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Seminar – Unionsrecht

19.3.2020

Thema:

Austrittverfahren

Art 50 EUV:

(1)   Jeder Mitgliedstaat kann im Einklang mit seinen verfassungsrechtlichen


Vorschriften beschließen, aus der Union auszutreten.
(2)   Ein Mitgliedstaat, der auszutreten beschließt, teilt dem Europäischen Rat
seine Absicht mit. Auf der Grundlage der Leitlinien des Europäischen Rates
handelt die Union mit diesem Staat ein Abkommen über die Einzelheiten des
Austritts aus und schließt das Abkommen, wobei der Rahmen für die künftigen
Beziehungen dieses Staates zur Union berücksichtigt wird. Das Abkommen wird
nach Artikel 188n Absatz 3 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen
Union ausgehandelt. Es wird vom Rat im Namen der Union geschlossen; der Rat
beschließt mit qualifizierter Mehrheit nach Zustimmung des Europäischen
Parlaments.
(3)   Die Verträge finden auf den betroffenen Staat ab dem Tag des Inkrafttretens
des Austrittsabkommens oder andernfalls zwei Jahre nach der in Absatz 2
genannten Mitteilung keine Anwendung mehr, es sei denn, der Europäische Rat
beschließt im Einvernehmen mit dem betroffenen Mitgliedstaat einstimmig, diese
Frist zu verlängern.
(4)   Für die Zwecke der Absätze 2 und 3 nimmt das Mitglied des Europäischen
Rates und des Rates, das den austretenden Mitgliedstaat vertritt, weder an den
diesen Mitgliedstaat betreffenden Beratungen noch an der entsprechenden
Beschlussfassung des Europäischen Rates oder des Rates teil.
Die qualifizierte Mehrheit bestimmt sich nach Artikel 205 Absatz 3 Buchstabe b
des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union.
(5)   Ein Staat, der aus der Union ausgetreten ist und erneut Mitglied werden
möchte, muss dies nach dem Verfahren des Artikels 49 beantragen.

WAS IST DER ZWECK VON ARTIKEL 50 EUV?

 Der Vertrag über die Europäische Union (EUV) enthält Artikel 50, eine Klausel
zum freiwilligen und einseitigen Austritt eines Mitgliedstaats aus der EU.
 Diese Klausel legt das Austrittsverfahren dar, gemäß dem die EU den Austritt
verhandelt und ein Abkommen mit dem austretenden Mitgliedstaat schließt.
 Für die Verhandlungen ist ein Zeitrahmen von zwei Jahren vorgesehen, sofern
der Europäische Rat nicht einstimmig im Einvernehmen mit dem austretenden
Mitgliedstaat beschließt, diesen Zeitraum zu verlängern.

WICHTIGE ECKPUNKTE

Nach dem Schreiben vom 29. März 2017 aus dem Vereinigten Königreich, mit dem seine
Entscheidung zum Austritt aus der EU („Brexit“) dem Europäischen Rat (Artikel
50) mitgeteilt wurde, bestehend aus den politischen Führern aller EU-Mitgliedstaaten mit

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Ausnahme des Vereinigten Königreichs, wurden die Leitlinien für die Verhandlungen
festgelegt, einschließlich der Positionen und Grundsätze der EU.

Finden Sie die Leitlinien auf:

https://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2017/04/29/euco-brexit-
guidelines/

Am 22. Mai 2017 nahm der Rat (Artikel 50) einen Beschluss zur Ermächtigung zur
Aufnahme von Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich an und zur formellen
Benennung der Kommission als Verhandlungsführer der EU. Er nahm außerdem
erste Verhandlungsrichtlinien an. Diese sahen eine klare Struktur und ein geschlossenes
Vorgehen der EU bei den Verhandlungen vor.

Das Europäische Parlament legte ebenfalls die wichtigsten Grundsätzen und Bedingungen


(„red lines“) für seine Zustimmung zum Austrittsabkommen fest.

Grundsätze

In den Leitlinien sind die Grundsätze der EU dargelegt. Sie galten in gleicher Weise für
die Verhandlungen über einen geordneten Austritt, für etwaige erste vorbereitende
Gespräche über den Rahmen für die künftigen Beziehungens owie für
jedwede Übergangsregelung.

Die Grundsätze umfassten:

 Erhaltung des Vereinigten Königreichs als enger Partner, sobald es die EU


verlassen hat;
 jedes Abkommen mit dem vereinigten Königreich  muss auf einem ausgewogenen
Verhältnis zwischen Rechten und Pflichten beruhen, wobei gleiche
Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen sind;
 Wahrung der Integrität des Binnenmarktes: keine Beteiligung lediglich in
einzelnen Sektoren;
 Die EU wird ihre Autonomie im Hinblick auf ihre Beschlussfassung sowie auf die
Rolle des EUGH bewahren.
 nichts ist vereinbart, solange nicht alles vereinbart ist: einzelne Punkte können
nicht separat geregelt werden („all or nothing” Basis);
 Die EU wird mit einheitlichen Standpunkten in die Verhandlungen gehen.
 keine separaten Verhandlungen zwischen den einzelnen EU-Mitgliedstaaten
und dem Vereinigten Königreich über Angelegenheiten bezüglich des Austritts des
Vereinigten Königreichs  aus der EU.

Verhandlungen in zwei Phasen

Die erste Phase der Verhandlungen begann am 19. Juni 2017, kurz nach den
Parlamentswahlen im Vereinigten Königreich . Nach sechs Verhandlungsrunden, am 8.
Dezember 2017, erzielten die Verhandlungsführer der EU und des Vereinigten
Königreichs einen wichtigen Meilenstein, als sie einen hinreichenden Fortschritt in dieser
Phase der Verhandlungen erreichten. Der gemeinsame Bericht, der von der britischen
Premierministerin Theresa May und dem Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker
gebilligt wurde, enthält feste Zusagen:

 dass die Rechte der EU-Bürger im Vereinigten Königreich  und der Staatsbürger
des Vereinigten Königreichs in der EU geschützt werden;
 dass alle bestehenden, während der Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs
eingegangenen finanziellen Verpflichtungen erfüllt werden;

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 dass auf die einzigartigen Umstände in Irland und Nordirland eingegangen wird.

Die Europäische Kommission nahm ebenfalls am 8. Dezember Empfehlungen an den


Europäischen Rat (Artikel 50) an, in denen sie zu dem Schluss kam, dass in der ersten
Phase der Verhandlungen ausreichende Fortschritte erzielt wurden.

Anschließend bestätigte der Europäische Rat (Artikel 50) am 15. Dezember 2017, dass


ausreichend Fortschritte erzielt worden waren, und die EU-Verhandlungsführer nahmen
Leitlinien an, um die zweite Phase der Verhandlungen über
mögliche Übergangsregelungen und die künftigen Beziehungen einzuleiten.

Am 29. Januar 2018 nahm der Rat (Artikel 50) einen Beachluss zur Ermächtigung der
Verhandlungen über Übergangsregelungen und Verhandlungsrichtlinien an. Am
6. Februar 2018 veröffentlichte die Kommission ihren Vorschlag zu
Übergangsregelungen.

Am 19. März 2018 haben die Verhandlungsführer der EU und des Vereinigten
Königreichs einen weiteren entscheidenden Schritt durch den Abschluss eines
Abkommens über den Entwurf eines Austrittsabkommens getan, das den Fortschritt
festlegte, der in der ersten Phase der Verhandlungen aus rechtlicher Sicht erreicht wurde
und enthielt einen Rechtstext über den Übergangszeitraum.

Am 23. März 2018 nahm der Europäische Rat Leitlinien über den Rahmen für die
künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich an.

Am 19. Juni 2018 veröffentlichten die Verhandlungsführer der EU und des Vereinigten
Königreichs eine gemeinsame Erklärung, in der die weitere Entwicklung der
Verhandlungen über den Entwurf des Austrittsabkommens umrissen wird.

Am 29. Juni und am 17. Oktober überprüfte der Europäische Rat (Artikel 50) den Stand
der Verhandlungen und bekräftigte die Einheit der 27 EU-Länder und die bestehende
einheitliche Verhandlungsstruktur.

Nach 17-monatigen Verhandlungen markierte der Europäische Rat am 25. November


2018 einen entscheidenden Schritt bei den Brexit-Verhandlungen durch die Billigung des
Austrittsabkommens zu den Bedingungen eines ordnungsmäßigen Austritts aus der EU
und durch die Annahme der Politischen Erklürung, mit der der zukünftige Rahmen der
Beziehung zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich an.

Die Regierung des Vereinigten Königreichs hat jedoch nicht die notwendige


parlamentarische Unterstützung erhalten, um das Austrittsabkommen unterzeichnen und
ratifizieren zu können, und ersuchte den Europäischen Rat (Artikel 50), die in Artikel 50
Absatz 3 EUV vorgesehene Frist zu verlängern. Der Europäische Rat (Artikel 50)
gewährte zunächst eine Verlängerung bis zum 12. April 2019 und anschließend eine
weitere Verlängerung bis zum 31. Oktober 2019.

Nach dem Rücktritt von Theresa May als Premierministerin hat die neue Regierung des
Vereinigten Königreichs eine Änderung des dem Austrittsabkommen beigefügten
Protokolls zu Irland und Nordirland vorgeschlagen, was am 25. November 2018 durch
den Europäischen Rat gebilligt wurde. Die Regierung des Vereinigten Königreichs hat
außerdem vorgeschlagen, die am 25. November 2018 verabschiedete Politische
Erklärung zu ändern, um die unterschiedliche Auffassung der neuen Regierung über die
zukünftige Beziehung mit der EU zu berücksichtigen.

Die Gespräche zwischen den Verhandlungsführern der EU und des Vereinigten


Königreichs wurden im September 2019 wieder aufgenommen. Am 17. Oktober 2019
erzielten die Verhandlungsführer eine Einigung über einen geänderten Wortlaut des
Protokolls zu Irland und Nordirland sowie über eine geänderte Politische Erklärung.
Ebenfalls am 17. Oktober 2019 hat der Europäische Rat (Artikel 50) das geänderte

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Austrittsabkommen und die geänderten Wortlaut der Politischen Erklärung gebilligt.

Am 19. Oktober 2019 hat das Vereinigte Königreich eine Verlängerung der Frist bis zum
31. Oktober 2019 beantragt. Um der Vollendung der Ratifizierung des
Austrittsabkommens mehr Zeit zu geben, hat der Europäische Rat (Artikel 50) im
Einvernehmen mit dem Vereinigten Königreich die Entscheidung getroffen, den in Artikel
50 aufgeführten Zeitraum bis zum 31. Januar 2020 zu verlängern.

Das Austrittsabkommen und die Politische Erklärung zum Rahmen für die
künftigen Beziehungen

Das Austrittsabkommen steht in vollem Einklang mit den Grundprinzipien, die in den
Leitlinien des Europäischen Rates (Artikel 50) festgelegt sind, die darauf abzielen,
Rechtssicherheit zu schaffen und die Interessen der EU in Angelegenheiten zu wahren, in
denen der Brexit Unsicherheiten verursacht. Dies betrifft vor allem die Rechte der Bürger,
die Finanzregelung, die Vermeidung einer harten Grenze auf der Insel Irland und ein
starkes Governance-System, das die Rolle des Europäischen Gerichtshofs bei der
Auslegung des EU-Rechts bewahrt.

Ratifizierungsprozess

Am 24. Januar 2020 haben die Europäische Union und das Vereinigte Königreich ein
Austrittsabkommen unterzeichnet. Nach dem Zustimmungsvotum des Europäischen
Parlaments am 29. Januar 2020 und dem Beschluss des Rates über den Abschluss eines
Austrittsabkommens am 30. Januar 2020 ist dieses Austrittsabkommen am 1.
Februar 2020 in Kraft getreten.

Übergangszeitraum

Das Austrittsabkommen sieht einen Übergangszeitraum bis zum 31. Dezember 2020 vor.
Dieser Zeitraum kann einmal verlängert werden, und zwar um ein bzw. zwei Jahre,
allerdings muss diese Entscheidung auf der Grundlage einer gemeinsamen Vereinbarung
zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich bis zum 1. Juli 2020 zu erfolgen.
Während dieses Übergangszeitraums wird das EU-Recht für das Vereinigte Königreich
und im Vereinigten Königreich gelten. Die EU wird das Vereinigte
Königreich behandeln, als ob es ein Mitgliedstaat wäre, mit Ausnahme der
Teilnahme an den EU-Organen und den Verwaltungsstrukturen.

Verhandlungen über die künftige Partnerschaft

Der Übergangszeitraum gibt dem Vereinigten Königreich Zeit für Verhandlungen über die
zukünftige Beziehung zur Europäischen Union.

Seminar Aufgaben:

1. Lesen Sie bitte das Schreiben der Premierminister des Vereinigten


Königreichs vom 29. März 2017 and den Präsidenten des Europäischen
Rates und identifizieren Sie die Wünsche der Britten bzg Brexit.

http://data.consilium.europa.eu/doc/document/XT-20001-2017-INIT/de/pdf

2. Welche waren die Brexitgründen der GB Bevölkerung?

3. Welche sind die Leitlinien des Brexit? Lesen Sie die Leitlinien auf
https://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2017/04/29/euco-
brexit-guidelines/

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