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Mehr Öffentlichkeit für

den Gesang I – Audience


Development beim Rund-
funkchor Berlin
Referent: Hans-Herman Rehberg, Zwischen diesen Produktionen finden
Chordirektor zwölf Veranstaltungen im Rahmen von
„Broadening the Scope of Choral Music“
statt:
Die Initiative „Broadening the Scope of
Choral Music“ des Rundfunkchor Berlin • Broadening in concert (5 Konzerte)
geht auf die Feststellung zurück, dass • Internationale Meisterklasse Berlin (1
der Chor im Kerngeschäft zwar immer • Konzert und 6 Workshoptage)
große Aufmerksamkeit genoss, A- • KlangKulturen (1 Konzert und 10
Cappella-Konzerte vom gleichen Publi- Workshops)
kum jedoch kaum besucht waren. Seit • Liederbörse (1 Konzert und 12
2003 experimentiert der Chor nun mit Workshops)
neuen Konzertformen und findet dabei • LeaderChor (1 Konzert und 3 Work-
heraus, wie mit dem Publikum von heute shoptage)
und morgen mehr als bisher möglich • Mitsingkonzert (1 Konzert und 2 Pro-
werden kann. ben)
• Mitsingprobe (2 Veranstaltungen)
Im Jahr 2007 brachte der Rundfunkchor
in der Reihe „Broadening in concert“, Sir Im Bereich Education engagiert sich der
John Taverners siebenstündiges Mei- Rundfunkchor bereits seit Ende der
sterwerk „The Veil of the Temple“ unter 1990er Jahre. In seinem jüngsten Pro-
der Leitung von Simon Halsey im Ham- jekt war er zu Gast in einer Grundschule
burger Bahnhof in Berlin zur deutschen in Berlin-Marzahn. Mit rund 150 Schüle-
Erstaufführung. Als kulturübergreifendes rInnen der 5. und 6. Klasse erarbeitete
Riesenwerk in fünf Sprachen erfolgte die der Chor über drei Monate ein interdiszi-
Aufführung durch insgesamt fünf Chöre plinäres Projekt zu Rodion Shchedrins
und europäische wie außereuropäische Chorwerk „Der versiegelte Engel“. Die
Instrumente. Proben dafür fanden im Musik- und im
Sportunterricht statt.
Aktuell befindet sich der Rundfunkchor
Berlin in der Planung für das Fest der Ein weiteres Projekt der Reihe „Broade-
Kulturen im kommenden Januar in Ber- ning in Concert“ fand 2006 mit Christian
lin. Dort werden drei Amateurchöre zu- Josts Choroper „Angst“ statt, bei dem
sammen mit dem Chor des türkischen der Chor der Träger der Handlung ist.
Konservatoriums sowohl deutsche als Dass das Konzept von „Broadening in
auch türkische Werke aufführen. Für ei- Concert“ funktioniert, zeigten auch die
nen zweiten Programmteil wurde ein Aufführung von Ernst Peppings „Passi-
Gospel-Spezialist eingeladen, um mit ei- onsbericht des Johannes“, die 2008
nem Projektchor aus den verschiedenen mehrfach das Radialsystem in Berlin füll-
Chorszenen und Kulturen Berlins ein te sowie die Johannes-Passion von Ja-
Konzert zu erarbeiten. Im dritten Pro- mes MacMillan 2008 und 2009. Die Auf-
grammteil wird der Rundfunkchor die tragskomposition von MacMillan band
musikalische Vesper von Sergej Rach- den Chor szenisch mit ein und wurde zu-
maninow, unterbrochen von Improvisa- sammen mit dem Boston Symphony Or-
tionen auf der armenischen Duduk-Oboe, chestra, dem London Symphony Orche-
aufführen. stra und dem Concertgebouworkest Am-
sterdam aufgeführt.
Das eigentliche Kerngeschäft des Rund-
funkchors beinhaltet 55 Konzerte und
drei CD-Produktionen in der Saison
2010/2011.

Musikland Niedersachsen – Jahreskonferenz 2010 – „Singen“ – Protokoll „Mehr Öffentlichkeit für den Gesang“ S. 1 / 6
Neben der Reihe „Broadening in Concert“ Damit möchte der Chor dazu beitragen,
und den Education-Aktivitäten gehören dass Singen als kreatives Potenzial alle
auch die sogenannten Mitsingkonzerte Bereiche des Lebens erreicht.
zum Konzept von „Broadening the Scope
of Choral Music“. In zwei Proben und der Auch vor Unternehmen macht der Rund-
Aufführung können dabei 1000 Mitsänger funkchor nicht Halt. Im Gegenteil – hier
bei einem großen Chorwerk des Rund- findet er sowohl finanzielle als auch
funkchores in der Berliner Philharmonie kreative Partner und initiiert Chorgrün-
mitwirken. Oft melden sich dabei ganze dungen in Unternehmen. In Mitsingpro-
Chöre und Schulklassen an und die War- ben in den Räumen der Unternehmen
teliste ist so lang wie die Liste der be- kommen die MitarbeiterInnen mit dem
reits Angemeldeten. Inzwischen hat sich Singen in Kontakt. Daneben richtet sich
sogar eine „Industrie“ im Umfeld der der so genannte LeaderChor an Füh-
Mitsingkonzerte entwickelt – Chorleite- rungskräfte aller Bereiche. Es wurde
rInnen bieten Workshops und Proben zur festgestellt, dass Führungskräfte durch-
Vorbereitung auf das Mitsingkonzert an. aus singen können, jedoch zu wenig Zeit
Sogar Unternehmen entsenden Mitarbei- für regelmäßige Proben haben. Daher
terchöre, die während der Arbeitszeit zu- sind sie dankbar, einmal projektweise
sammen dafür proben. Am Ende steht wie die Profis mit Simon Halsey zusam-
ein großes gemeinsames Konzerterleb- menarbeiten zu können.
nis, das jedes Mal bereits nach 14 Tagen
ausverkauft ist.

Auch für Berliner SchülerInnen gibt es


ein Mitsingangebot des Rundfunkchores.
Mit 300 TeilnehmerInnen kleiner als das
Mitsingkonzert, ist die sogenannte Lie-
derbörse eine Möglichkeit für die Schüle-
rInnen, mit einem professionellen Chor
zusammen zu singen. Dabei dürfen Lie-
derwünsche mitgebracht werden. Dieses
Projekt erfordert ein Jahr Vorbereitung,
in dem SängerInnen des Rundfunkchores
mit den SchülerInnen proben. Dazu
müssen auch immer LehrerInnen gefun-
den werden, die klassenübergreifend
mitmachen. Damit auch in Zukunft charismatische
Chorleiter und „Rattenfänger“ wie Simon
Das nächste Projekt des Rundfunkchores Halsey diese Arbeit fortsetzen, hat der
im Bereich der kulturellen Kinder- und Rundfunkchor die „Internationale Mei-
Jugendbildung wird ein Projekt sein, in sterklasse Berlin“ für junge Dirigenten
dem das Singen neu in den Grundschu- ins Leben gerufen, bei der man bereits
len etabliert werden soll. In Kooperation interessante junge Leute kennen lernen
mit den Landesmusikschulen werden konnte. Dabei lernen beide Seiten, Leh-
ChorsängerInnen als Singpaten in zu- rende und Lernende, immer auch von-
nächst zwei Grundschulen entsandt. einander.

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Mehr Öffentlichkeit für
den Gesang II – Singende
Flashmobs der Interna-
tionalen A-cappella-
Woche Hannover

Referent: Roger Cericius, Leiter der


Internationalen A-cappella-Woche

Die Internationale A-cappella-Woche Facebook ist inzwischen das wichtigste


Hannover ist mit einer Festivalwoche im Social Network. Auf Facebook hat die A-
Jahr ein singuläres Ereignis mit in die- cappella-Woche inzwischen 291 Fans,
sem Jahr mehr als 7500 Besuchern. Das über die statistische Werte über Reaktio-
Konzept sieht den Auftritt weltbekannter nen auf das Festival herausgelesen wer-
und auch dezidiert weniger bekannter den können. Außerdem gerät man so an
Ensembles vor. Im Vordergrund der Pro- Informationen über Themen am Rand
grammgestaltung stehen ein große des Festivals; zum Beispiel, wie die Be-
Bandbreite, Vielfalt und Innovation. Der sucher morgens aufstehen und den Fe-
Etat beträgt 150.000 Euro im Jahr. Mit stivaltag beginnen. Auch bei der Face-
einem Marketingetat, der zehn Prozent book-Präsenz gilt, dass sie oft aktuali-
davon beträgt, ist es schwierig, Werbung siert werden muss, um für Nutzer attrak-
auf ganzer Breite zu realisieren. Daher tiv zu bleiben. Die Arbeit, die Webseiten
setzt das Festival verstärkt auf Werbung sorgfältig zu pflegen, lohnt sich, wenn
über das Internet und versucht, Men- man einen Kreis ansprechen möchte, der
schen zu Multiplikatoren zu machen. Da- im Internet zu Hause ist. Facebook er-
bei lautet die Devise, einfache Bilder für möglicht es, die eigenen Fans so genau
Partner und Medien zu produzieren, per- wie möglich kennen zu lernen. Um je-
sönlichen Kontakt zu den Menschen auf- manden zu erreichen, müssen seine
zubauen und das Internet effektiv zu Emotionen erreicht werden, damit er in
nutzen. das Konzert kommt.

Im Jahr 2008 hatte der Internetauftritt In diesem Jahr gab es das Phänomen,
der A-cappella-Woche 50.000 Clicks. dass auf einen Aufruf an Chöre, zum
Aufgrund dieser positiven Besucherent- Auftakt der A-cappella-Woche irgendwo
wicklung auf der Website vollzog das Fe- in Hannover zu singen, ein Flashmob
stival den Einstieg in die Social Net- entstand. Die Sänger reisten zum Teil
works. Wichtig bei der Pflege einer Web- von weit her an, trafen sich in einem
site ist, sie stets aktuell zu halten und großen Einkaufszentrum in Bahnhofsnä-
sie mit News zu füttern sowie gut ver- he, sangen zusammen und wurden von
linkt zu sein, um eine gute Position bei einigen Menschen gefilmt. Im Internet
der Suchmaschinensuche zu erreichen. erreichten die Videos weitere 8.000 Men-
Von den Social Networks sollte man nur schen. Auch die Berichterstattung auf
die für das Marketing nutzen, die für das SAT1, NDR, in der HAZ und der Bildzei-
eigene Anliegen relevant sind. tung trugen zu einer effektiven und da-
bei kostenlosen Werbung für die A-
Die A-cappella-Woche nutzt Twitter, cappella-Woche bei. Außerdem wurden
Myspace und Facebook. Twitter wird we- die Fans auf Facebook durch den Flash-
gen der Schnelligkeit genutzt und wegen mob in der Realität haptisch und es war
der Möglichkeit, aus einem Konzert her- möglich, mehr über die eignen Fans zu
aus etwas zu berichten. Hier hat die A- lernen.
cappella-Woche bereits 90 Followers. Die
Tweets werden direkt in die Homepage Um solche Wirkungen zu erzielen, ist es
eingefüttert. jedoch notwendig, sich jenseits der Kul-
tur kreativ zu zeigen und etwas anzubie-
ten, was andere nicht haben. Darüber

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hinaus kann z.B. der Informationsfluss z.B. Backstage-Aufnahmen. Es geht dar-
über Programmankündigungen mit einer um, das eigene Publikum so gut wie
besonderen Dramaturgie versehen wer- möglich kennen zu lernen, sich auch
den. Außerdem sollten viele bewegte Bil- Programmideen aus dem Publikum mit-
der und Details gezeigt werden, die teilen zu lassen und sich allen Fragen
sonst nicht gezeigt werden können, wie aus dem Publikum zu stellen.

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Diskussion

Markus Lüdke (Moderator): Herr


Rehberg, wie ist das Verhältnis von Auf-
wand und Wirkung bei den von Ihnen
dargestellten Aktivitäten des Rundfunk-
chors? Sie machen viele Konzerte, das
Programm ist gewachsen. Alles, was
über den normalen Betrieb hinausgeht
ist, ist also ein riesiger zusätzlicher Auf-
wand. Wie organisieren Sie das? Gibt es
bei Ihnen eine Stelle dafür?

Hans-Hermann Rehberg: Nein, eine Markus Lüdke: Herr Cericius, es ist be-
Stelle dafür gibt es nicht. Die Arbeit hat eindruckend, wie es Sinn macht, sich mit
sich im Laufe der Zeit verändert. Im neuen Medien auseinanderzusetzen? Es
Team ist jedem bewusst, dass diese Ak- leuchtet ein, dass man etwas über die
tivitäten notwendig sind. Vieles macht Kunden lernen kann. Unterscheiden Sie
man aus Leidenschaft und Freude. Au- die Zielgruppen was die Programminhal-
ßerdem werden projektweise freie Mitar- te anbelangt? Merken Sie, ob das Inter-
beiter engagiert, zum Beispiel für Projek- net immer noch ein Medium ist, in dem
te mit Grundschulen. Unser Werbeetat sich eher Jüngere tummeln?
ist übrigens auch begrenzt und macht
nur acht bis neun Prozent des Verwal- Roger Cericius: Der Vorteil ist, dass
tungsetats aus. Aber mit der Initiative, Musik grundsätzlich generationsübergrei-
die losgetreten wurde, gibt es viel Mund- fend ist. Was die Nutzung des Internets
zu-Mund-Propaganda. Auch durch die angeht, sind wir noch zu frisch dabei, um
Liederbörse erhalten wir viel mehr Auf- wirklich eine Aussage darüber treffen zu
merksamkeit in der Presse als für nor- können. Natürlich ist der Kreis, der dort
male Konzerte – dadurch multipliziert kommuniziert und wirklich interaktiv ist,
sich die Wirkung. noch überschaubar. Die nächste Entwick-
lungsstufe für uns ist, eine Beziehung zu
Auch die Ensemblemitglieder sind in die beschreiben. Ich hätte gerne eine Ant-
Arbeit eingebunden, sie müssen das Au- wort, wie man diese Beziehung beschrei-
dience Development zu ihrer eigenen ben kann und pflegt, so dass man an die
Sache machen. Wir machen die Arbeit Leute herankommt. Die Basis dafür ist,
seit Mitte der 90er Jahre und es war am dass man viel über sie weiß.
Anfang nicht selbstverständlich, dass
diese Dinge notwendig sind. Mit der Zeit Wir haben in diesem Jahr versucht, Mit-
und auch durch den Künstlerischen Lei- glieder für den Förderverein der A-
ter ist das Verständnis gewachsen. Er cappella-Woche zu werben. Ich habe auf
schafft es, eine Basis zu schaffen, auf Facebook geschrieben „Wer macht da
der niemand vorgeführt wird, aber auf mit?“ – darauf gab es keine einzige Mel-
der jeder vom anderen lernt. dung. Ein paar Tage später habe ich ein-
fach nur geschrieben: „Wow!“, und es

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gab zehn Meldungen. Sie müssen die gar aus Übersee und es ist eine schöne,
Leute mit auf den Weg zu sich nehmen. nachhaltige Sache. Natürlich ist auch die
Wir haben viele ehrenamtliche Helfer, die Vernetzung mit den Schulen nachhaltig
wir auf diese Weise kennengelernt ha- gedacht. Und das ist sie auch in der Rea-
ben. Es gibt viele Begeisterte, die mithel- lität, denn immer wieder und auch flä-
fen und die wiederum eine eigene Com- chendeckend melden sich Schulen, um
munity haben, die sie zusätzlich mobili- mitzumachen. Auch das Singen in den
sieren. Grundschulen wird bestimmt gut voran-
kommen. Wir arbeiten dafür mit dem
Markus Lüdke: Wunderbar, Sie haben Berliner Sängerbund und dem Deutschen
uns jetzt sehr sinnfällig dargestellt, was Chorverband zusammen. Wir haben
es für einen Wert haben kann, sich im einmal klein mit den Familienkonzerten
Internet zu engagieren. Herr Rehberg, angefangen, die mal funktionierten und
gibt es einen nachweisbaren Fluss von mal nicht. Dann kam die Idee, ein Sän-
Menschen, die über die Audience Deve- gerfest zu veranstalten. Alle Amateur-
lopment-Aktivitäten zum Chor finden und chöre wurden angeschrieben und dann
dann auch in die anderen, regulären im Haus des Rundfunks zum Singen ge-
Konzerte gehen? bracht. Daraus ist dann das Mitsingkon-
zert in der Philharmonie gewachsen.
Hans-Hermann Rehberg: Ja, wir ha-
ben das Gefühl, dass die Beteiligten der Roger Cericius: Alles braucht einen Im-
außerordentlichen Projekte inzwischen puls und den hat man in Hannover ge-
auch zur Fangemeinde des Rundfunkcho- setzt, obwohl wir inzwischen ein nieder-
res über die Mitsingkonzerte hinaus ge- sächsisches Festival sind, das in Hanno-
hören. Seit es das Mitsingkonzert gibt, ver stattfindet. Zur Vernetzung ist zu sa-
können wir einen regelmäßigen Anstieg gen, dass wir seit vielen Jahren mit der
der Mitglieder des Freundeskreises ver- Hochschule für Musik und Theater in
zeichnen. Ich glaube, diese Arbeit zahlt Hannover Meisterkurse für klassische
sich aus. und Jazz-/Rock-/Popmusik veranstalten.
Wir überlegen, ob wir Projekte mit Ein-
Markus Lüdke: Nun möchten wir das richtungen machen, die am Rande das
Gespräch öffnen und dem Plenum die Festival streifen, wie z.B. eine Lehrer-
Möglichkeit geben, Fragen zu stellen. fortbildung im Beatboxing. Die A-
cappella-Woche war auch oft ein Impuls
Hans-Jürgen Ollech: Das waren jetzt für Chorgründungen. Es gab die letzten
zwei klassische Beispiele, die sich auf zwei Jahre ein Open-Air-Konzert auf dem
zwei lokale Städte beziehen. Wenn man Platz vor der Marktkirche, zum dem
auf den Verband in Niedersachsen und 3000 Menschen kamen, die sonst nicht
Bremen schaut, dann sieht die Welt an- gekommen wären – das hatte auch eine
ders aus. Herr Rehberg, inwieweit arbei- Multiplikationswirkung.
ten Sie auch mit dem Berliner Chorver-
band zusammen und welche nachhaltige Hans-Hermann Rehberg: Ein großes
Wirkung hat das Ganze bezogen auf Ber- Problem im Hinblick auf Vernetzung ist,
lin? Wird regelmäßig in Schulen und Kin- dass viele Institutionen aus Imagegrün-
dergärten gesungen? Auch die A- den nur für sich kämpfen. Wir würden
cappella-Woche in Hannover ist ein mehr erreichen, wenn wir unser Ego ab-
Event, das regelmäßig läuft. Welche legen und glauben, dass wir gemeinsam
nachhaltige Wirkung hat dieses Festival mehr erreichen. In Berlin kann ich mir
im Bereich Hannover? gut vorstellen, mit den Hochschulen zu-
sammen zu arbeiten. Ich glaube, wir
Hans-Hermann Rehberg: Ich glaube, sind stärker zusammen.
das Mitsingkonzert ist ein Beispiel dafür,
dass es nicht nur ein lokales, sondern – Roger Cericius: Dabei können die öf-
ohne zu übertreiben – auch ein weltwei- fentlichen Einrichtungen auch mehr da-
tes Event ist. Ein Mal im Jahr ist der Pe- zulernen, wenn sie begreifen und sehen,
tersplatz nicht in Rom, sondern in Berlin. dass Impulse von außen nicht nur etwas
Es kommen Sangesfreudige aus der gan- verlangen, sondern auch etwas geben
zen Bundesrepublik, aus Europa und so- können.

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Martin Heubach: Benutzen Sie noch Es muss immer ein Mix sein. Langfristig
klassische Werbemittel? Schalten Sie An- kann man sich jedoch von manchen Me-
zeigen bei Facebook? Haben Sie einmal dien verabschieden.
ausgewertet, wie viel Zeit Sie für die Beim Mitsingkonzert muss jeder 25 Euro
Pflege der Facebook-Seite investieren? bezahlen, egal ob er mitsingt oder nicht.
Sind die Mitsänger in der Philharmonie Außerdem muss jeder Sänger die Noten
auch diejenigen, die Eintritt zahlen und selbst kaufen.
das Konzert finanzieren?
Markus Lüdke: Nun möchte ich Sie
Roger Cericius: Ja, wir machen tradi- noch um ein letzte Statement bitten: Die
tionelle Werbung in der Stadt, versuchen Chorszene ist in erster Linie eine Laien-
aber auch, klassische Werbung umzu- szene. Das macht die Kraft dieser Szene
denken. Zum Beispiel haben wir uns mit aus, weil sie in der Breite stattfindet. Sie
dem Masala Festival zusammengetan haben gezeigt, was man hier als Institu-
und Hannover Marketing überzeugt, die tion tun kann. Aber was kann man im
beiden Festivals für ein Imageplakat für Alltag eines Laienchores davon umset-
Hannover zu verwenden, das die Festi- zen?
vals dadurch nichts gekostet hat. Ban-
nerwerbung im Internet ist ein gutes Roger Cericius: Jeder muss seine Ziele
Thema, das werden wir in Zukunft ver- und Erwartungen definieren und muss
stärkt machen. Die investierte Zeit für strategisch arbeiten. Wenn Sie die Er-
die Pflege der Social Networks beträgt wartung haben, einen Nachmittag mit
bei mir eine Stunde am Tag. Singen und Kaffeetrinken zu verbringen,
dann tun Sie das.
Hans-Hermann Rehberg: Wir machen
auch klassische Werbung, sind aber Hans-Hermann Rehberg: Wenn jeder
momentan im Prozess des Umdenkens, über seinen Tellerrand schaut und sich
inwiefern wir mehr virale Werbung vernetzt, ist viel gewonnen. Wichtig ist,
betreiben sollten. Es gibt zum Beispiel dass Profis und Laien voneinander lernen
Bannerwerbung für den kommenden und dass es einen Dialog gibt und eine
Gospelworkshop, da wir realisiert haben, ganz große starke Gruppe.
wie groß die Community aufgestellt ist.

Das Protokoll führte Paul Krüerke.

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