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Baut die Straßenschilder ab!

Ein jeder der im Besitz eines gültigen Führerscheins ist, kennt die lange
Prozedur der Fahrschule und des Erlernens der trockenen Theorie des
„code de la route“ sowie des „Verhalten im Straßenverkehr“. Der
obligatorische Gang durch eine Fahrschule ist nicht nur von langer Dauer,
sondern hat ebenfalls einen erheblichen Kosteneffekt, besonders für junge
Leute. Die Frage ist, wieso? Wieso ist in unserer modernen und sozialen
Gesellschaft eine Fahrschule nötig, wenn man beobachtet, was aus all den
braven Schülern später einmal wird?

Wenn man sich heute in den öffentlichen Verkehr, also auf unsere
nationalen Straßen wagt, weiß man eigentlich nie so richtig wo es
gefährlicher ist: auf der Straße oder im Dschungel. Wobei es immer
schwieriger wird den Dschungel vom alltäglichen Straßenverkehr zu
unterscheiden.

Wenn Sie zu der Sorte Mensch gehören, die Morgens nach einer guten
Dusche und einem ausgiebigen Frühstück sich in ihr Fahrzeug setzen um
gemütlich zur Arbeit zu fahren, wohlwissend, dass sie dort noch gut vor
Arbeitsbeginn ankommen werden, dann haben Sie im Berufsverkehr nun
wirklich nichts verloren. Sie sind ein Außenseiter, ein Störenfried. Es sei
Ihnen versichert, dass man alles nur menschenmögliche tun wird, auch
Sie zu bekehren, um Vernunft anzunehmen. Sie müssen sich anpassen,
sich integrieren. Wie können Sie es sich anmaßen nach den bestehen
Regeln des „code de la route“ zu fahren. Wissen Sie denn nicht, dass der
Dschungel seine eigenen Regeln hat?

Haben Sie sich noch nie die Frage gestellt wieso es eigentlich noch
Verkehrsschilder gibt? Stehen diese nur noch „pro Forma“ an den
Straßenseiten oder wieso scheint diese keiner mehr zu interessieren?
Gelten diese etwa nur zu verschiedenen Stunden?

Die ersten Schilder die in Luxemburg und Grossregion noch nie so richtig
beachtet wurden sind jene, die uns ein Tempolimit aufzuzwingen scheinen.
Damit kann man ja noch leben, ein Raser vor sich zu haben ist immer
noch besser als ihn quasi im Kofferraum mit zu befördern.

Wurde man nicht irgendwann in seinem Leben mit dieser Weisheit


konfrontiert, der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug soll die Hälfte
der gefahrenen Geschwindigkeit beinhalten? Folgt man dieser Theorie,
dann können die Bewohner unserer Grossregion entweder nicht rechnen,
haben ein fürchterliches Einschätzungsvermögen oder hier gelten mal
wieder andere Gesetze. Wenn Sie bei Tempo 90 nicht mal mehr die
Scheinwerfer des ihnen folgenden Autos erkennen können, reicht es nicht
mal mehr zu der Theorie: 1/10 der gefahren Geschwindigkeit als Abstand
zu lassen.

Es ist eigentlich mutig von Ihnen mit 90 auf der Landstraße unterwegs zu
sein, wo Sie doch bei jedem Blick in den Rückspiegel die rotglühenden
Augen des Hintermannes sehen können und Sie nur Gott danken können,
dass dieser nicht mit einer Karosse „à la James Bond“ unterwegs ist und
Sie in jedem Augenblick von der Straßen pusten könnte. Hier hilft
eigentlich nur sich den Blick in den Rückspiegel abzugewöhnen, diesen
abzuschrauben ist leider verboten.

Nun ist das Geradeausfahren noch die einfachste Aufgabe, auf der
Landstraße jedenfalls. Ihr größter Feind ist hier das Ortsschild. Ob Sie nun
schweißnass sind oder das große Zittern in die Knie bekommen, Sie
müssen jetzt eine Entscheidung treffen: Abbremsen oder nicht. Rechnen
Sie sich vorher bitte aus, in welcher Gewichtskategorie ihr Hintermann
boxt, damit Sie bei einem Zusammentreffen hier nicht den Kürzeren
ziehen. Das nicht abbremsen könnte Ihnen eventuell bei einer
Polizeikontrolle negativ angerechnet werden. Bei 40 km/h zu schnell
Innerorts, da machen sie Bekanntschaft mit dem Richter.

Vor noch nicht all zu langer Zeit, war das Autofahren selbst noch
Abenteuer. Heutzutage, bei all den perfekt abgestimmten und durch
Bordcomputer überwachten Hochsicherheits-Boliden, ist die Autofahrt zur
stinklangweiligen Normalität geworden, so scheint es jedenfalls. Da ist es
doch schon fast normal, dass der Mensch sich den Fahrspaß oder besser
gesagt den Nervenkitzel wo anders sucht, oder? Die Lieblingsmethode
scheint hier das Missachten der Vorfahrtsregeln zu sein, oder wurden
diese mittlerweile auch außer Kraft gesetzt? Es ist einfach zur Normalität
geworden jemanden um seine Vorfahrt zu bringen, dies zeugt, dass sich
eigentlich keiner mehr über ein solches Verhalten aufregt. Und wenn sich
doch jemand mal aufregt dann interessiert es sowieso keinen.

Das morgendliche Ritual des Autofahrers, welcher sich zur Arbeit begeben
muss, scheint darin zu bestehen: sich von der Familie zu verabschieden,
den Kindern dann über den Kopf zu streifen und diese zu ermahnen ja bloß
brav in der Schule zu sein, sich dann ins heilige Blech zu setzen und dann
das Gehirn und sämtliche Nervenstränge zu deaktivieren.

Für einen begeisterten Autofahrer hat diese Epoche wirklich nichts


Schönes. Wer gemütlich zur Arbeit fahren möchte der würde besser einen
großen Umweg in Kauf zu nehmen. Suchen sie sich Strecken aus, die für
die anderen unattraktiv sind. Suchen Sie sich kleine, enge und
kurvenreiche Straßen aus. Ja es ist schon so weit, dass man vor den
anderen Verkehrsteilnehmer flüchten muss um nicht mit einem Puls von
180 am Ziel anzukommen.

Für die einen aus Mut, und für die Anderen aus Geldknappheit wechseln
einige auf die sogenannten Kleinwagen um. Diese verbrauchen in der
Regel weniger und fallen in dem kürzlich erhöhten Autosteuerdschungel in
eine etwas gnädigere Steuerklasse. Ich sage Mut, ja denn es kostet schon
einiges an Mut sich mit einem Kleinwagen in den Straßenverkehr zu
wagen. Zwar stehen die Kleinen den Großen in Sachen Komfort und
Fahrgefühl im Nichts hinterher, jedoch gehört das Auto immer noch zu
einem sogenannten Statussymbol, es spiegelt das gewünschte Image
zurück. Es bereitet ungeheuren Nervenkitzel wenn man von seinem
Hintermann mit seinem Allradgeländewagen in Grund und Boden gefahren
wird. Ich würde mich bedanken mit so einem Spritfresser zur Arbeit fahren
zu müssen und hätte da meine Schwierigkeiten den Kindern zu erklären
warum es an Weihnachten keine Geschenke gibt. Der Sprit ist ja so teuer.

Ich weiß nicht wie lange ich es noch durchhalten kann bis auch ich auf das
Gaspedal drücke und mich dem Terror von hinten beuge. Um meines
Führerscheins und Portmonees Willen: Baut bitte die Straßenschilder ab,
damit ich keine Regeln brechen muss!

Im gleichen Zug könnte man auch noch über unser hochgelobtes CITA
System nachdenken. Ein wahres Meisterwerk der Technologie, die einen
prompt und unmissverständlich informiert, dass es einen Stau gibt, zwar
immer dann wenn man schon im Stau steht, aber egal die imposanten
Tafeln leuchten wie die Straßenbeleuchtung am Weihnachtsmarkt. Sehr
prickelnd finde ich immer dann die ergänzenden Sprüche unserer CITA
Meldungen über das Radio: „Wir empfehlen Ihnen den Stau großräumig zu
umfahren!“ Schön! Aber wie? Und vor allem wo? Ist es den nicht egal ob
man nun auf der CITA – Autobahn im Stau steht oder auf der Hauptstraße.
Was bedeutet Großräumig in Luxemburg? Ich glaube dieses Geld hätte
man sich sicherlich auch sparen können, aber gut nun ist es da, kosten
bestimmt auch noch kräftig Unterhalt, dann lassen wir die Tafeln halt
leuchten.

Tempolimit bei Regen! Kennt ein jeder, 110 auf der Autobahn „en cas de
pluie“ also „wenn es regnet“. Gut zu wissen dass „en cas de pluie“
appliziert werden muss, sobald der Autofahrer die Scheibenwischer
betätigen muss. Bleibt die Frage wie sich dies auf Motoradfahrer
appliziert? Letztens, ein sommerlicher Dauerregen. Die Straßen triefend
nass. Die Handlung spielt in der „Mersch Valley“ Also in unserer Dauer-
Tempo-50-Zone von Mersch nach Luxemburg-Stadt. Info aus dem
Lautsprecher des Radios: Es regnet. Danke! Gefolgt von: „Die Straßen sind
nass!“. Danke! Dann noch: „Wegen Aquaplaninggefahr, Fuß vom Gas!“
Toll! Trauen Sie sich das ruhig mal früh morgens im sogenannten
Berufsverkehr. Das wird ein Spaß. Da werden sie zur Zielscheibe des
ganzen Tals. Zum Gejagten, dem es gilt verständlich zu machen, dass er
stört. Überholverbot und Sicherheitsabstand, scheinbar wieder inexistent.
Und auch hier gilt wieder einmal, je grösser das Ross desto dreister die
Masche!

Aber das Missachten von Verkehrsregeln zeugt ja eigentlich von


Intelligenz. Ja von der Intelligenz der Autofahrer. Diese machen sich echt
Gedanken über Verkehrsschilder und beurteilen deren Sinn. Folglich
werden also nur die Schilder befolgt, die Sinn machen? Wenn dieses
zutrifft dann sind dies nicht viele. Oder?

In diesem Sinne: Gute Fahrt!

Mike Schumacher

Nocher-Route