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Buraku

Als Buraku (jap. 部 落, Sondergemeinde) wurden frü- Bereiche des öffentlichen Lebens erstreckte: Die Men-
her in Japan von der Mehrheitsbevölkerung abgegrenzte schen mussten in bestimmten Ortschaften (Buraku) le-
Wohngebiete bezeichnet, in denen Angehörige einer als ben, ihre Kinder durften keine normale Schule besuchen,
Burakumin (部落⺠, Bewohner der Sondergemeinde) be- es gab besondere Tempel zur Ausübung ihrer Religion,
zeichneten Minderheit lebten. sie durften die Häuser von „Normalbürgern“nicht betre-
Die Minderheit der Burakumin, deren Nachfahren auch ten, kein Essen annehmen und nicht im Gemeindewald
Holz sammeln. Außerdem wurde ihnen nur das ärmlichs-
heute noch in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen
diskriminiert werden, gehörte ethnisch zur japanischen te Land zum Anbau zur Verfügung gestellt.
Mehrheitsbevölkerung (im Unterschied zu den Ainu oder Obwohl 1871 ein so genannter „Befreiungserlass“die Bu-
den Koreanern, den anderen beiden großen Minderhei- rakumin offiziell mit den Normalbürgern (平⺠ heimin)
tengruppen in Japan) und war weder im Aussehen noch gleichstellte, gingen die Diskriminierungen weiter. Zum
durch Religion oder Sitten von den übrigen Japanern Beispiel bürgerte sich für sie die Bezeichnung shin-heimin
zu unterscheiden. Die sozialen Herausforderungen basie- (新平⺠, Neubürger) ein,* [2] die in ähnlicher Weise wie
rend auf ihrer früheren und teilweise noch heute fortbe- burakumin abwertet. (Siehe dazu auch Euphemismus-
stehenden Diskriminierung werden buraku mondai (部 Tretmühle)
落問題, „Buraku-Problem“) oder dōwa mondai (同和 Im Jahr 1922 gründeten etwa 2.000 Burakumin-
問題, „Integrationsproblem“) genannt. Abgeordnete im Okazaki-Park von Kyōto die heute noch
Offiziell wird die Zahl der Burakumin-Nachfahren mit aktive Zenkoku-Suiheisha-Bewegung (全国⽔平社), ei-
1,157 Millionen* [1] angegeben, de facto wird die Zahl ne nationale Bewegung zur Emanzipation der Buraku-
auf etwa zwei bis drei Millionen und die Zahl ehemaliger min. Die Bewegung wurde durch den Zweiten Welt-
Buraku-Gebiete auf 5.000 bis 6.000 geschätzt. krieg zunächst unterbrochen, dann aber 1946 neu be-
Im Deutschen wird für Burakumin oft nur Buraku ver- lebt und mündete 1955 in die Gründung der Buraku-
wendet. Befreiungsliga (部落解放同盟 buraku kaihō dōmei, engl.
Buraku Liberation League, abgekürzt BLL). Die BLL er-
zielte bereits Erfolge im Kampf gegen die Diskriminie-
rung, sieht sich aber auch wegen rigider Methoden wie
1 Entwicklung dem kyūdan tōsō (糾弾闘争), einer Art Schauprozess, in
der Kritik.* [3]
Historisch betrachtet bestehen die Burakumin aus zwei
Im Jahr 1988 war die BLL maßgeblich an der Gründung
Gruppen: den Eta (穢 多, viel Schmutz) und den Hi-
der IMADR (International Movement Against All Forms
nin (⾮ ⼈, Nicht-Menschen). Sowohl religiöse Auffas-
of Discrimination and Racism, Internationale Bewegung
sungen als auch gesellschaftliche Ausformungen führten
gegen alle Arten von Diskriminierung und Rassismus) be-
zur Diskriminierung der Burakumin.
teiligt.* [4]
Die Burakumin entstammten einer Bevölkerungsgrup-
pe, die unterhalb des von den Herrschern während der
Edo-Zeit (1603–1867) festgelegten Vier-Stände-Systems
(Krieger, Bauern, Handwerker, Kaufleute) stand. Grund 2 Gegenwärtige Situation
für ihre Ausgrenzung waren ihre teils aus shintōistischen,
teils aus buddhistischen Motiven als unrein betrachte- Die Nachfahren der Burakumin haben auch heute noch
ten Berufe. Dazu gehörten zum Beispiel alle Tätigkeiten, Schwierigkeiten im gesellschaftlichen Leben Japans, zum
die mit Toten (z. B. Leichenwäscher und Totengräber) großen Teil wegen der noch bestehenden Register, die
oder dem Töten von Tieren bzw. der Verarbeitung von bis 1976 öffentlich einsehbar waren und über Generatio-
Fleisch oder Fellen (z. B. Trommelhersteller, Gerber und nen die Familiennamen und die Herkunft enthalten. Den
Schlachter, aber auch Strohsandalenhersteller) zu tun hat- Nachfahren der Burakumin ist es jedoch mittlerweile er-
ten. laubt, ihren Namen zu ändern.
Da die Berufe erblich waren und Melderegister bestan- Im Jahr 1947 verbot das japanische Gesundheits- und
den, in denen die Bevölkerung bei Geburt eingetragen Wohlfahrtsministerium den Arbeitgebern, von Stellen-
wurde, konnte man die Burakumin jederzeit identifizie- bewerbern einen Registerauszug zu verlangen. Personal-
ren. Das verfestigte die Diskriminierung, die sich auf alle abteilungen größerer Unternehmen führen jedoch auch

1
2 5 EINZELNACHWEISE

heute noch inoffizielle Listen, die auf den Melderegis- [3] Maßnahmen der Buraku gegen Diskriminierung. Die
tern beruhen und die ehemals den Burakumin vorbehal- kyuudan-Konfrontation. In: japan-infos.de. Abgerufen am
tenen Siedlungen und Wohngegenden aufzeigen. Bewer- 14. Mai 2009.
ber können daher aufgrund ihres Geburtsortes leicht als [4] Länderbericht Japan, S. 120
Burakumin identifiziert werden. Auch bei ehelichen Ver-
bindungen kommt es immer noch zu Diskriminierungen. [5] 部落解放・⼈権研究所 (Buraku Liberation and Hu-
man Rights Research Institute) (Hrsg.): Zusetsu. Kyō no
Nach Angaben der BLL stellen Burakumin in einigen ja-
Buraku Sabetsu. Kakuchi no Jittai Chōsa Kekka yori. 3.
panischen Gemeinden sogar die Mehrheit der Einwoh- Auflage. 15. März 1997 (Originaltitel: 図説今⽇の部落
ner, z. B. mehr als 70 % in Kōnan (früher Yoshikawa) 差別各地の実態調査結果より), ISBN 4759201939,
in der Präfektur Kōchi und mehr als 60 % in Ōtō in der S. 31.
Präfektur Fukuoka (Stand jeweils 1993).* [5]* [6]
[6] 同和地 ⼈ の . Archiviert vom
Im Jahr 2008 nahm der Online-Dienst Google Maps his- Original am 25. Dezember 2005, abgerufen am 14. Mai
torische Karten japanischer Städte in sein Angebot auf. 2009 (japanisch, aus Zusetsu. Kyō no Buraku Sabetsu.).
Da auf einigen dieser Karten ehemalige Buraku-Gebiete
gekennzeichnet waren, deren frühere Lage ohne großen [7] Old Japanese maps on Google Earth unveil 'burakumin' se-
Aufwand und ohne historische Erläuterung auf heutige crets. In: Japan Today. 6. Mai 2009, abgerufen am 14. Mai
2009 (englisch).
Stadtgebiete projiziert werden konnte, führte dies in Ja-
pan zu Protesten wegen möglicher Diskriminierung; über [8] Google Earth maps out discrimination against burakumin
diese Proteste wurde zwar im Internet und in der aus- caste in Japan. In: Times Online. 22. Mai 2009, abgerufen
ländischen Presse berichtet, nicht jedoch in den japani- am 23. Mai 2009 (englisch).
schen Medien.* [7]* [8] Google Maps entfernte bald dar-
auf die beanstandeten Kennzeichnungen aus den betrof-
fenen Karten.

3 Literatur
• Hubertus Kanus: Unter dem Joch der Tradition, Me-
rian 11/1980, S. 40–43, ISBN 978-3-455-28011-1
• Loel Zwecker: „Nicht-Menschen“und „Beschmutz-
te“. Die Burakumin – zur Diskriminierungsgeschich-
te von Japans größter Minderheit (Memento vom
24. August 2010 im Internet Archive), Frankfurter
Rundschau, 22. Februar 1997
• „Wir sind so rein japanisch wie der Kaiser“-
SPIEGEL-Report über Japans drei Millionen Unbe-
rührbare, die Burakumin, Der Spiegel 27/1977

4 Weblinks
• Buraku Liberation League (englisch)
• Buraku Liberation and Human Rights Research In-
stitute (englisch)
• Situation der Burakumin im modernen Japan

5 Einzelnachweise
[1] Länderbericht Japan. Hrsg. von M.Pohl und H.J. May-
er. Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe
Bd.355, 1998, S.119 ISBN 3-89331-337-0

[2] Peter J. Hartmann, Konsumgenossenschaften in Japan,


München 2003, S. 513. ISBN 3-89129-507-3
3

6 Text- und Bildquellen, Autoren und Lizenzen


6.1 Text
• Buraku Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Buraku?oldid=146685977 Autoren: RobertLechner, Shelog, Asb, Aka, IGEL, Matthäus
Wander, Asthma, Dumbthingy, Zwobot, Ninjamask, Doc Sleeve, Perrak, Ot, Masato, LaScriba, Attallah, Mps, Zaungast, Abe Lincoln,
790, Korg, Mkill, Chobot, Dufo, STBR, Ephraim33, Evilboy, YurikBot, Schwallex, Schwarze Feder, 08-15, PeeWee, Fbusse, Thijs!bot,
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6.2 Bilder

6.3 Inhaltslizenz
• Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0