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Pyramidales und extrapyramidal motorisches System

1. Pyramidenbahn = die größte der absteigenden Bahnen


A: Tractus corticospinalis
- projiziert auf (α-)Motoneurone im Vorderhorn (meistens über Interneurone)
- gliedert sich in 2 Anteile im Rückenmark: Tractus corticospinalis lateralis et
anterior
- entspringt vom Motokortex -> reguliert Bewegungsabläufe
- läuft als gemeinsamer Tractus corticospinalis durch die Capsula interna, Crus
cerebri u. Pyramiden in Medulla oblongata
- 70-90% der Fasern kreuzen unmittelbar darunter in Decussatio pyramidum
 Tractus corticospinalis lateralis im Seitenstrang
- die gebliebenen ungekreuzten Fasern (10-30%) bilden Truncus corticospinalis
anterior
 paramedian der Fissura longitudinalis anterior, kreuzen auf Höhe des
Eintretens ins Vorderhorn
 endet im Zervikalmark
- Somatotopie im Cortex und in der Pyramidenbahn!
- dient der Feinmotorik, indem sie die distalen Extremitätsmuskeln innerviert
(OE = Unterarm u. Hand, UE = Unterschenkel u. Fuß)
- hat eine Kontrollfunktion über Synapsen im Rückenmark
 unterdrückt propriospinale Verschaltungen und primitive Reflexe (Babinski!)

B: Fibrae corticonucleares = Axone von Pyramidenzellen aus der Gesichtsregion des


prämotorischen Cortex
- ziehen zu kontralateralen motorischen Hirnnervenkernen im Hirnstamm
- bei einigen Kernen zusätzliche ipsilaterale Innervation -> Doppelversorgung

2. extrapyramidale Bahnen = alle motorische Projektionen zum Rückenmark, die nicht


in der Pyramidenbahn verlaufen
- entspringt von Zentren im Hirnstamm:
 Tractus rubrospinalis vom Ncl. ruber
 Tractus vestibulospinalis von Ncll. vestibulares
 Tractus reticulospinalis von Formatio reticularis
- Bahnen verteilen sich im Vorder- u. Seitenstrang
- unterschiedlichen Verlauf:
 Tractus rubrospinalis kreuzt auf Hirnstammebene
 Tractus vestibulospinalis verläuft ungekreuzt
 Tractus reticulospinalis endet bilateral

Quellen
Michael Schünke, Erik Schulte, Udo Schumacher: PROMETHEUS Kopf, Hals und Neuroanatomie
Thieme Verlag, 5. überarbeitete Auflage 2018,
- Tractus rubrospinalis dient dem Tonus der distalen Extremitäten
- Tractus vestibulospinalis et reticulospinalis führen Massenbewegungen von
Rumpf u. proximalen Extremitäten
 Orientierungs-, Ausweich- u. Stützbewegungen
 aufrechte Körperhaltung
 Grundspannung der Muskulatur

Beide Systeme sind Synergisten: extrapyramidale Anteile = Grundlage für Pyramidenbahn

3. Läsionen
a. Rindennahe Läsion = kontralaterale Parese der vom geschädigten Rindenareal
innervierten Muskulatur
 extrapyramidale Fasern nicht geschädigt!
 falls extrapyramidales System auch betroffen ist, dann komplette spastische
Lähmung
b. Läsion in Höhe der Capsula interna = chronische, kontralaterale u. spastische
Hemiplegie
 beide Systeme betroffen!
c. Läsion in Höhe der Crura cerebri = kontralaterale spastische Hemiparese
d. Läsion in Höhe der Brücke = kontralaterale oder beidseitige Parese (von der
Größe der Schädigung abhängig)
e. Läsion in Höhe der Pyramide = schlaffe kontralaterale Parese
 Extrapyramidale Fasern weiter dorsal und nicht betroffen!
f. Läsion in Höhe des Rückenmarks:
 Halsmark = ipsilaterale spastische Hemiplegie (beide Systeme betroffen und
schon gekreuzt)
 Brustmark = ispilaterale spastische Lähmung des Beines
g. Läsion in Höhe des peripheren Nerves: schlaffe Lähmung

Quellen
Michael Schünke, Erik Schulte, Udo Schumacher: PROMETHEUS Kopf, Hals und Neuroanatomie
Thieme Verlag, 5. überarbeitete Auflage 2018,