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I. Einleitung ………………………………………… 1
II. Anlage des Taubenschlages ……………………….. 1
III. Einrichtung des Taubenschlages …………………… 3
IV. Taubenfutter ………………………………………… 5
V. Taubenzucht ……………………………………….. 5
VI. Mause ………………………………………………. 7
VII. Taubenwartung ……………………………………... 7
VIII. Abrichtung der Tauben ……………………………... 8
IX. Befestigung der Depeschen ………………………... 10
X. Taubenkrankheiten …………………………………. 10
XI. Leitung der k. und k. Brieftaubenstationen ………... 11
I. Einleitung.

Die Brieftaubenstationen sollen die Verbindung der festen Plätze untereinander und mit dem Hinterlande
sichern, wenn jede andere Art der Verbindung derselben unmöglich ist.
Für die Vermittlung des schriftlichen Verkehrs über den Fein hinweg und ohne daß es diesem mit Erfolg
möglich wäre, hindernd dazwischen zu treten, werden die Brieftauben durch drei diesen Thierchen
eigenthümliche Eigenschaften in hervorragender Weise befähigt, nämlich:
a) durch ihre treue Anhänglichkeit an ihren Heimattaubenschlag;
b) durch ihre Gabe, denselben selbst aus großen Entfernungen wieder aufzufinden und
c) durch ihren schnellen und ausdauernden Flug.
Da die Brieftauben immer nur dem Heimatstaubenschlage zufliegen, so müssen sie aus demselben rechtzeitig
dorthin gebracht werden, von wo sie die Nachrichten übermitteln sollen.
Die Privat-Brieftaubenzüchter verlangen von ihren Tauben zumeist die Zurücklegung sehr großer Distanzen
(mitunter über 100km) in möglichst kurzer Zeit. Den militärischen Anforderungen wird aber entsprochen,
wenn die Tauben Distanzen bis 500 km mit mäßiger Geschwindigkeit zurücklegen. Hingegen muß aber von
den Tauben der Militär-Brieftaubenstationen gefordert werden, daß sie auch nach längerer Abwesenheit vom
heimatlichen Taubenschlage mit großer Sicherheit wieder dahin zurückkehren.
Die Brieftaube gehört eigentlich keiner besonderen Taubenrace an, sondern ist durch die, von den englischen
und belgischen Taubenzüchtern gewählte Kreuzung solcher Taubenracen entstanden, deren Verwendbarkeit zu
Botendiensten, wenn auch nur innerhalb enger Grenzen, aus früherer Zeit bekannt war.
Man hat jetzt englische und belgische Brieftauben, von denen für militärische Zwecke ganz besonders die
letzteren und ihre Kreuzungs—Produkte wegen ihrer Verlässlichkeit als Boten in Betracht kommen.
Durch Kreuzung der englischen Brieftaube (Carrier) mit den in Belgien heimischen Tümmler ist die
Antwerpener Brieftaube, durch Kreuzung des Tümmler mit dem Mövchen, oder auch mit der Feldtaube, die
kurzgeschnäbelte Lütticher Brieftaube entstanden. Die reinen Typen dieser zwei Brieftaubengattungen sind
indessen jetzt nur mehr selten zu finden, denn durch Kreuzungen untereinander hat sich eine ganze Reihe von
Taubenspecies ergeben, deren Äußeres sich je nach ihrer Abstammung bald jenem des Carrier und bald jenem
des Mövchens oder Tümmlers nähert.
Die belgische Brieftaube ist von mittlerer Größe; die Weite der ausgebreiteten Flügel ist verhältnismäßig groß,
die kräftigen Flügel sind eng an den Körper geschlossen und die Schwungfedern reichen bis zum letzten Viertel
des schmalen Schweifes. Der Körper des Thierchens ist zierlich, der Kopf klein, der Schnabel ziemlich kurz,
die Brust breit, und nicht selten hat die Taube, deren Bewegungen immer lebhaft und geschmeidig sind, einen
Kropf.
Die Antwerpener Brieftauben haben einen schönen Schwanenhals, einen längeren Schnabel und etwas kürzere
Schwungfedern, als die kurzschnäbligen Lütticher Brieftauben.
So mannigfache Verschiedenheiten die belgischen Brieftauben hinsichtlich ihrer äußeren Gestalt erkennen
lassen, ebenso viele Variationen bieten sie mit Rücksicht auf die Farbe des Gefieders und der Augen. Es gibt
graue, blaue, schwarze, fahle, isabellfarbene, seltener weiße, scheckige, rothe und gelbe Tauben. Die Augen
sind schwarz, braun, oragnegelb, roth und mitunter selbst bei einem und demselben Thierchen von zweierlei
Farbe.
Am billigsten kauft man in Belgien die Brieftauben im Spätherbst oder Winter, weil um diese Zeit die
jährlichen Wettflüge ihren Abschluß gefunden haben und mancher wenig bemittelte Taubenzüchter sich seiner
Tauben entledigt, um das Futter über den Winter zu ersparen. Wenn man jedoch mit dem Ankaufe so lange
zuwartet, bis die Tauben gemaust haben, und mit den ausgefallenen Federn auch die verschiedenen Marken
verschwunden sind, welche jeder Brieftaube bei der Theilname an den Wettflügen auf die Federn aufgedrückt
werden, dann hat man für die Beurteilung der Güte der Tauben jeden verlässlichen Anhaltspunkt verloren und
wird lediglich auf die Anpreisungen des Verkäufers beschränkt sein.
Es empfiehlt sich daher, den Ankauf schon gegen Ende des Sommers zu bewirken, denn um diese Zeit tagen
die guten Tauben noch die Marken von den mitgemachten Wettflügen auf den Federn und immer sind es nur
solche praktische Erprobungen, welche die Güte der Tauben verläßlicher Weise darthun.

II. Anlage des Taubenschlages.

Die Orte, in welchem Brieftaubenstationen einzurichten sind, bestimmt das Reichs-Kriegs-Miniterium.


Die Taubenschläge der Brieftaubenstationen in festen Plätzen müssen so gelegen sein, daß sie im Falle einer
Beschießung derselben thunlichst wenig leiden, da die mit Nachrichten anlangenden Thiere nicht in den stark
beschädigten Taubenschlag zurückkehren würden, wodurch ihr Einfangen schwierig wäre.
Der Taubenschlag soll eine erhöhte Lage haben, weil er dadurch luftiger sowie trockener wird und die Tauben
fleißiger herumfliegen; diese Anforderung an den Taubenschlag ist jedoch secundärer Natur, und darf in festen
Plätzen nicht dahin führen, ihn zu einem weit sichtbaren Zielobjekte zu machen.
Weit mehr Gewicht muß auf seine vollkommene Sicherung gegen das Eindringen von Katzen, Ratten, Iltissen
und anderen Feinden der Tauben gelegt werden.
Der Taubenschlag muß so licht sein, daß die Wärter die erforderlichen Arbeiten ausführen können, Da aber die
Tauben den Aufenthalt im Halbdunkel lieben, so muß eine Abschwächung der Beleuchtung möglich sein, zu
welchem Zwecke sich die Ausstattung der Fenster des Taubenschlages mit Läden empfiehlt.
Ein trockener, hochgelegener und der Morgensonne ausgesetzter Platz, der vor dem Winde möglichst geschützt
liegt, ist für die Anlage eines Taubenschlages ganz besonders geeignet. Vortheilhaft ist ferner die Nähe eines
Teiches, eines Baches oder noch besser einer Quelle, da die Tauben sich gerne häufig zu baden pflegen.
Fehlerhaft wäre es, den Taubenschlag an einem Orte anzulegen, wo die Tauben durch Lärm oder störendes
Geräusch belästigt werden könnten. Die Nähe einer Eisenbahn, Fabrik etc. ist deshalb nach Thunlichkeit zu
vermeiden.
Die Taubenschläge können entweder als selbstständige, freistehende Bauten errichtet oder auf dem Dachboden
eines Gebäudes angelegt werden.
Für kranke Tauben soll thunlichst ein eigener Taubenschlag, getrennt von jenem für die gesunden Thiere,
hergestellt werden, da die meisten Taubenkrankheiten ansteckend sind.

III. Einrichtung des Taubenschlages.

Figur 1 auf Tafel I zeigt ein Beispiel der Einrichtung eines Taubenschlages.
Da ein Zusammendrängen der Nester den Thieren nachtheilig wäre, so ist für jedes Taubenpaar 1 Kubikmeter
Raum zu rechnen und hiebei die innere Höhe des Schlages, wenn thunlich, mit höchstens 2 m in Betracht zu
ziehen.
In einem Raume von je 3.5 m Länge und Breite, ferner 2 m Höhe lassen sich daher 50 Tauben unterbringen.
Taubenschläge für mehr als 50 Tauben sind durch hölzerne Gitter in Abtheilungen für je höchstens 50 Thiere
zu theilen, weil sonst das Einfangen der Tauben schwierig wäre. Die Thüren dieser Abteilungen sind zu
schließen; hingegen bleiben die Ausgänge für die Tauben in der Regel offen.
So viel als thunlich ist bei der inneren Einrichtung des Taubenschlages die Verwendung von Holz und Gips zu
vermeiden, den die Spalten, Ritze und Sprünge, welche in diesen Materialien entstehen, dienen dem sich
ungemein rasch vermehrenden Ungeziefer zu willkommenen Zufluchts– und Brutstätten.
Die Fußboden ist, wenn thunlich, zu betonieren. Wird er aber aus Brettern erzeugt, so müssen diese gut
aneinander gefügt werden und frei von Rissen und Sprüngen sein.
Der Futterraum , in welchem den Tauben das Futter gestreut wird, ist durch etwa 2cm dicke Leisten aus hartem
Holze, die auf dem Fußboden befestigt werden, abzugrenzen.
Die Nester sind die für je ein Taubenpaar bestimmten Wohnräume, an welchem die Thiere mit großer
Anhänglichkeit festhalten.
Figur 2 Tafel I zeigt, in welcher Weise diese Nester in mehreren Reihen übereinander hergestellt werden
können.
Um Tauben in ihren Nestern zurückhalten zu können, wird die äußere Seite jedes Nestes durch ein leicht
abnehmbares, mit einer Einflugöffnung versehenes Drahtgitter abgeschlossen. Diese Öffnung muß so klein
sein, daß sie jeweilig nur einer einzigen Taube den Eintritt ermöglicht. Unmittelbar vor der Öffnung ist
gleichsam als Schwelle ein Brettchen im Niveau des Restbodens angebracht, das sich in Angeln nach aufwärts
bewegen läßt und sich vor die Öffnung legt, sobald das Absperren des Restes nöthig erscheint. Siehe Tafel I,
Figur 3.
Die Nester können auch, wie Figur 4 und Tafel I zeigt, aus Thon erzeugt werden, wodurch das Einnisten des
Ungeziefers erschwert wird. Diese Nester werden auf die Leisten c (Tafel I, Figur 2) aufgestellt.
Mindestens 20 cm vor den Einflugöffnungen in die Nester sind parallel und in gleicher Höhe mit dem Boden
der letzteren Sitzstangen (Tafel I, Figur 5 und 6) anzubringen. Dieselben müssen abnehmbar und oben
abgerundet sein. Damit sich die Tauben auf den Sitzstangen gegenseitig nicht belästigen können, wird für die
Bewohner eines jeden Nestes der Raum auf der Sitzstange durch oben zugespitzte Brettchen abgegrenzt.
Um hintanzuhalten, daß die Thierchen auf den oberen Sitzstangen die darunter sitzenden verunreinigen, dürfen
die Stangen nicht in einer Verticalebene liegen, sondern es müssen entweder die oberen oder die unteren um je
25 cm entfernter von den Nestern angebracht werden.
In jedem Taubenboden müssen mindestens so viele Nester vorhanden sein, als Taubenpaare darin untegebracht
werden sollen. Da sich aber die Tauben rasch vermehren und man den Jungen 5-6 Wochen, nachdem sie
ausgekrochen sind, ihre eigenen Nester zuweisen muß, so wird es gut sein, circa 25% leere Nester zur
Verfügung zu haben.
Die Nester sind der Reihe nach bleibend mit fortlaufenden Zahlen zu bezeichnen, unter welchen die Nummern
der Bewohner des Nestes ersichtlich zu machen sind.
Zur inneren Einrichtung der Nester gehören die Brutschüsseln (Tafel I, Figur 7), in welche die weiblichen
Thierchen die Eier legen, die sie dann gemeinsam mit dem Männchen ausbrüten. Man pflegt in jedes Nest zwei
Brutschüsseln zu stellen, weil es nicht selten vorkommt, daß etwa drei Wochen nach dem Auskriechen der
ersten Jungen von dem drei Wochen nach dem Auskriechen der ersten Jungen von dem Weibchen neuerdings
Eier gelegt werden. Wäre in einem solchen Falle nur eine Brutschüssel im Nest, so würde dieselbe sowohl die
Jungen wie die Eier aufnehmen müssen; die letzteren wären der nachtheiligen Verunreinigung durch die
Jungen ausgesetzt, oder diese würden durch die brütende Alte aus der Brutschüssel gehoben werden und sich
dadurch erkälten oder beschädigen.
Die Brutschüsseln sind aus Töpferthon zu erzeugen; solche aus Holz, Gips, Stroh oder Weidengeflecht sind
schwerer zu reinigen und bieten dem Ungeziefer, welches die alten Tauben und besonders die junge Brut in
hohem Grade zu quälen pflegt, eine willkommene Zufluchtsstätte. Die Brutschüsseln müssen so schwer sein,
dass sie durch das Gewicht der Taube, wenn sich diese auf den Rand setzt, nicht zum Schwanken oder
Umfallen gebracht werden können.
Die Brutschüsseln müssen wenigstens 20 cm von den Wänden der Nester abstehen, weil die Tauben sich sonst
die Schwanzfedern abstoßen.
jeder Taubenboden muß Trinkgefäße enthalten, die so eingerichtet sein sollen, dass das Wasser durch die
Tauben nicht verunreinigt werden kann. Die Trinkgefäße sind entweder aus Zink oder auch aus Terracotta.
Die Figur 8 auf Tafel I veranschaulicht ein Trinkgefäß aus Zink.
Der Wasserbehälter wird gefüllt, umgestürzt und bis an den vorstehenden Bodenrand in das andere Gefäß
hineingeschoben.
Hiebei soll die Mündung des Halses des Wasserbehälters etwas unter die Trinköffnungen herabreichen.
Hiedurch wird bewirkt, daß das Wasser aus dem Behälter nur so lange ausfließt, bis der Wasserspiegel im
unteren Gefäße bis zur Mündung des Behälters steigt. Dann kann keine Luft mehr in diesen letzteren
eindringen und deshalb auch das weitere Ausfließen nur in dem Maße erfolgen, als durch das Trinken der
Tauben Wasser verbraucht wird.
Nach demselben Principe könne auch Trinkgefäße aus Terracotta (Tafel I, Figur 9) erzeugt werden.
Einfachere Trinkgefäße zeigt die Figur 10 auf Tafel I.
Jeder Taubenboden muß mehrere Trinkgefäße besitzen; bei größeren Schlägen kann man auf je 100 Tauben ein
Trinkgefäß rechnen.
Zur Einrichtung der Taubenböden gehören auch Holztröge (Tafe I, Figur 11) - deren Bestimmung im
IV.Abschnitt erklärt wird - in gleicher Anzahl wie die Trinkgefäße. Das dreiseitige Prisma am Boden des
Holztroges dient dazu, um den, den Tauben unerreichbaren Theil des Gefäßes anzufüllen und um das
Vorgleiten des Inhaltes zu den Öffnungen zu bewirken.
An der Außenseite des Taubenbodens ist der Ausflugkasten (Tafel II, Figuren 12 und 13) anzubringen.
Derselbe soll weder an der Nordseite noch in der vorherrschenden Windrichtung liegen. Die obere Hälfte des
Ausflugkastens dient gleichzeitig als Fangapparat. Zu diesem Zwecke und zum Schutze der Tauben gegen grße
Kälte in den Winternächten müssen an der Innenseite des Ausflugkastens Fenster und Fensterläden angebracht
werden.
Um die Rückkehr der Tauben bei Flugübungen zu signalisieren, ist es zweckmäßig, an dem Fangapparat ein
Läutewerk anzubringen.
Um das Eindringen von Katzen in den Taubenboden unmöglich zu machen, muß derselbe zunächst des
Ausflugkastens mit Blech beschlagen werden.
Der Taubenboden ist im Inneren mit einem Kalkanstrich zu versehen.
Die Lüftung der Taubenschläge geschieht theils durch über dem Boden angebrachte Luftkanäle, theils durch
mit Drahtgittern verkleidete Öffnungen in den Längswänden.
An der Endstation jeder Fluglinie muß zur Internierung der Tauben ein helles, trockenes, leicht zu lüftendes
und verschließbares Local mit etwa 0.5 Kubikmeter Rauminhalt per Taube vorhanden sein. Dasselbe muß die
unbedingt nothwendige Trennung der Tauben nach Geschlechtern ermöglichen.
Die Fenster in diesem Locale sind hoch anzubringen und ist - wenn thunlich - deren Verglasung mit einem
Kalkanstriche zu versehen, damit sich die Tauben in der Umgebung des Aufbewahrungsortes nicht orientieren
und nach dem Freilassen, statt nach ihrer Heimat zu diesem Orte zurückkehren. Zum Einfangen der Tauben ist
ein kleiner Raum abzuschießen und sind die Tauben in demselben zu füttern, damit sie sich an ihn gewöhnen.
Im übrigen muß der Internierungsraum möglichst frei sein, damit sich die Thiere bewegen können. Die
Sitzstangen müssen daher nahe an den Seitenwänden angebracht werden.
IV. Taubenfutter.
Am zuträglichsten ist den Tauben schwere, harte Wicke, doch kann man auch runde Gerste oder kleine Bohnen
(Schweinebohnen) im Verein mit Wicke als Taubenfutter verwenden. Frische Wicke empfiehlt sich als
Taubenfutter weiniger, als ei– und zweijährige; namentlich muß man es vermeiden, junge Tauben mit frischer
Wicke zu füttern, weil diese abführend wirkt, und die Thierchen dadurch in ihrer Entwicklung zurückbleiben.
Man kann annehmen, daß eine Taube im Jahresdurchschnitte täglich bei 40 g oder 1.4 cl Futter benöthigt.
Im Sommer ist um 5 Uhr früh, um 2 Uhr nachmittags und bei eintretender Dämmerung, im Winter nur um 7
Uhr früh und um 4 Uhr nachmittags zu füttern.
Nach Reinigung des Futterraumes ist zuerst die Gerste (die Bohnen) und nach dem Aufzehren derselben die
Wicke zu streuen.
Zur Fütterung sind die Tauben durch pfeifen zu locken.
Von Mitte März bis Ende August erhalten die Tauben so viel Futter, als sie auszuzehren imstande sind; im
September und October wird schon minder reichlich gefüttert, und im Winter wird die Futtermenge so weit
eingeschränkt, daß die Tauben, ohne ihre Munterkeit und Kraft einzubüßen, nicht allzu hitzig werden.
Im Frühjahre und im Sommer sind den Tauben, nachdem sie sich der Gerste, den Bohnen und der Wicke
gesättigt zeigen, an jedem zweiten Tag auch noch einige Handvoll Weizen zu streuen, den sie mit besonderer
Vorliebe fressen. Hanf und Rübsamen sollen in ganz kleinen Mengen zum Schlusse der Fütterung während der
Zeit der größeren Flugübungen gestreut werden; eine Handvoll genügt für 10 Paare. Ein zu reichliches
Verfüttern von Weizen, Hanf– und Rübensamen wären schädlich.
Mit besonderer Gier fressen die Tauben Salz, Sand, kleine Steine, Mörtel und alten Lehm. Mit einem Gemenge
dieser Gegenstände werde die Tröge angefüllt, die das ganze Jahr hindurch im Taubenschlage stehen müssen.
Zur Brütezeit ist es gut, auch noch ein offenes Gefäß mit diesem Gemenge im Taubenschlage aufzustellen,
damit die Weibchen umso bequemer dasjenige herausfinden können, was ihnen zusagt. Dies ist nothwendig,
weil sie sonst mitunter Eier legen würden, die nur mit einem pergamentartigen Häutchen umhüllt sind.
Das Gemenge wird in nachstehender Weise bereitet:
Man nimmt eine Handvoll groben Sand und ebensoviel gut ausgetrocknete, alte Thonerde oder getrockneten
Mörtel von alten Gebäuden, zerkleinert die Thonerde oder den Mörtel auf wickengroße Fragmente und mischt
diese mit dem Sand gut untereinander, fügt dann circa 7 kg zerstoßene Eierschalen, einige Handvoll grünen
Anis, 4 kg Rübsamen und 2 kg feingestoßenes Salz hinzu und mengt nun das Ganze möglichst gleichmäßig,
ohne Wasser dazu zu gießen.
Die Trinkgefäße müssen stets Wasser enthalten und sind vor jeder Fütterung auszuleeren und frisch anzufüllen.
Die Tauben, die von einer Flugübung zurückkehren, müssen im Schlage abgestandenes, laues Wasser
vorfinden, da ihnen kaltes Wasser schaden könnte.
Privatpersonen, welche Tauben zu Wettflügen aus mitunter sehr großen Entfernungen halten, gewöhnen ihre
Tauben daran, sich auch auf den Feldern ihre Nahrung zu suchen (zu „feldern“), damit die Thierchen nicht
verhungern, wenn sie sich verirren sollten, oder den Taubenschlag nicht binnen einem Tage erreichen könnten.
Hievon ist jedoch bei den k. und k. Brieftaubenstationen abzusehen, um das Abschießen der Tauben, sowie
Klagen über Feldschäden thunlichst zu vermeiden.

V. Taubenzucht.
Es empfiehlt sich, den Taubenschlag mit 6 bis 8 Wochen alten Tauben guter Abstammung zu bevölkern.
Dieselben müssen circa 14 Tage lang eingesperrt gehalten werden. Während dieser Zeit sollen sie täglich durch
etwa 1 Stunde im Fangapparat eingeschlossen werden, damit sie die Umgebung des Schlages kennen lernen.
Die Bevölkerung eines Taubenschlages mit ausgewachsenen Tauben erscheint deshalb nicht zweckmäßig, weil
dieselben 1 bis 2 Jahre eingesperrt werden müssten. Um hiedurch die Güte des Nachwuchses nicht zu
beeinträchtigen, müßten diese Tauben täglich durch einige Stunden - etwa in großen Käfigen - der frischen Luft
und der Sonne ausgesetzt werden.
Die Unterscheidung der Geschlechter ist bei den Brieftauben ziemlich schwierig. Im allgemeinen macht sich
das Männchen durch eine tiefere Stimme und durch langgezogene Töne bemerkbar und dreht sich bei
Annäherung an eine Taube hin und her. Das Weibchen dagegen kennzeichnet ein kurzes Rucksen der Stimme;
auch schüttelt es bei Annäherung eines Männchens die Schwanzfedern.
Es empfiehlt sich, den Tauben bei der Paarung vollkommen Freiheit zu lassen. Man setzt in eine Abtheilung
des Taubenbodens eine thunlichst gleiche Anzahl von Männchen und Weibchen und läßt dann selbe ihre
Gefährten nach Belieben wählen.
Da ungepaarte Tauben dem Schlage untreu werden, so muß in jeder Station die Anzahl der Thiere beider
Geschlechter thunlichst gleich sein.
Die Tauben behalten ihre Zeugungskraft bis zu einem Alter von 12 bis 15 Jahren.
Eine Trennung der Geschlechter während des Winters ist nicht nothwendig. Es müssen aber, um das Eierlegen
während des Winters zu verhindern, für die Zeit von Ende October bis anfangs März die Nester geschlossen
und die Brutschüsseln entfernt werden.
Im Monate März ist den Tauben Stroh oder Heu zugänglich zu machen, damit sie sich die Brutschüsseln für die
Aufnahme der Eier und Jungen entsprechend ausfüttern können.
8 bis 14 Tage nach einer erfolgten Begattung legen die Weibchen das erste Ei und 52 bis 54 Stunden später in
der Regel noch ein zweites.
Der Tag, an welchem das erste Ei gelegt wurde, ist zu notieren, weil 17 Tage und einige Stunden später die
Jungen auskriechen, wenn die Eier befruchtet waren.
Das befruchtete Ei zeigt nach kurzer Bebrütung gegen das Licht gehalten, in der Mitte, hart an der Schale einen
dunklen Fleck, den Anfang der Bildung der Blutgefäße des jungen Thieres. Wo derselbe fehlt, hat die
Befruchtung nicht stattgefunden. Am sechsten Tage hat die Eierschale eine hellere Bleifarbe angenommen. Das
Innere scheint, gegen das Licht gehalten, röthlich und undurchsichtig.
Die nicht befruchteten Eier sind daran kenntlich, daß das mit dem Dotter vermengte Eiweis eine leichtflüssige
Masse bildet. Solche Eier werden entfernt.
Wenn beide Eier eines Paares unbefruchtet sind, oder das Weibchen nur ein unbefruchtetes gelegt haben sollte,
so muß den Tauben unbemerkt ein gutes Ei eines anderen Paares untergeschoben werden.
Einen Tag bevor das Auskriechen erfolgen soll, werden die Eier aufmerksam untersucht. Zeigen die Schalen
kleine Sprünge, so ist dies ein Zeichen, daß die Jungen mit Erfolg bestrebt sind, die Schalen zu durchbrechen.
Haben sich zwei Tage nach der normalen Zeit die Jungen noch nicht herausgearbeitet, so kann man ihnen zu
helfen versuchen, indem man mit einer Stricknadel die Eierschale theilweise ablöst. Man muß heibei sehr
vorsichtig zu Werke gehen, weil die geringste Verletzung des Jungen seinen Tod zur Folge hätte.
Wird aber zu diesem Zeitpunkte bemerkt, daß die beiden Eier - beziehungsweise das einzige Ei - nicht
befruchtet sind, so muß man den brütenden Tauben bei anbrechender Dunkelheit ganz sachte ein fremdes Junge
zu den Eiern legen. Wenn hiebei mit Vorsicht vorgegangen wird, wozu auch gehört, daß man die Eier erst ein
oder zwei Tage später aus der Brutschüssel entfernt, so nehmen die Tauben ein solches unterschobenes Junge
selbst dann noch als eigenes an, wenn es auch bereits 6 bis 8 Tage alt ist. Dadurch haben einerseits die Tauben
die Möglichkeit, sich des gelblichen Breies zu entledigen, welchen sie den Jungen in den ersten 9 bis 10 Tagen
als Nahrung verabreichen, während es anderseits dem unterschobenen Jungen sehr zuträglich ist, wenn es von
Pflegeeltern noch ein zweitesmal diesen Brei erhält.
Die Menge dieser Nahrung ist für die Entwicklung der jungen Tauben von großem Einfluß. Um eine kräftige
Nachzucht zu erhalten, darf jedes Paar nur ein Junges großziehen.
Die Eier, welche während der Übungszeit von bewährten Tauben gelegt werden, sind nach Austausch gegen
Holz - oder Gipseier den im Taubenschlage zurückbehaltenen jungen Tauben zum Ausbrüten zu unterlegen.
Nach dem Auskriechen der Jungen werden die Eierschalen entfernt, um eine Verletzung der noch 9 Tage lang
blinden Jungen zu verhindern.
Wenn das einzige Junge eines Taubenpaares zu Grunde geht oder wegen Krankheit oder Schwäche entfernt
wird, so ist es abends durch ein lebendes zu ersetzen. Dieses darf nicht jünger sein, als jenes, welches eingieng
oder entfernt wurde, da sonst das Junge zu kurze Zeit den milchartigen Brei erhalten würde. Am nächsten
Morgen ist nachzusehen, ob das unterschobene Junge gefüttert wird.
Die Bezeichnung der Tauben erfolgt in der Regel durch einen, aus leichtem Metalle (Aluminium, Nickel, etc.)
erzeugten geschlossenen Fußring, welcher mit der Nummer der Taube, dem Brutjahr und charakteristischen
Buchstaben des Stationsnamens versehen ist. Dieser Ring wird der Taube im Alter von circa 5 Tagen auf den
Fuß gesteckt.
Die alten Tauben, ferner die jungen Tauben jener Stationen, deren Taubenwärter nicht die zur Anbringung der
geschlossenen Fußringe erforderliche Geschicklichkeit besitzen, sind nach ihrer eventuellen Trainierung auf
50 km durch offene Fußringe zu bezeichnen, welche am Taubenfuße durch Zusammendrücken der Enden mit
einer Zange befestigt werde; bis zu diesem Zeitpunkte werden die Tauben durch Abstempelung auf der unteren
Seite einer Flügelfeder mit einer Nummer bezeichnet.
Wenn einer Brieftaubenstation mehrere Fluglinien zugewiesen sind, so empfiehlt es sich, die auf einer Linie zu
trainierenden Tauben auf dem einen Fuße, und die auf der anderen Linie (den anderen Linien) fliegenden
Tauben auf dem anderen Fuße mit dem Ringe zu versehen.
Außerdem können die den verschiedenen Altersklassen angehörenden Thiere durch leicht sichtbare Zeichen,
welche mit einer schnell trocknenden Farbe auf der Brust oder den Flügeln angebracht werden, erkennbar
gemacht werden.
Die zur Abgabe bestimmten Thiere werden nur durch Abstempelung mit einer Nummer bezeichnet.
5 bis 6 Wochen nach dem Auskriechen sind den Jungen, getrennt von den Alten, welche sich neuerdings zum
Brüten vorbereiten, eigene Nester zuzuweisen.
Über jede Taube ist ein Evidenzblatt nach Beilage 1 anzulegen, dessen Colonnen sobald als thunlich
auszufüllen sind.
VI. Mause.

Alljährlich einmal mausen die Tauben, das heißt, sie wechseln ihr Gefieder. Die Mause beginnt frühestens
Ende Mai und dauert längstens bis November.
Die erste Feder, welche die Taube wechselt, ist die zehnte Schwungfeder, von der äußersten der Flügel gezählt;
etwa einen Monat später wechselt sie die neunte und sodann in Intervallen von 8 - 14 Tagen alle übrigen
Schwungfedern. Mit dem Wechsel der letzten Schwungfedern nimmt die Mause na Heftigkeit zu und das
kleine Gefieder geht in großen Mengen von den übrigen Körpertheilen ab.
Die Schwanzfedern werden ebenfalls nur nach und nach gewechselt. Von den zwölf Federn des Schwanzes
fallen die vier mittelsten zuerst aus und sodann - wenn sie theilweise schon ersetzt sind - successive in
Intervallen von einigen Tagen die anderen in der Reihenfolge von innen nach außen. Die äußersten Federn am
Schwanz und an den Flügeln fallen aus, wenn für die anderen der Ersatz schon wieder mehr oder weniger
vollkommen vorhanden ist, so daß die Tauben stets zum Fliegen mindestens nothdürftig befähigt bleiben.
Wenn aber die äußersten zwei Schwungfedern an den Flügeln gewechselt werden sollen, fliegen die Tauben
nur mit großer Anstrengung und müssen umsomehr geschont werden, als sie in diesem Stadium zu Krankheiten
inclinieren.
Die jungen Tauben behalten ihre ersten Federn etwa 8 Wochen und sind mit der Mause fertig, wenn sie circa
4 1/2 Monate alt sind. Bei alten Tauben dauert die Mause gleichfalls etwa 2 1/2 Monate. Die Jungen, welche
schon im Februar oder erst nach dem ersten Juli ausgekrochen sind, machen in demselben Jahre nur eine
unvollständige Mause durch.
Die Farbe des Gefieders wird in der Regel durch die Mause nicht verändert; dagegen erhalten die jungen
Tauben durch die erste vollständige Mause an Stelle ihres matten glanzlosen Gefieders kräftigere, längere und
lebhaft glänzende Farben.
Wenn die Taube nach Beginn der Mause Junge brütet, so wird diese sofort unterbrochen und nimmt erst ihren
Fortgang wieder, wenn sich die jungen Tauben selbst ernähren.
In der Befiederung und in der Mause begriffene Tauben müssen in jeder Beziehung sorgfältig behandelt
werden und reichliche, sowie gute Nahrung (namentlich Hanfsamen) erhalten, weil sich sonst Krankheiten
entwickeln.
Das Anfassen der Nesttauben, gleich wie aller Tauben, die in der Mause begriffen sind, muß sehr vorsichtig
geschehen. Man thut ihnen leicht wehe, und verstümmelt die sprossenden Kiele. Muß man sie greifen, so fährt
man mit der flachen Hand unter den Leib, sichert die Beine zwischen dem Gold - und Mittelfinger und schließt
die Hand über den Flügeln.

VII. Taubenwartung.

Um die Tauben an die Wärter zu gewöhnen und ihnen jede Furcht vor denselben zu benehmen, müssen diese
jeden Lärm sowie jede heftige Körper– oder Handbewegung vermeiden. Hiedurch können es die Wärter dahin
bringen, daß sich die Tauben leicht mit der Hand fangen lassen, ohne sich zu ängstigen.
Das Fangen der Tauben geschieht am leichtesten im Halbdunkel, da die Thiere dann unbeweglich sitzen
bleiben. Zu diesem Zwecke wird die Taube in ihre Abtheilung getrieben, diese abgesperrt und das Thier
sodann mit der Hand gefasst.
Das Fangen mit Sacknetzen (Schmetterlingsfängern) empfiehlt sich nicht, da es die Tauben furchtsam macht
und sie Beschädigungen aussetzt.
Der Taubenschlag ist thunlichst rein zu halten, um das Entstehen von Krankheiten und die übermäßige
Vermehrung des Ungeziefers zu verhindern.
Jährlich zweimal (anfangs März und Ende September) ist der Kalkanstrich des Taubenschlages zu erneuern.
Die Reinigung der Nester, Brutschüsseln und Sitzstangen geschieht mit einer Mauerkelle und einem
Borstwisch, die Reinigung des Bodens mit einem Schabeisen und einem Auskehrbesen.
Der Fußboden wird in der Regel täglich einmal ganz gesäubert und der Raum, wo das Futter gestreut wird,
auch noch unmittelbar vor jeder Fütterung mit dem Borstwisch gereinigt. Zur Brutzeit ist den Thieren
möglichst Ruhe zu lassen. Manche Taubenliebhaber bestreuen den Fußboden mit Sand, den sie wöchentlich
wechseln und beseitigen täglich nur die Excremente mit einem Rechen. Dieser Vorgang empfiehlt sich nicht,
weil der, selbst in reinsten Sand enthaltene Staub die Vermehrung des Ungeziefers fördert und auch nachtheilig
auf die Augen der Tauben einwirkt.
Zweimal im Monate sind die Nester, Brutschüsseln und Sitzstangen gründlich zu reinigen. Bezüglich der
Nester und Brutschüsseln ist die Zeit hiezu so zu wählen, daß die etwa brütenden Tauben nicht gestört werden.
Wenn die Jungen ausgekrochen sind, ist die Brutschüssel und deren Umgebung mindestens jede Woche einmal
zu reinigen, denn die sich dort ansammelnde Feuchtigkeit ist den Jungen schädlich und trägt zur Vermehrung
des Ungeziefers bei. Nach bewirkter Reinigung sind die Nester und Brutschüsseln mit gelöschtem Kalke,
pulverisiertem Rauchtabak oder Insectenpulver einzustauben. Auch können etwa vorhandene Risse mit
Petroleum bestrichen werden.
Den Tauben ist hinsichtlich des Ausfliegens volle Freiheit zu lassen, nur an jenen Tagen, an welchen Tauben
von Flugübungen zurückerwartet werden, ist den im Schlage zurückgebliebenen Thierchen das Ausfliegen bis
zum Anlangen er erwarteten Tauben nicht zu gestatten, damit man das Eintreffen derselben von ihrem Fluge
beobachten kann. Durch gute Ventilation, eventuell auch durch Herbeiführung eines mäßigen Luftzuges ist die
Luft im Taubenschlage frisch zu erhalten.
Die Erkrankung von Tauben wird am leichtesten bei der Fütterung erkannt, bei welcher sie daher von einem
Wärter beobachtet werden sollen. Traurigkeit, Hängenlasse der Flügel und Versagen des Futters, ferner
Entzündungen der Schleimhäute des Kopfes sind Anzeichen der Erkrankung.
Kranke Tauben sind stets sofort zu separieren, da viele Krankheiten ansteckend sind. Junge Tauben sind, wenn
sie nicht bald von selbst gesund werden, zu beseitigen. Das gleiche gilt bezüglich ausgewachsener Thierchen,
die von einer ansteckenden Krankheit befallen werden.
Im Winter und bei heftigem Winde sind die Ausflug– und die Einflugöffnung über Nacht ganz, bei Tag
theilweise mit den Glasfenstern, eventuell den Fensterläden zu schließen.

VIII. Abrichtung der Tauben.

Bei der Abrichtung der Brieftauben für militärisches Zwecke handelt es sich nicht darum, die Tauben dahin zu
bringen, daß sie bezüglich der zurückzulegenden Entfernung und der Schnelligkeit Außergewöhnliches leisten,
wie es bei den Privat-Wettflügen der Fall ist. Der Schwerpunkt liegt vielmehr darin, die Tauben durch
Flugübungen zu befähigen, daß sie auf mittlere Entfernungen bis zu höchstens 500 km mit der größtmöglichen
Sicherheit, und zwar nicht in ganzen Schwärmen, sondern zu dreien bis fünfen ihren Taubenschlag wieder
finden.
Zu diesem Zwecke werden alle Tauben der Station durch Flüge aus stets wachsenden Entfernungen mit jenem
Wege bekanntgemacht, auf dem sie im Ernstfalle Mittheilungen über den Feind hinweg befördern sollen.
Die Orientierung der Tauben wird durch den Wechsel in der Übungsrichtung beeinträchtigt, weshalb derselbe
zu vermeiden und jede Taube nur in einer Richtung zu trainieren ist.
Regen, Nebel, Gewitter und Schneefall erschweren den Flug. Um daher große Verluste an Tauben zu
vermeiden, sind die Flugübungen nur bei günstigem Wetter vorzunehmen.
Da die Tauben bei Nacht nicht fliegen, so sollen sie, wenn thunlichst, besonders bei größeren Flügen, stets in
den Morgenstunden abgelassen werden.
Die Fluglinien jeder Brieftaubenstation und die Anzahl der auf jeder Fluglinie abzurichtenden Tauben werden
vom Reichs-Kriegs-Ministerium bestimmt.
Die beste Zeit für die Flugübungen dauert vom April bis zum October; doch müssen mit den älteren Tauben
auch im Winter, wenn der Boden mit Schnee bedeckt ist, an heiteren Tagen Flugübungen vorgenommen
werden, wobei mit Flügen auf kleine Entfernungen zu beginnen ist.
Die Füße der Tauben, welche zu einer Flugübung enttragen werden sollen, sind gelegentlich des Einfangens
vom anhaftenden Kothe zu reinigen. Hiebei ist auch der Grad der Mause zu constatieren, da Tauben, welche
nur mehr die äußersten zwei Schwungfedern besitzen, zu Flügen über 200 km nicht gut geeignet sind, und
daher dieselben nicht mitmachen dürfen.
Den Flugübungen sind nicht beizuziehen:
Die Weibchen zwei oder drei Tage vor und nach dem Eierlegen, ferner weder Weibchen noch Männchen in den
ersten vier oder fünf Tagen, welche dem Auskriechen der Jungen folgen.
Während des Brütens darf - falls die Eier nicht jungen Tauben unterlegt und durch Gips- (Holz-) Eier ersetzt
werden - nur abwechselnd das Männchen oder das Weibchen für Flugübungen enttragen werden und immer
nur thunlichst kurze Zeit; denn der zurückbleibende Theil des Paares vernachlässigt, wenn er über zwei Tage
allein bleiben muß, das Brüten und die erwarteten Jungen gehen in den Eiern zugrunde.
Einen aus Weideruthen erzeugten Taubenkorb für circa 30 Tauben zeigt die Tafel II, Figur 14.
Der Boden dieses Korbes wird mit Leinwand überspannt und mit Moos, Sägespänen oder Lohe bestreut.
In jeder Abtheilung des Korbes ist ein Zinktrog, welcher mit Wasser gefüllt wird, anzubringen. Das Futter wird
von oben aus auf den Boden gestreut. In dem Korbe müssen die Tauben nach Geschlechtern getrennt
eingeschossen werden. Die Verschlußschnüre an den Öffnungen sind, wenn die Körbe mittels Eisenbahn,
Dampfschiff oder Postwagen befördert werden, mit einem Dienstsiegel zu versehen.
Die Öffnungen sind seitwärts anzubringen: Diese Anordnung empfiehlt sich insoferne, als sie den Tauben
gestattet, aus dem Korbe selbst herauszutreten.
Jede Brieftaubenstation muß eine Anzahl solcher Körbe besitzen.
Die Abrichtung der Tauben erfolgt in nachstehender Weise:

a) Bei jungen Tauben.

Vor Beginn der Flugübungen gewöhnt man die Tauben an den Aufenthalt in den Taubenkörben, da sie sich
sonst ängstigen und beschmutzen.
Die jungen Tauben, welche im März oder April auskriechen - Frühjahrsjunge - sind vom 15. August an zu den
Flugübungen heranzuziehen. Sie sind in diesem Jahre unter der Führung älterer Tauben bis zu circa 50 km zu
trainieren. die ersten vier Flugübungen (Orientierungsflüge) haben den Zweck, die Tauben mit der Umgebung
der Station bekanntzumachen. Hiezu werden die Tauben von in verschiedenen Richtungen liegenden Orte,
welche bis 8 km entfernt sind, fliegen gelassen. Die folgenden Flugübungen geschehen stets auf der
vorgeschriebenen Fluglinie, und zwar beispielweise die 5. Übung auf circa 10 km, die sechste auf circa 20 km,
die siebente auf circa 30 km und die achte Übung auf circa 50 km.
Die Tauben, welche nach dem Monate April ausgekrochen sind - Sommerjunge - machen im ersten Jahre,
sobald sie mindestens drei Monate alt sind, vier Orientierungsflüge. Erst im Herbste des folgenden Jahres
werden diese Tauben in der erwähnten Weise bis auf 50 km Entfernung abgerichtet und sind sonst in diesem
Jahre bloß zur Zucht - zum Brüten der Eier und Aufziehen der Jungen der alten Tauben - zu verwenden.
Die einjährigen Frühjahrsjungen und die im zweiten Jahre stehenden Sommerjungen werden, ähnlich wie im
Vorjahre, bis auf 50 km trainiert, machen sodann eine neunte Flugübung auf circa 70 km und eine zehnte
Übung auf circa 100 km. Sonst werde sie in diesem Jahre nur zu Zucht verwendet.

b) Bei alten Tauben.

Die Abrichtung der zwei Jahre alten Frühjahrsjungen und der im dritten Jahre stehenden Sommerjungen
beginnt schon im April.
Dieselben können beispielsweise:
die 1. Flugübung auf eine Entfernung von circa 10 km,
die 2. Flugübung auf eine Entfernung von circa 25 km
die 3. Flugübung auf eine Entfernung von circa 50 km
die 4. Flugübung auf eine Entfernung von circa 100 km
die 5. Flugübung auf eine Entfernung von circa 150 km
die 6. Flugübung auf eine Entfernung von circa 230 km
die 7. Flugübung auf eine Entfernung von circa 300 km
machen.
Im folgenden Jahre können diese Tauben sodann in ähnlicher Weise bis an den Endpunkt der Fluglinie trainiert
werden. -

Eine Wiederholung der einzelnen Flugübungen in demselben Jahre hat im allgemeinen nicht stattzufinden. Nur
dann, wenn der Endpunkt der Fluglinie nicht über 100km entfernt ist, können die letzten Flüge wiederholt
werden.
In der Regel begleitet ein Taubenwärter die zu den Flugübungen abgehenden Thierchen bis an den Abflugort.
Zwei bis drei Stunden vor dem Freilassen der Tauben sind dieselben zu füttern und unmittelbar vor dem
Abfluge zu tränken.
Für das Auslassen der Tauben ist ein Platz zu wählen, welcher in der Richtung des Abfluges keine
Telegraphendrähte aufweist. Die Körbe sind mit der Öffnung nach der Flugrichtung zu stellen.
Damit die Tauben sich daran gewöhnen, zu dreien bis fünfen zu fliegen, läßt der Wärter stets nur drei bis fünf
Thierchen aus dem Korbe treten. Nach je einer Viertelstunde ist eine weitere Partie abzulassen. Hiebei sind,
wenn thunlich Tauben, welche die Fluglinie kennen, mit Thierchen, welchen diese unbekannt ist, in eine Partie
zu vereinigen.
Eine gute Taube legt durchschnittlich in einer Minute einen Kilometer zurück.
Um die Tauben zu gewöhnen, bei ihrer Ankunft in den Fangapparat zu eilen, empfiehlt es sich, auf den Boden
desselben Hanf zu streuen. Die Rückkehr der Thierchen ist zu überwachen, um die Flugsicherheit derselben
beurtheilen zu können.
Bleiben Tauben über Nacht aus, so sind deren Nester zu schließen.
Jeder Taube ist nach einer ausgeführten größeren Flugübung eine Ruhe von mindestens zwei Tagen zu gönnen,
bevor man sie neuerdings für eine Übung einfängt.
Wenn sich im Abflugorte eine k. und k. Brieftaubenstation befindet, so sind die anlangenden Tauben vom
Leither derselben zu übernehmen und von diesem persönlich durch Abstempelung der unteren Seite einer
Flügelfeder mittels schnell trocknender Farbe mit je einer beliebigen Controlnummer zu bezeichnen.
Sodann sind die Tauben mindestens einen Tag lang - bei schlechter Witterung bis zum Eintritte besseren
Wetters - in dem für fremde Tauben bestimmten Internierungsraum einzuschließen.
Nach dem Abfluge dieser Tauben sind Tag und Stunde desselben dem Reichs-Kriegs-Ministerium und der
Station, welcher die Tauben gehören, hingegen die Anzahl derselben und die Controllnummern, mit welchen
die Tauben bezeichnet wurden, nur dem Reichs-Kriegs-Ministerium mitzutheilen.
Nach der Ankunft der Tauben im Heimatstaubenschlage sind dem Reichs-Kriegs-Ministerium die Anzahl der
zurückgekehrten Tauben und ihre Controlnummern zu melden.
Kriegsmäßige Übungen - bei denen Tauben nach einer 2 bis 4wöchigen Internierung an der Endstation und mit
Depeschen versehen, den Flug antreten - sind nur einmal im Jahre, zum Schlusse der Sommerübungen
vorzunehmen.
Diesen Übungen sind nur Tauben beizuziehen, welche wenigstens 3 Jahre alt sind und bei den regelmäßigen
Übungen den Flug von der Endstation bereits wenigstens einmal zurückgelegt haben. Bei dieser Übung hat der,
den Transport besorgende Wärter im Abflugorte zu verbleiben die daselbst im Internierungsraume
eingeschlossenen Tauben zu warten und erst nach Beendigung der Übung einzurücken.
Über die auf jeder Fluglinie vorgenommenen Übungen ist je ein Übungsjournal nach Beilage 2 zu führen.

IX. Befestigung der Depeschen.


Die Brieftaube soll zwar imstande sein, eine Depesche im Gewichte von 8 Gramm fortzubringen, doch
empfiehlt es sich, in dieser Hinsicht nicht zu weit zu gehen. Ein feineres Briefpapier von Octavformat wiegt bei
4.3g, und die Hälfte davon auf beiden Seiten beschrieben oder bedruckt, kann von der Taube anstandslos
getragen werden *).
Die Depeschen müssen so befestigt werden, daß sie die Taube im Fluge nicht behindern, und weder in Verlust
gerathen noch naß werden können. Zu diesem Zwecke wird das beschriebene oder bedruckte Papier fest
zusammengerollt in den hohlen Theil eines Federkiels geschoben. Die beiden offenen Enden des Federkiels
schießt man durch Wachs, hierauf durch Seidenfadenkreuze, und befestigt die so verwahrte Depesche mittels
zweier gut passender Gummiringe oder mittels Seidenfaden an einer frisch nachgewachsenen, also nicht mehr
der Mause unterliegenden mittleren Schweiffeder. Der Seidenfaden muß vor dem Gebrauche mit Wachs
bestrichen werden.
Die Figur 15 auf Tafel II veranschaulicht die Befestigung einer Depesche-
Um die Taubenwärter in der Anbringung der Depeschen zu üben, sind mitunter Brieftauben, die zu einer
Flugübung abgehen, mit Depeschen zu versehen.

X. Taubenkrankheiten.

Bei sorgfältiger Pflege und Wartung der Tauben, bei guter Ventilation und fleißiger Reinigung des
Taubenschlages sind Erkrankungen der Thierchen selten.
Die zumeist vorkommenden Taubenkrankheiten sind:
1.Störungen in den Verdauungsorganen haben ihre Ursache entweder darin, daß die Taube irgend etwas
Schädliches oder aber übermäßig viel trockenes Futter zu sich genommen hat. Im ersteren Falle pflegt sich die
Natur selbst zu helfen, wenn die genossene fremde Substanz nicht geradezu giftig war. Ernster gestaltet sich die
Überladung des Kropfes mit trockenem Futter, da die Körner aufschwellen und eine derartige Ausdehnung des
Kropfes verursachen, daß dadurch mitunter der Tod des Thierchens herbeigeführt wird. Um die Taube zu
retten, kann man mit einem scharfen Messer den oberen Theil des Kropfes öffnen, dessen Inhalt herausnehmen
und die Schnittwunde mittels Seide zunähen, wobei man die Stiche von innen nach außen führen muß, um
hintanzuhalten, daß sich Federn zwischen die Ränder der Wunde einklemmen.
Tauben, welche an den Flugübungen nicht theilnehmen, also wenig Bewegung machen, erkranken mitunter,
wenn sie sich während der ersten 4 bis 5 Tage nach abgelaufener Brutzeit des gelben Breies, der zur Fütterung
der Jungen bestimmt ist, nicht entledigen können. Dieser Brei häuft sich im Kropfe an und verhärtet dort; die
Thierchen werden traurig, sitzen ganz unbeweglich, versagen das Futter und gehen schließlich zugrunde. Wenn
man dieser Krankheit nicht dadurch vorbeugen kann, daß man den Tauben ein fremdes Junge unterschiebt, so
muß das Paar getrennt und einige Tage lang interniert werden. Während dieser Zeit ist den Tauben nur Wasser
und sehr wenig oder gar kein Futter zu geben. Auch können ihnen zum Purgieren Olivenöl oder erbsengroße
Pillen, welche aus Rhabarber-Wurzeln, Brot und gummierten Wasser zu erzeugen sind, eingegeben werden.
Solche Pillen sind stets vorräthig zu halten.
——————
*) Während des deutsch-französischen Krieges 1870-1871 wurden die Depeschen mikrophotgraphisch auf
durchscheinenden Häutchen von etwa 15 Quadratzentimeter Größe und weniger als 0.03 g Gewicht derart
verkleinert übertragen, daß 12-16 Folio-Druckseiten auf einem solchen Häutchen Raum fanden. Eine Taube
konnte bis 18 solche Häutchen anstandslos fortbringen.
Sollte auch das Purgiermittel erfolglos bleiben, so kann der Kropf auf die erwähnte Weise geöffnet und entleert
werden. Vor dem Zunähen ist derselbe mit einer Alaunlösung zu waschen, um die Entzündung zu mildern.
2. An Durchfall leiden die Tauben, besonders die Jungen, meist infolge schlechten Futters oder der im
Taubenboden herrschenden Feuchtigkeit. Mit dem Beheben dieser Übelstände pflegt auch die Krankheit zu
erlöschen; im gegentheiligen Fall kann Gerste oder Reis als Futter gegeben werden.
3. Die Entzündung der Unterleibsorgane ist an der Anschwellung derselben und daran erkenntlich, daß man
beim Befühlen eine eigroße, harte Geschwulst im Inneren der Eingeweide wahrnimmt. Am häufigsten werden
die Jungen davon befallen und gehen dann meist zugrunde.
Die befruchteten Weibchen können, wenn sie an dieser Krankheit leiden, die Eier mitunter nicht aus dem Leibe
bringen. Um ihnen darin behilflich zu sein, kann man jene Partien, welche das Ei passiren muß, mit Olivenöl
einschmieren und dann durch einen leichten Druck vor und hinter dem Ei dessen Herausgleiten befördern. Was
das Ei vollkommen normal ausgebildet, so geht diese Operation unschwer von statten; würde es dagegen
wegen Schwäche der Schale im Körper des Thierchens brechen, dann ist auch gewöhnlich die Taube nicht zu
retten.
Thierchen, welche an Entzündung der Unterleibsorgane leiden, muß man am Paaren durch Absonderung
hindern, bis sie durch den Einfluß eines aus Wicken, Erbsen und Grünzeug bestehenden Futters und des -
zeitweise durch eine Beimengung von etwas Glaubersalz purgativ gemachten - Trinkwassers wieder hergestellt
sind.
4. Wenn die Tauben röcheln, das heißt, bei jedem Athemzug ein inneres Geräusch vernehmen lassen, so sind
sie zu beseitigen, da sie längere Flüge nicht ausführen können und selten vollkommen gesund werden.
5. Die Kurzathmigkeit ist gewöhnlich die Folge eines überstandenen Schreckens oder einer übermäßigen
Anstrengung, sei es im Fliegen oder beim Auffüttern der Jungen. Im letzteren Falle darf man der kurzathmigen
Taube kein erhitzendes Futter geben, füttert sie aber gut und macht ihr zeitweise etwas Grünzeug zugänglich.
Falls sie ein Junges hat, so kann man ihr dasselbe nach 10 oder 12 Tagen entziehen. Entstand die
Kurzathmigkeit durch irgend einen überstandenen Schrecken, so vergeht sie mit der Zeit von selbst.
6. Der Halskrampf besteht aus in convulsivischen, raschen Bewegungen des Halses nach rechts und links. Da
diese Krankheit, welche zumeist bei jungen Tauben vorkommt, unheilbar ist, so sind die von ihr befallenen
Thierchen zu beseitigen.
7. Warzen zeigen sich bei den Tauben an den unbefederten Stellen, an den Membranen der Nasenlöcher und
der Augen. Sie wachsen schnell und behindern mitunter das Sehen oder Fressen. Man kann sie einfach
abdrehen. Hiebei muß, wenn sie sich am Augenlid befinden, mit Vorsicht vorgegangen werden. Die wunde
Stelle wird mit Höllenstein gebrannt oder auch mit einer Salbe bestrichen, welche aus etwa 4 dg Höllenstein
und circa 200 g ungesalzenen Specke bereitet wird.
8. Die „Seuche“ heißt ein krankhafter Zustand der schleimigen Membranen des Schnabels, der Nasenlöcher,
sowie der Luftröhre und nicht selten auch der Augen. Die betreffenden Theile sind entzündet und eitern mit
zunehmender Stärke. Da diese Krankheit ansteckend ist, so sind die von ihr befallenen Tauben schleunigst zu
beseitigen, und ihre Nester, sowie die Brutschüsseln zu reinigen und zu desinficieren.
9. Die Scropheln sind eine gefährliche Taubenkrankheit, die zumeist an den Füßen oder den Flügeln sichtbar
wird. Die betreffende Stelle erscheint anfangs entzündet, in kurzer Zeit bildet sich aber eine harte Geschwulst -
von der Größe eines Taubeneies - die mit einer gelblichen Materie angefüllt ist. Die mit dieser Krankheit
behafteten Thierchen hinken, können sich fliegend kaum erheben und magern ab, falls auch innere Organe
erkrankt sind.
Tauben, die an Scropheln leiden, sind schleunigst zu vertilgen; ihre Nester und Brutschüsseln sind zu reinigen
und desinficieren.
10. Verwundungen der Tauben erfolgen zumeist durch Raubvögel oder Jäger. Die Wunde wird mit frischem
Wasser gereinigt, Schrotte oder sonstige fremde Gegenstände werden daraus vorsichtig beseitigt und die
Federn insoweit um die wunde Stelle entfernt, daß keine derselben das bloßliegende Fleisch berühren kann. Bei
klaffenden Wunden muß hierauf noch die Haut durch einige Stiche zusammengenäht werden.

XI. Leitung der k. und k. Brieftaubenstationen.


Die Leitung jeder Station wird vom Reichs-Kriegs-Ministerium einem Officier oder Militär-Beamten,
ausnahmsweise einem Unterofficier oder einem in keine Rangclasse eingetheilten Militärgagisten unter
Zuerkennung einer Remuneration übertragen.
Der Leiter der Station untersteht direct dem Festungs- (Militär-Stations-) Commando; der Brieftaubenstation in
Wien untersteht jedoch dem technischen Militär-Comité.
Jeder Station werden ein Unterofficier und ein bis zwei verlässliche Soldaten als Taubenwärter zugewiesen.
Dieselben erhalten an allen Tagen, an welchen Flugübungen stattfinden, je nach der hiedurch bedingten
Anstrengung eine Dienstzulage von 10 - 15 kr.
Zur Deckung der Auslagen der Station - für die Instandhaltung des Taubenschlages, sowie dessen Einrichtung,
für die Erhaltung der Tauben, die Durchführung der Flugübungen, für Zulagen, Schreibmaterialien etc. - ist ein
vom Reichs-Kriegs-Ministerium festgesetztes Pauschal bestimmt, über dessen Verwendung vom Leiter der
Station eine documentierte Vormerkung zu führen ist. Die Fassung dieses Pauschals erfolgt in vierteljährigen
Quoten am 1./1., 1./4., 1./7. und 1./10. mittels Quittung des Stationsleiters im Wege der Territorial-Intendanz
bei der Militär-Casse (=Zahlstelle).
Die Überschreitung dieses Pauschals ist unstatthaft; ein eventueller Pauschalrest ist im nächsten Jahre zu
verwenden.
Im September berichtet der Stationsleiter dem Reichs-Kriegs-Ministerium, ob, beziehungsweise wie viele
Tauben (Männchen und Weibchen specificiert) mit Rücksicht auf den Nachwuchs und den vorgeschriebenen
Stand der Station abgegeben werden könnten, oder ob der Zuschub von jungen Tauben anderer Stationen
erwünscht wäre. Hiebei ist zu berücksichtigen, daß sich im Laufe des Winters stets einige Abgänge an Tauben
ergeben.
Die Abgabe von Tauben ohne Bewilligung des Reichs-Kriegs-Ministeriums ist unstatthaft.
Anfangs Jänner legt der Stationsleiter dem Kriegs-Ministerium einen kurzen Bericht, ohne Einbegleitung. über
die Ergebnisse der Zucht und der Abrichtung der Tauben im verflossenen Jahre vor. In diesem Berichte ist
anzugeben, wie viel Tauben auf den der Station zugewiesenen Fluglinien bis zu den verschiedenen Abflugorten
trainiert sind. Der bei der Zucht und Abrichtung eingehaltene Vorgang nur insoferne zu erläutern, als eine
Abweichung von den Bestimmungen der Instruction nothwendig war.

Der Stationsleiter hat folgende Vormerkungen zu führen:

a) die „Evidenzblätter“ der Tauben nach Beilage 1;


b) die „Übungsjournale“ nach Beilage 2;
c) die „Standesjournale“ nach Beilage 3;
d) eine documentierte „Vormerkung über die Verwendung des Pauschals“.

Die unter b) und c) genannten Vormerkungen sind dem Jahresberichte beizuschließen.


ft3eilage 1.

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Tafel 1.
Fig.l.
Taubenschlag

A Abtheilungen für Nester


B Arbeitsraum
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o verschließbare Ausgänge
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Fig.3.

a Drahtgitter
b Brettchen

Fig.4.
Taubennest aus Thon.

Fig.5

a Sitzstange
b Brettchen
Fig.6.
Ansicht von oben

a Taubennester
b, c, d Sitzstangen

d•-r--N— d

Fig.7
Brutschüssel.

Fig.8
Trinkgefäß aus Zink

A cylindrisches Gefäß
B cylindrischer Wasserbehä
i Trinköffnungen
r Hals
bb Bodenrand
Fig.8
Trinkgefäß aus Zink
b

A cylindrisches Gefäß
B cylindrischer Wasserbehä
i Trinköffnungen
r Hals
bb Bodenrand

Fig.9.
Trinkgefäß aus terra cotta

a Wasserbehälter
b Trinkgefäß
c Trinköffnung
Fig.10.
Einfaches Trinkgefäß
a Deckel
b Schüssel
c Trinköffnungen

Fig.1 1.

a Holztrog
b Deckel
c Charniere
d Öffnungen
e Holzprisma ...-

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................_...
50cm -_____,.......

.------ e----- 20cm-----)


A Ausflugöffnung Fig.1 2.
B Einflugöffnung
Ausflugkasten
a Eisendraht-Stäbe
(um das obere Ende drehbar)
Vordere Ansicht.
b charniere ----,—,—
— -,—. ---„____
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B

3 Scm

3
cm

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Fig.13.
Ausflugkasten
Seiten-Ansicht
A Ausflugöffnung
8 Einflugöffnung
C Fangapparat
a drehbare Eisendraft-Stäbe
ä feste Eisendraht-Stäbe
b Chaniere
c,d, Sitzbretter

3
0cm

Scm Surr ›,

30cm -4E 80cm


Fig.1 4.
Taubenkorb für ca. 30 Thiere

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Fig.1 5.
Schweiffeder mit Depesche.