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Prof. R. Pandharipande Funktionentheorie 15.

Dezember 17
J. Schmitt, C. Schießl HS 2017

Musterlösung zu Übungsblatt 13

Aufgabe 1. Zeige Z π
1 √
2 dφ = π 2
−π 1 + sin (φ)
und Z π
sin2 (φ) √
dφ = π(2 − 3).
0 2 + cos(φ)
Lösung. Das erste Integral ist eindeutig von Typ IV, denn da sin periodisch ist, können
wir statt von −π bis π auch von 0 bis 2π integrieren. Wir könnten also direkt die
Substitution aus der Vorlesung anwenden. Die entstehenden Integrale vereinfachen sich
allerdings deutlich, wenn wir verwenden, dass sin2 (φ) = 12 (1 − cos(2φ)) gilt. Wir erhalten
für das zu berechnende Integral
Z 2π
1 Z 2π
2
I= 3 1 dφ = dφ0 .
0 2
− 2 cos(2φ) 0 3 − cos(φ0 )
Hier verwenden wir, dass cos(2φ) sogar periodisch mit Periode π ist zusammen mit der
0
Substitution φ0 = 2φ. Nun können wir mit der Substitution z = eiφ aus der Vorlesung
weitermachen und erhalten
Z
1 dz
I=2 
z+z −1

∂B(0,1) 3− iz
2
Z
2z dz
=2
∂B(0,1) 6z − z − 1 iz
2
Z
1
= −4i dz.
∂B(0,1) 6z − z 2 − 1
√ √
Die (einfachen)
√ Polstellen dieser Funktion liegen bei z = 3 ± 9 − 1 = 3 ± 2 2. Nur
z = 3 − 2 2 liegt in B(0, 1) und wir erhalten mit dem Residuensatz
1 −1 √
I = −4i · 2πiRes( √ √ ; 3 − 2 2)
z − (3 − 2 2) z − (3 + 2 2)
−1 −8π √
= 8π √ √ = √ = 2π.
3 − 2 2 − (3 + 2 2) −4 2
Bei der zweiten zu integrierenden Funktion sieht man leicht, dass
sin2 (2π − φ) sin2 (φ)
= .
2 + cos(2π − φ) 2 + cos(φ)
Durch Substitution zeigt man dann
Z π
sin2 (φ) 1 Z 2π sin2 (φ)
I= dφ = dφ.
0 2 + cos(φ) 2 0 2 + cos(φ)
Nun wenden wir direkt den Formalismus für Integrale vom Typ IV an und sehen
2
z−z −1

1 Z
2i dz
I=  −1

2 ∂B(0,1) 2 + z+z2 iz
(z 2 −1)2
1 Z −4z 2 dz
= 4z+z 2 +1
2i ∂B(0,1) 2z
z
1 Z (z 2 − 1)2
=− dz
4i ∂B(0,1) z 2 (4z + z 2 + 1)

Die zu integrierende Funktion hat einfache Polstellen bei z = −2 ± 3 und eine doppelte
Polstelle bei z = 0. Für die Residuen gilt

(z 2 − 1)2 √ (6 − 4 3)2 √
Res( 2 ; −2 + 3) = √ √ = 2 3
z (4z + z 2 + 1) (7 − 4 3)2 3

und
(z 2 − 1)2 √ d (z 2 − 1)2
Res( ; −2 + 3) = = −4.
z 2 (4z + z 2 + 1) dz 4z + z 2 + 1 z=0

Wir kombinieren und erhalten


1 √ √
I=− 2πi(−4 + 2 3) = π(2 − 3).
4i
Aufgabe 2. Sei U ⊂ C offen und zusammenhängend. Zeige, dass folgende Eigenschaften
äquivalent sind:
(i) Je zwei stetige Kurven γ1 , γ2 : [0, 1] U mit gleichen Anfangs- und Endpunkten
γ1 (0) = γ2 (0), γ1 (1) = γ2 (1) sind homotop relativ zu Anfangs- und Endpunkt.
(ii) Jede geschlossene Kurve γ : [0, 1] U ist homotop zu einer konstanten Kurve
relativ zu γ(0) = γ(1).

Lösung. Die Implikation von (i) nach (ii) ist einfach: für eine geschlossene Kurve γ
wähle γ1 = γ und γ2 = γ(0) die konstante Kurve. Dann haben γ1 , γ2 per Definition die
gleichen Anfangs- und Endpunkte γ(0) = γ(1) und deshalb ist γ1 homotop zu γ2 , relativ
zu dem Punkt γ(0).
Seien nun γ1 , γ2 Kurven mit Anfangspunkt p und Endpunkt q. Definiere die geschlossene
Kurve γ als die Verkettung von γ1 mit γ2− , wobei γ2− (t) = γ2 (1 − t).

γ für 0 ≤ t ≤ 12
1 (2t),
γ(t) =
γ2 (2 − 2t), für 1 ≤ t ≤ 1.
2

Diese Kurve ist stetig und wir haben γ(0) = γ(1) = p sowie γ( 12 ) = q. Nach Voraussetzung
gibt es also eine Homotopie H : [0, 1] × [0, 1] U so dass
• H(0, t) = γ(t) für t ∈ [0, 1],
• H(1, t) = p für t ∈ [0, 1],

2
• H(s, 0) = H(s, 1) = p für t ∈ [0, 1].
Wir verdeutlichen die Situation mit einer Skizze.
p

γ1

q p

γ2

Wir wollen nun eine Homotopie G : [0, 1] × [0, 1] U zwischen γ1 und γ2 finden. Für
Gs (t) = G(s, t) soll also gelten G0 (t) = γ1 (t), G1 (t) = γ2 (t) und Gs (0) = p, Gs (1) = q
für alle s, t ∈ [0, 1]. Sei hierfür σ : [0, 1] [0, 1] × [0, 1] eine stetige Kurve, die genau
den oberen, rechten und unteren Rand von [0, 1] × [0, 1] in dieser Reihenfolge durchläuft
(also σ(0) = (0, 1), σ(1) = (0, 0)). Für s, t ∈ [0, 1] definiere
1
η(s, t) = ηs (t) = t(0, ) + (1 − t)σ(s).
2
Die Funktion η hängt stetig von s, t ab und ηs ist genau die Verbindungslinie von σ(s)
nach (0, 12 ). Die Funktion

G : [0, 1] × [0, 1] U, G = H ◦ η

ist die gesuchte Homotopie. Dies folgt sofort durch Einsetzen in die Definitionen oder
durch Betrachtung des folgenden Bilds

η0 σ(s)
ηs

η1

Vergleicht man dieses Bild mit dem Schema oben, das zeigt, wohin die Punkte in
[0, 1] × [0, 1] unter H abgebildet werden, sieht man H ◦ η0 = γ1 und H ◦ η1 = γ2 sowie
H(ηs (0)) = p und H(ηs (1)) = q.

Aufgabe 3. Zeige, dass jede konvexe Teilmenge von C einfach zusammenhängend ist.

3
Lösung. Sei U ⊂ C konvex und sei γ : [0, 1] U eine geschlossene Kurve in U mit
γ(0) = γ(1) = p. Dann definiert

H : [0, 1] × [0, 1] U, (s, t) sp + (1 − s)γ(t)

eine Homotopie in U zwischen H(0, t) = γ(t) und H(1, t) = p relativ zu p. Wir verwenden,
dass U konvex ist, denn damit hat H Bild in U (die Strecke von p nach γ(t) liegt in U
für alle t ∈ [0, 1]).

Aufgabe 4. Zeige, dass B(0, 1) r {0} nicht einfach zusammenhängend ist.

Lösung. Wir behaupten, dass die geschlossene Kurve


1
γ : [0, 1] B(0, 1) r {0}, γ(t) = e2πit
2
nicht homotop zu der konstanten Kurve η(t) = 12 ist. Verwenden wir, dass Kurvenintegrale
von analytischen Funktionen konstant unter stetiger Homotopie zwischen den Kurven
sind, können wir dies einfach zeigen. Betrachte die Funktion f (z) = 1/z auf B(0, 1) r {0}.
Wären γ und η homotop, dann würde gelten
Z Z
2πi = f (z)dz = f (z)dz = 0,
γ η

ein Widerspruch.

Aufgabe 5. Zeige Z ∞
xn π
m
dx =
0 x +1 m sin((n + 1)/m π)
n
für 0 ≤ n ≤ m − 2. Sei R > 0 und ζ = e2πi/m . Integriere f (z) = zmz +1 über die Strecke γ1
von 0 bis R, den Kreisbogen γ2 von R bis ζR und die Strecke γ3 von ζR nach 0.

γ3 γ2

γ1 R

Nutze die Symmetrie f (ζz) = ζ n f (z).

Lösung. Die drei im Hinweis erwähnten Kurven haben Parametrisierungen γ1 (t) = t,


γ3 (t) = ζ(R − t) für t ∈ [0, R] und γ2 (θ) = Reiθ für θ ∈ [0, 2π
m
]. Mit f (z) = z n /(z m + 1)
sehen wir sofort Z Z R
tn
f (z)dz = dt.
γ1 0 tm + 1

4
Für das Integral über γ3 berechnen wir
Z Z R
(ζ(R − t))n Z R
n sn
f (z)dz = (−ζ)dt = −ζ ζ ds
γ3 0 (ζ(R − t))m + 1 0 sm + 1

mit der Substitution s = R − t. Für R ∞ geht das Integral über γ2 gegen 0, da


m − 2 ≥ n, also f Grad kleiner gleich −2 hat. Wir erhalten also
3 Z Z ∞
f (z)dz = (1 − ζ n+1 )
X
lim f (x)dx.
R ∞
j=1 γj 0

2πi
Das obige Kurvenintegral können wir mit dem Residuensatz berechnen. Für σ = e 2m hat
f genau einfache Polstellen bei zk = σζ k für k = 0, . . . , m − 1. Hiervon liegt genau z0 in
dem von γ1 , γ2 , γ3 umschlossenen Bereich. Wir berechnen

zn z0n z0n+1
Res( m ; z0 ) = =− .
z +1 mz0m−1 m

Hier verwenden wir z0m = −1. Zusammen ergibt sich mit ζ = z02 , dass

Z ∞ z n+1
2πi(− 0m )
f (x)dx =
0 1 − z02n+2
π 2iz0n+1
=−
m 1 − z02n+2
π 2i
= − 1−z2n+2
m n+1 0
z0
π 2i
=
me (n+1)πi/m − e−(n+1)πi/m
π 1
= .
m sin((n + 1)π/m)

? Aufgabe 6. Bestimme die Automorphismengruppe des Kreisring

T = {z ∈ C : r < |z| < R}

für 0 < r < R.