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Mit feinem Bogenstrich

Von Roswitha Frey


Mi, 13. Dezember 2017
Klassik

Ildikó Szabó und Jesse Flowers beim "Jungen Podium" im Burghof.

Die Cellistin Ildikó Szabó und der Gitarrist Jesse Flowers in der Reihe "Junges Podium" im Burghof Foto: Roswitha Frey

Wer sich am Sonntag durch den Eisregen in den Burghof Lörrach kämpfte, wurde doppelt belohnt: durch
eine reizvolle Besetzung und durch das feinsinnige Zusammenspiel zweier exzellenter junger Musiker.
Die Cellistin Ildikó Szabó und der Gitarrist Jesse Flowers zeigten sich in der Reihe "Junges Podium" als
harmonisch aufeinander eingestimmtes Duo.

Sehr natürlich und nuanciert ausgehorcht klang das Zusammenspiel der beiden preisgekrönten
Spitzentalente, die ihr Programm mit einer Bearbeitung der Cellosonate c-Moll von Boccherini
eröffneten. Der Gitarrist hat diese Sonate selbst bearbeitet und zeigte sein ausgewiesenes Gespür für die
Klangkombination Cello und Gitarre. Ebenfalls in einer Fassung für diese Besetzung erklang Schuberts
"Arpeggione"-Sonate, ursprünglich komponiert für das kuriose Instrument Arpeggione, eine Art Hybrid
aus Cello und Gitarre. Mit großer melodischer Emp ndungskraft leuchteten Szabó und Flowers die
Sätze aus. Leidenschaftlich, mit feinem Bogenstrich, schöner melodischer Linie und warmem Klang
legte sich die Cellistin in dieses eingängige Werk. In ießender Bewegung ging sie die Ecksätze an, innig
und intim im lyrischen Spiel klang das Adagio. Zwischen Cello und Gitarre ergab sich ein feinfühliges
Zusammenspiel von Virtuosität im Cello, sensibel im Gitarristischen, mit ligran gezupften Passagen.

In einer eigenen, sehr stimmungsdichten Bearbeitung von Piazzollas "Invierno Porteno" aus dem Zyklus
"Cuatro Estaciones Portenas" zeigten Ildikó Szabó und Jesse Flowers nach der Pause, dass sie auch
hervorragend das Sehnsuchtsvolle dieser Tango-Bilder erfassen können. Rhythmisch prägnant
interpretierten sie dieses melancholisch gefärbte Stimmungsbild aus dem Winter in Buenos Aires.
Hingebungsvoll klang Szabós Cello, Flowers trat hier gitarristisch stärker akzentuiert hervor. Die beiden
trafen sehr gut das Flair und die Seele dieser mit Jazzigem und Elementen zeitgenössischer Musik
vermischten Tangosprache des argentinischen Tangorevolutionärs.

Solistisch konnte Jesse Flowers in der Sonate für Gitarre von Piazzollas Landsmann Alberto Ginastera
seine ausgefeilte, virtuose Gitarrentechnik ins Licht rücken. Vom hauchzarten, ligranen Klanggespinst
über zartes Klopfen und harte, heftige perkussive Schläge auf den Instrumentenkorpus bis zu
rhythmisch hochexplosiven, entfesselten Passagen lotete Flowers alles an Spieltechniken und
Klangwirkungen aus.

Mit einer Bearbeitung von Manuel de Fallas "Siete Canciones Populares Espanolas" beschlossen die
jungen Interpreten ihre eindrückliche Matinee. Mit impressionistischem Zauber und Gespür für das
iberische Kolorit entfalteten Szabó und Flowers den Klangreiz dieser spanischen Lieder. Szabó ließ ihr
Cello ausdrucksvoll "singen", horchte zusammen mit dem einfühlsam spielenden Flowers die
Stimmungen, Farben, Rhythmen der Stücke aus. Weich, entrückt, voller Poesie klang "Asturiana", sanft,
sehr kantabel in der Cellostimme und dezent in der Gitarre, war das Wiegenlied "Nana", von Sehnsucht
und Wehmut erfüllt die "Cancion", voller Vitalität im tänzerischen Rhythmus das Tanzlied Jota. Als
Dankeschön für den herzlichen Beifall wiederholten die jungen Musiker das berührende Wiegenlied
"Nana".

Ressort: Klassik

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der BZ vom Mi, 13. Dezember 2017:
Zeitungsartikel im Zeitungslayout: PDF-Version herunterladen

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