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T2 Zusammenfassungen

Tönnies
- will Formalismus erneuern
- Reine Soziologie = Synthese zwischen allgemeiner und spezieller (Bindestrich-)
Soziologie
- Soziologie als Moralwissenschaft: soziale Wirklichkeit beschreiben + praktische
Lösungen finden, Therapie der Gesellschaft: gegen das moralische Übel, das die
Gesellschaft sonst zerstört
- soziologische Ideen/Lösungen durch Politik umsetzen

- Wie ist Soziale Ordnung möglich? 1. Was sind die Bedingungen, die erlauben dass
wir harmonisch zusammenleben? 2. Welche Regeln/Normen/Werte erlauben, dass
soziale Ordnung gewährleistet und von anderen Akteuren akzeptiert wird?
- zu 1.: wichtigste Bedingung = Wille
- Wesenwille: Akteure grundsätzlich/natürlich miteinander verbunden. Gemeinschaft
verankert miteinander, enge Verbindung durch Wesenwillen
- Kürwille: Akteure auch nicht natürlich miteinander verbunden: durch Gesellschaft
(gesellschaftliche Konstruktion) mit Medien (Geld, Vertrag, Geschenke): dadurch
Verbindung zu Akteuren, die wir unter Umständen gar nicht persönlich kennen

- Wandel von Gemeinschaft zu Gesellschaft:


1. Zuerst nur Gemeinschaft: besonders Familien(-leben), Mitglieder durch
Wesenwillen eng miteinander verbunden, kommunitaristische Regeln (alles mit allen
teilen), konkretes Leben (man lebt mit Menschen, die man gut kennt und mit denen
man zusammen er-/lebt)
2. Gesellschaft: wirtschaftliche Regeln, künstliches / abstraktes Leben durch
Beziehung über bestimmte Mittel z.B. Verträge (man kennt Person nicht wirklich, mit
der man in Beziehung steht), Verhältnis/Verbindung zur Gemeinschaft geht etwas
verloren, verschwindet aber nicht komplett
3. Sozialismus: Endstadium der Entwicklung der Gesellschaft, wird so bleiben: als
Lösung gegen fortwährende Abstrakt-Werdung in Gesellschaft: denn wenn Leben zu
abstrakt wird, geht auch Gemeinschaft und Wesenwille verloren: somit geht auch
Rationalität verloren (Akteure wissen nicht mehr, was gut/nicht gut für sie ist): macht
sonst Konflikte zwischen Normen/Werten

Vierkandt
- erweitert Tönnies mit Simmels Formalsoziologie
- will auch reine Soziologie, aber eher mit Anspruch für Theorien ähnlich der
Mathematik
- 2 Zeiten: vor 1920 (empirische, formalistische Soziologie), nach 1920
(phänomenologische Soziologie)

vor 1920: Empirie


- Gegenstand der Soziologie = Beziehung/ Verhältnis zwischen Menschen
- Dichotomie: Ingroup (Wir, die zivilisierten Menschen) vs Outgroup (Sie, die Nicht-
Menschen): Unterscheidung wird in Gesellschaften angestrebt
- Vierkandt dreht Differenzierung um: „Wir“ sind weniger zivilisiert als „Sie“, weil wir
abstrakter leben und uns von Gemeinschaft entfernt haben (weniger Sinn):
Naturvölker sind zivilisierter, haben geschafft Fortschritt einzugrenzen: „Wir“ leben in
Welt der Fakten (Daten, Zahlen, objektiv), „Sie“ leben in Wirklichkeit (durch
Erfahrung)
- Korrektiv: Leben in abstrakter Gesellschaft möglich, wenn Wirklichkeitsbereiche
genutzt werden um Leben in Gesellschaft zu korrigieren
- Soziologie: praktische & politische Aufgabe: gesellschaftlichen Wandel
unterstützen, gesellschaftliches Leben harmonisieren (politisch: Politiker beraten ;
praktisch: Lösungen anbieten)

- 4 Aufgabenbereiche/Gegenstände Soziologie:
1. Bereich der unbeweglichen Mechanismen in Gesellschaft (starr, nicht veränderbar,
Macht, Hierarchien)
2. Bestimmung gesellschaftlicher Entwicklung: Entwicklung hängt davon ab, wie viel
Macht soziale Gruppen in Gesellschaft haben und inwiefern sie Mitglieder
beeinflussen können)
3. Ausdifferenzierung: Voraussetzung für Entwicklung: Menschen und auch Bereiche
in Gesellschaft werden einander unterschiedlicher, weil sie sich immer mehr
ausdifferenzieren (Politik, Kunst, Religion, Bildung,...): Soziologie muss viele
Bereiche untersuchen
4. Untersuchung vom ganzen Prozess, wie sich vorige 3 Bereiche in der
Gesellschaftsentwicklung miteinander verbinden: Bereiche spzailisieren sich und
verändern auch Verbindung zueinander (z.B. Wirtschaft kommuniziert mit Politik,
Politik kommuniziert mit Bildung und Kultur, usw.)

- Unterscheidung Wissenschaft & praktischer Sinn: Soziologe untersucht


Beziehungen, deshalb unterscheidet sich sein Wissen von anderen Wissensformen
alltäglicher Personen
- Funktionalismus: Soziologie ist Untersuchung über Funktionen der Gesellschaft
(nicht über Natur der Gesellschaft), deshalb empirische Theorie
- Tönnies bleibt homogen, Vierkandt untersucht auch Komplexität (z.B. Religion nicht
nur als Bereich, auch als Praxis)

nach 1920: Phänomenologie


- Schwachpunkt bisher: Wissenschaft von Makrophänomen erklärt nicht, wie
Gesellschaft funktioniert
- deshalb Verbindung zwischen Phänomenologie (Untersuchung vom
Selbstgefühl/Gefühl von sich selber) und makrosoziologischer Untersuchung
- Selbstgefühl wird von sozialer Gruppe, der man angehört, beeinflusst/verändert:
somit auch Beeinflussung des Verhaltens der Akteure
- nicht nur Zugehörigkeit zu 1 sozialen Kreis/Gruppe: wir begegnen vielen sozialen
Kreisen im Leben
- starker sozialer Determinismus in Gruppen = entscheidend für Sozialisation /
Prägung auf ein Kollektiv (wenn Gruppen keinen Einfluss auf Individuen ausüben,
dann keine Sozialisation)
- Gruppe überträgt Normen/Werte auf Mitglieder: Herrschaft der Gruppe über
Mitglieder
- Werte/Normen angeeignet, weil Akteure ihre Gruppe bewundern: werden gerne
beherrscht: denn Gruppe sorgt dafür, dass Akteure alles bekommen, um sich zu
entwickeln und sorgt dafür, dass Selbstgefühl steigt
- Erfahrung von Treue (Zugehörigkeitsgefühl) & Sympathie (Gefühl, dass man nicht
allein ist)
- Erfahrung von Treue stärkt Erfahrung von Sympathie und umgekehrt:
wechselseitige Stärkungs-Verhältnis
- Sozialisationstheorien erklären z.B. Deterministische Ansätze in Bildungssoziologie
durch Schule: Ursprungsmilieu prägt unsere Vorstellungen & Praxis: „Der Apfel fällt
nicht weit vom Stamm“
- Reproduktion von Gruppen: Bewunderung auf Gruppe reproduziert sich bei
Gründung einer neuen Gruppe: z.B. Vererbung von Milieu
- Gruppen in Gemeinschaftsform (Familie, Natürlichkeit, stärkerer Determinismus)
sowie Gesellschaftsform (abstraktere Mittel wie Geld oder auch Liebe, schwächerer
Determinismus)
- Liebe als abstraktes Mittel: Ehen sind im Kern arrangiert (werden von Gruppen
beeinflusst)
- Übertragung der Bewunderung: wir bewundern irgendwann auch andere Akteure:
daraus entstehen gesellschaftliche Werte, wie Freundschaft, Liebe, Glaube,
Kreativität, etc.

Methodenstreit / Werturteilstreit
- besonders im Bereich Geschichte/Wirtschaftsgeschichte
- Historiker fragen: was hat industrielle Revolution verändert
- Marxistischer Diskurs: alles hat sich verändert: wirtschaftliche Organisation durch
Entstehen der großen Industriellen zerstört
- andere Historiker: eher Ausdifferenzierung: bestimmte Bedürfnisse können nur von
kleinen/mittleren Unternehmen gestillt werden (90% der Wirtschaftsstruktur)
- soziale Frage auch als Frage von Produktion und Gütern
- Brentano & Schmoller: Verein für Sozialpolitik um soziale Frage zu untersuchen &
lösen: soll viele Akteure zusammenbringen: Reform statt Revolution fördern
- 3 Tendenzen: politische, populistische, wissenschaftliche Tendenz: im Streit
zueinander
- politisch: Verein soll auch politische Entscheidungen beeinflussen
- populistisch: Frage durch Propaganda-Arbeit bearbeiten (Verein bekannter
machen, mehr Menschen für sich gewinnen, die Verein unterstützen)
- wissenschaftlich: nicht entscheiden, eher beraten (gegen politisch),
wissenschaftliche Beratung aus der Distanz (gegen populistisch)
- Schmoller kann nicht durch Kompromisse schlichten

- Methodenstreit: Wie kann Soziologie als Wissenschaft der Gesellschaft autonom


werden?
- Menger (rationalistischer Formalismus) kritisiert Schmoller (historischer Realismus):
- Schmollers gewollte Wissenschaft ist begrenzt, kann keine wissenschaftliche
Erklärung liefern:
1. Wissenschaft ist mit einem Gegenstand verbunden und erklärt diesen: kann
jedoch nicht andere Gegenstände erklären, räumlich begrenzt
2. Erklärung der Wissenschaften auch zeitlich begrenzt (gilt nur für bestimmte Zeit)
3. Erklärung der Wissenschaften ist Interpretation der Wahrheit und hängt vom
Beobachter ab, subjektiv
- Soziologie als Überzeugungskraft: ist Erklärung glaubhaft genug, wird sie akzeptiert
- also keine Sozialwissenschaften, sondern Diskurse: ein Diskurs herrscht so lange,
wie er nicht in Frage gestellt wird: Aussagen der Sozialwissenschaften ohne Wert
- Schmoller wehrt sich:
- es gibt nicht (wie Menger sagt) echte vs unechte Wissenschaften: selbst „echt“
gewertete Wissenschaften (Mathematik, Physik) sind subjektiv: auch Interpretationen
der Wahrheit
- Ziel der Wissenschaften ist nicht Subjektivität ausschließen, sondern Kontrolle der
Subjektivität: „Stimmen die wissenschaftlichen Aussagen? Kann man das auch
anders sehen?“
- weitere Aufgabe: Gegenstände / Bedeutung der Phänomene verändern sich mit der
Zeit: Längsschnittstudien wichtig
- Problem: wir haben Daten aus unterschiedlichen Kontexten, müssen verbunden
werden
- Rekonstruktion nötig um Gegenstände erklären zu können
- sozialwissenschaftliche Erklärung um Probleme lösen zu können

- Werturteilstreit: können wissenschaftliche Argumente frei von Urteilen sein?


- Max Weber Zwischenposition zwischen Menger – Schmoller
- Objektivität kann nur erreicht werden, wenn man sich vorher mit Subjektivität
auseinandersetzt: Subjektivität wird durch Werte unterstützt/beeinflusst: dieses
Verhältnis müssen wir verstehen
- Relation Wir – Welt – Werte in der Welt. Wir sind nie von Gesellschaft getrennt,
werden von Gesellschaft durch Werte beeinflusst
- Werte & Tatsachen/Fakten trennen durch möglichst neutrale Position (komplette
Neutralität nie möglich, weil jeder bestimmte Persönlichkeit und somit nicht neutral)
- Erkenntnis ohnehin nie vollständig, deshalb kein Wahrheitsanspruch
- Neutralität: nicht Werte direkt beschreiben, sondern Verhältnis zu den Werten:
dadurch werden Gründe deutlich, warum Akteur diese Werte ausgewählt hat um zu
handeln oder handeln zu rechtfertigen
- also keine Erkenntnis nach Wahrheitsentsprechung, sondern Erkenntnis nach dem
Verhältnis, das wir von Realität haben
- Erkenntnis entsteht durch Rekonstruktion durch Bedingungen/Faktoren, die etwas
beeinflussen und bilden: Rekonstruktion führt zum Typus: einige Werte haben im
Vergleich zu anderen einen Vorrang = typische Werte
- Ziel der Erkenntnis: nicht Gesetze des Sozialen finden (Bruch mit Protosoziologie),
sondern Erkenntnis soll sich ständig verändern: es gibt immer etwas zu tun: nicht
zwingend Fortschritt, sondern einfach nach und nach mehr/besser erkennen.
- nicht alle Soziologen stimmen zu, daher keine Lösung des Streits (weder
Methodenstreit noch Werturteilstreit)

Erste Kritische Theorie / Frankfurter Schule


- Lukacs: Lebensbedingungen von Arbeitern/kleinen Angestellten verbessert
(Ferientage, öffentliche Bildung, Hygiene, besseres Leben zu Hause): daher zwar
noch politisches Engagement, aber kein Wille zur Revolution (kein
Klassenbewusstsein, kein Klassenkampf, keine Revolution)
- Kritische Theorie (Horkheimer/Adorno): Frage: Wenn kein Klassenbewusstsein
mehr besteht, wodurch wird es dann in Moderne ersetzt?
- Antwort: instrumentale Vernunft
- Kritik an Gesellschaft soll ihr zeigen, wie sie sich von Kapitalismus und vor sich
selbst emanzipieren kann: Wie ist trotz kapitalistischer Gesellschaft Freiheit möglich?
Was muss dafür verändert werden?
- Frankfurter Schule aus 3 Kreisen: 1. Benjamin, Kracauer, Pollock (enge Arbeit
gemeinsam mit Horkheimer/Adorno), 2. Fromm, Löwenthal, Marcuse (erweitern
Arbeiten aus 1. Kreis), 3. Viele weitere Denker in Peripherie (schaffen Verbindung
zwischen Wirtschaft und Politik)
- „Dialektik der Aufklärung“: Buch von Horkheimer/Adorno: kritisiert, dass der Begriff
„Vernunft“ die Gesellschaft betrügt und eigentlich Rationalität meint und Faschismus
fördert
- Vernunft durch Aufklärung wird versprochen, jedoch eigentlich Rationalität verkauft
- kapitalistische Gesellschaft will nicht, dass wir vernünftig im Sinne von gebildet
werden, sondern eher Vernunft im Sinne von Rationalität: pragmatisch,
planungssicher sein
- Vernunft verpackt als Rationalität ist Mittel zur Unterdrückung der Menschen
- diese Vernunft hat Faschismus und Totalitarismus unterstützt, denn es geht nicht
darum, dass man Gewalt in Gesellschaft ausschließt, sondern dass man Rationalität
durchsetzt
- Mythos der Vernunft in Gesellschaft erschaffen: man muss an Vernunft glauben um
eigentlich rationaler zu handeln: Gesellschaft strukturiert sich nach diesem Prinzip
- Akteure sollen erkennen, dass sie betrogen wurden, diese Botschaft kommt aber
erst viel später in Nordamerika an

- Adorno will Faschismus in Nordamerika untersuchen: Wieso radikalisieren sich


Menschen? Wie kommt es dazu, dass Menschen Faschisten werden und z.B. Juden
töten wollen?
- Faschismus = politische, diktatorische Regierung: benutzt persönliche Angst der
Akteure verfolgt zu werden: dadurch wird Bevölkerung kontrolliert, Handlung der
Akteure wird von dieser Angst abhängig gemacht
- Untersuchung durch Umfragen mit F-Skala: psychologische Fragen: betreffen das
alltägliche Leben (z.B. Geschmack zu bestimmten alltäglichen Objekten)
- Ergebnis: Leute haben keine konkreten Absichten zur Radikalisierung:
Radikalisierung eher durch Disposition zur Autorität an bestimmten Menschen: wenn
Menschen in bestimmten Kontexten Autorität entwickeln
- Autorität = Veranlagung, wenn Akteure den Sinn ihrer Handlungen im Alltag nicht
mehr für wichtig halten
- denn Autorität bedeutet Macht, Prestige
- Disposition durch Angst vor Instabilität des Lebens, Angst vor Freiheit: dadurch wird
man irgendwann in bestimmten Bereichen autoritär und unterstützt somit totalitäre
Regimes
- Autorität in der Gesellschaft auch unterstützt durch Rationalität als
Organisationsprinzip
- Totalitarismus bekämpfen durch Stärkung von Bildung + Kultur: für alle Bürger
zugänglich machen!
- doch selbst Bildung und Kultur werden durch Institutionen gebildet, Kultur passt
sich dem wirtschaftlichem Tausch an (nur bestimmte Filme im Kino, immer kürzere
Musiktitel, nur bestimmte Mode im Angebot): wir können uns also nicht komplett
emanzipieren, weil wir nur die Mittel bekommen, die vom Regime erlaubt werden
- Akteure werden vom Regime und wirtschaftlichen Tausch im Beruf beeinflusst: z.B.
Künstler nicht wirklich frei: malt das, was auch gut beim Publikum verkauft werden
kann (Überlebenssicherung)

- Negative Dialektik: Meisterwerk Adornos


- gesellschaftlicher Wandel kein Fortschritt
- nicht mehr nur Personen an sich zeichnen sich aus (durch Interaktionen,
Handlungen usw.), sondern auch Gegenstände/Objekte werden einbezogen: z.B.
Wohnungseinrichtung: die Produkte zeigen, wer man ist
- wir verstecken uns hinter Objekten, sind von materiellen Gegenständen abhängig
geworden
- wir unterstützen Verhältnis zwischen Dingen mehr als das Verhältnis zwischen
Personen („Welches Accessoire macht mein Outfit komplett?“)
- Verhältnis zwischen Gegenständen beeinflusst auch Verhältnis zwischen Personen:
Mensch mit teurem Auto grenzt sich von Mensch mit Klapper-Auto ab
- weniger Möglichkeit für sozialen, symbolischen Tausch: jetzt eher wirtschaftlicher
Tausch
- durch Ausdruck des Geschmacks drückt man eine Angehörigkeit aus („Ich gehöre
diesem Milieu an!“), wir geben uns auch nur noch mit den Leuten ab, die gleiche
Angehörigkeit und gleichen Geschmack haben
- Geschmack ist nicht wirklich frei, wird aber nicht als Zwang erlebt: im Gegenteil,
macht Spaß!
- Akzeptanz: wir wollen die Gesellschaft so wie sie ist, wir kämpfen nicht für
Emanzipation
- Streit zwischen Studenten & Adorno: Studenten glauben an Revolution &
Emanzipation, Adorno nicht
- Adornos Gegner:
- nicht Wirtschaft ist Schuld, sondern Politik: bietet keine echte Partizipation
- ODER: Emanzipation findet sehr wohl statt: durch Zugang zu Bildung, Kultur

- Habermas kritisiert auch Adorno, entwickelt eigene Theorie (verlängert 1. Kritische


Theorie)
- Emanzipation nicht durch Kampf sondern durch Verstehen (Bezug zu Weber)
- Theorie des kommunikativen Handelns: Leben in Gesellschaft durch
kommunikative Rationalität
- Rationalität = Kreuzung Kommunikation x Handlung: Sprechen ist Handeln
(Sprache bewirkt, drückt aus, beeinflusst,...) und andersherum
- somit Beschreibung der Moderne auf 3 Ebenen:
1.Ebene der Metatheorie: Kommunikation + Handlung rational, hängen voneinander
ab
2. Ebene der Methode: kommunikatives Handeln im Rahmen der verstehenden
Soziologie (nach Weber)
3. Ebene der Empirie: Modernisierung und somit Rationalisierung der Gesellschaft

- Regeln in der Gesellschaft bestimmen unsere Kommunikation, deshalb ist


Kommunikation rational (um Unsicherheit, Unvorhersehbarkeit zu mindern)
- Rationalität nicht mit Wissen verbunden, sondern bezeichnet, wie Akteure
kommunizieren/handeln:
1. Dispositionelle Rationalität: subjektive Grüne für Handlung
2. Nicht-Dispositionelle Rationalität: Handlungen produziert durch
Institutionen/Gruppen
3. Dekriptive Rationalität: sachliche Urteile („Die Sonne scheint“)
4. Normative Rationalität: Werturteile („Es ist gut“)
- Jede Handlung/Kommunikation hat Anspruch auf Rechtfertigung: schafft
gegenseitiges Verständnis
- Rechtfertigung anhand von...
1. Tatsachen: instrumentale Sprechakte um effiziente Handlung/Kommunikation zu
produzieren („es regnet“, „Ich werde es so machen.“)
2. Emotionen: Sprechakte um zu wissen ob das Gesagte stimmt oder ob
sprechender Akteur überzeugt davon ist („Es ist schön“)
3. Moralischen Aussagen: Sprechakte um zu wissen, ob das Gesagte gerecht ist
(„Es ist gut“)
- Rationalität bringt Menschen zur Rechtfertigung (man positioniert sich nicht nur,
sondern begründet auch seine Positionierung zum Thema), dabei müssen wir jedoch
trotzdem ungenau bleiben („Ich liebe dich“ kann vieles bedeuten)
- Kritisiert: Politik nur noch Werbung und Karriereweg: hat Funktion der Diskussion
mit Bürgern verloren ; ebenso Wirtschaft: dient nicht mehr nur der Verteilung von
Gütern in Gesellschaft, sondern nur noch Profit
- Missstände bekämpfen: aber keine Revolution, sondern Kommunikation, eher
Erneuerung der Demokratie mit mehr Debatten, junge Menschen integrieren: nicht
Gesellschaft politisieren, sondern Politik vergesellschaften!

- Lebenswelt = Welt des alltäglichen Lebens der Akteure in Gesellschaft


- System = politische, wirtschaftliche, öffentliche Strukturen in Gesellschaften
- Moderne: Lebenswelt mit System konflikthaft verbunden: kommunikative
Rationalität und instrumentelle Rationalität kämpfen gegeneinander
- Unterschiede 1. Kritische Theorie (gegen Horkheimer/Adorno): instrumentale
Rationalität kann sich nicht außerhalb des Systems weiterentwickeln ; Kritik innerhalb
Gesellschaft immer vorhanden (Akteure nicht passiv, stellen System in Frage)

Parsons
- Ziel: soziologische Theorie mit einheitlicher, universeller Sprache: dadurch ist
verstehen, Sprache korrigieren und entwickeln möglich
- Idee von Hobbes: „Der Mensch ist ein Wolf für den Menschen“: gesellschaftliches
Zusammenleben nicht selbstverständlich, haben nur erkannt dass Kriege zu nichts
führen
- Voraussetzung zusammenleben: Vertrag mit anderen Menschen schließen,
einverstanden sein mit bestimmten Werten/Normen in Gesellschaft
- Handlungstheorie/AGIL-Theorie: Das Gemeinsame am Menschen ist die Handlung
- Handlung = rational, um etwas zu erreichen (nach Weber): rational nach Zweck &
rational nach Mitteln
- 4 Dimensionen: AGIL
- A = Adaption: Handlung setzt Anpassung voraus
- G = Goal: Handlung um Ziel zu erreichen
- I = Integration: Handlung dient der Integration der Akteure in Gesellschaft
- L = Latency: Handlung mit Ziel, die soziale Ordnung zu schützen/bewahren,
besonders verbunden mit Sozialisationsinstanzen, die soziale Ordnungen
fördern/legitimieren
- eine Handlung hat Apriori immer diese 4 Dimensionen
- jede Handlung trotzdem unterschiedlich: Gewichtung der 4 Dimensionen
unterschiedlich
- Aus AGIL-Theorie entstehen 3 wichtigste Bereiche der modernen Gesellschaft:
Wirtschaft, Staat, Ideologie (Weltanschauungen, Glaube, Kultur, Bildung)
- definiert Webers Mittel-Zweck-Muster neu: Zwecke/Mittel nicht unbedingt rational
ausgewählt, sondern durch Konsens über Werte/Normen sowie Kooperation
zwischen Akteuren bestimmt: Handlung also nur durch Konsens und
Kooperationsarbeit zwischen Akteuren

- Wende ab 1951: Systemtheorie


- System = immer ein Handlungssystem mit AGIL-Einheit
- System hat Struktur, ist rational, hat Kohärenz (produziert Handlungen die für
System nützlich) und hat Kohäsion (Produktion von Handlungen machen System
mächtiger, feste Einheit)
- Gesellschaft als soziales System, entsteht an der Kreuzung der Systeme Wirtschaft
x Staat x Ideologie
- wirtschaftliches System: produziert & vebraucht Ressourcen
- politisches System: definiert & reguliert Ziele, die Gesellschaft erreichen will
- ideologisches System: sichert Werte/Normen in Gesellschaft ab
- soziales System: Verbindung Status – Rolle: durch Status bekommt man eine Rolle
in Gesellschaft
- kulturelles System: Sprache, Austausch/Kommunikation von Symbolen
- diese Systeme sind separate Systeme, aber sind trotzdem miteinander verbunden,
beeinflussen einander, bleiben alle von 4 AGIL-Dimensionen strukturiert
- z.B. soziales System wichtig für Wirtschaft: mit Symbolen kann man soziale
Prozesse steuern, z.B. Mode spielt viel mit Symbolen
- diese 5 Systeme produzieren wiederum Subsysteme (wie Blumenkohl: Kind hat
gleiche Struktur wie Hauptwurzel): z.B. Arbeitsamt muss gleiche Struktur wie Staat
haben, weil es aus dem Staat entsteht
- Strukturen reproduzieren sich in Gesellschaft: konservatives System, will Stabilität
und wenig Veränderung
- System kann jedoch gestört werden (Konflikte): System kommt aber immer wieder
zu einem neuen Gleichgewicht zurück
- Konflikte werden von Systemen aufgenommen und zu neuen Strukturen
weiterverarbeitet: Systeme müssen ständig hinterfragt werden, damit sie sich
weiterentwickeln: Wandel der Gesellschaft durch Evolution vom einen
Gleichgewichtszustand zum nächsten
- 4 Stufen der Evolution:
1. Ausdifferenzierung der sozialen Handlung
2. Systeme nehmen diese Ausdifferenzierung auf und wahr
3. Dadurch können Akteure sich diesen entwickelten Strukturen der sozialen
Handlung anpassen
4. Absicherung dieser Anpassung durch gesellschaftlichen Konsens über
Werte/Normen

Parson Kritik:
- Luhmann: gute Idee von universeller Sprache und von Rationalität
- aber: Handlungen nur durch Konsens möglich? In Systemtheorie ist dieses
Argument nicht nötig
- wenn wir mit gegenüber nicht einverstanden sind, ihn nicht kennen oder nicht
verstehen, dann produzieren wir Kommunikation: wir brauchen keinen Konsens,
sondern Unbestimmtheit von Fremdensituation: wir versuchen, zu verstehen: soziale
Ordnung keine Voraussetzung um Handlung zu bestimmen

Coleman
- auch Rationalität
- Badewannenmodell: der soziale Wandel besteht nicht
- Handlung wird Produziert indem Verbindung zwischen Makro (Rand)- und
Mikroebene (Boden) geschaffen wird
- Eigenschaften von der Gesellschaftsebene wirkt sich auf das Individuum aus. Die
Individuen produzieren Handlungen, welche wieder auf die Makroebene gepusht
werden und diese beeinflussen.
- wir sind in einem Bad von Informationen (z.B. zu Umwelt, politischen Lagen etc):
Informationen von uns, aber auch von Medien, Experten, Institutionen
- Informationen durch verschiedene Diskurse produziert: Strategie: durch
Informationen zielt man etwas ab und will etwas in Gesellschaft bewegen
- Makroebene versucht Mikroebene zu beeinflussen (z.B. System von Entertaintment
als bestimmte Pädagogik)
- Stufe I: Makro: Gesellschaftliche Phänomene bestehen (Tatbestände) =
Voraussetzung für individuelles Handeln: Bildung von Diskursen: man will, dass die
Akteure in Gesellschaft eine bestimmte Meinung bekommen, damit sich
Wirtschaft/Politik usw auf eine bestimmte Art und Weise verhalten
- Stufe II: Makro zu Mikro: Informationen haben Einfluss auf Akteure
- Stufe III: Mikro: Akteure auf Mikroebene sind unabhängig und
entscheidungsmächtig, haben Grundausstattung: gegebene Bedürfnisse, Interessen,
Dispositionen, Ziele, Präferenzen, Ausstattung mit Ressourcen/Kapital,
Umfeldbedingungen durch Handlungsoptionen, Entscheidungsfreiheit
- Stufe IV: Mikro: Handlungsprinzip: Individuelle Maximierung des erwartenden
Nutzens: Rationale Handlungen und somit Entscheidungen
- Stufe V: Mikro: Unabhängig gefällt Entscheidungen/Handlungen mehrerer
Individuen: z.B. auch durch Meinungsaustausch zwischen Akteuren entstehen ganze
Gruppen einer Meinung
- Stufe VI: Mikro zu Makro: gesellschaftliches Ergebnis durch Summe der
Einzelhandlungen: Idee wird in Öffentlichkeit verbreitet
- Stufe VII: Makroebene: Gesellschaftliche Phänomene als kollektive Effekte
individuell nutzenmaximierenden Handelns, Idee hat Gesellschaft erreicht und
versucht, konkrete Dinge in der Gesellschaft zu bewirken

- Moment der Entscheidung: nicht beliebig/zufällig, sondern nach instrumenteller


Rationalität: Maximierung des Nutzens (Idee der Ökonomie)
- homo oeconomicus als Typusbegriff: will seinen Profit/Gewinn maximieren, so
entscheidet er was er macht
- Akteure verhalten sich also rational im Sinne des homo oeconomicus (angeboren)
- positive Eigenschaft, kann aber auch Negatives haben: wenn Nutzen nicht
maximiert werden kann entsteht Irrationalität
- Ziel: gesellschaftliche Tatsachen klassifizieren: bestimmte Handlungen sind mit
bestimmten Gruppen von Personen verbunden, diese Verbindung ist kein Zufall:
dafür Badewannen-Modell

Goffman
- Gegensatz zu Parsons
- Weiterentwicklung Chicago-Schule durch behavioristischen Interaktionismus:
untersucht Interaktionen auf Mikroebene: nicht nur was gesagt wird, sondern auch
wie
- metaphorisches Bild: Theater
- Metapher auch als Problem: unterschiedliche Interpretationen, nur ein Bild und
keine Erklärung: andere Art der Soziologie: nicht mathematisch sondern literarisch,
teilnehmende Beobachtung
- Goffman zeigt, dass qualitative Forschung auch mächtig sein kann
- Gesellschaft als Theaterbühne, Akteure als Schauspieler, gesellschaftliches Lebens
als Theaterstück, andere soziale Akteure (beobachten Aktivitäten der Schauspieler)
als Publikum
- Akteure spielen bestimmte Rolle im Stück: zeigt Grenzen in Gesellschaft
- Aktivitäten im Vordergrund, auf Bühne vor Publikum ; sowie Aktivitäten im
Hintergrund, hinter den Kulussen intimes Verhalten
- wir suchen das Publikum, weil wir bestimmte Aufmerksamkeit wollen: dafür muss
man seine Rolle gut spielen und üben
- z.B. Ankleiden: man stellt sich vor dem Spiegel vor, wie man damit von anderen
Leuten wahrgenommen wird: attraktiv bessere Erfolgschancen als unattraktiv
- Aussehen und Verhalten muss mit Rolle übereinstimmen
- nicht nur eine Rolle, sondern mehrere unterschiedliche, da wir uns an Kreuzungen
zu mehreren sozialen Kreisen befinden
- wenn Rolle gut gespielt, stabilisiert das unsere Erwartungen und die Erwartungen
anderer über uns
- im Hintergrund der Bühne kann Akteur wieder sich selbst sein
- Face-to-Face-Beziehung: Interaktion in Anwesenheit anderer Akteure kann
strukturieren und hat somit Wirkung auf Gesellschaft
- soziale Ordnung ist Ordnung der Interaktionen: bei Interaktionen zeigen wir uns mit
unserer Rolle und treten in Kontakt: wichtig um Ordnung zu finden und zu
Strukturieren damit wir Platz in der Gesellschaft finden

- Interaktion: zentriert (verlangen volle Aufmerksamkeit der Akteure) vs nicht zentriert


(verlangen nicht so viel Aufmerksamkeit)
- wir treten in Interaktion, wenn bestimmter Anlass in einem ggf. bestimmten Rahmen
vorhanden ist.
- soziales Anlass: sozialer Kontext, tägliche Angelegenheit, mit bestimmten
Aufgaben/Regeln/Pflichten verbunden
- Rahmen: kulturelle Umgebung einer Gesellschaft, allgemein, Werte und Normen,
Sinn der täglichen sozialen Aktivitäten, von Kultur vorbestimmt
- alltägliche Interaktionen nicht ständig neu, sondern häufig reproduziert,
Grundregeln strukturieren Interaktionen
- Regeln: Anlass muss mit Rahmen übereinstimmen, Interaktion muss zu Anlass und
Rahmen passen
- dadurch:
1. Verpflichtung: man muss Regeln in der Interaktion folgen
2. Erwartung: an Interaktion, dass sie sich nach bestimmten Prozess entwickelt
- Wie schafft man sich dann mehr Freiheit? Durch Manipulationen, abweichendes
Verhalten: zeigt, dass soziale Ordnung auch zerbrechlich
- Regeln sind nicht richtig fest, werden von Akteure gemacht und können auch
gebrochen werden

- Selbst = nicht nur Schauspieler, sondern:


- Person mit Rolle und Status
- Person, die diese Rolle vor Publikum spielt und ggf. manipultiert
- Person mit Biographie und Ich-Identität aus unterschiedlichen
Interaktionszusammenhängen entstanden
- diese 3 Formen stimmen nie komplett überein: Distanz zwischen Rolle und Identität

- Buch: Asylum: beschreibt Außenseiter der Gesellschaft


- wie interagiert Gesellschaft mit Außenseitern und integriert sie?
- in geschlossenen Institutionen: geschlossene Milieus, vom Rest der Gesellschaft
isoliert: konkrete physische räumliche Grenze (bestimmte Gebäude, oft am Rand von
Orten), Aktivitäten der Insassen zeitlich bestimmt (8-9 Frühstück, 9-11
Gartenarbeit,...) (dient zur Kontrolle)
- 5 Idealtypen totaler Insitutionen:
1. Die nicht-gefährliche Personen aufnehmen, die aber sonst nicht selbständig leben
könnten (Waisenhäuser)
2. Die gefährliche Personen aufnehmen, die sonst auch nicht selbstständig leben
könnten (Wohnstätte für psychisch kranke Personen)
3. Die Personen aufnehmen, um sie vor Gesellschaft zu schützen (Gefängnis)
4. Die Personen aufnehmen, um Aufgabe/Organisation von Aufgaben zu gestalten
(Militär)
5. Die Personen aufnehmen, die sich freiwillig von Gesellschaft trennen wollen
(Kloster)
- sind Außenseiter damit wirklich integriert?

Garfinkel
- setzt an Goffmans Außenseiter-Fragen an
- soziale Ordnung grundsätzlich zerbrechlich
- jeder ist ein bisschen Außenseiter, auch wenn in Gesellschaft integriert
- entwickelt Ethnomethode
- Wie kann man Verwundbarkeit der sozialen Ordnung in normalen (nicht-
pathologischen) Situationen entdecken und empirisch feststellen?
- Sprache ist wichtig: wenn Regeln verletzt werden brauchen wir Gespräch um
Lösung zu finden und soziale Ordnung wieder aufzubauen
- wenn wir wissen wollen, was Gesellschaft bedeutet, müssen wir Alltag untersuchen
- Regeln aufbauen & brechen ist eine Praxis: Ethnopraxis
- Ethnopraxis durch Breaching Experiments (aufbrechende Experimente)
untersuchen
3 Momente:
1. Soziale Regeln sichtbar machen, indem man Akteure im Alltag stört: zeigt, dass
Regeln so natürlich und selbstverständlich sind, dass Akteure Regeln nicht
hinterfragen
2. Selbstverständlichkeit der Regeln zerstören: Panik/Unordnung schaffen, Akteure
destabilisieren: Akteure versuchen noch mehr ihre Rolle zu spielen um sich nicht
destabilisieren zu lassen und um Normalität in Situation zu bringen
3. Moment der Analyse: Akteure können nicht ohne Regeln miteinander in
Gesellschaft umgehen

Systemtheorie Luhmann
- Luhmann kritisiert Parsons: wir brauchen keinen Konsens, damit Gesellschaft
besteht
- Gesellschaft = soziales System (mit verschiedenen Subsystemen)

- soziale Systeme sind sozial weil sie kommunizieren (nicht nur durch Worte, auch
Prozess)
- Gesellschaft als Lebewesen: Kybernetik: jede Art von Lebenwesen kann als
System begriffen werden
- Kommunikation als evolutionäres Merkmal: zeigt, wie sich Systeme entwickeln
- Kommunikation kann nicht entstehen, wenn zu hohe Komplexität
- je mehr wir in Welt kommunizieren, desto eher können wir sie uns aneignen
(verstehen, Sinn finden in Umwelt)
- wenn wir Informationen aufnehmen, müssen wir sie verstehen und darüber
kommunizieren: Kommunikation = aufnehmen, deuten, verstehen, Verstandenes
mitteilen
- Sinn als Grundbedingung der Kommunikation: ist immer und allem vorangestellt:
selbst Unsinn hat einen Sinn

- Systeme kommunizieren um Komplexität zu verringern


- Informationen werden von uns nur interpretiert, Sinn nie komplett aufgedeckt: durch
Kommunikation können wir Risiken verwalten und Strategien entwickeln
- Kommunikation um Wissen zu erlangen/entwickeln/produzieren,
Interpretationssyste auszudifferenzieren, Risiken/Situationen zu beherrschen
- Kommunikation auf Mikroebene zwischen Individuen, aber auch auf Makroebene
zwischen Systemen/Organisationen
- Kontingenz (Unsicherheit) wichtig für Kommunikation
1. Kontingenz des Außens: wir wissen nicht, was wir vom Außen erwarten
2. Kontingenz: wenn etwas von Außen kommt, wissen wir auch nicht was wir damit
machen sollen
- wir sowie gegenüber hat Kontingenz
- doppelte Kontingenz = erhöhte Unsicherheit im Alltag: Instabilität
- Stabilität kann erlangt werden, indem man sich mit Unsicherheit auseinandersetzt:
sonst kein System, keine Entwicklung von Kommunikation
- wenn keine Unsicherheit wäre, würden wir nicht kommunizieren
- Unsicherheit durch Komplexität des Außens
- System entwickelt sich um eigene Komplexität zu verbreiten bzw um Komplexität im
Außen (der anderen Systeme) zu verringern
- Systeme werden komplexer durch Entwicklung von Subsystemen: stellt damit
sicher, dass bestimmte Teile des Gesamtsystems behandelt werden

- Jedes System kommuniziert nach bestimmtem Code (Wissenschaft: richtig – falsch


; Recht: gerecht – ungerecht): So kann System Unterscheidungen machen: „Das ist
richtig, daran können wir unsere Kommunikation anknüpfen.“
- Verstehen möglich, wenn homogene Kommunikation im System
- Selbstreflexivität: System ist selbstreflexiv: plant nach seiner Kommunikation/Code
wie es sich entwickeln muss um bestimmten Probleme zu lösen um sich zu
entwickeln, Kommunikation macht nicht Sinn weil sie von anderem System
verstanden wird, sondern macht Sinn weil sie von dem System verstanden wird, das
die Kommunikation produziert
- dadurch auch Selbstreferenzialität: System bezieht sich in Kommunikation nur auf
seinen eigenen Input
- Code hilft, sich in Komplexität zu Orientieren, zieht Grenze zwischen Systemen:
Selektionsoperation
- Paradoxie: wenn System seine Kommunikation nicht beherrscht oder falsch
kommuniziert (z.B. Wirschaft nicht mehr nach gewinn-nichtgewinn, sondern auf
einmal nach gerecht – ungerecht): Wenn System mehr und differenzierter über
Umwelt kommuniziert, gewinnt es mehr Komplexität (Schwächung), muss daraufhin
noch mehr und noch differenzierter komunizieren

- nach mal Kritik zu Parsons: kein Konsenz nötig: wir brauchen nur Kommunikation
und Anschlussfähigkeit dieser Kommunikation durch Interaktion
- Systeme interagieren indem ein Subsystem eines Systems mit einem Subsystem
des anderen Systems kommuniziert

- Risiko der Systeme: Bedrohung durch steigende Komplexität, muss reduziert


werden
- für System ist Risiko notwendig: zum kommunizieren und zum entwickeln
- deshalb Normalisierung der Risiken/Unsicherheit sowie der Kontingenz (bei
Parsons Konflikte in Gesellschaft)
- Risiken als Motivation zum handeln/kommunizieren

- 3 Zeiten Entwicklung eines Systems: evolutionär


1. Langsame Entwicklung, Unsicherheit, Drohungen als Gefahren angesehen, erste
Funktionen zur Kommunikation entwickelt (Bedeutung von Sprache, Symbole,
Zeichen lernen)
2. Soziale Differenzierung: erste Unterscheidungen zwischen Systemen mit
verschiedenen Codes (z.B. Wirtschaft – Rechtssystem)
- a) Erste Stufe: Soziale Segmentierung: Systeme durch Status und Ränge gebildet
(wer ist Chef/kein Chef?), allerdings noch zu schwach im Komplexität zu reduzieren,
deshalb:
- b) differenzierte soziale Stratifikation: nicht nur Rang, sondern auch andere
Faktoren (Geld, Arbeit, Ausbildung), Komplexität reduzieren durch Bildung von
sozialen Institutionen (Erfindung von Staat): bringt mehr Organisation in System
sowie mehr Prinzipien zur Unterscheidung (Unterscheidung nun auch an Funktionen)
- c) funktionale Differenzierung: Differenzierung nach Funktionen, dadurch
Produktion von Subsystemen
3. Weltgesellschaft: Kommunikation überall, verbindet uns mit dem anderen:
Gesellschaft der Massenmedien, Kommunikation selbstläufig
- Weltgesellschaft: wir verstehen unsere Gefühle gegenseitig, Kommunikation weit
über Grenzen (z.B. nationale) hinweg, Risiken/Unsicherheiten vollständig
normalisiert

2 Ordnungen der Komplexität entstehen:


- 1.: das was produziert wird und was wir beobachten können (Klimawandel:
Strompreise steigen, deshalb sind wir motiviert Strom zu sparen)
- 2.: Selbstreflexivität: wir beobachten nicht nur Drohungen selbst sondern auch uns
selber in Beziehung zu den Drohungen (Strompreise steigen: liegt es an mir?):
unterscheidet die moderne Gesellschaft von vergangenen Gesellschaften: Leute
beziehen Geschehnisse auf ihr Verhalten und überlegen, wie sie sich noch
verbessern können

Positivismusstreit
- belebt Debatte über Kriterien der Soziologie wieder: Was ist Soziologie?
- 1969: Adorno und Popper Treffen, stellen ihre Sicht auf Gesellschaft vor: 2
entgegengesetzte Vorstellungen

- Adorno: Vortrag zum Holismus der Soziologie: Gesellschaft als Ganzes, kann man
nicht Auseinandernehmen
- wir haben zwar bestimmte Felder, aber kann man nur verstehen, wenn man
Gesellschaft als ganzes Konstrukt sieht
- kritisiert quantitative Soziologie: Mittel um Gesellschaft zu spionieren, löst Problem
der Emanzipation nicht, quantitative Forschung durch verstaatlichte Institutionen
durchgeführt)
- nicht nur viele kleine Teilchen der Gesellschaft untersuchen und dann zur
Gesellschaft summieren
- Soziologie nicht nur beschreibend, sondern auch normativ: muss kritisieren! Im
Dienst der Bevölkerung, nicht im Dienst des Systems
- Angriff auf Positivisten

- Popper entgegengesetzte Meinung, kritisiert Adorno


- Soziologie keine Wissenschaft des Ganzen
- selbst wenn man Gesellschaft als Ganzes betrachten würde, könnte es nicht
klappen, da Gesellschaft nicht nur durch miteinander-leben, sondern auch
ohneeinander-leben bestimmt ist (Akteure leben auch in Distanz zur Gesellschaft)
- Soziologie als Wissenschaft von jedem spezifischen Teilgebeit: nicht alles erklären,
sondern eine bestimmte Eigenschaft an einem Gegenstand in einem bestimmten
Kontext erklären
- denn: wir sind zwar alle soziale Menschen, aber wir sind auch individuell: wir haben
eigene Meinungen, unterschiedliche Tendenzen, können Dinge in Frage stellen: das
kann man nicht in Gesetzmäßigkeiten erklären

- Bedeutung der untersuchten Gegenstände entsteht aus Kontext: also Kontext


untersuchen
- Gegenstand in einem Kontext hat allerdings mehrere Bedeutungen: es gibt eine
Geschichte der Gegenstände (daher kommt oft auch erst die Bedeutung), jedoch ist
uns vollständige Bedeutung nie bewusst, Gegenstand kann nie vollständig erschöpft
werden
- Bedeutung der Gegenstände durch Rekonstruktion: zwar auch keine volle
Erschöpfung, wird immer Mängel aufzeigen
- automatisch immer fehlerhafte Wissenschaft: man kann immer nur einen Teil
beschreiben: negative Sicht der Wissenschaft
- wir wissen nur, dass wir bestimmte Dinge nicht wissen: Wissen führt immer zu
einem Nichtwissen und Nichtwissen führt immer zu einem Wissen
- Faillibilismus: kein Gegenstand kann als Totalität untersucht werden: wir wissen,
dass wir nicht alles wissen können
- Wissenschaft lebt eher von seinen Misserfolgen, lebt eher von Verbesserung der
Erklärung (nicht total, perfekt)
- Annahmen Falsifizieren: Theorie gut, wenn sie zeigt, dass sie nicht alles erklären
kann, sondern nur bestimmte Bereiche
- 3 Grundannahmen:
1. Soziologische Theorie gilt als Theorie, wenn sie die Hypothese auch falsifizieren
kann: ansonsten kein Wert
2. Erkenntnis der Gesellschaft kann nicht vollendet werden: keine totale Gesellschaft
als Ganzes, also auch keine totale Soziologie als allgemeine Theorie
3. Wenn Soziologie allgemein gültig WÄRE, dann würde sie gesellschaftlichen
Wandel nicht berücksichtigen können: deshalb keine Emanzipationswege für Bürger
verstehen/erklären/fördern

- Habermas vermittelt zwischen Adorno und Popper, findet auch Gemeinsamkeiten


- Werte bei Popper & Adorno wichtig
- Wdh. Weber: wir müssen unsere Beziehung zu Werten erkennen
- Habermas erweitert: Untersuchung von Beziehung zu Werten setzt wiederum
Werte voraus: nicht neutral
- wie wurden wissenschaftliche Aussagen produziert? Ebene der Werte mit
einbeziehen: Wo fängt Wissenschaft an/hörtauf?

- Popper und Werte


- Werte wichtig für Konstruktion von Theorien
- Voraussetzung für wissenschaftliche Erklärung = Überzeugung
- Überzeugung (Stereotyp, Vorurteil) lässt sich jedoch nicht mathematisch
begründen: ist durch Leben in Gesellschaft entstanden: Überzeugung durch
Sozialisation
- Überzeugung nicht durch individuelle Erkenntnis, sondern kollektive
Überzeugungskraft
- Überzeugungen können wissenschaftliche Aussagen erschaffen
- Überzeugung prüfen indem wir Kontext des kollektiven Phänomen der
Überzeugung rekonstruieren
. ganze Welt muss also rekonstruiert werden um zu verstehen, was Theorie ist

- Habermas kritisiert Popper’sAussage dass Wissenschaftliche Aussagen auf


Irrationalität (durch Überzeugung) beruhen
- es bedeutet nur, dass wir eine Art des Wissens aus dem Alltag gewinnen: hat auch
Rationalität und Relevanz, wenn auch unterschiedlich von wissenschaftlichem
Wissen
- Habermas gibt Adorno recht: Alltagswisen beeinflusst Produktion von speziellem
Wissen und Theorien: Sozialisation setzt eine ganze Welt voraus
- Habermas kritisiert Adorno, stimmt Popper zu: wir brauchen keine normative
Wissenschaft. Wir müssen nicht zeigen, wie Menschen glücklich werden
- Kritik an Frankfurter Schule: ihre Erklärung reicht mittlerweile nicht mehr aus
- denn Welt ist nicht mehr nur schwarz-weiß: haben auch Kapitalismus mit
sozialistischen Tendenzen und Sozialismus mit kapitalistischen Tendenzen
- in dieser gemischten Welt, versuchen wir verschiedene Interessen zu verteidigen,
wollen Welt schaffen in der wir alle leben können (Lebenswelt)
- Wissenschaft nutzen, um diese Interessen zu analysieren/verstehen, damit
Diskussion darüber möglich: komplexere Gesellschaft braucht mehr politisches
Engagement und Debatten über unterschiedliche Interessen
- man kann Bereiche nicht mehr trennen, alle Bereiche (z.B. Wirtschaft) bestehen,
weil sie zu uns als Kollektiv gehören: wir müssen uns fragen, was die Bereiche mit
uns/mit den Menschen machen und wie wir von ihnen profitieren (nicht nur: „Was
macht der Bereich mit dem System)

Folgen Positivismusstreit

Dahrendorf / Theorie des Konfliktes


- Synthese zwischen Marx – Weber
- stimmt Weber zu: Konflikte nicht wirtschaftlicher Natur, sondern eher von
politischen Bedingungen (Koppelung Macht – Herrschaft) abhängig
- übernimmt Marx’ sozialen Wandel, soziale Ungleichheit
- Klassenkampf ist eigentlich Kampf um Macht
- soziale Klasse zeichnet sich nicht durch Lebensbedingungen aus, sondern durch
unterschiedliche Eigenschaften: auch Bezug auf Macht, die Klasse für sich gewinnen
kann
- Klassenkampf ist Kampf um Machtpositionen: Je nach Klasse hat man bestimmten
Zugang zur Macht
- Klassenkampf als Konflikt, weil Gesellschaft Struktur hat: daher normale
Phänomene des Zusammenlebens in Gesellschaft
- Struktur der Gesellschaft ist komplizierter als Marx und Webers Annahmen: nicht
nur Trennung Bourgeosie – Proletariat (zu einfach)
- wir haben unterschiedliche Machtzentren, die verschiedene Klassen bilden und um
unterschiedliche Machtvorstellungen kämpfen
- komplexe Gesellschaft: deshalb auch Formen von Konflikten vielfältig
- Gesellschaft = Motor des sozialen Wandels
- Gesellschaft: Konflikte produzieren + lösen: erlangt so Identität als Gesellschaft und
Akteure erlangen soziale + persönliche Identität
- Paradoxon: je mehr Konflikte sich entwickeln, desto weniger wird Identität der
Gesellschaft und Akteure sichtbar

Streit Luhmann vs Habermas


- unterschiedliche Meinungen

1. Frage des Sinns


- Luhmann:
- Sinn ist allem vorangestellt (selbst Unsinn macht Sinn)
- Soziologie muss beschreibend bleiben, nicht normativ
- Konsens ist nicht Bedingung für Zusammenleben in Gesellschaft: Gesellschaft
funktioniert auf Prozess verbunden mit Werten/Normen
- Gesellschaft als System, in der wir keine Lebenswelt mehr haben: bzw nur noch
Lebenswelt, die aus funktionalen Systemen besteht, die nach Adaption leben
- Habermas:
- Luhmann’s Idee von beschreibender Soziologie und Nicht-Nötig-Sein von Konsens
relativiert den Sinn und macht aus dem Sinn eine „leere Kategorie“
- kritisiert Luhmann’s Idee von keiner Lebenswelt: das Leben ist nicht nur funktional
und ist nicht nur dazu da um Funktionen zu erfüllen: Leben ist auch Hoffnung, hat
auch Legitimität etwas in Gesellschaft zu sagen, ist nicht nur politische, sondern
auch zivile Aktion
- Luhmann:
- relativiert Habermas Kritik: Sinn ist überall in der Gesellschaft, das ist wichtiger:
wenn wir einen Unsinn verstehen, dann hat er Sinn: denn es gibt Gründe, warum
Unsinn produziert wird und warum Systeme spinnen: Es gibt bestimmte Prozesse,
die z.B. zu Unsinn führen
- Sozialwissenschaftler müssen auch Rahmen anbieten um bestimmte Probleme
lösen zu können

2. Problem der Rationalität


- Habermas:
- Rationalität ist nicht Vernunft, sondern verbunden mit Kommunikation: Rationalität
bedeutet rationale Kommunikation
- wenn man Rationalität unterstützt, unterstützt man auch rationales Gespräch mit
anderen Menschen: konstruktiv mit Menschen umgehen und sprechen: nicht „in die
Falle locken“, sondern im Gespräch Konsens erreichen
- Ziel kommunikativer Handlung = Konsens im Gespräch erreichen
- also Unterschied zu instrumenteller Kommunikation
- Luhmann:
- Kommunikation findet überall statt, braucht keinen Konsens um entwickelt zu
werden
- Kommunikation muss nicht rational sein, hat verschiedene Facetten, z.B.
Emotionalität
- Kommunikation schafft Strukturen, Institutionen fördern und erkennen diese
Strukturen an: Spaltung zwischen Lebenswelt vs System ist zu einfach
3. Problem der Dialektik:
- Luhmann:
- Kommunikation als Voraussetzung für Entwicklung des Systems
- Habermas:
- Entwicklung von Systemen kann nicht gestört werden, denn Systeme unabhängig
voneinander und selbstreflexiv (entwickeln sich nur in Bezug auf eigene
Kommunikation), ist auch wichtig in Verbindung mit Außen (man entwickelt sich nur
gegenüber dem Außen, bezieht sich nicht darauf)
- nach Luhmanns Idee gibt es keine Zeit mehr = Paradoxie
- Luhmann wehrt sich: Zeitdimension entsteht durch Kommunikationsarbeit und wird
weiter unterstützt, weil Kommunikationsarbeit auch scheitert (z.B. an Grenzen von
Systemen), daher spielt Zeit wohl eine Rolle

4. Problem der Antisoziologie


- Luhmann wurde von Schelsky (Nazi-Mitglied) stark gefördert: Schelsky verstand
Systemtheorie als Anti-Soziologie, sollte gängige Soziologie bekämpfen/zerstören
- Habermas bringt Luhmann stark mit Schelsky in Verbindung