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Schweizerische Gesellschaft für Korrosionsschutz

Neue Erkenntnisse zur


Wechselstromkorrosion: Auswirkung auf die
Praxis

Dr. Markus Büchler


Kathodischer Korrosionsschutz

• Die Dauerhaftigkeit von


Rohrleitungen wird erreicht
durch:
– Beschichtung der Rohrleitung
– Kathodischer Schutz von
Fehlstellen
• Ein korrekt eingestellter
kathodischer Schutz führt zu
Korrosionsgeschwindigkeiten
< 10 µm/a
Wechselspannungsbeeinflussung
und deren Folgen
• Parallelführung von • Wechselstromfluss
Hochspannungsleitung und Umhüllungsfehlstellen kann
Rohrleitung zu Korrosionsangriff führen
Korrosion von Stahl
Anodische Metallauflösung Fe Fe2++ 2e- Fe3++ 3e-
Fe3++ 2H2O FeOOH+ 3H+
Kathodische O2 Reduktion O2 + 2H2O + 4e- 4OH-

Korrosion Passivität Kathodischer Schutz


Das Pourbaix Diagramm für Eisen
Stromdichte-Potentialkurven
Stahl unter kathodischem Schutz

• Der kathodische Schutz


bewirkt Sauerstoffreduktion

O2 + 2H2O + 4e- 4OH-

• Der pH-Wert steigt an


• Wechsel zwischen
kathodischem Schutz und
Passivität unter AC-Einfluss
Es tritt keine Korrosion auf
Mechanismus der
Wechselstromkorrosion

Bei Oxidation von einer Atomlage pro Zyklus: 70 mm/Jahr


Das Verhalten der Rostschicht
Zyklische Stromdichte-
• Die Ansammlung von Rost Potentialkurve bei pH 13
wird experimentell beobachtet
• Der Ladungszustand des
Eisens im Rost kann durch
Strom verändert werden (Fe3+
zu Fe2+)
• Messung der Oxidationsladung
in der coulometrischen
Oxidation ermöglicht die
Abschätzung der Dicke der
Rostschicht:

Fe2+ Fe3++ e-
Die coulometrische Oxidation
Nach kathodischem Schutz bei
zwei Wechselstromdichten
Korrelation von coulometrischer Oxidation
und tatsächlichem Korrosionsabtrag
Mögliche Aussagen aus der
coulometrischen Oxidation
• Die Ladungsmenge für die vollständige
Passivierung hängt von der Menge an Rost ab.
• Das Ausmass an Korrosion kann unter folgenden
Bedingungen bestimmt werden:
– Die Korrosionsprodukte sind elektrochemisch reduziert
– Der pH-Wert an der Metalloberfläche ist ausreichend
für die Passivierung
– Alle Korrosionsprodukte müssen elektrochemisch
zugänglich sein
die Korrosionsgeschwindigkeit unter
Wechselspannungsbeeinflussung hängt vom
kathodischen Schutzstrom ab
Mögliche Ursache für den negativen
Effekt der hohen Schutzstromdichte
• Absinken des Ausbreitwiderstands
– Der Anstieg des pH-Werts führt zu einer Erhöhung der
Leitfähigkeit und dadurch zu erhöhten
Wechselstromdichten
• Anstieg des pH-Werts
– Der hohe pH-Wert kann zur Bildung von löslichen
Eisenhydraten führen
• Reduktive Auflösung des Passivfilm
– Ein hoher Schutzstrom verbessert die Auflösung des
Passivfilms und dadurch den Korrosionsabtrag
Erhöhung der Leitfähigkeit
Anstieg des pH-Werts
pH-Messung als Funktion der
Zeit und der Stromdichte

Aufbau für die pH-Messung

Stahl pH-Sensor
Messungen in stark alkalischer Lösung
bei hoher Wechselstromdichte
• Keine Korrosion in pH 14 selbst bei
Wechselstromdichten von bis zu 1200 A/m2
• Keine Korrosion bei optimiertem kathodischem
Schutzstromdichte
• Weder der hohe pH-Wert noch der tiefe
Ausbreitwiderstand können die negativen
Auswirkungen der hohen Schutzstromdichte
erklären
• Die Wirkung muss folglich direkt mit dem
kathodischen Schutzstrom verknüpft sein
Bei geringem kathodischem Schutzstrom
wird der Passivfilm nicht aufgelöst
• Der kathodische
Schutzstrom führ zu
einer reduktiven
Auflösung des
Passivfilms
• Wenn keine
reduktive Auflösung
stattfindet, wird keine
Neubildung erfolgen
• Damit kann der
Korrosionsprozess
gestoppt werden
Verbrauch der anodischen und
kathodischen Ladung des Wechselstroms

5. Zyklus bei pH 13
• Die anodische und
kathodische Ladung kann in
der Rostschicht durch Fe2+ Fe3++ e-
Oxidation und Reduktion von
Eisenionen verbraucht
werden
• Wie in einem Akkumulator
können grosse
Ladungsmengen gespeichert
werden Fe3++ e- Fe2+
Überlagerung von anodischem
und kathodischem Schutz

abnehmender Wechselstrom
kathodischer anodischer
Schutz zunehmender Schutzstrom Schutz

Keine Korrosion Korrosion Keine Korrosion


Experimenteller Befund in Böden

• Der Verhältnis zwischen Gleich- und Wechselstromdichte ist relevant


• Zusammen mit der Messung des Einschaltpotenzials könnte dies möglicherweise ein
wertvolles Kriterium darstellen
Konsequenzen für die Praxis
Vorschläge für die prEN 15280
• Fall hoher kathodischer Schutz:
– Wechselspannung maximal < 4 V, wenn das Einschaltpotential
negativer als -2.5 V CSE ist
– Wechselstromdichte < 30 A/m²
– 3>Iac/Idc (für Wechselstromdichte ≥ 30 A/m²)
• Fall geringer kathodischer Schutz:
– Wechselspannung < 15 V im Mittel, wenn das Einschaltpotential
positiver als -1.4 V CSE ist
– Wechselstromdichte < 30 A/m²
– Schutzstromdichte < 1 A/m² (für Wechselstromdichte ≥ 30 A/m²)
• Diese Grenzwerte verringern die Gefährdung, garantieren
aber keine Sicherheit!