Sie sind auf Seite 1von 6

Beurteilungsfehlern in der Schule

Abschlussreflexion

Gliederung

- Informationsselektion
- Priming
→ Handlungsstrategie
- Halo- Effekt
→ Handlungsstrategie
- Reizintensität
→ Handlungsstrategie
- Erwartungseffekt/Selbsterfüllende Prophezeiung:
→ Handlungsstrategie
- Fazit

1
Besonders relevant um Beurteilungs- und Wahrnehmung Fehler zu vermeiden, bzw.
reduzieren fand ich folgenden Themen.

Informationsselektion

Systematische Fehler entstehen, wenn die Aufmerksamkeit zwar bewusst gesteuert werden
kann, hierbei aber ein einziger Realitätsausschnitt ausgewählt wird, während andere
möglicherweise objektiv bedeutsame Informationen ignoriert werden (vgl. Kanning, 1999:42).
Wenn wir über Personen und soziale Situationen urteilen, dann berücksichtigen wir also nur
einen Teil der Realität. Wir behalten vor allem das, was mehrfach präsentiert wurde und/oder
mit dem wir uns intensiver beschäftigt haben. Dabei werden ausgerechnet die negativen
Informationen verstärkt, während wir die positiven leichter vergessen (vgl. Kanning,
1999:64).

Priming:

Als Beobachter speichert man jene Informationen ab, die unsere bereits bestehende
Sichtweise zu einer Person unterstützen. Nach und nach festigt sich damit der von einer
Person bestehenden Eindruck, während alternative Informationen immer weniger beachtet
werden (vgl. Kanning, 1999:67).

Während meines Schulpraktikums im Bachelor Studium bekam ich viele Informationen und
Tipps von den Lehrern vor Ort. Wenn man neu in der Schule ist wird man ständig von
anderen Kollegen mit Informationen und Urteilen über SchülerInnen konfrontiert. So
übernimmt man leicht ihre Meinung, ohne ohne sich selbst eine eigene Meinung gebildet zu
haben. Man macht sich daher keine Gedanken darüber, ob diese tatsächlich mit der eigenen
Meinung übereinstimmt. Häufig werden durch die Lehrer Warnungen und Vorschläge
formuliert, wie z.B. „die 4A ist so undiszipliniert, da muss man sehr streng sein“.
Dementsprechend nimmt man insbesondere die Eigenschaften, die zu unserem
vorgegebenen Bild passen, wahr und bereitet sich auf diese Schwierigkeiten gezielt vor.
Außerdem spüren die Schüler, wie sie vom Lehrer betrachtet werden und verhalten sich
teilweise auch dementsprechend.

Wenn ich die Situation aus meiner jetzigen Position betrachte, das heißt als Praktikantin, die
ständig im Kontakt mit erfahrenen Lehrpersonen ist, finde ich es besonders schwer, deren

2
Meinungen nicht zu übernehmen. Man soll eine gute Leistung erbringen, man möchte nicht
scheitern und man will auch die Erwartungen der Kollegen erfüllen; sie sind länger da und
haben mehr Erfahrung. Außerdem ist das Verhalten der Schüler dem Lherkraft und dem
Praktikant gegenüber unterschiedlich.

Handlungsstrategie

Ich würde versuchen gezielt das aufzuschreiben, was man aus der Erfahrung anderer Lehrer
mitbekommt und dies mit jenen Erfahrungen, die ich selbst mache, zu vergleichen. So kann
ich überprüfen, ob die Schüler sich doch anders verhalten als erwartet.
Besonders hilfreich finde ich es, mir direkt nach dem Unterricht - oder wenn möglich schon
im Unterricht - Notizen zu machen, um hinterher nichts zu vergessen oder nur auf das, was
sich wiederholt hat zurückzugreifen. Ich möchte versuchen mir bewusst zu machen, dass
Schüler sich entwickeln können. Ihre Leistungen können vielfältig sein und man sollte
aufmerksam auf Unerwartetes sein.

Halo- Effekt:

Wir schließen auf Grund des Aussehens, der Kleidung, eines Dialektes oder der
Sprachherkunft der Schüler auf allgemeine Merkmale der Schülerpersönlichkeit. Ein Schüler,
der den Unterricht schwänzt oder nicht zuhört, gilt als faul und hat einen schlechten
Charakter. Eine Aufgabe mit sauberer, ordentlicher Schrift wird dagegen inhaltlich besser
bewertet (vgl. Helmke, 2012:136). Besonders interessant fand ich unsere
Auseinandersetzung im Kurs über das kleine Diktat-Experiment und den unterschiedlichen
Bewertungen für den gleichen Inhalt von Can und Philipp, die aufzeigt, wie man unbewusst
von impliziten sozialen Schemata und Assoziationen beeinflusst wird.

Handlungsstrategie

Der Autor schlägt vor, feste Standards für die Korrektur zu benutzen, um Beurteilungsfehler
zu verringern (Bonefeld und Dickhäuser, 2018:11). Darüber hinaus würde ich vorschlagen,
wenn möglich, für jede Klausur den Namen der SchülerIn zuzudecken, bis die Korrektur
abgeschlossen ist. Nach dem Aufdecken würde ich mich fragen, ob ich die Leistung von
dem/der SchülerIn erwartet hatte und warum. Ziel wäre es eine offenere und
unvoreingenommenere Perspektive gegenüber Schülern zu trainieren und mir über
Leistungsveränderungen von Schülern bewusst zu werden.

3
Meiner Meinung nach hilft es viel zu reflektieren, um den Halo-Effekt zu vermeiden. Man
sollte sich Zeit nehmen, um sich von Stereotypen und Vorurteilen zu befreien. Man sollte
versuchen, Situationen aus anderen Perspektiven zu betrachten. Persönlich hilft es mir mir
die Situationen vor Augen zu führen, in denen ich selbst oder andere Personen, die ich gut
kenne, den Eindruck hatten, wegen Vorurteilen benachteiligt worden zu sein. Ich würde
lieber schreiben: Das Hineinversetzen in die Situation der anderen kann zur Sensibilisierung
und einer besseren Auseinandersetzung mit dem Thema führen.

Reizintensität

Intensive Wahrnehmungsreize von auffälligen Schülern nehmen viel Verarbeitungskapazität


des Lehrers in Anspruch. In der Folge haben unauffällige SchülerInnen weniger Chancen
wahrgenommen zu werden und ihre Leistung zu zeigen (vgl. Kanning, 1999:36).

Handlungsstrategie

Während meines Orientierungspraktikums fand ich die Vorgehensweise einer


(Biologie-)Lehrerin, um unauffällige Schüler einer 6 Klasse zum Reden zu bringen, sehr
interessant. Manche Schüler meldeten sich gerne und häufig; andere meldeten sich gar
nicht. Diese Lehrerin stellte ihre Frage immer wieder, bis sich jemand Neues meldete. Sie
hatte dabei eine Liste in der Hand und markierte stets welche SchülerInnen schon dran
waren. Sie nahm in einem sehr freundlichen und einladenden Ton auch SchülerInnen dran,
die sich nicht gemeldet hatten. Diese bekamen besonders viel Lob, obwohl sie manchmal
nur teilweise antworten konnten und die Lehrerin sie unterstützen oder die Antwort
reformulieren musste. Einerseits fand ich, dass die Strategie sehr viel Training und
Führungskompetenzen erfordert, denn SchülerInnen fingen an unruhig zu werden und es
war laut, weil einige unbedingt drangenommen werden wollten. Die Vorgehensweise nahm
viel Zeit in Anspruch, aber die Lehrerin blieb sehr entspannt und versuchte das Klima weiter
zu beruhigen. Gleichzeitig hatte sie alle Schüler im Blick, auch die, die sich „versteckten“.
Andererseits fand ich die Vorgehensweise sehr fair und erfolgreich. Ich hatte den Eindruck,
dass alle Schüler aufmerksam waren, weil ihnen der Ablauf gut bekannt war.

Erwartungseffekt/Selbsterfüllende Prophezeiung:

Im schulischen Kontext bedeutet die selbsterfüllende Prophezeiung, dass wenn die Lehrkraft
die Erwartungen hat, dass bestimmte Schüler eine sehr gute Leistung erbringen wird, und

4
dies auch dem Schüler kommunizieren, diese Einstellung auch einen besonders positiven
Einfluss auf die zu erbringende Leistung der Schüler hat (Rosenthal and Jacobson
1968:20). Anderseits führt eine negativ geäußerte Erwartung an den Schüler, z.B. wenn man
den SchülerInnen sagt, dass ein Thema zu schwer ist, dazu, dass sie auch tatsächlich
Schwierigkeiten damit haben werden.

Handlungsstrategie
Um gute Leistungen der SchülerInnen zu unterstützen, sollten LehrerInnen eine sehr positive
Einstellung gegenüber SchülerInnen haben, sie motivieren, ihre Fortschritte anerkennen und
ihnen Tipps geben, um Schwierigkeiten zu überwinden. Meiner Meinung nach sollten
Aussagen wie z.B. „das Thema ist sehr schwer“, „das könnt ihr nicht“ oder sehr strenge
Bewertungen vermieden werden, da sie sehr defizitorientiert sind und nur Unsicherheiten
verursachen.

Ich finde, dass sich LehrerInnen auf jeden Fall bewusst darüber sein müssen, wie viel
Einfluss ihre Einstellung und die Kommunikation ihrer Erwartungen auf die Leistung und
Entwicklung der SchülerInnen hat. Es ist sehr wichtig, dass die Schüler merken, dass man
an sie glaubt und dass sie über genügend Kompetenzen verfügen, um schulische Aufgaben
und Herausforderungen zu bewältigen, sowie um sich weiter mit einem Problem
auseinanderzusetzen und sich nicht direkt frustriert zu fühlen.

Fazit:

Man sollte sich bewusst machen, dass die eigene Sichtweise von den unterschiedlichsten
Faktoren beeinflusst und verzerrt wird. Dabei ist es wichtig, den Schüler stets als Individuum
zu sehen. Man sollte sich für eine eigenen Bewertungen Zeit nehmen sowie eine offene
Einstellung haben, um diese zu hinterfragen, Veränderungen zu erkennen und die eigenen
Bewertungen anpassen zu können, unbeeinflusst vom Urteil Dritter. Das eigene Verhalten
sollte stets so objektiv und so fair wie möglich sein.

Literaturverzeichnis

Bonefeld, Meike und Dickhäuser, Oliver (2018). (Biased) Grading of Students’ Performance:
Students’ Names, Performance Level, and Implicit Attitudes. Front 9:481.

Helmke, Andreas (2012): Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose,


Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. Seelze

5
Kanning, Peter Uwe (1999). Die Psychologie der Personenbeurteilung. Hofrege: Göttingen

Rosenthal Robert und Jacobson, Lenore (1968). Pygmalion in the Classroom Robert
Rosenthal. Holt: Rinehart & Winston, lnc.