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Warum Corona weiter unter Gesundheit, Börsenkursen und Realwirtschaft wüten wird.

Die Gesundbeter des Systems verabreichen wieder ihre Beruhigungspillen. Weiter fallende
Börsenkurse? Keineswegs. Das schlimmste ist überstanden. Verkauft eure Aktien bloss nicht! So die
Message dieser Gesundbeter an Otto-Normalverbraucher. Dabei weiß jeder, der sich an vergangene
Großkrisen erinnert, dass das große Schlachten an Börse und Realwirtschaft erst noch bevorsteht.
Der Höhepunkt der Coronakrise ist ja bei weitem noch nicht erreicht. Die Nervosität an den
Finanzmärkten wird weiter zunehmen und damit auch die Angst und Verkaufsneigung der Anleger.
Schon dieser psychologische Aspekt hat das Potential die Börsenkurse noch einmal mächtig
einbrechen zu lassen. Aber auch fundamentale Gesichtspunkte werden die Kurse noch weiter nach
unten treiben. Corona-bedingt werden viele Unternehmen 2020 nämlich überhaupt keine Gewinne
machen und so mancher sogar tiefrote Zahlen schreiben. Selbst auf dem momentan schon
reduzierten Börsenkursniveau sind deshalb viele Unternehmen unter Kurs-Gewinn-Gesichtspunkten
fundamental überbewertet. Der Markt dürfte diese Überbewertung in den nächsten Monaten mit
erheblichen Kurseinbrüchen abstrafen. Alles in allem erscheint ein weiterer Einbruch beim Dax in der
Größenordnung von 50-60 Prozent wahrscheinlich. Zu mindestens kurzfristig dürften wir deshalb
DAX-Stände von unter 4000 Punkten sehen.

Abgesehen von den Börsenkursen, wird natürlich auch die Realökonomie mächtig leiden. Niemand
täusche sich hier: Die Frage ist nicht mehr, ob wir eine „Miniweltwirtschaftskrise“ wie 2008/2009
sehen werden oder nicht. Die Frage ist nur noch, ob wir mit einer Minikrise Marke 2008/2009
davonkommen, oder ob uns sogar das große Schlachten der 1930-er Jahre droht. Ich persönlich
könnte mir letzteres durchaus vorstellen.

Von noch größerer Bedeutung ist der gesundheitliche Aspekt. Auch hier ist für die Zukunft noch eine
Zuspitzung zu erwarten. Zehntausende ja hunderttausende Coronatote in ganz Europa können
keineswegs ausgeschlossen werden. Leider reagiert die Politik in Deutschland hier immer noch viel zu
zögerlich. Dabei fehlt es keineswegs etwa aus dem Corona-gedemütigten Italien an Mahnungen
endlich beherzter zu handeln.

Was ist zu tun?

Zur Bekämpfung der gesundheitlichen Folgen der Coronakrise erscheint es aus meiner Sicht absolut
unerlässlich endlich flächendeckende Coronatests an der gesamten! Wohnbevölkerung
Deutschlands vorzunehmen. Nur wer das wahre Umfang der Ausbreitung des Coronavirus kennt,
kann auch allumfassend und hinreichend reagieren. Nicht umsonst empfiehlt die
Weltgesundheitsbehörde „testen, testen, testen“. Politik und Krankenkassen scheuen allerdings noch
immer Aufwand und Kosten einer solchen kraftvollen Maßnahme. Testwillige Bürger werden deshalb
nicht selten mit arrogantem Geschwätz abgewiesen. Dies muss sich endlich ändern. Notfalls muss die
Politik zur Finanzierung allumfassender Coronatests einen Sonderfonds auflegen.

Der Kursverfall an den Börsen lässt sich kurzfristig nicht stoppen. Er wird in den nächsten Monaten
mit zunehmenden Momentum weitergehen. Umso wichtiger ist es, zu mindestens die Realökonomie
zu stärken. Spanien plant ja schon ein kraftvolles Konjunkturprogramm in der Größenordnung von
mehreren hundert Milliarden Euro. Das ist genau der richtige Weg! Allerdings sollten wir uns hüten
ein solches Konjunkturprogram in erster Linie mit neuen Schulden zu finanzieren. Stattdessen
erscheint ein Patriotismusopfer der reicheren Schichten Europas angebracht. Dazu gehören eine
befristete Erhöhung des Spitzensteuersatzes, eine Vermögensabgabe von 10 Prozent auf das
Vermögen der Reichen und die konsequente Eintreibung ausstehender Steuern. Die
Steuervermeidungsaktivitäten der Reichen sind nämlich schon in Deutschland sehr ausgeprägt. In
manchen südeuropäischen Ländern wie Griechenland und Italien sieht es noch schlimmer aus.
Freilich steht zu befürchten, dass die von mir geforderten Maßnahmen nicht hinreichend umgesetzt
werden. Die von Wirtschaftsinteressen unterwanderten Wirtschaftsinstitute, die
Wirtschaftsverbände und die neoliberale Presse haben mächtig Einfluss auf politische
Entscheidungsträger und werden deshalb wohl schon dafür sorgen, dass Wohlhabende mit FDP-ler
Touch weitgehend ungerupft davonkommen. Der Preis für die Gesamtgesellschaft wird hoch sein.