Rosen der anderen Seite;
träum dir das Märchen, hier sei Kypris in Knabengestalt.
Dioskorides
288 ADtbololia Grasoa V

All (114). TOY AYTOY


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H (03). TOY AYTOY


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PI VII 110 U8f. - TiL OlL PI I MDII)4'1V U -laMmI PI • .v,uas p. PI ..... e
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117 (H). MEAEArpOY


Tt,v 1TVpl v1lxolJiv1lv 'fNXt,v (xv 1ToMO:KI l<al1JS.
~eV~', -Epws· JCaÜTiI. axh"I', lxii ,mpvyas.
IIxa ReIüa~
118 (117). APXIOY
Nfam' -Epws. 1TOp8ets 1'1, Tb Kpfayvov· .IS 111 Kivwaov
1Täv aV ß~OS. "OI'lT'l'lv I'1lKh' a~ls Y"VfISa.
Ws (xv 1.I0üvov 1).0lS lots IIl! Kai "va xpMwv
mov OlaTEÜaal I'1lKh' Cx0IS 6KISa.
I tcpt\yvov Bouhier tcply- P tct\P'1/OII auprucr. c 4 l)(olS Jao. "IS.
AnLhologi. Or •• c. V

Erfüllung
Doris mit rosigen Bäckohen saß jüngst mir im Bett auf dem Schoße,
und in der blühenden Pracht ward ioh beseligt zum Gott.
Fest umpreßte sie mir mit den herrlichen Knien die Hüften,
wAhrend sie Kyprias Bahn rastlosen Laufes durchmaß.
Starr nur ruhte auf mir ihr Blick, und da sie sich regte,
ging, wie durch Blätter der Wind, zitternd ein Funkeln durch ihn.
Endlich verströmten wir beide die Luat in achll.umendem Opfer,
und mit ermattetem Leib kraftlos unk Doris zurück.

Verzüokung
Rasend machen aie mioh, die betörenden, plappernden Lippen,
diese rosige Tür vor dem nektarischen Mund,
diese Augen, die unter den aprosaenden Brauen mit feinen
Garnen und Schlingen mein Herz funkelnd und aprühend umdrohn,
diese Brüstchen, 80 weiß, 80 lockend, 80 wonniggeschwistert
und ao entzückend und hübach, wie keine Knospe ea ist ..•
Dooh - was zeige ich denn den Hunden den Knochen! Was schwatzhaft
Reden hervorbringt, davon zeugt Ichon bei Midas das Rohr.
Dio3J:oridu

Seele im Feuer
Sengst du mir, Eroe, zu oft da8 im Feuer schwimmende Seelchen,
wird es entfliehen: es hat Flügel, du Schlimmer, wie du.
Alt.letJgroI

Veracho88en
Eros, du töte8t mich noch, du Bengel. Doch recht 801 VerschieB nur
Amtliche Rohre auf mich, bis dir kein Rest mehr verbleibt.
Ja, 80 hast du nur mich als einzige Beute, und nimmst du
dann einen andern dir vor, fehlt dir zum SchieBen der Pfeil.
Awus Licinius ArcMa,
290 Anthololia Ora80a V

119 (GS). TOY AYTOY

"GlNylIII Set ,.oll -Epc.mx'" \CEllOs 'T!'OVOS' IN yap 6).u~6)


mtbs WO 1I"T1l1lOÜ lI'VKva 516)1(6111VOS.
PI VII 202 1.761. - Tit. om. PI I &d PI &il P.

80 (59). POYGlINOY
nap6illOS c!cpyvp0'lTE~OS '~oVeTO, xpliala IJCXt~1/
Xpc.YT1 Y~CXKT01fayel lAi'\~a Slalllol'llll1'
1TVYal S' ~i)~CIlS 1TEPIT'lYUs .V,laaaVTo,
OSaTOS öypcrripct> )(jXo)Tl acxAev6j.11I1C1l'
,.oll S' V'lTEpCIl5cxl\101/Ta ~ ~1Il1 XElp 11
oVx 6MII EUp6>Tall, ~' Ö!1011 fl5V\ICX"l'O.
App. B·V U et GO. - I 6pyvp6ml;a App.lIl}II.bv App• • yaMiKTOIiUyi\ App.
S 'IIV}'QI 0 App. V 11TIyal pi App. U 1-1 8uicl. a. E6pcinav; om. App.; iten'l'. iD
.. p. 36. 9-10 Pli TfTGIIMI8uid. I fl6WaTo 0 Sold. t&- Pi.

61 (60). TOY A YTOY


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.~ aliTi'\s KpaSIT'lS l'JSV )'EAäl/ 11TOoVI/'
"flW8EKc!c aal ßiß~T'IKa Kai aOPIOII l!iM.a ßa),w aal
ft 1T~1I fit 1T~III Sc.OOac' nnC1Tc!cj.llvos."
Eha KEMvol'l1ll1 ~AeEII' )'EAc!caas ~ 1Tp6$ aliTi)lI' 11
"EISE CJ'E KaI WKT~ ipxol'llll111 ~OVII."
1)'IMv ht60w P (nil mutandamJ.

82 (81). TOY AYTOY


OWe.) aov TO ~Ol/ XpOVOS (aßEC7III, ~' rn 1TQ)J.a
Milval/a Ti'\s 1TpOnpT'lS acfltlTCll l'J~IK(T'IS,
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TWII I~apwl/ lAi)~e.)1/ ft (xS5011 .~tcpvyell.
c':I1T6aaovs KaTiCPM~ ,.0 1Tplll 6eOlIKlAolI 6v60s. 11
[flvlKa 1T~");' i.c!cp1TEII c5nrö ~M~II].
I KaMl/6 xp. P em. Salm. I 6vGos Gayet ~ II.-t '1'. 8 Iaounam es. sr. -
aapra u-no ...ppL 0, altenJm addeas: 6mr6'n 1fpcon6wMw (TfIIXIS flAadlll/.
AnLbolo,i .. Or .. eo .. V 291

Vergebliohe Fluoht
El'OII entfliehn' Ein eitles Bemühn I Wie soll ioh entkommen'
Geh ich zu Fuß doch. und er .chwingt sioh auf Flügeln mir nach.
AultU Liciniu8 Arcl,ia8

Sohönohen im Bad
Silbern blinkte ihr Fuß. indes sie im Bade die holden
Apfel des Busens sich wusch. weiß wie geronnene Milch.
Zittomd zuokten zusammen die runden Biokohen. erBchauernd
und wie W&888r so weioh bebte darüber die Haut.
Doch mit der FlAche der Hand bedeckte sie .oheu des Eurotas
sohwellende Form, nioht ganz. aber - 80 gut 88 halt ging.
Rufi1lO8

Mei.terspieler
Pflöokohen .pielt ioh mit meinem .chwarzAugigen MAdel Philippe.
bis ioh aus Herzens Grund fröhlioh zu lachen begann:
"Zwölfmal hab ich getroffen. Komm morgen nur wieder. ich treffe
wiederum zwölfmaJ ins Ziel oder noch öfter. loh kann·....
Pünktlioh et'IIChien .ie bei mir. Da lacht ich und rief ihr entgegen:
"HAtt ich dich doch heute nacht, Kind. schon herüberbeatellt."
RufiflOB

Patina der Jugend


Noch verlÖlChte die Zeit dir nicht deine Schönheit, noch hast du
manchen schimmernden Rest einstiger Jugend bewahrt.
Jung noch blieb deine Grazie. und immer noch leuchtet'. von deiner
Apfel entzüokendem Paar blühend und rosig herauf.
o wieviel Herzen entflammte dereinst dein göttlioher Liebreiz.
[als er in knospender Lust dir aus den Augen gestrahlt].
Rufin08
292 AnLhologia Graeca \.

63 (62). MAPKOY AP rENTAPIOY


'AVTly611T1, IIKEA'I) Tl'apos 1ja66: 1l01' ~ 5' tyev~6TlS
Ah6)~~, Käy~ Mfj50s 15011 yeyova.

64 (63). AIKAHniAlIOY
NElq>E, x~a~oß6MI, Tl'olel O'1<6TOS, al6e, KEpaVvov,
Tl'aVTa TO: Tl'Opq>VPOVT' Iv X60vt aeiE vlq>Tl'
i'tv yap !JE KTE1vIJS, T6TE Tl'aVaollen· i\v 5E Il' aq>ils ~fjv,
Kat 51aGEis TOVT6)V xElpova. K6)llaaollal.
UKEI yap Il' 6 KpCrTc:;:,v Kat aov 6E6s. c'j) Tl'0TE Tl'EIa6els. 6
Zeii. 510: X~KE(6)V xpvaOs 15VS 6~all6)v.
PI VII 118 f. 73 v. - 3 a~s t;i'\v P 6:q>EITlS PI 3-4 Suid ••• kCo>liaoolial 4 61a6Els P
.ßi'\s PI
.9~s Suid.

66 (64). AliEInOTON
AIETOs 6 ZeVs 1jMEv rn' aVTI6eov raVVIl~5Tlv.
KVKVOS rnt ~avG'I)v Il11TEpa T1)V 'EMIITIS.
OVT6)S allq>6TEp' Icrrlv aO"liyKplTa' Tc:;:,V liVo 5' a\iTc:;:,v
äÄJ.OIS ä}.}..o 50KEl KpEiaaov. Illot TO: 5vo.
PI VII 180 f. 76 v. - :8 Tl'Iv P TijS PI.

86 (811). POYG>INOY

EliKalp6)S jlovaaaaav 15~v np05IK11V IKETEvOV.


Kat Tc:;:,V 6:Ilßpoa(6)V äljJa!JEvOS YOVO:T6)v'
..Ic:;.;aov". Eq>11V• .. avGp6)TI'ov äTro~V!JEvov Tl'apa IlIKp6v.
Kat q>eiiyOV ~6)fjs Tl'VEVlla aV IlOI xaplaal."
TaVTa ~eyOVTOS fAAavO'eV' äTrO\V1'laaaa 5e 500<pv, 5
Tals TpVq>EpalS t'\IlCXs XEpatv Vm~t~v.
PI VII 1111 f. 7" v. - Tit. add. c 6 i)JJQs xrpalv P X. i). PI.
An~hololia Graeca V 293

Wechsel der Heimat


Früher, Antigone, WlU'llt du siziliacher Herkunft; doch da du
heute Bit.t.-ynierin biBt, ward ich apar-taniachen Stamme.
MarCUIJ Argmtaritu

Im Bann des Eros


Schneie und hagle nur zu, mach Finaternia. donnre und blitze.
schleudre aus dunklem Gewölk Wet.ter um Wetter aufs Land:
wenn du mich totschlAgst, dann laß ich'B; doch bleibe ich weiter am
[Leben,
lieb ich und Bchwirm ich auch dann, wenn du noch furchtbarer tobBt.
Denn der Got.t, der mich treibt, ist der gleiche, dem du auch erlegen,
Zeua, aIa golden du einst eherne WAnde durchdrangst.
A.1dqiGdu

Zwei Freuden
Zu Ganymedes, dem hehren, kam Zeus aIa Adler; zur blonden
Mutter der Helena dann flog er in Schwanengeatalt.
Beide Vergnügen sind achön und nicht zu vergleichen; 80 mancher
wünscht. eich bald dieaea bald das, ich möchte beidea zugleich.
A7IOIlp

Da warf sie mit der Rosenhand •.•


Als ich mit Prodike jüngst mich glücklich allein sah, da sch1ang ich
um ihr ambrosisches Knie flehend die Arme und rief:
"Rette mich I" bat ich, "ich sterbe 1 Bald ist es geschehen. Mein Atem
will schon entfliehen. Sei lieb. Gib mir das Leben zurück ••. "
Also sprach ich. Sie ,veinte. Dann trocknete sie ihre TrAnen,
und ihre rosige Hand na.hm mich und - warf mich hinaus.
RufifI(M
ADthologi. Oraeo. \'

07 (00). KAniTANOl:

KCY.Äos 6:\IN XaplTwv TiPlTEI lloVOV, OU KCX"riX&1 SI!,


~ äup äyKllnpov IIT\X0j.IEVOV SEÄEap.

PI VII 170 L 711 r. - Nioaroho t.rib. "p. Ilum 88 iunctum rl.

G8 (87). AOYKIAAIOY, 01& nOAEMnNOI TOY nONTIKOY


"H TC qllMtv mplyPll'l'0v, "Epws, 6},ov i\ TC ,IMta6a1
lTpOaeas, Iv' i\ },W1.l~ TÖV lT680v i\ lCEp&o1)s.
PI VII 123 L 73 v; Bill. - Tit. OID. pi R. add. 11; 1\cMc1~lou PI • nplKalf'Oll K.

89 (68). POYCIII NOY


ncV.).as laaep1'\aaaa Kai "Hp'l xpva01TiSI},OS
MenovlS' bc 1Cp<XSI'lS laxov ~ •
..O\ncm Y'Il'voVpmea. KplaJS Illa lTOllIivos &PlCEt·
oV WOV IITTäo9cn SIS mpl ~oaVIIT\S."
PI VII 12. f. 73 v. - I Mcnollh, PI :I YV\l1lOUlllaea Laso. -\liGa.

70 (69). TOY A YTOY


KCY.ÄOS IxE~ Kli1rplSos, nEI80üs aTOp.a. awj,Ia Kai älq.&tiv
daplVwv 'WpWV, f6t)tlla Si Ka~IC~1T1lS,
VOÜV Kai aw,poaVvt,v etlliSOS Kai xeipas 'A61'\IIT\S'
aVv aol S' aI XaplTtS Tiaaapts daJ, 4>1},'l.
PI ,'U 1111 1.73 v. - I llapIaWbv P 4 cJ)(),Il Oroloill8 ,IM!.

71 (70). TOY AYTOY, olS' nAAAAAA AAESANAPEnI

npc.noJ.t6xov lTaTpOs Kai NIKOIlQx'lS yeyall'lK~


&vycmpa. Z1'\vwv, fvSov IxEIS lTOMIlOV.
tlml I\ualIlaxOV 1lO'X0V ,lMv, 6s a' D.Eftaas
bc Ti\s npc.noJ.t6xov MIC7ETCXI 'AvSpoIlQx'lS.
App. B.V M; Vatio. 1.18. - Tlt. 'rOii c:WToO pi, ncV.A. 'M. I, 01 Si 0 [qul Toii CIÜToii
eraaum _t1tult); Palladae trlb. App. ot .dootator V.tiC&lli 4 ~ucmcn App. Vat.
Anthologia Graeoa V

Sohönheit und Grazie


Sohönheit, der Grazie gebrioht, gef'ällt wohl, doch kann sie nioht feeaeln,
wie auoh oin Köder nioht fAngt, wenn ohne Angel er treibt.
KapilO1l

Nioht einseitig
Nimm das Lieben mir ganz oder gib mir auch, Eros, Geliebtsein,
daß meine Sehnsuoht erlieoht oder Erwidnmg erfAhrt.
LukiUioi oder Polem01l von Ponto.

Zweite Aphrodite
Als Athene und Hera, die Göttin mit goldenem Schuhe.
Maionia sahen, entrang sioh ihrem Herzen der Schrei:
,,NeiD, wir entkleiden 1Ul8 nicht. Ein Urteß des Hirten genügt uni;
denn in Sohönheit den Preis zweimal verlieren, ist Sohmach."
Rufinol

Vierte Grazie
Kypriaa Schönheit besitzt du, den Mund ein Peitho, der Horen
Ienzhaft. blühenden Leib, Muse Kalliopes Ton,
Themia' Weisheit und sinnenden Geist, und die HAnde Athenee:
wahrlioh, PhiIe, mit dir gibt es der Chanten vier.
Rufi'M8

Ehekrieg
Hast du ProtomachOll' und Nikomachee Tochter, 0 ZenOD,
dir zum Weibe erwAhIt, tobt dir zu Hause der Krieg.
Nimm dir Lyaimaoh08 doch ala Hausfreund; der maoht dich erbarmend
von des Protomaoh08 Kind, dieser Andromaohe, frei.
Rufinol oder Palladcu
Aa'hologia Oraeoa V

72 (71). TOY AYTOY

ToVro ~IOS, TOÜ1" a\rr6 - TPvt1'l ~IOS'


fppn", 6vfat.
tCol~ &u6p<:nrols öAlyOS XP6VOS. 6pT1 AuaJos,
6pT1 Xopol crnqKXVOl TE qIlAa~, 6pT1 yvvaTlCES.
af!IIEPOV toeAa väSCol, Tc) yap aOplOV oV5evi 5fjAOV.
Tit. lorI... I, Palladam Iipi80aae I TM1\ Salm. -!lS.

73 (72). POY4IINOY
llalJ.lOVES, OÖK ~&\V, 6Tt AoUnal 1'1 Kv84pela,
Xlpal KaTaV)(Evlo\lS AvaaIAiIlTlVAoKaJ.lOVS.
IAt\K01S, stanolva. Kai611PQcnv 1'I~POlcn
pt\'II'OTE \1TIvlCFlJS Mov 150ücn -r\rnov.
VÜV CyVColV· 'Po56KAna Kai oV KwplS. PTa Tc) K6AAos ft
ToVTo v6eEv; aV, 5oKW, T1'\v 8löv 1x5i5U\CaS.
Tit. add. 0 • 1I1'I"'1nJS Salm. lIV1'\cntS pI I inter a ot '1 IUprucI'. 01/ IIIoOcn Salm. -cJQ.

" (73). TOY A YTOY


mpVCol 'Po56wla, T65e crncpos, 6:v8Ial KaAOTS
aOl,
aVTOs ü,' 1'I...rnpalS vAefallEvos vaAa\1a1S.
faTt Kplvov ~ TE mAvf VOTEpt\ T' &w1lili1lTl
Kai vapKlaaQS ÜYpÖS Kai KVCIVaV)'is lov.
TaVTa aTEIfICII.Iill1'\. Afifov J.lEYaAauxOS 1oOaa· 6
&veeTS Kai At\ynS Kai aV Kai 6 crrifavos.
PI vn 128 f. 73 •• - • ICaMIS P 1f~ PI t ~ ol/6f' 0 PI ,.' pi 1/1\~
o PI 11\1- 1'1/1 ~ PI.

76 (74). TOY AYTOY


r.lTova vape~vov eIxov 'Al1vl1c:,lITIv 'A,p05lTT1v,
1\ 110V T1'\v 'fIVXl'tv rq>Aeyev OÖK 6A1yov.
CXÜ"n!1101 vpoaFrratte KaI, EI VOTE Katp6s, h6ApColV.
l'tpv8pla. Ti VAroV; TÖV v6vov ()a8&vno.
1\vvaa 1rOAAa KaI1c:,v. VClpCXlCt\Koa vOV, 6Tt TlKTEI. 6
Wem TI VOlOÜ\.lEV; CjIEIiyoIlEV ft IAivollEv;
PI VII 127 f.73•• - t ~ P S 1f~ Pli ~\IG PI • n;", _ pi.
Anthologia Graeoa V 297

Nooh laoht dal Leben


Das nur ist Leben, nur das! Genuß ist'l. Fort mit den Sorgen!
Kurz lind die Tage den Menschen bem8118n. Noch winkt mir Lyaioe,
noch die Krlnzo und TAnze, noch locken mioh Blumen und Mädchen;
heut noch will ioh genießen; das Morgen ilt jedem verborgen.
Pallatla8

Wie bilt du lohön


Götter, ich wußte ja nicht, daß hier Kythereia lieh badet
und die Locken am Haupt sich mit den Hinden gelöst.
Sei mir gnädig, 0 Herrin, und zürne dem sterblichen Blick nicht,
daß er dein himmliaches Bild, ohne zu wollen, geschaut ..•
Wie -? Das ist ja nicht Kypria, es ist Rhodokleia .•• Woher denn
hast du die Schönheit? Du - sag - hast du die Göttin beraubt?
RUP:008

Memento mori
Nimm, Rhodokleia, den Kranz aus duftenden Blumen des Frühlinga,
den ich mit eigener Hand zierlioh gewunden für dich.
Lilien und Rosen lind drin, Anemonen voll Tau nooh, es haben
feuchte Na.rziaaen lioh auoh dunklen Violen vereint.
Leg dir die Blumen ins Haar und leme von ihnen in Demut:
Siehe, das Krinzel und du, Mädchen, ihr blühet und - welkt.
Rufi,noB

Dilemma
Neben mir wohnte ein MAdel, sie hieB Amymone. und herrlich
war sie wie Kypria, mein Herz 8ammte in loderndem Brand.
Neckisch sah sie mioh an. Gelegenheit fand lioh. loh fragte.
Sie wurde rot ••• WaslOlI'l? Kurz, sie verstand meine Not.
Endlich setzte ich 'I durch .•• Jetzt hör ich, das MAdel kommt nieder.
Tj&, was mache ich nun? Bleibe ioh? Lauf ioh davon .•. ?
RufiflO8
298 AnLhololia Ora~"a V

18 ('75). TOY AYTOY


AOTTt 1rp6a&v 11111 lpcrr6xpoos, elap6aaaat1os,
eOaq»vpos, eÖ\.l1'!KTlS, aOoq»PVS, e\nr~6KaIlOS.
1'\~6Tt S~ XpOlICf) Kai 'Y"Ipai Kai 1rO~Ia1al,
KaI IIÜII T~II 1rpoTlpc.>1I oöS' 6vap oöStll lxii'
marp(as & Tp(Xas KaI ~ (~) 1rpOac.rnoll, 11
01011 Y'lpciuas oü& 1rf6TtKOS IxEI.
PI Vl1 128 f. '73v • - s lIOAdlcn PI I pII1'W 6ls P em. Jao./I w acId. in P lIIIIIl.
NO. 1-1 om. PI.

11 (78). TOY A YTOY


EI TOITlII XQpIll Eixe Y""I'IlJETa K\nrpISos EÖII1'\II,
OÖK cb TOI XPOvUcncEII c!tv1'\p Q).OXCf) av\IOll~lI.
1räam yap \lETO: KlirrPIII 6:TEp1riEs da! yvvatlCES.
App. B·V 23. - ADonymum in App. I -rol1l\N App. V l4A6xolCJIV 611v,&\v P em.
poem' App.
F. W. Sohmidt S ante v. 2

78 ('7'7). "AATQNOI
T1'\1I 'fNX1'\1I 'AyO:ewva ,W;;II hrl XElMallllaxOIl'
~ME yap '" T~1'!1JC.o)1I &s SlCx~aolllllT).
I: .I~ 'Ay6&wa wv IIa6t!Tllv CII'noO. - Dios. L. 3, 1,32, Gell. 19, 11; Macrob. aaL.
2,2, 111; 8 87. - I Elxov DiOI. I 11 TMIICIW P Diog. Gell. ileUs Ip~ 8.

79 ('78). TOY A YTOY


Ti;I 1l1'!~ct> ~ ae' aV 8' dllllllKoOoa ,wts !JE,
8E~alllllT) Tils ai'\s 1rap8EII(T1S \lETaSos.
EI 8' &p', c!I 1l1'\ ylYllOlTO, IIOEts, TOOT' ~ ~a~oOaa
ad\jIaI T1'III &pTJII &s 6~ly0XP6\11OS.
PI VII J03 f.761'.; Diog. L. 3. 1,32. - TiL. QID. PI S VOI'~ PI ~ pI II\OET~ oll
'~oüaa Kallnka.
Aothologio. Cr ... c .. V 299

Erblichen ist ihr Schimmer


Lockend war einst ihre Haut und schön wie der Frühling ihr Busen,
hübsch ihre Knöchel, ihr Wuchs, hübsch auoh ihr Auge und Haar.
Anders nun schuf es 80 Zeit wie Alter und Sohnee auf dem Haupte,
von der früheren Pracht blieb nicht im Traum was zurück.
Falsch ist daa Haar auf dem Kopf, und ihr Antlitz ist derart vcrrunzelt,
wie auoh ein Affengesioht selbst nicht im Alter es ist.
RV.fino8

Frauenreiz
Wär nach den Freuden der Kypris der Reiz eines Weibes der gleiche,
nie würde müde der Mann, die eigene Gattin zu kosen.
Doch nach der Süße der Liebe verlocken die Frauen nicht länger.
RU(r.no8

Flucht der Seele


Auf den Lippen schon schwebte bei Agathons Kuß mir die Seele;
ach, die Trunkene kam, überzugehen in ihn.
Platon

Fang den Apfel!


Werf ich den Apfel dir zu und bist du geneigt, mioh zu lieben,
0, so fang ihn und sohenk mir deine Keuschheit dafür.
Trägst du andres im Sinn - was der Himmel verhüte I - so fang ihn
dooh und bedenke: wie raach schwindet die Schönheit dahin!
PlaIo",
300 AD\bologi .. Grasoa V

80 (79). TOY AYTOY


Mi;).ov Iyc.:,. ß&1.Mt IIE 'lAWV ai TlS. 6XA' hrhlNoov,
lavel'lT1lTl' Käye.:, Kat oV IJClpalvOlIEi!a.
PI vn 87 f. 72 v: Dlog. L. 3. 1.32 [Iuno\um cum ep. 79]. - Pbllodemo trib. PI.

81 (80). 1I10NYIIOY IO~IITOY

'H 'Ta ~66a. ~o66Eooav [xEIS XaplV. 6XAa 'TI 'TI'Ct)).Els;


oCN'T'l'\ v t\ 'Ta (J06a ft~ CJVValJtO'TEpa;
PI vn 10 f." v: I 46: Laur. 32. 110. - Tit. om. I I a' aVriI" I.

82 (81). AliEInOTON
"CI.) O~ ßcx).av.C7C7a, 'Ti IJ' MCt)S mrvpa MMIS;
'TI'plv IJ' cm06Waoecn, 'TOii 1TVp6s atoecXvolJCl\.
• PI VII 112 f.73~: App.1I k2: Vatlc. 1416. - Meleagro trib. PI. Dlonyao (I) App.
I ~ App./II1' 0IiTt,)s App. Vat. 6f\1IO'n PI om. Pli 1\I1IVPCZ App. Vat.
I ~ e\ al8c!nqm App.

83 (82). AllEInOTON
Ere' cMlIOS YEvOInlv, oV 6t 6f1 O"TEIXovoa 'TI'ap' CXliyas
~8Ea yvJJvWoa1S Kai IIE 1MoV'Ta ).~C)\S.
PI VII 1113 f."
v [Iuno\. cum ep. 84]: echol. Dion. Cb.,... 2. 611. - Dlonysio 80pbletae
trib. PI • cN 61: KaI cN aoh. Dlon./IS1! Jao. YI PI om. Pli a(iA&<; PI ~ 1nIEIOVTa P.

84 (83). AIIIIO

Et8E (J06ov YEvOlJ'lV WO'TI'Opfvpov, ~pa IIE Xepolv


apoalJiVll XaplC71J crn't8Ecn XloviolS.
PI VU 153 f. 74 v: achol. Dion. Cb.,... 2. 85. - I 6pa11iv1l PI lObol. Dion.1I xaplOlJ
crT.X1cM01S P KOlliaalS crT. X. PI X'011OlS crT. Xap· lahol. Dion.
Aatbologia Graeoa V 301

Der Apfel mahnt


Wirft man mich Apfel dir zu, ein Liebender tut es. 0 sage
ja, Xanthippe! Auch du wirst einmal welken - wie ich.
Platon

Rosenmädchen
Du mit den Rosen im Korb, was verkaufst du denn, rosiges Mädchen?
Rosen? Oder dich selbst? Sag - oder beides zugleich?

Dionysi08 SophWe8

Bad im Feuer
Baderin, prächtiges Kind, sag, willst du im Feuer mich baden f
Eh ich entkl~idet noch bin, spür ich das Feuer bereits.
Anonym

Des Knaben Wunsch


Wenn ich ein Lüftchen doch wär, du gingst in den Strahlen der
und an entschleierter Brust nähmst du mich wehendes auf! [Sonne

Anonym

Ein gleiches
Wär ich die purpurne Rose, auf daß deine Hände mich pflückten
und an die schneeige Brust steckten als trautes Geschenk'
Anonym
302 AnLbololi& Gr~eo& \'

86 (84). Al:K"HrIIA60Y
<Jle16t;lnap6EvlTlS. Kai TInMolI ; cN yap Is •AI6T111
l~eoÜCJ' eöp!'tcnlS Tt)\l q,,?JoIITa, KOPTI.
Iv ~woi01 Ta TEpnVa Ta Kwp1Sos' 111 S' 'AxipoIITI
6cnia Kai C"Tl'oSn'l. nap6iIlE, KElaolJl9a.
PI VII I(N I.7sr. - Tit. om. PI • wap8M~; dietinx. Luo.

88 (811). K"A Y lllANOY


,IM G>o~. aV yap eoa.T6~ TITa!I/(o)II
·1~a6lllol,
I~M6ns w' -Epc.nos Wc.>KIITtpoI0111 OlaTOtS.
I emc-nr680tcm/ pt W' c:.vn6potcmI 0 _. Ludwiob.

87 (8e). POYCI>INOY
'ApllEtTal TOll fpc.na MEAlaOlas, lr1V.a TO al:IlIa
Kbcpayell ~ peJJc.>II 8E~II ~PT\II,
KaI fÖOlS 6crrcrriouoa Kai doTcrros 6oe1JaTOS 6p1l"il
Kai KOlAat ~Mfäpc.>11 lcmnrets ~&cnes.
lr1V.a, n660I, npOs IlTlTpOs ~ Kv8tpeITlS,
cp~f~aTE 'riIII an16i'l. I'fXplS lpet· .. cJ>MyOllal."
PI VII 129 1.7.... - • Mu.flal~ P I ,äcns Desr. ~IS • n.et! 0 ätmei\ Pi.

88 (87). TOY AYTOY


EI Soolll OÖK faxvaas fanll cp~oya, nvpcp6pe, KeNaal,
'riIII M KalolAillT\II i\ ~faOll i\ 1lET1:6Es.
PI VII 130 1.7. r. - % ajWcnw P a60u PI.
Anthologia Or&80& V 303

Nutze die Jugendl


Willstuu dein Magdtum bewahren? Weswegen f Kommst du zum Hades,
Mädchen, dann findest du dort nie mehr ein liebendes Herz.
Nur bei den Lebenden lachen die Freuden der Kyprisj im Tode
liegen wir alle, mein Kind, nur noch als Staub und Gebein.

A 8/clepiadU

Gebet an Apollon
Sei mir gnädig, Apolli Auch dich, der die flüchtigen Pfeile
oftmals verschossen, hat Eros mit hurtigen Rohren getroffen.

Klaudianos

Geleugnete Liebe
Wenn auch Melissias leugnet, verliebt sich zu fühlen, ihr Körper
stöhnt, als wären in ihn Pfeile um Pfeile gesaust.
Unsicher tastet ihr Wort, und unstet flattert ihr Atem,
hohl und blau um das Aug zeichneten Ränder sich ein ...
Auf, Eroten, ihr Kinder der herrlich bekränzten Kythere,
setzt die Rebellin in Glut, bis sie uns zugibt: .. Es brennt!"
Rufinos

Alternative
Flammender, konntest du nicht zwei Herzen zusammen entzünden,
lösch das Feuer hier aus oder vertrag es nach dort.
Rufin08
AD~laologi. Gr.ou V

89 (88). MAPKOY APrENTAPIOY

()(nc eae' oVros 1pc.l5, d TlS ~ov El60s Ixouaav


ß<!vm'CxEIV, ,povlj.IOlS 61lj.ICXC7I '11'118öIllIlOS'
&'M' c5cmS \(Q\(OIlOP'Ov 15c.:,v, m,opll~VOS loTS,
O'TtpYEl, j.lCXIVO~V1lS IK fPElIOs al8öIllVOS,
o~ fpc.>s, 'Iriip TOiho. ,.a yap ~clt n&VT~ oj.lOlWS
'rip1m TOUs KphlllV sl60s hnCTTaJ,li!IIOUS.
PI VII 131 f.7fr. - BufiDo klb. PI I I~ P oIcrTfXt' PI 14\ [= oIcrTfXt'l Keydoll
I 'rivTa PI.

90 (88). A6EInOTON
ntlMe.> aol IlVpoIl 115V, IlVIXt> TO IlVpoV ~v,
~ Bpo"'~ cnriv&)\I väsJa TO TOO Bpoillou.

PI vn 132 f. "r. - BufiDo klb. PL

81 (90). A6EInOTON
mlJ1\W aol anipov 115v, !!VfXt> 1TCXptxe.>v X&PIV, oU aol.
cnTtT! yap Ilvplacn Kal TO anipov 51ivaaat.
PI VII 20CI f.7er; V.t. 878 f.27 r •

H (81). POYCDINOY
'YIflO\iTa1 'Po8Om) T~ K6MEi. Kf\v 1fOTS ..XalpE"
d1f6), TalS (J~S ~V "cmaaaTO'
fJv 1t'OTE Kai O'TEf&vovs Wpo8Vpc.>v Ü1TEp IIKKpEilaaCllIJCXI,
0pYla&Taa W<mIt TotS aoßapots IXIlEC7\.
W~VTl5ES KClI yi'\p~ &V1lMtS, o.eETE eäaaoll'
crrmIc7<m1, K&II VllItS mlCJ<ml TItIl 'Po5O'lT1lv.
PI VII 133 f.74 r • - I KII" mm P I 1fpb 9up&W P PI om. Brunck • IXVl(J1ll PI.
Anthololia Grallea V 306

Wahre Li"b.,
])aa nicht ist Liebe,wünscht einer ein Weib sich zu eigen, das schön ist;
es beweist nur, sein Aug, das ihm dies eingibt, ist gut.
Nein, eine Hißliohe sehen und dann, wie von Pfeilen gestachelt,
toU sioh verlieben und gleioh heUicht in Flammen schon stehn,
das erst ist Liebe, ist Glut. Denn Freude am Sohönen empfindet
jedermann unterschiedslos. der nur ein Urteil besitzt.
MarCfU Argml4ritu

Zwei Düfte
Schick ioh dir dufUgea Öl - der Duftigen spende ich Düfte.
wie man dem Gotte des Weins Wein auch a1a Opfer entbeut.
ß1IOnym

Ein gleichea
Sohick ioh dir duftiges Öl - nicht dioh, den Duft will ioh ehren.
da du ja aelber dem Duft Duft noch zu geben vermagat.

Die Stolze
Schön ist Rhodope zwar, doch auch atolz auf die Schönheit; die Grüße,
die ioh ihr biete, vergilt aie nur mit Hochmut im Blick.
Wenn ioh ein Blumengewind an die Türe biaweilen ihr hinge,
wird sie zornig und tritt atolz mit den Füßen darauf •••
Alter, 80 komm denn geschwind mit den unbarmherzigen Runzeln,
komm und rede denn du endlioh der Rhodope zu.
Rufi1lOl
306 An~holo8'& Or&8o& V

83 (92). TOY A YTOY


"UhT).ICJI1CXI 1fp6s "Epc..na mpl mpl/Olat Mytap6l1.
066' 111 IIIKt\a1I, IJOOIlOS ~II 1fp6s lila.
&vcrrbs 6' ~ CNaT!'Jaoj.lal. "11 ~ POtl8611
B6Kx01l 1)(1l, TI IJ6I1OS 1fp6s 6v' tyc:, 6VIIcxJ,&a1 ;

PI Vß 1U f. "r. - S lMI'T1\GOIIaI P ~ PI.

IM (93). TOY AYTOY


"OIJIJQT' IxEIS "HPIlS, MU.ITTI, TOs XEl~ 'AGflIIIlS,
'TOÖS lJa'oVs natl1lS, Ta atvpd! Ti'is 9rn60s.
.v6al1JCo)1I 6 ~M1fc.)11 at, Tplao~IOS 6aTts &KOUEt,
t'\1J18tOS 6' 6 tl).&)II, {rMIlaTOS 6' 6 yalJ(;)lI.
PI vn 1381.14 r. - I atT\1I~ (Tl P' • ""Glos P 1/ YQ\JC,II P 0\IIIWv PI.

116 (114). A~EInOTON

Tiaaapes at X&PITlS, natlal 6vo Kai 6tKa MoOaal'


AepKV).\S 111 1faaaIS' MoOaa, X6cpIS, nat1tl.
PI vn 136 f. 7. r • - RUaDO t.rlb. PI.

H (96). MEAEArpOY
'1~611 IxIIS T6 tl1.tllJa, -ra 6' 61JIJaTa, TIIIOp\OII, 1TOp'
fJII icrl61.)S, KaUIS' fJII ~ 8(ytJS, 6~.
App. B-V 50. - I T.II6p.OII P !iWplOII App. I"" SI App. 1111 YI P' 1111 YI Co

\l7 (96). POY~INOY

EIIJIII hr' ~POlatll, "Epws, raa TO~ TlTCllIlEIS.


11 8e0s' .1 ~ ~IS 1fp6s ~ 06 8ebs d.
PI VII 139 f. 7-& r.
Antbologia Oraeca \' 307

Liebe uml Wein


Wahrlich, ich hab wider Eros die Bruet mit Vernunft. mir gewappnet,
und er bewiltigt mich nicht, eteh ich ihm Mann wider Mann.
Ob ich auch Menaoh bin, ich biete dem Gotte die Stirne. Doch kommt
BakchOl zu Hilfe, Wal kann einer allein gegen zwei' [ihm
Rv.fi-

Seligkeit
Augen haet du wie Hen, 0 Melite, Hinde wie PalIae.
FüSe wie Thetie und haet Brüste, wie Kyprie eie hat.
Glücklich, wer dich erblickt, 0 selig, wer lauschend dir zuhört,
Halbgott, wer kÜ88en dich darf, Gott, wer als Weib dich besitzt.
Rufi-

Summe der Schönheit


Chanten gibt es nun vier, zehn Musen, zwei Paphien: denn Charia,
Muse nnd Paphia iet Derkylie alles zugleich.
Anoltym

Mit Mund und Auge


Deine Ktiaae lind Leim, Timarion, Glut deine Augen:
Feet hingt, wen du berührst, und wen du anblicket, der brennt,
Meleagr08

An Eroe
Richtest du, Eros, den Bogen auf heide zueammen, dann biet du
Gott; doch nimmst du Partei, biet du mir nicht mehr ein Gott.
RV,{i7W8
308 Anlbologia Graeea ".

88 (97). A6HI\ON. oIlit APXIOY


·WJ,lI~. K\rn'pl. -r6~a Kai EiS aK01T~)I/ flavxos o.et
6Ä).o1l· lyc:, yap .X(o) TpcxVJ,lCXTOS ovSl TO'll'OIl.
PI Vll 170 f. 75 r. - Nioarcho trlb. PI. cp. cam 67 lungen, I c:,1IIl;N Des•• 6nM·
I-I pnet IAN Interpan:r. P PI. I,od 6Mov J.c. I 011& P ~ PI.

99 (88). A6HI\ON
"H&).oll. er, KIOOP~Si. 'II'apaOTas. ~ ICltapltllS.
T1't1l VrrGmJII KpoOoal Tl'JII TI IJiC7TIII xCÜ\6:oal.

A: IIS yvvClIKa 6pX('1crrpl&r). - App. B·V 18. - Mele.gro trlb. App.

100 (99). AAHI\ON


EI J,lol T1S IJiJ,llflalTO Sads. än l.6:Tpls "E~TOS
q>OIT6) 6t)pelfrilll 6J,1J,1acrlll I~~)\I .X(o)II.
e1SdTJ Kai Zi'jlla Kai "AUla TOll TI &CÜ\6:aC7TlS
O'KTJ'll'TOÜJ(OIl J.ICÜ\IPC;)II Soü;\.OIl MIITa nO&(o)II.
1I ~ &rol TOlol&. &eoTS S· ivrnouo1ll hna&al
m.&pc:rnOUS. Ti 6ec;)11 lpya ~II aslKCl;
PlVlI 181 I.7P. - I ~noPPlt-.(errat Wah&) • 8oOMllcPl6oUAwv Pi.

101 (100). AAElnOTON


XaTpe. KOpf). - .. Kai Si! aV." - Tis i! 'II'potoiRa; - ..TllfpOs ai ;"-
OVK ä).oy(o)S tTJT6). - ..&crnVnS IIJ,11TiPTJ." -
·E1.'II'Itnll IonII; - .. ZT)TITS ~ TI ;"- NIiKTa. - ..C1ltpeIS TI ;" -
XpualOIl. - .. EV&VJ,III." - Kai TOaOIl. - ..Ov Svvaaal."
PI VII 182 f. 76 v. - I 8'" C PI 811 Pll/wpDaloüaa P PI em. JMC. :I 'crrlll Jae.lF.taTl/l
TI Brunok TI.
Anlbologia Oraeca V 309

Mit Pfeilen gellplokt


Schultre den Bogen, Kythere, und lIuch dir nur ruhig ein andres
Ziel zum SchieBen: mir Cehlt selbllt znr Verwundung der Platz.
Anonym oder ArcAia"

Die Kitharödin
So wie du auC der Zither, 80 wünschte auch ioh, Kitharödin,
oben die Grille zu tun und in der Mitte den Strich.
Anonym

Ich Colg den Göttern


Tadelt mioh einer vieUeicht, ich ginge als Diener des Eros
gleich einem Vogler mit Leim in meinen Augen umher,
mag er gedenken, Kronion und Hades und er, der den Meeren
ringsum gebietet, sind auoh Sklaven der wilden Begier.
Sind's aber Götter und IIOllen die Mensohen den Ewigen Colgen,
kann ich da Slinde begehn, wenn ioh 80 handle wie Gott?

Ungenügende Mittel
'n Tag, Kind!- "Ja, guten Tag!" - Wer geht da vorn? - "Kann dir
[egal sein." -
Weiß lIohon, warum ich 110 frag. - "Nun, meine Gnldige ist'II." -
Ist W&8 zu maohen? - "Ja, W&8 denn '" - Heut nacht, mein' ich. -
["Hast du was bei dir," -
Goldatfloke hab ich. - ..Ja dann ..• " - Hier! - •.Neo. das reicht
[wohl nicht aU8."
Atumym
310 Anthologia Oraeoa V

102 (101). MAPKOY APrENTAPIOY


T~II laxlll'lll ÖI6tU.elall äoapKcrrtPl111 'AfP05hl111,
61f11'al. 6:7V.a KW.OtS i\6Eul np'TTo!-WlII1v.
0\1 'TToAu ).101 TO ).IET<X~ YEvfIan'aJ, 6:7V.' hrl Mlna
rnpva muwII ljN)(ijs KEIUO).lal iyyvrO:rw.
PI \'11 158 1.74 •• - I T . .~. P'/I'Atfpo8lTT'fi PI S 6A).' hrI Mn"Tal'fs Si
1I"08Iwä PI 4 'l'VX1l~ P 11 fyyvTäT~ P.

103 (102). POYGlINOY


MiXpl TlVOS. np05IKT\, 'TIlXpCXIV.aUoolAaJ; li)(pl Tlvos a&
yovlleXaO).lal, anpEil. 1A115b cDcov6J,lEvos;
i\511 Kai MvKaI UOI .'TTIUKI~II I8&lpCXI,
Kai T6:xa ).101 5cA>aaIS Ws 'EK0/311 npUllACf>.
PI VII 150 1.74 ". - I npo&l"" PI -S6Icrt P 1/ wapä M. P.

10. (103). MAPKOY APrENTAPIOY


AlpE Ta 51K'TVa TaVTa. KaK6O')(0i\e. 101115' rnlT115as
lax101l ipxo!-W1II1 aVoTpE!pE. AvuI51KT\.
0\1 al mplucplyyel MlnOs aToAI5W).IaOl 'TTi'TTAos.
'TTclllTa 5i uov ßAimTal YVlAlla Kai 0\1 ßMmTal.
EI T6& UOl XaplEII KaTacpallllTCXl, a\n'Os oj.\Olws
6p6011 .XWII ßUUUCf> TOÜTO mplalCrnc5taw.
S ~1yyI, c -yw P' 11 ~,6- P em. Onder 4 lIf ClOU 0 oaO Si P'.

lOG (10.). TOY AYTOY


•AAAos 0 Ml1vocplAas AiyeTCXJ 'TTapa lAaxAaU1 K6ai.tos.
ä7V.OS, iml 'TTaU1lS yMTal 6:KpauITlS.
6:7V.' he. XW.5aT01, KEIIITlS 1riAas. fI yäp 6 TaÜT1lS
O\lpallOs illTOs lXII Kai KÜva Kai 515u).loVS.
PI VII 183 f. 76".- ADOßymum ap. PI I Mtq~P' läKpcariasP' UnP &TIPI.
Antbologia Oraeoa V 311

Hagere Mchöne
Sieh, gleich kommt Diokleia, die dünne, eine Kythere,
nur ohne Fleisch, doch nett ist sie von Wesen und Art.
Viel ißt es nicht, was zwischen uns steht; dcnn fall ich an ihre
mageren Brüstchen, dann rühr ich an ihr Seelchen heran.
MarC'IU Argtntariw

Liebe übern langen Weg


Prodike, sage, wie lange noch läßt du mich weinen! Wie lange
1iI.8t du mich, Harte, vor dir ohne Erhörung noch knien'
Weiß sohon sprießt dir das Haar hervor an den Sch1il.fen; bald wirst du
das mir geben, was einst Heube Priamos gab.
RufiflO&

Das durohsiohtige Kleid


Laß dies Sohleiergewand, LyBidike, weg hier beim Bummel,
wieg nicht und bieg nicht kokett dich in den Hüften beim Gehn.
Denn es verhüllen dich nicht die Falten des dünnen Gewebes,
sondern man sieht dich bald nackt, bald wieder soheinst du bedeokt.
Dünkt dich das neckisch, das Spiel, ich hab da was Hartes und Grades,
gerne decke auch ioh mit einem Sohleier es zu.
MMC'IU Argtntarlw

Der zweite Himmel


Zweimal gibt's einen Himmel. Menophile, sagen die Dirnen,
hat den zwciten: sie frönt lli.mtlichen Arten der Lust.
Na donn, Chaldäer, horan! Kommt her zu dem Mädel! Tatsiohlich
könnt ihr in ihrem Gewölb Zwillinge finden und Hund.
MarC1U Argelllariw
312 Anthologia Graeca V

lOG (103). 610TIMOY MII\H1:IOY

r pata, cpl"11 6ptTrrtlpa, TI IJOV TrpC)(716VTOS v;\aIC·Td!i


Kai Xw.rnas ~~I!i SI!i T6aoV EIs 6Svvas ;
Trap6EvIK1'\v yap &yaIS mplK~ta, Ti'\s hnßalvwv
rXIlEC71, T1'\v ISIK1'\v oTloIov (S' Ws cptpololal,
E160s taavya'wII 1010011011 y"VKV. Tis cp6Ol/OS 6aawII,
SWIlOPE; Kai ~ ~II ß1JTro1JE1I.
PI VII 170 f. 76 y. - ~)'IIInDl ap. PI • Ifud\II Jac. -11CfIII P .11'111 PI.

107 (108). elA06HMOY

.. rl~, xapleaoa. CPIMtll Trc'.rvu TOll cplMolITa,


Kai mu.1 Y'~ T611 IJE 6ax6\1Ta 6cacE1II·
loIit ;\Uml IJE '-'1111 rnpYOllTa aI IoI11S' .pe&l~\1I
TCls ßapvopYl'lTOVS aOI etM ßlEpl6as."
TOOT' !ß6c..>11 alel Kai TrpoOMyov· ä;\,,' raa Tr6l1TCj)
'lovlCj) IoIvewII IMVE5 "'~pwv.
TOlYap 1IÜ1I aiJ Idv c":)& lJiya MaiOvaa ßaO'OIS·
itlJEt!i S' b K6"TrOIS illJ&6a Na'ia60s.
• PI VII 1M ur. - ~)'III. ap. PI I-li YIY"- PI l.ptIt;I PI • GOI P lIfI PI
I TaOT' PI '~PI I 11'* Nalä8o$: 11110 Nt!1- PI fllIIfICII cba60s P' f\IIIpatI
mäSos o.

101 (107). KPINArOPOY


&Wxf11, TI aI Trp&noll frTos, Ti ~ &\mrroll dTrW;
&1"ai11· ToiiT' b Tram KaKCf) hwoll.
orxEal, ~ xapfeaaa yVvcn, Kai !s d&os ~1111
6Kpa Kai Eis IfNX"S il60s !~1oI!1I1J.
npWTTt aOI 6110101' (aKllI 1Tf\"TVIoIOV· ~II yap 6Tl'allTa
SNnP' alollloli)Twv T~V !TrI aol Xap!Twv.
I oIXITCII P' eDI. C 11 yWcrt C lIÜIIf'I P' I 001 y' Henn&IIII.... cf. XI Ü, 1.
Anthologia Graec& V 313

Da.1I Augtl sünuigL nichL


Mütterchen, Amme des Mädchens, was schimpfst du so, wenn ich mich
Warum machst du mir denn doppelt so bitter die Qual? [nahe?
Wunderbar hübsch ist das Mädchen, das neben dir hergeht, und folge
ich ihren Spuren, ich geh bloß meinen eigenen Weg;
nur ihr süßes Figürchen betrachte ich. Kann man denn, Törin,
Augen beneiden? Man sieht doch auch Unsterbliche anl

Diotim08 111m Milet

Abgedankt
,,0, ich versteh es, mein Hübsches, mich Freundlichen freundlich zu
dooh ich verstehe es auch, Biß zu erwidern mit Biß. [zeigen,
Quäle mich nur nicht zu sehr, mich, der ich dich liebe, und reize
nicht des pierischen Chors grimmigen Groll wider dich!"
Hab ich's nicht immer gesagt? Nioht immer gepredigt? Du aber
hast wie das Jonische Meer auf meine Worte gehört.
Recht so! Nun stell dioh nur hin und heule und schluchze und plärre;
ioh aber sitze derweillaohend der NaiB im Schoß.
Philodemos

Prote
Arme, wie soll ich zuerst, wie soll ich zum letzten dich nennen?
Arme! In all diesem Leid ist es das richtige Wort.
Holde, du schiedest dahin, und du hattest in Schönheit der Seele,
hattest in Schönheit des Leibs wahrlich das Höchste erlost.
Prote hast du gcheißen. Mit Recht! Es stand ja vor deinem
unerreichbaren Reiz alles als zweites zurück.
KrinagorM
Anthologia Graeca V

109 (108). ANTInATPOY


~pa)(llfisEupc.i>1TTJ1I -n;1I 'AT615a llitTE IfOßT}6EIS
IlTl5tva llitT' äAAOOS O:l/TlMyovaall (XE,
Kai aTp<A>llvTtV 1Taptxovaall O:lJEllcpta, xc.i>1TChe Xelllc.i>II,
äv6paKas. 11 ~a ll6:TT]v, Zeü cplAe, ßoÜS {ytIlOV.
I ~lltl8EIS VB1ckenaer .6ijs.

110 (109). MAPKOY APrENTAPIOY


-EYXEI I\val51KTlS KVä60VS 5EKa, Tfis 5~ 1T06Elllfis
EucppallTT}S lva 1101, AclTPl, 5150v KÜa601l.
CPitaElS I\val51KT}v IJE cplAeTII 1TAEOII· ou Ila TOll 'l'r5vlI
B&Kxoll, ÖII All Tcx\m;J Aaßpo1TOT(;) KÜAIKI,
äAAa 1101 EucppallTT} Illa 1TpOS 5tKa· Kai yap än~lpovs
O:aTEPas III llitllTJS cpeyyos Ü1TEpTl6ETal.
PI VII 159 f. 74 v. - I Avat61Ktl pI 5 Eöcpplnm) lila c PI w,paIITTIpla P'.

111 (110). ANTIIPIAOY


EI1TOII {yc.i> Kal1TpOa6EII, 6T' i'jll hl cplATpa TEpEllITlS
vfJ1TIa· .. IVllcpAE~el 1TallTas äe~olltIlTl."
01 5' {yEAWII TOll llallTlII. t5', 6 Xp6VOS, ÖII 1TOT' Ecpc.i>1I0VII,
OÖTOS· {yc.i> 5t 1T&Aal Tpau~os lja6aIl6IlTlII.
Kai Tl1Tä6w; AevaaElII 1lEII, ClAal cpMyes· 1\11 5' änollEliaw,
cppolIT15es· 1\11 5' a!T(;), 1Tap6tIlOS. 01x61lE6a.
PI VII 122 f. 73 v. - I MVacmv PI 1.Mn,V P.

112 (lU). IPIAOl1HMOY


'Hpaa6TlII· Tis 5' oÜXI; KEKc.i>llaKa· Tis 5' O:IlVT]TOS
Kc.i>IlWII; äAA' EllallTJlI· tK Tlvos; OÜXI 6Eoü;
Epplcp6w· 1TOAI1i yap rnelyeTal 0:1ITI IlEAalllTJS
6pl~ fr5Tl, O"VllETfis ~os 'l'rAIKITlS.
AnthoJolla Gracoa \' 316

Verwandlung überflüssig
Zahl' eine Drachme. dann hut du du attische Dimchen Europa..
Völlig gefahrlos! Sie selbst strl.ubt sich und ziert sich auch nicht,
stellt dir sogar noch ein tadellos Bett und im Winter noch Kohlen •.•
Zeus, mein Lieber, war'. wert, daß du zum Stier dich gemacht!
Antipalroa tIOn TlaeNalcmita

10: 1
Gieß auf Lysidike mir zehn Kellen ein, und auf die schöne,
holde Euphrante, mein Bub, schöpf eine Kelle mir nur •..
Meinst du, ich liebe Lysidike mehr? 0 nein, bei des Bakchos
köstlichem Wein, den ich hier schlürfe aus diesem Pokal:
zehnmal so viel ist Euphrante mir wert, sie alleine; so strahlt auch
dber der Sterne Gewirr sieghaft. der eine - der Mond.
Marcw ArgmI4riUl

Der Brand bricht aus


Sagt ich nicht damals es schon, als die Reize Tereines noch völlig
kindlich gewesen: "Sie sengt, wenn sie erst groß wird, uns all"!
Aber man lachte mich aus mit meiner Voraussicht. Nun ist sie
da, diese Zeit; ich hab längst die Verbrennung gemerkt.
Tja - wu tut man? Sie anaehn ist Brand; hinwegaehn - die Hölle.
Frag ich sie' 's ist noch ein Kind ..• Himmel, mit mir ist es aus!
Antiphilo8

Start in die Tugend


Heiß war du Herz mir. Wem nicht ••• ! Ich liebte die StAndchen.
[Wem Bind sie
fremd wohl •.• , Ich habe getollt. Wer hat die Schuld denn! Nicht
[Gott ... !
Weg mit dem allen! Fahrt hin I Denn grau schon anstelle des schwarzen
sproßt mir das Haar und zeigt weiseres Alter mir an:
316 Antholo::ilL GraoelL V

KallTal~elll ÖTl: Kalp6s, trral~alJfll' 1'tIlIKa KalpOs


oliKn-I, ACa)ITepTJ5 cppoIITIS05 ä-.jI61lF.6a.
PI Vll Y! r. 72 v. - • l<El<WlJaKE PI S 'I1"0}.11'1 0 -i1 pI 'IrO}.}.~ PI 5 Kalpös· Horwordon
KaiWv 6 }.<t'OTtpl'\S PI.

113 (112). MAPKOY APrENTAPIOY


'Hpaaet,5 lTAOVTc;)II, !Ca)O'IKPaTE5, &Ma lTEIITj5 WII
o\nch' fp~S' AIIl05 cpaPllaKOII 01011 !xel •
.; st lTIXP05 (JE KcxAeiiaa IlUPO" Kai Tl:P1T\101I •ASCa)III11
MTJIIocplAa viill aov TOVIIOIJa lTUv6allETal'
..T15lT66EII d5 aIlSpc;)lI; lT061 TOI1TTOAIS;" ~ 1l0AIS fYllCa)5
TOUT' ElT05, c:.,S ouSels OUSSII EXOI/TI cpIA05.
1'1 v11 95 r. 72 v. - Philodemo trib. PI .. <SOll P aOI PI 5 Eis Pllis P 1/ 'I1"6}.IS PI.

114 (113). MAIKIOY


'H XaArnt) KaTa lTallTa C!>IAlaTIOII, 1') TOll fpaaTt)1I
IlTjSElTOT' apyvplov XCa)pIS avaaxo~IITJ,
cpal IIET' clllEKTOTfPTj viill i\ lTaP05. ou Ileya 6aiilla
cpalllea6" i)AA6:xea\ Tt)1I CPUatll OU SoKtCa).
Kai yap lTpTjOTepTj lTOn ylllETa\ aa1Tls allal5t'!s,
SclK\lSl 5' oliK ~ACa)5 i\ eallaTTjcpoplTJII.
PI \"11 06 r. i2 v. - Pbilodemo trib. PI • 'P1}.1'\aT16Vl'\ P <1111.1'\01011 ~ PI cm. Salm .
.. f\;>';>'aKTal P 6 OÜK 6Mws PI cN Ka}.(bs P.

115 (114). <IIIAO~HMOY

'Hpaa5Tjll t.TJIJOiis nacplTJS yel105' ou Iliya eaiilla·


Kai IalllTjS t.TJIlOiis 6eVTepoII' oiJxllliya·
KallTaAlII 'YataKfis t.TjlloiiS TpITOII' O\nchl TaiiTa
lTalY"la· Kai t.TJlloiis mpaToII 'ApYOAIS05.
aiJTal lTOV MoTpal llE KaTCa)1I6llaaall C!>1A6STjIlOIl,
c:.,S alel t.TJlloiis 6ePIlOs EXOI llE lTö605.
1'1 \' 11 07 r.72 v. - 3 'Y01aKi'jS Salm. VEO- pI vn- c •Aa- PI 6 'XE1 PI.
AnthoJogia Graeca V 317

Als es noch Zcit war zu tollen, da hab ich getollt und getändelt;
nun sie vergangen, die Zeit, folg ich dem besseren Sinn.
Philodemo8

Armut und Liebe


Als du noch reioh warst, da warst du verliebt; dooh heut in der Armut
liebst du, Sosikrates, nicht. Wie doch der Hunger kuriert!
Selbst die Menophlle, sie, die einst dich ..mein Süßer", ..mein Hüb·
scher"
lind .. mein Adonis" genannt, fragt nach dem Namen dich jetzt:
.. Wer und von wannen der l\Iä.nner? Wo ist deine Heimat'" Gemach
geht das geflügelte Wort .. Habl08 heißt freundl08" dir ein. [nun
ltlarcU8 ArgentariU8

Natter
Nie war Philistion früher von freundliohem Wesen, nie ließ sie
einen Verehrer auch mal ohne Bozahlung herein.
Heut ist sie unverkennbar schon netter als frühcr. Kein Wunder!
Nicht, daß ihre Natur anders geworden. I wol
Denn auch die giftige Natter ist manchmal wohl zahm und gesittet;
beißt sie aber, dann wird's immer ein tödlicher Biß.
Quintu" Mäciu"

Nomen est omen


Demo von Paph08, der Insel, hat einst mich begeistert; kein Wunder.
Demo von Samos sodann; wundert es einen vielleioht'
Demo von Hysia.i war ich (kein Scherz ist's) drauf als der dritten
zä.rtlich gewogen. Dann trat Demo von Argos mir nah.
Sicherlich haben die Moiren mich einst Philodemos geheißen.
daß beständig mein Herz für eine Demo erglüht.
Philodem08
318 Anthololla Graeaa V

118 (1111). MAPKOY APrENTAPIOY


9i'iA~ (pc.>S KQ).).ICTrOS lvI 8111'1"TOlcn ThvKTCII,
6aaolS Is 'IAll'\v aElivOs (lIIaTl v60s.
EI Si KaI &pcnvlld>v rnpYlIS w680v, oTSa SI56:~al
fOplJQlCOV, ~ WaVollS TTiv Svcnpc.mx IIOaoV.
aT~ MI'\VOfIAav NlaxlOV lv fPEalv lAwov
aVTOV 'xlIV !C6A1fOIS 6pcnva MI'\v6flAoV.

117 (JUI). MAIKIOY


9EplICXIlIIl 11' 6 KaAÖS Kopvi!A1OS· Q).).a ~
TOÜTo TO ~, "SI'\ 11'Op lIlya Y1ll01lEvov.

PI VII 158 f. "v. - I 11' PI \11 P I ')'1yv6\11\1011 PI.

118 (117). MAPKOY APrENTAPIOY


'Icnas ",SW\I8VCI"I'8, kaI .1 &KclacIS IIÖPOV 6a&IS.
IypEO kaI 5i~cu xepal ,IACXIS O'"rifaVOV.
aV vVV lliv 8Q).).OIlTCl, ~1v6I1EVOV & WpOs ",C;;
61f1Eat. ~PI'\S ~Aov "'AlId I'\S.
PI VII 171 f. 76 r. - I flrMrvoll PI1/6o&rs a a06Ia! (!) pt .w.rs PI 4 fllIITifnIs pt

118 (118). KPINArOPOY

Ki\" illIf'1lS ml Mla KaI "" hrl &~a il11jIIJS.


KplvayOpl'\. KlveoO aavTÖ" mpGe Alxous.
EI 11'; C701 XaplEC7C7a wapaxAl VOITO nlliAAa,
y~ KOIIII'\8els oöx Unvo". ä).).c!I tc6'n'OV.
1'1 \'11 172 f.76 r. - I ~I~ (bia) a .'IS pt PI J nlltMa PI.
Antbololia Graeca ,. 3111

Die Illusion
Sehnsucht zum Weibe iat wirklioh das Schönste, was Meusohen be·
die in der Liebe sioh nooh reine Gesinnung bewahrt. [sitzen,
Lüstet's dioh aber nach Knaben, dann kann ioh ein Mittel dir sagen,
das von des irrigen Triebs kranker Verlockung dich heilt:
Dreh die Menophile um - hübsoh sind ihre Bäckohen - und träum dir,
daß, was im Arme du hiltst, Knabe Menophilos aei.
MarelU ArgmlGrilU

Cornelius
Wann zwar will es mir werden beim 80hönen Comelius; bang nur
macht mich dies Leuchten, aus dem mächtig das Feuer 8Ohon dringt.
Quintu Mäciu

Duroh die Blume


Iaias, Duft iat dein Atem - doch duftest du zehnmal noch süßer,
Liebste, erwache nnd nimm, den ioh dir bringe, den Kranz.
Jetzt noch blühn aeine Blumen, doch hebt sich der Morgen, dann
welk sie geworden: ein Bild, Kind, deines eigenen Mai. [siehst du
MarCIU ArgentarifU

Einsam
Ob du, Krinagoras, auch auf leerem, einsamem Lager
auf die Linke dich wirfst oder zur Rechten dich wälzt:
sohmiegt sioh, du Armer, dir nioht die holde Gemella zur Seite,
aoh, du findest nioht Sohlaf, müde nur wirst du im Bett.
KrinagorlU
320 Anthologia Graoua V

IZO (119). 4>1I\06HMOV

Kai ~ llEacrn,s TOll QJöll ~ aVIIEvIIoII


~A8011 KCXllTVKllIij 'TE)'YollillTl lfICXKa51.
TOOI/IK' 111 ärrpfJ\CTOlcn KCX6I'aIlEßa KOIixI ),aMVIlTES
105011111, Ws eOfiElII TOIS CPI),{OWI etl1IS;

121 (120). TOY AYTOY


MIICK1'I Kai IIIAallEliaa cJ>IAa/III0V, IDa O1A{IIwII
0~MrnP1'I KCXl I1I1OV XpWTa -npElvcrnPTl
KCXl lCEaTOO fWllEiiaa llCI)'c.:rnpa KCXl 11'aptxouaa
wana KCXl ahiiaat 11'0».&1<1 cpEI5oIIi"Tl.
TOI~II aTtpYOl111 cJ>tAaflllOll, 6)(pls &v lOpw
6UTlII, ~)(PWbl KWpI, TWIOTtPTl".
PI Vll 88 f. 72 Y. - I 4>JAiwI0II P 11 ~I_ pi PI ~"'II- c I-I parWto odüb. Suid •
.. \lCIYWnpcx, lll1OOs. lCIICn6{ I KaI \IIIOG P Suld. "aI ciJavoO PI.

122 (121). fllOfonpOY


M1'I ~ yt. I1Tl5' EI TOI 11'0Av cptp-npos ef58Tal ~aawII
6J,tcpariPW" KMI\I05, KOÜpe. ME)'laTO~.
Kf) 11 crrl~1J Xapl-nacn MAovpi\105, 6J,tcp1501/011'IS
TOV tcaA6V' ~ yap 6 11'als limos ~5' 6t<cxtcos.
IDa IJi).wll 11'oMoTcn KCXl o(nc ci615aKTOs lpc.:nWII. 6
T1'III cp~ ~nrltelll &f5181. &cn1A61111.
I KMlvos 8Ud&m. MmooO I ,,' 1111 P 11 ~18OIIaI'lS P em. Bcüe. I yW%w in
II1&I'I. AP. Buh.

123 (122). 4>1I\OfoHMOY


NUKTIPIvt'I, 5hcepws. cpIA011'aVVVX1, cpaIve, &A1'!II1'1.
cpaive 51' mp1'!TwII ~01li"Tl 8vpl5wII'
aOyat- XPVai1l11 KaAAlaTIOII' ts Ta CPIMVIITWII
Ipya KCXT01T'T&ÜEIII O~ cp86\105 48a1l&T1J.
~I t-IS KCXl T1'!1I& Kai "'IIias, ol&a, IlA1'!"Tl'
KCXl yap a1'III 'fIVX1'Iv IcpAeyrll ·EII&\IlÜWII.
4 ~ 0 ~ pi 1/68cMm:I Reiab '1\.
Antbololla Oraeca V 321

D"r IIchlafende Liebhaber


Heimlich habe ich mich im nAchtlichen Dunkel von meinem
Gatten gestohlen und kam regenbegosaen zu dir.
Und nun liegen wir hier 80 müßig ZUB&mmen und sohlafen
stumm und schweigend, alB ob Sohlalfür Verliebte sioh sohickt?
Philodemol
Liebe auf Zeit
Klein ist Philainion nur und achwarz, aber krauser &Ia Eppich
krollt sich ihr Haar, und zart fühlt ihre Haut sich wie Flaum.
Zaubrisoher ist ihre Stimme als Kypriaa Gürtel, und alles
gibt sie mir gerne und will oft nioht mal etwas dafUr.
So Bei Phil&inion immer mir lieb, bis, goldene Kypris,
du eine andre mir bringst, die mir - nooh beaaer geflllt.

Vorsioht! Giftige Schönheit!


Wenn dir Megiatokles' Sohn, der sohöne KleinOI, auoh teurer
als deine Augen ersoheint, wenn er auch strahlender glinzt
&Ia von den Grazien gebadet, dreh, Freund, diob nicht um nach dem
denn er ist gar nicht 80 gut, gar nicht 80 harmlos, der Bub; [Schönen,
vielen verwirrt er den Kopf, und er weiß auch Bescheid aohon in Liebe.
BohUr nioht die brennende G1utl Hüte dioh! Sei nicht ein Tori

Schau zu, Selene


Naohtkind, doppeltgehömt, gernwaohende, soheine, Selene,
aoheme durchs Fenster herein, das sich geöffnet dem Licht.
Wirf deinen Strahl auf die goldne Kalliation nieder; der Liebe
wonnige Werke zu schaun, ist ja der Göttin vergönnt.
Selig preiaeat du sie und mich, ich weiß es, Selene,
denn auoh dein eigenes Herz ward fUr Endymion warm.
Philodemo&
322 Anthologia Oraeoa V

124 (123). TOY AYTOY

OiirrCAl aOI KW.\ncCAlV YVIJVOV 6ep05, ovSe J,lEAalvel


ß6Tp~ 0 lTap6evlo~ lTpCAlTOßOÄC;:;V xaplTas.
ällX i\Sll 60a To~a veol 61)yovalV -EpCAlTES,
I\valSIKTl, Kai lTÜp TVcpETal tyKpvq)\OV.
CpeVyCAlJ,IEV, SvaipCAlTES, ICAlS ßSÄoS o\nc hr\ vevpij'
lJaVTIS tyw lJEY6:ÄllS aliTlKa lTVpKaii1s.
PI VII 90 f.72 v. - • IlE)'cU'lS l' 1To~M'Is PI.

125 (124). BAHOY


Ov J,lSÄÄCAl ~eVaelv xpvaas lTOTE' ßOVS Se yevolTo
&:ÄÄos xw J,lEAl6po~ MVOS tm:loVIOS.
Zllvl cpvÄaaaea6CAl TaSe lTalYllla· Tij Se KoplVIIlJ
TOVs oßoÄoVs SwaCAl TOVs Slio KOV lTETOlJal.
PI VII 173 f. 75 r. - I lIiMn pi I liEA6epovs P /I hn;I6v1os pi rn' f\16v1os 0 tJr'
flI6vos PI.

126 (125). CIIIAO~HMOY

mvn SISCAlalV tvos Tij Seilla 6 Seilla T6:ÄaVTa,


Kai ßlvei cpplaaCAlV Kai, lJa TOV, ovSe KW.1)V·
lTEvn S' tyw SpaxlJeXs TC;:;V SwSeKa I\valavaaa1J,
Kai ßIVC;:; lTPOs T4> Kpelaaova Kai cpavepC;:;S.
lTaVTCAlS "TOI tyw cppevas o\nc C)(CAl, i'I TO ye ÄOIlTOV
TOVs KElvov lTeÄEKEl Set SISVIJOUS acpeÄEtv.
I 1i3 &tva Reiake 1i3 &Ivqr :I 6pay~ pi ~ C em. BouJüer IIAW1~ Orator
1i3 A.
127 (126). MAPKOY AHENTAPIOY
napeEvov 'AÄKllTlTflV AcplÄovv J,ltya, Kai lTOTE mlaas
a\rrltv Äa6pISlCAlS eIxov hr\ KÄlallJ.
alJcponpCAlV Se aTtpVOV rn6:ÄÄeTo, 1J1) T1S ~61J,
1J1) TIS fSlJ Ta lT66CAlV KpVlTTa mplaaOTEpov.
1J1lTipa S' o\nc D.a6ev KEIVflS Ä6:Äov' Q:ÄÄ' AalSovaa
i~alTIVflS' ,:EplJi'is KOIVas," CCPll, ..6Vyanp."
PI vn 160 f. 75 r. - 4 t51J 0 PI 15' f\ pi S v.aeo" PI.
Anthologia Graeoa V 323

Junge Knospe
Noch hat der Sommer dir nicht die Knospe entfaltet, noch bräunt sich
nicht die Traube im Reiz erster jungfräulicher Lust.
Schon aber wetzen die kleinen Eroten die sausenden Pfeile;
leise, Lysidike, schon schwelt es von heimlicher Glut ..•
Fort, ihr armen Verliebten I Noch liegt nicht der Pfeil auf der Sehne,
bald - ich seh es voraus - tobt hier ein mächtiger Brand.
Philodemos

Ohne Umschweife
Regnen nicht will ich als Gold, mag ein andrer zum Stier sioh verwan·
oder zum singenden Schwan an dem Gestade des Meers. [dein
Laß diese Possen dem Zeusl Ich geh zu Korinna und zahl ihr
zwei Obolen; jedoch fliegen - das muß ich da nicht.
LoUius Bai/SUB

Liebe im Abonnement
Fünf Talente bezahlt so manoher an manche für einmal;
angstvoll genießt er und hat nioht mal 'ne Schönheit, weiß Gott.
Ich - ich zahle fünf Drachmen fÜ1'B Dutzend bei Lysianaaae,
mein ist ein herrliches Weib, und ich genieße es frei.
Entweder bin ioh verrückt, oder aber es kommt 80, dem andern
hackt man mit einem Beil sohließlioh die Zwillinge ab.
Philodemos

Halbpart
Sohwer war mein Herz nach Alkippe. Ich schwatzte wohl dieses und
und 80 hielt ioh am End heimlioh die Holde im Arm. [jenes,
Wild schlug uns beiden die Brust aus Furoht, es kime wohl jemand
und überraschte uns zwei bei dem verstohlenen Glüok.
Plötzlioh raunte die Kleine. Das hörte die Mutter. Jä.h stand sie
bei uns im Zimmer: ..Ein Fund I"lachte sie ...Halbpart, mein Kind I"
Marcus Argenl4ri1U
3U Anthologia Oraeca V

1211 (127). TOr A YTOY


l:Ttpva mpl rnp\lOIS. IlCXOTCj) S' Im lJCXaTOV IpdCJCXS
XelMa -n: y1.VKlpots X,IMCJI O'Vllmiaas
'Avny6VTJS tcal xpC;mx ~V lTpOs xp<;lTa, Ta 1.0llTa
CJ\yw, l.1äpTvs ',' oTs l.V)(vos brEy~.
App. B-V 17. - IlIcnrrOv 6' hrillacrr~ App. /11m Paaow im P .....I App.

129 (128). AYTOMEAONTOI


T",v mro -rils 'AcrlTlS 6pXTlaTplSa, ~V KCXKOTt)(\IOIS
axt'!IJCXCJIV I~ ~v KllIUI.1MlV 6vV)(Co)v,
alvtc.>, ov)( 6Tt lTaVTa 1TCx6alV&Tal ovS' 6Tt ~~I
TQs cmaMs cma1.(;)s ~ ml ~ Xipas..
äAJ..' 6Tt tcal Tpl~v mpl lTäaaa1.ov 6pXt'aacxo6at
01& Kat oll f&VyEI YTlpcx1Jas fW'rISas.
y1.c.rrrI~'I, Kvl~el, mpl1.a~aV&l· ftv S' ImplljJ1l
Tb cnci).os, I~ ~6ov ~v 1COpÜtnJv 6vc!rye1.
I K11IUIIMIv Mx- 0 611. KIV. P' f i\v 0 lIv pl.

130 (129). MAIKIOY


TI 0'TV)'vt'!; TI Sl TCXÜTa 1<61lTlS E1Kata, cJ>IMIVI,
CJKÜ1.l.1CXTa ml \IO-n:pWv aVyxvatS 61l1.1CXT1Co)v;
Il'" Tbv ~v eISEs lxov6' Ü'1ToK61.moll ~TlII;
EIlTOll ClloI· l.Ü1TTlS fäplJCXK' CmaTä....ea.
6cxKpUI1s; oll ,""S a.; I.1äTTlII d!pVlta6' hn~äAJ..1J· 6
6cp8cV.1.101 yM>aCJTlS 6~lomaT6-n:poI.
PI vn 1511 f. 7' v. - Tit.: Malldou pI Mag· 0 wO cNToO (10. Maeo1l) PI I .heerler
oPI TI\(' PI.

131 (130). CIIIAOAHMOY


'f'a1.1l0s tcal 1.a1.1'" ml KCo)TI1.ov c51l1JCX ml 4>6'"
1crve11T1TTlS tcal lTÜp cipTI KCXTapX61.11\1OII,
c!l1fNXt'!, ,1J~ CJI' Tb S' Ix Tlvos ft 1T6-n: tcallTWs
OÜK olSa' yvWcn:l. S\ialJope, 'TV~IIiVTJ.
0: EIs Savel1I"In\V • ~1c.Js [11'.P. lUf]. - PI vn 99 f. 73r. - • M1.1i} P.
An'bologla Oraeca V 3211

Versch wiegenheit
BUBen an BUBen gelehnt und Brust an Brüstchen mich drückend,
Mund auf wonnigem Mund hab ich Antigones Leib
fest mit dem Leibe gepreßt . .• Was sonst noch geschohen ist -
Nur ein Limpchen dabei wurde als Zeugin notiert. [Schweigen I
MaToIU ArgmlGriIU

Die Tinzerin
0, ioh lobe sie sehr, die Tinzerin drüben aus Aaien,
die mit Inbrunst sioh mUht, kecke Figuren zu drehn,
nioht etwa, weil sie die Stimmung stets meisterlioh ausdrüokt, nicht
ihren reizenden Arm reizend zu wirbeln versteht, [weil sie
sondern weil sie im Tanz um vertrocknete StUmpfe geübt ist
und vor der runzligen Haut auch eines Greises nicht flieht.
Koeend umarmt sie, sie zwickt, sie küßt mit der Zunge, und drüokt sie
gar ihr Beinchen heran, holt einen Pfahl sie vom Styx.
Automedon

Das Auge sagt's


0, warum so verstört? Warum raufst du, Philainia, 110 aiDn10a
dir die Locken? Warum achwimmen dir Trinen im Aug7
Hast du vielleioht deinen Liebsten am BUBen der andem gesehen?
Sag es mir ruhigl loh weiß, wie man soloh Wehohen kuriert ••.
Immer nooh fließen die TrAnen' Nein sagst du 7 Du leugnest ver·
Waa die Zunge versohweigt, maohcn die Augen bekannt. [gebens :
Quinttu MaciUl

Kommender Brand
Spiel und Sang der Xanthippe, ihr Plaudern, ihr lockendes Äugeln,
aoh, und die schwelende Glut, die sohon zu knistern beginnt,
wird dioh, mein Seelchen, verbrennen. Doch wann und wie und weswegen,
kann Ich nicht aapn. Du spürst's, wenn es dich, Ärmste, verzehrt.
p"ilotlemot
Antholollia Oraeoa V

132 (131). TOY A YTOY


·W 'lT056s. ~ ~ T~II (crn6)'w).a SlIccrlWS)
KvilIlTlS.
1l'lP(;)II. ~ Y).OVT~II, ~ ImvOs, ~ ).ay611WII,
c:,IlOIII, ~ llaaT~II, ~ TOO j!laSllIOlo Tpax1'!).OV,
~ XEIP(;)II, ~ T~II (1ICX11I01KU) 6111JCXT1wII,
~ ICCX1'CX'Ti)(VOTc!nou KlvillICITOS, ~ mplauwll 11
Y).WTTtall~II, ~ ~II (80' '1Ii) cpwl/aplwII.
EI S' 'OrrIlCT! KaI <I>)'~pa KaI OÜK 4SovO'a Ta l:a'IT~~,
KaI nEpaM '1II6i}s ftpäaaT' 'Av6poIliS'ls.
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P &I ~&W PI I 1CaICO'n)(II' PI I BUtIll P tc).&\!&Q\ PI em. Ellill.

133 (132). MAIKIOY


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0'611 tqXrros ilavxaO'EIII. Ws Soldw S', ~,
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TllII hiP'lll, 6pKO\JS S' eis &WIIOVS Tl8EIKU.
aipoOllCX1 S' &aejntl/ ICEI"'1S xaplll i\ TeX O'a T'1~I/ 11
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134 (133). nOIEI6mnOY


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[!IatVE, Spoat,taew ~).IKT! 'ITp6'ITocns.
O'lyacr6w Z1'!VWI/ 6 aOfÖS K\nc1lOS 6: 'T1 KMavGovs
1IOÜaa' ~Ol S' fal1tll 6 y).VKVmKpOS "Epws.
• ~III Gay.' pallII.
327

Delirium der Liebe


Ha.ch, dieser Fuß, diese Wade, dies Beinchen, das mich noch umbringt,
hach, diese Bäckchen, der Kamm und diese Hüften dabei,
ha.ch, diese Brust, diese Schultern und diese Feinheit des Nackens,
ha.ch, diese Hände, dies Aug, ach, da.s verrückt mich noch macht,
dies ra.fIlnierte Sich· Wiegen und Drehn, diese unübertrofl'nen
ZungenkÜ88e und dies Stimmchen - ach, schla.gt mioh doch tot I
Dskerin ist sie und Flora und singt nicht die Lieder der Sappho:
Hatte in Indien nicht .auch Perseus Andromeda liebt
Philodemo8

Meineid oder Tod


Kypris, ioh sohwur es bei dir, der Starken, ioh bliebe zwei Näohte
der Hedylion fern. Aber du lachtest, so soheint's,
denn du kanntest mich Armen mit all meinen Nöten. Die zweite
Na.cht jetzt halt ich nicht aus. Weg mit dem Eid in den Wind I
Lieber ein Sünder aus Liebe als, Göttin, den Eid dir gehalten
und aus Frömmigkeitssinn noch in den Tod sioh gestürzt.
QuintuB Mäcius

Fluoht in die Liebe


Spende, kekropisohe Flasohe, die perlenden Tropfen des Bakchoa,
spende sie I Sohäumendes Naß netze der Zechenden Bund!
Fort mit Kleanthes' Muse und Zenon, dem Sohwane, dem weisen I
Er, der so bitter und süß, Eros soll Führer mir sein.
P08llidippoll
1311 (134). AäHI\ON

ITpoyyV1.11. EÖT6pVIVTE. \.I01IOIicrn. I1CIKpoTpCx11M.


ÖIfIaVx1111 aTllllij) ,6Eyyolli"T'l aTOIJCXTI.
Ba.cx0v Kai MovoiwlI \1.all1'l 1.chPI Kai Kveepal11S.
""5Vye1.WS. TIIp1Tvfl aVIJßo1.IK<A>1I TalJl11.
Tlf6', lrn6Tav ,",f(,o). IJ&9U&IS aV \.101. ftll 5t ~, a
IKvilfE\S; ~511CE'S CJ\Ill1fOTlK""" cpI1.11111.
App. Jl.V 18 [om. Y. 1-4]. - I 6Tav App.

138 (133). MEI\EArpOY


"EY)(EI Kai na1.111 ahn. na1.III. na1.111 .. 'HAl05~pas'"
Elm. aV 5' ~I\T<t> Tb y1.VKiJ IJlay' 6volJ(!'
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5aKpUEI ,VJpacrroll. ISoU. {l6501l. OVIIIKa ICElvav a
6}.).o6t KoU Ko1.nolS &iJFripolS 1aor4.
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137 (138). TOY AYTOY


"EYXEI Täs n.leoos Kai Klinpl50s 'H1.Io&:Jpas
tcalna1.1 Täs aUTäs &5vMyov X~ITOS.
cx\rra yap IJI' IlJol yp~cp&TaI Ele6s. as
TO 1TOEIelvOII
o(iVOIJ' Iv ~1'\T<t> avytcEpaaas nlolJal.
I 6&,,),6you P em. Bouh1er 1/ X~ITOS BelltJ. -"I'IJ S ~ 0 ~ Pi.

138 (131). 610IKOPI60Y


"'1T1TOII 'A&t'\111011 ~cnll 1\.101 tcaK611' Iv 1TVplnäaa
"'1.105 ~II. K~~ 1CE1tn;I ~. lf1.EyolJ(!lI.
o(} &Iaas l1ava(i.\11 5l1<hTlnovoII' 111 5' bII ,tyyal
Tij) Trn Kai Tp{A)&s K~c:, ~w1.o(.ll6a.
I -mGQJ 80bliack 8üs ds Sit&ler.
AnthoJogia. Gra.eca. V 329

An die Flasche
Runde, Trefflichgedrehte, du Stolzgereckte, LanghiUschen,
Einohr, Plauderin du, ob auch dein Mäulchen nur klein,
fröhliche Dienerin du des Bakchos, der Musen und Kypris,
Lachsüß, heitere Magd, die uns beim Picknick bedient:
bin ich nüchtern, dann bist du voll Wein, und bin ich voll Weine,
bist du nüchtern. Warum? Darf man beim Zechen das tun?
Anonym

Wein mischung der Liebe


Füll mir den Becher und sprich: ..Auf Heliodora '" Sag's wieder'
Mische des Namens Klang süß in den lauteren Wein.
Leg mir das Kränzel aufs Haupt, obgleich es von gestern; noch duftet's
feucht vom Balsam und bringt mir die Erinnrung an sie.
Schau die Rose! Sie weint, die Freundin der Liebe. Weswegen!
Fern von mir sieht sie mein Lieb an eines anderen Brust.
Melea,gr08

Ein gleiches
Füll mir den Becher auf Peitho· und Kypris-Heliodora,
füll ihn zum Wohl auf die hold plaudernde Grazie noch mal.
Sie ist die Göttin für mich, die eine, und süß drum mit diesem
lauteren Weine gemisoht schlürf ich den Namen hinab.
Meleagr08

Ein Brand sprang über


Welch ein Unglück! Athenion sang vom hölzernen Pferde:
Weit stand Troja in Brand, und mit ihm brannte auch ioh,
ob ich zehn Jahre auch nicht wie die Danaer kämpfte. Es raffte
eine einzige Glut mich und die Troer dahin.
Di08koridu
330 Anthologi. Or.eu V

139 (138). MEAEArpOY


'ASu ~OS, val mxva Tc!W 'ApKaSa, 'lTT\KTISI l'i'-mlS,
ZT\IIOtIM, val TTäv', aSu KpiKEIS TI ~.
1TOI cn Me.>; lTc!rvnJ IIE mpICrnlxovcnv -Epc.nts,
OVS' 6aov ~ jXxlc!W l(;)cn )(p6vov.
" y6p IJOI llOPfO ~I lT680v " -rra1.1 \.IoWa a
Tl xaPIS *' - TI Mye.>; lTaVTa' 1T\Ipi ,JJYO\.lal.
PI VIIll.88 v. - I Suld .•. 'IT11mS, 2 •• ~1/1I6u et vii PI I val näv' Oraelo
).Iylav P )'I)'P' PI ).lyU Suid." &6U om. Suld. I 1r68w PI.

''0 (139). TOY AYTOY


'HSUIlEMtS MoOaCX1 aVv 'lTT\KTISI Kai I\6yos 1\.I'pc.>v
aVv TTEleot KaI -Epc.>S Kmos IJqI1'\vtOX~v,
ZT\IIOtIM, aol cnci\1TTpa TT6ec.>v mnwIl.IaV, l11'Il aol
aI Tplaoa\ XaplTES TPltS l50aav Xap~.
• PI VII 103 U3r.- I M~ l' I KdI).).os 1108 tcb).).os Onofe ~ l' PI 11 6t.
"V1OX&W Graelo .."vt6xCj) pt ..' 1I\116xCj) 0 PI.

1'1 (140). MEAEArpOY


Nal -Mv -Epc.mx, eo.c." T6 lTap' oVacnv 'H'-Io&,:,pas
cpeiy\.Ia MVEIV i\ Täs 1\aTot&c.> KlElapas.
PI VII 2 f. 88 v. - Tlt. om. l' I val P vii PI// 'mIP' oO=tv 1'1 'If~ l' I fIcnof.
61w Salm. ).crrpl6- l' ).\lT016. PI.

lU (1'1). A6HAON
TIS, ~v 6 ~ luovualou Tl ~v crVr6s
ToO crnqlc!rvou; SoKie.>, MIl\'ETCX1 6 rnqlaVOS.
PI VII 3 1.88 v.

143 (lU). MEAEArpOY


'0 rn~ mpl Kpcrrl\.lClpaIVETCX1 cH'-Io&:>pas·
cxVn') S' lMa\.lml TOÜ crnqlc!rvou aTEqlaVOS.
PI VII , 1.88 v. - Tlt. om. p.
Antbololia Graeca V 331

Es brennt!
Süß, beim arkadischen Pan, Zenophile, spielst du die Harfe,
süß, wahrhaftig beim Pan, klingt von den Saiten dein Lied.
Kann ioh entftiehen? Wohin? Hier drängen und dort mioh Eroten,
und sie göunen mir kaum auoh nur zum Atmen die Ruh.
Jetzt entBammt mioh dein Lied und jetzt deine strahlende Schönheit,
jetzt deine Grazie und jetzt - alles ••. HüC Himmel. es breunt ••• 1

Vom Himmel gesegnet


Musen mit Leier und Lied. Gott Eros, der selber die Sohönheit
hoch zu Wagen gebracht, Peitho mit klugem Verstand
gaben, Zenophile, dir das Szepter im Reiche der Herzen,
da dir der Holdinnen drei dreifaches Holde geschenkt.

Ins Herz gesungen


Wahrlioh bei Eros, mir klingt die Stimme der Heliodora
tausendmal süßer im Ohr als des ApolIon Gesang.

Kranz des Kranzes


Krinzen die Rollen im Kranz Dionysioa wohl, oder krinzt er
selber als Rose den Kram! Krinzlein, du wirst wohl besiegt.
.Anonym

Ein gleiohes
Welk schon liegen die Blüten des Kranzes auf HelIodor..
Haupte, aber sie selbst strahlt ihrem Kranze als Kranz.
JltltDgl'Ol
Adbololia Oraooa V

144 (143). TOY AYTOY


wH51'1 MvKOIOV 6ä1.MI, 6~1 5~ cplAOI'ßpos
vapKlaaos, 6~1 5' ovpealcpolTa Kplva.
i\51'1 5' a CPIAtpaaTOS, Iv 6:v6ealv WPII'OV 6:v6os,
Z1'lvocplAa rrel60üs a51i Tte"Ae poaov.
AelpW\IE5, Ti pO:rala K6iJ(X1S fuJ cpcn5pa YEMTE; a
a yeltp lTalS Kpiaawv a5\1'11'116wv ancpcXvwv.
PI VII 5 f. es y. - I Mu!cöv 1011 PI I Q\)pIIr11"'fCI PI I cl! Stadtm. 11 4 c!!111 Graofo 111511
I hrI P '"etKpli-PI.

145 (144). AIKAHmAAOY


AÜTOV 1101, aTtcpaVOl, lTapa 5UCAlal TaTa6e KpEl.\aaToi
1111'IIETE, 1'''; lTpcmn~ cpVAAa Tlvaaa6IJ1VOI,
oOs 6aKpVoIS KCX'rißpE~' Kchollßpa yeltp 6J.III(rT' Ip6>VTwv.
ciAA' cmxv ol)'OlliV1'l5 a\rr6v 151'1TE 6Up1l5,
aTci~' \nrip KlcpaAf'iS llAbv ÖET6v, &Is 4b 6:l!eIVOV I
ft ~v6iJ YE K61'1'I Tä!la 1TIlJ 6ciKpva.
PI VII 116 f. 73 Y. - I EpWYWII pI 4 aVTI'Iv 0 • ICOlll1 pI PI 1C0p11 0 I/wlll 561Cpva
p 6. w. PI.

146 (146). KAA"'MAXOY


TlaaapEs aI XeltpITlS'1TOTl yeltp I'la TaTS Tplal Kdvals
6:pTIlTOTElTAaae" KltTl I1UpolC71 IIOTET.
eÖCIlwv Iv 1Täa11l 6p1'aAos BEpevlKa,
~ 6:TEp ov5' aIiTaI Tal XeltplTE5 XeltplTE5.

• 0: ds ,",v ywatKa nT01II1IQlov BlptvllCall. - I &P1l;11'-os P om. Brunok 4 T' al o.

147 (146). MEAEArpOY

rrM~ AevK610V, lTAt~w 5' 6:traA"v 6:pa IlIipToIS


v6pK1aaov, lTAt~w Kai TcIt yeM)VTa Kplva,
lTM~w KaI Kp6KOV 1'\5uv' hmrAt~w 5' vclKIII60v
lTOpcpvplTlv, lTA'~W Kai cplMpaaTa poaa,
&Is äv trrl KpoTacpolS I'VpoßOaTPUx0V 'HA1056>pas
WrrA6KaI'OIl XalTTlV av60ßoAij rncpavos.
• PI VII 6 U8Y • - I ämzMIs PI • ~i:I pi -MI 0 -MI PI.
ADtbologla Graeoa V 333

Blumen, ihr blüht umsonst


Sieh, schon blühen Levkojen, schon blühen die allzeit dem Regen
holden Narzissen, es blübn Lilien, die Wohner am Berg,
sieh, und die prangende Blume der Blumen, der Peitho holdaelge
Rose, Zenophile auch, Freundin der Liebe, sie blüht.
Wiesen, wulacht ihr umsonst 80 strahlend im Schmucke der Locken t
Wonnig wohl duftet ein Kranz, wonniger duftet - mein Kind.

KrAnze an der Tür


Bleibt, ihr Kränze, mir nun an den Flügeln der Ttire hier hangen,
aber rege~ mir nicht euer GeblAtter zn früh,
du ich mit Tränen benetzt -leicht weinen die Augen Verliebter.
Wenn aber aufgeht die Tür und ihr den Knaben erblickt,
0, dann tropft ihm aufs Haupt den Tau meiner Uhren hernieder,
daß lein blondes Gelock reiohlioh mit Trinen sich trinkt.
A,ldepiadu

Die neue Grazie


ChariteD gibt es nun vier, denn zu den bisherigen dreien
ward eiDe neue geformt; feucht noch vom duftenden 01,
strablt aie vor aUen auf Erden in seligem Glück: Berenike.
Ohne sie wAren sogar Chanten Chanten nioht.

Kranz der Liebe


Flechten will ich Levkojen und ftechten zarte Narziaaen,
lichelnde Lilien zugleich fteobt ich mit Myrten zum Kranz,
ßechte auch lieblichen Krokos sowie Hyazinthen mit purpurn
strahlendem Schimmer und nun - Rosen, der Liebenden Lust.
Liegt dann der Heliodora du KrAnzel im duftenden Haare,
leis in die lockige Pracht rieseln ihr Blüten aufa Haupt.
Aathologla Gruoa V

148 (147). TOY AYTOY


CSla!JI 1TOT' Iv Il\I8oIS Tav EOMV.OII 'HAlo8Wpall
IIIKQaeIll cx\rrQs TQs XaplTClS XapIOW.
PI VII 7 1.88 v • - I Tav 0 PI T1I11 PI.

149 (148). TOY AYTOY


TIs 1101 Z"IIoqllAall AaAulII 1TapiSII~II haIpalI ;
Tls p(aII bc TPlacJWII "ycxyt 1101 XäpITa;
äp' hWCo>S mrlIp lCI)(aplolJivoll 6wa&II 'pYO"
SWpa SISO~ Kcx\rrall Tall Xäplll .11 xäplTl.
PI VIlI04 1.73f.- I '-crAl'lll PI I! lTaipaII Bnmok-'lll a 6p' pI 6p' 0 ~ p' PI [es aIp']
11 hVJIws pI PI hoill- 0 11 inrlIP BoillI. 6:-1! flWOI\I PI 4 KClÜ'rlIII T1I11 PI.

1110 (149). AIKAHnJAf.OY


'WIAOA6y1)o' "~III Eis \IÜImx 1101 1'1 'm~"TOS
NIKW KaI alJ,lIIl'JII c:\')1AOa& 9EaJ,I~II'
KcNx "KEI' IPVAcxtc1'I & 1TapOIXETCXI. &P' hnopKllII
"SeM; TOll AVxI/OII, 1TalSes, 6:1Too~iocrn.
I-I 8uid. •• ~ (om. NIIIIII) I f\ 'm~ 0 hrJ- 8u1d. f\m~ pI
I ~ om. pI add. o.

1111 (1110). MEAEArpOY


'O~I ~IM'TTIS, cbcnSUs atJ,llXTOS äl/SP(;')\I
Olcp<.o)lIES, 1IVKT0s KIMSaAa SImipvya,
~IOII Z"lIOqIlAall, AlToJ.ICXI, 1Täpe6' "avxOll WIKj)
EÜ6ElII, T6J1Q S', 16oV, aaplCOfClYäTl ~".
KalTOI 1TPOs TI J,läT1)II a\tS~; Kai 8ilpas lrrEyKToI
Tip1To\ITCXI T~ xpc.nl XAICXlIIOIllI/OI.
aA}.' m lIOv 1TPO}.iyc.>, KaKa 8pilAJ.laTa, A",YETI T6AJ,I"S,
,. y"~aea XEp6\II ~"Acmirrc.>11 SVllaJ,llll.
PI VII 8 f.88 \p. - I ~ P 6:Wp&W PI a'lrap68' PI! 6!rvoII PI 4 O'apICOfCI)'Ihlit l'
I 'IrpOs TI II«nlll Saal. 'lrpooil J<a T1I11 P 'lrpo 0'f'I ICCITIlII PlI! &mcIIo1 P.
An~bolo.la Oraeca V

Schöner al8 Grazien


Wahrlich, ich glaube, daS einst in süßem. holdem Geplauder
Heliodora sogar Grazien an Grazie besiegt.

Die Huldin
Wer hat Zenophile mir, die plaudernde Freundin. gezeichnet?
Ei. wer bot von den drei Huldinnen eine mir dar?
Wahrlioh, da hat mir der Künstler ein huldreiches Bildohen gewidmet,
der mir als reizend Geschenk huldvoll die Huldin gebracht.

Herz 80hwur falsch


Niko, die weithinberufne, versprach mir, heut abend zu kommen;
ja, sie 8chwur es mir hoch bei der Thesmophoroa zu.
Und sie kommt nicht..•• Sohon ging die Wache vorüber•••• Ja, wollte
einen Meineid sie tun ••• ? UIaoh mir die Lampe, mein Bub I

An die Mfloken
o ihr 8ummenden, frechen, das Blut &U88&ugenden Mücken,
Uugeheuer der Nacht, doppelt besohwingtes Gezücht,
gönnt der Zenophile doch - ich beschwöre euoh - nur für ein Stündchen
ruhigen Schlummer und beißt mir unterdessen ins Fleisch •..
Doch ich rede vergebens. Und ist es ein Wunder? Selbst rohe
Tiere IOhwelgen im Reiz ihrer entzückenden Haut.
Trotzdem, ich warne noch mal: Nun Schluß, ihr dreistes Geziefer,
oder ihr spürt meine Hand, wenn sie die Eifersucht führt.
Jleleagro6
338 Anthologla Oraeoa V

1112 (151). TOY AYTOY


nTtrl1')S 1101, KWIMIf', TaxUs 4yyIAos, o<iatn 5' 6JcpcnS
Z1'\IIOfIAas lfIClÜc7a'S 1I'po<J\III8VpltE Ta&·
,:Aypvrrvos 1J11J1lE1 OE· aiJ 5', er, M6cxpYl! tpV.oVVTWV,
EÜ&IS." da, 'TThN. val, tplMIIOVC7I, 'TThN.
"avxa Si tp8ty~al, 111'1 KCXI aVyKOITOII lYJ!lpas
KlvilaIJS rn' 11101 '1'\MmlrrOVS 6Svvas.
i\v 5' äyäy1Js -n;1I11'aTSa, &op~ crrilyw 01 MoIITOS,
KC.:)l/WIf!, KCXI &c.:ww XElpl ,ipelll fJQ1I'a],,01l.
PI VII 9 U8r ; BKTII,I, 711.- I 1I'TtIiqsPl PaP.'II'TGII1S p I 1I'TaISo 1'If~"
(8ic) pi •ICIIIfIcnls PI -tIS P '~Pap. 4S P PI.

1113 (152). AIKAHmAdOY


NIKCXph1'\s T6 1T66olal ~~'-1'\~VOII 1\Sv 1I'p6aW1I'0V,
mnc:\Iä 51' Ö\jMlItpwll tpalv6IlEVOII euplSwv,
at xapo1Tal !O.eocpWVTOS rnl1l'poeupolal Ilapavall,
KÜ1I'pl ,1'-1'\, y'-Vl<Epoü ~MlllJaTOS &aTlp01l'al.
I ~ Relake ~,,- pt 0IfI0"- 0 I 'lfpo8UpoiS 1p6pavav P em. Kaibel.

154 (1113). MEAEArpOY


Na! Tall V1'\~ Xapo1TOlS Iv! ~ KÜ1I'PIV,
lern KCXIlK ~ a Tputpipa TputplpQ.
PI VII 10 f.89 r • - I val P vii PI I TMifICI Jao. T~pä.

155 (IM). TOY AYTOY


'E1/T6s IIli'ls ICpaSI1')S -n;v EÜ~V 'H'-lo&Wpav
lfNXl'lv Ti\s lfIU)(i\s hr;\aaE" aVr6s -Epc.>s.
PI \'H 11 r.89 r • - I hrMDiv cNTl>s PI cWr6s hr"- P.
AnLbologla Oraeoa V 337

Die Bo~in

Sohwing dioh, mein Mückchen, dahin als flüohtige Botin, setz aaohte
dioh auf Zenophiles Ohr nieder und flüstre ihr zu:
..SchJaflOl noch wartet er dein; doch du, des Liebsten vergessen,
liegst hier llJld schläfst." Nun flieg, Freundin der Musen, flieg hin!
Sprich aber leise zu ihr, weok nioht ihren Lagergenoaaen,
daß du ihm ja nicht ob mir Qualen der Eifersucht regst.
Bringst du mir aber das Mädchen, dann kleide ioh gern mit des Löwen
Fell dioh, mein Mückchen, und geb gleich dir die Keule zur Hand.

Mädohen am Fenster
Rosig von Sehnsucht umhauoht, sah früher Nikarete droben
aus dem Feuster 80 oft holden Gesichtes herab.
Blaß, 0 teure Kythere, nun ward sie; denn funkelnd am Tore
blitzten aus zärtliohem Aug Kleophona Blicke hinauf.

Verlookend
Wahrlioh bei Kypria, die einst in azurenen Wogen geschwommen:
ist meine Traudei nicht traut auch in der luDeren Form'

Seele der Seele


Tief im innersten Herzen als Seele der Seele bat Eros
selbst mir mein plauderndes Lieb HClliodora geformt.
338 Anthologia GraMa V

100 (1M). TOY AYTOY

•A ,I~ XapcnroiS •AaM.'lmas ola yaAfllITlS


6111J(1171 C7\IJ.I'ITEIEIEt 1I'aVTQS fpwT01I'MlEIII.

PI VD 106 f.73r. - I 111 PI 11 0 PI 11 xapcnrolt 8teph. XaM1r- 11 yw.~ PI.

1117 (156). TOY A YTOY


Tpl'lXUs 611V~ W· wEpc.>T05 allhpafiS 'H~IoS~pa5'
TCXÜTTJS yap Siwa KlllalUX Kai is KpaSI'lll.
I 6vaTp:r~ P em. Roiake I TaUT'K Bnmck -OS.

158 (157). AIKAHmAAOY


'Ep"IO"'l m8allij 1TOT' i)'w avvtrrat~Oll 1x0ÜC71J
~wllloll l~ &vEltWII 1fOI~Oll. ~ na,I'l.
XPVaea ypaj.llUXT· i)(Oll' .. L\I6~ov." S' lyl)·paTTTO...,{MI !JE
Kai j.lt') ~1I1rTl&ijS. flII TIS IX\! j.I' rnpos."
App. B. V iU. - I c!I~v App. S 616Aov om. App. 4 'XI) ...·0 ...·exll pi 1)(...... App.

169 (ISS). [IIMANIAOYJ


8olS,oll 'l\l~'lTpIS tcaI nve,as. at 1TOT' lpao-raI.
aal. KWpI. ~ ~~IICXS Täs 1'1! ypa.as 19Eaall.
'j.l1I'OpE tcaI fOPT1lyE. TO 0011 ~Oll 01&11.
tcaI 11'68&11 at ~W\lal tcaI 11'6&11 01 1I'11/atCES.
PI VlJ 12 '.B9r. - I 'l"A'lTpl~ P a.:.A- PI.

160 (159). M EAEArpOY


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IO'TI KalllllfNXPOTS a~~ 8&pl'ÖS IpWS.
I woXpc.na Hocker \nr6 )(PWTa.
AnLhololla Graaoa V 339

Meer der Liebe


Blau wie die ruhige See verlockt UDB Aaklepias' lichtes
Auge der Liebe zur Fahrt über der Paphia Meer.

Der Nagel
Eroa hat dich geachirft, du Nigelchen Heliodoru,
denn ein Kniffchen von ihr dringt bis ins innerate Herz.
1IeleGgrOl

Ehrliche Untreue
Als ich, 0 Paphia, jüngst mit der 10000n Hermione spielte,
aah ich den Gürtel; der war Bchimmernd mit Blumen beatickt,
und in Lettern aua Gold Btand drauf: "Steta 801lat du mich lieben,
aber betrübe dich nicht, wenn mich ein andrer besitzt."

Die Hetiren
Boidion, eine Flötistin. und Pythias, weiland Hetiren,
haben dir. Kypria, da.hier Gürtel und Bilder geweiht.
Kaufherr und Reeder. ihr zwei, euer Beutel weiß es zu sagen.
wer dieae Gürtel und wer diese GemlJdo bezahlt.

Treubruch
Demo. weißwangigea Kind. dich drückt nun ein anderer jauchzend
an leinen Busen. und mir jammert du Herz in der Brust .•.
Doch - daß der Sabbat dich lockt, mich will es nicht Bondorlich wun·
IIt der Sabbat auch kalt, wann ist gewißlich die Lust. [dern:
11eltagrOl
An~bololia Graeoa V

IClI (1110). H6YI\OY [01 fit AIKI\HmA60Y J

E~ KaI eats KaI 8olSIoII, aI flIOIIl'lSovs,


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'AYIIIICul ~\ITU KaI 'AlITayOp'111, .11' bcäoTT!,
YVllvoUs, IICIV1'\YWI/ ";OOOIIUS, f~.ßcV.oII.
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cpe\lyETE' IsIPTtllCo)I/ atSe yap tx8p6Tepal.
PI Ia 70,2 f.l7Y. - In P bio [pa] et poet XI 9 [pb]. Simonidl mb. pb PI 3 'Ay",
Hecker /I. pa crnIY pb chnv PlI/ Iv' Steph. Iv pa PI Iv pb • ixGpOTaTCII pa.

182 (181). AIKI\HmA60Y


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183 (182). M EI\EArpOY


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PI VD 13 f.89r. - I l5Wmcmw PI • kpCI6Ia PI I Ilmrs 018. Pllllt:.l pi ~ 0 PL

1M (183). AIKI\HmA60Y
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M'18E1S, cMc &c).'1TOS, 0.I'I),u8a' TaUTa 1Taeoiia'a
001 114111f1CX1T' W 11101 C7TCiaa 1TUpa 1TpoeIipoIS.
I ofay ~a;.1S P em. Salm. 3 Ta\hG Salm. TGOTa .... ~ P em. Bouhier 11
flnJaors P em. Gruter fI crr&nI 0 Täaa Pi.
Antbololl .. ar .. ac .. v Mi

KoreanUl der Kypria


Boidion, Euphro und Thais, die zwan:dgrudrigen Frachter
für Matrosen, die drei Oraien, die Brut Diomeds,
warfen Antagoraa, Agis und Kleophon, jede den ihren,
aus ihrem Hause 80 nackt wie nach dem Schiffbruch hinaus •••
Flieht drum, ihr Schiffer und Schiffe, vor diesen Korsaren der Kyprie:
Schlimmer und bÖller als lie lind die Sirenen auch nicht.

Der Vamp
Wund bin ich worden vom Vampir Philainion; ist auch die Wunde
nicht zu erkennen, es geht bis in die NAgel der Schmerz.
Tot bin ich, tot, ihr Eroten, ermordet.•.• Ich achmiegte halb achlafend
mich an ein Dirnohen und hab plötzlioh den Hades berührt.
A.A:lepitulu

Die Biene
Biene, Gl8tcben der Blumen, weswegen verlASt du des Lenzes
knospende Blust und berührst Heliodoraa Gesioht!
Willst du mir etwa verkünden, ltete bohre der Stachel der Liebe
süß und unangenehm bitter ins Herz lieh hinein!
Ja, das willst du wohl sagen. Ach, Freundin der Liebe, flieg ruhig
wieder zurück, denn das wußte ich selber - lohon lAngst.

Gebet an die Nacht


Nacht, ich rufe nur dich; du sollst mir bezeugen, wie Niko'l
Tochter Pythias hier grausam und falsch mich verhöhnt.
Ach, ich kam nicht von selbst, sie hat mich gerufen. •• So ltehe
sie auoh bei mir vor der Tür einstena und klage zu dir.
A8kkpiades
342 Antbolo.ia Graoea V

100 (1M). MEI\EArpOY

-Eil TOSE, 1I'aj.l1J~'I11pa &e;)II, ).lTolltri cn, ,1).11 Nv~,


lICXl ).[T01JC21, I<WIJ(,o)II aVlJ1I').allE, 1I'OTllla Nv~'
EI TIS wo x).alVIJ ßeß).111JE1IOS 'H).Io5wpas
eQ).'!TETCXI, WIIa1I'c!mJ xpc.m X).IalllOIJEIIOS,
\(()IIJaa&> IIlII ).VxIlOS, 6 6' 111 KÖ).1I'OIalll IIc&II/TlS
~I1t"TtICJGEIS 1CE1eJ'&) &Vrtpos 'E118U\1I(,o)II.

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188 (186). TOY AYTOY


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&pa 1JE1lE1 CJTOPyTis IIKl MI'fICXIIa, KCII Tl ,1?111JC2
1J1/Tl1J6avIlOII 'fIVXP9 eQ).'!TET' .11 EIKaaICjl;
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lfIVXa1!'clcTTtll rnplloIS &!Jqllßa).,oüaa 'IMT;
ft lI40s ällos 1jXA)S, via 1I'alYllla; lJ~mm, ).VxIlE,
TaUT' laI61:Js, dT'lS 5' ~ 1I'apEl)to)\Ca tv?a~.
I 6pIQw pa I/lIaacpuxapll Salm. I5cDax- S ~ 0 t&d pa I/ICCd 'Tl Gu~ ac6na
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107 (188). AIKI\HnJAAOY


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olllOS' KaI ~ IfIVXPÖS.lyc:, 6I1JÖ1IOS.
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f\?v8E$ o\i5A 8VP1'lll 1I'pOs IJlall t'lCJ'\ixaaas,
Tf,I6e TOCJOVT' Ißo"aa ßaßpE)'iJEllOS. &)(pl T(IIOS, ZEü;
ZN ,IM, alYT'lCJOII, KaVTOs lpällllJC28Es.
0: acaI Wtö 1pc.mIc6v. - I ~ add. Bnmck S M6Qxos lIeiaeb \l6cJxos.
AD~hologi& Graee& V

Ein gleloholt
Eines nur, gütige Nacht, Allmut.ter der Göt.ter, begehr ich,
eines nur, heilige Nacht, Zeugin von Trunk und Geeang:
WArmt sich unter der Decke der Heliodora. ein Fremder
an ihrem wonnigen Leib, der von dem Schlummer befreit,
0, 10 verlösche die Lampe ihr Licht, er selbst aber ruhe
dem Endymion gleich kraftlOl dem Midohen im Schoß.
Meltagr06

Liebe in Sorge
Nacht und du ewig Verlangen nach Heliodor&, du Sehnsuoht,
die in zögernder Früh schmerzhaft mir TrInen entlookt,
trägt 8ie ein Restchen von Liebe im BUBen nooh 7 WaMt sie in kahler
Phantasie von dem Kuß eine Erinnerung nooh!
Gehen Tränen mit. ihr zu Bette, und drückt sie im Schlafe
nooh mein leeres Phantom träumend-betrogen &Il8 Herz!
Oder - BUoht neu sie nach Liebe! Sucht neu Bie ein TAndeln ••• ! Dann,
[Lampe,
leuohte niohtl Hüte mir die, die ioh zum Schutz dir vertraut.
MeltagrOl

Minnofahrt durch Regen


Nacht und Regen und - Wein, die dritte Plage der Liebe .••
Eisig von Norden ein Sturm, ach, und ich aelber allein ••.
"Dooh die Schönheit des MoaohOl blieb Sieger." So gingst du dooh
und du ließest doch auch nie eine TOre in Roh, [selber,
rief ich, vom Regel) durchnißt, da a08. Wie lang nooh, Kronion7
ZeUB, mein Lieber, hör auf! Hast du nioht auoh Bohon geliebt!
Ä,Hqiadt,
AD&holollli Orlleoll V

108 (1117). A6HI\ON


Kai 1Npl tcaI vlfET{j) 111 KaI, EI ~AOIO, 1CEpavv<j)
~ tcaI EIs KpI1"'~ P.ICE tcaI &IS m1.ay.,.
TOV yap arrav6~aaVTa '11'66015 Kai "EpCo)T\ Sa~VTa
OÜ~ lues TPVxEl 'lriip hnlxr},Mlllvov.
PI VII 14 f ••• - Ti&.: MeJeecro trib. LIlIe. J tr6eolS 0 PI ...o..olf PI.

UI9 (1118). AIKI\HßlA60Y


'HSu 6ipoVS 611f1wVTI XI~V 'll'0T6v, ",SU Sl 1Ia\mxIS
iK XE1IJ6)VOS I&tv ElaplvOlI I~vov'
~610v S'. 6mnav KpÜ\fl1l",la TOUs 'I~VT~
x},alva tcaI alvi'\TIXI Kwpls w' a"'toTipc.:lv.
PI VII 206 f. 78 r . - Ti&. om. PI J I~ Ladwioh CTr- 0 PI ~ pI a "1110\1
JMI.il6Ikw P "lIlcnw 0 [10 marg.)iI&ü PII/II'om.PI [10 ...toio nI.at mI mall. ftO.)
411 aIwtnn P.

170 (189). NOUI60I


•A610v oü~v fpc.:lTOS· 4 6' 6},pla, &\mpa 'll'aVTa
laTlv' arro aT6",aTOS 6' 1'I\'T\IC7a Kai TO ~I.
TOih'o ).iy&I NoaaIS' Tfva 6' a Kwpls OÜK t,I}'l1aev,
OÜK ol&v ~va y', &v8Ea 'II'Ola fJO&a.
I a 6' Orater TäII' 411 Kf\vaT' P em. Guyet et Reitzenatein.

171 (170). MEI\EArpOY


Tb cnMpos ä6u yty.,e&. MyEI S', 6n TÖ;S '~OS
Zl1vot~ lfICXVEt TOÜ M),IOÜ aWlJaTOS.
6},Plov' El6' W' l",olS vOv XElMaI X&IMa 6Elaa
arrll&VOTl IjN)(av Täv Iv ''''01 'll'po1Tlol.
PI Vllili f.ee r• - 16&ü Graefe iI&ü II.~ pt J \IOv om. PI.
An~hologia Graaca V

Abgestumpft
Sohleudre nur Feuer und Hagel, j&, triff mioh mit Blitzen und stürze
mioh in den Abgrund hinab oder ins Weltmeer hinein:
wer vor QuaJen schon stumpf und geduokt ward im Joche des Eros,
ach, dem tun auch des Zeua zuokende Stnhlen nioht weh.
Anonym

Süßigkeiten
Süß ist dem Durst'gen im Sommer ein Sohneetrunk, süß ist dem See-
wenn nach Winter und Sturm lenzend die Krone ersoheint. [mann,
Süßer ist's, sohließt sioh ein Deokohen vertraut um zwei liebende
und vom Munde der zwei klingt für Kythere der Preis. [Leutchen,
A./dqiadt.

Ein gleiohes
"Niohts ist süßer als Liebe, lreit hinter ihr stehen die andem
Freuden, den Honig sogar spei ioh vom Mnnde dafür."
So sprioht N0B8is. Die Fra.u, der Kypris nioht Liebe gegeben,
kennt die Rose noch nioht, weiß nioht, wie prangend sie blüht.

Glüok des Beohers


Selig lIehelt der Becher. Denn sie, die Freundin der Liebe,
meine Zenophile, küßt ihn mit dem plaudernden Mund.
Glücklioher Becherl- 0 trinke sie mir jetzt Lippen an Lippen
in einem einzigen Zug wonnig dio Seelf' hinab!
Meleagro8
346 Anthologia Graeoa V

172 (171). TOY AYTOY


·OpepE, TI ~Ol, SVaEpaaTE, TaxUs mpl KoITOV trrtO'TT}S,
äpTI cplAas t.Tj~OVs XPCA)TI xAlalVo~tll~ j
et6e 1TaAlII O"TPEljlas Tax1110ll Sp6~01l "Eampos dTjS,
~ yAVKV cp(;)S ß&A).CA)II EiS f~ lTIKp6TaTOII.
flSTj yap Kai 1Tp6a6e1l rn' 'AAK~T!IITJII t.10s TjA6es
allTlos· OVK aSa1'!s faal 1TaAIIISpo~ITjs.
App. B·V o. - Anonym. in App. I 1Tapa KolTOS App. 4 ~ YhVKV op<;is Grotor Wi
y. cp. p y. cp&Es App. My. cpaOS App. V.

173 (172). TOY A YTOY


·OpepE, TI IIVII, SvaepaaTE, ßpaSvS mpl K6~01l v"laO"1J,
äAAoS tml t.Tj~OVs eaAme' WO xAalllSI j
&AA' ön TaV paSlllall K6A1T0IS 1x0ll, WKVs rnEO'TT}S,
Ws ß&A).CA)II rn' f~ol cp(;)S rnIX<XIpEKCXKOII.
:s dcM6TI P!I fXOll 0 IX- pI 4 hrI XElpe KaK6\! P em. Brunck.

174 (173). TOY AYTOY


EOSeIS, ZTjllocplAa, TpvcpepOII eaAoS· de' rnl aol viiv
&1TTEpOS E1a1!lEIII "Y1TIIOS rnl ßAecpapOIS,
Ws rnI aol ~TJS' OUTOS, 6 Kai t.IOs 6~~aTa ev"yCA)II,
cpolT1'\O"aI, KanXOv S' aVTOs fyw O"E ~6110s.
4 cpom'!am Bronck -flam.

175 (174). TOY AYTOY


OISa. TI ~Ol
KEIIOs ÖPKOS, tml aE ye Tlill cpIMaCA)TOII
~TJWeI ~Vp61TIIOVS apTIßpExlis 1TMKa~os,
~TJWeI S' äyPV1TVOII, (Sou, ßEßapTJ~1I01l 6~l.la
Kai acplYKTOs aTECPcXllCA)1I ~cpl K6~alal ~lTos;
fO"KVATal S' äK6AaO"Ta mcpvp~EIIOS äPTI KIKIIIIIOS,
1TallTa S' w' aKpT!TOV yvla aaAeVTa cpopEIS.
Anthologia Gra8C& V 347

Verwünschter Morgenstern
Morgenstern, Feind du der Liebe, was kommst du so früh mir ans
da ich an Demos Leib eben erst wonnig erwarmt? [Bette,
Flugs I kehr eilig dich um und werde zum Abendstern wieder,
du, der sein süßes Licht, ach, mir so bitter entbeut.
Gingst du nicht früher schon mal bei Kronions Alkmeno der eignen
Laufbahn entgegen? Du weißt, wie man sich wendet. Kehr um I
M ell!4fl1'08

Ein gleiches
Morgenstern, Feind du der Liebe, was drehst du so träg dich am Him-
nun sich bei Demo im Bett wonnig ein anderer wärmt 7 [mel,
Als ich die Schlanke umfing, wie bist du so rasch da gekommen,
ach, und warfest dein Licht grausam und boshaft auf mich.
M elI!4fI1'08

Ich möcht der Schlafgott sein


Schläfst du, mein wonniges Bäumchen, Zenophile! Dürft ioh als
ohne Fittiche nun still auf den Lidern dir ruhn I [Schlummer
0, dann könnte auch er, der sogar Zeus' Augen bezaubert,
nicht dich besuchen, und ich hätte allein dich für mich.

Hinweg, du Dirnel
Falsch ist, ich weiß es, dein Ruhwur. Was du schamlos getrieben, du
zeigt dein feuchtes Gelock, das noch die Myrrhe verströmt, [Dirne,
zeigt dein durchnächtigtes Auge, das schwer ist und müd noch vom
[Wachen,
und die Binde vom Kranz, die in den Strähnen dir hingt.
Wild ist das Hanr dir zerrauft, und eben erst ist es geschehen,
sämtliC'hc Gliedor am Leib schlottern dir zitternd vom Wein.
Aathololla Oraooa V

!ppe, y\ival 1f6ryxo11,1E' KCWI CJ'E yap 1'! CPIMKWI10S


1fT}KTIS Kai KpOT~WII xllpo'T\l1rlls 1farayos.
I ol&cs. TI Stadtm. 01&01 6n [a expuaoto) P I IIvpl'mlOUS pi em. 0 I 6' aypll1M)ll
Dübner ayp. IIW.

178 (1711). TOY A YTOY


AelvOs -~, SelvOs. TI ~ TO 1fAteIl, illI 1f~11I &l1fW
KaI 1f~1II oll1wtwlI 1fO"'-6!a· ..Ae1vOs -Epws" ;
fi yap {) 'TI'CIIS TO\rrolal yaA~ Kai 'Il'VKlla KCOOa6e1S
il8eTen' illI 5' EI'II'w "018opa, KaI Tpicpncn.
6aii1!a Si 1101, 'll'G)s apa Sla y"CXVKOlo cpalll!laa
KVI!aTOS I~ \iypoO, Kli'll'pl, aiJ 'll'ÜP mo\CaS.
1/
PI VII 108 f. 73 r. - I &pa P y).\IK01o P • Kwpl aü mJp P [man, rec.] PI [poet.
oorr,) Kwp1s mp pi PI [primo ],

177 (178). TOY AYTOY


Kl1pUaaw T611-Epc.mx. T611 äyPIOII' äpTl yap, 6p'n
6p8PlvOs IK KOlTaS ~X8T' c!mO'II'T~IIOS,
raTl 5' {) 'll'als y"uK\i8aKpus, c!lElAaAos, wtais, ~~S,
all!O: yEMllI 'll'TEp6E1s 1M'ra. cpapnpocp6pos.
'll'crrp6s 5' oVKh' 'xw cppatEIII TlIIOS' OÜTe yap AI8I!p,
oiJ X6W1I CPI1a1 TEKEIII TOll 8pacniv, oiJ TTtAayos.
'll'allTlJ yap Kat 'll'äalll c!mtx8nal. ~' laopäTI
11~ 'll'OV IlÜlllfNXalS ~a Tle.,al "Iva.
KalTOI 1CElllOS, ISoU, 'll'Ep1 cpwMOII. 00 l1E MAl1eas,
TO~OTa, Zl1l1ocpl"as 61111aal KPV'II'TO\1EIIOS. 10
PI VII 18 f.119 r. - f lCI6patn P.

178 (177). TOY A YTOY


TTWMla6w, Kall1crrp6s tr' 111 KO"'II'Olal Ka8ev!)Cl)lI'
'll'Cl)MIa8w. TI ~ ),101 TO 8paaö TOÜTO TpiqlEtll ;
Kai yap all16l1 'cpv Kat li'll'6n-rEpoll' c!iKpa 5' 6\IV~1II
KIlltEI' KaI.v.aTolI 'll'o"'-a l18Ta~ yeA~.
'll'p6s 5' rn "onrOlI c5:TpE'II'TOlI, 6EIAaAOII, 6~ Se80pK6s,
äyPIOlI, ovS' aVT~ I1crrpl cpl"q; Tl8aaoll'
AD~bologia Graeaa V 349

Weg. du Metze ••• ! Da hör! Vie Harfe, die Freuudin der Orgien,
und der Klappern Geklirr ruft dieh Ichon wieder ••• Hinweg!
MeleagrO&

Der furchtbare Eros


.. Furchtbar, furchtbar ist Eros ... !" Doch ob ich auch nochmal es

ob ich auch stöhne dabei: .. Furchtbar ist Erost" was hilft's!


[....
Lachend hört er's, der Junge, und schelt ich. dann macht er sich lustig,
und beaehimpfe ich ihn, wird er noch frecher davon •.•
Rl.taelhaft bleibt es mir, Kypria, wie du, eine Tochter des blauen,
wogenden Meeres, aus Naß Glut zu gebll.ren vermocht.

Steckbrief auf Erol


Kund und zu wiaaen hiermit.: Soeben, soeben am frühen
Morgen ftog mir vom Bett Eros, der Nichtsnutz, hinweg.
Flink ist der Junge und keck, IÜß weint er, und immerzu sohwatzt er,
schnippisch lacht er und trAgt. Flügel und Köcher und Pfeil.
Wer sein Vater ist, weiß ich nicht recht.; denn weder der Ät.her
noch auch Erde und Meer wollen den Bengel als Sohn.
Deun er ist nirgends beliebt, und niemand ist freund ihm. Drum Obacht,
daß er nicht hier oder da Netze den Seelen nun atellt. •..
Aber - da. sieh nur I Da hockt er I 0 warte nur, meinst du, ioh seh nioht,
Schütze, da8 du im Aug meiner Zenophile steckst!

Verkauf deI Eros


Fort zum Verkaufe mit ihm, und schlief' er im SchoB' seiner Mutt.ert
Fort zum Verka.uf nur! Warum zieh ich den Bengel mir groß!
Denn eine Stupsnase hat er, der Flatterer, kratzt mit den NAgeln,
und selbst wenn er mal weint, lacht er sogar zwischendurch.
Störrisoh ist er daboi, ein ewiger Sohwätzer, ein SpähBl"
und ein Wildfang, der selbst sich seiner Mutter nicht fügt.
Adhololia Graua v
-rrc!lIna -"pas.
TOlyl!lp 'lTE'lTpaatTal. d TlS cm-O'IT1.oUS
'll'!TOpos Wllda6a1 'lTatSa eiMl, 'lTpoa{TW.
KalTOI ).laC7ET', ISoV, &5aKpUlliIlOS. 0(1 a' fTl 'IT6)).t;).
&apcnl' ZTJ~f).Q aVvTpofOS &SE IJive. 10
PI VII 17 f. 60 r. - J 6w~1 PI J 4hpnrrou Luo. 6ep-II6E~ pI • ~ "11-
Tpl,11I1J P l' 1TInpäaCJ. P • 00 CJ'hl P 00 TI CJI PI .1
ZI1~11Iqr Lue.-a.

179 (178). TOY AYTOY


Nal TI!II/ K&rrPII/, -Epws, ,)J~w Ta aa 'lTallTa 'lTVPWaas,
TO~ 'Tl KCri IJaJ61~1/ lo56tcol/ fClPhPTJV.
,)J~w, val. Ti \llrTaIa yU.9s Kai 0l1lO: otaf}pWs
IlUXel ~EIS; Taxa 'lTOV aap50:I/IOV YEMaEIS. ,
fi yap aev Ta 'lToSTJya n66wI/ wtc\nrTepa K61j1C1S
Xa1.Ko5ETov a,ly~w aols '!TIpi 'ITOaa1 niSTJII.
KaiTOI KaS\lElov tcpaTQS otaopEV, d aE 'lTapolICOV
IfNXI5 avtw~w, ).Iiytca wap' aI'lTo)./OIS.
6A).' leI, SvavfICTJTe, ).a~v S' ' !TI
ICOOta niSI).a
ltc-niTaaov Tax1vas EIs hEpous 'lTTtpvyas. 16

PI VII 107 f. 73r. - S yV4 P J-4 1CaI ... 8uId••• ~ J 1\ pI 1\ 0 .. PI


8 A(,ytca Jac. Avypa • &uodVll'TI PI" Im Bnlllck hrl.

180 (179). TOY A YTOY


TI ~vov, d I~PO'TCW)\y6s ~ T1!11TVp11TVOa '1'6~a
~I KCri ).apvpots 6\l11CXOl rntqXI yU.q;
oiJ Ilc!ITTJP crriPYEI ~v -ApTJ, yalliTts S~ ThvKTal
CAtafaTOV, ICOlvO: tcal 'lTVpl KCri ~ltEOl;
1laTpb$ S' oiJ Ilc!ITTJp 6W\l6lv 1lO:aTl~1 9a).aaaa
TpaxV~; yamas S' o<ITe TlS oVn TlvOs.
TO(illllCliv CAtalaTOV ~V Ixn ,).6ya,lCIi~ S' 6pyav
crriP~IV laav, -Apews S' a1llaTotvPTa ~v.TJ.
• PI VII 108 1.731'. - I-I ~y6s ... SuId••• 1IcqNp6v I 1fßCjIG: '\NIM!r PI
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Antbololi. Graee. V 361

Kurz, ein Taugenichte ist er. Drum Cur!.1 Und wClD.lcht. ihn ein HlLndJer
vor aeiner Abfahrt in See etwa. zu kaufen, nur her ••• 1
Aber wu aeh ioh! Er weint •.• er fleht ••• Sei still nur I loh will dioh
nioht mehr verkaufen - Du bleibst. Bei der Zenophile hier.
MelfIJgrw

Eros gefangen
Bei der Kypria, Eros, ioh werfe dir alles iDa Feuer:
Bogen und Köoher und Pfeil, den du von Skythien besitzt.
Alles ins Feuer! - Du Kindskopf, wu lachat du! Wu rümpfst du 80
[aohnippiach
griDaend die Naae! Gib achtl Bald wird dein Laohen zum Krampf.
Warte, dir atutz ich die Flügel, auf denen die Sehnsüchte kommen,
und um die Füße herum leg ich dir Fesaeln aua Erz .••
Nein, du wir ein kadmelacher Sieg, dich im Haua hier zu halten
meinem Herzen 80 nah, neben den Zicklein den Luchs -
Na deM, du EigensiM, gehl VergiB nicht die Flügelaandalenl
Fort nurl Und ruohl Doch flieg freundlichst zu anderen hinl
M~

Stammbaum dea Eros


Ist es ein Wunder, weM Eros, der Würger der Mensohen, den Brand.
[pfeil
aendet und keck und zugleich bös aua den Augen noch lacht'
Ist aeine Mutter deM nicht du Liebchen des Ares und Gattin
des Hephaiatoa und lebt 10 zwilchen Feuer und Schwert!
Brüllt nicht die Mutter der Mutter, die See, vor der Peitsche der
[Stürme!
Ist aein Vater deM nicht - Niemand, von Niemand ein Sohn'
Feuer hat er daher von Hephaiatos, vom Meere die Wildheit
und von Ares den Pfeil, den er mit Blut nun befleckt.
362 Anthologia Graaoa V

1111 (ISO). Al:KI\HnlA60Y

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182 (181), MEI\EArpOY


"Ayy&v.oll Ta&. f.opK6:s' ISoiJ, 11'0:1.1 SNnPO" ~
1«11 TplTOII 6yyEIAOII, f.opt<O:s, lrnallTa' TpixE'
Il'lKtn ~, 1Thou ••. Ilpaxu 1&01, ~u, f.opK6:s, hrlaxES'
f.opK6:s, not 0"TI'E\iSas, 1I'pIII aE T6c lI'allTa IICX8Etll;
1T~ S', ols dp1'\1«1 1I'0:Mx! ••• ~II Si ..• TI 1.1'\pW; 6
Il1'\SiIl 6).c.3S d1T1JS. 6:1.).' än ... 1I'O:na )JyE.
Ilf) cpllSou aIJ Ta 1I'ana 1Jyn1l. I«lITOI TI aE, f.opKcXs.
Ilmill1TCo), alJlI aal KcxVr6s, ISou, lTpoO:yCo)II;
1 m!r)., Gruter-'liS IlUMm 'TOO pI -m; TaO 0 em. Salm. I 6' h, P em. Reilke
'I oV add. ReIß_li Myall Reiake -YlI/ TI CII Salm, TIS • 0'\111 add. o.

183 (182). nOIEll1mnOY


naaapes 01 mllOlITES, ipc.3l&i"1'l (PXe6' bcO:a-r~.
6tm.:> YIIlOlliIlOIS EIl Xloll oüx 11«111611.
ADtholollia Graeea \.

Einkauf auf Pump


101 einen Beutel voll NÜ88e mir her (na, kommst du nun endlich '),
bring auch von Rosen mir fÜnfKri.nze ..• - "Ja, aber ..... - Sei still I
:eId hast du keines mehr, meinst du' Das ist ja entsetzlich I Zum Rade
mit dem Lapithen I Ein Dieb, nicht ein Bedienter ist das.
:tiehlst du bei mir' - "Aber nein I" - Los, zeig mal die Rechnung I He,
[phryne,
bring mal das Rechenbrett her ... ! Dieser gerissene Fuchs .•• I
Vein fünfDra.chmen, und zwei für Wurst, fünfOhrchen vom Schweine,
Hase, Makrelen, dann hier Honig und Sesamgeb/l.ck •.•
..aß I Morgen rechn' ich's genau. Jetzt lauf zur Parfümfabrika.ntin
Aiachra. hinüber und hol ra.ach noch fünf Silberftakona.
ag ihr als Zeichen: Der Bakohon hab fünfmal hintereinander
sie umarmt; ihr Bett sei noch als Zeuge notiert.

Paroxysmus der Liebe


licht ihr das, Dorka.a, nur aus I Ja, richt es ihr. Dorkaa, zum zweiten·
und zum dritten mal aus I Sag ihr nur alles I Na laufl
teh doch nioht lange I Hau ab ••• 1Halt, Dorka.a, Moment mal, Moment
Dorka.al Worennat du denn hin? Hast du denn alles gehört? [mal!
'üg also weiter hinzu ••• Hm - 's ist doch wohl besser ••• Ach, Unsinn I
Sag überhaupt nichte ..• 1 Nur daß ... Richt ihr das alles nur aus I
laß du mir ja niohte vergiBt I Du hast alles zu sagen ••• 1Doch - Dorka.a,
warum sohiok ioh dioh denn? Laß nur, ioh gehe gleioh mit.

Festvorbereitung
'ier ist die Anzahl der Zecher, und jeden begleitet sein MAdel:
macht also acht; da genügt wahrlich ein Chion doch nioht.
Antbologia Graeca V

1TaISCxpIOII, ßaSlaas 1TPOs 'Apl<TTIOII Ehre .0 1Tpc;,.OIl


f\IlISEES 1TEIl'flal' XOVS yap (VElaI Svo
äacpaM(0)5, olllal 5', 6"T1 Kal1TMoII. eXhAa .poxa~E·
c::.pas yap 1TelllT"TT\S 1TO:II"TES &epol~01lE6a.
f Suid. s. 1I1i16<zfo,SI/IIIiISE~ Bouhior ..fIalsl/Su<.> Suid.

184 (183). MEAEArpOy


-Ey"c;.)", ov Il' P-aSES.•1 &OVS; ov YO:P llE 1.V,11eas'
(Yllc;.)l1· Il11Khl vOll öllllVE' 1TO:II"T' (llaSoll•
• ao.' TJII, .ao.', l1TlopKE; 1l01l11 aV 1T6:ÄIII, 1l01l11 wlloTS;
W .01.Il11S, Kai IIVII, viill E"TI CP11al ,,1l01l11 " •
oli)( 6 1TEpIßÄE1T"TOs ae KAec;.)1I •.. ; Kali Il'; •.••1 5' &1TEI1.c;,; I
fppe, KaKOll Kol,."S 611p101l, eppe 'O:xOS.
Kahol aOI Swac;.) TEPlTvf\1I XO:plll' 015', 6"T1 ßOV1.EI
KEillOIl opäll' CXÜ'rov SealllOS cIlSE \lEVE.
I nae' Ean ... 06iova' pI S TcxiJ-rTj1/ PlI! 1i0"'1S .:m:xAl pI 5 GE lO.i<'>1/ Chardon
w,alol/ 1/
äml},~ Seidler -EIS<.>.

186 (184). AIKAHnlAAOY


Eis ä)'opall ßaSlaas, ll11Ilt'\,PIE, .pETS 1Tap' 'AllvII"TOV
y1.avldaKovs alTEI Kai SEKa cpVKISla
Kai KVcpas KapiSas (äpI61lt'\ael Se aOI CXÜ'r0s)
etKoat Kai .hopas SEVPO 1.aßwII äTTIeI.
Kal1Tapa 9avßoplov fx>S(IIOVS ~~ 1Tp6a1.aßE (1T1.OXIlOÜS)
Kai Tpvcpepall 'axEc;.)S lll1Tap6S~ K&ÄEaOIl.
S Sald. s. KVtOs 5 POlt ll"p6a},apE 8upplet ll"},0XIiOUs Reiake, ll"Mt<Tas Jac., a1ü aliud.

186 (186). nOIEIAmnOY


Mt'\ llE SOKEI m6allc;,s &1Ta-räll SaKpVOlal, <1>IÄallll.
olSa' cplÄEiS yap 61.(0)5 ovSElla llei~OllllloV,
.00.011 oaoll 1Tap' lllol KElCÄlaal XPOIIOII' EI S' gTEPOs ae
eIXE, cpwill 0:11 ECP11S llEi~oll lKEillOIl lllov.
App. B·V 52. - Tit.: 66T\},oll App. I S6KPVGI PApp. em. Bothe "1iEn;OI/ tK- c
11. lClivol/ pI KEII/Ol/ 11. App.
Anthologie. Gre.ece. V 355

1eh zu Aristios, Junge, und sag ihm, er schicke zunä.chst mal


uns ein Halbes noch her; zwei Kannen sind wohl darin,
~ber vielleicht auch noch mehr. Nun hoppt Und daß du dich sputest!
Denn so um elfe herum ist die Gesellschaft schon da.
P08eidippos

Sturm mit Flaute


{ta.r ist's! Dich hab ich durchscha.ut. Laß die Götter weg! Glaubst du,
du täuschst mich'
Klar ist's! Laß deinen Schwur! Nun ist mir alles bekannt.
Das also war es, du Fa.lsche. "Allein'" Du schläfst "ga.nz alleine" !
Frechheit! Sie sagt es noch mal, sagt es nun nochmal: "Allein"!
[st nicht das Stutzerohen Kleon .•• Und wenn ... Doch was droh ioh
noch lange?
Pa.ck dich, du Schlange im Bett! Pa.ck dich hinweg hier! Und rasoh l
~ein - da täte ioh dir gar einen Gefallen. Ich weiß schon:
möchtest ihn sehen .•. Du bleibstl Hier als Gefa.ngne bei mir!
MeleagrOB
Einla.dung
3eh zum Markt mal hinüber, Demetrios! Kauf bei Amyntas
drei Glaukisken und zehn schimmernde Meeräschen ein.
Nimm auch Heuschreckenkrebse, die krummen, zwei Dutzend - gib
Obacht,
daß er sie vorzählt! - und komm gleich da.nn mit allem zurück.
Laß bei Tha.uborios noch sechs Rosenkränze dir geben,
ja. - und - so im vorbei - la.d auch die Tryphera. ein.
A8klepiadu

Komödie der Tränen


Meinst du, Philo.inis, du könntest mit rührenden Trä.nen miCh täuschen 7
0, ich weiß schon, du liebst niemanden heißer als mioh -
nämlich solang du bei mir liegst. Doch wenn dich ein andrer besäße,
0, dann liebtest du ihn sicherlich - hcißer als mich.

POBeidipp08
Antbologi.a Graoaa V

187 (188). MEI\EArpOY

Ehd AVKCXIIIISI, ~opKäs' ,:IS', Ws trrIT1lICTO ,IMXiao


iI'-c.>S· OU KP\moEI n'-acrroll fpc.na XpOIIOS."
PI VU 18 t.611 r; App. B-V 63. - • ,Iwl Jao. dm 1/ IwhcTT\Ta P PI App. em. Brunak
I 6Ac.>s App.

188 (187). I\EONltAOY

0IiK c!rSnctw TOll -Epc.na, y'-VKlis' JICXP'TÜpoIJQI o:Ii'n'\v


K'Ülfplll' ~i~'-'l\.lal S' lIc SoMov Klpaos
KaI näs TE,poO\.lOI· 6ep\.loll S' ml 6ep\.lCi) I~I
cnpalCTOII, '-~~ S' o'iJS: 6aOll lo~M>II.
xc:, 6"'lTOs TOll c!r;\ITpOII Iyw, \CEI lfT'lvOs 0 SaI\.IWII,
Tlao\.lal· ~"'\.IWII S' faao\.l' c!rM~6\.1&1IOS;
• PI VU 19 t.ur. - • c!l5d PI H8Ip\Iöv ... ctrp. 8uid ••• ctrpalCTOll .I~CI\I
o ~ pa -p6A (I) PI I fyW, .... Melaeke fcrt:IIcp llao!a' ~- PI.

1811 (188). AIKI\HmAtAOY

Nu~ 1JQKp#! KaI xEi\.la, l.Iiaflll S' ml TTMIO:Sa SUIltI,


Kc!ryW 1fCXp npo6upoIS IIlaao\.lal Ü6\.1&IIOS,
Tpw6&IS Tiis 6o'-1'lS \CE I"'lS n6ect>· ou yap epwTa
K'ÜlfpIS, cm'lpOII S' lIc 1fVp6s "111 Jmos.
PI VII 10 f •• f. - Tit.: MWbypavl'1 I vdO'OIlCII P vdO'l7- 1'1_. Dübntlt 11CI1"'lS
P 'EAlv!w PL

190 (180). MEI\EArpOY

KOllO Ta nlKpOII -Epw-ros c!rKOI\.l'lTOI Ti nlllo\lT&S


ti'iMI KaI KW\.IWII XEII.IiPIOII lt'O\ayos,
nol cpipo\.ICXI; nO:IIT1J Si ,pEIIWII olQKES a~iIlTQI.
" n6:;\1 TI')II Tpuq>epl')11 IK'Ü""all cl1fo\jl6\.1&6a;
PI VU 1011 t. 73 r._ I t;~ I' I wÖVT1J ... Suid ••• ~tVTalll oIOJ<1.S P PI 01 Suid.
4lj I' fJ PlI/~ 0.
Aathologia Graeoa V 367

Schwlndlerin der Liebe


Dorkas, sag der Lykainis: Nur Talmi ist ihre Liebe,
und einer Heuchierin Herz wird mit der Zeit Ichon erkannt.

Fehde mit Erol


Stets bin ich friedlich ge"'eaen, nie hab ich den Eros beleidigt.
Kypris bezeugt es; und doch traf mich sein tückisch GeschoB.
Asche nun bin ich gewordcn, und immer noch sendet er Brandpfcil
über Brandpfeil und IchieBt rastlos die Rohre auf mich.
Ich, der Sterbliche, werde den Frevler bestrafen, auch wenn er
Flügel ~tzt, dieeer Gott. Bringt eine Abwehr mir Schuld!

Lttmida 110ft Tarem

Herz im Regen
Winter ist'., lang ist die Nacht, aehon gehn die Plejaden zur Rüste,
und ,·om Rl'gen durchnlßt, ltehe ich Wer an der Tür,
sehnauchtawund von der FaJachen ••• Ach, Liebe nicht schenkte mir
nein, einen flammenden PfeilachoßIie mir qullend ins Herz. [Kypria,
Ä,1ekpiadu

Die neue Skylla


Bittere Woge des Eros, ihr, ruhloee Eifersucbtllstürme,
und du, wogendes Meer, das meine Ständchen umbrauat:
ach, wo treibt ihr mich hin! Verloren das Steuer des GeistesI
Soll ich Ichon wieder einmal Skylla, die lockende, sehn f
JleleagrOl
ADthologla Or.eo. \'

191 (190). TOY AYTOY


wAcrrpa KCXl " ,JJJpc.xn KQ).öv cpalvovaa lü,1\"'l
KCXl Nv~ KCXl KWjKt)V oVlJlTMIIOV 6pyaVlov,
&p6: YI TTtV ,~aO'WTOV tr' tv KOI'Ta\O'IV O:ep1\O'w
6:yPVlTVOV AUxIKf) lToU' 6:1T05vpolJi"'lV;
1\ TlV' 'X" cNyKOlTOV; trrllTpoeupolal lJapO:\IQS
56:KpvalV h<51\aw TOUs ldras CTTE,avoVS,
Iv TOS' IlT1YpO:ljxxs· "KVrrpl, 0'01 MIMaypOS, 0 IJvcrrl1S
a&;v KWjKt)V, crropyi\s O'KiiAa Ta5' IKpllJaae."
I c!aTpat pI 4 ~II P em. Jac. • bclil'law Salm. -ocq 8 cnop~ c -yas PI.

182 (191). TOY AYTOY


rVIJlI1'Iv fJv 1af51JS KaUlO'Tlov, er, ~1II, ,1\0'ElS'
,,"HUaKTal 5nr).oüv yp6:1J1JQ !vPI1KOa1wv."
PI VII 21 r.69 r. - I )'VlIvillI P PI [oorr. ID -IIÖIIJ.

193 (192). älOIKOPläOY


'H TpVfEp1\ IJ' 1\ypevae JO.!W Ta yaMKTw', "A5wVl,
Til cril KO\fI<XIJi"'l crr1\8Ea lTavvvxl51.
11 5Wael K&pol TaVTl}V XO:plV, fJv O:1TolTwVaw,
1J1'\ lTpofO:oElS, O\iIJlTAovv oVv J.lI ~v O:yhw.
I TC y~' Reiüe 6yaA 6Imv' pI 6yaA mmll' 0 :a ftll 0 ftll PI.

194 (193). nOIElämnOY ft AIKJ\HmAäOY


AliTol TTtV c!r1TaA1'\v Elp1\vlOV d50v "Epc.mS,
KVrrPl50s IK xpvaiwv IpXOlJlV01 eaAalJc.>v,
IK TplXOs 6)(p1 lT05&;v lepov eaAOS. ola TI Aliy50v
yAV1TT1\v, lTap8Evic.>v ~PleolJi"'lV XaplTc.>v.
KCXllTOUoUs Tm Xepalv trr' f\leiolO'1V OlcrroVs
TÖ~OV lTopfvplT)s ~KaV a,' O:p1TE50"'lS.
PI \'11 22 (.69 r• - 1-4 oklt '1( . . . Suid •• Aliy6111a 4 XaplTCoJI/ P Suid. 8aMqu.w PI
1-1 SuId ••• 6pm~ (om.. TÖn ... ,...e.] • ftlClll Sald.
Anthologi& Gr&eo& V 359

Zweifel
Nacht und Sterne und Mond, der strahlend den Liebenden leuchtet,
du auch, mein kleines Gerät, d&8 sich den Ständchen gesellt,
werd ich mein lockeres Lieb wohl schlaflos im Bette noch finden,
während sie dieses und d&8 seufzend der Lampe erzählt 1
Huht ihr ein andrer zur Seite ••. ? Dann bind ich im Hausflur die Kränze,
die meine Tränen verdorrt, als eine Bitte noch an.
Eines nur schreib ich dazu: "Dies, Kypris, hängt Meleagros,
Myste der Ständchen, als Rest einstiger Liebe dir auf."

Der Doppelbuchstabe
Solltest du, Wandrer, einmal die Kallistion nackt sehn, dann sagst du:
"Hier ist der doppelte Laut der Syrakuser vertauscht."
Mcleagroa

Dann sterb ich gerne


Kleo hat mich betört, als d&8 wonnige Mädchen den weißen
Busen bei deinem Fest nächtlich, Adonis, sich schlug.
Will sie mir, wenn ich verscheide, den gleichen Gefallen erweisen:
ohne Bedenken, dann nimm gleich auf dem Schiffe mich mit.
DioBl:oridu

Pfeilregen
Liebesgötter, die Kypris' goldschimmernde Hauaung verließen,
sahen die holde Gestalt dieser Eirenion an,
sio, vom Kopf bis zu Fuß eine heilige Blüte, ein Bildnis
wie aus Marmor geformt, sohwer von jungfräuliohem Reiz.
R&8ch erfaßten sie da die purpurne Sehne, und sausend
schwirrte in Wettern ihr Pfeil jählings den Knaben ins Herz.
Poaeidippo8 oder ABklepiadea
360 Anthologia Graeea V

195 (194). MEAEArpOY


At Tplaaal XaplTES, Tplaaov crrecpavc.>J,la av\IEVviii
ZT)lIocpIÄ<jt, Tplaaäs aVJ,lßoÄa I<a:ÄÄoaVvcxs,
ä J,lEv hrl XPc.>TOs 6eJ,lEva 11'660v, ä S' hrl J,lOpcpäs
iJ.1EPOII, ä Se ÄOYOIS TO yÄVl<VJ,lv6011 hros.
I Z'lv",D.av 0 /I Tplaaäs lWisko -ä 3 fI IIlv et 1I0pti'\S 0 4 cl< add. Gruter.

195 b
T plaaal<lS EvSalJ,lc.>v, as I<al KÜ'rrpIS 6)11'Älaev EVvaV
I<al nel6w J,lv60\JS I<al yÄV1<V K<XÄÄOS wEpc.>S.
Ep. 1911 et 196 b, lunota in P, segregaT. Jahn 1 TPlaac!tKI, cnO 51 lI/lVas Kai P em.
Jao./1 KwplS Jao. -IV pi -11)os o.

1116 (196). TOY AYTOY


ZT)lIocpIÄ<jt I<<XÄÄOS J,lEII wEpc.>S, oVyt<OITCX Se cplhpcx
KÜ'rrpIS ~Sc.>l<EV Ixelll, a\ XaplTES St Xaplv.
PI vn 23 1.69V • - I Z'lv",l"a P.

197 (196). TOY A YTOY


Nal J,lcl TOV ewÄol<aJ,lov TIJ,loiis CPIÄ~pc.>TCX I<II<IIIVOII,
val J,lvp611'VOVV ~T)J,lOiis XP(;)Ta TOV WV<X11'<lTT)V,
lIal11'<lÄIV 'IÄlaSos cplÄa 11'cxlyvla, val CPIÄayPV11'IIOIl
ÄVXVOV ~J,l(;)v I<OOJ,lc.>1I 11'6ÄÄ' hnS611Tcx TEÄT),
ßCXlOV Ixc.> T6 ye ÄElcp6EII, wEpc.>S, hrl xelÄEal 11'IIEVJ,la'
EI S' ~eEÄEls I<al TOUT', el11'E, I<cxl ~l<11'TVaoJ,lcxl.
PI \'11 24 f.69 v. - I Suid ••. K(KIVCS 1Il\nr"OKcl<iwu Stadtm. -6KQI10V 1:> PI EÜip<o)Ta
Suid.11 K(KIVOII Suid. I val Schäfer Kai 4 lTO"'-ä 1TI6VT<X 11"''' P PI em. lIerwerden
11 'lMOIlQ A. Ohr. Meineeke TpaOllQ 8 5' P y' PI.
Anthologi .. Gra.oa& V 361

Dreifaches Geschenk
Still in Zenophiles Bett in holder dreifacher Schönheit
schlummern drei Grazien, die ihr dreifache Reize geschenkt:
eine dem Leibe Verlockung, die a.ndre den Formen den Zauber
und die dritte dem Mund süßes, betörendes Wort.

Ein gleiches
DreimaJ selig die Frau, der Kypris das Bette bereitet,
Peitho die Worte geschenkt, Eros die Schönheit gebracht.
Anonym

Ein gleiches
Meiner Zenophile ward der Zauber des Bettes von Kypris,
Schönheit von Eros geschenkt und von den Chariten - Charme.
Meleagr08

Verliebt in die Liebe


Hach, bei den Loclten der Timo, die wonnig zur Liebe begeistern,
Demos duftendem Leib, der um den Schlummer mich bringt,
hach, bei dem neckischen Spiel der Dias und bei der Lampe,
die meine nächtliche Lust wachend so oft schon gesehn:
nur noch ein Restchen von Atem ist mir auf den Lippen geblieben;
Eros, willst du 8.uch dies, sag's, und ich spei es hinweg.
MeleagroB
362 Anthologla Oraeca V

188 (197). TOY A YTOY


OV 1f).OKQlJOV TIIlOÜS, OU aavScV.ov 'H).IOOWpas,
oiJ TO IlVp6ppaVTOV /1Tlllaplov 1fp68vpov,
oiJ T~pOV 1lE16TlIICI ~60s 'AVTIICMlcxs,
OU TOIis 6pTI8cWts /16)po8tas CTTICPC!CVOUS,
OIildTI 0'01 qJaphPTl (yAaqJvp1'\) 1TTI!POeVTCXS lllCJTOVS
1Cp\i1rTEI, "Epc.>s. 'v '1lO11fana y6p ~ !W-Tl.
c: EIs 'H;\lo&;,pav, TIIibpIOll, 'AlITlWlav, äwpo8lav. - I TIIIOOs P ä'lPGOs Bruack
I ä'lllQPlou Oraefe TllIQPlou I y1.a,. add. 8tadtm. • 1CpU1rm Salm. -EIS.

199 (198). Hä YAOY


01VOS KaI1fpo1r6asIS ICaTIKOhllaav 'AyAaovflCTJv
al 66AICII Kai fpc.>S 1'\61is /) NlIcay6j)E6),
i'is 1fapa KVlfPl61 TcxVra IlVPOIS fTt 1fana Ilv6&'Jna
ICEIVTal 'lTClp8Ev(6)V VypO ).äqJVpa 1foec.,v,
aävScV.a KaI ~, IICICJT&'JV i1I6\iJlaTcr, IlITpCII,
ÜlrVOV Kai aKVAllwv TWV TOn IICIPTVpla.

8\adtm. 11 &ve6p..8"""'"
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200 (199). AäHAON


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201 (200). AäHAON


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An~bololla Oraeoa \' 363

Eros ohne Pfeil


Nein, bei dl'r Locke der Timo, beim Schühchen Heliodoras,
bei Demariona Flur, drinnen von Düften es wallt,
bei dem liehelnden Mund und dem strahlenden Blick Antikleias
und bei Dorotheaa stets friaohem und blühendem Kranz:
Eros, dein Köcher verbirgt in seinem Bauche nicht einen
II&UlIenden Pfeil mehr, du hut alle verachOlJllen an mich.
Md«Jgroa

Beweisstücke
Wein und listiger Zutnlllk und, ach, des Nikagoras süOo
Zirtlichkeit wiegten zuletzt Aglaonike in Schlaf.
Und nun brachte sie KypriB die Beute, die ma.n dem jungen
liebenden MAdchen geraubt, feucht noch von Myrrhe getränkt:
Sohlen und diese zarten, den BWJen umht1llenden Bänder
als die Zeugen des Schlafs und - der GewalttiLtigkeit.
Hedyw.

Finale der Nachtfl'ier


Dieses gelbe Gewand, die dunkll'n KrAnze aus Efeu
samt den Binden, die noch duftend der Balsam erfüllt,
bringt Alexo dem süßen Priap mit den lüsternen Augen
ala ein Erinnrungageachenk heiligen nichtIichen Fests.
Allonym

Herz zahlt Steuer


Wonnig verbrachte Leontia beim goldigcn Sthenios neulich
bis zur schimmemdl'n Früh Ichlaflos die Stunden der Xacht.
Darum brachte 8ie Kypri8 dies Barbiton, du mit der Musen
Hilfe 8ie spielte, hil'r dar - eine Erinnrung der Nacht.
Anonym
AD'bolosla Oraooa V

201 (201). AIKAHnlA40Y " nOIEI4mnOY


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203 (101). AIKAHnlA40Y


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20& (203). MEAEArpOY


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Anthologla Graeoa V 365

Derby der Liebe


Diese purpurne Peitsche, die schimmernden Zügel hat Plangon
hier an dcr Halle im Schmuck herrlicher ROBBe geweiht,
da sie die wilde Philainis im feurigen Ritte besiegte,
just 0.18 abends der Schrei wiehernder Füllen erseholl.
Gib ihrem Siege darum helleuchtenden Nachruhm, geliebte
Kypris, und laß ihren Dank stets in Erinnerung sein•
.A8klepiades oder P08eÜU'[J1JOI

Ein gleiches
Kypris, Lysidike bringt dir den Stachel des Reiters, den goldncn
Sporn vom schimmernden Fuß; hat sie doch oft schon damit
rücklings liegende Rößlein zum Rennen getrieben. Sie selber
färbte als Rößlein kein Blut, da sie stets leicht sich gerührt
und bis zum Ziele des Ritts keines Spornes bedurfte. Drum weiht sie
dir dies goldne Gerät hier an dem mittleren Tor.
.A81depiades

Alte Fregatte
Hübsch war Timarion einst, eine schnittige Jacht; heute rudert
Kypris umsonst sie, sie macht nicht diesen Kasten mehr flott.
Krumm wie die Gaffel am Mast ist im Rücken ihr Rückgrat geworden,
grau ist ihr Haar und schlappt gleich einem wackelnden Stag.
Flatternd hangen die Lappen der Brüste, zwei schlotternde Segel,
llild von dem Schlingern bekam Rillen und Risse ihr Bauch.
Leck ist am Kiele das Schiff, im Frachtraum gluckern die Wasser,
und von dem ewgen Gestampf zittert und bibbert ihr Knie ••.
Wehe dem Armen, der lebend das Deck dieser alten Fregatte
wagt zu besteigen, sie fährt stracks ihn zum Aeheronsee.
Meleagr08
Antbololl& Or&oo& V

20!1 (204). AOHI\ON


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!Oe (203). I\EnNI60Y


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207 (206). AIKI\HmA60Y


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PI "11 2Ii f.60 v. - I "AWlOII PI I eNToiS r la om. P 4 KOIT~ Tias PI.
Anthologie. Gre.ooe. V 367

Der Za.uberkreisel
)ieser Kreisel der Niko, der Minner weit über die Meere
und aus dem Hochzeitsgemach Mä.dchen zu locken versteht,
Lerrlich bekleidet mit Gold und leuchtend geschnitten aus lichtem
Amethyste, sei dir, Kypris, ein teurer Besitz.
)urpurn lä.uft um die Mitte ein weicher Faden aus Wolle;
sieh, aus Larissa., der Stadt, weiht ihn die Zauberin dir.

Anonym

Die beiden Flötistinnen


delo und Satyre hier, die Töchter des Antigeneidas,
schlanke Mädchen, die stets still für die Musen geschafft,
vollten die Musen verehren. Drum gab ihnen Melo die Flöten,
die sie behende gespielt, samt der Kassette a.us Buchs.
latyre aber entbot als Freundin der Liebe die Syrinx,
wachsverbunden, die nachts oft sich den Schwärmern gesellt,
ino süße Schalmei, mit der sie voll Ruhe die Näohte
vor der verschlossenen Tür bis an den Morgen verbracht.

Leonidas von Tarent

Deserteure
litto und Nannion hier in Samos marschieren zu Kypris
nicht nach der Göttin Befehl; schlecht ist und unschön ihr Weg •..
Ierrin Kythere, 0 gieß deinen grimmigen Haß über beide,
denn sie sind von dem Bett, drinnen du herrschst, desertiert.
A8klepiades
ADlbololla Ora.ca V

208 (207). MEI\EArpOY


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209 (208). nOIEIAmnOY ,. AIKAHnrAAOY


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NllcoOv Iv xapo1fOIs KVIJ(XCJI V1'\xolllV1'\v'
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EÖXal Tas 1CE1V1'\S eO~ rn' fll6vos.
PI VII 119 f. '13 v. - PoIiclippo trib. PI I crilII Jao. ." P Iv PlII1fOfdllOll alBe PI
wop' 111M 6i P em. Jao. • NIICOÜIIJac. -oOs I/IIIlXOIIMlS 1'1 '1CCIIO\Iivous P PI _.
J. O. SabJJ.eider 1/1MIP PI.

210 (209). AIKAHnrAAOY


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-n\KOIIQ1 Ws ICT\JXIs 1f6:p 1fVpl, K6c).).os ~v.
Eist iJD.cnva, Ti TOÜ1o; KaI6v8~' äAA' &TE ICElvovs
8a).\fIWllEv, ).6cJmova' Ws ~ K6c).\JICES.
PI VII 26 f. 69 v. - I 6i 0 PI om. pI '6J\A' &11 ba!lllOUS PI [T lupra &11) 6J\Acrr6
ICIIIIOII 1'1 6J\Aele Tele IIIIIIIlS 0 em. Jao.
ADtbololia Graeoa V 369

Liebe zur Frau


Nicht nach Knaben, Eroten, verlangt mich 's im Herzen. Erfreuen
BOll mich ein Junge, der wohl nehmen will, nicht aber gibt?
Wäacht eine Hand nicht die andre' Ich will nur ein reizendes MAdell
Laßt mich mit MAnnern in Ruh und ihrem mlnnlichen Griff I

Meleagro.

Warme Liebe aus kaltem Wasser


Kypris von Paph08, Kleandr08 erblickte an deinem Gestade
Niko, wie sie des Meers blaues Gewoge durchschwamm.
Jäh erfaBte sein Herz die Flamme der Liebe; da zog er
von dem befeuchteten Kind trockene Kohlen sich zu.
Schiffbruch erlitt er zu Land; doch ihr, die in Wogen sich wagte,
sohenkte ein sicherer Strand treulich gelinden Empfang.
Nnn aber bindet sie heide die gleiche Sehnsucht: ihm wurde,
was er am Ufer um sie betend begehrte, erfüllt.

Schwarze Rose
Didyme hat mich erhascht mit ihrer Schönheit; ich schmelze
wie am Feuer das Wachs, &eh ich ihr hübsches Gesicht.
Wenn sie auch schwarz ist, was tut's' Schwarz ist auch die Kohle, doch
leuchtet sie auf und gleicht blühenden Rosen an Pracht. [brennt sie,
370 AnthDlogie Graece V

211 (210). nOl.l:I6mnOY


AäKpva KaI KWj.IOl, Ti 101' 1yE1pETE, lTpl" lT65as &pw
IK lTUPOs, EIs hip'l" K\rrrpISos &vePaKITJ" ;
My'" S' o<irrO'T' Ip"'Tos, &&1 Si j.IOl te 'AfPOSlT1lS
~yos 6 1011'\ Kpl"",,, KalvOll IiyEI TI n680s.

PI VII 120 r. 73 Y. - • 5axpva IlAv Kai P 11 ~ PI ,!np'l pi aJPIJ c [a<1<1. 4pall


• Kalvo!w 4yt1 TI Brunck KOI\lbV 4yoVTI.

212 (211). MEAEArpOY

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213 (21ll). nOIEI61OnOY

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•Im Si OTIl.IIito", 1.IE6V"'' 6T1 Kai Sla ~"'1T(;)II
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2101 (213), M EAEArpOY


IcpalPlaTall TOll ·EP"'Ta TpilP"" aol S', ·H).IOS~pa,
~I TO:v .11 Ij.IOl 1Tw,).01oll1/all KpaSla",
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~IIfICXIS, OÖK otu", Tall &1T~alaTpo" V~PI\I,

I ~" KpU61'l1l pI em, c, 01 ä1raMnoTipav l' em. Bouhier,


Anthologia Graeca V 371

Kuhlose Liebe
Tränen und fröhliche Feste, was stoßt ihr mich, der ich soeben
erst dem Feuer entschlüpft, wieder in Kyprias Glut?
Nie will die Liebe mich laasen, und ewig streut mir der launisch
waltende Eros aufs neu Qualen von Kypria ins Herz.
P08eidippos

Laßt mich los


Ewig klingt mir und singt mir die Stimme des Eros im Ohre,
süß und leise vergießt Tränen der Sehnsucht mein Aug.
Ruhe nicht bringt mir der Tag, nicht bringt sie die Nacht mir, und
drückte die Liebe bereits mir ihr Gepräge ins Herz. [sichtbar
Ach, zum Kommen versteht ihr die Flügel zu regen, Eroten:
fehlt euch denn völlig die Kraft, wieder von hinnen zu gehn?
Meleagr08

Liebesanmeldung
Ist schon bei PythilLB einer, dann gehe ich wieder; doch schläft sie
hier alleine, beim Zeus, ruf sie mal eben heraus.
Sag ihr als Zeichen: "Er kommt besäuselt und mitten durch Räuber,
nur von dem mutigen Gott Eros als Führer betreut."
Poseidippos

Spiel mit!
Ba.ll spielt Eros bei mir. 0 sieh, nun wirft er mein eignes
Herz, dlLB im Busen mir schlägt, Heliodora, dir zu.
Nimm den Eros als Partner! Und laß mein Herze nicht fallen!
Ich ertrag's nicht, - und, Kind, Spielregel wäre das nicht.
Meuagros
371 AD&bologla Oraaoa V

1111 (2It). TOY AYTOY


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KollllaoV al6ea6&ls Moüaav film. lKhlv.
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~ov, &1 6' W il!Ol 'TTTaVa XWVTa ~T\,
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y~': ,:Epc.nos 6pa, ~illE, Illa\~vlav."
PI VII!7 1.0'1'. - 10 P bio [pa) e& polt XU 19 [pb). Poadlppo trib. PI • 'HAlO>
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pa' 41n'1)VCl1 pb PII!fW.ll: 1IiA'l pa' 1411 pb 111 reLI!KTlIlIfIS PI/l~.. 'II'po-
UvTcr Oll PI,. 'll'pocn- pa' fCoWIOvT' tm TV~Co) pb 8111alfOlllcr.. pa1_I'l" oa pb PI.

218 (116). ArA910Y IXOI\AITIKOY


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Ipyov y6:p Tl yvval~lv Ö'TTEPCP1aAovs ä8epltllV
Kai KaTaKaYXatelv TWV 6yav OIKTPOTO:TCI)V.
ICEIVOS 6' faTlv c!p1aTOS &pc.mK6s, as
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1'1 VII 28 1.09". - I x~ PS ••• CTny. Sukl. .. cmycrw:nrpov 168poI.
z;n.. pt.

217 (218). nAYI\OY III\ENTIAPIOY


XpvcnOS lilf!aliaTOIO 61h1!ayev 0:1l1Ja KOp11as
ZNs 61a61is Aavaas XcU.~6:Tovs 6cU.6:I!ovs.
cpaJ.l1 MyEIV Tbv \.I06oV fyw T6:& ...X6:Ncea VlK9
TEIXEa Kai 6EaI.IOIis ){PVaOs 6 ~c.JP."
)(lM700; ö1.ovs jWTi1~, 61.as tV..T\iSas WyxEl,
XPuaOs rnlyv6:l!'TTTEl TO:s ao~poßMcpapovs'
Kai Aavaas tAliyCl)<nV ~e epptva. 1l1'! TlS IpaaTQs
Alaata6(1) TIacplav, apyliplov 'TTaptxCl)v.
PI VI129 1.0'1'.- • Suld'''IIOfIIIas,I-h. 6!ll\CITcrct KGatcw,lII. ~PIS, 7 ••• fPIIIcr
.. IAUywow e& ~ «nlXICl P ••• 'II'l8cr PI I tm~ P 7 ~ Suld.
Antbologia Ora.ca V 373

Die Grab.uhriCt.
Stille mir, Eros, ich flehe, die Sehnsucht nach Heliodor&,
ehre der Muse Gehet: Gib mir den Schlummer zurück.
Dei deinem Bogen, 0 Gott, der nie einen andern getroffen,
der den geflügelten Pfeil immer auf mich nur geschnellt,
wahrlich, auch wenn du mich tötest, dann laß ich aufa Grabmal noch
..Siebe, 0 Wandrer, dies hat Eros, der Mörder, getan." [schreiben:

Schule für Freier


Hat dich die Liebe erlaßt, laB niemala im Herzen den Stolz dir
völlig zerbrechen, gib nie winaelndem Flehen dich hin.
Halt mit geme880ner Ruhe dein Fühlen am Zügel, trag immer
hoch deine Stirne und laß sparsam die Blicke ergehn.
Denn ea ist Sitte der Frauen, den prahlenden Mund zu verachten
und zu verspotten den Mann, der zu empfindsam sich zeigt.
Der ist der Beste darum im Lieben, der atets mit empfindsam
zarter Gesinnung ein Stück männlicher HArte verknüpft.
AgatAi46 8c1&ol41tikoB

Die Danaimythe
Gold wurde ZeU8; 10 drang er in Danaia eherne Kammer,
wo dem jungf'riulichen Kind drauf er den Gürtel gelöst.
Diese Mythe besagt, 10 will mich bedünken: .. Auch Ketten
und einen ehernen Turm zwingt das allmichtige Gold."
Gold macht aämtliche Bande, macht dmtliche SchlÖ88er zuschanden,
Gold macht selbst eine Frau sprödesten Sinnes gewillt,
hat auch der Danai Herze gebeugt, und kein Liebendtsr IOlIte
drum noch zu Paphia flehn, wenn er nur Geld bieten kann.
Pa1do8 BiltntiGrioI
374 AnLboloBia Graeca V

218 (217). ArA810Y ZXOI\AZTlKOY

TOll ao~II TTo)Jllc,wa. TOll Iv 8vIlt).1JC71 MEvO:IISpoV


KIilpaln"a n.~ Tfls äA6xov 1Ti\OKclIlOVS.
61Ti\6TEPOS TToi\I!IlWII 1l11l1'!acrro. Kai Ta 'PoSQII6TlS
~aTpvxa 1TallT6i\1l0IS XEpaill o.Tllacrro,
Kai TpayncolS lr)(UaC71 TO KCr.>llllCOII Ipyoll OIlE1'fIClS. ,I
IlclaTI~ jXrSllliis &fIEa 6r}i\VTipfJS.
~~ Tb ~. Ti yap TOaoll fli\\TE ICOUPTJ.
EI llE KCXT01KTIlpE1II flGEM TElp6IlEVOII;
axhi\IOS' ÖIlfO'ripovs St SlhllcxyE. IlixPI Kai aVToii
ß)JIlIlCXTOS 'VaT1'taas af&o1Ta ßaaKalllTlII. In
äAi\' IIl1TTJS TEi\I!&r1 .. MlaouIlEVOS'" aVTap lywYE
.. 6ÖaKoi\OS". OIJx 6p6wll Tl'tll ..TTEplKllpollillTJ""·
PI VII 30 f.68 v. - I y"~ P .~ PI em. 8cIaJ. 4 ~a P' '-lIlJixpl ...
Suid ••• altcnra 12 nEp-1Ihnl1l pi.

219 (218). nAYAOY IIAENTIAPIOY


Ki\iIflWIlEII. 'Po561TTJ. Ta CPIi\';llcrra Ttill T' ipaTElvflv
Kai mplSTlP1T1'!v KwplSos ipyaalTlv.
"'Sv i\cx&rl11 CPVi\äKCr.>II TE 1Tavaypla Kall6011 äAu~al·
f6>pla S' ÖIlcpaSlwII i\itcrpa I'Ei\IXp6TEpa.
I ~plTlllI Mau -&)PI TtlII pi .al\pnov c 4 Bukl. •. tciJpta.

220 (219). ArA910Y IXOAAITIKOY


EI KaI \IÜ\I 1TOi\I1'! Kai TO &ai\VKpoII
C71I KaTEUl/aaE
Klll/O KCITTJ~i\1iv6Tl
QIITpoll ipColIlQIIITlS.
~ er, Ki\E6~i\E. 1T6&ovs lIEOTT!TOS hnyllOÜS
\IÜ\I KaI rnolKTIlpElII btri\crripc.>11 6SVvas.
IlTJS' hrl T01S ~IS KOTU1II Illya IlTJSf ICOllclWII 6
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Antholugl .. Gruca \' 375

Thuatcrhcld
Keck war Polemon wohl; in dem lustigen Stück dcs Menandr08
schor er dt'r eigenen Frau G1ykera gröblich das Haar.
Jetzt aber ließ sich aufs neu ein Polemon sehen; mit frechen
HAndcn schnitt er das Haar meiner Rhodanthe vom Haupt.
Ja. er macht' aus dem Lustspiel sogar eoine tragische Szene,
da er dem zartesten Kind grausam die Glieder gepeitscht.
So straft Eifersuchtswut! Was hat denn das Mädel verbrochen,
wenn sie sich meiner in Not gütig erbarmen gewollt?
Unmensch! Nun trennte er UDS, und damit wir uns nicht einmal sehen,
stellte er zwischen uns zwei funkelnd die Eifersucht auf.
Wirklioh, er spielt den ..Verhaßten", ich selber aber den ..Griesgram",
denn nun kann ich nioht mehr meine .. Gesohorene" sehn.
Agqthüu 8chokutikoa

Wir &tehlen uns die Liebe


Rhodope, laß sie uns stehlen, die Küsse. Laß es uns stehlen,
Kyprias köstliches Werk, das nur mit KAmpfen gelingt.
Wonnig, verborgen zu sein vor den spAhenden Blioken der WAchterl
Süßer als offene ist heimlioh gestohlene Lust.

Der Wüterioh
Grau wobl wurde dein Haar, stiU ward es in dir, und der alte,
heiße St&ehel der Lust stumpfte allmAhlich sioh ab.
Doch, Klcobul08, du solltest, der Jugendsehnauoht gedenkt'nd,
nun voll Erbarmen die Qual jüngerer Leute auoh sehn,
solltest 10 böse nicht sein ob aUtiglichen Dingen: zu Unrecht
hast du dem zarten Geschöpf all seine Locken geraubt.
Bist du dem armen Kind ein Antipatros einatena gewesen,
heute stelltest du dich jäh als AntipaJ08 dar.
378

%31 (ZZO). nAYI\OY ZII\ENTIAPIOY

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223 (222). MAKHfoONIOY


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~ Si 'lTapos ~VJ,It"11S 6p6c.>11 C1lcxteollTa 1lEMBP<tJ
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(PXEO S"evIlWII ~ 'lTapa KII1\JEploIS.
1'1 VII :w 1.70 r • - Ti'-: MaalSovlou <maTou PI 'fCM1oov 0 PI -aa Pi.
ADthololla Graoo& V 377

Not. der Liebenden


Aoh, wielang hehlen wir nooh die brennenden Augen und werfen
in verstohlener Glut heimliohe Blioke UD8 zu?
LaB doch die Not unsrer Herzen uns offen bekennen, und wehrt Dl&n
dann UDS das zArtliohe Band, das uns von Qualen erlöst,
helfe UD8 heiden das Schwert! Viel silBer will's mich bedünken,
sind wir für immer nur eng tot oder lehend vereint.

Paulol 8 ilemiariol

Kitharödin Ariadne
Wenn dicses Midchen einmal mit dom Plektron die Kithara rührte,
glolch Terpsichore8 Spiel klang von dcn Saiten der Laut.
Wenn sie die SUmme mit Macht zu tr&gischor Fülle gesteigert,
wie von Melpomene selbst soholl ihr vom Mundo das Lied.
Wenn in Schönheit jedooh ein Urteil orginge, selbst Kypris
wtlrde ihr welohen, und neu käme von Paris der Spruch •••
Dooh ich schweige, sonst möcht eil Dionyaos hören und plötzlich
ala Ariadnea Gemahl Eifersuoht falBen auf mioh.

Maoh lang die Nacht


Morgenstern, dränge nioht Eros und nimm von Man nioht, in denen
Nähe du weilest, es an, grausam im Herzen zu sein.
Wie du in früherer Zeit, als in Klymones Zimmer du damals
Phaithon sa.hest, nur sehr zögernd im Osten erschienst,
0, 80 durchwandle auch heute die Na.oht, da all mein Ver1a.ngen
endlioh Gehör fand, 80 lang wie im kimmerisohen Reioh.
Makedonw8
378 Aothologia Graua V

224 (223). TOY A YTOY

1\i'\~II,
-Ep6)S, KpCXSI'JS 'TI Kal iI'Il'CZTOS' d S' trn9viJEls
~III, 6Mo TI IIOU T(;)II 1II1Jc.>1I ~.

PI VII 36 f.70r. - I ~ c PI 1II1-&W pt.

225 (224). TOV AVTOV


"E?ICOS 'XW TOll (pwTa' ~I Se IlOI IAKlOS IXt:>p
5lxtcpUCII, W'TII}.i'\S OWO'I'I 'TIpaollilll'ls.
dill Kai 11( KCXK6TtJTOS äiJilXallOS, oV& MaxäwII
iI'II'Iä 1101 näacnl flrpJ.laKa &uolli~.
TilMfOs dill, tc6pt" a\; & yflllO 1I'lcrrOs 'AXI~'
lC~i alj) naüaoll TOll 11'68011, Ws !paMs.

PI VII 38 f.70 r • - S IM 0 1'1 d I'" PI.

!!:!O (2211). nAVI\OV III\ENTIAPIOV


'Ocp6a?llol, TEO Ilixpls äcp\iaant IItllCTap 'EPWTWII,
IC~OS ätcpilToV ~c.>pOTf6Tat 8paaies;
Ti'\M Slaeptlfc.>I1EII, äm:J aetllOS' 111 & Y~illIIJ
1II'l~1(1 amlaw KVtrplSI MEI}.IXI1J.
EI S' 6pa 1I'OU Kal Kl181 tcerräaxnos laa()J.lal otaT(Xt)
ylllEa& tcpUEpotS 5ätcpuat J.lVSaMoI,
11l511COII 6TMaoll'TlS 61111'6\1011' If ÖJ.IlWII yäp,
cpEO, 1TVj:0s ls T6aarj1l iI}'80I1EII Ipyaal'lll.
1'1 rUIili f. 71 r. - S ~trOl PI 7-8 8uid••• 6T).iloovns.

227 (228). MAKH.60NIOV VnATlKOY


'Hl1Epl6as Tpvy6c..>a11l ",,01011, oöS. TlS cnrn;,11
TaUs IAltcaS, tc6nTc.>1I ~pVII, tmaT~.
~a at, ";11 ~XV", 'Ili'\S ällir8'!J.Ia I1Epllllll'lS,
{,ypOlI 1IIl11'~fas 6J.I1ICXTI 5EcrpOlI 'xw
AII~bololl. Or.ce. V 3711

Sohone mein Horz


SchieBe mir, EI'OII, nicht immer den Pfeil ins Herz und die Leber.
Willst du schon schieBen auf mich, tri1f doch ein anderes Glied.
MakedoniOl

Liebestherapie
Liebe trag ich als Wunde, und ruhlos rinnt aus der Wunde
Trine um Träne das Blut; nie heilt die Wunde mir zu.
Ratlos fühle ich selbst dies Leiden, doch auch ein Machaon
hat kein linderndes Kraut, du diese Sohmerzen mir stillt.
Telephos bin ich, mein Kind; 0 sei mir ein treuer Achill08!
Sehnsucht, die Schönheit elTt'gt, wird nur von Schönhcit geheilt.
M aIc«lcmw.

Uitl Augen sind schult!


Augen, wie lange nOl"h wünscht ihr, den Nektar der Liebe zu trinken,
ihr, die 80 durstig den Wein Ia.uterer Schönheit ihr schlürft.?
LaBt uns fliehen, soweit es nur geht! Dann bring ich ein weinl08
Opfer in friedlicher Ruh Kypris Meilichia dar.
Wenn aber dort auch vielleicht die Stacheln der Wünsche mich quälen,
0, dann werdet vom Tau eisiger Tränen nur feucht,
iluldet dann weiter mit Recht und ruhlos die Strafe I Ihr wart es,
die mioh zu solch einem Herd flammenden Feuers gemacht.
Pav.lM 8ilenliarw.

Weinlese der Liebe


Weinlese hlLlt man jahraus und j&hrein, doch keiner der Menschen
kehrt an die Rebe sich mehr, wonn er die Traube sich bricht.
Dioh aber. rosige Frau, du Heiligtum meiner Gedanken,
hAlt "io ein rankend08 Band zirtlich umschloasen mein Arm.
380 An~hologia Graeoa V

Kai TPVYOW TOV fpWTa' Kai 06 otpos, OÖK fap d711I.o


oi6a IlEVEIV, &n 1101 Tl"äaa YEIlEIS XaplToov.
C:>Se Kai t)(3t'jaelas, OhOV XPOVOV' EI 6E T1S CA6lJ
hO~Os Ehl~ pVTI6oov, Tht'jaollal ooS cplMoov.

I rnuTTp- Herwerden chrOO"1'p- 4 M 1TA. P em. Jac.1I 4!llIa TI P em. Bronok


, &n Salm. hl.

228 (227). nAYAOY IIAENTIAPIOY


EITrE, Tlvl Tl"M~IS tn ß6o-rpvxoll i\ Tlvl xeTpas
cpalSpvvtels 0vV)(OOIl allcpl"TEIlOOV c!rK16a;
ls TI 6~ Koallt'jael5 aAlaveEI cpapea KOXhctl,
IlTlKE-n Ti'is Kahi'\S tyyVs IOOv 'Po66T1"1ls;
ollllaalll. ois 'Po66T1"1lV ou 6EpKollal. ou6t cpaelViis
cptyyos ISeiv l6thOO xpuaeov ·HpmOhTlS.
1'1 VII 37 f. 70 r. - I Suid. B. ß6o-rPUXOS. 5-6 066L. B. 'Hpl1ToAIl " 1TM~IlS PI /I
rn add. 0 :t opcnSpVllEIS P -III'\S Plem. ßronck 1/ oW)(wv 0>: -X<tl P :s fCJTI pI
PI fCJTI 01/ 1C017I11'\am PI " ,apET pI 6 fI p01ToAIlS PI.

229 (228). MAKHAONIOY ynATIKOY


Tt)1I Nlo(3Tlv Khalovaall 160011 Tl"0"TE ßOVKOhOS avi)p
6all(3uII. EI helßel1l 6c!rKpvolI oiSe hl6os.
aVTap lllE anvaxoVTa TO~S KaTa VVKTOs OlllXhTlv
gllTl"IIOOS EvlTrTr1l5 OÖK tMalpe hl6os.
afTlos allcpoTEpolaJV Ipoos. 0XETTlYOs alllTl5
Tij NlC!lßlJ "TEKEOOII. aVTap lllol Tl"aeEOOV.
• PI VII 38 f.7O'. - 101& 0 PI 06 & pI :s olllXAIlS pI OIlIXAIlV Plem. 0 'NIOßIl P.

230 (229). nAYAOY IIAENTIAPIOY


XpvaelTlS tpvaaaa Illall Tplxa Aoopls t6elpTls.
ola 60pnm'lTovs 6fiaell t(.1Eij Tl"aheXllas.
aVTap tyoo TC Tl"plll ~II tKayxaaa, 6ealla Tllla~al
Aoopl6os IIlEP'Tiis eVllapts olollEllos'
Anthologia Graoca V 381

'V"inlese hält meine Liebe. Kein anderer Sommer, kein Frühling


stört meine Trä.ume, nur du bist voller Schönheit für mich ...
Blühe so weiter für immer! Und findet dereinstens die Ranke
einer Runzel sich ein, liebend ertrag ich auch sie.
KoMUl Makedon.i08

Was nutzt noch Putz?


Sag, für wen noch flichtst du dein Haar? Für wen noch in Zukunft
stutzt du die Nägel und treibst sorgsame Pflege der Hand?
Wozu schmückst du dir noch den Mantel mit purpumen Borten,
wenn du doch fürder nicht mehr Rhodopes Schönheit dich nahst?
Ach, ich will mit den Augen, die Rhodope ferner nicht schauen,
auch nicht das goldene Licht strahlender Eos mehr sehn.
PauloB Bilentia.rioB

Herz aus Stein


Als ein Hirte das Bild der klagenden Niobe schaute,
schien es ihm seltsam, daß Stein Tränen zu weinen vermag.
Ich aber stöhnte des Nachts im langen Dunkel, und dennoch
rührte Euhippe es nicht: ist sie nicht lebend ein Stein?
Quelle und Träger der Not ist für mich wie für Niobe - Liebe:
Sind es die Kinder bei ihr, mir bringt die Leidenschaft Qual.
KoMUl Maketloni08

Um ein Haar
Doris riß sich ein Haar aus den goldenen Locken und wand es
mir um die Hände, als ob sie mich gefangen im Krieg.
Anfangs lachte ich laut; die Bande der lieblichen Doris
löste ich, wie mich bedünkt, spielend und leicht wieder ab.
382 Anthologia (lraeca \'

Ws 1St ISlappfj~al aeiVOS OVK lXOII, lO'TEIIOII f)1S1'\ 5


oTa TE xa;\KE1tJ acplYKTOS 6:;\UKTomStJ·
Kai WII 6 TplaernOTI.IOS erno TPIXOs 1'!tpTT\l.Ial.
SEO'TTOTIS (116' lpvC11), TTVKIICc \.IE6e;\KO\.IEIIOS.
PI VIl 39 f.70r. - I Suid. 8. (6E1pal, 3-4 H. Tlva~al 11 XpuadllS Ludwich -aiis 11
ipvaaaa Ludw. dpliaaaaa PI dpvaaaa c Suid. dpflaaaa 1'1 :& lilas PI.

231 (230). MAKHl10NIOY ynATIKOY


Ta aTol.la Tais xaplTEaal, 1TpOac.:maTa S' äll6eal ß6:;\;\eI,
61.11.1aTa 'rij 1Tacp1tJ, TOO xepe 'rij Kl6aptJ.
av;\eVeIS ß;\ecpapCo)II cpaos 61.11.1aalll. ovas aOISij •
1TallTo6e1l ayPeVelS T;\1'!I.IOllas 1'!16eoVS.
PI VII 60 f.71 r. - I 1Tpoow1Ta TaS' P :& Tc:, xiPE Jac. "",,11 Xipa 3 C7IC\I~EVEIS PI.

232 (231). nAYAOY IIAENTIAPIOY


'I1T1TOIlEII1'\1I cpl;\iovaa 110011 1Tpoaepelaa I\eaIlSpC?'
III S~ I\eallSpelolS xel;\eal 1T1'\YIIVllell1'\
EIKolla ,",11 lall6olo cpipCo) cppeaf· 1T;\e~al.lill1'\ S~
lall6011 lS 'I1T1TOIlEII1'\II 1I0aTII.IOII i'jTOP äyCo).
1TallTa TOll {II 1Ta;\al.ltJalll allalllOl.lal· ä;\;\OTE S' ~Oll fi
al~1I al.lolßalolS 1T1'JXEal SexWllE1I1'\
acpllElI'IlI KveepElall Ü'rrEpX0l.lal. EI Se TIS f}l.Itll
IlEl.lcpETal. III 1TEllltJ I1ll1mCo) oIOYO:I1C?
PI VII 119 f.71 r; App. B-V 22 [om. 1-6]. - 4 'hnrotJ!v1l P l' ~lIElbll et wIll App.

233 (232). MAKHl10NIOY ynATIKOY


"AOPIOII ä6p1'!aCo) ae." To S' 00 1TOTE ylllETal f}l.Iill.
"'6aSos aI.lßo1<I1'\S al~1I äe~OIlEII1'\S.
TCXÜTa 1101 1\.IElpo\ITI xapl~Eal' ~a S' 's 6;\;\ovs
Swpa cpiPEIS. ll.lE6ell 1TlaTllI cXml1TallElI1'\.
"NOIf/Ol1al tampl1'\ ae." TI S' EO'TTEPOs {aTl YVllaIKWII; 5
yi'jpas aIlETP1'!TC? 1T;\1'\66\.IEIIOII pVTfSI.
:& Suid. 8. 6:iJ(Xl~la 5 tampl'l Toup -'l".
Anthologia Graooa \' 383

Doch wir reWI.e ilie Kraft, die Feasel :t.u sprengen; da stöhnt' ioh,
gleioh aJa wären um mioh eherne Bande gelegt.
Und nun hang ich am Haar, ich dreimal Armer, und gehe
überall mit ihr, wohin sie als die Herrin mich zieht.
PauWa Silentiario8

Jägerin der Liebe


Pfeile verschießt du: Dein Mund blitzt Grazie, Blüten dein Antlitz.
Liebeslockung dein Aug, Kitharaklänge die Hand.
Blind macht dein Auge den Blick, die Ohren betörst du mit Singen:
Wo auch ein Mann sich nur zeigt, fängst du den Armen dir ein.
Konsul Makedonios

Vagabundin der Liebc


Wenn ich Hippomenes küsse, dann fliegt schon mein Herz zu Leandros ;
hang ich ein anderes Mal meinem Leandros am l\lund,
trag ich das Bild des Xanthos im Sinn, und kos' ich den Xanthos,
0, dann fliegt schon mein Herz wieder Hippomenes zu.
Jeden, der grade zugegen, den will ich nicht haben; in ruhlos
wechselndem Spiele heut den, morgen den andern im Arm,
schaff ich mir still eine Fülle von Liebe. Und schilt eine Frau mich,
bleib sie im ärmlichen Reich nur eines einzigen Manns.
Paulos 8ilentiarioa

Wann ist morgen?


.. Morgen werd ich dich sehn." Ach, morgen - nie wird es zur Wahrheit;
endlos - ich kenne es gut - zieht dies Verschieben sich hin.
Ist das der Lohn meiner Liebe 7 Den anderen Minnern gewährst du
andre Geschenke, bei mir stößt du die Treue zurück •
.. Heute ( Heut abend (" Am Abend ! Was ist denn der Abend der Frauen?
Alt lind voll Runzeln zu sein - das ist der Abend der Frau.
Konsul Makedo'ltios
3114 Aothologia Graeoa V

234 (233). nAYI\OY l:1I\ENTIAPIOY


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olcrrpocp6pov nacpl1]S 6€alloll O:mllTeXllElIOS,
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ooixElia aOI t<;\llICtJ, KÜlTpl, lleaallT6Alos.
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WlI lTAtOli i'I TO lTapOS IlTtAct> Icp' 'EamplSCtJlI.
PI VII 40 1.70 r • - I (rn6 P M PI S Suid ••• &vI~~ 5 6t~o 101. 0 PI 6t~ololCX\
pi • tflcnnpI61j) Pi.

23fi (234). MAKHAONIOY ynATIKOY

YHA6€S fllOllTo6eoIJTI '!Tap' fAlTISa' TT,lI S' M 6vllij)


f~ea6:;\a~as 6A1]1I 6allßeT cpalJTaal1]lI
Kai Tpo!lfCtJ· KpaSI1] Te ßveij) lTWlll~ETal oicrrpov,
'l'VXfis lTllIYO!lfll1]S KVIlCXTI KVlTPIS1ct>.
ä;\A' Illf TOll lIavt]YOli rn' nm1pOIO cpalltlJTa G
awe TeWll AI!lfllCtJlI ~lISo61 Se~allell1].
I-I ntv ... Suid. et Zoo.•• ~oäAa~~ S Kpa611\ Jao. -1) " olerrpou 0 _PIj) pi
4 'llVIYOIIMIS Salm. 'I1'II1\Y- • oe;. tnC;;v pi em. o.

238 (2311). nAYAOY IIAENTIAPIOY


Nal Taxa TalJTcxÄE1]S 'Axep61JTla lTftllaTa lTollifis
Tj~PCtJlI äxtCtJlI Icrrlll fAacpp6Tepa.
ov yap, ISOOli ato Ka;\;\os, O:mlpYETo xel;\ea Ili~al
Xel;\ei aij) (JostCtJlI aßpoTtpct> KaMKCtJII,
T allTcxÄOS 0:KpIT6SaKpVS' VrrePTEAAOlJTa SI lThpoli
SeiSIelI, ä;\Aa 6a1/eill SeliTePOli ov SVlICXTal.
aVTap fyoo ~CtJOs 1lf1l 10011 KCXTcrrTtKOllal oicrrPct>.
fK S' 6AlyoSpa1l11]S Kai 1l6poll fyy\is €xCtJ.
PI VII 41 f.70 f ; Laur. 32,18(om. tit. otv. 3-S). - I TaVTw.I1\S Laur. I ferrlv P.
Anthologla Gra8Ca V 381i

Liebe hat das letzte Wort


Hab ioh in Tagen der Jugend mioh kühl und gefühllosen Herzens
Paphias süßem Gebot und ihren Wonnen versagt,
war ioh einet niemals erreichbar dem flammenden Pfeil der Eroten,
heute beuge ich dir, Kypris, ha.lbgrau Bchon mein Haupt.
Nimm mit Frohlooken mich hin: Heut hast du noch mehr als beim
der Hesperiden dereinst Pa.llas, die weise, besiegt. [Apfel

Paulo8 Silentiario8

Wunsch ward Wirklichkeit


0, du kamcst; ich hab es ersehnt, ich hab's nioht gehofft mehr.
All mein Dcnken und Sein ist nun in Aufruhr gebracht.
Zitternd steh ich, mein Herz ersohrickt in der Tiefe vor Liebe,
und meine Seele ertrinkt jählings im Braus des Gefühls.
Schiffbruch ha.b ich, ioh seh es, auf festem Lande erlitten:
Rette mich, Mädchen, und nimm in deinen Hafen mich auf.

Konsul Makedunio8

Der neue Tantalos


Sind nicht des Tanta.los Qualen am Ufer des Acherons leichter
a.ls die Qualen, die mir heute das Schicksal verhängt!
Deine Schönheit zu sehen und doch nicht die Rosen der Lippen
küssen zu dürfen - dazu ward er von keinem verdammt.
'fantalos klagt ohne Grund. Wohl schreckt ihn d~r hangende Felsen,
doch nur ein einziges Mal ist illm zu sterben bestimmt.
Ich aber muß mich vor Sehnsucht lebendigen Leibes verzehren,
machtlos steh ich und hab ewig vor Augen den Tod.
Paul08 Silentiarios
386 Antbologia Graeoa V

1.1' (236). ArAelOY MYPINAIOY IXOAAITIKOY


näcrav Iyw -n'I" WKTa KIWPOI'QI' N"TE 5' hrO.&tJ
6p8pos IAIIIÜCJat Illxpa Xapl~OIllIlOS,
&lleplmpITpV~oll<J\ xU-1&OIIES, Is Si 111 &cDcpv
~~I", Y).VKEp6" KWI'Q 1TCXpc0x7CpaI'CXl.
61ll-laTa 5' o'iJ Mol'Ta epvMaanal' 1'1 Si 'P0&6:v6Tls a
cN81s II-Iots rnp"ols eppol'Tls &\lCXaTpi~l.
(:) ep80I18pal1TaVaaa8& ).a).TlTpISes· oö yap Iywya
-n'I" CZ>t).oIlTl).E!TI" y).{1)aaa" &meplacI-ITI'"
&).).' "ITv).o" K1.alol"TI KaT' o(ipea Kai Y0CoITl
eis rn01TOS Kpa1l<Xl'!" cN).l" .~ÖI.lIval, 10
JXx\C!w fva ~aoliJEV' faws ~ TlS "'~I 611ElPOS,
6s 111 'Po&av8Elols miXEaI" &"'I~l.
PI VII 65 f.71r [OID. Y. &-e]. - I-I Nn ... Suld.•. tAlllÜIlI' I tAlWOcraI PI 4 p6A-
~ PI 11 l1T01IOS P alnos PI 11 ICIIWaoIllV P.

238 (237). MAKHAONIOY ynATIKOY


Tb ~Icpos IK KOMOtO Ti aVp8Tat; OÖ Ila ai, KOÖPTl.
0'iJx fva TI 1TP"'~W KwplSos &).).ÖTPIO".
&).).. fva aol Tb" •APTla. Kai &~aMo" mp IOl'Ta.
&I~w Ti5 1lcV.aKij KWPISI 1TI180IIIVO".
oÖToS 11101 1T08tovn avvil.l1TOPOS. ~ KaT01TTPOV
&eVojlCX1. I" 8' aöTit> ~p~ aöTQ" Iyc.:,.
Kall(a).bs ~ b 1pwTI' aV S' i\" &1T' "-to ).6:8f\at.
Tb ~Icpos 1'IIlITEPTlV SUancn Is ).ayova.
PI VII 61 f.7P. - • lCO(,pTl 0 PI [ex -pa] -pa pi I lCirrolrTpov P f KeIMs P [ea
IC~]. PlI/ "atflvcx\ P "uedTlS PI em. O. Schneider.

239 (238). nAYAOY IIAENTIAPIOY


'~&T\ ep).oyapoio'lTVpbs 1oIE1IOS' 0'iJtctn KCIoIvw.
6).).a KaTa8v(!aKW IJIVXOiJElIOS naepllJ.
Anthologia. Gra.ooa. V 387

Laßt mich träumen


Jammernd verbring ich die Stunden der Nacht, und naht sich der Mor·
gönnt auch dieser mir nicht, endlich ein wenig zu ruhn. [gen,
Denn dann kommen die Schwalben, und wenn mir ihr Zwitschern des
süße Erquickung verscheucht. rinnen die Träncn aufs neu. [Schlafes
Offen dann steht mir das Aug und kann doch nicht sehen; die Sorge
um Rhodanthe bedrückt wieder mir quälend das Herz.
Schweigt doch, ihr neidischen Schwätzer I Ich bin es gewiß nicht ge·
der Philomele dereinst frech ihrer Zunge beraubt. [wesen,
Fliegt in die Berge und setzt auf Felsen bei Wiedehopfs Neste
euch doch nieder und klagt dort um des Itylos Tod. [kommt
Gebt mir nur Ruhe und laßt ein wcnig mich schlummern; vielleicht
dann noch ein Tro.um mir, in dem hold mich Rhodanthe umschlingt.

AgatMa8 Schola8tiko8 von Myrina

Das Sohwert der Liebe


Zieh ich das Schwert aus der Soheide, geschieht es gewiß nicht, mein
etwas zu tun, was nie sich mit Kythere verträgt. [Mädohen,
Nein, dann will ich den Ares dich sehen l&88Cn und zeigen,
daß er, 80 hart er auch ist, Kyprias Sanftmut sich beugt.
Er ist mein Wandergesell auf dem Wege der Liebe, und niemals
fehlt mir ein Spiegel: in ihm spiegle ich gänzlich mich selbst,
schön, wie die Liebe uns macht; und würdest du je mich vergessen,
wahl"lich, dann senkt sich dies Schwert mir in die eigenc Brust.

lronsul Makedonio8

Am Eispunkt der Liebe


Tot ist, erloschen mein Feuer; Ruh fand ich vom brennenden Leiden;
alles erstirbt nun in mir unter der Paphia Eis.
388 Aatholo,la Graeoa V

1\51\ yäp llETa aäpKa 51' 6cnta Kai cppivas Ip11'EI


1Ta\1cpayov cm9\1al\lCAlv oihos 6 WlKp6s "Epws.
Kai q>Me Iv nmals, 6'TE 6Vpcrra 1TCxIITa ~aq>v~
q>op~i'is f!1Tavlll \fJVxETal aVrO\1O:rWS.
PI VII 42 f.70r. - H Suld••• 'fNx1TCll 'Kai: fI Suld. /I ~I PI Suld•
• ~I\f: ~ Suld·/lfI'll'QVl'l Salm. flIJCIVITl P PIIJCIV1'l Suld./J ~ PI.

240 (239). MAKH60NIOY ynATIKOY


TCi> xpvaCi> TOV fpc.na prnPXO\1a1' 0'iJ yap apOTpctJ
Ipya 1IE~laa6:(o)v yl \lETal i\ aKa1T6:II1J,
ÖÄJI.' (apl 5pootp~' ~IT6s ye ~v 'Aq>poyewl11S
6 )(PUO'Os -rVJee1 1TOIKI~os lpycrrlV1\s.
PI VII 82 f. 71 r. - t ~ PI -Tl P.

241 (240). nAY I\OY III\ENTIAPIOY


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&jI ävaaelp6:~(o) KCXl 1TcX).\V lXyxl ~\ICAI'
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KElvo TO IeIP1'!V(o)V y~VKEpwnpov, cf> Im 1Täaal
dalv 1\1i'is 'fNXi'is f~1TI5Es fKKpeptES.
PI VII 86 f. 71 r. - Apthiae trlb. PI t SuleI. •. &v et tblcmlpd(n, 3-4 •. 6a<nr}.~Ta,
8-7 KaI ... y}.U\C, •• Utpfl~ 4 lCaTa1I'TI\aw P f y}.UICÜTIpOII Suld.

242 (241). EPATOI9ENOYI IXOAAITIKOY


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KEIV1\ Iq>Co)l16:pnl' Tola 5' lMea Tpt\1(o)V'
..Toü aov ävaKpoüaal 5VllapalTNMW\IOS 6xf'las,
51.v..15os TtprnP1lS Tt'! 11 ~cX).a\IOV Xw.6:aas,
Anthologia Graoea V 389

Nur durch Mark noch und Bein und meine Gedanken geht Eros,
und mit bitterem Hauch zehrt er das Letzte noch weg.
So auf Altären die Glut: Wenn sie alles vom Opfer verzehrt hat
und es an Nahrung ihr fehlt, lischt sie von selber dahin.
Paul08 8ilentiario8

Gold und Liebe


Gold ist mein Werber um Liebe. Den Honig der schaffenden Bienen
hat uns noch niemals der Pflug oder die Hacke gebracht,
sondern der tauige Lenz. Und der Schaumgeborenen Honig
schafft am geschicktesten dir immer dlI8 funkelnde Gold.
Kcmsul Makedonio8

Ich komm nicht los von dir


"Lebe denn wohl!" will ich sagen; doch kaum nur will ich es sagen,
kehr ich schon wieder zurück; wiederum bleib ich bei dir.
Ach, ich kann dich nicht lassen. Mir bangt vor der furchtbaren Tren-
die so entsetzlich mir ist wie bei den Toten die Nacht, [nung,
du mein strahlender Tag. Und doch, wie stumm ist das Taglichtl
Du aber bringst zu dem Licht noch deine Stimme, den Klang,
süß wie Sirenengesang. 0, was meine Seele an schöner
Hoffnung auch immer umschließt, Liebste, es hanget an dir.
Paulos 8üentiario&

Cave canem
Als ich die Melite sah, da wurde ich blaß, denn ihr Gatte
war als Begleiter bei ihr. Zitternd nur sprach ich das Wort:
"Ist cs nicht möglich, den Balken an deinem Tore zu sprengen?
Gerne macht ich das Schloß an meiner Doppeltür auf,
390 Antholo,ia Graua V

lCCIl SIaa(;)II 1fpo6Vpc.:lII 1fM6ap""" tcpl11ft6a mpi'\aat,


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t'J Si MyEI yeAaaaaa lCCIl cMpa ;\0~611 16oüaa-
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App. B.· V .1; Pa!. Gr. 128 - Agathiae trib. Pa!. I ••• IM Huld ••• cfIxpos 11 ~II
App.1I 6:lcol~ App. -Tl Pa!. I ICdIllJ App. V IllfO\IÖpTn App. S 6Wa&JIII App. M
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P -1JS oet.

U3 CU2). MAKHäONIOY ynATIKOY


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App. B.V 36 [v. 1-6 App.JI,1-6 App.V]. -Eratoitheul trib.App. I KeNP'l1l App.V
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144 (143). nAYI\OY III\ENTIAPIOY


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Cy\lc..)S KaI SpoaepWII ""Sv 1Ii;\1 aTOIla,.CI)V·
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-rip-rrnat, fK dllllOÜS t'J1.Iias OÖK tp\lael.
Äpp. B-V 21 [Y. 1-4]. - Eratoltheul torib. Äpp. I lIwpk: ~ pI1I6&axTII;n
Ladwlah 8aIcT. pi ~ e 6' 4-rnxR;tt!pp. 4 TpayaAlc.w!pp. I hr~
BeIDIh. ~ , IIIIIV' 0 lIiv' (IIIIV") Pi.
391

gerne .teokt ioh den Bohl6aeol ine Bohl~och auoh und betri.te
deinen Hauaflur, 80 feuoht Boden und Winde auoh lind."
Sie r.ber lachte; lie warf einen Bliok auf den Gr.tten und sagte:
"Komm lieber niohtinden Flur, daß niohtder Hauahund dioh beißt I"

Fr.tr. Morgana
Naoht war's. Da sohien mir im Traum, ioh hielte mein Mädchen, das
fröhlioh zu lachen begehrt, fest in die Arme gedrückt. [immer
Alles gewihrte sie mir, und als ioh ihr zirtlich den Körper
herzte und koste, da ließ still eie auch dieaea geaohehn.
Doch ein Eros war neidisoh. Er lag in der Nacht auf der Lauer,
soheuohte den Schlaf mir und nahm aU meine Liebe mir weg •••
Sieh, so mißgöunt mir nun Eros bis tief in die TrAume der NAchte,
daß meines Herzens Begehr Freude mir bringe und Lust.

Konkurrenz der Küue


Demos KÜ88e sind weioh, lang küßt und lr.ut Galateia,
Doris hinwiederum beißt: Wo ist der größere Reiz?
Ohren steht es nicht zu, über KÜ88e zu riohten. - Und eh ioh
rauben Mund nioht geschmeckt, geb ioh mein Urteil nicht ab •••
Herz, du hast dich verirrt I Die weichen Kilaae der Demo
keDDlt du. du weißt auoh, es ist süß wie der Honig ihr Mund.
Bleibe dabei! Ihr Kranz ist unbestreitbar. Liebt einer
eine andre, mioh bringt's von meiner Demo nioht ab.
AntholoBla Graeca V

l!4:i (%44). MAKH60NIOY ynATIKOY

KIX)'I~EIS. xpel-lh!al1CX yallOV 1Tpo!<0.Eu8011 IElaa.


~avxa 1.101 !lEVElS' 1TallTa 1.I0000V IpteEIS.
wl.IOaa"",v SVaipc.lTa K6p'lv. Tplalv wl.IOCJa 1ThpaIS.
1.11'!1TOTE I.IEI).IXloIS 61.11.1CJ01V dalSulv.
1Tal~E 1.16VTJ TÖ ,1).'lI1CX· 1.I0000V 1T61T1Tv~E CJE~
XElM01 yvI.I\IOTawlS. cN TlV1 I.IlayOI!iIlOIS.
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Kpiaao~ eV~pov KwplSos lpyanSEs.

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~8 (24:1). nAYAOY IIAENTIAPIOY


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\fIVX'; S' I~ aSal1CXVTOS cmel8tos' cXxPI yap olc.lll
rCJTIV fpc.lS CJTol.I&Tc.lV. T~a Sl1Tap8evl'lS.
Kai Tls WOT).af'l ; Taxa TlS. Taxa TOÜTO TaMaaas
SI'fICXV Ta~v T).1'!CJETCX1 Elil.lapic.lS.
App. B·V 38. - Emo.Uaoai trih. App. I Icnr..,os a App. cnnp (t) plI/ yuI_
add. a 4 fpwcrropcm.w pi I ~ pi • 6/1J'OS App.

247 (2ü). MAKHdONIOY ynATIKOY


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wla&!J'lv. aV Si 1.101 mKpOTiP'l 8avchov.
Kai tpeVytlS ,1).loVTa. Kai OÜ ,1)JoVTa SIWKEIS•
.s,pa 1T&).1\1 KlIIIOV Kai ,v.toVTa tliy1JS.
KEVTpol.lavls S' &y1cICJTPOII (tV CJT61.1a Kai I.IE SaK611Ta
eVeös EXEI ~oSiov XelMOS IKKpel!ia.
PI VII tu f.;1 r. - s-I om. PI • X""OUS äcxp4JltIa P .. m. Bnmt'k.
Anthologi .. Oraeoa V 393

Küß dich selber


Immerfort lachst du mich an und wieherst ein Vorspiel der Hochzeit,
heimlich nickst du mir zu: alles vergebene Mühl
Wahrlich, ich schwur es bei mir - drei Steine waren die Zeugen-,
nie einen freundlichen Blick nach dir Verliebten zu tun.
Gib dir allein deine Küsse und schmatz mit verlassenen Lippen
feme von anderem Mund selber umsonst dir was vor.
Mein Weg ist niemals der deine. Noch gibt es ja andere Mädel,
die in der Kypria Bett besser das Handwerk verstehn.
Kon.ttd MaludoniOl

Dur und Moll


Weich sind die Küsse der Sappho, weich 8Chlingt sie um mich ibre
schneeigen Arme, und weich ist ihre ganze Gestalt. [weißen,
Hart aber ist ihr das Herz - wie Stahl; allein bis zum Munde
dringt ihr die Liebe, und sonst stellt sie als Jungfrau sich dar.
Ach, und wer hielte das aus? Wer so was ertrüge, der hielte
wohl ohne Mühe den Durst selbst eines Tantalos aus.
Paulo8 SilentiariOl

An der Angel
Parmenis hcißt du, ..die Treue". Zu Unreoht. Wie klang mir beim Hören
sohön dein Name, und doch bist du mir herb wic der Tod.
Wer dich liebhat, den fliehst du, und wer dich nicht liebhat, densuchst
bis er von Herzen dich liebt und du daun wieder - ihn fliehst. [du,
Ist nicht dein Mund eine Angel, die närrisch macht? Siehe, ich schnappte
nach dieser Angel, und 8chon hing ich am Rosenmund fest.
K o1l8Ul Makedonio8
AD\laololla Ora80a V

248 (24'7). nAYAOY IIAENTIAPIOY


'W "IlW.Q\lTl 11'aVTo1.\lE, aV TOll 11'cryxpw.oll tr1.TlS
ä11'pl~ Spa~aJ,lJIITl ~6crrPVXOII cMpWal ö
fT).TlS ö OÖK 1\lä).a~1 TEOII 6paaos aV.ll/OS cNS"',
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o\ncrn yclep \lCI'OIS aö" eillCXp l!1l1V.Qcnl.
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~Oll lyW TMI,," f&ayavoll 6cnraal(o)$.

I Suld. I. aiI lpVcraJ (I), 3 M ••• I. aI1.llIOS, 11 I.~, '7 I. '11'01""


I faIIlvots Suld. -01 pI -of 0 7 T60T,v P "T01,!v Suld.

249 (248). EIPHNAIOY PEeEPENAAPIOY


'W ao~p1'\ 'Po66'm!, nacplTJS &t~aaa JWJ!A\I01S
KCXI -rOll Ihnpcpla;\oll KO\l11'0ll ä11'c.>aaJ,lJIIfI,
äyK~ v'oOaa !A' eXilS 11'apa 0'011 Mxos' '" S' 6pa Sea\lols
1<El\lCl1 v.&ueepITlS OÖK hnti&vO\lEI/OS.
Wrc.> yclep 'f'UX'"
"TI KCXI IKxVTa aw\lCl"fa cpwT~II
C71I\lcptp&TaI CP""flS ~ \lIY\l\ir.1r1lCX.

2110 (2'\l). nAYAOY IIAENTIAPIOY


'HSu, cpl).OI, \lEISTl!Aa Tb I\atSos- t'rSV Kai CXÖT~II
t'rm061""'TWII Sa.cpv XU1 ~McpO:pwll.
X61'a \.101 ä11'pocpäolaTOII hrtO'TEIlEII, 1yM16011 WJ,ICj)
t'r~ 1<Ecpa)."'" 6f\p611 Ip&laa11illfl·
l.IlJPOJJ.ivflll S~ Cp().TlaeJ· Ta S' Ws 6pocn~ ä11'o 11'fIyils
SäKpva \llyI/VllAIIWII 11't11'T& KaTa aTO\läTWII.
dm S' avelpo\lillCj)' ..TllloS dllEKa SäKpva MI~elS ö" -
,,&161a, !Ai! \lE ).11T1JS· Im yclep 6pKa11'äTal."
• ,!).O\, 1III&!!IICI 0 '!).'!IICI PI I fylcAl\IO&:)lJCt) P em. Jao./1 polt 3 iDIer. v. !GI,3
PI, deL 0 I ,1A1)aaoa • T~ PI.
AII'bololla Ora•• a V

Verzeih, ich war so grob


UnverachAmteate Hand, du hut in die goldenen Locken
grimmig zu greifen gewagt? Rauh sie nach hinten gezerrt?
Wirklich? Dich Freche hat nioht ihr sanft gebogener Nacken,
nicht ihr zerzaustes Gelock, auch nicht ihr Jammern gertlhrtT
Fruchtlos sohligat du mir nun ins Antlitz wieder und wieder,
nie mehr legst du hinfort dich um die Brflatchen herum •••
Doch - ieb bitte dich, Herrin, 0 seta nicht 80 furchtbar die Strafe I
Lieber und gerne dafür duld ieb den Tod durch das Bohwert.
p".zo, 8ilmtiario,

Die Liebe rief


Rhodope. herbe und strenge 1 Nun bist du der Paphia Pfeilen
endlich erlegen, du hut all deinem Stolze entsagt
und in den Arm mich genommen in deinem Bette. In Banden
lieg ich bei dir, und doch sehn' ioh naoh Freiheit mich nicht.
Sieh, 110 zerfließen die Seelen und Leiber der Menschen und finden
sich im brausenden Strom zirtlicher Liebe zu eine.

MlLdchenangst
Süß ist du Lächeln der LaIs, ihr Freunde, und süß aus den Augen,
drum 80 verlockend es zuckt, rinnt ihr die TrAne herab.
Gestern seufzte sie plöt&lich, ganz grundlos; sie legte ihr Köpfchen
mir auf die Sebulter und stand lange 80 IItme bei mir.
Immer noch seufzte sie fort; ich küßte sie, und auf die Lippen
sank uns wie rieselnder Quell TrAne um Träne beim Kuß.
Endlich fragte ich sie: "Warum weinst du t" Da IIprach aie: "Ich fürchte,
du vorläßt mich; ihr sohwört, aoh, und wie falsoh iet der Schwur I"
396 Aathologla Graeea V

261 (240). EIPHNAIOY PE~EPENt.APIOY

·OI1I1CXTa 51\1EVelS Kp\lflwv IIIMAI1cmx 1TVPOWII,


xEl1.ea 5' C!OCPO~f\ Aofa 1fapEKTaWElS,
Kai 1rOM kl){Altouaa aoJ:Iets N~PUXOII atyAlllI,
hcxvlJillClS 5' 6p6c.> Tc!xs crofXxpas mU.CIlas.
äÄJI.' oö crf\s I<pa511lS ÖIfIa(JxeIlOS ~1<MaElI I5YKOS'
o(im.) 1eTV-livel'ls, cN~ I1CXfXDvoIJiYll.

PI VII 81 f. ur. - I Sum ... ~lll Klx6l;ouaa a. k p. Suld.1I uf. ad 240, 3


I 6~ e PI &y!I6t pi 6YK6t e la marg• • o01ro P.

262 (261). nAYAOY IIAENTIAPIOY


·PI'I'c.:IIJEII, XaplEaaa, ,.a ~ Y'IIlvCx ~ Y'IIlvolS
~q yvlOIS yvta 111p11fAOKc!l8Ttll'
111l5h1101 TO lJETafu' !e1,lIpaI1180s yap IKdvo
nTXOS 11101 5od&1 1.e1l'Tö1l Ofao'~ ai8ElI'
crn;8Ea 5' IteVx8c.l T6: n Xel1.ea· T~ ~ O'\~
KpU'lT"riOIl' lx8alpw "",11 6:evpocrrol1lllll,
App. B·V 37. - I '\lmMaI) Beleb ofIIl I TI add, GU1ei • lCpU1I"ricw Jao. -lw P
lCpIi1rno App.

263 (262). EIPHNAIOY PE~EPENt.APIOY

TI1n1i lri&ov, XpÖ011Jux, I<irr'w lIIÜouaa &oKEVsIS


1<00 tWYIlII 1faAalialS ola mp 6:KpoAvnTS;
a15~ m,1 '!TO.&I Ti'\s Kli"Il'p15OS' EI 5' &pa O'\y~,
mMrn ""'Vna,11l1I &tfoll Ö'lTEpxolJiYll.
4 'rilv e IriIv pI,

264 (253). nA YAOY IIAENTIAPIOY


·Wl1oaa 1111111atllll aio TI'IM8EII, apyrn 1<0UpIl,
äxPl 5Vc.>8&I<~S, c':> 1fcrnol, -ftpl1l'oAIlS'
oö 5' hA1l1I 6 TaAas' Tb yap cNplOIl 611111 ~v&r!
TI'IAcmpw I1-ftYllS, valIla ai, 5c.:18&1<6:TI'Is.
äÄJl.a 8EoVs lKinvl, ,lAll, l10fJ TCXÜTa xapa~al
Opl<la 1rOlvalI'IS v(;h01l \nrip ad.180s'
Antbololla Oraeoa V 397

Btulzes Herz
Flink wohl huscht dir du Auge und spricht von verborgenen Gluten
und dein geschminkter Mund zieht an den RAndem sich hoch.
Oft auch flattern beim Lachen die hübschen, schimmernden Locken,
und deine vornehme Hand hebt sich zu artigem Spiel.
Noch aber ist dir im Herzen der Hochmut und Stolz nicht gebrochen,
nein, du wurdest nicht weich - auch im Verwelken noch nicht.
Eirenaw. lU/tTt:rIIlGrio&

Fort mit den Kleidernl


Fort mit den Kleidern, du Sohönste I Laß hüllenlos·nahe, laß Körper
fest an Körper gepreßt, eng aneinander uns aein.
Nichte 8011 zwisohen uns stehn. Wie eine Bemiramiamauer
fühl ioh dein Kleidohen, 80 dünn dieses Gewebe auoh ist.
Drüok dich mir Busen an Busen, drüok drängend mir Lippen an
[Lippen •.• !
Sohweigen das andre I loh bin aller Gesohwätzigkeit feind.
Pav.lo6 Silentiari08

Sei nioht so sohämig


Sag, warum senkst du die Augen und bliokst auf den Boden, Chryailla,
warum nestelat du denn löaend am Gürtel herum'
Scham ist der Kypria fremd. Und glaubet du schon, schweigen zu
zeige durch Nioken doch an, daß du dioh Paphia beugst. [miiaaen,
Eircrlaw. lUf~

Der Sohwur
Ach, ich hab es geschworen, dir feme zu bleiben, mein schönes,
schimmerndes Mädchen, bis daß zwölfmal der Tag sich erneut.
Doch ich ertrage es nicht. Schon dünkt mir Armem du Morgen
- sei es versichert I - 80 fern, wie nur zwölf Monde es sind.
0, 80 bete zum Himmel, mein Liebes, er schreibe den Eidsohwur
nicht auf die BlI.tter des Buohs, das unsre Sünden enthält,
Aa&hologla Ora.oa V

oo.Y' 8. acxts xaprnoolll 1,,1'1" cppil/a' lAll&! 1.11 1A&crn~.


'TT6TIIa. KaTCXal.I\J~ Kai ato Kai IIQKQP"lIl.
PI VII Ü uor. - I ~ Pli KoUp!l PI 'IJ pI. aal #lPltrö).1S pt • TT'I~ P
• 11110P.

1511 (254). TOY AYTOY


ElSoII lyw 'TT06t0I/'TQS' w' chA1\OOIO Sl '-va~~
SllpOIl 111 ~fj'-Ol~ xelMa 'TT1l~QJ.lEIIOI,
0\1 K6poll .lxoll IP"lTOS d:qIIl5t~· l41e\101 Si,
EI etll~, ~"'Mo>v SVJJEIIa' Is KpQSlllv,
d:J1fQOi1lS &7011 c5aooll Ü'TTrnpfjvvov ~II
~fj'-wv J.IQMo<ol~ ~v laa&JJEvol.

KOO ~' 6 IIl11 ~II 'AX''-i'\' 'TTalllh(E'-~, ol~ IICIT~
T~II Au\cOllllSElwlI IIISoII ITlII 6a'-&I!wII'
KoVPl'I S' d:p~ll~ tmyovIII~ 6xP' XIT~1Ia
'waClld"1l CJ)oI~ll~ d~ d:1mrA&aaTO. 10
K<Xl 'TT&AIII IIp1\pr1aTO Tä XEIMcx· yvt~1I yap
dxoll &Ac.>qI1\oov AIIIOII 1P"ll'QvlTl~.
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2118 (2M). TOY AYTOY


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PI VII.4 f. 70 r. - 1 Buid. et Zoo. •• 81""1$" dlllflTlval;l\I Zoa. '6 B' P.
Anthologia Gra80& V

und beachwichte mein Herz mit deiner Gnade, 0 Herrin,


daß nicht vom Himmel und dir strafend die Rute mich trifft.

In Fesseln der Liebe


Liebende hab Ich gesehn. Vor maßloser, brennender Sehnsucht
hielten einander sie sich Lippen auf Lippen gedrückt,
wurden nicht satt vor wilder Begier und bitten sich gerne
eins in des anderen Herz, wenn ca nur ginge, gepre8t.
Dann, um ein weniges doch die unsiglichen Qualen zu lindern,
taUBOhten du weiche Gewand untereinander sie aus.
Sieh. da glich er 10 ganz dem Helden Achilleus, wie dieser
lich dereinst im PaIaat des Lykomedes gezeigt,
und das Mldchen, dem jetzt das MAnnergewand bis zum 8Ohönen,
blinkenden Kniee gereicht, war wie die Pholbe zu sehn.
Wiederum preßten aie dann sich Lippen auf Lippen, denn ruhlos
fraß mit verzehrender Wut Hunger nach Liebe ihr Herz.
Leichter löst du zwei Reben, die, lange verwachsen, die Stämme
fest umeinander gedreht, aus den Verfleohtungen los
als dies lieh ktlaaende Paar, das ringe eich in enger Umaohlingung
fest verstriokte und doch weich in den Armen lioh hielt •••
Dreimal selig, Geliebte, wen solcherlei Bande umwinden,
dreimal selig, doch wir - glühn und verglühen getrennt.
ptJUltJl 8ilaliario1

Dein Wort geht irre


Abend war es, da warf Galateia die Flügel der Türe
vor den Augen mir zu, wAhrend sie höhnend noch rief:
..Hohn ist Arznei gegen Liebe." Wie geht dies Wort in die Irre I
Siehe, bei mir hat der Hohn mehr noch die Liebe entfacht.
Fest wohl aohwur ioh's bei mir, ein Jahr ihr ferne zu bleiben,
aoh, und am Morgen bereits kehrte ich flehend zurück.
Ptwlo.t 8ilealiGriot
Antlaologia Graeca V

257 (W). nAAAAAA •


NOII KCXTaylYllWalcW Kai TOO tolOs Ws äwpCaTOV.
111'1 \lETCXßw.~o!1i\lOV Ti'\s aoßapäs IlIEKa'
oCm yap EllPWTn'\S, Oll Tiis toallal'\S mpl K~OS
000' arrw."s A1't5I'\S m' arroMllfo!1il/Tl'
EI 111'1 TO:s '!f6pvas 'n'CIpCXTrillmTal' otSa yap MOli
T6')II ~II 1TClp8EvIK6;II f60pta.
PI VlI 82 f. 72 r. - • oOT' cma>.~ pI S cNTW" PI.

258 (257). nAYAOY IIAENTIAPIOY


np6KpITOs 1aTt, CD'~"l\ICr, -m. jWTls i\ örrOs ftßTls
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l1ä:UoII lyw ato I1"M ICapTlßapEol/Ta ~IS
i\ j.Ia~Oll lIIap"S &palOll "'~IKlflS.
aOll yap m cp8"'Öl1'wpoll \imPTEpoll &tapes 6MflS
XEll1a aOll ~OTplov 8epl1chepOII 8I1p&OS.
PI VII 46 f.70r [om. ,..1 ..... ]: App. B-V 25.-I-I .•. ~fSuid ••• 6'!1'6s, 3.......
~ I IlIlfpcow P S ~f P App.V ~ App. Jol ~ Suid. S CJbv yäp P
App. ~ CJbv PL

269 (258). TOY AYTOY


·Ol1l1aTa aEV ßapV8oval, 11'660v 11'\I&IoI/Ta, XapI~oT.
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CaKv~Tat 5l K61lfl, ~5trts 5' &iJapvylJa 11'apel"S
wxpos IxEI MvKOs, KCXl 5l11QS WJ).VTaI.
KlllJ!y 11'al/WXl1laill 6pl~fIaaaa 11'cV.aIaTpalS
TaüTa cptpns, 6~ßov 11'a\ITOs \imp'IThaTaI,
6s aE mpl11'~ly6flll IXe 11'1'tXE0111' EI 5' aE Tl'tKlI
6&PI1Os CpWS, dflS EIS 11.\& TflKO!1iI/Tl.
App. B.V 20. - S 1aIcu)..ren P 'CJOVTaI App,V'CJlft'TaI App. M 11 ~crra P
App. em. Heinaiu S II!II om. App.V 1-7 6~ ... m'lX. Suid ... 6~ I tfpIl
App./I Cnnprrtrcrraa 0 Suid. -Tnal pi App.V -'Iri'1raTaI App. Jol T fxo App.
AD~bologl .. Ora.oa V 401

Liebe deB ZeuB


Jetzt erkenn ioh OB klar, auoh Zeua ist zur Liebe nicht flhig,
denn er verwandelt sich nicht ftlr dieaea Btolze Geachöpf.
Steht sie an strahlender Schönheit der zarten, herrlichen Leda
oder Europa vielleicht oder der Dana6 nach'
Möglich, er mag nicht Hetl.ren ••• Natürlich I Will er verführen,
muß es 'ne Jungfrau schon sein und ein PrinzeBohen zugleich.

Pa1ladoa

Jung wie eh •
Deine Falten, Philinna, bedünken mioh Bchöner ala alle
GlAtte der Jugend, und mehr lockt'B mich, mit Bpielender Hand
deine Äpfel zu kOBen, die Bchwer ihre Knoapen schon senken,
ala die schwellende Bruat bei einem blühenden Weib.
Köstlicher Boheint mir dein Herbst als der Frühling der andern, und
als ihr sommernder Tag deuoht mir dein Winter zu sein. [wärmer

Paul08 Silentiarios

Begegnung am Morgen
Schwere Schleier verhangen dein schmachtendes Auge, Chariklo.
110, ala ob eben du erst dich aus den Kissen gewühlt.
Wirr flWt das Haar in die Stirn, und über die Roeen der Wangen
wetterleuchtet OB fahl; müde ist Haltung und Gang.
Sind das die Spuren der Nacht, im Zwiekampf der Liebe durchrungen'
Selig dann preia ich den Mann, der in den Armen dich hiclt.
Waren OB aber die Gluten der Sehnsuoht, die dich verzehrte.
wiinBcht' ich, es hit.te dein Herz brennend nach meinem verlangt.
Paulo,8ilentiarioa
Adholo,la Oraeoa V

280 (169). TOY A YTOY


Ke1cpVcpcV.OI acplyyoval -m'\V TplXa; TT!I<OIl<XI OlaTpct3,
'PElTIS 'lNpyocpöpov l5alJ<l1.ov daop6c.>v.
äotcrnts lern KQpT)VOV; tyc.:, ~avelCJll(Xal XalTTlS
fKxvTov IK rnpllc.>v l~ö~T1aa vOov.
äpyavvals 660IIIJcn KaTfIopa ~pV)(a tcNe&IS ;
ovl5lv D.~pcmPTI cp1..O~ KaTl)(EI Kpal5lT1v.
Ilopcp~v Tplx8al5lT1v XaplTClJv TplOs allcpI'II'OMVeI'
näaa S. IlOI IlOpcp~ mip I1510v 1TpoXU1.
PI VII 4e f.'IOV •- I Bald... ~, I •. ~ et a.ücaMw, , .. ~
~ • llaopdIwY Bukl. .. 6d1C. I ~avellr\IT1 (11 PI.

281 (280). ArA910Y IXOAAITIKOY


ElIlllliv oiJ cptAOo1VOS' 6Tav 15' ~1JS llE 1JI8Vaaal,
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al yap hrllflaVaelS ToIS xsl'-aalV, oVKht vf)CPSIV
l\Jj.Iapls ov151 cpvyelv TOV YÄVKVV olvoXOov'
1TOp8J.11\1eI yap IllOlye KVÄI~ 1Tapa aoO TO cplÄTlIICX
KaI 1101 änayyO.Ml ~v XaplV, f1v D.a\Xv.
PI VII 87 f. 71 r. - I IIIIOaCll P I 1rOp811OS(!1 ,I pI • 4lmcryyO.n PI.

tel (181). nAYAOY IIAENTIAPIOY


CIlEii cpeO, Kai Tb MÄTlIICX Tb IJII).IXOV 6 cp8övos Elpyn
~~1.l11CX 'TI Äa8pll5lc.JS cp8eyyo!ltVClJV ~'-acpapCIJv'
laTa!ltllT)S 15' &yxlaTa TI8t'l1Tal.llv c51l11CX yapal"S
ola 1TOÄVyÄTlVOV pov.cöÄov 'IvaxlTls.
taTaao Ka\ C7lC01rla~, I.l6:TT)v l5l aov ijTOP &pwaov'
oiJ yap hrl IfNXllS 61.lj.1a T&OV TavVcnIS.
PI VII" f.70 v • - Pon I lmerul' v. 283.3 pi vaour. Jlnoa dein reI.; oorr. 0
I Icrrdli.wol P PI em. aohol. Plan. Bem. 'Suid ••• no?(,y?TlVOII. Ii a. 6ilü~lIs
11 fio~II es .~ PI • '+"'XliII PI.
Drei Friauren
ZwiDpt du die Locken ins Netz! Ein aehDend Verlangen ergreift mich ;
Rhea, von Türmen gekrönt. glaub ich im Bilde zu 118hD.
Frei ist von Hüllen dein Haupt! Vor dem 8trahlenden Blond deines
wirbelt der Kopf mir, und wirr flattert mein Denken davon. [Haares
Birgat du die wallenden StrillDen im 8chneeig 8chimmernden Schleier!
Flammen, nicht weniger wild, fassen mir brennend ans Herz.
Sieh, so umspielen die Grazien dir dreifach die Dreiheit der Formen,
und eine jegliche Form weckt die ihr eigene Glut.
Pa:uloI Sikntiariol

Liebespoat
MAdchen, ioh mag keinen Wein, doch möchtest du trunken mich aehen,
nippe zuerst, dann bring'&, und ioh empfange ea gern.
Rührt deine Lippe daran, dann kann ioh nicht nüohtern mehr bleiben,
Holde, dann kann ioh mich nicht aoloh einem Schenken entziehn.
Denn dann bringt dieaer Becher als Fracht deinen Kuß mir herüber
und erzlhlt von der Huld, die er empfangen von dir.
Agalhitu Sc1wltutiko.

In die Seelen siehst du nioht


Ach, ea wehrt una der Neid 80gar das süße Geplauder
und das Zwinkern, womit heimlich wir Zwiesprache tun.
Immer steht ap&hend und lauernd die Alte une nahe und schreckt une
wie der Hirte, der einst 10 vielä.ugig bewaoht •••
Steh nur und lauere nur, du zermarterst umsonat das Gehirn dir:
bis in die Seelen hinein bohrt eich ja doch nicht df'in Blick.
Paulol Sikrtliariol
Anthologla Graeoa \"

Ha (181). ArA910Y 1:XOAA1:TIKOY

Mlamm, >'Vx,IIE, aniKtlTa ~IS I1T)S' 6~II ~fPOIS,


11" -r611 liWII lTcMn:IS lIV\.I,foll IpX611lIlOII.
akl aV cpeov&IS Tij KlirrPISl, Kai yäp 66' 'H~
ilpj100E !\E100IS1Xt> • • • 8v!.tt. TO >'OllTOII Ca.
'HfCrlcrrov "tV.l&ns, KaI mfeoj1al, 6TTt Xw.En-rCl)II
KlirrpISa 8c.lTmiEIS SECTITOTIK"" OSÜIIT)II.
PI VII 88 1.71 Y. - • Suid.•. IIÜ1c1)Ta, 6-8 '. e~1 1I.}'IIp!lS P' Sol. ad ep.
282.2 4'CI\ P I 6Tn 0 cm P' Suid. • K<nrpllh PI •

. . (283). nAYAOY IIJ\ENTIAPIOY


B60TPVXOII t:>11O)'ipo1/Ta TI I1lIlfECD 6j1j1aTa e' üypä
SäKpvcnll; Ö~II lTalyvta TaVTa 1r66c.:III,
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aVl1~o>.a Kai So>'IXi'\S [pya VVXEYpecrlTlS.
Kai yäp lTOV i\ay611Eaat ~VTIS lTa\ICX~pIOS 1\ST),
Kai >.ayapöII Selpij StPIla mplKpil1aTal.
01T1TC»Oll "~I ,>'oyOs 6v6ea. T6aaoll llIllo
6.\tIla YTlpäat<E1 fpollTlSI yvto~.
~a lCGTOlKTElpaaa SfSov Xäplll' aVrlKa yäp 1101
X~ äva6fl>'lacm tcpaTf 1.IWrt1lO11lwt'. 10
I fllII'ripc.w P' OIß. 0 S Su.id. L ~ 8 L "ayap6v .1 ~ 0 __ P'.

2611 (284). KOMHTA XAPTOYJ\APIOY


·OI1j1aTa ml1m lCaTa lTi\60ll' 6pKOS äi\laTflS
CIN~ls
lTM~, t.TlI1~II S' ~EII &rrlaTQS c5tvlap.
1/011 Si, ,1i\Tl, 1TIaTOs !1tll lyc:" lTapä elva 6a}.äaaT)s
t.Tl~II· aV SE lTWs, CIN~IS, &rrlaTOS (f\IS;
I filMs I" 010. 0 S &i 0 61\ P'.
406

Bei oiuhl. I.llokisoh, Lampe


Trag keine Schnuppen. 0 Lampe, und mach nicht, daS Regen ent.ateht'.
der meinem Bräutigam ga.r zu mir zu kommen verwehrt.
Immer WlU'It du der Kypria feind; schon a.la sie die Hero
mit Lea.nd1'08 vereint•... StiUe! Schweig at.iUe, mein Herzl
Lampe, du dienst dem Hephaist, und wenn du auf Kypris erzürnt bist,
tust du, 80 scheint mir, nur schön vor deinem grollenden Herrn.

Verzehrender Liebesgram
Friih ist das Ha.a.r mir ergraut, meine Augen sind feucht: und du
[höhnst nooh?
Wa.r's nicht die Liebe zu dir, die diesen Streich mir gespielt?
Sind es nicht Spuren von Pfeilen' die Qualen vergeblicher Sehnsuoht?
Kam es nicht, weil mir des Nachts niemals der Schlummer sioh naht'
Falten durohziehen mir schon 80 zeitig die Seiten am Leibe,
und an dem Halse schon hangt welk und ~hlafft mir die H&ut.
Wie sich die Blüten der Flamme im Herzen verjilngen, 80 altert
mir der Körper vor Gram, ach, und verzehrt sich gemach •••
Hab Erba.rmen mit mir! 0 schenke mir Liebe I Dann blüht auch
wieder die Haut mir, und schwarz wird mir gleioh wieder das Haar.
PauloB BikntiGrios

Phyllis und Demophoon


Einst Behaute Phyllia voU Schmerz aufs Meer. Demophoona Eide
flogen im Wim:'u; er wa.r treulos geworden an ihr.
Heut stehe ich, ein getreuer Demophoon, suohend am Meere:
PhyUia. Liebste. wie kam's, daß du die Treue verlorst!
KomelaI Chart'UlarilJl
406 Anthologi .. Gr .. ee .. V

266 (26/1). nAYIIOY ZIIIENTIAPIOY


'Alltpa l.vaOTJTi'ipI KVI/Os ßeßo1.Tll.ltl/ol/ 1Ci'>
OSaal 6TlpelTll/ elKOl/a cpaal ßMlrell/.
AVaaWCAlI/ Taxa lTIKPOI/ WEpCo)) lllhTTl ~el/ öSo\ITa
EIS l!d Kai l.Ial/lalS 6VI.I~)\I UTllaaTo.
cn;1/ yap fl.lol Kal1To\ITos llTl'lpaTol/ ElKol/a cpa(vel
Kal1TOTal.l(;')\I Sll/al Kai St1Tas oll/oXOoI/.
PI VII 48 f. 70 v. - S 1OKpOs pi 8 olvoX60v pi PI .oc.>v e.

267 (266). ArA910Y IXOAAITIKOY


TI C1TEl/cXxelS; - ,,<l>IhlCAl." - TII/a; - ,,11apO~l/oII." - ~H pa YE KaM V ; -
"Ka1.1')1/ ft~P01S 61.11.1aal cpaIIlO~I/TlV. ce -
1100 St 1.1111 ElaevoTlaas; - ,:EKel 1ToTI Sei1TIIOI/ hreMwII
~vvij KEK1.1~VTlv fSpaKol/ lI/ C1TIß6:SI." -
'E1.m~elS S~ TVXeil/; - "Nal val, cpl1.oS· O:l.IcpaSITlv Sl 5
OV ~TlTW cpl1.ITlI/, 6:1.1.' V1TOKM1TTOI.lSVTlV." -
TOll VOI.III.IOII I.Icx1.1.01/ cpeVyelS yal.lOI/; - ,: ATpeK~S Cy"CAlV,
6TTt ye TWII K'naI/CAlV 1Tov1.1i TO 1.el1TOl.leVolI." -
wEYllCo)); oil CPl1.UIS, ~aao. 1TWS SvvaTal yap
'l'vxl') fpCAll.lamll/ öp6a 1.0YI~0~VTl ; 10

PI VII 69 f. 71 v. - 1 KaAI't 0 5 &iI,aalTlv pi 8 'IrO?V pi 9 Iyvc.>v P.

268 (267). nAYAOY IIAENTIAPIOY


MTlKhl TlS 1TT1'l~Ie Tl'060v ßt1.os· 10SOKTlV yap
EIS M Mßpos wEpCAlS f~EtdllCAlael/ 61.TlV.
1.11') 1TTEPVyCAlI/ TP0l.ltOl TlS trn'l1.VC1\I/· f~OTE yap 1.101
M~ flTlßas C1TtPI/OIS lTIKpOl/ f1TT}~ 1ToSa,
O:C1TeI.lCPt'1s, o:SOVTlTOS tl/t~ETal ovS~ tJETtC1TT}, G
EiS l!d C1V~vyITlI/ KElpal.lEI/OS 1TTEPVYCAlI/.
PI VII 49 f. 70. V-I IITlKtn TIS 0 PI lIilKlTlES (7) pi :I 1\aiipos PI S ... tm't1\ucnll
Suid. a. tm')1\vcnv 4 'lT'ripVOIS pi 5 Ml;ETCII BX M~E' PI.
Anthologia Graeoa V

Der tollwütige Eros


Wird, 10 sagt man, ein Mensch vom wütigen Hunde gebilll8J1,
sieht er im Wuser hinfort immer des Tieres Gesicht.
Sicher hat Eros in mich auoh die grimmigen ZAhne gesohlagen
und eine eigene Wut bÖle ins Herz mir gell8nkt.
Denn mir zeigt sioh im Meer, mir zeigt sioh im Strudel der Ströme,
zeigt sich im Becher voll Wein immer - dein liebliches Bild.
Pa1Uol BilatitJriol

Dt'r Rechnor
Warum eufzt du so sohwer! - "Ich liebe." - Und wen wohl! - "Ein
[Mädohen." -
Iat sie denn hübsch! - "Ich elbat halte gewiß sie für hübsch." -
Und wo sahst du das Mädchen! - "Dort drüben. loh war da zum Essen
abends geladen und lag neben dem MAdohen zu Tisoh." -
Hoffst du, sie auoh zu bekommen! - "Gewiß, Freund. Nur möchte ioh
Liebe, die öffentlioh ist: heimliche wünsohte ich mehr." - [keine
Ab, du möchtest nicht gern gesetzlich dich binden! - "Es fehlt ja,
wie ich als sioher erfuhr, ganz an Vermögen bei ihr." -
So, das ,erfuhrst' dul Dann lügst dul Du liebst nicht. Wie kann man
[im Herzen
sinnlOll verliebt lI8in und doch sinnvoll berechnen dabei,
.tfgatAiu ~

Eros im Ruhestand
Niemand mehr fürchte hinfort die Pfeile der Liebe; denn Eros'
Köcher ist leer nun, er hat wild sich veraohoaaen auf mich.
Niemand mehr fürchte hinfort eine rauschenden Flilgel; denn I18it er
seinen grausamen Fuß hart auf die Brust mir gesetzt,
sitzt er dort fest und rührt sich nioht mehr und wankt nicht und weioht
und hat eigens für mich noch lich die Flügel gestutzt. [nicht

Paulol BileMarioI
408 ADtbologia Gra&oa V

269( 268). ArAelOY l:XOI\Al:TlKOY


t;IaaWII 6T!1.VT~pc.>1I 1l0VIIOs 'lTO"Te ~aaos tKEIIl"II.
Tiis ~II Ilcp11JIiIpc.>lI. "Tij Se xapI~61J1iIlOS.
eD.KE S~ Il' 1't cpl1.Eovaa· 'lTcl1.111 S' llyW. oIa "Te TlS cpWP.
xel1.ei CPEISO~IIC? -rl'tll ll"Tep,,1I Ilcpl1.ovII.
~fj1.011 VrrOAArn-rc.>1I Tiis yeI"TOIIOS. 1is "TOll EMyxOIl
Kat "Tcls l.vam66ovs E"TpeIlOIl äyyeMas.
6xeTiaas S' äp' &moll· 'Ellol "Taxa Kai "TO cpl1.elaeal
WS "TO cpl1.eill xa1.m611. Slaaa Ko1.a~o~IIC?
PI VII 70 f.71 v. - I lIoWos =Ti c PI1fOT! liMOS pi IllIi<raos tKlllll111 P llioaa
Kaefll11111 PI J -ril 0 PI Ti'is pi 3 TI5 op<lIp 0 PI Tl O,WII pi T c:,xeflaas 0 11
Iipa
Ehroll PI.

270 (269). nAY I\OY III\ENTIAPIOY

oOn ~SOIl a-reCPO:llc.>1I rniSeVe-ral o\ne aV 'lTrn1.c.>1I


oOn 1.160ß1.f)"Tc.>II. 'lT6"Tllia. KEKpVcpcl1.c.>II.
Ilapyapa afjs XPOlfjS arro1.el'ITE"Tal. ovSe KOIlI~el
XpvaoS &m1m't"TOV afis "TPIXOs äy1.at"l1·
'h'S~" S' vcXKlv60s (xel XeXplll aieo'ITOS a1y1."s.
~a nWII 1.0yaSc.>1I 'lT01.1.011 acpavpo"TEp"lI.
xel1.ea Se Spoa6ell"Ta Kal1't ~lcpvP"TOS tKEllI1l
o-rf)6eos aplloIII" KEa"TOs (cpv TTacpl"s.
"TOV-rOIS 'lTäalll Iyw Ka-raSallllallal· ollllaal 1l0\lll0lS
6~yollal. oIs t1.'lTls 1JIi11.IXos !IISIO:eI. 10

PI VII 110 f. 70 v. - 3-4 oölil ••• Suid. 8. CrnEKTflTOV. 6-6 8. ,,"oy&SES. 7-8 I. KEaT6s.
9-10 61111C!01 ••• 8. fvSI6:E1 "fvTflKTOU 0 • =""bll: 1rOU,,"Ö y' Suid. 8 aTfle.os
Hecker "e- P Soid. M- PI.

271 (270). MAKHl10NIOY ynATIKOY


Tf)1I won ßaKxeliovaall 1111 etSeT e,,1.v-repac.>lI.
"T1't1l XpvaeC? KPO"Tcl1.C? aelo~II"1I a'lTa-r6:1.,,1I
ADLbologia Oraeoa V

Zwillchcn zwci Fcuorn


Neulich lag ich bei Tisch als einziger zwischen zwei Frauen;
rechts die begehrte ich selbst, links die verlangte naoh mir.
Öfter zog die Verliebte mich zu sich hinüber; ioh wieder,
heimlich und aoheu wie ein Dieb, küßte die erste und trog
80 der anderen Neid und Eifersucht; denn ioh besorgte,
aäh sie'. und 80hwatzte es aus, wir meine Liebe zu End.
Seufzend gestand ich zuletzt: Wahrhaftig, mir bringt das Geliebtaoin
wie das Verliebtaein nur Qual; ach, ioh bin doppelt gestraft.

Schöner als Sohmuok


Braucht die Rolle den Kranz? Brauohst du, meine Herrin, Gewlnder
und auf dem Haare ein Netz, kostbar mit Steinen besetzt?
Perlen verblassen im Glanz deiner Haut, und im leuohtenden Schimmer
deiner Locken verliert goldnes Geaohmeide die Pracht.
Herrlich, voll gleißendem Lioht wohl funkelt der indiaohe Saphir,
doch wie beschämt ihn der Glanz, der aus den Augen dir briohtl
Deine tauigen Lippen, die silBe. harmonische Bildung
deines Busens: mioh dünkt's Paphiaa Gürtel zu sein.
AIl das bewll.ltigt mioh tief, und nur deine Augen entbieten
aohmeiohelnde Lockung: hier ist freundliche Hoffnung zu Haus.

Eklipse
Toll ha.t aie früher sioh mal im Reiche der Frauen gebärdet,
keck und prickelnd zum KJa.ng goldener Klappern get&nzt.
ADthologia Gruu V

yl'\pgs 'xel Kat voüaos dq.Jeo.IXOS· 01 S. ."''1TcxI,


01 1TOU TplAAlO'T(o)S cWrIov IpXOIllVOI,
vOll lJiya m.pIKa01· TO 5' aV~oaD.TlVO" tKElvo
'~tm" ovv65ov IlTlKFn ytvolli"TIs.
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272 (271). nAYAOY IIAENTIAPIOY


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273 (27:1). ArA910Y IXOi\AITIKOY


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PI VII '11 f. '11 Y. - I n~ P ncdxTas PI 4)"!\pa1 ~1KVW&tts Jac. )(dpGS
~ Illt1I;oUso.
Anthololia Graeca V .11

Heut hat Alter und Krankheit sie grausam gepackt. und die Freier,
die voll Flehen dereinst zu ihrem Antlitz geeilt,
fahren voll Schauder zurück. •• Es trat der Mond in Eklipse,
und eine Konjunktion findet nun fürder nicht atatt.

Zwiachen Aphrodite und Athene


Ach, ich küue aie wohl, eH umspielt meine Hand ihr den Busen,
und an dem schimmernden Hals hab ich wie nAlTisch geschwelgt.
Noch aber hab ich nicht ganz ihre Liebe gefunden, noch werb ich
um das jungfrluliche Kind, das mir sein Bettohen versagt.
Halb hat sie Paphia sich und halb sich Athene ergeben,
ich aber, zwischen den zwein, schmachte verdurstend dahin.

Rächendes Alter
Sie, die mit prangender Schönheit dereinst sich gebrüstet, die eitel
ihres Wegs ging und ihr Löckchengeflechte gewiegt,
die nur mit Hochmut und Hohn auf meine Leiden herabaah:
nun, vom Alter zerfurcht, hat sie der Schönheit entsagt.
Schlaff ist ihr Busen, erloschen ihr Blick, verschwunden die Brauen,
und aus dem Munde erklingt greisenhaft lallend das Wort •••
R10her der Liebe, so nenn ich verblichene Haare: Sie zeigen
rasch sich den Stolzen, und dann sitzen sie streng zu Gericht.
AgatAitu 8cAoltulUw,
412 . An~bololia Graeaa V

274 (1173). nAYI\OY III\ENTIAPIOY


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276 (1174). TOY AYTOY


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278 (1711). ArA910Y IXOI\AITIKOY


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.13

Das Bild Im Herzen


Schelmisch hat. Eros dereinst das Bild meiner eigenen Züge
tief dir ins Herze geprAgt., als es für mich sich enrirmt.
Ach, und nun rissest. du sie dir jäh aus der Tiefe. Ich aber
trage dein strahlendes Bild fest. in der Seele bei mir.
Wahrlich, das will ich, du Harte, dem Hades und Phait.hon zeigen,
daß der Kreter alabald rechtens das Urteil dir spricht.
PGuloI 8ikntiG,w,

Gestörte Siesta
Mittag war es. Die hübsche Menekrat.is ruhte im Schlummer,
und um die Schläfen im Rund hatte den Arm sie geschmiegt.
Keck da trat ich hinzu und stieg auf ihr Dette: doch als ioh
eben die wonnige Fahrt Kyprias halb schon vollbraoht,
da erwachte daa Kind empor aus dem Schlummer, und jählings
fuhr Bie mit sohimmernder Hand raufend und wild mir ins Haar.
Doch wie sehr sie auch rang, ioh schaffte den Rest meiner Liebe:
sie aber, trlLnenbenetzt, sagte die Worte zu mir:
"Böser, nun haat du erreicht, was dein Sinnen begehrte und was ich,
ob du auch Fülle von Gold oft mir geboten, veraohwor.
Ja, nun gehst du von hier und drückst eine andre ans Herze:
niemaJa werdet ihr satt, Kyprias Werke zu tun."
PGuloI 8ilmtiGriol

Brautgesohenk
Bringe ich dir, meine Braut, den Schleier als Gabe. 0 nimm ihnl
Goldene FAden durohziehn leuchtend das achöne Gewirk.
Leg auf die Locken ihn nieder, laß über die Schultern ihn gleiten
lind bedecke mit ihm hüllend die Bchneeige Bruat.
Ja. vor allem die Bruat, auf daß er mit seinem Gewebe
rings dich völlig umschließt. und dir den Busen beachützt.
414 An\bololla Oraoca V

lCat TO& liv ~OIS ehE mxp8i1lOS· &).Aä lCa\ EIl,",,,


MWO'OIS lCa\ Tetdc.>v EOO'TCX)(VII äll9oo1ill'lV,
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lCa\ ~190lCO~f1Tc.>II 1TMYlJCXTa 1CE1Cpv~~c.>v.
I-IIUpeotoI blbe~ J. O. Sobnelder 8 MUooIS P.

277 (278). EPATOI9ENOYI IXOI\AITIKOY


-Apc7EIIQS ~OS CxOI· ~IMElv 8' q,w 018a YV1lCJtKaS,
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061CAV.öv "'~'lTf\pES. &mx9alpc.> yap lKEllITJv
TilII TP!Xa TilII f90VEpflll, TilII TCX)(V ,volJillTJv•
PI VII 83 f. '12 r. - 1-4 SIIid. et.. Zoll. I. IIPtrn'\p [Dm. TIIv .s.].

2'18 (27'1). ArA910Y IXOI\AITIKOY


AVTf!1.I01 Kv9ipEla lCal 11.IEp6E\lTes -Epc.>TES
TfI~ovcn" lCI1IE1'\v 1x9öIJEVOI 1CpCX81Tlv,
4pc7Evas EI CT1TIVO'c.> ~IÄUIV 1TOTt I.If1Te TVXflO'c.>
1.Itrr' hTo~Ia9t'tac.> lJEI'OO'\v &J,nrMDdaIS.
4plCla 9T)~VTipc.>v ~ITfllJCXTa· lCItva lCOI.IIO'O'c.>,
1CW.MllfK'> Si Wovs 4WOIII nJTTCU.c!ocCf).
PI VD 72 f. '11 v. - • 6x86111V01 [0:1 1)(8-] PI I KOIII\- PI • Suld. I. nlTTa\C6f /I
1CcD.~ pi.

279 (278). nAYI\OY III\ENTIAPIOY

~Tl9Vw1 KM~IS· 6 Si TPITOS 4pxETal flSTl


~Vx1lOS Ö1To~a'E1v flKa IJQpalv61.1E1IOS.
atge 8llCa\ 1CpCXSITlS 1TVpO'Os 0'V1ICX1ri0'~ ~Vx1Ktl
I.I'lSi 1.1' w' ayPV1TvoIS S'lPOII (KaIE 1T690IS.
a 1T6O'a Tilv Kv9ipela" trrwlJOO'lV fcnrEpos fI~lv·
&).A' M' avepc:rnc.>v "'&Tal 00Te gewv.
PI VII 112 f.'10v. - • illCa PI I aW lInriapno 0 I t\~I1\1 Brunck t~· 0 Dm. pi
Ndv PI.
Adhololla Oraooa V '111

Trage als Jungfrau den Sohmuok! Dooh wünsch ioh dir, bald auoh die
und einen .Ährenkranz blühender Kinder zu sehn. [Hochzeit
0, dann Iuae ich gern eine schimmernde Binde dir schaffen
und ein Haarnetz, darin köstlioh von Steinen es gll.nzt.

Der Fra.uenfreund
Hole sich Knaben, wer will! loh verstehe mich besser mit Midohen.
Liebe aufllDgere Zeit findet man einzig beim Weib.
Jungen sind auoh nicht aohön. Mir will der Bart nicht gefallen,
und dieser boshafte Bart - iat er nicht plötzlioh eraproßt'
g~ 8cAoltutil.w

Ein gleiohes
Kypria selbat und die holden Eroten verfolgen die leeren
Herzen; dooh mögen aie mich lieber verderben, als daß
je ioh nach Knaben verlangte. Nie wünsche ioh Glüok mir bei ihnen,
wünsche vor allem mir nie schlimmere Sünden dabei.
Waa ich an Frauen gefehlt, genügt mir, du will ich auoh tragen.
Narrheit, die Knaben verführt, Ia.B ich PittaJakos tun.

Vergebliohe Erwartung
Kommt K1eophantia denn nicht' Zum drittenmal brennt nun die
lIohon hernieder und geht leise verdlmmemd zur Ruh. [Lampe
Wenn mit dem Lichte doch auch mein Feuer im Herzen verlohte
und dieaee Sehnen doch nicht immerfort glühte in mir!
Wie oft sohwur sie mir IIchon bei Kypria, des Abends zu kommen!
Doch waa gilt ihr ein Gott, ach, und was gilt ihr ein Mensoh'
Pavlol 8iknliGrio.
418 AD~bololla Gra8Ca V

280 (279). ArA910Y l:XOAAl:TIKOY

9H (Xx ye Kai aV, cPl).IVva, fEpElS -rr680v; ~ txx Kai CJÜ'TTI


K6~lIEIs a\laUOIS 61l1.lCX<71 T11KO(.li1/Tl ;
i\ aV Il~V IilTvov CXIIS y).VlCEpWTCXTOV, ""~tp.,s 5~
CPpoVTI5os OÜTe MyOS ylvETal oVr' &pI9116s;
EÜp1')cnlS Tax' 61l0la, n"'v 5', ~ap-re. -rrapel"'V
&9~aw 9a~lVotS 5aKpVC71 ,-ryyo(.lil/Tlv.
KlirrpIS yäp T& \.Iiv c».Mx -rraMYItO'TOS, Cv Si TI ~ov
CllaxEV, tx9al pElV T&s ~(.Iivas.
PI VII 73 f.71 ". - 11r6vov P I Tax' Jac. Ta 1-8 Suid••• ww.'Y"OTOS 8 l){Oalpnl/
pi Suid. -11 0 PI.

281 (280). nAVI\OV l:II\ENTIAPIOY


X9t~6 ~I 'Ep~vaaaa cpV-aKp1')Tous ~a KW~
aTt~I.ICX<71Va\lMlas &~cpI"JTMKoVTI 9Vpas
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IcpMxS.,v 5' rn .,.aMov ücp' 05CXTOS· lK yap lKsII/TIS 6
)'a&PIOV dXE KV).I~ 1riip y).VKE~V aTO~v.
PI VII 63 f.70 1l• - J-4 ~ .•. Suid. L 6lIflAUItrj 4 TplCrill Pi.

282 (281). ArA910Y l:XOI\AUIKOY


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T1'\v &wo ~S i\~ OÜI< 6:nt&TtKE XeXplV,
~' rn I.ICXplJQ!poVC71 -rrapT\ISes, 6~ 5l 9t).yelV
aV M9E· TG)V 5' triwv "" SeKels omc 6MYI1.
IlI~VEI Kai TO cppvay~a TÖ -rraI5IKov· 1v965e 5' Cyvwv,
6TT1 cpvalV VIKä:V 6 Xpovos ou 5vvaTal.
PI VlI 74 f. 71 ". - I-I Suid .•• (xiS,,", S lWAyov PI • &n 1'.
Antbololia Graeoa \.

Die Spröde
Kennat auch du wohl die Sehnsucht, Philinna! Zermarterst auoh du
in zermürbendem Kampf! Brennen die Augen auch dir! [dioh
Oder aohlummerst du atill in aüßester Ruhe? Und zlLhlt nioht,
reohnet bei dir nioht die Qual, die mioh im Innern verzehrt!
Warte nur, Böse. bald triftt auoh dich das gleiche; dann &eh ioh,
wie von Trinen ein St.rom über die Wangen dir rollt.
Denn mag Kypria auch IOnat sich lanniach erweisen, du eine
Sohöne besitzt sie: sie haßt grimmig hochmütige Fraun.

AgatAitu SclIol4Mil:ol

Brennende8 Waaaer
Gestern hab ich mit Wein mich fröhlich befeuchtet, und a1a ich
drauf Hermonaaaa die Tür ringsum mit KriLnzen umwand,
goB aua dem Becher sie Waaaer auf mioh und verdarb die Frisur mir,
die ioh ao kunstvoll für drei Tage zurecht mir gelegt.
Sohlimmer noch brennt mich das Waaaer; denn was ihre wonnigen
heimlich beaaBen an Olut, hatte den Becher erfüllt. [Lippen

PaWo& Silemiati08

IUdohenfri8ch
Rank steht MeUte noch an der Schwelle des zögernden Alters;
was Lv die Jugend an Reiz einatma1a gegeben, 88 blieb.
Marmorn aohimmern die Wangen, und zauberisoh locken die Augen.
ob auch 80 manohes Jahrzehnt ihr achon im Leben verfloß.
Immer nooh hat sie den Sohelm des Midchena behalten. •• Ich aehe,
über die mäohtige Zeit aiegte und siegt - die Natur.
Agatlaüu ScAoltutik08
418 Antbologia Oraeoa V

283 (282). IIAYI\OY III\ENTIAPIOY


6axpua 1101 cnrillSovaav bn'!pcrrOll OIKTpa 9Eallw
.lxoll Vnip MKTPWII 1TcXvwx0ll 1'\IIE"ripc.>II·
.~m yap 1Tp6s ·OA\II.l1TOII äl/iSpallfll iampos acn,;p,
Ilillqlno lIf).).ovaTlS &yyEAoII 1'\pITTOATlS.
ovSlll IqlTlllfplolS t<crraeliIiIOll' EI TlS 'EpWT(O)II
AaTPIS. llliKTas 'X"" ~ KlllIIfpl(o)II•
• 6yyV.cw 0 _(7) pi S d 0 ~ pi '~o w tIM PI.

284 (283). POY4>INOY ~OMEITlKOY

naVTa ateEII qllAi(o)' IIOÜVOll & aOll äKPITOII c51l1JC1


1x8alp(o), CTTV)'IpoTS allSpaal npm)lIflloll.
PI \'11121 f. 73 v. - Tit.: 'P"""I\OOII P 'P~ PI I äKpi\TOV PI.

2811 (284). ArAelOY IXOl\AHIKOY


ElpyolllllTJ qlVJelll lIf l<CXTa aT61la Sia 'P066:IIOTl
t~IITJV mxp&Vltciall l~cXwaoIllICJT)V
KalIClIIITJV qlVJeaICIv' fyw St TlS ~ 0XETIlYOs
apX-ilII EIS htPTlII EIAKov fpwTOS <iS(o)p,
cMPV(o)II TO qlli\Tllla' mpl ~(o)aTi'jpa st KOVPTlS
1lc!&aTat<1 1T01T1TIit(o)II TTlA66ev aV'TEqlIAovII.
~V Si TTOIIOU tcal TOÜTO 1Tapaltpao'lS' 1'\ yAVlCEpfJ yap
t~1ITJ 1T0p61!Os hJv xelAEos &i.aqlOTtpov.
App. B.V 28. - I .~lTaw01 App. :I 6XlTay6<; App. V -TCloy6<; App. M 4 v..cOll
App. S aUa~ Boabier 60 Ip. P ''1TOmrla6c.lll App. 1 napo(oppaa1S App. M

288 (283). nAYI\OY III\ENTIAPIOY


4>patE6 1101, Ki\e6faVTIS, 6CJT) XaPIS, c!m-rron SOIOVs
~"hTatylt(o)" laos fpws tV.Oval.
1TOJos 6f)TlS 1'1 T~ ämlPITOII t'll Tls al~
TOW6e SlaKplllll1TAtyllCX'Ta ~olllllOVS;
AnthoJogia Graeea V 419

Kurze Nacht
!'ränen um 'I'ränen vergoß die schöne Theano, indes sie
heut in den Stunden der Nacht hold in den Armen mir lag.
Schon als der Stern des Abends hinauf zum Olympos gestiegen,
klagte sie zürnend, daß er Bote des Morgenrots sei •..
Nichts geht den Menschen nach Wunsch, und wenn einer Eros sich
müßten die Nächte ihm sein wie im kimmerischen Reich. [weihte,
Pamo8 Silentiario8

Die Kritiklose
Alles an dir hab ich lieb, nur haß ich dein Auge, das wahllos
auch noch an Männern sich freut, die für mich widerlich sind.
Rufin08 (oder Ru/os) Domestikos

Der Gürtel
Als mir die hehre Rhodanthe den Mund nicht zu küssen vermochte,
nahm sie den Gürtel und hielt eines der Enden mir hin,
küßte dann selber ein Ende, und ich, wie ein Rinnsale·Zieher,
zog mir zum andem bebend Wasser der Liebe herbei.
Durstig trank ich die Küsse, ich drückte die Lippen auf ihren
Gürtel und habe sie so, ob auch von ferne, geküßt.
Und selbst dies war Trost und dämpfte die Qualen; des Mädchens
wonniger Gürtel, er ward Brücke von Munde zu Mund.
AgathiaB Scholastikos

Liebesrausch
Ach, Kleophantis, was gleicht wohl dem Glück, wenn gemeinsa.me
mächtig erbransend ein Paar liebender Leute durchstürmt? [Liebe
Gibt's eine Waffengewa.lt, gibt's Scham, oder gibt es wohl einen
Schrecken so riesig, daß er ihre Umarmung zerreißt?
420 Anthologla Graeoa V

Elll 1101 lIEA&oat TeX 1\1')11'''0$ flpllOOlv 6KIlCo)V


6EaJ,Jä Kai 'HfCriC7TOV lTäoa 50A0ppa,11l.
IIOÜVOV lyW. xapleaaa. 'TtOV 5!1JQS c!cyKäs V.1~as
8ü.yolllllV rnt aOIS &fIEal JX!vMIllVOS.
81') Tern Kai ~1v6s 111 Kai Iv8alTlO$ Kai 08ITf1S.
lTarva, Kai apllT1')p X'" lTap6;KolTlS 1801.
PI VII M 1.70"1. - I "aOpov PI 4 TOVcr6. PI Toter- pI TO~- o"~OIl!voIS P.

187 (288). ArA810Y IXOAAITIKOY


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1TIlpa~ov tcpa811lv lT1.&apan 1CEp8WJCj)·
.. SilaollCXlls ~VflV TlvOt 1TOV X86va· 1l11l11E st. KoVpll.
dePT1lTO$, "'Ilnipov llvf\aTlV fx0vaa lT6eov."
'" 8l Iliya aTovaxllaE Kai 1\1.aTO Kai "TO lTp6a6)lTOV
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Kai 111 IlEIlEIV bd-TEVEV· lyw Si TIS ~ ~paSV1TIIe1')s
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61.~IO$ Is lT6&ov EIIlI· "TO yap lllviatvov demaat
lTm6)$, EIs llEYQ).llV TOiiro Sl&>!ca XapIV.
PI VIl 18 f.71"1. - I tmdpat,;cw P S lIOUpa P 4 6pThros P om. PI [.patio ~J.J
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288 (287). nAYAOY IIAENTIAPIOY


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1.6:&p1J TOUs ISloVS allft~cW anfdevovs.
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PI VII 55 f.70"l. - 1 Buhl. 8. ~_ 11 mvoiivTl pI 11O\MCTT16ouc7a PI
4 ~" 0 PI y"uaaiII (!) PI.
ADtbolo,la Oraeoa V 421

Mag man mit sämtlichen Banden, die einst auf dem Am boB zu LeIDDOI
schmiedend Hephaistoe