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„Islam und Europa – wie passt das zusammen?

„90 Prozent der hochreligiösen Muslime halten die Demokratie für eine gute Regierungsform“
– zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Dennoch entfacht bei
Diskussionen wie dem zurzeit stark umstrittenen „Burkaverbot“, dem Verschleierungsverbot
für das religiös motivierte Tragen von Ganzkörperschleiern, immer wieder ein Streit um die
Vereinbarkeit von islamischer Religion mit demokratischen Werten. Auch im Zuge des
großen Zustroms muslimischer Flüchtlinge 2015 nach Europa sehen einige ein großes
Konfliktpotential zwischen den europäischen und islamischen Werteansichten. „So äußern
61 Prozent der Bundesbürger die Meinung, der Islam passe nicht in die westliche Welt.“ und
„Jeder Vierte will Muslimen sogar die Zuwanderung nach Deutschland verbieten“. Zu diesem
Ergebnis kam ebenfalls die Bertelsmann-Stiftung. Aus dem Erstarken rechtspopulistischer
Parteien wie der AfD und Bewegungen wie Pegida wird deutlich, dass das Misstrauen
gegenüber Muslimen auch bei deutschen Bürgern in den letzten Jahren angestiegen ist,
obwohl der Großteil der deutschen Muslime immer mehr die Werte unseres Demokratischen
Systems akzeptieren und sich somit deutlich zur Demokratie bekennen. Allein diese
Beispiele zeigen schon, um was für ein aktuelles und kontroverses Thema es sich bei der
Frage um die wechselseitige Verträglichkeit handelt. Der Einfluss von Medien und
Ereignissen wie Terroranschlägen beeinflussen Meinungen direkt. Debatten sind oft sehr
aufgeheizt, Ängste, Vorurteile und persönliche Erfahrungen kommen zum Tragen. Auf der
anderen Seite hat sich auch gezeigt, dass viele Menschen gibt, die sich aktiv für Integration
von Moslems einsetzen und den Islam als wichtigen Teil Europas sehen.
Im Jahr 2005 lebten in Europa zwischen 42 und 53 Millionen Muslime, das sind etwa 6 bis
7,5 %, der Islam ist die zweitgrößte Religion Europas. Auch in Deutschland ist mittlerweile
über 5% der Bevölkerung muslimisch, Tendenz steigend. Fragen nach dem Umgang des
Islams und den europäischen Staaten mit Demokratie und Religionsfreiheit, die Wahrung von
Menschenrechten und die Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Ängsten im Bezug auf
den Islam, sowie auch mit der kulturellen Entwicklung durch den Islam in Europa, sind also
unerlässlich für ein gemeinsames, freies Europa.
Deshalb wollten wir die Chance nutzen, uns im Rahmen dieses Wettbewerbs selbst mit
diesen Themen zu beschäftigen, um so für uns selbst die Frage „Islam und Europa – wie
passt das zusammen?“ beantworten zu können.
Aus diesem Grund begannen wir Menschen in unserem Umfeld zu befragen. In der Schule
zeigte sich jedoch, dass unsere Mitschüler fast geschlossen den Islam als gut vereinbar mit
Europa betrachteten, weshalb wir unsere Umfrage öffentlich und mit bewusst provokanteren
Fragen fortsetzten, um auch andere Meinungen einfangen zu können.
Umfrage:

Frage 1: Ist der Islam mit unserer Demokratie vereinbar?


Frage 2: Ergaben sich in Ihrem Umfeld bereits Probleme im Zusammenhang mit dem Islam?
Frage 3: Glauben Sie, dass das Frauenbild des Islams zu dem einer modernen Demokratie
passt?
Frage 4: Sehen Sie die Rechte der Frau im Islam gewährleistet?

18
16
14
12
10 Ja
8 Nein
6 Unsicher
4
2
0
Frage 1 Frage 2 Frage 3 Frage 4

12

10

6 Männlich
Weiblich

0
Frage 1 mit Nein Frage 2 mit Ja Frage 3 mit Ja Frage 3 mit Unsicher Frage 4 mit Nein
Frage 1 mit Ja Frage 1 mit Unsicher Frage 2 mit Nein Frage 3 mit Nein Frage 4 mit Ja

Sonderfälle:
• Syrischer Flüchtling war interessiert, aufgrund schlechter Englisch Kenntnisse war
eine Verständigung jedoch nicht möglich.
• Mann Mitte 30, war zunächst am Schulprojekt interessiert, lehnte dann aber ab sich
zum Islam zu äußern.
Bedingungen und Besonderheiten der Umfrage:
Bei unserer Umfrage befragten wir 19 Personen, dabei befragten wir abwechselnd
männliche und weibliche Personen. Die jüngste befragte Person war 17 Jahre alt und die
älteste Person war 77. Wir führten die Umfrage am Samstag den 19.11.2016 abends in der
Lahrer Innenstadt durch. Trotz dessen, dass Lahr nur eine Kleinstadt mit etwas mehr als
40.000 Einwohnern ist waren gegen 17 Uhr noch genügend Passanten unterwegs, sodass
wir Beschlossen die Umfrage durch zu führen. Ausgestattet mit reichlich Umfragebögen,
einem Clipboard und einem Kuli gingen wir also auf Passanten zu und befragten sie.
Zunächst lehnte ein Passant nach dem andern ab als wir ihn fragten, ob er an einer kurzen
Umfrage für ein Schulprojekt zum Thema Islam teilnehmen möchte. Dies jedoch besserte
sich im Verlauf der Stunde, welche wir für die Umfrage benötigten und so trafen wir nach der
anfänglichen Abneigung gegenüber der Umfrage zunehmend mehr Passanten welche bereit
waren teilzunehmen. So waren vor allem Passanten bereit an der Umfrage teilzunehmen,
wenn ihre Kinder selber das Scheffel-Gymnasium besuchen. Schon während der Umfrage
fiel uns auf, dass eine Großzahl der befragten recht negativ gegenüber dem Islam eingestellt
war. Auch bei der Auswertung der Umfrage stellten wir fest, das nur 3 Personen der Meinung
waren, dass das Frauenbild des Islam zu einer modernen Demokratie passt. 2 Befragte
waren bei dieser Frage unsicher und begründeten dies damit, dass sie die Frage nicht auf
die Schnelle beantworten könnten sondern sich darüber erst ausreichend Gedanken machen
müssten. Während wir zum einen versuchten Männer und Frauen gleichermaßen zu
befragen, unabhängig von ihrem Alter, versuchten wir auch ethnische Minderheiten sowie
Flüchtlinge zu befragen um auch deren Sichtweise zum Thema Islam und Demokratie
einzufangen. Jedoch wandten sich viele schon ab, als sie uns mit den Clipboards auf sie zu
laufen sahen. Ein weiteres Problem welches aber nur bei einem Flüchtling auftrat war das
der Verständigung. Die englischen Kenntnisse des Flüchtlings waren leider zu schlecht um
sich zu verständigen, daher konnte er nicht an der Umfrage teilnehmen. Im Laufe der
Umfrage trafen wir auch auf einen Mann der sich zunächst bereit erklärte an der Umfrage
teilzunehmen, dann jedoch ablehnte als er erfuhr das es sich um eine Umfrage zum Thema
Islam handelt.
Trotz dessen, dass unsere Umfrage aus nur 19 befragten Personen besteht lässt sich ein
deutliches Stimmungsbild ablesen. Nur 3 Befragte waren der Meinung, dass das Frauenbild
des Islams zu einer modernen Demokratie passt. Nur ebenso viele waren auch der Meinung,
dass die Rechte der Frau im Islam gewährleistet sind. Ein Teilgrund dafür könnte sein, das
von gerade mal 19 Befragten schon 3 Probleme mit dem Islam hatten. Bei der ersten Frage,
ob der Islam mit unserer Demokratie vereinbar ist halten sich Ja und Nein antworten die
Waage wobei eine Person angab, dass sie sich Unsicher sei. Das Ergebnis bei Frage eins
kann durch aus so gedeutet werden, dass viele Befragten trotz der möglichen Probleme
nicht zu voreilig über solch eine weitgefasste Frage urteilen wollten.
Nach dem wir nun mit Hilfe der Umfrage einige Auffassungen, Meinungen und Erfahrungen
über das Verhältnis zwischen dem Islam und Europa sammeln konnten, begannen wir
unsere Recherche um uns auf Basis dieser Eindrücke und den, durch die Aufgaben
vorgegebenen, Aspekten, selbst mit der Thematik wissenschaftlich auseinanderzusetzen.
Stellenwert von Religionsfreiheit und Demokratie:
In Europa, speziell durch die Gründung der Europäischen Union, beansprucht man für sich
eine Gemeinschaft demokratischer Werte zu sein. Hierzu verfolgt man zentral die
Grundsätze demokratische Gleichheit, Mitbestimmung und die Umsetzung einer
gemeinsamen repräsentativen Demokratie. Zu den wesentlichen Merkmalen der Demokratie
gehört auch die Sicherung unveräußerlicher Grundrechte (z. B. Glaubens-, Meinungs-,
Informations-, Versammlungsfreiheit, Freizügigkeit). Der Grünen-Politiker Tom Königs hält die
Religionsfreiheit so zum Beispiel für das „Markenzeichen“ Europas. Diese Idee ist auch in
Artikel 9 der europäischen Menschenrechtskonvention verankert, welcher besagt, dass
sowohl der Anspruch auf Freiheit von Gedanken, Gewissen und Religion bestehen, aber
auch freier Wechsel und Ausübung dieser gewährleistet werden muss. Auf Seiten der
europäischen Regierungen ist Religionsfreiheit zumindest rein formell also ein Gut mit sehr
hohem, unveräußerlichen, schützenswerten Stellenwert und wird bei Verletzung durch EU-
Mitgliedsstaaten vom europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg geschützt.
So ist auch laut Grundgesetz Artikel 4 die „Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die
Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses“ unverletzlich. Ebenfalls soll die
„ungestörte Religionsausübung“ gewährleistet werden – das soll für alle Religionen gelten.
Rein nach der Verfassungsnorm sind also die notwendigen Grundlagen für ein Bestehen des
Islams in Europa vorhanden, Muslime haben also ein gutes Recht ihre Religion frei zu
praktizieren. Die Verfassungsrealität weicht davon leider teilweise stark ab. Manche Staaten
in Europa, wie etwa die Schweiz, wollen bestimmte religiöse Ausdrucksformen behindern. Zu
dieser Ansicht gelangt ebenfalls Tom Königs in einem Interview für die Webseite des
Bundestages 2010. Demnach wüsste „Jeder Christ, dass zu einer Kirche ein Kirchturm
gehört. Aber das Minarett soll nicht mehr zur Moschee gehören“. Auch in EU-Staaten sieht
das oft nicht viel anders aus. Das zeigen zum Beispiel Diskussionen um Kopftücher, welche
teilweise zu Forderungen, die der Abschaffung von Religionsfreiheit gleich kommen,
entgleisen.
Auf der anderen Seite ist die Position nach islamischen Grundsätzen zu solchen Themen
ebenfalls von Interesse. Aktuell nutzen besonders rechtspopulistische Bewegungen (z.B. die
AfD in Deutschland, oder der Front National in Frankreich) Anschläge islamistischer
Terroristen um damit Rückschlüsse auf den gesamten Islam zu ziehen und gehen so mit
vermeintlich einfachen Lösungen auf Wählerfang. Oft wird hier die Scharia, das religiöse
Gesetz des Islam, als Beleg für die scheinbar mangelnde Demokratiefähigkeit, z.B durch die
fehlende negative Religionsfreiheit, des Islams herangezogen. Demnach ist es, nach
klassischer Lehre, zwar jedem erlaubt den Islam anzunehmen und diesen frei auszuüben,
jedoch nicht zu einer anderen Religion zu konvertieren oder keiner Religion anzugehören.
Des Weiteren verweisen Gegner zum Beispiel auch darauf, dass es bis heute in islamisch
geprägten Staaten nur wenig liberale Demokratien gibt. Der Grund hierfür wird dann in einer
scheinbaren Unvereinbarkeit des islamischen Glaubens und der Demokratie gesehen.
Dennoch steht der Islam mit seinen Glaubensgrundsätzen alleine schon rein rechtlich nicht
im Widerspruch zu unsrer Verfassung. Religionsfreiheit setzt nämlich nicht voraus, wie es die
AfD vielleicht durch ihre Forderung dahingehend vermuten lässt, dass der jeweilige Glauben
mit dem Grundgesetz konform sein muss, sonst hätten es auch das Christentum schwer
(z.B. durch den Vorbehalt des Priesteramtes für Männer). Umso wichtiger ist eine Trennung
zwischen Kirche und Staat. In der Türkei ist nahezu 99% der Bevölkerung muslimisch,
dennoch ist die Türkei, außerachtlassend von aktuellen Entwicklungen und der gelebten
Praxis, ein Staat, der von den Gesetzen her sogar noch säkularer ausgerichtet ist als
Deutschland. Moderne Muslime in Europa schätzen die Freiheiten und demokratischen
Strukturen. Das bestätigen auch die in der Einleitung genannte Bertelsmann-Studie und
Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher.
Wahrung der Menschenrechte:
Die Menschenrechte sind für das freiheitliche, gemeinsame Europa essentiell und sind nicht
zuletzt auf Gedanken der französischen Revolution und der Aufklärung zurückzuführen. In
der EU verfolgte man dann das Ziel mit Hilfe von gemeinsamen Werten, vor allem auch
durch konsequente Umsetzung und Wahrung der Menschenrechte, ein friedliches und
gerechtes Europa zu schaffen. Artikel 2. des Vertrags über die Europäische Union sichert
neben Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit und
Rechtsstaatlichkeit, die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der
Personen, die Minderheiten angehören. Wahrung und Schutz dieser geschieht über
verschiedene Organe und Institutionen, so international vor allem über die UN, in
Deutschland unter anderem durch das BverfG, Ausschuss für Menschenrechte u.
humanitäre Hilfe und dem Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtsfragen. Auf
europäischer Ebene hat man ebenfalls von Beginn an Rechte und Institutionen auf- und
ausgebaut, deren komplexes und vielschichtiges Ineinandergreifen das Europäische Grund-
und Menschenrechtsschutzsystem verwirklichen soll.
Grundrechte, dies verlangt die westliche Verfassungstradition, aber auch die
Menschenrechte, können nur eingeschränkt werden, wenn durch ihren Gebrauch die Grund-
und Menschenrechte anderer Personen verletzt werden.
Einige sehen diese universellen, unveräußerlichen und unteilbaren Rechte aller Menschen
durch den Islam gefährdet. Dabei verweisen Islamgegner gerne auf Themen wie
Frauenrechte (hier in Bezug auf die Freiheits- und Menschenrechte, die Frauen als
Mitglieder der Menschheit besitzen oder beanspruchen), als Belege dafür, dass der Islam
nicht mit universellen Menschenrechten vereinbar wäre. Im Folgenden möchten wir uns auf
das Beispiel der Frauenrechte beziehen, weil sich in unserer Umfrage gezeigt hat, dass viele
Menschen gerade hier eine besonders große Differenz zwischen europäischen und
muslimischen Werteansichten sehen.
Verwiesen wird als Beleg für derartige Behauptungen gerne auf muslimisch geprägte Länder
wie Ägypten und ja, hier sind tatsächlich häufig Schlechterstellung, teilweise sogar
Menschenrechtsverletzungen gegenüber Frauen zu beobachten. Faktisch hat das aber
wenig mit dem Islam als Religion zu tun. Tatsächlich sind die Ursachen viel komplexer.
Selbst im Koran ist gleichberechtigt gesichert, ebenso werden beide Geschlechter, zum
Beispiel beim Fasten, in die Pflicht genommen. Wenn man also nach den Ursachen für die
Stellung der Frau in diesen Ländern sucht, muss man mehrere Faktoren betrachten. So wäre
es auch falsch die Beweggründe für das Kopftuchtragen auf einen Schutz vor sexueller
Belästigung triebhafter Männer zu reduzieren. AM Beispiel Ein weiterer Faktor ist zum
Beispiel die wirtschaftliche Entwicklung. Oft ist in diesen Ländern der Ölreichtum ungerecht
verteilt oder die wirtschaftlichen Verhältnisse sind generell schlecht. Dies ist so etwas wie ein
Nährboden für Islamismus und alte Rollenbilder. Ähnliches lässt sich auch auf das Verhältnis
zwischen Islam und Menschenrechten allgemein übertragen. Soziale und
menschenrechtliche Probleme werden so dem Islam in die Schuhe geschoben, obwohl die
Ursachenkomplexe meist viel tiefgreifender sind. Dinge und Handlungen, welche in
stigmatisierender Art und Weise dem Islam in die Schuhe geschoben werden, sind nämlich
durchaus auch Probleme, die in Ländern anderer religiöser Prägung auftreten. Die
Beschneidung von Frauen gibt es in afrikanischen Ländern ebenso unter Christen, Juden
und Animisten.
Einem integrierten, modernen Moslem in Europa kann also nicht vorgeworfen werden, sein
Glaube würde sich gegen die Menschenrechte richten. Das in Ländern islamischer Prägung
oft Menschenrechte verletzt werden steht außer Frage, trotz alledem stellt der Islam als
Religion keine Gefahr für die Wahrung der Menschenrechte dar.
Ängste und Vorurteile innerhalb der Gesellschaft:
Nicht nur die Flüchtlingskrise, sondern auch der islamische Terror stellt Europa auf eine
Zerreißprobe. Da wundert es die meisten nicht, dass die Ängste und Vorurteile oft in Gewalt
ausarten. So waren es im Jahr 2014 nur 247 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, doch schon
im folge Jahr hat sich die Anzahl der Übergriffe schon vervierfacht auf 1077 Angriffe. Doch
um was für Ängste und Vorurteile handelt es sich dabei?

Eine große Angst stellt bei vielen die ganz Körper Verschleierung der Frau im Islam da. So
befürchten viele, dass sich unter der Burka ein Bombengürtel befinden könnte. Daher sehen
sich viele einer Dauerhaften Terror Gefahr ausgesetzt. Als Lösung des Problems wird dabei
das Deutschland weite Burka Verbot gesehen umso der Bevölkerung die Angst vor
Attentaten zu nehmen. Ebenso will man mit diesem Verbot gegen die Unterdrückung der
Frau im Islam vorgehen und all denjenigen Frauen die die Burka nicht freiwillig tragen mehr
Freiheit geben. Ein Vorurteil welches mit der Unterdrückung der Frau in direktem
Zusammenhang steht handelt von der Rolle des Mannes in der islamischen Gesellschaft. So
wird dieser oft mit den Eigenschaften gewalttätig, dominant und sexistisch in Verbindung
gebracht und neben der Burka sowie den nicht gewährleisteten Rechten der Frau im Islam
als Teilgrund für die Unterdrückung gesehen. Jene Assoziationen im Zusammenhang mit
dem islamischen Mann sehen manche dadurch hervorgerufen, dass der Islam zu wenig
aufgeklärt ist. Folglich wirkt er rückständig, gewaltverherrlichend und letzten Endes einfach
nicht kompatibel mit unserer Gesellschaft.
Die stetig wachsende Anzahl an Muslimen welche nach Europa reisen sorgt dafür, dass mit
den Muslimen auch die Terror Gefahr steigt. Manche gehen sogar soweit und behaupten das
Europa so in Zukunft bei weiter steigender Anzahl an Muslimischen Einwanderern in
islamische Hand fallen wird. Wobei solche Ängste durchaus übertrieben sind und zugleich
unrealistisch scheinen. Genauso undenkbar ist das Szenario, dass die Scharia in Zukunft ein
Teil unseres Rechtssystems ist, denn solange man die direkte Demokratie aufrecht erhält ist
dies ohne Verfassungsänderungen nicht möglich.
Was jedoch leider schon vor allem in den Großstädten Europas der Fall ist, ist die
Entstehung einer islamischen Parallelgesellschaft. So besitzen Städte wie Brüssel bereits
ganze Stadtteile welche von Muslimen kontrolliert werden. Daher haben viele Angst, das
solche Parallelgesellschaften sich ausbreiten und zum Standard werden könnten.

Zwischen den Ergebnissen unserer Umfrage und den allgemeinen Vorurteilen und Ängsten
sind klare Zusammenhänge erkennbar. So beantworteten die meisten der Befragten die
Frage, ob die Frau im Islam gleichberechtigt sei mit Nein. Dies untermauert das allgemeine
Vorurteil, dass die Frau im Islam unterdrückt ist. Ebenso steht das Vorurteil, dass der
islamische Mann gewalttätig und dominant sei in direktem Zusammenhang mit der Frage ob
sich schon einmal Probleme im Zusammenhang mit dem Islam ergaben.
Kulturelle Entwicklung durch den Islam in Europa:
Den Islam und Europa verbindet eine lange Vergangenheit. So begann die Expansion des
Islams in Richtung Europa schon kurz nach dem Tod Mohammeds im Jahr 632. Dabei waren
Kalifen von der arabischen Halbinsel aus in den östlichen Mittelmeerraum vorgedrungen und
eroberten Damaskus, Jerusalem und Ägypten. Ebenfalls versuchten sie die Einnahme der
Stadt Konstantinopel im Jahr 674 was jedoch scheiterte. So gelang es dem byzantinischen
König mit Hilfe der Bulgaren in einer zweiten entscheidenden Schlacht Konstantinopel zu
verteidigen.
711 landete erstmals ein Heer aus Arabern in Gibraltar. In einem sieben Jährigen Feldzug
wurden große Teile Spaniens erobert. Trotz der Rückeroberungsversuche der Westgoten
und Franken konnten die Araber ihre Herrschaft dauerhaft etablieren. Spanien wurde unter
dem Namen al-Andalusien Teil des Westmayyadenreichs. Al-Andalusien blieb bis 1492 unter
muslimischer Herrschaft und zeichnet sich vor allem für die damalige Zeit ausgeprägte
religiöse Toleranz aus. So florierte die Wissenschaft, der Handel und das Gewerbe. Dies
führte zu Wohlstand. Al-Andalusien ist bis heute für Wissenschaftler und Philosophen von
großer Bedeutung welche das multikulturelle Zusammenleben in Al-Andalusien erforschen.
Im Mittelalter wurde der Islam von Normannen und Wolgabulgaren wieder etwas aus Europa
zurückgedrängt, jedoch nicht vollständig, denn die Eroberung Jerusalems 1244 durch
Muslime brachte dem Islam wieder etwas mehr Einfluss innerhalb Europas.
Auch wenn die Muslime nie in den Kernbereich Europas vordringen konnten haben sie die
Entwicklung Europas weitreichend beeinflusst. Der Einfluss des Islams spiegelt sich vor
allem in den Bereichen Wissenschaft und Philosophie wieder aber auch in der Sprache
sowie dem Ackerbau. So profitierte Europa von neuen Kulturpflanzen wie Reis, Zuckerrohr
und Zitrusfrüchten. Diese neuen Pflanzen mussten jedoch künstlich bewässert werden was
zu einem „technologischen take off“ im Agrarbereich führte. Die Steigerung der
landwirtschaftlichen Produktivität hatte wiederum einen Aufschwung in Handel und
Wohlstand zur Folge. Dem Islam verdanken wir ebenfalls das Papier welches die Araber von
den Chinesen kennengelernt hatten und in Europa das teuer herzustellende Pergament
ablöste.
Im Osten wie im Westen Europas entstanden regelrechte Übersetzerkreise, welche die
fremdsprachigen Abhandlungen den neuen Lesern im Arabischen,
Kastilischen/Katalanischen und Lateinischen besser zugänglich machten. Aufgrund der
Übersetzerkreise stammen viele der heutigen Alltagsbegriffe aus dem arabischen so zum
Beispiel das Wort Alkohol oder auch Chemie. Auch die Mathematik wurde grundlegend vom
Islam geprägt, so verdanken wir dem Islam nicht nur unser Zahlensystem, sondern auch die
Algorithmen.
Auch wenn die Kulturelle Bereicherung auf vielen Jahren Krieg und Glaubenskämpfen
basiert verdanken wir dem Islam in Sachen Kultur und Wissenschaft eine unheimlich große
Menge an Wissen, ohne die das heutige Europa vielleicht noch nicht so modern und
fortschrittlich wäre.
Fazit:
Obwohl der Islam die zweitgrößte Religion Europas ist, bestehen bei vielen Menschen
Sorgen und Ängste – das hat auch unsere Umfrage gezeigt.
Alleine ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass der Islam auf wissenschaftlicher und
kultureller Ebene eine Bereicherung für Europa darstellte und darstellt.
Ängste ergeben sich meist aus medial vermittelten Ereignissen und Bildern eines radikal und
dogmatisch ausgelegtem Islam, was dann dazu verleitet auch Rückschlüsse auf Muslime in
Europa zu ziehen. Das nutzen dann populistische, islamfeindliche Parteien für sich und
verstärken dieses Bild sogar noch weiter.
Natürlich ist der Islam auch eine eine Religion, die , genau wie das Christentum,
fundamentalistisch und dogmatisch gelebt werden und sich für radikale Zwecke
missbrauchen lässt.
Muslime, die den Koran und ihren Glauben gewaltbereit auslegen sind nicht nur stark in der
Minderzahl, sondern sind führenden Islamwissenschaftlern zu Folge auch falsch.
Koranverse, auf welche sich zum Beispiel IS-Kämpfer beziehen um Morde an Abtrünnigen
zu legitimieren, sind bei Islamwissenschaftler ohnehin stark umstritten. Ismet Macit, ein
Experte für islamisches Recht, sieht zum Beispiel klare Bekenntnisse zur Religionsfreiheit im
Islam.
Sicherlich sind Probleme im Zusammenhang mit islamischen Ländern nicht zu leugnen,
generell macht man es sich viel zu einfach, wenn man die Gründe für
Menschenrechtsverletzungen auf den Islam, oder generell irgendeine Religion reduziert.
Deshalb müssen wir aber auch aufpassen, dass wir uns von Forderungen rechter Parteien
nicht blenden lassen und so Einschränkungen der Religionsfreiheit in Europäischen Staaten
zulassen. Obgleich viele Menschen Ängste uns Sorgen äußern, sind wird der Ansicht, dass
der Islam friedlich in Europa bestehen kann. Dafür sprechen zum Beispiel Umfragen welche
zeigen, dass gerade in Bezirken mit hohem Ausländeranteil weniger Menschen Sorgen
äußern als in Bezirken mit geringem Ausländeranteil. Es zeigt sich also, dass viele dieser
Ängste sich in der Praxis, im tatsächlichen Zusammenleben mit Muslimen, abgebaut werden.
Viel gefährlicher für die Erhaltung der Menschenrechte in Europa, als es der moderne Islam
ist, sind Abschottung, Rechtspopulismus und Forderungen von Islamfeinden, die der
Einschränkung von Religionsfreiheit entsprechen.
Abschließend lässt sich für uns feststellen, dass der Islam mit den europäischen Werten
vereinbar ist. Moderne Muslime passen gut zu einem multikulturellen, weltoffenen Europa
und obwohl Islamfeinde sich gerne ein Bild eines ausschließlich christlich-jüdisches
Abendland konstruieren, ist der Islam ein Teil Europas.
Quellen:
Buchquellen:
BpB, Allah und Eva, Betsy Udink
Digitale Medien:
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http://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/studie-wissen-ueber-
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%20gegen%20Muslime.pdf, 10.8.2016
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