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Alle drei Erscheinungen gehören zu den Abarten der stilistisch kolorierten Wortfolge.

1) Die Prolepse (Neuansatz) besteht in der Wiederaufnahme eines in Spitzenstellung stehenden, abgesonderten
Substantivs durch ein Pronomen oder Adverb: Die Nacht, das ist für dich die Ewigkeit (Kuba). Die Großmutter, sie
wußte so viele Märchen zu erzählet.

Aus der Alltagsrede stammend, ist die Prolepse eine Stilnorm in der Volkspoesie: Mein Schatz, der ist auf
Wanderschaft (Volkslied).
Die Prolepse verleiht der Rede Ungezwungenheit, emotionale Färbung, einen gewissen Rhythmus.
In der Sachprosa ist die Prolepse nicht zulässig.
2) Als Gegenstück zur Prolepse gilt der sog. Nachtrag. Darunter versteht man die Absonderung eines Substantivs
oder einer Wortgruppe in Schlußstellung, während das Pronomen oder Adverb dem Substantiv vorangehen:
Oh, daß sie ewig grünen bliebe,
Die schöne Zeit der jungen Liebe (Schiller).
Der Anwendungsbereich des Nachtrags deckt sich mit dem der Prolepse.
Der Nachtrag im weitern Sinne des Wortes umfaßt unterschiedliche Arten der Trennung und Absonderung solcher
Teile der Aussage, die unmittelbar zueinander gehören. Der abgesonderte Teil kann wieder aufgenommen werden:
Stepanow, hinter seinem Schreibtisch sitzend, die Hände vor sich ineinandergefaltet, den Körper auf gerichtet, mit
dem gleichen strahlenden Gesicht, mit dem er tags zuvor den Tarator (eine Speise) angepriesen hatte, Stepanow
sagte... (Heiduczek, Abschied von den Engeln).
Sowohl Nachtrag als Prolepse sind Erscheinungsformen der syntaktischen Auflockerung, sie erleichtern den
Satzbau, indem sie ihn in kleinere Syntagmen gliedern, zugleich heben sie die abgesonderten Teile hervor.
Beide Stilfiguren ermöglichen die Änderung der Satzstruktur. Bei der Prolepse beginnt der Satz mit dem sog.
Nominativ der Vorstellung, der das Thema der Aussage angibt; nachher folgt die Aussage selbst in einer ganz andern
Satzkonstruktion: Schillers Sprache — es käme ihr eine eigene Betrachtung und eingehende Studie zu (Th. Mann,
Versuch über Schiller).
Auch bei dem Nachtrag kann die Kongruenz gestört werden: Er wollte kämpfen gegen den Schlaf, der ihn von neuem
überwältigte, ein unguter Schlaf (Seghers, Das siebte Kreuz).
3) Parenthese (griech. Dazwischenschalten) oder Einschub. So nennt man Schaltsätze, -gruppen, -Wörter, die
mitten in den Satz eingefügt werden, ohne formelle Verbindungselemente mit dem übrigen Teil des Satzes. Sie
werden intonatorisch (auch graphisch) abgegrenzt. Die Parenthese kann expressiv oder nichtexpressiv sein. Als
sachlicher erläuternder Vermerk ohne emotionalen Beiklang findet sie sich in allen Stilarten: ... ihre ein wenig
versonnene Art (sie trauerte damals um ihre Mutter)... all das machte einen tiefen Eindruck auf ihn (Kellermann, Der
Tunnel).

Die Parenthese kann auch emotionalen Inhalt und demnach expressiven Ausdruckswert haben. Sie enthält eine
Bewertung: Die stolze Amalie, es war unglaublich, glaubte auch das Unglaubhafteste (Noll, Die Abenteuer des
Werner Holt). Herr Maraus — ein erstaunlicher Anblick — war zum ersten Male ... heftig geworden (Th.Mann,
Buddenbrooks).
Kommentare des Erzählers werden parenthetisch eingeschoben: Er saß mit einer gewissen Ungeniertheit (was dem
General mißfiel) im Sessel, frei und selbstgefällig (Kellermann, Der 9. November).
Die Parenthese ist eines der Mittel, die Erzählperspektive zu ändern.
In der Parenthese steckt oft eine witzige oder sarkastische Bemerkung des Autors; im harmlosen Plauderton macht
sich z.B. Heine über den Kurfürsten Jan Wilhelm lustig: ... und auf dem dortigen Observatorium zeigt man noch einen
überaus künstlichen Einschachtelungsbecher von Hotz, den er selbst in seinen Freistunden — er hatte deren täglich
vierundzwanzig — geschnitzelt hat (Ideen. Das Buch Le Grand).
Ob logisch oder emotional, stets ist den Einschüben ein stilistisches Merkmal eigen: echte oder scheinbare
Kontaktaufnahme mit dem Empfänger.
Parenthetischen Fügungen ist das Fehlen der Kongruenz mit dem Bezugswort eigen; ihre übliche Form ist der
Nominativ bei dem Substantiv oder die kurze Form bei dem Adjektiv: Ein großes Automobil, lackglänzend, schwarz,
geräuschlosen Getriebes, ein funkelnder dunkler Sarg, spiegelblank und durchsichtig die Fenster, war vor das
Pantheon vorgefahren (Koeppen, Tod in Rom). In diesem Beispiel sind verschiedene Arten der Attribute gehäuft: das
adjektivische und das substantivische Attribut, die freie Apposition. Lose gereihte Schaltgruppen enthalten
gewöhnlich eine Charakteristik des Gegenstandes oder der Person; sie ersetzen präpositionale Gruppen oder
Nebensätze: Ranko, neunzehnjährig, hochgewachsen, blitzende Perlenzähne, braune, schelmische Augen, studiert
in Belgrad (Frei, Cattaro heute). Das Porträt, durch kleine grelle Striche gemalt, steht vor unseren Augen.

Die umgangssprachliche, locker-nachlässige Tönung dieser Attributgruppen macht sie in der Wissenschaft und der
Sachprosa unzulässig. Um so mehr, als sie zur Sprengung des geschlossenen Satzes, zur Vernichtung der äußeren
Merkmale der Unterordnung führen.

4) Mit dem Subjektsnominativ hängt der sog. Vorstellungsnominativ zusammen, eine stilistische Figur — die
Prolepse (Vorwegnahme) eines im Weiteren genannten Satzgliedes: Bah, diese blaue, duftige Ferne, wie oft hab ich
mich von ihr verlocken lassen (Raabe; zitiert nach Admoni).
Durch die Prolepse wird die Aufmerksamkeit des Hörenden gefesselt und gleich am Anfang des Satzes auf einen im
Weiteren erwähnten Gegenstand gelenkt, der zum eigentlichen Thema der Äußerung wird.
Aus den Beispielen ist zu ersehen, dass das Substantiv, das mit der Prolepse am Satzanfang vorweggenommen und
zum Thema der Äußerung wird, im Satzinnera als ein abhängiges Satzglied erscheint. Es handelt sich also beim
Vorstellungsnominativ um die Transposition eines abhängigen Satzgliedes auf die Ebene des Subjektsnominativs.