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uwf (2012) 19:171–175

DOI 10.1007/s00550-011-0226-8

Schwerpunktthema

Acoustic Leadership
Von „Keksgesprächen“, „Dienstaufsichtsbesuchen“ und „Watercooler Talks“

Christian F. Hirsch

Online publiziert: 2. Februar 2012


© Springer-Verlag 2011

1  Einleitung 2  Der Mensch ist auf Sprache festgelegt

Wenn man heute Praktikerbücher zur internen Unterneh- Technik prägt heute das Leben. Die Allgegenwart des
mens- und Organisationskommunikation oder wissen- Computers und seiner kleinen, handlichen Brüder wie dem
schaftliche Abhandlungen zur internen Kommunikation in Mobiltelefon, dem Blackberry oder dem iPad lassen zwei
die Hand nimmt, dann dominieren darin Themen wie Social Phänomene gern vergessen. Es gab bereits vor dem Auf-
Media, Corporate Publishing oder andere große Metathe- kommen der neuen Technologien erfolgreiche Kommunika-
men eines zeitgemäßen und professionellen Kommunika- tion zwischen Menschen. Alexander der Große führte viele
tionsmanagements. Wie müssen Mitarbeiterzeitschriften in Jahre lang ein mehrere zehntausend Mann umfassendes Heer
Hochglanzformat produziert werden, um Botschaften rich- durch die damals bekannte Welt und schaffte sich ein Welt-
tig zu platzieren? Was sind die wichtigsten Parameter für reich, ohne eine einzige E-Mail zu verschicken oder auch
den effektiven und effizienten Einsatz von Social Media? nur einmal ein Mobiltelefon zu benutzen. Das gleiche gilt
Solche Fragen sind es, die bei Experten gerade sehr en für den Bau der Pyramiden oder andere große Ereignisse der
vogue sind. Dabei wird aber meistens vergessen, dass die menschlichen Kulturgeschichte. Jahrtausende kamen die
menschlichste und älteste Kommunikationsform die der Menschen und ihre Führer ohne die Insignien der heutigen
Direktkommunikation mittels gesprochener Sprache ist. Manager- und Wirtschaftswelt aus: Mobiltelefon, Laptop,
Am sozialsten und am nachhaltigsten, so die hier vertre- Powerpoint und Excel. Die Heerführer, Baumeister, Wirt-
tene These, ist es, wenn Menschen miteinander reden – von schaftsführer und Politiker früherer Zeiten mussten ohne
Angesicht zu Angesicht. fortgeschrittene technische Hilfsmittel kommunizieren.
Seit rund 20 Jahren gibt es SMS, seit fast 30 Jahren E- Das zweite Phänomen, das leicht vergessen wird, ist,
Mail. Eine kleine Kommunikationsrevolution ereignete dass auch heute noch im Berufs- und Arbeitsleben die
sich, als Ottmar Mergenthaler 1886 den Linotype erfand direkte Kommunikation mittels Sprache das menschliche
und damit das Setzen von Texten zum Drucken um ein Miteinander dominiert. In Konferenzen sprechen Menschen
vielfaches schneller machte. Seit 600 Jahren gibt es den ja immer noch miteinander, auch wenn der Beamer bunte
Buchdruck und seit rund 6000 Jahren wird Schrift als Kom- Powerpoints an die Wand wirft. Kurze Absprachen treffen
munikationsmittel genutzt. Sprache benutzen Menschen Kollegen oft im direkten Gespräch von Schreibtisch zu
aber bereits seit mehr als 100.000 Jahren. Menschen sind Schreibtisch. Das zufällige Treffen auf dem Flur dient zu
evolutionär auf Sprache festgelegt. Sie haben Jahrtausende einem kleinen Gedankenaustausch über ein Projekt. Nicht
nur sprachlich kommuniziert. Und auch heute noch ist Spra- zu vergessen der allgegenwärtige Smalltalk. Auch das Wei-
che das Hauptkommunikationsmittel des Menschen. Mit terzählen von Gerüchten hinter vorgehaltener Hand. Alles
Sprache können Menschen Großes vollbringen. das sind Situationen der direkten Kommunikation mittels
gesprochener Sprache. Sie dominiert den Arbeitsalltag.
C. F. Hirsch ()
Oberkochen, Deutschland
E-Mail: christianfhirsch@web.de

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3  Sprachliche Kommunikation ist sozial   deutet an, dass es um einen ganz speziellen „handwerkli-
und nachhaltig chen“ Aspekt von Führung geht.
Auf der Praktikerebene, um die es hier geht, beschreibt
Es soll hier nicht darum gehen, die technischen Errungen- Acoustic Leadership zu einem, wie Führungskräfte durch
schaften der modernen und postmodernen Arbeits- und direkte Kommunikation mittels gesprochener Sprache anders
Lebenswelt zu verteufeln. Ziel soll sein, für die Bedeutung und wohlmöglich besser führen können. Zum anderen kann
direkter menschlicher Kommunikation mittels Sprache in der Begriff ebenso genutzt werden, um eine Unternehmens-
Unternehmen und Organisationen zu sensibilisieren. Wer kultur zu beschreiben, in der diese Kommunikationsform
über nachhaltige und soziale Kommunikation in gesell- als wichtiges Instrument erkannt, angewendet und hochge-
schaftlichen Entitäten spricht, darf die älteste Kommunika- halten wird, um sie sozialer und nachhaltiger zu machen.
tionstechnik des Menschen nicht vergessen: die gesprochene
Sprache.
Wenn man die Kommunikation in einem Unternehmen 5  Acoustic Leadeship erfordert Glaubwürdigkeit  
nachhaltiger und sozialer gestalten will, kann ein guter und Ehrlichkeit
Ansatz sein, sich die Kommunikationskultur einmal genauer
anzuschauen und die Redekultur zu verbessern. Leider Acoustic Leadership fordert von einem Vorgesetzten viel
dominiert in vielen Unternehmen heute eine Fixierung auf ab. Zum einen Können, zum anderen Wollen. Menschen
Schriftlichkeit. Alles und jedes wird sofort schriftlich fest- sind unterschiedlich. Nicht jeder ist ein großer Redner.
gehalten. Statt eines kurzen persönlichen Gespräches domi- Nicht jeder der geborenen Rhetoriker, der Menschen mitrei-
niert E-Mail-Terror. Vorgesetzte und Kollegen machen alles ßen kann. Darum geht es aber auch nicht. Acoustic Leader-
nur per E-Mail und benutzen Globalverteiler. Oft steckt ship soll nicht den Cicero in jedem Chef wecken. Eher im
dahinter ein Absicherungsdenken. Das wiederum ist ein Gegenteil: Übermäßige, oft von Coaches in teuren Semina-
Zeichen mangelnden Vertrauens. ren antrainierte Überzeugzeugungs- und Überredungstakti-
Eine solche Kommunikationskultur funktioniert. Doch ken wecken das Misstrauen der Untergebenen und führen
ob sie sozial, nachhaltig und vor allem sinnvoll ist, bleibt dazu, dass diese sich doch lieber auf schriftliche Kommuni-
zu bezweifeln. Schriftlichkeit ist in der heutigen Arbeitswelt kation verlassen. Bei Acoustic Leadership steht die inhalt-
unabdingbar. Und es geht hier nicht darum, sie abzuschaf- liche Richtigkeit, die Glaubwürdigkeit und die Ehrlichkeit
fen. Doch eine Überfixierung auf schriftliches Festhalten in der Kommunikation im Vordergrund.
und schriftliche Kommunikation kann eine Institution läh- Oft ist das Wollen wichtiger als das Können. Wollen heißt
men. Leider verstärken die fortschreitende Entwicklung und vor allem, den Mitarbeitern das Gefühl zu geben, dass sie den
der Einsatz von Kommunikationstechnik die Anfälligkeit Worten des Chefs vertrauen können. Das klingt banal, doch
zur Schriftlichkeit, dem Speichern aller möglicher Informa- ist Vertrauen die Währung einer jeden Kommunikation. Das
tionen und damit das Absicherungsdenken. oberste Prinzip von Acoustic Leadership ist deshalb, Ver-
trauen in die mündliche Kommunikation aufzubauen.
Instrumente von Acoustic Leadership scheinen wie der
4  Acoustic Leadership ist alt, aber doch modern ganz tiefe Griff in die kommunikative Klamottenkiste, doch
sind sie deshalb nicht falsch. Wer Menschen führen will,
Auch wenn ein Unternehmen nicht vom Virus einer über- muss sie kennen. Kennen lernt man Menschen vor allem in
bordenden schriftlichen Fixierung, einer allzu starken der direkten sozialen Interaktion. Bei aller Verfeinerung der
Dominanz technischer Kommunikation und dem Absiche- technischen Kommunikationsmittel ist nichts so unmittel-
rungsdenken geprägt ist, so kann die Wiederentdeckung von bar wie das persönliche Gespräch.
Acoustic Leadership helfen, es sozialer und nachhaltiger zu
gestalten. Dabei geht es in erster Linie darum, die Kultur
der direkten Kommunikation mittels gesprochener Sprache 6  „Dienstaufsichtsbesuche“ dienen dem
zu verbessern. Vertrauensaufbau
Der Begriff Acoustic Leadership ist neu, sein Inhalt und
die Instrumente alt. Sie harren nur einer Neuentdeckung Ein Mittel von Acoustic Leadership ist deshalb etwas, was
in der auf Technik fixierten Kommunikationswelt. Das man in bürokratischen, staatlichen Institutionen mit dem
Leadership greift die aktuellen Diskussionen und Theorien sehr altmodisch klingen Begriff der Dienstaufsicht bezeich-
zur Unternehmensführung und zur integralen und integrier- net. Doch Dienstaufsicht ist mehr als Kontrolle. Es ist
ten Unternehmenskommunikation auf, wie sie unter diesem Gelegenheit zur direkten Kommunikation. Der Chef geht
englischen Begriff derzeit geführt werden. Das Acoustic dorthin, wo seine Frauen und Männer arbeiten. Er besucht
sie, spricht mit ihnen, gibt Tipps, lobt oder tadelt, wenn es

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sein muss. Diese Dienstaufsicht hat große Wirkung. Der Instrumente von Corporate Social Media, die die Kluft zwi-
Chef wirkt nicht mehr als das fremde Wesen, das weit weg schen Chefs und Mitarbeitern überbrücken sollen.
ist. Er gibt das Gefühl, dass er sich für seine Leute interes- Wenn der oberste Chef mit gutem Beispiel vorangeht
siert. Im Gespräch lernen die Mitarbeiter ihre Führungskraft und diese Art von Acoustic Leadership praktiziert, werden
kennen. Vor allem aber: „Dienstaufsichtsbesuche“ dienen die anderen Führungskräfte es ihm bald nachmachen. Wenn
dem Vertrauensaufbau. sich Führungskräfte einen solchen kurzen „Dienstaufsichts-
Viele Unternehmen und Konzerne haben unter dem Ein- besuch“ nur einmal in der Woche für eine halbe Stunde
fluss von Kommunikationsberatern die Wichtigkeit solcher angewöhnen, so sind das im Jahr keine 25 Stunden. Die
Events erkannt und nutzen sie bereits ausgiebig. Die Kom- aber können für den Vertrauensaufbau sehr viel bewirken.
munikationsabteilungen planen solche Treffen regelmäßig Dieser Tipp zu „Dienstaufsichtsbesuchen“ mag dem
lange im voraus und organisieren sie ritualisiert. „Unser theoriegeschulten Kommunikationsmanager sehr banal
CEO trifft den Mann vom Band.“ Unter diesem oder einem erscheinen. Die Erfahrung des Kommunikationshandwer-
ähnlichem Motto stehen diese Ereignisse dann oft. Begleitet kers zeigt dagegen, dass es hier in vielen Unternehmen und
wird der CEO von einer großen Entourage samt der darunter Organisationen erhebliche Defizite gibt und die Kommu-
stehenden gesamten Hierarchie-Kaskade von Chefs. Nicht nikation zwischen Mitarbeitern und Führungskräften eher
zu vergessen natürlich der Fotograf der Kommunikationsab- starr, unpersönlich und durch technische Kommunikations-
teilung, der die meist reichlich verschüchtert erscheinenden mittel bestimmt ist. „Dienstaufsichtsbesuche“ helfen, die
Mitarbeiter vom Band samt Big Boss für die Mitarbeiter- Kommunikationskultur zu verbessern.
zeitschrift ablichten darf. Damit alles gut aussieht, wurden
die Arbeitsplätze natürlich bereits Tage vorher aufgeräumt
und gesäubert. 8  „Keksgespräche“ helfen, Netzwerke aufzubauen
Solche inszenierten Events haben nichts mit Acoustic
Leadership zu tun. Es ist sogar anzunehmen, dass sie eher Was für die Mitarbeiter-und-Führungskräfte-Verhältnis gilt,
die Kluft zwischen denen da oben und denen da unten ver- ist natürlich auch für die kollegiale Kommunikation richtig.
größern. Was spricht denn dagegen, wenn ein Vorgesetz- Oft dominiert leider hier die Technik. Hier gilt ebenfalls die
ter einmal unangekündigt ohne große Entourage bei den banale erscheinende Aussage: Das persönliche Gespräch ist
Frauen und Männer am Fließband auftaucht und einfach oft besser als die technikbasierte Kommunikation. Gerade
einen kleinen Plausch hält? Ein Vorstandsvorsitzender hat wer neu in ein Unternehmen kommt, sollte sich schnell ein
das Recht, direkt mit allen Mitarbeitern zu sprechen. Wenn Netzwerk aufbauen. Netzwerke basieren auf Vertrauen. Ver-
er es das erste Mal macht, ist es ungewöhnlich. Auch noch trauen aufzubauen, braucht immer direkte Kommunikation.
beim zweiten und dritten Mal. Die Info geht schneller rum Ein guter Start dafür sind „Keksgespräche“.
als ein Lauffeuer: „Heute morgen war Big Boss bei uns und Das „Keksgespräch“ ist ein kleines Kommunikations-
hat mit uns einfach so geredet.“ event, bei dem sich zwei Kollegen zu einem Kaffee oder
Tee in gemütlicher, stilvoller Atmosphäre zusammensetzen,
um sich kennenzulernen und Gedanken auszutauschen. Im
7  Ein kurzer „Dienstaufsichtsbesuch“ bewirkt   Gegensatz zu normalen Meetings, zu dem sich Kollegen tref-
schon viel fen, um etwas Konkretes zu besprechen und das Gespräch
damit ein Ziel hat, ist beim „Keksgespräch“ das Gespräch
Wenn es normal ist, dass der große Chef mal unerwartet das eigentliche Ziel. Das Ergebnis ist, den anderen näher
auftaucht, dann gilt es bald nicht mehr als Außergewöhn- kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen.
lichkeit. Und: Er muss nicht zu jedem Mitarbeit. Der „Keksgespräche“ sollten in gemütlicher und entspannter
Schneeballeffekt der Kommunikation bewirkt, dass jeder Atmosphäre abgehalten werden. Statt der üblichen, klobi-
weiß: Er könnte ebenso zu mir kommen und ich könnte mit gen Kaffeebecher, die heute in den meisten Büros gegen-
ihm direkt reden. Schon das Gefühl, dass die Mitarbeiter mit wärtig sind, kann der „Gastgeber“ speziell für diesen Anlass
dem Big Boss reden könnte, fördert die Rede- und Kommu- ein besseres Geschirr vorrätig haben. Ebenso dient ein Tel-
nikationskultur in einem Unternehmen und das Vertrauen in ler mit edlen Keksen dem einen Zweck: Zu zeigen, dass das
die Führung. „Keksgespräch“ eine andere Kommunikationssituation ist
Solche nicht ritualisierten, kurzen Treffen zwischen den als sonst üblich. Ein solches Gespräch soll mehr an die hei-
Führungskräften und dem Mitarbeitern können für den melige und lockere Atmosphäre eines privaten Kaffeekränz-
Vertrauensaufbau sehr viel bewirken. Mehr bewirken als chens erinnern als an die funktionale Stimmung sonstiger
technisch ausgefeilte, aber unpersönliche Chats mit dem Meetings des heutigen Berufslebens.
Vorstandsvorsitzenden, als Bloggs der Geschäftsführer, die
bereits in vielen Unternehmen in Mode sind, oder sonstige

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9  Wichtig für soziale Kommunikation ist Neugier   nutzen können. Damit soll die intraorganisationelle Kom-
auf Menschen munikation erhöht werden.
Ursprünglich erfüllten diese Aufgabe die Raucherecken,
Dass zu „Keksgesprächen“ eine ruhige und ungestörte Atmo- wo ja Menschen verschiedener Abteilungen und vor allem
sphäre gehört, sollte klar sein. Wichtig ist das Gespräch. verschiedener Hierarchieebenen zwanglos zusammen
Telefongespräche und Störungen sollten tabu sein. Wich- kamen und schnell Kontakt knüpften, weil sie ein gemein-
tig ist, sich auf seinen Gegenüber zu konzentrieren. Der sames Ziel hatten: Für ein paar Minuten dem Arbeitsalltag
Gesprächsanteil von beiden Partnern sollte in etwa gleich zu entfliehen und dem Laster des Rauchens zu frönen. Rau-
und auf Augenhöhe sein, womit keinesfalls gesagt sein soll, cher galten und – wo es noch Raucherecken gibt – gelten als
dass zum „Keksgespräch“ nur Gleichrangige eingeladen besonders gut informiert und vernetzt.
werden sollten. Wichtig ist, dass der „Gastgeber“ Leute ein-
lädt, die einem interessant erscheinen, von denen er mehr
wissen möchte, egal welcher Hierarchieebene sie angehö- 11  Wichtig ist, Kommunikationssituationen zu initieren
ren. Zu dieser Art Gespräch gehört eine gehörige Portion
Neugier auf Menschen. Deshalb sollten die Gesprächspart- Mit dem aus den USA kommenden Trend, Rauchen in
ner aus allen Abteilungen eines Unternehmens oder einer Deutschland zu stigmatisieren, werden solche Raucherecken
Organisation kommen. Das fördert das abteilungsübergrei- mehr und mehr abgeschafft. Die Folge ist, dass es weniger
fende Denken und bringt Verständnis dafür, was die anderen abteilungsübergreifende Kommunikation und Vernetzung
so machen. gibt. Ebenfalls aus den USA kommt die Idee, als Surrogat
Auch dieses Instrument von Acoustic Leadership scheint für das gemeinsame Rauchen das gemeinsame Wassertrin-
auf den ersten Blick anachronistisch und nicht in die von ken als Kommunikationsevent zu nutzen. Deshalb stehen
Effizienz, Effektivität und Hektik geprägte zeitgenössische heute an zahlreichen Ort die Wasserkühler. Doch es scheint,
Berufswelt zu passen. Und doch: Um Vertrauen zu anderen dass die in den Köpfen von Kommunikationsmanagern
Menschen aufzubauen, braucht es gerade solcher Maßnah- erdachte Kultur der Wasserkühler-Kommunikation nicht so
men. Wer in seinem ersten Jahr in einem Unternehmen nur erfolgreich ist wie die der Raucherecken. Gemeinsam Was-
eine Stunde pro Woche für solche „Keksgespräche“ auf- ser zu trinken, ist eben nicht das gleiche wie gemeinsame
wendet, hat innerhalb eines Jahres ein gutes Netzwerk von eine zu Rauchen. Die Gründe dafür sind vielerlei.
rund 50 Kolleginnen und Kollegen, die er näher kennt und Während die tatsächlichen „Watercooler Talks“ sicher-
auf dessen Erfahrung und Hilfe er sicherlich zurückgreifen lich ein toter Arm in der Evolution von Maßnahmen zur
kann. internen Unternehmens- und Organisationskommunikation
sind, ist die Idee, die dahinter steht, erfolgversprechend:
Situationen zu schaffen, in denen Mitarbeiter verschiedener
10  „Watercooler Talks“ sollen Kommunikation Ebenen und Abteilungen zusammenkommen, um zwanglos
anregen miteinander zu kommunizieren. Wo das möglich ist oder
sogar noch von den Vorgesetzten gefördert wird, herrscht
„Keksgespräche“ sind natürlich nur in einem Unternehmen ein hohes Maß an Acoustic Leadership vor. Sich Kommu-
oder einer Organisation möglich, die erkannt hat, dass eine nikationsmaßnahmen im Sinne von „Watercooler Talks“
der sozialsten und nachhaltigsten Kommunikation die mit- auszudenken, die sich organisch in den Arbeitsalltag von
tels gesprochener Sprache und dass die Währung für gute modernen und postmodernen Unternehmen einfügen, ohne
Kommunikation Vertrauen ist. Mehr und mehr Geschäfts- künstlich und fehl am Platze zu wirken, dies ist noch eine
führer erkennen das und versuchen solche oder ähnliche große Herausforderung für Kommunikationsmanager und -
Kommunikationssituationen geplant zu schaffen. In der wissenschaftler. Hier gibt es, so die Meinung des Verfassers,
organisationsanthropologischen Literatur hat sich dafür der noch einigen Nachholbedarf.
Begriff „Watercooler Talks“ eingebürgert.
Wer kennt sie nicht, die Wasserspender mit ihren großen
blauen Flaschen und den Haltern für weiße Plastikbecher, 12  Fazit
die heute in vielen Bürofluren und in vielen Geschäften
stehen und die Menschen zu einer kleinen Erfrischung ein- „Keksgespräche“, „Dienstaufsichtsbesuche“ und „Waterco-
laden. Sie sollen nicht nur kühles Nass spenden, sondern oler Talks“ sind nur drei Instrumente von Acoustic Leader-
besonders in Unternehmen zwanglose Kommunikationssi- ship. Das alles ist keineswegs neu. Die Idee, die dahinter
tuationen schaffen. Gerade deshalb werden sie oft so auf- steht, ist sehr alt und basiert auf der ältesten, sozialsten
gebaut, dass Menschen aus verschiedenen Abteilungen sie und nachhaltigsten Form der Kommunikation: der direkten
Kommunikation zwischen Menschen mittels gesprochener

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Sprache. Bei aller Technikfixierung innerhalb der Kommu- Christian F. Hirsch arbeitet seit
nikationswissenschaften und des Kommunikationsmanage- fast 20 Jahren als Praktiker in
der Unternehmens- und Organi-
ments darf eines nicht vergessen werden: Die Menschen sind sationskommunikation. Zuletzt
sprechende Wesen und wenn es nachhaltigen Erfolg in der war er interner und externer
Unternehmens- und Organisationskommunikation geben Kommunikator im Carl-Zeiss-
soll, muss genau das gefördert werden. Das ist Acoustic Konzern. Daneben ist er als
Kommunikations- und Politik-
Leadership. berater tätig.

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