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Johann Wolfgang Goethe: Willkommen und Abschied (1771)

Gedichtanalyse von Karla Budimir

1. INHALT: Formulieren Sie kurz das Thema des Gedichts. Fassen Sie den Inhalt des Gedichts
in eigenen Worten zusammen. Gehen Sie Strophe für Strophe vor.

Das Thema dieses Gedichts ist das fröhlice Treffen des lyrischen Ichs mit seiner heimlichen
Geliebten und der schmerzhafte Abschied von ihr.
In den ersten beiden Strophen skizziert lyrisches Ich die nächtliche Umgebung an seinem Ritt zu
geliebter Dame. Alles ist finster und unsicher, aber er reitet schnell durch den nebeligen Wald mit Mut
und Eifer. Er freut sich auf das heimliche Treffen mit seiner Geliebten.
In der dritte Strophe wird endlich die Begegung des Liebespaars beschreibt. Er ist von ihrem
Anblick und ihrer Zärtlichkeit sehr stark verzückt und versteht nicht, womit er solches Glück verdient
hat. Die beide Liebende fühlen sich sehr glücklich und gesegnet. Zusammen sind sie wie einer
Lichtstrahl in der Dunkelheit.
In der vierten Strophe wird nun der Abschied aus dem Titel klar. Als der Morgen graute, muss das
Liebespaar sich trennen. Sein Herz verengt und in ihren Augen ist Schmerz. Als ihr Geliebter reitet
weg, bleibt sie zu Boden und weint ihm nach. Sie lässt den Kopf hängen und hat einen "nassen
Blick". Doch dankt er an die Götter, dass er geliebt und verliebt ist.

2. LYRISCHES ICH: Beschreiben Sie Situation und Gefühle des l.Ichs

Zuerst fühlte sich das lyrische Ich beobachtet und besorgt, während er durch den nächtlichen Wald
zu seiner heimlichen Geliebter reitet. Obwohl die Nacht sieht gefährlich an, ist er aber mutig,
ungeduldig, sehnsüchtig, leidenschaftlich und berauscht vom Ruf der Liebe.
Wenn er sich endlich mit seiner Dame begegnet, überflutet ihn die Gefühle der unermesslichen
Glück und Zärtlichkeit. Er liebt sie so, dass “ jeder Atemzug” ist für sie. Aber, ihre Glück endet “mit der
Morgensonne”. Sein Herz ist aufgrund ihres Abschieds gebrochen.

3. AUSSAGE/BEDEUTUNG: Formulieren Sie eine Interpretationsthese.

4. FORM: Analysieren Sie Gedichtform, Strophenaufbau, Reimschema, Metrum,


Enjambements. Analysieren Sie jeweils die Wirkung.

Das Gedicht besteht aus vier Strophen von denen jede acht Verse beinhaltet.
Jede Strophe enthält zwei Kreuzreime (a-b-a-b, c-d-c-d), obwohl ein Anteil der Reime unrein ist, z.B
“Eiche”-”Gesträuche”, “Freude”-”Seite”.
Das Metrum des Gedichts ist durchgehend ein vierhebiger Jambus.
Der regelmäßige Aufbau zusammen mit den durchgehend jambischen Versen vermittelt eine
eintönige Atmosphäre. Es ist aber der Inhalt der Strophen, der die Dynamik des Gedichts stellt fest.
Die Konzentration ist auf den Inhalt.

Der Dichtung kann in drei Einheiten geteilt werden:


● Ritt des Mannes zu seiner Geliebten: Der erste Teil umfasst die ersten beiden Strophen. In
diesem Teilstück des Gedichts ist der Rhythmus dem Galopp des Pferdes nachempfunden.
● Die Begegnung des Liebespaars: Im zweiten Teil, welcher nur die dritte Strophe umfasst, ist
der Rhythmus langsamer und unregelmäßig. Der Grund dafür ist, dass sich hier nur jeder
zweite Vers reimt.
● Der Abschied des Mannes von der Geliebten: Der dritte Teil, welcher die letzte Strophe
beinhaltet, ist der Rhythmus wieder gleichmäßig.

5. SPRACHE: Analysieren Sie mindestens eine rhetorische Figur (z.B. Metapher) und deren
Wirkung im Gedicht.

Die Versen “Der Abend wiegte schon die Erde” (V. 3) und “Schon stand im Nebelkleid die Eiche,
/Ein aufgetürmter Riese, da” (V. 5-6) sind die Naturmetaphern für die Abenddämmerung.
Die Metapher “Wo Finsternis aus dem Gesträuche /Mit hundert schwarzen Augen sah.” (V. 7-8)
schildert die Unsicherheit der heimlichen Begegnung des Liebespaars. In diesen Versen werden auch
eine Personifikation (“Finsternis […] sah”) und eine Hyperbel (“Mit hundert schwarzen Augen”)
gebraucht, um die Natur in ihrer ganzen „Finsternis“ zu beschreiben.
Sehr schöne sind die poetische Bilder am Anfang der zweiten Strophe: “Der Mond von einem
Wolkenhügel /Sah kläglich aus dem Duft hervor (visuelles Bild), /Die Winde schwangen leise
Flügel, /Umsausten schauerlich mein Ohr (auditives Bild)” (V. 9-12). Sie schaffen eine gruselige und
düstere Atmosphäre. In diesen Versen wird auch die Personifikation (“Der Mond […] sah”, “Die Winde
schwangen leise Flügel”) verwendet. Der Vers 13 ist im Gegensatz zu den folgenden drei Versen:
“Die Nacht schuf tausend Ungeheuer; /Doch frisch und fröhlich war mein Mut: /In meinen Adern
welches Feuer! /In meinem Herzen welche Glut!”. Die Natur wirkt gefährlich, aber das lyrische Ich ist
mutig, leidenschaftlich und berauscht vom Ruf der Liebe. Ein Stimmungswandel wird angekündigt.
Kein Dunkelheit und Bedrohung ist mehr abwesend. Die Alliteration “frisch und fröhlich” und die
Anapher “In meinen Adern […], /In meinem Herzen” unterstreichen diese Vorstellung. Der zuvor
unpersönliche Erzähler wechselt zu einem Ich-Erzähler.
Das Personalpronomen “mich” im ersten Vers der dritte Strophe und das “dich” am Ende des
folgenden Verses stehen für die Zweisamkeit. Der junge Mann und seine Dame bilden eine Einheit.
Die Ausdrücke “Ein rosafarbenes Frühlingswetter”(V. 21) und “Zärtlichkeit für mich” (V.23) kann man
mit der Erotik verbinden.
Mit dem Ausdruck “Doch ach” (V. 25) ist die idylle der Liebe abgebrochen. “[…] schon mit der
Morgensonne” ist der Moment des Abschieds da. Durch die Ellipsen und das Parallelismus ist der
Kontrast dargestellt: “In deinen Küssen welche Wonne! /In deinem Auge welcher Schmerz!” (V. 27-
28). Gleichzeitig gibt es die Wonne und der Schmerz. Die Metapher “mit nassen Blick” steht für die
tränenreiche Augen. Das ganze Gedicht ist im Präteritum geschrieben (beendete, vergangene
Liebesbeziehung), außer den letzten beiden Zeilen, die die Zeitlosigkeit der Liebe ausdrücken.

6. WECHSELBEZIEHUNG: Stellen Sie einen Bezug zwischen der Analyse und dem Thema
her: Notieren Sie, inwieweit Form und Sprache zum Thema passen.