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Aurischung Mathematik für Physik-Kurse

Diese Einführung ist keine vollständige Wiederholung der Schulmathematik,


Sie dient der Aurischung einiger notwendiger mathematischer Begrie und
Methoden. Dadurch soll es Ihnen erleichtert werden, den physikalischen Inhalten
der Vorlesung zu folgen.

Version Herbst 2012


Inhaltsverzeichnis
1 Mathematische Schreibweise 3
2 Geometrie 5
3 Koordinatensystem 6
4 Funktionen 7
4.1 Allgemeines zu Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
4.2 Die Umkehrfunktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
4.3 Spezielle Funktionen - Polynom . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
4.4 Die quadratische Gleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
4.5 Exponentialfunktion  Logarithmus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10

5 Winkel 11
5.1 Winkel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
5.2 Winkelfunktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
5.3 Winkelsätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

6 Dierenzieren 15
6.1 Der Dierenzenquotient . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
6.2 Der Dierenzialquotient . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
6.3 Rechnen mit Dierenzialen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

7 Integrieren 17
7.1 Unbestimmtes Integral . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
7.2 Bestimmtes Integral . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17

8 Vektoren 19
8.1 Addition und Subtraktion von Vektoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
8.2 Multiplikation von Vektoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
8.3 Vektorgleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
8.4 Übungsbeispiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
8.5 Physik und Vektoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24

9 Umformen von Gleichungen 25


10 Weiterführende Literatur 26

2
1 Mathematische Schreibweise
In der Physik bedient man sich der Mathematik, um Zusammenhänge in der Natur zu
beschreiben. Oft wird auch davon gesprochen, dass die Mathematik die Sprache der Na-
turwissenschaften sei. Vorweg also einige allgemeine Bemerkungen zur mathematischen
Notation.

Es werden sowohl lateinische, als auch griechische Formelzeichen und Variablen ver-
wendet. Einige griechische Schriftzeichen sind in folgender Tabelle dargestellt:

Buchstabe α β γ ε ρ π ϕ ω η µ
Name Alpha Beta Gamma Epsilon Roh Pi Phi Omega Eta My

Tabelle 1: Darstellung einiger griechischer Buchstaben, die häug in der Mathematik und
Physik Verwendung nden.

Welches Zeichen jeweils zur Anwendung kommt ist im Grunde gleichgültig, solange
dazu gesagt wird, was es im Zusammenhang bedeutet. So kann etwa die Formel Kraft =
Masse mal Beschleunigung geschrieben werden als:
K = m · b aber auch F = m · a etc. (1)
Das Malzeichen, das anschaulich auch mit ×, oder · geschrieben wird, entfällt oft ganz:
m × a = m·a = ma (2)
bzw. erhält eine andere, spezischere Bedeutung:
W = F~ · ~s, (3)
hier steht der Punkt · z.B. für das Skalarprodukt von zwei Vektoren.
Werden einzelne Variablen in verschiedenen Raumrichtungen (Raum-Koordinaten),
oder fortlaufend nummerierte Variablen verwendet, so wird dies durch einen Index bei
der Variablen ausgedrückt. Er speziziert die Zuordnung der Variablen genau, z.B.:
P = (px , py , pz ) = (1, −2, 7) =⇒ px = 1 py = −2 pz = 7 (4)
Beispiel : Gegeben sind drei Körper mit verschiedener Masse: Ein Stein mit Masse 10 kg, ein
Stück Metall mit Masse 12 kg und ein Stück Holz mit Masse 5 kg. So kann man schreiben
mstein = 10 kg, mmetall = 12 kg und mholz = 5 kg, oder m1 = 10 kg, m2 = 12 kg,
m3 = 5 kg. Und somit für die Gesamtmasse mges :
mges = m1 + m2 + m3 . (5)
Summen werden sehr gerne mit einem speziellen Symbol, dem zusammengefasst,
P
dabei wird bei der Summe angemerkt über welche Indizes summiert wird:
3
X
mges = m1 + m2 + m3 = mi (6)
i=1

3
Wird die Formulierung eines Zusammenhanges allgemein getroen, also die Zahl der Sum-
manden oen gehalten, so wird oft bis zu einer zu wählenden ganzen Zahl n summiert. In
obigem Beispiel wäre n = 3.
n
X
mges = m1 + m2 + · · · + mn = mi (7)
i=1
Wird eine Zahl mehrmals mit sich selbst multipliziert, so kann das in der Potenzschreibweise
geschrieben werden. Die Zahl wird potenziert, man spricht von Potenzen :
2 · 2 · 2 = 23 = 8 allgemein für n-fache Wiederholung: x · x · . . . · x = xn (8)
In der Physik werden oft groÿe Zahlen in wissenschaftlicher Notation geschrieben, dabei
wird eine Zahl als Produkt einer Zahl kleiner Zehn und einer Potenz von zehn dargestellt.
Die Zahl heiÿt Mantisse und die hochgestellte Zahl Exponent. Zum Beispiel ist 100 =
10 · 10 = 102 . Die Lichtgeschwindigkeit c im Vakuum kann damit so angeschrieben werden:

c = 299 792 458 m/s ≈ 299, 8 · 1 000 000 m/s = 299, 8 · 106 m/s = 2, 998 · 108 m/s
(9)
Mittels negativer Potenzen lassen sich Kehrwerte sehr anschaulich darstellen. Es gilt:
1
= x−1 (10)
x
Beispiel:
1 1
y= n
= · x−n = a−1 · x−n = (a · xn )−1 (11)
a·x a
1
So ist etwa = x−2 .
x2
In der Physik werden oft die Einheiten, die unter dem Bruchstrich stehen würden, durch
negative Hochzahlen ausgedrückt, z.B. bei der Geschwindigkeit mit den Einheiten
00 m
M eter pro Sekunde00 = m / s = = m · s−1 . (12)
s
Wurzeln werden oft auch als Brüche einer Potenz ausgedrückt:
√ 1
n
y = yn (13)
√ √
So kann man etwa für die Quadratwurzel schreiben x = 2 x = x1/2 , bzw. für die Kubik-

wurzel: 3 x = x1/3 , usw. Genauso gilt: x−1/2 = √1x .
Es gelten folgende Rechenregeln für Potenzen:
• Potenzen werden potenziert indem man ihre Exponenten miteinander multipliziert
(am )n = a(m n)
• zwei Potenzen mit derselben Basis werden miteinander multipliziert bzw. dividiert
indem man ihre Exponenten addiert bzw. subtrahiert:
m
am an = a(m+n) aan = am a−n = a(m−n)

4
2 Geometrie
In diesem Kapitel nden Sie einige nützliche Formeln aus dem Gebiet der Geometrie. Zum
einen eine Auswahl an Formeln zur Berechnung von Flächen und Flächeninhalten (zweidi-
mensional), zum anderen einige Formeln für Volumina und Oberächen (dreidimensional).
In Tabelle 2 sind die Formeln für die Berechnung des Flächeninhaltes A und des Umfanges
U in Abhängigkeit von charakteristischen Längen für einige wichtige Figuren aufgelistet,
in Tabelle 3 die Formeln zur Berechnung von Oberächen und Volumen einiger Körper.
Für andere Figuren oder Körper schlagen Sie bitte in der einschlägigen Literatur nach,
oder konsultieren Sie das Internet.
Figur Fläche, A Umfang, U
a·b
Rechtwinkeliges Dreieck a+b+c
2
Rechteck a·b 2 · (a + b)
Kreis r2 · π 2·r·π
d2 · π
Kreis d·π
4

Tabelle 2: Figuren in der Ebene: Dreieck mit den Seiten a, b, c; Rechteck mit den Seiten
a,b; Kreis mit Radius r und dem Durchmesser d = 2 · r.

Figur Volumen, V Oberäche, O


Zylinder r2 · π · h 2 · r2 · π + 2 · r · π · h
Quader a·b·c 2 · (a · b + b · c + a · c)
4 · r3 · π
Kugel 4 · r2 · π
3
d3 · π
Kugel d2 · π
6

Tabelle 3: Körper im Raum: Zylinder mit Bodenäche des Radius r und Höhe h; Quader
mit den Kanten a, b, c; Kugel mit dem Radius r, bzw. mit dem Durchmesser d = 2 · r.

Der Satz des Pythagoras be-


sagt: Im rechtwinkligen Dreieck ist
die Fläche des Quadrats über der
Hypotenuse (Seite gegenüber dem
rechten Winkel) gleich der Sum-
me der Flächen der Quadrate über
den Katheten (Seiten die an den
rechten Winkel angrenzen): Abbildung 1: Geometrische Figuren in der Ebene:
Rechtwinkeliges Dreieck, Rechteck, Kreis.
c2 = a2 + b2 . (14)

5
Da man bei Teilung eines Rechteckes durch die Diagonale zwei gleich groÿe rechtwinkelige
Dreiecke erhält, gilt daher für die Diagonale d im Rechteck:
p
d = + a2 + b2 . (15)

Der Umfang einer Fläche ist immer gleich die Summe ihrer Seiten. Für die Oberäche eines
Körpers gilt vereinfachend:

Oberäche = Bodenäche + Deckäche + Mantel.

Das Quadrat und der Würfel sind Spezialfälle des Rechteckes und des Quaders mit
gleicher Seitenlänge. Für Winkel und Winkelfunktionen, siehe Kapitel 5.

3 Koordinatensystem
Um die Lage eines Körpers im Raum, Lageveränderungen, oder Bewegungen zu erfassen
bedienen wir uns des kartesischen Koordinatensystems, ebenso um Zusammenhänge ver-
schiedener physikalischer Gröÿen graphisch darzustellen. In der Ebene wird dieses durch
zwei, im Raum durch drei Geraden, die Achsen festgelegt. Die Achsen schneiden einander
rechtwinkelig im sog. Ursprung. Bei den Achsen handelt es sich um Zahlengeraden, dem
Ursprung wird auf jeder Achse der Wert Null zugeordenet, so gibt es einen positiven und
negativen Teil der Achse.

Einem Punkt kann nun eine zwei-, bzw. dreidi-


mensionale Koordinate zugeordent werden, ent-
sprechend der physikalischen Notwendigkeit  oft
verändert sich z.B. die dritte Koordinate nicht
(bei konstanter Höhe, etwa einer Bewegung auf
einem Tisch, oder entlang einer ebenen Straÿe),
und wird daher einfach weggelassen. Die Raum-
achsen werden meist mit x, y und z bezeichnet.
Allgemein werden die Zahlenwerte der Koor-
dinaten für einen Punkt in der Ebene oder im Abbildung 2: Kartesisches Koordina-
Raum in folgender Form geschrieben: tensystem in der Ebene.

2-dimensional: (x, y)
3-dimensional: (x, y, z) (16)

Beispiel: In einer Physikaufgabe könnte etwa der Startpunkt eines 100-Meter Laufes die
Koordinaten (0, 0) und das Ziel die Koordinaten (100, 0) haben; die Ecken eines Rechteckes
mit Seitenlängen 3 und 2, könnten geschrieben werden als: (0, 0)  (0, 2)  (3, 2)  (3, 0).
In Abbildung 2 ist ein 2-dimensionales Koordinatensystem mit den Achsen x und y und
solch einem Rechteck dargestellt. Der Punkt P hat die Koordinaten P = (3, 2).

6
In der Physik kommt es oft vor, dass den Achsen eines Koordinatensystems verschie-
dene Gröÿen einer Funktion (Kapitel 4) zugeordent werden, so kann etwa die x-Achse
(Abszisse) die Zeit darstellen, und die y-Achse (Ordinate) den zurückgelegten Weg. In so
einem Koordinatensystem würde dann etwa der Graph einer Funktion s(t) eingetragen: s
als Ordinate und t als Abszisse.

4 Funktionen
4.1 Allgemeines zu Funktionen
Jede physikalische Formel ist eine Funktion, die angibt, wie eine physikalische Gröÿe (Funk-
tionswert) aus einer oder mehreren anderen Gröÿen (Variablen) berechnet wird. Wir stellen
uns eine Variable als Platzhalter vor, für den man im Grunde beliebige Zahlen als Werte
einsetzen kann. Hat man allen Platzhaltern einen Wert gegeben so kann man die Formel
auswerten, man erhält einen konkreten Zahlenwert, die physikalische Gröÿe, als Ergebnis.
Zum Beispiel ist
g 2
y(t) = ·t (17)
2
eine Formel, die den zurückgelegten Weg beim freien Fall beschreibt. Setzt man g =
9.81 m/s2 (die Erdbeschleunigung) und t = 2 s (die Zeit) ein, so ergibt die Berechnung
einen zurückgelegten Weg von 19, 62 m.

Eine vorgegebene Formel in einer Variablen


deniert immer eine Zuordnungsvorschrift zwi-
schen Zahlen: allgemein versteht man also un-
ter einer reellen Funktion f eine Vorschrift,
die jeder Zahl x aus einem vorgegebenen De-
nitionsbereich1 in eindeutiger Weise eine neue
Zahl f (x) zuordnet; die Menge all dieser neu-
en Zahlen f (x) heiÿt Wertebereich der Funkti-
on; in Gleichungsschreibweise y = f (x) geschrie-
ben.

Funktionen einer Variablen lassen sich sehr


anschaulich durch Kurven in der Ebene dar- Abbildung 3: Zurückgelegter Weg im
stellen, bei zwei Variablen erhält man Flächen freien Fall.
im Raum, und bei mehr Variablen versagt das
menschliche Vorstellungsvermögen. Die Darstellung einer Funktion als Kurve wird auch
als Graph einer Funktion bezeichnet.
1
Der Denitionsbereich ist die Menge aller Zahlen, für welche die Formel widerspruchsfrei ist.

7
4.2 Die Umkehrfunktion
Manchmal kann man aus dem Funktionswert umgekehrt wieder (eindeutig) den Wert von
x, in Abhängigkeit von y bestimmen. Man erhält so zu einer Funktion f die Umkehr-
funktion x = f −1 (y), die als Denitionsbereich den Wertebereich von f hat. Dabei ist zu
beachten, dass auch eine Umkehrfunktion immer einem einzelnen Wert einen eindeutigen
Funktionswert zuordent. Dadurch kann es vorkommen, dass eine Funktion in ihrem De-
nitionsbereich eingeschränkt werden muss, damit eine Umkehrfunktion deniert werden
kann. Ein Beispiel dafür ist in Abbildung 4 dargestellt.
Die Umkehrung f −1 hebt also die Wirkung von f wieder auf, es gilt:

f −1 (f (x)) = x und f (f −1 (y)) = y (18)

Ein klassisches Beispiel ist die Funktion


1
y = f (x) = . (19)
x
Es ist zu beachten, dass der Wert x = 0 nicht im Denitionsbereich liegt.
Die Umkehrung der Funktion erhält man durch
einfaches Umformen der Gleichung in die Form
x = . . .:
1 1
x = f −1 (y) = = (20)
y 1
x
und mit Auösen des Doppelbruchs

x = x also f −1 (f (x)) = x (21)

Ebenso gilt:

y = f (x) = a · x2
r Abbildung 4: Darstellung der Funkti-
−1 y
x = f (y) = (22) on f (x) = x2 und der Umkehrfunktion
a √
f −1 (x) = x  Achtung, ebenfalls als
wobei a 6= 0 und ay > 0. Die Funktion f (x) = x2 Funktion von x!
ist sowohl für positive, als auch negative Wer-
te deniert, ihr Abbild sind positive Zahlen. Die
Umkehrfunktion ist nur für positive Zahlen deniert, ihr Abbild sind auch nur positive
Zahlen, die Umkehrfunktion exisitert nur für den eingeschränkten Denitionsbereich von
f (x), den positiven Zahlen.

Die graphische Darstellung einer Umkehrfunktion entsteht aus dem Graphen von f
indem man x und y vertauscht. Bei reellen Funktionen kann man diese Operation geome-
trisch als Spiegelung entlang der Geraden y = x interpretieren.

Eine Auswahl spezieller Funktionen nden Sie im Folgenden.

8
4.3 Spezielle Funktionen - Polynom
Die Konstante Funktion
f (x) = c (23)

ordnet jedem beliebigen Wert x immer den selben Funktionswert c zu. Als Kurve darge-
stellt würde sie als eine Gerade parallel zur x-Achse veranschaulicht, die die y-Achse beim
Wert c schneidet, da für alle x, also auch x = 0 gilt: y = f (x) = c.

Die lineare Funktion


y = f (x) = k · x + d (24)

multipliziert jeden Wert mit einer Konstanten k und addiert einen weiteren Wert d. Als
Kurve dargestellt handelt es sich um eine Gerade mit Steigung k , die die y-Achse beim
Wert d schneidet, da

y = f (x = 0) = k · 0 + d = d. (25)

Die Steigung k kann aus zwei verschiedenen Stellen


x1 und x2 und den dazugehörigen Funktionswerten
y1 und y2 berechnet werden:
y2 − y1 ∆y
k= = (26)
x2 − x1 ∆x
Ein Spezialfall der linearen Funktion ist die Mul-
tiplikation von x mit einer Konstanten, also wenn
d = 0.
Die Umkehrfunktion ergibt sich durch Umformen:
y−d 1 d
x = f −1 (y) = = y− (27) Abbildung 5: Konstante Funktion
k k k mit c = 2.2 und lineare Funktionen
für k 6= 0. mit verschiedener Steigung k und
gleichem Schnitt mit der y-Achse
Polynome d = 1.

Polynome des Grades n, auch Polynomfunktionen genannt sind Funktionen der Form:
f (x) = a0 + a1 · x + a2 · x2 + · · · + an · xn (28)

mit n einer natürlichen Zahl. Die konstante und die lineare Funktion sind Spezialfälle einer
Polynomsfunktion. In der Physik werden Sie üblicher Weise Polynome bis zum 2. Grad
verwenden, z.B. bei der Beschreibung einer Bewegung durch die Bewegungsgleichung:
a 2
s(t) = · t + v0 · t + s0 , (29)
2

9
wobei s der zurückgelgete Weg zur Zeit t ist, a eine wirkende Beschleunigung, v0 die Ge-
schwindigkeit zu Anfang der Messung, s0 der Weg der am Anfang der Messung bereits
zurückgelegt wurde. Sie erkennen, dass sich die Formel in Abwesenheit einer wirkenden
Beschleunigung von einem quadratischen Polynom zu einer linearen Gleichung vereinfacht,
dem zurückgelegten Weg bei konstanter Geschwindigkeit.

4.4 Die quadratische Gleichung


Die Umkehrfunktionen der Polynome sind nicht so einfach zu berechnen. Für den Fall der
quadratischen Gleichung

y = f (x) = a0 + a1 · x + a2 · x2 (30)

kann man umformen zu


a1 a0 − y
x2 + ·x + =0 (31)
a2 a2
und auösen nach zwei Lösungen von x:
p
−a1 ± a21 − 4 · a2 · (a0 − y)
x1, 2 = . (32)
2 · a2
Die selbe Gleichung kann mit ihrer Lösung auch in Normalform geschrieben werden:

x2 + p · x + q = 0 und
r 
p p 2
x1, 2 = − ± −q (33)
2 2
a1 a0 − y
wobei p = und q = .
a2 a2
Quadratische Gleichungen kommen oft in der Lösung eines physikalischen Problems vor,
aber nicht immer entsprechen beide mathematisch möglichen Lösungen einem physikali-
schen Vorgang.

4.5 Exponentialfunktion  Logarithmus


Die Exponentialfunktion spielt eine wichtige Rolle in der Beschreibung vieler Vorgänge
der Physik und der Naturwissenschaften im Allgemeinen, etwa beim radioaktiven Zerfall,
der Zinseszinsenrechnung, dem Wachstum einer Population, etc. Sie ist allgemein wie folgt
deniert:

y = f (x) = bx , (34)

wobei b die Basis heisst. Wird als Basis die Eulersche Zahl, e = 2.71828... angenommen,
so spricht man von der natürlichen Exponentialfunktion:

y = ex = exp(x) (35)

10
Die Umkehrfunktion, also die Auösung der Gleichung nach x, ist der Logarithmus zur
Basis b logb , oder bzgl. der Exponentialfunktion der natürliche Logarithmus ln:

x = logb (y)
x = loge (y) = ln(y) (36)

Oft wird der sogenannte Zehner-Logarithmus verwendet (Basis 10) der meist kurz log
geschrieben wird. Da logb (y) = logb (bx ) = x, oder ln(y) = ln (ex ) = x, gilt insbesondere
für die Anwendung der Logarithmusfunktion auf eine Potenzfunktion:

y = xa
logb (y) = logb (xa ) = a · logb (x) (37)
a
ln(y) = ln (x ) = a · ln(x) (38)

Eine weitere Besonderheit des Logarithmus ist das Ausdrücken einer Multiplikation durch
eine Addition:

ln(c · d) = ln(c) + ln(d) (39)

Die Logarithmusfunktion ist nur für x > 0 deniert, es gilt wie für Potenzen allgemein
auch: e0 = 1.

Würde man die Gleichung 34 nach b auösen, so ist die Lösung die x − te Wurzel aus y
mit entsprechendem Denitionsbereich; Wurzeln werden oft auch als Brüche einer Potenz
ausgedrückt:
√ 1
b = f −1 (x) = x
y = yx (40)

Eine weitere Form spezieller Funktionen sind die Winkelfunktionen, die im folgenden
Kapitel behandelt werden.

5 Winkel
5.1 Winkel
Jeder Drehung der Ebene um einen festen Punkt ist ein Winkel als Maÿzahl zugeordnet, de-
ren Vorzeichen je nach Drehrichtung positiv oder negativ gesetzt wird. Als (mathematisch)
positiver Drehsinn wird der Gegenuhrzeigersinn vereinbart.2 Nach einer vollen Umdrehung
in positiver Richtung wird gerade wieder die Ausgangsstellung erreicht, der dabei zurückge-
legte Drehwinkel heiÿt voller Winkel. Die im Alltag übliche altbabylonische Gradmessung
teilt den Vollwinkel in 360◦ . Winkel lassen sich sehr anschaulich am Einheitskreis einem
Kreis mit Radius Eins darstellen, der wahlweise über dem Schnittpunkt zweier Koordina-
tenachsen eingezeichnet wird. Der Umfang des Kreises berechnet sich zu U = 2 · r · π = 2 · π .
2
Ein positives Vorzeichen (+) des Drehwinkels entspricht einer Drehung im Gegenuhrzeigersinn, ein
negatives () einer Drehung im Uhrzeigersinn.

11
In der Physik und Mathematik wird daher der Winkel oft in Bruchteilen oder Vielfachen
von 2 · π angegeben, im sogenannten Bogenmaÿ. Das Bogenmaÿ eines Winkels ist gerade
die (je nach Drehsinn positiv oder negativ gemessene) Weglänge (am Kreisbogen), die ein
Punkt mit Abstand 1 vom Drehzentrum während der Drehung zurücklegt. Das Bogenmaÿ
ordnet dem vollen Winkel die Zahl 2π , zu. Winkel können so etwa gegen den Uhrzeigersinn
relativ zur positiven x-Achse gemessen werden. Die positive y-Achse schlieÿt einen Winkel
von 90◦ = π2 zu dieser ein, die negative x-Achse 180◦ = π , die negative y-Achse 270◦ = 3 2· π ,
oder 270◦ . Ein voller Kreis schlieÿlich sind wieder 360◦ = 2 · π .

Die altbabylonische Winkeleinheit 1◦ heiÿt Altgrad oder


kurz Grad; weitere Unterteilungen sind die Winkelmi-
nute, 1‘, und die Winkelsekunde, 1“, mit 1◦ = 60‘
und 1‘ = 60“. Die Einheit des Bogenmaÿes heiÿt
Radian (im Deutschen auch `Radiant'), abgekürzt 1
rad.

Schneiden sich zwei Geraden so teilen sie die Ebene in vier Abbildung 6: Schnitt zwei-
Teile. Die vier dabei entstehenden Halbgeraden (Strahlen) ge- er Geraden.
hen vom Schnittpunkt aus und werden in ihrer relativen Lage
zueinander durch den sogenannten Winkelabstand beschrieben. Im folgenden, soll verein-
fachend für den Winkelabstand der Begri Winkel gebraucht werden. Alle vier Winkel der
sich schneidenen Geraden haben in Summe 360◦ . Schneiden sich die Geraden derart, dass
alle vier Winkel gleich groÿ sind, so ist also jeder Winkel 90◦ groÿ, man spricht bei 90◦
von einem rechten Winkel. Ein Beispiel dafür sind die Koordinatenachsen (Kapitel 3), die
sich im rechten Winkel schneiden und so in zwei positive und zwei negative Halbachsen
geteilt werden. Aus Abbildung 6 ist ersichtlich, dass die sich gegenüberliegenden Winkel
beim Schnitt der Geraden immer gleich groÿ sind. Weiters ist die Summe der zwei Winkel
in der selben Halbebene bzgl. einer Geraden immer 180◦ .

Für die beiden häug vorkommenden geometrischen Fi-


guren in der Ebene, Dreieck und Viereck gilt: Die Summe der
Winkel im Dreieck ist immer 180◦ , die Summe der Winkel
im Viereck 360◦ . Speziell im rechtwinkeligen Dreieck mit den
Winkeln α, β und 90◦ kann so bei Kenntnis des einen der zwei
spitzen Winkel der dritte Winkel einfach berechnet werden,
etwa bei bekanntem α: β = 180◦ − 90◦ − α = 90◦ − α. Anders
ausgedrückt: α + β = 90◦ .

5.2 Winkelfunktionen
Winkelfunktionen (trigonometrische Funktionen) stellen
einen rechnerischen Zusammenhang zwischen Winkeln und Abbildung 7: Bedeutung
Seitenverhältnissen in Dreiecken (oft rechtwinkelige Dreiecke) von Sinus und Cosinus als
her, und ermöglichen so Berechnungen bei Vermessungsauf- Koordinaten eines Punktes
am Einheitskreis.

12
gaben, die Winkel und Seitenlängen in Dreiecken nutzen.
Wird ein Punkt mit den Koordinaten (1, 0) am Einheitskreis
(um den Ursprung des kartesischen Koordinatensystems) um
einen Winkel α gedreht, so können seine neuen Koordinaten
durch die zwei Winkelfunktionen Cosinus und Sinus in Abhängigkeit des Winkels beschrie-
ben werden:
(0, 1) → (cos α, sin α) (41)
Weiters gilt (pythagoräischer Lehrsatz):
(cos α)2 + (sin α)2 = 1 (42)
Eine verkürzte Schreibweise ist: (cos α)2 = cos2 α, bzw. (sin α)2 = sin α.
2

Wie in der Abbildung 7 ersichtlich gelten auch folgende Zusammenhänge zwischen dem
Winkel und den Katheten bzw. der Hypotenuse des rechtwinkeligen Dreiecks:3
Ankathete b
cos α = =
Hypotenuse c
Gegenkathete a
sin α = = (43)
Hypotenuse c
Formel 43 wird in Rechenaufgaben oft angewendet, wenn es gilt in einem Dreieck eine un-
bekannte Länge aus einem Winkel und einer der angrenzenden Seiten zu berechnen, etwa
c = sina α .

Da nach jeder vollen Umdrehung wieder die Ausgangsposition am Einheiskreis erreicht


wird, ist jede dieser beiden Funktionen periodisch mit Periodenlänge 2 · π . Weiters gilt:
 π
sin α = cos α − (44)
2
Sinus und Cosinus sind beides Funktionen die aus dem Raum der reelen Zahlen nach dem
Intervall [−1, 1] abbilden. Aus diesen beiden Winkelfunktionen sind die beiden Winkel-
funktionen Tangens und Cotangens ableitbar:
sin α
Tangens: tan α =
cos α
cos α
Cotangens: cot α = (45)
sin α
Setzt man weiters für Sinus und Cosinus die Denition laut Formel 43 ein, so erhält man
für das praktische Rechnen:
sin α a Gegenkathete
tan α = = =
cos α b Ankathete
cos α b Ankathete
cot α = = = (46)
sin α c Gegenkathete
3
Im Einheitskreis hat die Hypotenuse, hier c genannt, die Länge Eins, somit vereinfachen sich die
Ausdrücke zu den Längen der entsprechenden Katheten. So beschreiben sie die Koordinaten nach der
Drehung um den Winkel α, wie weiter oben eingeführt.

13
Abbildung 8: Die Funktionen Sinus und Cosinus als Funktion des Winkels.

Jede der beiden Funktionen Tangens und Cotangens ist periodisch mit Periodenlänge π .

In Tabelle 4 sind einige typische Funktionswerte der Winkelfunktionen aufgelistet.

Funktionswert α
Grad 0◦ 30◦ 45◦ 60◦ 90◦ 120◦ 180◦ 360◦
2·π
Rad 0 π
6
π
√4
π
√3
π
2 √3
π 2·π
sin α 0 1
√2 √2
2
2
3
1 2
3
0 0
cos α 1 √2
3
2
2 1
0 − 12 -1 1
√2 √
tan α 0 3
1 3 n.d. −√ 3 0 0
√3 √
cot α n.d. 3 1 3
3
0 - 33 n.d. n.d.

Tabelle 4: Einige Funktionswerte der Winkelfunktionen. n.d. . . . nicht deniert.


Zu jeder Winkelfunktion gibt es die entsprechende Umkehrfunktion, die einer Zahl
aus dem Denitionsbereich einen Winkel zuordnet. Da die Umkehrfunktion eindeutig sein
muss, die Winkelfunktionen aber periodisch sind ist der Wertebereich der Abbilder der
Umkehrfunktionen eingeschränkt:
arccos : [−1 : 1] → [0 : π]
h π πi
arcsin : [−1 : 1] → − : +
2 2
arccot : R → ]0 : π[ (47)
i π πh
arctan : R → − : +
2 2
Mit Hilfe der Umkehrfunktionen ist es nun auch möglich z.B. mit Formel 43 einen unbe-
kannten Winkel bei gegebenen angrenzenden Seiten in einem rechtwinkeligen Dreieck zu
berechnen etwa:
a a
sin α = =⇒ α = arcsin (48)
c c
Auf den meisten Taschenrechnern ist die Umkehrfunktion der Winkelfunktionen fälschlich
mit der negativen Hochzahl −1 ausgewiesen, etwa die Umkehrfunktion zu sin mit sin−1 .
Das ist rein formal falsch, da sin−1 x eigentlich der Kehrwert des sin x ist: sin−1 x = sin1 x .

14
5.3 Winkelsätze
Einige nützliche Eigenschaften beim Rechnen mit Winkelfunktionen sind in folgender Ta-
belle aufgelistet. Leicht können diese am Einheitskreis überprüft werden.

cos(−x) = cos(x) sin(−x) = − sin(x) tan(−x) = − tan(x) cot(−x) = − cot(x)


cos π2 − x = sin(x) sin π2 − x = cos(x) tan π2 − x = cot(x) cot π2 − x = tan(x)

Tabelle 5: Grundlegende Eigenschaften von Winkelfunktionen.

Für die Winkelfunktionen cos x und sin x gilt durch die Periodizität:

f (x ± 2 · k · π) = f (x) (49)

bzw. für die Winkelfunktionen tan x und cot x gilt durch die Periodizität:

g(x ± k · π) = f (x) (50)

mit k einer ganzen Zahl. Oft kann durch geschicktes Zusammenfassen, oder Addieren von
Winkelfunktionen eine Formel vereinfacht werden:

cos(x ± y) = cos x · cos y ∓ sin x · sin y


sin(x ± y) = sin x · cos y ± cos x · sin y (51)
sin(2x) = 2 · sin x · cos x (52)

Zur Berechnung eines allgemeinen Dreiecks (mit Seiten a, b, c und den Seiten gegen-
überliegenden Winkeln α, β, γ können Sinus- und Cosinussatz herangezogen werden:4

Sinussatz: a : b : c = sin α : sin β : sin γ


a b c
bzw: = = (53)
sin α sin β sin γ
Cosinussatz: a2 = b2 + c2 − 2 · b · c · cos α (54)
(55)

6 Dierenzieren
6.1 Der Dierenzenquotient
Der Dierenzenquotient beschreibt die Veränderung eines Funktionswertes bei geringfügi-
ger Änderung des zugehörigen x-Wertes, etwa eine geringfügige Änderung von x0 um einen
kleinen Wert ∆x:
∆f f (x0 + ∆x) − f (x0 )
= (56)
∆x ∆x
4
Für den Cosinussatz gelten natürlich auch die äquivalenten Schreibweisen bezüglich der Seiten b und
c, die durch zyklisches Vertauschen der Formelzeichen gefunden werden.

15
In Näherungen oder für lineare Prozesse wird in der Physik oft dieser Dierenzenquotient
verwendet. Der Dierenzenquotient geht für sehr kleine Änderungen (im Grenzwert gegen
Null siehe Gl. 57) in den Dierentialquotienten über.

6.2 Der Dierenzialquotient


Durch Bildung des 1. Dierentialquotienten (1. Ableitung) einer Funktion f (x) nach x
erhält man eine neue Funktion
f (x0 + ∆x) − f (x0 ) d df
f ‘(x) = lim = f (x) = (57)
∆x→0 ∆x dx dx
deren Funktionswert an der Stelle x0 die Steigung der Tangente an die ursprüngliche Funk-
tion f an der Stelle x0 angibt. Viele physikalische Gröÿen sind durch Ableitungen von
Funktionen deniert.

Beispiel: Die Momentangeschwindigkeit zur Zeit t0 errechnet sich durch Dierentiation


des Weges nach der Zeit:
ds(t)
v(t0 ) = (58)
dt t=t0

6.3 Rechnen mit Dierenzialen


Allgemein gilt:
d d d
(f (x) + a · g(x)) = f (x) + a · g(x) (59)
dx dx dx
Insbesondere ist die Ableitung einer Konstanten dx
d
a = 0.
Wenn f ‘(x) wieder dierenzierbar ist, können auch höhere Ableitungen gebildet werden:

d df d2
(f ‘)‘ = f “ = = 2f (60)
dx dx dx
Beispiel: So errechnet sich die Momentanbeschleunigung aus der ersten Ableitung der
Geschwindigkeit nach der Zeit, also mit Formel 58 nach der zweiten Ableitung des Weges
nach der Zeit:
dv(t) d ds(t) d2 s
b(t) = = = 2 (61)
dt dt dt dt
Im Folgenden sind die Ableitungen einiger typischer Funktionen aufgelistet:
d n
x = n · xn−1 (62)
dx
Zum Beispiel ist die Ableitung von x2 gleich: dx x = 2 · x. Weitere Beispiele sind:
d 2

 
d 1 d −1 1
= x = −1 · x−2 = − 2 (63)
dx x dx x

16
bzw.
d√ d 1 1 1 1
x= x 2 = · x− 2 = √ (64)
dx dx 2 2· x

Für die Winkelfunktionen und die Exponentialfunktion, bzw. den Logarithmus gilt:
d d
sin x = cos x cos x = − sin x
dx dx
d 1 d x
ln x = e = ex (65)
dx x dx

7 Integrieren
7.1 Unbestimmtes Integral
Die Integration stellt die Umkehroperation zur Dierentiation dar. Beim Integrieren wird
eine Funktion F (x), die so genannte Stammfunktion von f (x), gesucht. Diese Stammfunk-
tion ergibt abgeleitet f (x):

d
F (x) = f (x) (66)
dx
Da die Ableitung einer Konstanten verschwindet, ist mit F (x) auch jede Funktion F (x)+C ,
mit C konstant, wieder Stammfunktion von f (x). Während also zu einer Funktion f (x) nur
eine Ableitungsfunktion f ‘(x) existiert, gibt es unendlich viele mögliche Stammfunktionen
F (x) von f (x), die sich allerdings nur um additive Konstanten unterscheiden. Man schreibt
daher für die (unbestimmte) Integration:
Z
f (x) dx = F (x) + C (67)

Da sich das Integral also als die Umkehrung der Dierentiation darstellt gelten insbesondere
die Rechenregeln für die Dierentiation genauso für die Integration. Auch die Wirkung der
Integration auf eine Potenzfunktion ist leicht herleitbar:
Z
a
a · xn dx = · xn+1 + C (68)
n+1

Das bedeutet für die Integration einer Konstanten: a dx = a · x + C


R

7.2 Bestimmtes Integral


Die Bedeutung der Integralfunktionen liegt darin, dass sich mit ihrer Hilfe die Fläche
zwischen x-Achse und der zu integrierten Funktion bestimmen lässt. Die Fläche unter der

17
Funktion f (x) zwischen dem Abszissenwert a und b berechnet sich etwa durch:5
Z b b
f (x) dx = F (x) = F (b) − F (a) (69)

a a

In Berechnungen der Physik kommt häug ein bestimmtes Integral als Funktion der obe-
ren Grenze vor, also eine Variable (frei zu wählender Wert) als Integrationsgrenze. Ganz
allgemein wird geschrieben:
Z t t
f (τ ) dτ = F (τ ) = F (t) − F (a) (70)

a a

Beispiel 1: Bewegt sich etwa ein Objekt mit konstanter Geschwindigkeit v(t) = v, so
ndet sich der mit dieser Geschwindigkeit zurückgelegte Weg s(t) durch eine Integration
der Geschwindgkeit nach der Zeit:
Z t t
s(t) = v dτ = (v · τ ) = (v · t) − (v · 0) = v · t (71)

0 0

Beispiel 2: Ändert sich die Geschwindigkeit v während der Zeit t, so ist v(t) eine Funkti-
on der Zeit. Zur Bestimmung des zurückgelegten Weges müsste nun die gesamte Zeitspanne
in winzig kleine Intervalle dt mit jeweils annähernd konstanter Geschwindigkeit zerlegt wer-
den. Dann muss für jedes dt wie soeben der zurückgelegte Weg ds aus ds = v(t) dt ermittelt
und über alle ds summiert werden. Dies bedeutet anschaulich die Bestimmung der Flä-
che unter der Kurve v(t) und kann direkt durch Integration der Geschwindigkeitsfunktion
erfolgen:6 Da die konstante Beschleunigung a = dv dt genau die Änderung der Geschwindig-
keit in der Zeit beschreibt ergibt umgekehrt die Integration über die Beschleunigung a die
gesuchte Funktion v(t):
Z t
v(t) = a dτ = a · t (72)
0

Es kann nun die Integration über v(t) ausgeführt werden:


Z t Z t
s(t) = v(τ ) dτ = (a · τ ) dτ
0 0
a t a
= ( · τ 2 ) = · t2 (73)

2 0 2
Ist nicht eine Funktion, sondern ein Vektor zu dierenzieren oder zu integrieren, so
verfährt man analog und führt die betreende Operation für alle Komponenten einzeln
durch. Ein Beispiel dazu ndet sich im Anschluss an das Kapitel 8.
5
Diese Formel wurde von Newton und Leibnitz entdeckt und wird als Fundamentalsatz der Dierential
und Integralrechnung bezeichnet  Die Integration kann als Umkehrung der Dierentiation aufgefasst
werden.
6
Es handelt sich um eine Summe von Rechtecken, deren Seitenlängen jeweils dt und der zugehörige
momentane Geschwindigkeitswert v(t) sind.

18
8 Vektoren
Physikalische Gröÿen  soweit sie in dieser Vorlesung verwendet werden  können entweder
skalare oder vektorielle Gröÿen sein.

Skalare Gröÿen sind durch Angabe der Gröÿe und Einheit vollständig bestimmt. Diese
Gröÿen sind ohne Richtung. Beispiele : Zeit, Masse, Volumen, Druck, Temperatur, Energie
...

Vektorielle Gröÿen haben neben Gröÿe und Einheit auch noch eine Richtung. Anschau-
lich stellt man sich ein solches Objekt als Pfeil vor, der in die gegebene Richtung weist und
eine gegebene Länge hat. Vektoren sind in der Ebene durch die Angabe von 2 Gröÿen plus
Einheit und im Raum durch die Angabe von 3 Gröÿen plus Einheit bestimmt. Beispiele :
Geschwindigkeit, Beschleunigung, Kraft, Drehmoment . . .

Mathematisch sind vektorielle Gröÿen im zweidimensionalen Koordinatensystem durch


zwei Komponenten der Art (x, y) gegeben.7 Im Rahmen dieser Vorlesung wird nur das
zweidimensionale Koordinatensystem verwendet. Zur Bestimmung der Vektorkomponenten
im kartesischen Koordinatensystem gibt man die Projektionen des Vektors auf die zwei bzw.
drei Koordinatenachsen an:
 
  vx
v
~v = (vx , vy ) = x bzw. ~v = (vx , vy , vz ) = vy  (74)
vy
vz

Der Betrag des Vektors (die Länge des Vektors) steht dann mit den Vektorkomponenten
(seinen Koordinaten) in einfacher Beziehung (Satz des Pythagoras):
q q
| ~v | = vx2 + vy2 bzw.| ~v | = vx2 + vy2 + vz2 (75)

Anschaulich kann man sich einen zwei- bzw. dreidimensionalen Vektor als Pfeil mit einer
Richtung, einer Orientierung und einer Länge vorstellen. Der Pfeil hat einen Anfangspunkt
Aschaf t und einen Endpunkt Espitze . Die Komponenten des Vektors können aus den Koor-
dianten dieser Punkte berechnet werden, nach dem Merksatz: Spitze - Schaft, also
     
vx Ex Ax
~v = Espitze − Aschaf t =⇒ = − (76)
vy Ey spitze Ay schaf t

Der Vektorpfeil hat somit eine denierte Richtung und Länge. Die Orientierung des Vektors
wird umgekehrt, wenn sich die Pfeilrichtung umdreht, er also von Spitze nach Schaft zeigt,
dies wird durch Multiplikation der Vektorkomponenten mit (-1) erreicht. Auch ein Punkt
kann durch einen sogenannten Ortsvektor, der vom Nullpunkt des Koordinatensystems zu
diesem Punkt zeigt, beschrieben werden.

7
Im dreidimensionalen sind es drei Zahlenwerte (Vektorkomponenten) (x, y, z).

19
Abbildung 9: Addition und Subtraktion von Vektoren.

8.1 Addition und Subtraktion von Vektoren


Die Addition von Vektoren, etwa ~v + w~ bedeutet anschaulich das Aneinanderführen von
Vektorpfeilen (Abbildung 9). Der Summenvektor ~u beginnt am Anfang des ersten Vek-
tors und endet an der Spitze des letzten Vektors der Summe. Algebraisch bedeutet die
Vektoraddition die Addition der entsprechenden Komponenten:
       
ux vx wx v x + wx
= ~u = ~v + w
~= + = (77)
uy vy wy v y + wy

Die Subtraktion, etwa ~v − w


~ läÿt sich leicht aus der Addition herleiten (Abbildung 9). Man
geht dabei so vor, dass der zu subtrahierende Vektor w ~ zuerst invertiert wird (Umdrehen
der Richtung, also −w~ ), dann werden die Vektoren addiert:
       
ux vx wx v x − wx
= ~u = ~v − w
~= − = (78)
uy vy wy v y − wy

Analoges gilt für Vektoren im dreidimensionalen Raum, also für Vektoren mit drei Kom-
ponenten.

8.2 Multiplikation von Vektoren


Multiplikation mit einem Skalar: Die Multiplikation eines Vektors mit einem Skalar a be-
deutet eine Stauchung oder Streckung des Vektorpfeiles, je nach dem Betrag von | a | <
1. . . Stauchung, oder | a | > 1. . . Streckung. Das Ergebnis ist ein zum ursprünglichen Vektor
paralleler Vektor. Ist a negativ (a < 0), dann dreht sich zusätzlich die Richtung des Vektors
um.

   
wx a · vx
~ = a · ~v =
=w (79)
wy a · vy

So kann etwa durch die Multiplikation eines Vektors mit a = −1


die Richtung des Vektors umgedreht werden, während der Be-
trag gleich bleibt.

Abbildung 10: Berech-


20
nung der Komponente
einer Kraft F~ in Rich-
tung des Weges ~s.
Skalarprodukt: Das so genannte Skalarprodukt zweier Vektoren,
etwa ~v und w
~ , geschrieben als ~v · w
~ , liefert als Ergebnis einen
Skalar c und ist deniert als Betrag des einen Vektors mal dem
Betrag der Projektion des zweiten Vektors auf den ersten.
Algebraisch bedeutet dies:

c = ~v · w
~ = | ~v | · | w
~ | · cos (~v , w)
~ = (vx · wx + vy · wy )
(80)

Beispielsweise ist die Arbeit das Skalarprodukt von Kraft und Weg, siehe Abbildung 10.
Diese Formel eignet sich allgemein sehr gut den Winkel zwischen zwei Vektoren auszu-
rechnen, wenn nicht mit simplen trigonometrischen Funktionen gerechnet werden kann.
So könnte z.B. der Winkel zwischen einem Vektor ~v und der x-Achse auch einfach über
den Tangens des Winkels und den entsprechenden Vektorkomponenten berechnet werden,
etwa:
vy
α = arctan (81)
vx
 
1
Oder die x-Achse wird durch den Einheitsvektor ~ex = dargestellt und der Winkel
0
wird über das Skalarprodukt berechnet:

~v · ~ex vx
α = arccos = arccos q (82)
| ~v | · | ~ex | v2 + v2
x y

Aus Gleichung 80 folgt, dass das Skalarprodukt zweier Vektoren (mit Beträgen ungleich
Null), die einen Winkel von 90◦ einschliessen (die normal aufeinander stehen ) Null ist, da:

π ~v · w
~
α = 90◦ = =⇒ cos α = 0 =⇒ = 0 ⇐⇒ ~v · w
~ =0 (83)
2 | ~v | · | w
~|

Auf diese Weise kann durch das Skalarprodukt überprüft werden, ob zwei Vektoren normal
aufeinander stehen.

Vektorprodukt: Das Vektorprodukt zweier Vektoren, etwa ~v und w~ , geschrieben als ~v × w~


(auch Kreuzprodukt genannt) liefert als Ergebnis wieder einen Vektor, der normal auf die
multiplizierten Vektoren steht, ist also nicht rein in der Ebene (im zweidimensionalen)
darstellbar. Die Komponenten des Produktvektors berechnen sich folgendermaÿen:
       
ux vx wx v y · wz − v z · wy
~ = vy  × wy  = −(vx · wz − vz · wx )
uy  = ~u = ~v × w (84)
uz vz wz vx · wy − vy · wx

Beachten Sie speziell das negative Vorzeichen in der zweiten Zeile! In der Vorlesung kommen
das Drehmoment und andere Vektoren, die sich durch Berechnung eine Kreuzproduktes

21
ergeben, nur als Skalare vor. Dies ist deshalb möglich, weil die betreenden Vektoren nur
eine z-Komponente besitzen, wenn sie aus ebenen Vektoren gebildet werden.
         
ux vx wx v y · 0 − 0 · wy 0
~ = vy  × wy  = −(vx · 0 − 0 · wx ) = 
uy  = ~v × w 0 
uz 0 0 v x · wy − v y · wx v x · wy − v y · wx
(85)

Eine weitere Anwendung des Kreuzproduktes ist die Berechung der Fläche eines Par-
allelogramms. Der Betrag des resultierenden Vektors ~u ist gleich der Fläche jenes Paralle-
logramms, das von den beiden Ausgangsvektoren aufgespannt wird:

| ~u | = | ~v × w
~ | = | ~v | · | w
~ | · sin (~v , w)
~ (86)

8.3 Vektorgleichungen
Eine Gleichung zwischen Vektoren stellt lediglich eine Kurzschreibweise für einen Satz von
Komponentengleichungen dar. So kommt es in der Physik oft vor, dass etwa die Geschwin-
digkeit, oder die Kraft etc. als Vektoren geschrieben werden, deren Komponenten dann im
Gang der Rechnung als einzelne Gleichungszeilen behandelt werden.
Beispiel:

vx + wx = a · ux
~ = a · ~u ⇐⇒
~v + w (87)
vy + wy = a · uy

8.4 Übungsbeispiel
   
3 −4
Es seien die beiden Vektoren und gegeben. Ab-
5 2
bildung 11 zeigt die beiden Vektoren im kartesischen Ko-
ordinatensystem. Die Addition ~a + ~b und die Subtraktion
~a − ~b ergibt:
   
3 + (−4) −1
~a + ~b = =
5+2 7
   
3 − (−4) 7
~a − ~b = = (88)
5−2 3
Der Betrag der beiden Vektoren ist:
p √ Abbildung 11: Skizze zum
| ~a | = 32 + 52 = 34 = 5.83 · · · ≈ 5.83 Übungsbeispiel Vektoren.
q √
| b | = (−4)2 + 22 = 20 = 4.47 · · · ≈ 4.47
~
(89)
Der Winkel der beiden Vektoren zur x-Achse berech-
net sich am einfachsten über den Tangens und der Winkel

22
zwischen beiden Vektoren über die Formel des Skalarpro-
duktes:
ay 5
α = ∠(~a, x-Achse) : α = arctan = arctan ≈ 59◦
ax 3
b y 2
β = ∠(~b, x-Achse) : β = arctan = arctan ≈ −27◦ (90)
bx −4
~a · ~b 3 · (−4) + 5 · 2
γ = ∠(~a, ~b) : γ = arccos = arccos ≈ 94◦
~
| ~a | · | b | 5.83 · 4.47

Dabei ist zu beachten, dass für den Winkel des Vektors ~b bei Anwendung des Tangens der
Winkel zur negativen x-Achse berechnet wird, im Uhrzeigersinn, daher negativ. Sie müssen
für den Winkel zur positiven x-Achse entweder die Formel des Skalarproduktes anwenden,
wie im Skriptum, oder den Komplementärwinkel durch Addition von 180◦ errechnen, somit
ist β ≈ 153◦ .

23
8.5 Physik und Vektoren
Wir betrachten einen waagrechten Wurf (xAchse in horizontaler Richtung und yAchse
in senkrechter Richtung). Gesucht ist der zurückgelegte Weg eines so geworfenen Objektes
in der Zeitspanne t:
Der Geschwindigkeitsvektor zu Anfang ist gegeben durch:
 
v
~v0 = x0 , (91)
0

dabei bedeutet vx0 die Geschwindigkeit in waagrechter Richtung zur Zeit t = 0. Auf das
geworfene Objekt wirkt die Erdbeschleunigung g in negative y-Richtung. Der Beschleuni-
gungsvektor ist daher gegeben durch:
   
ax 0
~a = = (92)
ay −g

Aus Formel 72 wissen wir, dass dann für die Geschwindigkeit in y-Richtung vy gilt:
Z t
~vy = ay dτ = ay · t = −g · t (93)
0

Somit kann der Geschwindigkeitsvektor als Funktion der Zeit geschrieben werden als:
 
vx0
~v = (94)
−g · t

Analog zu Formel 73 kann nun der Weg als Funktion der Zeit durch Integration über
die Geschwindigkeit gefunden werden. Dabei erfolgt die Integration separat in x- und y-
Komponenten:
Z t Z t 
vx0
~s(t) = ~v (τ ) dτ = dτ
0 0 −g · τ
Rt !  
v x0 dτ vx0 · t
= 0 = ··· = (95)
t
− g2 · t2
R
− 0 g · τ dτ

Wollen wir 
für den
 Weg zu einem Zeitpunkt auch noch eine gewisse Anfangsposition ~s0 (t) =
sx0
~s(t = 0) = berücksichtigen, so können wir schreiben:
sy0
   
vx0 · t s
~sges (t) = ~s(t) + ~s0 (t) = + x0
− g2 · t2 sy0
 
sx0 + vx0 · t
sges (t) = (96)
sy0 − g2 · t2

24
9 Umformen von Gleichungen
Viele Aufgabenstellungen der Physik in Ihrem Kurs, aber auch in der Anwendung in Ih-
rem späteren Beruf verlangen die Berechnung einer gewissen Gröÿe aus einer Reihe anderer
Gröÿen. Die dazu notwendigen physikalischen Gesetze liegen formal nicht immer in der not-
wendigen Gleichung vor, dadurch wird es notwendig gegebene Formeln umzuformen. Es
handelt sich dabei meist um Äquivalenzumformungen: Auf beiden Seiten einer Gleichung
werden die selben Operationen durchgeführt. Es wird z.B. ein Term addiert, subtrahiert,
es wird durch einen Term dividiert, oder mit einem Term multipliziert.

a=x+b |− b
a−b=x+b−b (97)
a−b=x

So kann die Geradengleichung durch zwei Äquivalenzumformungen nach x aufgelöst wer-


den:

y = k·x + d | − d
1
y − d = k·x |· (98)
k
1 k
(y − d) · = · x
k k
y−d
=x
k
Wird etwa die Gleichung 17 nach t = . . . aufgelöst (umgeformt) so kann die Zeit
berechnet werden, die ein Körper braucht, um eine gewisse Strecke zu fallen:
g 2 2·y
y(t) = ·t =⇒ 2 · y = g · t2 =⇒ = t2
2 g
r r
2·y 2
=⇒ = t =⇒ t(y) = ·y (99)
g g
Andere Operationen, die notwendig sein könnten sind z.B. die Anwendung einer Funkti-
on, oder Umkehrfunktion auf beide Seiten (Wurzel, Quadrat, Logarithmus, . . . ). Zu beach-
ten ist, dass die Operation immer mathematisch gültig sein muss und den Wahrheitswert
unverändert lässt. So darf etwa nicht durch Null dividiert und nicht immer quadriert wer-
den etc.

25
10 Weiterführende Literatur
In der folgednen Liste sind einige Quellen genannt, die Ihnen als Unterstützung dienen
können. Es handelt sich dabei sowohl um rein mathematisches Wissen  dabei wird der
Sto sehr fundiert erklären, als auch um physikalisches Wissen  dabei wird meist ein
kurzer Abriss über die Mathematik in der Einleitung gebracht. Die Bibliothek der BOKU
verfügt über eine umfangreiche Sammlung an mathematischen und physikalischen Werken!

• www.wikipedia.org

• www.mathe-online.at

• Baule Bernhard, Die Mathematik des Naturforschers und Ingenieurs


• Kemnitz, Arnfried, Mathematik zum Studienbeginn (auch online verfügbar)
• Tipler Physik
• Westphal Physik
• Gerthsen, Kneser, Vogel Physik
• Teubner - Taschenbuch der Mathematik

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