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Deutsch für Medizinerinnen und Mediziner im Saarland

ANGEBOT
Die Angebote für Medizinerinnen und Mediziner
im IQ Landesnetzwerk Sarland

Vorkurs B1-B2 Medizin (GER) Hauptkurs B2-C1 Medizin (GER)

Ein Sprachkurs für Fachkräfte mit ausländischem Ein Sprachkurs für Fachkräfte mit ausländischem
Hochschulabschluss aus den Bereichen Hochschulabschluss aus den Bereichen Medizin,
Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie. Zahnmedizin und Pharmazie.

Inhalte Inhalte
• Vorbereitung auf den Hauptkurs B2-C1 Medizin • Vorbereitung auf die Prüfung B2-C1 Medizin
• Training von Kommunikationssituationen • Training von Kommunikationssituationen
• Übungen am Test-Patienten • Übungen am Test-Patienten

Dauer Dauer
• 400 Unterrichtseinheiten (à 45 Min.) • 300 Unterrichtseinheiten (à 45 Min.)
aufbauend auf Vorkurs B1-B2 Medizin

Teilnehmerbegrenzung: 20 Personen Teilnehmerbegrenzung: 20 Personen


i.d.R. sind die Plätze für Absolventinnen und Absolventen
des Vorkurses reserviert

Voraussetzungen Voraussetzungen
• Ausländischer Hochschulabschluss im Bereich • Ausländischer Hochschulabschluss im Bereich
Medizin, Zahnmedizin oder Pharmazie Medizin, Zahnmedizin oder Pharmazie
• Deutsch: Niveau B1 Medizin • Deutsch: Niveau B2 Medizin
Eine Einstufung erfolgt durch die Arbeitsstelle Deutsch i.d.R. wird eine erfolgreiche Teilnahme am Vorkurs
vorausgesetzt

Kursträger & Partner Kursträger & Partner


People to Work P2W GmbH Volkshochschule Saarlouis
Carsta Arnold Gertrud Jakobs
Tel.: +49 (0)681 927 180 Tel.: +49 (0)6831 698 90 30
c.arnold@p2w-gmbh.de vhs@saarlouis.de
www.p2w-gmbh.de www.vhs-saarlouis.de

Rückenwind-Aldaam: Coaching für Ärztinnen und Ärzte mit Migrationshintergrund

Coaching und individuelle Begleitung in den Beruf Caritas Zentrum Saarpfalz


berufsbegleitende Unterstüzung Monika Herb und Jennifer Mohler Tel.: 06841/93485-13/11
Hilfe bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse Schanzstraße 4, 66424 Homburg jennifer.mohler@caritas-speyer.de

Fitt gGmbH Impressum: Förderprogramm IQ


INFO

Koordination IQ Landesnetzwerk Saarland


Autorin: Nina Engel Das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ wird
Saaruferstraße 16 Redaktion: Nina Engel, Fitt gGmbH durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den
Europäischen Sozialfonds gefördert.
66117 Saarbrücken Layout: Viktor Kopnow, ZWH
und Nina Engel, Fitt gGmbH
Stand: April 2016
Die Arbeitsstelle Deutsch sowie die hier
dargestellten Deutschkurse für www.netzwerk-iq.saarland
Medizinerinnen und Mediziner sind
www.netzwerk-iq.de
Teilpojekte des IQ Landesnetzwerkes In Kooperation mit:
Saarlandes im Förderprogramm
„Integration durch Qualifizierung (IQ)“.
Deutsch für Medizinerinnen und Mediziner im Saarland

Die Praxis macht‘s!


Sprachpraktische Kenntnisse sind das „A und O“, gerade wenn es um das Wohl der Patientin und des Patienten geht.
Das IQ Landesnetzwerk Saarland hat diesen Bedarf erkannt und reagiert flexibel auf akute Bedarfe.
Von B1 über B2 zu C1 Medizin werden die Fachkräfte schrittweise auf die Kommunikation im Beruf vorbereitet.

„Das Besondere an unserem Unterricht ist die enge Verzahnung „Zwischenvalidierung und Feinsteuerung während der Laufzeit
mit medizinischen Inhalten und das authentische Training mit eines Kurses sind normalerweise nicht auf Zuruf möglich und für
Szenario-Techniken vom ersten Unterrichtstag an.“ uns ein gänzlich neues Phänomen. Diese Flexibilität innerhalb
des IQ Netzwerks ist für uns als Träger ein enorm positiver As-
Dr. Neda Sheytanova, Projektleiterin der Arbeitsstelle Deutsch pekt.“
im IQ Netzwerk Saarland, bringt die wesentlichen Vorteile des
Unterrichtskonzeptes auf den Punkt. Praxisnähe und der stetige Und so wurde frühzeitig der Bedarf erkannt und ein zunächst
Austausch mit Fachkräften, in diesem Fall mit praktizierenden nicht geplanter Vorkurs eingerichtet. Sheytanova: „Wir haben
und leitenden Ärztinnen und Ärzten aus Krankenhäusern, ist Teil gleich zu Anfang festgestellt, dass wir wenige Interessenten mit
des dynamischen Unterrichtskonzeptes. Dynamik ist dabei ein dem geforderten Sprachniveau B2 hatten. Es musste an der Stel-
weiteres Stichwort. Denn Konzept und Lehrplan standen nicht le ein zusätzliches Angebot erstellt werden.“ Daraus entstand
von Anfang an fest, eine Anpassung an die Gegebenheiten war der Vorkurs B1-B2 Medizin, der seit Herbst 2015 durch den neu-
notwendig. Keine Selbstverständlichkeit, wie Gertrud Jakobs, en Teilprojekt-Partner People to Work in Saarbrücken erstmals
Leiterin der Sprachkurse an der VHS Saarlouis, betont: angeboten und von der Arbeitsstelle Deutsch begleitet wird.
Carsta Arnold, Geschäftsführerin von People to Work Saarbrü-
cken, sieht dies als neue Herausforderung:

„Die Themen Menschen und Arbeit stehen bei uns im Vorder-


grund. Medizinische Fachkräfte durch ein solch praxisorien-
tiertes Sprachlernangebot auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten,
ist für uns eine neue und spannende Aufgabe. Die praktischen
Inhalte und die vielfältigen Vermittlungsmethoden werden un-
serem Anspruch gerecht, fachliche Potenziale und Bedarfe pass-
genau zusammenzubringen.“

Kontinuierlich wird seither an der Erstellung von Unterrichtsma-


terialien gearbeitet. Dabei arbeiten die Lehrkräfte in den Kursen
Hand-in-Hand mit der Arbeitsstelle Deutsch. Auch „Team-Tea-
ching“ mit praktizierenden Ärztinnen und Ärzten steht auf dem
Programm. Denn gerade für die fachfremden Sprachdozie-
renden ist es eine große, zusätzliche Aufgabe, fachmedizinische
Vorgänge nachzuvollziehen, wie Dr. Neda Sheytanova deutlich
macht. So werden praxisrelevante Inhalte, überwiegend in der
medizinischen Dokumentation (Arztbrief, Epikrise, Übergabe,
Fall-Vorstellungen etc.) in das Unterrichtskozept übertragen.

An Bord sind zudem sogenannte „Spielpatienten“, die im Voraus


eingearbeitet und eingeübt wurden, um authentisch Krankheits-
bilder aus dem klinischen Alltag zu vermitteln. Hierzu bekom-
men die Teilnehmenden im Deutschkurs anonymisierte Patien-
tendaten. Die Spielpatienten werden auch zum Training
körperlicher Untersuchungen eingesetzt oder schlüpfen in die
Rolle von Angehörigen. Dieses Tranining ist für die Authentizität
und die Realitätsnähe von besonderer Relevanz. Sheytanova:
Fotos: Nina Engel, Fitt gGmbH „Unser Ziel ist es, dass die Kommunikationssituationen so reali-
Deutsch für Medizinerinnen und Mediziner im Saarland

tätsnah wie möglich sind und dass unsere Kursteilnehmer best- verfügen über Lernstrategien, sind lerngewohnt und lernwillig.
möglich auf den klinischen Alltag mit all seiner Spontanität vor- Man kann behaupten, dass das Lerntempo in diesen Kursen be-
bereitet sind.“ Alle diese Methoden werden folglich von Anfang sonders schnell und intensiv ist. Viele Teilnehmer sind in der
an, also bereits im Vorkurs B1-B2 Medizin, angewendet. Lage, schnell zu verinnerlichen, umzusetzen und zu automatisie-
ren, sodass der Redefluss authentisch wirkt.“

Eine besonders große Herausforderung ist dies allerdings für


Teilnehmende, die von Beruf aus keine Ärztinnen und Ärzte sind,
sondern einen zahnmedizinischen oder pharmazeutischen Fach-
hintergrund haben.

„Um eine Berufserlaubnis zu bekommen, müssen alle die Fach-


prüfung B2-C1 ablegen und bestehen“, so Sheytanova. „Beson-
ders schwierig ist es natürlich für die Zahnärzte und Apotheker,
die nach dem Physikum nichts mehr mit Anatomie und Ähn-
lichem zu tun hatten. Für diese Menschen geht es nicht nur da-
rum, das Fachwissen auf die Zielsprache zu übertragen, sondern
Foto: Nina Engel, Fitt gGmbH auch darum, generell Fachwissen aufzufrischen oder sogar gänz-
Nach dem Vorkurs von 400 Unterrichtseinheiten (eine Unter- lich neu zu erlernen.“
richtseinheit umfasst 45 Minuten) beginnt der tatsächliche
Hauptkurs, die Vorbereitung auf die Prüfung C1 Medizin. Bereits Im Februar 2016 ist die erste Pilotphase in Saarlouis zu Ende ge-
während der Pilotphase dieses Hauptkurses fingen einige Ärz- gangen und die erste Lerngruppe hat die Prüfung abgelegt. Von
tinnen und Ärzte damit an, kursbegleitend in Kliniken zu hospi- 17 Teilnehmenden haben 16 das Niveau B2 oder C1 Medizin er-
tieren. Dazu Sheytanova: „Das ist für den Gebrauch der Sprache reicht. Alle 16 haben damit mindestens eine begrenzte Berufser-
am Arbeitsplatz ein großer Vorteil. Auch, weil wir so eine direkte laubnis erhalten, zum Teil mit der Auflage, innerhalb von 2 Jah-
Rückmeldung von den Krankenhäusern bekommen, an welcher ren das Zertifikat C1 Medizin nachzureichen. Die Hälfte der
Stelle wir konkret noch unterstützen müssten. Das sind wichtige Teilnehmenden ist bereits in einer Beschäftigung.
Impulse, weil so das Konzept flexibel und schnell auf die kon-
kreten Bedarfe am Arbeitsplatz angepasst werden kann.“ Sheytanova: „Im Herbst 2016 soll eine Handreichung veröffentli-
cht werden, in der wir beispielhaft Didaktisierungen zugänglich

PORTRÄT
Neben dem Kurs zu arbeiten, ist jedoch eine anspruchsvolle Zu- machen. Sodass Bildungsträger diese nutzen und die Dozie-
satzleistung. Denn es handelt sich hier um einen Intensivkurs renden sie direkt im Unterricht einsetzen können.“
mit vier, manchmal fünf Unterrichtstagen pro Woche. Die Bewäl-
tigung längerer Hausaufgaben und das selbständige Vor- und
Nachbereiten zu Hause wird erwartet. Dazu Sheytanova: „Hier Nähere Informationen zu den Unterstützungsangeboten für Me-
haben wir es mit einer schnell lernenden Zielgruppe zu tun. Die dizinerinnen und Mediziner mit ausländischem Abschluss erhal-
Lerner sind trainiert, schnell, effizient und effektiv zu lernen. Sie ten Sie auf Seite vier dieser Publikation.

ARBEITSSTELLE DEUTSCH KONTAKT


Die Arbeitsstelle Deutsch ist in drei Handlungsfeldern tätig: Dr. Neda Sheytanova
+49 (0) 681 5867 919
1. Fort- und Weiterbildungsangebote für Dozierende sheytanova@gim-htw.de

2. Entwicklung von Curricula für Anpassungsqualifizierungen FITT gGmbH - Forschungs-


und Transferstelle GIM
3. Begleitende, individuelle Sprachförderung im Rahmen
von Anpassungsqualifizierungen
Saaruferstraße 16
66117 Saarbrücken
Deutsch für Medizinerinnen und Mediziner im Saarland

FRAUENPOWER
PORTRÄT

nach der Deutsch-Prüfung zurück im Beruf

Sanaa Roumia ist seit Januar 2016 als Assistenärztin in der


Abteilung Kinder- und Jugenheilkunde des Marienhaus Klini-
kums in Saarlouis beschäftigt. Zuvor arbeitete Roumia 14 Jahre
als Kinderärztin in einem Krankenhaus in Damaskus (Syrien).
Nach der Flucht vor Krieg und Zerstörung in Syrien landete sie
2014 mit Ihrer Familie im Saarland. Sofort fing Sie an, an der VHS
Saarlouis Deutsch zu lernen, zunächst im Integrationskurs und
dann mit IQ, im Deutschkurs für Medizinerinnen und Mediziner
- eine grundlegende Voraussetzung für die Arbeit im Kranken-
haus. Für die Klinik und Roumia letztlich eine win-win-Situation,
nicht nur in fachlicher Hinsicht: Durch Ihre Muttersprache kann
Sanaa Roumia auch sprachlich vermitteln, um arabischsprachige
Sanaa Roumia hat den Einstieg geschafft. Seit Januar 2016 ist die
Patientinnen und Patienten adäquat behandeln zu können. erfahrene Kinderärztin im Marienhaus Klinikum Saarlouis angestellt.
Foto: Nina Engel, Fitt gGmbH

„Ich arbeite hier in einem tollen Team.


Für die neue Chance bin ich sehr dankbar.“

Baraa Alsahwi war Inhaberin ihrer eigenen Apotheke. Dann


kamen der Krieg und die Zerstörung nach Syrien. Seit 3 Jahren ist
Sie nun mit ihrer Familie in Deutschland. Gemeinsam mit Sanaa
Roumia (oben) absolvierte Sie den IQ Deutschkurs für Medizine-
rinnen und Mediziner an der VHS Saarlouis. Seit März 2016 ist
Sie im Praktikum in der Ludwigsapotheke Saarlouis, eine Voraus-
sezung für die Berufserlaubnis als Apothekerin in Deutschland.
Vieles ist hier anders und neu und muss erst erlernt werden.
Arznei selbst herstellen, wie Salben und Kapseln, Hygienevor-
schriften beachten, Rezepte zuordnen und natürlich: Kunden
verstehen, die Dialekt sprechen. Aber Alsahwi ist hochmotiviert
und zuversichtlich: „Jeder Anfang ist schwer, aber das Team ist
Baraa Alsahwi besaß ihre eigene Apotheke in Damaskus. Den Neuanfang
sehr hilfsbereit und kooperativ und ich habe einen erfahrenen in Deutschland ermöglicht ihr die Ludwigsapotheke in Saarlouis.
Chef, von dem ich viel dazulernen kann.“

„Das läuft hier alles Hand in Hand


und ich bekomme viel Unterstützung.“

Fotos: Nina Engel, Fitt gGmbH


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NACHGEFRAGT

Im Interview mit dem Marburger Bund Saarland

Herr Anderheiden, Frau Aptidou, Sie haben uns ein- Aptidou: Es gibt Beispiele, ohne hier Namen von Kli-
geladen, am 15. April an Ihrem Informationstag für niken nennen zu wollen, wo Ärztinnen und Ärzte aus-
ausländische Ärztinnen Ärzte teilzunehmen. Was war ländischer Herkunft weit unter Tarif beschäftigt
der Anlass für Sie, eine solche Veranstaltung durch- werden. Das ist nicht akzeptabel.
zuführen?
Anderheiden: Auch bei der Freistellung zu Weiterbil-
Anderheiden: Ausgangslage ist, dass wir aktuell eine dungen stellt sich die Lage oft schwierig dar. Darunter
enorm hohe Zahl ausländischer Ärztinnen und Ärzte in fallen zum Beispiel auch interkulturelle Schulungen
den Krankenhäusern haben, insbesondere in den un- und Ähnliches, die im Übrigen bisher leider auch nur
teren Ebenen, das heißt bei den Assistenzärztinnen wenig angeboten und genutzt werden. Missbräuchli-
und -ärzten. che Tendenzen sind auch zu beobachten in Fällen wie
dem Fernhalten von wichtigen OPs oder dem selbst-
Aptidou: Gerade im Saarland ist die Quote sehr hoch: verständlichen Aufbürden von Überstunden ohne
2015 waren ca. 16 % (mehr als 800 Personen) der an- adäquaten Ausgleich. Oftmals stellt man sich auch die
gestellten Ärztinnen und Ärzte im Saarland ausländi- Frage, gerade im Hinblick auf die Bewerbung unserer
scher Herkunft. Info-Veranstaltung: Wollen die Krankenhäuser eigent-
lich wirklich eine Aufklärung der Angestellten über
Dazu kommen nun noch etliche zugewanderte Ärztin- Ihre Rechte? Dies ist aber nun schon fast ein politi-
nen und Ärzte, die hier noch keine Arbeitserlaubnis sches Thema. Aufgrund mangelnder Zahlungen durch
oder Anstellung haben. Alle diese Leute landen hier die Länder stehen die kommunalen Krankenhäuser
und wissen zumeist nicht, was für Rechte sie haben, unter enormem Kostendruck und Sparzwang. Auch
gerade was für Schutzrechte. Bei der Informationsver- hier plädiert der Marburger Bund für eine ausrei-
anstaltung geht es uns deshalb insbesondere darum, chende Versorgung der Krankenhäuser, um damit
aufzuklären und zu emanzipieren. Wir möchten dieser folglich auch solche Missstände zu vermeiden.
Zielgruppe Informationen an die Hand geben zu The-
men wie Arbeits- und Tarifrecht und beruflicher Aner- Herr Anderheiden, Sie haben gerade schon das
kennung, zur Organisation des deutschen Gesund- Thema ‚Interkulturelle Schulungen‘ angesprochen.
heitssystems oder zum Recht auf Weiterbildung. Auch hier sind wir ja bereits mit Ihnen in die gemein-
same Planung von Schulungskonzepten eingestie-
Als Berufsverband aller angestellten Ärztinnen und gen. Nennen Sie doch mal ein paar typische
Ärzte sehen wir es als unsere Verpflichtung an, diese Arbeitssituationen oder Bereiche, in denen es im
Themen gerade auch ausländischen Ärztinnen und Krankenhaus-Alltag zu Konflikten oder Missverständ-
Ärzten zu vermitteln, die darüber besonders wenig nissen kommt.
Vorkenntnisse haben.
Anderheiden: Da gibt es eine ganze Reihe von im Be-
Wenn Sie von der Aufklärung über Rechte sprechen: rufsalltag ständig wiederkehrenden Situationen. Be-
Gibt es denn Beispiele, wo diese Rechte missachtet sonders störend kann sich zum Beispiel das unter-
oder sogar missbraucht werden? schiedliche Hierarchieverständnis auswirken.

Das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ wird durch das


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds gefördert. In Kooperation mit:
IQ_A4_mediziner_einleger2.qxp_Layout 1 12.04.16 14:48 Seite 2

Interview
Mirofora Aptidou Roland Anderheiden

66117 Saarbrücken; Fotos: Marburger Bund Saarland; Produktion: OVD Saarbrücken.


Impressum: Fitt gGmbH, Koordination IQ Landesnetzwerk Saarland, Saaruferstr. 16,
ist die Geschäftsführerin ist Oberarzt in der Abteilung
des Marburger Bundes Neurologie im SHG-Klinikum
Saarland und Fachan- Merzig und Beisitzer im
wältin für Arbeitsrecht. Landesvorstand des
Marburger Bund Saar e. V.
Sie berät u.a. die
Mitglieder des Verbandes Daneben engagiert sich
in arbeits- und berufs- Anderheiden auch in der
rechtlichen Frage- Ärztekammer des Saar-
stellungen. landes, u.a. für die Belange
ausländischer Ärztinnen
und Ärzte.

Der Marburger Bund ist die gewerkschaftliche, gesundheits- und berufspolitische


Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutsch-

Stand: April 2016


land. Im Internet: www.marburger-bund.de

Stichworte sind hier: Blickkontakt halten, Fragen haben wir und sie können dramatische Folgen, von
stellen, Anweisungen durch Pflegepersonal akzeptie- Vertrauensverlust bis hin zu Fehldiagnosen haben. Be-
ren, ja oder nein? Aber auch der Umgang mit Tod und sonders wichtig ist auch die Befähigung der Ärztinnen
Sterben, mit dem Übermitteln schlechter Diagnosen und Ärzte zum Schreiben von Berichten. Hier herrscht
an Patientinnen und Patienten und deren Angehörige. ein großes Defizit, denn in vielen Ländern gehört das
Auch der Umgang mit psychischen Erkrankungen oder Verfassen von Berichten einfach nicht zum ‚Arzt sein‘.
Suchtproblemen. All dies sind Abläufe und Situatio-
nen, die in vielen Kulturkreisen offensichtlich anders Stichwort Bereicherung: wo sind ausländische Ärztin-
gehandhabt oder teilweise überhaupt nicht fokussiert nen und Ärzte eine besondere Bereicherung oder an-
werden. ders gefragt: Was zeichnet sie aus?

Nun gibt es einerseits den gesellschaftlichen, kulturell Aptidou: Wir haben den Fachkräftemangel und inso-
geprägten Kommunikationsaspekt. Auf der anderen fern ist es natürlich erstmal eine grundlegende Berei-
Seite liegen ganz grundlegend die Sprachkenntnisse. cherung, dass uns hier überhaupt mehr Personal zur
Wie schätzen Sie hier die Situation ein? Verfügung steht.

Anderheiden: Die Beherrschung der deutschen Spra- Anderheiden: Die Ärztinnen und Ärzte, die hierher
che ist einfach elementar wichtig. Sowohl auf der kommen, zählten in ihrer Heimat zum Teil zur Elite
Ebene mit den Kolleginnen und Kollegen als in beson- ihres Landes und sind in einigen Fällen extrem gut aus-
derem Maße auch mit den Patientinnen und Patien- gebildet. Und das merkt man auch an ihren prakti-
ten. Wir begrüßen es sehr, dass hier nun ein neuer schen Fähigkeiten und ihrem Willen zur Weiterent-
Anspruch an die Deutschkenntnisse gestellt wird. wicklung! Daneben steht eine überdurchschnittlich
Manchmal ist auch die Beherrschung einer anderen engagierte Arbeitshaltung, die natürlich oftmals durch
Sprache, etwa des arabischen, von enormem Vorteil die Not geboren ist, das heißt durch das ‚angewiesen
in der Kommunikation mit Patientinnen und Patienten sein auf den Job‘, mit dem teilweise sogar die ganze
nicht deutscher Herkunft. Familie in der Heimat mit getragen wird. Diese Einsatz-
leistung resultiert vielmals auch in einen extrem
Aber gerade hier, in der Patientenkommunikation, ist schnellen Erwerb der deutschen Sprache. Also wie-
es auch extrem wichtig, gut deutsch sprechen zu derum ein schneller Ausgleich von Defiziten.
können. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in der Notauf-
nahme eines Krankenhauses und der Arzt oder die Frau Aptidou, Herr Anderheiden, vielen Dank für das
Ärztin versteht Sie einfach nicht? Solche Situationen aufschlussreiche Gespräch!

Das Interview führte: Nina Engel, Fitt gGmbH

Das Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktin-
tegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird in den ersten beiden Handlungsschwer-
punkten aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und des Europäischen Sozialfonds (ESF)
gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundes-
agentur für Arbeit (BA). Der dritte Handlungsschwerpunkt wird aus Bundesmitteln finanziert.