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Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Philosophische Fakultät I
Institut für Soziologie

Methoden der deskriptiven Datenanalyse mit Projektarbeit (M2a)


Dozent: Oliver Arranz-Becker, Christian Schüffler, Torvid Kreisler

Wintersemester 2019/20

BMI in Abhängigkeit von Geschlecht und


Urbanisierungsgrad des Wohngebietes

vorgelegt von:

Anika Adler
am 13.03.2020

Matrikelnummer: 218216349
Studiengang: BA Soziologie 120LP / Psychologie 60LP
Fachsemester: 3. Fachsemester
Anschrift: Bussestraße 3, 04315 Leipzig
E-Mail: anika.adler@student.uni-halle.de
Telefon: 0152-56547166
Inhaltsverzeichnis
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS ..........................................................................................................3
ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS ..........................................................................4
1 DIE RELEVANZ DES KÖRPERGEWICHTS IN DER SOZIOLOGIE ................................4
1.1 BMI ALS KÖRPERMAß .............................................................................................................5
1.2 ADIPOSITAS .............................................................................................................................6
2 THEORETISCHER ZUGANG ....................................................................................................6
2.1 GESCHLECHT ...........................................................................................................................6
2.1.1 Attraktivität .........................................................................................................................7
2.1.2 Doing gender in der Nahrung.............................................................................................8
2.1.3 Biologische Faktoren ..........................................................................................................9
2.2 URBANISIERUNGSGRAD DES WOHNGEBIETES ........................................................................9
3 FORSCHUNGSFRAGE ..............................................................................................................11
4 METHODE...................................................................................................................................11
4.1 VARIABLEN ...........................................................................................................................12
5 ERGEBNISSE UNIVARIATE ANALYSE ...............................................................................12
6 ERGEBNISSE BIVARIATE ANALYSE ..................................................................................14
6.1 GESCHLECHT .........................................................................................................................14
6.2 URBANISIERUNGSGRAD DES WOHNGEBIETES ......................................................................16
7 FAZIT ...........................................................................................................................................18
8 LITERATURVERZEICHNIS ....................................................................................................20
9 ANHANG ......................................................................................................................................21

2
Abkürzungsverzeichnis
B
BMI Body-Mass-Index

E
ESS European Social Survey

W
WHO Word Health Organization

3
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abbildungen
ABBILDUNG 1 PFADDIAGRAMM .................................................................................................................................................... 11
ABBILDUNG 2 VERTEILUNG DER BMI-KLASSEN ................................................................................................................... 13
ABBILDUNG 3 GRUPPIERTE BOXPLOTS NACH GESCHLECHT ......................................................................................... 15
ABBILDUNG 4 GRUPPIERTE BOXPLOTS NACH WOHNGEBIET ....................................................................................... 17

Tabellen
TABELLE 1 KLASSIFIKATION DES BMI NACH WHO 2000 ................................................................................................... 6
TABELLE 2 BMI LAGE, STREUUNG, FORM ................................................................................................................................ 12
TABELLE 3 BMI-KLASSEN HÄUFIGKEITSTABELLE .............................................................................................................. 13
TABELLE 4 KREUZTABELLE BMI-KLASSEN UND GESCHLECHT .................................................................................... 14
TABELLE 5 KREUZTABELLE BMI-KLASSEN UND URBANISIERUNGSGRAD DES WOHNGEBIETES ................ 16
TABELLE 6 BEDINGTE VERTEILUNGEN DES BMI IN ABHÄNGIGKEIT VON GESCHLECHT ................................ 21
TABELLE 7 BEDINGTE VERTEILUNGEN DES BMI IN ABHÄNGIGKEIT VOM URBANISIERUNGSGRAD DES
WOHNGEBIETES ........................................................................................................................................................................ 21

4
1 Die Relevanz des Körpergewichts in der Soziologie
Fettsucht, Übergewicht, Normalgewicht, Idealgewicht – Themen, welche besonders mit den
Prognosen der „Adipositas-Epidemie“ an weltweiter gesellschaftlicher und gesundheitlicher
Relevanz gewinnen. Betrachtet man die Zahlen verschiedenster Studien (vgl. Gellner &
Domschke, 2008: 812) lässt sich erkennen, dass sich die Anzahl der übergewichtigen
Menschen seit etwa 20 Jahren stetig erhöht. Ein Trend, der langfristig nicht ohne
gesellschaftliche Folgeschäden bestehen wird. Um diese Gefahr nachhaltig einzugrenzen, ist
es wichtig, die Einflussgrößen, die auf das Körpergewicht einwirken, zu untersuchen und zu
erkennen. Daher werde ich in dieser Arbeit zuerst den BMI als Körpermaß erklären, daraufhin
den Begriff der Adipositas erläutern und schließlich die zwei Einflussgrößen „Geschlecht“
sowie „Urbanisierungsgrad der Wohnumgebung“ in Bezug auf den BMI untersuchen.

1.1 BMI als Körpermaß


Der BMI (Body-Mass-Index) ist ein Maß, dass das Verhältnis von Gewicht und Größe einer
Person erfasst und somit Aussagen über deren körperlichen und somit auch gesundheitlichen
Zustand geben kann.

𝐾ö𝑟𝑝𝑒𝑟𝑔𝑒𝑤𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑖𝑛 𝑘𝑔
𝐵𝑀𝐼 =
(𝐾ö𝑟𝑝𝑒𝑟𝑔𝑟öß𝑒 𝑖𝑛 𝑚)!

Die Bewertung des idealen BMI orientiert sich dabei an der höchsten Lebenserwartung,
weshalb das Ideal mit der Zeit auch variieren kann (vgl. Bayer et al. 1999: 45). So liegt ideale
BMI-Wert, welcher sich innerhalb des Normalgewichts befindet, bei Männern zwischen 22-
24 und bei Frauen zwischen 21-22 (ebd.). Das Maß ermöglicht also Aussagen über die
Bedeutung von Übergewicht/Adipositas, sowie über das darauf basierende Erkrankungsrisiko
und die Lebenserwartung.
Trotzdem sollte man auch die Schwächen des BMI beachten: So liefert er
beispielsweise keine Informationen über die Fettverteilungsmuster einer Person, welche
unterschiedliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen können. Außerdem erfasst er nicht,
in welchem Verhältnis das Gewicht einer Person durch Fettmasse oder Muskelmasse
begründet ist (vgl. Hauner, 2013: 4).

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Anhand unterschiedlicher BMI-Werte lassen sich die Körpergewichte klassifizieren und somit
auch bewerten:
Tabelle 1 Klassifikation des BMI nach WHO 2000

Gewichtskategorie BMI (kg/m2)


Untergewicht <18,5
Normalgewicht 18,5-24,9
Übergewicht ≥25,0
- Präadipositas 25,0-29,9
- Adipositas Grad I 30,0-34,9
- Adipositas Grad II 35,0-39,9
- Adipositas Grad III ≥ 40,0

1.2 Adipositas
Wie man bereits an der Klassifikation des BMIs nach WHO erkennen kann, bedeutet ein BMI
von über 30 „Adipositas“ und ein BMI von über 25 „Übergewicht“. Übergewicht und
Adipositas bei Kindern und Jugendlichen haben verschiedene andere Definitionen (vgl.
Branca et al., 2007), welche aber in dieser Arbeit nicht beachtet werden, da hier
ausschließlich eine erwachsene Stichprobe untersucht wird. Adipositas geht mit
verschiedenen gesundheitlichen Risiken einher, wie beispielsweise Herzerkrankungen,
Krebserkrankungen, Gelenkerkrankungen oder Schlafapnoe. Auch die psychosoziale
Gesundheit und die subjektive Lebensqualität leiden unter dem Übergewicht (vgl. ebd.: 807).
Da neben genetischen, psychologischen, hormonellen und krankheitsbedingten Ursachen für
Adipositas oder Ernährungsstörungen auch Lebensbedingungen sowie gesellschaftliche
Einflüsse eine Rolle spielen (vgl. Bayer et.al., 1999: 284), ist es besonders wichtig, den BMI
auch im soziologischen Kontext zu betrachten.

2 Theoretischer Zugang

2.1 Geschlecht
Männer und Frauen verfügen über unterschiedliche Attraktivitätsideale, darauf aufbauend
über unterschiedliche Nahrungsgewohnheiten und nicht zuletzt auch über unterschiedliche
biologische Dispositionen, welche sich auf das Körpergewicht auswirken. Diese Faktoren
werden hier genauer erläutert.

6
2.1.1 Attraktivität
Schönheitsideale zwischen Mann und Frau sind in der westlichen Kultur unterschiedlich
bestimmt. Der „ideale“ Körper einer Frau zeichnet sich durch ein schlankes Körperbild aus,
wobei der „ideale“ Körper eines Mannes muskulös sein soll. Diese Trends und Ideale wirken
sich ebenfalls auf den geschlechtsspezifischen Umgang mit dem eigenen Körper aus.
„Während ‚Männlichkeit’ in der Körpersozialisation über einen leistungsorientierten,
instrumentellen Körpergebrauch ‚sozial eingespurt’ (Baur, 1988: 152) wird, ist das Ziel der
‚weiblichen Sozialisation ein ästhetischer und empathischer Umgang mit dem Körper.“ (vgl.
Prahl & Setzwein, 1999: 108). Wo der schlanke, weibliche Körper üblicherweise durch eine
fleischarme oder gar fleischlose Ernährung erreicht werden will, wird die muskulöse,
männliche Figur durch Eiweiße, beziehungsweise Proteine verwirklicht, was sich häufig in
einer fleischintensiven Ernährung widerspiegelt (vgl. Senser & Scherz, 1987).
Weiterhin erlangt die Bedeutung des Faktors „Attraktivität“ geschlechtsspezifische
Unterschiede. Die Attraktivität des Mannes muss nicht zwingend über sein Aussehen
entstehen. Auch Faktoren wie Erfolg, Charisma oder Reichtum spielen eine Rolle und können
die Attraktivität eines Mannes weiterhin verstärken oder als Kompensationsmechanismus
wirken, falls das äußere Schönheitsideal nicht erfüllt wird (ebd. 106f.). Im Gegenzug dazu
beruht die Attraktivität der Frau fast ausschließlich auf dem Aussehen, welches wie bereits
erwähnt idealerweise einer schlanken Figur entspricht (ebd.), auch wenn sich allmählich eine
diesbezüglich auflockernde Entwicklung beobachten lässt. Daraus lässt sich schließen, dass
Frauen noch mal stärker durch mediale Schönheitsideale beeinflusst werden als Männer.
Dieser Effekt verstärkt sich nochmals durch Schlankheitsanforderungen, die
insbesondere in frauentypischen Berufen gestellt werden – ganz offensichtlich erkennbar bei
Tänzern, Models oder Stewardessen, und etwas subtiler bei Verkäuferinnen und
Sekretärinnen (vgl. Beck-Gernsheim, 1981: 136f.). „Weiblichkeitsattribute werden
vermarktet, Make-up, Frisur, Blusenausschnitt und Körperprofil werden systematisch dazu
eingesetzt, um Kunden anzulocken und günstig zu stimmen, um Aufmerksamkeit zu erregen,
Waren anzupreisen, Geschäfte abzuschließen.“ (ebd.) So kommt es, dass Frauen zu einer
„Überbetonung physischer Attribute und Unterbewertung geistiger und intellektueller
Fähigkeiten“ (ebd.) neigen.
Unterstützend zu diesen theoretischen Annahmen zeigt eine Studie mit
Übergewichtigen Menschen von Berger aus 1976 (zit. nach Gries et al., 1976), dass sich 67%
Frauen und 43% der Männer von ihrem Übergewicht gestört fühlten.

7
Ausgehend von der geschlechtsspezifischen Bedeutung der Attraktivität sowie den
grundlegend unterschiedlichen Schönheitsidealen zwischen den Geschlechtern, lässt sich
vermuten, dass Frauen stärker motiviert sein könnten, ein niedriges Körpergewicht zu
erreichen oder zu halten.

2.1.2 Doing gender in der Nahrung


Ein weiterer Faktor, der sich auf eine unterschiedliche Ernährung zwischen den Geschlechtern
auswirken kann, ist die Symbolhaftigkeit bestimmter Lebensmittel. „Mit Fleisch verknüpfen
sich Assoziationen von Kraft, Stärke, Potenz und Macht. Es auf dem Teller zu haben,
bedeutet die Natur besiegt zu haben“ (Prahl & Setzwein, 1999: 79). Da diese Attribute ebenso
mit Männlichkeit verknüpft werden, ist es nicht verwunderlich, dass Fleisch als Symbol der
Männlichkeit gilt (vgl. Setzwein, 2004: 129ff.). Man könnte meinen, je gefährlicher und
stärker das erlegte Tier, desto machtgeladener gilt sein Fleisch. „Das Angeln (beispielsweise)
ist eine weniger exklusive Aktivität, als rotblutende Landtiere zu jagen, weil Fische in der
Regel nur halb als Tiere angesehen werden: Fisch wird von VegetarierInnen nicht unbedingt
vollständig gemieden, und überzeugte FleischesserInnen schätzen ihn nicht so sehr wie
Fleisch. Es ist nur logisch, dass mit dem Sieg über ein symbolisch weniger machtvolles
Lebewesen auch ein geringeres Prestige verbunden ist. Nur die größten und stärksten Fische,
wie der Lachs in Schottland oder der Haifisch in Amerika, können es mit Landtieren
aufnehmen, denn sie legen einen respektablen Widerstand an den Tag, und es wird als
Herausforderung betrachtet, ihnen die Stirn zu bieten und sie zu überwältigen.“ (Fiddes, 1993:
96). Da Männer noch immer weitaus häufiger in Führungspositionen anzutreffen sind
(Eurostat vermerkte 2010 in Deutschland 30,8% weibliche Führungskräfte im Kontrast zu
69,2% männlichen Führungskräften), erklärt sich, warum Lebensmittel, die Macht
symbolisieren, als männliche Lebensmittel gelten.
Es zeigt sich sogar, dass Männer eher Nahrungsmittel meiden, die Schwäche
symbolisieren und für Frauen/Kinder/Alte vorgesehen sind (z.B. gekochtes Gemüse,
Püriertes). Im Gegensatz dazu zeigt sich bei Frauen, dass ihre Gesundheitsorientierung
bezüglich der Nahrung höher ist als bei Männern (vgl. Prahl & Setzwein, 1999: 77). „Dieser
(...) Zusammenhang äußert sich vornehmlich in höheren Verzehrsmengen von Obst und
Gemüse, Milchprodukten und Vollwert- bzw. Diätwaren sowie einer geringeren Aufnahme
von tierischen Fetten.“ (ebd.). Dies ist vermutlich nicht zuletzt durch die oben beschriebene
Bedeutung der Attraktivität für Frauen begründet.
Nach dieser Theorie essen Menschen also bestimmte Lebensmittel nicht nur der
Gesundheit oder des Geschmackes wegen, sondern auch der geschlechtlichen Identität wegen.

8
Wo Männer bewusst Fleisch oder auch Alkohol (um ein weiteres Beispiel männlicher
Lebensmittel zu nennen) zu sich nehmen um männlich zu wirken, verzichten Frauen eher auf
Fleisch um nicht männlich zu wirken. Ein Indiz für Gültigkeit dieser Theorie ist, dass die
Präferenzen für bestimmte Nahrungsmittel im Kindesalter noch nicht geschlechtsspezifisch
sind, sondern sich erst mit der Pubertät und zunehmender geschlechtlicher Identität
herausbilden (Kübler et al., 1994: 303, zit. nach Prahl & Setzwein, 1999: 77).
Da Fleisch mit 135-600 kcal/100g sowie Alkohol mit 43-326 kcal/100g stärkere
„Dickmacher“ sind als Obst und Gemüse mit 17-160 kcal/100g (vgl. Senser & Scherz 1987),
lässt sich vermuten, Männer würden häufiger zu Übergewicht und Adipositas neigen als
Frauen.

2.1.3 Biologische Faktoren


Zuletzt zeigen auch biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern, dass der BMI-
Wert geschlechtsabhängig sein könnte.
Gries et al. (1976) unterscheiden zwei Formen der Adipositas, welche unterschiedlich
stark durch die Geschlechter repräsentiert werden. Frauen tendieren häufiger zur gynoiden
Adipositas, welche sich durch vermehrtes Fettgewebe an der unteren Körperhälfte
auszeichnet. Männer hingegen neigen häufiger zur androiden Fettsucht, welche durch
Fettvermehrung der oberen Körperhälfte erkennbar ist (Gries et al., 1976: 13).
Weiterhin wurde in jüngsten medizinischen Studien die unterschiedliche biologische
Anfälligkeit für Adipositas untersucht. Dabei wurden Mäuse auf verschiedene kardio-
metabolische Eigenschaften geprüft, mit dem Ergebnis, dass das adipositas-verstärkende Gen
Lyplal1 bei Weibchen häufiger auftritt und stärker lokalisiert ist als bei Männchen (vgl.
Norheim et al., 2019). Im Gegenzug wurde aber auch gezeigt, dass Frauen eine höhere
Aktivität der Mitochondrien aufweisen, wodurch diese mehr braunes als weißes Fettgewebe
ausbilden und somit besser vor Adipositas geschützt sind (ebd.). Auch wenn diese
Erkenntnisse noch jung und weitestgehend ungeprüft sind und sich diese Forschung
ausschließlich mit Mäusen beschäftigt hat, so lässt sich jedoch vermuten, dass Frauen und
Männer unterschiedliche biologische Neigungen für Übergewicht haben.

2.2 Urbanisierungsgrad des Wohngebietes


Trotz der Bedeutungszunahme des Schönheitsideals der letzten Jahrzehnte konnte man
paradoxerweise eine deutliche Gewichtszunahme der westlichen Gesellschaften vermerken
(vgl. Schorb, 2015: 36). „Als Grund für diese widersprüchliche Entwicklung gilt, dass die
Voraussetzungen für Schlankheit in Industrieländern und zunehmend auch in

9
Schwellenländern so ungünstig sind wie nie zuvor. Einem Überangebot an preiswerten und
hoch-kalorischen Nahrungsmitteln steht ein Rückgang der Bewegungsleistung im Alltag
gegenüber. Nicht nur die Notwendigkeit für körperliche Bewegung bei Lohn- und Hausarbeit
ist rückläufig, es gibt auch immer mehr attraktive und preiswerte Freizeitangebote –
Fernsehen, Kino, Internet, Computerspiele – die (fast) völlig ohne Bewegung auskommen“
(ebd.). Diese Rahmenbedingungen treffen stärker auf urbane Gegenden als rurale zu. Läuft
man durch eine klassische deutsche Großstadt (z.B. Berlin oder Leipzig), findet man an
beinahe jeder Straßenecke Fastfood-Restaurants, die fettige und kalorienreiche Speisen
anbieten und generell ein Überangebot an Gastronomie, welches dazu einlädt, den Großteil
seiner Nahrung nicht selbst zu kochen, sondern auswärts zu sich zu nehmen. Dazu trägt nicht
zuletzt auch die schnelllebige Umgebung bei, der Stadtbewohner in einem höherem Maß
ausgesetzt sind als Landbewohner (vgl. Schläpfer, 2012).
Andersherum lässt sich jedoch auch argumentieren, dass Städte hinsichtlich der
architektonischen Verfasstheit sowie der Einkaufsmöglichkeiten im Vorteil sind um einen
gesunden BMI zu ermöglichen. Das „built environment“ in Städten begünstigt die Bewegung
der städtischen Akteure durch „Zugang zu Parks, das Vorhandensein von (ausreichend
breiten“ Bürgersteigen, der Zustand der Infrastruktur für den motorisierten Individualverkehr
bzw. für Fahrradfahrer und Fußgängerinnen (...) wie das Vorhandensein von kommerziellen
Sportangeboten in Wohnortnähe“ (Schorb, 2015: 81). Weiterhin kann die
Ernährungsumgebung („local food environment“) trotz des hohen Fastfood-Angebotes ein
gesundes Körpergewicht unterstützen, da ebenso ein hohes und räumlich dichtes Angebot an
frischen Lebensmitteln, wie Obst und Gemüse besteht (ebd.). Ländliche, abgelegene
Gegenden kann man im Gegensatz dazu eher als sogenannte „Food deserts“ bezeichnen
(Smith & Cummins, 2011: 458). Die nächsten Einkaufsmöglichkeiten sind weiter entfernt,
sodass Akteure weniger häufig und größere Einkäufe tätigen, wodurch die Ration an frischem
Obst und Gemüse durch ihre verhältnismäßig kurze Haltbarkeit geringer ausfallen muss.
Dieser Gedanke spricht also für einen höheren durchschnittlichen BMI in ländlichen
Gebieten.
Weiterhin lässt sich vermuten, dass durch den höheren medialen Einfluss, wie
Werbebanner, die Bedeutung von Schönheitsidealen in Städten stärker ausgeprägt sein könnte
als in ländlichen Gebieten, weshalb in urbanen Gebieten weniger Übergewicht und
möglicherweise auch häufigeres Untergewicht (u.a. bedingt durch Essstörungen wie Anorexia
nervosa) zu erwarten ist.

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3 Forschungsfrage
Aus diesen theoretischen Überlegungen entstehen zwei Fragestellungen:
1. Inwiefern wird der BMI durch das Geschlecht bestimmt?
2. Inwiefern wird der BMI durch den Urbanisierungsgrad des Wohngebietes bestimmt?
Aufgrund der geschlechtsspezifischen Ernährung sowie den in ländlichen Regionen
ausgeprägten „Food deserts“ lauten die Hypothesen folglich:
1. Männer neigen zu einem höheren BMI als Frauen.
2. Je ländlicher die Wohnumgebung, desto höher steigt der BMI.
Die Fragestellung lässt sich veranschaulichend in einem Pfaddiagramm festhalten:
Abbildung 1 Pfaddiagramm

Geschlecht
(gndr)

BMI

-
Urbanisierungsgrad
des Wohngebietes
(domicil)

Um die Fragestellung zu spezifizieren, werden die Untersuchungen dieser Variablen auf das
Erhebungsgebiet „Deutschland“ beschränkt. Die unabhängigen Variablen werden durch die in
Klammern stehenden Variablenlabels manifest messbar gemacht. Sie stammen aus einem
Datensatz, auf den im folgenden Kapitel näher eingegangen wird.

4 Methode
Um zu prüfen, ob und inwiefern die oben erläuterten theoretischen Annahmen Gewicht
tragen, werden die zwei UVs „Geschlecht“ sowie „Urbanisierungsgrad des Wohngebietes“ im
Zusammenhang mit der AV „BMI“ untersucht. Dabei stellt der BMI eine
metrische/intervallskalierte Variable dar, wobei Geschlecht eine nominale Dummy-Variable
und der Urbanisierungsgrad des Wohngebietes eine ordinale Variable ist.
Als Datensatz dient eine verkürzte Version der siebten Welle des ESS aus dem Jahr
2014. Diese Erhebung beruht auf wissenschaftlichen Standards und wird alle zwei Jahre
durchgeführt, wobei wechselnde Stichproben aus über 30 europäischen Ländern zu
Einstellungen und Verhaltensmustern befragt werden.

11
4.1 Variablen
Die Variable „BMI“ (bmi) wird aus den zwei Variablen Gewicht (weight) und Körpergröße
(height) neu berechnet. Außerdem wird daraus eine ordinale Variable über die bereits
beschriebenen BMI-Klassen (bmi_kl) erschaffen, welche die Ausprägungen 1 –
Untergewicht; 2 – Normalgewicht; 3 – Präadipositas und 4 – Adipositas enthält. Die vierte
Ausprägung vereint die drei Adipositas-Grade. Die nominale Variable „Geschlecht“ (gndr)
wird aus dem Datensatz übernommen und enthält die Ausprägungen 1 – Männlich; 2 –
Weiblich, sowie Missings. Die ordinale Variable „Urbanisierungsgrad des Wohngebietes“
(domicil) wird ebenfalls aus dem Datensatz übernommen und hat die Ausprägungen 1 –
Großstadt; 2 – Vorort oder Außenbezirk einer Großstadt; 3 – Kleinstadt; 4 – Dorf; 5 – Farm
oder Haus auf dem Land, sowie Missings.

5 Ergebnisse univariate Analyse


Um sich zuerst einen Überblick über die Verteilung des BMI, beziehungsweise der BMI-
Klassen zu verschaffen, ist es sinnvoll ihn unabhängig von anderen Variablen nach Lage,
Streuung und Form zu beschreiben.
Tabelle 2 BMI Lage, Streuung, Form

Lagemaße Modus 𝑥 24,69


Median 𝑥 25,42
Mittelwert 𝑥 26,08
Minimum 10,52
Maximum 52,25
Q25% 22,84
Q75% 28,6
Streuungsmaße Standardabweichung sx 4,753
Range 41,73
IQR 5,76
Formmaße Schiefe 0,996
Kurtosis 1,937

Nur der Modus befindet sich noch in der Klasse des Normalgewichts. Mittelwert und Median
liegen bereits in der Klasse der Präadipositas. Der kleinste erhobene BMI in der Stichprobe ist
10,52 und der höchste ist 52,25. Die Spannweite beträgt somit 41,73 BMI-Punkte. Die
mittleren 50% der Stichprobe haben einen BMI zwischen 22,84 und 28,6. Der höchste und
12
niedrigste Wert dieser mittleren 50% unterscheiden sich somit um 5,76 BMI-Punkte. Die
Daten streuen im Schnitt 4,753 BMI-Punkte um den Mittelwert. Die Unterschiede der drei
verschiedenen Lagemaße Modus, Median und Mittelwert zeigen:
𝑥(𝑀𝑜𝑑𝑢𝑠) < 𝑥(𝑀𝑒𝑑𝑖𝑎𝑛) < 𝑥(𝑀𝑖𝑡𝑡𝑒𝑙𝑤𝑒𝑟𝑡). Dies ist ein Hinweis auf eine rechtsschiefe,
beziehungsweise linkssteile Verteilungsform, welche von einer Schiefe >0 bestätigt wird. Die
Kurtosis >0 zeigt, dass die Verteilung spitzgipflig, also leptokurtisch, ist.

Die Verteilung der BMI-Klassen wird in folgender Häufigkeitstabelle deutlich:


Tabelle 3 BMI-Klassen Häufigkeitstabelle

Häufigkeit Prozent Kummulierte


Prozente
Untergewicht 59 2,1 2,1
Normalgewicht 1244 43,5 45,6
Präadipositas 1048 36,7 82,3
Adipositas 505 17,7 100
Gesamt 2856 100

Um die Verteilung der BMI-Klassen zu veranschaulichen, hilft auch ein Balkendiagramm:


Abbildung 2 Verteilung der BMI-Klassen

100,0

90,0

80,0

70,0

60,0
Prozent %

50,0 43,5

40,0 36,7

30,0
17,7
20,0

10,0
2,1
0,0

BMI-Klassen

13
Der größte Teil der Stichprobe ist mit 43,5% normalgewichtig. Darauf folgt mit 36,7% die
präadipöse Teilmenge und mit 17,7% Fälle mit Adipositas. Die am geringsten ausgeprägte
Teilmenge stellen untergewichtige Personen mit 2,1% dar. Es lässt sich festhalten, dass mit
54,4% über die Hälfte der Stichprobe durch Präadipositas oder Adipositas übergewichtig ist.

6 Ergebnisse bivariate Analyse


Im Folgenden werden die Ergebnisse präsentiert, die den BMI zuerst in Abhängigkeit zum
Geschlecht und danach in Abhängigkeit zum Urbanisierungsgrad des Wohngebietes
darstellen. Dazu dienen jeweils Kreuztabellen, Maße der bedingten Verteilungen, sowie auf
das Skalenniveau zutreffende Assoziationsmaße. Für die Abhängigkeit von BMI gegenüber
dem Geschlecht wird zusätzlich eine Dummy-Regression durchgeführt. Die Tabellen zu den
bedingten Verteilungen befinden sich im Anhang, innerhalb der Arbeit werden sie jedoch
auch durch Boxplots veranschaulicht.

6.1 Geschlecht
Die gemeinsamen prozentualen Verteilungen von BMI und Geschlecht werden in einer
Kreuztabelle angezeigt. Für eine adäquate Interpretation wurden Spaltenprozente gebildet.
Tabelle 4 Kreuztabelle BMI-Klassen und Geschlecht

Männlich Weiblich Gesamt


Untergewicht 14 45 59
0,9% 3,3% 2,1%
Normalgewicht 525 719 1244
35,6% 52,1% 43,6%
Präadipositas 651 397 1048
44,1% 28,7% 36,7%
Adipositas 285 220 505
19,3% 15,9% 17,7%
Gesamt 1475 1381 2856
100% 100% 100%

Es fällt auf, dass der größte Anteil der Männer mit 44,1% bereits präadipös ist, wobei sich der
größte Anteil der Frauen mit 52,1% in der Klasse des Normalgewichts befindet. 63,4% der
Männer sind adipös oder präadipös, während Frauen nur zu 44,6% übergewichtig sind.
Weiterhin fällt auf, dass Frauen mit 3,3% häufiger zu Untergewicht neigen als Männer mit
0,9%. Insgesamt wird bereits durch die Häufigkeitstabelle deutlich, dass Männer etwas mehr
zu Übergewicht neigen als Frauen.

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Die bedingten Verteilungen des BMI in Abhängigkeit vom Geschlecht kann man im Detail im
Anhang nachschlagen, aber werden ebenso durch gruppierte Boxplots deutlich:
Abbildung 3 Gruppierte Boxplots nach Geschlecht

Der Median des männlichen BMI von 26,2 höher als der weibliche mit 24,44. Frauen zeigen
durch eine Standardabweichung von 5,07 und einen Interquartilsabstand von 6,22 eine
größere Streuung im BMI als Männer mit einer Standardabweichung von 4,33 und einem
Interquartilsabstand von 5,16. Beide Verteilungen sind spitzgipflig, wobei diese Form bei
Männern durch eine Kurtosis von 2,72 stärker ausgeprägt ist als bei Frauen mit einer Kurtosis
von 1,71. Die weibliche Verteilung ist mit 1,12 etwas rechtsschiefer als die männliche
Verteilung mit 1,04.

Die Stärke der Abhängigkeit des BMIs auf das Geschlecht wird durch das Assoziationsmaß
Eta angezeigt.:

𝜂 = 0,145
Das bedeutet, dass ein schwacher Zusammenhang zwischen dem BMI und dem Geschlecht
herrscht.

Das daraus berechnete Eta2 liefert weiterhin eine PRE-Aussage über diesen Zusammenhang:

𝜂! = 0,021
Durch Kenntnis über die unabhängige Variable „Geschlecht“ verbessert sich die Prognose der
abhängigen Variable „BMI“ auf Basis dieser Daten im Schnitt um 2,1%.

15
Um den linearen Unterschied des BMI zwischen den Geschlechtern zu erfassen, lohnt sich
eine Dummy-Regression und die Interpretation ihrer Maßzahlen. Dafür wurde das männliche
Geschlecht mit 0 codiert und das weibliche mit 1. Es ergibt sich folgende
Regressionsgleichung und Koeffizienten:

𝑦 = 26,748 − 1,375 ∗ 𝐷 + 𝐸
𝑏! = 26,748
𝑏! = −1,375
𝑅! = 0,021
Die Regressionskonstante b0 sagt aus, dass der durchschnittliche BMI der Männer 26,748
beträgt. Durch das unstandardisierte Regressionsgewicht b1 wird gezeigt, dass Frauen im
Schnitt 1,375 BMI-Punkte unter dem männlichen BMI liegen und somit einen
durchschnittlichen BMI von 25,373 haben. R2 gibt die Güte und Aussagkraft des Modells an:
Durch Kenntnis des Geschlechts lässt sich die Prognose auf den BMI auf Basis dieser Daten
im Schnitt um 2,1% verbessern. Das Modell erklärt also zu 2,1% die Variation in der
Verteilung des BMI.

6.2 Urbanisierungsgrad des Wohngebietes


Auch in der Kreuztabelle für den BMI in Verbindung mit dem Urbanisierungsgrad des
Wohngebietes dient die Spaltenprozentuierung zur besseren Interpretation der gemeinsamen
Verteilungen.
Tabelle 5 Kreuztabelle BMI-Klassen und Urbanisierungsgrad des Wohngebietes

Großstadt Vorort oder Kleinstadt Dorf Farm Gesamt


Außenbezir oder Haus
k einer auf dem
Großstadt Land
Untergewicht 21 4 24 11 0 59
4,2% 1,1% 2,3% 1,2% 0% 2,1%
Normalgewich 256 166 463 333 25 1243
t 51,4% 46,4% 43,9% 37,7% 40,3% 43,5%
Präadipositas 159 136 375 352 26 1048
31,9% 38% 35,5% 39,9% 41,9% 36,7%
Adipositas 62 52 193 187 11 505
12,4% 14,5% 18,3% 21,2% 17,7% 17,7%
Gesamt 498 358 1055 883 62 2855
100% 100% 100% 100% 100% 100%

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Es zeigt sich, dass die Klassen „Untergewicht“ und „Normalgewicht“ mit einem höheren
Urbanisierungsgrad stärker vertreten sind als auf dem Land. Wo in der Großstadt mit 51,4%
noch gut die Hälfte der Befragten normalgewichtig ist, sind es auf dem Dorf nur noch 37,7%
und auf dem Land 40,3%. Dafür sind in ruralen Gegenden die Ausprägungen für Übergewicht
höher. Während in der Großstadt 31,9% der Befragten präadipös und 12,4% adipös sind,
zeigen Wohnorte auf dem Land bereits 41,9% und 17,7% für diese zwei Übergewichtsklassen
an. Bewohner von Dörfern haben mit 21,2% den höchsten Anteil an Adipositas im Vergleich
zu anderen Wohngegenden. Auffällig ist besonders, dass der größte Anteil der Befragten in
Großstädten, Großstadt-Vororten sowie Kleinstädten normalgewichtig ist, während auf den
Dörfern oder Landgebieten sich der größte Anteil bereits in der Präadipositas befindet.

Die genauen Ergebnisse zu Lage, Streuung und Form des BMI in Abhängigkeit vom
Urbanisierungsgrad befinden sich auch hier im Anhang, aber werden ebenfalls durch
Boxplots dargestellt:
Abbildung 4 Gruppierte Boxplots nach Wohngebiet

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ausprägungen sind nur gering, jedoch lässt sich
eine leichte Steigung der Boxen von urbanen Gebieten hin zu ruralen Gebieten erkennen. Den
höchsten BMI-Median haben Dörfer mit 26,03, gefolgt von ländlichen Gegenden mit 25,65.
Den niedrigsten Median haben Großstädte mit einem BMI von 24,41, welche somit das
einzige Wohngebiet darstellen, dessen Median sich in der Klasse des Normalgewichts
befindet. Kleinstädte streuen im BMI am höchsten mit einer Standardabweichung von 5,02
und einem Interquartilsabstand von 5,96. Die geringste Streuung haben Wohngebiete auf dem
Land mit einer Standardabweichung von 4,19 und einem Interquartilsabstand von 4,92. In der

17
Form lassen sich keine nennenswerten Unterschiede festmachen. Die BMI-Verteilungen sind
in allen Gruppen rechtsschief und leptokurtisch.

Da der Urbanisierungsgrad des Wohngebietes eine ordinale Variable ist und der BMI
intervallskaliert und somit metrisch, lässt sich auch hier das Assoziationsmaß Eta und das
PRE-Maß Eta2 berechnen:

𝜂 = 0,107
Auch hier besteht ein schwacher Zusammenhang, welcher jedoch geringer ist als der Einfluss
des Geschlechts auf den BMI.

𝜂! = 0,0114
Durch Kenntnis über die unabhängige Variable „Urbanisierungsgrad des Wohngebietes“
verbessert sich die Prognose der abhängigen Variable „BMI“ auf Basis dieser Daten im
Schnitt um 1,14%.

Da es sich bei dem Urbanisierungsgrad des Wohngebietes um eine ordinale Variable handelt,
lässt sich ebenfalls Somer’s d als asymmetrisches Assoziationsmaß bestimmen:

𝑑 = 0,102
Auch dieses Zusammenhangsmaß zeigt, dass es sich um einen schwachen Zusammenhang
handelt. Es ist allerdings zu beachten, dass dieses Maß beide Variablen ordinal behandelt und
somit Informationen aus der eigentlich metrischen BMI-Variable verloren gehen.

7 Fazit
Die bivariate Analyse des BMI mit den unabhängigen Variablen „Geschlecht“ sowie
„Urbanisierungsgrad des Wohngebietes“ zeigt, dass in beiden Fällen schwache
Zusammenhänge bestehen. Die Abhängigkeit des BMI vom Geschlecht ist dabei etwas stärker
ausgeprägt als die Abhängigkeit vom Urbanisierungsgrad des Wohngebietes. Die vorher
aufgestellten Hypothesen bestätigen sich: Männliche Befragte der Stichprobe weisen im
Schnitt einen höheren BMI auf als weibliche Befragte. Befragte die ländlicher wohnen haben
durchschnittlich einen höheren BMI als Befragte, die städtischer wohnen.
So lässt sich vermuten, dass für den schwachen Zusammenhang zwischen dem BMI
und Geschlecht die geschlechtsspezifische Bedeutungsstärke von Schönheitsidealen sowie

18
grundlegend verschiedene Schönheitsideale zwischen Mann und Frau verantwortlich sind.
Gleichzeitig kann auch die geschlechtliche Symbolhaftigkeit von Nahrungsmitteln diesen
Zusammenhang verstärken, da Männer dadurch häufiger zu energiereicher Kost neigen und
Frauen im Gegenzug gesundheitsbewusster leben. Die biologische Erklärung des adipositas-
verstärkenden Gens Lyplal1 verliert durch diese Ergebnisse hingegen an Gewicht, da nach
dieser Theorie Frauen häufiger adipös wären als Männer.
Der schwache Zusammenhang zwischen dem BMI und dem Urbanisierungsgrad des
Wohngebietes lässt sich am besten durch die Food deserts in ruralen Gegenden erklären.
Durch ein räumlich dichtes Angebot an Lebensmittelläden haben Bewohner in städtischen
Umgebungen die Möglichkeit, häufiger frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse
einzukaufen und sich entsprechend gesund zu ernähren. In ländlichen Wohngebieten müssen
Bewohner weitere Wege zu Supermärkten zurücklegen, weshalb seltener und dafür eher in
großen Mengen eingekauft wird. Somit werden wegen ihrer kurzen Haltbarkeit auch weniger
frische Lebensmittel eingekauft und verzehrt. Die hohe Dichte an Fastfood-Angeboten in
städtischen Wohngegenden hat daher im Einfluss auf den BI offenbar eine geringere
Bedeutung, da diese These für einen höheren BMI städtischer Bewohner gesprochen hätte.

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8 Literaturverzeichnis

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20
9 Anhang
Tabelle 6 Bedingte Verteilungen des BMI in Abhängigkeit von Geschlecht

Männlich Lagemaße Mittelwert 26,75


Median 26,2
Minimum 12,45
Maximum 52,25
Streuungsmaße Standardabweichung 4,33
Range 39,8
IQR 5,16
Formmaße Schiefe 1,04
Kurtosis 2,72
Weiblich Lagemaße Mittelwert 25,37
Median 24,44
Minimum 10,52
Maximum 47,88
Streuungsmaße Standardabweichung 5,07
Range 37,36
IQR 6,22
Formmaße Schiefe 1,12
Kurtosis 1,71

Tabelle 7 Bedingte Verteilungen des BMI in Abhängigkeit vom Urbanisierungsgrad des Wohngebietes

Großstadt Lagemaße Mittelwert 25,12


Median 24,41
Minimum 10,52
Maximum 47,66
Streuungsmaße Standardabweichung 4,7
Range 37,14
IQR 5,82
Formmaße Schiefe 1,09
Kurtosis 2,72
Vorort oder Lagemaße Mittelwert 25,81
Außenbezirk einer Median 25,3
Großstadt Minimum 16,65
Maximum 52,25
Streuungsmaße Standardabweichung 4,44
Range 35,6
IQR 5,2
Formmaße Schiefe 1,34
Kurtosis 4,23
Kleinstadt Lagemaße Mittelwert 26,19
Median 25,38

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Minimum 12,45
Maximum 48,36
Streuungsmaße Standardabweichung 5,02
Range 35,91
IQR 5,96
Formmaße Schiefe 1,06
Kurtosis 1,74
Dorf Lagemaße Mittelwert 26,6
Median 26,03
Minimum 15,89
Maximum 47,88
Streuungsmaße Standardabweichung 4,53
Range 31,99
IQR 5,91
Formmaße Schiefe 0,75
Kurtosis 1,04
Farm oder Haus auf Lagemaße Mittelwert 26,27
dem Land Median 25,65
Minimum 19,37
Maximum 44,59
Streuungsmaße Standardabweichung 4,13
Range 25,22
IQR 4,92
Formmaße Schiefe 1,47
Kurtosis 4,8

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10 Eidesstattliche Erklärung

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