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1 Völker des Mittelmeerraumes

Wir sprechen vom Alten Ägypten, vom Alten Griechenland und vom Alten Rom.
Damit bezeichnen wir Völker und Staaten, die vor 2000 und mehr Jahren sehr bedeutend
waren. Ihre große Zeit nennt man zusammenfassend die Antike.

ca. 5000 v. Chr.


Das Klima in Nordafrika
wird trockener. Aus
Steppen werden Wüsten.
Die Ufer des Flusses Nil
werden stärker besiedelt.

ca. 3000 v. Chr. ca. 3000 – 30 v. Chr.


Die Ägypter entwickeln eine Schrift. Könige herrschen über Ägypten.

D 1  Zeitstrahl zu Ägypten, Griechenland und Rom in der Antike

Antike  Ein Binnenmeer zwischen Kontinenten Frühe Hochkulturen im Mittelmeerraum


Ursprünglich bezeich­ Das Mittelmeer ist ein großes Becken, das Das Mittelmeergebiet wird oft als „Wiege
nete der Begriff nur 
das griechisch­ 
vom südlichen Europa, dem nördlichen der europäischen Kultur“ bezeichnet. Nach­
römische Altertum.  Afrika und jenem Teil Asiens umschlos­ einander und nebeneinander entstanden
Heute fasst man  sen wird, den wir Vorderasien oder den hier viele Kulturen, die Neues hervor­
 darunter oft den  Nahen Osten nennen. Eine Verbindung brachten und es anderen mitteilten.
gesam ten Zeitraum 
zwischen dem Beginn 
zum Atlantischen Ozean besteht nur über In Ägypten entstand um 3000 v. Chr.
des ägyptischen Rei­ die Meerenge von Gibraltar. Daher ist das eine der ersten Hochkulturen überhaupt,
ches um 3000 v. Chr.  Mittelmeer trotz seiner Größe ein ruhiges mit einer eigenen Schrift, mit Städten,
und dem Ende des  Meer. Und es war schon vor Jahrtausenden prächtigen Tempelbauten und wunderbaren
 Römischen Reiches im 
Jahr 476 n. Chr. zu­
möglich, mit sehr viel kleineren Schiffen als Kunstwerken. Die Ägypter hatten auch
sammen. heute jede beliebige Küste anzusteuern. Das schon einen Staat, der von einem König
ermöglichte Handel über weite Entfernun­ regiert und von Beamten verwaltet wurde.
Hochkultur  gen – aber auch den regen Austausch von An der Ostküste des Mittelmeeres lebte
Der Begriff wird ver­
wendet, wenn ein Volk 
Ideen zwischen Ländern und Kontinenten. das Volk der Phönizier. Sie erfanden um
schon früh eine  1100 v. Chr. das Alphabet. Dadurch wurde
Schrift, eine Religion,  Die Gunst des Klimas es sehr viel einfacher, das Lesen und Schrei­
städtische Lebens­ Die meisten Küsten und Landschaften rund ben zu erlernen. Für die Phönizier war das
weise und eine staat­
liche Ordnung entwi­
um das Mittelmeer haben eines gemeinsam: wichtig, denn kein Volk lebte zu der Zeit so
ckelt. Auch besondere  ein günstiges Klima. Die Sommer sind heiß sehr von Handel und Seefahrt wie sie.
Leistungen in Technik,  und trocken, die Winter mild und regen­ Ihre Nachbarn, die Israeliten, glaubten
Wissenschaft und  reich. Getreide, Obst und Gemüse gedeihen nur an einen einzigen Gott. Das war ihr
Kunst machen eine 
Hochkultur aus. 
daher gut. Und das Meer war vor Jahrtau­ Gott Jahwe. Er ist bis heute der Gott der
senden noch reich an Fischen, so dass die Juden und Christen geblieben.
sichere Ernährung einer großen Zahl von
Menschen leicht fiel.

1
Herrschaft und Kultur im 
Mittelmeerraum

476 n. Chr.
Das Römische Reich
zerfällt unter dem
753 v. Chr. Ansturm fremder
ca. 750 – 550 v. Chr. Der Sage nach wird in diesem Völker.
Griechen besiedeln die Jahr die Stadt Rom gegründet.
Küsten des Mittelmeeres.

Die griechisch­römische Welt Die Römer schließlich waren ein


Die Griechen veränderten vor allem das Eroberer volk, das den gesamten Mittel­
politische Denken. Sie lebten zumeist in meerraum unter seiner Herrschaft vereinte.
kleinen Stadtstaaten. Das brachte neue Sie haben mit ihrer Staatsorganisation,
Lebensformen und Gedanken hervor, die ihren Gesetzen, ihrer Technik, ihrer
die Freiheit des Einzelnen betonten. Die Sprache, Kunst und Wissenschaft auch die
wichtigste Erfindung der Griechen war die Jahrhunderte nach der Antike bis in unsere
Demokratie, eine Regierungsform, bei der Zeit hinein beeinflusst.
die Bürger über alles selbst entscheiden
können.

Aufgaben

1 Arbeite mit dem Atlas. Beschreibe die Lage kultur um 3000 v. Chr., Zerfall des Reiches
des Mittelmeeres. Nenne dabei die Konti­ 476 n. Chr., Besiedlung des Mittelmeer­
nente, die es begrenzen (Atlas, VT 1). raumes 750–550 v. Chr., östliches Mittelmeer,
Land am Nil, Herrschaft über das gesamte
2 Nenne wesentliche Merkmale des Mittel­ Mittelmeergebiet (D1, VT 3, VT 4).
meerklimas (VT 2).
5 Übertrage den Zeitstrahl D 1 auf ein DIN
3 Liste Völker auf, die in der Antike am Mittel­ A3­Blatt. Ergänze wichtige Daten, die du
meer siedelten und nenne wichtige Leistun­ schon aus der Klasse 5/6 kennst bzw. die du
gen dieser Völker (VT 3, VT 4). in den nächsten Unterrichtsstunden kennen
lernen wirst.
4 Ordne Ägyptern, Griechen und Römern die
folgenden Aussagen zu: Beginn der Hoch­
2
1, 2, 3, 4 5
2 Land und Volk der Griechen
Die Ägypter schufen einen großen und einheitlichen Staat. Die Griechen dagegen lebten in
vielen hundert Kleinstaaten. Gab die Natur des Landes vielleicht den Ausschlag?

Polis   Berge, Küstenebenen und Inseln Griechen gründen Kolonien


bedeutet ursprünglich Der Nil verband ganz Ägypten miteinander. Als die Bevölkerung in Griechenland stark
„Burg“ oder „Stadt“.
Jede Polis hatte ihr
Reisende, Händler und Beamte erreichten angewachsen war, reichte vor allem in
eige­nes Gebiet, ihre auf schnellen Flussschiffen jedes Dorf und schlechten Jahren die Getreideernte nicht
eigene Bevölkerung jede Stadt. So konnte ein Großreich entste­ mehr aus, um alle Menschen zu ernähren.
und ihre eigenen poli­ hen, das zentral gelenkt wurde. Ganz anders Viele Griechen mussten daher eine neue
tischen Einrichtungen.
Von „Polis“ leitet sich
sind die Landschaften Griechenlands. Fast Heimat suchen. Überall an den Küsten des
unser Wort „Politik“ überall findet man zerklüftete Gebirge mit Mittelmeeres und des Schwarzen Meeres
ab: das, was alle schwer zugänglichen Tälern. Steil ins Meer entstanden so Kolonien mit griechischen
­angeht. abfallende Berge trennen Küstenebenen Bürgern.
Kolonien  
voneinander.
So nennen wir neue Enge Verbindungen zur Mutterstadt
Siedlungen von Viele hundert Kleinstaaten In den meisten Kolonien lebten die Neu­
griechi­schen Bürgern Die frühen Griechen, die seit etwa bürger vom Ackerbau und vom Handwerk.
an den Küsten des
Mittelmeeres und des
2000 v. Chr. das Land besiedelten, haben Andere Kolonien waren gleich als Handels­
Schwarzen Meeres. nie einen einheitlichen Staat geschaffen. Es plätze gegründet worden, um der Mutter­
Diese Siedlungen bildeten sich hunderte von Kleinstaaten, die stadt neue Absatzgebiete für ihre Waren
­waren zunächst von selten größer waren als ein Tal, eine Küsten­ zu sichern. Mit den Menschen in der alten
der Mutterstadt ab­
hängig, entwickelten
ebene oder eine Insel. Einen solchen Klein­ ­Heimat blieben die Kolonisten aber auch
sich dann aber zu staat nannten die Griechen Polis. Manch­ durch Sprache und Kultur eng verbunden.
­einer eigenständigen mal bestand sie nur aus einer Kleinstadt mit
Polis. ein paar Dörfern im Umland.

D 1  Griechenland, Klein­


asien und die Insel des
Ägäischen Meeres waren
der Kernraum des
griechi­schen Siedlungs­
gebietes. Physische Karte
und Geschichts­karte.

3
Herrschaft und Kultur im
Mittelmeerraum

D 2  Griechische Kolonisation zwischen 750 und 550 v. Chr.

Q 1  Die Bürger der Insel Thera (heute San­ günstigen Winde hatten, kehrten sie nach
torin) gründeten um 630  v.  Chr. eine Toch­ 10 Thera zurück. Die Theraier aber schossen auf
terstadt. Darüber berichtet der Geschichts­ sie und ließen sie nicht landen. Notgedrungen
schreiber Herodot im 5. Jahrhundert v. Chr.: fuhren sie wieder zurück und ließen sich auf
Nun aber blieb sieben Jahre lang der Regen der Insel Platea vor der libyschen Küste nie­
in Thera aus; während dieser Zeit verdorrten der. Hier wohnten sie zwei Jahre, aber es ging
alle Bäume der Insel. (…) Die Theraier be­ 15 ihnen auch hier schlecht. Einige Zeit später
schlossen, dass aus allen sieben Gemeinden gingen sie gegenüber jener Insel in Libyen
5 der Insel immer einer von zwei Brüdern aus­ an Land. An dieser Stelle wohnten sie sechs
wandern sollte. Zum Anführer der Auswande­ Jahre. Dann führten die Libyer sie weiter an
rer wurde Battos bestimmt. Daraufhin fuhren einen noch schöneren Ort. Dort gründeten sie
sie in Richtung Libyen ab. Da sie aber keine 20 Kyrene.

Aufgaben

1 Nenne Gründe, warum die Ägypter ein 6 Schreibe in Stichworten auf, welche
­ roßreich, die Griechen dagegen viele Klein­
G Informatio­nen der Bericht des Herodot
staaten gründeten (VT 1, D 1). ­enthält (Q 1).

2 Erkläre, was man unter einer griechischen 7 Diskutiert die Vorteile von Koloniegründun­
Polis versteht (VT 2, Lexikon). gen für die Mutterstädte (VT 3, VT 4, D 2).

3 Liste auf, was du aus der Karte D 1 erfahren 8 Bereitet ein Rollenspiel vor: Ihr lebt um
kannst. 630 v. Chr. auf der Insel Thera. Eine Hungers­
not droht. Einige schlagen vor, man solle aus
4 Nenne das Thema der Karte D 2 . Erkläre, jeder Familie einen von zwei Brüdern weg­
wo­rüber diese Karte etwas aussagt. schicken.

5 Vergleiche die beiden Karten D 1 und D 2 .


Erkläre, wodurch sie sich in ihrer Gestaltung
unterscheiden.
4
 1, 3, 4, 6   2, 4, 5, 8   7
3 Drehscheibe Mittelmeer
Griechische Seefahrer und Händler kamen im ganzen Mittelmeerraum herum. Dabei lernten
sie viele Dinge kennen, die sie übernahmen, veränderten und an andere weitergaben.

Geldwirtschaft   Die Griechen und das Meer Das Mittelmeer als Handelsraum
Im 7. Jahrhundert Über Land waren die meisten Wege in Die rasch wachsende Bevölkerung der grie­
v. Chr. verwendeten
Kaufleute in Klein­
Griechenland beschwerlich. Zu Fuß oder chischen Städte verbrauchte mehr Lebens­
asien (heute Türkei) auf dem Rücken eines Maultieres oder mittel, als die Landwirtschaft erzeugen
abgewogenes Edel­ Esels gelangte man auf steinigen Straßen konnte. Daher wurden die Getreideimporte
metall (z. B. Silber) als und über schmale Passwege von einem Tal von den Küsten des Schwarzen Meeres
Zahlungsmittel.
­Daraus schlug man
zum anderen oder zur Küste. Viel leichter und aus Ägypten sehr wichtig. Außerdem
schließlich Münzen war es da, von einer Stadt zur anderen über brauchte man in den Hafenstädten Holz für
mit einem festen das Meer zu fahren. Wer bei Tageslicht in den Schiffbau, das in Griechenland selbst
Wert. Der Tausch­ Küstennähe mit einem kleinen Boot oder durch Raubbau an den Wäldern nicht mehr
handel Ware gegen
Ware wurde nun über­
Schiff unterwegs war, riskierte nicht viel. zu beschaffen war.
flüssig, weil man jede Außerdem konnte er zu Wasser auch große Nach Ägypten fahrende Schiffe ­konnten
Ware mit ihrem Geld­ Lasten mit sich führen. So verlor das Meer in den Sommermonaten die beständig
wert festlegen konnte. für die Griechen bald seinen Schrecken, und wehenden Nordwinde nutzen. So gelangte
Import   
sie wagten sich immer weiter auf das Mittel­ ein Segelschiff in vier Tagen von der Insel
Darunter versteht meer hinaus. Dabei wirkten die Inseln der Rhodos an den Nil. Bis Anfang Oktober
man die Einfuhr von Ägäis wie eine „Landbrücke“ nach Asien. kehrten die Schiffe in ihre Heimathäfen
Gütern in ein Land. Denn die frühen Seefahrer orientierten sich zurück – schwer beladen mit Getreide, aber
Die Ausfuhr von
­Gütern bezeichnet
von Insel zu Insel. Und wenn es möglich auch mit Luxusgütern wie Weihrauch,
man als Export. war, gingen mehrere Schiffe zusammen auf ­Datteln oder Elfenbein. Die Griechen
Reise. bezahlten ihre Importe mit Wein, Olivenöl
und den Erzeugnissen des Handwerks.
Griechische Töpferwaren, Stoffe, Möbel,
Waffen und Geräte aus Metall waren im
A α a Alpha N ν n Ny ganzen Mittelmeerraum gefragt.
B  b Beta   x Xi
Austausch neuer Ideen
Γ γ g Gamma   o Omikron Wenn Handelsschiffe oder Reisende auf
∆ δ d Delta Π π p Pi dem Mittelmeer unterwegs waren, wechsel­
E ε e Epsilon Ρ ρ r Rho ten nicht nur Waren von einem Land zum
Z  z Zeta Σ σ, ς s Sigma
anderen. An Bord waren auch Menschen,
die Ideen mitbrachten. Sie hatten neue
H η e Eta Τ τ t Tau
Bauwerke oder Statuen gesehen, neue Tech­
Θ θ th Theta Υ υ y Ypsilon niken ­kennen gelernt oder die Lösung
I ι i Iota Φ φ ph Phi eines mathematischen Problems erfahren.
K κ k Kappa   ch Chi In der Kunst und Architektur wurden die
Λ λ Ψ ψ
­Griechen für viele Völker des Mittelmeer­
l Lambda ps Psi
raumes zum V ­ orbild. Sie vermittelten den
M µ m My Ω ω o Omega
anderen ­Völkern aber auch zwei Neuerun­
D 1  Das griechische Alphabet. Die Griechen hatten das Alphabet von den gen, die sie selbst an den östlichen Küsten
Phöniziern kennen gelernt. Die Phönizier waren neben den Griechen das des Mittelmeeres kennen gelernt hatten:
­bedeutendste Handelsvolk. Sie lebten am östlichen Mittelmeer, etwa dort, wo
heute der Libanon liegt.
eine Schrift aus Buchstaben und das Geld in
Form von Münzen.
5
Herrschaft und Kultur im
Mittelmeerraum

D 2  Waren für den Athener Markt. Athen war die größte und bedeutendste Stadt in Griechenland. Vor
­ llem Seehandel hatte sie reich und mächtig gemacht. Im Athener Hafen Piräus sah man Kaufleute aus
a
dem ganzen Mittelmeergebiet. Täglich liefen Schiffe ein und aus. Kein Markt war daher so gut mit Waren
aller Länder versorgt wie der Athener Markt.

Aufgaben

1 Nenne Gründe, warum die Griechen schon 4 Vergleiche die Bilderschrift der Ägypter mit
früh Seefahrt betrieben (VT 1). dem Buchstabenalphabet der Griechen.
Nenne die Vorteile der Buchstaben (D 1).
2 Liste in einer Tabelle Waren für den Athener
Markt auf. Ordne die Waren nach ihrem 5 Erkläre den Vorteil der Geldwirtschaft gegen­
Herkunfts­gebiet (D 2 , VT 2). über der Tauschwirtschaft (Lexikon).

3 Zähle Waren auf, die die Griechen in fremde


Länder exportierten (VT 2 , Lexikon).
6
 1, 2, 3   4, 5
4 Wie entstand die erste Demokratie?
Wir leben in Deutschland in einer Demokratie. Alle vier Jahre wählen Bürgerinnen und Bürger
Abgeordnete in den Deutschen Bundestag in Berlin. Die Idee der Demokratie kommt aus
Athen. Aber eigentlich wurde dort mehr gelost als gewählt.

Monarchie   Wer soll herrschen? Bürger konnte mitreden, mitentscheiden und


heißt Alleinherrschaft. Seit Jahrhunderten stritten sich in der Polis mitregieren.
An der Spitze des
Staates steht ein
Athen die Menschen um die Frage: Wer darf Athen war eine Demokratie – freilich nur
­König. entscheiden und wer trägt die Verantwortung für Männer. Frauen, Metöken (Zugewanderte)
für alle? Um 507 v. Chr. war in Athen der und Sklaven wurden öffentlich nicht nach
Oligarchie/­ Adelige Kleisthenes an der Macht. Er wollte ihrer Meinung gefragt.
Aristokratie  
bedeutet die Herr­
dem Volk, dem „demos“, mehr Einfluss ver-
schaft Weniger bzw. schaffen. So wollte er sicher­stellen, dass kein Das Losen hat Grenzen
die Herrschaft der Einzelner alle Macht an sich riss. Kleisthenes Die Athener haben die Macht eines Einzel-
­Adligen. leitete eine Reihe von Reformen ein. nen gefürchtet. Doch es gab ein Amt, das
Demokratie  
man unmöglich verlosen konnte und bei
bedeutet Volks­ Die erste Demokratie dem auch eine Wiederwahl erlaubt sein
herrschaft. Bei dieser Alle Bürger, die sich für die Stadt und das musste: das des Strategen. So nannte man
Regierungsform be­ Zusammenleben interessierten und Zeit den ­Militärbefehlshaber. 30 Jahre lang
stimmen die Bürger
selbst. Die Athener
hatten, versammelten sich auf einem Platz wählten die Athener Perikles als einen ihrer
führten um 500 v. Chr. zur Volksversammlung. Sie hörten sich Vor- An­f ührer im Krieg. Perikles war aber auch
die erste Demokratie schläge an, berieten darüber und stimmten ein glänzender Redner in der Volksver-
ein. am Ende ab. Die Mehrheit entschied! Die sammlung. So verteidigte er die Demokratie
Vorbereitung der Volksversammlungen nicht nur gegen äußere Feinde, sondern
und die Regierungsgeschäfte übernahmen überzeugte die Bürger, Athen zu einer
500 Bürger, die ausgelost wurden. Das war bedeutenden Polis zu entwickeln.
der Rat der 500. Auch die 6000 Richter In einer erfundenen Bildergeschichte
­w urden ausgelost. Bei 40 000 Bürgern und begleiten wir den Athener Bürger Kleon und
einer Amtszeit von einem Jahr hatte jeder seinen ägyptischen Geschäftspartner Eje im
gute Chancen, ein Amt zu bekommen. Jeder Jahr 431 v. Chr. durch die Stadt Athen.

Monarchie Aristokratie Demokratie


Bürger
König ca. 40 000
Adlige mit
Frauen und
Kindern
Bürger
mit Frauen ca. 110 000
und Kindern
(Bauern, Hand- Metöken
werker, Händler) ca. 35 000
Metöken
(Zugewanderte)
Sklaven
ca. 110 000
Sklaven
Bevölkerung Athens
um 700 v. Chr. um 500 v. Chr. um 430 v. Chr.

D 1  Wer soll herrschen: einer, wenige, alle? In Athen veränderte sich die Staatsordnung mehrmals.
Grün unterlegt ist der Teil der Bevölkerung, der jeweils an der Herrschaft beteiligt war.

7
Herrschaft und Kultur im
Mittelmeerraum

Sag mal, Kleon, und ihr bestimmt Pass auf, ich erklär’s dir. In Attika, das ist das ­ 
Na, so einige Tausend sind es
tatsächlich alle zusammen, was im Gebiet unserer Polis Athen, leben etwa 40 000  
doch manchmal. Letztes Jahr,
Staat so läuft? Das ganze Volk? ­Bürger. Für viele ist der Weg nach Athen ganz schön  
als es um die Spartaner ging,
weit. Und wenn einer keine Sklaven hat, die die  
waren es fast 8 000.
Naja – fast. tägliche Arbeit machen, kann er nicht weg. Schon  
gar nicht alle 9 Tage zur Volksversammlung.
Wieso?
Und wie viele
kommen da?

1 2 3

Super, euer Tempel!   Und Perikles? Der scheint ja ein


Teuer? wichtiger Mann zu sein. Hat der
Aber meistens geht es um Kein Problem. Seit dem Krieg gegen die   viel zu sagen?
­ esetze. Und vor 20 Jahren haben
G Perser haben wir viele Poleis als Verbündete. 
wir beschlossen, die ­Akropolis da Im Krieg ist er einer unserer Feld­
Da zweigen wir einfach etwas aus der
oben neu zu bauen. ­Perikles hat herren. Ein toller Heerführer, sag
gemeinsamen Kasse ab. – Zum Ruhm der
uns dazu geraten. ich dir. Und ein Redner – der kann
Götter, verstehst du?!
jeden überzeugen.

4 5 6

Mit so viel Einfluss – will er da nicht Aber wenn ein Reicher Stimmen Siehst du den zerbrochenen Krug dort?
­womöglich irgendwann Alleinherrscher   kauft oder seine Diener bewaffnet, ­Einmal im Jahr werden in der Volksversammlung
werden? dann könnte er doch … die Namen von Verdächtigen in solche Scherben
Keine Chance, Eje. geritzt. Wer die meisten Stimmen hat, muss Attika
Fast alle Ämter werden nur für   Keine Angst, bei uns gibt es verlassen. Für 10 Jahre.
ein Jahr ausgelost. Und bei der   doch das Scherben­gericht. Da soll noch einer sagen:
Verlosung sind alle gleich. Da wird keiner zu mächtig! „Scherben bringen Glück.“

7 8 9

D 2  Kleon und Eje, Geschichtscomic   Hörbuch 1, Track 13

Aufgaben

1 Beschreibe das Schaubild D 1 zur Herrschaft 6 Stelle in einer Tabelle gegenüber: Welchen
in Athen in drei Schritten. Vorteil sahen die Athener in der Herrschafts­
form der Demokratie (VT, D 2)? Welche Nach­
2 Erkläre die Unterschiede der beiden ersten teile siehst du aus heutiger Sicht?
Herrschaftsformen zur Demokratie. Nutze als
Hilfe die Lexikonbegriffe. 7 Im Comic (D 2) erklärt Kleon wichtige Ele­
mente der Demokratie in Athen. Nenne sie.
3 Nenne die Aufgaben des Rats der 500 und
der Volksversammlung (VT 2). 8 Diskutiert in der Klasse, warum die Demo­
kratie ein Fortschritt für das Zusammenleben
4 Erläutere, warum die Athener alle Ämter der Menschen war und ist.
­auslosten (VT 3, D 2).
9 Vergleiche das politische System der
5 Suche Gründe, warum die Athener den ­ riechen mit dem der Ägypter und der
G
­Strategen nicht auslosten (VT 3 ). Römer.
8
 1, 3, 5, 7   2, 4, 6, 9   6, 8, 9
5 Alltagsleben in Athen
Im attischen Hafen Piräus war immer etwas los. Athener und Fremde legten mit ihren
Handels­schiffen an. Sie entluden ihre Waren, die dann auf dem Markt verkauft wurden.

Metöken und Sklaven Mit 18 Jahren begann eine militärische


Menschen aus vielen Orten rings um das Ausbildung. Jeder männliche Bürger Athens
Mittelmeer trafen sich auf dem Markt von musste im Krieg seine Stadt verteidigen.
Athen. Manche Zugereiste sahen, dass sich Mädchen blieben etwa bis zum Alter von
in dieser Stadt gute Geschäfte machen etwa 15 Jahren bei der Mutter und lernten
ließen. Sie blieben als Händler oder Hand- von ihr alle häuslichen Arbeiten. Dann
werker in der Stadt. Diese Fremden wurden ­heirateten sie meistens. Es gab aber auch
„Metöken“ genannt. Sie bezahlten eine Väter, die für ihre Töchter Privatlehrer ins
spezielle Steuer – dafür erhielten sie gewisse Haus holten, damit sie wie die Söhne lesen
Rechte. Das volle Bürgerrecht bekamen sie und schreiben lernten.
jedoch nicht.
Andere fremde Handwerker mussten für
die Athener als rechtlose Sklaven arbeiten. Die Akropolis
Dazu gehörten etwa Schmiede, Schuster  Tempel der Athene Nike (der geflügelten
oder Schneider. Sie erwirtschafteten den Siegesgöttin), darin stand eine Kult­statue
Wohlstand, der es den attischen Bürgern b Propyläen-Torbau (Mitte) mit Seiten­
erlaubte, sich um die Politik zu kümmern. flügeln: dem Empfangsgebäude c und
der kleinen Säulenhalle d
Alltag der Bürger
e Tempel mit Statuen der Athene als
Die Bürger trafen sich zum Beispiel bei
­Göttin der Gesundheit und als
der Volksversammlung, um über Gesetze
Beschützerin der gebärenden Frauen
abzu­stimmen, oder gingen ihren Ämtern
nach. Die Frauen der reichen Bürger f Heiligtum der Athene Ergane
­blieben zu Hause und kümmerten sich um (Göttin der Arbeitenden)
den Haushalt und die Familie. Wenn sie g Chalkothek, hier wurden Weihegaben
ihre Verwandten besuchten oder an einer aufbewahrt
­religiösen Feier teilnahmen, wurden sie von h Bronzestatue der Athene Promachos
einer Sklavin begleitet. Frauen der ä­ rmeren (Athene als Beschützerin der Stadt),
­Bürger und der Bauern mussten hart sie war wohl über neun Meter hoch
­arbeiten. Dafür konnten sie sich freier in der i Heilige Feststraße
Öffentlichkeit bewegen.
j Parthenon-Tempel
Erziehung der Jungen und Mädchen k Roma-Tempel (kam später in der
Die Bürger legten Wert auf die Bildung ihrer römischen Zeit dazu)
Söhne, die sich auf ihre kriegerischen und l Altar des Zeus
politischen Aufgaben vorbereiten sollten. In m Erechtheion, Tempel der Akropolis, auch
den ersten Jahren bezahlte der Vater einen hier wurde Athene ­verehrt
Privatlehrer, der den Kindern ­Schreiben,
n Tempel der Pandrosos, gehörte zum
Lesen und etwas Rechnen beibrachte.
Erechtheion; im Hof stand der heilige
Später mussten die Jungen Gedichte und
Olivenbaum der Athene
Helden­sagen auswendig lernen. Reiche
­Väter schickten ihre Söhne danach zu einem o Haus der „Arrephoren“
„Gymnasion“, wo sie vor allem Sport ­trieben. (Tempel­dienerinnen)
9
Herrschaft und Kultur im 
Mittelmeerraum

m
i
g
n

o
f
h
e
b
d

D 1  Rekonstruktionszeichnung der Akropolis,


5. Jahrhundert v. Chr. Auf dem Burgberg wurde 
die Göttin Athene in verschiedenen Gestalten 
verehrt.

Aufgaben

1 Nenne die unterschiedlichen Rechte der 5 Der junge Alexander steigt mit seinem Vater
Bevölkerungsgruppen in Athen (VT 1, VT 2). die Akropolis hinauf. Sie wollen sich mit
Opfergaben bei der Göttin Athene für ihre
2 Zähle auf, was Jungen und Mädchen in Athen Hilfe bedanken. Schreibe Alexanders Beob­
lernen mussten (VT 3). achtungen und seine Gedanken vom Anstieg
über die Treppe bis zum Opfer an der großen
3 Vergleiche die Art des Unterrichts bei den Athene­Statue auf.
Athenern mit einer heutigen Schule.

4 Vergleiche die Bürgerbeteiligung im Stadt­


staat Athen mit den heutigen politischen Mit­
wirkungsrechten von Bürger in ihrer Stadt.
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1, 2 3, 4, 5
Herrschaft und Kultur im Mittelmeerraum

© Ernst Klett Verlag GmbH, Stuttgart 2013. Alle Rechte vorbehalten. www.klett.de

Autor: Klaus Leinen


Aufgabenautor: Dirk Zorbach
mit Beiträgen von: Maria Heiter

Redaktion: Dr. Rüdiger Fleiter

Textquellenverzeichnis: S. 4, Q1: Zit. nach Herodot, Historien 1-5, übers. von Josef Feix, 2., durchgesehene Aufl.,
(Heimeran) München 1977, S. 150ff. (Bearb. d. Verf.)
Gesamtgestaltung nach Entwürfen von: normaldesign, Jens-Peter Becker, Schwäbisch Gmünd
Illustration: Rudolf Hungreder, Leinfelden-Echterdingen
Piktogramme: Krause Büro, Leipzig
Schaubilder: Sandy Lohß, Chemnitz
Karten: Kartografisches Büro Borleis & Weis, Leipzig
Satz und Layout: Krause Büro, Leipzig
Reproduktion: Meyle & Müller, Medien-Management, Pforzheim