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Die Kampfhandlungen: Wie Israel 1967 seine Nachbarn

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In unserem zweiten Teil des historischen Abrisses zu den Geschehnissen rund um die Zäsur 1967 widmen wir uns
dem sechstägigen Krieg im Juni. Von Christoph Dinkelaker und Tobias Zumbrägel

Dieser Text ist Teil einer Serie zum Krieg von 1967 und behandelt die eigentlichen Kampfhandlungen.
Die Vorgeschichte zum Krieg findet Ihr unter diesem Link.

Alle Beiträge der Serie stehen hier.

Um 7:45 Uhr am Morgen des 5. Juni 1967 begann die israelische Regierung ihre überraschende Luftoffensive mit
dem Codename „Moked“ gegen Ägypten. Innerhalb weniger Stunden waren die ägyptische Luftwaffe außer Gefecht
gesetzt und zahlreiche Flugfelder zerstört. Noch am selben Tag wurden die jordanischen und syrischen
Luftstreitkräfte Opfer des Präventivschlags.

Wenige Stunden nach den Luftangriffen begann die Bodenoffensive der israelischen Truppen. Der hatten die
ägyptischen Streitkräfte auf der Sinai-Halbinsel und im Gazastreifen nur noch wenig entgegenzusetzen. In ihren
Luftschutzbunkern wusste die israelische Bevölkerung zunächst wenig von der militärischen Überlegenheit der
eigenen Armee und meinte, sich in existentieller Gefahr zu befinden. Im Gegensatz zu der israelischen
Öffentlichkeit war sich der Militärapparat allerdings seiner Überlegenheit bewusst. Ein koordinierter Erstschlag mit
einem anschließenden Blitzangriff, wie er seit Jahren bereits durchgeplant war, würde zum Erfolg führen, so die
Meinung der Generäle.1 So hielten die Entscheidungsträger in Jerusalem die Kunde von den großen
Geländegewinnen zunächst zurück, um weiter Fakten schaffen zu können, bevor der internationale Ruf nach einem
Waffenstillstand zu laut wurde.

Eine komplizierte Beziehung: Der Präsident und sein General

Die Bevölkerung der arabischen Nachbarn hatte ebenso ein verzerrtes Bild von der Lage, da die staatlichen
Propaganda-Sender fälschlicherweise von militärischen Siegen berichteten und eine kurz bevorstehende israelische
Niederlage heraufbeschworen. Inwiefern der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser überhaupt über die Verluste
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informiert war, ist bis heute nicht eindeutig geklärt und ohne Einblick in die internen Quellen schwer zu analysieren.2

Vieles wird auf eine problematische, wenn nicht rivalisierende Beziehung zum General der ägyptischen Streitkräfte,
Abdel Hakim Amr, zurückgeführt. Obwohl zu Kriegsbeginn noch ca. 50.000 ägyptische Soldaten im jemenitischen
Bürgerkrieg involviert waren – ein Unternehmen, das sich mehr und mehr als große Fehlentscheidung offenbarte
und auch die ägyptische Wirtschaft massiv belastete3 – versicherte Amr seinem Präsidenten auf die Frage, ob die
ägyptische Armee bereit für einen Krieg sei: „Chef – Alles ist in Tipp-Topp Zustand (…)“ 4. Hierbei muss allerdings
bezweifelt werden, ob Nasser als ehemaliger hoher Offizier wirklich keine ausreichenden Informationen über die
Stärke seines Militärapparats besaß und diese Angelegenheit allein Amr überlassen hatte.5

Fest steht indessen, dass Amr als Führungsperson des ägyptischen Militärs als inkompetent anzusehen ist. So
informierte er Nasser erst am Abend des ersten Kriegstages über die tatsächlichen Verluste und Auswirkungen des
israelischen Präventivschlags sowie über seinen unkontrollierten Abzug der Streitkräfte aus dem Sinai, wobei
tausende Soldaten vor Durst starben oder gefangengenommen wurden. 6

Während die israelischen Soldaten auf dem Sinai einmarschierten und den Gazastreifen besetzten, begannen
weitere Verbände der israelischen Armee (Israeli Defense Force, im folgenden IDF) gegen König Hussein von
Jordanien vorzugehen, nachdem dieser den westlichen Teil Jerusalems und die Umgebung von Tel Aviv mit Artillerie
hatte beschießen lassen.

Euphorie im ganzen Land

In zwei unabhängigen Feldzügen wurden das Westjordanland und Ostjerusalem an den Folgetagen eingenommen
und Hussein nach verlustreichen Kämpfen zur Waffenruhe gezwungen. Am Morgen des 7. Juni eroberten
israelische Fallschirmjäger die Klagemauer und den Tempelberg. Die Einnahme dieser religiös bedeutenden,
symbolträchtigen Orte sorgte im ganzen Land für Euphorie7, die Aufnahmen des israelischen Fotografen David
Rubinger gingen um die Welt.

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In einer kurzfristigen Kriegsplanung griffen Verbände der IDF am 9. Juni – in Ägypten hatte man bereits den
Suezkanal erreicht und damit die gesamte Sinai-Halbinsel besetzt – die syrischen Golan-Höhen an und besetzten
sie innerhalb eines Tages, bevor der von der UN geforderte Waffenstillstand ausgerufen wurde.8 Der Juni-Krieg, den
der damalige Generalstabschef Jitzhak Rabin in Anlehnung an die Schöpfungsgeschichte „Sechs-Tage-Krieg“
taufte, endete am 10. Juni mit allen Kriegshandlungen und einen Tag später durch die Unterzeichnung des zuvor
von den Vereinten Nationen vorgebrachten Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und den arabischen
Kriegsteilnehmern.

Auf Arabisch spricht man von al-Naksa – dem Rückschlag

Innerhalb von sechs Tagen Krieg war Israel zur uneingeschränkten Großmacht im Nahen Osten geworden. Der
Staat mit ca. 2,8 Millionen Einwohner*innen hatte sich gegen drei arabische Nachbarn mit einer Bevölkerung von
insgesamt 40 Millionen durchgesetzt und sein Territorium auf beinahe das Vierfache vergrößert.9 Die arabischen
Führungsebenen der jeweiligen am Krieg beteiligten Länder konnten ihre falschen Behauptungen vor der eigenen

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Bevölkerung nicht mehr aufrecht halten und die wirklichen Konsequenzen des Krieges offenbarten sich: Die
israelische Armee zerstörte während der Kampfhandlungen mehr als 80 Prozent der syrischen und ägyptischen
Militärausrüstung.10 Jordanien hatte als kleinster Bündnispartner ähnlich hohe Verluste zu melden. Insgesamt
starben bei den Kampfhandlungen zwischen 10.000 und 15.000 ägyptische Soldaten. Die jordanische Armee hatte
etwa 6.000 Opfer zu beklagen. Zudem wurden 1.000 bis 2.500 syrische Soldaten und etwa 800 israelische Soldaten
getötet. Mehr als 300.000 Palästinenser*innen und ca. 100.000 syrische Bewohner*innen der Golan-Höhen verloren
ihre Heimat, mehrere Dutzend Dörfer verschwanden von der Landkarte.11 Der Rückschlag (an–Naksa), mit dem die
arabischen Länder zu kämpfen hatten, sollte noch lange fortbestehen und zahlreiche weitere Konflikte
heraufbeschwören.12

Im dritten Teil der Serie werden wir uns mit den Folgen der Kämpfe von 1967 beschäftigen.

Quellen:

1 Vgl. Browne, O’Briene: Six Days of War, S. 75.

2 Vgl. Ebd., S. 194; Ders.: Miscalculations, S. 34.

3 Vgl. Barnett, Michael N. / Levy, Jack S.: Reviewed Domestic Sources of Alliances and Alignments: The Case of
Egypt, 1962-73, in: International Organization, Band 45 (1991), S. 379-381.

4 Zit. nach As-Sadat: Gerechtigkeit, S. 203.

5 Vgl. Parker: Mysteries Explored, S. 196.

6 Vgl. Brown: Origins of the Crisis, in: The Six-Day War, hrsg. von Parker, S. 45; Haddad, William W.: Fighting the
June 1967 War, in: The June 1967 War After Three Decades, hrsg. von Ders. / Ghada H. Talhami / Janice J. Terry,
Washington D.C. 1999, S. 7.

7 Vgl. Segev, 1967, 2005, S. 437 ff.

8 Vgl. Anhang (7); Berry, Mike / Philo, Greg: Bad News from Israel, London 2004, S.29; Security Council Resolution
235 Calling for a Cease-Fire in the Six Day War, (June 9, 1967), in: The Arab-Israeli Conflict, Band 3: Documents,
hrsg. von John Norton Moore, New Jersey 1974, S. 735.

9 Vgl. Anhang (10); Gavrieli-Nuri, Dalia: Saying ‚War‘, Thinking ‚Victory‘ – Mythmaking Surrounding Israel’s 1967
Victory, in: Israel Studies, Band 15 (2010), S. 97.

10 Vgl. Ashkar, Riad: The Syrian and Egyptian Campaigns, in: From Wars Toward Peace in the Arab-Israeli Conflict
1969-1993, hrsg. von Ian S. Lustick, New York 1994, S. 19; Für eine genaue Betrachtungen der Zahlen und Daten
siehe: Oren, Six Days of War, S. 305-307.

11 Vgl. Morris, Benny, Righteous Victims, 2001, vgl. Segev, 1967, 2005.

12 Vgl. Johannsen, Margret: Der Nahost-Konflikt, in: Einführung in die Internationale Politik. Ein Studienbuch, hrsg.
von Manfred Krapp / Gert Krell, München 2004, S. 468ff. Vergleiche eine kritische Auseinandersetzung der
israelischen Besetzung: Eldar, Akiva / Zertal, Idith: Die Herren des Landes. Israel und die Siedlerbewegung seit
1967, München 2007, S. 10ff; Pappé, Ilan: A History of Modern Palestine. One Land, Two People, Cambridge 2004,
S. 186ff.
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