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Gekürzter Textauszug aus dem Buch: Vier gewinnt!

Abgeben von Futter oder Objekten


Wichtigste Regel für Trainingsanfänger
Der Hund soll im Trainingsaufbau das sichere Gefühl erleben, etwas Wertvolles zu erhalten und nicht
etwas zu verlieren!

Übungsvariante 1 – Der Tauschhandel

Vorbereitung: Es werden genügend Upperclass-Snacks benötigt, die zum Tausch und zur Belohnung
eingesetzt werden können. Ihr Wert muss aus Sicht des Hundes höher sein, als das Objekt oder Futter,
das der Hund bereits hat und abgeben soll. Das Objekt oder Futter, mit dem die Übung umgesetzt wird,
sollte so gewählt sein, dass es auch für einen selbst gut zu handhaben ist.

Übungsaufbau: Man hält dem Hund den Kausnack so hin, dass er in bequemer Körperhaltung an einem
Ende daran knabbern kann, während man selbst den restlichen und größeren Teil davon weiterhin mit
der Hand umfasst. Auch während der Übung wird das Kauobjekt zunächst nicht losgelassen. Ein guter
Griff ist also wichtig!

Während der Hund an dem Kausnack knabbert, hält man in der anderen Hand ein Stückchen des Lieb-
lingsfutters bereit. In einem beliebigen Moment führt man dann dem Hund dieses Stückchen direkt vor
die Nase und wartet, bis er den Kausnack loslässt, um das attraktivere Futterstückchen zu ergattern. So-
bald dies geschieht, gibt man ihm das Tauschleckerchen auch tatsächlich als Belohnung frei. Gleichzeitig
lässt man den Kausnack kurz außer Sicht verschwinden, damit der Hund nicht sofort wieder danach
fasst, sobald er das Leckerchen geschluckt hat.

Achtung! Diese Beschreibung gilt für den ersten Durchgang, der wie ein Testlauf zu verstehen ist. Es geht
darum, zu schauen, ob von der Handhabung der Snacks und ihrer jeweiligen Wertigkeit alles so stimmt,
dass die Übung gelingt. Für den Fall, dass noch etwas unstimmig ist, wird daher zunächst auch kein
Kommando benutzt. Auf diese Weise kann man notfalls in Ruhe das Management der Übung nachbes-
sern, ohne dass sich bereits ein Fehler eingeschlichen hat.

Signalaufbau: Dieser Lernschritt ist erst in Angriff zu nehmen, wenn man sicher weiß, dass der Hund
von dem Kauobjekt im Tausch gegen ein Lieblingsleckerchen ablässt.

Bevor man das Lieblingsleckerchen zum Tauschen ins Spiel bringt, wird einmal das gewählte Signal, in
der individuell gewählten Art, ausgesprochen. Diesen Ablauf gilt es dann – ruhig auch jeweils mehrfach
hintereinander – an unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten und ggf. auch von allen Fami-
lienmitgliedern umzusetzen, damit er dem Hund in Fleisch und Blut übergeht.

Zweiter Lernschritt: Der Hund wird so angeleint gehalten, dass er weniger als eine Armlänge Bewe-
gungsspielraum hat, um zu verhindern, dass er sich mit seiner Beute entziehen kann. Man startet in

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Gekürzter Textauszug aus dem Buch: Vier gewinnt!

gewohnter Weise, indem man ihm einen Kausnack anbietet, jedoch überlässt man ihm diesen nun voll-
ständig. Nachdem man in der gewohnten Art das Signalwort gesagt hat, bringt man unbeirrt das Beloh-
nungsleckerchen ins Spiel und steckt es dem Hund zu. Wahlweise hat er seinen Kausnack nun schon in
der Erwartung auf das Leckerchen freiwillig fallen lassen oder er lässt kurz davon ab, um sein Beloh-
nungsleckerchen (Tauschleckerchen) zu fressen.

Ersteres ist zwar unser indirektes Ziel, jedoch sollten wir nicht zu stark darauf fokussieren, um dem
Hund keine Dringlichkeit zu vermitteln, da dies in seinen Augen den Kausnack aufwertet. Zeigt sich
der Hund in der Übung locker, nimmt man den Gegenstand (Kausnack) auf und lässt ihn kurz außer
Sicht verschwinden. Nachdem der Hund das Belohungsleckerchen gefressen hat, erhält er den Kausnack
zurück und man wiederholt das Ganze. Hat der Hund den Kausnack hingegen (noch) nicht auf das Sig-
nalwort hin fallen lassen oder zeigt er sich insgesamt ein wenig zögerlich oder angespannt, tut man gut
daran, dem Kausnack keinerlei Beachtung zu schenken. Für den Moment kann man die Übung so stehen
lassen, in den folgenden Wiederholungen jedoch gilt es noch einmal, die Grundübung zu stärken, bei der
man die Beute selbst gar nicht loslässt und sie somit durchgehend unter Kontrolle hält. Erst nach ein paar
Tagen gilt es dann, dieses Übungsniveau noch einmal anzugehen.

Übungsvariante 2 – Die reine Signalverknüpfung

Vorbereitung: Auch hier muss die Qualität der eingesetzten Kopplungssnacks stimmen. Sie sollten Up-
perclass-Charakter haben!

Übungaufbau: Völlig unvermittelt und in den unterschiedlichsten Situationen (an verschiedenen Orten,
in verschiedenen Körperhaltungen und in unterschiedlicher Distanz zum Hund) steckt man ihm, nach-
dem man das Signalwort für das Ablassen gesagt hat, besonders attraktives Futter zu oder wirft es ihm
entgegen. Wichtig ist die Vergabe des Kopplungssnacks durch das Signalwort einzuleiten und dieses so
zu benutzten, wie man es später im echten Einsatz einsetzen möchte. Dies geschieht unabhängig davon,
ob der Hund etwas in der Schnauze hält oder nicht. Falls ja, wird dem Objekt keinerlei Aufmerksamkeit
geschenkt.

Zweiter Lernschritt: Für das Training des Kommandos werden nun Momente abgepasst, in denen der
Hund tatsächlich mit etwas Anderem beschäftigt ist, z.B. mit einem Spielzeug oder einem Kausnack, der
ihm überlassen wurde. Nachdem man das Signalwort gesagt hat, wirft man dem Hund wiederum ein
paar Stückchen seiner Lieblingsleckerchen auf den Boden. Während er diese frisst, nimmt man, falls dies
möglich ist, ohne dem Hund in irgendeiner Art eine etwaige Wichtigkeit des Objektes zu vermitteln, den
Kausnack, von dem der Hund abgelassen hatte, vom Boden auf und lässt ihn kurz außer Sicht verschwin-
den. Wenn er mit dem Fressen der Lieblingsleckerchen fertig ist, erhält er dann in unaufregender Art
seine Beute von uns wieder zurück.

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Gekürzter Textauszug aus dem Buch: Vier gewinnt!

Trainingstipps: Beide Übungsvarianten können auch parallel trainiert werden. Für ein späteres promptes
Gelingen der Übung ist es übrigens keinesfalls wichtig, dass wir das Objekt anfänglich überhaupt oder im
Trainingsverlauf jedes Mal aufnehmen!

Wichtiger Hinweis!
Da es hier einzig um die Signalverknüpfung geht und es sich nicht um eine Übung handelt, in der
ein spezielles Verhalten geschult wird, spielt es in diesen Übungsdurchgängen wie oben angeführt
tatsächlich überhaupt keine Rolle, ob der Hund überhaupt etwas in der Schnauze hält oder nicht.
Vor allem, wenn dies nicht der Fall ist, mag sich die Umsetzung für einen selbst zunächst komisch
anfühlen – aber es ist bewiesenermaßen zielführend! Den Signalaufbau zu starten, ohne dass der
Hund etwas in der Schnauze hält, ist vor allem für die Hunde zu empfehlen, die in der Vergangenheit
bei dem Versuch, ihnen etwas abzunehmen angespannt oder offenkundig aggressiv reagiert haben.

Feinschliff für beide Trainingsvarianten

Im weiteren Verlauf des Trainings sollten dann immer mehr alltägliche Situationen drinnen und drau-
ßen durchgespielt werden. Schrittweise gilt es, vom Hund das Ablassen von immer höherwertigen Din-
gen zu verlangen. Hierzu zählen beispielsweise Futtermittel, die ihm von Grund auf wertvoller erschei-
nen als unsere ursprünglichen Übungsobjekte oder andere interessant erscheinende Beute – etwa das
Lieblingsspielzeug oder andere Gegenstände, die er aufgenommen hat, die er bewacht oder trägt und die
ihn in eine gespannte Aufregung versetzen. Der Grundsatz, dass ein sofortiges Ablassen für den Hund an
einen persönlichen Erfolg (Gewinn statt Verlust) gekoppelt ist, bleibt während der gesamten Trainings-
zeit weiterhin bestehen.

Vier gewinnt!
CreateSpace, 1. Auflage
ISBN: 978-1-5472-4759-2
Preis: 7,90 EUR

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur kosten-


losen Webinarteilnahme sowie den Zugang zu einer vierteiligen
Videoserie (Darstellung der Vier-gewinnt!-Übungen) finden Sie auf
folgender Website: http://viergewinnt.hundetraining.tools